Roland Dürre
Donnerstag, der 30. Oktober 2014

Bald ist PM-Camp in Dornbirn

logo-dornbirnDas PM-Camp in Dornbirn soll wieder ganz toll werden. Das wünscht sich das Orgateam bestehend aus Eileen, Eberhard, Marcus, Stefan und meiner Wenigkeit ganz sehr. Alle Teilnehmer sollen auf dem PM-Camp viel Neues erleben und wie jedes Jahr besonders zufrieden nach Hause fahren.

Damit das klappt, darf ich am ersten Tag nach dem Impulsbeitrag vom Gebhard Borck und vor der Wiederholung der „barcamp-Regeln“ mit anschließender Session-Gestaltung ein paar Worte sagen.

Hier schon mal die Ansprache, so wie ich sie mir überlege:

Im November 2011 hat hier in Dornbirn das erste PM-Camp stattgefunden. Die Initiative ging von Kornelia Hietmann, Dr. Eberhard Huber, Jens Hoffmann, Dr. Marcus Raitner, Dr. Stefan Hagen und mir aus.

Seitdem haben sich die PM-Camps in viele Städte ausgebreitet, getragen von einer kräftigen „Graswurzelbewegung“. PM-Camp ist aber keine Institution und will keinen Profit machen. Im PM-Camp treffen und verbinden sich Menschen, die gerne ihr Wissen teilen und Freundschaften schließen. Indem sie ganz frei und ungezwungen zusammen kommen!

Alle Teilnehmer sollen auch diesmal nach dem Camp wieder glücklich und zufrieden am Samstag ins Restwochenende gehen. Damit dies möglichst gut gelingt, habe ich stellvertretend für uns alle ein paar Bitten:

  • Wir wollen die nächsten zwei Tage gemeinsam auf Augenhöhe verbringen. Deshalb schlagen wir unter anderem vor, dass wir uns alle duzen.
  • Seid achtsam und freundlich – gebt der Feindseligkeit keine Chance!
  • Bringt den anderen Respekt entgegen wie Ihr es auch für Euch erwartet!
  • Akzeptiert andere Gedanken zuerst mal so wie sie sind!
  • Gebt einen Vertrauensvorschuss und vermeidet, andere zu klein zu machen!
  • Und wenn die Begeisterung über eigene Erkenntnisse auch noch so groß ist, so vergesst das „Zuhören“ nicht!

Das klingt ein wenig moralisch – soll es aber nicht sein. Im Gegenteil: Wir wollen ganz frei und ungezwungen „PM-Camp-Party“ machen. Zwei Tage, die wir gemeinsam genießen und von denen wir möglichst viel nach Hause mitnehmen wollen. Gute Gefühle, Nachdenklichkeit und Erkenntnisse, Freundschaften!

PM-Camp ist auch keine Messe oder Produktschau. Deshalb möchten wir Euch auch bitten, die Sessions nicht als Werbung für ein Produkt oder eine Dienstleistung zu missbrauchen. Allgemein würde ich sagen, dass man sich auf einem PB-Camp vernetzt aber nicht vermarktet! Also – sich fürs Geschäft vernetzen – erwünscht, vermarkten und erwünscht.

Das wichtigste ist: Wir alle wollen uns einfach so richtig wohlfühlen. Also machte es Sinn, alles was hier destruktiv wirken könnte zu unterlassen. Genießt also das Vertrauen und die Toleranz von uns allen so wie Ihr diese uns schenkt.

PM-Camp ist eine große Bewegung geworden. Viele werden an unserem Camp auch aus der Ferne teilhaben. Deshalb noch zwei Bitten:

  • Twittert viel und konstruktiv!
  • Wenn es passt, dann erstellt eine kleine Dokumentation Eurer Session für openPM!

Das wäre schön, weil wir dann vielleicht in 2015 noch ein paar Barcamps mehr haben werden, vielleicht in Bremen, Dresden, Hamburg, Leipzig oder vielleicht auch ganz woanders!

Jetzt wünsche ich Euch allen viel Freude und Spaß – ganz einfach zwei wunderbare Tage.

So oder so ähnlich stelle ich mir das vor.

RMD

P.S.
Ich habe schon vor längerem ein paar Artikel zum PM-Camp geschrieben. Hier die Links

Geschichte von und Leitfaden für PM-Camp (und barcamps allgemein).

barcamps und PM-Camp (2) – warum sie so erfolgreich sind.

Barcamps und PM-Camp (3) – “Typologie der Sitzungen”.

Barcamps und PM-Camp (4) – Twittern gehört dazu.

Barcamps und PM-Camp (5) – Regeln.

Hier auch meine persönliche Erfahrung mit barcamps und warum ich von PM-Camp so begeistert bin in meiner
Weiterbildungsstory – Perönlichkeitsförderung, Seminare, Workshops, barcamps.

Here, I relate my personal experience and why I am such an enthusiastic PM Camper. Read my 
life-long education story – Personality Promotion, Seminars, Workshops, barcamps (Weiterbildungsstory – Perönlichkeitsförderung, Seminare, Workshops, barcamps.).

Roland Dürre
Mittwoch, der 29. Oktober 2014

Radfahren / Autofahren – oder – Von Analysten und Thinktanks

Ich bin begeisterter und bekennender Radfahrer und so wenn es irgendwie möglich ist nur noch mit dem Fahrrad unterwegs. Dies bei jedem Wetter und bis zu einem Radius von zirka 30 km. In dieser Reichweite bin ich nur ganz gelegentlich öffentlich unterwegs.

Bei größeren Entfernungen fahre ich in der Regel Zug oder fliege, aber nur dann, wenn es mir zwingend notwendig erscheint. Nur bei ganz besonderem Anlass nutze ich noch ein individuell und von Hand gesteuertes Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Das passiert ganz selten im Jahr.

