Roland Dürre
Dienstag, der 21. Oktober 2008

Torpedo, SRAM und Fichtel und Sachs

Als Fahrradfahrer fasziniert mich Unternehmens-Biologie besonders dann, wenn es um klassisches Fahrradzubehör geht!

Als Jugendlicher hatte ich 2 wunderschöne Räder. Das erste war ein Rad der Marke Falter. Es war ein Deutsches Markenrad, ich habe es geliebt, weil es die Farben des Regenbogens hatte. Während des WM-Endspiels England – Deutschland (4 : 2) im Jahre 1966 wurde es aus unserem Radkeller gestohlen. Zweifaches Entsetzen. Der Schmerz war groß, über die deutsche Niederlage und über den Verlust meines Fahrrads. Ohne Fahrrad war schlimm, die totale Immobilität.

Dankenswerterweise bekam ich von meinen Eltern ein Ersatzrad geschenkt, das auch ein deutsches Markenrad war (allerdings in schlichtem Grün, die Marke weiß ich nicht mehr). Dies war noch drei Jahre im Dauerdienst und wurde dann in den vorläufigen Ruhestand versetzt, die Automania hatte mich in Form eines schwarz-weiß gestreiften Käfers erfasst. Wieder ausgemottet wurde das Rad erst bei der ersten Energiekrise. Nach längerer Zeit als Nur-Autofahrer habe ich an einem der autofreien Sonntage entdeckt, wie schön Radeln doch wieder sein kann. Ich kann mich noch gut an die leicht schneebedeckten Autobahnen ohne Autos erinnern. Das war das einzige Mal, dass ich auf einer Autobahn in Deutschland geradelt bin. War ein tolles Gefühl, autofreie Sonntage sollte man zumindest alle vier Wochen wieder einführen.

Gemeinsam hatten meine Räder, dass sie eine Torpedo-Dreigangschaltung von Fichtel & Sachs hatten. Die gibt es heute nicht mehr, deshalb habe ich ein wenig recherchiert:

Fichtel & Sachs wurde am 1. August 1895 gegründet. In unserer Jugendzeit war Fichtel & Sachs der Inbegriff für Nabenschaltungen. Jeder kannte Schweinfurt. Wenn wir als Kinder mit dem Zug durch den Bahnhof Schweinfurt gefahren sind, wussten wir, dass hier die Schaltungen gebaut wurden, die wir an unseren Rädern hatten.

1997 wurden die Fahrradkomponenten der deutschen Sachs an SRAM verkauft. SRAM ist ein amerikanisches Unternehmen für Fahrradkomponenten mit Sitz in Chicago. SRAM wurde 1987 (also 102 Jahre nach Fichtel & Sachs) gegründet. Die europäische Konzernzentrale von SRAM befindet sich in den Niederlanden, die asiatische in Taiwan. Nach schwerem Start hat sich SRAM nach der Übernahme der deutschen Sachs gut entwickelt.

Für mich ist der Verkauf von Sachs Fahrradkomponenten an SRAM ein gutes Beispiel für eine unternehmerisch vielleicht auf kurze Sicht nachvollziehbare aber langfristig gesamtwirtschaftlich falsche Entscheidung. Sicher wurde in Deutschland 1997 das Geschäft mit Fahrradschaltungen als uninteressant und wenig zukunftsträchtig bewertet. Außerdem war es kleinteilig und bestimmt nicht geeignet, hohe Umsatz- und Rendite-Visionen zu beflügeln. Also hat es gestört und musste weg. Aber es war ein verlässliches Geschäft mit langfristiger Perspektive, das Know-How von fast einem Jahrhundert steckte im Unternehmen. Dass der Käufer ein amerikanisches Unternehmen war, das erst 10 Jahre vorher gegründet wurde und noch gar nicht so toll lief, finde ich auch nicht so gut.

Für den Nabenschaltungsfan gibt es aber einen Trost. 1986 wurde Rohloff von einem jungen Ehepaar gegründet. Das kleine Unternehmen verdiente sein Geld lange Jahre mit der Herstellung von hochwertigen Fahrradketten und später mit einem Kettennietwerkzeug namens Revolver. 1996 tat es einen mutigen Schritt nach vorne: eine über Jahre entwickelte neue Nabenschaltung war endlich serienreif (siehe die Chronik von Rohloff). Es gibt nur einen Wermutstropfen: Eine Rohloff-Schaltung kostet (ohne Fahrrad) so in Richtung 1.000 EURO. Bei Utopia ist z.B. der Aufpreis für eine Rohloff-Schaltung zu einer SRAM27-Gang DualDrive beim London exakt 750 Euro. Trotzdem ist die Rohloff ein Renner geworden. Ich nehme an, dass die Entwicklung der Rohloff-Schaltung eine typische Entscheidung war, wie sie nur mittelständische Unternehmen treffen können. Wahrscheinlich wurde sie aus dem laufenden Geschäft finanziert und in der Freizeit der Unternehmer entwickelt. Keine Bank hätte die Entwicklung einer Nabenschaltung mit einem Zielpreis von über 1.500 DM finanziert.

Der Vollständigkeit will ich hier auch noch die Nummer 1 erwähnen:

Shimano wurde als Shimano Iron Works 1921 gegründet. Die Japaner haben ihr Geschäft fleißig ausgebaut (und sind nicht verkauft worden wie Sachs). Shimano ist das “Microsoft” in der Welt der Fahrradkomponenten. Wahrscheinlich hat Sachs auch wegen der Dominanz von Shimano seine Fahrradkomponenten verkauft.

