Roland Dürre
Montag, der 30. April 2012

Utb Stralsund #4 Von Stralsund nach Waren (Müritz)

Wir wollen nach Berlin!

121 Kilometer sind es am Sonntag geworden. Das obwohl wir wegen des schönen (und langen) Festes erst deutlich nach 10:00 weggekommen sind. Die lange Distanz war geplant, um ein bisschen Vorlage zu machen. Denn am Dienstag wollen wir keinen Stress. Denn da müssen wir vor 16:00 am Bahnhof sein. Sonst fährt der ohne uns nach München ab.

Das Wetter passt, kein Regen, immer wieder Sonnenschein. Aber es pfeift wieder der kalte Wind aus dem Norden. Viele unsere Wege führen nach Süden, da passt er und unterstützt uns. Wenn wir aber ab und zu kreuzen müssen, dann stört der Wind doch ganz schön.

Und vor allem kühlt er doch ein wenig zu sehr. So greife ich doch wieder zu meinen Handschuhen, ziehe meine Mütze über und hülle mich in eine Schale mehr ein. Schon geht es wieder besser. Hunger kommt auch auf. Unsere Route führt aber durch viel Natur und nur kleine Dörfer. Die wenigen Bäckereien, an denen wir vorbeikommen, haben wegen des Sonntags geschlossen. Gaststätten sehen wir nur zwei, die eine geschlossen, die andere hat gerade ihre Mittagsessenszeit beendet.

Aber dann liegt ein Lokal am Wegesrand, das durchgehend geöffnet ist. Ziemlich leer, aber mit ausgezeichnetem Essen und einer sehr netter Wirtin. Die gibt uns auch gute Tipps zum weiteren Weg.

Gestärkt geht es wieder auf den Weg. Macht wieder richtig Spaß. Das Gelände ist hügelig. Dann werden die Wege wieder anstrengend, zum Teil sind sie extrem schlecht.

Unbefestigt und versandet, oder wirklich hartes Stein- oder Kopfsteinpflaster. Das kostet Kraft und Zeit, man muss richtig arbeiten um vorwärts zu kommen. Die „Seenplatte“ ist auch erstaunlich hügelig. Vielleicht wird sie deshalb auch die mecklenburgische „Schweiz“ genannt.

Trotzdem sind wir kurz nach 19:00 in Waren an der Müritz am Ziel. Wie finden auch gleich freie Zimmer. Vor dem Abendessen schlendern wir durch die „Fußgängerzone“.

Da finde ich auch einen Immobilienhändler und gucke mir mal die Angebote im Schaufenster an. Und finde das schöne Backstein-Familienhaus mit Keller (!) und über 1.000 qm Grund. Es kostet ein wenig über 100.000,- €.

Ich könnte mir aber auch eine echte Luxusvilla kaufen. Die hat dann fast 5.000 qm Grund und kostet schlappe 250.000,- €. Und für den, der weniger anlegen möchte, gibt es ein ehemaliges Verwaltungsgebäude. Sicherlich sanierungsbedürftig, sieht aus wie ein großes Einfamilienhaus und kostet dann nur 25.000,- € inklusive gut 2.000 an Grund.

Ist schon eine andere Welt!

RMD

P.S.
Die Bilder schaffe ich zurzeit nicht. Ortsnamen erwähne ich auch nicht, weil die Zeit zu knapp ist. Wir werden aber wieder alle Tracks verfügbar machen und natürlich beantworte ich gerne Fragen wie z.B. „Wo es das gute Essen gab?“.

Roland Dürre
Sonntag, der 29. April 2012

Utb Stralsund #3 Von Zingst nach Stralsund zur Geburtstagsfeier

Am Samstag war Ausruhtag – wir sind nur 58 km geradelt. Die Kurzstrecke war so geplant, um genug Zeit für Stralsund und die Vorbereitung für Gudruns Geburtstagsfeier zu haben …

Gleich zu Beginn der Tour kommen wir an einem Eis-Café vorbei. Die Eiskugel kostet hier nur noch 60 Cent, drei Kugeln gibt es für 1,50 €. Ist für jemand, der Münchner Preise gewohnt ist, schon sehr attraktiv. Ich schaffe es aber gerade noch, aufs Sanddorn-Eis zu verzichten und radele weiter.

Wir haben schönes Wetter, bisher das beste auf der Tour. Aber plötzlich kommt Nordostwind auf. Richtig heftig. Die Vorwärtsbewegung wird recht mühsam. Gut, dass wir uns an diesem Tag nicht so viel vorgenommen hatten.

Trotzdem reichte es noch zu einem Abstecher weg von der Radroute nach Groß Mohrsdorf. Bemerkenswert an Groß Mohrdorf ist das Kranich-Informationszentrum – und natürlich, dass die Gudrun, die wir am Abend feiern wollen, dort wohnt.

So besuchen wir die Gudrun, und machen mit ihr einen Vorgeburtstagsfest-Ratsch. Und weiter geht es über einen kleinen Zwischenstop bei Kaffee und hausgemachten Käsekuchen nach Stralsund.

