Dies ist ein ganz besondere aber trotzdem wahre Geschichte. Sie hat mein Leben beeinflusst.

Es war Anfang der 80iger Jahre, ich war frischer Vater und hatte ein süßes Baby zu Hause. Mein Arbeitgeber war die Softlab GmbH. Wir hatten einen „schwarzen Freitag“, an dem 2 große Projekte mit ca. 30 Kollegen unerwartet gestoppt wurden, Deshalb haben wir uns richtig Mühe gegeben, neue Kunden zu gewinnen.

Die Deutsche Bundesbank schrieb ihre „2. Automatisierungsstufe“ aus. Es war eine richtig große Ausschreibung. Softlab bildete gemeinsam mit Kienzle eine Bietergemeinschaft. Kienzle war für die Hardware zuständig, Softlab sollte den Software-Teil übernehmen. Es ging um die informationstechnische Ausstattung der Niederlassungen der Deutschen Bundesbank, die Zentrale war schon „automatisiert“.

Kienzle war ein kleiner IT-Anbieter, der damals zwar einen guten Namen hatte, aber nur in Baden-Württemberg erfolgreich war. Kienzle verfügte über ein innovatives Rechnersystem im oberen Bereich der mittleren Datentechnik (MDT), das technologisch auf Prozessoren von Texas Instruments (TI) basierte. Die Systeme verfügten über einen pfiffigen Kommandointerpreter und ein pragmatisches Cobol-Entwicklungssystem. Eine echte Besonderheit war die skalierbare Mehrprozessor-Architektur, das war damals bei MDT schon etwas besonderes.

Der Geschäftsführer des Bereichs Datensysteme von Kienzle war Dr. Bindels. Dr. Bindels war ein Realist. Sein Ziel war, bei der Ausschreibung einen der vorderen Plätze zu besetzen, um zu zeigen, dass Kienzle auch auf bei großen Projekten ein ernst zunehmender Anbieter sei. Die Favoriten waren IBM, Nixdorff und Siemens, damals bei einer Bundesbehörde eine übermächtige Konkurrenz. Softlab-seitig wurde ich für die Erstellung des Angebots eingesetzt. Als ewiger Optimist wollte ich natürlich gewinnen.

Eine (negative) Folge des Projektes für mich waren 6 Wochen Aufenthalt von Montag bis Freitag in Villingen-Schwennigen. Das war mir als junger Vater gar nicht so recht.

Zwei für die Geschichte nicht wichtige aber doch erwähnenswerte Ereignisse am Rande des Projektes sind mir haften geblieben.

Einmal gab es ein Treffen der Konkurrenten, da waren wir auch dabei. Lustig war, dass die VB’s (Vertriebsbeauftragten) unserer Konkurrenz von IBM, Nixdorf und Siemens ihre Arbeitgeber gerade zyklisch gewechselt hatten und bei dieser Ausschreibung erstmals für ihre neue Arbeitgeber tätig waren.

Und auf der Hinfahrt nach Villingen-Schwennigen ging mir der Bremszylinder an meinem ziemlich neuen, roten VW Passat Diesel kaputt. Das war nicht so lustig, aber es ist nichts passiert. Auf Höhe Dasing war eine VW-Werkstatt und hat das Problem schnell und auf Kulanz gelöst.

Aber das war nicht wichtig, wichtig war nur, wie wir die Ausschreibung gewinnen konnten. Es gab nur eine Lösung: Die Last in den einzelnen Geschäftsstellen war sehr unterschiedlich. Unser (Kienzles) Wettbewerbsvorteil war die Skalierbarkeit unseres Systems. Wir konnten das unterschiedlich Lastprofil in den Filialen mit einer Produktlinie abdecken!

In gut vier Wochen entstand ein dickes Angebot und eine verblüffend perfekte Merge/Sort-Anwendung über Rechner- und Plattengrenzen hinweg, die ein freiberuflicher Kollege zauberte. Und dann hatten wir es tatsächlich geschafft – wir waren unter den letzten Drei! Einen der großen Favoriten, ich glaube es war IBM, hatten wir hinter uns gelassen. Wir bereiteten uns auf die finale Präsentation vor.

Bei Softlab gab es eine Abteilungssekretärin, die wunderschön malen konnte. Wir versuchten mit einer einfachen und witzigen Botschaft den Vorteil der Skalierbarkeit aufzuzeigen. Es entstand ein Flipchart mit vier Bildern: Das erste zeigte einen römischen Kampfwagen mit einem Pferd, das zweite einen eleganten Zweispänner, das dritte eine Postkutsche mit vier Pferden und last-not-least war ein Oktoberfestwagen mit 6 Pferden dran. Die Botschaft war klar. Alles wurde wunderschön nach Vorlagen handgemalt (und das ohne Google und Internet), wir pinselten 2 volle Tage an dem Flipchart. So etwas ging damals bei Softlab!

Die vier Bilder wurden sorgfältig mit weißem Papier abgedeckt, das leicht entfernt werden konnte. Das Flipchart wurde achtsam nach Villingen-Schwenningen gebracht, die finale Präsentation konnte kommen.

Dann war es soweit. Unsere verbliebenen Konkurrenten – ich meine es waren Siemens und Nixdorf – präsentierten lange Foliensätze auf dem Overheadprojektor. Und sie überschritten die Ihnen zugeteilte Zeit deutlich. Damals ärgerte ich mich noch über so etwas.

