Roland Dürre
Freitag, der 30. November 2012

Der Wandel im Management (Vortrag)

Meine beiden Vorträge der letzten Woche zum „Wandel im Management“ verliefen sehr abwechslungsreich. Ich hatte viel Spaß dabei und ich hatte den Eindruck, meine Zuschauer auch. So waren die Rückmeldungen auch für mich sehr schön.

Da die Vorträge sehr interaktiv waren, ist es für mich nicht ganz einfach, sie hier wiederzugeben. Aber ich notiere zumindest mal stichpunktartig ein paar Inhalte, auch wenn so manches aus dem Vortrag fehlt.

Die These: Der Wandel kommt. Ob wir wollen oder nicht.

In den beiden Vorträgen ging es um

  • Projekt Management
  • Management
  • Unternehmertum
  • Führung
  • Innovation als kreative Zerstörung
  • Craftsmanship
  • Das Zeitalter des „co“
    co-creation, co-programming, co-operation …
  • Future is female
    🙂 Warum sitzen so wenig Frauen in Gefängnissen?

Das alles sind  wichtige Themen sowohl unserer privaten wie unser Arbeitswelt. In Unternehmen und Institutionen schaffen wir Zukunft. Eine wesentliche Rolle spielen dabei

  • die in den sozialen Systemen gelebte Kultur und
  • deren organisierte Ordnung.

Dabei fällt auf, dass sich die Kommunikation insgesamt wie die Entscheidungs- und Verantwortungsprozesse ändern. Wer kennt Begriffe wie:

Barcamp, Jam Session, OpenSpace, Fishbowl?

Das liegt alles im Trend und ist Teil des Wandels. Wer diese Begriffe also nicht kennt, sollte sie bei Gelegenheit in Wikipedia nachlesen.

Wichtig ist heute:

Wissen teilen, Erfahrung weitergeben. Aus der Praxis für die Praxis. Konsumenten wollen zu Produzenten werden. Man trifft sich auf Augenhöhe. Angstfreie Räume ermöglichen Kreativität.

Wie war das früher?

  • Die Bäume sind von oben nach unten gewachsen.
  • Oben der Hierarch, es gab klare Kommandostrukturen und „disziplinarische“ Vorgesetzte.
  • Und das hat lange gehalten, eine einfache und strukturierte und vor allem stabile Welt.
    Beispiel:
    Ein Deutscher Elektrokonzern (alles was mit Strom zu tun hat) als hierarchische Organisation, kreiert nach dem Muster der Deutschen Reichswehr. Mit Aufbau- und Ablauforganisation, gegliedert in Unternehmensbereiche mit bis zu 10 Hierarchie stufen Stabsabteilungen für Gemeinsamkeiten wie F&E, Marketing und Zentralfunktionen aller Art, mit Identität durch corporate design.
  • So wurde die Matrix-Organisation mit durchgezogenen/gestrichelten Linien und Stabs- und Zentralabteilungen entwickelt.
  • Es gab Geschäftsfelder für viele Sparten: Motoren/Generatoren, Küchengeräte …). Gemeinsam Design etc. Vertrieb etc. Forschung waren zentrale Stabsabteilungen.
  • Dieses Organisationmodell war aus der industriellen Revolution entstanden – tayloristisch und mechanisch. Und war lange Zeit ein echtes Erfolgsmodell.
  • Alle paar Jahre musste die Organisation (und meistens auch nur Teile von ihr) verändert werden. Aber das war akzeptabel und hat dann über viele Jahrzehnte gehalten.

Heute geht das nicht mehr – deswegen stöhnen so viele Menschen unter der dauernden Umorganisation ihres Unternehmens. Nur – die reicht nicht aus, um dem Tempo der Veränderung zu folgen. So ist „nach der Umorganisation“ immer öfter „vor der Umorganisation“. Schlimmer noch, die neue Umorganisation beginnt oft schon bevor die alte beendet wurde.

Und auch die Bäume wachsen in der Natur von unten nach oben. Das ist zuerst ein paar „Revouzzern“ der Informatik aufgefallen. Sie haben die Bäume auf dem Kopf gestellt.

  • Bäume umdrehen geht aber und reicht auch nicht.
  • Der CEO würde dann zum Träger von allem (der große Fritz als erster Diener im Staat).
  • Man sieht, Bäume lösen die modernen Probleme nicht.
  • Auch die neue Kommunikation schafft Veränderung – Veränderung bewirkt Kommunikation
  • So passiert der Übergang vom Baum zum Netz in einer Kugel im dreidimensionalen Raum.

(Anmerkung:
Sogar in der militärischen Dimensionen und bei kriegerischen Konflikten scheint es so zu sein, dass netz-ähnliche Strukturen letzten Endes den hierarchischen Kommandostrukturen überlegen sind, selbst wenn diese eine große Ressourcenüberlegenheit besitzen.)

Das alles ist nicht neu. Schon in den 80iger Jahren gibt es eine bemerkenswerte Entwicklung zum Beispiel an der Hochschule in St. Gallen. Es entsteht ein neues „Management-Modell“, das die HSG weltberühmt macht. Diese kumuliert in den 8 Thesen des Hans Ulrich – “Management – Aufsätze 2. Teil von 1981 – 1998 zum Wandel im Management“:

  1. Ungewissheit und die Unvorsehbarkeit der Zukunft als Normalzustand akzeptieren!
    Strategie als Planen von Zukunft, akzeptieren, dass Entscheidungen unter Unsicherheit erfolgen.
  2. Die Grenzen des Denkens weiter stecken!
    Gegen das aber … und für die Freiheit der Gedanken. Aber auch – Wissen teilen
  3. Sich in den Kategorien “Sowohl-Als-auch” an Stelle von “Entweder-Oder” bewegen!
    Schwarz-weiß ist out, Bunt ist in.
  4. Mehrdimensional denken!
    Sittlich verantwortete Güterabwägung, Menschen können eigentlich immer nur drei Gedanken parallel behandeln.
  5. Selbstorganisation und Selbstlenkung als Gestaltungsmodell für die Unternehmung verwenden!
    Verantwortung, Subsidiarität
  6. Managen als sinngebende und sinnvermittelnde Funktion auffassen!
    Neues Managementbild
  7. Sich auf das Wesentliche konzentrieren!
    Arbeitsökonomie.
  8. Gruppendynamik ausnutzen!
    Kulturen, Symbole, Riten, Rituale,

Heute geht es darum, schnell Erkenntnisgewinn zu produzieren, gemeinsam die Zukunft zu gestalten. So brauchen wir Kreativität, um die richtigen Fragen zur Lösung unserer Probleme zu finden (1. kreative Pflicht). Wenn wir die gefunden haben, müssen wir Wissen einsetzen um Lösungen zu generieren.

