Roland Dürre
Freitag, der 29. November 2013

brand eins im Dezember

brandeins122013brand eins
gibt es auch als „App“. Nicht nur auf Papier. Deshalb dieses Bild.

Ich bin aber hier noch ausnahmsweise bei der Papierfraktion. Deshalb schleppe ich das brand eins schon seit gut einer Woche mit mir herum. Und kam immer nur dazu, ein wenig hinein zu schnuppern.

Heute am Freitag ist es dann im Büro doch ein wenig ruhiger. Und ich schaue mir das brand eins genauer an. Quasi zur Vorfreude aufs Wochenende.

Diesmal ist der Schwerpunkt Zeitgeist. „Den Zeitgeist verstehen ist das Motto, die Botschaft auf dem Titelblatt heißt „Du bist so neunziger„. Trifft jetzt auf mich nicht so zu, fühle ich mich doch eher als ein „sechziger“ – allerdings nicht im Fußball – oder ein „siebziger“ – vielleicht sogar ein „50iger“ und hoffe da kein falscher. Schon die 80iger sind mir ein wenig suspekt und von den 90igern will ich gar nicht reden – warum auch immer.

Und was sind wir eigentlich aktuell? Die Null-Nuller?

Zum Heft:

Ich mag es wieder. Auch wenn mich die Heft-Mitte mit 10 Seiten Anzeige mal wieder ermahnt, dass ich mich doch ein wenig schicker an ziehen sollte. Fühle mich da an meine Mutter erinnert, die auch immer an mir auszusetzen hatte, „wie ich denn wieder daher kommen würde“. Da musste ich früher durch – und heutzutage hilft dann nur schnelles Überblättern.

Ansonsten haben mir schon die kurzen Artikel, die ich bisher so anschauen konnte, doch auch wieder einiges Neues gebracht. Nicht nur die „Die Welt in Zahlen“. Soviel auch zum Stichwort „Rohstoffverbrauch“.

Bei ein paar Artikeln habe ich auch eigene Assoziationen. Da haben zum Beispiel vor 20 Jahren zwei Brüder angefangen, aus Lastwagen-Planen Taschen herzustellen (Seite 98). Und waren damit erfolgreich. Da fällt mir dann sofort ein, dass ich so ganz tolle Fahrradtaschen habe. Und dass da jemand wohl vor 25 Jahren angefangen hat, ganz tolle Fahrradtaschen aus LKW-Planen herzustellen. Kann aber auch Zufall sein, wie so vieles im Leben.

Für mich bemerkenswert ist auch das „Kulturgut auf vier Rädern“ auf Seite 112. Auch so ein Thema für sich, sehr interpretationswürdig. Ansonsten ist das Heft wie immer sehr üppig an Artikeln. Da habe ich am Wochenende (und danach) noch viel zu lesen.

Und da bald Weihnachten ist: Ich schenke ja nichts mehr her, was irgendein Gebrauchsgut ist (weil ja jeder Mensch schon alles hat). Also: keinen Wohlstands-Müll für meine Freunde. Meine Geschenke sind Theaterkarten, eventuell selbst gemachten Holunder-Sirup, besondere Weine oder auch mittlerweile Biersorten – und wenn es mir zu passen scheint ein Heft brand eins. Und fahre damit eigentlich ganz gut.

RMD

🙂 Weil die „Drehscheibe meines Unternehmertagebuchs“ sonst in den Tiefen des Blogs verschwindet, habe ich sie mal nach vorne gezogen. Sind immer schon 91 Einträge geworden.

DrehscheibeLang ist es her:
Im Sommerurlaub 2009 in Griechenland habe ich mal kein Urlaubstagebuch geführt sondern mein „Unternehmertagebuch“ begonnen.

Da habe ich einfach mal am Strand in der griechischen Sonne runter geschrieben, was mich an Unternehmen und Unternehmertum so bewegt.

