Roland Dürre
Samstag, der 29. November 2014

Gebhard Borck jetzt auch bei IF-AGORA

Nachlese zum PM-Camp in Dornbirn – #PMCampDOR

Für mich war Gebhard die positive Sensation auf dem letzten PM-Camp und openPM.

Sein Impulsvortrag war das Beste, was ich jemals zu Organisation und Unternehmertum gehört habe. An der Tafel hat er mit Kreide in ganz einfachen Schritten erläutert, an welchen Dingen sich ein Unternehmen der Zukunft orientieren muss. Und das ganze auch noch äußerst lustig und spannend gestaltet.

Vor allem hat er mir klar gemacht, wie gut ein Unternehmen funktioneren kann, wenn es nur die eigentlich so banalen Bedürfnisse der Menschen im Unternehmen sinnvoll befriedigt.

Ja – und jetzt ist Gebhard auch bei mir in der IF-AGORA vertreten! Ist das nicht Klasse?

Hier sein Wissensangebot! Dazu empfehle ich sein aktuelles Sachbuch, das man auch online lesen kann Affenmärchen.

Unsere Impuls-Rednerin des zweiten Tage des #PMCampDOR Dr. Melanie Kaiser hat uns genauso begeistert. Melanie hat uns nicht nur berichtet, wie arme Manager an ihren falschen Entscheidungen sogar krank werden können. Nein, sie konnte uns auch klar machen, wie wichtig Intuition und Ratio auch für glaubhafte Kommunikation ist.

Hier ihr „Wissensangebot“ Burnout.

Und ihren Vortrag vom PM-Camp hält sie bestimmt auch für Sie!

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 25. November 2014

Führung – Werte & Prinzipien

“Die drei Wahrheiten des Managements und was das Internet dazu sagt”

Mit diesem Titel und Untertitel habe ich letzte Woche am Mittwoch auf der der DOAG 2014 – Konferenz + Ausstellung in Nürnberg einen Vortrag gehalten. Hier Abstract und Manuskript dazu. In meiner Session habe ich Teile des Manuscripst verwendet und durch aktuelle Überlegungen ergänzt.

🙂 Der Vortrag war richtig gut besucht und ich durfte mich sehr schöner Rückmeldungen erfreuen.

Abstract:

In der 2. Hälfte des 19. Jh verändert die einsetzende Industrialisierung unsere Welt. Ausgebildete Arbeitskräfte werden gebraucht. Die gibt es aber nicht. So ist die Kaste der Ingenieure gefordert und erfindet die Methode des “Taylorismus”. Neue Disziplinen „Management“ und „Organisation“ entstehen, als Folge der industriellen Revolution werden sie immer mächtiger. Die Menschen werden auf Gehorsam getrimmt, es funktioniert.

Heute reichen Organisations-Kunst und Management-Handwerk nicht mehr aus. Unternehmens-Kultur und -Werte, Begriffe wie Selbstorganisation und Selbstbestimmung werden wichtig. Die „basic beliefs“ und kollektiven Konstrukte, das Lebensverständnis und die Sozialisierung von Menschen verändern Zivilisation und Kultur. Man spricht von der “Generation Y”. Sogar nach dem “Sinn” eines Unternehmens wird gefragt.

Gerade Managern und Unternehmenslenkern fällt es oft nicht leicht, diesem Wandel zu folgen. Wie kann man solche “weiche Faktoren“ messen? Wie soll man die Qualität von „Führung“ bewerten. Stellen Sie sich doch selbst mal die Frage nach Ihren drei wichtigsten Führungs-Prinzipien! In meinem Vortrag werde ich ein Potpourri von Antworten von wichtigen zeitgenössischen Protagonisten des Managements diskutieren und vom Wandel im Management berichten.

Manuscript:

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verändert die einsetzende Industrialisierung unsere Welt in hoher Geschwindigkeit. Plötzlich werden Arbeitskräfte in großer Zahl gebraucht. Die verfügbaren Menschen kommen vom Land. Sie sind schlecht oder gar nicht ausgebildet und nicht an getaktete Tätigkeiten gewöhnt.

Dieses Problem fordert die Kaste der Ingenieure, die Methode des “Taylorismus” wird erfunden. Die Disziplinen „Management“ und „Organisation“ entwickeln sich und erlangen im Gefolge der industriellen Revolution eine immer größere Wichtigkeit. Das funktioniert gut, denn die Menschen sind auf Gehorsam getrimmt.

Das industrielle Zeitalter geht zu Ende. Organisationskunst und Managementhandwerk reichen nicht mehr aus. Der Begriff der „Führung“ entsteht. Nach modernem Verständnis ist “gute Führung” wesentlich für den Erfolg eines Unternehmens. Man spricht plötzlich von Selbstorganisation und Selbstbestimmung und von Unternehmens-Kultur und Unternehmens-Werten. Man fragt nach der Sinngebung eines Unternehmens.

Die Ingenieure werden nervös, denn wie will man diese “weichen Faktoren“ messen? Aber die Entwicklung geht weiter. Die „basic beliefs“ und kollektiven Konstrukte wie auch das Lebensverständnis und die Sozialisierung von Menschen in Zivilisation und Kultur verändern sich weiter drastisch. Man spricht plötzlich von der “Generation Y”.

Vielen Menschen, nicht nur den Managern und Unternehmenslenkern, fällt es nicht leicht diesem Wandel zu folgen. Das führt zu massiven und oft sehr nachteiligen Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft. Wie gehen aber die Manager und Führungskräfte mit dem Wandel um?