Und dann waren wir dran, der chancenlose Außenseiter. Ich hatte einen Vortrag über die Software-technologische Überlegenheit von Softlab von meinem Chef dabei. Den wollte ich zuerst halten, dann die Demo präsentieren und am Schluss mein Plakat enthüllen. Spontan habe ich umgestellt. Den Vortrag habe ich weggelassen. Nach dem Motto „In der Kürze liegt die Würze“ und „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ habe ich mein Bild enthüllt und die Vorteile von skalierbarer Mehrprozessortechnologie beschrieben. Und dann haben wir eine Superdemo hingelegt und uns bei den Zuhörern für ihr technologisches Verständnis bedankt. Nach gut 30 Minuten waren wir fertig. So einfach war es damals, Aufträge zu gewinnen 🙂 !

Die Geschichte hatte ein paar Folgen:

Unser Gewinn war eine Sensation und Kienzle veranstaltete eine große Siegesfeier. Dr. Bindels hielt eine überzeugende Rede. Ausführlich begründete er, dass alle anderen Hersteller entweder nur horizontale oder vertikale Lösungen beherrschen würden. Nur das Gespann Kienzle-Softlab könne beides. Das als Festschmaus gedachte Spanferkel kam zu früh – die Rede war noch nicht zu Ende – und wurde mir gegenüber abgestellt. Und dann hat es mich mit ganz traurigen Augen angesehen. Da kleine Ferkel durchaus Ähnlichkeiten mit kleinen Menschen haben, musste ich an mein Baby zu Hause denken und habe an diesem Abend beschlossen, in Zukunft mein Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Projektleiter für das gewonnene Projekt wurde mein Freund Dr. Hanns-Martin Meyer, wir beide hatten kurz vorher bei Softlab an einem Projekt für die Deutsche Bundespost (unser Kunde war SEL in Stuttgart, es ging um Bildschirmtext) als 2-er-Team intensiv und nach unser beider Meinung mit mustergültigem Ergebnis zusammen gearbeitet. Hanns-Martin wurde später Geschäftsführer bei Telenorma (die wollten auch IT-Systeme herstellen und verkaufen) und noch später Vorstand bei IXOS.

Die Fachanwender der Deutschen Bundesbank wurden mit einer intensiven (und teueren) Ausbildung in die Lage gebracht, ihre komplexen Fachprozesse mit SE/T/E/C (die geschütze SW_Entwicklungsmethode von Softlab) zu beschreiben. Und daran hat Softlab ziemlich gut verdient.

Und dann gibt es so ein Gerücht, dass nach einem Jahr ein LKW im Auftrag der Bundesbank viele Zentner Papier – das fachliche Pflichtenheft – bei Softlab abgeliefert und die Kollegen dort zur Verzweiflung gebracht hat. Ob dies wahr ist und ob das Projekt je etwas wurde, weiß ich nicht, auch nicht, ob jemals Kienzle-Systeme bei der Bundesbank installiert worden sind. Ich habe Softlab zeitnah verlassen und meinen „Spanferkel-Vorsatz“ umgesetzt.

RMD

Die Geschichte ist nach bestem Wissen und gewissen wiedergegeben. Alle Details sind aus meiner Erinnerung. Ungenauigkeiten oder Fehler bitte ich zu entschuldigen und korrigiere diese selbstverständlich gerne.

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Porto Ageranos – 28. August

„Nur“ 1500 km bin ich weg von zu Hause. Früher war das eine Weltreise, nur wenige Menschen – meistens mit ganz außergewöhnlichen Eigenschaften oder Berufen – hatten die Möglichkeit, so eine Reise zu machen. Ich weiß mein Glück zu schätzen und bin nicht sicher, ob es so bleiben wird.

Auf unserem Campingplatz fühlen wir uns zu Hause. Er hat zwei Sanitärgebäude, die sind die ganze Nacht beleuchtet. Weiter gibt es eine kleine Anzahl von Laternen. Am Abend werden diese eingeschaltet und spenden dezent Licht. Ausgeschaltet werden sie recht willkürlich, mal schon vor Mitternacht, dann wieder leuchten sie noch am nächsten Morgen.

Heute Nacht war vom Mond nicht viel zu sehen. Seit Tagen ist er abnehmend, am frühen Morgen geht er auf um am Vormittag wieder zu verschwinden. Wir freuen uns schon auf den bald wieder zunehmenden Mond und zwei Vollmond-Nächte im Mittelmeer auf dem Weg zurück nach Venedig per Schiff.

Die Laternen am Platz gehen früh aus. Es ist finstere Nacht. Nein, der Himmel leuchtet durch die Bäume. Am Strand sehen wir ein Himmelszelt, eng besetzt mit Diamanten, die in einer unfassbaren Intensität strahlen und um die Wette funkeln. Hinter den bekannten Sternbildern schimmern und leuchten Sternenfelder und Milchstrassen.

Immer wieder, wenn ich das erlebe, kann ich es nicht glauben. Ich bin ganz allein, höre meinen Atem und fühle, was „Spiritualität“ sein könnte. Ich denke an den „homo sapiens“, der vor 2000 und mehr Jahren unter diesem Himmel lebte und Mathematik, Astronomie und Philosophie entwickelte. Und wahrscheinlich hatten wir beide eine große Gemeinsamkeit, er war von diesem Himmel genauso ergriffen wie ich es bin.

Und der große John Lennon kommt mir in den Sinn, der für mich und viele Menschen meiner Generation ganz wichtig war. Ein Philosoph, der sang. Seine Lieder hatten Titel wie

„Give peace a chance“ oder „Imagine“.