Das Tagebucht führe ich bis heute weiter – und bin immer selbst überrascht wie sich mein Weltbild ändert und für mich trotzdem konvergiert.

Im September des gleichen Jahres habe ich dann eine Übersicht über alles diese Beiträge eingeführt – die Drehscheibe. Und diese dann immer um weitere Artikel meines Unternehmertagesbuchs ergänzt.

Vielleicht scheint am nächsten Sonntag nicht so viel Sonne und animiert den einen oder anderen zum Lesen. Würde mich freuen, so wie ich mich auch über Kommentare freue!

Hier alle Beiträge in der chronologischen Reihenfolge ihres Erscheinens:

#0 – Mein Plan

#1 – der USP – Fall 1: CocaCola

#2 – der USP – Fall 2: Red Adair

#3 – der USP – Fall 3: Die Siemens AG

#4 – der USP – Fall 4: Metallbearbeitung im Mittelstand

#5 – der USP Fall 5: InterFace AG

#6 – der USP: “Summary” oder “Der Weg ist das Ziel”

#7 – “Elevator Pitch ” oder “Alles Müll”

#8 – Das ethische Unternehmen – Ausblick

#9 – Das ethische Unternehmen – 1. Notwendige Bedingungen für Sinngebung, Mission und Leitbild

#10 – Das ethische Unternehmen – 2. Notwendige Bedingung für den Umgang mit Gewinnen

#11 – Das ethische Unternehmen – 3. Notwendige Bedingungen für Produkt und Dienstleistungen

#12 – Das ethische Unternehmen – 4. Notwendige Bedingungen für Mitarbeiter

#13 – Das ethische Unternehmen – 5. Notwendige Bedingungen für den Umgang mit Kunden

#14 – Das ethische Unternehmen – 6. Notwendige Bedingungen für den Umgang mit Lieferanten

#15 – Das ethische Unternehmen – 7. Notwendige Bedingungen für die Unternehmenskultur

#16 – Das ethische Unternehmen – 8. Notwendige Bedingungen für die Führungskultur

#17 – Das ethische Unternehmen – Einschub – Zahlen – Pro Führungskraft – Pro Unternehmen 2.0!

#18 – Das ethische Unternehmen – 9. Notwendige Bedingungen für die Entscheidungskultur

#19 – Das ethische Unternehmen – 10. Notwendige Bedingungen für den Umgang mit Ressourcen

#20 – Das ethische Unternehmen – 11. Notwendige Bedingungen für den Umgang mit allen Stakeholdern

#21 – Das ethische Unternehmen – 12. Die trivialen Gebote des redlichen Kaufmanns

#22 – Das Ethisches Unternehmen – 13. Summary: “Ein biophiles Unternehmen”

#23 – Wir alle sind Unternehmer!

#24 – Die eigene Gründung – Motivation

#25 – Die eigene Gründung – Partnersuche

#26 – Die eigene Gründung – Planung

#27 – Die eigene Gründung – Start

#28 – “Eine kleine Geschichte” oder “Alles hängt von den Menschen ab”

#29 – “Das Tandem” oder “Eurasia”

#30 – Drehscheibe (hier befinden Sie sich)

#31 – Warum braucht man überhaupt Unternehmer?

#32 – “Prozessgläubig?” oder “Die Menschheit zerfällt in 2 Teile!”

#33 – “Prozesse über alles!” oder “Alles ISO?”

#34 – “Risk Management?” oder “Die Stärken sind wichtiger!”

#35 – “Die drei Erfolgskriterien!” oder “Unternehmenskultur oder Management?”

#36 – „Unternehmer: Jäger oder Sammler“

#37 – „Unternehmer: Hobbygärtner oder Modelleisenbahner“

#38 –“Das Joch des Unternehmers …“

#39 – „Das Risiko des Unternehmers …

#40 – “Sind wir unser Geld wert?”

