Roland Dürre
Sonntag, der 31. März 2013

Ostern im Netz

Heute Nacht hat mich zweimal Glockengeläute geweckt. So in der Zeit, die gar nicht stattfand, zwischen zwei und drei Uhr. Das ist in Deutschland möglich, weil halt Ostern ist und man da mitten in der Nacht aufgrund einer alten Tradition die Menschen beschallen darf.

Heute Morgen stöbere ich im Netz und finde in Google+ bei Marcus Raitner ein Zitat, das er im Blog von die ennomane gefunden hat:
„Glaubensfreiheit ist die Freiheit, auch an absurde Dinge glauben zu dürfen. Meinungsfreiheit ist die Freiheit, diese Dinge trotzdem absurd zu nennen. In diesem Sinne: Schöne Ostertage!“

Marcus hat diesem Satz nichts hinzuzufügen und ich kann ihn auch nur abnicken.

Hier die kurze Vorgeschichte:
In ihrem Blog hatte „die Ennomane“ auf einen sarkastischen Text zum christlichen Osterkult hingewiesen, der am Karfreitag im Der Postillon erschienen ist. Dafür ist die Autorin wohl angegriffen worden und meinte sich rechtfertigen zu müssen. Das hat dann auch zu ein paar Kommentaren geführt. Die Kommentare waren für mich interessant, weil für mich da wieder für „Gläubige“ typische Denkmuster sichtbar wurden.

Ich habe kurze Ausschnitte aus den Kommentaren kopiert und formuliere dann meine Gedanken zu den von mir „fett“ markierten Stellen:

  1. Comment von Antje Schrupp | 30. Mrz. 2013 um 22:55:28
    Ich habe schon die ganze Zeit bei den sarkastischen antireligiösen Witzen, die derzeit zirkulieren, die Assoziation …

    Diese Art von Lächerlichmachen hingegen läuft auf einen puren Machtkampf hinaus, also auf die Frage, wer dann wen am Ende besiegt.
    Als gute Christin könnte mich das natürlich völlig unberührt lassen, ich halte einfach die andere Wange hin.
    Bezogen auf eine globale Perspektive wage ich allerdings die Prognose, dass “Ihr” (also diejenigen, die Religionen für per se gaga halten), diesen Machtkampf verlieren werdet. Und das macht mir schon ein bisschen Angst, weil es nämlich vieles gibt, das an den Religionen, vor allem an ihren institutionalisierten Formen, dringend kritisiert und verändert werden müsste.
  2. Comment von Enno | 30. Mrz. 2013 um 23:06:19

    Hmm… die Drohung, man würde global gesehen den Machtkampf verlieren ist nun wirklich ein tolles Argument.
  3. Comment von Antje Schrupp | 30. Mrz. 2013 um 23:23:25
    Du glaubst nicht wirklich, dass das jetzt eine Drohung von mir war, oder?
  4. ….

Der ganze Kommentarstream kann natürlich auch auf die ennomane » Blog Archive » Es hat einen Grund nachgelesen werden.

Jetzt meine Anmerkungen:

Ich selbst fand den Artikel im Der Postillon belanglos. Er hat nur zu gut bekanntes und schon besser formuliertes mal wieder auf sarkastische und lustige aber nicht zu originelle Art aufgewärmt. Das einzig Neue (und vielleicht der Kritik würdige) im Artikel war, dass er religiöse Rituale mehrheitlich als „gaga“ bezeichnet hat.

Da kann man sicher darüber streiten, unter welchen Umständen etwas „gaga“ ist oder nur so wirkt. Aber wer will noch entscheiden, was heute „gaga“ ist und was nicht? Mir erscheint da sehr vieles, was ich heute so erlebe als „gaga“.

Bezeichnend finde ich aber die Wortwahl in der Argumentation der Kommentatorin Antje, die die Position der guten Christin vertritt.

Als erster kritischer Begriff fällt mir die „gute Christin“ auf. Als solche bezeichnet sich Antje.

