Klaus Hnilica
Donnerstag, der 30. Mai 2013

Schlafen oder Wachen – Carls mühsamer Weg zu Friedrich Schiller

Carl und Gerlinde (XXXI)

Ausgerechnet am Freitagabend wurde Carl von Gerlinde und Hannelore zu Schillers ‚Maria Stuart’ – ins Schauspielhaus – geschleppt!

ZBimg071Schlimmer konnte es der bedauernswerten Maria Stuart auch nicht gegangen sein: denn Carl wurde nicht nur exakt zwischen die beiden bildungshungrigen Theaterenthusiastinnen in einen engen Folterstuhl mit beklemmend geringer Beinfreiheit gepresst, sondern zusätzlich noch wie auf einem mittelalterlichen Pranger einer feixender Schülerhorde als abschreckendes Entzugsobjekt vorgeführt, da deren schnelle Gehirne längst mitbekommen hatten, was Gerlinde und Hannelore nur in homöopathischen Dosen Carl mitzuteilen wagten, nämlich, dass die infernalische Aufgipfelung seiner Qualen ein zweieinhalbstündiger ‚Pilsentzug’ sein würde!

Die unfähige Theaterregie hatte nämlich nicht nur Maria Stuart entgegen allen gewerkschaftlichen Bestimmungen jede Art von Pause auf ihrem Leidensweg zum Schafott untersagt, sondern auch dem zahlenden Publikum! Und damit in einem Aufwasch Carls Entzugsschicksal besiegelt…

Und das am Freitagabend! Nach einer aufreibenden Woche gnadenloser Preisverhandlungen seiner Firma TRIGA mit vietnamesischen Unterlieferanten auf dem Sektor Herrenunterwäsche und Damenslips, an deren Ende sich Carl nichts anderes mehr wünschte, als drei Flaschen Bier, sein Sofa und eine stumpfsinnige Fernsehserie, die das vorabendliche Kurzschläfchen sicher stellte…

Kein Wunder, dass Carl, als er die ‚pausenlose’ Unverschämtheit der Theaterregie endlich auch von Gerlinde links und Hannelore rechts zugeflüstert bekam, aus Protest sofort in eine Art ‚Schlafstarre’ fiel, die darin gipfelte, dass er den gesamten ersten Akt des Schiller-Dramas durchschlief, ohne sich auch nur im Geringsten um die verheerende psychologische Wirkung auf die jungen Menschen um ihn zu kümmern…

Ja – er ließ sich nicht einmal durch die grauenhafte musikalische Untermalung zwischen den einzelnen Szenen beeindrucken, die aus einem ins Wahnsinnige gesteigerte, quietschenden Schabegeräusch von ‚Kreide auf trockener Tafel’ bestand, das nicht nur allen Zuschauern vom Rücken abwärts alles zusammenzog, sondern auch sämtliche Hörgerätträger in den Tinitus trieb… Leider zeigte diese geisterbahnartige Geräuschkulisse mit fortschreitender Dauer dann doch auch bei Carl Wirkung: sein Schlaf gestaltete sich zunehmend unruhiger als daheim vorm Fernseher, mit der Folge, dass er einige Male recht rüde vom Bühnengeschehen gestört wurde! Insbesondere von dieser riesigen, knarrenden, hin und her schwenkenden schwarzen Wand! Ein grotesker Regieeinfall!

Vermutlich um das Bühnenpersonal vorausschauend ausdünnen zu können, wie Carl im Halbschlaf murmelte, indem gezielt alterschwache Schauspieler zwischen Bühnenrand und ‚Schwenk–Wand’ zu Tode gequetscht wurden – oder zumindest verstümmelt, wie dieser Mortimer, der aber trotz seiner korkenzieherartigen Leibesverkrümmung weiterhin zäh am Leben zu hängen schien und der tödlichen ‚Schwenk–Wand’ unermüdlich auswich…

Die bedauernswerte Maria Stuart hatte wohl nicht soviel Glück gehabt: ihr Oberkörper war bereits bei ihrem ersten Erscheinen arg nach vorne gequetscht! Was schmerzhaft gewesen sein musste…Nur Königin Elisabeth war verschont geblieben, sie stolzierte aufrecht und gelassen über die Bühne; ihrem panzerartigen Reifrock konnte die tödliche ‚Schwenk–Wand’ offensichtlich nichts anhaben!

