Roland Dürre
Dienstag, der 29. April 2014

brand eins im Mai

Auf der Rückfahrt vom wunderbaren PM-Camp in Zürich im Bummel-EC mit den beiden stinkenden Diesellokomotiven nach München hatte ich viel Zeit.

Und das neue brand eins vom Mai war auch dabei. Also: 1 + 1 macht 2 – ich habe das Heft diesmal noch im Monat vor seinem Erscheinen im Zug und in einem Zug ausgelesen.

brand eins mai 2014

Der Titel ist „Wie war ich?“, es geht um die Schnittstelle zum Kunden. Also: Kunden wollen mehr und der Schwerpunkt heißt demgemäß: Im Interesse des Kunden.

Im aktuellen brand eins habe ich eine Reihe guter Artikel gefunden. Es ist diesmal kein „revolutionäres“ sondern eher nachdenkliches Heft. Ich habe es auch als den Versuch empfunden, Formen des Handels Mut zu machen. Auch solchen, die wahrscheinlich gar keine Chancen mehr haben.

So enthält es viele interessante Fallbeispiele und Geschichten zur Beziehung zwischen Unternehmen und Handel und deren Kunden. Und ich denke mir beim Lesen:

Schade, dass eine Reihe guter Ideen sich überlebt haben (Globetrotter).

Schade, dass vieles der Transformation im Handel wohl doch nur daraus zu bestehen scheint, den Kunden zu beschummeln.

Schade, dass viele sich an Theorien aufrichten, die zwar klug klingen aber langfristig nichts helfen werden.

Schade, dass manches nach ein wenig „Kundenbetrug“ klingt. Man verkauft in neuer Verpackung, ein anderer „Spirit“ soll vermittelt werden, aber unterm Strich bleibt alles beim alten.

Schade, dass viel zu oft auf der Verpackung nicht steht, was drin ist.

Schade, dass versucht wird, Erwartungen zu wecken, die sicher nicht nachhaltig sind.

Mit solchen Gedanken habe ich die Artikel gelesen. Und bin dann ganz assoziativ auf eine Reihe von Überlegungen gekommen:

Was hilft es mir, wenn mir das freundliche Schild an der defekten Rolltreppe sagt, dass der Betreiber sich bemühen will, den Schaden schnell möglichst zu beheben, ich aber weiß, dass die ehrliche Aussage heißen müsste:
„Die Störung ist gemeldet und der Prozess läuft nach seinen Regeln ab. Der Zeitpunkt der Behebung ist abhängig von vielen Faktoren, der Zeitpunkt der Behebung so nicht vorhersagbar“.

Was hilft es mir, wenn ich einen Defekt an einem Markenprodukt habe. Im zentralen „Store“ des „Labels“ mir aber nur geholfen wird, in dem man mich auf die Web-Adresse verwiesen werde.

Was hilft es mir, wenn ich meine Techno-Schuhe zum Radeln im Fach-Shop kaufen will und bereit bin, dafür mehr zu zahlen. Meine Frage wie man den Bereich für die Klickies am besten freilegen kann aber vom Verkäufer nicht zufriedenstellend beantwortet werden und ich aber weiß, dass ich die Schuhe im Internet zum halben Preis kriege.

Was hilft es mir, wenn ich im Geschäft nicht mit Paypal oder anderen modernen Zahlungsmitteln zahlen kann, dafür die Lieferung frei Haus aber erst ab einem gewissen Betrag möglich ist und dann auch noch länger dauert, als wenn ich es gleich bei Amazon kaufe?

Ich habe aber auch noch andere Sorgen:

Und wie schaffe ich es als Kunde, wenn ich keine Plastikverpackung mehr kaufen will?

Wie schaffe ich es, die gewünschte Qualität bei Nahrungsmitteln zu bekommen, wenn diese nicht mehr im Angebot ist?

Wo bekomme ich den einfachen Service z.B. für mein Fahrrad zu Fuß erreichbarer Nähe?

So könnte ich mir vorstellen, dass es in Zukunft nur noch zwei Formen des Handels geben wird:

Den übers Netz und den ganz regionalen auf Vertrauensbasis.

Und ich könnte mir gut vorstellen, dass ich dann das meiste Geld bei den lokalen Händlern und Dienstleistern ausgeben werde.

Aber wie schon oft geschrieben:

Zukunft ist nicht vorsagbar und dieses brand eins ist mal wieder eine wunderbare Basis, um ganz trefflich Zukunft diskutieren zu können.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 27. April 2014

Das erste PM-Camp in der Schweiz

Programmpmcamp14zrhDiese Woche war es endlich so weit – das erste PM-Camp in der Schweiz hat stattgefunden. Ich war dabei – und es war ein wunderschönes Erlebnis.

Die meisten Teilnehmer kamen aus der Schweiz, so habe ich ganz viele Menschen neu kennen gelernt. Auf der Veranstaltung fühlte ich mich sehr wohl. Irgendwie war mir vieles sehr vertraut und erinnerte mich an unsere Workshops bei RISE in der Hochschule St. Gallen.

🙂 PM-Camp stand diesmal nicht nur als Abkürzung für Projekt Management Camp sondern auch für Premium Camp.

