Roland Dürre
Mittwoch, der 31. Oktober 2012

Warum auf so vielen Tagungen so viele Vorträge nichts taugen!

Ein paar meiner Freunde waren vor nicht allzu langer Zeit auf einer Forum-Tagung zu Projekt Management. Ihre Rückmeldung waren nicht so besonders. Die eine oder andere „keynote“ hätte die Zuhörer begeistert.  Auch wäre in einem von mehreren „Streams“ etwas  Vernünftiges dabei gewesen. Aber unter dem Strich wäre das Gros der Vorträge doch sehr enttäuschend gewesen – dominiert von Belanglosigkeit, Praxisferne, Selbstdarstellung oder Werbung. Außerdem wären viele Vorträge auch schlecht gehalten und oft nur abgelesen worden.

Das ist keine Ausnahme. Gerade bei renommierten und teuren Tagungen fällt mir seit längerem auf, dass die Qualität der Vorträge immer schlechter wird. So gehe ich nur noch wenn es unbedingt sein muss, auf solche Veranstaltungen. Ist eigentlich schade, denn Tagungen und sich Treffen an sich sind wichtig. Zum Leute „Kontakten“ und Treffen, zum Kommunizieren. Nur sind diese Tagungen halt auch zeitintensiv. Und wer mag heute schon seine wertvolle Zeit für zwei oder drei Tage am Stück ausgeben, wenn das Ergebnis unteroptimal ist?

Für dieses zweifelsfrei existierende Phänomen der schlechten Vorträge auf konventionellen Tagungen habe ich eine Erklärung. Nach meiner Meinung liegt dies unter anderem am Auswahlverfahren der Vorträge.

Mich erreichen häufig „Call for Papers“, oft werde ich auch ganz persönlich angesprochen, ob ich nicht etwas einreichen möchte. Da sind oft Tagungen dabei, die Überschriften haben, die mich durchaus interessieren: Wirtschaft, Führung, Management, Projekte, Wandel, Innovation, Agile Methoden. Könnte mir da ab und zu auch durchaus vorstellen, einen interessanten Beitrag zu leisten. Dafür müsste ich aber ein Papier einreichen. In dem ich mich ein halbes Jahr vor dem Vortrag festlegen soll, was ich dann berichten will.

Das ist mir ehrlich gesagt zu blöd und aufwändig. Da hilft auch das Lockmittel nicht, an der Tagung umsonst teilnehmen zu dürfen. Weil ich ja eben die Zeit nicht habe, mir dann zwei Tage mehr oder weniger unattraktive Vorträge anzuhören.

Außerdem habe ich genug Nachfragen, bei Veranstaltungen und Institutionen aller Art einen Vortrag zu halten. Das genügt mir völlig. Wenn mir die anfragende Gruppe sympathisch ist und es bei mir rein passt, dann nehme ich die Einladung an. Bei Universitäten und/oder gemeinnützigen oder „modernen“ Foren halte ich meine Vorträge prinzipiell „for free“. Als Teil des „Teilens von Wissen“.

Meine Freunde und die guten Referenten, die ich kenne, machen es genauso. Keiner von ihnen hat es nötig, einen Vortrag einzureichen, nur um auf einer Tagung dann sich selbst darstellen oder für ihr Unternehmen werben zu können. Für einen guten Zweck reden sie sogar umsonst oder gegen eine Spende für etwas Gemeinnütziges (ich bevorzuge da in der Regel AI). Oder sie verlangen ein Honorar, manche sogar in der Steinbrück-Klasse.

Welche Leute bewerben sich typischerweise bei einem „Call of Paper“?  Ich finde da oft Universitätsangehörige, die ihre Arbeit noch an zweiter Stelle verwerten wollen, Mitarbeiter von Firmen, die Ihre Öffentlichkeitsarbeit verbessern wollen. Nach dem Motto: Der Chef hat gesagt: „Mayer, halten Sie doch mal Vorträge bei den Tagungen A, B und C!“. Oder es sind Menschen, die von einem Thema fanatisch besessen sind. Oder Übertheoretiker, die ihre persönliche Theorie wie ein Messias kundtun wollen. Meistens sind es aber Menschen, die sicher einen guten Job machen, aber sich halt einfach profilieren wollen, weil sie sich durch eine Erhöhung ihres Bekanntheitsgrades ein besseres berufliches Fortkommen erhoffen. Was sicher nicht verwerflich ist.

Da die Einreichungen in der Regel limitiert sind, darf oft jeder, der dann einreicht auch reden. Man ist häufig froh, die Streams überhaupt besetzen zu können. Wenn mehr „Papers“ als „Slots“ da sind, haben wir das nächste Problem. Der Auswahlmechanismus erfolgt in der Regel nach der Papierlage. Jetzt gibt es aber keine Korrelation zwischen der formalen Güte des Papiers und der Fähigkeit des Redners. So kann es gut sein, dass bei der Auswahl sogar die guten Redner ausscheiden und die schwachen bleiben.

Ich könnte mir da auch Lösungen vorstellen. Zum Beispiel kann der Veranstalter einen Probevortrag verlangen. Wenn das zu aufwändig ist, dann halt eingereicht als Video. Ober besser natürlich als Link auf Youtube. Dann geht zwar der „Live-Effekt“ verloren, aber man kann sich zumindest eine Vorstellung machen. Noch besser wäre es, wenn man die Referenten persönlich kennen lernt. Sich mit ihnen trifft, den Vortrag durchspricht und sich ein rundes Bild macht. Das kostet natürlich Zeit. Aber wäre diese Zeit nicht für eine tolle Tagung gut investiert?