Das alles ist nicht neu. Schon in den 80iger Jahren gibt es eine bemerkenswerte Entwicklung an der Hochschule in St. Gallen. Es entsteht ein neues “Management-Modell”, das die HSG weltberühmt macht. Diese kumuliert in den 8 Thesen des Hans Ulrich – “Management – Aufsätze 2. Teil von 1981 – 1998 zum Wandel im Management”:

  • Ungewissheit und die Unvorhersehbarkeit der Zukunft als Normalzustand akzeptieren: Strategie wird zum Nachdenken über die Zukunft und akzeptiert, dass Entscheidungen unter Unsicherheit erfolgen.
  • Die Grenzen des Denkens weiter stecken! Gegen das “aber” sein, den Gedanken ihre Freiheit lassen. Und Wissen teilen!
  • Sich in den Kategorien “Sowohl-Als-auch” an Stelle von “Entweder-Oder” bewegen: Schwarz-weiß ist out, Bunt ist in.
  • Mehrdimensional denken: Dabei berücksichtigen, dass Menschen eigentlich immer nur drei Gedanken parallel behandeln können. Und: zwischen diesen Dimensionen eine sittlich verantwortete Güterabwägung durchführen.
  • Selbstorganisation und Selbstlenkung als Gestaltungsmodell für die Unternehmung verwenden: Sprich Verantwortung verteilen, Subsidiarität fördern.
  • Managen als sinngebende und sinnvermittelnde Funktion auffassen! Das ist doch ein neues Managementbild.
  • Sich auf das Wesentliche konzentrieren: Eine Vorgabe der Arbeitsökonomie.
  • Gruppendynamik ausnutzen! Man denke an Kulturen mit ihren Symbolen, Riten, Ritualen, Helden.

Anfang 2005 ist mir dieser Aufsatz in die Hände gefallen. Mich hat der kurze Aufsatz förmlich elektrisiert. Er wurde vor mehr als 30 Jahren geschrieben…

Heute geht es darum, schnell Erkenntnisse zu gewinnen, um gemeinsam Zukunft zu gestalten. So brauchen wir Kreativität, um die richtigen Fragen zur Lösung unserer Probleme zu finden (1. kreative Pflicht). Wenn wir die gefunden haben, müssen wir Wissen einsetzen um Lösungen zu generieren.

“Taylorismus” und “Mechanismus” funktionieren in den sozialen Systemen der Post-Moderne nicht mehr. Wir müssen neue Kommunikationsformate notwendigerweise auch in den Unternehmen und Institutionen nutzen, um den Erkenntnisgewinn aus der Weisheit der Vielen zu generieren. Es muss heißen “Vielfalt statt Einfalt“.

Und das geht heute über das Internet.

Ein Beispiel:

Bernd Geropp (ein Unternehmensberater, dessen Führungsseminare von vielen Menschen sehr geschätzt werden), ist ein bekannter Blogger zum Thema Management. Sein Medium ist mittlerweile vor allem der „Podcast“, sein Blog “Mehr führen, weniger managen” ( (http://www.mehr-fuehren.de/) hat unheimlich viele „Klicks“. Er macht da auch Interviews und stellt dann am Ende des Interviews gerne die Frage

“Was sind deine drei relevanten Führungsprinzipien?”

Da die Antworten ihn beeindruckt haben, hat er andere Blogger eingeladen, an einer Blogparade teilzunehmen. Das bedeutet, er hat sie gebeten, einen Artikel zum Thema “Meine drei wichtigsten Führungs-Prinzipien und/oder -Werte“ zu schreiben und diese Artikel auf seinen Blog zu verlinken. Das Ergebnis war eine spannende Reihe von Aufsätzen zum Thema “Führungsverständnis und Führungsprinzipien”. Ein paar der Kurzantworten präsentiere ich jetzt in einem “Potpourri”.

Ich starte mit den Prinzipien des Veranstalters der Blogparade, Bernd Geropp. Er sagt:

Bernd Geropp
Klare Ziele, die richtigen Werte, Gelassenheit!

Weiter geht es mit ein paar der Damen, die an dieser Blogparade teilgenommen haben:

Barbara Simonsen
Sinn erzeugen, Komplexität handhaben, Lernraum ermöglichen!
Franziska Köppe (Madiko)
Systemisch Denken, Identifizieren, gemeinsam Handeln!
Gudrun Happich
Exzellente Chefs führen exzellente Teams, die anderen dürfen anders sein, fremde Potenziale machen erfolgreich
Maria Jaehne
Werte, Gemeinsamkeiten schaffen, flache Hierarchien
Sabine Pfleger
Führen = Motivieren?, Führung ≠ Befehl und Kontrolle, Führung = Wissensmanagement

Und jetzt dürfen auch ein paar Männer zu Wort kommen …

Dr. Andreas Zeuch
Selbstorganisation und Mitbestimmung, Möglichkeitsräume, Fehlerfreundlichkeit
Dr. Eberhard Huber
Gelassenheit als Grundton, Bereitschaft zu entscheiden, Übernahme von Verantwortung
Conny Dethloff
Weisheit, Besonnenheit, Mut oder Kopf, Bauch, Herz (nach Platon)
Gebhard Borck (Affenmärchen)
Führen ist ein temporärer Zustand! Führe nur die Menschen, die auch geführt werden wollen! Ermögliche nomadische Führung!
Dr. Heinz Peter Wallner, CMC
Polarität, Resonanz, Ordnungsmuster
David Kadiri
Entfaltung, Vertrauen, Freundlichkeit
Ivan Blatter
Klarheit schaffen, optimalen Rahmen schaffen, Busyness nicht belohnen
Dr. Marcus Raitner
Haltung, Vertrauen, Gelassenheit
Olaf Hinz
Unentscheidbare Entscheidungen treffen, gelassen der Ungewissheit begegnen, praktische Klugheit
Dr. Stefan Hagen
Führung mit Herz, mit Kopf und Hand – Zugehörigkeit, Achtsamkeit und Ordnung

Ich will es damit bewenden lassen, obwohl es noch viel mehr sehr schöne Beiträge gibt. Diese 15 Autoren habe ich relativ zufällig aus den insgesamt sehr lesenswerten 44 Beiträgen ausgesucht. Mir fällt auf, dass die Damen doch so ein wenig anders geantwortet haben als die Herren. Das finde ich spannend.
Aber:

Sind das nicht schöne Leitprinzipien?

Und die gibt es umsonst im Internet – und sogar als kostenloses e-Book. Dieser Erkenntnisaustausch findet auf einem sehr hohen Niveau statt – und hat mir sehr geholfen. St. Gallen war vor mehr als 30 Jahren. Hier wurde die “wissenschaftliche” Basis gelegt. Erfahrungsaustausch und schneller Erkenntnisgewinn finden aber heute nicht mehr so sehr in den Hochschulen statt – sondern im praktischen Leben und im Internet.

