Roland Dürre
Samstag, der 31. März 2012

Utb PALERMO #1 Der Weg ist das Ziel

Heute Abend geht es mal wieder mit den Fahrrädern in den Urlaub. So fange ich ein neues Urlaubstagebuch (Utb) an. Das Ziel der Reise ist Palermo, also nenne ich es so. Ich starte mit Palermo #1.

Das Ziel ist aber eigentlich nicht Palermo, sondern der Weg dorthin. Es geht über Rom nach Palermo. Der Weg beginnt in Ottobrunn. Wobei ich die Teilstrecke bis Rom im Schlaf verbringen möchte.

Dort geht es weiter mit dem CNL 485. Um 21:03 soll er von Gleis 12 nach Rom aufbrechen. Wir können uns dann ungefähr 12 Stunden in den Betten unseres Schlafwagens lümmeln. In Roma steigen wir in einen Zug nach Neapel, von dort geht es mit dem Zug weiter nach Salerno. Und dann wird geradelt.

Wir sind zu viert. Geplant war die Reise zu zweit – die Barbara und ich. Dann aber wollte die Maresa mit, und plötzlich wollte die Sophie auch noch mit. Wir sind ja flexibel. So bin ich die nächsten 10 Tage mit drei jungen Damen in Süditalien unterwegs. Freue mich schon auf die neidigen Blicke der Italiener.

Die Richtung ist einfach. Es geht gen Süden. Vielleicht schaffen wir noch 2 – 3 Tage auf Sizilien. Und vielleicht können wir sogar den Ätna ganz aus der Nähe sehen.

Am Dienstag, den 10. April ist wieder Schluss mit Radeln. Am Abend wartet in Palermo ein Schiff auf uns, das uns über Nacht nach Civitavecchia bringen soll. Von dort ist es ein Katzensprung nach Rom, wo wiederum am Abend um 19:03 der CNL 484 nach München (hoffentlich mit uns) starten soll.

So jetzt muss ich aber langsam Schluss machen. Die Räder stehen schon gepackt in der Auffahrt – in knapp einer Stunde geht es los. Wir sind (noch) faul und nehmen die S-Bahn um 19:47 in Ottobrunn zum Hbf München.

Ja, und wenn ich wieder im Internet bin und ein paar schöne Fotos habe, gibt es Utb PALERMO #2. Schau mer mal, was uns so erwartet …

RMD

P.S.
Und morgen erscheint noch ein kleiner April-Scherz.

Roland Dürre

brand eins im April

Diesmal kam es am 29. April zu mir, das neue brand eins.

Er räkelt sich auf dem Fell des Geparden – der Kapitalismus. Im schwarzen Band steht in roten Lettern geschrieben Wenn schon, denn schon. Und darunter: Schwerpunkt Kapitalismus. Nach der Relevanz im März!

Hat die rote Farbe etwas zu bedeuten? Wird brand eins zu einer linken Hetzschrift, so wie die Bayerische Verfassung?
(Siehe meine Texte zur Weltfinanzkrise).

Sicher stehen wir kurz vor dem Ende des Spätkapitalismus. Setzt brand eins deshalb auf den Schwerpunkt Kapitalismus? Also, das Heft schnell aufgemacht und reingeschaut.

Das Editorial von Frau Fischer beruhigt mich. Sie hat recht: In dieser Welt ist einiges durcheinander gekommen. Aber es gibt Schlimmeres als den Kapitalismus. Auch wenn dieser zum Teil am Schlimmen schuld ist. Genauso wie sein kleiner Bruder, der Kommunismus. Der ist ja schon gestorben. Oder zumindest verschwunden (denn sein Leichnam wurde noch nicht gefunden).

Auf jeden Fall ist der Kapitalismus zurzeit konkurrenzlos. Mangelnde Konkurrenz macht ja schwach, der Kapitalismus wird aber auch diese Phase überleben. Und sich wandeln und immer wieder auferstehen. Weil der Mensch halt so ein spätkapitales Gen hat.

brand eins im April versucht zu erklären, warum so viele Menschen (ich meine mittlerweile ist es die absolute Mehrheit) sich unbehaglich fühlen und Angst haben. Und sich große Sorgen machen wegen unseres extrem spät-kapitalistischen Wirtschaftens und den daraus radikal nicht nachhaltigen Folgen. Wie wir in grauenhafter Konsequenz aber auch wirklich alles, was uns als irgendwie ausbeutungswürdig scheint, dann auch ausbeuten. Dies ohne jede Rücksicht auf Verluste und mit totalem Ignorieren aller Erkenntnis.

