Roland Dürre
Mittwoch, der 31. Dezember 2014

Einen guten Rutsch und ein gelingendes 2015!

Wie jedes Jahr habe ich Ende 2009 meinen Lesern von IF-Blog und allen Freunden ein „Gutes Neues Jahr“ gewünscht. Das war vor genau fünf Jahren, damals habe ich geschrieben:

Heute Abend feiern wir den Jahreswechsel. Wir verlassen das Jahr 2009 und treten ein in 2010. Ein neues Jahrzehnt wartet auf uns. Die Anzeichen mehren sich, dass sich die Welt in den nächsten Jahren wesentlich verändern wird.

Mein Wunsch für das neue Jahr ist, dass der sich anbahnende Wandel möglichst frei von Gewalt statt findet.

Dass Kriege uns verschonen.

Dass unsere gesellschaftlichen Werte Toleranz und Freiheit auch in den vor uns liegenden schwierigen Zeiten erhalten bleiben.

Und dass wir nicht die Grausamkeiten einer inhumanen Gesellschaftsordnung in unserem Teil der Welt zu lassen.

Ich finde, dass nichts davon seine Gültigkeit verloren hat und fürchte, dass diese Wünsche für die nächsten 5 Jahre noch wichtiger sein werden! Deswegen füge ich auch nichts dazu und wünsche allen IF-Blog-Leserinnen und -lesern und meinen vielen Freunden und Partnern genau in diesem Sinne:

Ein gesundes und gelingendes Jahr 2015!

Dass Euch immer das Quentchen Glück auf allen Euren Wegen begleiten möge, das
uns allen so gut tut!

SilvesterSchweinDas wunderschöne Bild ist ein Arrangement von Rolo Zollner! Auch das war im Jahr 2009 schon mal dabei.

Danke Rolo!

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 28. Dezember 2014

Start mit IF-AGORA

logo-agoraZurzeit denke ich konkret darüber nach, wie ich meine Zeit nach InterFace Sinn gebend gestalten kann. Zu diesem Zwecke habe ich kurz vor Weihnachten die IF-AGORA.de erworben. Das Unternehmen war bis dahin eine 100 %ige InterFace-Tochter, jetzt gehört sie zu 100 % meiner Familie (bei der InterFace verfügt meine Familie nur die einfache Mehrheit).

Bisher war die IF-AGORA als Marktplatz für Erfahrung und Wissen aufgebaut. In Zukunft möchte ich sie zu einer „Agentur für Veränderung #AfV“ erweitern, die Menschen vernetzt und Erfahrung und Wissen zusammen zubringt. Für eine erfolgreiche, bessere und menschliche Welt.

Soziale Systeme aller Art, besonders oft Unternehmen haben Schwierigkeiten, sich einer verändernden Umwelt und dem „gesellschaftlichen“ Wandel zu stellen. Oft nehmen sie die Veränderung gar nicht wahr – und werden so an ihrer Ignoranz scheitern.

Meine Vision ist, die stattfindende Evolution wenn irgendwie möglich ein klein wenig zu beeinflussen, um so ein paar Weichen für eine menschenfreundliche Zukunft im Einklang mit unserem Lebensraum zu stellen. Oder auch ganz einfach Projekte vor dem Scheitern zu retten und Menschen und Teams erfolgreicher zu machen. Wir brauchen mutige Entscheidungen im Spannungsfeld zwischen Ratio und Intuition/Heuristik, die frei von Einflüssen dogmatischer Moral sein müssen.

Dies ist notwendig, denn ich meine, dass nicht nur viele Unternehmen sondern auch Gemeinden, Gebietskörperschaften und Verbände zum einen mit der heutigen Art ihres Handelns und Wirtschaften zum Nachteil des Gemeinwohls agieren und sich selbst schädigen. Einfach weil sie meinen, sie müssten es so machen, weil es immer schon so gemacht wurde. Gerade ehemals mächtige Institutionen werden immer unwichtiger. Man denke nur, wie lebendig einst z.B. VDE, VDI, Bayme, BDA und viele mehr waren. Und wie tot sie heute oftmals sind.

Viele Regionen sogar des reichen Bayerns befinden sich in tendenziell verschlechternden Situationen. Die klassische Maßnahmen wie Förderungsprogramme und ein Wettlauf beim Aufbau von Infrastruktur sollen da gegen an wirken. Das funktioniert aber nur sehr beschränkt, oft werden die Mittel mit der Gießkanne verschwendet.

Wir brauchen regionales Denken, die Menschen einer Region müssen miteinander reden und sich auf ihre „Assets“ und Stärken besinnen. Dann kann man ein ganzheitlichem Konzept entwickeln und dem folgend mutig handeln.