Und natürlich muss auch die Firma erwähnt werden, die unsere Radrennfahrer-Herzen höher schlagen hat lassen, deren Schaltungen für uns aber unerreichbar waren: Campagnolo wurde 1933 durch Tullio Campagnolo gegründet. Campagnola stattet heute seine Produkte zwar zum Teil auch mit Shimano-Komponenten aus (seine Laufräder mit Naben von Shimano …), hat aber nach meinem Wissen bis heute seine Eigenständigkeit bewahrt.

RMD

:-)

Als Service für unsere Leser:

Am 5. November wird Peter Scholl-Latour an der Universität der Bundeswehr München in Neubiberg zum Thema “Brennpunkt Afghanistan” um 19:00 Uhr im Audimax sprechen. Peter Roman Scholl-Latour (geboren am 9. März 1924 in Bochum) ist ein deutscher Journalist und Publizist. Er besitzt neben der deutschen auch die französische Staatsbürgerschaft. Über sein Leben findet sich in Wikipedia ein ausführlicher Beitrag.

Ich kenne Peter Scholl-Latour als einen eigenwilligen Journalisten mit tiefer Sachkenntnis. Es spricht für den Mut der Hochschule, einen so kritischen Referenten zu einem brisantem und hochaktuellem Thema wie Afghanistan einzuladen. Ich werde mir diesen Vortrag nicht entgehen lassen und freue mich, wenn ich bei dieser Veranstaltung viele Freunde und Leser von IF-Blog treffe.

Hier die originale Einladung:

Sehr geehrte Damen und Herren,

auf Einladung des Freundeskreises der Universität der Bundeswehr München e.V. und des Studentischen Konvents wird am 5. November der bekannte Journalist und Publizist Peter Scholl-Latour zum Thema “Brennpunkt Afghanistan” an unserer Universität referieren. Dazu lade ich Sie herzlich ein.

Datum: 5. November

Zeit: 19.00 bis 20.30 Uhr

Ort: Audimax, Gebäude 33

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Freunde, Bekannte und Angehörige sind ebenfalls herzlich willkommen. Die Veranstaltung wird von der MLP Geschäftsstelle München XXV unterstützt (www.mlp-muenchen25.de).

Mit freundlichen Grüßen

Michael Brauns

Universität der Bundeswehr München

Michael Brauns

Pressesprecher

Aufgrund der Bedeutung von Wikipedia beschloss ich, mich dort anzumelden. Bevor ich zu meinem Selbstversuch komme, noch ein wenig Aufklärung:

Benutzer:
Ein Benutzer (oder eine Benutzerin) ist jemand, der sich unter einem Benutzernamen bei der Wikipedia registriert hat. Im Gegensatz dazu kann ein Wikipedianer auch ein unregistrierter Änderer sein, auch wenn die Begriffe nicht immer scharf getrennt werden. Wer die Wikipedia nur als Leser nutzt, wird manchmal als Nutzer bezeichnet.
(Originaltext Wikipedia, Glossar)

In der Definition fehlt übrigens die Nutzerin im Gegensatz zur Benutzerin, die korrekt vorhanden ist. Da könnte man als Vertreter der “gleichgeschlechtlichen Sprache” gleich eine Korrektur vornehmen, die dann wahrscheinlich auch drinbleiben würde? Oder gibt es gar keine Nutzerinnen? Der Begriff des Wikipedianers ist übrigens umstritten, manche im Club würden den Begriff des “Wikipedisten” dem “Indianer” vorziehen, aber Indianer hat halt was …

Jetzt wusste ich schon mal, dass ich bisher nur ein Nutzer von Wikipedia war und durch meine Anmeldung zum Benutzer wurde.

Die nächste Entscheidung:

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Gastautor(en)

Dr. Scrums Tagebuch #2

2 von X…

Bisher treffen sich unsere Helden einmal täglich um 13:30 Uhr in einem kurzen (15min), knackigen Meeting namens „Boxenstop“.
Der Scrum Master moderiert und nimmt Probleme auf, um deren Beseitigung er sich für das Team kümmert. (nebenbei schreibt er noch immer fleißig mit, damit er seinen Statusbericht voll bekommt *g*)

Zusätzlich dazu gibt es jeden Morgen ein 30 Minuten Meeting zwischen dem Auftraggeber (den wir später noch als Product Owner kennenlernen werden) und mir.

Durch diese Meetings konnte ich Transparenz und Kommunikation erzeugen – und das Vertrauen in mich als ‚Problem-aus-der-Welt-schaffer’ festigen.
Hauptsächlich kümmerte ich mich zu diesem Zeitpunkt wohl um noch nicht beantwortete eMails, ausstehende Termine zur Klärung von diesem und jenem.. Kleinkram eigentlich, der aber bei den Performern Mehraufwendungen erzeugt hat.

In meinen Besprechungen mit dem Auftraggeber habe ich wiederholt interesse an agilmen Projektmanagement erzeugen können – sowie Informationen aus dem Team und die aktuelle Auslastung an Ihn kommuniziert – so dass er besser in der Lage war Zurufe seitens seines Chefs entsprechend fundiert zu würdigen.

Auch kamen wir in diesen Meetings überein, dass wir uns gegen Arbeitslast ‚von Außen’ entsprechend zügig aufstellen müssen – ein Verfahren zur Bewertung und Einplanung der Zurufaktionen musste her. Wir beschlossen, das Team von störenden Einflüssen abzuschotten..