Meine neue Freiheit genieße ich und kann auch ganz objektiv begründen, wie sehr durch diese Veränderung meine Lebensfreude und innere Zufriedenheit gewachsen sind.

Umso mehr hat mich folgende Nachricht überrascht (und auch ein wenig erschüttert), die ich in der SZ vom 25.10.2014 in der Beilage „Mobiles Leben“ gefunden habe:


Autoboom ohne Ende
Von Joachim Becker

Die Kosten für das Autofahren sollen bis zum Jahr 2030 sinken. Die Weltbank prognostiziert, dass sich der Ölpreis in den kommenden Jahren stabilisieren wird. Aus diesem Grund sollen auch die Spritpreise in Deutschland lediglich von 1,60 Euro pro Liter im Jahr 2013 auf 1,81 Euro im Jahr 2030 steigen. Innovationen beim Antrieb dürften den Verbrauch senken, während die Einkommen steigen. Folglich werden PKW als Beförderungsmittel immer attraktiver.

Zu den Kehrseiten des wachsenden Verkehrsaufkommens gehört eine Zunahme der Kosten durch Staus um mehr als 30 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Centre for Economics and Business Research (Cebr). Die Studie prognostiziert einen Anstieg der direkten und indirekten Staukosten von 25 Milliarden (2013) auf 33 Milliarden im Jahr 2030. Pro Haushalt bedeutet das ein Wachstum von 1647 Euro (2013) auf 2203 Euro im Jahr 2030 – was mit zwei Prozent pro Jahr auf dem Niveau der angepeilten Inflationsrate liegt. Wenig tröstlich: In den USA sollen die Staukosten sogar um 50 Prozent steigen.


Sich aus eigener Kraft fort zu bewegen ist vielleicht das Beste, was wir für das Biosystem unseres menschlichen Körpers tun können. Es ist wahrscheinlich ein guter Weg, in ein reflektiertes Leben im Einfachen hinein zu gleiten.

Wenn ich radele bewege ich mich, überwinde täglich meinen „inneren Schweinehund“ (der im übrigen mit jedem Tag ein wenig kleiner wird), bin an der frischen Luft und nehme unsere Naturwelt wahr. Ich widerstehe – auch durch die richtige Kleidung Regen, Hagel, Hitze. Ich lerne mich in Geduld und Muße zu üben.

Außerdem verbrenne ich kein Öl, stoße keine Abgase aus, verursache keinen Lärm, gefährde andere Verkehrsteilnehmer deutlich weniger und spare auch noch Geld ein.
Im öffentlichen Verkehrsmittel gewinne ich auf den längeren Strecken viel Zeit, die ich für mich nutzen kann. Wenn ich daran denke, wie viele Jahre ich täglich Stunden in Autos verbracht habe, schmerzt dies mir.

Und dann lese ich solch eine Studie … Und frage mich, was da los ist:

  • Können die Prognosen im Artikel stimmen?
  • Was denken sich die Menschen, wenn sie so etwas lesen?
  • Kann die Zukunft wirklich so werden?
  • Liegen die Analysten da komplett falsch?
  • Warum folgen nicht mehr Menschen meinem Beispiel?

RMD

P.S.
🙂 Mittlerweile bin ich übrigens schon weiter und arbeite an meinem „neuen Mobilitäts-Programm“ – das Ersetzen des Fahrrads auf den Kurzstrecken durch das „zu Fuß gehen“. Eine gar nicht so einfache Herausforderung.

Roland Dürre
Montag, der 27. Oktober 2014

Toleranz & Religion

Zurzeit denke ich viel über Moral und Ethik nach. Auch weil ich entdeckt habe, dass in fast allen Entscheidungen fast aller Menschen die moralische Vorgaben dominieren. So auch gerade bei meinen falschen Entscheidungen.

Bis vor kurzem dachte ich, dass sich Entscheidungen auf Vernunft und Menschenverstand (Kopf, Ratio) und auf Intuition und Heuristik (Bauch) begründen. Das hatte ich mir auch für meine eigenen so gedacht.

Und jetzt stelle ich fest, dass ich doch öfters völlig (und folgenreich) daneben gelegen bin. Einfach weil ich meinte, „ich müsse so entscheiden, weil es sich so gehören würde.“ Oder mit anderen Worten weil ich unfähig (zu feig?) war, dem „Man macht das so“ oder dem „So geht das nicht“ zu widerstehen. Weil meine Entscheidungen (besonders die schlechten) so von Moral und Moralismen wesentlich beeinflusst wurden. Wie ich meine zu meinem und zum Nachteil Dritter.

In dem Hotpot der Philosophie finden sich neben Moral und Ethik auch oft schwer verdauliche Zutaten wie die „Religion“ oder die Tugend der „Toleranz“.

Denn:

„Religion ist uns heilig!“

und

„Man muss tolerant sein!“

Ich meine auch, dass Toleranz ein hoher Wert ist. Der Ethiker formuliert es so:

Sei immer tolerant!
Toleranz geht vor Moral!
Nur gegen Intoleranz sei intolerant!

Dabei könnte man dem Ethiker entgegnen, dass Intoleranz gegen Intoleranz ja auch schon wieder Intoleranz ist

Betrachten wir die Toleranz in der Praxis am Beispiel der Religion. So schützen Grundgesetz wie die Bayerische Verfassung die „Freiheit der Religionsausübung“ in ganz besonderem Maß, fast auffällig. Und das abgeleitete Gesetz verbietet streng die Verletzung „religiöser Gefühle“. Es fordert nicht Toleranz und Respekt ein, sondern in letzter Konsequenz die Unterwerfung vor den religiösen Gefühlen Dritter.