Aber heute Nacht höre ich „Instant Karma“:

„You all will shine on, like the stars, the moon and the sun!“

RMD

Porto Ageranos – 27. August

Hilfe – der Urlaub ist in Gefahr. Web 2, Blogger an sich wie auch meine Blog-Aktivitäten werden zum Feindbild! Althumanistische und konservativ naturwissenschaftliche Elemente meiner Familie greifen „die Unsitte, im WEB ein Tagebuch zu führen“ pauschal und mich ganz konkret an. Wegen meines Glaubens an WEB 2 werde ich auf das Ärgste beschimpft und verfolgt!

Folgende Vorwürfe (Originalton) bekomme ich zu hören:

Ich wäre doch schon zu alt, um pubertäres Zeug zu „SABBERN“. Zu sehr würde ich meinem persönlichem Exhibitionismus frönen. Mein Geschwafel wäre die Hölle – dies auf der Ebene eines Ersten-Klasse-Poesie-Albums oder einer schlechten Schülerzeitung. Die von mir betriebene intellektuelle Onanie wäre nicht auszuhalten. Der dabei von mir erzeugte geistige Dünnschiss (Diarrhoe) wäre nicht mehr zu ertragen, da mein Ausfluss sowohl „Dünn“ wie „Schiss“ wäre. Ich würde mich auf dem Niveau der BILD-Zeitung bewegen. Zu dem wäre ich weder der Rechtschreibung fähig noch einer grammatikalisch korrekten Sprache mächtig. Allgemein wäre es eine grauenhafte Unsitte, Blogs zu schreiben. Bloggen sollte man besser als Blöken bezeichnen usw.

So die Kritk von Teilen der von mir geliebten Familie! Nur die betriebswirtschaftliche Fraktion hält zu mir.

Ich versuche mich zu verteidigen (Grundrecht auf freie Meinungsäußerung, Pressefreiheit, Konkurrenz für die professionellen und vom Kommerz gesteuerten Medien …). Aber das alles hilft nicht. So nehme ich die Vorwürfe an! Zugegeben, ich bin ein Exhibitionist und versuche gerne andere Menschen zum Nachdenken zu bewegen. Vielleicht bin ich im innersten ein kleiner Missionar (obwohl ich genau das nicht sein will).

Gut – ich war nie besonders gut in Deutsch. In der Schule war ich tatsächlich in naturwissenschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Fächern deutlich besser. Immer hatte ich den Eindruck, dass die Deutschlehrer meine Kreativität nicht genug würdigen würde, bzw. mich aufgrund ihres beschränkten Horizonts gar nicht verstehen kann.

Später hat mir die Programmierung in Sprachen wie Assembler oder C mehr Spaß gemacht als die Kommentierung der entstandenen Programme in Deutsch. Auf meine Befähigung zur korrekten Rechtschreibung war ich dagegen stolz – bis zur Rechtschreibreform. Seitdem verlasse mich zu 100 % auf die diversen Textprogramme.

Aber das mit der Grammatik trifft mich. In der Tat habe ich die Regeln der Grammatik verlernt und nutze sie eher intuitiv. Andererseits stelle ich fest, dass es nicht nur mir so geht. Was ich so höre und lese (auch von der professionellen Konkurrenz) lässt mir die Haare zu Berge stehen.

Und dann erinnere ich mich an unsere letzte Reise durch die Südsee gemeinsam mit Freunden. Ein exzellenter Lektor auf der MS EUROPA hat uns mit Pidgeon-Englisch und Pidgeon-Deutsch (beides wird noch auf einigen Inseln auf der anderen Seite der Welt gesprochen) vertraut gemacht. Und dann kommt mir der Gedanke, ob wir nicht alle und besonders die Jungen unter uns quasi an einem Riesen-Open Source Projekt arbeiten mit dem Ziel PIDGEON-DEUTSCH II gefolgt von EURO-PIDGEON I zu entwickeln.

Ein Beispiel: Wir sitzen gestern in einer Taverne in Drospigi, ca. 420 Meter hoch, beim Abendessen und genießen die wundervolle Aussicht auf die Berge und die Meeresbuchten. Die „Kinder“ sprechen über ähnlich hohe Hochhäuser und finden es lächerlich, dass die Städte mit dem Aufsetzen von Antennen darum „battlen“, wer das höchste Gebäude der Welt besitzt. Ich habe natürlich betteln verstanden und „stand auf dem Schlauch“. Und das ist kein Einzelfall. Laufend höre ich gerade auch in Managementkreisen verballhorntes und eingedeutschtes Englisch (Mobst Du noch oder disst Du schon?).

Die Dämme sind gebrochen. Identitätsfördernde Dialekte, die zugunsten der Hochsprache zurückgedrängt wurden, sind wieder gern gesehen. Das finde ich positiv. Multi- und Eurokultur, soziales Gefälle und Amerikanisierung schaffen neue Sprachwelten und Formen. Wie ich das Bewerten soll, weiß ich nicht. Zentrale Kommunikationsformen wie SMS, E-Mails oder Chats (!) ruinieren die sprachlichen Umgangsformen. Das finde ich (noch?) grauenhaft, aber wahrscheinlich werde ich mich auch daran gewöhnen..

Schulen und Universitäten haben den Kampf gegen die Verwilderung der Sprache (oder sollte man besser Dynamisierung sagen?) aufgegeben. Vorlesungen und Business Communication machen wir in Englisch, da werden wir uns zumindest unserer Fehler nicht so bewusst. Es gibt kein zurück mehr!