Denn in Zürich war alles Premium – der Ort an dem es stattgefunden hat, die Art und Weise wie die Menschen miteinander umgingen, die Qualität der Sessions, das Essen, die Party am Freitag Abend und die Abschlussveranstaltung …

Veranstaltungsort war das „25hours“, ein Boutiquehotel in Zürich West. Dort hatten wir eine wirklich kreative Umgebung mit viel Freiraum für innovativen Austausch.

orgateampmcamp14rhSo darf das Team um Silvio, Christian, Toni und Matthias so richtig mit seiner Veranstaltung zufrieden sein. Ihr habt das ganz toll gemacht! Vielen Dank!

Gleich zum Start am Freitag Morgen zog Mischa Ranseyer (hier seine Folien) mit seiner Keynote zum „Management im 21. Jahrhundert“ das Auditorium in seinen Bann.

Inspiriert von Mischa’s Thesen ging es dann hinein in viele sehr bunte und spannende Sessions.

Natürlich war ich da auch dabei, es macht einfach zu viel Spaß Themen aus anderen Sessions aufzugreifen und in einer eigenen Veranstaltung gedanklich zu verlängern und erweitern.

Sessionpmcamp14zrhZürich war der Start ins PM-Camp-Jahr 2014. Zum Auftakt hatten wir ein PM-Camp, bei dem es den 50 Teilnehmern vor allem um Qualität ging. Als ob das Motto „Klein aber fein“ gewesen wäre.

Jetzt geht es Schlag auf Schlag weiter:

Die nächsten PM-Camps finden statt in Stuttgart (9. und 10. Mai 2014), Berlin (20. bis 22. Juni 2014) und Bad Homburg (PM Camp Rhein-Main am 26. bis 28. Juni 2014). Dann feiert in München das erste bayerische PM-Camp vom 25. bis 26. Juli 2014 seine Premiere.

ZerstörungWien ist noch nicht terminiert, im November wird dann das PM-Camp-Jahr 2014 mit dem großen PM-Camp DACH in Dornbirn (20. bis 22. November)
abgeschlossen.

Wenn möglich, werde ich bei den meisten PM-Camps dabei sein. Auf jeden Fall in Stuttgart, Berlin, München und Dornbirn. Und da würde ich mich natürlich sehr freuen, wenn ich da viele Freunde treffen würde.

Wer also neugierig geworden ist und gerne mal auf ein PM-Camp für Projekt Management gehen will und sein Wissen zu Management, Unternehmertum und Gestaltung von Zukunft teilen und mehren will – und das gemeinsam mit richtig viel Spaß und in hohem Tempo und für verblüffend wenig Geld – der darf mich gerne ansprechen.

Ich stehe immer zur Verfügung, für weitere allgemeine Informationen genauso für ganz persönliche Fragen. Und in IF-Blog gibt es übrigens auch schon eine Reihe von Artikeln, die zu PM-Camp und barcamps allgemein berichten. Dazu müsst Ihr einfach hier im Blog nach „barcamps und PM-Camp“ suchen.

Und dann bis baldiges Wiedersehen auf einem unserer Barcamps!

RMD

P.S.
Hier noch ein paar Impressionen vom Wochenende:

Und in Twitter findet Ihr noch viel mehr zum schönen PM-Camp in Zürich – einfach den Hashtag suchen: #pmcamp14zhr

Roland Dürre
Donnerstag, der 24. April 2014

Tweets zum Twittern und Bloggen #216

Hier meine Tweets der letzten Woche zum Thema:
Bloggen und Twitter, Weisheiten und Regeln

140417 Wie und wer, nicht was – darum gehts auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

140418 Wiedervergelten ist auch nicht verboten – könnte auch fürs Twittern und Bloggen gelten! #Twitter #Bloggen #Weisheit

140419 Wie viel Leute, so viel Häute – auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

140420 Wild in der Jugend bringt im Alter Tugend – auch beim Bloggen und Twitteren? #Twitter #Bloggen #Weisheit

140421 Willig Herz macht leichte Füße – auch beim Bloggen und Twittern. #Twitter #Bloggen #Weisheit

140422 Willst du mich, so hole mich – so geht es auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

140423 Willst du was finden, such’s nicht fern – könnte auch fürs Twittern und Bloggen gelten? #Twitter #Bloggen #Weisheit

Jeden Tag kommt ein neuer Tweet dazu. Siehe unter twitter.com und “follow” RolandDuerre!
Viel Spaß beim Folgen!

RMD

P.S.
Die Sprichwörter habe ich auf Alle deutsche Sprichwörter gefunden.

Roland Dürre
Dienstag, der 22. April 2014

Carl Heinrich Graun – Der Tod Jesu

Evelyn Gemkow (EG), die soviel für IF-Blog tut und dafür sorgt, dass wir Leser in der ganzen Welt haben – hat ein ganz besonderes Hobby – sie singt bei den arcis vocalisten, einem Chor von seltener Professionalität. Und die haben wieder ein neues ganz besonderes Konzert vorbereitet – und produzieren auch eine CD:

Flyer Graun - Internet CD-Produktion und Konzert der Arcis-Vocalisten Carl Heinrich Graun – „Der Tod Jesu“

Seit Jahren arbeiten die Arcis-Vocalisten und das Ensemble L‘ arpa festante regelmäßig bei der Gestaltung von Werken aus Barock und Klassik zusammen – zum großen Gewinn für das Münchner Konzertpublikum.

