Roland Dürre
Sonntag, der 30. November 2008

Also sprach Dr. Zetsche (an der TUM am 26. November)

So wurde der Vortrag von Herrn Dr. Zetsche angekündigt:

Über „Die Zweite Karriere des Automobils“ spricht der Vorstandschef der Daimler AG Dieter Zetsche am 26. November, 16.30 Uhr an der Technischen Universität München. Die Veranstaltung, die das „Handelsblatt Junge Karriere“ zusammen mit der TUM organisiert und die unter dem Motto „Wirtschaftlenker live“ ab 16.30 Uhr im Audimax der TU München stattfindet, präsentiert einen der dynamischsten und prominentesten Wirtschaftsvertreter Deutschlands. Dieter Zetsche wird nach seinem Vortrag den Studierenden für Fragen zur Verfügung stehen.

Den Text habe ich übernommen vom Portal der TUM (Technischen Universität München). Es lohnt sich, öfters mal auf dieses zu gehen, da sind wirklich interessante Veranstaltungen und Vorträge zu finden. Mein Mentee Michael von Manage&More (unternehmerTUM) hat mich auf dieses Ereignis aufmerksam gemacht, so gingen wir nach unserer Mentee/Mentoren-Sitzung gemeinsam zum Vortrag von Dr. Zetsche. Hier zuerst ein kurzer Bericht und dann ein paar Anmerkungen:

Nach einer kurzen und humorvollen Einführung des Präsidenten der TUM ging es los. Selten habe ich einen prominenten Wirtschaftsführer oder Politiker so präzise und klar sprechen gehört wie Dr. Zetsche. Mir hat der Vortrag ausgezeichnet gefallen. Kurz und stark vereinfacht berichte ich im folgenden den Inhalt der Rede und ergänze ihn mit ein paar persönlichen Anmerkungen.

mehr »

Ulf D. Posé
Freitag, der 28. November 2008

Gegen die semantischen Verbrechen, für eine neue Redlichkeit

Schon Aristoteles empfahl, Menschen in zwei Kategorien zu unterteilen: in Redliche und Unredliche. Redlich war für ihn derjenige, der noch wusste, worüber er sprach. Das bedeutete, der redliche Mensch sprach von den Dingen selbst, nicht nur von den Gefühlen, die er hatte, wenn er an eine Sache dachte. Der redliche Mensch gibt erst einmal das Wesen einer Sache an, bevor er in Gefühlen schwelgt. Der redliche Mensch unterscheidet Wissen von Meinen.

Beobachten wir heute Menschen in Politik, Wirtschaft, Kultur, erleben wir nicht selten, dass sie sich hemmungslos mit den Abfallprodukten ihrer Großhirnrinde prostituieren. Sie äußern sich zu ihren Gefühlen, und behaupten gleichzeitig von der Sache selbst zu reden. Zur Sache selbst sagen sie aber nichts. Nicht wenige Politiker, Wirtschaftsführer, Kulturpäpste scheinen nach dem Motto zu handeln: „Was stört mich Wissen, wenn ich doch schon eine Meinung habe?“

Wieso ist dies möglich, ohne das es uns genügend bewusst wird? Spätestens seit 1903 George Edward Moore seinen Emotivismus in der Ethik entwickelte, haben wir uns einer Ethik der Neigungen verschrieben. Es ist seit Moore ethisch gut, wenn Menschen sich bei dem was sie tun, gut fühlen. Nicht Wenigen reicht das, anstatt sich zu fragen, ob dass, was sie tun auch gut ist. Dieser emotionale Brei trägt einen Großteil der Verantwortung für die Unredlichkeit im Sprechen und Handeln. Der zweite Aspekt ist der Hang zu einer Gesinnungsethik. Wenn meine Gesinnung eine redliche ist, dann fragen sich viele Menschen nicht mehr, ob sie diese Gesinnung auch an eine entsprechende Handlungskompetenz koppeln. So kommt es zu einer unsäglichen Paarung von gutem Gewissen und Inkompetenz. Ich richte Unheil an und fühle mich auch noch gut dabei. Dann haben wir drittens eine das Gewissen beruhigende Betroffenheitskultur entwickelt. Bei Lichterketten mitzumachen erscheint uns sinnvoller, als etwas konkret zu unternehmen. Manche Menschen rührt das Elend in Afrika mehr, als das Elend nebenan. So leiden wir unter Fernstenliebe; die Nächstenliebe ist auf der Strecke geblieben. Das scheinen mir die grundsätzlichen, generellen Merkmale einer neuen Unredlichkeit zu sein.