Besonders ärgerlich empfand Carl, dass bei dieser unseligen Freitagabendinszenierung alle Schauspieler plötzlich vom Publikum gehört und verstanden werden wollten! Denn entgegen der bisherigen Gepflogenheiten sprachen sie nicht mehr mit dem Rücken zum Publikum in den hinteren Bühnenraum hinein, wo kein Mensch war, sondern ratterten ihre Schillertexte wie Maschinengewehrsalven derart laut ins Publikum, dass sie Carl bis in den Schlaf hinein verfolgten…

Nur die böse Königin Elisabeth, hatte Mitleid: sie flüsterte hartnäckig in Richtung Beleuchtung. Natürlich tat sie das nicht aus Respekt vor Carls Schlaf, sondern bestimmt aus Scham wegen ihres giftgrün geschminkten Gesichtes. Vermutlich hoffte sie unentdeckt zu bleiben? Eine folgenschwere Fehleinschätzung: denn Mortimer erspähte sie in ihrem pinkfarbenen Reifrock blitzschnell zwischen der hin und her schwenkenden Wand und machte sich nach ein paar hübsch gereimten Frechheiten auch sofort über sie her. Rücksichtslos griff er ihr trotz Geflüster und Reifrock ohne lang zu Fackeln dreist in den Schritt!

Das war unerhört, wie Carl in einem der wenigen wachen Momente, im Gegensatz zu Gerlinde und Hannelore, fand; eine skandalöse Schweinerei! Schließlich saß viel junges Volk vor ihm, das bei dieser Szene recht irritiert kicherte! Der Bursche schräg vorne grinste sein Nachbarmädchen besonders dreckig an!

Und als sich Elisabeth – immer noch flüsternd – zu allem Überdruss auch selbst zwischen die Beine langte, wurde die Sache echt oberpeinlich! Die zwei blutjungen Mädels links vor ihm schauten verlegen auf den Boden! Carl war richtig froh, dass sich in dieser peinlichen Situation die rechtwinklig hingequetschte Maria Stuart mühsam für einen Augenblick aufrichten konnte und Königin Elisabeth strafend zuschwallte…

Einige Schüler wurden unruhig! Sie brauchten eine Zigarette! Genau wie Carl sein Pils! Aber nein, die geile Elisabeth wich nicht! Selbst die schwarze Wand war plötzlich bedeutungslos: Elisabeth stand unerschrocken in ihrem Reifrock da, total grün im Gesicht, von allen verlassen und hätte in diesem Moment ihr Gesicht bestimmt auch tief rot einfärben lassen, wenn ihr das irgendwie weiter geholfen hätte, oder auch gelb, oder blau, oder pink getupft…

Nur nicht schwarz! Diese Farbe schien ihr abhanden gekommen zu sein; vielleicht auch wegen der bedrohlichen Wand, die eh ausreichend schwarz war, dachte Carl hellwach, da das kühle Pils quasi schon gegen sein Gaumenzäpfchen schwappte… Beim Pils würde ihm bestimmt auch einfallen an welche aktuelle Politikerin ihn diese vereinsamte Elisabeth erinnerte, sagte er halblaut zu Hannelore, als endlich das Licht anging…

Natürlich bedeutete das Pils im ‚Fundus’ nach dieser Kulturtortur nicht nur für Carl eine Erlösung! Das Lokal war brechend voll und alle labten sich bei Wein und Wasser wie nach einer langen Hungerperiode an den teuersten kulinarischen Leckereien des Restaurants. Schiller und seine Verse waren vollkommen vergessen! Auch die tote Maria Stuart und die böse Königin Elisabeth! Selbst Hannelore und Gerlinde kicherten nur noch über die verschrobenen Paare an den Nebentischen – und Carl genoss unbehelligt bereits sein drittes Bierchen, ja er überlegte sogar, ob nicht wenigstens er Friedrich Schiller seine Referenz erweisen – und eine tüchtige Portion dieser köstlichen ‚Schillerlocken’ bestellen sollte?

KH

Hier meine Tweets der letzten Woche zum Thema:
Bloggen und Twitter, Weisheiten und Regeln

130523 Was du tust, bedenk das Ende – durch Twitterer und Blogger. #Twitter #Bloggen #Weisheit

130524 Was ein Dorn werden will, spitzt sich früh – so ist es auch beim Twitterer und Blogger? #Twitter #Bloggen #Weisheit

130525 Was ein Haken werden will, krümmt sich beizeiten – gilt auch für Blogger und Twitterer! #Twitter #Bloggen #Weisheit

130526 Was einer braut, das muss er auch trinken können – auch der Blogger und Twitterer! #Twitter #Bloggen #Weisheit

130527 Was einer nicht ist, kann er noch werden – so auch der Twitterer und Blogger? #Twitter #Bloggen #Weisheit

130528 Was einer tun darf, dürfen andere sagen – auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

130529 Was einer wert ist, das widerfährt ihm – dran denken beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

Jeden Tag kommt ein neuer Tweet dazu. Siehe unter twitter.com und “follow” RolandDuerre!
Viel Spaß beim Folgen!