Die wenigen Artikeln, die ich zu später Nachtstunde gestern lesen konnte, wollen das Unbehagen erklären. Bei mir subjektiv haben sie das Unbehagen über die Lage eher gemehrt denn gemindert. Ich finde es toll, dass eine Wirtschaftszeitung den Mut hat, das System, von dem brand eins ja genauso lebt wie wir alle, mal aus einem ganz anderen und kritischen Blickwinkel zu betrachten.

Deshalb kommt das nicht nur an Gewicht schwere Heft dann doch in meine Radtasche, wenn ich heute Abend zum Hbf München aufbreche. Dort wartet ein schönes spät-kapitalistisch feudales 1. Klasse-Compartiment mit eigener Dusche, um mich nach Rom zu bringen. So freue ich mich schon, brand eins gelegentlich am Abend in feudalen Hotels zwischen Neapel und Palermo zum Abschluss eines schönen Radtages bei einem guten Glas Wein zu genießen und mir in mafiöser Umgebung Gedanken über den Sinn und Unsinn des Spätkapitalismus zu machen!

😉 Und natürlich auch ein wenig, wie ich aus ihm Profit schlagen kann …

RMD

🙂 Vor meinem Urlaub wird noch mal richtig genörgelt!

Gestern morgen in der SZ lese ich im Lokalteil eine kleine Notiz mit der Überschrift:

Die Zahl des Tages – 2,9 – Erfolgreicher Hafen!

Es geht um den „Bayernhafen Regensburg“. In der Zeitung steht:

Er ist auf Wachstumskurs!

Denn der Umschlag ist im vergangenen Jahr um 2,9 Prozent auf rund 7,6 Millionen Tonnen gestiegen!

Oh, denke ich mir. Dann macht der Rhein-Main-Donau-Kanal vielleicht doch einen Sinn. Und wundere mich ein wenig.

Ein paar Zeilen weiter unten wundere ich mich aber nicht mehr. Denn da steht:

Allerdings geht das Wachstum ausschließlich auf das Konto der per Lkw und Bahn transportierten Güter. Der Umschlag im Schiffsverkehr machte dagegen nur 1,5 Milliarden Tonnen aus. Das entspricht einem Minus von neun Prozent im Vergleich zu 2010.

Und ärgere mich!

Denn ist das die Die Zahl des Tages des „erfolgreichen Bayernhafen Regensburg“? Oder reden wir hier von einem Umschlagsplatz für Container mit ein wenig angeschlossenen Schiffsverkehr?

Aber dann kommt die erlösende Erklärung. Der Rückgang wäre ja zu entschuldigen. Denn:

Niederlassungsleiter Andreas Pippig machte vor allem die schwierigen Witterungsbedingungen im vergangenen Jahr verantwortlich. Donauhochwasser, Eissperren und das wochenlange Niedrigwasser im Herbst hätten die Schifffahrt immer wieder behindert.

Ja hoppla, hat er Mann denn noch nichts von der Klimaveränderung gehört? Vielleicht sollte den mal einer aufklären?

Was mache ich?

Versuche ehrlich zu sein und mich und andere nicht so frech selbst zu belügen wie das zumindest die Überschriften der Artikel in den Zeitungen tun.

RMD

Die Insolvenz von Schlecker habe ich berichtet. Aber die Schleckerei geht weiter.

In vielen Bundesländern wurde jetzt verhandelt, wie man die verbleibenden Filialen der maroden Kette weiterführen kann. Wie immer mit dem Argument, dass man die Arbeitsplätze retten müsse.

Das ärgert mich!

Zwar hat ja eine kleine Ländermehrheit die Rettungsinvestitionen abgelehnt. Schmerzhaft für die Mitarbeiter aber wahrscheinlich richtig.

