Matthias Apitz
Montag, der 30. Juni 2008

Grosse und kleine Computer — aber bitte nur mit UNIX

Hier der erste Beitrag von Matthias Apitz <guru@UnixArea.de>!

Man soll keine Aufsätze mit Ich anfangen, deshalb dieser Satz vorab. Ich bin Matthias und gern nehme ich die Einladung meines langen Kollegen/Partners Roland Dürre an, und werde in loser Folge ab und an was zu UNIX oder anderen OpenSource Projekten schreiben. Seit mehr als 25 Jahren arbeite ich mit und teilweise für UNIX und denke, dass ich dabei einiges gelernt habe und was ich davon nicht schon wieder vergessen habe, gebe ich gern weiter. Genug der Vorrede, wer mehr über mich wissen will, sei an meine home page verwiesen http://www.UnixArea.de/

Heute soll es um grosse und kleine Computer gehen, wie der Titel sagt. Vor ein paar Tagen habe ich mir den kleinsten Computer gekauft, wenn ich mal meinen programmierbaren Taschenrechner TI 59, den ich als Student hatte, aussen vor lasse. Es ist ein s.g. sub-notebook, Asus eeePC 900: http://en.wikipedia.org/wiki/Eeepc. Das Tolle an dem Teil ist, dass es klein ist, gerade noch gross genug, dass man darauf wirklich schreiben kann und auf dem 9 Zoll display mit 1064×600 Auflösung auch noch was lesen kann. Es hat keine sich drehende Platte, nur eine 20 GByte s.g. SSD (Solid State Disk), das ist ein Speicher, wie man ihn von USB sticks kennt, nur sieht ihn eben das Betriebssystem wie eine normale ATA Festplatte. Und 20 GByte ist viel, auch wenn das Betriebssystem mit allem was man zum Arbeiten, Schreiben und Lesen braucht, davon sich 3 GByte weg nimmt, bleiben immer noch 17. Es wiegt weniger als ein Kilo und gibt keinen Laut von sich (wenn man nicht gerade einen Film oder ein Mp3 darauf abspielt). Und es kommt nicht mit Windows daher, sondern mit einem Linux-derivat der Firma Xandros, dazu später mehr. Es ist wohl auch eine Version mit XP angekündigt, die SSD soll dann dabei nur 12 GByte gross sein, weil ja Microsoft noch bezahlt werden muss (schlechtes hat eben seinen Preis) und der (Kampf-)Preis 400 Euro in Summe nicht übersteigen soll. Das ist, wie gesagt, der kleinste Computer, den ich je mit UNIX hatte, bisher. Darüber später mehr, reden wir erstmal von dem grössten, den ich je „hatte“.

Wer auf meiner home page nach sieht, wird merken, dass ich aus der DDR bin. Ich habe dort an der Universität und später an der Technischen Hochschule in Leipzig gearbeitet, geforscht und auch Kurse gehalten zu Computer Themen und Programmiersprachen. Leute meines Alters und Wissende werden den Begriff CoCom kennen, wer nicht sehe einfach in Wikipedia nach. Kurz, wir sollten damals keine Computer haben und erst recht keine mit UNIX. Das hat nicht funktionieren können und die DDR hat eigene gebaut, einige davon waren Clone (Nachbauten) von IBM (die IBM /360 oder /370 hiess in der DDR ESER 1055 oder 1060) oder von DEC (die PDP-11 war bei uns die SM4-20). Auf denen liefen üblicherweise auch die ge-clonten Betriebssysteme der westlichen Hersteller. Aber eben nur ‚üblicherweise‘. Es gab an den Uni’s der DDR ein gemeinsames Forschungsprojekt auf dieser Hardware das als Source (auch wieder entgegen der CoCom-Liste) verfügbare UNIX verschiedener Versionen zum Laufen zu bringen. Das ist uns auf dem ESER 1055 hervorragend gelungen, es lief dort in einer virtuellen Maschine des SVM als VMX (Virtuell Machine UniX) und wurde in Lehre und Forschung eingesetzt. Der Rechner füllte damals ganze (Computer-) Hallen, die grössten Festplatten waren 29 und 100 MByte groß und sahen aus wie Waschmaschinen, solche Top-Lader. An den RAM (damals Ferrit-Kern Speicher) kann ich mich nicht mehr erinnern, sicher was es aber weniger als 1 GByte. Das war also der grösste Rechner, auf dem ich je UNIX installiert habe, und doch war er kleiner in der Leistung als der eingangs erwähnte eeePC, schwächer als mein kleinster heute.