Mit Carl Heinrich Grauns „Der Tod Jesu“ nehmen sich die beiden Ensembles mit Unterstützung der Bayerischen Volksstiftung nun eines Werks an, das in Berlin aus gutem Grund fast ein Dreivierteljahrhundert lang praktisch jährlich – am Karfreitag – aufgeführt wurde. Es ist die dritte CD-Produktion, die das Barockorchester L’arpa festante und die Arcis-Vocalisten gemeinsam in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk in Angriff nehmen:

Nach Johann Sebastian Bachs Kantaten „Aus der Tiefen“ (BWV 131) und „Himmelskönig, sei willkommen“ (BWV 182), welche im Jahr 2011 eingespielt wurden, sowie den in 2012 aufgezeichneten Kantaten „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ (BWV 12) und „Herz und Mund und Tat und Leben“ (BWV 147), steht nun das Werk eines heute nur noch vergleichsweise selten gehörten Komponisten auf dem gemeinsamen Programm der beiden Ensembles: „Der Tod Jesu“ von Carl Heinrich Graun (* 7. Mai 1704, † 8. August 1759). Und das gemeinsame Projekt verspricht, erneut ein großer musikalischer Erfolg zu werden.

Im Rahmen der inzwischen zahlreichen Kooperationen der Arcis-Vocalisten mit L’arpa festante hat sich gezeigt, dass hier zwei Ensembles zusammengefunden haben, die bei der Erarbeitung und Aufführung alter Musik perfekt harmonieren. Da sind einerseits die im Jahr 2005 von Professor Thomas Gropper gegründeten Arcis-Vocalisten, deren „großen Fundus feinsinniger Ausdrucksmöglichkeiten“ die Süddeutsche Zeitung hervorhob – „stets verbunden mit einer präzisen Diktion und erzählerischen wie musikalischen Homogenität“.

Zum andern das Barockorchester L’arpa festante – eines der traditionsreichsten deutschen Ensembles für alte Musik, das sich durch große musikalische Erfahrung und Virtuosität seiner Mitglieder sowie durch das sagenhafte Farben- und Ausdrucksspektrum seines Spiels auszeichnet.

Die Ensembles ergänzen sich wechselseitig ideal, und jede neue Zusammenarbeit ist musikalisch wie menschlich stets eine großartige Erfahrung für alle Beteiligten. Nun wenden sich die Arcis-Vocalisten L’Arpa Festante also Carl Heinrich Grauns „Tod Jesu“ zu – einem eindrucksvollen Werk, allein schon unter dem Gesichtspunkt seiner Aufführungsgeschichte. Uraufgeführt am 26. März 1755 im Berliner Dom, bestimmte Grauns Passionskantate für mehr als siebzig Jahre regelmäßig das musikalische Karfreitagsprogramm in der preußischen Hauptstadt, was umso bemerkenswerter ist, als damals eine Rückbesinnung auf die Werke von Komponisten aus früherer Zeit eher die Ausnahme darstellte und die Aufmerksamkeit des Publikums vielmehr in erster Linie musikalischen Novitäten galt

Diese lang andauernde Popularität wird dem heutigen Musikliebhaber beim Genuss des Werks indes ohne weiteres verständlich, denn während das zugrundeliegende Libretto klar dem damaligen Zeitgeschmack verhaftet ist (und uns nach heutigen Maßstäben teilweise affektiert erscheinen mag), berührt Grauns Komposition das Empfinden auch des heutigen Zuhörers ganz unmittelbar. Groß ist die Palette musikalischer Technik wie musikalischen Ausdrucks, derer sich Graun bedient – von der archaisch anmutenden, im alten Stil streng durchgeführten Doppelfuge für Chor über ausdrucksvolle Arien im zu Grauns Zeit im Aufblühen befindlichen galanten Stil bis hin zur opernhaft-überschäumend jubelnden Tenorarie.

Dabei erweist sich das Werk, was das zugrundeliegende theologische und erzählerische Konzept betrifft, auf eine faszinierende Weise entgegengesetzt – oder besser: komplementär – zu den Bach’schen Passionen, die für den heutigen Musikliebhaber naturgemäß das nonplusultra der Passionsmusik darstellen.

Bachs Passionen bilden das Passionsgeschehen zum einen als „historischen“ Vorgang ab und rücken zugleich das heilsgeschichtliche Geschehen – die Vollendung und den Vollzug eines göttlichen Plans mit Christus als Dreh- und Angelpunkt – in den Mittelpunkt. Ganz anders bei Graun, wo Jesus mehr als Mensch unter Menschen, als Tugendheld und Wohltäter inmitten steht, denn als Akteur eines eschatologischen Plans. Die individuellen Gefühle des göttlichen Menschen Jesus sind es, die reflektiert und dem Zuhörer nahegebracht werden.