Die Weisheit der Vielen wird in und für Zukunft gefragt sein, die Einfalt eines Einzelnen wird mehr schaden als nutzen. Auch die Parteien befinden sich im Abstieg. Sie und ihre „Institutionen zur politischen Bildung“ haben sich mehr oder weniger ins Abseits rangiert. Die Bindung zu den Menschen ist verlorengegangen wie der Dialog mit den Menschen. So haben sich die Parteien auf Interessenvertretung reduziert, Lobbyismus diktiert die Politik.

Man hat den Eindruck, dass die moderne Gesellschaft den Menschen bewusst die Autonomie nehmen und uns zu willigen Konsumenten-Bürgern machen will. Dies, obwohl das Leitbild der Aufklärung ja gerade der autonome Mensch ist, der die Dinge hinterfragt. Mit Manipulation und Marketing werden wir fremdgesteuert. Dies aus verschiedenen Motivationen wie Macht und finanziellen Interesse. Die vermeintlichen Sachzwänge einer Wachstum-Wirtschaft regieren, Umsatz und Ergebnis sind das Dogma, dem die Deutschland AG und ihre Politiker nach rennen.

So geht es mir um das bewusste Entwickeln zumindest eines punktuellen „gesellschaftlichen Konsens“ für eine moderne Form von „Gemeinwohl-Ökonomie“. Zuerst mal in den Mikro-Kosmen unserer Gesellschaft und in schwierigen Projekten, gerne auch mit größerem Impact.

Wie möchte ich das angehen:

Meine Stichworte sind:

  • Erfahrung und Wissen zu teilen und weiter geben.
  • „Agile“, „Lean“ und „Open“ als handlungsleitende Tugenden zu leben.
  • Eine Kultur schaffen, die das „mit einander Reden“ unterstützt und wieder ermöglicht.
  • Kommunikation auf Augenhöhe zwischen Personen und in Teams realisieren.
  • Wichtige Champions in den verschiedenen Systemen auf demokratische Art und Weise vernetzen.
  • Brücken schaffen zwischen „institutionalisierten Systemen“ (wie Verbänden) und freien „communities“.
  • Es darf nicht mehr heißen „Zwingen & Müssen“ sondern „Wollen & Können“ – in der Bildung wie im Arbeitsleben.

Um erfolgreich Veränderung durchzuführen, brauchen wir Wissen und Können in verschiedenen Dimensionen

  • Geisteshaltung & Philosophie
  • Persönlichkeit
  • Motivation
  • Unternehmertum
  • Organisation
  • Innovation
  • Projekte

Mein persönlicher Vorteil ist, dass ich zu jedem dieser Themen mit Verbündeten befreundet bin, die in diesen Disziplinen im Sinne einer neuen Welt wirklich herausragendes geleistet haben.

🙂 Ich nenne nur ein paar Vornamen, jeder darf raten, wen ich meine:

Franziska, Kathrin, Melanie, Maja, Nadja, Susanne, Andreas, Bernd, Bernhard, Dietmar, Eberhard, Gebhard, Jens, Jolly, Klaus-Jürgen, Nikolaus, Peter, Roger, Rolf, Rupert, Stefan, Thorsten und viele, viele weitere.

Manche findet man schon jetzt als „Wissensanbieter“ in IF-AGORA.de. Alle sind Menschen, die nicht nur Bücher geschrieben und es theoretisch drauf haben, sondern es auch in der Praxis können. Ich habe sie als intrinsisch motivierte Arbeiter kennen gelernt, die es mehr oder weniger geschafft haben, ihr Leben autonom zu führen.

Das ist einer der Gründe meines Optimismus. Denn: Mit solchen „Champions im Verbund“ kann doch gar nichts schief gehen. Besonders wenn man auf Selbstorganisation setzt, „agile“, „lean“ und „open“ vorgeht, niemanden belehren will sondern nur unterstützt, dass der Kunde und Partner seinen Weg fndet. Indem gemeinsam die richtigen Fragen findet. Denn diese sind wichtig für Erkenntnisgewinn, Innovation und Lösungen.

Jedes Geschäft braucht Werte, um eine Sinnkopplung zu ermöglichen. Unsere Werte sollen sein: Ehre, Liebe und Respekt. Gepaart mit Mut, Zivilcourage und Freude am Machen. So soll sich die IF-Agora von einem Marktplatz von Wissen und Erfahrung zu einer „Agentur“ oder einem „Büro“ für Veränderung entwickeln.

🙂 Jetzt brauche ich nur noch Kunden. „Vertriebs-Ziele“ sehe ich jedoch genug und habe da auch schon wunderbare Gespräche geführt.

Von dieser Gemeinschaft unterstützt auf hohem Niveau zu beraten und zu unterstützen, ist für mich ein schönes Ziel. Dabei möchte unseren Kunden und Partnern helfen, dass sie sich selber erfolgreich machen, dies sehr nachhaltig und menschlich. Und damit auch gutes Geld verdienen zu wollen empfinde ich als absolut legitim.

