Roland Dürre
Sonntag, der 29. Juni 2014

Der kleine Unterschied – PM-Camp versus Konferenz

rhein_main-pm-campDieses Wochenende war wieder PM Camp, das dritte in diesem Jahr. Es war das PM-Camp Rhein-Main 2014 in Bad Homburg. Und was ich in Twitter (#PMcampRM) so mitbekommen habe, war es wieder ein tolles PM-Camp. Denn jedes PM-Camp ist anders, aber immer etwas besonderes.

Und während ich in Unterhaching mit vielen Gästen „30 Jahre InterFace“ gefeiert habe, ist in Bad Homburg etwas ganz besonderes so quasi nebenher entstanden: Ein Team um Falk Schmid, der auch Mitglied des Orga-Teams von PM-Camp RM ist, hat unter Anleitung von Torsten Koerting in weniger als 100 Minuten ein experimentelles Video entwickelt, welches helfen soll, die PM Camp-Idee zu erklären.

Viel Spaß beim Anschauen! Zum Video.

In einer Stunde gemacht! Wow! Da könnte man sich vorstellen, so ein Video auch für ganz andere Einsätze, z.B. in Unternehmen zu gestalten. Hätte ich schon Ideen …

Also, kommt zum ersten PM-Camp in München #pmcampmuc.

🙂 Und noch besser, macht doch auch in Euer Stadt ein PM-Camp!

RMD

Über die Zukunft von Unternehmen

Die Rückmeldungen zum fachlichen IF-Forum am 27. Juni 2014 im Sportpark Unterhaching waren wunderschön. Vielen Dank an alle, die dabei waren. Ich freue mich schon auf die Videos der einzelnen Vorträge. Hier das Skript meines Vortrages zum Abschluss der Veranstaltung.

Das Thema des IF-Forums war

„Selbstorganisation als Gestaltungsmodell für Unternehmen im 21. Jahrhundert“

sudburyEin neuer (!) Kollege hat mir, wie er zu uns kam, das Sudbury-Buch geschenkt. Das fand ich mutig und ganz toll.

Im Buch geht es um freie Schulen. Es ist ein sehr radikales Plädoyer für freie Erziehung. Das gute alte Modell „Summerhill“, das wir in unserer Jugend so geschätzt haben, ist gegen „Sudbury“ so richtig autoritär. 🙂

Ich meine aber, dass mehr „Sudbury“ nicht nur den Schulen gut tun würde. Sondern auch den Unternehmen. Und das nicht nur, wenn es um die sogenannten „Wissensarbeiter“ geht.

Warum?

Es gab da mal eine „industrielle Revolution“. Viele Arbeitskräfte wurden in den Fabriken benötigt. Gelernte Arbeiter gab es aber auf dem Markt der Menschen nicht. Es gab aber einen großen Überschuss an unausgebildeten Menschen, die zum Teil aus der Landwirtschaft kamen. Gerade dort wurden aufgrund des Einsatzes neuer Technik massenhaft Arbeitskräfte freigesetzt, die zuvor in bäuerlicher Umgebung gearbeitet hatten. Diese waren einfache Menschen, nicht an zeitliche Disziplin gewöhnt und ohne jeden Bezug zu technischer Arbeit.

Die erste Fließbandproduktion von Fords T-Modell ist ein schönes Beispiel für diese Industrialisierung 2.0, die dem erweiterten Einsatz der Dampfmaschine als Kraftmaschine folgte (Industrialisierung 1.0). Zeit und Uhr wurden plötzlich relevant. Die „Kaste der Ingenieure“ übernahm die Steuerung der Produktion und das Diktat über die angelernten Menschen. Die „Modernen Zeiten des Charlie Chaplins hatten begannen.

Im 21. Jahrhundert verfügen wir zumindest in unserer Gesellschaft über ein ganz anderes Menschen- und Weltbild:

„War is over!“
„Future is female!“
„We want freedom and peace!“

„denn wir leben nicht mehr fürs Leben im Jenseits!“

Und auch die Wissenschaft des Management hat sich geändert. So begründet Hans Ulrich von der Hochschule St. Gallen Anfang der 80iger das gleichnamige „Management Modell“ und schreibt einen kurzen Aufsatz mit dem Titel

„Acht Thesen zum Wandel im Management“.

