Roland Dürre
Montag, der 30. Juli 2012

Zertifizierung – Wahn oder Sinn? I

In immer mehr technischen Disziplinen und mittlerweile auch in Bereichen, die soziale Kompetenz und verantwortliches Arbeiten erfordern, werden Menschen gezwungen, einen erheblichen Aufwand für Zertifizierungen zu erbringen. Und das nicht in Form von einer fundierten Supervision durch einen erfahrenen Begleiter sondern durch systemische Formalismen aufbauend auf einer Mischung von „multiple choice test“ und „credit points“. Ankreuzen und „Payback“ spielen für die Karriere.

Angefangen mit diesem genialen Geschäft haben Technologiekonzerne, die mit ihren überkomplizierten Produkten Herrschaftswissen kreierten und daran doppelt verdienen wollten. Verbände und Vereine sind diesem selbstherrlichen Vorbild gefolgt.

Ursprünglich als Berufsverband oder als Plattform für gemeinsame Interessen und zum Austausch von Wissen und Erfahrung gegründet, wandeln sie sich auf ihrem Weg zur Macht in Institutionen, die „Wirklichkeit“ festlegen. Aus Ansätzen von „best practice“ werden Standards entwickelt, die Komplexität vereinfachen sollen. Da das nicht funktioniert, werden dann diese Standards theoretisch und spekulativ weiterentwickelt, bis sie sich selbst von der Realität abheben.

Das ganze verselbstständigt sich dann immer mehr. Komplexe Werkzeuge werden entwickelt, die um oft absurde Funktionen erweitert werden. Die mag dann zwar keiner mehr, aber immerhin bilden sie die Basis für weitere Zertifikate.

Wenn die Institution eine gewisse Macht erreicht hat, dann sind ihre Zertifikate zwingend und müssen teuer erworben werden. Weil alles so schnell geht, ist die Gültigkeit zeitlich begrenzt. Die Verlängerung geht mit „credit points“. Oftmals unterstützt der Verband bei der Vergabe eigene Interessen. Man muss die richtigen Veranstaltungen besuchen, eine meistens relevante Gebühr zahlen und erhält eine neue Urkunde.

Viele machen bei diesem Spiel gerne mit. Ein Zertifikat ist die einfachste Art, Wissen und Können glaubhaft zu machen, das man gar nicht hat.

Die Zertifizierung hilft aber zuerst mal nur denen, die die Zertifikate vergeben. Diese Unternehmen und Institutionen werden reich und mächtig. Sie legen fest, was richtig ist. Das auch für sehr abstrakte Tätigkeiten, die viel Erfahrung, Mut und Verantwortung erfordern. Auch die werden vereinfacht, standardisiert und zertifiziert. Das geht natürlich meistens schief.

So hat dann der „Zertifizierte“ in der Regel nur einen Nutzen: er bekommt ein Zertifikat. Dies beruhigt den potentiellen Kunden. Der Dienstleister hat ja ein Zertifikat, dann wird er schon über die nachgefragten Qualitäten verfügen. So kann man gut schlafen – und ist dann völlig überrascht, dass so viele Projekte schief gehen.

Letzten Endes sagt das Zertifikat aber nur aus, dass der Inhaber den einen oder anderen Kurs besucht und genug Punkte gesammelt hat. Und dass er in der Lage ist, einen Multiple-Choice-Test und manchmal auch ein wenig mehr zu bestehen.

Früher war das anders.

Maschinen (wie auch Autos) wurden zertifiziert. Am Anfang durfte das nur der TÜV.

Menschen wurden nicht zertifiziert. Für sie gab es Bildung und Ausbildung. In Schulen und Universitäten, in dualen Bildungswegen.

Die Menschen mussten Lernen und Üben. Ihre Erfahrung haben sie sich erworben. Sie gingen in eine Lehre und wurden zum Gesellen. Haben beim Meister gelernt und wurden dann später selbst Meister. Ihr Können mussten sie in einer Abschlussarbeit oder mit einem Werkstück unter Beweis stellen.

Dann waren sie in der Verantwortung, ihr handwerkliches Können durch Erfahrung, Weiterbildung und Offenheit  aktuell zu halten. Werkstolz und die Erhalten der Wettbewerbsfähigkeit waren Motivation genug, mit dem Lernen nicht aufzuhören.

Wie sieht es heute aus?

Schule und Hochschule versagen immer mehr. Unsere traditionellen und nicht schlechten Ausbildungswege sind beschädigt. Der Doktortitel ist nur noch ein Spaßtitel, der spätestens am „immigration desk“ in Australien vom „immigration officer“ nachsichtig belächelt wird. Der schwarze Gürtel des Projekt Managers ist zwei mal den Doktor wert.

Die Zertifizierung ist eine Form der Privatisierung von Bildung und Ausbildung – mit den entsprechenden Folgen. Standards sorgen für Uniformität, gestützt von Kommerzialisierung. Bildung wird „convenient“, zum „fast food“.

Als Folge beschränken sich die Menschen aufs Funktionieren in einem geschlossenen System. „Folgen“ wird belohnt, generative und kreative Anteile werden verdrängt.

Es wird suggeriert, man könne vorhandene Komplexität simplifizieren. Indem man Wissen und Erfahrung mit einfachen“Kochrezepten“ ausgleichen und ein durch wenig „best practice“ ersetzen könne. Probleme werden nicht mehr gefunden und untersucht – sondern nur noch gelöst. Nur wie das gehen soll, ist mir schleierhaft.