Den „Guten Christen“ kann ich eigentlich nur als „geläufige Redensart“ oder als „unbedacht benutzte Floskel“ entschuldigen. Wenn ich den Begriff untersuche, stellen sich Fragen:

Was bedeutet das, ein „guter Christ“ zu sein? Ist das jemand, der seine Autonomie aufgegeben und sich bewusst fremden Regeln unterworfen hat? Ist das überhaupt möglich, als Mensch autonom seine Autonomie aufzugeben? Oder ist ein guter Christ nur jemand, der sich streng  an die Regeln des Christentums hält, aber seine eigene Autonomie bewahrt? Ist das aber überhaupt möglich?

Oder ist der „gute Christ“ nur als Gegenteil eines schlechten Christen gemeint? Und was ist dann der schlechte Christ, von dem sich Antje abgrenzt?

Sprachlich schlimmer als „guten Christ“ finde ich übrigens den „gläubigen Christ“, ein Begriff den ich auch sehr oft höre: Ich bin ein gläubiger Christ. Was ist denn das, ein „ungläubiger“ Christ?

Als zweites trifft mich immer persönlich der Spruch vom Machtkampf, den man verliert oder gewinnt. Das höre ich quasi automatisch von Menschen, die sich zu einem religiösen Glauben bekennen.

Toleranz heißt aber, dass „jeder glauben darf was er will“. Warum reden die „Gläubigen“, die diese Toleranz der anderen ja brauchen und für sich beanspruchen, dann immer vom Machtkampf und von „verlieren“ und „gewinnen“?

Als Gläubige würde ich im übrigen alle bezeichnen, die sich im Besitz einer Wahrheit wähnen, auch die „Atheisten“. Und wie können zwar vernunftbegabte aber sonst sehr beschränkte Säugetiere meinen, sie wären im Begriff der Wahrheit? Was ist Gott denn anderes als eine besondere Metapher für einen besonderen höheren Sinn und ein von Menschen geschaffener Begriff?

Und das letzte, was mich stört, dass genau die Gläubigen, die von Machtkampf gewinnen/verlieren sprechen, dann komplettes Unverständnis zeigen, wenn solches von Dritten als Drohung wahrgenommen wird.

Jetzt aber noch ein paar persönliche Gedanken:

Als kleines Kind war Ostern toll. Da durften wir Ostereier suchen. Die Freude war groß, wenn wir welche gefunden haben. Der Osterhase war ein Symbol für den kommenden Frühling. Wohl als fünfjähriger bekam ich ein gebrauchtes rotes Kinderfahrrad geschenkt. Da hat die Freude sehr lange angehalten.

Einmal in meiner Kindererinnerung war es an Ostern kalt und hatte Schnee. Da gab es dann kein Ostereier-Suchen im Garten. Wir haben aber das beste daraus gemacht, den Schnee in einer Schüssel ins Haus geholt und in Formen Schokoladenfiguren gegossen, die dann in der Schneeschüssel fest wurden. Das war schön.

Dann kam die Schule, und es war Schluss mit lustig. Ostern wurde zum Leiden, zum Symbol von menschlicher Grausamkeit,  von Schuld und Sühne. Man sollte Fasten, um sich rein zu machen. Wir lernten, was das heilige Grab ist. Und dass wir böse sind und ein anderer dafür gesühnt hätte.

Heute haben wir wieder ein weißes und kaltes Ostern. Und weil es keine Freude macht, rauszugehen und das mit den Ostereiersuchen auch vorbei ist, lese ich mich halt so durchs Netz. Und stoße auf fehlende Aufklärung.

Im Radio höre ich vom religiösen Super-Festival, das in großer Egozenrtrierheit begangen wird. Mit großen Sprüchen. Nur die Realität ist anders. Gestern scheitert das Abkommen zum Waffenhandel, die Umweltfakten werden täglich vernichtender und heute wird wieder von Liebe und Demut palavert.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 29. März 2013

Zarah Leander – Unverhofft kommt oft!