Diese Art von Change Management sehe ich auch als neue Aufgabe der IF-Agora an, die ich jetzt aus ihrem Dornröschenschlaf wecken möchte. Zurzeit bin ich am testen und ausprobieren, rede mit vielen Menschen und schärfe das Konzept. Und vielleicht finde ich ja bald noch mehr tolle Partner.

So sehe ich mit großem Optimismus der Zukunft entgegen.

RMD

Was ist der Sinn eines Unternehmens? Diese Frage sollte sich jedes Gründerteam stellen. Ganz früh und immer wieder.

Mir fällt dazu ein, dass

  • alle die für das Unternehmen arbeiten genug Geld für ihre Arbeit bekommen sollen, so dass sie gut davon leben können.
  • das Unternehmen auch sonst genug verdient, so dass es von seinem Überschuss Investitionen für die Zukunft bilden und das Kapital „gerecht“ bedienen kann.
  • das Unternehmen Produkte und Dienstleistungen anbietet, die das Wohl der Menschen mehren und gleichzeitig das Gemeinwohl nicht belasten (Gemeinwohlökonomie).
  • alle Beteiligte am Tun Spaß und Freude haben und gemeinsam erfolgreich sind.
  • es viele und aufregende Projekte durchführt.
  • das Gründerteam sich so entfalten kann, wie es sich dies vorstellt.

Das wären jetzt so meine persönliche Gedanken. Anderen Gründern wird Anderes wichtig sein. Vielleicht der rasche Aufstieg mit dem schnellen Verkauf des Unternehmens als Krönung der unternehmerischen Arbeit.

Insofern macht es sicherlich Sinn, wenn sich das Gründerteam gemeinsam die Frage stellt:

„Was sind denn die Kriterien des Erfolgs, die uns gemeinsam sind und die uns verbinden?“

Das sollte man sich vor der Gründung und dem Start auch gut überlegen. Also empfehle ich jungen Menschen, die ein Unternehmen gründen wollen, ab und zu im Elan der Gründung inne zu halten, eine Auszeit zu nehmen und zu prüfen, ob es einen gemeinsamen Leitstern gibt. Und mal prüfen, wie der aussieht und ob die Geisteshaltung der Beteiligten wie ihre Werte, Erwartungen, Interessen und Bedürfnisse (noch) zusammen passen.

Denn auch bei einer Gründung gilt „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“. Und je früher man Dinge korrigiert, die nicht passen, desto besser ist es für alle.

Oder:
Wenn man mal vom Kurs abkommt, dann ist das ganz normal. Aber je früher man wieder zum richtigen Kurs zurückfindet, um so besser auch für den Erfolg.

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

Roland Dürre
Mittwoch, der 24. Dezember 2014

brand eins im Januar (2015)

Betrachten wir heute mal die Werbung, die keiner mehr braucht!

Was macht man am Heilig Abend? Man wartet auf die Bescherung. Und liest brand eins. Und natürlich im Heft des neuen Jahres, auch wenn das Dezember Heft von 2014 noch nicht ganz ausgelesen ist. Das hat den Titel „Lass Krachen“ und hat mir nicht nur wegen des Schwerpunkts „Genuss“ viel Freude gemacht.

Um es gleich zu sagen: Das neue brand eins mit dem Titel DU und dem Schwerpunkt Selbstbestimmung hat mir sehr geholfen, die Zeit zur Bescherung zu überbrücken und so einen wertvollen Heilig Abend Nachmittag beschert. Es ist eine ganz tolle Nummer, vom redaktionellen Teil bin ich wieder mal so richtig begeistert.

brandeins 01 15

Brand eins ist wohl zu gut geworden. Und das haben auch andere gemerkt. Das mag für brand eins geschäftlich von Vorteil sein, hat aber seine Nachteile.

Zuerst ist es die Menge an Werbung, die mich überrascht. Und wenn etwas gut ist, dann schleicht sich schnell mal die Werbung rein. So wie beim Bayerischen Rundfunk im zweiten Programm (Bayern2). Immer mehr Minuten werde ich dort mit Reklame belästigt. Und überlege mir schon, diesen Sender nicht mehr anzuhören sondern mich nur noch von podcasts zu „ernähren“.

Der Bayerische Rundfunk ist doch öffentlich rechtlich finanziert. Er sollte doch zumindest bei seinen qualitativ hochwertigen Hörfunk-Programmen ohne Werbung auskommen. Da zahle ich gerne meine GEZ-Gebühren dafür.

Bei brand eins dürften es wohl andere Voraussetzungen sein als beim Bayerischen Rundfunk. Da lebt die Redaktion von der Werbung. Finde ich zwar schade, kann ich aber nicht ändern. Also schüttele ich zuerst die Beilagen aus dem Heft heraus. Seitdem ich die SZ nur noch digital lese, bin ich da nicht mehr so geübt. Es dauert, aber dann habe ich es geschafft.

