Roland Dürre
Donnerstag, der 29. Mai 2014

Das Ziel ist im Weg …

Es passiert im Unternehmen oder auch in anderen sozialen Systemen immer wieder: Die Menschen leiden unter einem Missstand oder einer ständigen Verschlechterung, die eigentlich nicht nötig wäre. Vielleicht weil sich Prozesse und/oder die unterstützende Technik überholt haben. Vielleicht auch nur, weil technische Schulden aufgelaufen sind. Weil ein ehemals sehr nützliches System im Lauf der Jahre völlig veraltet ist. Ein System, das mal als gutes Werkzeug gedient hat, kann halt in die Jahre kommen.

Die engagierten Anwender im Unternehmen haben dies erkannt und sind mit dieser Situation unzufrieden. Wie auch die Verantwortlichen. So soll die alte Welt verbessert werden. Und alle ziehen an einem Strang, denn sie wissen ziemlich genau, was sie brauchen und haben wollen.

Und dann kommt der Auftrag an den Projektleiter. Er bekommt die große Aufgabe übertragen. Und soll einen unzufriedenen Zustand deutlich verbessern. Eigentlich scheint alles ganz einfach; die Nutzer des Systems wie die fachlich Verantwortlichen wissen genau, was sie wollen. Auch die „Leitung“ steht hinter dem Projekt. Und sogar das Budget ist vorhanden und scheint großzügig bemessen zu sein.

Aber dann kommen Eggheads und bringen ihre krusen Gedanken ein. Legal Service, Betriebsrat, Datenschutzbeauftragter, Qualitätspäpste, administrative Instanzen und diverse Prozessverantwortliche mischen sich ein. Zudem werden aufgrund persönlicher Interessen ganz lustig „Nebenkriegsschauplätze“ eröffnet.

Ein komplexes Requirement-Engineerung (RE) wird angeworfen. Die abenteuerlichsten Zusatzfunktionen entstehen als skurile Kopfgeburten. Und plötzlich stehen Funktionen in den Papieren, die man wahrscheinlich nie brauchen wird. Dafür werden dann elementare „Basics“ vergessen.

Dabei wird das Projektziel so pervertiert, dass es zum natürlichen Feind aller Projekttreiber wird. Natürlich verhakt sich das Projekt so von Anfang an. Und schon beim Start ahnen „kluge Köpfe“, dass das Ganze ein Desaster wird.

Die „klugen Köpfe“ schweigen aber lieber, denn sie wollen ja nicht als Nörgler da stehen. Denn sie wissen auch, dass ihre Kritik eh nicht gehört werden wird. Wie sie auch wissen, dass die morbide Vorfreude aufs Scheitern ja auch keinem hilft, sondern letzten Endes allen nur schadet. Also was machen?

Ist das nicht traurig?

Das von mir Geschilderte kommt übrigens gar nicht so selten vor. In meiner Beobachtung passiert genau dies bei mindestens der Hälfte aller Projekte. Die Blindleistung steigt ins Unendliche. Und nur weil es Helden gibt, die die Projekte dann schon wieder irgendwie zu Recht biegen, klappt es dann meistens doch, wenn auch mehr schlecht als recht.

Da träume ich dann wieder von einem von allen Beteiligten getragenen kontinuierlichen Verbesserungsprozess, bei dem in kleinen gemeinsamen Schritten einfache Verbesserungen wie Perlen an verschiedenen Ketten ganz pragmatisch aneinander gereiht werden. Und der Weg zum Ziel wird. Dies ganz „agile“, „lean“ und „open“.

Gerne mit Mobprogramming und ähnlichen Innovationen. Aber was Mobprogramming ist und dass das auch ein hilfreiches Kollobarationsmodell für Führungsteams sein kann, darüber schreibe ich dann ein anderes mal!

RMD

Hier meine Tweets der letzten Woche zum Thema: Bloggen und Twitter, Weisheiten und Regeln

140522 Womit einer des Tags umgeht, davon träumt ihm des Nachts – so auch beim Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

140523 Womit man umgeht, das hängt einem an – auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

140524 Worte darf man nicht kaufen – gerade nicht beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

140525 Worte sind keine Taler – merkt man gerade beim Bloggen und Twittern. #Twitter #Bloggen #Weisheit

140526 Worte tun oft mehr als Schläge – dran denken beim Bloggen und Twittern! #Twitter #Bloggen #Weisheit

140527 Wörter sind auch Schwerter – Vorsicht beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

140528 Wünschen fördert keine Arbeit – auch nicht beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

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RMD

P.S.
Die Sprichwörter habe ich auf Alle deutsche Sprichwörter gefunden.

