Roland Dürre
Dienstag, der 30. September 2014

Unternehmertagebuch #101 – Make or Buy!?

Diese Frage hat sich immer wieder in meinem Unternehmer-Leben gestellt. Und sie war nie leicht zu beantworten.

Oft braucht man etwas, um Dinge im Unternehmen besser zu organisieren. Das kann eine kleine Software-Lösung, ein neuer Prozess in der Infrastruktur, ein Werkzeug, das eine besonders pfiffige Dienstleistung erbringt oder eine besondere Marketing- oder Vertriebsaktion sein.

Oft sind dafür Software-Lösungen gefragt und die Entscheidung für uns als IT-Unternehmen stand an:

Machen wir es selber oder kaufen wir es ein? Make or Buy?

Das gilt nicht nur für Software. Auch Prozesse kann man selber festlegen oder sich beraten lassen. Man kann sich zum Beispiel für Vewaltungsaufgaben auch einfache Werkzeuge basteln, die verblüffend gut funktionieren.
🙂 Für unsere zweite Weihnachtsfeier 1985 in der Villa Stuck haben wir sogar die Kanapées unter Anleitung eines gelernten Kochs selber hergestellt und den Sekt beim Großmarkt gekauft. Und es war eine der schönsten Weihnachtsfeiern.

Fürs „selber machen“ spricht oft, dass es authentisch und bodenständig ist. Zusätzliches Know-How entsteht im Unternehmen. Positiv kann auch sein, dass ein selbst hergestelltes Werkzeug hilft, sich am Markt zu differenzieren. Und es kann deutlich billiger sein als das megafunktionale Produkt vom Markt, dessen viele Funktionen man gar nicht braucht. Die Wartung kann man selber machen, es fallen keine hohen Wartungskosten an.

Selbst machen kann aber auch negative Folgen haben. Das Ergebnis könnte aber auch amateurhaft sein. Es kann langfristig teurer werden, als wenn man einkauft. Auch der Einsatz freier Ressourcen („eh-da-Ressourcen“), die eigentlich für einen anderen Einsatz vorgesehen sind, ist gefährlich, denn eigene Entwicklungen können sich leicht verselbstständigen.

Neue und aufwendig zu implementierende Funktionen werden plötzlich nachgefragt und man gerät so in einen verhängnisvollen Zwang der Weiterentwicklung mit unter Umständen explodierenden Nachfolgekosten.

Wenn ich die benötigte Lösung oder Leistung dagegen einkaufe, bekomme ich vielleicht ein professionelleres System und das auch noch billiger? Ich kann mich auf mein Kerngeschäft konzentrieren, binde keine Ressourcen für die Zukunft und setze nicht auf eine vielleicht sehr proprietäre Insellösungen.

Man sieht, es gibt viele rationale Gründe für und gegen „Make“ und „Buy“. Da muss man vieles berücksichtigen und abwägen. Eine, vielleicht die wichtigste, Frage bei der Entscheidung „Make or Buy“ könnte sein:
Was nehmen die Menschen im Unternehmen besser an – das selber Gemachte oder das Gekaufte?

Denn was hilft mir das beste und professionellste Marketing der tollsten (und teuren) Agentur, wenn es die eigene Organisation nicht annimmt? Was nutzen die schönsten Leads aus einer Presale-Aktion mit externen Partnern, wenn der eigene Vertrieb sich für diese nicht interessiert? So im Sinne des „not invented here“-Syndroms.

Was hilft mir die beste Prozess-Software, wenn die einfache und selbst gestrickte von den Anwendern geliebt wird? Was bringt das beste gekaufte „social media“-System, wenn die Menschen das einfache intern aufgebaute Wiki bevorzugen?

So ergibt sich die einfache Schlussfolgerung:
Wenn ich etwas Neues mache, ist die Frage „Make or Buy“ gar nicht so relevant. Viel wichtiger ist, ob es akzeptiert wird. Und nach diesem Kriterium kann man dann entscheiden, ob man es selber macht oder nach außen gibt.

Wenn es um Software geht, könnte es aber auch einen Königsweg geben:
Eine Open Source – Lösung verwenden und an der Community mitwirken.

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

Roland Dürre
Montag, der 29. September 2014

Warum muss die Walnuss aus Kalifornien kommen?

schweinchenslowenienDie Barbara hat die kleinen Schweinchen mit ihren Äpfeln gefüttert. Jetzt ernähren sie sich wieder von den Früchten der Natur.

Das haben wir auf unserer Radtour dann auch gemacht. Beim nächsten Walnussbaum sind wir gestoppt und haben die Nüsse aufgelesen. Für ein Säckchen zum Nachtisch am Abend hat es gereicht. Und ich musste daran denken, wie wir früher als Kinder alles mögliche gesammelt haben: Viele Sorten Beeren, Bucheckern, Obst aller Art, Kastanien, Pilze …

Aber dann kam der Aldi und die Walnüsse kamen aus Kalifornien. Irgendwie fand ich das als junger Mensch toll – Walnüsse aus Kalifornien! Heute bin ich für Regionalisierung und empfinde Walnüsse aus Kalifornien als schlimmes Beispiel für den globalen Widersinn.

Und wie es der Zufall will haben wir gestern Abend anschließend im Hotel von Isidor im Deutschen Fernsehen (ARD) den Weltspiegel angeschaut.

Und da klagt doch ein amerikanischer „Walnuss-Farmer“ über die Unfähigkeit der Regierung von Kalifornien, ihm ausreichend Wasser zu liefern, weil seine Bäume aufgrund einer „Jahrhundert-Dürre“ kaputt gehen.

Und dass sie jeden Tag zu Gott beten, er möge es wieder regnen lassen. Nur von „Klimaveränderung“ und „american style of life“ spricht er nicht.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 28. September 2014

Weitere Gedanken zum (Projekt-)Management

„Ich bekomme immer so ein Grummeln, wenn ich das Wort Projekt höre.“

Marcus Raitner lädt aktuell auf seinem Blog “führung-erfahren” zu einer Blogparade zum Thema  “Beyond Project Management” ein.

“Beyond Project Management” wurde als Motto für das PM-Camp 2014 in Dornbirn vom Orga-Team des Dornbirner PM-Camps erarbeitet. Wie ich finde, ein tolles Motto.

Jetzt lese ich mich durch die Blog-Parade „Jenseits des Projekt Management“ und finde in allen Beiträgen viel Richtiges und Vernünftiges. Und bin sehr angetan und empfehle deshalb jedem, die schönen Artikel dieser Blog-Parade zu lesen.