#41 – “Wie konnte Queen Victoria das britische Empire nur regieren?” ♫

#42 – “Die Entscheidungsinsel”

#43 – “Persönliche Haftung – ja gerne”

#44 – “Ungesunde Ziele – ungesunde Strategie”

#45 – “Planen&Ehrgeiz” oder “Was hat eine Radtour mit einem Unternehmen gemein?”

#46 – “Unternehmensforschung” versus “Operation Research”

#47 – Erfolgsrezept für Unternehmer – Reflektieren und Leben!

#48 – “Leidenschaft&Sinn”

#49 – “Love it …” oder “Die Basics von Unternehmertum”

#50 – “Treiben oder getrieben werden” oder “Erfolg und Mittelmaß”

#51 – “Der Topmanager und die Menschen”

#52 – „Charisma und Führung“

#53 – “Von Ego- und Alterozentrierten”

#54 – “Drei mal drei Buchstaben”

#55 – “Die Parabel vom Kiosk”

#56 – “Die Starken fördern, die Schwachen ignorieren”

#57 – Umdenken im Management

#58 – Der Fakten-Manager

#59 – Persönliches Setup

#60 – Der Frust des Managers

#61 – Vorstellung auf modern

#62 – Zahlen lesen, Zahlen folgen!?

#63 – Die Skills des “Führenden”

#64 – Project Management goes Brecht

#65 – Was ist das eigentlich – Projekt Management? (Definitionsversuch I)

#66 – Was ist das eigentlich – Projekt Management? (Definitionsversuch II)

#67 – Was ist das eigentlich – Projekt Management? (Definitionsversuch III)

#68 – Wie entstehen eigentlich Projekte?

#69 – Projekte sind schädlich für die Gesundheit Ihres Unternehmens!

#70 – Reporting – für wen berichte ich denn eigentlich?

#71 – Über die Notwendigkeit von unvernünftigen Entscheidungen

#72 – Ungeliebte Meetings

#73 – Die Rolle des AR in der kleinen AG

#74 – Konkurrenzfreie Gemeinschaftsunternehmen in der Nachfolge staatlicher Monopole?

#75 – Besprechungen 2.0

#76 – Vertrieb

#77 – Eigene unvernünftige Entscheidungen …

#78 – Ich stell mir mal vor, ich wär ein Professor …

#79 – “Boutique-Parabel” (Vertrieb&Marketing 2.0)

#80 – Mein Leben, Project Coaching und die InterFace

#81 – Projekt, Management und Projekt Management

#82 – Was ist das eigentlich, Strategie?

#83 – Was ist das eigentlich, ein Unternehmen?

#84 – Kündigungsschutz

#85 – Der Buchstabe “V”

#86 – Der Buchstabe “R”

#87 – Es ist so einfach …

#88 – Das Genie

#89 – Wissen und Organisation, Führen und Managen, Unternehmer sein

#90 – Das magische Dreieck des Managements.

#91 – Nicht agil oder agil mal anders.

#92 – Guter Rat / Schlechter Rat – Episoden

#93 – Effizienz versus Resilienz

#94 – Geisteshaltung, Vertrauen, Konstruktives & Destruktives

#95 – Entrepreneurship, Start ups, Unternehmertum – irgendwie überhöht?

#96 – Noch mal Strategie!

#97 – Heute mal wieder zum Vertrieb

#98 – Die Ökonomisierung des Lebens

#99 – Goldene Regel für Unternehmen

#100 – Recruitment

#101 – Make or Buy?

#102 – Basics compact – Geschäftsmodell

#103 Basics kompakt – heute “Kategorische Bewertung von Geschäft”

#104 Basics kompakt – heute ”Kriterien des Erfolgs”

#105 – Kommunikationssplitter

#106 – Umorganisation & Teamgröße

#107 – Jede Woche 20 Stunden Weiterbildung in der Freizeit?

#108 – Moral der Metrik

#109 – Wie hoch soll die Rendite eines Unternehmens sein?