Diese sind:
Die Unvorsehbarkeit von Zukunft als Normalzustand zu akzeptieren,
die Grenzen des Denkens weiter zu stecken,
sich besser vom „sowohl als auch” als vom „entweder oder” leiten zu lassen,
mehrdimensional zu denken,
Selbstorganisation und Selbstlenkung als Gestaltungsmodell zu begreifen,
Managen als sinngebende und sinnvermittelnde Funkton aufzufassen,
sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und
Gruppendynamik auszunutzen.

Das empfinde ich als klar und einleuchtend. Hans Ulrich hat in den frühen 80igern damit doch schon alles gesagt. Aber anscheinend haben viele „Manager“ bis heute davon noch nichts gehört.

25 Jahre nach Erscheinen des Aufsatzes von Hans Ulrich habe ich Simon Grand auch aus St. Gallen kennen gelernt. Mit ihm habe ich in mehreren Workshops zusammen gearbeitet. Und von ihm gelernt, dass ein guter Manager sich letzten Endes nur dadurch auszeichnet, dass er ein wenig öfters als andere in der Lage ist, zu erkennen, was gut und was schlecht fürs Unternehmen ist. Und so öfters als der Durchschnitt der Manager die richtige und keine falsche Entscheidung fällt! Anderen Untersuchungen aus Hochschule St. Gallen folgend ist die Quote von falschen Entscheidungen gigantisch hoch.

Vor kurzem habe ich mich mit dem Begriff des Kollateral-Schaden beschäftigt. Dieser findet sich in Wikipedia und wird als Randschaden oder Begleitschaden beschrieben, der nicht vorhersehbar aber billigend in Kauf genommen wird. Ich hätte ihn als Nebenschaden definiert.

Den Begriff des „Kollateralnutzen“ finde ich in Wikipedia (heute) noch nicht. Das wird sich sicher bald ändern. In Google finde ich den Begriff Kollateralnutzen ganz oben (heute) als Spaßgegensatz zum »Kollateralschaden«.

Ist das nicht schlimm – es gibt bei „bösen“ Handlungen einen Kollaterschaden, den Kollateralnutzen von „guten“ Handlungen kennt man aber gar nicht. Zumindest nicht in Wikipedia. Ich bin mir nämlich sicher, dass das alles in der Philosophie schon erarbeitet wurde. Nur – im allwissenden und uns sicher gewaltig prägenden und bildenden Internet gibt es den „Kollateralnutzen“ als Rand-, Begleit- oder Neben nutzen bisher noch nicht. Die Philosophen sollten hier ihren Job ein wenig besser machen.

Ich behaupte mal, dass ein „guter“ Manager überwiegend Kollateralnutzen (nicht nur) für sein Unternehmen schafft. Sein Wirken ist konstruktiv. So wie ein „schlechter“ Manager überwiegend Kollateralschäden generiert. Und so „destruktiv“ wirkt.

Und man erkennt, dass die klassische Management-Lehre in der Zeit von „Generation Y“ an ihre Grenzen gekommen ist.

😉 Überraschender Weise versteht man plötzlich, dass gute Entscheidungen nicht durch rationales Ableiten von gesammelten Fakten alleine erreicht werden, sondern dass auch die Intuition der Erfahrung ihr Recht hat. Und stellt fest, dass das auch noch auch wissenschaftlich begründet werden kann.

So entstehen ganz verschiedene Fragen – gerade aber nicht nur im Bereich der kreativen Wissensberufe:

Ist Taylorismus immer noch zielführend?

Sollte nicht Regionalisierung wieder vor Globalisierung gehen?

Haben wir endlich verstanden, dass Zukunft nicht vorhersehbar ist?

Wie gehen wir damit um?

Akzeptieren wir,

  • dass Planung immer schwieriger wird, wir uns in komplexe Welten klug lernend hinein tasten müssen und Menschen vor Effizienz gehen? – #agile, im Sinne des „Agile Manifesto“.
  • dass die Zeit des Teilhaben und des Teilens kommt (oder kommen muss) – #open.
  • dass wir es wieder einfacher und immer besser machen müssen – #lean.

Schaffen wir es, die eigenen Talente und Fähigkeiten der Situation angemessen einzubringen?

Sind wir mutig genug für Zivilcourage (Bürgermut) und konstruktiven Ungehorsam?

Muss nicht die Intuition wieder eine relevante Rolle bei Entscheidungsfindung spielen?

