Roland Dürre
Dienstag, der 30. April 2013

Der NSU-Prozess und die Medien

Von Systemen und ihren Agenten, Epikie und Zivilcourage

Jetzt wird ein Prozess in München wohl wieder verschoben. Das ist sicher für viele Menschen bitter, denn es geht um ein besonders trauriges Kapitel unserer Geschichte. Das sich nach dem Prozess unter Umständen als „noch trauriger“ erweisen wird.

Der NSU-Prozess ist aber auch ein gutes Beispiel für eine andere negative Entwicklung in unserer Gesellschaft: Unsere sozialen Systeme verselbstständigen und entpersonalisieren sich. Ihre Mitarbeiter werden zu Systemagenten und entfernen sich immer mehr von der Realität. Sie ignorieren die Erfordernisse der Gesellschaft und unterwerfen sich bei ihren Entscheidungen einer Überregelung, fragwürdigen Verordnungen und ihrer eigenen Paranoia.

So wird von vorne herein aus „Sicherheitsbedenken“ bei diesem Prozess ein zu kleiner Gerichtssaal gewählt. Wie weit sind wir aber gekommen, wenn wir im Gericht nicht mehr für eine vernünftige Sicherheit sorgen können? Darf die rechte Szene unsere Entscheidungsfreiheit wirklich in diesem Maße beeinträchtigen?

Da darf natürlich der Seitenhieb auf den Verfassungsschutz nicht fehlen, der vielleicht mehr für die Sicherheit unserer Judikative sorgen sollte als mit wahrscheinlich rechtswidrigen und höchst umstrittenen Aktionen seiner zwielichtigen V-Leuten unserer Demokratie einen Bärendienst nach dem anderen zu erweisen.

Und wegen den Ängsten vor einer fehlenden Revisionssicherheit des Urteils werden dann die Gesetze in einer Art ausgelegt, die mit dem praktischen Bedürfnis der Gesellschaft nichts mehr zu tun hat. Natürlich konnte es nicht angehen, dass zum Beispiel die türkische Presse zur Prozessbeobachtung nicht zugelassen wurde. Genauso wie es nicht sein kann, dass jetzt eine FAZ mit ihren vielen Lesern von der Berichterstattung ausgeschlossen werden soll.

Prozesse und Regeln hatten hier zu oft Vorrang vor gesundem Menschenverstand und vernünftigen Überlegungen. Lieber legte man den Wortlaut des Gesetzes maximal restriktiv aus und ignorierte die Absicht, das Ziel und den Sinn der Gesetze. An Stelle des Suchens nach sinnvollen und belastbaren Lösungen beugte man sich sklavisch vor dem vermeintlich Unabänderlichen.

Die Epikie, eine wichtige wenn auch wenig bekannte Tugend wird in unseren Systemen zu oft vergessen. Epikie heißt knapp formuliert, dass „man die Gesetze des Staates so einhält, wie ein vernünftiger Gesetzgeber es gemeint und gewollt hätte“. Für die Anwendung von Epikie ist oft eine weitere primäre Tugend notwendig, nämlich die Zivilcourage, auch Bürgermut genannt. Diese Tugenden brauchen wir, gepaart mit gesundem Menschenverstand, beides angewandt basierend auf gesellschaftlich anerkannten Werten.

Und ich meine, dass es in unserer Gesellschaft Teile gibt, bei denen diese Tugenden wie auch der gesunde und wertebasierte Menschenverstand immer mehr verloren gehen. Das macht aber nichts, weil es viele Menschen gibt, da ist dies alles vorhanden und kommt immer mehr zum Einsatz und zur Wirkung. Unter dem Strich bin ich so ganz optimistisch.

🙂 Meine Leser aber dürfen sich heraussuchen, welche Kreise ich da jeweils meine …

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 28. April 2013

Evolution, Innovation und „dominante Logik“

Letzte Woche durfte ich an einer besonderen Konferenz teilnehmen: Es war die LEADERSHIP FOR INNOVATION, unterstützt von der Peter Pribilla-Stiftung. Das Thema war VISUALIZING THE INVISIBLE. Die Veranstaltung fand statt in München an der TUM beim IAS auf dem Campus Garching und zwar am 25 und 26. April 2013.

Dass es eine eher konventionelle Tagung war hat nicht gestört. Es gab einige sehr „innovative“ Sessions. Als erstmals Teilnehmender habe ich sehr schnell gemerkt, dass es hier vor allem um das „sich treffen“ ging – im Rahmen eines wichtigen Netzwerks und mit den richtigen Leuten.