#110 – Manus Agere.

#111 – Risse im Führungsteam – Was tun?

#112 – Von sinnlosen Besprechungen.

#113 Der Flow und die Wertegemeinschaft

#114 – Inspiration und Impulse

#115 – Ein persönliches Interview.

#116 – Social Media: Corporate Twittern

#117 – Warum können Erfolg und Misserfolg im gleichen Unternehmen so eng zusammen sein?

#118 – Mitarbeiterbeteiligung

#119 – Die Personalakte

#120 – Veränderung von oben!?

#121 – Kochrezept für Unternehmens-Gründer

#122 – Fahnenbildung mit Anleitung

Ich habe noch ein wenig mehr vor. Es wird also noch ein paar Artikel geben, die ich dann auch immer hier eintrage.

RMD

P.S.
Beim Schreiben des Unternehmertagebuchs habe ich auch gelernt, dass Unternehmertum gar nichts besonderes, sondern ein ganz normaler Teil des täglichen Lebens ist. Und dass viele Menschen, die mutig im Leben stehen, mehr Unternehmer sind als manche Top-Manager. Ich denke da an alleinerziehende Mütter oder auch Familienväter, an alle Menschen die oft auch in schwierigen Situationen stehen. Aber immer versuchen, ihr Leben in eigener Verantwortung und Freiheit zu leben.

Hier meine Tweets der letzten Woche zum Thema:
Bloggen und Twitter, Weisheiten und Regeln

1311121 Wer einmal stiehlt, heißt allzeit Dieb – Problem beim Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

131122 Wer ekel ist, entbehrt manch guten Bissen – so auch beim Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

131123 Wer erzieht, der regiert – bitte nicht beim Bloggen und Twittern. #Twitter #Bloggen #Weisheit

131124 Wer fechten will, muss der Streiche warten – so auch beim Bloggen und Twittern? #Twitter #Bloggen #Weisheit

131125 Wer flieht, eh man ihn jagt, ist allzu verzagt – auch beim Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

131126 Wer flieht, wird gejagt – so auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

131127 Wer frei darf denken, denket wohl – auch beim Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

Jeden Tag kommt ein neuer Tweet dazu. Siehe unter twitter.com und “follow” RolandDuerre!
Viel Spaß beim Folgen!

RMD

P.S.
Die Sprichwörter habe ich auf Alle deutsche Sprichwörter gefunden.

Roland Dürre
Dienstag, der 26. November 2013

Unternehmertagebuch #91 – Nicht agil oder agil mal anders.

Im letzten Beitrag meines Unternehmertagebuch habe ich versucht zu beschreiben, was einen wirklich guten Manager so ausmachen könnte. Und ich habe gefordert, dass dieser agil handeln und entscheiden müsse.

Aber was heißt das, agil? Dazu beginne ich mit dem Gegenteil (dogmatisch?):

Nicht-agile Entscheidungen erlebe ich immer dann, wenn die Entscheider sich im Besitz der Wahrheit wähnen und genauso die Welt und die Konstrukte ihres sozialen Systems bedingungslos übernehmen ohne sie zu hinterfragen. Also über eine nicht reflektierte persönliche und systemische „Vorurteilsstruktur“ verfügen. Wenn diese Vorurteilsstruktur Basis aller Überlegungen ist  und aus ihr mit dominanter Logik zwingend Entscheidungen entwickelt werden, dann kommt es meistens zu unsinnigen Handlungen mit schädlichen Folgen.

Der einfache Grund dafür ist, dass die Welt halt anders tickt, als man denkt. Wenn die vermeintlichen Gewissheiten nicht hinterfragt, emotionaler Einfluss und eigenes empathisches Aufnehmen anderer Meinungen nicht zugelassen wird und Warnungen als unbequem empfunden, unterdrückt oder ignoriert werden, dann passiert es:
Aus „Verantwortungs-Ethik“ wird „Pflicht-Ethik“, die alles Handeln aus der Treue zum System heraus rechtfertigt – auch wenn dieses Handeln dem System und den Menschen schadet.