Spätestens jetzt war selbst mir klar, dass es eine Antwort auf unser(e) Problem(e) gibt.
Aber würde ich Scrum (oder auch nur einige Artefakte) in der vorliegenden Situation etablieren können?

- Wir sind umgeben (und als Team Bestandteil) von klassischen PM Methoden… die meisten davon „Top-Down“ von einer Hauptprojektleitung induziert, welche sogar bis auf Vorgangsebene die Planung vorgibt.
- Es gibt einige Artefakte, die in der Softwareentwicklung einen definitiven Zweck erfüllen.. aber wie sieht zum Beispiel das Product Backlog für ein Organisations-Projekt aus?
- Ein Team von sechs Menschen, die in diversen Projekten mitwirken über ein Scrum Board zu steuern (wichtig: sich selbst steuern zu lassen) und dieses Vorgehen auch noch ‚nach Oben’ hin zu rechtfertigen würde.. schwierig sein.
- Scrum hin oder her, es muss eine Brücke geschlagen werden zwischen agilen Methoden und klassischen Status Reports – meine Aufgabenstellung umfasst nicht nur ergebnisorientierte Projektsteuerung, sondern eben auch transparente Status Berichte ‘nach Oben’
- Die Performer haben keine Erfahrung mit Scrum.

Nach meinen Berichten über agiles Projektmanagement und insbesondere Scrum war mein Auftraggeber von dieser Idee überzeugt. Also einigten wir uns auf einen Versuch.

Und wie das Leben so spielt, kam am gleichen Tag ein Sekundärprojekt auf den Plan in welchem wir eine Ausschreibung vorbereiten sollten.

Also kurzum die Planung mit dem Auftraggeber durchgesprochen, Arbeitspakete erstellt und ab zum Schreibwarenladen. Paketpapier, Post-Its, Moderationskarten, Stifte, Posterkleber und Malerkrepp. Eigentlich kann es jetzt losgehen.

Also alle eingeladen zu einem Termin – zwei Bahnen Paketpapier an die Wand geklebt (und das sogar einigermaßen Waagerecht – ich bin ja so stolz!), mit bunten Karten beschriftet und in Spalten abgeteilt.. Fertig war das Scrum Board (welches fortan auf den Fluren vor meinem Büro für einige Verwunderung sorgen sollte – zumindest die war bereits auf meiner Seite)

(Anmerkung: Dem Scrum interessierten Leser ist bereits in meinem letzten Absatz aufgefallen, dass _ich_ die Arbeitspakete aufgeplant habe.. aber dazu gleich mehr.)

Also findet der Termin statt – zwei Stunden Kick Off für das Sekundärprojekt unter meiner Moderation. Mit gleichzeitiger Vorstellung des Scrum-Boards. Und der Methode. In zwei Stunden? Yeah right. Natürlich gab es so viele Fragen zum weiteren Vorgehen, dass wir den Termin glatt um eine Stunde überzogen haben – und selbst im Anschluss daran war der eigentliche Zweck von buntem Papier an der Wand noch nicht wirklich geklärt.

Jeder legt noch schnell ein Ei… erm – oder nimmt sich ein Kärtchen, klebt sein Namenskürzel als Post-It darauf und eigentlich ist ja jetzt alles klar, oder?
Dann sehen wir uns morgen Mittag wieder zum Boxenstop.

Ich rechne es dem Team sehr hoch an, dass sie mich zu diesem Zeitpunkt nicht einfach ‚plattgemacht haben’.. Gründe und Möglichkeiten dafür gäbe es genug.

Am nächsten Tag habe ich herausgefunden was das Problem war.
Die Performer standen bei Kaffee und Schokolade in meinem Büro und konnten mir glaubhaft versichern, dass Sie ja alles mögliche Versucht haben, aber die Aufgabenstellung habe einem kritischen Hinterfragen nicht standgehalten und so wurden die Aufwendungen zumindest dahingehend gering gehalten, dass die Arbeit bis zur weiteren Klärung eingestellt wurde.

Keine User-Story der Welt konnte die Aufgaben so umfassend erklären wie es die Performer untereinander im anschließenden Termin mit wenigen Worten konnten. Zur kurzen Erklärung möchte ich anfügen, dass die User Story im damaligen Fall eher eine Beschreibung des Ergebnistyps war.

Zu meiner Ehrenrettung muss ich sagen, dass ich zu diesem Zeitpunkt eventuell noch nicht einmal daran gedacht hatte, Scrum vollumfänglich einzusetzen – ich wollte lediglich einige Artefakte etablieren, welche die Steuerung leichter machen sollten.

Lessons Learned:
- Die Planung erfolgt im Team. Aus dem Team für das Team. Nur so ist sichergestellt, dass die Arbeitspakete inhaltlich verstanden werden.
- Scrum einzuführen ist entweder ein langsamer, aufbauender Prozess oder
- Ein schneller Prozess mit genügend Zeitinvestment für Vorbereitungen und Erklärungen.
- Kein Scrum Artefakt ist so gut, wie die Summe aus allen – gepaart mit der durchgängigen Anwendung.

Also blieb mir keine andere Wahl.. dem Papier an meiner Wand zufolge würden wir Scrum als Methode einführen. All the way, or no way at all.