Ganz logisch war so die Krönung der beiden Tage die Abendveranstaltung „Network Convention 2013“ am Freitag zu Ehren von Herrn Prof. Reichswald, der am 1. April seinen 70igsten Geburtstag feiern konnte. Und im wahrsten Sinne des Wortes ging es dabei im Seehaus im Englischen Garten um „Boundless Interaction“.

An diesen zwei Tagen habe ich mit manchen Menschen über hoch spannende Themen gesprochen. Auf mich kam so viel Neues zu, dass ich all das nach der Tagung erstmal verarbeiten musste. Nach der ersten Verdauung hier ein paar persönliche Gedanken dazu.

DOMINANTE LOGIK

Eines der wesentlichen Probleme unserer Art scheint es zu sein, dass wir unternehmerisch wie privat Herausforderungen immer mit „Dominanter Logik“ zu lösen versuchen. Das „echte“ Leben aber ist immer Teil der Evolution und die ist alles andere als „dominant logisch“. Innovation ist jetzt unser Versuch, die Evolution zu unseren Gunsten zu beeinflussen.

Das erscheint mir eine der zentralen Aufgaben des unternehmerischen Wirkens: Die Evolution, die jedes Unternehmen sowieso durchlebt, so zu beeinflussen, dass negative Folgen im Rahmen des evolutionären „älter werden“ durch positive „innovative Veränderungen“ zumindest ausgeglichen werden.

Und das geht nicht mit Ratio und Logik. Die Wirkungslosigkeit von dominanter Logik kann man wiederum nicht mit dominanter Logik begründen, sondern nur mit Erfahrung und Lebenswissen. Unternehmer müssen so im „Jetzt“ leben und herausfinden, was gut und was schlecht fürs Unternehmen ist und dann hoffentlich mehr richtige als falsche Entscheidungen fällen.

Wenn man Entscheidungen mit dominanter Logik aus allgemeinen Regeln ableitet, wird man scheitern. Es kommt zu vielen falschen Entscheidungen, manche davon mit wesentlichen negativen Folgen. Das zeigt die Erfahrung. Um im innovativen Sinne mehr richtige Entscheidungen zu finden, müssen die Entscheidungskriterien auf Kultur und Werten basieren.

Beispiele für durchaus übliche (und nach meinem Verständnis schädliche) Wirtschafts-Regeln sind „Wachstum muss sein“, „Wir müssen in jedem Geschäftsfeld die Nummer eins weltweit sein“ oder „Shareholder Value ist das ausschließliche Unternehmensziel“. Das sind unreflektierte Plattitüden, aber keine sinnvolle Quellen für Handlungsleitung.

Hier ein paar Beispiele für nützliche Kultur-Regeln: „Die goldene Regel„, „Menschen sind keine Ressourcen“, „Kreativität sucht angstfreie Räume“, „Gelingende Kommunikation braucht Augenhöhe“, „Wissen teilen schafft neues Wissen“, „Führung heißt Respekt haben“, „Achtsamkeit und Zivilcourage sind die Tugenden“ ….

Die Anwendung solcher und ähnlicher Regeln wird für mehr richtige Entscheidungen sorgen im Sinne einer nachhaltigen, die Ressourcen schonenden und so innovativen Entwicklung eines Unternehmen, das letztendlich ja auch nur ein soziales System mit einem wirtschaftlichen Zweck ist.

Und Management, welches eine nachhaltige Entwicklung eines Unternehmens wirklich will, muss seine Entscheidungen nach diesen Kultur-Regeln ausrichten. Das darf (und muss) dann auf Rationalität und gesunden Menschenverstand aufbauen. Denn auch Ethik hat viel mit Vernunft zu tun – sonst kann sie schnell zu falschen Dogmen führen. Der Evolution werden wir auch so nicht auskommen, aber vielleicht können wir diese so ein wenig durch Innovation zu unseren Gunsten beeinflussen.

Oft versuchen Unternehmensführer, aus Fehler zu lernen und das Gelernte auf die Zukunft zu übertragen. Auch da vermute ich, dass das nicht funktioniert, wenn es auf Basis von „dominante Logik“ gemacht wird. Weil dominante Logik bei Menschen und ihren sozialen Systemen immer wieder versagt.