Auf dem Boden liegen jetzt die Österreicher, die mich zum Schifahren holen wollen (ich weiß, wie gut Austria Tourismus bei „incoming operations“ ist). Daneben liegen die Sachsen. Die behaupten, dass die Zukunft aus Sachsen käme, was natürlich Blödsinn ist. Der „The Economist“ liegt auch da und will mich haben wie auch ein Wohlfühlfond namens ÖKOVISION, in den ich investieren soll, dies aber nicht will und nicht werde.

Es gibt aber auch Werbung, die beim Rausschütteln partout nicht raus will, weil sie eingeheftet ist. Diese heimtückische Methode wendet LEXWARE an, eine Software, die garantiert keiner braucht.

Aber auch im Heft ist mittlerweile Werbung ohne Ende drin. Uns es überrascht mich auch die von mir als massiv empfundene „Dümmlichkeit“ der Inhalte der Werbebotschaften. Geht es noch dümmer? Aber auch die Fragwürdigkeit der angepriesenen Produkte ist mehrheitlich beeindruckend.

Vorne auf zwei Seiten und auf der Rückseite sind zwei Luxusuhren-Labels vertreten, PATEK PHILLIPE und IWC Schaffhausen. Von vorne geht es weiter mit der Bethmann Bank (ABN AMRO), dann will mir RIMOWA seine schönen Koffer verkaufen. Microsoft will mich gar vom Garagentüftler zum Konzernchef machen (make it happen). Gleich danach schaut mich ein finsterer Typ von der CONSORSBANK.de an, der ein COMING OUT plant (IN JEDEM VON UNS STECKT EIN KLEINER BANKER. ZEIT FÜRS …). Occhio will mich mit perfect light versorgen, ich soll einen blauen FORD FOCUS mit Einpark-Assistent kaufen und Musik „wireless“ mit harman/kardon hören.

Kurz vor dem Schwerpunkt des Hefts soll ich dann auf vier Seiten Porsche fahren. Porsche will übrigens bei mir eine Spannung erzeugen, weil das seine Hauptaufgabe wäre (???). Gleich nach dem Porsche kommt vitra. (mit dem Punkt) und will mir einen „Soft Pad Chair EA 208“ verkaufen. Einmal umgeblättert wird es noch schlimmer, da wollen zwei Bundesministerien (Arbeit und Soziales, Wirtschaft und Energie gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit) bei uns einen Fachkräfte-Check machen. Sachen gibts!

Dabei ich bin ich erst auf Seite 40 von 162. Mir schwant Übles, aber ich gebe noch nicht auf und mache weiter mit der Suche nach Werbung.

Und ich soll schon wieder Bürostühle kaufen. Von interstuhl. Und der Stuhl heißt SILVER und ist der STUHL UNTER DEN STÜHLEN. Nach einer kleinen Erholungspause kommt die DKMS und will „KURZ LEBEN RETTEN“. Die meinen, ich sollte dringend mit meiner Firma etwas gegen Blutkrebs unternehmen. Dann kommt zwei mal Werbung für eine brand eins – Veranstaltung (gemeinsam mit TAGESSPIEGEL, die Lobby für Kinder und dm) und für eine brand eins – Publikation.

Und schon erwischt mich der Airport Düsseldorf mit „Düsseldorf Airport Advertising“, ganz gnädig als erster nur auf einer drittel Seite quer (alle Anzeigen davor waren ganz- bzw. mehrseitig). Im Folgenden finde ich noch vergleichsweise bescheidenen vertikale Drittel-Seite-Anzeigen mit PSYCHOLOGIE HEUTE und dem „branding institute – wien“.

Jetzt werde ich nicht mehr fündig, eine ganze Reihe von Seiten sind werbe-frei und bestehen nur aus Text und Fotos. Damit ist aber Schluss auf Seite 87 – das Handelsblatt will mir einen Digitalpass verkaufen (wieder ganzseitig). Wenige Seiten weiter soll ich H.O.M.E lesen, weil sie im modernen Leben zu Hause wären (wieder ganzseitig). Angelangt auf Seite 92 grüßt mich der Spiegel (ganzseitig) mit „Geschichte“ und „DIE BIBEL“ (DEM MÄCHTIGSTEM BUCH DER WELT). Und alles kann ich natürlich auch immer als APP haben. Und nur eine Seite später – wieder ganzseitig – beglückt mich SAT.1 mit „NUR DIE LIEBE ZÄHLT“. Auch das wie so oft bisher in ganz großen Buchstaben.

Endlich angekommen auf Seite 98/99 finde ich die fiese Lexware-Werbung, die eingeheftet ist und überlege mir, ob ich sie raus machen soll. Aber raus machen könnte das schöne Heft ja beschädigen, also mache ich weiter.

So komme ich zu Kleinanzeigen und Eigenwerbung. Und tatsächlich, bis 109 ist dann wieder werbefreie Zone, erst auf Seite 110 ermahnt mich die von mir tatsächliche geschätzte „Neue Züricher Zeitung“, dass es auch eine Schweizer Perspektive gibt. Nach nur einem Umblättern überfällt mich domus, „die IKONE unter den ARCHITEKTURZEITSCHRIFTEN nun auf Deutsch mit lokalen Beiträgen“. Wow!