🙂 Beim Lesen kommen mir allerdings noch mehr Gedanken. So habe ich schon zwei Beiträge für die Blog-Parade geschrieben und jetzt kommt hier noch ein dritter.

In einem Artikel der Blogparade steht zum Beispiel, dass es bei Projekt Management um Praxis, Einfachheit, Menschen, Leadership und vor allem Sinn geht. Das finde ich Klasse!

Nur:
Was haben Praxis, Einfachheit, Menschen, Leadership und Sinn mit der Realität im Projekt Management und Management zu tun?

Weiter lese ich in der Blogparade eine wunderbare Story, die zeigt, wie absurd Projekt Management im Privaten sein kann. Und frage mich, wie etwas, das im echten Leben nicht funktioniert in Unternehmen erfolgreich sein soll? Es geht doch überall und immer um Menschen.

In einem anderen Artikel finde ich so wichtige Sätze wie

  • Projektarbeit bedeutet Ergebnisse unter Unsicherheit zu liefern und
  • Projekte werden nicht genehmigt, sondern finanziert.

Das ist Realität. Aber was heißt das in letzter Konsequenz? Ich verstehe das so:

Die Ergebnisse sinnvoller (Projekt-)Arbeit müssen spätestens ab dem Zeitpunkt der Nutzung fürs Geschäft des Kunden „konstruktiv wirken“. Wie soll das funktionieren, wenn man etwas realisiert, das in „grauer Vorzeit“ geplant wurde und das dann auch noch zum geplanten (und wahrscheinlich ungeeigneten) Zeitpunkt eingesetzt wird?

Jetzt noch meine eigene Erfahrung:

In meinen (IT-)Projekten habe ich nicht ein einziges Mal das am Anfang des Projekts vorgegebene Ergebnis geliefert. Immer kam letztendlich etwas davon recht Verschiedenes raus. Mal in reduzierter Form schon vor oder stark verändert nach dem vorgesehenen Termin. Glücklicherweise (?) hat es immer gepasst und der Kunde hat die Ergebnisse wertgeschätzt. Das war mir sehr wichtig, immerhin hatte er ja meistens ganz schön viel dafür bezahlt und ich wollte ja Folgeaufträge.

So habe ich gelernt, dass Zeitpunkt und Lösung passen müssen, wenn der Kunde zufrieden sein soll. Hätte ich nur einmal einem Kunden das ursprünglich Gewünschte genau so zum vereinbarten Termin geliefert, dann wäre schnell Schluss gewesen mit des Kunden Gunst.

Wir müssen dem Kunden also einen echten Mehrwert liefern, damit er uns gerne bezahlt und neue Aufträge erteilt. Und das ist in der Regel nicht das, was er sich vor Monaten oder mehr ausgedacht und in Auftrag gegeben hat.

Das bedeutet natürlich auch, dass man gemeinsam mit dem Kunden erarbeiten muß, warum man es anders wie gefordert macht. Das ist nicht einfach und kostet nicht nur Kraft. Viele Talente sind hier gefragt.

Ich meine, dass Kundenzufriedenheit nicht mit dem aktuell wohl noch gültigen Begriff von Projekt erreicht werden kann:

Ein Projekt ist ein geplantes Vorhaben, das einen festgelegten Beginn, ein präzises Ziel, festgelegte Parameter (Kosten, Zeit) und ein einzuhaltendes Ende hat.

Diese Definition klingt zwar gut, stammt aber aus einer Zeit des Taylorismus und Industrialisierung.

Ich meine:

Ein Projekt ist kein Projekt mit einem klaren Ziel sondern eine Unternehmung mit offenen Ausgang. Und die „fürs Projekt Verantwortlichen“ müssen ein Team von Unternehmern sein, die viele Rolle beherrschen, auch die des „Verstehers“ und „Überzeugers“.

Ich kenne kein einziges „Projekt“, wo am Schluss das heraus kam, was am Beginn geplant war. Auch das beste „Requirement Engineering“ hat das nicht geschafft. Es gab es immer mächtige Abweichungen bei Funktion, Kosten und Termin. Gerade bei großen Projekten habe ich zu oft Abweichungen erlebt, die früher oder später geometrische Ausmaße angenommen haben.

Diesen Gedanken folgend könnte man den Begriff „Projekt“ durch „Unternehmung“ ersetzen. Die Definition würde dann alternativ so klingen:

Eine Unternehmung versucht Zukunft zu gestalten und dabei die Annahmen des Gestern mit der Realität des Heute und den Anforderungen des Morgen zusammen zu bringen. Und dies als fortlaufende Aufgabe ohne Anfang und Ende.

Einfach weil man sich immer vieles vorher so ganz anders vorgestellt hat als es dann tatsächlich kommt und weil man immer dazu lernt.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 27. September 2014

Noch eine Projekt-Polemik

Wenn man Politik als Projekt betreibt …
oder
Ich bekomme immmer das Grummeln, wenn ich das Wort Projekt höre!

Ich kenne eine stolze Nation, die hält sich für „god’s own country“. Deswegen hat sie sich selbst auferlegt die „westlichen Werte“ zu bewahren. Und zwar genau die, die sie dafür hält. Aufgrund ihrer Macht fühlt sie sich verpflichtet „Weltpolizei zu spielen“. Das macht sie mit großer Professionalität in drei Schritten:

Schritt I:

Sie sammelt Daten.
Auch die geheimen. Denn wenn jemand etwas geheim hält, muss das ja wichtig sein. Und wie will man eine Situation erfassen, wenn man das „Wichtige“ nicht weiß. Also gibt sie viel Geld für CIA, NSA und weitere „Dienste“ aus. Und belauscht die ganze Welt.

Schritt II:

Die Daten werden ausgewertet.
Dazu hat sie ganz viele Experten und setzt Thinktanks ein. Um Sicherheit zu schaffen werden aus den vielen Daten Bedrohungsszenarios erstellt. So generiert sie ganz logisch und vernünftig ihre Gewissheiten – professionell und mit dem Einsatz der besten Gehirne.