Kurz nach 16 Uhr haben wir dann im Hotel Peiß am neuen Markt in der Altstadt eingecheckt. Uns bleiben noch ein paar schöne Stunden am Hafen und in der Innenstadt. Und dann geht es zum großen Fest.

Im goldenen Löwen am alten Markt fand dann ein gigantisches Fest statt. Schöne Reden, Bauchtanz, tolle Musik, Spitzenessen und gutes Schwarzbier vom Störtebeker. Und gute Laune – überall und ohne Ende. Die Gudrun stand natürlich im Mittelpunkt – es war richtig schön.

So nach Mitternacht zog es mich dann ins Hotelzimmer – am Sonntag geht es ja weiter, den wir wollen ja nach Berlin.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 28. April 2012

Utb Stralsund #2 Der zweite Tag von Rerik nach Zingst

Weiter geht’s im Urlaubstagebuch Hamburg-Stralsund-Berlin.

Am Freitag ging es früh los. Um 9:00 saßen wir nach einem traumhaften Frühstück im Sonnenschein auf den Rädern. Das Ziel war Fischland-Darss-Zingst.

Man soll ja nie mit Superlativen um sich werfen, aber der zweite Tag war einfach das „wunderschönste“ was man erleben kann. Es wurden 109 km auf sanften Traumwegen. Keine einzige stark befahrene Strecke war darunter, viele schmale Wege durch Wälder und auf Dämmen. Häufig hatten wir den schönen Blick auf die Ufer der Ostsee und hinaus aufs Meer. Stille, Harmonie, Einsamkeit, Schönheit gesellten sich abwechselnd zu uns Reisenden.

Farben ohne Ende, ein ganz besonderes Licht, die erwachende und grün werdende Natur, die warme Luft an den nackten Beinen. Ein Traumwetter! Die zwar akzeptierten und doch ein wenig lästigen Steigungen waren plötzlich auch nicht mehr vorhanden. Viele Radler und wenig Autos. Gute Seeluft. Ein Ostsee-Traum.

Und sogar der Wind stand immer gut. Irgendwie haben wir intuitiv für unsere Reise nach Stralsund den Start in Hamburg  und als Endziel Berlin gewählt. Ohne viel nachzudenken. Und hatten jetzt zwei Tage Rückenwind! Viele Radler sind uns entgegen gekommen, die kräftig gegen den Wind strampeln mussten.

Weil der Wind halte doch immer wieder aus westlichen Richtungen kam, was ja auch logisch und wahrscheinlich war. Und dann denke ich mir, was ich jetzt machen würde, wenn ich die Route andersherum gewählt hätte. Die Antwort ist ja einfach: Ich hätte mich geärgert – und kann mich jetzt freuen. Wieder mal (ein kleines) Glück gehabt!

Freuen konnte ich mich auch an den vielen Windrädern, an denen wir vorbei gefahren sind. Auf den Radfahrer wirken Sie wie majestätische Botschafter aus der Zukunft – keine Abgase, kein Dreck, kein Lärm. Wir sind auch an einem „konventionellen“ Kraftwerke vorbeigefahren, das aus hohen Schornsteinen üble dunkle Fahnen und die Luft sandte. Auf einem großen und eingezäunten Gebiet. Kam mir vor wie ein Menetekel aus der Vergangenheit.

So kann ich nur hoffen, dass die Wende weg von atomarer und fossiler Energieerzeugung schnell fortschreitet. Damit meine Kinder auch noch so eine schöne Welt genießen können, wie ich sie heute erleben durfte.

Haften geblieben ist mir so vieles: Die Fahrt nach und durch Warnemünde, die Überfahrt dort mit der kleinen Fähre, die vielen uns kreuzenden Schiffe dort, die langen Wege quer durchs Land und dann wieder die gepflegten Dämme entlang der Ostsee, viele Pferde, Kühe und Schafe,  und schließlich die lange Einfahrt in Fischland-Darß-Zingst.

Und natürlich unterwegs die wunderbaren Pausen in Heiligendamm und die schönen Pausen kurz nach Müritz und an diversen Aussichtspunkten und das gute Mittagessen.

So bleibt nur die große Empfehlung und Bitte:

Wer gescheit und gesund ist und sich ein paar wirklich schöne Tage leisten will, der fahre die Ostsee-Radtour. Es ist ein Traum und es lohnt sich!

Und morgen rollen wir gemütlich nach Stralsund. Dann feiern wir die Gudrun – unser Geburtstagskind!

RMD

P.S.
Und mit den Bildern mache ich es wie im Beitrag vorher – sie werden nach gereicht! Aber auf Google+ unter rolandduerre (so heiße ich im Internet eigentlich fast immer) gibt es schon ein paar Bilder von Warnemünde und der Steilküste).

Roland Dürre
Freitag, der 27. April 2012

Utb Stralsund #1 Anreise und 1. Tag (von Lübeck nach Rerik)

Weil nachgefragt schreibe ich doch wieder mein Urlaubstagebuch (Utb) „Stralsund“ von meiner Radeltour an der Ostseeküste in drei Tagen von Lübeck nach Stralsund.