Auf der Strecke geblieben sind dabei die Bedeutungen unserer gesellschaftlich wichtigen Begriffe. Ob Demokratie, soziale Gerechtigkeit, Leistungsprinzip, Freiheit, all diese Begriffe lösen Gefühle aus, die keineswegs durch Kenntnis der tatsächlichen Bedeutungen dieser Wörter gedeckt ist. Die wichtigsten Begriffe unserer Gesellschaft werden so nicht mehr auf ihre semantische, sondern nur noch auf ihre emotionale Bedeutung hin untersucht. Daraus folgen semantische Verbrechen und inkompetente Handlungen, und es fällt kaum noch auf. Lassen Sie mich dies an einigen Wortbeispielen unserer Gesellschaft erläutern.

mehr »

Hier ein sehr persönlicher Beitrag in drei Teilen (hier Teil 1). Ich habe lange überlegt, ob ich ihn schreiben soll. Das Thema ist mir wichtig, vielleicht auch als Botschaft für die Zeit, wenn ich nicht mehr lebe. Deshalb schreibe ich.

1956 konnte man in Augsburg noch viele Ruinen sehen. Auch die Straßen der Innenstadt hatten häßliche Lücken. Die Bombennächte waren noch gar nicht so lange her. Aber das Wirtschaftswunder griff schon. 1956 wurde ich 6 alt. Im Winter war es schon wärmer, denn der Ofen wurde morgens regelmäßig eingeheizt. Licht und Strom und fließendes Wasser waren selbstverständlich. Zwar war das Wasser zum Waschen noch kalt, denn nur einmal die Woche wurde der aus der Perspektive eines Kindes riesig scheinende Badezimmerofen mit Braunkohle beheizt. Samstag war der Familienbadetag und das warme Wasser wurde gerecht zwischen Eltern und Kindern geteilt. Sonntags ging es dann in die Kirche.

Die Erinnerung an die ersten 4 Jahre meines Lebens sind mir nicht mehr präsent. Ich fühle aber, dass ich von meinen Eltern sehr geliebt wurde. Die von mir so negativ empfundene Erziehung ging wohl erst danach los, das Grauen kam mit der Schule.

Wir wohnten seit 1955 in einem schönen und hellen Neubau in der Rosenaustraße 18, zwar noch ohne Zentralheizung aber ansonsten ganz modern. Zwischen unserer Wohnung und dem Hauptbahnhof Augsburg lag das breite Gleisband von Reise- und Güterbahnhof. Vom Küchenfenster konnten wir die ankommenden und abfahrenden Züge sehen und den Rangierbetrieb beobachten. Und die Wäsche, die im Hof hinter dem Haus lieg, war zum Leidwesen meiner Mutter oft schwarz vom Ruß. Vor dem Haus ging die Rosenaustr. vorbei, die im Laufe der Jahre befahrener und breiter wurde. Einmal hätte mich fast ein Auto überfahren. Immer wenn ich mit dem Zug durch Augsburg fahre, sehe ich das Haus und muss an diese Zeit denken.

Die Rosenaustraße gehörte zum Sprengel der Wittelsbacher Volksschule, dort wurde ich im Sommer 1956 eingeschult. Die Schule lag hinter unserer Pfarrkriche St. Anton. Der Schulweg betrug 15 Minuten, es ging durch den Stadtpark, dann an der Kirche vorbei und schon kam das kasernenartige Schulgelände. Die bestimmenden Bauten waren zwei Gebäude, Mädchen- und Buben. Beides waren stattliche Altbauten mit hohen Räumen, langen Gängen und großen Toiletten. Im Winter wärmten die großen Heizkörper der zentralen Dampfheizung die vom Schulweg klammen Glieder ganz ordentlich auf. Ölfarbe und Linoleum, so wie ich es 1989 in der DDR wieder erlebte.

mehr »

Klaus-Jürgen Grün

Kernschmelze

Noch nicht einmal 20 Jahre sind vergangen, seit der real existierende Sozialismus sich in seiner Kernschmelze aufgelöst hat. Dass sich aber schon so bald auch der fantastische Kapitalismus um Haaresbreite an seinem Bankrott vorbeiwursteln würde, haben sich die Konstrukteure der Wende so wenig träumen lassen, wie seinerzeit die Funktionäre der Sowjektnomenklatura ihren eigenen GAU. Nicht weniger als die Planwirtschaft ist der Kapitalismus inzwischen über die Grenzen seines Wachstum hinausgewuchert.