Es gibt – vielen oft noch unbekannte – hybride (virtuell und physische) Aktivitäten in und um das “Netz”: Für Manager empfehle ich z.B. openPM als offene und unabhängige Plattform für Projekt Manager, Führungskräfte und Unternehmer.

openPM ist verbunden mit PM-Camp (pm-camp.org), der “Face2Face Bewegung” im Projekt Management. PM-Camp ist eine “Graswurzel-Bewegung” entstanden, die selbstorganisiert in Kooperation mit openPM wunderbare Barcamps für Projekt Manager, Führungskräfte und Unternehmer veranstaltet. Dort treffen sich erfahrene und junge Menschen, Frauen wie Männer, alt wie jung und teilen offen ihre Erfahrung und ihr Wissen. Die Bewegung wächst rasant und findet einmal im Jahr schon in vielen Städten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz statt.

Ich bin dann durch unser Unternehmen gegangen und habe unsere Führungskräfte zu ihren drei Führungsprinzipien befragt. Und da kam auch wieder Neues! Eine schöne Antwort war zum Beispiel:

Paul Schuster
Individualität fördern, Menschen vernetzen, gemeinsam das Wesentliche herausarbeiten.

Ich war verblüfft, wie wenig der Antworten sich überschnitten haben. Und wie gut sich fast alle trotz ihrer Unterschiedlichkeit ergänzen. Die Vielfalt der Gedanken zeigt aber auch, dass es genau die drei Wahrheiten zum Thema “Führung” eben nicht gibt (und wohl auch nicht geben kann)!

In der Literatur bin ich übrigens auch fündig geworden. In seinem Buch
„Nicht mit uns“- Das Leben von Leonie und Walter Frankenstein
nennt Walter Frankenstein dem Autor drei Gründe, die ihm mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern geholfen haben, den Holocaust im Berlin der letzten Kriegsjahre zu überleben:

Walter Frankenstein
Angstfrei, Frechheit und gute Freunde

Dies könnte zweifelsfrei auch ein Führungsprinzip eines erfolgreichen Managers sein.

Ich war auch zu Bernd Geropps Blogparade eingeladen. Da habe ich mich gefragt, was denn meine drei “Führungsprinzipien” sind. Ich musste nur kurz nachdenken und dann war es mir klar:

🙂 Ich bin ein ALO-Mann – meine Prinzipien sind:

Roland Dürre
Agile, lean, open!

Zusammenfassung:
Manager sind auch nur Menschen!

Erfolgreiche Manager sind ein klein wenig besser in der Lage zu bewerten, was fürs Unternehmen gut oder schlecht ist. So sind ihre Entscheidungen fürs Unternehmen dann ein wenig öfters richtig als die von „schlechten“ Managern.

Ich meine, dass im Prinzip alle Menschen, die in höherem Maße konstruktiv wirken als andere und denen das destruktive Moment eher fremd ist, gute Manager sind – im Geschäftlichen wie auch im Privaten.

Dies gilt besonders, wenn sie auch noch Menschen sind, die nicht nur auf (oft vermeintliche) Vorteile schielen, sondern auch darauf vertrauen, dass eine richtige Entscheidung einen wesentlichen “Kollateral-Nutzen” erzeugen kann. Und wenn sie dann auch noch über ein schönes Maß an Menschenfreundlichkeit verfügen und ihnen Feindseligkeit fremd ist, dann ist alles „paletti“.

Feindseligkeit in Menschenfreundlichkeit zu transformieren könnte auch ein wunderbarer “Wandel im Management” sein!

RMD

Hinweis zum Vortrag:
Es gibt gratis ein E-Book von der von mir zitierten Blogparade “Nachhaltige Führung” von Bernd Geropp, das Gudrun Happich zusammengestellt hat. Das E-Book wurde von ihr aus der Blogparade und weiteren Quellen zusammen getragen, nach “Best Practice-Prinzipien“ und Werten separiert und dann kommentiert. (www.mehr-fuehren.de/nachhaltige-fuehrung-e-book/)

Roland Dürre
Sonntag, der 23. November 2014

Das Ende von offener Kollaboration

Heute eine fiktive Geschichte, wie sie tatsächlich passiert hätte sein können.

220px-Jekyll-mansfieldDie Geschichte handelt von zwei wichtigen und bekannten Protagonisten, die in derselben Branche tätig sind. Beide arbeiten am selben Thema. Es ist ein neues Thema, mit dem man Geld verdienen kann. Nennen wir die beiden mal Mr. Je und Mr. Hy.

Beide berichten in ihren Blogs ihre Überlegungen und entwickeln dazu allein und gemeinsam mit Anderen neue Ideen im Sinne von „Wissen teilen“ und „gemeinsam Erkenntnis gewinnen“.

Mr. Je findet Gedanken in einem Post im Blog von Mr. Hy spannend. So beginnt ein Dialog zwischen den beiden. Der Dialog findet in Form von Kommentaren zu diesem Post im Blog von Mr. Hy statt.

Es entsteht ein wesentlicher Erkenntnisgewinn, der eine werthaltige Basis für ein Geschäftsmodell umfasst. Großen Anteil daran haben die konstruktiven, kritischen und ergänzenden Kommentare von Mr. Je.

Mr. Hy nutzt die so gewonnenen Erkenntnisse für sein Geschäft und bringt sein Geschäftsmodell erfolgreich voran. Mr. Je erzählt er aber davon nichts, löscht aber ganz schnell den Dialog zwischen ihm und Mr. Je aus seinem Blog.

Mr. Je hat kein Problem damit, dass Mr. Hy aus dem gemeinsamen Dialog ein Geschäft entwickelt. Das ist in Ordnung und der Sinn von „Wissen teilen“ und „offener Kollaboration“. Er hätte sich jedoch gefreut, von Mr. Hy zu hören und vielleicht ein Kooperationsangebot zu bekommen.

Aber dass der Dialog gelöscht wurde, das ärgert ihn!

Die Geschichte ist natürlich von mir frei erfunden. Ähnlichkeiten mit – falls vorhandenen – Gegebenheiten oder lebenden wie schon verstorbenen Personen sind rein zufällig.

