Roland Dürre
Donnerstag, der 31. Oktober 2013

Impressionen aus Bombay und Indien

Zwischen den Extremen!

Hier der erste eher ausführliche Bericht über meine letzten drei Tage in Indien.

Im Rahmen der Besinnung auf „nationale Identität“ heißt Bombay seit einiger Zeit nicht mehr Bombay sondern Mumbai. Auch andere bekannte Orte oder Einrichtungen in Mumbai wie die Victoria Station oder der Fruchtmarkt haben einen indischen Namen bekommen. Nur nehmen das auch die jungen Inder mehrheitlich nicht so ernst und nennen den schönen Bahnhof aus der Zeit von Queen Victoria trotzdem immer noch Victoria Station.

Die Renationalisierung Indiens kann ich ein wenig verstehen. Immerhin wurde das große und sicher auch heute sehr mächtige Indien ja erst 1947 unabhängig  und hat sich doch erst recht spät als eigenständige Nation gegründet. Indien hat ja auch die erste Abspaltung (Bengla Dash) hinter sich und so in gewissem Sinne eine komplexe Geschichte. Und hat es insgesamt ja auch alles andere als leicht. Trotzdem finde ich diese neue Namensgebung ein wenig albern, ist doch die Amtssprache in Indien Englisch, und die Inder sind durchaus stolz darauf, dass so viele von ihnen recht gut englisch sprechen.

Auf ihr Bier, ihren Wein und ihren Whisky lassen meine indischen Freunde auch nichts kommen. In Mumbai wie wohl in den meisten indischen Bundesstaaten gibt es so etwas nur im Alkohol-Shop zu kaufen. Nur eine kleine Zahl der Restaurants haben Alkoholisches auf der Getränkekarte.

Dass der Umgang mit Alkohol in Indien anders gelebt wird, bemerke ich dann auch am Schwimming-Pool der sehr westlichen Wohnanlage, in der mein Sohn mit seiner Frau wohnt.. Nach dem ersten langen Tag (Montag) nach wegen Anreise kurzer Nacht gehe ich am Nachmittag zum Swimming-Pool dieser Wohn-Anlage. Shopping war anstrengend 😉 so will ich die letzte Sonnenstunde am Spätnachmittag nutzen, denn auch in Mumbay wird es früh dunkel.

So schwimme ich ein paar Runden im warmen Wasser, lege mich dann auf die Liege, genieße die Restsonne kurz vor ihrem Verschwinden und lese ein wenig. Dazu hole ich die kleine Flasche Bier aus meiner Tasche heraus, die ich dem Kühlschrank meines Sohnes entnommen hatte, um mit dem Inhalt derselbigen den Genuss meiner Lektüre zu erhöhen. Ein kulturelles Missverständnis, wie sich gleich herausstellt. Denn schon kommt ein uniformierter Mensch und weist mich, in vorbildlichen Englisch, darauf hin, dass am Pool kein Alkohol und so auch kein Bier getrunken werden dürfe.

Obwohl dies auf der langen öffentlichen Verbotsliste (Nutzen des Schwimming-Pools ohne Nutzung einer Schwimmkappe verboten, nicht hineinspringen, vor dem Benutzen des Pools Duschen und eben das Übliche) nicht droben stand. Natürlich akzeptiere ich das Verbot freundlich und lehre die Flasche anschließend nur sehr diskret aus, indem ich sie in meinem T-Shirt eingewickelt zum Mund führe.

Wie überall in Indien in Service-Bereichen gibt es auch beim „B-Club“ der Wohnanlage mehr Menschen, die adrett in Uniform gekleidet sind und arbeiten, putzen, kehren und fegen, als Gäste. Oft weiß man gar nicht was sie tun. Ein paar davon müssen halt aufpassen, dass die Gäste nichts Unrechtes machen. Anschließend waren wir in einem richtigen indischen Lokal zu Abendessen, es wurde noch ein schöner Abend.

Am zweiten Tag (Dienstag) geht es mit „Reality Tours“ in den bekanntesten der Slums von Mumbai, Dharavi. Der Slum liegt „natürlich“ begrenzt zwischen Eisenbahnlinien und Autobahnen.

Wir sind eine  ganz kleine Gruppe, nur zu viert. Außer uns ist Françoise mit von der Partie. Françoise ist eine 81-jährige Französin aus Paris. Sie hat die ganze Welt bereist und ist immer noch in einer NGO aktiv. Unsere kleine Gruppe wird von einem kompetenten Führer betreut. Françoise weiß auch über erstaunlich vieles Bescheid und stellt unserem Führer viele kluge Fragen. Auch für uns ist das sehr spannend.

Im Slum wird hart gearbeitet. Selbstorganisation und „Gemeinschaft bilden“ sind die Stärken der Menschen hier. Sie sind stolz auf den Umsatz, den sie gemeinsam schaffen. Der Slum ist eine Stadt in der Stadt. Er hat eine Million Einwohner und vieles ist ganz anders als ich in mir vorgestellt habe. Die sanitären Bedingungen sind schwierig, die Versorgung mit Wasser und Strom ist nur partiell gewährleistet.

Dennoch ist es im Slum sauber und es scheint sehr geordnet zuzugehen. Ich kann mir vorstellen, dass dort ein enormer sozialer Druck auf den einzelnen vorhanden ist. Man wird dort nicht reich, aber es lässt sich aushalten. Vorausgesetzt man mag es eng und man mag „community“. Und im „slum“ zu leben soll viel besser sein, als auf Straße zu Hause zu sein. Und da gibt es viele Menschen

Auch in der „Slum-Stadt“ gibt es eine Stadt in der Stadt. Die ist auffällig dunkler, wohl auch ärmer. Sie erscheint deutlich weniger gepflegt. Hier ist es noch enger als im restlichen Slum. Und es soll für die Insassen nur eine Gemeinschafts-Toiletten-Anlage geben – mit entsprechend langen Wartezeiten. Es ist der islamische Teil des Slums. Unser Führer erklärt den Unterschied damit, dass hier auf das wichtige Gut „Bildung“ kein Wert gelegt werden würde.

Im Slum schweifen meine Gedanken in die Heimat. Man stelle sich vor, die (wahrscheinlich mehr als) 3,5 Millionen Arbeitslosen in Deutschland begännen sich zu organisieren … Allein wenn die mit ihren Familien geschlossen zur Wahl gehen und sich auf eine Partei einigen würden … Irgendwie erscheint mir vor diesem Hintergrund die Mindestlohndebatte in Deutschland ein wenig lächerlich. Sicher soll auch bei Entlohnung Fairness gelten. Nur scheinen mir die Probleme in Deutschland ganz wo anders zu liegen. Man könnte sie „Hochnäsigkeit“ nennen, oder auch Dummheit, weil wir nicht begreifen wollen (oder können), wie es in der Welt so läuft. Aber die ist global geworden – und wird auch zu uns kommen. Das sollten wir langsam kapieren, und auch bereit sein, für ein anständiges Verhalten ein wenig unseres Wohlstandes aufzugeben.

Slum anschauen war anstrengend. So machen wir am Nachmittag eine Ruhepause und gehen am Abend mit Tochter und Schwiegertochter  zur Reitbahn. Dort treffen wir die Reichen und die Schönen. So ist das – die Armen schuften in den Slums und die Reichen vergnügen sich beim Reiten.

Die Reichen verlassen Bombay auch am Wochenende. Zum Beispiel fliegen sie zur Naherholung kurz mal nach Goa (600 km entfernt, so vergleichbar die Entfernung von Berlin nach München). Da Goa so schön sein soll, werden wir das auch machen. Allerdings haben wir davor noch einen Tag in Bombay. Da wollen wir ganz in der Früh eine geführte Radtour unternehmen und dann mit dem Schiff vom „Gate“ zur Elefanten-Insel fahren.

Die Radtour am Mittwoch durch Bombay war Klasse, ich kann sie nur empfehlen. Man trifft sich um 6:15, so früh wegen des Verkehrs und der Hitze. Bis um 10:00 sind wir unterwegs. Wir sind nur zu dritt, weil zwei weitere Gäste wohl wegen des frühen Starttermins abgesagt haben.