Damals war es übrigens noch nicht einfach mit dem UNIX. Man musste schon Enthusiast sein und um die kostbare Rechenzeit auf dem Großrechner betteln und bekam die meist nur nachts zugeteilt. Anderes und Fragen der Sicherheitsaspekte beim Zugang zu den heiligen Hallen der Computer lasse ich mal weg. Es gab auch Widerstände, analog den heutigen, von Kollegen und Chefs die meinten ein Betriebssystem kann nur von IBM kommen (oder heute von Microsoft). Aber wir haben uns damals durchgesetzt.

mehr »

Roland Dürre
Sonntag, der 29. Juni 2008

Dr. Klaus-Jürgen Grün als Redner bei InterFace

Aktuellster Redner unserer Vortragsreihe für Partner, Freunde, Kunden und Mitarbeiter der InterFace AG (IF-Forum) war im Juni 2008 Dr. Klaus-Jürgen Grün, ein wichtiger zeitgenössischer Philosoph, IF-Blog-Autor und Leiter des Instituts PhilKoll. Die Terminwahl war nicht glücklich, Klaus-Jürgen musste gegen den Riesen Fussball (Halbfinale EM) und deutsche Partystimmung antreten. Aber Klaus-Jürgen hat mit seiner Philosophie die Herausforderung durch König Fussball glänzend bestanden.

Hier die Kurzfassung seines Vortrages:

Den Nutzen der Philosophie für unsere Unternehmenspraxis gewinnen wir beispielsweise auf dem Feld der Unternehmensethik. Vielen Menschen ist Ethik zwar bekannt, aber sie haben nicht erkannt, was sie eigentlich ist. Zumindest können wir zwischen Gesinnungsethik und Verantwortungsethik unterscheiden. Immanuel Kant stellte Ethik unter ein absolutes Prinzip, dass sich auf die Gesinnung bezieht, mit der ich eine moralische Tat vollbringe.

Anders dagegen eine Verantwortungsethik. In ihr werden die Folgen unseres Handelns zum Maßstab der Ethik. Nur letztere fällt unmittelbar mit der Unternehmenspraxis zusammen. Jeder Unternehmer nuss die zu erwartenden Folgen seines Handelns in ökonomischer, ökologischer und sozialer Hinsicht zum Kriterium seiner Entscheidungen machen. Verantwortungsethik ist keine akademische Spielerei, sondern das Resultat der Praxis.

Ähnlich der Entstehung von Tugenden werden wir nur verantwortungsbewusst, indem wir ständig Verantwortung üben. So wie wir auch nur gute Zuhörer werden, wenn wir uns im Zuhören üben. Verantwortungsethik ist eine Ethik der Praxis.

Alle Bereiche der Praxis machen uns tüchtig durch die Praxis dessen, was wir tun. Berücksichtigen wir dabei, dass der Mensch ein Meister im Nachahmen ist, so erkennen wir, dass die Menschen und die Tätigkeiten, die wir nachahmen, uns diesen auch ähnlich machen. So werden wir tüchtig in den Dingen der Ethik durch das Nachahmen von Vorbildern.

Soweit der Inhalt des Vortrages.

Leider kann so eine Zusammenfassung keinesfalls das Vortragserlebnis wiedergeben. So bin ich überzeugt, das selbst ein mit einer Zeitmaschine aus dem 18. Jahrhundert zur InterFace-Veranstaltung im Juni 2008 „eingezeiteter“ Immanuel Kant uns an diesem Abend nicht mehr hätte mitgeben können. Alle Teilnehmer waren begeistert und haben viele wertvolle Anregungen mit nach Hause genommen. Vielen Dank nochmals an Dr. Klaus-Jürgen Grün.