Ist Effizienz noch das priore Ziel oder geht es nicht vielmehr um Resilienz, die Fähigkeit, sich anzupassen?

Müssen wir uns nicht zuerst mal um eine konstruktive Geisteshaltung bemühen, die von herausragender Bedeutung für unser Entscheiden und Handeln ist.

Brauchen wir wirklich immer noch Menschen, die uns sagen, wo es lang geht?

Warum traut man uns nicht zu, selbstständig im Gemeinsamen zu lernen und dann das Richtige zu machen. Im Sinne des großen Ganzen?

Wir werden die Probleme von Morgen nicht mit den Lösungen von gestern lösen können und müssen die Macht hierarchischer Systeme aller Art begrenzen. Nur so haben wir eine Chance, in Freiheit und Frieden zu (über-)leben und durch ein gemeinsames kollaboratives Wirken basierend auf Augenhöhe und Vernunft die Zukunft im Sinne der Menschen und unserer Schöpfung zu gestalten.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 27. Juni 2014

30 Jahre InterFace AG (Festansprache)

Hier mal vorab meine Begrüßung der Gäste bei der InterFace 30 Jahre Feier. Der Bericht mit Bildern und mehr folgen dann.

Hi, wir sind hier heute um die 350 Menschen und wollen gemeinsam ein tolles Fest feiern. Danke, dass Ihr alle da seid!

Wir feiern die über 30 Jahre, die seit der Gründung der InterFace Connection in 1984 gewesen sind. Es waren gute Jahre – so wie die meisten Jahre meines Lebens!

Zuerst berichte ich von der Gründung, für die es ein gutes Jahr gebraucht hat (1983/1984).

  • Damals hing der Himmel voller Geigen, gerade für Informatiker.
  • Es schien keine Grenzen zu geben.
  • Der Gründungsprozess war zäh und lang.
  • Denn wir wollten den Business-Plan besonders ganz besonders gründlich schreiben.
  • Als wir dann keine Lust mehr zum „Gründen“ hatten, sind wir einfach gestartet.
  • Und das war gut so!

Wolf und ich hatten auch ein paar sehr gemeinsame Thesen.

  • Wir sind anders als normale Firmen – agil, lean, open – obwohl es die Begriff noch gar nicht gab.
  • Menschen sind keine Ressourcen.
  • Wir machen nur neue Technologien – an Mainframes und Cobol dachten wir gar nicht.
  • Unix ist die Zukunft – das hat sich bis heute bewahrheitet.
  • Qualität ist alles.
  • Geld verdient man am einfachsten mit Produkten.
  • Vertrieb brauchen wir nicht (weil wir so gut sind).
  • Vorsicht beim Wachstum, denn das muss verkraftet werden können.

Über folgendes freue ich mich in meinem Leben besonders.

  • Die Zeit bei Siemens (in der ich fachlich viel gelernt habe)
  • Die Zeit bei Softlab (in der ich begann jenseits der Fachlichkeit viel zu lernen)
  • Der Start mit InterFace hat mein Leben dann nochmal in eine neue Dimension geführt.
  • Wir hatten nur eine Krise – und die haben wir gemeistert..
  • Es so viele Freunde und Wegbegleiter gab (von denen viele da sind).
  • Dass Wolf und ich immer noch gute Freunde sind.

Ich persönlich bin besonders dankbar,

  • Dass ich durch InterFace so viele Menschen kennen lernen durfte, die mir so viel gegeben hatten.
  • Dass die Barbara mich immer begleitet hat.
  • Dass ich Familie, Kinder und Job eigentlich ganz gut zusammen bringen konnte.
  • Dass ich so viele Jahre gesund und in Frieden leben durfte.
  • Dass heute so viele Freunde da sind.

Einer davon ist Hans-Strack Zimmermann, dem ich als Mentor, Unterstützer und Freund viel zu verdanken habe. Er wird nun auch ein paar Worte sagen.