Erstaunlich auf was für Gedanken man im Land der Philosophen so kommt …

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 27. August 2008

RMD Urlaubstagebuch 2008 #9 Die Müllberge

Githio – 27. August

Auch das Paradies hat Schattenseiten. Auf den Peloponnes wirft neben den Bränden der Müll seinen großen Schatten. Als Radfahrer ist man für Müll (wahrscheinlich wie auch als Wanderer) besonders sensibel. Und in der Tat: Auf allen unseren Wegen begegnen uns massiv die Überbleibsel unserer Wohlstandsgesellschaft: Flaschen, Dosen, Verpackungen aller Art, gebrauchte Windeln – alles, was man sich nur vorstellen kann.

Man kann den Müll in drei Klassen kategorisieren: Den „normalen“ Müll am Straßenrand, illegale Deponien und organisierte Müllplätze.

Der normale Müll am Straßenrand entsteht durch die emsige Fleißarbeit vor allem der Autofahrer. Alles was im Auto stört, wird raus geschmissen, alles was vor dem Auto stört, überfahren. Beeindruckend ist z.B. die Anzahl von halb vollen Wasserflaschen, die man auf nur wenigen Metern findet. Aber auch tote Hunde (lebendig der Schrecken von uns Radlern), Katzen, Igel und gelegentlich eine platte Schlange runden das Bild ab.

Illegale Deponien findet man an meistens an landschaftlich besonders schönen Stellen. Und da gibt es dann alles – wahrscheinlich die Fundstellen für Historiker in 1000 Jahren.

Besonders beeindruckend sind aber die „organisierten Müllplätze“. Jedes Dorf, jede Ansammlung von ein paar Häusern, jedes Hotel und jeder Zeltplatz verfügt über so einen. Und hier türmt sich der Unrat in unvorstellbaren Mengen und stinkt nicht nur zum Himmel. Gelegentlich kommt dann auch ein LKW und räumt ihn komplett ab, nach meinem Eindruck passiert das garantiert nicht monatlich sondern in eher größeren Zeiträumen.

Der Müll besteht vor allem aus Verpackungen, die man anscheinend in der neuen Zivilisation braucht. Außer bei landwirtschaftlichen Produkten und Brot herrscht ein unbeschreiblicher Verpackungsoverkill. Und die freundliche und hilfsbereite Dame an der Kasse im Supermarkt packt den Einkauf gleich auch noch in eine Unzahl von Plastiktüten ein – die dann auch wieder als Mülltüten dringend benötigt werden.

Da erinnere ich mich an meine Kindheit, da es zu den Kindespflichten gehörte, jeden Tag die Milch in der 1,5-Literkanne vom ca. 1 km entfernten Milchladen zu holen. Man bekam eine Mark und jede Menge Ärger, wenn man die Milch verschüttete oder das Wechselgeld verschusselte. Aber der Weg zum Milchladen war ein Teil unserer Freiheit und erinnert mich jetzt wieder an meine einsame Radfahrt nach Githio ins Internet-Café.

So schließt sich der Kreis und so ändern sich die Zeiten!

RMD

Githio – 26. August

Fast hatten wir sie vermisst. Und jetzt sind sie wieder da. Zwei gelbe zweimotorige Löschflugzeuge kommen laufend in unserer Bucht, gehen scharf nach unten, nehmen Wasser auf und fliegen mit ihrer schweren Last eine steile Rechtskurve zurück in die Berge. Begleitet werden Sie von einem großen Hubschrauber (wohl russischer Bauart) mit einer Wasserbombe am langen Seil. Auch aus der Ferne macht der Hubschrauber einen riesigen Eindruck, die Wasserbombe sieht dann aus wie ein Fingerhut.

Erinnerungen an das letzte Jahr werden wach. In jedem Supermarkt stand ein Fernseher mit permanenter Life-Reportage von den verschiedenen Bränden. Diesmal ist noch alles ruhig. Wir wissen nicht, wo es brennt. Weit weg kann es nicht sein, denn die Flieger kommen schnell zurück. Und wenn sie nicht mehr kommen, muß das nicht heißen, das der Brand gelöscht oder Kontrolle gebracht wurde. Die Flieger werden dann nur woanders dringender benötigt. Sommerlicher Alltag in Griechenland.

Auch sonst ist motortechnisch gesehen viel los.

In der Luft zieht die griechische Luftwaffe mit beeindruckende Manövern ihre Kreise. Mal im Formationsflug, einzeln im Tiefflug über einen Berg und dann wieder hoch hinauf. Üben sie den Verteidigungsfall gegen ihren NATO-Verbündeten Türkei oder bereiten sie sich auf einen Friedenseinsatz in Afghanistan vor?

Auf dem Meer werden die Fischerboote der Nacht am Vormittag von flinken FUN-Booten abgelöst, die kleine Paradies-Strände ansteuern oder Wasserski-Fahrer ziehen. Auf dem Land fahren dicke Jungs schwere Motorräder, Jugendliche vergnügen sich am Strand mit Monster-Quads. Und auch in Griechenland scheint das Motto zu herrschen: „Ist der Weg länger als der Karren, so wird gefahren!“. Es sind zwar kaum Touristen da, aber jeder bemüht sich, Sprit zu verbrennen, was das Zeug hält.

RMD

Githio – 25. August

Unser Zeltplatz hat zwei Nachteile: Bei „falschem Wind“ gibt es Mücken, und – wenn man das Haar in der Suppe sucht – die Sonne geht direkt vor dem Zelt im Osten auf – aber leider ist da jenseits des Meeres ein wenig Land im Wege. Also kein „Sonnenaufgang auf See“. Man kann nicht alles haben.