Werner Lorbeer
Mittwoch, der 28. Mai 2014

Vom Bock zum Gärtner der den Bock erklärt …

Aus der Telekom-Werbeseite

Aus der Telekom-Werbeseite

Die EZB warnt vor DAX 10.000 … und ist durch zinsfreies Geld die Ursache ihrer Warnung.

Das ist was für Gutjahr und Rangi Yogeschwar für die korrekte journalistische Darstellung. Es ist höchste die Zeit für eine Ideologie-Kritik an der Geldpolitik der EZB (und das ist keine „Kapitalismuskritik“ im Stil des 19. Jahrhunderts).

Wenn im €-Währungsbereich zu wenig investiert wird, dann ist die Ursache nicht das teure Geld, es ist jetzt schon so billig. Schon Karl Schiller wusste ohne Simulationsrechnung: „Man kann die Pferde zur Tränke führen, aber saufen müssen sie schon selber“.

Ein wirklicher EU-Bankenskandal ist, dass nach wie vor Staatsanleihen nicht mit Eigenkapital unterlegt werden müssen. Ein weiterer Skandal ist natürlich, dass Schattenbanken überhaupt nicht durch Eigenkapitalhinterlegungen reglementiert werden. Und dass durch Derivate Schuldscheinmengen produziert werden, die jederzeit bei Handelsunterbrechungen vom Spieltisch auf den Tisch der Volkswirtschaft der Güter hereinbrechen können.

Meine Forderung ist: „Gebt den Spielern Chips = Kräftige Regulierung des Derivatemarkts“. Sie müssen sich dann zur Auszahlung an der Casino Kasse drängeln und dann verdient wenigstens die staatlich regulierte Spielbank und wir können die Tische jederzeit schließen. Ackermann (Deutsche Bank) irrte fundamental als er äußerte, dass substanzlose Kapitalströme Vermögen schaffen.

Der völkerrechtswidrige Bruch der Lissabon-Verträge „no bail out“, muss repariert werden. Das mindeste wäre eine Austrittsklausel im Vertrag aus dem €. Der Austritt kann freiwillig oder durch Vertragsbruch erzwungen indiziert werden. So wie es jetzt ist, dass durch Niedrigzins Renten, Lebensversicherer, Sparbücher rasiert werden, kann es nicht weiter gehen.

Oder man stellt sich der Verantwortung: „Scheitert der € dann scheitert Europa“ jedenfalls ist so genial formuliert, dass die meisten Journalisten die Formel heute noch herbeten, obwohl der Propagandaspruch keine 2 Minuten der Analyse stand hält.

Aber so ist sie halt die modische Medien-Ideologie (Die jüngste Fehlleistung der Redaktionen: „EU-Kritisch == europafeindlich“). Die Rückkopplungsmechanismen sind schwierig zu erklären und wenn man die selbst gesetzte Rückkopplung beklagt, wie heute die EZB, dann muss man als Bock als Gärtner maskiert gehen. Anonymus lässt grüßen.

wl

Roland Dürre
Dienstag, der 27. Mai 2014

Vom Kollateral-Schaden zum Kollateral-Nutzen

Häufig spricht man von einem „Kollateralschaden“. Natürlich findet sich dieser Begriff unter dem Eintrag „Begleitschaden“ auch in Wikipedia.

Auf der Suche nach dem Begriff Kollateralnutzen finde ich im Internet nur eine mich nicht befriedigende Erklärung: Kollateralnutzen sei der „Spaßgegensatz zum Kollateralschaden“. Und in Wikipedia finde ich den Begriff „Begleitnutzen“ auch nicht.

Das finde ich schade und falsch.

Es ist doch so: Man tut etwas Böses, Feindseliges oder einfach nur Falsches. Wie z.B. Krieg führen. Da will man jemanden schaden, nämlich dem Feind. Und richtet neben den beabsichtigten noch viel mehr massive Schäden an. Die dann heißen Begleit- oder Kollateralschäden.

Umgekehrt kann man etwas Gutes, Menschenfreundliches oder auch einfach nur Richtiges tun. Und ich bin mir sicher, es wird dann auch einen zusätzlichen wenn auch nicht absehbaren Kollateralnutzen geben.