Auf Seite 117 soll ich zum „Star der Festbeleuchtung werden“ (messe Frankfurt) und ein wenig später Stern lesen (ganzseitig). Das will ich aber nicht. Auf der Rückseite kommt auch ganzseitig ramp daher mit AUTO.KULTUR.MAGAZIN. und fragt mich, ob ich „LUST AUF AUTOKULTUR“ hätte. Auto und Kultur – das ist ja schon ein Widerspruch in sich.

Ich gebe die Durchsicht des Hefts nach Werbung immer noch nicht auf und werde für meine Hartnäckigkeit hart bestraft: Auf der nächsten Seite inseriert die Welt mit den (unsäglichen) Sprüchen „Die Welt gehört denen, die auch im Netz gegen den Strom schwimmen“ und „UND DIE WELT GEHÖRT DENEN, DIE NEU DENKEN“. Geht es noch schlimmer?

Ja – denn schon kommt ONSCREEN mit „Langeweile war gestern. Heute ist ONSCREEN.“ Aua – das tut weh! Und es kommt noch schlimmer. Denn auf Seite 138 wirbt (PRO?) 7 mit „SCHLAG DEN RAAB“ und schreit mir „WE LOVE TO ENTERTAIN YOU“ entgegen. Da gehe ich endgültig KO und schalte meinen „Werbung ignorieren – Filter“ ein.

Jetzt überlege ich mir, ob ich nicht auch bei brand eins auf die digitale Ausgabe umstellen soll. Die tolle Arbeit der Redaktion bezahle ich ja gerne. Aber soviel Dummheit auf Hochglanzpapier tut mir richtig körperlich weh, nicht nur wegen der gigantischen Verschwendung. Wirklich schade, dass die Zeitungen eine so unsinnige Indirektion brauchen, um die Menschen, die für sie arbeiten, ernähren zu können.

Und jetzt geht es ab zur Bescherung.

RMD

P.S.
Ich bitte brand eins und sein Team um Verzeihung, dass ich die Werbung in seinem Magazin so kritisch betrachte. Aber in die anderen zum Beispiel Wirtschafts-Magazine mag ich schon wegen des dort zu findenden „Journalismus“ schon gar nicht mehr rein schauen.

Roland Dürre
Sonntag, der 21. Dezember 2014

:-) Frei, verfügbar und käuflich …

… aber nicht für jeden Preis und für jede Sache!

Ja – das bin ich!

Ab 1. Januar bin ich frei und bereit meine Haut zu verkaufen. Hier eine Liste von dem, was ich vielleicht ganz gut kann (zumindest habe ich da recht ordentliche Referenzen):

Aufgenommen am 3. Oktober 2012 in der Waldwirtschaft mit meiner neuen aus China importierten Mütze

Bin mir nicht sicher, ob dieses Bild für mein persönliches Marketing taugt 🙂

  • Vorträge zum Thema Führung und Management halten, die manche Dogmen in Frage stellen.
  • Für eine Neue Welt werben, die ein wenig mehr „Agil, Lean, Open“ ist
  • Und die vor allem für uns, die Menschen und die Schöpfung da ist.
  • Offenen und kreativen Menschen (die alt wie jung, weiblich oder männlich sein dürfen) ein unternehmerisches und menschliches Mentoring anbieten.
  • Gegen soziale Systeme arbeiten, die sich zum Selbstzweck gemacht haben.
  • Impulse für Transformation setzen.
  • In Krisenprojekten Auszeit zu organisieren um Raum für kreative Ideen und Lösungen zu schaffen.
  • Mit Start-ups und Unternehmen die dummen Fragen finden, die vielleicht weiterhelfen.
  • Aufrütteln und Augen öffnen und
  • vermeintliche Wahrheiten hinterfragen.
  • Kommunikation auf eine neue Basis setzen.
  • Menschen zusammen bringen und zu vernetzen.

und mehr in diese Richtung!

Also wenn Ihr so etwas habt, dann ein Dankeschön an Euch. Und ich teile auch immer gerne den Erfolg.

RMD

Häufig erlebe ich, dass „erfahrene“ Manager und – nur zu oft selbst ernannte – „Business Angels“ die Geschäftsmodelle zum Beispiel von start ups schnell zerreißen und rasch ihr Urteil fällen. Beispielhaft wissen sie ohne lange nach zu denken ganz genau, welches Geschäft in Deutschland nicht funktionieren könne, was man nur in China produzieren dürfe oder warum ein Geschäftsmodell nichts taugen würde. Ganz genau wissen sie, wie man es machen muss, was geht und was nicht geht.

Ich stelle dagegen fest, dass vieles geht, wenn nur die „richtigen“ Teams dahinter stehen. Und wenn die Menschen in diesen Teams die „richtigen“ sind, weil sie eine gute Ausbildung haben und mit Mut und Freude ihr Ziel verfolgen, dann erlebe ich oft überraschende Erfolge, die genau diese dogmatischen Annahmen falsifizieren.