Der Sonnenaufgang heute Morgen war trotzdem wunderschön. Nach einem kräftigen Frühstück mit Ei und Speck geht es mit dem Fahrrad nach Githio ins Internet-Café. Barbara und Sophie begleiten mich auf dem Hinweg (zum Shopping?).

Im Internet-Café schaue ich mir die Kundschaft genau an. Viel ist nicht los. Ein paar Kids spielen im Internet – 1 Euro die Stunde. Ist ja eigentlich ganz billig. Wir haben 1966 für drei mal Flippern bzw. Kickern ein Fuffzgerl (Fünfzig Pfennig) in den Münzautomat stecken müssen, Damals waren Fünzig Pfennig noch richtig viel und bald haben die drei Spiele dann eine ganze Mark gekostet.

So einen richtig fiesen Hacker sehe ich nirgends. Ich beginne ein Gespräch mit dem Chef. Er ist ganz nett, aber so richtig viel Ahnung von Computern hat er auch nicht. Ist irgendwie ganz tröstlich. Er steckt die Teile halt zusammen und dann funktionieren sie. Und wenn nicht, dann probiert er halt rum, bis es funktioniert. Oder auch nicht. Er kommt mir vor wie Alexis Zorbas. Eine hübsche Griechin (braune Augen) bringt mir eine Cola (mit ganz viel Eis). Und ich tauche ein in die Welt des Internets.

Lese meine E-Mails. Und natürlich Fußball vom Wochenende. Die Bayern haben unter Klinsmann wieder nicht gewonnen und die 60iger sind Tabellenletzter. Nur die tapferen Hachinger haben der Fortuna in Düsseldorf getrotzt. Lauter gute Nachrichten! Stelle dann meinen neuesten Artikel in IF-Blog ein, der Dank geht an Herrn Finsterbusch von der FAZ, er hat mich inspiriert.

Nach 2 Stunden zahle ich 4,50 EURO, grüße noch schnell meine Freunde draußen in der Welt und zurück geht es mit dem Fahrrad nach Porto Ageranos.

Der Planet sticht, das Thermometer zeigt heute aber nur 36 Grad. Auf dem Rückweg besorge ich noch 2 kalte Mythos. Gut 14 km geht es durch eine Landschaft wie in Nordafrika. Sie erinnert mich an Albert Camus. Sein Werk „Der Fremde“ hat mich in meiner Jugend tief bewegt. Zurzeit lese ich Paul Coelho „Veronika beschließt zu sterben“. Bitter und weise. Kann aber mit Camus nicht mithalten.

Barbara und Sophie sind schon am Zeltplatz. Ein kurzer „Schwimm“ im Mittelmeer und ich lasse mir das Mythos schmecken. Morgen kommen Sabine und Maximilian. Von der Autofahrt nach Venedig habe ich ein Lied im Ohr mit dem Refrain „So soll es sein, so kann es bleiben, so habe ich es mir gewünscht“ von Ich+Ich. Sehe ich genauso!

RMD

Matthias Apitz
Dienstag, der 26. August 2008

Die FFUG i.G.

Im Süden von München gibt es die Forschungsbrauerei. Dort braut der Chef noch selber, das vielgerühmte ‚Sant Jacobus Blonder Bock‘ und viele meiner Bekannten, auch Roland von IF blog, werden ihn und sein Bier kennen und schätzen.

Abundan sitze ich dort in einer ruhigen Ecke oder im Biergarten bei Regen unter einem Dach und hoffe dass die Raucher nicht alle naselang zum Rauchen oder, noch schlimmer, Yuppies oder Mädels (letztere sehen wenigstens noch nett aus) zum Telefonieren raus kommen, und lese oder schreibe — auf meinem vor ein paar Wochen hier im IF blog erwähnten eeePC.

Ein Bekannter von mir, Ralf, den ich seit ein paar Jahren und eigentlich nur von der Forschung kenne, kam des öfteren interessiert an meinen Tisch und fragte, was das denn fuer ein mini-laptop sei und was fuer ein exotischer Desktop und Betriebssystem. An seinen Rückfragen auf meine anfangs sicher eher mürrischen Antworten, mürrisch weil mir die gleichen Fragen dort des öfteren Leute stellen, und nach der Antwort: «FreeBSD mit KDE 3.5.8», dann fragen, ob das auch von Microsoft käme usw., also an seinen Rückfragen merkte ich bald, dass er schon mal Linux benutzt hatte, und schnell waren wir bei Feinheiten, wo und wie das und dies bei Linux wäre und wie bei meinem eeePC mit FreeBSD. Er meinte damals, dass ihn das interessieren täte und ich bot ihm an, wenn es ihm ernst wäre, könnte er auf meine Hilfe zählen.

Ein paar Wochen später winkte er mir von einem der Nachbartische mit einen eeePC zu (wirklich er winkte damit, wie um zu sagen «sieh ich hab‘ ihn auch»), natuerlich hatte er ihn mit XP und mit 4 GByte SSD weniger kaufen müssen, weil ja Microsoft’s Muell bezahlt werden musste. Ich habe Wort gehalten und ihm auf einem USB stick (fast) alles draufgepackt, was er brauchte zum booten und zum Installieren von FreeBSD. Das ‚fast‘ meint, dass ich leider etwas vergessen hatte. Ralf wusste sich aber zu helfen und hat die files aus dem Internet geladen. Im wesentlichen ist er einfach meiner Installationsanleitung in http://www.unixarea.de/installEeePC.txt gefolgt und ein paar Tage später kamen die ersten mails von ihm über ’success‘, und weiteren Fragen zu ein paar offenen Kleinigkeiten.