Diese Forderung geht mir zu weit. Wer will denn festlegen, was eine Religion und was keine Religion ist. Eine Masse verpflichtet sich absolut gegen durchaus hinterfragbare Annahmen und Regeln, die sie letzten Endes selbst erfunden hat. Dabei beruft sie sich auf eine besondere, höhere, externe und nicht erklärbare Instanz. Und gibt diesen „Glauben“ systemisch von Generation zu Generation weiter, was letzten Enden zur Entstehung von Systemen wie den Kirchen führt mit all ihren Vor- aber auch wesentlichen Nachteilen.

Aber wie will man denn entscheiden können, welche Art von zum System gewordenen Glauben überhaupt eine Religion ist? Und wer soll das tun? Lese ich die Kapitel zur Religion in der Bayerischen Verfassung genau nach, so gewinne ich den Eindruck, dass die Väter der Verfassung vor allem an die christliche Religion gedacht haben. Und auch nur an diese in der „besseren“ Variante.

Ist diese absolute Toleranzforderung für „religiöse Gefühle“ also wirklich akzeptabel? Gerade wenn die in ihrer Religion gefangenen Menschen sich im Besitz der absoluten Wahrheit zu wähnen und Dinge fordern oder machen, die im schlimmsten aber häufigen Fall gegen die Menschlichkeit sind?

Vielleicht ist deswegen der schöne Begriff der Toleranz zu einem „buzzword“ verkommen ist wie leider auch Freiheit, Gemeinwohl und Nachhaltigkeit.

Vor kurzem habe ich in einem Kommentar auf einem Blog Toleranz gefordert und diese als herausragende „Primärtugend“ bezeichnet. Und musste aus den Reaktionen lernen, dass es schon Ethiker gibt, die allen Ernstes eine „Toleranzpolizei“ fordern.

RMD

P.S.
😉 Das ist jetzt vorläufig mein letzter Post zu Moral und ähnlichem. Weil gegen Moral und Moralismen zu sein ja auch schon wieder Moral und moralisieren ist.

Ab morgen schreibe ich wieder, was mir so aus dem Alltag einfällt.

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 23. Oktober 2014

Halloween in Hanau oder ‚Wiener Blut‘

Ein vampirischer Telefonsketch
spanish-riding-school

Elias Hupka-Hürlimann wohnt seit geraumer Zeit in Hanau.

Zu Halloween verwirklicht er einen lang gehegten Wunsch: er organisiert in seiner weitläufigen Wohnung in einer Hanauer Altstadtvilla erstmals eine aufwendige Vampir-Party, bei der es an Nichts fehlen soll! Vor allem nicht an Blut bester Qualität! Seine Freundin Susanne rät ihm zu dem berühmten ‚Wiener Blut’ einer bekannten Wiener Agentur in der Blutgasse im 1.Bezirk! An einem Dienstag ruft Elias dort an; nach zweimaligem Läuten meldet sich eine jugendliche Stimme:

• Internationaler Vampir Party Service ‚Blutdurst’ – Gottlieb Bissinger am Apparat – Grüß Gott!

• ……………………………………….

• Das freut mich aber, Herr Hupka-Hürlimann, dass Sie durch eine Empfehlung auf uns gestoßen sind. Das zeigt, dass wir Vieles richtig machen und unsere Kunden zufrieden sind! Oder?

• ……………………………………….

• Darf ich fragen wo dieses Hanau in Deutschland liegt, von wo Sie anrufen?

• ……………………………………….

• Ah – bei Frankfurt am Main – ja das kennt man natürlich! Hanau ist mir allerdings vollkommen unbekannt. Aber macht ja nix – ist doch schön wenn’s sogar in Ortschaften wie Hanau Vampire gibt, das lässt hoffen?

• ……………………………………….

• Ja – Sie sehen, in Wien gibt es eben nicht nur Heurige und Kaffeehäuser, Herr Hupka-Hürlimann, sondern auch einen sehr gediegenen ‚Blutservice für Vampire’!

• ……………………………………….

• Aber bitte, Herr Hupka-Hürlimann, Sie sollten nicht vergessen, dass wir in Österreich eine Jahrhundert alte Vampirtradition haben.

• ……………………………………….

• Na, na, na, nix England – der erste dokumentierte Vampir kommt aus Istrien in Kroatien, das schon vor über 200 Jahren zur Österreichisch Ungarischen Monarchie gekommen ist – das ist Tatsache!

• ……………………………………….

• Ja lachen Sie nur – Spaß muss sein, Herr Hupka-Hürlimann! Ist ja leiwand, wenn man sich gleich so gut versteht, dass man lachen kann, das macht alles viel leichter, gell!

• ……………………………………….

• Natürlich ist Wien ein ausgezeichnetes Pflaster für Vampire! Wissen Sie, bei uns weiß man nicht nur ein gutes Schluckerl Wein zu schätzen, sondern immer öfter auch einen gschmackigen Lutscher Blut! Überhaupt wenn er vom richtigen Halserl kommt und den entsprechenden Abgang hat!

• ……………………………………….

• Nein, nein – da ist kein Mangel bei uns! Schauen Sie, wir haben jede Menge Rentner in Wien, ausreichend Sängerknaben und wirklich einen Haufen Lipizzaner! Und Sie werden es vielleicht nicht glauben, aber die ganz jungen Lutscher, sozusagen die ‚blutjungen Zuzler’, üben sehr gern erst an einem letscherten Renterhals, bevor sie ihre richtige Gaudi mit den weißen Halserln der Sängerknaben und Sängermadln haben! Ja und für alle Tag schnappen sie sich schon einmal einen Lipizzaner – das ist einfach Fakt!!

• ……………………………………….

• Natürlich nicht während der Aufführungen der ‚Spanischen Hofreitschule’, Herr Hupka-Hürlimann, das ist doch klar! Aber danach in den Stallungen, wenn die Lipizzaner müde sind und sich kaum noch rühren können…

• ……………………………………….