Auf dem Rad erleben wir Bombay so richtig intensiv. Wir sehen eine Moschee und einen Tempel – und ganz viele Märkte. Auf dem Fruchtmarkt beeindrucken uns die vielen exotischen Früchte, der Blumenmarkt ist einfach nur schön. Beim Fleisch wird es mir schon ganz anders und auch der Fischmarkt ist auch nur schwer zu ertragen. Ich begreife die Empfehlung, dass man sich in Indien vegetarisch ernähren sollte, wenn man nicht krank werden wolle.

Die Märkte sind alle vielfältig und bunt. Aber gerade der Fischmarkt ist laut und stinkend. Man muss ihn gesehen haben, aber vielleicht sieht man auch hier anschließend die Welt mit ein wenig anderen Augen.

🙂 Auch die Radtour wird von Reality-Tours durchgeführt, die die Slum-Tour organisiert haben. Es ist eine von vielen NGOs, die hier arbeiten. Die Überschüsse werden für diverse Projekte eingesetzt.

Zum Abschluss der Radtour gibt es ein vegetarisches indisches Frühstück. Das tut so richtig gut. Ich bin übrigens auf so einem typischen indischen Fahrrad geradelt – und muss sagen, dass dies trotz diverser Einschränkungen gar nicht so schlecht war. Zurückgelegt haben wir auch nur um die 10 km. Der Rest war „sight-seeing“ pur.

Nach der Tour holt uns unser Fahrer ab und bringt uns zum nächsten Ziel unserer Reise. Vom „Gate“ aus wollen wir ins Meer starten und die „Elefanten-Insel“ besuchen. Auf der Fahrt sehen wir wieder die übervollen Züge mit den außen an den Türen hängenden Menschen. Jeden Tag sterben aus diesem Grund in Mumbai zirka 10 Menschen, weil sie da eben auch mal herunterfallen. Aber das zählt hierzulande nicht.

Die Eisenbahnen, die ich hier sehe, fahren übrigens auf Breitspur wie in Russland und in China. Das heißt es sind auch deutlich breitere Wagen als bei uns in Deutschland. Und trotzdem reicht der Platz im Zug nicht aus.

Zur Elefanten-Insel gibt es nicht viel zu sagen. Die Fahrt mit dem Schiff hin und zurück (jeweils knapp 90 Minuen) lohnt den Ausflug an sich schon. Die Insel selbst ist – obwohl total touristifiziert – für den aus Bombay kommenden Reisenden eine Oase der Ruhe. Ihre Höhlen sind Weltkulturerbe und nett anzuschauen, da sie aber wohl im Mittelalter durch Militär zerstört und jetzt neuzeitlich einbetoniert worden sind, fand ich das ganze nicht so beeindruckend.

Was gibt es noch zu erzählen? Es ist um diese Jahreszeit angenehm warm in Bombay / Mumbai. Die Klima-Anlagen in den natürlich überhaupt nicht abgedichteten Häusern laufen aber auf Hochtouren, das tägliche „Frieren im Restaurant“ ist da nur eine der Kehrseiten.

Am vierten Tag unserer Reise geht es nach Goa, dem Traum wohl aller Hippies. Die Anreise ist spannend. Wir haben den Wecker ein bisschen zu spät auf 4:00 gestellt, um um 4:15 loszufahren. Dann stellen wir fest, dass der Flieger ausnahmsweise nicht um 5:50 sondern schon um 5:25 geht. Und die Aufzüge im großen Wohnturm (Marke Mitsubishi, glaub aber nicht, dass das die Ursache ist) sind nicht in Betrieb. Erstaunlich, für ein Gebäude mit 48 hohen Stockwerken. Auch erstaunlich, wie lange man braucht, um 30 (hohe) Stockwerke zu Fuß mit leichtem Gepäck nach unten zu bezwingen …

Aber irgendwie klappt es dann noch. Wir bekommen den schon aufgegebenen Flieger nach heftiger Intervention am Check-In nach Goa doch noch …

Von dort berichte ich dann weiter. Bilder folgen später.

RMD

„Gibt es dieses ‚Nordlicht’ wirklich oder nur beim Komasaufen?“ fragte Maria bewusst dümmlich in die schnatternde Runde im „Artemis Palace“ in der Gelnhäuser Straße, wo die schwitzende Stammtisch-Clique bereits gefühlte hundert Jahre auf ihr Gyros wartete…

Quarkteilchen_if_blog„Wie kommst du denn darauf – bei dieser Affenhitze?“ stöhnte Gerald neben ihr, mit einem kaum merkbaren Zucken um seine tropfnasse Oberlippe.

„Ja hat nicht gerade jemand am Tisch übers Nordlicht gelabert?“ wunderte sich Maria. Irritiert schwenkte sie ihre schwarze Haarpracht ins tosende Stimmengewirr.

„Nee“ blökte Gerald, während er ausgelaugt seine Stirne trocknete und das zweite Glas Bier killte, „ich hab nichts Nordlichtmäßiges gehört?“

„Hey – herhören, wer hat gerade ‚Nordlicht’ intoniert?“ trompetete Maria schrill in die wabernde Runde.

„Ich“, rief Kurt hinten von der Tischecke, „ich hab der Martha – quasi zur Abkühlung – von unserer letzten Kreuzfahrt zum Nordkap erzählt und von den irren Nordlichtern, die wir jeden Abend gucken mussten – echt der Wahnsinn!“

„Na siehst du – doch Nordlicht! Ich bin ja nicht taub! Aber du, Gerald, solltest dir vielleicht statt Biersaufen einmal deine Löffelchen durchpusten lassen, was hältst du davon?“

„Haha – sehr witzig“ nuschelte Gerald, trocknete sorgfältig sein verschwitztes Gesicht mit zwei Papiertaschentüchern und orderte gleich das dritte Bier da er schon einmal am Reden war …

„Und Kurt…weißt du jetzt wie so ein ‚Nordlicht’ entsteht?“ fragte Maria angriffslustig.

„Ja … oder vielmehr, nein!“, sagte der braungebrannte hoch aufgeschossene Kurt und verzog bedauernd sein feucht glänzendes Gesicht.

„Unser Reiseführer hatte es zwar dreimal am Tag erklärt, aber ich hab’s vergessen und auch nie richtig kapiert, wenn ich ehrlich bin. Auf jeden Fall hat es irgendetwas mit dem Erdmagnetfeld zu tun.“

„Und? Ist das alles?“ hakte Maria keck nach.

„Ja – mehr weiß ich nicht mehr, Frau Oberlehrerin…“

„Das ist ja weniger als Nichts, Herr Kurt… Wie war grad ihr Name?“

„Kannengießer“!

„Setzen – gibt eine Sechs, Herr Kannengießer!“

„Ich sitz ja schon“, lachte Kurt und wandte sich wieder seiner bunt bemalten Nordkap – Martha zu.

„Und – du Johannes, weißt du vielleicht wie dieses ominöse ‚Nordlicht’ zustande kommt?“ fragte Maria, nagend wie sie nun einmal war, plötzlich ihr Gegenüber, nachdem sie Johannes vorher kurz fixiert hatte.

Sie streifte dabei aufreizend eine ihrer schwarzen Haarsträhne hinter ihr abstehendes rechte Ohr und genoss die Verlegenheit, in die sie den ‚stillen Töpfer’, wie sie den Industriekeramiker spöttisch nannte, mit ihrer überraschenden Frage brachte.

Johannes war tatsächlich sehr schweigsam! Und unauffällig!

Die schütteren, schmutzig blonden Haare, kurz geschnitten, taten ein Übriges, wobei das großflächige Gesicht stark gewann, wenn er sein verschmitztes Grinsen aufsetzte.