Seitdem haben wir uns noch zweimal, eher zufällig, in der Forschung getroffen und sassen dann beide mit unseren eeePC’s am gleichen Tisch und tauschten Einzelheiten, Meinungen und Ideen aus. Ich habe dabei gelernt, dass Ralf zusammen mit einer ehemaligen Arbeitskollegin und derem Freund einen blog http://www.blog-ums-bier.de/ fuehrt und ich war echt beeindruckt von dem was er da noch zusätzlich auf diesem Winzling dafuer installiert hat: MySQL DB server, Apache und eine blogging engine. Der eeePC ist fuer ihn wie ein kleiner server und er redigiert darin seinen blog ueber die Biersorten und -kulturen in Bayern und woanders. Wahnsinn!

Er schrieb mir mal in einer mail, dass er vorher Linux kannte (klar) und dass er von der Ordnung und der Art und Weise wie in FreeBSD alles dokumentiert sei, echt überrascht wäre. Ich schrieb ihm zurück, dass das nun eben genau der Unterschied wäre: FreeBSD ist das bessere freie UNIX, und gemacht von Spezialisten fuer Spezialisten, aber eben nicht nur fuer Spezialisten sondern auch fuer alle.

Ich habe Ralf animiert, seine dabei gemachten Erfahrungen in einem eigenen Artikel zu beschreiben und bin also auf seinen Kommentar gespannt. „FFUG i.G.“ lautete der Titel dieses Beitrag. FFUG steht für „FreeBSD Forschung User Group“. Derzeit mehr ein Spass und ein Wortspiel mit ‚erforschen‘ und der Forschungsbrauerei :-), aber evtl. sollten wir das ausbauen, publizieren, verbreitern und dazu z.B. einen Stammtisch in der Forschung aufmachen um noch mehr Leute zu infiltrieren. Lust? Mal Lust auf was neues?

Matthias

Am Samstag, den 23. August 2008 lese ich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Wirtschaftsteil auf der Seite „Die Lounge“ einen Artikel von Stephan Finsterbusch mit dem Titel „Der Verlust der Privatsphäre“. Im Anreisser steht:

„Computer werden ausspioniert, Privatsphären ausgehöhlt. Der gläserne Bürger ist Realität. Es scheint ihn kaum zu kümmern.“

Im Artikel geht es dann so richtig los. Es ist ein Rundumschlag, der auch gar nichts aus lässt. Hier die Liste der „Unworte“ im Originalton: „Internet-Shopping, Bonus-Punkt-Systeme, Persönlichkeitsprofile, Charakterbilder, personenbezogene Informationen als Handelsware, kriminelle Praktiken bei Call Centern, Datenklau, Bundestrojaner, Minikameras auf öffentlichen Plätzen, das milliardenteuere Überwachungssystem auf den Autobahnen, zwangsverpflichtende Zensusbefragungen, ein Bankgeheimnis, das keines mehr ist, der Liechtensteinskandal, Videoüberwachung beim Lidl, Mitarbeiterausspähung beim Gerlach, die Schufa-Holding in Wiesbaden, Computerhacker, die eh schon überall drin sind und nur noch mit den Daten raus wollen, die sogenannten sozialen Netzwerke, die Schwachstellen von Firewalls und die Gefahren von Ajax …“

Prominente wie August-Wilhelm Scheer (jetzt Prasident von Bitkom), Politiker mit IT-Expertise, eine ganze Reihe von Datenschutzbeauftragten und Sicherheitsfachmänner von Firmen wie IBM und HP werden zitiert. Und der Tenor des Artikels: „Alles ist gläsern, die Nutzer wissen nicht, auf was sie sich einlassen, jeder Mausklick, jeder Tastenanschlag, jedes Passwort kann erfasst werden“. Und am Schluss des Artikels kommt der ultimative Ratschlag „zum Schutz gegen Angriffe auf die Privatsphäre: Einfach abschalten!“

Nur gut, dass der Autor nicht weiß, was alles noch kommen wird: NFC (near field connection), das multifunktionale Endgerät als wichtigstes Zahlungsmedium, beliebig viel und alltägliche mobile Nutzung von zentralen Anwendungen, Ende von „WIFI“ und permanentes On-Line sein.

Denn, wenn etwas effizient und praktisch ist, dann setzt es sich auch gegen berechtigte Bedenken durch. Das beste Beispiel ist das Mobiltelefon, vom Deutschen liebevoll Handy genannt. Jeder hat mehr oder weniger Angst vor Strahlung und keiner kann mehr ohne sein „Handy“ leben.

Mein Eindruck: geht es um die Themen „Computersicherheit“ und „den gläsernen Bürger“, dann sehen nicht nur der Herr Finsterbusch sondern viele Menschen in diesem Land hinter jedem Busch zwei Räuber, und bedauerlicherweise hat das Land viele Büsche.

Wo kommt sie her, die Paranoia zu den Themen Computer-Sicherheit und Transparenz durch Datensammlungen?