Es gibt Stimmen, die sich wünschen, man hätte das Auffangnetz für ihn nie gestrickt. Immer mehr Artisten und Finanzjongleure, herabgefallen aus spekulativen Höhen, soll es jetzt tragen. Warum lassen wir sie nicht bis zum harten Boden der Realität durchrasseln? – Weil wir Angst haben, dass sie uns mitreißen könnten, und weil wir am Wohlstand kleben. So sind wir alle offen für Bestechungen durch den Staat.

Wer sich das Ende des Kapitalismus herbeiwünscht, muss sich klar machen, dass mindestens zwei Kapitalismen existieren. Er sollte sich entscheiden, welchem er zur Macht verhilft, während er für die Beseitigung des anderen stimmt. Der eine Kapitalismus ist geprägt von uferloser Akkumulation von Kapital in den Händen Weniger, die sich die Freiheit herausnehmen, damit tun und lassen zu können, was ihrer Macht und der Vertreibung ihrer Langeweile dienlich ist. Vielleicht ist er von geringerem Übel als der andere.

Der andere Kapitalismus besteht in der bis ins kleinste Detail der Arbeit und des Privatlebens durchorganisierten Verwaltung durch Rechts- und Ordnungsstrukturen, die aus bürokratischen Ämtern und systemischen Gerüsten weltweiter Warenproduktion und Dienstleistungsorganisation jedes Risiko kalkulieren und minimieren müssen. Sonderwege, Innovationen und Risikobereitschaft werden ihm gefährlich. Es ist jener Kapitalismus der innerweltlichen Askese, der Rationalisierung von Arbeit, von dem Max Weber gesehen hatte, dass er am Ende zu einer vollständig durchrationalisierten Welt entarten würde. Einen „asketischen Rationalismus“ sah er im Entstehen, der „nun auch für den Inhalt der sozialpolitischen Ethik, also für die Art der Organisation und der Funktionen der sozialen Gemeinschaften vom Konventikel bis zum Staat“ (Weber) verantwortlich ist.

Dieser Kapitalismus resultiert aus der Angst vor der Bedeutungslosigkeit des Individuums. Indem es mit methodischem Plan alles bis ins Detail der Herrschaft seiner Organisation unterwirft, keinen Arbeiter unbeobachtet sich selbst und nichts dem Zufall überlässt, versichert es sich seiner Zugehörigkeit zu einem unzerstörbaren Ganzen. In diesem Kapitalismus gewinnt unverhofft Macht der eigentümlich blasse und blutleere Sytemagent, den nichts so sehr interessiert wie die Verwandlung lebendiger Zusammenhänge in tote, bürokratische Systeme.

Max Weber hatte keine Freude an dieser Vision. Mit Worten aus Nietzsches Zarathustra versuchte er sie zu fassen: „Dann allerdings könnte für die ‘letzten Menschen’ dieser Kulturentwicklung das Wort zur Wahrheit werden: ‘Fachmenschen ohne Geist, Genußmenschen ohne Herz: dies Nichts bildet sich ein, eine nie vorher erreichte Stufe des Menschentums erstiegen zu haben.’“

Ohne sich an Max Weber orientieren zu müssen, hatte Herbert Marcuse vor einem halben Jahrhundert dann dazu aufgerufen, sich der vollkommenen bürokratischen Verwaltung zu verweigern. Er hatte später gehofft, dass eine Jugend sich aus der gesellschaftlichen Repression der „systematischen Steuerung und Kontrolle“ würde befreien können. Der Kapitalismus der „Triebunterdrückung“, gegen den sich seine „Revolte“ richtete, war jenes Geflecht aus „Manipulation im Interesse bestimmter Unternehmen, politischer Richtungen und Interessen“, denen „das allgemeine und objektive Ziel übergeordnet (ist), den Einzelnen mit der Lebensform auszusöhnen, die ihm von der Gesellschaft aufgezwungen wird.“

Indem wir heute unsere Blicke auf den Kapitalismus der sozialen Ungerechtigkeit lenken lassen und dort Sündenböcke opfern, wird das Individuum – wie Marcuses Diagnose entlarvte – „gleichzeitig nachgiebiger und fügsamer, denn es unterwirft sich einer Gesellschaft, die dank ihrem Überfluss und ihrer Macht seine tiefsten Triebansprüche verwaltet und befriedigt.“

Marcuses Empfehlung, gegen die repressive Macht der puritanischen Pflichtethik eine „ästhetische Moral“ zu setzen, die nicht aus Triebunterdrückung, sondern mit dem natürlichen Spieltrieb des Menschen seine Freude an der produktiven, innovativen – nicht ausbeuterischen – Arbeit steigere, würde uns sicher leichter aus dem Sumpf der faulen Kredite herausführen, als die moralisierende Schelte derjenigen, die durch Nachbesserung ihrer Rahmenrichtlinien und Standards einen zuvor begangenen Fehler durch einen weiteren korrigieren wollen.