Man muss nur noch seinen Schein machen. So wie man Autofahrer, Jäger oder Angler wird. Und dann ist man einer. Nur – das klappt doch schon bei einfachen Dingen wie dem Autofahren nicht.

Wie soll das dann bei komplexen Führungstätigkeiten funktionieren?

Also eher Wahn als Sinn?

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 29. Juli 2012

brand eins im August

Mitte letzter Woche war es schon im Briefkasten. Hat mich dann auch am Donnerstag nach Nürnberg begleitet, war immer an meiner Seite und kam trotzdem erst heute so richtig zu mir.

Es kommt in Blau daher, in einem wunderschönen Blau. Das ist irgendwie auch schon eine Leistung, jeden Monat eine schöne Farbe auszuwählen. Die auch noch zu Thema und Inhalt passt. Meine ich ganz im Ernst.

Der Titel des Heftes ist

Nichtstun.

Das gefällt mir schon mal. Träume ich doch vom „Lazy Manager“ und „Relaxed Entrepreneur“. Weiß ja auch, dass viele Dinge sich von selbst erledigen. So wie die dringliche E-Mail, die ich am späten Abend dann doch nicht mehr beantworte. Am nächsten Morgen nach dem Aufwachen stellt sich dann heraus, dass sie sich ganz von selbst erledigt hat.

Wobei man Nichtstun auf keinen Fall mit „Aussitzen“ verwechseln darf. Das machen die Politiker gerne – und da wäre mir lieber, sie würden anstelle von „Aussitzen“ doch besser „Nichts tun.“ Und da gibt es schon einen feinen Unterschied.

Dann kommt der Untertitel:
Und was sich daraus machen lässt.

Verstehe ich (noch) nicht. Ich will doch aus dem Nichtstun gar nichts machen. Also öffne ich das Heft und lese erst Mal das Editorial von Frau Fischer. Ihre Überschrift ist „Himmel und Hölle“. Und ich verstehe sofort, was gemeint ist. Es gibt Menschen, für die ist „Nichtstun“ der Himmel. Und andere, für die ist es die Hölle.

Wobei man das sicher so schwarz-weiß nicht sehen darf. Ich selbst würde meine Präferenz für „Nichtstun als Himmel“ einschätzen. Und meine, dass „Nichtstun als Hölle“ so ein wenig in die Kategorie „psychisch krank“ einzustufen ist. Ja, meine Vorurteile …

Trotz der Aufforderung zum Nichtstun habe ich jetzt schon ein paar Artikel gelesen. Mir fällt auf, dass es in diesem Brand eins vor allem um Menschen und Schicksale geht. Das finde ich schön, so gesehen ist das brand eins im August gut geeignet zum Entspannen im Urlaub.

À propos: Am Schluss des Editorials von Frau Fischer kommen dann auch die Worte „Urlaub“ und „Stress“ in einem Satz vor. Na dann verzichte ich doch auf Urlaub und beschränke mich ab sofort aufs „Nichtstun“.

RMD

Bisher war für mich ein Unternehmen ein soziales System. Das gilt auch weiter. Aber ich habe dazugelernt. Oder besser:
🙂 Ich bilde mir ein, dazu gelernt zu haben.

Ein Unternehmen besteht zuerst mal aus vielen Menschen. Es ist ein Menschenhaufen, hat einmal ein junger Mann bei einem Vortrag von mir an seinem Gymnasium gesagt. Also ein Haufen von Menschen. Diese entwickeln ein soziales Leben. Gemeinsamkeiten bilden sich heraus und das Gefühl von Zugehörigkeit entsteht.

Vertreten wird der „Menschenhaufen“ durch eine juristische Person oder Körperschaft, das Unternehmen und dessen „Organe“ – die Geschäftsführer oder Vorstände. Es besitzt Eigentum verschiedener Art wie Bürogegenstände, Maschinen oder Gebäude. Aber auch Patente und besonderes Wissen. Es entwickelt eine Kultur und „basic beliefs“, ein Wertesystem, Routinen und Rituale. Eigene Symbole werden erschaffen, ein „Marke“ gebildet.

So ein Unternehmen unterscheidet sich von anderen sozialen Systemen, wie Kirchen, Vereinen oder Staaten dadurch, dass es einen wirtschaftlichen Zweck hat.

Der kann sein – wie im Sinne der Bayerischen Verfassung – Waren herzustellen und Dienstleistungen anzubieten, die die Bedürfnisse der Menschen im (und außerhalb) des Landes befriedigen und dabei auch ein gerechtes Maß an Gewinn zu erwirtschaften. Es kann aber auch, dass  das einzige Interesse des Unternehmens das Erwirtschaften von Gewinn ist und es keine Rolle spielt, ob es sinnvolle oder vielleicht sogar überhaupt noch etwas liefert. Zweiteres hat in den letzten Jahren stark zugenommen, nicht nur in den einschlägigen Branchen der Finanzwirtschaft.

Soweit mein bisheriges Verständnis von Unternehmen. In den letzten Jahren ist mir aber immer mehr bewusst geworden, dass in dieser Definition etwas fehlt.

Es ist die Organisation des Unternehmens. Das ist ein schwer zu beschreibendes Ding oder Wesen. Ihr kommt aber in vielen Punkten eine ganz zentrale Rolle und Bedeutung zu.

Organisation kann höchst unterschiedlich funktionieren. Demokratisch oder undemokratisch. Hierarchisch oder kooperativ. Intensiv geregelt oder chaotisch. Sie kann strafen oder belohnen, Angst erzeugen oder helfen, Leben in vielen Dimensionen zu entwickeln. Internes Rivalentum oder Kollaboration fördern. Sie kann von Augenhöhe oder Befugnis leben.