Die Fahrt in der Nacht zum Mittwoch im Doppelstock-Schlafwagen von München Ostbahnhof nach Hamburg Hbf war ausgezeichnet. Wir hatten ein richtig schönes Abteil für uns, zwei Betten, einen Tisch mit zwei Sesseln, zwei Fenster und zwei Oberlichter.

Sogar der Radioempfang auf meinem Android Smart Phone war gut genug, um das Elfmeter-Drama in Madrid (und auch das Spiel selbst) zu verfolgen.

Vor Hamburg hatten wir viel Zeit zum Frühstück und auch die Umstiegszeit schien ausreichen. Unser Zug sollte um 7:54 am Gleis 8 ankommen und der RE nach Lübeck um 8:06  auf Gleis 7 am selben Bahnsteig gegenüber abfahren. Und Nachtzüge kommen ja eigentlich immer pünktlich an, weil sie viele Pausen machen und so genug Zeit haben, eventuelle Verspätung wieder rein zu holen.

Eigentlich … Unser ICN 1286 hatte aber Verspätung und kam auch auf dem falschen Gleis 23 an. So war der Zug nach Lübeck schon weg und das Umsteigen wurde auch erschwert. Das hieß: Weiterfahrt nach Lübeck mit einem Zug später. Eigentlich alles ganz normal, wie wir das so von der DB AG so gewohnt sind.

Nicht normal dagegen war das Wetter! Denn die Vorhersage für Lübeck war für diesen Donnerstag genauso miserabel wie sie für München fantastisch war. In München war für den 26. April Traumsommer, in Lübeck eine dicke schwarze Wolke mit drei Regentropfen (ein Liter Niederschlag pro Quadratmeter) vorhergesagt.

Wir hatten jedoch richtiges Wetterglück. Die ganzen 110 km von Lübeck zum Ostseebad Rerik hatten wir keinen einzigen Regenschauer! Zwischendurch hatten wir sogar ein wenig Sonne! Und abends bei der Ankunft kurz nach 18:00 empfing uns strahlender Sonnenschein. Und so ging es hinein in den Donnerstag zur ersten Etappe nach Stralsund und dann weiter nach Berlin. Radlerglück!

Aber auch eine andere Annahme erwies sich als falsch. Ging ich doch ganz intuitiv davon aus, dass die Fahrt von Lübeck nach Stralsund  so ein leichtes dahin rollen auf flachem Gelände werden würde. Falsch – auf dem Ostsee-Wanderradweg geht es auf der ersten Etappe ab Lübeck so richtig hoch und runter. Nicht sehr steil und keine großen Höhen, aber es akkumuliert sich halt doch. So sind es dann gefühlte 1.000 Höhenmeter geworden.

Was ist mir noch aufgefallen? Viele Radler waren unterwegs. Die Straßen wenig befahren. Die Radwege wirklich gut. Zumindest in MeckPomm scheint es mehr zu geben als bei uns. Ist vielleicht so, wie bei den Krippenplätzen. Und überall landwirtschaftlich genutzte Flächen. Sehr groß-industriell, erinnert stark an die Zeit der Mega-Kolchosen in der DDR. Und leider ganz viel Raps. Oft bis an den Horizont. Schön anzuschauen. Aber Verschwendung wertvollen Ackerlandes für Bio-Diesel.

Und billig ist es in MeckPomm. Bei der (vorletzten) Radtour von München ist mir schon aufgefallen, dass die Unterkunft am ehemals so teuren Chiemsee billiger war als die in Österreich oder Italien. Und auch vor kurzem in Süditalien und auf Sizilien waren die Hotels teurer als in Oberbayern. Das war ja vor ein paar Jahrzehnten ganz anders.

In MeckPomm ist aber alles noch viel billiger als bei uns in München und Bayern, nicht nur die Hotels. Das fängt bei der Fischsemmel an, die nicht nur billiger sondern auch von weit besserer Qualität als bei uns ist und ist wohl beim restlichen Lebensbedarf genauso.

Ich nehme als Beispiel italienisches (?) Speiseeis. Zuhause sind wir jetzt auch beim Crema Gelato in Ottobrunn bei 1 € die Kugel angekommen. Und ich kenne Eisgeschäfte in der City von München, wo ich für 1 € kein Eis mehr kriege. In Wismar haben wir für die gleich große Kugel 0,70 Cent bezahlt. das ist 30 Eurocent billiger oder von 70 Eurocent aus gerechnet fast 43 % mehr. Bei den Mieten, beim Bäcker oder im öffentlichem Nahverkehr scheint die relative Preisdifferenz noch höher zu sein.

Aber es ist nicht alles billiger! Eine Ausnahme gibt es: Benzin und Diesel. Das kostet genauso viel wie in  Bayern. Auch ein Beleg, dass das wohl so ganz besondere Säfte sind.

Den Radler kann es aber nur freuen, bekommt er doch für die bei 100 km eingesparten 6 Liter Diesel in MeckPomm 12 Kugeln Eis und es bleibt ihm noch ein wenig Wechselgeld, das er z.B. für den (auch so teuren) Toilettenbesuch verwenden kann. In München kriegt er dagegen nur 9 Kugeln und für die Toilette muss er noch einen EURO extra aufwenden.