Vor kurzem hat mir der Andreas folgende E-Mail gesendet:

Hallo Roland,
heute schreibe ich Dir einmal in einer ganz anderen Sache. So nebenbei habe ich angefangen meine Lebensgefährtin zu „managen“ und für sie das eine oder andere Konzert zu organisieren. Als „In diversen Genres wildernde Opernsängerin“ hat sie neben Ihren Opernpartien und klassischen Konzerten auch einen Abend über Zarah Leander im Programm. Da ich weiß, dass Du Dich für Kunst sehr interessierst will ich den Abend am 13. April im kleinen Konzertsaal im Gasteig nicht unerwähnt lassen.
Es würde mich freuen wenn Du Zeit & Lust hast und zum Gasteig kommst!
Andreas

Der Andreas Lehmann ist ein alter Bekannter. Immer wieder haben sich unsere Wege gekreuzt. Vor Jahrzehnten ist das bei IXOS passiert – in den „wilden Zeiten“ der „new economy“. IXOS war ein ganz besonderes DAX- und NASDAQ-Unternehmen. Zuletzt hat uns dann der Zufall des Lebens bei „ISARNETZ – die Münchner Webwoche“ in 2012 zusammen gebracht. In der Jury zur Vergabe des „Isarnetz-Award“ saßen wir uns plötzlich gegenüber.

Natürlich folge ich der Einladung von Andreas! Hier der Text zur Veranstaltung! Finde ich richtig spannend!

Zarah Leander kehrt nach München zurück!

Zugegeben, es ist nicht die Diva selbst, deren Auftritte in München die Zahl 70 deutlich übersteigen dürften – stellvertretend macht sich das „Duo InterMezzo!“ auf, allen voran Tatjana Conrad, Sängerin und Autorin des Stückes, dem großen Stern am deutschen Himmel der 1930er- Jahre nachzuspüren.

Am Samstag, den 13. April 2013 ist die Wahl-Berlinerin als Zarah Leander mit ihrer theatralen Preziose
„Wollt ihr einen Star seh’n, seht mich an! Zarah Leander in Schatten und Licht“
unter der Regie von Philip Lüsebrink im Kleinen Konzertsaal des Gasteig zu Gast. Ihr Partner David Grant ist als Arne Hülphers, dritter und letzter Ehemann der großen Chanteuse, zu sehen und zu hören.

Wer war Zarah Leander? Mythos. Diva. Soviel ist sicher. Täterin? Opfer?

Die beiden Künstler laden Sie ein, diesen Fragen gemeinsam mit ihnen auf den Grund zu gehen und am Ende vielleicht keine Antwort, so doch ein wenig mehr Verständnis für den großen Stern am Himmel des „Dritten Reiches“ aufzubringen, ohne sich der Trübsal hingeben zu müssen – ganz im Gegenteil: Conrad und Grant möchten in Wort und Klang erzählen, wie diese Frau ihr Publikum eroberte und wünschen sich, dass deren Humor, Charme und Klugheit auch ein wenig Schatten und Licht auf diesen Abend werfen möge.

Neben musikalischen Überraschungen sorgen Ohrwürmer wie „Eine Frau wird erst schön durch die Liebe“ und „Yes, Sir!“ ebenso für „Ufa-Nostalgie“ wie der „Waldemar mit dem schwarzen Haar“ und die Evergreens „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“ und “Sag‘ mir nicht Adieu“.

Dies und einiges „Drunter und Drüber“ erwartet Sie an diesem Abend, der wie ein musikalisch-historischer „Roter Teppich“ sein soll, über den die Erinnerung an die große Zarah Leander das Publikum erreichen kann.

So bin ich am 13. April im kleinen Konzertsaal im Gasteig und freue ich mich auf einen besonderen Abend. Besonders schön wäre es, wenn ich da auch noch ein paar Freunde treffe! Also kommen, es wird bestimmt sehr schön.