Das erste (Computer Sicherheit) kann ich mir noch gut erklären. Immerhin kann man als Industrie gut daran verdienen. Jedoch gegen viele Gefahren aus der „bösen Welt des Internets“ kann man sich durch vernünftiges Verhalten sehr gut schützen (Wahl der richtigen Betriebs- und Virensoftware, Einhalten einfacher Regeln). Aber woher kommt das Misstrauen, dass konkrete Gegner danach trachten, uns persönlich auszuspähen? Dass die Feinde von Außen kommen? Die Statistik besagt, dass die Hälfte der Schäden durch IT-Kriminalität durch verlorene Laptops, die andere Hälfte durch Angriffe von Innen erfolgt.

Unsere Wohnungen und Häuser haben in der Regel auch keine Alarmanlagen, sondern nur einfache Sicherheitsschlösser, die man mit einfachen Hilfsmitteln minutenschnell überwinden kann. Und wenn wir unsere Wohnungen so sichern würden wie unsere Netze, dann würde sich eine andere Industrie die Hände reiben. Aber anscheinend entwickeln wir hier keine so extreme Sicherheits-Paranoia wie in der IT.

Aber woher kommt die Angst vor den Datensammlern? Ich meine, das Thema „Manipulation des Konsumenten“ betreffend machen wir denselben Fehler wie unsere Politiker. Wir halten die Bürger (uns selber!) für dümmer und unmündiger, als wir es tatsächlich sind.

Auch die Überwachung hat zwei Seiten. Vielleicht ist es doch gar nicht so schlecht, wenn sinnvolle Regeln eingehalten werden, weil das Risiko des „Erwischt werden und sich der Verantwortung stellen zu müssen“ steigt. Und das Vertrauen, dass mündige Bürger sich freiwillig unter das Gesetz begeben, scheint nun mal eine idealistische Utopie zu sein. Und Gründe, anzunehmen, dass die Quote der zu Unrecht Verurteilten durch die neuen Technologien steigen wird, sehe ich zuerst mal nicht.

Ich erinnere mich noch gut an die – längst wieder vergessene – Aufregung vor ein paar Wochen, als die dunklen Limousinen von Google große deutsche Städte filmten. Es gab eigentlich nur ein triftiges Argument, warum die Gesichter auf den Bildern unkenntlich gemacht werden mussten: Was ist, wenn Google gerade ein Bordell filmt und dabei unbescholtene Bürger beim Verlassen des Etablissments gerade aufgenommen worden sind? Da könnte man auch sagen: Pech gehabt. Es gibt Länder, die verbieten Prostitution und stellen zur Abschreckung Bilder der Freier ins Internet. Finde ich auch pervers. Aber dass die Diskussion auf diesem Niveau statt findet, spricht für sich.

Ich meine, dass wir uns der Entwicklung fügen müssen. Die neue Welt kommt so oder so. Das einzige was wir machen können, ist unsere Regeln vereinfachen und an einer toleranten und gerechten Gesellschaft arbeiten. Gegen die Risiken von WEB 3.0 (hier als Synonym für eine neue transparente Gesellschaft genommen) sollten wir uns wehren, aber die großen Chancen einer transparenten Gesellschaft umso entschlossener nutzen.

Und was die Paranoia angeht, so sollten wir nicht vermeintliche Risiken in den Mittelpunkt unseres Denkens stellen sondern uns viel mehr um die wirklichen und auch ethisch und moralisch nicht einfach zu bewertenden Probleme unserer Gesellschaft sorgen. So wird jede Woche in Deutschland von der Anzahl her ein Dorf durch Verkehrstod ausgerottet, ganz zu schweigen von den weit mehr Verletzten und Behinderten. Das bedroht uns alle persönlich Tag für Tag und wir alle können beitragen, die Bilanz zu verbessern, indem wir ein wenig langsamer und vorsichtiger fahren und uns an die Regeln halten.

Oder: Denken wir an die Gefahren einer – auch durch technologischen Fortschritt – immer unhumaner werdender Medizin. Glücklich, wer in seiner Bekanntschaft keinen Menschen hat, der künstlich am Leben erhalten wird und dies ohne jede Hoffnung auf positiven Ausgang.

Und wir alle werden alt. Vielleicht sollten wir uns mehr Gedanken machen, wie alte Menschen die letzten Jahre ihres Lebens in Würde erleben können. Eines Tages sind wir die Alten, vielleicht lohnt es sich, jetzt schon sinnvolle Vorsorgemaßnahmen zu treffen.

RMD

Porto AGERANOS – 23. August

Heute vormittag beim Einkauf in Githio (14 km und einige Höhenmeter vom Campingplatz) habe ich auch gleich ein Internet-Café gefunden (es soll in Githeo sogar noch ein zweites geben!). Der ASUS wurde angestöpselt (das WLAN Passwort gibt der Chef aus Prinzip nicht bekannt, um zu vermeiden, dass man von ausserhalb des Ladens „schmarotzt“).

Dann ging es ganz schnell: E-Mails gelesen (ein bisschen Ärger war auch dabei) und runter geladen, die wichtigsten sofort beantwortet, die restlichen beantworte ich dann in Ruhe am Zeltplatz. Dann noch schnell ein paar wichtige Seiten angeschaut und die vorbereiteten „Reiseberichte“ online gestellt, einen Fehler in IF-Blog behoben.

Die Familie war während dessen bei Einkaufen (Verpflegung und Schuhe) – und dann ging es wieder ganz schnell zurück an den Strand.

Das Internet hat inklusive zweier Cola mit viel Eis 6 EURO gekostet (Die Schuhe und der Rest waren natürlich viel teurer). Die nächsten zwei Wochen werde ich hier Stammgast sein. Ich denke mal, dass ich jeden zweiten Tag meine Accounts pflegen werde, das bedeutet unter anderem auch jedes Mal Hunderte von SPAMS löschen.