Er war dreißig, Junggeselle und schaffte es trotz seiner zurückhaltenden Art bei jeder Stammtischrunde am dritten Freitag im Monat, Maria gegenüber zu sitzen; grad so als wollte er sicher stellen, dass wirklich alle ihre boshaften Giftpfeile wie beim heiligen Sebastian, ausschließlich in seinem Körper landeten und niemand anderen verletzten.

Vielleicht war das auch der entscheidende Grund, warum er immer noch in dieser Runde saß, seit ihn Kurt vor acht Monaten mitgebracht hatte: denn von der Firma Heraeus in Hanau war er zu einem zweijährigen Forschungsprogramm im Bereich Industriekeramik geholt worden und war ganz neu in Rodenbach.

Und die Gluthitze des Sommers kam ihm wohl gerade zupass: wie sonst war bei all seiner Zurückhaltung zu erklären, dass er ständig gute Laune hatte und immer öfter die Getränkerechnung für alle übernahm; auch für die ‚giftige Maria’, wie er feixend anmerkte, ihr aber damit nur ein nachsichtiges Lächeln abrang, bei dem sie gerade mal den linken Mundwinkel nach unten zog.

Maria hatte mit der brütenden Hitze im „Artemis Palace“ auch kein Problem: als sie ihr Gyros ohne großflächigen Schweißausbruch in sich hineingearbeitet hatte, posaunte sie sofort wieder zwei Mal hintereinander die ‚Nordlicht – Frage’ in Richtung Johannes und das total verblasste, grauenhafte Wandgemälde der Akropolis hinter ihm!

Da Johannes aber noch immer an einem größeren Tintenfischlappen herumkaute, sagte er nur „so, tu ich das“? als Maria spöttisch meinte, dass er doch sonst immer so klugscheißerisch daherkomme.

„Ja das tust du“, warf Maria schneidend ein; die andern horchten für einen Moment auf.

„Tu ich das wirklich?“

„Ja schon manchmal…“ schallte es von allen Seiten.

„Oh – das tut mir aber Leid“, sagte Johannes mit einem leicht rötlichen Farbton im Gesicht: „als Besserwisser wollte ich nämlich nie gelten, wenn ich mich recht entsinne – trotzdem Prost allerseits!“ Er hob sein Glas, prostete vergnügt allen zu und schluckte den restlichen Amthystos – eine Art griechischer ‚Grüner Veltliner’ – in einem Zug weg.

„Prima, dass wir das geklärt hätten – aber jetzt  wieder zum ‚Nordlicht’, lieber Johannes, so schnell kommst du mir nicht davon, gell!“ sagt Maria nach einer winzigen Pause freundlich, aber doch so, dass Johannes wusste, was er zu tun hatte.

Denn obwohl ihm der Anblick des orange funkelnden Longdrinks, an dem Maria ununterbrochen wie ein indisches Rüsselschwein herumsaugte, bis in die Gedärme weh tat, sagte er tapfer, „gut ich will es versuchen! Aber vorher müssen ein paar Grundlagen abgeklärt werden, sonst wird das nichts! Einverstanden?“

„Wenn’s sein muss?“ grunzte Maria.

„Also, Maria, weißt du was ‚ionisierte Teilchen’ sind?“

„Du meinst jetzt aber mit ‚Teilchen’ nicht die oberst leckeren Quarkteilchen, vom Bäcker Briegel oder die noch geileren mit Butterstreusel, die ich so gern in mich hinein spachtle? Die sind nämlich alles andere als ‚ionisiert’, lieber Johannes…“

„Johannes – du Saukerl, ist dieses ‚Ionisieren’ was Schweinisches?“, blaffte Kurt von seiner Tischecke dazwischen.

„Oder was geil Antikes?“ kicherte seine buntige Nordkap – Martha.

„Oder meinst du mit Teilchen nur eines dieser langweiligen ‚Atome’, die jeder nachhaltig denkende Deutsche neuerdings gefälligst zu meiden hat?“ fragte Maria plötzlich überraschend ernst und nippte zur Betonung ihrer spontan aufgesetzten Seriosität auch gekonnt damenhaft an ihrem ‚orangefarbenen Gülleextrakt’.

„Guck mal da“, spottete Hermine, neben ihrer Freundin Maria, „unsere Nervensäge macht jetzt einen auf Naturwissenschaft, das ist ja ganz was Neues!“

„Sag wenn ich das richtig checke, Johannes, meinst du doch mit ‚Ionisieren’, dass aus dem Atom ein Elektron rausgedonnert wird und das Restatom sich affengeil in ein ‚positives Ion’ umwandelt, oder?“ fragte Maria in die eingetretene Stille und lümmelte sich aufreizend jetzt mit beiden Ellbogen auf den Tisch.

Johannes, leicht verstört von Marias wetterleuchtenartig aufblitzenden Physikkenntnissen, schloss seinen offen stehenden Mund und gackerte in Richtung Maria, „ja – das – mein ich, Maria! Ge – ge – nau das mein ich…!“

„Und meinst du auch, dass bei dieser ‚Ionisation’, die anderen Elektronen dieses aufgegeilten Atoms auf höhere Energieniveaus geschubst werden und echt einen bunten Lichterwahnsinn erzeugen, wenn sie wieder auf die niedrigeren Niveaus zurückpurzeln?“

Johannes nickte nur stumm, da sich sein Mund, bei soviel physikalischem Sachverstand, wieder von selbst aufgeklappt hatte…

„Wie und das soll dieses ‚überirdische Nordlicht’ sein? Das ist doch nicht dein Ernst, Johannes – oder hast du’s grad verschluckt, weil du deinen Rachen nicht mehr zukriegst?“ kicherte Maria sichtlich zufrieden über die Reaktion auf ihr voll abgefahrenes Physikreferat; schließlich hatte sie erst vor ein paar Wochen ein supergeiles Abitur hingelegt…

„Nein Maria, das ist natürlich noch kein Nordlicht“, antwortete Johannes leicht angesäuert, aber auch beeindruckt, ohne Maria aus den Augen zu lassen und jetzt doch mit einigen Schweißperlen auf der Stirn, „das hängt nämlich von den Umständen ab, wo und wie diese ‚Ionisierung der Atome’ passiert!“

„Von welchen Umständen denn, los erzähl, du Schlauberger?“ drängte Maria.

„Na ja vom Erdmagnetismus am Nordpol, zum Beispiel …“

„Hey – warum das denn?“

„Weil am Nordpol die Erdmagnetlinien direkt senkrecht ins Meer gehen…“

„Oder ins Eis“, warf Maria ein, „was dann doppelt cool ist, oder?“

„Ja – so könnte man sagen, deswegen sieht man ja bei uns über der Kinzig zum Beispiel ums Verrecken kein Nordlicht, weil die Erdmagnetlinien nicht senkrecht in die Kinzig stürzen sondern flach drüber liegen, wenn du weißt was ich meine…“

„Meinst du flach liegen…oder flach legen, Johannes? Da ist nämlich ein feiner Unterschied, wie du vielleicht auch wissen könntest…“

„Ich wusste es doch, dass dieses ‚Ionisieren’ eine Sauerei ist!“ plärrte Kurt ins allgemeine Gegröle.

„Aber abgesehen von diesen angeblich flach liegenden Erdmagnetlinien über der Kinzig…“, bohrte Maria weiter „von welchen ‚anderen geilen Umständen’ hängt denn das Nordlicht noch ab? Mach’s doch nicht so unnütz spannend, Johannes!“

„Vom Sonnenzyklus… liebe Maria – und dieser komischen Elf-Jahres-Periode“!

„Sag bloß, dass die Scheiß-Sonne, die uns so schwitzen lässt, auch eine Periode hat? Das ist ja echt abgefahren, oder?“ kreischte Maria, zog endlich wenigstens einen ihrer Ellbogen vom Tisch und strich eine weitere feuchte Haarsträhne so nach hinten, dass Johannes für einen Moment ihre schweißglänzenden unbehaarten Achselhöhlen sah…

„Jetzt wird’s aber unappetitlich, gell, Maria“ ging Hermine dazwischen, während der Rest der Rund, völlig ermattet, Maria nur noch schweigend zuprosten konnte…

Johannes lächelte auch nicht mehr, er hatte endgültig die Lust an der ‚Entstehung des Nordlichtes’ und seiner ‚wissenschaftlichen Erklärung’ verloren.