Vielleicht sollte man nur den Begriff des Begleit- oder Kollateralnutzens mehr in unsere Sprache integrieren und damit den Kollateralschaden verdrängen. Vielleicht würden die Menschen dann öfters erkennen, was gut und was schlecht ist und sich so auch öfters für das Richtige und gegen das Falsche entscheiden?

Also, bitte daran denken, wenn man Gutes tut, gibt es immer einen vielfältigen zusätzlichen Kollateralnutzen – also das Richtige tun!

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 25. Mai 2014

Ein Splitter meiner medizinischen Geschichte …

Die Mandeln müssen raus!

DiakonissenhausMehr als 50 Jahre meines Lebens habe ich bewusst erlebt. So habe ich natürlich auch eine medizinische Geschichte. Damit meine ich meine Interaktionen mit Ärzten und Krankenhäusern wie auch die Eingriffe von Ärzten in meinen Körper.

Die Liste der Eingriffe von Medizinern an meinem Körper ist glücklicherweise kurz. Glücklicherweise, weil das Verhältnis von nützlichen zu schädlichen medizinischen Maßnahmen und Behandlungen bei mir so 1 : 2 ist. Und meine besten Arztbesuche immer die waren, wenn der „Gottinweiß“ gesagt hat, dass „man da etwas machen kann, aber nicht muss“ und ich daraufhin sehr froh war, der Behandlung zu entkommen..

Hier eine meiner schlechten Erfahrungen. Ich erzähle es, weil es mir gut tut, es mir von der Seele zu schreiben.

Im Winter in der Zeit meiner letzten Klasse in der Volksschule (1959/1960) hatte mich eine Erkältung besonders heftig erwischt. Nicht weil ich ein schwächliches Kind gewesen wäre, sondern eher weil ich immer unartig war und die vielen guten Ratschläge meiner „erwachsenen Umwelt“ ignoriert habe. Und dann bei Frost eben doch keine Mütze aufgesetzt habe, so wie es mir aufgetragen war. Meine Eltern pflegten dann zu sagen „Wer nicht hören will, der muss fühlen!“ oder auch nur „Selber schuld!“.

So war ich im Alter von 9 Jahren nach Weihnachten eine Zeitlang ziemlich erkältet und musste so öfters zum Arzt. Unser Hausarzt Dr. Halbeck (ob ich den Namen so ganz richtig in Erinnerung habe, weiß ich nicht) war ein gütiger älterer Herr, der sich – in meiner Wahrnehmung – durchaus bewusst war, wie schwierig das mit der Gesundheit, Medizin, Ursachenerkennung und der richtigen Behandlung so ist.

Deswegen hat er mich auch zum Spezialisten, dem wohl berühmtesten HNO-Arzt (Hals-Nasen-Ohren-Arzt) von Augsburg, einem Dr. Harlander, überwiesen. Auch diesen Namen habe ich mehr so genau im Kopf, ob der Name dieses Herrn also ganz richtig ist weiß ich nicht. So wie ich auch nicht weiß, ob Dr. Halbeck von Dr. Harlander ein „Kick-back“ für die Überweisung bekommen hat …

Dr. Harlander empfing uns freundlich in seiner Praxis, waren wir doch als Beamten-Familie privat versichert. Dr. Harlander hatte eine eindrucksvolle Residenz in einer großen Villa, er war wohl ein ganz reicher und wichtiger Mann in Augsburg. Und im Diakonissen-Haus (einem ganz besonders scheußlichen Krankenhaus in Nähe des Augsburger Hauptbahnhofs) hatte er einen ganzen Satz sogenannter Beleg-Betten.

Und der Dr. Harlander war ein medizinisches Genie. Sofort hat er erkannt, wo es bei mir mangelt! Es sind die Mandeln – die müssen raus! war sein schnelles Urteil. Und meinen Eltern versicherte er, dass ich dann im nächsten Winter nach meinem bevorstehenden Wechsel ins Gymnasium deutlich weniger krank sein würde, was meine Chancen das Abitur zu erreichen deutlich erhöhen würde. Das hat meinen Eltern gut gefallen und so wollten sie, dass er diese bösen Mandeln doch gleich entfernen möge.