RMD

Ein Bild der E1-Jugend (97er Jahrgang) des TSV Hohenbrunn-Riemerling im InterFace-Trikot in der Allianzarena am 23.5.08. Leider ist der Christoph (Sohn unseres Storage-Spezialisten Jürgen Rathmer) nicht auf dem Bild, da er im Urlaub war.

Die InterFace AG veranstaltet regelmäßig Vorträge für unsere Mitarbeiter, Kunden und Partner. Ziel ist es, qualifiziertes Wissen zu aktuellen und interdisziplinären Themen aus erster Hand zu erfahren und gemeinsam zu diskutieren. Die Vorträge sind immer ein Erlebnis. Wir hatten schon sehr prominente Referenten zu Gast, aber auch nicht ganz so bekannte haben uns schon begeistert.

Vom letzten firmen-internen Vortrag von Dr. Franz-Josef-Bierbrauer von Osram mit dem Thema „die Zukunft des Lichts“ hat Roland Dürre in einem eigenen Post berichtet.

Gemeinsam mit RISE haben wir im Frühjahr 2008 einen Vortrag von Dr. Simon Grand in München für unsere Kunden und Partner organisiert. Dieser Vortrag war für uns alle ein wertvolle Bereicherung, deshalb hier eine kurzer Bericht zu dieser Veranstaltung.

Getroffen haben wir uns mit den rund 60 Teilnehmern und Gästen im Hotel Munich City Hilton direkt am Gasteig. Der Titel des Vortrages von Dr. Grand lautete:

Innovation als kreative Zerstörung:

Herausforderungen für Unternehmer und Manager

Innovationen fördern die unternehmerische Wertschöpfung und das wirtschaftliche Wachstum. Dieser Zusammenhang prägt meist unhinterfragt die aktuellen Debatten.

Dabei wissen erfahrene Unternehmer und Manager, dass die Identifikation, Realisierung und Durchsetzung innovativer Ideen und die Etablierung neuer Technologien, Businesses und Unternehmen verbunden sind mit fundamentalen Unsicherheiten und Paradoxien:

  • nicht jede innovative Idee ist kommerziell erfolgreich
  • viele neue Ideen werden zunächst als zu unkonventionell und unrealistisch verworfen
  • es ist meist offen, wer von einer neuen Idee finanziell tatsächlich profitiert
  • Innovationen implizieren kreative Zerstörung
  • die Bewertung einer Innovation ist meist kontrovers

RISE Management Research, ein Forschungszentrum an der Universität St. Gallen HSG, untersucht, wie erfolgreiche Unternehmer und Manager produktiv mit diesen Paradoxien umgehen. Der Leiter von RISE, Dr. Simon Grand, stellte uns die Ergebnisse der Innovationsforschung von RISE vor, schilderte die aktuellen Herausforderungen für Unternehmer und Manager und die Übertragung der Erkenntnisse in die Praxis des unternehmerischen Managements.

Im Anschluss entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, die zum Ausklang in kleineren Runden und bei einem zwanglosen Dinner in entspannter Atmosphäre weit in den Abend hinein fortgesetzt wurden.

Wir bedanken uns nochmals bei Dr. Simon Grand und seinen Kollegen von RISE für die gewonnenen tiefen Einsichten und die ausgesprochen spannende Vermittlung im Vortrag.

Unsere Vortragsreihe wird Ende Juni und im 4. Quartal 2008 fortgesetzt, als nächstes steht ein philosophische Thema auf dem Programm und dann kümmern wir uns um das Grundgesetz und den „oil peak“ …

CST

Klaus-Jürgen Grün
Mittwoch, der 25. Juni 2008

Die reinigende Kraft der Sünde

Wir begrüßen in IF-BLog Dr. Klaus-Jürgen Grün (KJG). Hier sein erster Beitrag!