Die ausufernden Angebote der Drogeriemärkte habe ich nie verstanden. So auch deren Erfolg nicht. Besonders wenn diese Drogerie-Märkte neben Discountern liegen, die ja im Prinzip alles, was man so für die Körperpflege brauchen könnte, auch anbieten.

Drogeriemärkte verkörperten für mich schon immer die perverse Kombination von Körperkult und Konsumgeilheit. Aber die Vielfalt des Angebots von „stylischen“ Produkten mit ihren leeren Versprechungen von Schönheit, Wohlgerüchen, sexuellem Erfolg und was noch so alles hat es halt den „Konsumenten“ angetan.

So wurden diese Ketten zu Maschinen zum Geld drucken. Mit einem unvorstellbarem Expansionstempo generierten sie Milliardengewinne für ihre Eigentümer. Gleich ob sie DM, Müller, Rossmann oder Schlecker geheißen haben, verkauft haben sie eigentlich nur Erdöl, in Form von überteuerten organischen Chemieprodukten, durch übertriebene Verpackungen verkleidet als Körperpflegemittel. Also Plastikmüll hoch zwei.

Jetzt erwischt es einen von ihnen. Einen, der nie die beste Presse hatte. Einen, der im Markt wahrscheinlich keinen Platz mehr hat. Und alle beginnen zu weinen und fordern Geld, um die Arbeitsplätze zu erhalten. Und die Bürger sollen dafür bezahlen!

Vor kurzem waren es noch die Konsumtempel einer Kaufhauskette, die in Not waren. Bald sind es die Baumärkte (man hört schon jetzt munkeln, dass der „Praktiker“ seine Jahresverluste auf hohem Niveau dynamisch erhöht (SZ). Auch so eine ehemalige Goldgrube, die ihre Eigentümer mit billigem Ramsch reich gemacht hat.

Dem Frieden bei den XXL-Möbelgeschäften mit ihren mega-unseriösen Preisstrukturen traue ich auch nicht. Das sind doch auch „Billigheimer“, die ihre Kunden mit billiger Ware für den Sperrmüll und Superrabatten rein legen.

Sollen wirklich alle maroden Kaufhaus-, Discounter-, Drogerie-, Baumarkt- und Möbelketten mit unseren Steuergeldern gerettet werden? Oder gibt es dann einen zweiten Rettungsschirm für den Binnenkonsum?

Und was mache ich dagegen?

Ich versuche meinen Konsum auf das Minimum zu reduzieren! Und fordere alle Menschen auf, nicht jeden Mist zu kaufen. Sondern vorher ein wenig nachzudenken!

Und wenn ich wirklich etwas mal dringend brauche (kommt eigentlich eh nur noch ganz selten vor), dann kaufe ich Qualität.

Und was ärgert mich noch in den heutigen Nachrichten?

Die Nachrichten von der sicher auch schmerzhaften aber wohl falschen Lösung bei Müllerbrot, dass der EURO-Rettungsschirm auf eine Milliarde ausgebaut werden soll, dass die SZ bestätigt, dass die tollen Arbeitslosenzahlen wirklich zumindest stark geschönt sind …

Und rechne mir klammheimlich aus, wie lange es dauert, bis die Gas-Bubble in der Nordsee das kleine Lichtlein an der Spitze der Bohrinsel erreicht und wann es dann PUFF macht.

Also – ab in den Regen …

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 29. März 2012

Kindle für alle !

Unterhaching, 30. März 2012

Pressemitteilung

Kindle@InterFace

Im Rahmen des ersten „Blue Fridays“ 2012, des periodischen Treffens aller Kollegen in Unterhaching, überreichte die InterFace AG all ihren Mitarbeitern, Werkstudenten und Praktikanten je einen neuen Kindle 4 von Amazon.

Um die Kindle-Technolgie innerhalb und außerhalb von Amazon hat sich ein faszinierendes System zur Wissensverteilung mit vielfältigen Software-Werkzeugen gebildet. Es gibt freie Software, mit der man Texte verschiedener Formate ins Kindle-Format konvertieren und auf Kindle-Geräte verteilen kann.