Und da auch alle anderen, nicht nur vom ‚Griechischen Essen’ und der ‚Griechischen Hitze’ im Lokal genug hatten, sondern auch von Marias nagendem Nordlichtverhör, blies Kurt spontan zum Aufbruch und bereitete damit auf eine eher uncoole Weise dem Nordlichtspuk ein überraschendes Ende.

Sogar Maria hielt den Mund, während sie reihum alle umarmte und ihren Schweiß austauschte…

Aber als nach endlosen Wochen, an einem Dienstag im November, an dem Maria zufällig ihren einundzwanzigsten Geburtstag feierte, um achtzehn Uhr, in ihrer Wohngemeinschaft im Alten Dorf, in der sie mit einigen anderen hauste seit sie in Frankfurt studierte, ihr iPhone dröhnte und Johannes dran war, war sie schon arg erstaunt

Und noch verblüffter war sie, als Johannes meinte, dass er sich entschuldigen wolle, weil er damals im August wegen der subtropischen äußeren Umstände mit seiner Erklärung des Nordlichtes nicht zu Ende gekommen war und sich anschließend nicht mehr blicken lassen hatte.

„Drum“ – sagte er – nachdem er mehrfach tief Luft holte, möchte er heute an ihrem Geburtstag, rein zufällig und natürlich nur, wenn sie nichts Besseres vor hätte, ihr zwar das Nordlicht auch nicht erklären, aber ihr wenigstens die Chance bieten, es richtig cool anschauen zu können… wenn sie möchte?

„Was anschauen?“

„Das Nordlicht!“

„Wo denn?“

„Wo – wo – wo, frag doch nicht so viel, Maria …“

„Aber ich will wissen wo?“

„Na – wo schon, über der Kinzig natürlich, ist doch klaro, oder?“

„Du hast ja echt einen Sprung in der Schüssel!“

„Nein Maria, das sieht man wirklich heute!“

„Du vielleicht, weil du besoffen bist, wie es scheint, oder?“

„Nee – du auch Maria und sogar dann, wenn du nur wieder ununterbrochen deine komische ‚Orangengülle’ schlapperst …“

„Aber du hast doch selbst gesagt, dass es über der Kinzig kein Nordlicht geben kann, wegen diesem flachliegenden Erdmagnetfeld“

„Ja das war gestern, Maria, aber heute gibt es eines…“

„Mir scheint jetzt willst du mich flachlegen, du Scherzbold, oder?“

„Nein, will ich nicht – also möcht ich schon – wenn du weißt was ich meine, aber nicht heute!“

„Wann denn dann?“

„Weiß ich nicht Maria, aber heute möchte ich dir das Nordlicht zeigen – wirklich…“

„Also ganz wirklich nur das Nordlicht, Johannes?“

„Ja so wirklich wie es wirklicher nicht geht…“

„Cool – dann vertraue ich dir halt, Johannes und komme – oder holst du mich ab, ich weiß ja gar nicht wo ich hin soll?“

„Natürlich, ich steh doch schon vor deinem Haustor…

„Dann komm doch hoch!“

„Ja wenn ich darf?“

„Klaro du Blödmann…!“

Und unabhängig davon, welch krachender Unsinn dann im ‚Rodenbacher Boten’“ und im ‚Hanauer Anzeiger’ stand, über dieses angebliche Laserspektakel an der Kinzig im Vogelschutzgebiet bei Erlensee – das gerade nur solange gedauert haben soll, dass deren dreiste Verursacher, die sich weder um die verärgerte Bevölkerung noch aufgeschreckte Tiere scherten, selbst nach Wochen noch nicht ausfindig gemacht werden konnten – wollte Maria nach diesem Dienstag absolut nicht mehr über ‚Nordlichter’ reden und auch nichts mehr darüber hören. Aber bestimmt nicht deswegen, weil ihr die aufgeschreckten Vögel leid getan hätten…

Und bei den darauf folgenden Stammtischtreffen im „Artemis Palace“ saß sie auch nie mehr Johannes gegenüber, sondern giftete neben ihm in die Runde, während er wie früher still in sich hineinschmunzelte und selbst noch aus dieser abwehrtechnisch ungünstigen Position, den einen oder anderen ihrer Giftpfeile einzufangen versuchte.

Die Hände der beiden blieben während dieser Treffs, komischer Weise weitgehend unsichtbar! Praktisch geisterten sie nur mehr beim Trinken und während des Verzehrs des Gyros, beziehungsweise der üblichen Tintenfischlappen über den Tisch – und natürlich, wenn Johannes die Rechnung für sich und Maria bezahlte.

Und als Kurt Kannengießer einmal keck die Frage in den Raum donnerte, ob sie denn beide keine Unterarme mehr hätten, da man die überhaupt nicht mehr sähe, grad so als wären sie amputiert worden, grinsten Johannes und Maria sich nur gegenseitig an und dann in die Runde – ohne auch nur ein winziges Bisschen rot anzulaufen…

Echt cool!

KH

PS:
Diese Geschichte ist aus dem neuen Buch „LichterWahnSinn“ der Autorengruppe Wortspieler; das Foto ist von Ralf Weingärtner

Hier meine Tweets der letzten Woche zum Thema:
Bloggen und Twitter, Weisheiten und Regeln

131024 Wer dem Spiele zusieht, kann’s am besten – so auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

131025 Wer den Acker nicht baut, dem wächst Unkraut – so auch beim Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

131026 Wer den andern jagt, wird auch müde – so auch beim Bloggen und Twittern. #Twitter #Bloggen #Weisheit

131027 Wer den Dreck rührt, muss ihn auch riechen – also Vorsicht beim Bloggen und Twittern. #Twitter #Bloggen #Weisheit

131028 Wer den Kern essen will, muss die Nuss knacken – so auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

131029 Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen – gilt natürlich auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

131030 Wer den Sieg behält, der hat recht – so auch beim Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

Jeden Tag kommt ein neuer Tweet dazu. Siehe unter twitter.com und “follow” RolandDuerre!
Viel Spaß beim Folgen!

RMD

P.S.
Die Sprichwörter habe ich auf Alle deutsche Sprichwörter gefunden.

Roland Dürre
Mittwoch, der 30. Oktober 2013

“A serpant in thy bosom warmed”

 Händels packendes Oratorium SAUL

IF-Blog ist einer der wenigen Münchner ja deutschen Blogs, den es überwiegend in Deutsch und Englisch gibt. Das verdanken wir unserer Evelyn (EG), die die meisten unserer Artikel zeitnah ins Englische übersetzt. Sie macht das aus Freundschaft und aus Freude an der englischen Sprache. Und vielen von uns gefällt ihre englische Übersetzung oft besser als der ursprüngliche deutsche Text.

Ich persönlich kann mich bei Evelyn nur immer wieder ganz herzlich nicht nur dafür bedanken!

Ein zweites und ganz besonderes Interessensgebiet der Evelyn habe ich hier ja schon vorgestellt. Das übt sie mit großer Leidenschaft und hoher Professionalität aus. Gemeinsam mit ihrem Sohn singt sie bei den

arcis vocalisten

unter Leitung von Thomas Gropper.

Da das Bild ein wenig älter ist, findet man unsere Evelyn und ihren Sohn Martin leider nicht.

Die ARCIS-VOCALISTEN realisieren jetzt wieder ein ganz besonderes Projekt als dritte Zusammenarbeit mit Regisseur Dieter Reuscher und Gerrit Jurda (Licht) in der Himmelfahrtskirche München-Sendling, Kidlerstr. 15. Am Samstag, den 9. November und am Sonntag, den 10. November jeweils um 19 h bringen sie

“A serpant in thy bosom warmed” – Händels packendes Oratorium SAUL

zur vollszenischen Aufführung. Es musizieren außergewöhnliche Solisten, das herausragende Originalklangensemble „L arpa festante“ übernimmt den Orchesterpart, die Leitung hat Thomas Gropper.