Agil sein dagegen heißt, immer wieder anderen wie sich selber (!) Fragen zu stellen wie „Woher weißt Du das?“ oder „Woher weißt Du, dass das richtig ist“ und vielleicht unangenehmen Antworten nicht auszuweichen. Also immun sein gegen „das macht man so“ und „das ist halt so“ und immer versuchen, die eigenen Konstrukte mit den Konstrukten anderer Menschen abzugleichen und wenn möglich an der Realität zu validieren.

Das wäre die wichtigste Voraussetzung für einen agilen Manager.

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

Roland Dürre
Freitag, der 22. November 2013

Indische Götter

Hier noch eine kleine Nachlese zu meiner Reise durch Indien, von der ich vor knapp zwei Wochen zurückgekommen bin.

shiwaDie Religiosität der Inder – soweit ich diese durch unsere Guides und eigenes Beobachten vermittelt bekommen habe – verwirrt mich. Offensichtlich gibt es in Indien sehr viele Götter.

Da gibt es natürlich böse und gute. Es gibt „Gebrauchs-Götter“, die man für einen bestimmen Zweck nutzt. Zum Beispiel, damit man als Kaufmann zu Wohlstand gelangt oder als Dieb nicht erwischt wird. Manche Götter scheinen nur aus Luxus dazusein. Man braucht sie nicht, aber sie sind ganz beeindruckend. Für die Liebenden soll es auch ganz romantische geben.

Die Götter stehen auch immer irgendwie in einem Bezug zu einem oder mehreren Tieren. So wurde mir berichtet, dass sich im Magen einer Kuh mehr als drei Millionen Götter befänden, die alle gleichwohl irgendwie verschieden wären.

Ich habe auch den Eindruck gewonnen, dass Inder sich gelegentlich auch ihren eigenen Gott kreieren. Diesen Gedanken finde ich sympathisch – sich einen „do it yourself“-Gott genau für die persönlichen Bedürfnisse zu schaffen. Sind wir doch alle einzigartig und haben unsere ganz eigene persönliche „Welt“, warum dann nicht auch einen privaten/persönlichen Gott haben?

Oft habe ich den Eindruck, dass man in Indien religiös sehr frei ist. Allerdings gibt es da auch die Christen und den Islam. So sahen wir in Südindien ganz viele Kirchen. Dies ganz besonders in den Gebieten wie GOA, in denen der portugiesische Einfluss sehr stark war. Die christlichen Götter sind vor allem Jesus und Maria, man findet viele Darstellungen von diesen, oft in rührend kitschiger Anmutung.

Den Islam habe ich vor allem bemerkt, weil ich überall nachts den Ruf des Muezzin zum Gebet gehört habe. In islamischen Gebieten sind dann in meiner Wahrnehmung weniger Frauen auf den Straßen und wenn dann überwiegend in der Burka. Kopftücher habe ich nicht so häufig gesehen. Der süd-indische Islam scheint also eher eine strengere Variante zu sein. Gottesabbildungen sieht man hier natürlich nicht.

RMD

P.S.
🙂 Das Bild zeigt meinen Büro-Gott Ganesh. Er steht in meinem Vorstandszimmer und hilft, dass die Geschäfte der InterFace funktionieren.

Roland Dürre
Donnerstag, der 21. November 2013

Interview

Hier die nicht wortgenaue Abschrift eines Interviews, das ich vor kurzem im Rahmen von DOAG2013 für DOAG-TV gab. Die Fragen sind kursiv.

Sie sind Vorstandsvorsitzender und Mitbegründer der InterFace AG und Vollzeitmanager – sowohl in beruflicher als auch in privater Hinsicht. Sie haben sich sehr intensiv mit Management-Modellen beschäftigt und haben nach und nach Ihr eigenes Modell entwickelt. Gab es kein bestehendes Modell, das bei Ihnen Zuspruch gefunden hat? (welches Modell)?