Oft bin ich versucht, diese Thesen mit „dominanter Logik“ zu beweisen. Das kann natürlich nicht gelingen. Denn das Sensationelle an Evolution ist eben, dass sie eben nicht rational begründbar sondern zweckfrei ist – und so nichts mit „dominanter Logik“ zu tun hat. Sie ist kein Überleben der Passendsten („Survival of the Fittest“) und wohl auch kein „Großer kollaborativer Prozeß„. Innovation ist immer abhängig vom Strom der Evolution. Nur wir Menschen maßen uns an, mit Ratio und Logik Evolution innovativ gestalten zu können. Brauchen dazu aber „Evolutionswissen“, das ebenl nicht in Spreadsheets abgebildet werden kann.

Ja – und dann gibt es noch diese für mich zentrale Eigenschaft:

OPEN

Ohne „OPEN“ werden wir kein „Evolutionswissen“ schaffen! Wir müssen unser Wissen und unsere Erfahrung teilen, und zwar mit ganz vielen anderen Menschen. Vorbehaltlos und auf Augenhöhe. Nur so können wir die positive Innovation als Veränderung der Evolution schaffen, um die Dinge in unseren Unternehmen wie auf dieser unserer einzigen Welt zu verbessern. Und das wird nie das Werk eines einzelnen Menschen sein, sondern von ganz vielen, die in oft unterschiedlichsten Rollen zusammen wirken.

Zu schnell wird die Evolution sonst uns Menschen von diesem Planeten runter fegen.
🙂 Das wäre zwar im kosmischen Maßstab kein großes Unglück, aber schad wär’s halt schon.

Allgemein würde ich sagen, dass man das Unsichtbare eben nicht sehen kann. Besonders nicht als Einzelwesen. Aber vielleicht kann man es gemeinsam Erahnen, sozusagen Erfühlen?

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 27. April 2013

Die Reichen besteuern …

Vor ein paar Jahr(zehnt)en wurden ja die „gut verdienenden“ ein wenig steuerlich entlastet. Ein wenig zu viel meinen zurzeit immer mehr. Vielleicht haben sie ja recht.

Und so gibt es eine Reihe von Initiativen und Parteien, die in ihre Programme hineinschreiben, dass die wohlhabenden und besser verdienenden Bürger (die in der BRD geblieben wie Uli Hoeneß und nicht ausgewandert sind wie unser Kaiser Beckenbauer, der Müller von der Milch oder der Schumi) mehr belastet werden müssen.

Die Grünen und die SPD wollen den Spitzensteuersatz erhöhen und so die BRD vor dem Kapitalismus retten. Ich meine, auch mit solchen Dingen müssen wir leben.

Aber ein immer wieder gemachter Fehler sollte vermieden werden: Wenn man Zahlen festlegt, ab denen Einkommen höher und/oder Vermögen besonders besteuert werden, dann sollte man diese Zahlen nicht fix sondern von vorne herein flexibel machen. Indem man diese z.B. automatisch an die Geldentwertung hängt.

Sonst hat man das Problem wahrscheinlich nur zu schnell wieder. Die „offizielle“ Inflation erscheint harmlos zu sein, aber das Geld verliert mehr als rasant den Wert. Das kann mit vielen Beispielen trivial belegt werden. Und schwuppdiwupp muss man die Steuersystematik wieder ändern, weil ganz plötzlich dann auch die „Normalverdiener“ in eine nicht mehr zumutbare Steuersituation hinein gerutscht sind.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 25. April 2013

Tweets zum Twittern und Bloggen #164

Hier meine Tweets der letzten Woche zum Thema:
Bloggen und Twitter, Weisheiten und Regeln:

130418 Von Worten wird der Bauch nicht voll – auch nicht beim Twitterer und Blogger. #Twitter #Bloggen #Weisheit

130419 Von Worten zu Werken ein weiter Weg – so ist es beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

130420 Von zweien Übeln soll man das kleinste wählen – auch beim Bloggen und Twittern! #Twitter #Bloggen #Weisheit

130421 Vor der Tat halte Rat – gilt gerade fürs Bloggen und Twittern! #Twitter #Bloggen #Weisheit

130422 Vorangehen macht Nachgehen – so ist es auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

130423 Vorrede spart Nachrede – guter Rat auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

130424 Vorsicht schadet nicht – erste Regel fürs Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

Jeden Tag kommt ein neuer Tweet dazu. Siehe unter twitter.com und “follow” RolandDuerre!
Viel Spaß beim Folgen!

RMD

P.S.
Die Sprichwörter habe ich auf Alle deutsche Sprichwörter gefunden.