Zum Stück:

FlyerSaul1739 – noch während seiner Opernkarriere, wandte sich Georg Friedrich Händel dem berühmten Stoff aus den Büchern Samuel im AT zu. Der jüdische König Saul holt den Hirtenjungen David, der sich mit dem Sieg über Goliath als großer Held und Feldherr erweist, an den Hof und versucht, ihn durch Heirat in seine Familie einzubinden.

Mit wachsender Eifersucht erkennt er den Charme und die Beliebtheit Davids beim Volk und seiner Familie. Er versucht, den verhassten Emporkömmling zu töten, auch seinen Sohn Jonathan will er dazu verleiten, doch dessen Freundschaft zu Saul ist größer. Wir werden Zeugen davon, wie der Verstand Sauls sich verwirrt und der Zorn ihn zernagt.

In theatersinnlichen prachtvollen Bildern und rascher musikalischer Folge zeichnet Händel diese Herrschertragödie, den Triumph der Freundschaft und das Schicksal Israels – eines seiner größten Oratorien. Kaum je hat Händel einen solchen musikalischen Reichtum aufgeboten – Pauken, Trompeten, Posaunen, Carillion, Flöten und Oboen treten zum Streichorchester hinzu.

Jetzt heißt es ganz schnell den Terminkalender prüfen und dann Karten bestellen!

RMD

Roland Dürre
Montag, der 28. Oktober 2013

INDIA – welcome in Mumbai

Gut angekommen – die ersten beiden Fotos und eine kleine Anekdote.

Jetzt habe ich die erste Nacht meines diejährigen Aufenthaltes in Indien verbracht. Hier der Blick vom Balkon meines Schlafzimmers, das sich im 29. Stock eines noch wesentlich höheren Gebäudes mit Luxus-Wohnungen befindet.

India2Man beachte die obligatorische Pferderennbahn.

(Nicht nur) die Baustelle rechts verursacht einen ungeheuren Lärm. Eins weiß ich schon nach der ersten Nacht – in Mumbai ist es so richtig laut, die Züge rattern, die Straßen brummen, auf den Baustellen wird rund um die Uhr gearbeitet, da hört man den Lärm der Flugzeuge und Hubschrauber in der Luft kaum mehr …

Ich hätte ein Audio-File inklusive Geräuschpegel mitliefern sollen.

Das Gebäude, in dem ich jetzt ein paar Nächte wohnen werde und von dem aus ich fotografiert habe, ist nicht abgebildet. Es ist zwar erst zwei Jahre alt – und trotzdem schon ganz schön marode. Bin froh, wenn es die nächsten Tage noch durchhält …

Und hier noch eine kleine Episode:

GaneshaAm Flughafen werde ich mit einem geräumigen Toyota-Bus abgeholt. Auf dem Armaturenbrett steht neben dem indischen „Elephanten-Gott“ Ganesha eine Marien-Statue. Ich frage, ob der Fahrer ein Christ ist. Kenne ich doch Inder, die in Indien mit extrem christlicher Erziehung aufgewachsen sind. Und dies auf besondere Art und Weise erlebt haben.

Die Antwort ist einfach. Die „Götter“ auf dem Armaturenbrett sind die übliche Dreingabe des Autohändlers. Und weil das Fahrzeug zwar einen indischen Fahrer hat, aber vor allem für einen „german expert“ bestimmt war, gibt es halt die Marien-Statue dazu. Quasi als multikulturelle Dreingabe.

Das erinnert mich dann an die 60iger und 70iger Jahre in Deutschland. Da hat der VW-Händler aus Stadtbergen auch jedes Fahrzeug mit einer St.-Christopheros-Plakette ausgestattet. Und an einem Sonntag im Jahr konnte man das Fahrzeug auch vom Pfarrer segnen lassen.

Apropos Fahrzeuge: Die mir von Neu-Dehli gut bekannten und recht geliebten TWS (three wheel scooter) habe ich vom Flughafen kommend auch wieder moskito-artig herumschwirren gesehen. Im Süden Mumbais sind sie allerdings nicht zugelassen.

Aber jetzt auf zu neuen Abenteuern!

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 26. Oktober 2013

Geschichte von und Leitfaden für PM-Camp

(und barcamps allgemein)

Weiterbildung und -entwicklung sind für jeden Menschen wichtig. Barcamps sind als Ergänzung zum “Selbststudium” und dem Arbeiten an der Seite eines Meisters (im Sinne von craftsmanship) die beste Möglichkeit, die eigene Lernkurve durch die Erfahrung Dritter zu bereichern.

In traditionellen Lernsituationen lernt man vielleicht 90 % vom “Lehrer” und 10 % von den Mitgliedern der Gruppe. In fortgeschrittenen ändert sich dieses Verhältnis in Richtung der Teilnehmer. In den besten Seminaren geht das bis zu 30 : 70 %. Bei barcamps werden 90 % und mehr des Lernfortschritts vom Wissen und der Erfahrung der Teilnehmern generiert! Hier öffnen sich Menschen und teilen ihr Erlebtes, Erfahrenes und Erlerntes.

Das ist face-to-face gelebtes “Open Source” auf einer freien Veranstaltung. Kommunikation wird auf Augenhöhe erlebt, gestützt vom emphatischen Erleben von Menschen, die man schon lange gut kennt oder gerade erst kennen gelernt hat. Vertrauen entwickelte sich sozusagen aus dem “Nichts”. Es wird viel gelernt, nicht nur das Fachliche sondern auch das “Persönlichkeit fördernde” betreffend.

Kornelia Hietmann, Eberhard Huber, Jens Hofmann, Dr. Marcus Raitner, Dr. Stefan Hagen und ich (Roland Dürre) waren in 2011 der Meinung, dass die Zeit reif wäre für ein barcamp für Projekt Manager, Unternehmer, Führungskräfte und Manager. Das erste PM-Camp war im November 2011 in Dornbirn. Schnell wurden in 2012 zwei daraus, das erste in Wien und das zweite wieder in Dornbirn. In diesem Jahr hatten wir schon vier – in Wien, Stuttgart, Bad Homburg (Rhein/Main) und Berlin. Und jetzt sehen wir uns beim 3. PM-Camp in Dornbirn.

Warum und weshalb sind barcamps so erfolgreich?

Ein barcamp lebt von den Menschen, die teilnehmen. Die Ausprägung und der Erfolg, die Freude und der Spaß, die Qualität der Diskussionen und der Ergebnisse, das Maß des Erkenntnisgewinnes, das Entwickeln von Konsens, das Erleben der Begegnungen und das Entstehen neuer Kontakte und Beziehungen, all dies und vieles bewirken die Menschen, die Teil nehmen, ihre Erfahrung einbringen und ihr Wissen teilen.

So übernehmen alle Teilnehmer Verantwortung für das Gelingen des “Camps”.

So ist es auch beim PM-Camp. PM-Camp nennen wir unser barcamp für Projekt Management (PM). “Projekt Management” dient dabei als Metapher für Führung, Management und Entrepreneurship. So will PM-Camp Menschen erreichen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und unsere Zukunft gemeinsam und sozial gemeinsam mit anderen Menschen zu gestalten.

Jedes PM-Camp wird von einem lokalen “Orga-Team” organisiert, das in der Regel aus 3 – 5 Menschen besteht, die ehrenamtlich als Veranstalter tätig sind. Sie planen, kommunizieren und bereiten die Veranstaltung vor und bemühen sich, gemeinsam mit PM-Camp-Protagonisten und den Freunden von openPM alles möglichst gut zu organisieren.

Die ideale Teilnehmerzahl soll sich zwischen 50 bis 100 Teilnehmer bewegen, damit das Camp seinen menschlichen Charakter nicht verliert. Der Termin wird mit anderen PM-Camps abgestimmt um Überschneidungen zu vermeiden. Dank Sponsoren können die Beiträge für Teilnehmer gering gehalten, dabei wird darauf geachtet, dass die Unabhängigkeit der PM-Camps gewahrt wird. In der Regel laden Orga-Teams auch noch ganz wenige Impulsredner ein.