Eine ganz pragmatische und vielleicht innovative Idee hätte ich auch noch: Man lade viele Menschen zu einer Konferenz ein, schaue in einem größeren Team die Anmeldungen durch und bittet die Teilnehmer, die man persönlich, direkt oder indirekt, kennt, einen Vortrag zu halten. Da habe ich natürlich ein Henne-Ei-Problem, denn die Besucher müssen halt das Vertrauen haben, dass es eine Super-Konferenz wird und die richtigen Menschen so da sein werden.

Aber an einer Tatsache wird auch das nichts ändern. Denn die Referenten, die sich aktiv bemühen, Vortrage zu halten, sind eben nicht die guten. Das sind die, die eh laufend angefragt werden. Das wurde mir auch auf einem Wettbewerb der GSA (German Speaker Association) bestätigt. Die GSA macht immer so eine Art „Deutschland sucht das Supermodell“ für Redner. Da kann man – wenn man Mitglied ist oder werden will – sich mit einer Proberede vorstellen. Meistens bewerben sich hier „professionelle Redner“, die ihren Lebensunterhalt mit Reden oder als Trainer verdienen (wollen). Einmal war ich eingeladen und überrascht, wie niedrig das Niveau dort war. Die meisten „professionellen Redner“ konnten den Menschen, die ich auf Barcamps oder Jam-Sessions erlebe, nicht das Wasser reichen.

Nein, die guten Redner werden geholt und bewerben sich nicht. Oder sie sitzen entweder ganz im Verborgenen unter uns, und konzentrieren sich auf ihr Können. Da muss man sie finden! Manche davon gehen am Wochenende auf ein Barcamp und tauschen ihr Wissen aus. Nur als Redner auf den Tagungen findet man diese Menschen in der Regel nicht.

Ich beende den Artikel mit Werbung für unser PM-Camp in Dornbirn vom 8.- 10. November (das aber leider eh schon fast ausgebucht ist).

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 28. Oktober 2012

brand eins im November

Gestern am Samstag Morgen – perfekt zum Wochenende – liegt das neue brand eins in meinem Briefkasten.

Mittlerweile mache ich es bei brand eins genauso wie bei allen anderen Papiermedien, die ich noch so kriege. Erstmal kräftig schütteln und die Werbung rausfallen lassen – und die dann sofort ins Altpapier. Beim brand eins im November waren es gemessen übrigens gute sinnlose 100 Gramm.

Das ist bei den Medien wohl der Preis des Erfolges, die unerwünschte Werbung. So wie bei Bayern2. Je beliebter der Sender wird, desto länger der Werbeblock. Der ärgerliche Fluch des Erfolgs.

Da haben die Papiermedien dann doch einen Vorteil – zumindest bei den Beilagen funktioniert die Methode „rausschütteln und weg damit“. Im Radio geht das nicht und der oft schrille Werbelärm geht dann ganz schön auf den Wecker…

Von der externen Werbung befreit lasse ich das Heft auf mich wirken. Bei der auch lästigen internen Werbung lese ich ja dank meines „adblock“ im Gehirn schon ganz geübt drüber.

Das Titelblatt ist diesmal weiß, es gibt also keine Farbe zu loben oder zu kritisieren. Zuerst fällt mir das Bild mit dem Sonderangebot auf
„Eine Pizza bestellen – und zwei bezahlen“
🙂 der Gehirn-Adblock funktioniert beim Titelblatt anscheinend nicht.

Das gefällt mir besser als umgekehrt. Lieber eine richtig gute Pizza (oder Brezen) essen und zwei bezahlen als zwei schlechte essen müssen und nur eine bezahlen.

Dann lese ich den Titel „Probier’s einfach noch mal„. Beeindruckt und inspiriert mich zuerst mal nicht, genauso wie der Schwerpunkt: Zweite Chance. Ist doch eigentlich selbstverständlich – umso gespannter werde ich aufs Heft und schlage zuerst mal das Editorial auf.

Frau Fischer erzählt, dass die erste Ausgabe von brand eins „Restart“ geheißen hat und auch so eine Art zweiter Versuch war. Sie weiß also – wie eigentlich immer – von was sie spricht.

Und im Heft kommen dann – neben den immer wieder nett zu lesenden kleinen „Serien-Teilen“ eine ganze Reihe von sehr spannenden „zweiten Versuchen“. Und den einen oder andern alten Bekannten entdecke ich auch wieder. So wie den Jost Stollmann. Wenn ich mich richtig erinnere, hat der noch in der Zeit seines ersten Versuchs seinem Lehrer Rupert Lay einen roten BMW 320i geschenkt. Ist mir aufgefallen, weil ich einen roten 325i gefahren bin. Und mein Mentor und Freund Rupert hat sich so richtig über dieses Geschenk gefreut.

Ja, brand eins ist ein tolles Magazin. Ich entdecke und lerne immer viel. Jedes Heft macht auf mich einen genialen Eindruck.

Einen großen Wunsch in meinem innersten habe ich aber entdeckt: Ich möchte eigentlich nur noch Inhalte lesen, die frei von Werbung sind. Obwohl ich sehr wohl weiß, dass dies in unserem nach meiner Meinung hoch-perversen Wirtschaftssystem mit seinen Säulen Marketing und Lobbyismus kaum realisierbar sein dürfte.

Also habe ich ab sofort eine Utopie mehr. Bisher war das der Traum von einer Welt mit „sanfter Mobilität frei von Motoren basierend auf der Verbrennung von fossilen Energien“. Und als zweites und noch wichtiger die Vision einer „straffreien Gesellschaft“.