Sogar ein alternatives Betriebssystem für den Kindle gibt es, das ergänzend oder anstatt des vorhandenen genutzt werden kann. Diese Technologie „riecht“ förmlich danach, in wissensbasierten Unternehmen bei co-working, co-laboration oder co-creation eingesetzt zu werden. So möchten wir im IF-Lab, aber auch im ganzen Unternehmen unsere Prozesse mit neuen Verfahren und Werkzeugen unterstützen und so für uns ausprobieren, was wir (und andere) besser machen können.

Das gilt für das Generieren neuen Wissens genauso wie für die Unterstützung von Kommunikation und Qualität innerhalb unseres Unternehmens. Deshalb und auch als kleines Dankeschön für die engagierte Unterstützung im erfolgreichen Jahr 2011 erhielt letzten Freitag jeder InterFace-Mitarbeiter sowie Werkstudent einen neuen Kindle 4 zur privaten Nutzung.

Vorstandsvorsitzender der InterFace AG Roland Dürre dazu: „Wir gehen davon aus, dass diese zwar nicht mehr ganz so neue Technologie in Zukunft eine große Rolle spielen wird. Die Paradigmen bei der Anwendung und dem Einsatz von IT werden sich weiter dramatisch verändern und erweitern.
 Mit der Ausstattung unserer Mitarbeiter mit Kindles wollen wir alle „InterFace’ler“ möglichst schnell an diese Technologie heranführen und so die Voraussetzungen weiter verbessern, dass unser Unternehmen kreativ, vital und technologisch führend bleibt.“

Kontakt: Roland Dürre Mail: roland@duerre.de Tel: 0171/4850115

Das Bild darf für die Veröffentlichung genutzt werden.

Hier meine Tweets der letzten Woche zum Thema:
Bloggen und Twitter, Weisheiten und Regeln:

120322 Nesseln brennen Freund und Feinde – Vorsicht – Twitterer und Blogger. #Twitter #Bloggen #Weisheit

120323 Neue Besen kehren gut – gilt ab und zu fürs Bloggern und Twittern. #Twitter #Bloggen #Weisheit

120324  Neue Funde kommen von armen Leuten – gilt das auch fürs Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

120325 Neue Lieder singt man gern – so ist’s auch beim Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

120326 Neue Zeitung hört man gern – wie beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

120327 Neuem Gesetz folgt neuer Betrug – Material fürs Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

120328 Neukommen ist willkommen – auch beim Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

Jeden Tag kommt ein neuer Tweet dazu. Siehe unter twitter.com und “follow” RolandDuerre!
Viel Spaß beim Folgen!

RMD

P.S.
Die Sprichwörter habe ich auf Alle deutsche Sprichwörter gefunden.

Roland Dürre
Dienstag, der 27. März 2012

Ist Parteienfinanzierung noch zeitgemäß?

Am Wochenende waren wieder Wahlen. Ein Grund, an Parteien und Politik zu denken. Und an die politische Meinungsbildung. Die gehört ja zu den Aufgaben der Parteien. Dafür bekommen sie Geld vom Staat.

Aber:

Die Teilnahme an demokratischen Foren zu politischen Meinungsbildung ist heute nicht mehr so aufwändig wie sie es vielleicht vor 50 Jahren gewesen sein mag. Mittlerweile geht dies auch ohne lange Nächte mit Zigaretten und Rotwein.

Politische Meinungsbildung kostet heute „nur“ noch die Zeit aktiver Bürger. Gefragt ist der gute Willen und das Vermögen möglichst vieler, sich weiter zu bilden und autonom und eigenverantwortlich die Herausforderungen einer modernen Gesellschaft zu bewerten. Gefordert ist nachzudenken, andere Meinungen und Standpunkte zu verstehen und zu akzeptieren oder zu widerlegen.

Dazu müssen Werte entwickelt und die Fähigkeit geschärft werden, Argumente dialektisch zu debattieren. Kampfparolen und vereinfachende Dogmen sind nicht hilfreich. Wahlversprechen sind nicht mehr willkommen. Die Bürger müssen sich wieder ihrer Autonomie bewusst werden und vereinfachende „Gewissheiten“ wie leichtfertiges Geschwätz ablehnen. Sie müssen wieder beginnen, als mündige Menschen die Dinge zu hinterfragen. Und vor allem bereit sein, eigene Interessen und Besitzstände auf den Prüfstand zu stellen.