• Nein, in unserm Servicedienst arbeiten nicht nur Vampire! Das tät’ die Gewerbeaufsicht gar nicht zulassen! Das ist doch bei uns alles streng geregelt, auch die Vampirquote! Vermutlich stammt diese Regelung sogar noch aus der Monarchie?

• ……………………………………….

• Sicher Herr Hupka-Hürlimann, Ordnung muss sein! Das geht gar nicht anders bei unserem heiklen Blutgeschäft. Was glauben Sie, wie viele so genannte ‚Gutmenschen’ ständig hinter uns her sind und uns ein Hackl ins Kreuz hauen wollen! Da können wir gar nicht genug aufpassen…

• ……………………………………….

• Genau! Und weil es halt diese Auflagen beim Personal gibt, Herr Hupka- Hürlimann, beschäftigen wir in unserem Partyservice nur in ganz begrenztem Umfang echte Vampire – alles andere wär’ auch viel zu teuer!

• ……………………………………….

• Auf keinen Fall – wo denken Sie hin! Bei unserem Partyservice ‚Blutdurst’ ist das so organisiert, dass 70% der Mitarbeiter so genannte N V P sind, also ‚Non Vampire People’ wie das amtlich heißt! Und von den restlichen 30% sind 20% H V P also ‚Hetero Vampire People’ das heißt, die sind mal so mal so, und nur 10%, Herr Hupka-Hürlimann, sind wirkliche P V P also ‚Pure Vampire People’! Sie sehen, die Quote ist wirklich gering!

• ……………………………………….

• Sie sagen es! Das wird in der Presse viel zu viel aufgebauscht! Ehrlich gesagt gibt’s keinen Vampirüberschuss bei uns und in der EU, sondern einen bedauernswerten Mangel! Ein paar mehr würden dem ganzen ‚Dradiwaberl’ mehr als gut tun, das können Sie mir glauben…

• ……………………………………….

• Richtig – Sie sehen das ja an uns! In unserem optimierten Service-Team ‚Blutdurst’ sind wir gerade einmal 6 Mitarbeiter!

• ……………………………………….

• Wie? Sie fragen, ob dann nur 6 Zehntel eines Mitarbeiters bei uns ein reiner Vampir ist?

• ……………………………………….

• Ja das ist vollkommen richtig, Herr Hupka-Hürlimann! Das haben Sie super schnell ausgerechnet! Gratulation!

• ………………………………………..

• Wie das geht, mit dem 6-Zehntel Mitarbeiter?

• ………………………………………..

. Das ist ganz einfach, das heißt, dass der Hubert, unser einziger Vampir, nur ab Mitternacht im Einsatz ist und akquiriert – so einfach ist das!

• ………………………………………..

• Ja gell, manchmal sind die Dinge einfacher als man denkt? Aber jetzt zu Ihrer Bestellung, Herr Hupka-Hürlimann! Was können wir für Sie tun?

• …………………………………

• Leiwand – das macht natürlich alles viel einfacher, wenn Sie sich schon auf unserer Homepage über sämtliche Produkte und Dienstleistungen informiert haben.

• ……………………………………….

• Selbstverständlich können Sie bei uns alles sofort telefonisch bestellen! Da machen wir überhaupt keine ‚Würschtl’!

• ……………………………………….

• Geben Sie mir doch durch was Sie benötigen, Herr Hupka-Hürlimann und ich tipp’ alles sofort in unseren Zentralrechner:

• ……………………………………….

• Ich versteh – Sie wollen 50 Liter Bio-Blut von der Blutgruppe A und 30 Liter Bio-Blut der Blutgruppe AB, aber keines mit der Blutgruppe B! Das wollen Ihre deutschen Gäste nicht! Interessant das zu hören, Herr Hupka-Hürlimann!

• ……………………………………….

• Ja da haben Sie Recht! Die Blutgruppe B schmeckt ein bisserl sperrig! Pelzig würden ihre Kenner in Hanau sagen! Und sagen Sie, legen Sie Wert auf einen bestimmten Rhesusfaktor?

• ……………………………………….

• Ist Ihnen egal! Das kann ich gut verstehen! Ja da haben Sie vollkommen Recht, vom Gschmackn her spielt der Rhesusfaktor wirklich eine untergeordnete Rolle; überhaupt wenn man einen Blut-Spritz serviert mit viel Eis! Da schmeckt man praktisch keinen Unterschied zwischen den Rhesusfaktoren: weder vom Bukett her noch beim Abgang!

• ………………………………………

• Darf es noch etwas sein, Herr Hupka-Hürlimann?

• ………………………………………

• Wie Sie wollen wissen, was das ‚Bio’ bei unseren Blutprodukten bedeutet?

• ………………………………………

• Natürlich! Blut ist irgendwie immer Bio! Aber bei uns heißt das, dass es wirklich von reinster Qualität ist und eben noch diesen unverfälschten Blutgschmackn hat! Schließlich ist ja unser Haus zertifiziert, wenn Sie wissen was ich meine.

• ………………………………………

• Nun – wie Sie ja aus unserem Lieferprospekt sicher gesehen haben, liefern wir auch Blutprodukte in ganz anderen Geschmacksrichtungen!

• ……………………………………….

• Jawohl! Das ist dann Blut, das wir uns vorwiegend von passionierten Heurigengängern holen und das ganz fein nach ‚Blauem Zweigelt’ oder ‚Grünem Veltliner’ schmeckt! Oder auch nach Riesling! Aber wirklich nur ganz zart! Ist halt was für echte Feinschmecker! Da muss man schon mit einem sehr feinen Züngerl gesegnet sein, Herr Hupka-Hürlimann! Übrigens momentan haben wir auch für die nicht ganz so ‚feine Zunge’ jede Menge Blut mit einem prima Wodka-Gschmackl! Sehr zu empfehlen, wenn man was Wuchtiges möcht’ – nicht so was Fusseliges!