Deshalb warne ich immer, Geschäftsmodelle „kategorisch“ zu bewerten. So wie ich davon warne, sich als Gründer mit „logischen“ Annahmen selber zu beruhigen. Oft höre ich folgende gängige Argumentation, die ich hier als Beispiel bringe:

Unsere Zielgruppe besteht aus xy Millionen Menschen. Wenn wir nur jeden Tausendsten erreichen, sind es xy mal 1000 Kunden. Und bei 10,- € pro Lizenz für die App sind es dann xy mal 10.000 €. Und da kommt dann ein verlockend hoher Vertrag raus, der mehr als ausreichend für den Erfolg erscheint.

Höre ich solch eine Erfolgsbegründung, dann würde ich am liebsten immer gleich davon laufen. Genau so geht es eben nicht. Ein gutes Geschäftsmodell ist vielmehr so etwas wie ein brennendes Zündholz, das schnell zumindest ein kleines Feuer entfacht.

Wenn dies nicht funktioniert, dann sollte man es sein lassen. Und wenn es brennt, dann muss man aufpassen, dass es nicht bei einem Strohfeuer bleibt sondern sich zu einem schönen und nachhaltigen Brand entwickelt. Und dafür ist eigentlich immer viel an Fleiß, Klugheit, Kreativität und Ausdauer notwendig, so dass ein kleines Quentchen Glück den Erfolg bringen kann. Und das Glück hilft ja bekanntlich dem Tüchtigen ..

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

Roland Dürre
Dienstag, der 16. Dezember 2014

Arcis-Vocalisten an Silvester!

Beethoven VocalistenHeute mache ich mal wieder ein wenig Reklame für die Arcis-Vocalisten, dem wunderbaren Chor in dem zwei gute FreundInnen von mir mit singen.

Dieses bemerkenswerte Ereignis wird am Nachmittag des Silvestertages im Herkules-Saal stattfinden und eine wunderschöne Vorbereitung auf den Jahreswechsel sein.

Beeindrucken werden auch Klangfülle und -volumen, denn neben den Arcis-Vocalisten und den beteiligten Solisten ist auch noch die „Birnauer Kantorei“ mit über 100 Sängerinnen und Sängern dabei wie auch das Orchester „Seraphin-Ensemble“.

Und das ganze wie immer unter der Leitung von Thomas Gropper.

RMD

Mein Beitrag auch zur UN-Klimakonferenz.

Ein Freund hat mir vor kurzem folgende „Spaßfrage“ gestellt:

Seerose-Nymphaea_micrantha_MS_6263Stell Dir vor, Du hast einen Teich.

Und Du magst Seerosen.

So pflanzt Du Seerosen in Deinen Teich.

Du hast aber nicht gewusst, dass deine Seerosen-Sorte sich stark vermehrt und jedes Jahr doppelt so viel Fläche auf dem Wasser wie im Jahr davor braucht.

Nach zehn Jahren ist der Teich voll.

Jetzt kommt die Frage:

Wann war die Hälfte der Seeoberfläche des Teichs bedeckt?

Die Antwort ist einfach – ein Jahr bevor der Teich zugewachsen war, war die Hälfte des Sees mit den Pflanzen bedeckt, denn:
🙂 (2 hoch n) dividiert durch 2 ist die Hälfte von (2 hoch n).

Aber wem hier nicht sofort sein Schulwissen aus dem Fach Mathematik einfällt und wer dies dann nicht anwendet, der wird vom Ergebnis überrascht sein.

Eine andere Faustregel sagt:

Wenn man einen Betrag als Kapital anlegt und dafür 7 % jährlich an Zins bekommt, dann verdoppelt sich das Kapital in ungefähr 10 Jahren.

Das liegt daran, dass man dann z.B. die 1.000 Euro jedes Jahr mit 1,07 multiplizieren darf. Und 1,07 hoch 10 geht eben gegen 2.

Ich möchte damit nur klar machen, dass auch eine sanfte Steigerung von nur 7 % pro Einheit innerhalb von 10 Einheiten zur Verdoppelung des Ausgangswertes führt. Wir haben dann also auf die größere Einheit betrachtet die Zweierpotenz (also jede Zeiteinheit eine Verdoppelung).

Weiter geht es.

Als Programmierer merkt man sich gerne, dass 2 hoch 10 so in etwa 1.000 ist (genau sind es 1.024).

Das ist spannend, denn 1.024 heißt, dass es ein Jahr vorher 512 Einheiten waren. Und davor 256. Und das obwohl es ganz langsam begonnen hat. Mit einer Einheit von eins waren es nach dem ersten Schritt schon (scheinbar nur) 2, dann 4, 8, 16, 32 usw. Und plötzlich geht es brutal ab. Und nach 10 Schritten sind wir bei über 1.000. Und haben doch ganz klein angefangen – mit 1.