Schritt III:

Es wird entschieden und gehandelt.
Man muss ja den gefundenen Bedrohungen entgegnen. So wird basierend auf einem so entwickelten Bedrohungs-Szenario ein Land mit Agent Orange entlaubt und mit Napalm verbrannt. Tyrannen werden gemordet und Diktatoren und ihren Ländern der Krieg erklärt. Die Armee wird in die Wüste und in die ganze Welt entsandt. Bewaffnete Drohnen werden los geschickt um besonders schädliche Menschen zu töten. Spezialteams vernichten den aktuellen Staatsfeind Nummer 1. Sanktionen gegen unbotmäßiges Verhalten werden organisiert, „Partner“ zum Mitmachen gedrängt und Bündnisse geschmiedet. Wie zurzeit um die IS zu bombardieren. Mit dem Plan, diese innerhalb von exakt vier Jahren zu vernichten.

Dieses Vorgehen klingt doch wie ganz rationales und auf Fakten basierendes Projekt Management.

Nur was sind die Folgen? Seit Jahrzehnten treiben die USA das so und erreichen doch immer nur das Gegenteil von dem was ihre Absicht war. Und mich beschleicht der Verdacht, dass der Hauptfehler daran liegt, dass die USA ihre Politik super professionell als Projekt betreiben und nicht an Werten orientieren.

Ich habe den Eindruck, dass dieser Fehler nicht nur in der Politik gemacht wird. Und dass Projekte Unvernunft als zwingende Ratio verkaufen!

RMD

P.S.
Dieser Artikel ist inspiriert worden durch das Lesen anderer Artikel aus der Blogparade “Beyond Project Management” zu der Marcus Raitner aktuell einlädt in seinem Blog “führung-erfahren”.

Die Blogparade soll eine Art Einstimmung sein fürs PM-Camp 2014 in Dornbirn. Das Motto wird dort auch “Beyond Project Management” sein.

Roland Dürre
Freitag, der 26. September 2014

„Projekte ohne Krieg“ oder „Mein Projekt #nowar!“

Diesen Artikel habe ich im Zug auf der Heimfahrt vom PM-Camp Berlin 2014 (#pmcamp14ber) am 20. – 22. Juni 2014 begonnen, um meine Session beim Camp zu dokumentieren. Und heute am Abend des zweiten Tages meiner Radtour von Toblach nach Maribor entlang der Drau habe ich es endlich geschafft und ihn fertiggestellt.

Auf dem PM-Camp Berlin 2014 (#pmcamp14ber) habe ich „mein Herz ausgeschüttet“ und eine Session “Projekt Frieden!“ vorgeschlagen und gehalten. Mit dieser Session habe ich persönlich Neuland betreten. So war ich dankbar, dass die Teilnehmer mit mir Nachsicht hatten und manche Schwächen der Session toleriert haben. Aber das ist ja das schöne an vielen Barcamps und auch am PM-Camp, dass die Menschen genau zu hören und dennoch tolerant sind.

In der Session habe ich ein paar Thesen aufgestellt, persönlichen Gedanken offenbart und versucht, Bewusstsein für das Haupt-Dilemma der Welt – dem Krieg – zu schaffen. Vor allem habe ich viele Fragen gestellt. Um diese gemeinsam zu beantworten und herauszufinden, wie wir persönlich für Frieden handeln können. In unseren Projekten aller Art – täglich und ganz persönlich.

Hier der kurze Bericht von meiner Session „Frieden“ vom PM-Camp Berlin und gleich meine erste These der Session:

Wenn wir in einer Welt des Friedens leben wollen, müssen wir alle – individuell wie kollektiv, lokal wie global – uns friedlich verhalten und im Sinne des Friedens handeln.

Und dazu meine erste Frage:
Ist eine Welt und Gesellschaft voller Frieden wirklich eine unerreichbare Utopie?
mit dem Hinweis auf einen Satz, der mich schon in jungen Jahren begeistert hat:

Stelle Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin!

Die Einschätzung der Teilnehmer zur Erreichbarkeit von Frieden war sehr unterschiedlich. Ich meine, dass die knappe Mehrheit meiner Meinung war, dass eine Gesellschaft, die nach außen wie nach innen im Frieden lebt, vorstellbar und möglich wäre. Andere meinten, dass das menschliche Wesen an sich und der Krieg untrennbar wären. Ein Argument, dem ich entgegnet habe, dass sich dann das „menschliche Wesen“ halt ändern und sich genauso Menschen und die Gesellschaft als Kollektivität von Menschen dann eben ändern müsse.

Ich persönlich halte das für möglich. Weiter Fragen von mir waren:

Warum ordnen wir unser Handeln leichtfertig unwichtigen Zielen unter?
Warum müssen wir immer Recht haben?
Warum gibt es immer diese „Selbstgerechtigkeit der Gerechten“?
Warum kämpfen wir so oft um Unwichtiges und vergessen das für uns Wichtige?
Warum fordern wir „Bestrafung“ und meinen damit fast immer „Rache“?
Warum plündern wir unsere Ressourcen immer so rücksichtslos und versuchen diese dann anderen wegzunehmen?

Denn genau solches Denken und Tun scheint mir direkt und indirekt in den „Krieg“ zu führen.

Auch hier gab es in der Runde ganz verschiedene Bewertungen. Gerade das Thema „Bestrafung und Rache“ wurde intensiv diskutiert. Dabei war auch die Frage, inwieweit Bestrafung zwingender Bestandteil von „Erziehung“ sein müsse und Gewalt die „ultima ratio“ von Politik? Ob die meisten Gesellschaften dieser Welt de fakto nicht „archaische Gewaltssysteme“ sind? Ob das nicht sogar für die unsere „entwickelte“ und „aufgeklärte Gesellschaft“ in vielen Bereichen noch zutrifft?

Mein nächste These war, dass selbst wenn der große Friede eine Utopie wäre, wir trotzdem für ihn arbeiten müssen. Ganz einfach aus vielen rationalen Gründen. Und weil die Bedrohungen für die Menschheit so groß wären, dass wir uns nicht leisten können, unsere Kraft in Kriegen zu verschwenden. Das ist doch nur vernünftig gedacht.

Zudem gab es Utopien, die wahr geworden sind. Man denke an die Rechte der Frau. Vor gar nicht zu langer Zeit durften sie nicht an die Hochschulen und das Recht „zu wählen“ war für Frauen mehr als utopisch. Die französische Revolution war auch nur für die Männer da, und die erste Frau, die genau dieselben Forderungen für Frauen erhob, wurde enthauptet – von den Revolutionären!