Demokratie ist eine Frage von Kultur und Bildung. Und lebt von der Bereitschaft, das Gemeinwohl als Wert zu akzeptieren. Dazu braucht man zuerst mal kein Geld!

Politische Meinungsbildung kann heute so einfach entwickelt werden. In unserer Zeit kann man sich und andere preiswert informieren, einfach mit anderen kommunizieren und diskutieren, sich so eine Meinung zu bilden und sich selbst und andere überzeugen. Auch wenn die Partner weit weg sind. Denn es gibt mittlerweile das Internet!

Deswegen sollte der Staat nicht mehr das Geld seiner Bürger in fossile Parteien-Strukturen schießen! Das dann letztlich nur für Marketingwalzen ausgegeben wird und die Oligarchie der vorhandenen Parteien stärkt. Und vor der hat der deutsche Philosoph Karl Jaspers schon vor 40 Jahren gewarnt. Leider erfolglos.

Moderne Parteien brauchen für ihre zentrale Aufgabe keine Gelder der öffentlichen Hand. Das Kopfgeld pro Wähler stützt nur die Verkrustung gewachsener Machtstrukturen. Wer an der Macht ist, bekommt viel Geld und kann noch mehr ins Marketing investieren.

Oft höre ich, dass die Parteienfinanzierung hilft, amerikanische Zustände abzuwehren. Dort hat ein Kandidat nur noch eine Chance gewählt zu werden, wenn er selbst super-reich ist und/oder kapitalkräftige Freunde hat, die bereit sind (warum auch immer) ihm Geld für den Wahlkampf abzutreten. Da geht es aber um Beträge einer anderen Größenordnung, mit zusätzlichem (staatlichem) Geld wird man da auch nichts ändern.

Mein Vorschlag:

Marketing für Politik verbieten (wie für Tabak und Alkohol), Propaganda durch öffentliche Ächtung reduzieren, den Wahlkampf versachlichen und die Meinungsbildung nicht durch Versorgen von Parteistrukturen mit „staatlicher Kohle” beeinflussen.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 26. März 2012

Erinnerung ans IF-Forum

Am 17. April (ein bisschen mehr als vier Wochen von heute) ist wieder IF-Forum. Diesmal mit Frau Heidi Schiller, die über

Schwarz – weiß – bunt.

Impulse für einen etwas anderen Blick auf diese Eine Welt.

sprechen wird. Es geht um Nachhaltig (über-)leben!

Wir werden den Vortrag von Frau Schiller wieder live ins Internet übertragen und auch aufnehmen.

Zur Einstimmung an die letzten IF-Foren hier das Video vom IF-Forum EXTRA vom 25. Januar 2012 mit

Klaus-Jürgen Grün über „Die Kunst des Negativen Denkens“!

Und hier die Videos der drei Vorträge aus 2011 unter dem Motto “Mensch&Wissen(schaft)”.

„Nanotechnologie — die Zukunft der IT“ von Dr. habil Walter Riess (18. November 2011)

„Evolution oder Schöpfung? – Versuch einer Synthese“ von Prof. Dr. Gerhard Haszprunar (20. Juli 2011)

„Der Klang des Urknalls“ von Dr. Stefan Gillessen (1. März 2011)

Viel Spaß beim Anschauen!

RMD

Mähnicke & Six
Sonntag, der 25. März 2012

Der tägliche Wahnsinn: Kommissar Facebook

„Putze mir den Hintern mit Hundert-Dollar-Scheinen ab.“

Postete die Bankangestellte auf Facebook, 
just nachdem sie ihre Bank ausgeraubt hatte.
Daumen hoch, clickte die Polizei zurück, 
so einfach war’s noch nie.
Und jetzt schmort die schnelle Gazelle
in einer klitzekleinen Zelle.

Mehr Täglicher Wahnsinn?

Roland Dürre
Samstag, der 24. März 2012

Arbeit und BALANCE

Auf dem Podium der BALANCE, der Konferenz über Gestaltung der Arbeit im 21. Jahrhundert – war eine der zu diskutierenden Thesen

Flexibilität ist der Weg aus der Krise. Die Krise ist Stabilität.