🙂 Das war’s dann auch schon.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 26. Juni 2014

Tweets zum Twittern und Bloggen #225

Hier meine Tweets der letzten Woche zum Thema: Bloggen und Twitter, Weisheiten und Regeln

140619 Zeit verrät und entdeckt alles – so auch beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

140620 Zeit zu reden, Zeit zu schweigen, Zeit aufzuhören – gibt’s auch beim Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

140621 Zerstreutes Feuer brennt nicht lange – auch beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

140622 Zielen ist nicht genug, es gilt Treffen – so ist es auch beim Bloggen und Twittern. #Twitter #Bloggen #Weisheit

140623 Zorn erwürgt den Toren – auch den Blogger und Twitterer? #Twitter #Bloggen #Weisheit

140624 Zorn macht verworrn – dran denken beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

140625 Zorn und Geld verwirren die Welt – Vorsicht beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

Jeden Tag kommt ein neuer Tweet dazu. Siehe unter twitter.com und “follow” RolandDuerre!
Viel Spaß beim Folgen!

RMD

P.S.
Die Sprichwörter habe ich auf Alle deutsche Sprichwörter gefunden.

Betreff: Dreissig Jahre Feier der InterFace AG

InterFace_Icon_30Jahre_01-94Bei der Planung unserer Feier sind mir wie bei jedem Projekt leider auch Fehler unterlaufen. Einer davon ist, dass ich vergessen habe, den „Dresscode“ zu beschreiben und veröffentlichen. Und übermorgen am Freitag findet das Fest schon statt! Oh welch ein Schreck!

🙂 Diese Fehlleistung hat auch schon in der „InterFace-Küche“ zu Gerüchten geführt wie „Kurze Hosen für Männer sind Pflicht“ bis hin zu „sportlich/elegant“ oder gar „festlich/feierlich“. Diese Gerüchte sind aber alle falsch!

In der Hoffnung, dass es nie zu spät ist, hole ich mein Versäumnis ganz schnell nach und veröffentliche den „offiziellen Dresscode“ zur InterFace 30 Jahre Feier:

Es soll eine bunte Feier werden, die uns allen Spaß macht. Da darf keiner unter seiner Kleidung leiden. Und: Eines der Ergebnisse unseres Festes wird ein besonderes photographisches Kunstwerk des erfolgreichen Medien-Künstlers Wolf. N. Helzle sein. So wird es ja auch ein Photo- und Video-Fest werden. Also:

Der Dresscode umfasst zwei Regeln:

1. Jeder soll das anziehen, in dem er sich am wohlsten fühlt!

2. Vielfalt und Originalität ist erwünscht!

Es ist alles erlaubt und es darf durchaus aus dem üblichen Rahmen fallen (abgesehen von Verstößen gegen Sitte und Anstand, aber das macht in unseren Kreisen doch eh keiner).

Will heißen: Wer Lust hat, sich zu maskieren, soll das tun. Menschen mit Smoking, Bussiness-Kostümen oder -Anzügem mit Seidenkrawatten sind genauso herzlich willkommen wie in bayerischer oder sonstiger Tracht. Die Angehörigen beider Geschlechter dürfen Haut (kurze Hosen und Röcke, bauchfrei ist wunderschön) und ihre Tattoos zeigen. Wir freuen uns über schrille Fußball-Maskierungen – auch von schon ausgeschiedenen Mannschaften – genauso wie auf das dezente IF-Logo auf der Wange.

Summary:

Es gibt keinen Dress-Code. Nur die Bitte, sich ganz komfortabel zu fühlen. Wenn aber jemand sich für uns besonders kleiden will, dann freue ich mich darüber und bitte, dies mit Mut und Freude zu tun.

Das Organisations-Team freut sich auf ein wunderschönes Fest mit allen unseren Besuchern.

RMD

P.S.
🙂 Jetzt muss ich mich selbst noch entscheiden, was ich anziehe: Meinen italienischen Seidenanzug, die kurze Hose mit Bier-T-Shirt, das Trikot der Spielvereinigung …?

Roland Dürre
Freitag, der 20. Juni 2014

Wunder muss man selber machen

Oder:

Es geht auch anders!

Buch

Jahrelang bin ich ihr in Twitter gefolgt – Sina Trinkwalder alias @manomama. Und war immer positiv beeindruckt. Nicht nur weil sie aus Augsburg – meiner Geburtsstadt – kommt.

Vor kurzem hat mir ein Freund dann ihr Buch geliehen. Und ich war begeistert. Und es gibt eine ganze Reihe von guten Gründen dafür.

Einmal wegen den vielen Gemeinsamkeiten, die ich entdeckt habe. Ob es allgemeine Lebens-Einstellungen sind oder um die richtige Schule für Kinder geht, alles kam mir sehr vertraut vor.