RMD

Das Bild ist aus Wikipedia:
en:Henry Van der Weyde (1838-1924; London, England) – http://www.photography-museum.com/jekyll.html / Originally from en.wikipedia;

Roland Dürre
Mittwoch, der 19. November 2014

Dr. Schreber und das Korsett meiner Mutter

Schreber_(1883)_b_372Wer kennt den Dr. Moritz Schreber?
(* 15. Oktober 1808 in Leipzig;
† 10. November 1861 ebenda)

Den berühmten und berüchtigten deutschen Erzieher?
Den Berater der Eltern?
Den Autor des berüchtigten Erziehungsratgebers Kallipädie (1858)?
Den Konstrukteur praktischer (Folter-)Geräte für die Ausrichtung der jüngsten in der Familie?
Wer kennt ihn, nach dem der Schrebergarten benannt ist?
Denn ein nach Schrebers Tod 1864 vom Leipziger Schuldirektor Ernst Innozenz Hauschild gegründeter Verein bekam ihm zu Ehren seinen Namen.

Ich bin auf Dr. Schreber im Kabarett aufmerksam geworden. Der von mir so geschätzte und geliebte Jörg Hube hat sich für uns in seinem Kabarett „Herzkasperl’s Biograffl“ in nach Dr. Schrebers Zeichnungen nach gebaute Konstruktionen hinein gepresst.

Und hat uns auf zynische Weise demonstriert, wie grausam Kindererziehung sein kann und damals wohl normal war. Und dass man tatsächlich um tugendhafte Haltung zu erzwingen den Kindern Foltergeräte verpasst hat.

Zu Dr. Schreber ein Zitat aus Wikipedia:

„Geradhalter“ für korrekte Sitzhaltung

„Geradhalter“ für korrekte Sitzhaltung

Im programmatischen Vorwort des Erziehungsratgebers Kallipädie (1858) schrieb er:

Selbst sehr mangelhafte Naturmitgabe ist oft in staunenswerter Weise ausgleichbar durch wohlberechnete Erziehung, wovon die augenfälligsten maßgeblichen Beispiele in den immer höher steigenden Resultaten der Erziehungsanstalten für Taubstumme, Blinde, Blödsinnige, Cretinen, sittlich verwahrloste Kinder u. s. w. zu erblicken sind. Die glücklichste Naturmitgabe ist aber der Verkümmerung preisgegeben, wenn die erziehende Entwicklung derselben fehlt.

Der Begriff der Gesundheit schloss in dieser Zeit auch den Gedanken an „gesunde Triebabfuhr“ mit ein, weshalb Schreber unter anderem mit mechanischen Geräten zur Verhinderung der Masturbation experimentierte. Überdies empfahl er Axthauen und Sägebewegungen, in schwierigen Fällen abendliche kalte Sitzbäder, Kaltwasserklistiere und das Abreiben der Schamgegend mit kaltem Wasser.

Um gesunde Körper zu formen, konstruierte Schreber außerdem zahlreiche Apparaturen: etwa orthopädische Kinnbänder, um Fehlbissen vorzubeugen, Schulterriemen, die das Kind im Bett in Rückenlage hielten, und „Geradhalter“ für aufrechtes Sitzen

Die Folgen seiner schrecklichen Erziehungsmethode bekamen auch seine eigenen Kinder zu spüren.

Dazu noch ein Zitat aus Wikipedia.

Orthopädisches Kinnband zur Vermeidung eines Fehlbisses

Orthopädisches Kinnband zur Vermeidung eines Fehlbisses

Schrebers Frau Pauline (1815–1907) war die Tochter des Mediziners Wilhelm Andreas Haase und hatte Karl Friedrich Christian Wenck zum Onkel. Sie hatten drei Töchter und zwei Söhne.

Der älteste Sohn Daniel Gustav (1839–1877) beging Suizid. Der zweite Sohn war der sächsische Richter und kurzzeitige Senatspräsident am Oberlandesgericht Dresden Daniel Paul Schreber, dessen autobiografische Beschreibung seiner schweren psychischen Erkrankung Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken (1903) von Sigmund Freud auf der theoretischen Grundlage der Psychoanalyse interpretiert wurde.

Dazu ist mir dann das Korsett meiner Mutter eingefallen. Das ist nur gut 50 Jahre her. Es war auch ein schreckliches Teil. Es sollte die Figur betonen und war eine Art „Body“ aus elastischem Material, in das flexible, gräten-ähnliche Metallstäbe eingenäht waren. Auf dem Rücken war es offen und wurde dann mit Serie kleiner Häkchen verschlossen.

Und wenn man dann am Sonntag ausging oder die Verwandtschaft besuchte wurde dies Korsett unter dem Kostüm getragen. Und das Anlegen war ein grausamer Prozess. Denn natürlich wurde meine Mutter auch im Laufe der Jahre nicht schlanker. Und das Korsett so immer enger und brutaler.

Die schlechte Laune war dann vorhersehbar und wir Kinder mussten es ausbaden. Und die Eltern wunderten sich, wenn es der Mutter dann schlecht wurde und sie unter Rückenschmerzen litt. Das waren schon nette Zeiten damals.

So hat sich des unheimlichen Dr. Schrebers Fluch von den Kindern in die Welt der Frauen verlängert.

RMD

Das Bild wie die beiden Abbildungen stammen aus dem recht lesenswerten Artikel in Wikipedia zu Dr. Moritz Schreber, aus dem ich zitiert habe.

Das Video zum letzten Vortag im IF-Forum in 2014 aus unserer Reihe „Galileo Galilei – Ein Besuch in der Gegenwart“ von Thomas de Padova mit dem Thema “Das Weltgeheimnis”  steht jetzt in meinem YouTube-Channel RolandDuerre zum Download bereit.

Jetzt können auch die, die nicht dabei sein konnten, dem interessanten Vortrag über Galileo Galilei und seinen Zeitgenossen Johannes Kepler folgen:

:

Ich wünsche viel Freude beim Anschauen!

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 13. November 2014

Laubbläser

Blick aus meinem Schlafzimmer von Neubiberg rüber nach Ottobrunn. Wer findet den Laubbläser?

Blick aus meinem Schlafzimmer in Neubiberg rüber nach Ottobrunn – Wer findet den Laubbläser?

Zurzeit blasen sie wieder.

Allen Ortens.

Schau ich morgens aus meinem Schlafzimmer über den kleinen Park hinweg, schon entdecke ich den ersten.

Auf dem Radweg ins Phönix (dem Schwimmbad in Ottobrunn) kreuze ich gleich die beiden nächsten. Und so geht es weiter.