Jetzt waren aber die Belegbetten im Diakonissen-Haus des Dr. Harlanders für viele Wochen im voraus belegt. Denn der Dr. Harlander war ein sehr erfolgreicher Arzt, der so seine Ansprüche hatte. Und da auch für Ärzte gilt„ohne Fleiß kein Preis“ hat er operiert, was das Skalpell hergegeben hat. Ein leeres Belegbett war bei Dr. Harlander ausgeschlossen, die mussten immer gut gefüllt sein. So kam ich auf die Warteliste.

Nach dem Winter kam der Frühling und ich war wieder gesund. Aber denkste, das Belegbett war im Wonnemonat für mich reserviert. Und so musste ich bei schönstem Sonnenschein und kerngesund einrücken ins Diakonissenhaus.

An die Operation wie an die restlichen Umstände habe ich keine guten Erinnerungen. Allerdings bekam ich (nach der Operation) täglich ein Eis. Und meine Eltern habe mir ins Krankenhaus auch ein Geschenk mitgebracht. Wiking-Autos im Maßstab HO waren damals meine große Liebe. So bekam ich drei Plastik-Autos in einem hässlichen Cellophan-Beutel zur Belohnung geschenkt, weil ich so tapfer war.

Die drei Autos sahen billig aus. Sie waren auch keine Wiking-Modelle, sondern ein Sonderangebot aus einem der Supermärkte, die damals gerade aufkamen. Sehr plumpe „Fakes“ mit vielen Schwächen im Detail. Ich war enttäuscht. Und musste ab diesem Zeitpunkt ohne Mandeln durchs Leben gehen. Und mag seitdem auch keine „Fakes“ mehr.

Dafür habe ich bis heute häufig und chronisch Halsschmerzen und Rachenbeschwerden. So richtig fit fühle ich mich im Hals eigentlich immer nur, wenn ich mal ein paar Tage am Meer bin. Und kaum bin ich wieder im hohen München oder in klimatisierter Umgebung (Flieger, ICE, modernes Gebäude), schon geht es meinem Hals schlecht.

Heute lese ich, dass es gar nicht so gut ist, wenn Menschen die Mandeln entfernt worden sind. Dass unter anderem bei Menschen ohne Mandeln die Krebserkrankungen im Rachenraum der Statistik folgend etwas häufiger vorkommen.

Dem einen oder anderen unserer 7 Kindern wollte auch der eine oder andere HNO-Spezialist mal die Mandeln entfernen. Und da haben wir immer „Nein“ gesagt. Heute sind alle Sieben erwachsen, haben ihre Mandeln noch und sind zumindest soviel ich weiß kerngesund.

RMD

P.S.
🙂 Das Bild zeigt den Blick auf den Krankenhauskomplex in Augsburg. Mit Blick von der Riegele Brauwelt, die sich direkt neben dem Hauptbahnhof befindet.

Roland Dürre
Donnerstag, der 22. Mai 2014

Tweets zum Twittern und Bloggen #220

Hier meine Tweets der letzten Woche zum Thema:
Bloggen und Twitter, Weisheiten und Regeln

140515 Wo kein Laster ist, da ist keine Tugend – so auch beim Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

140516 Wo Liebe fehlt, erblickt man alle Fehler – auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

140517 Wo Rauch aufgeht, da ist Feuer nicht weit – so ists auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

140518 Wo viel ist, da will auch viel hin – auch beim Bloggen und Twittern? #Twitter #Bloggen #Weisheit

140519 Wohl anfangen ist gut, wohl enden ist besser – auch beim Bloggen und Twittern. #Twitter #Bloggen #Weisheit

140520 Wohlgetan Ist viel getan – so auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

140521 Wohltat annehmen ist Freiheit verkaufen – auch beim Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

Jeden Tag kommt ein neuer Tweet dazu. Siehe unter twitter.com und “follow” RolandDuerre!
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RMD

P.S.
Die Sprichwörter habe ich auf Alle deutsche Sprichwörter gefunden.

Klaus Hnilica
Dienstag, der 20. Mai 2014

Fast allein im Bett…

Carl und Gerlinde (XXXV)

Fantastisch – endlich hatte Carl ein ganzes Wochenende für sich!Er konnte tun und lassen was er wollte – und musste mit keiner Gerlinde noch zum Einkaufen hetzen und zum Samstagnachmittagkaffee, bevor es abends nach Frankfurt ins Kino ging! Oder ins Theater, die Oper – oder gar ins Konzert! Trost brachten eigentlich nur die Schoppen danach. Doch auch den dicken Kopf, wenn er gleich am nächsten Tag im Morgengrauen mit Gerlinde um die Wette strampeln musste, da Bewegung ja so gesund war! Selbst bei Regen wurde erst vom Rad gestiegen, wenn die aufgeweichte Haut am Po erste Wellen schlug. Gott sei Dank stieg er wenigstens vom Elektrofahrrad!