Zum anderen, weil in diesem Buch viele Punkte stehen, die einfach so sind, wie sie beschrieben sind. Ob es um Banken oder Politik geht, (fast) alle Erfahrungen, die die Autorin im Buch festgehalten hat, kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen.

Auch tut gut, dass mit vielen Ausreden, Verweisen auf Sachzwängen und kollektiven Konstrukten, warum dies oder jenes so sein müsse und es leider anders nicht ginge radikal aufgeräumt wird.

Das schönste am Buch ist die Ehrlichkeit. Alle Erfahrungen habe ich als Leser absolut als authentisch und absolut glaubwürdig wahrgenommen.

Und es kommt noch besser: Das Buch ist spannend wie ein Krimi – und verursacht ab und zu sogar richtig Gänsehaut. Und das ist für so ein radikales „Wirtschaftsbuch“ wirklich etwas besonderes.

Kurz – ein Buch, das mich richtig begeistert hat und von dem ich mir wünsche, dass es möglichst viele Menschen lesen.

RMD

Carl und Gerlinde (XXXVI)

„Diese Musik ist überirdisch – einfach zum Niederknien!“ stammelte Gerlinde musikalisch durchglüht, während sie vorsichtig hinter Carl durch die Bankreihe zum Ausgang stakste, da ‚Don Giovanni’ Pause machte! Carl registrierte von allen Seiten nur Zustimmung zu Mozarts Musik und den hervorragenden gesanglichen Leistungen der Interpreten. Großartig! Fantastisch! Überwältigend!

Aufgelöst vor Begeisterung schwebte auch Hannelore im Foyer auf Gerlinde zu, umarmte sie überschwänglich und schmiegte sich an Carl, wie Don Giovanni an die zappelnde Zerlina!
Zdon giovanni img115Selbst der strohtrockene Kurt nickte zustimmend, wenngleich diese Inszenierung von Christof Loy natürlich nicht im Entferntesten an die wunderbar ausgestattete Aufführung bei den Salzburger Festspielen herankam: damals wurde auch dem Auge was geboten, sagte er bedeutungsvoll. Carl nickte zustimmend, verkniff sich aber das Eingeständnis, bei dem fürchterlichen Kuddelmuddel rund um die drei Frauen von Don Giovanni zwei Mal kurz eingenickt zu sein.

Doch jetzt strömte das Mozart begeisterte Opernvolk bestens gelaunt ins großzügige Pausenfoyer: zielgerichtet steuerte es die vorbestellten Tische an, auf denen sich reichlich Lachshäppchen, Quiche Lorraines und Salzbrezeln zwischen noch mehr Wein, Wasser, Bier und Sekt herumdrückten.

Carl wäre einiger Maßen zufrieden gewesen im Kreis seiner Freunde, wenn da nicht plötzlich an ‚Tisch Zwölf’ diese unbekannte Rothaarige gesessen wäre, die aufmüpfig der achtköpfigen Runde entgegenblickte. Ja, die nicht unattraktive stramme Mittvierzigerin hielt sogar noch ihren rechten Arm schützend über einen weiteren Stuhl, den sie sicherheitshalber schon einmal eng an sich herangezogen hatte.

„Entschuldigen Sie bitte, könnte es sein, dass Sie sich bezüglich dieses Tisches geirrt haben?“ fragte Carl mit gebremstem Charme, nachdem er und die Dame sich eine ganze Weile schweigend begutachtet hatten.

„Wie kommen Sie denn darauf?“ erwiderte die Unbekannte robust.

„Nun, weil unsere Runde diesen Tisch hier für die Pause reservieren ließ!“

„Was heißt hier ‚reservieren ließ’, von wo kommen Sie denn, wollen Sie mich etwa fortscheuchen wie ein ungezogenes Kind?“

„Na ja, Sie sehen doch, dass auf dem Tisch unsere Bestellungen liegen und er für uns eingedeckt ist?“

„Also Sie sind mir einer: ich sitze hier friedlich an einem freien Tisch, halte auch noch einen Stuhl für meinen Partner von der Presse frei und da kommen Sie und pöbeln mich an!“

„Ich pöble Sie nicht an, sondern verweise nur darauf, dass dieser Tisch für uns reserviert wurde und wir jetzt nicht alle sitzen können, da Sie zwei Plätze belegen. Und wie es scheint unberechtigt, da ich von Ihnen keinerlei Bestellung auf dem Tisch sehe!“

„Wer sind Sie denn, glauben Sie, nur weil ich eine Frau bin, können Sie mich derart angehen? Von wo kommen Sie denn?“ rief die Dame ein zweite Mal lauthals in die erstaunte Schar um Carl.