In der Session habe ich schließlich folgende Aussage gemacht:
Ich meine, dass eine Sinn(gebung) für das Gelingen sozialer Systeme wie Unternehmen notwendig ist. Und dass dies auch für das Gelingen eines personalen Lebens notwendig ist. Wie kann ich ohne Sinn glücklich werden? Dies habe ich mein Leben lang lang vertreten und so versucht für mein Leben und meine Unternehmungen einen Sinn zu finden. Heute sehe ich das ein wenig anders und meine, dass es im Leben wie auch sonst nicht um den Sinn geht. Sondern um die Wirkung!

Ich würde das gerne so formulieren:
Die Wirkung geht vor den Sinn.
(Eventuell ergibt sich dann aus der Wirkung ein Sinn)

Heute glaube ich, dass es nur einen Lebenssinn gibt, und der ist, für den Frieden zu wirken. Ganz einfach, weil es nichts Wichtigeres gibt. Also denke ich mir:
Wir alle müssen für den Frieden wirken!

Das gilt dann auch für mich und das war der Grund für meine Session. Und ich meine, das hätte ich schon viel früher machen sollen. Jetzt möchte ich so viel wie möglich davon nachholen und meine Ignoranz wett machen. So suche ich Verbündete, die mir dabei helfen. Da setze ich vor allem auf die junge Generation, die auch „Generation Y“ genannt wird. Sie macht mir Hoffnung, weil sie folgende Werte hat:

Achtsamkeit, Akzeptanz, Anerkennung, Augenhöhe, Ehre, Erkenntnis, Freude, Fairness, Gemeinsamkeit, Harmonie, Individuelle, Leben, Liebe, Mut, Sinn, Rücksichtnahme, Teilen, Wohlstand, Verständnis, Zufriedenheit.

Und diese Werte so gar nicht zu Krieg passen.

Nur: Das Leben besteht aus Konflikten (Warum eigentlich?). Also brauchen wir Konfliktfähigkeit. Und wir haben in der Session ein „paar Regeln“ gefunden:

Erste Regel:
Gelassenheit: Gehe in keinen Konflikt, der es nicht wert ist.

Zweite Regel:
Höre auf zu hassen! Denke einfach immer an das „Paradoxon des Hasses“:
Wer hasst, will jemand anderem vernichten, vernichtet sich aber nur selber.

Was brauchen wir dann, um Frieden zu erreichen?
Ausbildung, Bildung, Erfahrung, Freude, Mut, Verantwortung, Wissen

Wie erreichen wir das?

Folgende Ergebnisse entstanden in der Session:

Wir vergessen nie, dass es keine Wahrheit sondern nur Gewissheit gibt!
Wir stellen „kollektive Konstrukte“ und „absolute Wahrheit“ in Frage!
Wir setzen Menschenfreundlichkeit an Stelle von Feindseligkeit!
Wir erarbeiten sozialem Konsens.
Wir bilden die Menschen in der Fähigkeit aus, „ethisch“ zu handeln.

Dies schaffen wir mit Zivilcourage und konstruktivem Ungehorsam. So wehren wir uns gegen „moralische Leichtfertigkeit. Und wir denken an uns selber und an unser persönliches Glück. Wir können lernen und üben, glücklich zu sein. Aber nicht durch das Besiegen anderer wie auch nicht durch Konsum.

Wir haben aber auch besprochen, dass man „es sich leisten können muss, für den Frieden zu wirken!“

Diskutiert wurde dann, ob wir unsere Projekte in diesem Sinne umfunktionieren können? Und eventuell sogar Friedensprojekte starten können.

Die vorherrschende Meinung war, dass nur eine echte Graswurzelbewegung Frieden schaffen kann. Und das es nicht ausreicht, an Ostern auf eine Friedens-Demo gehen. Sondern dass es Menschen braucht, die bereit sind, ernsthaft für den Frieden zu arbeiten. Wie das ein John Lennon gemacht hat.

Wir haben aber auch besprochen, dass wir es uns leisten können müssen, für den Frieden zu arbeiten. Und dass das gar nicht so einfach ist.

    Hier noch mal meine persönliche Zusammenfassung aus der Session:

  • Schaden minimieren! Kollateral-Schaden vermeiden! Die Spirale der Gewalt zu durchbrechen.
  • Gutes Tun! Kollateralnutzen ergibt sich dann von selber!
  • Andere Menschen und ihre Meinungen zu respektieren!
  • Auf Rache verzichten!
  • Sich selbst ehren und achten – denn nur wer sich selbst wertschätzt, kann andere Wertschätzen (mögen, lieben, akzeptieren …). Und der wird keinen Krieg machen oder mögen.
  • Soweit möglich beitragen, dass sich eigenes und fremdes personales Leben in seinen vielen Dimensionen eher mehren denn mindern kann.
  • Immer mit Augenhöhe und Respekt leben.
  • Andere Menschen immer größer und nicht kleiner machen.
    (Kleiner machen kann auch bedeuten, andere zu Bittstellern zu machen).

Ich meine:
Das alles muss im Kleinen wie im Großen gelingen. Gelingt uns der Frieden nicht individuell, dann werden wir ihn auch nicht in den von uns getragenen Systemen erreichen.

Die Herausforderung ist das Tun im täglichen Handeln. Jeder kann und muss etwas beitragen. Je größer der eigene Hebel ist, weil man Manager, Unternehmer oder in einer ansonst multiplikativen Position ist, desto mehr kann man erreichen! Und desto größer wird die Pflicht, für Frieden zu wirken.

Also wäre meine handlungsleitende Vision:
Alle unsere Projekte dienen dem Frieden. Dem Inneren wie dem Äußeren. Und wenn sie es nicht tun, dann lasst sie uns umfunktionieren! In Friedensprojekte.

Warum sollte das nicht möglich sein? Wie kommen wir dort hin? Das könnten doch gute Fragen für das nächste PM-Camp sein!

RMD

P.S.
Für mich gibt es eine Reihe von Ermunterungen. Zum Beispiel die Geschichte des 1. Weltkriegs (gestern und heute habe ich eine Reihe von Schlachtfeldern auch dem brutalen 1. Weltkrieg gestreift und wieder die Sinnlosigkeit dieses Schlachtens gefühlt):

Die Saga zum 1. Weltkrieg ist, dass die Menschen in Deutschland und Österreich den Krieg wollten. So habe ich es in der Schule gelernt und dies in jungen Jahren nicht verstanden.