PM-Camp ist die ergänzende Face2Face-Bewegung zu openPM. Neben der virtuellen Plattform openPM kümmert sich PM-Camp um die Organisation der Treffen “von Angesicht zu Angesicht”.

In der Regel dauert ein PM-Camp zwei Tage. Tagsüber heißt es “work hard” und am Abend des ersten Tages “party hard”. Oft treffen sich Teilnehmer schon am Abend vor dem PM-Camp zu einem gemütlichen Zusammensein oder walk&talk – einfach um alte Freunde wieder zu treffen und sich schon ein wenig aufs PM-Camp einzustimmen.

Dann ist es soweit – das PM-Camp findet statt. Die Teilnehmer treffen sich zur vereinbartem Zeit am vereinbarten Ort, vielleicht findet ein wenig “ice-breaking” statt, das Org-Team erinnert an die zentralen Barcamp-Regeln (“was passiert ist richtig”, “vorbei ist vorbei”, “Gesetz der Füße”, “Freiheit” …). Und dann geht es los! “Aus Konsumenten werden Produzenten” und ganz schnell entsteht ein wunderbarer Session-Plan.

In einem Satz:
PM-Camp wie barcamps sind so erfolgreich, weil sie in der Tat nicht nur inhaltlich selbstorganisiert und selbstbestimmt funktionieren!

barcamps und PM-Camp (3) – “Typologie der Sitzungen”

Die Sitzungen (Sessions) sind das Herzstück eines jeden PM-Camps. Für die Teilnehmer kann es lohnen, sich ein wenig vorzubereiten und sich im Vorfeld schon mal überlegen, welches Thema ihnen wichtig ist. Damit sie schon bei ihrem ersten PM-Camp vielleicht eine Sitzung machen können.

Modellhaft kann man drei wesentliche Arten von Sitzungen (Sessions) unterscheiden:

Typ 1 – Wissen teilen!

Der Initiator einer solchen Session meint, etwas zu wissen, das ihm wichtig ist und das er teilen will!

Da hat einer etwas ganz besonderes erlebt, etwas ganz Neues kennengelernt, etwas Grundlegendes verstanden … Und er geht davon aus, dass sich auch andere dafür interessieren könnten. Also macht er eine Session und kündigt vorher an, über was er sprechen will. Natürlich wird er seine Zuhörer nicht mit einem langen Vortrag langweilen. Vielleicht nur ein paar Thesen aufstellen oder einen kurzen Bericht seines Erlebten geben. Und dann wird debattiert und diskutiert.

Typ 2 – Erfahrung von anderen nutzen!

Der Initiator befindet sich in einer neuen Situation und sucht Unterstützung!

Vielleicht hat da jemand eine Frage, die ihn schon lange quält. Oder es ist ihm etwas passiert, mit dem er nicht umzugehen weiß. Mag sein, dass es sogar ein schlimmes Problem, über das er sich mal aussprechen will.

Und dann macht er auch eine Sitzung und schaut mal, wer kommt, um ihm zu helfen.

Bei diesem Typ einer Sitzung brauchen wir natürlich besonders “gute “Zuhörer. Zuhörer, die versuchen, zuerst mal möglichst genau zu zu hören und dann das Verstandene mit einem möglichst geringem Maß an Verzerrung spiegeln zu können.

Wichtig ist, dass die Teilnehmer in der Lage sind, Empathie aufzubringen und Menschen sind, die nicht gleich alles “besser wissen” und so nicht mit  ”ungebetenen Ratschläge” brillieren wollen.

Wenn das so ist, dann kommt bei diesem Typ oft etwas wirklich großartiges heraus. Und ich bin immer wieder überrascht, wie toll die “Mitmacher” an solchen Sessions beim PM-Camp in der Regel sind. Und wieviel Probleme da schon zumindest ansatzweise gelöst werden konnten!

Typ 3 – Neues Erleben!

Der Initator möchte etwas Aktives machen, spielen oder etwas ausprobieren!

Hier gibt es wahnsinnig viele Möglichkeiten für gelungene Sessions! Auf jedem PM-Camp passiert da immer Überraschendes. Das kann mit Bewegung zu tun haben oder Menschen zum Nachdenken bringen. Aktiv werden neue Erfahrungen gesammelt und spielerisch Relevantes erlebt. Neue Sachen werden ausprobiert und gegen bewährte Strategien getestet. Oft wird hier gemeinsam “Neuland” betreten. Und wenn man in so einer Sitzung etwas neues ausprobiert und das mal nicht so klappt, so ist das auf einem PM-Camp auch kein Problem.

Hier bedarf es nur der Mutes, mitzumachen und auch bereit zu sein, über den eigenen Schatten zu springen. Und schon passiert erstaunliches, es kann eine Regression erfolgen, die schlagartig viel Kreatives und Weises freisetzt.

Weitere Typen von Sessions…

Natürlich ist mit den drei Typen noch lange nicht Schluss. Es sind nur drei “Muster” (pattern) für Sitzungen, an die man oft noch ganz schön lange gerne zurück denkt!

social web

Bei einem PM-Camp darf man nicht nur sondern soll (muss) man Twittern. Nebenher auf seinem Mobil-Telefon zu spielen ist sowieso genauso erlaubt (und erwünscht) wie den Raum zu verlassen und in eine andere Sitzung zu gehen.

In der Regel gibt es auf einem PM-Camp eine “Twitterwall”. Da laufen dann in Echtzeit alle Tweets durch, die in Twitter geschrieben und mit dem “Tag” der Veranstaltung gekennzeichnet worden sind (z.B. #pmcamp13ber für das  PM-Camp in Berlin). So entsteht ein roter Faden, der schon eine erste Dokumentation und Kommentierung der Veranstaltung ergibt. Man merkt, was auf dem PM-Camp aktuell passiert, was andere Menschen erleben oder fühlen und wie sie denken.

Natürlich kann jeder Teilnehmer auch auf seinem Device die Twitterwall anschauen. Und wird dann oft erleben, dass viele Menschen, die örtlich nicht anwesend sind, trotzdem in “real time” teilnehmen. Alle Tweets in Summe stellen eine schöne Retroperspektive der Veranstaltung dar, die man sich ganz gerne auch später mal anschaut und dabei das Camp wieder lebendig werden lässt.

Eine “offizielle” Dokumentation bei einem PM-Camp in Form eines Tagungsbandes oder ähnlichem gibt es nicht. Dies mit voller Absicht! Denn auch die Dokumentation ist freiwillig. Auch sie wird von den Teilnehmern selbst organisiert und bestimmt. Das funktioniert in der Tat und so entsteht extrem zeitnah eine gründliche und vor allem richtig gewichtete bunte und multimediale Dokumentation, bestehend aus Textbeiträgen, Bildern und Videos, die alles Wichtige erfasst und auf openPM zentral verfügbar oder verlinkt ist.

Ich habe in diesem Artikel zwar nur von “Twittern” gesprochen. Natürlich darf man das Camp auch in Facebook oder in Google+ begleiten. Oder dort  eine “Communitiy” anlegen. Man sollte halt ein Medium wählen, an dem möglichst viele teilnehmen können.

Kultur und Werte

Wie im richtigen Leben sollte auch auf einem barcamp niemand klein gemacht oder gar verletzt werden. Persönlich Angriffen sind zu vermeiden, auch dann wenn man mal schlimm enttäuscht ist. Und wenn man mal daneben langt, dann entschuldigt man sich.

Das einzige, was man auch auf einem PM-Camp nicht tolerieren darf, ist Intoleranz. Aber gerade gegen Intoleranz sollte man immer direkt und persönlich angehen und sie nicht hinten rum anprangern.

Auf was muss ich aufpassen?