RMD

P.S.
Die Sprichwörter habe ich auf Alle deutsche Sprichwörter gefunden.

Roland Dürre
Mittwoch, der 29. Mai 2013

Referent zu Craftsmanship: Bernd Fiedler im IF-Forum

Kristin BlockBernhard Findeiss und Dr. Elmar Jürgens als ReferentInnen bei unserem Workshop CRAFTSMANSHIP am 13. Juni 2013 ab 13:00 bei uns in Unterhaching habe ich schon vorgestellt.

berndzeigt-300x200Heute stelle ich Bernd Fiedler vor. Er wird uns über ein zentrales Thema des „Craftsmanship“ berichten:

„Master and Apprentice“
Erfahrung, Technologie, Kultur, Tradition, „Schule“ …

Die Beziehung zwischen Meister und Schüler dürfte so alt sein wie die Menschheit. Schon in der Antike wird immer wieder berichtet wie Meister ihren Schülern nicht nur Technologien und  Erfahrungen weitergeben. Vielmehr sind sie die Bewahrer von Kultur und Vermittler von Sinn. Besonders geben Sie auch Werte wie „Werkstolz“ weiter.

Das Finden neuer Wege um Probleme zu lösen und die Weitergabe dieser an Dritte gehört zur elementaren Identität des Menschen. So entstehen Traditionen, aus denen sich besondere „Schulen“entwickeln können. Im Mittelalter entstanden so Zünfte, in der Renaissance Künstlerschulen wie die des Michelangelo, Tizian oder Rafael. Der Stolz war groß, da dabei gewesen zu sein.

Heute gibt es Schulen mit besonderer Leuchtkraft wie Oxford, Harvard und die Sorbonne, in Deutschland der TUM. Angesichts solcher Namen wird leider der große Wert unseres „dualen Systems der Berufsausbildung“ zu leicht vergessen. Obwohl dieses gerade in anderen Ländern hoch geschätzt wird und vielerorts als (nur schwer zu erreichendes) Vorbild dient.

All dies lebt von der Beziehung zwischen Meister und Schüler auf. Hier erfolgt der Wissensübergang, der modellhaft aus den vier klassischen Phasen des Wissenstransfers besteht, die heißen: Internalisierung, Externalisierung, Kombination und Sozialisation.

berndzeichnet-300x200Die erste große Herausforderung ist es, sich des Wissens bewusst zu werden. Und zwar nicht nur des verbal kommunizierbaren sondern auch des unbewussten Wissens und Könnens, das man sich durch Aufnahme, eigene Erfahrung und innigste Übung angeeignet hat. Beides entsteht in einem unendlich langen, kontinuierlichen und nie endenden Verbesserungsprozess, der auch auf Versuch und Irrtum aufbaut.

Ein wahrer Meister hat sein Leben lang ständig nach Perfektion gestrebt. Daher ist sein implizites Wissen ein wahrer Erfahrungsschatz. Wir erleben dies heute überwiegend in künstlerischen Berufen. In vielen industriellen Berufen und mittlerweile auch bei „Wissensanbietern“ wird dies aber immer mehr durch Standards eingeschränkt.

Unter anderem wird der Vortrag folgende Topics streifen:

Formen des Wissenstransfers • Anleihen aus der Geschichte • Unterstützung durch Visualisierung • Powerpoint • Grafiken • Mindmaps • Landkarten

Und Fragen stellen und versuchen zu beantworten wie:

  • Welche Schlüsse können wir für uns daraus ziehen?
  • Können wir komplexe Themen hierbei besser vermitteln?
  • Wie kann die Vermittlung von wichtigem Erfahrungswissen besser unterstützt werden?

Zur Person:

Bernd Fiedler beschäftigt sich seit 1999 in verschiedenen Funktionen mit Wissensmanagement. Er ist Autor diverser Publikationen, zuletzt hat er „Von der Mindmap zum Prezi – Neue Wege der Visualisierung im Wissensmanagement“ veröffentlicht. Er ist zertifizierter Business Warehouse Berater (SAP) und Mitglied der Gesellschaft für Wissensmanagement (GfWM). Dort moderiert er die lokale Regionalgruppe München.