Gab es kein bestehendes Modell, das bei Ihnen Zuspruch gefunden hat? Und welches Modell wäre das?

Ich meine, dass jeder Unternehmer oder Manager sein eigenes „Management Modell“ finden muss. Meines ist inspiriert vom „St. Gallener Management Modell“, siehe hier besonders den Aufsatz von Hans Ulrich „8 Thesen zum Wandel im Management“ aus den achtziger Jahren. Einen großen Einfluss auf mich und mein Denken hatte auch Rupert Lay, der Nestor von Ethik im Management des letzten Jahrhunderts.

In den Medien wird viel über Führungsstil berichtet. In diesem Zusammenhang tauchen Begriffe wie Unternehmenskultur, Ethik, Moral, Philosophie auf – Wörter, die oftmals als Synonym benutzt werden. Ist es denn alles das Gleiche?

Genau das ist das Problem, es ist nicht das Gleiche. Über solche Begriffe sollte man nur reden, wenn man sich mit ihnen intensiv beschäftigt hat. Leider leben wir in einem Zeitalter, in dem die Menschen gerne über Begriffe reden, die Sie nicht verstehen. Denken Sie nur an den Begriff der Freiheit – was bedeutet es frei zu sein. Oder den Begriff von der Nachhaltigkeit.

Was sind die heutigen Anforderungen an das Management?

Management erfordert die Übernahme von Verantwortung modellhaft auf operativer, strategischer und normativer Ebene:

  • Operativ beschreibt das Tun, das „Was, das man tut“, sozusagen die konkrete Interaktion mit allen Stakeholdern des Unternehmens.
  • Strategisch bedeutet „Führen“ – das „Wie“ und auf welche Art das geschieht.
  • Normativ steht für die Übernahme unternehmerischer Verantwortung, für das „Warum“.

Eine Führungsperson muss wohl ganz schön den Spagat zwischen schwarzen Zahlen und Ethik machen. Wie gehen Sie im Alltag damit um?

Der Konflikt zwischen Zahlen-Erfolg und „ethischem Entscheidungen“ existiert vor allem, wenn „die Führung“ kurzfristig denkt. Je langfristiger die Sicht ist, desto mehr rechnen sich sittlich verantwortete Güterabwägungen. Ein Problem ist sicher immer, dass die materiellen Werte scheinbar sehr leicht zu beziffern, die immateriellen dies oft gar nicht sind. Das macht die für die Entscheidung notwendige Güterabwägung schwierig, besonders wenn Shareholder die Vorgabe einseitig auf das Materielle, den Shareholder Value setzen.

Kommunikation ist ein mächtiges Werkzeug, was oftmals vernachlässigt wird. Auf welche Kommunikationsformen greifen sie bei der InterFace AG zurück?

Ohne Internet und social media geht heute nichts mehr. Aber: Kommunikation als Basis von Kollaboration muss „hybrid“ sein. Das meint, wir müssen das Treffen „Face2Face“ angemessen mit der virtuellen Welt kombinieren. Und das versuchen wir in unserem Unternehmen zu schaffen.

RMD

Hier meine Tweets der letzten Woche zum Thema:
Bloggen und Twitter, Weisheiten und Regeln

131114 Wer ein Amt genommen, ist der Freiheit verkommen – ein Problem beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

131115 Wer ein Ding zu viel lobt, dem traue nicht – auch beim Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

131116 Wer ein Schreiner werden will, muss auch harte Bretter bohren lernen – so auch beim Bloggen und Twittern. #Twitter #Bloggen #Weisheit

131117 Wer einem Armen hilft, gedenkt an sich selber – so auch beim Bloggen und Twittern? #Twitter #Bloggen #Weisheit

131118 Wer einen großen Sprung tun will, geht erst rückwärts – auch beim Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

131119 Wer einen Stein über sich wirft, dem fällt er leicht auf den Kopf – so auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

131120 Wer einen straft, straft hundert – passiert leicht beim Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

Jeden Tag kommt ein neuer Tweet dazu. Siehe unter twitter.com und “follow” RolandDuerre!
Viel Spaß beim Folgen!