ZFast img114 „Endlich hast du einmal Ruhe von mir“, zwitscherte Gerlinde neckisch, als sie Samstagmorgen am Bahnhof aus seinem Auto sprang. Für einen flüchtigen Kuss reichte es grad noch, dann verschwand sie auch schon in ihrer schnatternden ‚Girly Group’: man fuhr nach Köln, um sich weiß Gott was für einen Kram anzuschauen…

Unglaublich! Er saß jetzt tatsächlich ganz alleine zu Hause auf seiner Terrasse! Nur er und sein Bier! Beide linsten zufrieden in einen Garten, der ihnen fast jubelnd entgegenblühte. Welch wunderbare Ruhe. Niemand laberte ihm die Ohren ab. Und niemand beschimpfte sein Bierchen. Er hörte sogar die Vögel singen: die waren ihm noch nie aufgefallen, außer sie lagen ohne Kopf beim Rhododendron, weil Nachbars Angorakatze Stuppsi wieder auf Kriegspfad gewesen war. Aber mit Kopf tirilierten sie jedenfalls beeindruckend, selbst wenn Carl keines dieser emsigen Klangwunder benennen konnte. Schade eigentlich, über Vögel hätte er gerne mehr gewusst; vermutlich gab es da eine ähnliche Vielfalt wie bei den Bieren, die auch beachtlich war.

Eigentlich war es etwas schwül heute Vormittag! Umso mehr genoss Carl die angenehme Kühle auf der Terrasse. Vollkommen entspannt ließ er Schlückchen für Schlückchen in sich hineingurgeln, musste dann allerdings schnell feststellen, dass auch dieses Fläschchen schon wieder leer war. Donnerwetter – das ging ja ratzfatz! Vermutlich war es gar nicht richtig voll gewesen: heutzutage musste man ja mit allem rechnen…

„So und was tun wir jetzt?“ fragte Carl dann laut den Hibiskusstrauch vor ihm, während er in sich hineinhörte, um auch die nächsten Schritte optimal gestalten zu können. Auf keinen Fall wurde auch nur ein Handschlag im Garten gemacht! Das stand fest! Dazu war die ‚Gerlindelose Zeit’ viel zu kostbar. Heute wollte er wirklich einmal so richtig ‚die Seele baumeln lassen’, wie sein Freund Kurt zu sagen pflegte.

Immerhin war es jetzt zehn Uhr und der Vormittag noch blütenweiß und unverbraucht! Gott – die Zeitung! Auf die hätte er beinahe vergessen. Das war’s doch! Dazu einen wunderschönen Espresso – und da ihn heute keine strafenden Gerlindeblicke in die Hölle schickten, durfte er sich auch die eine oder andere seiner feinen ‚Davidoff–Zigarillos’ genehmigen!

Die blöde Espressomaschine war unerwartet sperrig! Doch nach drei ‚Herzinfarkt nahen Anläufen’ und einer nicht unerheblichen Überschwemmung in der Küche hatte er’s geschafft. Danach lauerte allerdings schon die nächste Nobelpreis verdächtige Aufgabe: es musste ihm gelingen, aus Gerlindes tausendfacher bunter ‚Nespressokapselvielfalt’ genau jene Kapsel herauszufischen, die ihn in die von ihr kultivierte Espressoglückseligkeit gleiten ließ! Doch diese Anforderung bewältigte Carl überraschend pragmatisch! Er trank zwei Schnäpse, schloss die Augen, griff sich irgendeine Kapsel und stand dreißig Minuten später schon mit einem herrlich duftenden Etwas auf der Terrasse! Tja wenn es sein musste, konnte er eben alles!