Roland Dürre
Dienstag, der 23. April 2013

Verrückte Welt

Aldi kündigt in seinem Prospekt für Donnerstag, den 25 April da so ein Multimedia-Notebook für 459,- € an, das ich zwar nicht geschenkt haben möchte, das aber ganz toll und günstig sein soll. In diesem Flyer wird auch erklärt, dass „Medion® Windows 8 empfiehlt“, weil es so „schön, schnell und flüssig“ wäre. Da steht dann auch der Hinweis „Windows 8 mit Windows® Experience Oberfläche“. Da ist sie wieder, die alte Wintel-Verbindung von Microsoft® und Intel®.

Und bei Aldi werden Sie sich wieder wundern, wie viele davon in den Regalen stehen bleiben werden. Auf der Rückseite des Flyers lese ich, dass die 1.000 Gigabyte Festplatte jetzt 69,99 € kostet. Vor einem Jahrzehnt war das kaum vorstellbar. Die Hardware scheint sich immer noch im Rekordtempo zu entwickeln.

Ansonsten geht es in der IT-Welt drunter und drüber. Microsoft versucht wieder zu punkten. Apple kocht sein eigenes Süppchen und Google verlässt die HTML-Gemeinschaft. Was Amazon so treibt, weiß man eh nicht so genau. IBM und HP scheinen zuzuschauen, wie die „Großen“ sich bekämpfen. Dell unternimmt einen neuen Anlauf und Fujitsu aus Japan gibt es auch noch.

Das alles spielt aber eh keine Rolle, weil die Zukunft der IT-Technologie ja eh den Asiaten gehören wird und da schon seit einiger Zeit ganz neue Namen die technologischen Weichen stellen und die Märkte erobern.

Aus den Kreisen der mächtigen CIOs höre ich, dass Java nicht mehr salonfähig ist – wohl wegen dem Erwerb von Sun durch Oracle. Andere Auguren berichten mir, dass c# (c sharp) wahrscheinlich auch nicht die Sprache der Zukunft wäre. Ich weiß nicht mehr weiter und stelle die Frage, in welcher Sprache wir denn in fünf Jahren programmieren werden.

Die Pragmatiker zucken mit den Schultern und verweisen auf Phyton als eine in USA beliebte Alternative zum programmieren. Das kann ich mir nicht so ganz vorstellen. Die Akademica erklärt mir, dass man es leider in den letzten zwei Jahrzehnten verabsäumt hätte, Programmiersprachen weiter zu erforschen und zu entwickeln. Außerdem hätte man ja auf die Mozilla-Foundation gesetzt, aber die sei wohl zu schwach.

So höre ich die IT-Analysten reden. Weiß zwar nicht, wie viel die von der Sache verstehen, da ich ja die aktuelle Entwicklung auch nicht mehr verstehe. IT ist irgendwie komplex und unüberschaubar geworden – und hatte (und hat) eine rasend schnelle Entwicklung, die auch mich förmlich überrollt hat.

Doch erinnere ich mich an eine Zeit gab, da schien Unix zu konvergieren (X-OPEN). Das war eine gute Sache – auch wenn es letztendlich dann auch nicht funktioniert hat. Ich da habe ich gerne mit „c“ programmiert und fand das die beste Sprache meines Programmierlebens. Zugegebener Weise eine Sprache mit einer gewissen Unschärfe – aber es war sehr schön mit ihr zu entwickeln. Und es kamen effiziente Systeme und Lösungen heraus.

Da alles so komplex ist, verdränge ich das alles. Und freue mich auf meinen kleinen Nexus mit Ubuntu. Vielleicht bekomme ich ihn ja schon morgen. Gekostet hat das 250 € inklusive Mehrwertsteuer. Für die Zutaten wahrscheinlich auch viel zu teuer – wie mein Airbook. Das ist am 23. 11. 2010 registriert worden und somit schon bald drei Jahre alt. Zwar rennt es immer noch wie eine eins, aber irgendwie komme ich immer mehr aufs Tablett. Und der Mischling Ubuntu/Nexus könnte dann das Airbook in meinem kreativen Alltag ablösen …

Schau mer mal …

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 20. April 2013

Verbotenes Tun ist ganz normal?

In den „sozialen“ und „nicht sozialen“ Medien nehme ich heute einen „Hoeneß-Hype“ wahr. Das verstehe ich zwar, aber es entsetzt mich. Jetzt wird der Uli Hoeneß an den Pranger gestellt – und das ist unfair.