„Es ist in der Welt nicht schwer zu bemerken, daß sich der Mensch am freisten und am völligsten von seinen Gebrechen los und ledig fühlt, wenn er sich die Mängel anderer vergegenwärtigt und sich darüber mit behaglichem Tadel verbreitet.“

Nicht vom gescholtenen Nietzsche stammt diese Einsicht in die Wirkungsmechanismen von Ethik und Moral, sondern vom liebsten Dichter der Deutschen, von Goethe. Freilich wird sie nicht gerne von Goethefreunden zitiert.

Denn Goethes Einsicht wirft ein ungewohntes Licht auf die im Zusammenhang mit der Zumwinkel- und VW-Affäre in diesen Tagen häufig gestellte Frage: Ist das Verhalten vieler deutscher Manager noch moralisch zu rechtfertigen? Aus der Sicht Goethes lautet die Antwort: „Ja“.

Eine „ziemlich angenehme Empfindung“ nennt er es, wenn wir uns durch „Mißbilligung und Mißreden über unsersgleichen“ erhöhen. Nichts gleiche der „behaglichen Selbstgefälligkeit, wenn wir uns zu Richtern der Obern und Vorgesetzten, der Fürsten und Staatsmänner erheben“. Die Übeltäter im Management erweisen nach dieser Auffassung dem moralischen Empfinden im Volk sogar einen großen Dienst. Stellvertretend für unsereins verhalten sie sich unredlich; und stellvertretend für uns stecken sie die Prügel dafür ein. Unser moralisches Empfinden benötigt von Zeit zu Zeit ein Objekt, über das es sich ergießen darf. So stillt es unseren Hunger nach guten Taten, ohne dass wir sie selbst vollbringen müssen.

Die Versuchung, der einige der Reichen, Schönen und Mächtigen des Landes im großen Stil verfallen sind, kennt der einfache Bürger im kleinen Leben nur zu gut – Unehrlichkeit bei der Steuer, Motivationshilfen im Sinne von Bestechung, Lustreisen auf Firmenkosten. Wer ist frei von der Versuchung, Gelegenheiten – wenn sie sich bieten – zu ergreifen? Und welche Lust bleibt demjenigen, der der Versuchung widersteht, und sei es noch so schmerzhaft für ihn? Ihm wird die Katharsis zuteil, das reinigende, angenehme Gefühl, Missbilligung gegenüber dem Menschen aussprechen zu dürfen, dem man in kaum einer Hinsicht das Wasser reichen kann.

„Der Klügere gibt nach“, heißt ein bekanntes Sprichwort, das das Erlebnis der Ohnmacht im Handumdrehen in eine Geste der Herrschaft verwandelt. Welch eine Befriedigung für den Narzissmus bedeutet es, wenn wir aus eigener Schwäche heraus gezwungen sind nachzugeben, aber dem anderen wie uns selbst einreden können, es sei vom Standpunkt vermeintlich höherer Macht – der Macht der Klugheit – aus geschehen.

Die Tabubrecher des Volkes leisten einen Dienst am moralischen Empfinden der Masse, indem sie ihr die Möglichkeit verschaffen, sich gut zu fühlen.

Nicht die Übeltäter allein repräsentieren das Verkehrte unserer Gesellschaft. Es gibt nämliche kein richtiges Leben im falschen, wie Adorno sagte. Das Verkehrte und Falsche liegt schon in der Doppelmoral des Volksempfindens. Von Zeit zu Zeit benötigt es die Sündenböcke, auf die es mit dem moralischen Finger zeigen darf, um sich selbst eine „ziemlich angenehme Empfindung“ zu verschaffen. Im „behaglichen Tadel“, von dem Goethe in Dichtung und Wahrheit spricht, reinigen wir uns von den kleinen Versuchungen und Sünden, indem wir sie den Großen und Mächtigen ausprügeln dürfen.

KJG

Klaus-Jürgen Grün wird ab sofort regelmäßig in IF-Blog veröffentlichen. Vielen Dank!