„Wenn Sie den Stuhl neben sich freigeben und mich hinsetzen lassen, erzähle ich Ihnen gern woher ich komme! Ist das ein faires Angebot?“

„Das ist doch unerhört! Sie werden ja immer unverschämter!“ Carl nickte zustimmend und sagte, „ja – drum setzte ich mich jetzt auch einfach auf den freien Stuhl neben Ihnen, da der eigentlich meiner ist…“

„Von wo kommen Sie denn? Das können sie nicht machen, dieser Stuhl hier muss für die Presse frei bleiben!“ „Aber da ist doch niemand von der Presse, oder bin ich blind?“Belustigt versuchte Carl sich auf den unbesetzten Stuhl fallen zu lassen…

„Nein! Nein! Nein – das können sie nicht machen – gehen Sie weg!“ rief die Dame nun schon in einer Tonlage, die jeder Sopranistin zur Ehre gereicht hätte.

„Natürlich kann ich das und Sie werden staunen wie flott das geht…“, erwiderte Carl grinsend und machte neuerlich Anstalten sich zu setzen.

„Das kommt gar nicht in Frage, dass Sie mir den Stuhl wegnehmen, der ist für meinen Partner von der Presse“ schrie die Frau gellend ins Foyer und lenkte so auch die Aufmerksamkeit der Nachbartische auf sich. Dabei zog sie den freien Stuhl ruckartig an sich und umarmte derart entschieden die Lehne, dass Carl ernsthaft befürchtete, sie würde ihren geheimnisvollen Pressepartner – falls er doch noch auftauchte – selbst noch während des verbleibenden kurzen Pausenrests auf dem Stuhl zu Tode quetschen!

Inzwischen hatte Hannelore den für die Reservierungen zuständigen Verantwortlichen geholt, der auch versuchte, der hartleibigen Dame klar zu machen, dass sie kein Anrecht auf die beiden Sitzplätze habe, da sie weder eine Reservierung vorzeigen könne, noch irgendetwas konsumiere. Nein – sie sitze richtig, behauptete die wackere Rothaarige aber dennoch unbeeindruckt weiter! Eine Dame an der Bar hätte sie ganz klar an diesen Tisch verwiesen. Außerdem sehe sie überhaupt nicht ein, warum sie von allen Seiten angefeindet werde, wenn sie in der Pause dieser wunderbaren Oper nur einen Augenblick sitzen und entspannen wolle! Für sie sei das ein unbeschreiblicher Vorgang, der ihr noch nie in ihrem Leben passiert sei…

Völlig unvermittelt tauchte plötzlich ein unscheinbarer Mann, mittleren Alters auf und gab der heftig argumentierenden Rothaarigen mit zornrotem Kopf, ein Zeichen:

„Ilse, was streitest Du denn schon wieder herum! Wir haben doch ‚Tisch acht’! Immer dasselbe, Du bist wirklich eine unmögliche Kuh!“ zischte der Mann. Leider ertönte in diesem Moment auch ein erstes Läuten, mit dem das nahe Ende der Pause signalisiert wurde! Carl bedauerte das, denn die überaus passende Charakterisierung der Dame kam dadurch nicht mehr richtig zur Geltung.

Ilse, hatte aber die klare Ansage verstanden, sie sprang auf und warf Carl einen tödlichen Blick zu: „Na, sind Sie jetzt zufrieden, dass Sie und ihre feine Bekanntschaft mich die gesamte Pause über mit ihren Pöbeleien an diesem unsäglichen Tisch festgenagelt haben? Unfassbar, sagen Sie von wo kommen Sie denn? Soviel Rücksichtslosigkeit gegenüber einer Frau hab ich noch nie erlebt! Entsetzlich welch ein Pöbel sich heutzutage selbst schon in der Oper herumtreibt!“ Mit den letzten Worten schubste sie die etwas außer sich geratene Gerlinde zur Seite und eilte zu ihrem zornigen Pressepartner, der sie gleich weiter beschimpfte…