🙂 Dazu kommt jetzt noch die Utopie der „Medien frei von Werbung“. Und wenn es im ersten Versuch nicht klappt, dann machen wir halt einen zweiten.

Vielleicht wird das irgendwann sogar mal Realität werden. Ich werde Frau Fischer mal fragen, was sie davon hält. Aber ich fürchte, bei diesem Problem kann mir sogar Frau Fischer nicht helfen!

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 27. Oktober 2012

Unsere lieben persönlichen Daten – Der Brief und das Eigentum?

Ergänzend zu den Überlegungen in meinem letzten Artikel zum Datenschutz ein Exkurs zu ähnlichen Problemen am Beispiel des so ganz harmlosen Briefs?

Die Sprache ist Voraussetzung für komplexere Kommunikation zwischen intelligenten Lebewesen. Mit der Sprache kam die Schrift. Die Schrift hat den Brief ermöglicht. Der Brief war für viele Jahrhunderte der Inbegriff von bilateraler Kommunikation über Raum und Zeit.

Aber wer schreibt heute noch Briefe? Wer überhaupt hat das wunderbare Geheimnis des Briefe-Schreiben und Empfangen noch selbst erlebt? Ich habe aus den ersten beiden Jahrzehnten meines Lebens noch ganz schwache Erinnerungen daran:

Für einen Brief braucht man Papier. Auf das schreibt man, früher gerne mit Tinte – und ganz ordentlich mit der schönst möglichen Schrift, die man so drauf hat. In der Regel gibt es eine ausgesuchte und höfliche Anrede. Der Text geht dann über eine oder mehrere Seiten, die entsprechend nummeriert werden. Das Werk wird mit einer Grußformel sowie Ort und Datum abgeschlossen und schließlich unterschrieben. Früher sogar gesiegelt.

Dann nimmt einen Umschlag, faltet das Papier und stecke es in den Umschlag. Der  wird zugeklebt, auf die Vorderseite der Empfänger und auf die Rückseite der Absender geschrieben. Das musste so sein, denn es gab eine – wie ich meine vernünftige – Postregel: Briefe ohne korrekten Absender wurden vor grauer Vorzeit nicht befördert. Klingt auch im Zeitalter von Spam ganz vernünftig.

Dann wird der Brief korrekt mit einer oder mehreren Briefmarken frankiert – oft unter Nutzung der Zunge. Die korrekte Frankierung ist ganz wichtig, sonst kommt der Brief nach einigen Tagen wieder zurück.

Schließlich wird der Brief in einen öffentichen Briefkasten geworfen. Früher waren das gelbe Kästen mit einem Horn. Der Schlitz in diesem gelben Kasten ist der Eingang zu einer Cloud, genannt Post. Aufgabe der hinter der Cloud liegenden Organisation war es, Briefe und damit die in diesem enthaltenen Informationen zuverlässig und schnell an Adressen in der ganzen Welt zu transferieren.

Die Post garantiert auch das Postgeheimnis. Das ist nicht immer verlässlich, denn zu allen Zeiten gab und gibt es Instanzen, die – ungesetzlich oder legitimiert durch eigenartige, aus Angst entstandene Gesetze – so einen Brief öffnen und den Inhalt prüfen. Abhängig vom Inhalt wird der Brief dann von diesen wieder verschlossen und weiter gesendet – oder auch mal behalten. Diese Instanzen arbeiten sehr geschickt. Der Empfänger merkt das oft gar nicht, dass der Briefes geöffnet, gelesen und wieder verschlossen wurde.

Das aber nur zum Verständnis von Briefpost. Mir jedoch geht es um die Frage, wer denn der Eigentümer eines solchen Briefes und dessen Inhalt ist?

So ein Brief wurde vom Absender erstellt (aufwändige Schreibart) und finanziert (Papier, Tinte, Umschlag, Porto). Der Empfänger bekommt ihn dann durch einen Boten aus der Cloud (Briefträger genannt) übergeben.

Wem gehört jetzt der Brief? Bei der „Hardware“ scheint mir das einfach zu sein. Papier und Umschlag würde ich als juristischer Laie als Geschenk sehen. Tinte und Porto spielen keine Rolle. Die Tinte ist ja mittlerweile verdorben und die Briefmarke entwertet. Der Absender hat dem Empfänger das Papier und den Umschlag geschenkt. Wie ist es jedoch mit dem Inhalt?

Nehmen wir an, Sender und Empfänger wären ein Ehepaar. Die Inhalte im Brief sind Teile der Kommunikation ihrer ehelichen Beziehung. Wem gehört dann der Inhalt: Dem Schreiber (Absender) oder dem Leser (Empfänger)? Oder beiden zu gleichen Teilen? Was ist, wenn der eine den Brief veröffentlichen will – aber der andere nicht?

Ändert sich das Eigentumsrecht, wenn z.B. die Geschäftsgrundlage – sprich die Ehe durch Scheidung – weg fällt? Geht dann das Eigentum am Text an den Schreiber (Absender) zurück? Wer darf dann mit dem Brief Geld verdienen?

Was ist denn, wenn der Brief fremdes Eigentum enthält, z.B. ein Liebesgedicht eines zeitgenössischen Autors, das aus einem Buch abgeschrieben wurde? Bei „gewerblicher Nutzung“ wäre das ja Diebesgut. Darf der Empfänger das weitergeben? Oder geht das nur im „privaten“ Fall. Oder muss der Empfänger dann das fremde Eigentum zurück geben, den Urheber fragen, und gegebenenfalls dessen Eigentum an ihn zurückgeben?