RMD

Werner Lorbeer
Donnerstag, der 28. März 2013

Staatsbankrott: Was ist so üblich?

Man ist überrascht, was alles überrascht!

Wer Geld in eine Bank einlegt, ist Gläubiger der Bank! Keineswegs sichert die Bank „mein Geld“. Lediglich bis zu 100.000 € ist es versichert, der Rest ist bei jeder Pleite Gegenstand des Konkursverfahrens. Natürlich ist das Kapital der Eigner perdu und auch jenes von denen, die der Bank „Papiere“, die von ihr besichert sind, abgekauft haben, wie Bankanleihen oder Derivate etc.

Unheilvoll aber auch nicht überraschend: Wenn die Staaten zahlungsunfähig sind, dann auch die Banken. Weil große Teile der Staatsschulden von den Banken mit den Einlagen ihrer Kunden gekauft wurden. Oder sollten die Banken auf die Staatsfinanzierung verzichten? Private Gläubiger können sich ihrer Schulden jedenfalls nur innerhalb der Rechtsordnung entledigen, damit sind die Schulden der Privaten sicherer, was sich in den letzten Jahren am Anleihemarkt auch wider spiegelt.

Aber wie sollten die enormen Sparkapitalien investiert werden, die die Bürger anhäufen, wenn nicht über Staat und Gebietskörperschaften? Natürlich könnten die Bürger in Sachkapital investieren, aber gerade in Deutschland ist das seltener als im Rest von Europa. Wir haben beispielsweise weniger Wohnungseigentum als die Bürger von Zypern. Es kommt also – von der Altersvorsorge bis zum Ausbildungssparen – vor allem darauf an, die Staaten bei guter Bonität zu halten, um eine wichtige Eigenschaft des Geldes, Aufbewahrung von Wert, zu organisieren.

Wenn ein Staat mehr Geld ausgibt als er per Steuern, Abgaben, Zölle etc. von den Bürgern erhält, reduziert er seine Bonität. Aber er hat die Möglichkeit, auf die Vermögen der Bürger zuzugreifen, weil wir Demokraten alle Rechte an den Souverän abgegeben haben.

Was sind die Möglichkeiten des Staates, um nach der Zahlungsunfähigkeit des Staates ( = niemand ist bereit ihm weiteres Kapital zu geben) wieder zu einer Grundlage für die Einführung einer neuen Währung zu kommen?

Hier eine Liste von Folterinstrumenten, sicherlich unvollständig:

  1. Währungsschnitt im Tauschverhältnis
  2. Zwangshypothek auf Immobilien
  3. Zwangsanleihe für alle Bankguthaben und Depots
  4. Devisenbewirtschaftung
  5. Geldersatz durch Berechtigungskarten
  6. Verbot der Haltung von Gold
  7. Vermögenssteuer
  8. Zwangsenteignung von Vermögen
  9. Erbschaftssteuer
  10. Rückfall von Grund-und Boden an den Staat
  11. Steuererhöhungen, Abgabeerhöhungen aller Art
  12. Inflationierung
  13. Schuldenschnitt durch Weigerung der Rückzahlung von Staatsanleihen

Eine beachtliche Liste!

wl

Hier meine Tweets der letzten Woche zum Thema:
Bloggen und Twitter, Weisheiten und Regeln:

130321 Viel Hunde sind des Hasen Tod – auch beim Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

130322 Viel kleine Regen machen einen Platzregen – so ist es beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

130323 Viel Körner machen einen Haufen – gilt gerade fürs Bloggen und Twittern! #Twitter #Bloggen #Weisheit

130324 Viel Kunst, viel Torheit – so auch beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

130325 Viel Lärmens um nichts – gibts auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

130326 Viel Predigen macht Kopfweh – daran denken, Twitterer und Blogger. #Twitter #Bloggen #Weisheit

130327 Viel Prediger sind, die selbst nicht hören – aufpassen beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

Jeden Tag kommt ein neuer Tweet dazu. Siehe unter twitter.com und “follow” RolandDuerre!
Viel Spaß beim Folgen!