Taylorismus und „Mechanismus“ geht bei modernen sozialen Systeme nicht mehr. Wir müssen neue Kommunikationsformate notwendigerweise auch in den Unternehmen und Institutionen nutzen.
(Ausflug ins Privatleben: Auch das traditionierte Familienmodell war tayloristisch und mechanistisch. Wer will das heute noch?)

Leider haben dies bis heute viele Manager noch nicht verstanden und so leben zu viele Unternehmen noch im gestern. Das erklärt auch den Erfolg der „neuen Unternehmen“, die in wenigen Jahren die „alte Industrie“ beliebig überholen.

Die Wurzeln für das, was heute und hierzulande passiert, finden wir bei (damals beschimpften) Vordenkern der Bonner Republik wie Adorno und Habermas (Frankfurter Schule):

Herrschaftsfreier / Redlicher Diskurs als Basis (Habermas)
  1. Kein äußerer Zwang darf das Gespräch behindern.
  2. Geltung hat das beste Argument.
  3. Jeder hat die gleiche Chance zur Beteiligung am Gespräch.
  4. Jeder muss zur „ungekränkten Selbstdarstellung“ fähig sein und sich den anderen transparent machen.
  5. Jeder muss die Grundentscheidungen seines Lebens thematisieren und kritisieren lassen. (Hierzu dient ein ausgeklügeltes System von Rede und Gegenrede, Begründungspflicht für alle Aussagen und Behauptungen usw.).
  6. Keiner hat Vorrechte aufgrund von Alter, Erfahrung, Autorität usw.
  7. Jeder muss bereit sein, mit jedem die Verhaltenserwartungen zu tauschen. Jeder soll jederzeit mit jedem zum Rollentausch bereit sein.
  8. Diskutiert wird so lange, bis ein Konsens erreicht ist. Ist die neue Wahrheit angenommen, bestimmt sie von da an das Leben und Verhalten der Teilnehmer.

Klingt unerfüllbar und utopisch, aber wird immer mehr in der Realität gelebt:

  • Durch Formate wie jam session, barcamp, openspace, fish bowl
  • Pecha Kucha, Ignite
  • Runde Säle (Bestuhlung)
  • Web 2.0 (interaktiv Blogs, Twitter)
  • Wikipedia und Open Source
  • Social Media wie Facebook und Google+ als logische Konsequenz

These:

Der herrschaftsfreie Diskurs beginnt zu leben. In einer „hybriden“ Kombination mit dem Internet (social web) wird die neue Welt der Gemeinsamkeit immer stärker. Eine neue Kommunikations- und „Erkenntnis-Gewinn-Gesellschaft entsteht. Zugehörigkeit und Gemeinsamkeit werden zu immer wichtigeren Werten.

Und Mitmachen macht glücklicher und erfolgreicher!

So habe ich versucht, einen Vortrag für die Zukunft zu halten.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 29. November 2012

Projekte ruinieren die Gesundheit eines Unternehmens

Und wahrscheinlich auch die Gesundheit der beteiligten Menschen! Eine Polemik über die Projektkultur.

Im Blog von Jens Hoffmann fand ich vor einiger Zeit einen schönen Beitrag, der den Sinn von Projekten in Frage gestellt hat. Ich zitiere ein paar spannende Sätze aus diesem Artikel:

„Projekte haben sich überlebt. Ihre Tage als Organisationsform sind gezählt. Agile Coaches meinen, Projekte seien ungeeignet, um aktuelle Unternehmensprobleme zu lösen. Sie verhindern die kundenorientierte Wertschöpfung und sind nicht geeignet permanten Wandel wirksam zu steuern. Welche Daseinsberechtigung haben Projekte noch?“

Ich habe den ganzen Artikel mehrfach gelesen und auch fleißig beim Jens im Blog mitkommentiert. Das hat mich inspiriert, diese kleine Polemik zu schreiben:

Sportlicher Erfolg ist vielleicht noch schwerer zu generieren als unternehmerischer. Ich nehme mal das Beispiel „Fußball“. Natürlich ist der „use case“ mein Lieblingsverein, die SpVgg Unterhaching. Und unsere Supermannschaft der Saison 2012/2013, aus deren Heimspielen in der dritten Liga auch die Bilder sind.

Ich versetze mich mal in die Rolle der verantwortlichen Trainer. Wenn sie ihre Arbeit in Form von Projekten gliedern würden, dann „Gute Nacht“. Sie hätten sofort (viel zu) viele Projekte. Mit beliebig vielen Mit- und (Gegen-)streitern, bezahlten wie ehrenamtlichen Mitarbeiter und Berater. Erwünschte (wie Spielereltern) oder unerwünschte (wie Spielereltern).

Gehen wir die Projekte der Reihe nach an: Im Fußball heißt es „nach dem Spiel ist vor dem Spiel“. So wäre das nächste Spiel das priore Projekt. Beginn, Ende und Ziel sind da leicht zu definieren. Das Projekt beginnt nach dem Schlusspfiff des n-ten Spieles und hört auf mit dem Schlusspfiff des (n+1)ten Spieles (n als ein Element der Menge der natürlichen Zahlen). Und das Ziel ist ist ganz einfach zu definieren: Drei Punkte. So einfach sind unsere Projektziele ja meistens nicht.

Die Projektlänge beträgt in der Regel eine Woche. Das passt ja auch gut zu einem Sprint in Scrum. Mannschaft einstellen, Spieler heiß machen und betreuen. Richtiges und Falsches heraus arbeiten, je nach Ausgang des letzten Spieles auf bauen oder runter holen … Videoanalyse, Details anpacken usw.

So das erste Projekt. Es besteht auch gleich wieder aus vielen Teilprojekten. Da muss einiges delegiert und die Ergebnisse integriert werden. Aber noch klingt’s ja  ganz einfach.

Nur – von Spiel zu Spiel denken – wird nicht ausreichen. Es muss sichergestellt werden, dass die Informationen über spätere Gegner konsequent erfasst werden. Das Training muss in vielen Dimensionen systematisiert und variiert werden.

Jeder Spieler stellt (mindestens) ein eigenes Projekt dar. Ganz gleich, ob er Stammspieler ist, die Bank drücken muss oder gar nicht aufgestellt werden kann.