To be continued…

Wenn ich hier auch über “G8″ schreibe, dann meine ich nicht die Damen und Herren, die sich auf den Weltwirtschaftsgipfeln zu siebt (dann heißt es allerdings G7) oder acht treffen, ein schönes Gruppenfoto machen und nebenher die Welt retten, mal vor der Klimakatastrophe und dann wieder vor der Weltfinanzkrise. Als Ergebnis hören wir schöne Worte oder hohe Zahlen. Die bei vielen Menschen um sich greifende Staatsverdrossenheit wird durch solche Treffen zwar auch nicht besser. Trotzdem sind wir froh, wenn sich die Staatsfrauen und -männer der reichen Länder treffen, denn so lange sie miteinander reden, sind kriegerische Problemlösungen weniger wahrscheinlich.

Nein, in diesem Artikel schreibe ich über Schule und Bildung. Die folgenden Sätze schicke ich voraus, um zu belegen, dass ich als Vater von sieben Kindern tatsächlich “Go to Gemba” (Kaizen) gemacht habe: die Grundschule habe ich sieben mal erlebt und die Entwicklung am Gymnasium von 1990 bis heute verfolgt. Zwischenzeitlich waren fünf meiner Kinder gleichzeitig am selben Gymnasium und haben dann mit Abitur abgeschlossen. Der sechste macht gerade Abitur und das Nesthäkchen ist im Gymnasium in der zweiten Klasse. Jetzt kommen ganz frische Erfahrungen mit dem G8 dazu. Einblick in die Entwicklung an den Hochschulen gewinne ich in Bewerbungsgesprächen wie auch durch meine Familie. Zwei meiner Kinder haben ihr Studium erfolgreich beendet, einer davon schließt gerade seine Doktorarbeit ab. Auch die anderen sind nahe am Abschluss oder gut im Studium unterwegs. So konnte ich zahlreiche Erfahrungen mit Schule und Hochschule miterleben.

Das Erstaunliche: Irgendwie haben das alle meine Kinder schulisch und später im Studium und beruflich ganz gut und ziemlich eigenständig gemacht, obwohl sie in der Grundschule nicht immer als unbedingt tauglich fürs Gymnasium eingestuft wurden. Wir hatten regelmäßig Stress mit dem Übertrittszeugnis. Es gab in der letzten Klasse der Grundschule immer Klassenkameraden, die von einem Team von Nachhilfe-Lehrern trainiert wurden wie sonst nur Hochleistungssportler und die Hürde “Übertritt” mühelos zu schaffen schienen. Ein paar Jahre später sind sie gescheitert, wie auch andere, die uns schon im einstelligen Lebensalter wie Karikaturen von Erwachsenen vorkamen. Da war dann bei den Mädchen als Hobby “Shopping” angesagt, die Buben unterhielten sich darüber, wie man mit Aktien auch ohne Arbeit reich werden könne. Man muss wissen, bei uns in der Gegend gibt es kaum Kinder mit “Migrationshintergrund”, hier leben die eher “besseren Kreise”.

Was könnten die Ursachen sein? Meine Theorie ist: Menschen werden körperlich immer früher und geistig immer später reif. Ein Grund für diese Entwicklung ist, dass die Kinder in unserer Erwachsenen-Gesellschaft nicht mehr lange genug Kind sein dürfen. Zu früh werden sie zu kleinen Erwachsenen gemacht. Kinder brauchen aber Zeit zum “Ausreifen”. Sie müssen eine Chance haben, die Lust am Lernen und Wissen aus eigenem Antrieb heraus entwickeln zu können. Wenn man das erreicht, dann ist der weitere Bildungsweg ganz einfach. Deshalb war das Anliegen von Barbara und mir, unseren Kindern möglichst lange die Kindheit zu bewahren. Von der Grundschule bekamen wir dann zu hören, dass unsere Kinder “zu verspielt”, “zu verträumt”, “zu wenig ehrgeizig” seien oder “keine Leistungsbereitschaft hätten” (oder anderen Blödsinn).

In der Grundschule wird ein vorgegebenes Leistungssystem mit eigenartigen Benchmarking-Ritualen von manchen Lehrkräften oft sklavisch angewendet. Hier muss die Reform des Schulsystems ansetzen, beim Verständnis für die Kinder. “Unsere” Grundschule entwickelte sich dagegen über die Jahre von einem Hort des Lernens zu einer sich selbstdarstellenden Schicki-Micki-Institution. Der erfahrene Pädagoge als Schuldirektor wurde pensioniert, die neue Leitung sprach von “modernem Management” und krempelte alles nach dem Motto “außen hui, innen pfui” um. Der Schein wurde wichtiger als das Sein, nach oben galt es zu buckeln, nach unten wurde getreten. Aber das gibt es ja auch woanders.

Für die Lehrer war und ist es auch nicht einfach. Ein Lehrplan mit ganz anderen Reformversuchen wie Rechtschreibreform oder neues Multiplizieren fordert seinen Tribut. Viele verwöhnte Einzelkinder, oft einsame Opfer der Wunschprojektionen ihrer Eltern, sitzen in den Klassen und langweilen sich. Morgens werden sie von Luxuslimousinen vor der Schule ausgespuckt. Die Eltern haben bedingt durch ihr ach so stressiges Leben kaum Zeit für ihr sonst so vergöttertes Kind und kompensieren dies mit Geld. Und in der Sprechstunde werfen sie dann beim Lehrer ihre ganze Wichtigkeit in die Waagschale.