Die Organisation kann ein Unternehmen gestalten. Sie hat sicher einen hohen „impact“ auf und eine beachtliche Relevanz für das Unternehmen.

Jetzt stellen sich mir Fragen:

Was ist das eine Organisation? Selbst wenn ein Unternehmen „keine“ Organisation hätte, so wäre dies auch wieder eine Form von Organisation?

Kann man – und wenn ja – wie kann man eine Organisation verändern?

Bildet sich eine Organisation automatisch aus den im Unternehmen gelebten Routinen und Ritualen? Ist eine Organisation die Menge der im Unternehmen ein- und ausgeübten Prozesse?

Welchen Einfluss haben die Symbole, die ein Unternehmen sich selbst gibt? In welcher Beziehung steht die Kultur eines Unternehmens zur Organisation?

Und je mehr ich nachdenke und nachlese, desto mehr wird mit klar, was für ein komplexes Wesen auch ein kleines Unternehmen ist. Und wie es wohl unmöglich ist, den immer notwendigen Wandel „von oben“ steuern zu wollen.

Und wie überholt oft das Verständnis von Management und Führung ist, das man wohl immer noch an Hochschulen lernt. Mit dem man (meistens verunglückende) Unternehmensgründungen praktiziert und das auf breiter Basis noch in zahlreichen Unternehmen gelebt wird.

Und kann mich nur in meinem Vorsatz bestärken, es selber ein klein wenig besser zu machen. Im Sinne eines  kontinuierlichen und eher evolutionären Verbesserungsprozess. Anstelle großer Sprüche und vermeintlicher strategischer Weisheit und Weitsicht.

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

Roland Dürre
Donnerstag, der 26. Juli 2012

Tweets zum Twittern und Bloggen #127

Hier meine Tweets der letzten Woche zum Thema:
Bloggen und Twitter, Weisheiten und Regeln:

120719 Schöne Äpfel sind auch wohl sauer – gilt auch beim Bloggen und Twittern? #Twitter #Bloggen #Weisheit

120720 Schöne Blumen stehn nicht lang am Wege – dran denken, Twitterer und Blogger! #Twitter #Bloggen #Weisheit

120721 Schöne Gestalt hat große Gewalt – so auch beim Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

120722 Schöne Gestalt verliert sich bald – auch beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

120723 Schöne Hütten, schlechte Sitten – Vorsicht, Twitterer und Blogger! #Twitter #Bloggen #Weisheit

120724 Schöne Seelen finden sich – gilt auch für Twitterer und Blogger! #Twitter #Bloggen #Weisheit

120725 Schöne Worte gemacht ist halb verkauft – auch beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

Jeden Tag kommt ein neuer Tweet dazu. Siehe unter twitter.com und “follow” RolandDuerre!
Viel Spaß beim Folgen!

RMD

P.S.
Die Sprichwörter habe ich auf Alle deutsche Sprichwörter gefunden.

Hier meine 2 Cents quasi als Nebenerkenntnis aus der schönen und sehr lesenswerten Diskussion im pm-blog von Stefan (Dr. Hagen) zum Thema „Emergenz bei Projekt Management„:

Man sollte den Begriff „Projekt Management“ möglichst schnell vergessen (am besten ersatzlos streichen) oder zumindest als kleinen Beginn das Wort Projekt aus dieser Formulierung entfernen. „Management“ trifft das, was im Artikel diskutiert wird, und was wir tun wollen, aber auch nicht.

„Führen“ klingt da auf den ersten Augenschein ein wenig besser. Aber auch bei dieser Begrifflichkeit bin ich skeptisch, da Menschen, die sich für „Führende“ halten, in der Regel über ein eigenartiges „Eigenkonstrukt“ verfügen und unter „Realitätsverlust“ leiden.

Deshalb würde ich das, was uns bewegt und was wir gerne diskutieren, als „Einflussnehmen auf soziale Systeme und ihre Organisationen“ nennen. Dieser Anspruch ist übrigens alles andere als bescheiden und wird nicht nur von ausgewählten und besonders „geskillten“ Personen erfüllt.

Vielleicht könnte man so die „theoretische Lehre und Wissenschaft“ zu Management, Strategie und Unternehmertum – die es ja real gibt – ganz neu beginnen?

Ich wünsche Euch viel Erfolg als Ergebnis von geteiltem Wissen, persönlichem Mut, empfangener Freude und gelebtem Respekt!

RMD

Roland Dürre
Montag, der 23. Juli 2012

Teach Me and I will forget, involve Me and I will learn!

Die Botschaft der Überschrift war der Inhalt eines Tweet, den Dr. Hartmut Feucht (@DrHartmutFeucht) als Reaktion auf einen Beitrag von Stefan Hagen in seinem pm-blog.com zu Emergenz und Projektmanagement geschrieben hat.

Was soll ich sagen? Die Aussage spricht mir aus dem Herzen. Schon mein Leben lang.

Wenn ich in der Schule den dozierenden Lehrern zu hören musste, ging mein Blick zum Fenster heraus ins Freie. Ein wenig – wenn es interessant war – blieb haften, viel ging verloren. Auf die Prüfung zu lernen hieß sich so vorbereiten, dass die Chance zum Bestehen mit einer vernünftigen Note vorhanden war.

Ein klein wenig besser wurde es, wenn ich interessante Aufgaben lösen durfte. Das war in der Mathematik der Fall. Schön wurde es aber nur, wenn ich mit einbezogen war. Und dann habe ich auch viel gelernt, verstanden und im wahrsten Sinne des Wortes begriffen.