Als Lehrbeauftragter für Wissensmanagement wirkt er an der Hochschule Augsburg. Als Referent spricht er laufend auf diversen Konferenzen (u.a. KitKon, DNUG, Wissenstagung, BitKom). Seine Profession ist Projektleiter für Intranets und Mitarbeiterportale. Seit Anfang 2012 ist er Mitglied der Geschäftsleitung der datac – Kommunikationssysteme GmbH – dort zuständig für Wissens-, Qualitäts- und Personalmanagement.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 25. Mai 2013

Was ich nicht mag #30 Apple und die Steuern

Apple mag ich nicht mehr so sehr. Aber nicht wegen der Optimierung von Steuern, sondern weil sie immer mehr in eine proprietäre Welt gehen und ihre technologische und wirtschaftliche Macht unredlich einsetzen. Der Konzern hat sich verändert. Wie offen war doch so ein OS früher mal. Und heute?

Was ich aber gar nicht mag, ist dass die „Welt“ jetzt  Apple so schilt, nur weil sie dem US-Fiskus ein paar Milliarden vorenthalten haben. Ganz einfach, indem sie einen Teil ihrer Gewinne regelkonform in anderen Ländern außerhalb der USA wie Irland versteuert haben. Dort war das billiger und so haben sie halt ein paar der Milliarden, die sie dem US-Fiskus vorenthalten haben, in andere Länder gebracht und bei dieser Transaktion auch für sich einige Milliarden eingespart.

Das war schlecht für den Haushalt der USA, aber gut für die Haushalte von Ländern wie eben Irland. Und gut für Apple, weil es einen Teil der ersparten Gelder wieder investieren kann und gut auch für die Aktionäre von Apple, weil sie so ein wenig mehr Dividende bekommen können.

Was ist da so schlimm daran?

Wir haben eine freie Wirtschaft. Wir denken global und wir leben von der globalen Arbeitsteilung. So operieren die großen Unternehmen auch global. Wenn diese die Regeln und Gesetze, die es hierzu gibt, einhalten – und zwar so wie sie geschrieben und gemeint sind – ist es OK. Werte wie „fair“ oder „anständig“ in die Handlungen eines Konzerns hinein zu interpretieren, das mag ja nett sein, bringt nichts. Denn dann bräuchte es keine Regeln sondern einen kategorischen Imperativ. Den haben wir aber in der Wirtschaft (vielleicht leider) nicht.

Und wenn es halt Länder mit unterschiedlichen Gesetzen gibt und das Geschäft weltweit ist, dann ist es das Recht und wahrscheinlich sogar die Pflicht der Verantwortlichen Manager und Vorstände, das – solange es innerhalb der Gesetze passiert – auch zu nutzen.

Und dann darf die „Welt“ nicht auf diese zeigen und sie beschimpfen. Nein, wenn dann muss sie auch sich selber zeigen. Und vielleicht die Regeln ändern. Ob es dann aber besser wird, weiß ich nicht.

RMD

Auf dem EU-Gipfel beschlossen: Jetzt soll das Bankengeheimnis in ganz Europa fallen. Bis Jahresende! (ARD)

Und als eine Begründung wird eine wie mir scheint „ganz neue aber eigentlich sehr alte Erkenntnis“ angeführt: Die großen Konzerne haben ihre Erträge (gesetzeskonform) dezentralisiert, um ihre Steuerschulden zu reduzieren. Allen voran die bösen Apples und Googles, aber natürlich auch die Unternehmen, die vom Copyright leben. Klar, die haben ja eine ganz besondere Erfahrung damit, komplizierte Regeln und Gesetze zu ihren Gunsten zu nutzen. Und alle sind zurzeit in großer Aufriegelung über die bösen Steuersünder-Unternehmen.

Aber:

  • War das nicht seit 1950 und wahrscheinlich auch schon früher so? Die großen deutschen DAX-Konzerne haben auch durch geschicktes Nutzen der Gesetze ihre Steuer reduziert. Und das wussten wir doch alle.
  • Ist nicht die gesetzliche Pflicht der Vorstände von Aktiengesellschaften, (auch steuerlichen) Schaden von dem von ihnen verantworteten Unternehmen abzuwenden?
  • Die Ursache von solchen Optimierungen liegt an unterschiedlichen Steuerregeln und -gesetzen in den verschiedenen Ländern. Eine logische Maßnahme wäre also eine Gleichschaltung der Steuergesetzgebung weltweit. Aber vor einer Weltregierung habe ich noch mehr Angst als vor der EU. So utopisch schön eine geeinte Welt wäre, so unheimlich ist mir die Macht eines solchen Systems.
  • Irland übrigens soll von den Apple-Maßnahmen unheimlich profitiert haben. Wenn wir Europa steuerlich gleich schalten, dann wäre auch Irland leer ausgegangen.