Aber zurück zum Radeln:

Der Ostseeradwanderweg war im Abschnitt Lübeck bis zum Ostseebad Rerik sehr einsam und idyllisch. So passt der Name des Hotels, in dem wir dann am Abend abgestiegen sind und ausgezeichnet gespeist haben. Wir übernachten in der „Schaffidylle“! Und es war wieder mal so ein richtig guter Radtag.

RMD

P.S.
Warum fahre ich überhaupt nach Stralsund? Ganz einfach: Die Gudrun – eine ganz liebe Freundin von Barbara und mir – lebt in Stralsund. Und feiert dort einen ganz wichtigen Geburtstag. Da muss ich hin.

Jetzt ist es aber eine Reise von München nach Stralsund nur für einen Abend zu aufwändig. Andererseits wollte ich schon immer mal an der Ostsee entlang und durch die berühmte Seenplatte radeln. Das war ganz einfach zu lösen: Wir sind am Mittwoch Abend mit dem Nachtzug nach Hamburg und weiter mit der Bahn nach Lübeck gefahren. Von dort radeln wir in drei Tagen nach Stralsund und feiern am Samstag mit der Gudrun ihren Geburtstag.

Und am Sonntag früh geht es mit dem Fahrrad nach Berlin. Wieder drei Tage für uns, an denen wir neue Wege durch sehr gelobte Landschaften radeln dürfen. In Berlin wartet am Dienstag, den 1. Mai am Nachmittag der Zug nach München auf uns. Übrigens der einzige außer dem Nachtzug, der von Berlin nach München durch fährt und Fahrräder mit nimmt.

Das macht dann 6 Tage Radeln plus eins schönes Fest mit dem Investment von drei Werktagen. Um Mitternacht bin ich dann wieder zu Hause, in Riemerling und am nächsten Morgen in Unterhaching.

🙂 Das ist, wie ich finde, hoch effizientes Slow Travelling!

Dieses Wochenende habe ich wieder einen Vortrag von Rupert Lay nach Youtube hochgeladen. Der Titel ist

Die Ethik der Egoisten

Rupert Lay hat diesen Vortrag am 10. September 2000 auf der Ronneburg gehalten.

Seltsam, an diesen Vortrag kann ich mich noch gut erinnern. Muss mit dem Jahr 2000 zu tun haben. Ich weiß noch gut, wie lange in meinem Leben das Jahr 2000 in unglaublich weiter Zukunft zu liegen schien. Und dann war sie plötzlich da, die Jahrtausendwende.

In der Zeit, in der wir die Vorträge von Rupert organisiert und aufgenommen haben, habe ich mich noch so unglaublich jung und dynamisch gefühlt. Dabei war ich 2000 schon fünfzig. So vergehen die Zeiten. Und irgendwie fühle ich immer noch jung und dynamisch – nur anders als damals.

Aber das ist ein Grund mehr, den Vortrag von Rupert mal wieder anzuschauen. Auch in „Die Ethik der Egoisten“ bewundere ich seine Weitsicht!

Freue mich, wenn Ihr mal rein schaut!

Auch dieser Vortrag wurde für den Ronneburger Kreis gehalten. Bernd Sielaff hat gefilmt, Friedrich Lehn die Aufnahme überarbeitet.

RMD

P.S.
Jetzt habe ich noch fünf Vorträge von Rupert, die noch nicht veröffentlicht sind. Der nächste kommt dann so in vier Wochen dran.

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 26. April 2012

Gerlinde reicht’s! Oder doch nicht?

Carl und Gerlinde (XXIII)

Natürlich hatte der Carl sie oft genervt! Und in den letzten Wochen, bevor sie zugegebener Maßen etwas feige und stillos das Weite gesucht hatte sogar ununterbrochen fand Gerlinde, die ausgerechnet an ihrem Ruhetag auf ihrer Terrasse in Porto Santiago wieder einmal nach Entschuldigungen für ihr reichlich verpfuschtes Leben suchte! Aber so katastrophal war der Carl dann letztlich auch wieder nicht gewesen, wenn sie ehrlich war!

Na ja, diese ewige Biersauferei war schon ekelhaft und sein Schwabbelbauch, den er wie eine Trophäe vor sich hertrug, widerte sie auch an, das schon! Aber insgesamt schaute er gar nicht so schlecht aus! Zumindest von hinten! Und charmant konnte der Carl  sein, das musste ihm der Neid lassen! Leider! Einige seiner ‚speziellen Unterwäschepflanzen’ erlagen ja seinem Vorstadtcharme fast wöchentlich, oder? Und das waren nicht nur die Hannelore und die, na wie hieß sie doch gleich? Sondern auch Kolleginnen und Kundinnen, denen es rein ‚wäschemäßig’ in keiner Weise ums  ‚Ver- triebliche’ ging, sondern ausschließlich ums ‚Triebliche’!

Dabei war der Carl im Bett wirklich nicht der Knaller!