Leider war starker Wind aufgekommen. Es begann auch zu regnen und Carl meinte sogar ein leichtes Grollen aus der Ferne zu hören. Die Zigarillo lockte bei diesem Wetter natürlich nicht mehr so stark. Aber Carl ließ sich die Laune nicht verderben. Er kroch mit seinem Espresso ins Haus zurück, schloss die Terrassentür und machte es sich auf dem ausladenden, weichen Ledersessel bequem. War auch nicht schlecht! Und statt der Zigarillo genehmigte er sich einen prickelnden Aperol Sprizz. Und weil der gar so schmeckte, gleich noch einen hintennach. Ja und dann war da noch die Zeitung gewesen! Doch als er unschlüssig nach ihr zu suchen begann, spürte er plötzlich irgendwie ein leichtes Hungergefühl in sich hochsteigen. Die kleine Portion Heringssalat, die Gerlinde um diese Zeit gelegentlich mit einem Stück Schwarzbrot als Brunch servierte, wär’ jetzt nicht schlecht gewesen. Zugegeben. Aber es ging auch ohne! Ja sogar sehr, sehr gut ohne! Außerdem hinderte ihn niemand daran, das von Gerlinde vorbereitete Spargelrisotto zu wärmen – mit Lachs, den er nur aus dem Keller holen musste. Aber sollte er sich wirklich jetzt in die Küche stellen und herumpatzen? Das wär ja noch schöner gewesen: er schickte doch nicht seine ‚Haushaltsgeliebte’ für ein komplettes Wochenende nach Köln, um selbst in der Küche herumzuturnen? Aber hallo, wo waren wir denn? Er musste sich doch nicht vollständig zum Affen machen. Als Mann war man heutzutage ohnehin von morgens bis abends der Depp, oder?

Draußen krachte es richtig! Tatsächlich war ein Gewitter aufgezogen. Von wegen ‚schnell mal zum Italiener gehen’, war nicht mehr! Die hereingebrochene Sintflut war schlimmer als alles was er je auf Gerlindes Regenmarathonradtouren erlebt hatte! Selbst Stuppsi wurde vom letzten erreichbaren Vogelnest weggespült und suchte verängstig zwischen den Mülltonnen Schutz. Gerlinde hätte hämisch gegrinst, sie hasste diese Vogelmörderin! Besorgt pilgerte Carl von Fenster zu Fenster, um den Weltuntergang aus allen nur möglichen Blickwinkeln miterleben zu können: auch wie sich seine prächtige Trauerbirke bei jeder neuen Böe in einen ängstlichen Bodendecker verwandelte und Nachbars Riesenfichte frech zu seiner Terrasse herüberfasste – noch ein, zwei Windstärken mehr und sie fingerte mit ihrem Wipfel prompt in seinem vierten Aperol Sprizz herum…

Gegen 15.00 Uhr überfiel Carl ein derartiger Heißhunger, dass er sich kurz entschlossen doch über Gerlindes Spargelrisotto machte. Ohne Lachs, denn das blöde Vieh hatte natürlich vergessen sich rechtzeitig aufzutauen! Na ja – von Fischen konnte man nicht mehr erwarten. Und das Risotto war offensichtlich ähnlich tumb und brannte an – aber es half ihm nichts, Carls Hunger trieb es trotzdem durch seine Speiseröhre und wie es mit den nachgeschütteten Schnäpsen zurecht kam, war dann wirklich nicht mehr sein Problem. Und das Geschirr auf dem Tisch konnte ihm auch gestohlen bleiben. Für ihn gab es jetzt nur noch sein weiches Bettchen im abgedunkelten Schlafzimmer…

Als Carl aus dem Mittagsschlaf hoch schreckte, war es Punkt 18.00 Uhr! Das war knapp – noch ein Viertelstündchen länger und er hätte den Beginn der Sportschau verpasst! Hurtig schlüpfte er in seinen Morgenmantel, schnappte sich ein Bierchen und ein paar Chips und schon saß er vor dem Fernsehapparat! Das heißt er lag mehr als er saß – denn heute konnte er ja genüsslich seine nackten muskulösen Beine in voller Länge auf die kühle Glasplatte des Beistelltisches platzieren. Wenn er sie kurz anhob, was bauchmuskeltechnisch gar nicht ohne war, waren da echt prächtige dunkle Flecken auf der frisch polierten Glasplatte. Carl verzichtete auch freiwillig auf die bequemen Kissen, die er sonst unterlegte. Denn das wär nur der halbe Spaß für Gerlinde gewesen: die richtigen satten Abdrücke brachten nur kräftige, schwitzende Männerbeine! Das war Tatsache!