Einer meiner Freunde ist arbeitslos geworden. Er ist 55 Jahre alt. Er war ein äußerst erfolgreicher Abteilungsleiter in der Pharmaindustrie. Er schrieb über 100 Bewerbungen und erhielt nur Absagen. Er sprach mit verschiedenen Headhuntern, die zunächst sehr interessiert waren, da seine Zeugnisse und Beurteilungen außergewöhnlich gut waren. Aber er wird wohl keinen neuen Job bekommen. Er ist zu alt. Wer die 50 überschritten hat, hat kaum noch Chancen. Allenfalls in einer „ICH-AG“.

Warum ist das so? Ein 55-jähriger hat noch etwa 10 Arbeitsjahre vor sich. Ein 30-jähriger will sicher noch Karriere machen und sieht eventuell sein Unternehmen nur als Sprungbrett für zukünftige Aufgaben in anderen Unternehmen. Wer als junger „Spund“ in ein Unternehmen kommt, der durchläuft zunächst ein recht aufwändiges Traineeprogramm. Es wird in ihn richtig investiert. Aber wie oft habe ich schon erlebt, dass jemand das Traineeprogramm gern über sich ergehen ließ, um sich dann, noch besser ausgebildet, in einem anderen Unternehmen zu bewerben.

Einer der Gründe für diesen Unsinn scheint in der Nichtbeachtung eines Modells der Freiburger Schule zu liegen. Die Freiburger Schule hat ein Modell entworfen, das sicher Grundlage war für Ludwig Ehrhards soziale Marktwirtschaft. Der tatsächliche „Erfinder“ der sozialen Marktwirtschaft war wohl Alfred Müller-Armack, Ludwig Erhard hat sie politisch durchgesetzt. Dieses Modell zeigt die Produktionsfaktoren eines Unternehmens auf.

mehr »

Roland Dürre

2-wochen-news – #5

Liebe Freunde, sehr geehrte Damen und Herren!

Wir haben wieder zwei neue Autoren für IF-Blog gewonnen:

Matthias Apitz

Matthias ist ein bekannter UNIX-Guru (einfach mal in Google nachschauen). In seinen Artikeln wird er zeigen, dass es gar nicht so schwierig und auch frei von jedem Risiko ist, Open Source Software zu nutzen.

Dr. Klaus-Jürgen Grün

Klaus, Jahrgang 1957, ist ein deutscher Philosoph und Privatdozent am Institut für Philosophie der Goethe-Universität Er gilt als Kritiker der akademischen Philosophie. Er zählt zu den Gründern des Ethikverbands der Deutschen Wirtschaft e.V. und ist Vorsitzender des Ronneburger Kreises. Ein großes Anliegen von Klaus-Jürgen Grün ist, die Philosophie aus dem Elfenbeinturm der Universitäten herauszuholen und in die Welt der Wirtschaft, Politik und Kultur einzubringen.

Seit der letzten 2-Wochen-News sind folgende Artikel erschienen:

mathematik in der schule

Ein Gastbeitrag von Dr. Werner Lorbeer zum Schwerpunktthema Bildung, Schule und Lernen. Werner wird ab jetzt auch öfters für uns tätig sein, demnächst will er uns dann auch berichten, war er von Computern in der Schule hält. Da das Thema „Bildung“ für uns und unsere Gesellschaft von herausragender Bedeutung ist, werden wir uns damit in Zukunft im Blog häufiger beschäftigen.

mathematik in der schule – 2

Edwin Ederle hat auch gleich darauf geantwortet.

grundlagen des account managements (teil 2)

Die Fortsetzung der Idm-Serie von Bernhard Findeiss.

globalisierung – chance oder risiko?

Der zweite Beitrag von Ulf Posé. Dieser Beitrag ist ganz schön lang, man muss sich Zeit zum Lesen nehmen – aber es lohnt sich.

die scrum-sprechstunde: der nokia-test

Langsam kommt die Kategorie Scrum ins Rollen …

franz-josef bierbrauer als redner bei interface

InterFace hatte an seinem „Blue Friday“ Dr. Franz-Josef Bierbrauer zu Gast. Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen seiner Rede.

gas und öl gehen aus – kohle und kernkraft sind wieder gefragt!?