Ich zitiere Stefan aus seinem Beitrag:

Eigentlich sollte der Unterricht an Schulen, Hochschulen, Universitäten etc. viel stärker noch als bisher von den Lernenden selbst gestaltet werden. Die klassische “Vor-Lesung” hat eigentlich ausgedient.

Dem stimme ich voll zu. Ich würde nur das Wort „eigentlich“ beide Male streichen.

Das aktuelle Problem von Schule und Universität – mit den in meiner Bewertung oft vernichtenden Folgen für Bildung und Gesellschaft – dürfte sein, dass diese (ich hoffe noch) nicht verstanden wird.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 22. Juli 2012

Straßenverkehrsordnung fürs Internet?

» Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit. « (Bertrand Russell)

Vor kurzem habe ich auf der Veranstaltung Informatik&Nachhaltigkeit  die Aussage gehört:

Mit dem vermehrten Aufkommen von Automobilen im öffentlichen Raum zu Beginn des letzten Jahrhunderts wurde eine Straßenverkehrsordnung notwendig.

Und dann kam die Frage:

Wollen wir, brauchen wir so etwas ähnliches fürs Internet?

Klingt ja zuerst mal ganz vernünftig. So meine ich ganz spontan „Ja“. Auch Kommunikation muss sinnvoll geregelt werden. Auf verschiedenen Ebenen, wie sie z.B. das ISO-7-Schichtenmodell modellhaft gut beschrieben hat. Früher haben die nationalen Postgesellschaften in der CCITT die Kommunikationsnormen gemacht und erfolgreich durchgesetzt. Das war in der guten alten Zeit von Briefen und Postkarten, Päckchen und Paketen, Telefon und Telex. Und hat gut funktioniert.

🙂 Zwar gab es damals auch negative Effekte wie Spam. Aber Spam war sehr mühsam – man musste von Briefkasten zu Briefkasten laufen. Oder eine „Postwurfsendung“ kaufen. Die hat zwar dann ganze Postleitzahlenbereiche zu 100% erfasst, war aber dafür auch zumindest ziemlich teuer!

Erst mit der Technologie von Rundfunk und Fernsehen wurde Spam mühelos in die Haushalte transportiert und der Damm war damit gebrochen. Und da konnte die CCITT auch nichts machen, ging es doch um „wirtschaftliche Interessen“. Und die haben wohl schon immer alles gerechtfertigt.

Insofern leuchtet mir die Forderung nach einer Art „Straßenverkehrsordnung“ im Internet zuerst schon Mal ein.

🙂 Aber dann kommt das „Aber“:

Die Entwicklung der individuellen Mobilität inklusive der Straßenverkehrsordnung sollte uns vor allem eine Warnung sein. Denn dies ist nach meiner Meinung ein extrem gutes Beispiel, wie trotz – oder durch (?) – extremer Regelwut des Gesetzgebers der technische Fortschritt (in diesem Falle die individuelle Mobilität) zwar gefördert, das Gemeinwohl dabei aber stark beschädigt wurde. Dies trotz Führerscheinverpflichtung, einem komplexen Strafen- und Bussgeldkatalogs inklusive Malus-System und ähnlichem mehr.

  • Man denke an die massive Bodenversiegelung, die uns das Auto gebracht hat. Wie viel Quadratkilometer wurden für Straßen und Parkplätze zu betoniert? In modernen Reihenhaus-Siedlungen finden wir oft mehr Flächen für Garagen und Garagenvorplätze als für Grünflächen. Allgemein wurde Landschaft zersiedelt.
  • Die individuelle Mobilität besonders in ihrer heute gelebten Form hat uns einen extremen Ressourcen-Verbrauch, eine gigantische Verschwendung und einen massiven Anfall von Abfall beschert. Sie ist das beste Beispiel für einen nicht nachhaltigen Lebensstil.
  • Die Lärmbelastung hat ein nie geahntes Ausmaß erreicht. Es gibt kaum mehr wirklich ruhige Orte, sogar in die „besseren Viertel“ dröhnt der Lärm der Autobahnen.
  • Diese Entwicklung des Nahverkehrs hat uns Zeit geraubt. Viele Menschen verbringen mehrere Stunden am Tag am Steuer ihres Autos. Obwohl sie einen ordentlichen Job haben, verbringen sie viel Zeit mit einer Beschäftigung, die sonst nur Menschen in einer extremen Niederlohngruppe ausüben. Und behaupten, sie hätten ihren Spaß dabei und sind bereit, „ihr letztes Hemd“ fürs Auto zu geben und sich notfalls zu verschulden.
  • Besonders schlimm aber ist, dass diese Entwicklung uns einen wahnsinnigen Blutzoll beschert hat. Allein in Deutschland hatten wir Jahre mit bis zu 20.000 Verkehrstoten gehabt. Heute sind immer noch mehr als 5.000 im Jahr – und die Zahlen steigen wieder. Weltweit schätzt man 1 bis 1,2 Millionen durch Individualverkehr verursachte Verkehrstote pro Jahr (Quelle). Das sind mehr als die Opfer von Krankheiten, Kriegen oder Hunger. Über die letzten 60 Jahre kämen dann locker mehr als 50 Millionen zusammen. Das wäre dann die Größenordnung, die der zweite Weltkrieg an Menschenleben gefordert hat. An die wirklich astronomischen Zahlen von in Verkehrsunfällen verletzten Menschen darf man gar nicht denken.

Jetzt ist die Frage, ob ein kluger Gesetzgeber vor 100 Jahren und dann im Laufe der Zeit die Weichen hätte besser stellen können?