Ich gehe mal davon aus, dass die große Mehrheit der Menschen mit aussergewöhnlichen Vermögenswerten einen Teil ihres Geldes „schwarz“ angelegt hat, obwohl es verboten war und ist. Aber viele, wahrscheinlich alle Menschen machen laufend Dinge, die verboten sind. Der, auf den dies nicht zutrifft, möge sich bei mir melden. Denn er  ist ein Heiliger. Wer es aber leugnet, ist ein Lüger oder Heuchler.

Gerade mit Geld wird es schwierig. Menschen prostituieren sich dafür – oft im wahrsten Sinne des Wortes. Und finden ihre Käufer. Und zwar viele. Dies alles findet täglich und ganz normal statt, auch wenn es verboten ist.

Wie viele Menschen haben in der Jugend einen Diebstahl begangen, obwohl das verboten ist. Und all das ist normal und menschlich. Genauso wie dass Frauen abtreiben, auch wenn es verboten oder moralisch verurteilt wird.

Die Gesellschaft wie jeder von uns hat aber nicht das Recht, immer gleich die moralische Keule schwingen. Weil es alles so normal und menschlich ist. Derjenige werfe den ersten Stein, der frei von Schuld ist.

Reiche Menschen versuchen halt, den komplizierten Steuergesetzen zu entgehen. Und die Grenze zwischen legal und illegal verschwimmt leicht in subjektiver Bewertung. Und verschiebt sich laufend, oft unmerklich und scheibchenweise. Plötzlich sind Dinge  „kriminell“, die früher vielleicht „Kavaliersdelikte“ waren. Zum Beispiel zu Zeiten unseres seligen Ministerpräsidenten Franz-Josef waren Dinge ganz normal, bei denem einem heute die Haare zu Berge stehen.

Und jetzt haben wir plötzlich eine „neue Steuermoral“. Wahrscheinlich auf nicht so ehrenwerten Motiven begründet. Und das was früher normal war, ist plötzlich Pfui. Obwohl wir es immer gewusst haben, dass es so ist, und die Leute, die es gemacht haben, eher in auf bayrisch als „Des is a Hund“ geachtet wurden.

Das ist doch genau die bürgerliche Scheinheiligkeit und Verlogenheit, die immer noch auf unserer Gesellschaft lastet (und wahrscheinlich immer lasten wird). Ich hoffe, dass wir nicht zu viele solche „neue Moralismen“ bekommen.

Warum die Dinge nicht sachlich und nüchtern korrigieren, ohne die Betroffenen zu verurteilen und gar noch nach Rache zu schreien!? Also nicht Menschen moralisch runtermachen, sondern einfach die Missstände reparieren. Nicht bestrafen sondern kassieren. Und daran denken, dass es keine Gerechtigkeit gibt.

Eine konsequente öffentliche Transparenz aller Vorgänge würde vieles von dem, was heute passiert nicht zu lassen. Diese sollten wir fordern und durchsetzen, wenn wir solche Dinge „verbessern“ wollen.

Zurück zum „Fall“ Hoeneß. Da hätte ich noch einen Wunsch. Schön wäre es, wenn unser Gemeinwesen das viele Geld, das es jetzt wohl vom Uli im nach hinein kassiert, für etwas Sinnvolles ausgeben würde. Und da habe ich wieder meine Zweifel.

RMD

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 18. April 2013

Gartenlust und Frühlingsfrust

Carl und Gerlinde (XXX)

Was ist denn mit dir los, Carl? So wie du zulegst in den letzten Wochen, muss ich ja fürchten, dass du jeden Moment platzt!“ stänkerte der Spartenleiter Dr. Osterkorn, als er nach dem üblichen ‚montäglichen Strategiegelaber’ mit Carl das Besprechungszimmer verließ.

„Wie meinst du denn das, Bernie?“ fragte Carl irritiert.

Na du gehst ja auseinander wie ein Kräppel im heißen Fett: will dich denn deine Gerlinde meistbietend zum Kilopreis verscherbeln?“ polterte Bernie laut lachend.

„Jetzt fängst du auch noch an! Vor zwei Wochen hat mich schon meine vorlaute Sekretärin gefragt, ob ich ein Problem mit der Schilddrüse hätte“, gab Carl kleinlaut zurück.