• ………………………………………..

• Genau, Herr Hupka-Hürlimann, dieses Blut kommt täglich frisch aus der Ukraine, und ist von ganz exzellenter Qualität, da es direkt aus den aktuellen Kampfzonen eingeflogen wird!

• ………………………………………..

• Ja – probieren Sie es doch einmal – ist wirklich was ganz Leckeres und Extravagantes, ich bin sicher, ihre Partygäste werden jedes Schluckerl goutieren…

• ……………………………………….

• Also ich ergänze Ihre Bestellung somit um weitere 10 Liter AB mit an Wodka Gschmackl und 5 Liter AB mit an ‚Blauen Zweigelt – Körper’ Prima Herr Hupka-Hürlimann! Zu dieser ausgewogenen Bestellung kann ich Ihnen im Namen unseres Hauses nur herzlichst gratulieren! Wirklich!

• ………………………………………..

• Wie? Wer uns beliefert? Nun des wickeln wir alles über das sehr professionelle Drohnen-Service von Amazone ab! Das funktioniert eins A! Die liefern zuverlässig und pünktlich! Da gibt’s überhaupt keine Probleme!

• ………………………………………..

• Sie sagen es! Amazone kooperiert auch auf diesem Sektor ganz eng mit der NSA und weiß daher praktisch in Echtzeit wo und wann die neuesten Blutquellen sprudeln…

• ………………………………………..

• Ja das ist wirklich eine feine Sache! Anders kann man das nicht bezeichnen! Endlich einmal ein sinnvoller Einsatz moderner Technik! Sonst machen die doch eh nur lauter Blödsinn mit der Technik, oder?

• ………………………………………..

• Ja – also dann nochmals schönen Dank für ihren Auftrag, Herr Hupka-Hürlimann! Ich hoffe Sie beehren uns bald wieder! Und wie gesagt wir werden Sie diskret und prompt beliefern! Wie das dem Stil unseres Hauses entspricht!

• …………………………………………

• Und Servus auch von Kolleg’ zu Kolleg’! Gell’ Du bist auch so ein richtiger Blutlutscher, wie ich?

• …………………………………………

• Irgendwie hört man das gleich raus! Macht Dich sympathisch, auch wenn Du ein Piefke bist! Nix für ungut! Und Servus noch einmal…

KH

Roland Dürre
Samstag, der 18. Oktober 2014

Sommerzeit – eine Frage der Moral?

🙂 Wie in IF-Blog.de leicht zu sehen, beschäftige ich mich zurzeit gerne mit Moral.

Heute habe ich mir Gedanken über die Sommerzeit gemacht. Besser gesagt über den Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit. Auch als „use case“ für mein Thema „Entscheiden unter Moral“.

Kommenden Sonntag ist es ja wieder soweit. Dann wird es wieder schlagartig früher hell und natürlich auch früher dunkel. Und wie zweimal in jedem Jahr fühle mich wieder ein paar Tage so ein klein wenig daneben (dizzy), weil ich ein Mini-Jetlag habe, blöderweise aber ohne Ortswechsel.

Und ich habe mir die Frage gestellt, warum man sich so schwer tut, etwas für mich und viele andere offensichtlich Unsinniges abzuschaffen.

Zur Erinnerung:
Die erneute Einführung der Sommerzeit wurde in der Bundesrepublik 1978 beschlossen, trat jedoch erst 1980 in Kraft. „Erneut“, weil die Sommerzeit ein Erbe aus Krieg- und Nachkriegszeiten ist und sowohl im 1. wie im 2. Weltkrieg eingesetzt wurde. Wie immer findet man gute Informationen zum Thema dazu in Wikipedia.

Ende der 70iger Jahre hatte wir eine „gefühlte Energiekrise“. Es gab eine allgemeine Annahme, dass der Zeitwechsel Energie sparen würde. Und weil „Energie sparen“ gut und so „moralisch richtig“ ist, hat man entschieden, die Sommerzeit einzuführen.

Mittlerweile scheint klar zu sein, dass die Annahme „Sommerzeit spart Energie“ weder widerlegt noch bestätigt werden kann. Jetzt könnte „man“ sich entscheiden, die Sommerzeit wieder abzuschaffen.

Rational wäre die Sache eindeutig entscheidbar – denn die Umschaltung schafft Aufwand und verursacht Schaden. Zum Beispiel weil die Unfallhäufigkeit höher als im Durchschnitt sonst. Intuitiv (emotional) auch, denn wer mag schon wirklich den Stress mit der Zeitumstellung.

Jetzt haben wir aber noch die Moral, die ja nach meiner Annahme so oft die wesentliche Entscheidungsgrundlage ist. Und da sieht es schlecht aus für die Abschaffung des Zeitwechsels:

  • Man darf doch so etwas nicht alleine entscheiden“
    (wie der böse Putin, der ja die Sommerzeit abgeschafft hat)!
  • Wie sollen wir das denn den anderen in Europa erklären?
    (Dass wir diesen Blödsinn nicht mit machen.)
  • Vielleicht hat die Entscheidung ja auch Nachteile, an die wir nicht denken?
    (Am Schluss spart es doch Energie?)
  • Jetzt hatten wir doch so lange die Sommerzeit! Warum sollen wir es dann ändern?

Entscheidungsfeigheit, Zweifel und Angst haben mit Moral zu tun. Oft bremsen sie Entscheidungen und verhindern Reformen und Veränderung.

In der „Theorie der Entscheidungen“ heißt es, dass wenn zwei wesentliche Gründe für eine Entscheidung sprechen, es keinen großen Sinn mehr macht, die anderen eher nicht so relevanten Gründe noch groß abzuwägen. Das dürfte wohl auch für Kollektiv-Entscheidungen wie in diesem Fall gültig sein.