Ich weiß es nicht. Ich weiß ja nicht einmal, ob wir rückwirkend wissen, was wir damals anders hätten machen sollen.

Ein paar Ideen hätte ich:

Zum Beispiel war es sicher ein Fehler, der Industrie zu erlauben und sie dabei zu unterstützen, die Einführung und vor allem die Absätze des Automobils über den Weg des Sportes zu fördern. Der Motorsport und auch die Rennstrecken wie der Nürburgring waren gezielte kooperative Maßnahmen von Staat und Industrie, um die Akzeptanz des damals noch ungeliebten neuen technischen Produkts Automobil zu fördern. So wurden wir (fast genetisch) aufs Autofahren quasi als sportliche Tätigkeit eingestellt, bei der es darauf ankommt, schneller als die anderen Verkehrsteilnehmer zu sein.

Vielleicht hätten wir nicht dulden sollen, dass die Nutzer des konkurrierenden Verkehrsmittel Fahrrads schon in den ersten Wirtschaftswunderjahren öffentlich abgewertet wurden. Ich habe selbst erlebt, wie mein Vater für seinen nicht einmal zwei Kilometer langen Arbeitsweg von unserer Wohnung in der Rosenaustr. 18 in Augsburg zur Bundesbahndirektion in der Prinzregentenstr. nahe beim Hbf Augsburg gegen seinen Willen vom Fahrrad aufs Auto umgestiegen ist. Einfach weil die Nachbarn und seine Frau meinten, dass es mit seiner Position nicht mehr verträglich war, mit dem Rad zu fahren.

Man hat damals das Fahrradfahren mit dem Eigenschaft der „Armut“ verbunden. Dazu kam dann noch die Schwemme von Billig-Fahrrädern aus den Kaufhäusern, die zwar bunt funkelten aber leider sehr unzuverlässig waren. Und wer wollte schon arm sein und sich dann auch noch laufend ärgern müssen. Aber hätten wir damals gegen die Bewertung „Als Fahrradfahrer gehörst Du zu den Armen“ und die Billiglawine bei Produkten einschreiten können oder sollen?

Vielleicht hätte man früher den Gemeinnutz beim individuellen Verkehr durch sinnvolle Mitfahrer-Regeln fördern sollen? Vielleicht strengere Gesetze und Beschränkungen einführen?

Aber wie hätte man die Anzahl der Verkehrstoten beschränken können? Alle Gesetze vermochten nicht (und vermögen das auch heute nicht), die Rücksichtslosigkeit und Risikobereitschaft einzudämmen, die Menschen wohl zwangsläufig befällt, wenn sie am Steuer eines Kfz Platz nehmen.

Vielleicht hätte die Einführung archaischer Mechanismen wie eine verpflichtende Blutrache an „Verkehrsmördern“ die Menge an Verkehrsopfern eingedämmt? Aber so ein Gedanke ist natürlich polemisch und nicht ernst gemeint. Und natürlich darf der „Zweck nie die Mittel heiligen“.

Oder war und ist der Mensch einfach nicht reif für die (vermeintliche) Omnipotenz am Steuer seiner Kraftmaschine. Der Mensch, dem (die vermeintliche) und  die ihm wahrscheinlich geschickt eingeredete Freiheit und Unabhängigkeit über alles geht, und der eben bereit ist, dafür auch seine und schlimmer die körperliche Unversehrtheit anderer aufs Spiel zu setzen. Und sich von Steuern, Zwangsversicherungen und Bußgeldern nicht bremsen lassen. Er hat für sein Auto auf vieles verzichtet und sich oft sogar verschuldet. Und jetzt will er den Rausch ausleben und nimmt auch den Tod und Verletzung Dritter billigend in Kauf.

Diese genetisch Form von Omnipotenz scheint mir so tief verankert, dass sie sogar manchen Radfahrer befällt, wenn er sein Rad besteigt. Mittlerweile – wie ich täglich fest stelle – erfasst sie sogar Radfahrerinnen!

Ich bin nicht sicher, ob wir es geschafft hätten, vor 100 Jahren mit anderen Regeln und Gesetzen die Entwicklung des Individualverkehrs mit seinen schrecklichen Folgen besser zu gestalten.

Vielleicht hätten wir manche Schäden vermeiden können, wenn wir ein kollektives anderes Bewusstsein entwickelt hätten! Mit Gesetzen wird man das aber garantiert nicht schaffen.

Jetzt stehen wir da, wo wir eben stehen. Der Schaden ist entstanden und die nächsten Generationen werden ihn beheben oder auch nicht. Die Evolution wird es richten oder auch nicht. Sie wird ihren Weg gehen, was sie macht, wird richtig sein. So oder so. Auch wenn sie eher zweckfrei und chaotisch zu arbeiten scheint.

Ja, was folgere ich daraus fürs Internet? Können wir betreffend der Vernetzung von Daten und Wissen im Internet etwas von der Geschichte der individuellen Mobilität lernen?

Ich meine zu erkennen, dass Gesetze nicht helfen. Die Entwicklung eines „ethischen“ Bewusstseins wäre da vielleicht besser geeignet. Aber wie macht man das?

RMD

Am Wochenende lese ich gerne in den Blogs meiner Freunde. Dr. Stefan Hagen (Stefan) weist zum Beispiel in seinem PM-Blog auf das PM Forum 2012 in Nürnberg der GPM hin. Er will auch hingehen, weil er mal wieder so eine klassische Konferenz erleben will.