Aber – und das war für einen Mann schon eine Menge – wenn er wollte, konnte er  einfühlsam und phantasievoll sein! Den meisten reichte das offensichtlich! Ihr ja auch lange Zeit…

Und – großzügig war der Carl schon! Geldsorgen hatte sie bei ihm nie gehabt! Nicht so wie jetzt, wo es trotz kostenfreier Logis hinten und vorne nicht reichte! Irgendwie hatte sie das damals bei ihrem überstürzten Aufbruch ganz falsch eingeschätzt, wie so etliches andere auch! Wenn ihr Anna nicht die Möglichkeit geboten hätte, in der Cafeteria ‚Salzburg’ mitzukellnern, wäre sie ganz schön blöd dagestanden. Aber so, war das eine prima Sache: sie hatte zu tun, ihr fiel die Decke nicht auf den Kopf und sie entwickelte sich zu einem beispiellosen Trinkgeldmagnet: so schnell konnten die armen Männeken gar nicht gucken, wie ihre Cents auf den Rechnungsteller flutschten…

Na ja, ihre Arbeitskleidung war aber auch echt verboten knapp! Atmen konnte sie in den engen Blüschen wirklich kaum! Bequem war anders! Und der arme Dottore Satori rang auch ständig nach Luft, wenn sie sich zu ihm hinunter beugte… Wenn das nur mal gut ging?

Kein Wunder, dass der anatomisch so interessierte Dottore bald der Meinung war, sich allein schon ‚trinkgeldmäßig’ soviel Anrechte an ihr erworben zu haben,  dass er sie nach Belieben zulabern und zum Essen einladen konnte. Ein-oder zweimal, oder auch dreimal, war sie auch mit ihm ausgegangen. Ohne es Anna gebeichtet zu haben!

Lecker war das schon immer gewesen…

Wenn er aber mit seinem gelifteten Begleitschatten auf einen Aperolspritzer vorbeikam kam, oder auf einen großen Braunen mit  Apfelkuchen, war er steif wie frisch geschlagener Eierschnee; peinlichst vermied er jede freundliche Geste, um seiner eifersüchtigen ‚Botoxmumie’ ja keinen Anlass für dumme Gedanken zu geben.

Wahrscheinlich hockte die Mumie auch auf dem Geld! Und das nicht zu knapp, denn beide wohnten, wie Anna wusste, schon seit Jahren jeden Winter, über mehrere Wochen in dem luxuriösen 5-Sterne Terrassen- Hotel, unweit von Gerlindes Bungalow-Anlage!

Nur – welches Ziel der gute Dottore verfolgte, wenn er sie jede Woche aufs Neue anbaggerte, war Gerlinde nicht ganz klar, denn bei seiner misstrauischen ‚Aristokratenomma‘ konnte er sich eh keine ausschweifenden Seitensprünge leisten, ganz abgesehen davon, dass sie überhaupt keinen Nerv dafür hatte: ihr Leben war eh kompliziert genug.

Aber vielleicht war ja auch nur das Testosteron schuld, das genau wie bei Carl, alle vernunftgesteuerten Hirnregionen schlagartig lahm legte, wenn ein beutetaugliches weibliches Objekt im Sichtbereich auftauchte und das verbleibende Resthirn automatisch auf Notbetrieb stellte: Kalbsaugen, anzügliches Grinsen, verstärkter Speichelfluss und so weiter und so weiter…

Anna sagte, dass es bei ihr auch über ein Jahr gedauert hätte, bis der Dottore die Anbaggerei aufgegeben hätte; allerdings hatte sie, wie sie Gerlinde gestand, sich einmal spät abends in der Küche zu einem kleinen ,Nahkampf’ hinreißen lassen, was ein dummer Fehler gewesen war, da der gute Dottore daraus Rechte ableitete, die ihm wirklich nicht zustanden. Irgendwann hatte er das aber begriffen und bekam deshalb immer ein etwas größeres Apfelkuchenstück als die anderen…

Tja – und Gerlinde musste sich unter ihrem Sonnenschirm eingestehen, dass sie sich vermutlich auch morgen im ‚Salzburg’, genau wie in den vergangenen Tagen, wieder dabei ertappen würde, sich zu wünschen, dass nun endlich einmal auch ihr  ‚Unmögling’ an irgend einem der Tische säße und nicht nur der Dauergrinser Satori.

Doch – ehrlich gesagt –  hatte sie keine Ahnung, wie sie reagieren würde, wenn da wirklich plötzlich ihr unmöglicher Carl lächelnd oder schmallippig ein Bier bestellen würde? Würde sie ihn ignorieren? So tun als sei er ihr fremd? Oder ihn gar fortschicken…? Oder würde sie sich vielleicht – sogar freuen? Und zwar so freuen, dass sie ihm gleich um den Hals fallen und ihn abknutschen würde?

Und das obwohl er wirklich ein ekelhafter, selbstgerechter ‚Chauvi’ war, der Frauen nur ausnützte! Selbst aber daheim nicht das Geringste auf die Reihe brachte! Und der sie ganz bewusst durch gelegentliche Unkultiviertheit und Flegelhaftigkeit provozierte und ärgerte, und dessen Dickwanstigkeit nur noch durch seine Schweißausbrüche, sein Walross-Geschnarche und sein brüllendes Lachen überboten wurde – den man aber trotzdem, und das war das Komische – aus irgendeinem nicht erklärbaren Grund mögen konnte…?