Und wenn ja, wie geht das? Wie kann ich etwas zurück geben, dass ich gelesen habe. Was passiert, wenn dritte berechtigt oder unberechtigt den Brief lesen? Was haben sie eigentlich gestohlen? Wen haben sie bestohlen – den Sender  (Empfänger) oder den Empfänger (Leser). Welcher Schaden ist entstanden?

Was ist los, wenn der Empfänger den Brief – vielleicht gar ohne ihn zu lesen – vernichtet. Darf er das – oder hat er dann den Sender geschädigt? Er hat ja Daten (Eigentum) des Senders vernichtet. Und was ist, wenn der Sender vor dem Absenden eine Kopie gemacht hat. Darf er die dann Jahre später so veröffentlichen? Ohne den Empfänger zu fragen?

Was passiert denn, wenn der Brief durch einen dritten gefunden wird. Gehört dann der Inhalt dem Finder? Doch wohl nicht. Darf der Sender einschreiten, wenn Kopien des Briefes z.B. durch einen Verlag dem Empfänger abgekauft und als Teil eines Buches veröffentlicht werden?

Was ist, wenn der Brief im nach hinein sehr wertvoll wird? Ist es überhaupt gerecht, wenn ich jemanden einen vermeintlich wertlosen Inhalt abkaufe und dieser plötzlich im Wert steigt, weil die verkaufende Person berühmt geworden ist. Oder wäre das ein Verstoß gegen die guten Sitten?

Gibt es wirklich den Unterschied von Inhalten zwischen privater und gewerblicher Nutzung? Wenn wir im Internet eine Tauschbörse von Briefen hätten, bei der nie Geld im Spiel ist, wäre das eine gewerbliche Nutzung?

Ist das alles nicht Unsinn?

Und jetzt projektieren ich mal solche Gedanken in die Welt von SMS, E-Mails, Twitter, Facebook, Google und des Internets allgemein. Sind da alle diese Fragen sinnvoll zu diskutieren. Müssen sie unbedingt durch Gesetze geregelt werden? Oder sind die Fragen an sich schon sinnlos? Wäre es nicht endlich an der Zeit, beim Thema persönliche Daten, Copyright etc. radikal umzudenken und auch rechtlich ganz von vorne anzufangen?

Und beim Neuanfang die Ohren vorsorglicher Weise ganz konsequent zuzustöpseln und genauso die Sakko-Taschen zuzunähen, damit die Lobby der Inhaltshändler nicht gleich wieder alles mit ihrem Einfluss kaputt macht.

RMD

P.S.
Briefe zwischen zwischen Heisenberg und Einstein sind mir in guter Erinnerung. 1969 hat der Professor Lammel (Analysis I) an der damaligen TH München (heute TUM) aus diesen Briefen vorgelesen. Das war ein sehr schönes wenn auch wohl altmodisches Studentenerlebnis.

🙂 Wer es mehr staatsmännisch mag, der kann die Briefe nachlesen, die Voltaire dem „alten Fritz“ geschrieben hat. Oder für die ein wenig revolutionären: Jean Paul feiert im nächsten Jahr Geburtstag. Er wird 250 Jahre alt. Ein guter Anlass, die Briefe nachzulesen, die er geschrieben und bekommen hat!

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 25. Oktober 2012

Pilzgerichte

Carl und Gerlinde (XXVIII)

Es war wie der Einschlag eines Meteoriten!

Zumindest was die Häufigkeit betraf. Nicht hinsichtlich des angerichteten Schadens. Der war zunächst gering!

Doch die Häufigkeit war echt meteoritenartig selten, was bei einem Pilzgericht an sich nicht weiter verwunderlich war, da Pilze ohnehin eher selten sind – und Steinpilze natürlich noch seltener!

Wenn man allerdings den Schleimpilz ‚Physarum polycevalum’ mit einbezog, dann waren Pilze plötzlich gar nicht mehr so selten; ganz abgesehen von den vielen Ekelpilzen, die sich bei den Menschen mit ihren Mycelien an den peinlichsten Stellen festhakten, und von denen wirklich niemand sagen konnte, dass sie nicht jucken würden!

Trotzdem ist und bleibt der schleimige Einzeller ‚Physarum polycevalum’ um Vieles unangenehmer als jeder andere Pilz, denn der kann, und das ohne jegliche Hirnaktivität, sich praktisch überall auf kürzestem Weg durch die Welt schleimen, insbesondere da wo Haferflocken herumliegen. Und die liegen ja wirklich überall und nicht nur in Speisekammern, Küchen, Schubladen und auf Fliesenböden.

Aber natürlich niemals auf Gerlindes Küchenboden!

Und schon gar nicht in ihren Schubladen, denn gegenüber Gerlindes Sauberkeit und Ordnung hatte dieser hirnlose  ‚Schleimer’ natürlich‚ ‚nicht die Haferflocke einer Chance’, was ja nicht nur ihr, sondern auch Carl vollkommen klar war.

Aber – das hieß noch lange nicht, wenigstens aus der Sicht von Carl, dass es gerechtfertigt war, dass auch andere Pilze, wie etwa der von ihm heiß geliebte Steinpilz  Boletus edulis aus der Gruppe der Ständerpilze, auch nur mit dieser meteoriteneinschlagartigen Seltenheit in der gemeinsamen Küche auftauchen musste. Der hätte sich da schon ein paar Mal mehr im Jahr in dieser blitzsauberen Küche einnisten und brutzelnd und schmurgelnd  breit machen können. Da hätte Carl wirklich nichts dagegen gehabt!

Im Gegenteil!