Es ist schon absurd. Alle reden vom „Datenschutz“. Aber wenn es um etwas intimes wie das private Konto geht, dann heiligt plötzlich der Zweck die Mittel. Und schon ist der Datenschutz futsch.

Ich bin absolut für Transparenz. Aber: „Transparenter Bürger“ kann (für den Bürger) nur gut gehen, wenn es auch einen „Transparenten Staat“ gibt. Denn Transparenz muss symmetrisch sein, gerade bei so ungleichen Machtverhältnissen wie zwischen Bürger und Staat. Denn der Bürger hat seinem Souverän, dem Staat ja alle Rechte abgetreten.

Bis zum „transparenten Staat“ ist aber ein weiter Weg. Und hätte auch kein Problem, meine Daten offen zu legen. Auch meine Kontodaten. Aber das geht nur bei symmetrischer Transparenz.

Vor der Allmacht des Staates habe ich immer noch mehr Angst als vor der Macht der Konzerne … Weil ich mich gegen diese leichter wehren kann als gegen den Staat – z.B. ganz einfach durch Konsumverzicht.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 23. Mai 2013

Die bösen Steuersünder …

Steuersünder werden heute besonders gern an den Pranger gestellt. Und Steuer-Vergehen werden wie aus einem Mund von Medien, Regierung, Gewerkschaften und sonstigen gesellschaftlichen Gruppierungen und natürlich auch den einfachen Bürgern als etwas ganz besonders Schlimmes verurteilt.

Oft habe ich den Eindruck, dass im diesem Moment der Zeiten die Steuerhinterziehung als das schlimmste aller kriminellen Delikte verurteilt wird.

Da fällt mir Bert Brecht und seine Dreigroschenoper ein. Am Schluss kommt der Bote des Königs und wendet das Schicksal des Verurteilten durch die Begnadigung des Königs ab. Der Chor rät dem Publikum, nachdem Mackie Messer absurderweise auch noch in den Adelsstand erhoben worden ist

„Bestraft das Unrecht nicht zu sehr!“

Ich meine, das sollte auch für Steuersünder gelten. Gerne sollen sie ihr erschwindeltes Geld dem Staat zurück erstatten müssen. Auch gerne mit Zinseszins. Aber ansonsten verdiente Menschen und Mitbürger würde ich nicht gleich kriminalisieren wollen.

Ergänzend ein paar Gedanken, wie es so einem Steuerzahler in Deutschland geht. Zuerst erstelle ich eine (vereinfachte) Rechnung für einen Unternehmer bzw. Aktionär:

Ein Unternehmen zahlt in Deutschland immer noch ein knappes Drittel an ertragsabhängigen Steuern. Dies sind Gewerbe- und Einkommenssteuer, wobei die Höhe der Gewerbesteuer vom Standort abhängig ist. Bei einem Unternehmensergebnis von 120.000 €  gehen circa 40.000 EURO an den Staat, im Unternehmen bleiben 80.000.

Wenn davon die Hälfte – gleich 40.000 € – ausgeschüttet wird, bekommen die Aktionäre knapp drei Viertel (30.000 €), ein gutes Viertel (10.000 €) wird wieder an den Staat überwiesen.

Wenn der Aktionär sich für diese 30.000 € zum Beispiel einen BMW kauft, beträgt die Mehrwertsteuer 19 % auf Hundert. Beim Staat landet so nochmal ungefähr 1/6 EURO 5.000 €

Ein anderes Beispiel zeigt, wie es einem Angestelltem der Kategorie „Gutverdiener“ geht:

Als „Gutverdiener“ nehme ich mal einen Single, der 80.000 € Jahresgehalt hat. Der muss von seinem Gehalt zuerst mal die Steuer abgeben. Das sind an Einkommenssteuer 25.404 € und an „Sozi“ 1.397 €. Dazu kommen noch die Sozialversicherungsabgaben, die zum Beispiel bei der Sozialversicherung bis zu einer Bemessungsgrenze von 58.500 € erhoben werden. Wenn unserem Gutverdiener netto die Hälfte seines Bruttogehaltes bleibt, kann er sich glücklich schätzen. Und dabei sollte man nicht vergessen, dass der Arbeitgeber auch noch mal einen Beitrag zu den Sozialversicherungskosten beiträgt.

Die Grenze dazwischen Steuern und Sozialabgaben ist nach meiner Meinung sehr fließend. Z.B. werden Steuern und Rentenbeiträge für soziales und die Altersversorgung von Menschen eingesetzt.