RMD

P.S.
Die Sprichwörter habe ich auf Alle deutsche Sprichwörter gefunden.

Roland Dürre
Mittwoch, der 27. März 2013

… oder arme Reiche?

Im letzten Beitrag ging es ja um das „mittlere Vermögen deutscher Haushalte. Laut der Bundesbank beläuft sich dieses auf rund 51.400 Euro netto und ist damit im europäischen Vergleich erstaunlich niedrig.

Das Thema hat mir keine Ruhe gelassen und ich habe mal nachgelesen, wie hoch die gesamte Staatsverschuldung in der BRD ist. Laut Zeit waren Bund, Länder und Gemeinden in 2011 mit etwas mehr als zwei Billionen Euro verschuldet. Pro Einwohner waren das 24.771 Euro. Diese Zahl ist im letzten Jahr noch mal gestiegen. Sie enthält auch nicht die wahrscheinlichen Belastungen die aus den gigantischen Bürgschaften für die „EURO-Rettung“ entstanden sind.

Die Annahme, dass auf jedem Deutschen 25.000 Euro öffentliche Schulden lasten, ist so eher zu niedrig. Zudem könnte und dürfte sich diese Zahl sehr leicht in naher Zukunft katapultiv erhöhen. Wenn ich zurück zum Haushaltsvermögen des „durchschnittlichen“ Deutschen mit netto 51.400 EURO komme und davon ausgehe, dass zu einem Haushalt im Schnitt mehr als zwei Menschen gehören, dann liegen die Schulden eines „durchschnittlichen“ Haushaltes ja jetzt schon bei großzügiger Betrachtung deutlich über 50.000 €.

Kurz gesagt:

Statistisch sind die deutschen Haushalte „öffentlich“ höher verschuldet, als sie über privates Netto-Eigentum verfügen

Armes reiches Deutschland?

😉 Wie gesagt, ich bin froh, dass ich nicht BWL und VWL studiert habe!

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 26. März 2013

Reiche Arme …

Hier ein Ausschnitt aus einer Diskussion, die ich als so eine Art „Briefwechsel im Internet“ mitbekommen habe.

In den fünfziger und sechziger Jahren waren Kurzgeschichten der Science Fiction ein beliebtes, aus den USA importiertes Genre. Frederik Pohl, Repräsentant einer Strömung, die ich hier einfach mal als “Social Fiction” bezeichne, veröffentlichte unter anderem eine Geschichte mit dem Titel “Die Armen Reichen”. Ausgangspunkt ist eine Konsumgesellschaft, die damit beschäftigt ist, eine von Robotern hergestellte Überproduktion von Gütern und Dienstleistungen an den Mann zu bringen. Die Bürger sind mit Rationierungskarten ausgestattet, je niedriger die soziale Stellung, desto höher die mindestens zu konsumierenden Rationen. Das heißt, wer einen ausgibt, lässt hier den anderen bezahlen.

Luxuriöse Villenviertel sind also die Elendsviertel und Laubenpieperkolonien eine Art Beverly Hills. Dass der Autor letzten Endes aus dieser genialen Idee nicht viel macht, ist hier nicht von Bedeutung.

Erinnerungen an besagte Geschichte kamen auf, als ein Freund meine Aufmerksamkeit auf einen Artikel in der “Welt” lenkte. Dort steht:

Die Vermögen der Privathaushalte in Deutschland sind einer Studie der Bundesbank zufolge deutlich kleiner als in Euro-Krisenländern wie Spanien oder Italien. Das mittlere Vermögen deutscher Haushalte belaufe sich auf rund 51.400 Euro netto, teilte die Bundesbank am Donnerstag in Frankfurt am Main mit. In Italien betrage das Haushaltsvermögen rund 163.900 Euro, in Spanien rund 178.300 Euro.