Was ja dann letztlich, als logische Konsequenz der Wahrscheinlichkeitsrechnung, eines Mittwochs auch geschah, da Gerlinde, wie sie sagte, an den sich fast obszön anbietenden Steinpilzen bei Emmis Obst – und Gemüsestand auf dem Markt in H. einfach nicht mehr vorbeigehen konnte.

Dies umso mehr, als Emmi bereits Gerlindes begehrlichen Steinpilzblick registriert hatte, während sie mit der üblichen Sorgfalt das gewünschte Obstsortiment aus Mango, Melone, Papaya und Kiwis für sie zusammenstellte und fast beiläufig darauf hinwies, dass doch Carl so schrecklich gerne Steinpilze esse, wie er ihr unlängst gebeichtet hätte, so dass Gerlinde gar keine andere Wahl mehr hatte, als sich von der fürsorglichen Emmi für den offensichtlich von allen Frauen geliebten Carl auch noch eine tüchtige Portion dieser obszönen Steinpilze einwiegen zu lassen. Sechshundert Gramm sollten es schon sein, meinte Emmi spitzbübisch lachend!

Die breiten Bandnudeln konnte Gerlinde dann auch gleich vom Nachbarstand mitnehmen und trotzdem noch mit Hannelore und Kurt genüsslich den vereinbarten Cappuccino bei ihrem Lieblingsitaliener trinken, bevor sie sich daheim auf Carls Pilzfestival vorbereitete…

Carl bemerkte am späten Nachmittag, als er überraschend früh heim kam und die Haustür aufschloss, bereits an seiner Nase –  die sich komischer Weise wie eine Magnetnadel zum Nordpol ganz von selbst in Richtung Küche stellte – dass heute tatsächlich so etwas Fundamentales wie ein Meteoriteneinschlag stattgefunden haben musste: seine nicht gerade kochwütige Gerlinde bereitete ihm sein Lieblingsgericht zu!

Es gab tatsächlich – und das war keine Fata Morgana – ‚Gebratene Steinpilze in Sahne und Wein’!

Grad so als hätte Gerlinde geahnt, dass er heute besonders dringend einer aufbauenden Labung bedurfte, da dieser Tag wieder einmal zu jenen gehörte, die er blitzschnell verdrängen musste, da er sonst morgen in der Firma nicht nur diesen neuen Unmögling Fritz Kogler kaltblütig ermordet hätte, sondern gleich auch noch das ‚goldige Bernielein’, das diesen ‚Schleimpilz Kogler’ in die Sparte ‚Oberbekleidung’ für den Vertrieb geschleust hatte.

Dabei wär’ gegen diesen Fritz Kogler prinzipiell nichts einzuwenden gewesen, außer dass er für einen Mann viel zu schön war, das auch wusste, und seinem schleimigem Charme die jungen Arbeiterinnen genau so hilflos ausgeliefert waren, wie verstreute Haferflocken dem ‚Physarum polycevalum’!

Und das schon seit drei Wochen, da dieser schleimige Fritz auf Wunsch von Dr. Bernhard Osterkorn unbedingt die gesamte Firma TRIGA kennen lernend durchdringen sollte; natürlich auch die Sparte ‚Wirk– und Strickwaren’ für die er, Carl, den Gesamtvertrieb zu verantworten hatte.

Und dass nun ausgerechnet diese dumme, hoch schwangere Kuh, Miriam Braun, die eh schon einmal vom ‚lieben Bernie’ abgebürstet worden war, nicht bemerkte, wie dieser Fritz Kogler sie pausenlos aushorchte und in ihrem Umfeld gegen sie intrigierte, war wirklich zum Heulen!

Für Carl jedenfalls war schon nach zwei Tagen klar gewesen, dass dieser schleimige Fritz, abteilungsmäßig massiv in die ‚Unterwäsche’ der Miriam Braun drängte und sich förmlich verzehrte nach ihrer Stelle, sobald sie in Karenz war. Aber die angeblich so kluge und weltgewandte Miriam Braun, merkte das alles nicht, sondern war trotz, oder vielleicht gerade wegen ihrer Schwangerschaft total hingerissen von diesem Ekel–Fritz.

Und genau das spielte dem immer wieder genial schäbig agierenden ‚Bernie’ in die Karten: denn da Miriam Braun ihn enttäuscht hatte, war für ihn klar, dass dieses Biest Stück für Stück so klein gemacht werden musste, bis sie selbst merkte, dass sie bei TRIGA ein riesiger Irrtum gewesen war und nicht mehr benötigt wurde – der Strahlemann Kogler kam Dr. Osterkorn da gerade recht.

Aber jetzt – daheim – war wenigstens für einen winzigen Moment für Carl die Welt in Ordnung, da seine geliebte Gerlinde sein Lieblingsgericht zubereitet hatte!

Gott wie das alles duftete…

Auch Gerlinde duftete, als sie ihm mit fröhlich gerötetem Gesicht plappernd entgegenkam; der süffige Riesling für die Soße hatte wohl schon seine Wirkung getan…

Richtig überdreht erzählte sie Carl nach einem köstlich feuchten Begrüßungsküsschen in launigem Durcheinander, wie das heute mit den komischen Pilzen zugegangen war, und wie sie nach deren obszöner Anbiederung einfach zugreifen hatte müssen und sich jetzt  richtig auf diese Pilzherrlichkeit freute, an die sie sich schon ewig nicht mehr herangetraut hatte, während Carl sich immer zwanghafter der ihn umgebenden geruchlichen Vielfalt ausgeliefert sah, lustvoll schnuppernd Gerlinde mehr und mehr in ihren eigenen heiligen Küchenbereich abdrängte, und sein unersättliches Näschen nicht nur ausschließlich in Richtung Bratpfanne streckte, in der die erste Charge der goldbraunen Köstlichkeit bereits gemächlich vor sich hinbrutzelte, sondern auch ihre fleischigen, nackten Arme und ihren Hals bis zu dem leicht aufgehellten, flaumig zarten Haaransatz in seine Schnüffelakrobatik einbezog und eine zapplige Gerlinde mit ihrer Küchengerätschaft, von Mal zu Mal unkonzentrierter, die angebräunten Pilzscheiben zu wenden versuchte…