So dass Gerlinde, bei den angenehmen 26 Grad unter ihrem Sonnenschirm, von Aperolspritzer zu Aperolspritzer sich immer intensiver und lauter fragte, warum diese dumme Kuh von einer Hannelore diesen Unmögling Carl nicht schon längst so deutlich Bescheid gestoßen hatte, dass diesem Knallkopf endlich aufging, wo, wann und wie er seine geschundene Gerlinde wieder finden konnte und dass diese vielleicht eventuell, gnadenhalber, unter gewissen Umständen bereit sein konnte, wenn es denn sein musste und er hoch und heilig Besserung gelobte und sie richtig schön darum bitten würde, mit ihm noch einmal einen Versuch zu wagen, und wenn auch sonst alles passte, sie ausnahmsweise dieses eine Mal doch noch mit ihm heim fliegen könnte…?

Oder spielte diese Schlange Hannelore ein falsches Spiel? Zuzutrauen wär’s ihr…

KH

PS: Übrigens, die ‚komischen Hühner‘ zeichnet der Autor selbst…

Hier meine Tweets der letzten Woche zum Thema:
Bloggen und Twitter, Weisheiten und Regeln:

120419 Not hat keinen Feierabend – gilt auch für Blogger und Twitterer #Twitter #Bloggen #Weisheit

120420 Not lehrt in saure Äpfel beißen – auch beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

120421 Not lehrt Künste – auch beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

120422 Not vereinigt Herzen – auch beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

120423 Nur einer kann Kaiser sein – aber nicht beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

120424 Nur weiter im Text – Twitterer und Blogger! #Twitter #Bloggen #Weisheit

120425 Nutzen ist der größte Reichtum – gerade beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

Jeden Tag kommt ein neuer Tweet dazu. Siehe unter twitter.com und “follow” RolandDuerre!
Viel Spaß beim Folgen!

RMD

P.S.
Die Sprichwörter habe ich auf Alle deutsche Sprichwörter gefunden.

Roland Dürre
Mittwoch, der 25. April 2012

Ankündigung: IF-Forum am 21. Juni 2012 – Frau Susanne Hofmann

2012 ist das verbindende Thema unserer Vorträge bei der InterFace AG:

Nachhaltig (über-)leben.

Frau Susanne Hofmann vom Tölzer Kasladen wird dazu am am 21. Juni im IF-Forum sprechen. Der Titel ihres Vortrages wird sein:

Qualität vor Quantität.
Wie man gute Nahrungsmittel herstellen sollte!

Hier die Vita von Frau Hofmann:

Bereits als sie elf Jahre alt war, zeigte sich, dass Käse Susanne Hofmanns Beruf und Berufung ist. Sie konnte beim damals berühmtesten französischen Käsekenner alle Sorten des Käsemenüs benennen.

1972 gründete die Familie Hofmann den „Tölzer Kasladen“, 1984 (dem Gründungsjahr der InterFace AG) eröffnete Frau Hofmann ihre eigene Filiale auf dem Münchner Viktualienmarkt.

Heute leitet sie mit ihrem Bruder den Tölzer Kasladen und bietet in mehreren Geschäften über hundertfünfzig hochwertige, handwerklich hergestellte Käsesorten an, die in der eigenen Reiferei veredelt werden. Abnehmer sind die europäische Spitzengastronomie, das Kreuzfahrtschiff „MS Europa“ sowie zahlreiche „Events“. Als eine von wenigen Frauen gehört sie der französischen Käsegilde an und wurde 1997 zum Ritter und „Maître Fromager“ geschlagen.

Die Inhalte ihres Vortrages werden sein:

  • Der Ursprung des Traditionskäse
  • Die Entwicklung bis Heute
  • Wie genieße ich nachhaltig und
  • Eine Kritik der industriellen Produktion von Nahrungsmitteln

Frau Hofmann begleitet zahlreiche Qualitätsprüfungen für Käse in der Schweiz, Frankreich sowie in Deutschland und ist Leiterin der Käseakademie. Jährlich organisiert Sie das von ihr gegründete Käsefestival in Bad Tölz.

Hier sehen Sie Frau Hofmann in ihrem Kasladen.

Der Vortrag findet wie immer in der Seminarzone der InterFace AG in Unterhaching statt.

Wir erwarten unsere Gäste ab 18:00 und starten mit der Veranstaltung um 18:15.

Nach Vortrag und Diskussion sind in unseren Räumen Vorkehrungen für ein gemütliches Beisammensein getroffen.

Und natürlich gibt es Käse vom Tölzer Kasladen!

Anmeldungen ab sofort bei mir.

RMD

Gastautor(en)
Dienstag, der 24. April 2012

Die Welt der Insekten …

Wieder mal ein Fundstück aus dem Internet.