In Frankreich belaufe sich das Vermögen der Haushalte im Mittel auf 113.500 Euro, erklärte die Bundesbank weiter. Der für Österreich ermittelte Wert liege mit 76.400 Euro näher am deutschen Niveau. In Deutschland selbst falle das mittlere Vermögen im Osten mit 21.400 Euro deutlich geringer aus als im Westen mit 78.900 Euro je Haushalt.
[In diesem Artikel finden sich noch mehr interessante Zahlen zu Eigentum in diversen Ländern der EU]

Im Vergleich zu hochverschuldeten Krisenstaaten wie Spanien ist damit das vorbildliche, hochproduktive Deutschland beim Vermögen (Aktiva minus Passiva) bettelarm. Selbst die Franzosen, die ja statistisch 6 Wochen pro Jahr weniger als die Deutschen arbeiten, stehen bedeutend besser da. Vielleicht liegt es daran, dass die Reallöhne von 2000 bis 2010 um 4,5% gesunken sind oder daran, dass die Germanen ihr Geld lieber in Malle verballern als “Schaffe, schaffe, Häusle baue” zu praktizieren?

Kommentare über die Aussagekraft von Durchschnitten (Was wird da eigentlich durchgeschnitten und was ist der Belag auf der Schnitte?) überlasse ich lieber dem Statistiker. Mir dämmert jedoch die logische Folgerung:

Je ärmer die Staaten, desto reicher die Bürger und je ärmer die Bürger desto reicher die Staaten.
Oder
Staaten, die nicht wirtschaften können, schaffen reichere Bürger.

Das hat die EZB längst erkannt, na klar, aber Rettungsschirme gibt es nur für die Reichen.

Ich weiß jetzt, Reichtum kommt nicht aus Sparsamkeit und Arbeit, sondern aus Verschuldung und Ausgeben. Das ist ein innovatives, realitätsnahes, wirtschaftliches Konzept.

Warum habe ich eigentlich BWL studiert? Errrare humanum est!

Der Autor dieses Textes ist mir gut bekannt. Er macht gerne auf Widersprüche aufmerksam. Ich finde die Zahlen im Angesicht der aktuellen Entwicklungen zumindest spannend. Will damit aber keinesfalls Ressentiments gegen unsere europäischen Freunde wecken. Irgendwie zeigen mir aber auch diese Zahlen wieder, dass der Karren wohl wirklich verfahren ist. Und wir um eine große Reform nicht herum kommen, denn sonst kommt die „große Reform“ ohne unser Zutun über uns.

🙂 Ich selbst bin dann ja auch mal froh, dass ich nicht BWL studiert habe.

Meine aber auch, dass man mit Arbeit und Sparsamkeit nicht reich wird. Schon eher durch Schulden machen …

RMD

Roland Dürre
Montag, der 25. März 2013

Bewegt Euch! – IF-Akademie – 21. März 2013

Bewegt Euch! in der IF-Akademie war 21. März 2013 ist vorbei. Es war ein sehr schöner Vortrag von Johannes Schmidt. Sobald das Video fertig ist, veröffentlichen wir es.

Nach „Bewegt Euch!“ kommt
„Ubuntu & Android im Business Einsatz
Der Praxis-Test – Was können die Windows Alternativen wirklich? Features, Probleme und Lösungen im Überblick.

Am 16. Mai 2013 wird uns Alexander Jachmann von der IF-Tech AG über den aktuellen Stand dazu berichten. Es wird sich wieder lohnen, also den Termin vormerken! Und die weiteren Termine stehen dann auch schon auf dem Plakat.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 24. März 2013

„I like“ & Facebook oder „WiTuN“

I like Facebook, Google+, Twitter und manches mehr …

Immer wieder höre ich Sätze wie

„… das ganze Zeug wie Facebook und Twitter wäre schlimm … Persönlich würde man das social media ja absolut boykottieren … Virtuelle Freundschaft wäre doch Quatsch, denn man müsse sich doch auch noch persönlich sehen … Und das allerschlimmste wäre doch dieses I like!“

von ansonsten durchaus ernst zu nehmenden Menschen. Die dann in ihr Auto steigen und davon brausen oder sich wieder hinter den Fernseher zurück ziehen, also durchaus Technik nutzen, die mal modern und relevant war.