Die Gymnasien wurden schon reformiert. Bekommen haben wir ein hastig beschlossenes und auch schon nachgebessertes G8. Es wurde eingeführt, weil unsere Absolventen im internationalen Durchschnitt zu alt werden. Schuld daran ist aber nicht das dreizehnte Schuljahr. Sicher habe ich das Abiturjahr immer als verkürztes Rumpfschuljahr erlebt (ein historisches Erbe aus der Zeit, als man die Wehrpflicht von W18 auf W15 reduzierte). Die Schüler wurden im Abiturjahr nicht mehr gefordert, der männliche Teil konnte sich schon mal auf die Gammelei vorbereiten, die im darauf folgenden Wehr- und häufig auch im Ersatzdienst stattfindet. Und dadurch geht ein Jahr verloren und der Wiedereinstieg ins Lernen muss auch erst wieder geschafft werden. Das gilt natürlich nur für die jungen Männer, die nicht “clever” genug sind, den Pflichtdienst zu vermeiden. Aber so ist das mit der Wehrgerechtigkeit, wie häufig im Leben ist nicht nur der “Ehrliche” sondern auch der “Ungeschickte der Dumme”.

Auch universitäre Reformen mit neuen Abschlüssen habe die Erwartungen nicht erfüllt. Mein verehrter Professor F.L. Bauer hat zu den neuen Universitäts-Abschlüssen Bachelor und Masters mal gesagt, dass sie von Menschen eingeführt worden sind, die die Begriffe toll fanden, aber nie begriffen hätten, was sie bedeuten würden. Studiengebühren wurden auch eingeführt, aber nicht durch Stipendien für sozial schwächere ergänzt. So verzichten offensichtlich Abiturienten aus Nicht-Akademiker-Familien immer mehr auf den Besuch der Unversität, was ja auch nicht Ziel sein kann.

So ist die Bildungspolitik kein Glanzstück unserer Politik. Widersprüchliche Forderungen werden gestellt, beliebige Aussagen gemacht, müde Kompromisse geschlossen. Es gibt keine übergreifende Strategie und kein Konzept, nicht einmal der Wille zu einer klaren Reform ist zu erkennen. Und das Thema wird zwischen Bundes- und Länderhoheit zerrieben.

Wir brauchen aber dringend ein förderndes und forderndes Bildungssystem, das Menschen Werte vermittelt, die Errungenschaften einer aufgeklärten und demokratischen Gesellschaft verteidigt und vor allem den Heranwachsenden die Chance gibt, ihr Leben eigenverantwortlich zum Gelingen zu bringen. Die Lehrer müssen wieder in die Lage versetzt werden, Autorität zu zeigen und Respekt zu lehren. Und selbstverständlich müssen wir unsere jungen Menschen befähigen, auch fachlich in einer nicht trivialen Zukunft überleben zu können. So brauchen wir klare und effiziente Ausbildungslinien, in sich homogen und konsistent, von der Grundschule ins Leben oder bis hin zur Universität, und dies ohne Unterbrechungen wie Wehrdienst oder Ersatzdienst!

Aber da sind wir dann bei besonders heiligen Kuh, der Wehrpflicht. Und über die sollte man auch reden, ohne Sachzwänge und ideologische Prägung. Mir hat man seinerzeit als W18 gelehrt, dass wir “unsere” Bundeswehr für die Verteidigung unserer Demokratie und Heimat (und unserer Frauen) bräuchten. Heute soll sie weltweit den Kampf gegen den Terrorismus führen und eh nicht befriedbare Länder wie Afghanistan befrieden (und vielleicht demnächst im Inneren eingesetzt werden). Damals war die Bundeswehr eine Massenarmee, durch die Wiedervereinigung musste sie deutlich verkleinert werden und soll eine Armee von Spezialisten sein. Passt das noch zu einer Wehrpflicht?

Die Hoffnung bleibt, dass mit dem Thema “6 Jahre Grundschule” in den Koalitionsverhandlungen zur Bildung der Bayerischen Regierung ein erster Grundstein für eine neue Bildungspolitik gelegt wird. Und Gymnasien und Hochschulen besser aufeinander abstimmt werden. Und wenn man im Sinne einer kontinuierlichen und effizienten Ausbildung dann auch noch gleich über die Abschaffung der Wehrpflicht nachdenken würde, wäre das wirklich schön!

RMD

Bernhard Findeiss
Freitag, der 17. Oktober 2008

Agiles Schätzen und Planen Teil 2

Wie bereits im letzten Artikel erwähnt ist eine saubere Planung ein wesentlicher Garant für einen erfolgreichen Sprint. Mit den vorgestellten Methoden sollte man relativ einfach einen Umfang an Story Points errechnen können, den man in einem Sprint leisten kann.

Damit dies funktioniert, müssen natürlich zuerst alle Einträge des Product Backlogs beschätzt werden, um für jeden Eintrag einen Aufwand zu erhalten, mit dem man dann weiter planen kann.

Es gibt viele Möglichkeiten, Arbeitspakete zu schätzen.

Die einfachste Methode ist dabei ganz einfach, eine User Story dem Team zur Diskussion zu stellen und so lange zu warten, bis sich auf eine Zahl geeinigt haben. Dies wird in Fällen auch tatsächlich so gehandhabt, hat allerdings einen gravierenden Nachteil:

Im Laufe der Zeit hat sich nämlich gezeigt, daß die Diskussion üblicherweise so abläuft, daß ein Teammitglied, welches die Story gut versteht (oder zumindes denkt, dies zu tun) mit einer schnellen Schätzung rausplatzt. Dies führt dann jedoch dazu, daß andere Teammitglieder, die sich ihrer Sache nicht ganz so sicher sind, in ihrer Schätzung beeinflusst werden könnten (und wenn es nur unterbewusst ist).

In der Fachsprache nennt man dies „Anchoring“. Man sollte es wenn möglich vermeiden.