KJG

Roland Dürre
Donnerstag, der 27. November 2008

2-Wochen-News – #12

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde,

zuerst nur zur Erinnerung:

Am Donnerstag, den 11. 12. 2008 ab 18:00 ist IF-Blog-Party! Näheres unter:
http://if-blog.de/rd/if-blog-its-party-time/
Wer zur IF-Blog-Party kommen will, bitte einfach kurz per E-Mail Bescheid geben!

Ganz neu: IF-Blog hat einen neuen Bereich: Dokumente ( http://if-blog.de/dokumente/ ). Wir stellen hier interessante Dokumente ein, die man sonst eigentlich kaum bekommen kann. Die kann man runterladen, lesen oder ausdrucken. Bisher sind veröffentlicht:
– Shareholder Value oder Stakeholder Value, ein Beitrag von Rudi Jansche zur Globalisierung und unternehmerischer Verantwortung
– das Manuskript zu einem Vortrag von Rupert Lay (Die Angst der Manager),
– die Folien des Vortrages von Herrn Schindler und
– ein Theaterstück zur New Economy 1999, an dem der Schreiber dieser Zeilen beteiligt war.

Was gibt es noch seit der letzten News?

// Interview mit Jens-Uwe Schmidt im The Academy Exchange von HDS
Ein Interview mit unserem Storage-Spezialisten Jens-Uwe Schmidt:
http://if-blog.de/rd/interview-mit-jens-uwe-schmidt-im-the-academy-exchange-von-hds/

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Beiträge von mir zu Gehältern, Motivation, Rendite und Spekulation:

http://if-blog.de/rd/weltfinanzwirtschafts-krise-und-gehalter/ (Gehälter)
http://if-blog.de/rd/manage-more-mentor-mentee-motivation-und-der-motivationsbusen/ (Motivation)
http://if-blog.de/rd/betriebswirtschaftslehre-und-rendite-in-1967/ (Rendite)
http://if-blog.de/rd/vom-lieben-geld-und-gutem-ol-hoch-lebe-die-spekulation/ (Spekulation)

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

// „Sind Managergehälter unanständig? – Ethik in der deutschen Wirtschaft“
Ulf Posé nimmt Stellung zu Managergehältern:
http://if-blog.de/udp/%E2%80%9Esind-managergehalter-unanstandig-%E2%80%93-ethik-in-der-deutschen-wirtschaft%E2%80%9C/

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Zwei mal „Computer Vintage“

http://if-blog.de/rd/computer-vintage-5-die-ortenburgstrasse-1977/ und
http://if-blog.de/rd/computer-vintage-7-bargeldlos-essen-im-kasino-ab-1972/

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

und zwei mal Wikipedia:

http://if-blog.de/rd/wikipedia-und-ich-3-so-kam-ich-zur-klarheit/
http://if-blog.de/rd/wikipedia-und-ich-4-wer-und-was-warum-relevant-oder-nicht-relevant-ist-die-rks/

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

// Agiles Schätzen und Planen Teil 3
und natürlich Scrum
http://if-blog.de/bf/agiles-schatzen-und-planen-teil-3/

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

// IT-Treff ‘99 – Feiern gegen die Krise!
und last but not least eine Erinnerung an schöne Parties gegen den Frust:
http://if-blog.de/rd/it-treff-99-feiern-gegen-die-krise/

Viel Spaß beim Lesen!

Einen schönen Advent!

Roland Dürre

Rudolf Jansche hat uns erlaubt hat, seinen Beitrag

„Shareholder Value oder Stakeholder Value?“

in IF-Blog zu veröffentlichen.

Zentrales Thema seiner Überlegung ist der Zusammenhänge zwischen Globalisierung und unternehmerischer Verantwortung.