Roland Dürre versteht nicht mehr, warum niemand versteht, dass man die Dinge ändern muss …

Und dann haben Chris Wood und Roland Dürre noch 2 „moderne Märchen“ gefunden:

naturwissenschaft und management

und

meine lieblingsgeschichte: vom professor, der die weltformel erfand!

Und schließlich habe ich auch geschafft, wieder einen weitern Teil meines Computer Vintage Vortrags zu überarbeiten:

erfindung des warmstarts oder wie dispol laufen lernte – computer vintage #2

Und last but not least noch ein ganz aktueller Beitrag von mir zum Thema Denunziantentum:

das größte schwein im land …

Unsere Zielsetzung wird immer klarer: Wir wollen der Blog in Deutschland für Entscheider, Organisatoren und IT-ler werden. Die Themen sind Ethik, Bildung, Unternehmensphilosophie, Management, Kollaberatives Arbeiten, Open Source, moderne IT-Themen, Computer Vintage aber auch Ernstes und Lustiges.

Und damit wir unser Ziel erreichen, brauchen wir viele Backlinks! Deshalb die ganz große Bitte an alle unsere Leser: Wenn jemand also einen Server weiß, der geeignet wäre, auf IF-Blog zu verweisen, dann freuen wir uns über einen Link! Die Werkzeuge stehen bereit unter:

http://if-blog.de/webmaster-toolkit/

Und natürlich revanchieren wir uns gerne!

Vielen Dank fürs Lesen und fürs Weiterempfehlen!

Einen gelungenen Start in den Sommer wünscht,

das IF-Blog Team

Roland Dürre
Dienstag, der 24. Juni 2008

Das größte Schwein im Land …

ist der Denunziant.

In der SZ (Süddeutsche Zeitung) vom 23. Juni 2008 im Wirtschaftsteil auf Seite 19 befindet sich ein Artikel „Online-Anzeige geplant – Finanzbehörden hoffen auf anonyme Tippgeber„. Auf der selben Seite ist auch ein Kommentar „Finger weg – Die anonyme Anzeige wegen Steuerhinterziehung ist der falsche Weg„. Leider habe ich die Artikel auf der Online-Ausgabe der SZ nicht gefunden, sonst gäbe es hier selbstverständlich einen Link.

Die Aussage des Artikels ist schlichtweg, das die Finanzbehörden Portale für anonyme Anzeigen zu Steuersündern einrichten wollen. „Die Internet-Seiten sollen so verschlüsselt werden, dass der Tippgeber nicht ausfindig gemacht werden kann“ heißt es da.

Jetzt verstehe ich schon nicht, wie man übers Internet Anonymität garantieren kann, besonders wenn alle E-Mails und Zugriffe auf Web-Seiten protokolliert werden müssen und ausgespäht werden können. Aber das ist ja nur ein technisches Problem und zeigt wie unbedacht solche Aussagen sind. Anonymität würde ja auch dem „Spaßanzeiger“ Tür und Tor öffen. Spaßanzeiger ist übrigens eine neue (Un-)Wortschöpfung von mir und gehört in dieselbe Wortfamilie wie Spaßbieter bei Ebay.

Auch Basisbewegungen wie Attac könnten dann ja so ein Portal einfach zu müllen. Nein, ich glaube viel mehr, dass die garantierte Anonymität auch hier wieder eine sehr relative wäre nach dem Motto: Solange anonym wie (staatlich) erwünscht!

Aber wohin führt das alles? Führen wir jetzt nach Erniedrigung (Hartz IV – ich bin absolut kein Anhänger eines ausufernden Sozialstaates und meine, dass man monetäre Unterstützung durch materielle substituieren sollte, aber ich bin sehr wohl gegen intimste Fragebögen), Überwachung und Ausspähung (Video und Online-Überwachung aber auch gekaufte Daten aus Vaduz) staatlich gefördertes Denunziantentum ein?! Bundesrepublik Deutschland – quo vadis?

Dann denke ich mir, dass wenn wir mehr Demokratie hätten, solche Dinge sehr schnell per Volksentscheid einfach aus der Welt geschafft und verboten werden würden. Und dann denke ich an die Iren, die der „Europa-Verfassung“ per Volksentscheid einen Korb gegeben haben.