Das innere und das äußere Umfeld muss beachtet, divergierende Interessen ausgeglichen werden. Nebenher muss auch noch der Kader für die nächste Saison zusammen gestellt werden. Die Beobachtung von Jugendspielern und die Sichtung von Talenten in der Region ist zu steuern.

Es werden immer mehr Projekte, die „gemanagt“ werden muss. Und überall gibt es Mitstreiter. Bezahlte und ehrenamtliche, erwünschte (wie z.B. Spielereltern) oder unerwünschte (wie z.B. Spielereltern). Stakeholder ohne Ende. Und viele Besserwisser – nicht nur bei den Fans.

Die Komplexität bei so einem Fußballverein ist enorm. Und jetzt soll mal einer die große Planung machen. Der zwingt das alles in Prozesse und baut dazu ganz klassisch eine mechanistische Organisation auf. Wie lange braucht man dann, bis die Übersicht verloren geht?

Das System „Sport“ hat in sich so viele zusammenhängende und vernetzte Aufgaben. Wenn man die in Projekte gießt, gerät das klassische Projekt Management schnell an seine Grenze. Und das Ziel Aufstieg wird ganz schnell in die Brüche gehen und statt dessen kommt das Abstiegsgespenst ins Stadion.

Für sportlichen Erfolg notwendig ist zuallererst die Kompetenz des handelnden Teams. Möglichst verbunden durch ein tiefes Vertrauensverhältnis und fast blindes Verständnis der Mitmacher. Besonders muss es zwischen den Protagonisten im Club stimmen. Es muss „an einem Strick gezogen“ werden. Jeder muss intuitiv das „Richtige“ entscheiden und tun. Verantwortung muss übernehmen werden. Das im gemeinsamen Streben alles immer besser zu machen und selbst immer besser zu werden. Geeint durch den gemeinsamen großen Wunsch zu gewinnen.

Aber ist das soviel anders als in einem mittelständischen Unternehmen?

RMD

P.S.
🙂 Die schönen Bilder sind natürlich alle von Heimspielen der SpVgg Unterhaching (von woher auch sonst ). Im Sportpark fotografiert hat Stefan Kukral.

P.S.1
Und morgen am Freitag Abend spielen sie wieder – im Sportpark um 19:00 gegen Darmstadt. Unbedingt kommen!

Hier meine Tweets der letzten Woche zum Thema:
Bloggen und Twitter, Weisheiten und Regeln:

121122 Tu nichts Böses, so widerfährt dir nichts Böses – ob das auch beim Twittern und Bloggen gilt? #Twitter #Bloggen #Weisheit

121123 Tu recht und scheue den Teufel nicht – trotzdem aufpassen beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

121124 Tu recht, laß alle Vöglein singen – hilft Dir beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

121125 Tu, was du tust – richtig nicht nur beim Bloggen und Twittern! #Twitter #Bloggen #Weisheit

121126 Tückische Feinde sind die bösesten – Vorsicht beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

121127 Tue recht, scheue niemand – auch beim Twittern und Bloggen!? #Twitter #Bloggen #Weisheit

121128 Tugend altert nie – Trost für Twitterer und Blogger? #Twitter #Bloggen #Weisheit

Jeden Tag kommt ein neuer Tweet dazu. Siehe unter twitter.com und “follow” RolandDuerre!
Viel Spaß beim Folgen!

RMD

P.S.
Die Sprichwörter habe ich auf Alle deutsche Sprichwörter gefunden.

Roland Dürre
Montag, der 26. November 2012

Video vom letzten IF-Forum jetzt auf Youtube verfügbar.

Am Dienstag, den 13. November ab 18:00, war Wilfried Bommert vom WDR unser Gast bei der InterFace AG in Unterhaching. Er hat den dritten und letzten Vortrag im IF-Forum 2012 zum Thema „Nachhaltig (über-)leben“ gehalten:

Boden gut machen!
Wie die Krise der Welternährung abgewendet werden kann.

Hier ist sie, die Aufnahme vom Vortrag von Herrn Bommert!

Viel Spaß beim Zuschauen!

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 25. November 2012

Parteien, Piraten und Parteiprogramme – Hilfe!

Den Piraten wurde immer vorgeworfen, dass sie kein Programm haben. Und was machen sie jetzt? Sie machen sich eines.

Das ist nach meiner Meinung ein Fehler!

Wenn eine wirklich alternative Partei ein Programm macht, dann sollte das heißen
„Wir haben kein Programm!“

Eine solche Partei müßte in der Lage sein, Werte (die gemeinsamen Werte ihrer Mitglieder) sittlich verantwortet und im Konsens festzulegen. Und sich diese Werte „zu eigen machen“. Da gäbe es viel zu tun.

Warum brauchen wir Werte an Stelle von Programmen?

Menschen mit Programmen meinen manchmal zu leicht, dass sie Recht haben und im Besitz der Wahrheit sind. Das ist gefährlich, weil es die eine Wahrheit nicht gibt. Und wenn sich einer oder gar eine Gemeinschaft im Besitz der Wahrheit wähnt, sollten die Warnglocken immer sofort ganz laut geläutet werden.

Also – keine Programme!

Mir wäre lieber ein Bekenntnis zu Werten und ergänzend eine Aus- oder besser Zusage wie zum Beispiel:

Alle unsere Entscheidungen werden wir im Rahmen einer verantworteten ethischen Güterabwägung, nach bestem Wissen, mit klugem Menschenverstand, unterstützt von neutraler Fachkompetenz und basierend auf den von uns für uns verpflichtend erklärten Werten treffen!

Wär doch ein schönes Kommitment. Würde ich bei einer Partei sein, so würde ich ein „Fünf-Punkte-Manifest“ vorschlagen. Vielleicht so in etwa wie das Folgende:

  • Wir verzichten bewusst auf ein Programm.
  • Wir vertrauen den Werten der Aufklärung, dem Wissen, der Vernunft und der Ehrlichkeit (Transparenz).
  • Wir respektieren das Grundgesetz (noch lieber die Bayerische Verfassung) und die Charta der Vereinten Nationen.
  • Wir folgen dem gesunden Menschenverstand und der „Goldenen Regel„.
  • Wir entscheiden auf der Basis von sittlich verantworteten Güterabwägungen, unsere Werte sind für uns handlungsleitend.

Das wäre es dann!