Der Artikel wurde als „Ronneburger Text“ veröffentlich, in IF-Blog können Sie die 2. aktualisierte Auflage aus dem Jahr 2002 nachlesen und bei Bedarf ausdrucken.

Die Überlegungen von Rudi Jansche sind zur Zeit wieder recht aktuell, siehe z.B. Seite 38, Missmanagement. Die Broschüre ist in unserem Bereich „Dokumente“ abgelegt. Direkt zum Lesen und Ausdrucken findet man sie hier.

Biographische Daten zu Rudolf Jansche

geboren 1933 im Sudetenland.

1956 Diplomprüfung an der Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Nürnberg.

Seit 1956 Betriebswirt in Deutschland und USA, daneben 1960/61 weiterführende Studien an der University of Chicago.

Von 1973 bis 1994 Geschäftsführer der Deutsche ICI GmbH und National Manager der ZENECA GmbH (vormals Deutsche ICI GmbH) in Plankstadt bei Heidelberg.

Ehrensenator der Universität Heidelberg, Honorarprofessor der Universität Barcelona

Ich persönlich habe Rudi Jansche als sehr klugen Manager und weisen Menschen kennen gelernt und von ihm viel gelernt. Lieber Rudi, herzlichen Dank, dass Du uns die Veröffentlichung Deines Artikels gestattet hast!

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 22. November 2008

Betriebswirtschaftslehre und Rendite in 1967

Im wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium Jakob Fugger zu Augsburg im Jahre 1967 in der 11. Klasse im Fach Betriebswirtschaftslehre haben wir folgendes gelernt:

Die Umsatzrendite sollte zwischen 0,5 % und 2 % liegen!

Warum? Die Begründung ist ganz einfach:

Nehmen wir als Eigenkapital vereinfacht 500.000 DM an. Der Umsatz sollte in der Lehre ein Mehrfaches des Eigenkapitals betragen. Bei einem Faktor 20 von Umsatz zu Eigenkapital ergibt sich in unserer Musterrechnung ein Umsatz von 10 Millionen DM. Bei einer Umsatzrendite von 2 % ergibt sich eine Kapitalrendite vor Steuern in Höhe von 200.000 DM, sprich von 40 % des Kapitals. Dies wäre damals als astronomisch hohe Rendite bewertet worden. Und unser BWL-Lehrer „Professor“ Eugen Hirn hätte darauf hingewiesen, dass so nachhaltiges Wirtschaften wohl kaum möglich sei. Vielleicht hätte er noch angemerkt, dass man ja auch noch den Wertzuwachs des Unternehmens bedenken müsse, der ja auch den Eignern zu Gute käme. Und Eugen Hirn war alles andere als ein Sozialist oder Kommunist. Die meisten Bürger unserer jungen Republik hätten damals eine heute geforderte Umsatzrendite von 10 % als unseriös abgetan, in unserem Fallbeispiel hätte dies eine Kapitalrendite von 1.000.000 DM oder 200 % vom Eigenkapital bedeutet.

mehr »

Roland Dürre
Freitag, der 21. November 2008

Vom lieben Geld und gutem Öl – Hoch lebe die Spekulation!

Vor ein paar Wochen bei einem Vortrag von Franz-Josef Bierbrauer habe ich erfahren, dass nur 2 % des Handels mit Währungen wie € oder $ dem Warenaustausch dienen. Die restlichen 98 % des weltweit gehandelten Währungsvolumen erfolgt ausschließlich aus spekulativen Methoden! Ich habe die Zahl nicht nachgeprüft, ich glaube da einfach Herrn Bierbrauer. Und:

🙂 Die Zahl paßt auch in meine Vorurteils-Struktur …

Spekulation stelle ich mir so vor: Ein schweres Pendel hängt von der Decke. Es gibt zwei Gruppen: die eine versucht, das Pendel möglichst weit und mit aller Kraft in eine Richtung zu bringen. Die Teilnehmer wechseln dabei sogar noch dynamisch die Gruppen. Wenn das Pendel auf einer Seite ganz oben ist und man kaum mehr hinkommt, dann schwingt es in die andere Richtung, die andere Gruppe gewinnt immer mehr die Überhand und irgendwann ist dann das Pendel auf der anderen Seite soweit oben wie es gerade nur möglich ist. So schwingt das Pendel hin und her. Man weiß aber nie, wann es ganz oben ist und es wieder umschlägt. Das kann Monate, Jahre oder auch Jahrzehnte dauern.