Mit Flexibilisierung war auch die Dynamisierung von Arbeit zum Beispiel durch „Leiharbeit“ gemeint.

Die These besteht aus zwei Sätzen. Mit dem ersten Satz der These war (und bin) ich zuerst mal nicht einverstanden. Unterstellt sie doch, dass wir eine allgemeine Krise hätten, die sich auch in einer Krise der Arbeit auswirkt. Das sehe ich nicht so.

Wir mögen eine gesellschaftliche Krise oder eine moralische Krise, aber bestimmt keine Arbeits- oder Wohlstandskrise haben. Die kann (und wird wohl auch) noch kommen, aber derzeit haben wir eher ein Luxusproblem. Und viele von uns haben eine eigenartige Vorstellung von Arbeit (und dem Leben). Die geht in etwa so:

Nach getaner Hausarbeit in der Designerwohnung (so man keine Putzfrau hat) fährt man mit dem schicken Mini aus der Tiefgarage von zu Hause auf den Parkplatz bei der Arbeit. Dort steigt man in den Aufzug eines noch schickeren „Büro-Towers“ und begibt sich in einen der höheren Stockwerke.

Den lieben langen Tag verwirklicht man sich vor dem PC und in Besprechungen aller Art und macht dabei auch noch Karriere (und wird auch noch nebenher reich). Weil die Umwelt aber so feindlich ist, leidet man unter Monstern wie Stress und Leistungsdruck, von denen man sich dann abends in verschiedenen Umgebungen voller Life Style erholen muss.

Nur, so ist weder das Leben und so richtige Arbeit ist das auch nicht.

Mich stört aber an der Betrachtung etwas ganz anderes. Es werden schlichtweg ein paar Dinge ganz vergessen:

Arbeit ist ein ganz besonderes Gut
und
Das „Angestelltenverhältnis“ ist keinesfalls von Gott gegeben für die Entlohnung von Arbeit.

Arbeit ist ein besonderes Gut. Der „Erzeuger“ von Arbeit, wie wir sie hier verstehen ist der Mensch. Maschinen „arbeiten nicht“. Man könnte höchsten noch von der Arbeit von Tieren wie Pferden sprechen. Diese erhalten im Gegenzug Nahrung. Um ein optimales Kostennutzenverhältnis der Tiere zu erreichen, gibt es auch noch ein Mindestmaß an Pflege.

Es ist allen Beteiligten klar, dass wir uns diese Systematisierung des Menschen als Arbeitsprodukt nicht wünschen. Denn bei Menschen nennt man das „Sklaverei“.

Wagen wir aber trotzdem noch einen Vergleich von Arbeit mit einem „harten“ Produkt und betrachten wir die Kuhmilch. Der Erzeuger der Milch ist zweifelsfrei die Kuh. Trotzdem meinen wir mit dem Erzeuger von Milch den Bauern, der heute oft ein agrar-industrielles Unternehmen ist.

In meiner langen Zeit als Vater von kleinen Kindern habe ich die viele Milch, die wir brauchten, mit dem Fahrrad vom Bauern geholt. Aufgrund des strukturellen Wandels in der Landwirtschaft ist mir das heute zu vernünftigen Grenzwertkosten nicht mehr möglich. Als Bub habe ich die Milch mit der Milchkanne bei einem Filialgeschäft der Molkerei – genannt „Milchladen“ geholt. Auch das ist heute kaum mehr möglich.

Letzten Endes muss ich heute bei einem der Handelsmonopole meine Milch beziehen. Dort wird sie häufig nur noch extrem pasteurisiert im Tetrapack angeboten, der von mir bevorzugte Bezug von Frischmilch in der Flasche gestaltet sich schwieriger.

Die Situation beim Produkt Arbeit ist nicht ganz unähnlich. Eine Dienstleistung wird von Endnutzern „legal“ selten direkt beim Erzeuger bezogen. Wenn dann geschieht dies in der Regel durch „Schwarzarbeit“ oder in einem gesetzlich zumindest bedenklichen juristischen Bereich.