Aber ich glaube nicht, dass es Sinn macht, noch eine Partei zu gründen. Werte-Wünsche für eine neue Partei hätte ich aber schon:

  • Die Freiheit zu fördern im Sinne von „Eigenverantwortet leben zu wollen und dazu in der Lage zu sein“.
  • Eine gewaltfreie Gesellschaft hinzukriegen, mit angstfreien Räumen, minimaler Strafe/Rache und ohne Kriege.
  • Endlich die „Gleichheit“ zwischen Frau und Mann zu schaffen,
  • Eine maximale Transparenz auf allen relevanten Ebenen und besonders im öffentlichen Raum herzustellen und
  • ein soziales Klima mit einem relativiertem Recht auf Eigentum und Gewerbefreiheit zu fördern.

Manches davon steht übrigens wunderschön formuliert in der Bayerischen Verfassung, die halt leider ein bisserl utopisch (geworden) ist. Und nicht mehr gilt, da sie vom Grundgesetz überlagert wird. Aber die dennoch ein wirklich schöner Text ist und bleibt.

Aber zurück zu den Parteien. Wenn jetzt die Piraten auch noch ein Programm anbieten, dann weiß ich wirklich nicht mehr, wen ich wählen soll und schließe mich der Mehrheit der Nichtwähler an.

Denn ich möchte nicht abstimmen müssen zwischen mechanistischen Funktions- und Massnahmenkatalogen und dogmatischen Glaubensbekenntnissen. Beides geschickt verpackt in Schummelprogrammen. Schummelprogramme deshalb, weil – wie auch jetzt bei den Piraten – die schwierigen Themen dann eh ausgeklammert werden (müssen), um überhaupt einen Kompromiss zu erzielen (können). Ein sozialer Konsens ist aber nicht erkennbar so wie auch jede Form eines gesellschaftlichen Entwurfs fehlt.

Es geht nicht darum, Forderungen zu stellen wie die nach einer „bedingungslosen Existenzsicherung“ oder „dass die Kernkraftwerke in 3 Jahren abgeschaltet werden müssen“. Oder nach einem Elterngeld oder Erziehungsgeld. Oder „Freie Fahrt für freie Bürger“ fordern, je nach Lager für den Autofahrer oder den S-Bahn-Fahrer.

Und belanglose Absichtserklärungen einzubauen, dass man Konflikte halt doch lieber friedfertig lösen möchte. Und immer wenn es schwierig wird, die Entscheidung der Masse zu überlassen wollen. Ohne vorher die notwendige Transparenz zu schaffen.

Nein, es geht darum, wie im Management eine vernünftige Politik zu fahren und dabei mehr richtige als falsche Entscheidungen zu fällen. Und da helfen Programme nichts. Das erscheint auch klar, denn das Tempo der Veränderung ist groß. Und wie will ich mich heute festlegen, was ich in zwei Jahren oder später machen werde, wenn die Faktenlage dann eine ganz andere sein wird? Vom spekulativen Umgang mit unvorhersagbarer Zukunft gerade auch in der Politik habe ich die Nase schon lange voll.

So möchte ich mich bei einer Wahl für Werte entscheiden. Und das Vertrauen in meine Abgeordneten und Politiker haben können, dass diese dann ihren Werten handlungsleitend folgen wollen, dies auch können und tun werden,

🙂 Jetzt bin ich auch nicht im Besitz der Wahrheit. Meine aber, dass diese Gedanken es wert sind, diskutieren zu werden. Andererseits:

Liebe Piraten!

Vielleicht ist das der Grund, warum Eure Umfrage-Ergebnisse so schlecht sind? Weil Ihr zu einer „normalen Partei“ werdet. Und davon haben wir schon genug davon. Glaube nicht, dass wir da noch eine mehr brauchen. Und so könnte es schnell heißen: Wie gewonnen so zerronnen.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 24. November 2012

brand eins im Dezember

Am Freitag war es schon da. Und sah auf dem ersten Blick aus wie ein Mappe mit Spiralbindung. Bei InterFace haben wir so ein paar Broschüren dieser Art. Eine heißt flatland.

Da steht drin, wie wir uns unsere Unternehmenskultur wünschen würden. So ein klein wenig Utopie. Aber ich glaube dran. Hochspannend. An flatland hat das brand eins mich erinnert. Aber über flatland schreibe ich ein anderes mal.

Wie immer lasse ich das neue brand eins erst mal von außen auf mich wirken, bevor ich dann rein schaue. Ein freundlicher Herr schaut mich an. Er ist wohl älter als ich es bin. Da freue ich mich, habe ich ja so auch noch eine Chance, mal auf den Titel eines Blatts zu kommen. Der Herr strahlt Ruhe und Würde aus. Passt schon mal.

Dann sehe ich die Überschrift:
Nichts für Feiglinge
Oha! Was hat das zu bedeuten? Ich weiß immer noch nicht, ob ich ein Feigling bin. Oder ein (was)? Verflixt, was ist denn jetzt noch mal das Gegenteil von Feigling? Mutige? Angstfreie? Bin jetzt zu faul, es zu recherchieren. Mache ich heute Abend. Faulheit ist übrigens auch eine wichtige Tugend und bringt großes Glück. Man muss sich halt nur trauen. Faulheit ist sozusagen nichts für Feiglinge.

Ich gehe weiter zum Schwerpunkt Das gute Leben. Da kommt mir schon wieder eine Assoziation. Habe ich ein gutes Leben? Die spontane Antwort – zweifelsfrei! Aber da fällt mir noch das Kleingedruckte auf der ersten Seite auf:
„Ich habe heute das gute Gefühl, dass ich die richtigen Prioritäten gesetzt habe“ Gerd Knop, 70
Ja, ab und zu lohnt es sich, das Kleingedruckte zu lesen. Das Rätsel ist gelöst. Der Mann, der mich da so souverän anschaut ist wohl Herr Knop und siebzig Jahre alt.

Also rein ins Heft – und wie immer zuerst zum Editorial von Frau Fischer. „Keine Glückssache“ steht da geschrieben und ich denke mir „wahrscheinlich ist es keine Glückssache, die richtigen Prioritäten zu setzen„? Hmm, schwierig. Oder einfach? Ich weiß es nicht. Aber spannend.

Das Heft erscheint mir dick. Es hat diesmal 170 Seiten. Ist schon viel. Muss auch wieder zuerst mal fleißig Werbung raus schütteln. Darüber habe ich ja schon beim letzten Heft geschrieben. Papierkorb holen, Heft drüber halten und fleißig schütteln. Komme mir dann immer vor wie bei Frau Holle. Wird gleich wieder kräftig schneien auf der Erde. Und schon ist das Heft deutlich schlanker.