Carl blieb dagegen kaum noch Zeit sein Bier auszutrinken! Doch gut gelaunt schaufelte er auch noch Gerlindes Lachshäppchen in sich hinein: denn dieser rabiate, rothaarige Alptraum gestaltete plötzlich auch für ihn den Opernabend zu einem höchst erquickenden Spektakel! Besser und deutlicher als sie, konnte selbst Mozart mit seiner liebestollen Donna Elvira und verstörten Donna Anna nicht zeigen, wie weitab von jeder Logik sich Frauen immer noch in der Welt herumtummelten! Eine Tatsache, die er, Carl, schon seit Jahr und Tag predigte, Gerlinde aber nie zugeben wollte! Auch jetzt schüttelte sie nur wortlos ihren Kopf und raste rundum verärgert mit Hannelore zu ihrem Sitzplatz. Hoffentlich war der noch frei und nicht auch schon von dem rothaarigen Monster okkupiert? Wenn ja – wär’ Carl mit Sicherheit im zweiten Akt nicht mehr eingenickt…

KH

Roland Dürre
Donnerstag, der 19. Juni 2014

Tweets zum Twittern und Bloggen #224

Hier meine Tweets der letzten Woche zum Thema: Bloggen und Twitter, Weisheiten und Regeln

140612 Zeit bringt Bescheid – so auch beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

140613 Zeit bringt Rosen, aber auch Dornen – auch beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

140614 Zeit gebiert Wahrheit – auch beim Twittern und Bloggen? #Twitter #Bloggen #Weisheit

140615 Zeit gibt und nimmt alles – so auch beim Bloggen und Twittern? #Twitter #Bloggen #Weisheit

140616 Zeit heilt alle Wunden – auch als Blogger und Twitterer! #Twitter #Bloggen #Weisheit

140617 Zeit ist der beste Ratgeber – dran denken beim Twittern und Bloggen. #Twitter #Bloggen #Weisheit

140618 Zeit stillt den Zorn – auch beim Twittern und Bloggen! #Twitter #Bloggen #Weisheit

Jeden Tag kommt ein neuer Tweet dazu. Siehe unter twitter.com und “follow” RolandDuerre!
Viel Spaß beim Folgen!

RMD

P.S.
Die Sprichwörter habe ich auf Alle deutsche Sprichwörter gefunden.

Roland Dürre
Mittwoch, der 18. Juni 2014

Durch Verbrennen von Öl gewinnen wir Zeit um Öl zu verbrennen.

Eigentlich nur zum Nachdenken. Aber wir sind schon ein komisches Völkchen.

Wir trachten nach Wohlstand und Freizeit. Dafür opfern wir viel Wichtiges unseres Lebens. Unsere Zeit, unsere Gesundheit, unsere Familie, unser soziales Leben. Wir wollen beim großen Spiel erfolgreich dabei sein, also akzeptieren wir ein Maß von Blindleistung, das in unser immer komplexer werdenden Gesellschaft und Wirtschaft fast schon geometrisch steigt. Um sind bereit, uns maximalem Stress auszusetzen.

So schaffen wir – auch durch den gnadenlosen Einsatz von Technologie – ein nie da gewesenes personales Niveau von Reichtum. Allerdings mit einer immer stärker werdenden Polarisierung zwischen den Menschen und Welten.

Uns geht es aber nicht so gut, weil wir so fleißig und genial sind. Wir sind so reich, weil wir mit unser Technologie gnadenlos Öl und Kohle verbrennen. Und weil wir in einer globalisierten Welt ganz wo anders ganz billig (und oft ziemlich rücksichtslos) produzieren lassen.

Wir sind so erfolgreich, dass wir dauernd etwas tun müssen. So wird unsere Zeit immer knapper. Und was machen wir in unserer verbleibenden Freizeit? Wir reisen hinaus in die globale Welt. Oder schlagen die Zeit mit unseren Luxusmaschinen tot. Und bemühen uns, dabei immer möglichst viel Öl zu verbrennen.

Vereinfacht gesagt:

Wir verbrennen fossile Energien um Zeit für das Verbrennen von fossilen Energien zu gewinnen.

Und verlieren dabei uns selber. Ist doch absurd!