So ist das mit Wachstum. Ob es der Verbrauch an Ressourcen ist wie von Boden und Wasser oder der Ausstoß an schädlichem Elementen wie Kohlendioxid, radioaktivem Material oder Plastikmüll. Früher oder später kracht es. Und so weit wir sind, könnte es jetzt durchaus früher heißen. Mit die Chance aufs „undo“ scheint es realistisch gesehen nicht zu geben.

Wenn ich also rechnerisch von nur 7 % Wachstum pro Jahr ausgehe, wie z.B. beim Ausstoß von Kohlendioxid, dann bedeutet das, dass sich der Ausstoß pro Jahrzehnt verdoppelt. Wenn ich dann in der Größenordnung eines Jahrhundert denke, z.B. von 1901 – 2000 oder von 2001 bis 2100 (oder auch von 1950 – 2050), dann wird klar dass es irgendwie früher oder später krachen muss.

Diese ganz einfache Rechnung müsste doch auch all den Wachstums-Predigern, die in ihrem menschlichen Omnipotenz-Wahn gebetsmühlenartig ihren Fetisch Wachstum anbeten, Angst und Bange machen.

Es könnte aber auch sein, dass diese Damen und Herren sehr wohl wissen, dass Wachstum überhaupt keine Lösung ist. Sie aber leichtfertig in der Öffentlichkeit das goldene Lamm namens „Wachstum“ beschwören, weil es hilft keine Wahrheiten aussprechen zu müssen? Gegen ihr besseres Wissen und auch Gewissen? Weil man halt eh nichts ändern kann?

Ganz gleich ob so oder so, ich verstehe sehr gut, dass die meisten Menschen – besonders die jungen – immer verdrossener werden, wenn es um Politik und unsere Staatssystematik geht.

RMD

P.S.
Ich habe mich bemüht, die Rechnung so einfach wie möglich zu machen.

P.S.1
Das Bild ist aus Wikipedia und ein Eigenes Werk von Marco Schmidt. Es zeigt: Nymphaea micrantha in a pond between Tindangou and the border to Benin, Burkina Faso.

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 11. Dezember 2014

Was ist los mit Deutschland – schläft es wirklich?

Carl und Gerlinde (XXXVIII)

Als Carl morgens im Badezimmerspiegel seine zerknautschte Visage anstarrte überlegte er kurz, ob er sich gleich eine reinhauen sollte, oder erst nach dem Frühstück! Aber mit leerem Magen ging das ohnehin nicht: diese versifften Mundwinkel und die Schimmelzunge waren viel zu ekelhaft! Außerdem fürchtete er, sich jeden Moment übergeben zu müssen. Kam’s vom Magen? Oder dieser Halloween–Fratze?

ZZWerIII Die heiße Dusche brachte die Erlösung!

Der Wasserstrom über Kopf, Rücken und Gesäß wirkte wie ein belebender Stromstoß. Als dann die Brust, der Bauch und das leblose Würmchen berieselt wurden, kam auch Carls schwabbelndes Großhirn in Schwung. Ja es schlängelte sich sogar die eine oder andere Erinnerung wieder durch seine Alkohol getränkten Synapsen. Auch die stechenden Kopfschmerzen waren fortgewischt. Nur die eineinhalb Liter Pinot Grigio in Blut und Leber mussten noch ausgeschwitzt werden und die gestrigen Gesprächstiraden von Dr. Osterkorn alias Bernie und Miriam auch…

Vollkommen überraschend war dieser ‚weinselige Gedankenaustausch’ gestern Abend bei Bernies Lieblingsitaliener für Carl nicht dahergekommen: Nach dem desaströsen Einbruch der Auftragszahlen im Unterwäschebereich durch die ‚Russlandklatsche’ war natürlich sonnenklar, dass die wichtigsten Spartenleiter bei TRIGA weithin hörbare Schnellschüsse abfeuern mussten.

Carl erinnerte sich dunkel, dass Bernie so etwas Ähnliches von sich gegeben hatte und schäumte sorgfältig seine muffelnden Achselhöhlen ein – puh! das war höchste Zeit…

Letztlich war Bernie auch nur ein Getriebener! Genau wie die Geschäftsführung und der Konzernvorstand: alle mussten die geplanten Renditeziele erreichen. Ohne Rendite – keine Boni! Weder für die Geschäftsführung noch für Bernie und seinen Spartenvertriebsleiter Carl. Und für Miriam, die Verantwortliche im Bereich Unterwäsche, schon gar nicht.