Es gibt zwei Sorten von Laubbläsern. Die privaten, die in ihrer Luxusvilla neben verschiedenen Autos, Motorräder und Rollern halt auch noch den Rasenmäher und Laubbläser im Gartenhaus stehen haben müssen. Alles mit Verbrennungsmotor, damit es auch so richtig schön knattert. Und dann ab und zu mal rumblasen. Weil man das halt so tut. Diese Wahnsinnigen meine ich in diesem Artikel aber nicht.

Heute geht es mir um die professionellen Laubbläser. Die vom Gemeinde-Auto abgesetzt werden und dann mit Hör- und Mundschutz den ganzen Tag blasen müssen. Manche haben ihren Motor auf dem Rücken wie einen Rucksack, andere müssen das komplette Teil am Schultergurt tragen und manch ausgezeichnete haben ein vierrädriges Vehikel zum Blasen.

Diese Laubbläser ärgern mich besonders, wie mir die Menschen dahinter Leid tun. An feuchten Tagen wie heute morgen sind sie halbwegs erträglich. An den schönen trockenen Werktagen mit ein wenig Sonne sind sie allerdings für mich als Radfahrer die Hölle. Denn die wirbeln oft viel Staub auf – und so manches Partikel landet dann in den Augen des Radlers.

Ich will hier aber nicht über den Unsinn der Laubbläser schreiben. Das sie nur die Firmen wie Stiehl und andere reich machen, ansonsten aber nur lärmen und stinken. Das sie Benzin brauchen, dass oft ekelhaft stinkt – wenn der Laubbläser beim Nachfüllen ein wenig gezittert hat.

Jetzt sitze ich im Zug, im laubbläser-freien Abteil (auch Nutzung des Mobiltelefons ist hier verboten) und fahre zum EnjoyWorkCamp nach Stuttgart.

So muss ich an die Menschen denken, die in den Laubbläser-Kostümen stecken. Vier Stunden im Lärm, zwischendurch eine kleine Brotzeit, dann Mittagessen und nochmal vier Stunden im Lärm. Ganz alleine, unpersönlich. Das Laub von einer Ecke in die andere bewegen – und dann wieder zuschauen zu müssen, wie der Wind es dann wieder wo anders hin verteilt.

Jetzt stelle ich mir vor, wie sie antworten würden, wenn ich sie nach getaner Arbeit frage würde: „Wie war ihr Tag?“. Und fürchte da würde ich nichts Erfreuliches hören.

Dabei könnte es auch anders gehen. Wir könnten Menschen – immer zu zweit – mit einer rollenden Tonne, Schaufeln, Besen und Rechen losschicken. Die könnten sich während der Arbeit unterhalten. Und stolz auf die Anzahl von Tonnen sein, die sie wegschaffen.

Und vielleicht könnte man ihnen noch einen Sack für den Plastik- und sonstigen Müll (Zigarettenschachteln, Papier aller Art, Coffee2GO-Becher, Alu-Dosen …) mitgeben, der mittlerweile alle unsere Wege, Plätze und Straßen verunziert. Und ein Gerät, mit dem sie den Müll aufpicken. Dann könnten die Menschen auch noch stolz sein, dass sie eine Spur der Sauberkeit hinter sich lassen.

Wenn ich diese Menschen fragen würde „Wie war Ihr Tag“ könnten die Antworten vielleicht erfreulicher aussehen als bei den Laubbläsern. Es gibt doch genug Menschen, die ohne Job zu Hause sitzen – sei in Hartz4 oder auf Stütze. Das wäre vielleicht ein wenig teurer, aber bestimmt sinnvoller. Und bewegen an der frischen Luft schadet auch nie.

Jetzt sagen Sie aber bloss nicht, so war das doch früher mal!

RMD

P.S.
Apropos frische Luft: Die Geschichte lehrt noch etwas anderes. Immer wenn ich im Regen oder bei Schnee, allgemein bei schlechten Wetter gut gelaunt an meinem Ziel ankomme, werde ich verblüfft gefragt, wie man denn nur bei solch einem Wetter Radeln könne. Ich sage dann meistens, dass es kein falsches Wetter sondern nur falsche Kleidung gibt.

In Zukunft werde ich dann darauf hinweisen, dass es viele Menschen gibt, die bei jedem Wetter im freien Arbeiten müssen – wie eben die Laubbläser-Frauen und -Männer.

Carl und Gerlinde (XXXVII)

Oh Gott – warum ausgerechnet nach diesem himmlischen Steak mit Champignons und Broccoli? Sogar der Riesling hatte die richtige Temperatur. Was nicht selbstverständlich war bei Gerlinde. Doch heute war sie perfekt – die Temperatur! Und dann das… ZZDimg130

Aber irgendwie hatte alles schon so blöd angefangen, als Carl vom Büro heimgekommen war: Gerlinde spitzte völlig unerwartet schmollend ihr knallrotes Mäulchen nach dem flüchtigen Begrüßungskuss und blieb schweigend vor ihm stehen. Ihr fordernder Blick während dieser stummen Geste war irgendwie peinlich. Unter dem Vorwand aufs Klo zu müssen, beendete Carl schließlich diesen grotesken Prolog! Ihm war aber klar, dass der Höhepunkt des Trauerspiels noch ausstand…

Und dies ausgerechnet an einem Tag, an dem in der Firma wieder einmal der Katastrophenknüppel ausgepackt worden war! Zwar hatte der umtriebige Spartenleiter Dr. Osterkorn die siebzehn Power Point Folien mit permanent sinkenden Auftragseingängen in allen Bereichen der Wäschesparte bei TRIGA anfangs kommentarlos vorbeihuschen lassen, dann aber doch ohne jede Vorwarnung auf die brutalst mögliche Art das volle Ausmaß der ‚russischen Unterwäschekatastrophe’ an die Projektionswand geklatscht!

Denn seit Putin Mitte des Jahres in der gesamten Eurasischen Wirtschaftszone ein Einfuhrverbot und Produktions- und Verkaufsverbot für Spitzenunterwäsche erlassen hatte, gab es praktisch keine Aufträge mehr von den beiden russischen Unterwäschegroßhändlern ‚ARMED’ und ‚Suwen’! Der gesamte Geschäftsverkehr mit Russland war von einem Tag auf den anderen zusammengebrochen. Und das nur, weil Väterchen Putin meinte, neben der Ukraine sich auch um die Gesundheit seiner Landsleute kümmern zu müssen! Schließlich setzten diese nicht saugenden Spitzenhöschen und satanischen High Heels seinem ohnehin schon durch Wodkaüberflutungen arg geplagten Völkchen in ungeahntem Ausmaß zu: denn die dadurch eingeschleusten faschistischen Geißeln, ‚Blasenkatarr’ und ‚Fußfehlstellung’, drohten nun auch noch die russischen Frauen zu dezimieren…

Carl zögerte!