Wie das Pendel hin und her schwingt, so geht der Kurs der Währungen auf und ab. Und damit wollen alle Teilnehmer des Spiels Kasse machen. Es ist aber ein Nullsummenspiel, es kann immer nur soviel „verdient werden“ wie andere „verlieren“. Und da zusätzlich Gebühren anfallen, ist es nicht einmal ein Nullsummenspiel. Manche erhöhen die Nebenkosten, indem sie mit geliehenem Kapital spekulieren und deshalb Zinskosten haben. Im Sinne einer Wertschöpfung erscheint das Ganze sinnlos. Nutzen kann es nur Teilnehmern, die klüger als andere sind (?), besonders viel Glück haben (?) oder in der Lage sind, erfolgreich zu manipulieren (!).

Jetzt würde ich gerne wissen: Wie sieht es beim Öl aus? Wieviel des gehandelten Öls landet am Schluss tatsächlich beim Verbraucher und wird dort verbrannt oder verwendet? Vielleicht kann ein Leser diese Frage beantworten?

Ich kann mir gut vorstellen, dass – wie bei den Währungen – die tatsächlich verbrauchte Ölmenge nur ein kleiner Teil des gesamten Handelsvolumen mit Öl ist. Und dann wäre mir klar, dass der Preis des Öls mit dem realen Wert des Öls (sofern der überhaupt bezifferbar ist) oder mit Szenarien wie dem „oil peak“ genauso wenig zu tun hat, wie der Wert einer Währung mit ihrer Kaufkraft.

Das wäre dann auch eine Art von „Virtualisierung“!

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 18. November 2008

IT-Treff ’99 – Feiern gegen die Krise! ♫

In den 90iger Jahren gab es eine Zeit, da ging es der IT-Branche und den Software- und IT-Häusern in und um München nicht so gut.

Deshalb traf sich 1994 ein Kreis mittelständischer Münchner IT-Unternehmer und gründete den IT-Treff. Ziel war, die miese Stimmung zu vertreiben und wieder mal richtig zu feiern. Vier Jahre lang gab es jährlich ein großes Fest – immer im Schlachthof. Es gab tolle Musik, kabarettistische Einlagen, prominente Gastredner, Tombolas mit tollen Preisen und hochkarätige Podiumsdiskussionen zu interessanten Themen. Die Stimmung war super und es wurde ausgelassen getanzt. Finanziert wurde alles von weiteren IT-Unternehmen, die den IT-Treff sponserten.

mehr »

Heute geht es um die Abkürzung RK. Bei RK denke ich an den Ronneburger Kreis, einem gemeinnützigen Verein, bei dem ich Mitglied bin. Der Ronneburger Kreis wurde von Menschen gegründet, die sich bei Management-Trainings von Rupert Lay kennengelernt haben und die der Meinung waren, man müsste etwas für ethisches Handeln in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft tun. Ich war Mitgründer und habe lange Jahre im Kuratorium und jetzt im Beirat des RKs gewirkt. Meine Erfahrung: als Lobby für ethisches Handeln hat man es auch nicht leicht.

Heute geht es aber um die Relevanzkriterien in Wikipedia, abgekürzt RK:

RK bzw. WP:RK
Sind Abkürzungen für Relevanzkriterien; WP:RK funktioniert als Abkürzungsredirect auf dieselben

(original aus dem Glossar von Wikipedia kopiert)

Das mit der Relevanz ist natürlich eines der Hauptprobleme einer demokratisch organisierten Enzyklopädie. Wikipedia ist multidimensional geworden. Gestartet als allgemeine Enzyklopädie enthält es heute (fast) alles. Man findet unter anderem:

  • Ein Nachschlagewerk für IT-Probleme (z.B. was gibt es für Ports?)
  • Beschreibungen technischer Sachverhalte (Wie funktioniert eine Nabenschaltung?)
  • Definitionen von (philosophischen) Begriffen (Was ist Glück?)
  • Beschreibungen von Unternehmen (Was ist Siemens?)
  • Das neue „Who is who“ für Menschen und Unternehmen (Wer ist Rupert Lay?)
  • Geschichten der Pop-Musik (Was ist Hey Jude?)
  • Begriffe aus dem Management (Was sind „Lessons Learned „?)
  • Schachvereine (Gibt es einen FC Bayern München im Schach?)
  • und vieles mehr …. (Was ist wikipedia?)

Ich könnte die Liste noch ziemlich lange fortsetzen …

Was ist denn relevant?

mehr »