Unser „Gutverdiener“ kann mit dem verbleibenden Netto-Einkommen Verschiedenes machen:

So kann mit seinem gut versteuerten Geld einkaufen gehen. Dann zahlt der „Gutverdiener“ Mehrwertsteuer (19 % oder 7 % auf  dem Hundert). Wenn er eine Haushaltshilfe beschäftigt, muss diese auch wieder „Lohnsteuer“ und soziale Abgaben zahlen (und er ihr deshalb ein wenig mehr zahlen). Wenn er sein versteuertes Geld als Rücklage fürs Alter anlegt, zahlt er für den Zins, den er für seine versteuerte Geldanlage bekommt, noch mal Kapitalsteuer. Obwohl der Zins in der Regel niedriger ist als die (nominelle) Geldentwertung.

Trotzdem gibt es eine vielleicht ansonsten ganz vernünftige Partei, die die Steuer für „Gutverdiener“ wieder kräftig erhöhen will. Und dies ohne einer der Inflation folgend dynamisch angepasste Obergrenze für „Normalverdiener“! So dass die „Normalverdiener“ ganz schnell „Gutverdiener“ und dann so richtig zur Kasse gebeten werden.

Ist das alles so sinnvoll? Da könnte man doch auf böse Gedanken kommen …

RMD

P.S.
Liebe Wirtschaftsprüfer, bin froh wenn Ihr mal auf die von mir genannten Zahlen schaut, ob da alles richtig ist. Habe die einfach mal nach meinem aktuellen Wissen so runter geschrieben.

Hier meine Tweets der letzten Woche zum Thema:
Bloggen und Twitter, Weisheiten und Regeln

130516 Was dreie wissen, erfahren bald dreißig – durch Twitterer und Blogger. #Twitter #Bloggen #Weisheit

130517 Was du einbrockst, mußt du ausessen- Schicksal der Twitterer und Bloggers? #Twitter #Bloggen #Weisheit

130518 Was du heute tun kannst, verschiebe nicht bis morgen – gilt auch für Blogger und Twitterer! #Twitter #Bloggen #Weisheit

130519 Was du nicht haben willst, das suche nicht – auch beim Bloggen und Twittern! #Twitter #Bloggen #Weisheit

130520 Was du nicht heben kannst, lass liegen – so auch der Twitterer und Blogger? #Twitter #Bloggen #Weisheit

130521 Was du tun musst, das tue gern – auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

130522 Was du tun willst, das tue bald – dran denken auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

Jeden Tag kommt ein neuer Tweet dazu. Siehe unter twitter.com und “follow” RolandDuerre!
Viel Spaß beim Folgen!

RMD

P.S.
Die Sprichwörter habe ich auf Alle deutsche Sprichwörter gefunden.

Roland Dürre
Mittwoch, der 22. Mai 2013

PM – neu gedacht!

Projekt ≠ Projekt.
Projektmanagement ≠ Projektmanagement.

Stefan Hagen hat in seinem PM-Blog einen Artikel mit obiger Überschrift veröffentlicht, der für mich so etwas wie ein „revolutionärer Meilenstein“ in der Betrachtung von (Projekt) Management ist.

Stefan räumt da durch aufgeklärte Aussagen mit manchen Glaubenssätzen (Dogmen) des Projekt Management aus dem vergangenen Jahrhundert (Jahrtausend) gründlich auf.

Dieser Artikel hat mich begeistert, so habe ich ihn auch gleich in pm-blog.de kommentiert. Meine Anmerkungen gebe ich hier sinngemäß aber noch mal (deutlich) verändert wieder.

Zuerst zitiere ich aus Stefans Artikel:

„Wir tun so, als ob es eine einheitliche Definition von “Projekt” oder “Projektmanagement” gäbe. Dies zu glauben, ist absurd“.

Nicht nur mit diesem Satz trifft Stefan den Nagel auf den Kopf. Stefan stellt in seinem Artikel viele gute Fragen – und gibt erste Antworten. Es ist alles so verständlich, dass man geneigt ist, sich zu fragen, warum denn noch so viele Manager an den alten Dogmen festhalten.

Die Antwort erscheint mir klar. Dogmen, auch wenn sie noch so überholt sind, haben einen großen „Vorteil“:

Sie machen das Leben für uns Menschen einfacher, besonders wenn es um die Bewertung von komplexen bis paradoxen Situationen geht. Basierend auf Dogmen kann man ohne viel Nachzudenken quasi nach „Schema F“ entscheiden. Der in Entscheidungssituationen oft sehr einsame Mensch findet Halt und reduziert so seine natürliche (und gesunde) Unsicherheit.