Sollte er wirklich diesen kompletten Firmen-Schmarren vor Gerlinde ausbreiten und ihr die Laune verderben? Wo sie doch nach der arg wirren Begrüßungsstarre jetzt wieder richtig quicklebendig vor ihm herumzappelte und mit traumhaften Leckereien lockte. Und das alles bestimmt in einem ihrer bezaubernden roten Spitzenhöschen, wie sie Putin gar nicht mochte, da war er sich ganz sicher…

Nein – das tat er nicht!

Dazu war er auch viel zu müde und abgespannt!

Am Liebsten hätte er ohne ein weiteres Wort und ohne Gerlinde – aber mit dem schönen Riesling – nur das superbe Essen in sich hineingeschaufelt und Country Music gehört… Doch das rote Spitzenhöschen war nicht zu bremsen: denn kaum hatte Carl das zarte Steak zwischen seinen Zähnen zermalmt, durchgespeichelt, in den Magen versenkt und mit drei Gläsern Riesling abgelöscht, als Gerlinde ihn schon mit der Frage überfiel – ob er glücklich sei?

Carl prostete ihr abwiegelnd zu und versuchte lachend die Frage zu übergehen! Ja er entblödete sich nicht einmal – obwohl er unfähig war, auch nur noch einen Bissen in sich hineinzuwürgen – sie zu fragen, ob sie nicht doch noch eine klitzekleine ‚Nachspeiseüberraschung’ für ihn bereit hielte?

„Natürlich“ sagte Gerlinde verschmitzt, „ich möchte wissen, ob du glücklich bist, Carl“? „Heißt das, meine Nachspeise ist was zum Knabbern? Nämlich die Frage ‚bin ich glücklich’?“ fragte Carl neugierig.

„Ja!“

„Was bringt dich denn dazu?“, sagte Carl irritiert.

„Na ja, ich möchte es halt wissen? Hannelore ist nämlich nicht glücklich!“

„Was bei dieser überspannten Kuh, wirklich kein Wunder ist“! polterte Carl.

„Warum denn gleich so heftig“?

„Weil ich plötzlich das Gefühl habe, dass da schon wieder irgendjemand Unruhe stiften will! Wäre ja nicht das erste Mal?“ geiferte er.

„Sei doch nicht gleich so empfindlich, Carl! Man wird doch noch eine schlichte Frage stellen dürfen?“

„Ja gut, Gerlinde, frag! Befrage mich soviel und so lang du willst über das ‚Glück’! Aber erwarte bitte nicht, dass ich darob auch noch vor ‚Glück’ zerfließe! Ehrlich gesagt, wär’s nicht nur schade um das wunderbare Steak in mir, sondern ich weiß tatsächlich nicht, was dieses von dir nachgefragte ‚Glück’ ist, oder nicht ist?“ sagte Carl gereizt.

„Geht’s vielleicht weniger theatralisch?“

„Natürlich! Ich weiß aber wirklich nicht, was du mit ‚glücklich sein’ meinst?“ entrüstete sich Carl und suchte vergeblich Trost bei seinem längst raumtemperierten Riesling.

„Weiß ich auch nicht! Aber in der Werbung sind ja auch immer alle glücklich!“

„Denkst du da etwa an dieses himmlische ‚Abführmittelglück’ der verblühten Blonden, der in jedem ihrer Spots die Gedärme ‚glücks-bringend’ entknotet werden?“ frotzelte Carl.

„Ja, zum Beispiel!“

„Oder meinst du die strahlende Omi, die dank Voltaren plötzlich ihre Enkelchen wieder entdeckt, da sie sich zu ihnen hinunterbücken kann?“ ätzte Carl.

„Auch die…!“

„Du siehst aber schon“, giftete Carl weiter, „dass es immer Frauen sind, die spontan glücklich werden – nie Männer?“

„Wie immer neigst du zur Vereinfachung, lieber Carl! Es gibt nämlich schon ein ‚Glück’ außerhalb der Werbung, das sehr wohl euch Männer auch angeht?“

„Ich höre…?“ Carl spitz.

„Zum Beispiel das oft beschworene Glück in der Liebe?“

„Hm“ brummte er.

„Oder anders gesagt: bist du nun glücklich mit mir – oder bist du es nicht?“

„Gott – was soll das denn jetzt, Gerlinde! Ich dachte mit diesem Thema wären wir endgültig durch?“ stöhnte Carl.

„Na dann sag doch einfach ‚Gerlinde ich bin glücklich mit dir’!“

„Aber natürlich, das weißt du doch“, säuselte Carl gelangweilt.

„Dann weißt du also doch, was ‚glücklich sein’ heißt?“

„Ich ahne es vielleicht, Gerlinde! Und es hat sicher eine Menge mit Sicherheit und Zufriedenheit zu tun, wenn du so willst“, sagte Carl fast feierlich.

„Heißt das im Klartext, dass du zumindest zufrieden bist mit mir?“

„Ja – wenn du so willst! Aber ich bin mit allem hier zufrieden, liebe Gerlinde“, warf Carl sentimental ein, „auch wie du alles sauber hältst, auch mit dieser halbvollen Flasche Riesling, die gleich leer sein wird und natürlich auch, wenn wir danach ins Bettchen hüpfen…“

„Ist eigentlich diese Reihenfolge – Sauberkeit – Riesling – Bett – zufällig hingesagt oder ganz bewusst von dir so gewählt worden?“

„Wenn ich ehrlich sein soll, mag ich diese Reihenfolge“, sagte Carl erstaunlich selbstbewusst, „irgendwie ist sie für mich richtig und wichtig, wenn ich etwas wie ‚Glück’ empfinden soll!“

„Und meinst du deine Reihung würde eine kleine Variation aushalten?“

„Welche Variation denn…?“ fragte Carl zögernd.