Zu ihren Aussagen sage ich dann besser nichts mehr. Weiß ich doch, dass jeder Versuch die Dinge (social media) ein wenig zu erklären, völlig sinnlos ist. Gegen dogmatische Besserwisserei kann man nichts ausrichten, besonders wenn die Besserwisser das Subjekt ihrer Besserwisserei gar nicht kennen und so nicht verstanden haben können. Das gilt ganz allgemein.

Im ifcamp (barcamp der InterFace) am letzten BlueFriday (22. März 2013) habe ich eine Session „Wissensmanagement“ gemacht. Es ging darum, wie wir Wissen frei machen und teilen können. Um es dann gemeinsam zu bewerten und das Relevante zu identifizieren. Mit dem Ziel in und aus der „crowd“ die richtigen oder vielleicht besseren Entscheidungen für die Zukunft zu finden.

Da kam das Gespräch auch auf das „I like“ von Facebook. Und wir waren der Meinung, dass dies wohl ein erstes und allereinfachstes Werkzeug für soziale Rückmeldung ist. Um Menschen zu zeigen, dass man etwas gut findet. Oder sie wertschätzt. Oder um einfach nur Sympathie zu zeigen  …

In der Session entstand die gemeinsame Bewertung, dass es für Anwendungen, die die „crowd“ nutzen wollen“ und „gute“ social web-Lösungen eine ausgefeilte und neutrale „Rückmeldungstechnologie“ braucht. Für solche Systeme ist das eine zwingend notwendige Funktionalität. Ohne eine solche Technologie werden solche Projekte nicht gelingen.

Spontan sind dann auch gleich Verbesserungsvorschläge für „I like“ entstanden. Hier ein paar Beispiele.

  • Man gebe jedem Teilnehmer nur eine begrenzte Menge von zu vergebenden „I like“.
  • Man könnte jeden Monat wieder eine gewisse Anzahl verteilen.
  • Die Mitspieler bekommen dynamisch mehr oder weniger „Rückmeldeeinheiten“ entsprechend ihrer sozialen Relevanz, vielleicht wie bei Klout.
  • Oder es gibt so etwas wie einen „Page-Rank“ für die Mitglieder eines sozialen Systems.
  • Man könnte auch die „Rückmeldeeinheiten“ verschiedenen Gewichts einführen …

Kurzum, ich glaube, dass die „Rückmeldungstechnologie“ eine ganz wichtige und zentrale Komponente für crowd- und social web-Anwendungen verschiedenster Art ist. Allerdings ist das alles andere als ein triviales Thema; es lohn sich, sich damit zu beschäftigen. Mit Sicherheit gibt es eine Reihe auch von wissenschaftlichen Arbeiten, die hier gute Ideen beinhalten und die wir uns dringend mal anschauen sollten.

Dazu ein Beispiel aus einem anderen Segment, das mich verblüfft hat.
Ich schreibe gerne Stenografie. Mir kam der Gedanke, dass man diese über Hunderte von Jahren ausgereifte Technologie des „schnellen und ergonomischen (nicht verkrampfenden) Schreibens mit der Hand“ für die Texteingabe bei Tablets oder durch Gesten gesteuerte Systeme nutzen könnte. Und siehe da, ein Freund aus der Academica hat dann ganz schnell eine wunderbare Bachelorarbeit gefunden, die dieses Thema sehr gut analysiert hat.