Ich freue mich schon auf Stefans Bericht vom PM-Forum der GPM – in Stefans PM-Blog wie auch mündlich.
🙂 Und ahne auch schon ein so ein wenig, was er da sagen wird.

Ich mag keine klassischen Konferenzen mehr. Besuche sie aber auch immer wieder. Je nach Veranstaltung bin ich dann aber regelmäßig mehr oder weniger enttäuscht (oder besser, es bestätigen sich meine Vorurteile). Ab und zu sind einige brilliante “speaker” da, man trifft auch ein paar Leute, die man gerne mal wieder sieht, aber das war es dann in der Regel.

Bemerkenswert finde ich den Titel der PM-Forums:

“Auf Kurs bleiben mit Projektmanagement – Kompass in bewegten Zeiten”

Da regt sich doch schon der erste Unmut in mir:

Floskeln wie “Bewegte Zeiten” oder „Krise“ kann ich nicht mehr hören. Uns geht es so gut wie noch nie. Wenn wir in einer Krise leben, dann muss die Krise etwas sehr schönes sein. Kann man wirklich gut drin aushalten – ich möchte da gar nicht mehr raus.

Ich stelle viel mehr fest, dass wir in einer Zeit leben, in der es uns so richtig gut geht. Die uns allerdings kollektiv (und vielleicht auch individuell ) fett und faul gemacht hat. Wir leben über unsere Verhältnisse – und das auf Pump.

Die einzige Bewegung, die ich feststelle, ist das Zittern der Gesellschaft um ihren Wohlstand und die krampfhaften Bemühungen zur Wahrung unseres Besitzstandes. Von wegen “bewegte Zeiten” und “Krise”.

Und dann kommt ein Verband und predigt uns:
”Auf Kurs bleiben mit Projektmanagement – Kompass in bewegten Zeiten”.

Diesen Satz finde ich sprachlich wie inhaltlich schon ein wenig befremdlich. Vielleicht sollte man ein wenig mehr nachdenken, bevor man solche Slogans kreiert und verbreitet.

Was bedeutet denn “Auf Kurs bleiben”?

Ein sinnvolles und mutiges “Auf Kurs bleiben” erfordert doch viel mehr als Projekt Management? Da muss man doch überhaupt erst mal wissen, wo man hin will! Welches Gesellschaftsmodell das Ziel ist? Da geht es um Kultur und Werte, um Verantwortung, Wissen, Mut, Freude, Respekt, Toleranz, Zivilcourage …

Da könnte ich ja auch schreiben:
Auf Kurs bleiben mit Requirement Engineering„.

Oder noch besser:
Einen Verband für Kursfindung gründen, der dann Kursfinder zertifiziert. Mit dem Motto: Den Kurs finden im herrschaftsfreiem und redlichem Diskurs (Adorno, Habermas). 

Das ist natürlich alles nur halbernst gemeint. Aber bei aller Liebe: “Auf Kurs bleiben mit Projekt Management” mag gut klingen, aber ist doch nur eine komplexe und verwirrende Worthülse. Es geht doch darum, zuerst mal den Weg zu finden, den man gehen will. Oder zumindest die Richtung. Und dass ist ein in der Tat sehr schwieriges Projekt. Da wird man Projekt Management nicht als trivial anzuwendendes Lösungsmittel verkaufen können.

Zu suggerieren, dass “Projekt Management der Kompass in bewegten Zeiten” ist, finde ich abenteuerlich oder zumindest sehr einfältig (oder technokratisch gedacht?). Warum tönt man nicht gleich
“Mit PM lösen wir alle Probleme!”?

Aber was soll es. Der Slogan erinnert mich doch eher an das Marketing für die Milchschnitte. Und wahrscheinlich ist er das ja auch – nur einfaches Werbegeblödel, wie wir es überall finden. Weiß nur nicht, ob der Verband sich selbst mit so etwas letztendlich einen Gefallen macht. Auch wenn man sich ja als Herrschaftssystem „Verband“ eh im Besitz der sauber in “Standards” zerlegten und zertifizierten Wahrheit wähnt (und vielleicht auch wähnen muss).

Ich wäre entsetzt, wenn z.B. das PM Camp, für das ich mich ein wenig mitverantwortlich fühle, sich mit einem so platten Slogan bewerben würde. Und würde mich im Kreise meiner Freunde dagegen wehren.

Hier noch zum Schmunzeln der einleitende Originaltext aus dem Programmheft PM Forum 2012 (pdf)

International ist das Wetter nach wie vor rau und die Großwetterlage bleibt stürmisch. In Deutschland sind die konjunkturellen Aussichten zwar positiv, aber auch hier müssen sich Unternehmen wieder auf schweren Seegang einstellen. Im stürmischen Auf und Ab der Konjunktur gilt es jetzt, auf Kurs zu bleiben. Dabei zahlt sich aus, dass die Unternehmen in Projektmanagement investiert und so ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessert haben. Durch Projektmanagement lassen sich überzeugende Ergebnisse in time und in budget erzielen. Professionelles Projektmanagement ist für deutsche Unternehmen zunehmend ein Erfolgsgarant. Es wird zum Kompass und Richtungsweiser, gleicht Schwankungen aus und hält Unternehmen flexibel und agil, auch in volatilen Zeiten.

Na ja! Da hol mir doch jemand einen Philosophen. Und lass das ja keinen Mittelständler lesen. Welche „buzzwords“ fehlen denn hier eigentlich nicht? Wer schreibt denn so etwas, oder noch besser, wer glaubt so etwas? Ein schöner Unsinn. Aber wir wissen jetzt, wie man Unternehmen vor dem drohenden Untergang bewahrt. Ist doch auch schon was.