Seit vielen Jahren kommen die fleißigen Ameisen jeden Tag fröhlich ins Unternehmen. Sie lieben ihren Job, sind selten krank und arbeiten den ganzen Tag gut gelaunt durch. Alle Aufgaben werden schnell und zur großen Zufriedenheit der Kunden erledigt. Da die Arbeit Spaß macht, summen die Ameisen immer wenn möglich ihr Liedchen.

Aber die Zeiten ändern sich.

Der Generaldirektor (ein großer Hirschkäfer) stellt eines Tages fest, dass er nicht weiß, was die Ameisen machen.

„So kann es nicht weitergehen!“

Er schafft eine neue Stelle für einen Supervisor und stellt dafür den Mistkäfer mit seiner großen Erfahrung von vielen Misthaufen ein. Als erstes geht der Mistkäfer das Thema Arbeitszeit an. Er standardisiert die Anfangs- und Endzeiten und erarbeitet eine komplexe Arbeitszeit-Regel. Diverse Reports werden eingeführt, die Art der Tätigkeit muß aufwändig differenziert werden.

Die eingehenden Reports werden ausgewertet und aufbereitet. Das führt zu einer Arbeitsüberlastung beim Mistkäfer. Der Generaldirektor Hirschkäfer stellt einen hübschen Marienkäfer als Sekretärin für den Mistkäfer ein. Der Marienkäfer richtet auch gleich noch ein Archiv ein und kontrolliert das pünktliche Erstellen der komplizierten Berichte.

Die Ameisen arbeiten trotz allem froh und munter weiter, denn ihre Arbeit gefällt ihnen immer noch. Ihr Liedchen summen sie allerdings seltener.

Der Generaldirektor Hirschkäfer ist begeistert von der Arbeit des Mistkäfers. Endlich hat er Zahlen, die er abends vorm Kamin in Ruhe durchlesen kann. Die sind aber unübersichtlich, also wünscht er sich noch grafische Darstellungen und Analysen. Und vor allem eine schöne Quartals-Prognose. So wird es nötig, neben der Sekretärin Marienkäfer eine Assistenzkraft für den Supervisor einzustellen. Eine Brummfliege wird gefunden. Sie bekommt einen eigenen Farbdrucker, damit die Reports auch schön bunt erstellt werden können.

Die fleißigen Ameise summen ihr Liedchen kaum mehr. Sie beschweren sich, dass sie soviel Schreibkram ausfüllen müssen. Überstunden sind angesagt, um das Arbeitspensum zu schaffen. Generaldirektor Hirschkäfer stellt gleichzeitig fest, dass die Kunden unzufriedener werden.

„Es muss ein Administrator für die Abteilung her, in der die Ameisen arbeiten!“

Für diese verantwortungsvolle Aufgabe wird die Grille eingestellt. Die zirpt lauter als die Ameisen brummen. Als erstes verlangt sie, dass man ihr ein besonderes Büro einrichtet. Die Grille bringt ihre persönliche Assistentin mit, die Heuschrecke. Denn die hat schon immer als Sekretärin bei der Grille gearbeitet.

Die Ameisen haben aufgehört zu singen. Sie werden immer unruhiger, nervöser und skeptischer. Zukunftsangst macht sich breit, der Krankenstand steigt. Die Ziele des Unternehmens werden ehrgeiziger, die Vorgaben höher und die Planzahlen nach oben korrigiert.

Der Generaldirektor Hirschkäfer muss aber in seinen Graphiken feststellen, dass zwar die Kosten aber nicht die Umsätze steigen. So fasst er einen aus seiner Sicht sehr schlüssigen Gedanken:

„Wir müssen untersuchen, wie wir produktiver werden können!“

Gesucht wird ein Berater, der die Produktion der Ameisen nach Einspar-Potentialen untersuchen soll. Gesagt, getan. Als Berater wird eine Stechmücke gefunden. Sie vermisst alle Arbeitsschritte und analysiert die Prozesse des Unternehmen. Aufbau- und Ablauf-Organisation wird verändert. Die Aktion ist teuer, der Nutzen gering.

Beim Lesen der Berichte und Prognosen bemerkt der Generaldirektor Hirschkäfer, dass die Kosten steigen, aber nicht die Umsätze. Im nächsten Quartal drohen große Verluste. Also wendet er sich an „Die Glühwürmchen“, eine bekannte und teure Unternehmensberatung. Sie wird beauftragt, das Unternehmen zu analysieren und einen Rettungsplan zu erarbeiten.

Drei Monate leuchten die Glühwürmchen bei Tag und Nacht in allen Abteilungen der Firma herum. Dann präsentieren sie ihren Abschlussbericht. Das Ergebnis ist:

„Das Unternehmen hat zu viele Mitarbeiter!“

Der Generaldirektor folgt dem Rat. Geschäftsfelder werden ab- und aufgegeben, Bereiche ausgelagert und viele Ameisen gekündigt.

Der Autor ist mir unbekannt, ich habe die Geschichte nur wenig verändert.

RMD

Am Wochenende stand es in allen Zeitungen: Youtube hat gegen die Gema verloren. Zwar nicht komplett, aber doch teilweise. Wieder mal so ein Urteil, das die Gemüter erhitzt. Und das Abendland freut sich. Denn es geht um den Schutz von Eigentum!