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 15. Juni 2014

PM-Camp, München und InterFace AG

Im internen Social Media System der InterFace AG hat ein lieber Kollege die Frage gestellt, warum man bei der InterFace AG noch nicht mehr vom PM Camp in München hören würde. Und warum es dort noch so wenig Anmeldungen gäbe. Ich habe ihm so geantwortet:

Danke für Deinen Hinweis auf das PM-Camp 2014 in München #pmcamp14muc vom 24. bis 26. Juli an der LMU beginnend am Donnerstag Abend. Bisher hatte ich nicht zuletzt auch wegen der aufwendigen Vorbereitung aus unsere „30 Jahre Feier“ kaum Zeit für das PM-Camp. Das wird sich aber Ende Juni ändern.

Teilnehmer:

Um das PM-Camp in München müssen wir uns keine Sorgen machen. Das Orgateam besteht aus sieben Leuten, die unheimlich gut vernetzt sind (Barbara Bucksch, Helene Neugebauer (mit der ich bei PM-Camp München eng zusammenarbeite), Jolanta Czagin, Melania Melitopoulos, Martin Aigner, Michael Cramer und Sacha Storz). Die werden es auf jeden Fall schaffen, gerade in der IT-Hauptstadt München ein tolles PM-Camp zusammen zu bringen. Die Öffentlichkeitsarbeit läuft gerade an. Spätestens nach unserem doch recht aufwendigen „30 Jahre Fest“ werde ich auch persönlich stärker die Kampagne unterstützen. Auch auf unserem Fest möchte ich das PM-Camp in München ordentlich „promoten“.

Beim PM-Camp sind allerdings besonders Teilnehmer gesucht, die „mitmachen“ wollen. Das Mitmachen beginnt so ein wenig schon beim Finden vom PM-Camp. So wollen wir niemand zur Teilnahme überreden. Am besten ist es, wenn uns die Teilnehmer finden, weil sie auf der Suche sind nach einer modernen Unkonferenz im Format eines barcamps für Projekt Manager, Manager aller Art, Unternehmer oder Menschen, die Zukunft aktiv und positiv gestalten wollen.

Sponsoren:

Sowohl beim PM-Camp Kernteam – der normativen Ebene – wie auch in der PM-Camp-Klausur (der strategischen Ebene, hier treffen sich auch Vertreter der regionalen Orga-Teams) wie in den Orgateams (der operativen Ebene) gibt es zum Thema Sponsoring natürlich auch kritische Überlegungen. Sponsorengelder helfen die Veranstaltungen billiger zu machen und den Teilnehmern mehr zu bieten (Catering, Party). PM-Camp ist aber eine unabhängige „Graswurzel-Bewegung“, die nicht profitabel sein soll. Insofern wird mit Sponsoren immer sehr vorsichtig umgegangen, weil PM-Camp nicht von Interessen dritter beschädigt werden darf und auch die Ansprüchen von „normalen“ Sponsoren („Was bringt uns das“) nicht erfüllen kann und will. Insofern ist auch ein Sponsor, der PM-Camp „shanghait“, nicht erwünscht. So sponsort die InterFace auch nur, wenn es einen besonderen Grund hat oder um die Durchführung des PM-Camps zu gewährleisten.

Zu den einzelnen PM-Camps:

In diesem Jahr haben erst zwei PM-Camps stattgefunden: In Zürich und in Stuttgart. In Zürich wie in Stuttgart waren wir (die InterFace AG) vertreten, besonders gut in Stuttgart dank unserer dortigen Geschäftsstelle. Das nächste PM-Camp ist in Berlin vom 20. bis zum 22. Juni. Das ist übrigens das einzige, welches an einen Samstag/Sonntag stattfindet, üblich sind sonst Freitag und Samstag als Haupttage. Aber die Berliner Freiberufler wollen/können sich den Einnahmeausfall an einem Werktag nicht leisten. Auf Berlin freue ich mich besonders. Nach Berlin folgt Rhein-Main in Bad Homburg, hier überschneidet sich der Termin mit unserer „30 Jahre Feier“. Im Juli in München will ich auf jeden Fall auch wieder mitmachen. In diesem Jahr sind auch noch Dornbirn und weitere geplant. Wobei in Dornbirn im November 2011 alles anfing. Deshalb ist Dornbirn als PM-Camp für DACH auch das besondere Baby von Stefan (Dr. Stefan Hagen) und mir.

Eine Ergänzung:

Nach dem Ende meiner Zeit als Vorstand der InterFace AG zum 31. 12. 2014 möchte ich engagiert mithelfen, die PM-Camp-Bewegung weiter nach vorne zu bringen.

RMD