Das äußere Passionsgeschehen als geschichtliches Ereignis findet hingegen nur am Rande und nur indirekt Erwähnung. Musikfreunde brauchen nicht auf das Erscheinen der von den Arcis-Vocalisten und L’arpa festante produzierten CD zu warten, denn anlässlich ihres gemeinsamen Projekts führen die beiden Ensembles Grauns Werk am

Sonntag, den 18. Mai 2014 um 20.00 Uhr in der Sendlinger Himmelfahrtskirche

unter Gesamtleitung von Professor Thomas Gropper auf. Bereits um 19:00 Uhr findet eine Konzerteinführung mit Thomas Gropper statt, die für Mitglieder der Bayerischen Volksstiftung kostenlos ist. Der Tod Jesu – ein facettenreiches Passionsoratorium mit beeindruckender Aufführungsgeschichte, dargeboten von den Arcis-Vocalisten und dem Barockorchester „L’arpa festante“ in der Sendlinger Himmelfahrtskirche.

Bereits um 19:00 Uhr – eine Stunde vor Konzertbeginn – findet eine Konzerteinführung mit Professor Thomas Gropper statt. Eintrittskarten zu 28,- € zzgl. VVK-Gebühren sind erhältlich bei allen bekannten Vorverkaufsstellen, unter www.muenchenticket.de oder telefonisch unter 089- 54 81 81 81. Schüler- und Studentenkarten: 12,- € (nur Abendkasse). Konzerteinführung: 5,- €.

RMD
(Der Text kommt von Arcis Vocalisten e.V.)

Roland Dürre
Freitag, der 18. April 2014

Unternehmertagebuch #98 – Die Ökonomisierung des Lebens

Alles unterliegt der Ökonomisierung.

Aber warum denn nur? Der Versuch einer Erklärung.

Unternehmen sind soziale Systeme. Von anderen Systemen kann man sie abgrenzen, weil sie einen ökonomischen Zweck haben. Unternehmen neigen wie alle soziale Systeme dazu, sich nicht zu Gunsten der Kunden und Mitarbeiter sondern vor allem zum eigenen Vorteil und Nutzen zu entwickeln. Dies führt nur zu oft zur „Entpersonalisierung“ des Systems inklusive der „Entmenschlichung“ seiner Interaktionen.

Langfristig wird eine solche Entwicklung natürlich mehr schaden als nutzen. Das wird aber gerne vergessen, denn kurzfristiges Denken ist angesagt. Das nächste Quartal zählt – und was danach kommt spielt zuerst mal keine Rolle.

Wieso passiert das in sozialen Systemen?

Jedes soziale Systemen kreiert sich sein eigenes Kollektiv-Konstrukt, so wie Menschen sich ihre individuellen Konstrukte schaffen. Dieses bestimmt die Werte des sozialen Systems und verteidigt es gegen Angriffe von innen und außen. Die (kollektive) Moral ist ein Beispiel für ein typisches Ergebnis solcher kollektiven Konstrukt-Bildung.

Menschen müssen sich von personalen und kollektiven Zwängen befreien, um ihr Leben in seinen vielen möglichen Dimensionen entfalten zu können. Oft steht hier die Moral des Systems als sehr massives Konstrukt im Wege. Es gibt ein „man“, das allen vorschreibt, was zu tun ist: „Man tut das nicht“ oder „Man macht das so und nicht anders“.

So entsteht ein ideologisches System. Die Herrschaft eines kollektiv konstruierten Ideen- und Werte-Systems nimmt drastisch überhand. Und die Kollektiv-Konstrukte entwickeln sich weiter – aber immer mit dem Zweck, vor allem dem System zu nutzen! Am Ende dieser Entwicklung steht meistens, dass das höchste Ziel des Systems das eigene Überleben ist, dem alle anderen Belange radikal untergeordnet werden. Und das führt dann zu „faschistischen“ Strukturen. Die mir persönlich immer große Angst machen.

Das hat natürlich ganz typische Folgen:

Die Menschen im System werden bequem. Sie werden zum Opfer ihrer materiellen Abhängigkeit. Es entsteht ein – oft trügerisches – Gefühl von Geborgenheit. Dies begründet Verlustängste und erhöht die Abhängigkeit vom System. So entsteht ein verhängnisvoller Kreislauf, der zu Feigheit und Unselbstständigkeit führt, den Bürgermut und konstruktiven Ungehorsam aber immer schwieriger macht.

Die systemische Komplexität der Begriffswelt des Unternehmens wird parallel von den Systemagenten bewusst oder unbewusst semantisch entleert. Die Werte werden simplifiziert, das vorhandene Wertesystem dem ökonomischen Nutzen unterworfen. Gleichzeitig erfolgt eine immer stärker emotionale Besetzung aller Begriffe und Werte.

Die Demagogie der Systemagenten findet aufbauend auf einer solchen Veränderung leicht die „richtigen“ Argumente, die klar machen, dass es jetzt vor allem ums System geht – und die Belange der Menschen da keine Rolle mehr spielen dürfen. Vielleicht kann man das die „verführte Vernunft“ nennen und vielleicht ist diese das Problem unserer Gesellschaft und Zeit? Denn diese „verführte Vernunft“ lässt zu leicht vergessen, dass Gerechtigkeit auch mit Fairness auf Augenhöhe zu tun hat, wie alles andere was menschlich ist. Weil sie zu einer „Alternativlosigkeit“ führt?