Dogmen entlasten auch unser Gewissen. Auch wenn das Ganze schief geht, haben wir ja „alles richtig“ gemacht. Haben wir doch genauso wie gehandelt, wie wir es gelernt haben: Konform dem entsprechenden Standard, für den wir ja erfolgreich zertifiziert wurden. Also sind wir am Scheitern und/oder den schlimmen Folgen des Projektes unschuldig …

Das oft eingeübte Handeln nach Dogmen schützt uns und macht das Leben einfacher. Verantwortung wird abgegeben an eine als übergeordnet akzeptierte Instanz eines vielleicht plausiblen Regelwerks. Das kommt quasi „von oben“ und wird schon stimmen. Oft wird man sogar von einem anonymen System dazu gezwungen und kann eh nicht viel machen.

So darf man sich nicht wundern, dass Glaubenssätze und Dogmen bei vielen Menschen sehr beliebt sind. Die dürfen nur nicht beginnen, die Dogmen zu hinterfragen. Dann verlieren sie oft ganz schnell den Glauben an die Welt und es ist Schluss mit lustig. Also besser nicht viel nachdenken …

Denn:

Glaubenssätze sind fast immer starr und überholt. Sie werden dem dynamischen und doch sehr komplexen realen Leben wie auch den Bedürfnissen der Menschen in sozialen Gemeinschaften nicht gerecht. Und das gilt dann meistens auch für auf solcher Basis erfolgte Entscheidungen und Handlungen.

Voraussetzung für „richtige“ Entscheidungen und „gutes“ Handeln sind Menschen, die über eine gute Ausbildung, das richtige Quantum an Lebens-Erfahrung, eine hohes Maß von Autonomie gepaart mit Zivilcourage (Bürgermut), die Bereitschaft zur Übernahme von Eigenverantwortung und einen gesunden Menschenverstand verfügen.

Genau dies fordert Stefan in meiner Lesart für Projekt Management ein!

Autonomes, eigenverantwortliches und „gutes“ Handeln fällt aber nicht vom Himmel. Nicht bei (Projekt) Management und nicht im Leben.

So ist für mich die größte Herausforderung für uns Menschen, willens und fähig zu sein (zu werden), unser Leben eigenverantwortlich zu führen. Und dies sittlich verantwortet nach Werten, die allen Menschen gemein sind, wie die Goldene Regel oder die UNO-Charta.

Und wie fürs Leben allgemein gilt dies auch für unsere „Sub-Leben“ in Rollen wie Projekt Manager, Führungskraft, Unternehmer, Partner, Familienvater, Funktionär, Politiker, also generell im Rahmen des sozialen Zusammenleben in Gemeinschaften („communities“).

RMD

P.S.
🙂 Im Artikel habe ich schweren Herzens verzichtet, die Dogmen (Glaubensätze) der katholischen Kirche als Beispiele anzuführen …

IF-Blog ist einer der wenigen Münchner Blogs, den es überwiegend in Deutsch und Englisch gibt. Das verdanken wir und ich unserer Evelyn (EG), die die meisten meiner und des Teams Artikel zeitnah und mit hohem Tempo ins Englische übersetzt. Sie macht das aus Freundschaft zu uns und aus Freude an der englischen Sprache.

Ich kann Evelyn nur immer wieder ganz herzlich danken!

Aber die Evelyn hat unter anderem noch ein zweites und ganz besonderes Interessensgebiet. Das übt sie mit großer Leidenschaft und hoher Professionalität aus. Gemeinsam mit ihrem Sohn singt sie in verschiedenen Chören. Und jetzt  haben sich die beiden einem ganz besonderen Chor angeschlossen, den

arcis vocalisten

unter Leitung von Thomas Gropper.

Da das Bild ein wenig älter ist, findet man unsere Evelyn und ihren Sohn Martin leider noch nicht.

Ende Juni planen die arcis vocalisten ein neues und ganz besonderes Projekt. Nach zahlreichen Aufführungen in den letzten Jahren in gekürzter oder deutsch gesungener oder/und mit heutigen Instrumenten begleiteter Version musizieren die arcis vocalisten Georg Friedrich Händels bekanntestes Oratorium erstmals komplett, ungekürzt, im englischen Original und mit historischen Instrumenten, nämlich L’arpa festante!

Am Samstag, den 29. Juni findet die erste Aufführung im Christuspavillion von Kloster Volkenroda in Thüringen statt. Veranstalter ist dort die Jesus-Bruderschaft Volkenroda.