Und das verwundert nicht. Bürger, die über so wichtige Dinge wie eine Verfassung – auch wenn sie nur (verniedlicht?) Reformvertrag heißt – abstimmen dürfen, wollen keinen Ratspräsidenten haben, dessen demokratische Legitimation nicht einfach erklärt werden kann. Und wenn wir Europäer anderen Kulturen etwas von Demokratie und Menschenrechten vermitteln wollen, wie können wir dann erklären, dass wir unsere obersten Repräsentanten nicht direkt wählen dürfen – und ich nicht einmal weiß, ob unser Parlament diese auch entlassen kann!

RMD

Wer hat das Radar erfunden? Angeblich gibt es da eine Reihe von Menschen, die dies für sich in Anspruch nehmen können. Auch ein deutscher Professor, der in den 50iger Jahren an der Technischen Hochschule München (heute Technische Universität München) lehrte, gilt als der verkannte Erfinder des Radars. Aber wer hat eigentlich den Warmstart erfunden? So geht meine Computer Vintage Geschichte also jetzt weiter:

Eines unserer hochspannenden Projekte Ende der 70iger Jahre war Dispol und wurde von der Bayerischen Landespolizei gemeinsam mit Siemens entwickelt. Der gesamte Fernschreibverkehr sollte in ein neues IT-basiertes System überführt werden. Dabei sollten echte Fernschreiber genauso am Netz funktionieren wie moderne Datensichtgeräte, für die es auch ein kleines Programm zur Emulation von Fernschreibern gab. Die physischen Fernschreiber waren richtige Bestien. Sie hatten Spannungen von 60 Volt plus/minus und waren schon damals für IT-Verhältnisse unendlich langsam (die Übertragungskapazität war wohl 50 Baud).

mehr »

Hier meine Lieblingsgeschichte:

Es lebte einmal an einer kleinen aber renommierten Universität ein ganz besonders kluger und sehr penibler Professor. Eines Tages fand dieser Professor die Weltformel schlechthin, die alle Fragen der Welt beantwortete. Der Professor entwickelte daraus mit der ihm eigenen Präzision einen einzigartigen Vortrag. Er lud alle Professoren und Studenten der Universtät ein und hielt seinen Vortrag im großen Hörsaal – mit unvorstellbarem Erfolg. Auch ein zweiter Auftritt war grandios. Die Rückmeldungen waren so herausragend, dass der Professor beschloss, die Universität zu verlassen und ab sofort Geld zu verdienen.

Bald zog der Professor von Ort zu Ort, von Saal zu Saal und hielt seinen mittlerweile präzise ausgearbeiteten Vortrag. Trotz astronomisch hoher Eintrittspreise waren seine Vorträge immer ausverkauft. Sein Vortrag war die Sensation weltweit. Nach jedem Vortrag wurde er tosend gefeiert.

So kam unser Professor zu großem Wohlstand, leistete sich eine Luxuslimousine. Da der Professor nicht gerne selbst Auto fuhr, gönnte er sich seinen eigenen Chauffeur. Unser Professor war klein und untersetzt und hatte eine Glatze! Dennoch war er sehr eitel. Deswegen suchte er für diese Position einen kleinen, untersetzten Herrn mit Glatze aus, der ihm erstaunlich ähnlich war und zahlte diesem ein für einen Chauffeur beachtliches Gehalt.

Die beiden zogen durch die Welt, schliefen in den besten Hotels und füllten die größten Säle der Megacities weltweit. Der Professor wurde ein Star und unermesslich reich. Er kaufte sich eine noch größere Limousine und trug nur noch teuerste „Business-Anzüge“. Sein Chauffeur bekam eine adrette Chauffeurs-Uniform mit goldenen Epauletten. Und jeden Abend, wenn der Professor seinen Vortrag hielt, saß der Chauffeur in der letzten Reihe und lauschte andächtig den Worten seines Chefs. Der Professor scheute aber das Fernsehen, er hielt seinen Vortrag nur leibhaftig.

Auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn wurde unser Professor von einer „Midlife Crisis“ erfasst. Er hatte keine Lust mehr, seinen Vortrag zu halten. Just an diesem Tag war für den Abend ein ganz besonderer Auftritt vor den renommiertesten Experten der Welt geplant. Auf dem Weg zum Veranstaltungsort wurde der Professor von Verzweiflung und Trotz übermannt. Er wollte den Vortrag nicht halten. Er befahl seinem Fahrer, den nächsten Autobahnparkplatz anzufahren. Dort erklärte er dem Chauffeur, dass heute Abend nicht er – der Professor – sondern der Chauffeur den Vortrag, den dieser ja jetzt schon Hunderte Male gehört hätte – halten würde.

Der Chauffeur wehrte sich nach Kräften gegen dieses Anliegen. Dem Argument des Professors aber, dass er schließlich des Chauffeures Gehalt zahlen würde und deshalb das Sagen hätte, konnte er sich nicht verschließen. So musste er einwilligen. Designer Anzug und Fahreruniform wurden getauscht, der Professor setzte sich ans Steuer, die neue Rolle gefiel ihm und sogar das Autofahren machte ihm plötzlich wieder Spaß.

Angekommen im Vortragssaal ging der Chauffeur ans Rednerpult, der Professor setzte sich auf den Platz des Chauffeurs in der letzten Reihe und genoss seinen eigenen Vortrag. Und der Chauffeur war so richtig gut. Er hatte den Vortrag schon oft gehört. Er imitierte den Professor glänzend.

Wie so oft war die Kopie besser als das Original. Am Ende des Vortrages toste der Beifall lauter als je zuvor, fast ärgerte sich der Professor, dass der Chauffeur es genauso gut wenn nicht sogar noch besser konnte.

Doch dann passierte es: Ein ernst blickender Mensch aus der zweiten Reihe meldete sich zu Wort:

„Verehrter Herr Professor, ich habe Ihren Vortrag schon mehrfach gehört. Heute war er besonders gut! Mir ist aber auch auf gefallen, dass Sie genau zwei Minuten kürzer gesprochen haben, als Sie das üblicherweise tun. Erlauben Sie mir, die gewonnen zwei Minuten mit dem Stellen einer Frage zu nutzen?“

Der vermeintliche Professor auf dem Podium ließ die Frage jovial zu. Der vermeintliche Chauffeur in der letzten Reihe wurde leichenblass.

Und dann kam sie – die Frage aller Fragen. Die Frage – die alles in Frage stellte! Die Frage, die der Professor schon lange erwartet hatte. Und natürlich hatte er die Antwort schon entwickelt. Und die Beantwortung dieser Frage hätte sein zweiter großer Triumph werden sollen!? Und jetzt stand der dusselige Chauffeur draußen – und ließ die Frage sogar noch zu.

Und die Frage wurde gestellt. Der Professor war verzweifelt. Wie er die letzten Worte des Fragenden hörte, war er in absoluter Weltuntergangstimmung, der Ohnmacht nahe.

Und dann fing der Chauffeur auch noch an zu antworten:

„Lieber Fragesteller, ohne Sie zu kränken möchte ich Ihnen sagen, dass die Beantwortung Ihrer Frage so einfach ist, dass ich dies doch lieber meinem Chauffeur überlassen möchte!“

Und er winkte den Chauffeur aus der letzten Reihe nach vorne.

Danke fürs Lesen!

RMD

P.S.

Mir wurde Geschichte vor bestimmt mehr als 15 Jahren bei einer Management Veranstaltung erzählt. Seitdem ist sie meine Lieblingsgeschichte. Ich weiss nicht, von wem sie ist, konnte dies auch nie recherchieren. Vom Erfinder dieser Geschichte verneige ich mich, ich würde mich freuen, ihn kennen zu lernen!

P.P.S.

Die Geschichte habe ich erzählt, weil ich Mut machen möchte. Sie zeigt, dass es auch in misslichen Situationen immer einen Ausweg gibt!