Systemische Konstruktbildung bewirkt, dass das soziale System „Unternehmen“ genauso wie viele anderen zum Selbstzweck wird. Die wichtige Regel, dass Menschen – ob Kunden, Mitarbeiter oder sonstige „Stakeholder“ – nicht für das Unternehmen, sondern das Unternehmen für diese da ist, spielt da dann natürlich keine Rolle mehr!

Was kann man dagegen tun?

Wir dürfen uns an „unsere Systeme“ nicht total hingeben und zu einem Teil von uns selbst machen (Inkorporation). Auch müssen wir uns davor bewahren, dass wir zwischen unreflektierter Begeisterung und dann wieder Enttäuschung schwanken (Introjektion). Nein, wir sollten uns um eine gesunde Identifikation zu unseren Systemen bemühen. Das bedeutet Loyalität mit ethischer Kontrolle zu paaren, Interaktionen im und zum System unter eine bewusste Güterabwägung zu stellen und die Bereitschaft zum Widerstand und Zivilcourage aufzubringen. Bleibt noch die Frage:

Wie kann man sich eine solche „Immunität gegen systematische Zwänge“ antrainieren?

Ein guter Freund und Mentor hat mir mal empfohlen:
Prüfe Dich jeden Tag! Welche Deiner Handlungen haben an diesem Tag Leben in seinen vielen Dimensionen eher gemehrt denn gemindert? Indem Du z.B. andere Menschen größer gemacht hast? Oder hast andere Menschen kleiner gemacht?
Ist Dir klar, dass Du „interessierte Quellen“ nutzt? Denn auch die kleinen und großen Systeme konstruieren ihre Geschichten. So schaffen sie mit Geschichte Wirklichkeiten. So wollen die Mächtigen ihre Herrschaft festigen und nutzen die Mythen und Geschichten der Ideologie.
Also all die Wahrheiten und Selbstverständlichkeiten kritisch hinterfragen.

Und immer daran denken: Systeme, die Menschen kleiner machen, sind genauso schlimm wie Menschen, die andere Menschen kleiner machen. Gerade „Führungskräfte“ sollte es auszeichnen, dass sie in der Lage sind, die Menschen in ihrer Umgebung größer zu machen. Und so sollten auch die sozialen Systeme dafür da sein, „ihre“ Menschen größer und nicht kleiner zu machen.

RMD

P.S.
Der gute Ratgeber am Ende des Artikels war Rupert Lay. Die von mir in diesem Artikel dar gelegten Gedanken sind beeinflußt von dem, was ich von und mit Rupert gelernt und erarbeitet habe.

P.S.1
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

Roland Dürre
Donnerstag, der 17. April 2014

Tweets zum Twittern und Bloggen #215

Hier meine Tweets der letzten Woche zum Thema:
Bloggen und Twitter, Weisheiten und Regeln

140410 Wie gewonnen, so zerronnen – kann auch beim Twittern und Bloggen passieren. #Twitter #Bloggen #Weisheit

14011 Wie jeder ist so macht er Mist – könnte auch fürs Twittern und Bloggen gelten! #Twitter #Bloggen #Weisheit

140412 Wie man den Acker bestellt, so trägt er – schlechter Rat auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

140413 Wie man fragt, wird man berichtet – aufpassen, Blogger und Twitterer! #Twitter #Bloggen #Weisheit

140414 Wie man glaubt, so geschieht einem – so auch beim Bloggen und Twittern. #Twitter #Bloggen #Weisheit

140415 Wie man in den Wald schreit, so schallt es wieder heraus – auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

140416 Wie man sich bettet, so schläft man auch – gilt auch fürs Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

Jeden Tag kommt ein neuer Tweet dazu. Siehe unter twitter.com und “follow” RolandDuerre!
Viel Spaß beim Folgen!

RMD

P.S.
Die Sprichwörter habe ich auf Alle deutsche Sprichwörter gefunden.

Roland Dürre
Samstag, der 12. April 2014

Von 280 auf 400 … !?

Letzte Woche stand in der SZ, dass wir die 400 jetzt endgültig hinter uns gelassen haben …

Vor vielleicht 100 Millionen Jahren hat unser Planet einen Zustand erreicht, der die Entwicklung von Säugetieren ermöglichte. Dieser Zustand hat sich für längere Zeit stabilisiert. Zwar in einer Situation „at the edge“, aber erstaunlicherweise hat es funktioniert.

Bis der Mensch kam und sich in die industrielle Revolution stürzte.

Denn ab diesem Zeitpunkt hat er oder besser haben wir in unvorstellbarem Tempo an einem der wichtigen Parameter des Ökosystems unseres Planeten gedreht, nämlich dem Kohlenstoffdioxidgehalt in unserer Atmosphäre. Dieses bedeutsame Treibhausgas ist ein natürlicher Bestandteil der Luft und wurde in den letzten wenigen hundert Jahren, also in einem verhältnismäßig sehr kurzen Zeitraum durch die Verbrennung fossiler Energien vom „ewigen“ Wert der mittleren Konzentration von 0,018 Volumenprozent (280 ppm) auf satte 0,040 Volumenprozent (400 ppm) erhöht.