Einen Tag später, am Sonntag den 30. Juni um 19 Uhr hat der Chor ein „Heimspiel“. Dann können wir das Werk in der Himmelfahrtskirche in München-Sendling (Kidlerstr.) genießen.

Solisten sind Hanna Herfurtner – Sopran, Franz Schlecht – Bass, Robert Sellier – Tenor und Andreas Pehl – Altus. Die Leitung hat Thomas Gropper. Um 18 h, eine Stunde vor Konzertbeginn, findet eine 30minütige Konzerteinführung im Kirchenraum statt.

Händel schafft im MESSIAH einen dreiteiligen Bilderbogen über die Gestalt des Erlösers, die Ankündigung der Christgeburt, das Weihnachtsgeschehen, die Passion und die Auferstehung. Die filigranen und leidenschaftlichen Chorsätze bilden das Rückgrat des Konzerts.

Jetzt heißt es ganz schnell den Terminkalender prüfen und dann Karten bestellen!

RMD

Roland Dürre
Montag, der 20. Mai 2013

#barcamp&#pmcamp: Warum ich hingehe!

🙂 Große Ereignisse werfen ihren Schatten voraus:

Mindestens noch vier PM-Camps werden in diesem Jahr stattfinden.

Nach der tollen Veranstaltung in Stuttgart #pmcamp13str vom  3./4. Mai 2013 geht es nach in Wien zum #pmcamp13vie vom 21. / 22. Juni 2013, nach Bad Homburg zum #pmcampRM vom 27. – 29. Juni 2013, nach Berlin zum #pmcamp13ber vom 13.-15. September und am Jahresende findet dann die „Mutter“ aller PM-Camps #pmcamp13 in Dornbirn vom 14. – 16. Nov. 2013 statt.

Zur Definition:
Ein PM-Camp ist nichts anderes als ein Barcamp, auf dem sich Projekt Manager, Unternehmer, Führungskräfte, Studenten und verwandte Geister treffen.

Aus diesem Anlass starte ich in IF-Blog eine kleine Serie zu barcamps und PM-Camp im besonderen.

Heute Teil 1:

Warum ich hingehe!

Ich bin 1950 geboren. Meine Generation hat in einer guten Zeit gelebt. In unserer Heimat in Mitteleuropa haben wir einen in der Geschichte der Menschheit nie erreichten Wohlstand erlebt. Wir durften in einer freien Gesellschaft heranwachsen. Unterdrückung und Zwänge reduzierten sich zumindest auf ein verträgliches Maß; Bildung war für die meisten von uns ein erschwingliches Gut. Und vor allem – wir haben auf unserem Boden keinen aktiven Krieg erlebt!

Sicher war nicht alles gut. Negativ war der Konsumterror, der in der Zeit des Wirtschaftswunders geboren wurde und dem auch wir klammheimlich verfielen. Die einzige unnatürliche Bedrohung für unser Leben war der Straßenverkehr, der viele Opfer, Verletzte und Tote (auch in unseren Reihen forderte). Irrsinnigerweise nahmen wir diese aber billigend als zwangsläufigen Folge unserer vermeintlich neuen Freiheit in Kauf.

Unter dem Strich haben ich und meine mitteleuropäische Generation in einer Zeit gelebt, in der es uns so gut ging wie wohl nie zuvor. Zumindest nehme ich das so wahr. Dafür möchte ich mich bedanken und meine Erfahrung und mein Wissen soweit irgendwie möglich an viele Menschen weitergeben.

Gleichzeitig hat meine Generation diesen Planeten geschädigt wie keine zuvor. Ich meine, dass wir dies zwar nicht vorsätzlich aber zumindest extrem grob fahrlässig begangen haben. Denn das Wissen von heute (siehe Club of Rome und weitere) gab es schon. Da gäbe es einiges wieder gut zu machen, das wir aber nicht schaffen werden. Daraus ergibt sich für mich eine Verpflichtung, auch unsere Fehler zu berichten. Denn auch aus Fehlern kann man lernen.

So halte ich Vorträge besonders gerne für junge Menschen. Aber die beste Möglichkeit, Erfahrungen weiterzugeben und gleichzeitig an seinen Konstrukten arbeiten zu können, sind derzeit barcamps.

Deshalb gehe ich, so die Zeit es zulässt, gerne auf Barcamps und natürlich besonders gerne aufs PM-Camp.

RMD

P.S.
Habe vor, die Folge fortzusetzen mit Themen wie
Was erlebe ich auf einem PM-Camp!
Was bringe ich mit zum PM-Camp!