Mit einem letzten Rest an verbliebenem hausfraulichen Instinkt, versuchte Gerlinde auch noch, den wie eine Python um sie geschlungenen Carl zu dem bereits vorbereiteten Mörser mit frischem Kümmel zu dirigieren, bevor unter spitzen Schreien und einigem anderen Getöse, auch diese notdürftig aufrecht erhaltene Verteidigungsfassade einstürzte und die zunehmend steinerne Pilzpracht – gnadenlos in der Pfanne verkohlte…

Die begleitenden Rauchschwaden ließen kurz darauf nicht nur den Rauchmelder aufheulen, sondern geisterten auch noch tagelang mahnend durchs gesamte Haus.

KH

Hier meine Tweets der letzten Woche zum Thema:
Bloggen und Twitter, Weisheiten und Regeln:

121018 Tausend können mehr als einer – gilt für Twitterer und Blogger „in the cloud“. #Twitter #Bloggen #Weisheit

121019 Teufel darf man nicht rufen, er kommt wohl von selbst – gilt auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

121020 Teufel muss man mit Teufeln austreiben – wie beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

121021 Teurer Honig, den man aus Dornen muss lecken – wie der kühne Blogger und Twitterer! #Twitter #Bloggen #Weisheit

121022 Titel kostet kein Geld – zumindest beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

121023 Torheit ist die schwerste Krankheit – so ist es auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

121024 Torheit und Stolz wachsen auf einem Holz – gilt auch beim Twittern und Bloggen #Twitter #Bloggen #Weisheit

Jeden Tag kommt ein neuer Tweet dazu. Siehe unter twitter.com und “follow” RolandDuerre!
Viel Spaß beim Folgen!

RMD

P.S.
Die Sprichwörter habe ich auf Alle deutsche Sprichwörter gefunden.

Roland Dürre
Mittwoch, der 24. Oktober 2012

Studiengebühren …

Höre mal wieder Nachrichten in Bayern 2. Bald fahren wir nach Mali, Islamisten und Djihadisten bekämpfen. Natürlich nicht mit Kampftruppen, aber mit Soldaten. Zur technischen Hilfe. Müssen wir aber machen, die Sicherheit des Westens steht ja wieder mal auf dem Spiel … Sie wissen schon, der Terrorismus.

Eine ungesunde Meldung, die aber nur zu gut ins Bild passt.

Meine Hauptverwunderung heute morgen gilt aber der Geschichte mit den Studiengebühren. Jetzt habe ich keine entschiedene Meinung zum Thema Studiengebühren. Zu viele Argumente gibt es für und gegen Studiengebühren. Weiß auch nicht ob Studiengebühren für den Bildungsstand eines Landes von Relevanz sind.

Aber wie die politische Meinungsbildung in unserer bayerischen Bürokratie funktioniert, das finde ich schon interessant. Da gibt es eine in meiner Bewertung eher konservative Partei, die sich frecher Weise als „Freie Wähler“ bezeichnet. Eine ähnliche Mogelei wie wenn sich eine Partei „christlich“ nennt.

Diese Partei will bei einem „emotionalen“ Thema punkten. Studiengebühren erscheinen da gut geeignet. Eigentlich passt die Abschaffung der Studiengebühren nicht zu „Freien Wählern“, aber was tut man nicht alles für den politischen Erfolg.

So ein Volksbegehren schafft Sichtbarkeit, also wollen die Freien ein Volksbegehren zur Abschaffung der Gebühren starten. Die Administration weist den Antrag ab, warum auch immer. Natürlich wird dagegen geklagt, und natürlich wird das Volksbegehren zugelassen. Warum sollte auch ein Volksbegehren gegen Studiengebühren nicht zulässig sein?

Aber kaum, dass das Urteil gesprochen ist, geht die Lawine ab. Die Parteien gehen davon aus, dass die Bürger mehrheitlich gegen Studiengebühren sind. Und so kippt die breite Front in den regierenden Parteien pro Studiengebieten erdrutschartig. Nur wegen einem Gerichtsurteil.

Ist das der richtige Weg, gesellschaftlichen Konsens zu entwickeln?

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 23. Oktober 2012

Verlorene Zeit(en)

Bei Nadja’s Vortrag zum „Sinn des Lebens“ vom letzten IF-Forum mußte ich an die vielen Stunden denken, die ich in meinem Leben sinnlos verbracht habe. Zuerst ist mir die Zeit eingefallen, die ich mit Fernsehen und Autofahren verbracht habe. Es gab so ein paar Jahrzehnte in meinem Leben, in denen ich täglich im Schnitt mehr als fünf Stunden vor dem Fernseher und am Steuer eines Autos verbracht habe.

Einfach mal so los gerechnet, sind das bei 5 Stunden am Tag 1825 Stunden im Jahr. Nehmen wir mal nur 2 Jahrzehnte, dann bin ich in diesem Zeitraum 36.500 Stunden im Auto und vor dem Fernseher gesessen. Und das mit sehr vorsichtigen Annahmen. Irgendwie frustrierend.