Heute lerne ich von der aktuellen Geschichtsforschung, dass diese Aussage falsch ist. Die zeitgenössischen Beweise wurden manipuliert und dann in späteren Jahren ernstgenommen. Der erste Weltkrieg war gleichzeitig wohl auch der erste Medienkrieg in der Geschichte. Und die Medien wurden von der herrschenden „Elite“ kontrolliert, die an der Macht waren. So haben die Medien alles getan um die Kriegsbegeisterung zu schüren und dann zu dokumentieren.

Die Mehrheit der „einfachen“ Menschen wollten aber keinen Krieg, nur ein Teil davon ließ sich manipulieren und ging auf den Straßen um zu jubeln. Und dafür mussten später alle bitter büßen.

Roland Dürre
Samstag, der 20. September 2014

Start up (10) – der versöhnliche Abschuss.

Aber bitte denkt auch daran: Nicht jeder muss Unternehmer werden! Es gibt viele andere Möglichkeiten, glücklich zu werden.

Wer sein Leben in Eigenverantwortung führen will, der muss nicht Unternehmer werden. Wie im „echten Leben“ erlebt auch der Unternehmer viel Fremdsteuerung, vielleicht nur in anderer Form. Vielleicht auch noch schwerer zu ertragen.

„Willens und fähig zu sein, sein Leben eigenverantwortlich zu führen“ als wichtige Definition für „in Freiheit leben“ geht auch anders. Das bedeutet doch nur „sein Ding zu machen“, spannende Unternehmungen (nicht unbedingt Unternehmen) zu starten oder einfach intensiv und autonom das eigenen Leben zu leben. Also das eigene Leben quasi als „eigenes Projekt“ durchzuziehen.

Das kann etwas so „banales“ wie die Gründung einer Familie sein. Die Entscheidung einer Frau, ein Kind zu bekommen, bewundere ich so als wahrhaftiges Unternehmertum. Ein bewusst geführtes Leben ist allein schon großes Unternehmertum. Die bewusste Entwicklung eines eigenen Standpunktes ist Unternehmertum …

Man kann aber auch sonst viel sinnvolles Unternehmerisches tun. Das kann die Unterstützung einer NGO sein wie die Übernahme von Verantwortung in sozialen Systemen aller Art – ganz gleich ob bei der „Tafel“ oder in einer der viel gescholtenen politischen Parteien. Gerade dort könnte man gute und autonom-aufgeklärt denkende Menschen wirklich dringend brauchen.

Es geht eigentlich immer nur darum, Verantwortung zu übernehmen. So ist für mich der Schulweghelfer genauso ein Unternehmer wie der pensionierte Manager, der im Hospiz einen sterbenden Menschen auf seinen letzten Weg begleitet.

Auch Blog-Schreiben oder in „communities“ mitwirken ist eine Form von mutigem Unternehmertum. Wie die Teilnahme an einem barcamp auch schon eine kleine Unternehmung ist.

🙂 Und hier empfehle ich natürlich ganz besonders das PM-Camp – das nächste findet vom 20. – 22. November in Dornbirn statt!!!

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 18. September 2014

Start-up (9) – Die Weisheit der vielen nutzen?

Ich möchte „start-ups“ ermutigen, sich zu öffnen und vor Kleinmut und engstirnigem Denken warnen. Also:

Vielfalt geht vor Einfalt!
Passt auf, dass Ihr keine Eigenbrötler werdet, denn zu leicht verrennt man sich in eine Idee und wird zum dogmatischen Idealisten. Und kann dann nur zu leicht in den Ruf eines Spinners kommen.

Seid offen!
Macht einen Gründungsblog und twittert über Euer Unternehmen! Teilt Eure Erfahrungen mit vielen. Ihr werdet viel wertvolles Wissen und einen reichen Schatz an Erfahrungen zurück bekommen.

Vertrauen vor Geheimniskrämerei!
Meistens sind Eure Gedanken nicht so einzigartig. Es gibt viele, die auch ähnliche haben und gerne ihr Wissen mit Euch teilen.

Keine Patente!
Lieber Entdeckungen früh offen legen. Dann können sie andere nicht patentieren lassen und viele potentielle Gegner verlieren das Interesse. Patente machen indess überwiegend Ärger und helfen letzen Endes nicht, denn die Mächtigen ignorieren sie es.

Crowd-Funding
Kann das richtige Mittel sein um schnell an Geld (und wichtige Erkenntnisse) zu kommen.

Genossenschaft
Die Rechtsform muss nicht immer eine GmbH oder AG sein. Es gibt auch andere Modelle, die zielführend sein können.

Gemeinwohlwirtschaft
Denkt früh darüber nach, ob Euer Produkt den Regeln der Gemeinwohlwirtschaft genügt. Das könnte Euch viele Sympathisanten und Verbündete bringen.

Es geht darum, die Zukunft zu verstehen. Das ist schwierig, gemeinsam schafft man es am besten.

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 16. September 2014

Beyond (Projekt) Management

Marcus Raitner lädt aktuell auf seinem Blog „führung-erfahren“ zu einer Blogparade zum Thema „Beyond Project Management“ ein.

Das Orga-Team des Dornbirner PM-Camps hat „Beyond Project Management“ als Motto für das PM-Camp Dornbirn in 2014 ausgewählt. Das Orgateam des PM-Camp Dornbirns besteht im übrigen fast aus den selben Menschen, die als „PM-Camp-Kernteam“ die PM-Camp-Bewegung gestartet haben. Wir im Team fanden es gut, quasi als Vorbereitung fürs PM-Camp, eine solche Blog-Parade zu veranstalten und der Marcus hat dankenswerter Weise die Arbeit übernommen.

Vorweg möchte ich betonen, dass unser Motto nicht reißerisch gedacht ist und so nicht werbewirksam sein soll. Eine Graswurzelbewegung wie PM-Camp hat das nicht nötig, denn sie wird ja von den Menschen getragen, die freiwillig kommen und sich aktiv beteiligen.

🙂 Und die typischen „PM-Camp-Teilhaber“ sind autonome Menschen, die sich von buzzwords und Marketing-Versprechen nicht so leicht beeinflussen lassen.

So bitten wir alle „Teilhaber“ die drei Worte „Beyond Projekt Management“ sehr nüchtern und sachlich zu betrachten. Sie sollen erinnern, dass wir über den eigenen Horizont hinaus denken sollten und uns auffordern, uns auch mal in „andere Gehirne hinein zu begeben“. Das finde ich allgemein mehr als wünschenswert und könnte helfen, ein wenig mehr Toleranz zu entwickeln und so der gelebten Intoleranz unserer Gesellschaft und wie ich meine zwangsläufig aller sozialen Systeme aufgrund ihrer kollektiver Konstrukte entgegen zu treten.