„Ich mein die leicht abgewandelte Reihenfolge: Sauberkeit – Bettchen und dann erst Riesling! Bei der Reihenfolge könnte ich nämlich auch wieder manchmal glücklich sein!“

„A-h-a“, seufzte Carl und bedauerte spätestens da, dass die Besprechung über die verkorkste Auftragslage bei TRIGA nicht noch andauerte…

KH

Roland Dürre
Mittwoch, der 12. November 2014

Bald ist wieder PM-Camp in Dornbirn!

Die InterFace AG ist auch in diesem Jahr wieder Sponsor des PM-Camp in Dornbirn, das vom 20. – 22. November 2014 stattfindet.

Und als Sponsor durfte ich für die Website des #PMcampDOR drei Fragen beantworten und erläutern, warum die InterFace AG einen Sponsorbeitrag leistet. Hier sind die Texte:

Hier mit Dr. Marcus Raitner (links).

Hier auf PM-Camp mit Dr. Marcus Raitner (links).

InterFace AG – darum unterstützen wir das PM Camp!

PM-Camp ist kurzweiliger als eine übliche Konferenz und bringt viele Erkenntnisse. Es ist eine freie Veranstaltung, die nicht von höheren Interessen gesteuert wird. Die „Teilnehmer/-haber“ generieren ihre Konferenz selber. Auf Augenhöhe werden Wissen und Erfahrung geteilt. PM-Camp vernetzt Menschen! Je öfters ein PM-Camp stattfindet, desto intensiver ist es in der Regel.

PM-Camp soll für alle erschwinglich sein. Der Preis darf keine hohe Hürde darstellen, denn PM-Camp soll alle erreichen – jung und alt, weiblich und männlich, arm und reich. Darum unterstützt die InterFace AG das eine oder andere PM-Camp auch finanziell. Wir wollen helfen, Mut und Freude zu entwickeln und einen guten Rahmen und eine schöne Party ermöglichen.
Wir freuen uns, wenn alle Teilnehmer ein gutes Stück reicher an Wissen, Erfahrung und Erlebtem vom Camp zurück kommen. Dann hat sich unser Invest gelohnt.

Drei Fragen und meine Antworten zum Thema PM:

Woran krankt das Projektmanagement heute?

  • Projekt Management wird häufig als deterministische “Ingenieursarbeit” und nicht als Werte basierte Führungsarbeit verstanden.
  • Projekt Management wird als “tayloristiches” Spezialistentum gesehen.
  • Der Einsatz von Werkzeugen wird überschätzt.
  • Hierarchisches Denken läßt “Organisation als Netzwerk” kaum zu.

Was sind für Dich die Herausforderungen von morgen?

  • In Projekten – wie in Unternehmen – wird Resilienz vor Effizienz gehen.
  • Das Umgehen mit Unsicherheit muss erlernt werden, denn Zukunft ist nicht planbar.
  • Wir müssen in Ergebnissen und dürfen nicht in Zielen denken.
  • Ein Projekt-Team muss als biologisches Wesen und nicht als determinierte Maschine verstanden werden.

Welchen Beitrag kann das PM Camp aus Deiner Sicht leisten?

  • Die richtigen Menschen zusammen bringen.
  • Lebendige Ergänzung zur Welt des Paukens von abstrakten Wissens sein.
  • Dauerhafte Netzwerke zwischen Menschen begründen.
  • Projekt Manager für “Industrie 4.0” befähigen.

Hier mit Dr. Stefan Hagen (rechts).

Hier auf PM-Camp mit Dr. Stefan Hagen (rechts).

Zur Person:

Roland Dürre (duerre.de, if-blog.de) ist IT-Pionier der 3. Generation. Im Herbst 1969 begann er das Studium der Mathematik und Informatik an der TUM, das er mit Diplom (univ.) abschloss.

Nach “Lehrjahren” bei Siemens (6 Jahre) und Sofllab (3 Jahre) gründete er 1984 die InterFace AG, die er über 30 Jahre leitete. Zum Jahresende wird er aus dem Vorstand des IT-Unternehmen in den Aufsichtsrat wechseln. Ab 2015 will er sich um wichtige gesellschaftliche Themen zu kümmern.

RMD

P.S.
Die Bilder stammen vom PM-Camp 2012 in Dornbirn. Oben bin ich mit Dr. Marcus Raitner, auf dem unteren mit Dr. Stefan Hagen zu sehen. Beide sind ganz wichtige Protagonisten der PM-Camp-Bewegung, die es ohne sie nicht gäbe.

Seit vielen Jahren bin ich mit Schachgroßmeister Gerald Hertneck befreundet. Gerald ist deutlich jünger als ich, Ende der 70iger Jahren habe ich mit dem damals noch sehr jungen Gerald und seinem Freund Robert Zysk viel „geblitzt“. Das war im SK Obermenzing. Ich und meine Schachfreunde waren schon „erwachsen“ und wir hatten viel Spaß mit den jungen und lustigen Burschen.

Gerald hat später als schon sehr erfolgreiches Schachspieler gemeinsam mit weiteren Mitstreitern die Münchner Schachstiftung gegründet.

Aufgrund der aktuell laufenden Schach-WM hat er uns eine E-Mail gesendet:

Liebe Schachfreunde,

GeraldHertneckder Count-Down für das Schach-Ereignis des Jahres läuft! Am Samstag den 8. November startet in Sotschi das WM-Duell zwischen Titelverteidiger Magnus Carlsen und dem indischen Herausforderer Vishy Anand! Die offizielle Turnierseite findet sich hier (http://www.sochi2014.fide.com/).

Vor einem Jahr in Chennai siegte Carlsen deutlich und ohne Niederlage mit 6,5:3,5. Magnus Carlsen ist zwar nach wie vor die Nummer 1 der Welt und geht daher als Favorit in das Duell. Doch bei seinen letzten beiden Turnieren, der Schacholympiade in Tromsö und dem GM-Turnier in St. Louis musste sich Carlsen jeweils mit dem zweiten Platz begnügen. Vishy Anand überraschte im März viele Experten mit seinem souveränen Sieg beim Kandidatenturnier, und noch im September gewann er in Bilbao das Grand Slam-Finale.

Meines Erachtens liegt der psychologische Vorteil auf Seiten des langjährigen Weltmeisters Anand, da er diesmal als Herausforderer ins Rennen geht, der wenig zu verlieren hat, während Carlsen im schlimmsten Fall den WM-Titel abgeben muss, was auch zur Verringerung seines Marktwerts führen würde.