Die Veranstaltung kostet übrigens für Nicht-Mitglieder schlappe 1.150,00 €, für GPM-Mitglieder ist es um 200 € billiger. Dafür kann man zum Beispiel unseren ewigen deutsch-französischen Journalisten und Publizisten Prof. Dr. Peter Scholl-Latour über “Internationale Brandherde als Herausforderung für die deutsche Politik” oder unseren sich selbst vermarktenden Extrembergsteiger Hans Kammerlander über “Am seidenen Faden. Von Südtirol zum Jasemba (7.350 m): 40 Jahre auf Kurs!” reden hören. Ich kenne beide Referenten und wünsche viel Spaß!

RMD

Jörg Rothermel
Freitag, der 20. Juli 2012

Bericht aus Melbourne

Mich hat es vor 2 Monaten nach Australien (genauer gesagt: Melbourne) verschlagen. Nach einer wissenschaftlichen Laufbahn  in der Schwerionenphysik am Maier-Leibnitz Laboratorium in Garching und 30 Jahren Arbeit in verschiedenen IT-Funktionen habe ich im  März 2012 die Freizeitphase der Altersteilzeit begonnen. Ende 2011 hat meine Frau ein interessantes Job-Angebot in Melbourne bekommen. Nach intensiver Diskussion, bei der eine gewichtige Rolle gespielt hat, dass unsere Tochter in Neuseeland lebt, haben wir beschlossen (vorerst probeweise), nach Australien auszuwandern.

Vorweg folgendes: wir haben jetzt die wichtigsten Aufgaben erfolgreich gemeistert (Haus mieten, Gas, Strom, Wasser, Bank, Kabelanschluss, Telefon, Internet, …).
In ein paar Tagen kommt der Container mit unseren Sachen, dann können wir unser Haus einrichten.

Ich möchte, beginnend mit diesem Blog-Eintrag, einige (total subjektive) Eindrücke von Australien beschreiben.

Wetter

Der erste Eindruck bei einer Reise auf die Südhalbkugel ist natürlich das Wetter:
der Astronomische Winter auf der Südhalbkugel dauert vom 21.6. bis zum 23.9.
Da sich Australien  zwischen 10° und 44° südlicher Breite erstreckt, sagt dies natürlich wenig über den gesamten Kontinent aus; für Melbourne bedeutet das jedenfalls:
Die Temperaturen gehen tagsüber  von 17 – 11 Grad (je nach Sonnenscheindauer). In der Nacht kann es schon mal 6 Grad werden. Es regnet relativ wenig, aber wenn, dann recht heftig.

Der Sonnenaufgang ist jetzt um ca. 7:30, der Sonnenuntergang um 17:20.
Weniger als die Hälfte  der Bäume hat das Laub abgeworfen, einige Pflanzen beginnen jetzt mit der Blüte – richtig winterlich wirkt es also überhaupt nicht.

Ein beliebter Spruch lautet: ‚If you don’t like Melbourne’s weather, wait five minutes and it will change’!
Das ist völlig zutreffend und bedeutet praktisch, dass man kleidungsmässig auf alle Fälle vorbereitet sein muss. Im Extremfall erlebt man alle 4 Jahreszeiten an einem Tag

Also kurz gefasst: der Winter ist ungefähr so wie Ende April / Anfang Mai in Deutschland aber mit etwas weniger Niederschlägen.

Wegen der kurzen Kälteperiode sind Zentralheizungen nahezu unbekannt. Die einzige Heizung in unserem Haus ist eine Klimaanlage im Wohnzimmer, die auf Wärmepumpe umgestellt werden kann. Da unser Haus, wie fast alle Häuser, aus Rigips, Holz und Wellblech hergestellt ist, ist es morgens schon flott kalt.

Die Melbournians versuchen offensichtlich, den Winter zu ignorieren, nur so kann ich mir erklären, dass alle Schulmädchen Miniröcke tragen und die meisten Schuljungen kurze Hosen. Coole junge Menschen tragen auch gerne – selbst bei Sauwetter – T-Shirts.

Ob es wohl so etwas wie einen Jahreszeiten-Jetlag gibt? Irgendwie geht mir der verpasste Sommer schon ab (ich bin mal gespannt, was ich in 5 Monaten meine) .

Downtown Melbourne von Williamstown Marina gesehen

Pelikane in Williamstown

Pelikane in der Nähe unseres Hauses

Die Stadt Melbourne

Melbourne wirkt in vielen Stadtteilen sehr europäisch (ist auch klar, wegen der vielen Einwanderer aus Europa – nach einem viel erzählten Witz ist Melbourne die größte griechische Stadt nach Athen).
Aus diesem Grund gibt es auch Vorstädte wie Altona, Brunswick, Coburg und Heidelberg.

Melbourne hat eine Vielfalt hervorragender Museen und Kunstgalerien.(z.B.:National Gallery of Victoria).

Es macht einfach Spaß, im Zentrum herumzugehen und sich die 1000en Shops – besonders in den schönen historischen Fussgängerarkaden –  anzuschauen. Zu dieser Zeit gibt es hochwertige Kleidung zu vernünftigen Preisen. Generell muss man wegen der Preise jedoch genau hinschauen (dazu in einem späteren Beitrag noch mehr).

Vergleich mit Sydney: Melbourne kann mit der spektakulären Lage von Sydney nicht ganz mithalten. Die Skyline von Sydney mit dem Opernhaus und der Harbour Bridge ist weltweit einmalig und der nahe an unserem Haus gelegene Strand ist auch nicht ganz so toll wie Bondi Beach. Trotzdem hat Melbourne seinen eigenen Charme, vor allen Dingen durch die lebendige, europäisch wirkende Innenstadt.