🙂 {Vor meinem eigentlichen Beitrag zur Blogparade hier eine erste Abschweifung}

Mir hat dieses Motto sehr gefallen, hat es mich doch an eine ganz große Veranstaltung des ganz großen amerikanischen ACM (Association for Computing Machinery) im März 1997 erinnert. Damals hat dieser seinen 50. Geburtstag gefeiert, was so nebenbei bedeutet, dass der ACM 1947 gegründet wurde.

Dieser Geburtstag wurde mit einer gigantischen Veranstaltung gefeiert, das Motto hieß

Beyond Calculation:
The Next Fifty Years Of Computing

Hier als Ergänzung ein Text zum gleichnamigen Buch, das die Vorträge der Konferenz enthält:

In March 1997, the Association for Computing Machinery celebrated the fiftieth anniversary of the electronic computer. To understand what an extraordinary fifty years the computer has had, you need only look around you–probably no farther than your desk. Computers are everywhere: in our cars, our homes, our supermarkets, at the phone company office, and at your local hospital. But as the contributors to this volume make clear, the scientific, social and economic impact of computers is only beginning to be felt. These sixteen invited essays on the future of computing take on a dazzling variety of topics, with opinions from such experts as Gordon Bell, Sherry Turkle, Edsger W. Dijkstra, Paul Abraham, Donald Norman, Franz Alt, and David Gelernter. This brilliantly eclectic collection, commissioned to celebrate a major milestone in an ongoing technological revolution, and now in its second printing, will fascinate anybody with an interest in computers and where they’re taking us.

Bemerkenswert:
Zu dieser Veranstaltung des ACM waren als Redner die „herausragendsten und bekanntesten noch lebenden Informatiker“ eingeladen. Aber nicht nur Informatiker – sondern auch berühmte Autoren aus dem Genre der Science Fiction waren eingeladen!

Gedanklich würde ich also das Motto von #pmcampdor dem ACM folgend erweitern auf:

Beyond Project Managing:
The Next Fifty Years Of Managing

🙂 {Ende der ersten Abschweifung und Beginn der zweiten Abschweifung, diesmal die Begrifflichkeit betreffend}

Bevor ich über „Beyond Projekt Management“ nach denke, schau ich mir mal die Begriffe an. Zu meinen Schwierigkeiten mit den Worten Projekt und Management habe ich in IF-Blog unter anderem in meinem Unternehmertagebuch schon öfters berichtet.

So bleibt das Wort „beyond“. Ich füge dazu eine flache Kopie aus „dict.cc“ ein:

 
beyond
 {adv} {prep}
2626

jenseits [+Gen.]

beyond {prep} [outside]
933

außerhalb [+Gen.]

beyond {adv}
529

drüben

beyond {adv}
436

weiterhin

beyond {prep} [above]
223

oberhalb [+Gen.]

beyond {adv} darüber hinaus
beyond {adv} in Übersee
beyond {adv} auf der anderen Seite
beyond {prep} [in addition to] zusätzlich zu
beyond sth. über etw. hinaus

Man merkt, dass Worte aus dem Englischen ins Deutsche übertragen doch oft eine große Breite an möglichen Bedeutungen und Assoziationen besitzen.

🙂 {Ende der zweiten Abschweifung und Start des eigentlichen Beitrages zur Blogparade. Aber jetzt geht es los!}

Beyond Project Managing:
The Next Fifty Years Of Managing

Ich wähle die Begrifflichkeit von „beyond“ im Sinne von „jenseits des heute“. Mein Artikel soll also ein Beitrag zur Diskussion sein, wie die Zukunft sein könnte – sprich zum Beispiel in 50 Jahren. Und wenn ich mir unseren gepeinigten und gesteinigten Planeten anschaue, dann sind 50 Jahre eine lange Zeit. Da wird und muss noch viel passieren, denn in 50 Jahren könnte es auf dem Planeten und auch bei uns in Mitteleuropa übel ausschauen.

Hier meine Meinung zur kollektiven Nutzen von Projekten und wie Menschen das in der Zukunft individuell vielleicht bewerten könnten.

Zukunft der Gesellschaft (kollektiv)!

Zuerst:
Ich glaube nicht mehr an Projekte, die den „alten“ Regeln des industriellen Zeitalters folgen. Man nenne mir doch nur ein nicht triviales Projekt, dass in den letzten Jahren irgendwo auf der Welt in Zeit und Kosten zielgenau abgeschlossen wurde. Ganz gleich ob es im technologischen und/oder sozialen Bereich war.

Selbst wenn ich in diesem Sinne „erfolgreiche“ Projekte finde, stelle ich fest, dass diese nur aufgrund großer Zufälle und/oder einer nicht zu erwartenden Entwicklung mehr oder weniger überraschend geklappt haben. Man hat einfach Glück gehabt. Nur kann man das Glück im Projekt nicht organisieren (und auch nicht einplanen).

Mit den gescheiterten Projekten meine ich nicht nur die so oft erwähnten großen wie den Flughafen Berlin, das Europäische Galileo oder S21. Nein, ich sehe viele kleinere, bei denen es nicht besser aussieht.

Und gehe davon aus, dass die althergebrachte Denke und die Methoden unserer Väter (und Großväter) nicht mehr funktionieren. Sie versagen im Kleinen wie besonders im Großen.
Die Herausforderungen, die der Planet uns stellt, werden jedoch immer größer.

Wie wollen wir denn den Anstieg der Produktion von Kohlendioxid mindern können?
Wie sollen wir den Plastikmüll reduzieren oder vielleicht gar aus den Ozeanen schaffen?
Oder wie wollen wir mit dem radioaktiven Müll fertig werden?
Wie soll auf dieser Welt Frieden geschaffen werden?

Das sind alles Beispiele für wesentliche Herausforderungen, die durch einen Projektansatz – also mit Projekt Management – kaum gelöst werden können!

Wie soll ein System und daraus geborenes „Team“ wie zum Beispiel das der EU-Kommissare die „Richtigen Projektziele“ auch nur annäherungsweise finden? Dürfen wir da ein kluges „Management“ der Fragestellung erwarten?

Nicht einmal das dürfen wir erwarten. In der alten Welt der Projekte sind es ja auch immer nur wenige (oft nur einer mit einem „Stab“), die die Projekte festlegen und beauftragen. Und es ist zu befürchten, dass genau diese in ihrem Elfenbeinturm die Realität nicht mehr erleben.