Eine einfache Methode, die dies tut, und die bei Scrum immer gerne eingesetzt wird, ist „Planning Poker“.

Sie besticht vor allem dadurch, daß sie leicht zu erlernen und relativ schnell in der Durchführung ist, dabei aber trotzdem genügend genaue Ergebnisse liefert.

Sie funktioniert wie folgt:

Zu Beginn erhält jeder Teilnehmer einen Satz Pokerkarten (ideal ist es übrigens, wenn das ganze Team teilnimmt). Ein Satz besteht aus 13 Karten mit den aufgedruckten Werten 0, ½, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 20, 40, 100, ?, [Kaffetasse] .

Wenn nun eine neue User Story beschätzt werden soll, so wird nun wie bisher so lange im Team diskutiert, bis alle soweit verstanden haben, worum es geht. In der Diskussion sind übrigens ausschliesslich sachbezogene Beiträge erlaubt. Statements mit vorauseilenden Wertungen („das ist ja einfach“) sind strikt verboten und werden mit einem nicht zu geringen Beitrag in die Kaffekasse bestraft :).

Nach Abschluss der Diskussion geht es dann an die Schätzung: Jeder Teilnehmer nimmt dann aus seinem Kartensatz diejenige Karte, von der er meint, daß sie dem Aufwand der zu schätzenden User Story (in Story Points) entspricht, und legt sie verdeckt (!) vor sich auf den Tisch.

Erst wenn auch der Letzte seine Karte Schätzung abgegeben hat werden alle Karten gleichzeitig umgedreht.

Auf diese Weise stellt man sicher, dass sich jeder seine eigenen Gedanken machen muss, und sich nicht an einem seiner Kollegen orientieren kann.

Ihnen ist vielleicht schon aufgefallen, daß die auf den Karten aufgedruckten Zahlen nicht ganz linear sind, sondern vor allem bei den höheren Zahlen größere Lücken aufweisen. Dies geschieht ganz bewusst: Auf diese Weise soll verhindert werden, daß größere Arbeitspakete mit einem falschen Sinn für Genauigkeit beschätzt werden. Je höher, je ungenauer. Aus diesem Grund ist es übrigens auch nicht erlaubt, mehr als eine Karte für eine Schätzung auszuwählen. 40+20 = 60 ist somit also nicht erlaubt. Man muss sich schon für einen Wert entscheiden.

Möchte man genauere Schätzungen erhalten, so sollte man die Story noch weiter aufteilen, und dann die einzelnen Teile beschätzen.

Der Kartensatz enthält übrigens 3 Jokerkarten: „0“, „?“ und „[Kaffeetasse]“.

  • „0“ bedeutet „dieses Feature ist bereits implementiert oder nur eine Sache von wenigen Minuten.
  • „?“ heisst: „Ich habe nicht mal ansatzweise eine Ahnung, worum es hier eigentlich geht“
  • Kaffeetasse: „Mir langt’s erstmal. Machen wir eine kurze Pause.“

Nun decken alle „Mitspieler“ ihre Karten auf und vergleichen ihre Schätzungen. Weichen zwei der Werte stark voneinander ab, so wird dieser Umstand nochmal diskutiert und anschließend die Schätzung wiederholt. Dies geschieht so lange, bis alle Beteiligten in etwa denselben Wert schätzen.

Ob man nun den Mittelwert aller Karten nimmt, den höchsten und niedrigsten Wert ausser Acht läßt und den verbleibenden Rest mittelt, den Wert der mittleren Karte nimmt oder eine andere Metrik verwendet um auf den abschließenden Schätzwert zu kommen ist dabei jedem Team selbst überlassen. Im Laufe der Zeit wird man hier sicherlich etwas finden, womit alle Beteiligten einverstanden sind.

Nun sind wir mit der Schätzung dieses Features fertig. Diesen Vorgang müssen wir jetzt auch noch mit allen anderen Einträgen des Product Backlog machen, die für den aktuellen Sprint in Frage kommen.

Zusammen mit der im letzten Artikel vorgestellten Abschätzung des maximal in diesem Sprint zu leistenden Arbeitsumfangs ist es nun auch möglich, die zu realisierenden Features auszuwählen: Man beginnt am oberen Ende der Liste (die ja nach Geschäftswert sortiert ist) und übernimmt die entsprechende Anzahl an Einträgen ins „Sprint Backlog“. So nennt man die für die Realisierung in einem Sprint ausgewählten User Stories.

Einmal erstellt, soll das Sprint Backlog übrigens nur noch in absoluten Ausnahmefällen geändert werden, etwa wenn sich abzeichnet, daß man sich zu viel oder zu wenig vorgenommen hat.

Das Sprint Backlog wird ausschliesslich durch das Team erstellt. Der Product Owner darf keinen direkten Einfluss darauf nehmen.

Er verfügt aber über mehrere indirekte Möglichkeiten der Einflussnahme. Welche dies sind ?

Diese Frage wird im nächsten Artikel beantwortet….

BFI

Die nächste Veranstaltung im IF-Forum der InterFace AG wird am

Donnerstag, 13. November 2008

ab 17:00 in Neuperlach (München) stattfinden.

IF-Forum findet dreimal im Jahr statt. Im IF-Forum treffen sich Kunden, Partner, Mitarbeiter und Freunde der InterFace AG. Unsere Gäste kommen aus Wirtschaft, Forschung, Technik und Politik. Im Mittelpunkt eines jeden IF-Forums steht ein kompetenter Referent, der zu einem aktuellem Thema berichtet. Nach dem Vortrag findet ein zwangloses Dinner in entspannter Atmosphäre statt, das von unseren Gästen regelmäßig zu einem anregenden Gedankenaustausch genutzt wird. Oft entwickeln sich sehr spannende Diskussionen.