In der Regel beziehe ich die Arbeit auch über eine lange Lieferantenkette. Innerhalb der Lieferantenketten erfolgt der Bezug von Arbeit immer häufiger im Rahmen von freiberuflichen „Beschäftigungsverhältnissen“. Die liegen oft als „verdeckte Angestellten-Verhältnisse“ in einer Grauzone und könnten in vielen Füllen als Verstoß gegen das AÜG bewertet werden. Arbeit hat halt nun mal etwas mit „Weisung“ zu tun und eine Abhängigkeit von nur einem Lieferanten ist nicht selten.

Aber auch das ist nicht mein wesentlich Punkt. Arbeit ist ein besonderes Gut, weil der Erzeuger „Mensch“ sich selbst verkauft. Er verkauft sein Gewissen und seine persönlichen Ziele (Systemagent), sein Können (Experte), seine Erfahrung und sein Wissen („Innovation Worker“), seine Gesundheit (körperlich Arbeitender) und in manchen Fällen auch seinen Körper.

Der „Arbeitende“ gibt also etwas von sich weg. Und das eigentlich Absurde, diese Abgabe wird – außer bei Einzel- oder Team-Akkordarbeit (die geht ja in vielen Fällen nicht und man will sie ja auch nicht) – in Zeit gemessen?!

Denn das Maß für die Entlohnung ist die ZEIT eines Menschen. Das ist beim Angestelltenverhältnis die Basiskompetente einer jeden Gehaltsvereinbarung. Die variablen Gehaltsteile, in der Regel von mir als stark unteroptimal empfundenen Zielvereinbarungen ändern da nichts dran. Letzten Endes bestimmt das Arbeitszeitkonto die erbrachte „Leistung“. Leistung ist übrigens auch ein schwieriges Wort – probieren Sie es mal redlich ins Englische zu übersetzen.

Das Angestelltenverhältnis als Entlohnungsmittel auf  Basis der Zeit ist sicher „besser“ als die Leibeigenschaft oder gar die Sklaverei. Aber das Ende der Entwicklung bei „Entlohnung menschlicher Arbeit“ dürfte es mit Sicherheit nicht darstellen.

Denken wir mal innovativ! Die Zeit ist die relevante Komponente.

Vielleicht löst sie sogar in den hoch zivilisierten Gesellschaften die Funktion des Geldes ab. Etwa so: Ich gebe Dir meine Zeit und tue in dieser etwas für Dich. Dafür gibst Du mir Deine Zeit, und in der tust etwas für mich.

Zum zweiten Satz der These:

Die Krise ist Stabilität.

Diesen Satz würde ich gerne ein wenig verbessern. Ein Leben ohne Krisen gibt es nicht. Nicht für den Menschen als Person und nicht für Menschen in einer Gemeinschaft. Art, Schwere und Häufigkeit von Krisen ändern sich aber. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Krise zur Stabilität wird (oder gar führt, wie der Satz ein wenig suggeriert). Nein, die Krisen werden häufiger und heftiger kommen – und schwerer zu bewältigen sein. Und die Lösungen von diesen Krisen werden zukünftig immer mehr echte oder vermeintliche Opfer von uns verlangen. Dies dürfen wir nicht ignorieren.

Und vergessen wir nicht, jede Krise ist eine Chance. Einer meiner Lehrer – Dr. Baldur Kirchner – hat mir gezeigt, dass nur die drei großen „K“s in der Lage sind, auch tiefe geprägte Wesenszüge beim Menschen zu verändern. Und die drei „K“s stehen für Katastrophe, Krankheit und Krise. Und so dürfte es auch bei Gesellschaften sein.

Wir dürfen aber auch noch aus einem zweiten Grund optimistisch sein. Wir jammern auf sehr hohem Niveau. Denn wir verfügen über große Wohlstandsreserven, die wir auflösen können, bevor es uns selber an den Kragen geht.

Als Beispiele für solche Wohlstandsreserven nenne ich gerne den Individualverkehr, unsinniges Konsum- und Ernährungsverhalten (in Quantität und Qualität), einen Life Style, der uns eben nur vermeintlich glücklich macht, in vielen Fällen großzügige Wohnverhältnisse …

Bei uns herrscht Verschwendung aller Orten, ein wenig Kaizen in unserem Leben wäre schon angebracht. Uns muss also nicht bange sein, denn wir können auf vieles verzichten, das uns nicht unbedingt „glücklich“ macht.

RMD