Ich würde übrigens die Sommerzeit lassen, weil sie einfach am besten zu dem Längengrad passt, auf dem wir leben. Und wenn die „alte“ Winterzeit käme, meinen Lebens-Rhythmus einfach eine Stunde vorverlegen.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 17. Oktober 2014

Moral & Ethik vor Werte & Tugend ???

Viele Menschen in meiner kleinen Welt schätze und mag ich sehr. Manche davon meinen, dass Moral heißt „als guter Menschen den gemeinsamen Werten und Tugend folgend zu handeln“. Ich sehe die Moral ja nicht so positiv, deshalb entgegne ich ihnen dann:

Was ist denn Moral und Ethik? Was sind denn Werte und Tugenden?

Und bringe Beispiele und stelle die Frage, was denn da „moralisch“ richtig ist:

  • „Für Ordnung und Ruhe sein.“ oder „Für Freiheit auf die Straße gehen.“?
  • „Fortschritt und Veränderung sind gut und verlangen Opfer.“ oder „Fortschritt und Veränderung dürfen nie Selbstzweck sein“?
  • „Du musst zum Wählen gehen!“ oder „Man darf an der Urne aus Protest seine Stimme verweigern.“?
  • „Die Freiheit ganz selbstverständlich Autofahren zu dürfen ist ein Grundrecht!“ oder „Komplett aufs Auto verzichten, weil beliebig Ressourcen zerstört werden, ist eine Grundpflicht.“?
  • „Jeder soll so viel Fliegen wie er Lust hat!“ oder „Das Flugzeug darf man nur als Ultima ratio nehmen.“?
  • „In der Sexualität darf Freiheit beliebig ausgelebt werden.“ oder „Man darf es nur mit einem Partner und sollte da nur eingeschränkte Sex-Praktiken haben“?
  • „Frauen dürfen sich locker bekleiden.“ oder „Frauen müssen schamhaft verhüllt sein!“?
  • „Prostitution muss verboten werden!“ oder „Fairness für sich Prostituierende fordern.“?
  • „Frauen müssen lange Haare tragen, Männer kurze!“ oder „Jeder darf seine Haare so lange tragen, wie er es will!“?
  • „Entfernung von Körperbehaarung ist hygienisch und schön!“ oder „Entfernung von Körperbehaarung ist unmoralisch (!)?
  • „Kurze Hosen sind auch im Business ein normales Kleidungsstück.“ oder „Anzug und Krawatte gehören sich im Business!“?
  • „Streiken ist ein NOGO, wenn es die Öffentlichkeit schädigt.“ oder „Streiken ist eine gesellschaftliche Pflicht.“?
  • „Man muss sein Grundstück einzäumen.“ oder „Man darf keinen Zaun um seinen Grund errichten.“?
  • „Jeder muss bereit sein für sein Vaterland zu sterben!“ oder „Desertiere wenn Krieg droht!“?

Beispiele dieser Art lassen sich beliebig viele finden.

Aber WER kann, soll, muss, darf denn bestimmen, was hier falsch und richtig ist?

Die Ethik versucht das. Sie will zwischen verschiedenen moralischen Standpunkten vermitteln. Indem Sie einen zur Gesellschaft und in die Zeit passenden Konsens sucht und diesen rechtfertigt. Aber auch ihr gelingt das nie.

Es gibt sogar „Ethik-Kommissionen“, die die schwierigen Fragen des Lebens beantworten wollen und sollen. An Stelle von Konsens werden dort aber immer nur Kompromisse gefunden, die so schal wie ihre Begründungen sind. Die gefundenen Kompromisse jedoch werden in den Stand einer „neuen“ Moral erhoben.

Moral entlarvt sich fast immer als von Interessen (sei es bewusst oder unbewusst) getriebene Besser-Wisserei. „Man“ weiß doch, was richtig und falsch ist. „Man“ ist im Besitz der „Wahrheit“ und schreibt anderen vor, was sie zu tun haben. „Man“ erhebt sich so über seine Mitmenschen.

Ich meine, dass „Moral“ vor allem Feindseligkeit und Frust generiert – und Trotz bewirkt. Die „Moralischen Regeln“ nähren sich zu oft aus fragwürdigen Quellen wie Religionen und ihren Äquivalenten. Die kollektiven Konstrukte von Systemen, die sich mit ihre Dogmen über die Menschen setzen, bestimmen was „moralisch“ ist und was nicht. Und die Folgen sind Hass, Streit, Zank, Angst, Intoleranz – und Krieg! Im Großen wie im Kleinen.

Das sind so meine Argumente gegen die Moral-Gläubigkeit vieler Menschen. Ich verstehe aber die Befürworter der Moral gut. Denn verlässt man den Glauben an die Moral, so ist es als ob einem der Lebensteppich weggezogen wird. Sind wir doch alle „moralisch erzogen“ worden und in unserem Moralismus mehr oder weniger gefangen.

Verlassen wir den Schutzanzug der Moral, so müssen wir uns auf die Suche nach persönlichem Sinn und Wirken begeben. Und es ist nicht immer ganz einfach, das Gefundene mit der gesellschaftlichen Realität (und deren Moral) in Einklang zu bringen.

RMD

P.S.
Diesen Artikel habe ich für die Community „Strategische Moral“ in Google+ geschrieben.

Roland Dürre
Donnerstag, der 16. Oktober 2014

Die Arcis-Vocalisten singen Mozart – das Requiem.

Vor kurzem habe ich die Arcis-Vocalisten in großer Form erlebt. Das war in Wolfratshausen in der Loisach-Halle.

Gemeinsam mit zahlreichen Solisten (auch der „Stofferl“ von den Well-Brüdern war dabei), dem wunderbaren Orchester „Ensemble Nymphenburg“ und der tollen Blasmusik-Kapelle aus Irschenhausen haben sie unter der Leitung von Thomas Gropper eine zauberhafte Aufführung der Fledermaus von Johann Strauß hingelegt. Ich war begeistert – nicht nur weil die Evelyn (EG) dabei war.