Bin ich jetzt aber die Pech-Marie oder die Gold-Marie? Eigentlich ist mir klar: Ich bin die Gold-Marie. Habe ja fleißig geschüttelt. Und habe das gute Gefühl, auch die richtigen Prioritäten gesetzt zu haben. Und erfreue mich am Leben solange ich noch Neues erlernen und erleben darf.

Und schon nach wenigen Seiten merke ich, dass ich auch aus diesem Heft wieder vieles für mich Wertvolles holen werde. Was mir bei den anderen Hochglanzmagazinen nie passiert. Nicht mal beim „Playboy“. Auch nicht bei Wirtschaftswochen oder Manager Magazinen und den Periodikas, die ebensolche Worte im Titel tragen (so selbstverständlich leer wie es Parteien gibt, die das Wort „christlich“ oder „sozial“ im Namen haben). Und  wenn ich sie noch so gut schüttele, kommt da für mich nichts gescheites raus.

Also ganz kurz: Es ist wieder ein schönes Heft mit einem tollen Titel. Ich werde es ein paar mal verleihen und auf meinen Reisen mitnehmen. Und ich sag mal: Wer brand eins liest – der wird nicht zur Pech-Marie.

Es grüßt Euch zum Wochenende Eure Gold-Marie.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 22. November 2012

Tweets zum Twittern und Bloggen #142

Hier meine Tweets der letzten Woche zum Thema:
Bloggen und Twitter, Weisheiten und Regeln:

121115 Trunk gilt für Sprung – auch beim Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

121116 Trunken gesündigt, nüchtern gebüßt – Vorsicht, Twitterer und Blogger. #Twitter #Bloggen #Weisheit

121117 Trunken klug, nüchtern närrisch – auch das gibt’s beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

121118 Trunkene Freude, nüchternes Leid – passiert gerne auch beim Bloggen und Twittern! #Twitter #Bloggen #Weisheit

121119 Trunkner Mund, wahrer Mund – ist das so beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

121120 Tu gemach und lach, So gewinnst alle sach – auch beim Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

121121 Tu ich’s nicht, so tut’s ein anderer – stimmt das auch beim Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

Jeden Tag kommt ein neuer Tweet dazu. Siehe unter twitter.com und “follow” RolandDuerre!
Viel Spaß beim Folgen!

RMD

P.S.
Die Sprichwörter habe ich auf Alle deutsche Sprichwörter gefunden.

Werner Lorbeer
Mittwoch, der 21. November 2012

Desert Tec #19: Solar, Immobilien, Ehe – Riestern

Heute wieder ein Gespräch mit Freunden, die an der Währungsstabilität verzweifeln. Eine Funktion des Geldes ist der Transport von Werten in die Zukunft – und die ist inzwischen „griechisch“.

Kluge Leute haben das schon lange erkannt und für sich den Solar-Riester erfunden. Der Gutständer ist dabei der deutsche Michel direkt, nicht über den Umweg der politischen Verteilungstöpfe. 20 Jahre Rentengarantie für das eingesetzte Kapital und kein Staat kann mit einem Federstrich sich seiner Schulden entledigen, wie es die Griechen schon vormachen.

Allerdings meine ich, man sollte bloß mit 10 Jahren unbedrängten Einnahmen rechnen und dann auch mit Kürzungen laufender Verträge. Der soziale Druck wird eben zunehmen, ganz im Sinne eines Augsburger Unternehmers gedacht: „Ich kann doch nicht mit dem Dach verdienen und die Leute die drunter arbeiten das bezahlen lassen.“

Immobilien sollte man natürlich ohne den Riester kaufen, weil sie sonst wirklich immobil sind und nicht einmal gegen eine altengerechte Wohnung in der 3. Lebensphase getauscht werden können.

Aber das wirklich Beste ist das Ehe-Riestern. „Investitionen“ in die gemeinsame Zukunft mit Kindern, Wanderungen, Spieleabende, gemeinsame Sorgen und Kinobesuche, eigene Verantwortung tragen und sich auch tragen lassen – Ethik, kein Angstgold im Tresor, kein Katzengold im Rohstoffmarkt.

Zeit für den Partner, Zeit die eigne Entwicklung zu beobachten und die Beobachtung der anderen zu verarbeiten.

Ich habe ein kleines Meditationsbuch geschrieben: „Dehnung der Zeit“. Ich meine das ist der eigentliche Sinn des Riesterns: die Zeit, die man sowieso hat, mit achtsam geführten Leben füllen.

wl

Roland Dürre
Dienstag, der 20. November 2012

Datenschutz und Industriespionage …

Im Umfeld von Datenschutz und -sicherheit fällt oft der Begriff der Industrie-Spionage. Immer wieder ergehen Warnungen von staatlichen Stellen oder unseren ja so wichtigen Wirtschaftsverbänden:

Die Industriespionage hat sich in den letzten Jahren dramatisch entwickelt!
Und natürlich ständen im Fokus der Spionage deutsche Unternehmen und ihr Know-how.

Diese Sätze finden sich auch in einer Studie von „CORPORATE TRUST – Business Risk & Crisis Management GmbH“, die unter diesem Link abgerufen werden kann. Eine sehr lesenswerte Studie, die zeigt, wie man trefflich Angst machen kann?

Hier finden wir die grelle Warnung vom „Cyberwar, der längst Realität geworden“ und „mitten in der Gesellschaft ist“. Der „Computerwurm“ „Stuxnet“ darf da auch nicht fehlen, der ja „vermutlich speziell entwickelt wurde, um die Steuerungsanlagen Simatic S7, mit denen Frequenzumrichter von Motoren des iranischen Atomprogramms gesteuert wurden, zu sabotieren“
(Man beachte das Wort „vermutlich“).

Die genauen Ziele der Auftraggeber wären zwar nicht bekannt, die Komplexität des Angriffs zeige jedoch, dass wir uns von einem Zeitalter der Skript-Kiddies und Cracker hin zu einer neuen Dimension der Gefährdung entwickelt hätten – usw.

Das alles sind Originalzitate aus genannter Studie, bei denen mich allerdings schon die martialische Sprachwahl an der Glaubwürdigkeit zweifeln lässt.

Trotzdem nehme ich das Thema Datendiebstahl deutlich ernster als zum Beispiel die Angst vor dem Missbrauch der persönlichen Daten. Ich glaube auch, dass „gestohlene“ Daten helfen, schneller ans Ziel zu kommen, wenn man „Neues“ entwickelt.