Nach den Vorträgen von Herrn Dr. Simon Grand (RISE St. Gallen) im Frühjahr und Herrn Dr. Klaus-Jürgen Grün (PhilKoll Frankfurt) ist dies der dritte und letzte Vortrag im IF-Forum des Jahres 2008. Im Februar 2009 planen wir die Reihe mit einem Vortrag von Herrn Heribert Prantl fortzusetzen.

Als Referent für den 13. November konnten wir Herrn Jörg Schindler gewinnen. Herr Schindler ist Geschäftsführer der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH (http://www.lbst.de/). LBST ist der strategische Berater für nachhaltige Energie- und Verkehrssysteme.

Herr Schindler wird in seinem Vortrag verschiedene Themen kritisch untersuchen und eine Reihe zentraler Fragen beantworten:

  • Peak Oil ” ist jetzt! Wir erleben gerade einen singulären Strukturbruch.
  • Was ist die künftige Rolle der übrigen fossilen/nuklearen Energieträger (Kohle, Erdgas, Uran)?
  • Was erwartet uns? In den nächsten 2 Jahrzehnten beginnt die Transition in ein postfossiles Zeitalter.
  • Wie kann eine Zukunft ohne fossile Energieträger aussehen? Die Folgen für Lebensstile, Wirtschaft und Mobilität.

Herr Schindler versteht es wie kein zweiter, diese zentralen Themen wissenschaftlich begründet und ohne ideologische Ambitionen objektiv und spannend zu berichten.

Die Plätze bei IF-Forum sind begrenzt, die Einladungen erfolgen persönlich. Wenn Sie an einer Teilnahme interessent sind, bitte ich Sie, sich an Carola Muck (carola.muck@interface-ag.de) oder mich (roland.duerre@interface-ag.de) zu wenden.

RMD

Im Rahmen des

EAA-Kolloquiums „Aktuelle Entwicklungen in Technik und Wirtschaft“

des Lehrstuhls

Elektrische Antriebstechnik und Aktorik – Electrical Drives and Actuators

von

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dieter Gerling

halte ich am nächsten Donnerstag, den 23. Oktober, einen Vortrag mit dem Thema

Informatik und Ethik – Welche Technologie bestimmt die Zukunft?

In diesem Vortrag werde ich den Einfluss der Informationstechnologie (Informatik) auf die gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung unserer Zivilisation wie auch auf alle weiteren Technologien berichten und versuchen, das “Lag” zwischen technologischer Entwicklung und ethischer Verantwortung zu diskutieren.

Der Vortrag ist für Gäste frei zugänglich. Wenn möglich ist eine Anmeldung per Email bei Dr. Hans-Joachim Koebler hans-joachim.koebler@unibw.de oder mir roland.duerre@interface-ag.de wünschenswert. Nähere Informationen zum Lehrstuhl findet man unter http://www.unibw.de/EAA.

Als Referent freue ich mich natürlich persönlich auf viele Zuhörer.

Das Kolloquium findet immer am Donnerstag statt. Hier die Themen und Termine der diesjährigen Reihe:

09.10. 18:15 Dr. Brandes Siemens AG – Nürnberg

Energieeffizienz und moderne Antriebstechnik

16.10. kein Vortrag

23.10. 18:15 Dürre InterFace AG – Unterhaching

Informatik und Ethik – Welche Technologie bestimmt die Zukunft?

30.10. 18:15 Dr. Bierbrauer Osram GmbH – München

Die Zukunft des Lichts gestalten

06.11. kein Vortrag

13.11. 18:15 Römelt EADS (D) GmbH – Manching

More Electric Aircraft – Elektrische Grundsysteme

20.11. 18:15 Hornickel Volkswagen AG – Wolfsburg

Innovative Antriebstechnologien bei Volkswagen

27.11. 18:15 Schindler Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH – Ottobrunn

Peak Oil und die Folgen

04.12. 18:15 Dr. Friedrich Daimler AG – Stuttgart

Anforderungen an elektr. Antriebssysteme für Kfz und resultierende Anwendungsspektren

11.12. 18:15 Stastny MTU Aero Engines GmbH – München

More Electric Engine

RMD

Ulf D. Posé
Dienstag, der 14. Oktober 2008

Die neue Redlichkeit

Spätestens seit der Spruch: „Jeder denkt nur an sich, damit ist ja an alle gedacht“ seine erfolgreiche Runde macht, ist es in unserer Kultur mit der Redlichkeit vorbei. Erziehung findet oft nicht mehr in Familien, eher vor dem Fernseher statt. Die Delegation an die Kindergärten oder an die Lehrer in Schulen funktioniert nicht, da hier Erziehung eher verweigert wird. So bleiben die Unternehmen als Kaderschmieden übrig. Und was lernen wir da? Sei opportunistisch, wenn du Karriere machen willst, schau auf den berühmten shareholder value. Kapitalmehrung scheint das einzig Wichtige zu sein. Die Globalisierung fordert von uns, nur noch zu schauen, wo die besten Produktionsbedingungen herrschen, wo die besten rahmenpolitischen Voraussetzungen sind, und wo wir über die Umwelt besonders billig verfügen können. Die Geburtenrate ist in diesem Jahr zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik geringer als 1946. Kinder sind zum zu teuren Kostenfaktor geworden.