Das ist gar nicht viel. Natürlich schadet eine gute Kinderstube auch auf einem barcamp nicht, auf einem PM-Camp ist sie in der Regel selbstverständlich. Die vom alten Metaplan her bekannte Regel “Everybody is everybody’s butler” anzuwenden, ist auch immer gut. Ansonsten sind barcamps wie auch das PM-Camp freie Veranstaltungen, keiner muss etwas machen, das er nicht will.

Kameradschaftliches Verhalten ist wie immer im Leben hilfreicher als tröge Kumpanei. Jeder bestimmt selber das Maß, in dem er sich integrieren will. Es gibt keine Verpflichtung zum Halten eigener Sessions. Viele Teilnehmer sind beim ersten PM-Camps ganz still und hören zu – bis dann der Bann bricht und sie plötzlich “vom Konsumenten zum Produzenten” werden.

Erstbesuchern oder Menschen, die eher zurückhaltend sind, würde ich empfehlen, schon früh mal eine eigenen Session auszuprobieren, auch wenn das Thema in der eigenen Wahrnehmung noch als unausgereift empfunden wird. Früher Mut wird in der Regel belohnt. Und die „alten Hasen“ würde ich bitten, bei der Session-Gestaltung möglichst lange zu warten, bevor sie dann die letzten Lücken füllen. Manch ein Teilnehmer braucht ein wenig länger, um seinen Mut zusammen zu nehmen. Und es ist immer schade, wenn neue Beiträge wegen unnötiger Ungeduld zu kurz kommen.

Kommunikation ist alles

In der Regel schlägt das Org-Team eines PM-Camps den Teilnehmern vor, dass das “Duzen” die bevorzugte Anrede ist. Duzen schafft Nähe und erleichtert Kommunikation. Das macht bei einer „community“ (Gemeinschaft) Sinn, die an einem Strang zieht und ihr Wertvollstes – Erfahrung und Wissen – offen und redlich teilt.

Will ein Teilnehmer lieber “gesiezt” werden, so wird das natürlich akzeptiert. Aber ganz gleich, ob man sich siezt oder duzt, es sollte immer beachtet werden, dass Respekt vor dem gegenüber der zentrale Wert ist. Ehrverletzungen dürfen auch im Eifer eines Gefechtes nicht passieren und wenn, dann müssen sie sofort korrigiert werden.

PM-Camp fordert ein von und fördert bei seinen Besuchern ein wenig Empathie und “Alterozentriertheit”. Das meint, dass man das eigene Ego ein wenig zurück nimmt und sich für die Werte, Erwartungen, Interessen und Bedürfnisse und auch Gefühle „des anderen“ öffnet.

Also:

Mitmachen! Mut aufbringen! Freude mitbringen! Spaß annehmen, das alles verstärken und weitergeben! Aufs “maskieren” verzichten! Auf einem PM-Camp ist dies nicht notwendig.

Sich gegenseitig respektieren und achten wie sich selber. Wissen und Erfahrung geben und nehmen. Und dann kann gar nichts mehr schief gehen!

RMD

P.S.
Einen großen Dank an Eileen, die mir bei dieser Zusammenfassung sehr geholfen hat.

Zurzeit denke ich ja viel über Moral und Ethik nach. Und da scheint mir die „Sexual-Moral“ ein besonders betrachtenswertes Beispiel.

Calzedonia1Täglich erleben wir, wie uns rund um die Sexualität eine völlig gegenläufige Moral begegnet. An der Bushalte-Stelle sehe ich das Plakat einer nackten Frau mit lasziver Strumpfhose. Auf der Bank sitzt eine junge islamische Frau, streng verhüllt. Und nicht weit weg stand da noch bis vor kurzem eine große Plakatwand mit der Aufforderung, es möglichst bunt und oft aber nur mit „Verhüterli“ zu treiben. Mit dem Motto „Gib Aids keine Chance“. Wahrscheinlich gesponsert vom Verband der Kondom-Unternehmen.

calzedonia2Auch in Deutschland hat sich die Sexual-Moral in den letzten 50 Jahren (und natürlich davor) gewaltig verändert. Was für ein Skandal war es noch in den 60igern, wenn eine Gymnasiastin schwanger wurde! Ich kann mich gut dran erinnern, wie wir als Schüler des Jakob-Fugger-Gymnasium für ein Mädchen demonstriert haben, die am Maria-Theresia-Gymnasium wegen Schwangerschaft von der Schule verwiesen werden sollte – und auch noch an die doch sehr unerfreulichen Konsequenzen für uns.

Ein gutes Beispiel für so eine divergierende Moral in Frankreich und Deutschland finden wir vor gar nicht langer Zeit. Ein bisschen mehr als 100 Jahre dürfte es her sein, dass eine junge ledige Frau, die in Frankreich z.B. als Bedienstete einer Familie schwanger wurde, um nichts in der Welt den Namen des Vater angeben durfte! Denn die Frau war ja schuld, weil sie den Mann verführt hatte. Und der Mann das schützenswerte Opfer. Wenn die Mutter aus Verzweiflung den Namen des Vater ihres Kindes angab, dann war das Verständnis grenzenlos und es gab eine empfindliche Bestrafung! Zuerst den Familienvater verführen, dann auch noch schwanger werden und dann auch noch die Frechheit zu besitzen, den Namen des Vaters zu nennen! So die Denke damals.

Zur selben Zeit gab es im vielleicht damals moderneren Deutschland auf der anderen Seite des Rheins eine ganz andere Regel.  Da waren junge Frauen in einer solchen Situation verpflichtet, den Vater anzugeben! Auch damit die Obrigkeit diesem die Sorgepflicht für das Kind auferlegen konnte.

Vielleicht waren solche „moralischen Differenzen“ auch ein Grund, warum  die beiden Länder damals noch natürliche Feinde waren. Ein weiteres Beispiel für das Problem mit der Moral finden wir beim Thema „Homosexualität“. Wie oft und sehr wurden Menschen mit einer erhöhten homophilen Neigung gesellschaftlich ausgegrenzt? Wie viel Unglück ist diesen widerfahren?

Alles nur wegen einer Moral, die ganz einfach mal davon ausging, dass nur die heterosexuelle Veranlagung in Ordnung wäre! Weil alles andere widernatürlich oder noch schlimmer wäre? Wie viel wurde hier gelogen und betrogen, gelitten und natürlich auch pervers reagiert. Ganz zu schweigen, wenn solche Situation noch durch vermeintlich besonders edle Handlungsprinzipien wie die persönliche Übernahme des Zölibats verschlimmert wurden?

Oder man denke an das Thema Abtreibung. Das Spektrum der moralischen Bewertungen geht nach wie vor von der Kriminalisierung der Abtreibung bis zum fast schon selbstverständlichen Verhütungsmittel, ähnlich wie die Bewertung der „Pille danach“. In den 60iger und 70er Jahren gab es da einen unappetitlichen Abtreibe-Tourismus für deutsche Frauen nach England, Holland oder Jugoslawien, unterstützt vom Moralgefälle in Europa.

Auch die Prostitution wird auf der Welt sehr unterschiedlich behandelt, gleichwohl existiert sie überall. Da gibt es alle Formen vom kriminalisierten und heimlichen Geschäft bis zur gesellschaftlich akzeptierten Variante einer anderen Form von Dienstleistung.

In China zum Beispiel ist offiziell die Prostitution strengstens verboten. Sie wird vom Gesetzgeber mit drakonischen Strafen bedroht. Stehe ich aber auf einem belebten Platz in einer der großen Citys in China, weil ich gerade auf jemand warte, dann bekomme ich sehr schnell eindeutige Angebote („do you want a baby?“). In Wikipedia lese ich dann nach, dass trotz des Verbotes die Prostitution in China massenhaft stattfindet. Kommunale und staatliche Organisationen unterstützen sie sogar, um die staatlichen Kassen zu füllen.

Ich will hier nicht werten oder gar moralisieren. Nur darauf hinweisen, dass Moral an sich ein sehr schwieriges Thema ist. Das dieses „Man tut das nicht“ … abhängig von Zeit und Ort sehr unterschiedlich bis gegensätzlich sein kann. Und dass dieses „Man tut das nicht“ auch immer sehr willkürlich erscheint und sehr wohl hinterfragbar ist. Und wir deshalb auch daran rütteln dürfen.