Sehr persönlich erinnere ich mich da an ein Projekt vor knapp 30 Jahren, wo wir den Auftrag hatten, etwas Neues zu entwickeln. Nur hatten wir von dem „Neuen“ keine Ahnung. Damals war das Studium der Sourcen der Konkurrenz sehr hilfreich. Und ich weiß bis heute nicht, ob wir die fremden Sourcen rechtmäßig oder sagen wir mal in einer gewissen Grauzone genutzt haben.

Aber ich glaube nicht, dass es mit der Industrie-Spionage so schlimm ist, wie es nicht nur im Internet dargestellt wird. Auch weil diese Angst-Macher-Studien von Firmen kommen, die uns besondere Dienstleistungen und Produkte gegen die Spionage verkaufen wollen. Und natürlich helfen staatliche Stellen und Wirtschaftsverbände gerne mit, diese Sau durchs Dorf zu treiben. Sie haben ja sonst nichts zu tun. Dann lässt schon mal gerne James Bond grüßen. Erzeugt ja auch so ein herrliches Schauern, wie schlecht die Welt und wie machtlos man selbst ist.

Aber überlegen wir doch mal wie es „früher“ war!

Wie ich bei Siemens gearbeitet habe, war es streng verboten, vertrauliche Papiere aus dem Werksgelände hinaus zu nehmen. Und vertraulich war fast alles. So gab es einen Zufallsgenerator an der Pforte, der ab und zu ein Licht leuchten ließ. Dann musste man seine Aktentasche öffnen und den Inhalt zur Kontrolle an der Pforte vorzeigen. Dass im Unternehmensgelände das Fotografieren untersagt war, verstand sich als selbstverständlich.

Das war auch noch das Zeitalter der blauen „Micro-Fiche-Filme“ und den dazugehörigen Lesegeräten. Micro-Fiche oder besser Mikroform ist die mir erste bekannte Technologie, mit der man sehr viel Daten auf wenig Material speichern konnte. Bei uns waren das in der Regel die Sourcen von kompletten Betriebssystemen, die auf ein kleines Quadrat Film gespeichert wurden und die wir so in der Aktentasche mit uns herumtragen konnten.

Natürlich war es nicht realistisch, dass diese vertraulichen Papiere nie das Unternehmensgelände verlassen durften. Zu einen gab es ja verteilte Standorte. Manche Daten brauchte man beim Kunden. Und ab und zu wollte man auch noch abends ein wenig daheim arbeiten. Deshalb gab es Durchlass-Scheine. Mit solch einem Schein bewaffnet, durfte dann jeder die vertraulichen Papiere mitnehmen. Die höheren Dienstgrade – ich weiß nicht mehr ab welcher AB- oder GB-Stufe – durften geheime Dokumente auch ohne Durchlass-Schein mit sich führen. Weiß auch nicht mehr, ob AB wirklich für „abteilungs-bevollmächtigt“ und GB für „general-bevollmächtigt“ stand.

Aber was war das für eine wundersame (und völlig unsinnige) Firewall? Doch auch nicht sicherer als die heutigen Wälle, die die IT anbietet?

Das haben dann auch die ersten beiden Kollegen aus der DDR bestätigt, die wir noch während der Wende einstellten. Die kamen direkt von Robotron Dresden. Und haben uns erzählt, dass sie natürlich bei Robotron alle neuen Pläne der Siemens-Chip-Entwickler postwendend auf ihren Schreibtischen hatten. Nur anfangen konnten sie damit nichts. Der notwendige Rohstoff (hochreines Silizium) konnte in der DDR nicht beschafft werden und die Werkzeuge hatten sie auch nicht, die für die Herstellung selbst nur der Prototypen nötig gewesen wären.

Ich weiß natürlich nicht, ob unsere ex-DDR-Ingenieure hier nur eine gute Story erzählen wollten, kann mir aber vorstellen, dass es wirklich so war. Insofern meine ich, dass Daten immer in Hände kommen, in die sie nicht gehören. Nur macht das meistens gar nichts aus, auch wenn es einen vielleicht zu Recht ärgert.

Ich glaube aber auch, dass sich die Methoden gewandelt haben. Und die neuen Methoden sind viel effizienter, obwohl sie partout nichts mit IT zu tun haben. Betrachten wir China, das Land, dessen Unternehmen man hierzulande gerne unterstellt, dass sie westliche Firmen auszuspionieren versuchen. Haben die es denn überhaupt nötig oder gibt es nicht viel einfachere Methoden?

Denn so lesen wir bei „invest in Bavaria“ bei „China in Bayern“:

Derzeit sind mehr als 130 chinesische Unternehmen wie z.B. Huawei Technologies, Pearl River Piano, ZTE, Yingli Solar, ET Solar und knapp 11.000 chinesische Staatsbürger in Bayern heimisch. Davon lebt etwa ein Drittel im Raum München. Rund 3.000 in Bayern studierende Chinesen sind Beleg für die Attraktivität der bayerischen Hochschullandschaft.

Ich weiß auch, dass in den „infrastruktur-schwachen“ aber oft wunderschönen bayerischen Landschaften es chinesische Niederlassungen gibt, die nichts anderes machen als F&E (Forschung und Entwicklung), oft besser bekannt als R&D (research and development). Diese Unternehmen werden sogar noch von bayerischen Gemeinden stark subventioniert und ihre Ansiedlung entsprechend groß gefeiert. Denn F&E ist in der Regel eine saubere Branche, die keine Umwelt schädigt und intelligente Ingenieure anzieht.

Und was machen die chinesischen F&E-Unternehmen als erstes? Ist doch klar! Sie werben ihren deutschen Konkurrenten die Ingenieure ab. Und zwar die besten! Die genau das richtige Know-How haben, das man in China braucht. Und die deutschen Ingenieure kommen gerne, es lockt sie das preiswerte Leben an einen schönen Ort, die Aussicht, in modernen Labors F&E machen zu können und meistens auch noch ein deutlich besseres Gehalt. So können sich die Chinesen die besten Leute mit dem richtigen Wissen aussuchen. Das ist doch viel effizienter als Netze und Server zu cracken und hacken!

Und das ist auch gut so, denn wir leben nun mal in einer globalen Welt und ich mag die Chinesen als freundliche Menschen mit guter Küche … Und ich erinnere mich  „Wissen ist der einzige Rohstoff, der durch Teilen mehr wird“!