Auch bin ich der Meinung, dass Anand eröffnungstheoretisch besser vorbereitet in den Kampf gehen wird, und aus der Niederlage vom letzten Jahr gelernt hat – insbesondere wird er wohl versuchen, dynamischer zu spielen, und sich nicht so oft in die Lieblingsdomäne von Carlsen drängen lassen. Ich rede hier von leicht besseren Endspielen, die Carlsen mit großer Geduld und enormer Ausdauer zum Sieg führen kann.

Kurzum, aus meiner Sicht sind die Chancen in diesem spannenden Match völlig ausgeglichen, auch wenn der Unterschied der ELO-Zahl eine deutliche Sprache spricht, nämlich 2792 bei Anand zu 2863 ELO bei Carlsen. Dies entspricht einer statistischen Gewinnerwartung von etwa 60 zu 40 Prozent. Aber gerade in einem Match über 12 Partien spielen auch die Psychologie sowie die Wettkampfdynamik eine nicht unerhebliche Rolle!

Nun stellt sich natürlich noch die Frage, wie man den Partien des WM-Kampfes am besten folgen kann. Heuer hat sich die Süddeutsche Zeitung entschieden, erstmals in Kooperation mit der Münchener Schachakademie eine Online Berichterstattung zu bieten. Unter diesem Link (http://www.sueddeutsche.de/thema/Schach-WM) wird Ihnen nach jeder Partie ein bis zu 10-minütiges Video mit Großmeister Stefan Kindermann geboten, in dem er die Höhepunkte der Partie bespricht und anschaulich illustriert. Wir würden uns freuen, wenn Sie sich die Zeit nehmen, diesen Berichten zu folgen.

Gerald Hertneck

Hier noch ein paar Informationen und die Kontaktdaten der Münchner Schachstiftung:

Mit dem innovativem Trainingskonzept „Schach nach Königsplan“ vermittelt die Münchner Schach Stiftung Kindern und Jugendlichen wertvolle Fähigkeiten für ihre weitere Entwicklung.

Neben der Konzentrationsfähigkeit und der Entwicklung effektiver Denkstrukturen stehen Motivation und Vertrauen in die eigenen geistigen Fähigkeiten im Zentrum des Förderprogramms.

Die positiven Auswirkungen des Schachtrainings auf mathematische Fähigkeiten, Lese-und Rechtschreibkompetenz sowie die emotional-soziale Entwicklung von Schulkindern sind in zahlreichen wissenschaftlichen Studien klar belegt.

Ich selbst habe das auch erlebt. Wie ich mit zirka 12 Jahren begonnen habe, im Verein Schach zu spielen, sind meine „Schulischen Leistungen“ im Gymnasium schlagartig nach oben gegangen. Und ich bin fest überzeugt, dass ich in meiner ganzen beruflichen Zeit der Beschäftigung mit dem Schachsport viel zu verdanken habe.

An der Stiftung bewundere ich besonders, dass sie in der Tat vielen Kindern, die in einer unterprivilegierten Lebenssituation schon als für die Gesellschaft verloren schienen wieder ins soziale Leben zurückgebracht und erfolgreich gemacht hat.

Kontaktdaten:
Münchener Schachstiftung
Zweibrückenstraße 8
80331 München
fon (0 89) 95 89 43 30
fax (0 89) 95 89 43 32
info@mucschach.de
www.mucschach.de

Mein Freund Dr. Marcus Raitner (eigentlich müsste ich schreiben unser Freund, denn wir sind schon viele) ist unter anderem der Autor eines besonderen Blogs zu Themen der Führung und Gesellschaft: Führung erfahren mit dem Nebentitel Zusammenarbeit gestalten auf Augenhöhe. Diesen Blog kann ich nur empfehlen.

Der aktuelle Beitrag in Marcus Blog (K)ein richtiges Leben im falschen? ist mir wichtig, deshalb habe ich ihn kommentiert.

Lieber Marcus, das Zitat von Adorno „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ hat mich vor ein paar Jahren auch sehr berührt. Und wie Du ja auch schon geschrieben hast verbietet sich fast jeder Vergleich der heutigen Situation in unserer Gesellschaft mit dem damaligen Nachhall von Schrecken, der Adorno zu diesem Satz bewegt hat.

Durch Zufall habe ich mir vor ein paar Tagen den Film von Carmen Losmann “WORK HARD PLAY HARD” angesehen und auch ausführlich mit ihr sprechen dürfen. Der Film ist wirklich sehenswert, in IF-Blog.de habe ich über meinen Besuch dort berichtet.

Wenn man die Eindrücke des Filmes mit den aktuellen Nachrichten aus aller Welt wie aus Deutschland verbindet (seltsame gesellschaftliche Entwicklungen in den USA, anderen Ländern und auch Deutschland, globale Überwachung durch NSA und weitere, Kriege zwischen Wahnsinnigen – mit von uns gelieferten Waffen, Steuermanipulationen im großen Stil, Gebaren der Finanzindustrie, massiven Einfluss der Lobbies auf die Gesetzgebung, die Steuerung der Regierungen durch die Wirtschaft, zahlreiche Grundgesetzverstöße im großen Stil, die Macht der Geheimdienste ausser jeder parlamentarischer Kontrolle auch in entwickelten „demokratischen“ Staaten, die allgemeine Dominanz der Mächtigen, der Umgang der „Weltgemeinschaft“ mit globalen Gefährdungen wie der Klimaentwicklung aber auch durch singuläre wie Ebola), dann könnte man auf den Gedanken kommen “Wehret den Anfängen”. Und wenn man dies auch noch mit der eigenen Lebenserfahrung kombiniert, wird einem ab und zu doch ganz schön bange.

Insofern sehe ich Dich als Rufer in der Wüste, der aber dankenswerter Weise nicht einsam ist, weil Du nicht der einzige bist. Und da wir immer mehr werden, könnte ich mir schon vorstellen, dass die heute Mächtigen den zurzeit wegen unseres heutigen Jubiläums ja sehr aktuellen Ruf “Wir sind das Volk” demnächst mal wieder zu hören bekommen.

RMD

P.S.
Adornos Satz hat mich zu einer neuen Definition von Freiheit inspiriert:

Ein Mensch ist frei, wenn es ihm gelingt, auch im falschen Leben ein richtiges zu führen..

Ich sammele nämlich Definitionen von Freiheit! Hier der Beginn meiner Sammlung.