Am Montag werde ich dann wieder mal ins Internet Café schauen …

RMD

Nur äußerst selten werden die Worte Kreativität und Softwareentwicklung in einem Atemzug genannt. Jahrzehntelang behauptete sich eine „ingenieursmäßige“ Perspektive auf die Softwareentwicklung, getreu dem Motto: eine Software zu programmieren ist wie ein Haus bauen. Zunächst müssen exakte Pläne vorliegen, die dann von den Bauarbeiten „implementiert“ werden und am Ende steht das Traumgebäude in seiner vollen Pracht vor dem stolzen Eigner. Eine kreative Ausgestaltung durch die Bauarbeiter, die womöglich nicht dem geplanten Vorgehen entsprechen, ist in diesem Model ungewünscht.

Die Praxis hat nun aber gezeigt, dass die Entwicklung (nicht-trivialer) Softwaresysteme gemäß dem zugrunde liegenden, streng sequentiellen „Wasserfallmodell“ allzu häufig scheitert. Nicht zuletzt diese negativen Erfahrungen führten schließlich zur Formulierung des „Agilen Manifests“, hinter dem sich nichts geringeres als ein Paradigmenwechsel verbirgt: Softwareentwicklung wird hier als empirischer, dynamischer Prozess verstanden, der hochgradig von den beteiligten Individuen geprägt wird.

In SCRUM zeigt sich die Fokussierung auf die Individuen in der Betonung der (gleichberechtigten) Teamarbeit. Auch die „Schutzfunktion“ des SCRUM Masters für sein Team, das Führen eines Impediment-Logs, das Daily-Scrum-Meeting und die fest eingeplanten Reviewphasen sind Facetten, die auf die Wertschätzung der Teammitglieder sowie die Schaffung von Freiräumen für diese abzielt. Genau diese Freiräume bietet nun auch eine optimale Ausgangsbasis für Kreativität und Innovation, die durch zu detailverliebte Projektpläne und Arbeitsteilungsprozesse ansonsten wenig Chancen haben.

Diesem Gedanken folgend ging es im IF-/TEG-/TUM Creative-Scrum-Workshop vom 8./9.August unter anderem darum, zu erforschen, an welchen Stellen und in welchem Rahmen im SCRUM-Projektprozess die Kreativität der Teams aktiv unterstützt werden kann. Dazu wurde den Teilnehmern Zugänge zur IdeaStream-Plattform (www.ideastream.de) bereitgestellt. IdeaStream ist eine Anwendung mit der Teams über einen Browser kollaborativ (in Echtzeit) Kreativitätstechniken durchführen können. Die angebotenen Techniken reichen dabei vom „klassischen“ Brainstorming über den Morphologischen Kasten bis hin zu Ideenbewertungstechniken. Den Teilnehmern wurde dabei nicht vorgegeben, an welchen Stellen sie die Anwendung einzusetzen haben, sondern sie konnten sich frei entscheiden, sie nach Bedarf zu verwenden.

Am Ende des Workshops hat sich gezeigt, dass die Nutzung eines Kreativitätsunterstützungstools in einem SCRUM-Prozess an mehreren Stellen sinnvoll sein kann:

– Beim Sprint-Planning: Zum Aufteilen der Backlog-Einträge in Tasks, zum Abwägen unterschiedlicher Implementierungsansätze

– evtl. auch zum Aufwandschätzen (Planing-Poker, wurde aber im Workshop noch konventionell abgehalten)

– Bei der Retrospektive: Zum Sammeln, Organisieren und Archivieren des Feedbacks. An dieser Stelle kann ein anonymisiertes Brainstorming den Teilnehmern angenehmer sein als ein „klassisches“ Brainstorming.

– Fallweiser Einsatz, ggf. in Ad-Hoc-Gruppen, zur Bearbeitung der Tasks: Es war zu beobachen, dass die Teilnehmer auch während der Bearbeitung der Tasks von der Kreativitätsunterstützung Gebrauch gemacht haben. Dies geschah spontan und selbstorganisierend in Ad-Hoc-Gruppen mit unterschiedlichen, auch wechselnden Teilnehmerkreisen. Insbesondere die Ideenbewertungsfunktion war ein beliebtes Abstimmungsinstrument für die Gruppe.

In einer sich dem Workshop anschließenden Umfrage bescheinigten alle Teilnehmer, dass sich der Einsatz unterschiedlicher Kreativitätstechniken insgesamt positiv auf die Sitzungsergebnisse ausgewirkt hat. Auch wurde das gemeinsame, gleichzeitige Arbeiten an Ideen von der großen Mehrheit der Teilnehmer als positiv bewertet. Ein Wermutstropfen stellte allerdings der Zusatzaufwand dar, der mit der Kreativitätstechnikunterstützung einherging – was aber vornehmlich auf technische Probleme am ersten Workshoptag zurückzuführen ist.

Aus dem Workshopverlauf wurde darüber hinaus deutlich, dass auch eine sich im wesentlichen selbst abstimmende Gruppe einen erfahrenen Moderator benötigt, um effizient arbeiten zu können. Dieser Moderator wird auch bis auf weiteres nicht durch eine wie auch immer geartete Computeranwendung ersetzt werden können. Allerdings kann eine Kreativitätsunterstützungssoftware durch strukturelle Führung sowie Informationsbereitstellung den Moderationsaufwand erheblich verringern.

Florian Forster, TU München.
(Translated by EG)