Und lese ich oben genannte „Studie“ dann doch wieder mit ganz anderen Augen. „Angst machen“ ist halt oft ein erfolgreiches Mittel im Vertrieb …

RMD

P.S.
DIe Bilder sind aus dem zentralen Medienarchiv Wikimedia Commons eingebunden. Sie sind von Nichtich und Tomasz Sienicki [user: tsca, mail: tomasz.sienicki at gmail.com]

Roland Dürre
Sonntag, der 18. November 2012

Vorbereitung auf meinen Vortrag „Der Wandel im Management“

Im November werde ich vor verschiedenen Gruppen über den „Wandel im Management“ sprechen. Der folgende Text ist im Rahmen meiner Vortrags-Erarbeitung entstanden. Er beschreibt das Umfeld und soll den Zuhörern bei der Vorbereitung auf den Vortrag helfen – quasi als begleitender „Reader“.

In der letzten Zeit hat sich das Tempo der Veränderung, auf neudeutsch „change“ genannt, geometrisch beschleunigt. Das Internet verändert die Welt in einem Maße, wie dies seit der „Industrialisierung“ nicht mehr der Fall war. Die Postmoderne geht zu Ende, mit großen Schritten betreten wir das „Informationszeitalter“ (wenn man es denn in 100 Jahren so benennen wird).

Die Veränderung betrifft wesentlich auch den wirtschaftlichen Bereich. Die Art zu Arbeiten ändert sich. Junge Unternehmen – mit ganz neuen Geschäftsmodellen, Unternehmenskulturen und nie da gewesenen Produkt- und Dienstleistungsangeboten – entstehen und erobern in kurzer Zeit die Welt. Man denke an Apple, Dell, Facebook,  Google, HP, Microsoft, Oracle, SAP und viele, viele andere. Und Siemens & Co schauen voller Neid zu.

Und es geht weiter. Hochqualifizierte Menschen wollen nicht mehr als Festangestellte arbeiten. Einige schließen sich zusammen und arbeiten mit ihrem Spezialwissen und Können ehrenamtlich für gemeinsame Ziele. So haben sich Menschen aus einer ganz neuen Branche, der Software-Industrie, in der GNU-Zeit zuerst in den USA zu kleinen Gemeinschaften zusammen geschlossen und „freie“ und „offene“ Produkte entwickelt. Und so sind große Bewegungen entstanden, die heute nicht mehr wegzudenken sind.

Zuerst waren das typischerweise „einfache SW-Werkzeuge wie die (GNU-)Compiler der 80iger Jahre. Aber schon bald ging es richtig los und die berühmte „lamp“-Software entstand: Linux, Apache, MySql und Php. Das ist aber nur die Spitze des Eisberges. Heute gibt es eine breite „Open Source“-Bewegung, die aus vielen kleinen großen Communities besteht. Und da entstehen die tollsten Dinge in unglaublicher Vielfalt. Und plötzlich verdrängen Produkte, die durch freiwillig und ehrenamtlich geleistete Arbeit entstehen, arrivierte kommerzielle und haben Weltgeltung.

Natürlich können auch weniger komplizierte technische Teile als großes Software-Systeme wie zum Beispiele Automobile vernetzt und offen „ingenieursmässig“ entwickelt und lokal „assembliert“ werden. Und es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis das erste Open-E-Mobil in großer Serie auf den Straßen rollen wird.

Ergänzt wird diese Entwicklung durch IT-fremde OpenSource-Bewegungen. Die bekannteste davon dürfte Wikipedia sein. Aber auch Wikipedia stellt nur die Spitze des Eisberges da. Überall hören wir den Schlachtruf:

„Wissen ist das einzige Gut, dass durch Teilen mehr wird!“

Im gleichen Zeitraum entstehen NGOs (Non Government Organization), die mittlerweile bei vielen Völkern ein höheres Ansehen haben als deren Regierungen. Die neuen Schlagworte sind Community, Zugehörigkeit, Kollaboration. Besonders das „co“ von cooperation wird zur beliebten Vorsilbe. Begriffe wie co-creation, co-working, co-programming beginnen zu leben.

Neue Strategien wie „crowd sourcing“ entstehen und versuchen die „Intelligenz der Masse“ zu nutzen. Und schaffen so einen wirklichen Megatrend. Das Internet dominiert die Welt. Pad, Smartphone und Laptop sind „in“. Der Markt für Apps explodiert.

Vor kurzem habe ich gelesen, dass sich schon mehr Deutsche ein Leben ohne Auto vorstellen können denn ein Leben ohne Facebook. Sogar das „Goldene Kalb“ des letzten Jahrhunderts, das Auto, scheint auf dem Wege zum „out“ zu sein.

So ist es auch in der Wirtschaft. Unternehmen, die plötzlich ganz anders ticken, verdrängen die traditionellen. Im Privatleben verlieren Ämter, Karriere, Krawatten, Status und Titel an Bedeutung und Wichtigkeit. Dagegen steigt das Bedürfnis, das eigene Leben auch eigenbestimmt zu führen. Mit den Worten des alten Fritz gesagt: Die Menschen wollen „nach ihrer Façon glücklich werden“ und kündigen Spätkapitalismus und Marketingwirtschaft ihr Gefolge auf. Wie ich finde ein sehr schönes Verständnis von Freiheit.

Aber wie war das möglich?

Ganz einfach – wir erleben die Evolution. Und die macht natürlich auch vor Menschen und ihren Lebensformen und -gruppen nicht halt. Es gibt Menschen, die über besondere Antennen verfügen und so viel von der gesellschaftlichen Entwicklung mitkriegen. Mit besonderer Ausbildung und Wissen machen sie sich Gedanken und verbalisieren, wie sich das „Gestern, Heute und Morgen“ so entwickelt. In der Regel sind das die Philosophen und Menschen verwandter Wissenschaften in ihrer Aufgabe als „Evolutionsbeobachter“.

Die Philosophen formulieren auch das zeitgenössische Denken und beschreiben, welche Werte im letzten Jahrtausend die handlungsleitenden waren. Und die haben sich im Laufe der Jahrhunderte gewaltig geändert.