Und dann fällt mir ein, dass ich spätestens ab 1977 in meiner beruflichen Laufbahn auch immer mehr Zeit in Besprechungen verbringen musste. Viele davon waren ziemlich unnötig und unproduktiv. Oftmals hätte ich die Zeit lieber für die Projekte genutzt, an denen ich gerade gearbeitet habe.

Das hat sich nicht geändert. In vielen Unternehmen herrscht immer noch ein fast krankhafter Drang zu Besprechungen. Viel zu viele, die viel zu lange dauern. Und weil man so viel Arbeitszeit mit Versprechungen füllt, muss man dann halt oft bis tief in die Nacht nacharbeiten.

Warum macht man so viele Termine, die länger als 20 Minuten sind? Kompetente Leute können und müssen in 20 Minuten sehr viel Information austauschen und gute Entscheidungen fällen.

Nur die Praxis ist halt anders. Besprechungen sollten ja immer gut vorbereitet sein. Deshalb haben sie eine Agenda. Die muss abgearbeitet werden. Und jeder Punkt dauert meistens viel länger als nötig.

Oft läuft das so: Vier TOP (Tagesordnungspunkte) sollen besprochen und entschieden werden. Weil es ganz schwierige TOP sind, haben die Einladenden zwei Stunden geplant. 30 Minuten pro TOP. Der Termin war schwer zu finden, da alle Teilnehmer ja dauernd in Sitzungen sind und die Terminkalender deshalb so voll sind. Deshalb wird das Meeting in frühesten zwei Wochen stattfinden. Wenn der Termin dann stattfindet, haben sich in der Regel zwei der vier TOP schon von selbst erledigt.

Jetzt könnte man meinen: Die TOPs, die sich erledigt haben, können doch gleich mal gestrichen werden. Dann hat man nur noch halb so viele TOPs wie geplant. Also kann man doch die Zeit der Besprechung auf die Hälfte reduzieren. Also nur eine Stunde an Stelle von zwei besprechen – und dann wieder an die Arbeit gehen. Aber denkste! So etwas habe ich in meiner Zeit als Besprechungsteilnehmer nur selten erlebt.

Nein, meistens werden ganz spontan neue Themen gefunden. Wenn man schon mal zusammen ist. Es wird rumgegockelt, spekuliert, philosophiert. Argumente werden kreuz und quer aber selten zusammenhängend in den Ring geworfen. Ein Teil der Teilnehmer erfreut sich am rethorischen Spiel, andere leiden unter dem oft in Geschwafel ausartenden Wortarien.

Andere flüchten sich in eine Art maskierten Büroschlaf und träumen von besseren Zeiten und schöneren Orten. Nur wer schnarcht, fällt unangenehm auf. Und so wird alle Zeit, die geplant war, dann auch wirklich aufgebraucht. Und meistens wird auch noch überzogen. Warum eigentlich nur?

Ja, ich habe viel zu viel Zeit in meinem Leben vor dem Fernseherm im Auto sondern auch in Besprechungen verbracht. Aber ich schaue nicht zurück, sondern nach vorne.

🙂 Also – Fernsehen off, Autofahren off, Besprechungen off.

RMD

Das Thema Eigentum ist schon bei physischen Gegenständen, ob beweglich oder nicht, alles andere als einfach. Ethisch, moralisch, rational und so fort …

Geht es um Eigentum an nicht materiellen, abstrakten, inhaltlichen oder gar „geistigen“ Dingen, dann wird es noch viel schwieriger. Dabei spielt Letzteres fürs Leben und Überleben an sich zuerst mal keine Rolle – im Gegensatz zu einer warmen Mahlzeit, Kleidung und Wohnung. Und ein wenig Liebe. Da fällt mir ein – Liebe ist ja auch etwas Abstraktes, nichts Materielles. Eigentum an Liebe? Der Quatsch trieft schon aus der Formulierung.

Debatten über Eigentum an Daten und Inhalten sind verwirrend. Was sind das, Daten, Inhalte? Und Eigentum daran? Wem gehört das Geburtsdatum eines Menschen? Der Mutter (oder dem Vater), dem Kind, der aufnehmenden Behörde? Ist es überhaupt wichtig, wem das Datum gehört? Ist das Datum überhaupt wichtig? Ist es überhaupt existent im Lauf des Universums? Oder fängt da schon die Illusion an?

Wem gehört eine Geschichte? Dem Erzähler oder den Zuhörern? Was ist das, ein Gedanke, eine Idee, eine Erfindung, eine Geschichte? Welchen Wert hat so etwas? Essen und Trinken kann man es nicht. Ist das also so etwas ähnliches wie Geld? Ein Gut zum tauschen?

Oder geht es darum, wie man auch Abstraktes zu Geld machen kann? Gibt es überhaupt einzigartige Geschichten oder baut nicht alles auf Erlebtem und Erlerntem auf? Was darf ein einzelner für sich beanspruchen und was gehört uns allen? Ist die Idee schon der Verdienst an sich oder stellt erst die Ausarbeitung derselbigen einen Wert da? Gibt es da eine Gerechtigkeit?

Copyright und Patente könnten als das Ergebnis der Arbeit von gewieften Geschäftsleuten interpretiert werden. Die haben Forderungen aufgestellt, um ihre Interessen zu schützen und diese dann durch gute Lobbyarbeit realisiert. Mit dem sicher verständlichen Ziel, mit minimalen Einsatz maximal reich zu werden. Wie ein russischer Neo-Oligarch, der in 10 Jahren zum Milliardär wird.