Also – tun wirs;
Wissen Teilen – und Nutzen!
(WiTuN)

RMD

Anmerkung:
Dieser Artikel soll keinesfalls suggerieren, dass ich mit dem, was Facebook oder Twitter alles so treiben, einverstanden bin. Wenn ich z.B. bei Facebook gewisse Tendenzen des Eingriffs in die „sozialen Metriken“ beobachte, kann es gut sein, dass ich da schneller weg bin als mancher denkt.
Ein Umkippen von FB ändert aber nichts an meiner Annahme, dass soziale Netzwerke und gemeinsame Wissensanwendungen einen gesellschaftlichen Fortschritt bedeuten. Wäre nur wieder ein Anlass mehr, die alte philosophische und ethische Diskussion aufleben zu lassen: Wie kann man es erreichen, dass die Produktion von Gütern und Dienstleistungen auf anständige Art erfolgt. Was letzten Endes zu einer Diskussion führt über Privatisierung bzw. die soziale Verantwortung von Inhabern der Produktionsgüter.

Roland Dürre
Freitag, der 22. März 2013

Neues Wissen braucht das Land

… und das Unternehmen 3.0

Bereite zurzeit einen neuen Vortrag über „Wissen in sozialen Systemen“ vor. Unternehmen sind in meiner Betrachtung ja nur eine Variante von sozialen Systemen mit ökonomischer Zielsetzung und in der Regel besonderen Abhängigkeits-Strukturen, die vom Gesetzgeber in vielen Gesetzen besonders ausführlich geregelt werden (wertfrei formuliert).

Meine erste These im diesem Vortrag ist, dass „neues Wissen“

  • frei von Dogmen,
  • ohne Anspruch von Wahrheit

sein muss.

Wissen verändert sich ständig. Gerade „Lebenswissen“ kann immer nur den Charakter eines Schnappschusses haben, verändert sich beständig und hat immer nur eine begrenzte Gültigkeit.

Das klingt so selbstverständlich, wird aber ganz anders gelebt.

Die zweite These ist, dass dies

  • nur in einem Umfeld von Transparenz und
  • bei einem Umgang auf Augenhöhe miteinander

gelingen wird.

So kann Wissen – wie auch Wollen – nicht in Datenbanken eingefangen und eingesperrt werden. Vielmehr muss es frei sein und dynamisch durch permanentes Lernen sich verändern.

Das ist schade, denn Wissen ist der wertvollste Rohstoff den wir haben – dies mit der schönen Eigenschaft, dass er als einziger durch Teilen mehr wird.

Also brauchen wir nicht nur eine „Wirtschaft, die Dinge teilt “ sondern vor allem „Gemeinschaften, die Wissen teilen“. Und auch die Art und Weise, wie wir Wissen teilen, müssen sich wesentlich verändern.

Und da sehe ich beliebig viel Widersprüche zu immer noch aktuellen aber völlig überholten Systemregeln und Transfer-Praktiken wie auch unserem ökonomischen Denken.

Wissen muss endlich befreit werden!

So werde ich in in Zukunft öfters über „neues und freies Wissen schreiben.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 21. März 2013

Tweets zum Twittern und Bloggen #159

Hier meine Tweets der letzten Woche zum Thema:
Bloggen und Twitter, Weisheiten und Regeln:

130314 Viel Federn machen ein Bett – auch beim Twitterer und Blogger? #Twitter #Bloggen #Weisheit

130315 Viel Gebet, wenig Werke – so geht es nur zu leicht auch beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

130316 Viel Geschrei und wenig Wolle – gilt gerade fürs Bloggen und Twittern! #Twitter #Bloggen #Weisheit

130317 Viel Gesetz, viel Übertretung – kaum zu vermeiden beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

130318 Viel Hände heben leicht eine Last – gilt gerade fürs Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

130319 Viel Hände machen bald ein Ende – auch schon erlebt als Twitterer und Blogger. #Twitter #Bloggen #Weisheit

130320  Viel Hände zerreißen die Wände – gerade beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

Jeden Tag kommt ein neuer Tweet dazu. Siehe unter twitter.com und “follow” RolandDuerre!
Viel Spaß beim Folgen!

RMD

P.S.
Die Sprichwörter habe ich auf Alle deutsche Sprichwörter gefunden.