Was ist los? Wir reden von gesellschaftlicher, unternehmerischer Verantwortung und es ist keiner da, der bereit ist, sie persönlich wahrzunehmen. Wir wundern uns, dass es möglich ist, mit einem Vollzeitjob weniger zu verdienen, als jemand, der nicht arbeitet.

Eine neue Unredlichkeit macht sich breit. Früher wussten Menschen noch, dass sie sich unredlich waren, wenn sie sich unredlich benahmen, sie hatten zumindest ein schlechtes Gewissen. Heute erleben wir eine neue Form der Unredlichkeit, in der Menschen sich völlig daneben benehmen mit dem Gefühl, redlich zu sein.

Das Wesen der neuen Unredlichkeit ist es also, unredlich zu sein, ohne es zu bemerken. Dagegen sollten wir, müssen wir etwas tun. Wir müssen wieder Bewusstsein entwickeln für das, was unredlich ist und wir benötigen ein Bewusstsein dafür, was zukünftig redlich ist.

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Roland Dürre
Montag, der 13. Oktober 2008

2-Wochen-News – #10

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde,

für die vielen Zugriffe und Rückmeldungen an mich in den letzten Wochen möchte ich mich explizit bedanken. Leider erreichen mich manche Stellungnahmen nur

als E-Mail. Viel schöner wäre es, wenn Rückmeldungen als Kommentare gleich in IF-Blog abgelegt werden würden. Alle unsere Autoren würden sich sehr eine

offene Diskussion, gerne auch mit Antithesen und Widerspruch, freuen.

Seit der letzten 2-Wochen-News sind folgende Artikel erschienen:

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// InterFace-Geschichte
Teil 5, 6 und 9 der Übersicht über 25 Jahre InterFace

http://if-blog.de/rd/interface-geschichte-5-die-ersten-12-jahre/

http://if-blog.de/rd/interface-geschichte-6-%E2%80%93-the-wind-of-change/

http://if-blog.de/rd/interface-geschichte-9-aufbruch-zu-neuen-ufern-uberblick-teil-3/

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// InterFace-Geschichte #8 – Brauchen wir Telex? (1984)
und ein Kurzbericht aus der Zeit der Gründung von InterFace zum Thema TELEX!

http://if-blog.de/rd/interface-geschichte-8-–-brauchen-wir-telex-1984/

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// InterFace meets SUN
James Gosling (SUN, Vater von JAVA) hat sich in Nürnberg beim Herbst-Campus mit Dr. Christof Stierlen und Roland Dürre getroffen.

http://if-blog.de/rd/interface-meets-sun/

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// Buchbesprechung “Erstaunliche Computerwelt” Gerhard Saeltzer Kinderbuchverlag Berlin 1988
Ein wirklich erstaunliches Buch, das wir Anfang 1990 in Dresden entdeckt haben. Da stehen Dinge über Hardware und Software ganz einfach drin, die manch

frisch diplomierter Informatiker gar nicht mehr kennt.

http://if-blog.de/cs/buchbesprechung-erstaunliche-computerwelt-gerhard-saeltzer-kinderbuchverlag-berlin-1988/

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// Globale Finanzkrise
Roland Dürre rechnet ein wenig anlässlich der Weltfinanz-Krise, ärgert sich und kritisiert.

http://if-blog.de/rd/globale-finanzkrise-geniale-entschuldung/

http://if-blog.de/rd/globale-finanzkrise-2-wie-geht-es-weiter/

http://if-blog.de/rd/globale-finanzkrise-3-mittelstandische-gedanken/

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// Wiesn Zeit
Zu einem gemeinsamen Wiesn-Besuch hat es nicht gereicht, aber zumindest zu einem gemeinsamen Foto ….

http://if-blog.de/rd/wiesn-zeit/

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// Von Ottobrunn nach Unterhaching – #4 Der Müll ist weg!
Was man auf dem Weg von Unterhaching nach Ottobrunn so alles erlebt.

http://if-blog.de/rd/von-ottobrunn-nach-unterhaching-4-der-mull-ist-weg/

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// Natürliches und Übernatürliches / NEID und NEID-Gesellschaft
Wie jede Woche die neuen Beiträge von Ulf Posé und Klaus-Jürgen Grün.

http://if-blog.de/kjg/naturliches-und-ubernaturliches/

http://if-blog.de/udp/neid-und-neid-gesellschaft/

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// InterFace Geschichte #7 – Wie lernt man C?!
Wie man eine Programmiersprache n i c h t lernen sollte …

http://if-blog.de/rd/interface-geschichte-7-wie-lernt-man-c/

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// Nächste Schritte mit der TU-München
Auch mit Scrum und der TUM geht es weiter …

http://if-blog.de/cs/nachste-schritte-mit-der-tu-munchen/

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// Dr. Scrums Tagebuch #1
… so wie der erste Eintag des Tagebuchs von Dr. Scrum und der neueste von Bernhard Findeiss zum Thema schätzen und planen, natürlich agil.

http://if-blog.de/admin/dr-scrums-tagebuch-1/

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// Wikipedia und ich #1 – Erste Erfahrungen – Der Start
Ab sofort “putzt” Roland Dürre bei Wikipedia …

http://if-blog.de/rd/wikipedia-und-ich-1-erste-erfahrungen-der-start/

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//Agiles Schätzen und Planen

http://if-blog.de/bf/agiles-schatzen-und-planen/

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Wir wünschen allen unseren Lesern einen schönen Wochenstart!