RMD

Zu den Bildern: Es sind zwei Schnappschüsse aktuell aus München (Neuperlach), wieder mal mit dem Smartphone beim durch die Stadt radeln aufgenommen.

Roland Dürre
Donnerstag, der 24. Oktober 2013

Tweets zum Twittern und Bloggen #190

Hier meine Tweets der letzten Woche zum Thema:
Bloggen und Twitter, Weisheiten und Regeln

131017 Wer andre anschwärzt, ist drum nicht weiß – Vorsicht – Twitterer und Blogger. #Twitter #Bloggen #Weisheit

131018 Wer auf zwei Stühlen sitzen will, fällt oft mitten durch – so auch beim Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

131019 Wer aus vielen Büchsen schießt, trifft selten die Scheibe – so auch beim Bloggen und Twittern? #Twitter #Bloggen #Weisheit

131020 Wer ausgibt, muss auch einnehmen – so auch beim Bloggen und Twittern. #Twitter #Bloggen #Weisheit

131021 Wer das Feuer haben will, muss den Rauch leiden – so auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

131022 Wer das Ungemach fürchtet, muss daheim bleiben – auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

131023 Wer dem Haufen folgt, hat viel Gesellen – so auch beim Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

Jeden Tag kommt ein neuer Tweet dazu. Siehe unter twitter.com und “follow” RolandDuerre!
Viel Spaß beim Folgen!

RMD

P.S.
Die Sprichwörter habe ich auf Alle deutsche Sprichwörter gefunden.

Roland Dürre
Sonntag, der 20. Oktober 2013

Moral als Lehre oder die Leere der Moral

Zur Vorbereitung meiner nächsten Vorträge beschäftige ich mich zurzeit immer wieder mit Moral, theoretisch wie praktisch.

Interessante Arten der Gattung Moral sind für mich die Verkehrs-Moral oder auch die Sexual-Moral. Oder andere, zurzeit sehr hoch im Kurs stehende moderne Varianten von Moral wie die Steuer-Moral oder die Moral des Compliance-getreuen Verhaltens.

Heute betrachte ich die Verkehrs-Moral. Für den Straßenverkehr wurden viele Gesetze erlassen. Die einzuhalten würde sogar  Sinn machen. Hat doch erst vor kurzem eine Untersuchung gezeigt, dass Menschen locker mal 40 % weniger Unfälle haben, wenn sie die Verkehrsregeln einhalten. Der Versuchskreis hat das aber nur gemacht, weil er von seiner Versicherung einen kleinen Tracker bekommen hat, der alle Fahrtdaten komplett aufzeichnet. Und dafür einen wesentlichen Rabatt bei der Versicherung anbietet.

40 % weniger Unfälle! Das würde einfach mal in Deutschland 2.000 Verkehrstote weniger im Jahre bedeuten! Und entsprechend noch mehr weniger Verletzte. Hier würde eine starke Moral soviel Tod und Leid verhindern. Endlich mal hätten wir ein sehr sinnvolles „Man macht das nicht!“. Bei den meisten anderen Gesetzen kann man doch oft so einen richtig wertvollen Nutzen nicht entdecken.

Nur interessiert das niemanden. Auf unseren Straßen findet der „permanente Rechtsbruch“ statt. Unaufhörlich und andauernd, im Sekundentakt. Das kann daran liegen, dass sich eine Art Overlay-Moral über die „normale“ Verkehrsmoral gelegt hat. Die suggeriert uns, dass die Verkehrsregeln nur für „die anderen“ aber nicht für uns selber gelten, denn wir wähnen uns ja auf einzig artige und ganz besonderer Art und Weise unverletzlich.

Dieser „Overlay-Moral“ lässt die heimliche Geschwindigkeit als unmoralisch erscheinen. Denn die ist „heimtückisch“ oder unfair. Nicht mehr das zu schnell fahren gefährlich.

So hat man vor kurzem einen bundesweiter „Radar-Marathon“ durchgeführt, mit dem das Einhalten der Regeln intensiver als normal überprüft werden sollte. Aber: Paradoxer Weise wurden Ort und Zeit der konkreten Radarkontrollen gleichzeitig auf allen möglichen Kommunikations-Kanälen angekündigt. Sogar der von Zwangsabgaben finanzierte öffentliche Rundfunk hat da gerne mitgemacht.

Das ist doch so, wie wenn die Polizei ihre Kontrollen für was und wen auch immer vorher öffentlich bekannt machen würde. Und das darf doch eigentlich nicht wahr sein.

So muss man richtig Pech haben, um als Temposünder erwischt zu werden. Oder zu den dümmsten gehören. Aber die Verhältnisse im Strassenverkehr ändern sich nicht.

Soweit meine Gedanken zur Absurdität unserer Verkehrsmoral.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 18. Oktober 2013

KLASSE – So geht Projekt Management!

WENN PROJEKTE KOPFSTEHEN UND
KLASSISCHES PROJEKTMANAGEMENT VERSAGT

Das sind Titel und Untertitel eines Buches, das ich heute bekommen habe. Ich mache es auf – und ich bin begeistert.

Da steht ja alles drin! Alles, was modern und wichtig ist im Projekt Management. Und alles passt, ergänzt und erweitert meine „Geisteshaltung“!

Früher hätte man es eine „Bibel“ – wahrscheinlich die „Projekt-Bibel“ oder „“Universum des Projekt Managements“ genannt. Oder so ähnlich. Weil es wirklich ein großes Werk ist, eine Sammlung von klugen Geschichten. Die sich alle ergänzen und auf phantastische Art und Weise beschreiben, wie man denn Projekt Management „richtig“ machen könnte.

Es ist ein Buch, bei dem jede Geschichte etwas Anderes bringt. Dem „agilen Manager“ ist da manches vertraut, für den „dogmatischen Manager“ wird es auch nicht neu sein. Aber vielleicht ihn überraschend (aber gesund) wie eine kalte Dusche treffen.

Die wichtigen Dinge sind in ganz einfachen und klaren Bildern beschrieben. Und damit keine Missverständnisse aufkommen, exzellent illustriert.

Es ist tatsächlich ein Sachbuch, dessen Lektüre Freude bereitet und richtig Spaß macht. Eben kein Fachbuch, bei dem der Autor mit seinen Hilfskräften die Leser über Hunderte von Seiten quält, dabei immer wieder dasselbe vermitteln will und mit noch mehr Beispielen das belegen will, was eigentlich schon nach den ersten fünfzig Seiten klar ist.

Nein das „Turn/around“ Buch muss man nicht von vorne nach hinten lesen. Man kann durchs Buch förmlich springen. Wie man das heute halt so macht. Und findet immer das nächste „Highlight“.

Es ist „kollaborativ“ geschrieben worden. Initialisiert und gesteuert von Roger Dannenhauer, Torsten J. Koerting und Michael Merkwitza. Gemeinsam entwickelt mit über 40 Co-Autoren.

Manche davon sind mir bekannt. Wie auch der Antreiber (und Super-Marathon-Läufer) Torsten. Und alle Autoren sprechen mir mehr oder weniger aus tiefstem Herzen.

Beim Buch-Schreiben hätte ich auch mitmachen dürfen. Leider war mir die Zeit zu knapp. Jetzt bereue ich dies. Wäre jetzt so richtig stolz, wenn ich dabei gewesen wäre.

Aber zu spät. Wenn es einen zweiten Band gibt, dann bin ich sehr gerne dabei.

Aus dem Buch selbst werde ich dann gelegentlich das eine oder andere Kapitel, das mir besonders wichtig ist berichten. Um mit meinen Lesern die Freude darüber zu teilen, wie einfach auch scheinbar unlösbare Dinge angegangen werden können.

Ein großes Kompliment aber jetzt schon an alle Autoren des Werkes!

RMD

P.S.
Und hier noch der „affiliate link“ zu Amazon.