Aber ist das (erreichte) Ziel überhaupt legitim, „Geld-Verdienen“ mit Hilfe von Rechten so überproportional zu skalieren, wie das sonst nur kapitalgetrieben gelingt? Nach dem Motto „Ich sitze am Strand und genieße mein Leben, während mein Geld hart und sehr erfolgreich für mich arbeitet“.

Nur dass es hier die Rechte sind, die hart für ihren Inhaber arbeiten. Historisch gesehen war das ganze Urheberrecht und Copyright doch schlicht ein weiterer Versuch, Einkommen und Verdienst von Arbeit zu entkoppeln und Profite nicht nur linear,  sondern geometrisch oder gar im logarithmischen Maßstab zu mehren. Das wahrscheinlich (und natürlich) zum Schaden der Allgemeinheit, sprich der Menschen auf diesem Planeten und des Planeten selbst.

Also eine neue Methode, um Gewinne bis ins Unendliche zu steigern. Unendlich? Ja, denn wir reden von Milliarden und für den normalen Menschen dürfte 1 Milliarde Euro gefühlt unendlich sein.

So gelang es der Interessensgruppe „geistiges Eigentum“ eigenartige Regeln durchzusetzen und in Gesetze zu gießen. Das Ergebnis ist die heutige Situation im Urheber- und Patentrecht. Durchgesetzt mit Argumenten, wie zum Beispiel, dass es sonst keinen Fortschritt geben würde. Die vielleicht nie richtig waren aber spätestens im Internet-Zeitalter widerlegt worden sind. Der „Fortschritt“ findet mittlerweile überwiegend durch das freie Teilen von Wissen statt. Daran ändern auch Slogans wie „Schutz dem geistigen Eigentum“ nichts.

Wissen und Geschichten wurden so beschlagnahmt (gekauft?) und privatisiert. Besonders die ersten Produzenten von Inhalten und Illusionen haben sich in unserem Kulturkreis in medialer Urzeit und Gründerzeit Sonderrechte angemaßt und diese mit gutem Lobbyismus politisch durchgesetzt. Eines der Gesetze wurde bezeichnender Weise „Micky-Mouse-Gesetze“ genannt.

Viele Verstöße gegen die so entstandenen Gesetze wie illegales Kopieren könnte man mit Notwehr rechtfertigen. Man muss sich nur auf dem Standpunkt stellen, dass das freie Teilen von Wissen die notwendige Voraussetzung ist für innovative Kollaboration als Teil der evolutionären Entwicklung der Menschheit.

Seit meiner China-Reise fühle ich mich oft als Chinese. Chinesen fühlen wie eine große Familie, die keine Geheimnisse voreinander hat. Dies obwohl sie zweifelsfrei in einer Diktatur leben.

Man muss Wissen freiwillig offen und frei teilen, einfach um gemeinsam weiter zu kommen! Ist nicht die ganze Menschheit eine Familie, für die es letzten Endes und das vielleicht schon in Bälde ums Überleben geht?

RMD

P.S.
Zwei Zeilen aus dem wunderschönen Song „Imagine“ von John Lennon:


Imagine all the people
Sharing all the world … (yuhuuuh)

Habe noch eine „freie Version“ von Imagine in Youtube gefunden, befürchte aber, dass diese danke GEMA auch bald gesperrt sein wird.

Roland Dürre
Samstag, der 20. Oktober 2012

Video: Dr. Eberhard Huber auf dem IF-Forum „Projekt Coaching“

Den abschließenden Beitrag auf unserem fachlichen IF-Forum am 25. September 2012 hat Dr. Eberhard Huber erbracht. Ihm ist es vorzüglich gelungen vor der abschließenden Diskussion in der „Fish Bowl“ noch mal alle Fäden dieses wunderbaren Nachmittags zusammen zu fassen.

Die Aufnahme seines Vortrages ist jetzt – „at last but not at least“ – auch in Youtube verfügbar.

Das Thema des 3. fachlichen IF-Forums war “Projekt Coaching“, das Motto “best of PM-Camp“. Das waren dann alle Videos von diesem Ereignis.

An Eberhard nochmal ein herzliches Dankeschön für seinen Vortrag, mit dem er wesentlich zum Gelingen unseres IF-Forums beigetragen hat.

Eberhards Motto ist „Projekt“ im Team – hier geht es zu seinem Blog „projekt (B)LOG„.

RMD

Nach der „fish bowl“ des ersten Blockes und einer kurzen Pause ging es weiter im fachlichen IF-Forum „Projekt Coaching“ am 25. September 2012 bei uns in Unterhaching. Der mittlere Vortrag des zweiten Blockes nach Jens wurde von unserer einzigen Referentin gehalten. Nadja Schröer-Petranovskaja sensibilisierte uns mit ihren Geschichten zu „Sinn, Unsinn und Chancen des Lebens“. Und brachte viele Teilnehmer dazu, ein wenig Projekt Management fürs eigene Leben zu starten.

Das Thema des 3. fachlichen IF-Forums war „Projekt Coaching„, dabei war „Best of PM-Camp„.

Nadja ist für diesen Vortrag auch extra aus Hamburg nach Unterhaching angereist. Und am Vorabend habe ich sie vom Flughafen abgeholt und wir hatten gemeinsam einen wunderschönen „Hotpot“. Dafür, für Ihren Vortrag und besonders für die vielen frischen Ideen und Gedanken, mit denen sie uns versorgt, ein besonders herzliches Dankeschön. Es war wirklich ein außergewöhnlicher Beitrag zum Thema Projekte und Coaching. Ich empfehle den Besuch ihrer Seite henneei.

RMD