RMD

P.S.
Die Sprichwörter habe ich auf Alle deutsche Sprichwörter gefunden.

Roland Dürre
Dienstag, der 19. November 2013

Videos von Dr. Roberto Simanowski vom IF-Forum verfügbar!

Professor Dr. Roberto Simanowski hat im IF-Forum am 25. Oktober 2013 im ersten Teil seines Vortrages zu „Jean Paul, der Witz, die Postmoderne und die neuen Medien“ und dann im zweiten Teil über „Big Data und gläserne Gesellschaft – NSA, Self-Tracking und das Internet der Dinge“ berichtet. Jetzt können die Vorträge als Video in Youtube angesehen werden.

Big Data

Jean Paul

Viel Spaß beim Anschauen!

RMD

Elwood P. Dowd
Montag, der 18. November 2013

Blasen

harvey&friendWir wachsen in einer Fruchtblase auf.

Unsere ganze Verbindung zur Welt ist die Nabelschnur.

Heute läuft die ganze Welt mit einem Smartphone vor der Nase herum.

Wieder in einer eigenen Blase.

Die neue Nabelschnur ist das Funksignal.

Die neue Blase ist die Suchmaschine von Mamma google.

Mamma google nährt uns mit dem, von dem sie glaubt, dass es gut für uns ist und verschont uns mit dem, von dem sie das nicht glaubt.

Wenn jemand aus der Welt außerhalb der Blase in unsere Blase dringt und nach einer Strasse zwei Strassen weiter fragt, dann geben wir die Frage an Mamma google weiter, denn sie weiß es, wir nicht mehr.

Wir müssen auch nichts mehr wissen. Don’t think, link.

google ist kein Unternehmen, google ist eine große Mamma.

Wir sind die kleinen Kinder.


Mein Freund Harvey sagt:

Einspruch, Dowd, das Leben in der Blase ist keine Internet-Erfindung, google hat nur aus dem wahren Leben abgekupfert.

Wenn zum Beispiel einer aus einem überschuldeten Bretterbuden-Verein einen Welt-Club macht, aus einer Metzgerei eine Wurstfabrik, sich sogar um die Integration von Einwanderern kümmert,dann ist die Gefahr, dass er sich so stark dünkt, sich zum
1-Mann-Staat erheben zu dürfen, der seine eigenen Regeln schreibt, sehr groß.

Aber L’etat c’est moi funktioniert erst, wenn er systematisch die richtigen falschen Freunde hat: die Speichellecker, die zu allem ja und zu nix nein sagen.

Hoeneß hat diese Freunde, die ihn hermetisch in einer Blase einschließen, außerhalb der eine Welt mit anderen Regeln nicht existiert.

Es gibt leider zu viele, die im Ghetto ihrer eigenen Regeln ständig unser aller Regeln ohne das geringste Unrechtsbewusstsein verletzen.


Blasen sind interessant, Harvey.

Sie kommen jedoch nicht, wie man meinen könnte, mit Pauken und Trompeten.

Anfangs sind es solide Gebilde, mit dicken und flexiblen Wänden. Sobald sie sich füllen, erreichen sie ungeahnte Größen mit immer dünnerer Umhüllung. Schließlich platzen sie und ihre Füllung ist weg.

Ende des letzten Jahrhunderts gab es die Internet-Blase, dann die Immobilien-Blase. “Sic transit gloria mundi” und die Vermögen von kleinen und mittelgroßen Sparern und Spekulanten vergehen mit.