In 2014 lag dieser wegen der Sommer-/Wintersituation auf der größeren Landhälfte südlich des Äquator pulsierende Wert dann schon permanent über dem Wert von 400 und mittlerweile geht es wohl rasant auf die 500 zu.

Von 180 auf 400, das ist eine Steigerung um 66 % oder präziser 2/3. Und auf 500 dann noch mal ein plus von 25  %, also vom Basiswert  die Verbrennung fossiler Energien auf 277,77…  %!

Aufgemerkt – es geht um das Ökosystem unseres Planeten, die Basis unseres Lebens.

Jetzt sollte jedem aber klar sein, dass
wenn man an solch einem System,
das massiv-komplex ist,
das sich dauernd auf dünnster Kante bewegt
an einem der zentralen Parameter dreht
und diesen um das 2 – 3 fache verändert,
dass dies zu einer wesentlichen Veränderung des Systems führen muss!

Es erscheint auch sehr plausibel, dass diese Veränderungen zeitlich verzögert und nicht unbedingt linear sondern in unterschiedlicher Ausprägung stattfinden werden. Dies macht es noch schlimmer – denn wir können die Reaktion auf unsere Maßnahmen immer erst stark verzögert, dafür umso heftiger wahrnehmen. Und zu lange „Feedback-Zyklen“ erschweren die Bereitschaft für notwendige Entscheidungen und Maßnahmen.

Um das zu erkennen, ist doch nur ein wenig technischer Verstand von Nöten. Und den sollte jeder haben, der nach Aufklärung und industrieller Revolution naturwissenschaftlich und ingenieursmäßig im 20. sozialisiert wurde. Natürlich bedarf es des guten Willens, negative Erkenntnisse nicht einfach weil störend zu ignorieren.

Klimamodelle und Computersimulierungen in die Zukunft zeigen, dass etwas passieren wird und weisen darauf hin, wie dies stattfinden könnte. Wahrscheinlich sind die Modelle noch lange nicht ausreichend, um die Realität zu erkennen. Aber die auf dieser Basis berechneten Vorhersagen sollte man zumindest als sehr reale Zukunft-Szenarios ernst nehmen. Besonders wenn die Entwicklung diese laufend bestätigt

Insofern ist die ganze Diskussion um das Ende der fossilen Energien müßig. Es geht doch gar nicht darum, wo wir noch Erdöl und -gas finden, sondern dass wir ganz schnell das massenhafte Freisetzen von Kohlendioxid beenden.

Denn der Kohlenstoffdioxidgehalt der Atmosphäre muss wieder unter die 400!

Neue Förderungsmethoden, die bei der Produktion schon oft mehr Kohlendioxid generieren als anschließend bei der Nutzung der gewonnen Energie freigesetzt wird verbieten sich so erst recht von selbst. Als Argument dagegen ist allein schon der steigende Kohlendioxidgehalt der Luft hinreichend. Die bei der Förderung entstehenden Zerstörungen und Risiken für die Umwelt sind da nur noch eine Ergänzung. Auch fossile Energien wie Kohle dürfen nicht mehr genutzt werden, ganz gleich wie reichlich sie noch vorhanden sind.

Es gibt nur eins: Soweit irgendwie möglich das Verbrennen von fossiler Energie zu vermeiden und beenden. Dies muss jeder Mensch für sich persönlich entscheiden. Ich habe vor, in den letzten Jahren meines Lebens definitiv  den Verbrauch von fossiler Energie für mich persönlich radikal zu reduzieren und habe damit auch schon begonnen.

Nicht weil ich meine, damit die Welt retten zu können.

Sondern weil ich so wieder ein wenig zufriedener und glücklicher werde. Ich weiß mittlerweile, dass der Verzicht auf unangemessen viele und zu warme Räume, die absolute Minimierung von Flugreisen, der Verzicht aufs Autofahren wie das aktive Vermeiden von Plastik-Müll und manches mehr dieser Art und dafür das Setzen auf „aktive Mobilität“ zu Fuß und mit dem Fahrrad und die langsame öffentliche Mobiliät meine Lebensqualität genauso erhöhen wird wie wenn ich bewusster esse und weniger konsumiere.

Ich nehme an, dass wir in eine große „Wirtschaftskatastrophe“ geraten würden, wenn viele Menschen so handeln würden wie ich. Die Hälfte unserer „Wirtschaft“ würde zusammen brechen. Und „schwere Zeiten“ inklusive von „sozialen Umbrüchen“ und „großen Veränderungen“ sehr schnell auf uns zu kommen würden. Wahrscheinlich würde unser politisches und ökonomisches System zusammenbrechen.

Das würde ich billigend in Kauf nehmen. Zuviel steht auf dem Spiel. Und ich habe doch jetzt 60 Jahre wie die „Made im Speck“ gelebt.  So muss ich jetzt vielleicht auch 10 nicht so tolle Jahre der Transformation aushalten. Innovation ist nun mal kreative Zerstörung. Und mal fällt diese massiver oder weniger massiv aus.