Tatsache war aber auch, dass Dortmund gegen Leverkusen nicht mehr gewinnen konnte, sondern schon wieder Unentschieden spielte und dass er schon wieder Hunger hatte! Musste er jetzt wirklich den ganzen Fresskram selbst herbeischaffen? Und auch noch Aufdecken und danach wieder alles wegräumen? Nee, das konnte Gerlinde an seinem freien Tag wirklich nicht von ihm wollen – so boshaft konnte selbst sie nicht sein. Energisch zog Carl seine nackten Beine von der Glasplatte, langte im Kühlschrank nach der aufgeschnittenen Zungenblutwurst und trabte dumpf wie ein angezählter Elch auf die Terrasse. Der Abend war überraschend mild nach dem fürchterlichen Unwetter! Carl konnte es gar nicht fassen. Mit ungeahnter neuer Beweglichkeit schaffte er binnen weniger Minuten Weißbrot, Käse, Butter, zwei Flaschen eiskalten Jechtinger Rivaner und die volle Packung Zigarillos auf den Terrassentisch. Und als sich dann auch noch die völlig durchnässte Stuppsi aus der Nacht schälte und ihn verängstigt beäugte, warf er ihr gutgelaunt eine köstliche Zungenblutwurstscheibe nach der anderen hin… Nur – warum dann auch noch Gerlinde aufgetaucht war, konnte sich Carl beim besten Willen nicht erklären, als er in der Nacht kurz aus seinem Tran hoch dämmerte. Sie war es doch, oder? Wenn auch auf der falschen Bettseite? Er hatte ihr doch gerade mehrfach durch ihr flauschig feuchtes Wuschelhaar gekrault? Gerlinde liebte das, sie konnte dann schnurren – wie die Stuppsi… KH

 

Roland Dürre
Sonntag, der 18. Mai 2014

Die elektrische Dampfmaschine ;-(

In einem meiner letzten Artikel habe ich die absurd vielen elektrischen Helferlein in meinem Haushalt in Frage gestellt.

Wie es der Zufall so will, war ich vor ein paar Tagen zu einem Besuch mit Betriebsführung bei der Porzellan Manufaktur Nympenburg eingeladen. Und ich war erstaunt, dass die meisten Geräte für die Herstellung des Porzellans dort nicht elektrisch betrieben werden. Strom wird in der Manufaktur im wesentlichen nur für die Beleuchtung eingesetzt.

Die Energie für die diversen Werkzeuge und Maschinen wird mit Wasserkraft erzeugt, dafür wird ein Seitenkanal des Nymphenburger Kanals genutzt, der mit 4 Meter Gefälle ganz schön viel Kraft bringt. Und an die Arbeitsplätze wird die Kraft mit Transmissionsriemen übertragen und treibt dort diverse Maschinen an. Ganz so wie die letzten Jahrhunderte. Die Öfen in der Brennerei werden dagegen mit Gas betrieben.

Die Fabrik hat mich an Bilder von alten Betriebsstätten aus der Zeit der „industriellen Revolution“ erinnert. Da stand doch in jeder Manufaktur oder gar Fabrik mindestens eine große Dampfmaschine, deren damals ja unheimliche Kraft über ein kompliziertes System von Rädern und Riemen oft mehrstufig an die Arbeitsplätze verteilt wurde.

Und dann kam die Elektrifizierung. Die Dampfmaschinen und mechanischen Kraft-Transmissions-Systeme verschwanden. Sie wurden ausgetauscht gegen kleine dezentrale Elektomotoren und Sicherungskästen, Transformatoren und Verkabelung.

War das doch eine Verbesserung! Kein Ruß und keine schwarzen Gesichter mehr. Welch ein Fortschritt, sollte man meinen.

Nur, das ganze ist eine einzige große Lüge! Wird doch der Strom weltweit zu 50 % durch Verbrennung von Kohle gewonnen! Der Strom wird also mit so einer Art kohle-getriebenen Dampfmaschine erzeugt. Und dies auch in Deutschland! Hier zum Teil mit besonders umweltschädlicher heimischer Braunkohle, aber auch mit hochwertigster Importkohle z.B. aus Australien. Die wird dann erst Mal aus dem australischen Hinterland zum Hafen gebracht, über die Ozeane nach Deutschland geschippert und dann wieder in Deutschland ins Hinterland gebracht wird. Was für ein ökologischer Unsinn!