„Siehst du Carl – ich täusch mich also nicht! Ich find’s ja prima, wenn’s dir schmeckt und gönn’s dir auch von Herzen, aber als ‚Spartenvertriebsleiter’ bei TRIGA mit seinen vielen sportlich orientierten Produkten solltest du schon auch ein klein wenig auf dein Erscheinungsbild achten, oder?“

„Glaubst du denn wirklich, Bernie, dass ich…“

„Betrachte meine Worte als kleinen Tipp, Carl! Du weißt ja, ich bin manchmal etwas direkt!“ wiegelte Dr. Osterkorn mit einem verschmitzten Augenzwinkern ab, donnerte Carl seine durchtrainierte Pranke auf die Schulter und entschwand in das verwaiste Büro von Miriam Braun, die noch immer in der Babypause war, und bestimmt nicht wusste, dass seit vier Wochen eine äußerst attraktive Praktikantin auf ihrem Bürostuhl herumlungerte und schon etliche neue Wäschemodelle für einen gewissen Herrn Dr. Osterkorn vorprobiert haben soll, wie der Buschfunk so trommelte…

Carl war zwar froh, dass er nach dem freundschaftlichen Schulterklaps von Dr. Osterkorn noch aufrecht gehen konnte, spürte aber schon, wie sich eine kleine Unsicherheit in ihm breit zu machen begann …

Und da seine sonst für alle Wehwehchen zuständige Sekretärin Bettina über seinen Kopf hinweg ohne jede Vorwarnung recht dreist von einem Tag auf den anderen ihren morgendlichen Mohnstrudel zu seinem Frühstückskaffee einfach gestrichen hatte, und dieser Mohnstrudel ehrlich gesagt in letzter Zeit eh oft arg trocken ausgefallen war und mit Kaffee manchmal recht unangenehm am Gaumen pappte – konnte  sie natürlich in dieser heiklen Angelegenheit leider nicht mehr wie sonst üblich als Ratgeberin fungieren!

Und Gerlinde kam schon gar nicht in Frage! Die mäkelte ohnehin stündlich an ihm herum, wegen der paar lächerlichen Pfunde an seinen, wie er meinte, immer noch apollinisch schmalen Hüften…

Angesichts dieser verfahrenen Situation musste Carl wohl in bewährter Manier die Sache selbst in die Hand nehmen! Wäre ja auch ein Wunder gewesen, wenn einmal die superklugen Frauchen wirklich helfen hätten können!

Außerdem war das Männersache!

Schließlich gab es doch wirklich nichts Simpleres, als ein paar ‚unnötige Gramm Speck’ wegzuschaffen: er musste sich doch bloß – eigentlich lächerlich – beim Essen etwas einschränken und – Bingo – mehr Bewegung machen! Und zwar viel mehr Bewegung! Klaro! Da musste man gar nicht mehr lange Herumrätseln und Rumlabern, wie Frauen das in solchen Situationen zu tun pflegen!

Nein, gleich nächste Woche – oder übernächste Woche – oder noch besser ab Mai oder vielmehr Juni, wenn es abends richtig hell war, brauchte er sich doch bloß in einem Fitnessstudio anmelden und einen dieser oft angesprochenen Abendtermine buchen! Und schon war die Sache geritzt! So einfach war das…

Außerdem – und das war wohl ein Wink des Schicksals – stand doch jetzt im Frühjahr ohnehin jede Menge Gartenarbeit an: die war doch nachgerade ideal zum Abzunehmen!

Bestimmt freute sich Gerlinde auch tierisch, wenn sie einmal nicht auf Hannelores komischen ‚gärtnernden Polen’ zurückgreifen musste, der im Frühjahr alle Bäume und Büsche in diese peinlichen Rasierpinsel verwandelte! Nein – ab sofort hatte der ‚Pinselzauber im Frühjahr’ ein Ende – und wie von selbst wurde er, Carl, auch noch gertenschlank dabei! Das war doch mehr als fantastisch, oder?

Ernüchternd war allerdings, dass Gerlinde gar nicht so arg strahlte, als er ihr gleich am nächsten Morgen beim Frühstück seinen neuesten Plan entwickelte. Aber vielleicht war sie auch noch nicht richtig wach, als sie recht nüchtern fragte „und warum auf einmal – dieser Garteneifer?“ und ewig lange in ihrem Kaffee rumrührte, obwohl keinerlei Süßstoff drinnen war, wie er ganz sicher wusste…

„Ja weißt du, Gerlinde, ich brauch’ einfach etwas mehr Entspannung und Bewegung – irgendwie bin ich in letzter Zeit durch den Stress in der Firma viel zu träge geworden!“, sagte Carl mit einschmeichelnder, Verständnis heischender Miene.

„Sieh mal an, welch eine überraschende Selbsterkenntnis – und die schon im Morgengrauen – um acht Uhr dreißig, das ist beachtlich!“ frozzelte Gerlinde.