Im Mittelalter klang das so:

„Alles, was Gott gefällig ist, ist gut!“

Eine eigentlich recht einfache Regel, man muss nur wissen, was denn „Gott gefällig“ ist. Dann kam der Utilarismus mit Thomas Hobbes (Leviathan) mit

„Alles, was dem Menschen nutzt, ist gut!“

Klingt ja nicht schlecht, besonders wenn man Mensch ist. Das hat dem Kant aber nicht gefallen. Der meinte, dass das nicht so einfach wäre. Man bräuchte noch so etwas wie Moral und formulierte sehr kategorisch den

Kategorischen Imperativ:

„Alle endlichen vernunftbegabten Wesen und damit alle Menschen sollen ihre Handlungen darauf prüfen, ob sie einer für alle, jederzeit und ohne Ausnahme geltenden Maxime folgen und dabei das Recht aller betroffenen Menschen, auch als Selbstzweck, also nicht als bloßes Mittel zu einem anderen Zweck behandeln!“

Darwin provozierte mit seiner Evolutionstheorie die feinen viktorianischen Daten und Nietzsche hatte es eilig mit der Aufklärung. Und wir wussten nun, dass der Mensch ein ganz normales Lebewesen ist, welches sich aus den Affenartigen entwickelt hat und dieser am besten danach streben sollte, durch den Erwerb neuen Wissens Unklarheiten zu beseitigen, Fragen zu beantworten und Irrtümer zu beheben.

In der Postmoderne wurde die Aufklärung dann zum radikalen Gedankengut und ist wohl nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Die Entwicklung ging aber weiter.

Da kam zum Beispiel nach dem Krieg Habermas. Der sprach vom herrschaftsfreien (redlichen) Diskurs als Basis von Kommunikation und Erkenntnisgewinn und formulierte folgende fantastische Regeln:

  1. Kein äußerer Zwang darf das Gespräch behindern.
  2. Geltung hat das beste Argument.
  3. Jeder hat die gleiche Chance zur Beteiligung am Gespräch.
  4. Jeder muss zur „ungekränkten Selbstdarstellung“ fähig sein und sich den anderen transparent machen.
  5. Jeder muss die Grundentscheidungen seines Lebens thematisieren und kritisieren lassen. (Hierzu dient ein ausgeklügeltes System von Rede und Gegenrede, Begründungspflicht für alle Aussagen und Behauptungen usw.).
  6. Keiner hat Vorrechte aufgrund von Alter, Erfahrung, Autorität usw.
  7. Jeder muss bereit sein, mit jedem die Verhaltenserwartungen zu tauschen. Jeder soll jederzeit mit jedem zum Rollentausch bereit sein.
  8. Diskutiert wird so lange, bis ein Konsens erreicht ist. Ist die neue Wahrheit angenommen, bestimmt sie von da an das Leben und Verhalten der Teilnehmer.

Entscheidend für die heutige Entwicklung ist aus meiner Sicht dieser Begriff vom „Herrschaftsfreien Diskurs“, der wohl bei Habermas zu verorten ist. Zwar ist die Primärliteratur sperrig, wenngleich auch schön zu lesen. Zum Lesen empfehle ich diese kleine Rede, die die eine oder andere Anregung enthält:

Und einen Adorno gab es damals auch. Hier ein nettes Zitat von ihm:

„Gibt der Kontrahent nicht nach, so wird er disqualifiziert und des Mangels eben der Eigenschaften bezichtigt, welche von der Diskussion vorausgesetzt würden. Deren Begriff wird ungemein geschickt so zurechtgebogen, dass der andere sich überzeugen lassen müsse; das erniedrigt die Diskussion zur Farce. Hinter der Technik waltet ein autoritäres Prinzip: der Dissentierende müsse die Gruppenmeinung annehmen. Unansprechbare projizieren die eigene Unansprechbarkeit auf den, welcher sich nicht will terrorisieren lassen. Mit all dem fügt der Aktionismus in den Trend sich ein, dem sich entgegenzustemmen er meint oder vorgibt: dem bürgerlichen Instrumentalismus, welcher die Mittel fetischisiert, weil seiner Art Praxis die Reflexion auf die Zwecke unerträglich ist.“ (Seite 180-181)

Das Zitat entstammt dem Aufsatz „Marginalien zu Theorie und Praxis“ (1969) und ist dem Suhrkamp Bändchen “Kritische Modell 2″ von Adorno entnommen. Ansonsten findet sich einiges Material in „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ von Habermas, das er 62 geschrieben hat.

Für mich sind Adorno und Habermas zwei Menschen, die ganz gut beschrieben haben, was heute passiert. Und da hilft heute das Web 2.0 ganz schön mit. Und eine logische Konsequenz sind die interaktive Blogger und Twitter wie die Social Media wie Facebook vernetzten Menschen. Aber es geht erst richtig los.

In der Wirtschaftswissenschaft hat Hans Ulrich, der „Erfinder des St. Gallener Management Modells“ besonders schön die anstehende Veränderung beschrieben. Sehr lesenswert dazu finde ich seine 8 Thesen  zum “Umdenken im Management” (zu finden in: Hans Ulrich “Management – Aufsätze 2. Teil von 1981 – 1998″) :

  • Ungewissheit und die Unvorsehbarkeit der Zukunft als Normalzustand akzeptieren!
  • Die Grenzen des Denkens weiter stecken!
  • Sich in den Kategorien “Sowohl-Als-auch” an Stelle von “Entweder-Oder” bewegen!
  • Mehrdimensional denken!
  • Selbstorganisation und Selbstlenkung als Gestaltungsmodell für die Unternehmung verwenden!
  • Managen als sinngebende und sinnvermittelnde Funktion auffassen!
  • Sich auf das Wesentliche konzentrieren!
  • Gruppendynamik ausnutzen!

Heute geht es darum, schnell Erkenntnisgewinn zu produzieren, um gemeinsam die Zukunft zu gestalten. So brauchen und haben wir, um die richtigen Fragen zu finden neue Kommunikationsformate. Das ist die erste kreative Pflicht, denn erst dann wenn wir unsere Probleme wirklich wissen können uns auf die Suche nach Lösungen aufmachen.

Forderungen wie der „Herrschaftsfreie Diskurs“ galten mal als utopisch und unerfüllbar. Heute ist das Realität geworden und wird im Internet wie auch in der Nicht-Interwelt gelebt. Neue Formate wie jam session, barcamp, open space, fish bowl, Pecha Kucha, Ignite und manches mehr verbreiten sich rasant. Die lösen so manche Tagung, Konferenz und letzten Endes Institutionen ab und führen zu einer hybriden Kultur, die reales und virtuelles Leben verbindet.

Soweit ein paar Gedanken als Vorschau für meinen Vortrag zum Beispiel am Donnerstag an der Universität der Bundeswehr.

RMD