Unternehmen sind soziale Systeme, die den wirtschaftlichen Zweck haben, nämlich Güter zu produzieren oder Dienstleistungen bereitzustellen. Dort wie in unseren sozialen Systemen werden uns von „oben“ vorgegebene und dann von beauftragten Projekt-Technokraten gesteuerte Projekte in den nächsten Jahren nicht weiterhelfen. Wir brauchen für die Zukunft also andere Lösungsstrategien – jenseits der Welt der Projekte.

Und natürlich wäre es unredlich, wenn ich hier die Lösung hinschreiben würde. Denn ich kann sie ja gar nicht wissen. Es wäre anmassend, heute erklären zu wollen, wie es gehen könnte und wie es sein wird.

Ich meine nur zu sehen, wie es nicht gehen wird und wage folgende Vorhersage:

Die klassische Projektdenke wird in Zukunft kein Erfolg versprechendes Muster zum Meistern wichtiger und notwendiger Unternehmungen sein. Relevante und konstruktive Veränderung wird in Zukunft (und wahrscheinlich schon heute) nur durch Evolution basierend auf der „vernetzten Weisheit von vielen“ gelingen. Und da werden andere Qualitäten gefragt sein als im alten Projektdenken:

Wie kann zum Beispiel in großen Gruppen der Konsens darüber erreicht werden, wo man gemeinsam hin will und muss?
Wie kann im großen Rahmen gemeinsam definiert werden, was man erreichen will?
Wie gelingt gelebte und gewollte Einigkeit?
Wie kann man es schaffen, dass alle „Teilhaber“ dann auch bereit sind, für das „Gemeinsame Ziel“ konzentriert zu arbeiten und/oder auf als bis dahin wesentlich wahr genommenes zu verzichten?

🙂 Vielleicht finden wir ja auf dem PM-Camp in Dornbirn da schon mal erste Antworten und „denken ein wenig um“?

Das klassische Projekt Management im großen wie im kleinen wird sich in Zukunft immer mehr darauf beschränken Gesetze zu erlassen, Vorschriften zu verkünden, Sanktionen fest zu legen und vielleicht auch noch Ressourcen umzuverteilen. Mehr dürfen wir nicht erwarten.

„Passiv“ ist aber die Veränderung von Lebensgewohnheiten und „aktiv“ das gemeinsame Handeln in der Kollaboration mit vielen notwendig. Von dem in der Zeit der industriellen Revolution entstandenen, im letzten Jahrhundert sich verfestigenden und in der post-moderne nicht mehr zu begründenden Glauben, dass Zukunft vorhersehbar ist und gar noch von Menschen determiniert gesteuert werden kann, müssen wir uns schnellst möglich verabschieden. Und damit auch von Projekten im klassischen Sinn.

Die Alternative, die eintreten wird, wenn der gemeinsame „Turnaround“ nicht gelingt, könnte eine Art (Welt-)Regierung sein, die uns alle in ihre großen Projekte steckt (NSA und Schlimmeres lässt grüßen), mit dem Vorwand, uns retten zu wollen. Solche Systeme neigen aber dazu, sich selbst zu verselbstständigen und faschistische Tendenzen zu entwickeln. Da hilft es dann nicht, wenn dessen System-Agenten dies mit „edlen“ Motiven wie Rettung der Umwelt oder wie Überleben der Menschheit oder was auch immer rechtfertigen.

Und solch eine Diktatur gefällt mir gar. So müssen wir die Probleme der Zukunft auf neue Art und Weise lösen – und Projektstrukturen dürften da so ziemlich das Ungeeigneteste sein.

Im Übrigen sind wir doch schon gar nicht mehr in der Lage, die notwendigen „Projekte“ zu definieren. Wie wollen wir uns auf die anstehenden soziale Projekte einigen? Wie als Voraussetzung eines gesellschaftlichen Konsenz schaffen? Wie soll man mit einem klassischen Projekt dann diesen Konsenz umsetzen?

Auch die Strukturen und Koordinatiensysteme, die Voraussetzung für eine Projekt-Denke sind, verschwinden immer mehr. Und dies nicht nur in der großen Welt sondern auch in Unternehmen und sozialen Systemen jeder Größe. Und das macht die Anwendung von Projekt-Denke noch schwieriger (unmöglich?).

So müssen wir etwas Neues finden. Und das im kleinen wie im Großen ausprobieren. Und immer wieder verbessern, durch üben und erlernen. Rückschläge überwinden. Und müssen zum Start über den eigenen „Hutrand“ der kollektiven Konstrukte unserer Systeme hinaus denken!

Zukunft des Menschen (individuell)!

Nehmen wir an, dass wir und unsere Nachfolger weiter in einer entwickelten Gesellschaft leben dürfen, wie das für uns heute selbstverständlich ist (obwohl es das nicht ist). Dies ist in Mitteleuropa ja (noch) der Fall.

Gehen wir davon aus, dass auch unsere Nachfahren und wir weiter frei von Bedrohungen wie Hunger, Durst, Armut verschont bleiben und vor allem weiter im Frieden leben dürfen.

Nehmen wir weiter an, dass wir es schaffen das Gelingen des Lebens unserer Kinder und Kindeskinder auch in Zukunft durch eine aufgeklärte, gewaltlose und verständnisvolle Ausbildung, „Erziehung“, Betreuung … zu unterstützen.

Dann könnte und sollte es sein, dass die Menschen der nächsten Generationen willens und fähig sein werden, ihr Leben als autonome Menschen und so eigenverantwortlich und in sittlicher Verantwortung für ihre Mitmenschen und ihre sozialen Systeme zu führen. So wie es uns ja vielleicht auch täglich immer ein wenig besser gelingt.

Diese Menschen werden keinen Bock haben, in einer tayloristisch geprägten, determiniert gesteuerten und hierarchisch organisierten Welt zu leben und zu arbeiten. Sie werden es auch ablehnen, für andere Entscheidungen zu fällen und dann dafür die Verantwortung (!) übernehmen zu müssen.

Sie werden auch keine Lust haben, in einem hierarchischen Team von „Projektleitern“ (Projektfunktionären ?) zu arbeiten, sondern großen Wert darauf legen, dass die wichtigen Entscheidungen aus der schon erwähnten „Weisheit der Vielen“ heraus entstehen und von allen Beteiligten dann auch verantwortet, gelebt und unterstützt werden.