Und wenn ich jetzt meine unzählig vielen Elektrogeräte anschaue, wird mir bewusst, dass in jedem meiner Gerät sozusagen eine halbe Dampfmaschine steckt. Und wahrscheinlich war die alte Dampfmaschine mit ihren Transmissionsriemen gar nicht so viel uneffizienter gegenüber von Kohleabbau, -Transport und -Verstromung, Stromübertragung … heute.

Da lobe ich mir doch wieder die Wassermühle der Nymphenburger Porzellanmanufaktur. Wie auch das Windrad im Garten oder die Photovoltaik auf meinem Dach.

RMD

Ein Interview für die DOAG

Bei der großen DOAG-Konferenz in Nürnberg wurde ich von Dietmar Neugebauer zum Thema „Führung und Management“ interviewt. DOAG ist die Deutsche Oracle Anwender Gesellschaft oder einfach die deutsche „Oracle-Community“.

Hier der Text zum Video auf der DOAG-Website:

Die Anforderungen an das Management sind gewachsen, meint InterFace-Vorstandsvorsitzender Roland Dürre. Welche Kriterien seiner Meinung nach für eine erfolgreiche Unternehmensführung ausschlaggebend sind, teilt er dem DOAG-Vorsitzenden Dr. Dietmar Neugebauer mit. Dazu gehören immaterielle Werte wie Ethik, Zivilcourage oder Empathie. Diese lassen sich allerdings im Gegensatz zu den materiellen Werten wie Profit, Umsatz oder Gewinn nicht so einfach messen.

Und natürlich auch das Video vom Interview:

Das Video wurde von DOAG.TV erstellt. Danke Schön!

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 15. Mai 2014

Meine drei Führungsprinzipien

Unternehmer-Coach, Führungstrainer und Buchautor Bernd Geropp hat kürzlich eine Blog-Parade gestartet zum Thema „Führungsprinzipien“. Und auch mich angefragt. Da mache ich doch mit.

Nach meinen drei wichtigsten Führungsprinzipien hat der Bernd gefragt. Zuerst musste ich länger nachdenken. Doch dann war es mir schlagartig klar.

Ich habe nur drei Prinzipien! Denn ich bin ein ALO-Typ!

ALO ist meine ganz kurze Eselsbrücke für

„A“ = Agil, „L“ = Lean und „O“ = Open!

Es geht also um:

Agil

Bei agil (agile) zitiere ich das Agile Manifesto. Da steht alles drin, da muss ich nichts mehr dazufügen. Dieses Manifest kann man übrigens nicht nur auf’s Programmieren anwenden, sondern auf das ganze Leben (Link).

Lean

Meine Art zu kommunizieren und zu arbeiten muss einfach sein.
Keep it simple, stupid!
Weil ich ein Dummer bin und ich es deshalb nicht zu kompliziert machen sollte. Weil ich es sonst selber nicht mehr verstehe. Und dann muss ich noch versuchen, mich dauernd zu verbessern. Zum Beispiel durch Lernen, Ausprobieren, Erleben und Erfahren.
So ein bisschen persönliches „Führungs-Kaizen“.

Open

Meine Rede und mein Tun sei immer offen, klar und transparent! That’s all!

🙂 Sind doch drei ganz einfache Prinzipien! Aber Vorsicht – sie sind nicht so einfach zu leben wie zu reden.

RMD

P.S.
Genau zu dieser „Blog-Parade“ habe ich einen wunderbaren Artikel vom Marcus (Dr. Marcus Raitner) gefunden. Er schreibt:

Die Grundlage meiner Überlegungen bildet die richtige Haltung im Sinne eines passenden Menschenbilds, darauf aufbauend das zentrale Prinzip des Vertrauens und schließlich die Gelassenheit als entspanntes Arbeiten auf der Führungsebene.

Das sind wunderbare Werte, da bin ich komplett dabei. Vielleicht würde ich die Demut oder Zivilcourage an Stelle der Gelassenheit nehmen. Da fällt es zumindest mir schwer, mich auf drei zu beschränken, weil es da mehrere Dimensionen gibt. Immer Management darf es halt kein „entweder/oder“ geben, sondern es sollte „sowohl als auch“ heißen (Eine der Thesen von Hans Ulrich zum „Wandel im Management“).

🙂 Aber ich sollte ja über Prinzipien schreiben. Aber was sind Prinzipien? Was sind Werte? Sind Werte nicht auch Prinzipien? Klarheit? Also: Alles ALO!