Williamstown Beach

Willamstown Beach

Wir wohnen in Williamstown, einem ca. 13 km von der Innenstadt entfernten Vorort. Dort war der der erste Hafen für Seeschiffe an der Port Phillip Bay, der Ort ist älter als Melbourne. Wir haben noch kein Auto und deswegen ist der Ort ideal: mit der S-Bahn (Metro) ist man in 25 Minuten in der Innenstadt  (Central Business District – CBD). Es gibt eine gute Infrastruktur und alle notwendigen Geschäfte (und der Strand) befinden sich in Fußgängerentfernung. Nahe des Strandes liegt das Jawbone Marine Sanctuary mit einer Vielfalt von Seevögeln – vor allem Pelikane, Kormorane, Tölpel und Ibisse.

Essen gehen und Lebensmittel

Melbourne (dies gilt für den Großteil von Australien) ist sehr wohlhabend und dies spürt man an den Preisen: für ein anständiges Abendessen im CBD für 2 Personen muss man schon mal 500 $[1] ansetzen. Vor 2 Wochen habe ich dort für einen Hamburger und ein Bier 31 $ bezahlt (das Bier ist allerdings ziemlich gut – es gibt eine Vielzahl kleiner kreativer Brauereien).

Wir gehen oft vietnamesisch oder chinesisch essen – die Qualität ist meistens hervorragend zu anständigen Preisen.

Lokal produziertes Gemüse, Fleisch und Fisch sind oft erheblich günstiger als in München. Es war für mich überraschend, dass es jede Menge lokal produzierte hochwertige Wurstspezialitäten wie z.B. Salami gibt (selbst bayerischen Presssack kann man in guter Qualität kaufen).

Wein: In Australien wird hervorragender Wein angebaut, aber Qualität hat auch hier seinen Preis. Als wir das erste Mal in eine Vinothek gegangen sind, habe ich dem Verkäufer gesagt, dass ich gerne einen Wein unter 30$ die Flasche hätte; den hatte er dann auch, allerdings hat er mich so angeschaut, als ob ich nach Wein in der Dose gefragt hätte.

Wenn man direkt bei Winzern verkostet, wird man hervorragende Weine finden, aber auch im Direktverkauf wird man selten einen Wein unter 25$ die Flasche bekommen.

Die Menschen

Die Menschen sind meistens freundlich und hilfsbereit. Leider gilt das nicht immer für die jungen Leute: die ersten Erfahrungen meiner Frau mit jungen australischen Kollegen sind nicht immer positiv. Viele junge Angestellte sind egoistisch, verwöhnt und schlichtweg schlecht erzogen. Zudem kann die Ausbildung der australischen IT Professionals meist nicht mit der Ausbildung in anderen Ländern (z.B. Indien) mithalten. Anspruchsvolle  technische Themen werden fast immer von Indern oder Asiaten bearbeitet.

Die Menschen sind entwaffnend ehrlich, wenn etwas nicht klappt (und es klappt manches nicht). Ein Beispiel: am Wochenende ändern Metro-Züge oft die Fahrtroute, dann gehen freundliche Mitarbeiter von Metrolink durch den ganzen Zug, entschuldigen sich bei den Fahrgästen und bitten darum, auf die Ansagen nicht zu achten, leider könne man die nicht ändern, der Zug fahre heute eine andere Strecke „no worries mate“…

Sprachlich habe ich noch meine Schwierigkeiten, einige Mitmenschen zu verstehen. Dass die Leute so englisch reden, als ob sie gerade eine heiße Kartoffel im Mund haben, war mir von früheren Urlauben in Australien und Neuseeland ja klar. Schwierig wird es bloß wenn ich mit Einwandern aus Asien kommuniziere (praktisch alles was körperliche Arbeit erfordert, wird durch asiatische Einwanderer erbracht) dann kann ich oft nur raten, was der Typ meint. (Das gilt übrigens nicht für junge Chinesen, die sprechen meistens ein hervorragendes Englisch)

Dies als erstes Schlaglicht – mehr folgt im nächsten Teil.

No Worries

JRO


[1] 1 AUS$ = ca. 0,80€

Roland Dürre
Donnerstag, der 19. Juli 2012

Tweets zum Twittern und Bloggen #126

Hier meine Tweets der letzten Woche zum Thema:
Bloggen und Twitter, Weisheiten und Regeln:

120712 Schmeichler, Heuchler – gilt auch für Blogger und Twitterer? #Twitter #Bloggen #Weisheit

120713 Schmerz klammert sich ans Herz – dran denken – Twitterer und Blogger! #Twitter #Bloggen #Weisheit

120714 Schnell Glück, schnell Unfall – so auch beim Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

120715 Schnelle Sprünge geraten selten –  so auch beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

120716 Schön Fleisch ist schwer vor den Fliegen zu bewahren – Vorsicht, Twitterer und Blogger! #Twitter #Bloggen #Weisheit

120717 Schön ist, was schön tut – dran denken, Twitterer und Blogger! #Twitter #Bloggen #Weisheit

120718 Schön und fromm stehen selten in einem Stall – auch beim Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

Jeden Tag kommt ein neuer Tweet dazu. Siehe unter twitter.com und “follow” RolandDuerre!
Viel Spaß beim Folgen!

RMD

P.S.
Die Sprichwörter habe ich auf Alle deutsche Sprichwörter gefunden.