Noch sehe ich – dies auch wieder rein gefühlt – die große Chance die Dinge halbwegs vernünftig drehen zu können, sprich aus dem beschriebenen Zusammenbruch, der vielleicht noch nicht ganz so grausam ist etwas Neues und Besseres zu starten. Wer weiß, ob das in 50 Jahren auch noch möglich sein wird.

Also – lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken mit Ende.

Die nächsten Generationen werden die unsere und so manche davor sowieso verfluchen, wenn sie mit den angerichteten Zerstörungen leben und unter den Folgen leiden müssen. Denn unsere Nachfolger werden gegen sich erwärmende atomare Überreste als Spitze des Eisberges unserer Hinterlassenschaft von verschmutzten Meeren, degradierten Böden, versiegelten Flächen und versiegenden Flüssen, steigendem Meeresspiegel und zusätzlichen von uns verursachten Umweltkatastrophen aller Art kämpfen müssen. Und dabei nur den Kopf schütteln und besser nicht auf ihre Väterväter zurückschauen. Weil sie sonst im Zorn untergehen würden.

Für den Fall, dass in 50 Jahren es noch einen Leser dieses Artikel geben sollte, möchte ich diesen hier schon mal um Verzeihung für mein Verhalten in den letzten 50 Jahren bitten.

RMD

P.S.
Ich bin mir nicht sicher, ob meine Zahlen alle korrekt recherchiert sind oder auch immer richtig gerechnet wurden. Halte das aber auch für gar nicht so wichtig, denn der Trend ist gut begründet, mehr als plausibel und ist schon sichtbar und fühlbar. Und in so einer wichtigen Sache nicht es nicht erlaubt, auf große Irrtümer bei der Vorhersage oder auf ein Wunder zu hoffen …

Die Ursachen für diesen Trend bestärken doch auch die Annahme der Richtigkeit der aktuellen Gedanken. Die sind stark ausgelebte sozial-ethische Unwerte wie Gier, Verschwendung, Rücksichtslosigkeit, maßloser Egoismus, die mangelnde Demut und Bescheidenheit.

Roland Dürre
Donnerstag, der 10. April 2014

Unternehmertagebuch #97 – Heute mal wieder zum Vertrieb

Dienstleistung / Beratung / Service sind Vertrauensangelegenheiten

Anspruchsvolle Dienstleistung ist Vertrauenssache. Besonders wenn eine Dienstleistung erbracht wird, die nicht „commodity“ ist, dann ist Vertrauen alles. Aber Vertrauen entwickelt sich Schritt für Schritt, es braucht seine Zeit.

Vertrauen aufbauen geht letzten Endes nur über die Leistungserbringer. Die müssen es richtig machen. Wenn die für den Kunden einen guten Job tun, dann gibt es eine Art von Mund-zu-Mund-Propaganda. Der „Vertrauenskreis“erweitert sich und es entstehen zusätzliche, „vertrauensbasierte“ Umsätze. So entsteht stetiges Wachstum, das aber in der Regel nicht rasant sein wird.

In unserer am Wachstum orientierten Welt geht das vielen Unternehmen zu langsam. Man steckt sich ehrgeizige Ziele, das Wachstum muss unbedingt beschleunigt werden. So versuchen Unternehmen immer wieder, auch anspruchsvolle Dienstleistungen „professionell zu verkaufen“ und bauen einen eigenen „Vertriebsapparat“ auf.

Meistens funktioniert das nicht. Warum wohl?

Es wird selten möglich sein, dass Vertriebsleute über a) die emotionale Überzeugung und Leidenschaft fürs „(Dienstleistungs)-Produkt“ b) die technologische Kompetenz und c) das ganz besondere Gefühl für die Kundenbedürfnisse verfügen wie die Fachleute, die vor Ort ihren Job machen.

Und im negativen Fall können sie ihren vertrieblichen Misserfolg immer einfach erklären. Sie mussten ja scheitern! Um erfolgreich zu sein, hätten sie doch ein klar definiertes Produkt mit einem präzise zu beschreibenden Mehrwert gebraucht.

Nur – kann ein Service, der ganz maßgeschneidert Unterstützung mit voller Berücksichtigung der Kundenbelange anbietet ein solch einfaches Produkt sein?

Ich sehe das ganze als Ermutigung für den ehrbaren Mittelständler. Ein Grund mehr, dass die „Kleinen“ eine Chance gegen die „Großen“ haben. Denn in einem Konzern steht strukturell bedingt eben nicht das Kundeninteresse sondern die Optimierung der eigenen Ziele und Prozesse im Vordergrund. Und natürlich muss der Vertrieb das verkaufen, was den Zielen des Unternehmens folgt und nicht, was für den Kunden gut ist.

Und so kenne ich eine Reihe von Unternehmen, die versucht haben, schnelles Wachstum durch die Einstellung eines „Vertriebsmannes“ oder einer „Vertriebsfrau“ zu erreichen. Und regelmäßig blieb am Schluss nur das Fazit „außer Spesen nichts gewesen“ und eine teuer geleaste „Vertriebslimousine“ auf dem Hof.