MozartDie „Arcis-Vocalisten“ ruhen aber nicht. Denn wer rastet der rostet.

So führen die Arcis-Volisten am Samstag, den 1. November, um 19 Uhr im Herkules-Saal der Residenz das Requiem von Mozart auf. Das gemeinsam mit dem L´Arpa festante-Orchester und den Solisten Monika Mauch (Sopran), Ulrike Malotta (Mezzosopran), Andreas Hirtreiter (Tenor) und Martin Burgmair (Bass). Die Leitung liegt wieder bei Thomas Gropper und die Evelyn wird auch wieder mitsingen.

»Mozarts Musik ist so rein und schön, dass ich sie als die innere Schönheit des Universums selbst ansehe.«
(Albert Einstein)

In Mozarts geheimnisvollem Vermächtnis, seinem letztem Werk, dem meisterhaften Requiem, schwingt die Glaubenstreue genauso mit wie seine ständige Auseinandersetzung mit dem Tod. Als der Auftrag für das Requiem im Juli 1791 von Graf Walsegg zu Stuppach kam, komponierte Mozart so seine eigene Totenmesse.

Um das Werk ranken sich zahllose Legenden, die man auch in er Verfilmung „Amadeus“ wieder findet. Das Requiem ist so eines der ergreifendsten Werke der geistlichen Musik schlechthin und gilt vor allem aufgrund seiner religiösen Tiefe und erzählerischen Dramatik als einzigartig und faszinierend.

»Der Geschmack des Todes ist auf meiner Zunge, ich fühle etwas, das nicht von dieser Welt ist.«
(Wolfgang Amadeus Mozarts – seine letzten Worte am 5. Dez. 1791)

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 14. Oktober 2014

Gegen Beschneidung aller Art! Oder: Ekel stärker als Menschlichkeit?

Groß war die Aufregung vor nicht allzu langer Zeit. Ein Grundsatzurteil hatte die Beschneidung für ungesetzlich erklärt. So waren Beschneidungen strafbare Handlungen. Das ging aber nicht, denn „man“ musste ja auf „religiöse Gebräuche“ und „Religionsfreiheit“ Rücksicht nehmen. So wurde ganz schnell ein neues Beschneidungs-Gesetz verabschiedet werden, das es erlaubt, in Deutschland Beschneidungen aus religiösen Gründen wieder durchzuführen.

Und jetzt ist wieder ganz ruhig. Wie ich finde zu ruhig. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich gar nicht, ob das Gesetz in der Tat verabschiedet wurde oder ob man nur jetzt so jetzt handelt darf, weil man meint, man hätte es verabschiedet. Auch weil seither so viele neue Gesetze gekommen sind und unsere „großen Koalition“ wie auch die EU fleißig ein Gesetz nach dem anderen verbricht.

Mir geht es aber gar nicht um Gesetze, sondern mehr um Menschlichkeit. Um gesunden Menschenverstand, um Philosophie und Psychologie. Die beschäftigen sich mit Tabus, die ja in unserem Leben als Regeln eine wichtige Rolle spielen. Sexuelle Handlungen eines Vaters mit seiner Tochter sind zum Beispiel tabu. Das hat die Natur gut eingerichtet. In diesem Fall ist das Tabu nützlich, um eine ungünstige Form von Vermehrung (Inzucht) zu vermeiden.

Kannibalismus ist auch ein Tabu. Der Gedanke, Menschenfleisch zu Essen, erzeugt in der Regel Ekel, individuell und kollektiv. Ein Tabu, das wie vermute daher kommt, weil wir wahrscheinlich auch selbst nicht gefressen mögen werden.

Wenn ich mich richtig erinnere, wurde das neue „Beschneidungsgesetz“ mit hohem Tempo durchgeboxt. Die Begründung hieß: „Dem Religionsfrieden zu Liebe!“. Es war wieder mal eine alternativlose Situation. Wobei ich mich immer frage, warum wir noch Parlamente und Politiker brauchen, wenn die gesellschaftlichen Entscheidungen eh alternativlos sind?

In der Diskussion damals finde ich viele Argumente gegen dieses Gesetz. Es passt nicht zu einer entwickelten Gesellschaft und ist mit einem Rechtsstaat nicht vereinbar. Es wirft Aufklärung und Menschlichkeit wesentlich zurück. Den meisten Menschen in unserem Lande scheint das leider gleichgültig zu sein. Sie sind davon ja nicht betroffen. Und die archaischen Gepflogenheiten von Religionsgemeinschaften sind den meisten auch ziemlich egal.

Wahrscheinlich wäre das ganz anders, wenn die Beschneidung gegen ein wirkliches Tabu verstoßen würde und nicht nur Leben beschädigen. 

Deshalb konstruiere ich jetzt mal künstlich so eine Situation. Um die Absurdität sowohl unseres gesellschaftlichen Denkens wie auch von religiöser Beschneidung klar zu machen, verlängere ich die religiöse Beschneidungszeremonie in Gedanken ein wenig.

Und nehme mal an, dass es einen ganz frisch entdeckten Stamm in Afrika gibt, der seine Kinder – Knaben wie Mädchen – beschneidet. Bei den Buben wie in manchen Religionen und Kulturkreisen üblich ganz „normal“, bei den Mädchen – um hier die Grausamkeiten einzuschränken – die harmlose Variante (bei der nur die äußeren Schamlippen entfernt werden). Das an sich aber auch schon grausam und völlig sinnlos ist.

Jetzt konstruiere ich bewusst weiter und nehme an, dass bei diesem angenommenen Stamm das bei der Beschneidung gewonnene Fleisch in die Festsuppe gemischt und von der Festgesellschaft verspeist wird. Um irgendeinem Aberglauben zu huldigen.