„Nenne es wie du willst, Gerlinde, ich bin jedenfalls fest entschlossen, mich mehr zu bewegen und mich viel aktiver in unsere heimische Gartenarbeit einzubringen“, sagte Carl lächelnd und tätschelte liebevoll über den Frühstückstisch hinweg Gerlindes linke Hand, die gerade nach dem Brombeermarmeladenglas griff!

Gleich danach schaute Carl aber abrupt auf die Uhr, sprang auf, drückte Gerlinde einen schnellen Kuss auf ihre nach Kaffee schmeckenden Lippen und eilte mit den Worten „heute Abend sprechen wir noch genauer über mein ‚Gartenprogramm’, gell“, davon…

Nur – wie das dann ablief, war typisch – Gerlinde!

Denn als Carl am Abend hundemüde von der Arbeit heimkam, konfrontierte ihn seine fürsorgliche Gerlinde mit einem ‚gärtnerischen Arbeitsprogramm’ das sich nicht nur gewaschen hatte, sondern in dem – voll unfair – tatsächlich alles drinnen stand, was getan werden musste! Ganz obenauf natürlich die riesige Trauerweide, die jedes Jahr radikal geschnitten werden sollte, was nicht nur viel Arbeit in luftiger Höhe auf der Leiter bedeutete, sondern auch mehrere Tage „Zerkleinerungsarbeit“! Aber wer konnte denn bei dieser vollkommen unerwarteten ‚Zwischeneiszeit’ schon so lange im Garten herummachen – schließlich war er kein Eskimo in Thermounterwäsche, oder?

Und die Trauerbirke musste auch zurück geschnitten werden!

Und die zehn Büsche entlang der Gartengrenze auch, und der Lorbeerbaum, die zwei Weigelien, der Perückenstrauch, der Raketenwacholder auch und im Vorgarten die Korkenzieherhasel, der amerikanische Hartriegel und die Zierkirsche – von den dreißig Erikastauden, den viel zu üppigen Gräsern und sechs Wacholderbüschen ganz zu schweigen…

Weiter kam Carl gar nicht mit dem Studium des ‚Gerlindeschen Gartenprogramms’: denn bereits beim amerikanischen Hartriegel war die erste Bierflasche leer, und als die zweite offen war, hatte er nach dem heutigen mörderischen Unterwäschevertriebstag in der Firma wirklich keinen Bock mehr auf weitere ‚gärtnerische Korinthenkackereien’…

Offensichtlich hatte Gerlinde – typisch Frau – nicht die leiseste Ahnung, was die von ihr aufgeschriebenen Arbeiten eigentlich bedeuteten – und noch dazu bei diesen arktischen Temperaturen! Von Frühling und lauen Lüften war doch weit und breit nichts zu spüren! Das war doch der absolute Horror, was dieses Jahr abging! Man musste sich ja wirklich ernsthaft fragen, wann denn nun endlich diese beknackte Klimaerwärmung einsetzte, mit der ständig in den Medien herumgefuchtelt wurde. Das war doch unfassbar, wie diese ‚Katastrophenaposteln’ daneben lagen?

Die Einzige, die nicht daneben lag, leider auch nicht jetzt neben ihm, war echt wieder einmal Gerlinde! Auf die war in dieser Hinsicht hundert Prozent Verlass, dachte Carl, als er endlich trotz aller Abgeschlafftheit – selbst die dritte Flasche Bier aus dem Keller hochhievte: bei diesem höchst einfühlsamen Persönchen, Gerlinde, brauchte man wirklich nur ein winziges Bisschen Bereitschaft signalisieren, sich an der hauseigenen Gartengestaltung aktiv beteiligen zu wollen – und schon bekam man ein ‚Gartenprogramm’ um die Ohren geknallt, bei dessen Verwirklichung er nicht nur in kürzester Zeit als wandelndes Skelett durch die Gegend trabte – sondern am besten auch sofort Frührente beantragte…

Wollte ihm das Gerlinde wirklinch antun – nur wegen der paar lächerlichen Pfündchen zuviel auf den Rippen? Oder den Hüften? Oder wo auch immer? War es das wirklich wert?