Die “Hoeneß-Blase” gehört zur Familie der Solidaritäts-Blasen. Solidarität ist ja nichts anderes als die Eigenschaft für den Schluderjahn, die Ignoranz, die Fehlleistungen, die Unfähigkeit anderer einzutreten. Solidaritäts-Blasen bilden sich vorzugsweise in Unternehmen und Regierungen. Normalerweise ist ihr Wachstum ein Schrecken ohne Ende und das Platzen ein Ende mit Schrecken, denn sie füllen sich mit Solidarität, auf Kosten von Kompetenz.

Das geht dann in etwa so: Ein Top-Manager oder Regierungschef wird seinen engsten Mitarbeiterstab nur aus denen bilden, die sich mit seinem Projekt, Konzept oder seiner Vision solidarisch erklären. Damit wird Kompetenz zu einem untergeordneten Auswahlkriterium und zwar für alle Ebenen der Organisation. Früher oder später gibt es dann den Troja-Effekt, das heißt, der Ruf von Kassandra wird einfach überhört. Na, von Troja ist ja nicht all zuviel übrig geblieben.

Ich wünsche mir Kassandras in unseren Regierungen und Unternehmen, die brauchen Charakter, weil sie wohl meist als Bremser und lahme Bedenkenträger abqualifiziert werden.

Selbst Solidarität ist eine Frage der Dosierung
(Elwood P. Dowd)

Roland Dürre
Sonntag, der 17. November 2013

Ungewissheit und Unvorhergesehenes

In Google+ bin ich in Mitglied in einigen communities, die sich mit Themen beschäftigen, die mich bewegen. Eine davon nennt sich Ungewissheit und Unvorhergesehenes. Mein Freund Peter Addor aus der Schweiz hat diese Gemeinschaft gegründet und pflegt sie auch fleißig.

Auf dem PM-Camp gestern und vorgestern in Zürich hat der Peter eine tolle Session zu diesem Thema angeregt und dabei einen schönen Entscheidungsbaum zu Risiken präsentiert. Und dabei zwischen den planbaren, sprich anzunehmenden Risiken – zu denen auch der „GAU“, der größte anzunehmende Unfall gehört – und zu den nicht planbaren ganz sauber unterschieden.

Ich habe dann für mich verstanden, dass die Einteilung von voraussehbaren und unvorhersehbaren (!) Risiken eigentlich nur von der Phantasie des oder der Beobachter abhängt. Und im Nachhinein dann jedes Risiko doch immer irgendwie vorausgesehen hätte werden können.

Und in letzter Konsequenz kommt mir der Gedanke, dass ich eigentlich gar keine Mühe darauf verschwenden sollte, groß für die Risiken, die mich beschädigen könnten, zu planen, sondern besser mich darauf konzentrieren sollte, für das Unabwägbare gut vorbereitet zu sein. Es wäre doch viel besser, wenn ich es schaffen würde, so flexibel zu sein, dass ich mit den vorhersehbaren Risiken genauso fertig werde wie mit denen, die aus der Ungewissheit resultieren.

Folgen doch die Risiken, die ich in meinen Konstrukten wahrnehme, nur der Angst, die ich ebenso in meinen Konstrukten aufbaue. Und stellen diese doch nur einen kleinen Teil der großen Risiko-Menge dar, mit der ich letztendlich fertig werden muss. So muss ich in Wirklichkeit viel mehr Risiken beherrschen als ich mir vorstellen kann. Warum soll ich mich dann vor den mir bekannten ängstigen und mir so das Leben schwer machen.

So komme ich immer mehr zur Bewertung, dass Planen und Schätzen mehr kostet, als es bringt. Ein gutes Werk braucht so viel, wie es halt mal braucht. Nicht mehr oder weniger. Und ich darf halt nur so viel machen, wie ich mir leisten kann.

Vielleicht bedeutet so eine freie Lebensführung nichts anderes als der Verzicht auf Planungs- und Schätzkonstrukte.

RMD