Damit die Dämme nicht brechen, müsse man das Recht auf geistiges Eigentum verteidigen! Wehret den Anfängen! So schallt es aus manchen Medien. In denselben und anderen Medien finden wir aber auch leisere Töne und kluge Artikel, die durchaus die Problematik des „Geistigem Eigentums“ beleuchten.

Ich zweifle immer mehr am generellen und beliebig gewordenem Recht „alles zu privaten Eigentum machen zu können“. Das trifft mich selbst. Denn für meine Verhältnisse und meine Herkunft fühle ich mich als Inhaber von ganz schön viel privatem Eigentum. Und natürlich will auch ich mein Eigentum behalten.

Trotzdem bin ich skeptisch, dass wir unsere Art, Eigentum zu verstehen und zu leben langfristig aufrecht erhalten können. Ich sehe da zwei wesentliche Ursachen. Die erste erscheint mir noch als eher harmlos. Ich habe gelernt:

„Eigentum verpflichtet“.

Jetzt scheinen mir in der heutigen Zeit die wenigsten Eigentümer diese Weisheit noch ernst zu nehmen. In meiner Wahrnehmung lebe ich in einer „Freien Welt für freie Bürger“. Unter Menschen und Institutionen, die dies sehr extrem leben.

Ich möchte hier nicht beginnen, Beispiele auf zu zählen, wo „Kapital und Eigentum“ stark sozial schädlich wirkt. Da gibt es viel zu viele in allen Bereichen unserer Wirtschaft und unseres sozialen Lebens. Vielleicht ist der Sieg des Spätkapitalismus eines der Symptome?

Aber noch kritischer als „Eigentum verpflichtet“ ist mir der folgende Gedanke.

Persönliches Eigentum bewirkt in unserem sozialen Rahmen zwingend Verschwendung.

In allen unseren Lebensbereichen sehe ich beliebig viel Verschwendung. Nur zu oft beruht sie darauf, dass Güter sich in persönlichem Eigentum befinden.

So habe ich im brand eins des März 2012  gelesen, dass die durchschnittliche Nutzungsdauer einer Bohrmaschine in ihrem gesamten Leben 13 Minuten beträgt (Welt in Zahlen). Und wer hat keine Bohrmaschine zu Hause? Eine Bohrmaschine aber zu bauen, damit sie dann 13 Minuten benutzt wird, ist sicher Verschwendung.

Ich hatte mal ein Au-Pair-Paar aus Südafrika. Die konnten nicht verstehen, dass bei uns jeder Hausbesitzer einen eigenen Rasenmäher hat. Und selber mäht. In Südafrika lässt man mähen, und der Auftragnehmer bringt seinen Rasenmäher mit.

Ein wesentliches Beispiel für Verschwendung ist die individuelle Mobilität, zum Beispiel in Form von Autos und Parkplätzen. Wenn ich in der Früh von Ottobrunn nach Unterhaching radele, stelle ich fest, dass in den meisten der schönen und großen Autos der Morgen-Kolonne immer nur ein Mensch sitzt.

Die Autos besetzten dann tagsüber die Parkplätze der Unternehmen, die aber Nachts und am Wochenende leer stehen. Bei den Parkplätzen in den Wohnungsanlagen nebenan ist es genau anders herum. Die stehen am Werktag während des Tages leer.

Jetzt meine ich aber, dass wir unseren Planeten nur durch eine drastische Reduzierung unserer Verschwendung retten können.

Kommt man da nicht auf den Gedanken, dass das übertriebene Ausleben von „personalem Eigentum“ nicht eine, vielleicht sogar die wesentliche Ursache unserer brutalen Verschwendung ist.

Wenn sich aber in unserer evolutionären Fort-Entwicklung das Verständnis und die Handhabung von „hartem“ Eigentum – nur um zu überleben – wesentlich verändern muss, dann erscheint es doch schon fast sinnvoll, mit dem Rückbau von Eigentumsrechten beim „Geistigen Eigentum“ anzufangen? Weil es da vielleicht weniger weh tut?

Noch eine Nebenbemerkung:

Generell scheinen mir zurzeit die geistigen Eigentumsrechte von Institutionen immer besser geschützt zu werden als die von Personen. Individuen haben mittlerweile keine Chance mehr, ihr geistiges Eigentum zu schützen. Es sei denn, sie gehören einer bevorzugten Berufsgruppe an und kennen die notwendigen Regeln und Tricks …

Zusammenfassung:

Ich vermute, dass wir vor einer großen gesellschaftlichen Veränderung stehen werden. Die wird auch vor der Art und Weise, wie wir Eigentum heute definieren und vor allem leben, nicht halt machen. Mein Wunsch wäre eine sanfte Veränderung, begründet auf Vernunft und Einsicht und keine von oben mit Gesetz und Strafe durchgesetzte.

Also „eine freiwillige öko-soziale Veränderung“ basierend auf Vernunft und Werten anstelle einer schlimmstenfalls weltweiten „Öko-Diktatur.

RMD