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

Hier meine Tweets der letzten Woche zum Thema:
Bloggen und Twitter, Weisheiten und Regeln

140403 Wie die Weise, so der Sang – so auch beim Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

140404 Wie die Zucht, so die Frucht – könnte auch fürs Twittern und Bloggen gelten! #Twitter #Bloggen #Weisheit

140405 Wie du mir, so ich dir – schlechter Rat auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

140406 Wie du säst, so wirst du ernten – gilt auch beim Bloggen und Twittern! #Twitter #Bloggen #Weisheit

140407 Wie einer gesinnt ist, so ist er auch geschnäbelt – so auch beim Bloggen und Twittern. #Twitter #Bloggen #Weisheit

140408 Wie einer redet, so ist er – auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

140409 Wie gerungen, so gelungen – gilt’s auch fürs Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

Jeden Tag kommt ein neuer Tweet dazu. Siehe unter twitter.com und “follow” RolandDuerre!
Viel Spaß beim Folgen!

RMD

P.S.
Die Sprichwörter habe ich auf Alle deutsche Sprichwörter gefunden.

Roland Dürre
Montag, der 7. April 2014

Unternehmertagebuch #96 – Noch mal Strategie!

Zu Strategie habe ich ja schon öfters hier in meinem Unternehmertagebuch geschrieben. Denn Strategie war in meinem Unternehmerleben lange Jahre ein schmerzliches Thema. Immer wieder habe ich versucht, die Zukunft zu planen, Annahmen über Markt und Konkurrenten zu entwickeln, Technologien abzuschätzen, Marktentwicklungen im Voraus zu erahnen und daraus Schlussfolgerungen zu tätigen um dann Pläne zu gestalten und diese umzusetzen.

Und habe mich dabei überfordert gefühlt. Mein „unternehmerisches Überich“ jedoch hat mich immer wieder gezwungen, „eine Strategie“ zu machen. Und mich vergewaltigt, diese dann auch noch anderen zu erzählen. Und so kam es, dass ich meinte, Dinge machen und berichten zu müssen, an die ich selbst nicht glauben konnte.

Im Rückblick stelle ich fest: Das mit der Strategie hat nie geklappt!

Erfolgreich wurden genau die Dinge, die nicht geplant waren. Die rational-logisch erdachten Pläne sind regelmäßig gescheitert, obwohl sie zumindest ein paar Mal so richtig gut validiert, recherchiert und in alle Richtungen abgesichert waren.

Heute meine ich, dass Strategie das ist, was die Organisation eines Unternehmens nach vorne bringt. Der Zauber, der ein Unternehmen als vergängliches Gebilde im Fluss der Zeit überleben lässt. Unternehmen sind soziale Systeme, die von einem gewerblich-wirtschaftlichen und kaufmännischen Zweck geleitet werden. Solche sozialen Systemen ähneln eher Menschen denn Maschinen. So wie Menschen ihre Konstrukte entwickeln, entwickeln Unternehmen kollektive Konstrukte. Diese sind nicht zu steuern. So ist die Organisation eines sozialen Systems Unternehmen etwas ganz besonderes.

Folgender Vergleich gefällt mir:

Stellen wir uns ein Unternehmen als einen menschlichen Körper vor, dann besteht die Organisation aus allem, das den Körper steuert, bewegt und funktionieren lässt. Das könnte das Nervensystem, der Kreislauf des Blutes, die Muskeln, die Lymphgefäße und vieles mehr sein.

Damit das alles gut funktioniert, braucht man einen gesunden Körper. Ich muss also den Körper, in diesem Vergleich das Unternehmen und seine Organisation gesund halten. Die Aufgabe der Strategie ist also, das Unternehmen gesund zu erhalten.

Natürlich hinkt auch dieser Vergleich. Aber er lässt erahnen, wie komplex und schwierig man sich die Organisation eines Unternehmens vorstellen kann. Denn ein Unternehmen ist etwas Lebendiges.

Die Aufgabe der Strategie:

Sie ist die normative Kraft, die hilft, das Unternehmen von anderen zu differenzieren. Sie gibt die Geisteshaltung, die Entscheidungsfindung und die handlungsleitenden Werte vor. Sie sorgt dafür, dass immer mehr Entscheidungen im Unternehmen die „richtigen“ und nicht die „falschen“ sind. Sie hilft den Handelnden zu erkennen, was gut oder schlecht fürs Unternehmen ist.

Das ist ein Begriff von Strategie, der mir gefällt und mir hilft. Denn jetzt weiß jeder, der strategisch wirken will, was zu tun ist: Festlegen was gut und schlecht ist und öfters das Richtige denn das Falsche machen.

Und das geht im Unternehmen – wie in jedem sozialen System nur über Verbündete. Und das sind die Menschen im Unternehmens und nicht eine oft einsame Management-Kaste, die meint, sie müsse Visionen entwickeln und die Menschen in Richtung Umsetzung zu steuern. Realitätsdichte und -nähe sind die Stärken einer guten Strategie, nicht logisch begründete Kopfgeburten.

Die beste Art von Strategie ist, wenn alle Stakeholder und Mitstreiter des Unternehmens gemeinsam fühlen, wo das Unternehmen hin soll und will. So wie alle Zellen des Körpers „an einem Strick ziehen müssen“, wenn der Körper leben soll.

RMD

P.S.
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