KH

Hier meine Tweets der letzten Woche zum Thema:
Bloggen und Twitter, Weisheiten und Regeln:

130411 Vom Winde lebt niemand – auch kein Twitterer und Blogger? #Twitter #Bloggen #Weisheit

130412 Von der Liebe kann man nicht leben – so ist es auch beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

130413 Von der Luft kann man nicht leben – gilt gerade fürs Bloggen und Twittern! #Twitter #Bloggen #Weisheit

130414 Von der Schönheit kann man nicht leben – gilt gerade fürs Bloggen und Twittern! #Twitter #Bloggen #Weisheit

130415 Von einem Halme kommt ein Feuer – so ist es auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

130416 Von großen Blöcken haut man große Späne – auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

130417 Von Toten soll man nichts Übles reden – gilt das auch fürs Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

Jeden Tag kommt ein neuer Tweet dazu. Siehe unter twitter.com und “follow” RolandDuerre!
Viel Spaß beim Folgen!

RMD

P.S.
Die Sprichwörter habe ich auf Alle deutsche Sprichwörter gefunden.

Ubuntu & Android im Business Einsatz

Das ist das Thema des nächsten Vortrag in unserer Reihe
„Craftsmanship – Technik von InformatikerInnen für InformatikerInnen“ (auch Bier&Informatik genannt).

Alexander Jachmann wird am 16. Mai 2013 bei uns in der IF-Akademie in Unterhaching dazu sprechen.

Es geht um einen
Praxis-Test – Was können die Windows Alternativen wirklich?
Features, Probleme und Lösungen im Überblick.

Alexander Jachmann ist als System Engineer bei der IF-Tech AG tätig und betreut dort Virtualisierungs- und Cloud-Projekte. Privat engagiert er sich im Open Source Bereich genau bei den Themen, über die er sprechen wird.

Alexander wird mit Ubuntu & Android zwei Betriebssysteme vorstellen, die sich zurzeit größter Beliebtheit erfreuen.

Die Linux Distribution Ubuntu platziert sich aktuell auf allen gängigen Plattformen wie Desktop, Notebook, Server oder aber auch Smartphone, Tablet und TV Geräte.
Googles Android ist “das“ Betriebssystem für den Smartphone und Tablet Markt.

Inwieweit diese beiden Betriebssysteme auch für den Business Einsatz geeignet sind, wird in dem Vortag diskutiert und auch demonstriert.

Der Fokus des Vortrags wird auf den Anforderungen eines Unternehmens an ein Betriebssystem liegen. Dabei dreht es sich um Fragen wie “Was kann Ubuntu/Android“ und „Wo muss ich als Admin nachhelfen?“ oder “Was brauche ich um Ubuntu/Android im Büro einzusetzen und was ist zu beachten?“

Da wird es auch einiges zum Anschauen geben. In einer Live Demo zeigt Alexander Interessantes und Neues zum praktischen Einsatz von Ubuntu/Android in Unternehmen.

Wie immer wird es ein kurzer und knackiger Vortrag werden, maximal 30 Minuten lang. Dann gehört die Bühne den Zuhörern und sie dürfen den Referenten mit Fragen löchern.

Und natürlich gibt es im Anschluss an Vortrag und Diskussion wieder eine „Happy Hour“ mit Bier&Leberkäs. Parallel zur Party wird unser Mr. IF-Lab Dr. Frank Schütz anbieten, die gehörten Dinge „live“ auszuprobieren und ein wenig herum zu hacken. Da wird auch ein Nexus mit der Tablet-Version von Ubuntu dabei sein.

RMD

In unserer Vortragsreihe

“IF-Technologie – von InformatikerInnen für InformatikerInnen”
(auch als Bier&Informatik bekannt)

hat Johannes Schmidt am 21. März 2013 einen Vortrag gehalten:
Bewegt euch!

Wie Videospiele und Bewegungssteuerungen uns wieder vom Sofa locken?

Diesen sehr schönen und interessanten Vortrag haben wir aufgenommen und zwei Videos daraus gemacht. Hier sind sie – sehr sehenswert!

Im ersten Teil des Vortrags berichtet uns Johannes Schmidt die geschichtliche Entwicklung der Bewegungssteuerung.

Was unterscheidet Sony EyeToy und Nitendo Wii von Microsoft Kinect?

Der zweite Teil zeigt, wie einfach mittlerweile die Programmierung dieses technisch so anspruchsvollen Themas ist.

Mit Live-Programierung!

Der nächste Vortrag in Bier&Informatik findet am 16. Mai 2013 wieder bei uns in Unterhaching statt.

Es geht um:

“Ubuntu & Android im Business Einsatz
Der Praxis-Test – Was können die Windows Alternativen wirklich? Features, Probleme und Lösungen im Überblick.

Alexander Jachmann (IF-Tech AG) wird uns an diesem Donnerstag über den aktuellen Stand berichten. Und natürlich gibt es im Anschluss wieder Bier&Leberkäs.