Gerade bei jungen Menschen erlebe ich das immer häufiger. Diesen sind Respekt, Ehre, Anerkennung Vertrauen, Symmetrie und Augenhöhe schon jetzt ganz, ganz wichtig. Sie haben keine Lust mehr ihre wertvolle Zeit (die Währung der Zukunft in entwickelten Gesellschaften) ausserhalb solcher Welten auszugeben. Und werden so nicht bereit sein, sich in die klassische Welt eines Projektes hinein zu begeben. Weil sie es vorziehen werden selbstbestimmt und auf Augenhöhe mit anderen Menschen zusammen zu arbeiten – für ein gemeinsam als wichtig und richtig erkanntes Ziel.

Man sieht, die „Zukunft von Projekten“ hängt davon ab, welches Menschenbild wir für zukünftige Generationen zu Grunde legen. Mein Menschenbild ist, dass unsere Nachfahren „frei“ im Sinne von Eigenverantwortlichkeit sein wollen.

Projekte haben nur Zukunft, wenn die Menschen der Zukunft diese Art der Freiheit ablehnen. Und das empfände ich persönlich als fatal.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 14. September 2014

brand eins im August und im September

Im August habe ich zuviel gearbeitet – leider ganz fremdgesteuert und dann einen langen und schönen Urlaub gemacht. Das brand eins war dabei – aber es hatte da keinen so großen Stellenwert, denn Genießen, Schwimmen, Radeln, Schlemmen – eben Lieben und Leben waren wichtiger.

Zurzeit habe ich immer noch viel zu viel Arbeit und will auch noch ein wenig Urlaub im September machen. Das brand eins des Septembers muss man aber lesen – trotz aller Last und Belastung, die man so hat. Wie immer habe ich es auch schon an ein paar Menschen ausgeliehen, um deren öffentliche Fahrten zu verschönen. Und auch die waren begeistert.

Zum Heft: Es ist eine Ausgabe mit Herz. Auf dem weißen brand eins des Septembers prangt ein großer Schriftzug.

Darf ich noch ein Stündchen, Chef?

Darunter steht dann: Wie wir lernen, die Arbeit zu lieben und als Schwerpunkt in rot und mit Herz:

Arbeit♥

Es ist mir ja fast peinlich, brand eins zu loben. Und deshalb gestehe ich hier auch, das mich das August-Heft nicht so vom Sockel gerissen hat. Aber das Septemberheft hat wieder all die Tugenden, die ich bei brand eins so mag – und bei allen anderen Hochglanz- und sonstigen Publikationen zum und um das Thema Wirtschaft nicht nur vermisse.

Die wichtigen und richtigen Themen zum Thema (Zusammen-)Arbeit werden getroffen und mancher Widersinn wird aufgezeigt. Immer wieder ich finde ketzerische bis revolutionäre Gedanken, die durchaus „etablierte Meinungen“ und bürgerlich-moralisches Selbstverständnis „Man macht das so“ deutlich in Frage stellen.

Und das ganz authentisch und weit weg von dem üblichen (und mehr als ausgelutschten) Ratsch & Tratsch. Das ist schon wohltuend.

Ende November bin ich auf dem EnjoyWorkCamp in Stuttgart. Und schlage mal der Franziska (Veranstalterin) vor, allen Teilnehmern das Brand eins des September als vorbereitenden „Reader“ zu senden.

Darf ich noch ein Stündchen, Chef – brand eins onlinestartseite_header

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 13. September 2014

Start up (8) – den Markt erlernen!

Es muss schon zwingende Gründe geben, in einen Markt einzusteigen, den man nicht kennt. Besonders wenn sich im ausgewählten Markt schon viel etablierte Wettbewerber tummeln oder der Zielmarkt in allgemeiner Bewertung eigentlich tot ist.

Leider machen das viele Gründer. Mag sein, weil sie unerfahren sind und nicht wissen, wie komplex und oft gar nicht erklärbar so ein Markt ist. Vielleicht auch, weil sie prominente Vorbilder wie Steve Jobs haben. Der hat zum Beispiel den Markt der klassischen Mobiltelefone mit seinem I-Phone aufgebrochen.

Die zynische aber damals für mich gar nicht so unvernünftig klingende Provokation vom „anderen Steve“ (Mr. Ballmer von Microsoft) war ja: „Was will Apple mit einem Gerät im Handy-Markt erreichen, das keine Tasten hat und mit dem man auch nicht gescheit telefonieren könne?“. Steve Jobs hat sie einfach ignoriert und recht behalten.

Ich meine, dass dies aber nicht die unternehmerische Regel sondern ein Sonderfall ist. Deshalb sollte man sich der „normale Gründer“ den Markt, in den er rein will, sehr gut anschauen. Es ist einfach zu kühn, einfach in einen Markt einzusteigen, den man als junger Absolvent einer Uni noch gar nicht kennen kann. Und zumindest so ein wenig sollte man ihn halt kennen.

Das heißt, man muss den Zielmarkt erlernen und sich erarbeiten. Trotz großen Elan und Euphorie kann man in der Regel erst erfolgreich sein, wenn man den Markt im Ziel-Segment erlernt und verstanden hat. Erst dann wird man beurteilen können, ob die eigene Idee dort eine reale Chance hat. Oft ist sie noch sehr unfertig und muss sich erst noch wie ein Felsbrocken auf dem Wege stromabwärts im Flussbecken schleifen lassen bis daraus ein oder mehrere schöne runde Kieselsteine werden.

Ein Königsweg beim „Erlernen eines Marktes“ ist das Ausprobieren! Aber das kostet Zeit und Kraft. Es kann Rückschläge und Enttäuschungen geben, die man aushalten können muss.

Auch Lernen ist teuer und kostet Kraft! Oft lernt es sich angenehmer auf „fremde Kosten“, zum Beispiel als angestellter Mitarbeiter. Und leider gilt das Sprichwort „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ auch beim Gründen wie beim Erlernen eines Marktes.

So könnte eine Empfehlung an den Gründer eines start-ups sein:
„Lernt eine zeitlang als angestellte Mitarbeiter in Eurem Zielsegment. Und wenn Ihr dann meint, reif zu sein, legt los!“

In der Retrospektive habe ich es selber auch so gemacht. Das fachliche Wissen (Technologie, Technik und wie man Projekte macht) habe ich bei Siemens gelernt – und wie man Geschäft macht dann bei Softlab.

RMD