Und plötzlich kommt der Ekel über uns. Ein Aufschrei der Entrüstung würde durchs Land gehen. Nicht wegen der Beschneidung, die ja keinen interessiert. Sondern weil etwas passiert, das als absolut „widerlich“ und „unnatürlich“ empfunden wird. Als völlig unmoralisch …

Und alle wären dafür, diesem kleinen Stamm in Afrika ganz schnell klar zu machen, dass es so nicht geht und er sein unglückseliges Treiben beenden muss. Auch wenn es traditionell seit Jahrtausenden stattfindet.

Mit diesem vielleicht von manchen Lesern als geschmacklos empfundenen Beispiel will ich nur klarmachen:

Nicht die Grausamkeit der Beschneidung von Kindern und der lebenslängliche Schaden für die Betroffenen kann die Menschen aktivieren. Der Ekel jedoch würde die Menschen aber sofort auf die Barrikaden bringen.

Und das finde ich schlimm.

Und noch entsetzlicher finde ich es, wenn am Schluss „Beschneiden“ als moralisch hingestellt wird. Und wir fast schon wieder so weit sind.

Im übrigen:
Besagtes „Beschneidungsgesetz“ hätte man auch anders machen können. So wie früher mal bei der Abtreibungs-Reform. In dem man die Beschneidung als ungesetzlich beibehalten hätte, sie aber in religiösen Fällen unter gewissen Voraussetzungen von Bestrafung freigestellt hätte. Also ein klares Verbot mit Ausnahmen bei der Tatverfolgung. Dann wäre zumindest die Unrechtmäßigkeit der Tat festgestellt.

RMD

Noch ein paar Anmerkungen zum Thema:

P.S. 1
In Ägypten ist jede zweite Frau zwischen 16 und 30 beschnitten. Was machen die „Hüter der Freiheit“ im Westen?

P.S. 2
Die Entsorgung der Ergebnisse der Beschneidungszeremonie ist meines Wissens in Deutschland übrigens nicht besonders geregelt. Wahrscheinlich ist das dann medizinischer Abfall.

P.S. 3
Das Essen von Menschenfleisch ist ein Tabu. Trotzdem werden Menschen, die in Notsituationen (Flugzeugabsturz) die Leichen ihrer Gefährten aufgegessen haben um das eigene Leben zu erhalten, auch schon mal als Helden beschrieben.

P.S. 4
In Peking habe ich mal Ente gegessen. Das Gehirn der Ente war die große Spezialität und dem Ältesten vorbehalten. Ich war der Älteste. Dank der Freundschaft meiner Gastgeber wurde toleriert, dass ich das Gehirn nicht gegessen habe.

Roland Dürre
Dienstag, der 7. Oktober 2014

Ethik und Moral sind zwei böse Schwestern …

Das letzte lange Wochenende beginnend mit dem Tag der Deutschen Einheit habe ich der Philosophie gewidmet und war mit einer nicht zu kleinen Gruppe von sehr jungen Studenten und erfahrenen Unternehmern und Unternehmensführern im Grashof – einem kleinen Tagungshotel zirka 25 km westlich von Fulda. Dort hat mein Freund Klaus-Jürgen Grün ein „philosophisches Kolloquium“ gehalten, das vom „Ethikverband der Deutschen Wirtschaft e. V. (EVW)“ unterstützt wurde.

Es waren für mich drei ganz wichtige Tage. So möchte ich meine Erkenntnisse knapp berichten:

Moral und Ethik

Immer mehr beginne ich zu verstehen, dass Moral und Ethik zwei böse Schwestern sind. Zwar versucht die jüngere Schwester, die „Ethik“ ihre ältere Schwester, die „Moral“ beim Unheil anrichten zu bremsen. Nur zu oft macht sie es aber schlimmer.

Damit will ich sagen, dass die Moral ursächlich für vieles Schlimmes ist und der Anspruch der Ethik, es besser zu machen, nicht funktioniert.

Moral und Entscheidung

In meinem bisherigen Weltbild habe ich Entscheidungen vor allem im Spannungsfeld von Ratio (Fakten, Bewertung, Folgerung, Kopf) und Intuition (Emotion, Gefühl, Bauch) gesehen. Auf dem Kolloquium habe ich plötzlich verstanden, dass es noch eine dritte und oft ungeheure Einfluss-Größe gibt, die Moral!

Je mehr ich Menschen beim Konsens finden bewusst zuhöre, dest mehr entdecke ich, dass die ausgetauschten Argumente überwiegend moralischer Art sind und nicht vernünftig (gesunder Menschenverstand) oder intuitiv (Heuristik). Das finde ich schrecklich.

Moral und Regulierung

Als Drittes ist mir bewusst geworden, wie sehr wir im einfachen Reden und Sprechen wie im Denken und Argumentieren laufend moralisieren und wie sehr wir durch Moral geprägt sind. Die Systeme, in denen wir leben, bilden massive kollektive Konstrukte aus, die uns zusätzlich „moralisch“ beeinflussen und prägen.

Die Folge von ungebremster Moral ist Überregulierung. Die wir insgeheim fordern (damit die anderen es endlich richtig machen), die wir aber gar nicht wollen. Dieser Prozess geht zu Lasten der Freiheit bis hin zum Verlust derselbigen. Das gefällt mir nicht.

Ich möchte gerne in einer entwickelten und aufgeklärten Gesellschaft in Freiheit leben. Dies gerne auch nach vernünftigen Regeln. Ich habe aber immer mehr den Eindruck, dass gerade bei uns diese Entwicklung zurzeit nicht mehr stattfindet. Schlimmer, wir sind da im zurück fallen und geben so unnötiger Weise unsere mühsam errungene „Freiheit“ wieder Schritt für Schritt auf. Und das darf nicht sein.

RMD