Wisst ihr – wir bräuchten ein komplett neues Narrativ für unsere Unterwäsche, hatte Bernie dann spontan losgeblafft und Miriam mit brunftigen Jungstierblick zugeprostet, die skeptisch ihre Augenbrauen hochzog. Ja – wir benötigen unbedingt eine richtig umstürzlerische Idee, um die Geschichte unserer Slips, Tops und BHs neu erzählen zu können und an unsere Kunden narrativ rüberzubringen! Ja und vielleicht sollten die Tops in den nächsten Jahren doch mal wieder bis zum Nabel reichen und die Damenhöschen wieder Höschen sein, die nicht nur das Schamhaar abdecken und hinten als Pobackenteiler fungieren?

Da Carl sich gerade den Po einschäumte, als dieser Erinnerungsfetzen durch sein Großhirn wehte und mit Entsetzen an Tangahöschen für Männer dachte, ging ein derartiges Beben durch seinen lädierten Körper, dass das herabrieselnde Duschwasser – oh Schreck – krachend gegen die Duschkabine platschte…

Vielleicht hat Putin ja wirklich Recht, hatte Bernie laut vor sich hin monologisiert, wenn er seit Sommer solche ‚Höschenfragmente’ von der russischen Frau fernhält und sie zukunftsweisend wieder in Richtung einer Unterhose dirigiert, die diesen Namen auch verdient. Dass er dabei in einem Aufwasch gleich die Werteskala für das ‚Neue Russland’ nachjustiert, kann ihm eigentlich niemand verübeln! Schließlich durfte das große, stolze Russland niemals auf das jämmerliche Niveau des dekadenten Westens absinken und Idealen huldigen deren aufgegipfelte Verkörperung eine ‚Conchita Wurst’ ist! Ist doch nachvollziehbar, oder?

Und wie stellst du dir das vor, lieber Bernie? Giftete Miriam plötzlich los: sollen wir dann zukünftig auch in Unterhosen bis zum Hals herumrennen und uns unterm Kaschmirkaftan verstecken? Na dann Prost-Mahlzeit, du Putinversteher! Du willst uns doch nur ins neunzehnte Jahrhundert zurückprügeln, damit du wieder ins Russlandgeschäft kommst, oder? Wenn dem so ist, lass es mich beizeiten wissen, ich bin dann schneller weg als du ‚Indianer Jones’ aussprechen kannst!

Carl, der sich endlich bis zu den Zehen durchgeschäumt hatte, war ziemlich erstaunt gewesen, dass Miriam so temperamentvoll ihren Bernie angeraunzt hatte. Das war echt super gewesen und verdiente einen extrakräftigen Massagestrahl auf Rücken und Lenden! Herrlich – wirklich ein Genuss…

Welch eine glückliche Fügung, dass dann das Essen gekommen war, sonst hätten sich Miriam und Bernie richtiggehend ineinander verbissen, aber so konnte Bernie ersatzweise in seinen Lammbraten beißen, Miriam an der überbackenen Goldbrasse knabbern und er sein Lammgulasch in Zitronensauce so hastig reinschaufeln, dass er von daher schon gezwungen war den Mund zu halten.

Da Bernie derlei Artigkeit offensichtlich fremd war und er mit vollem Mund weiterlaberte, ließ er Carl und Miriam voll an seinem zarten Lammbraten teilhaben, indem er ihn auch kleinteilig vor sich auf dem Tischtuch ausbreitete. Andererseits gelang ihm dadurch der nahtlose Übergang von Putin zu Merkel, von der er mehrfach energisch ein ähnliches Narrativ für Deutschland forderte, wie es Putin für das ‚Neue Russland’ geliefert hatte!

Aber du gehst jetzt nicht so weit, Bernie, dass du von ‚Mama Merkel’ nach der ‚Energiewende’ nun auch noch eine vorbildhafte radikale ‚Unterhosenwende’ einforderst, ätzte Miriam ebenfalls nahtlos weiter, während sie ihre Goldbrasse fachfraulich zerlegte.

Nein natürlich nicht, mampfte Bernie, aber ‚unsere Angela’ könnte das Deutsche Volk doch einmal mit einem hübschen, brauchbaren ‚Narrativ für Deutschland’ überraschen, statt es permanent mit sinnentleerten Worthülsen einzulullen! Es täte uns gut endlich aufzuwachen und uns mehr um den Rest der Welt zukümmern, statt ihn ständig mit unseren Ängsten zu quälen! Nur ‚German Angst’ ist ein bisschen wenig, oder Carl?

Ja dem konnte Carl unter der Dusche nur zustimmen und endlich den tierisch guten Massagestrahl abdrehen: Denn nach der Wassermassage war ‚Kaltduschen’ angesagt! Und das erforderte mindestens die gleiche Überwindung wie die Entwicklung eines Narrativs für Deutschland…

Aber siehe da, Osterkörnchen war nicht zu bremsen gewesen, ihn verlangte nach Miriams Rüffel und dem Lammbraten, nicht nur sofort nach einem Tiramisu, sondern er kam praktisch zeitgleich selber mit narrativen Ideen daher. Oder war’s Miriam gewesen? Die meinte wir sollten in einem neuen Narrativ für Deutschland nicht mehr nur den zweiten Weltkrieg, den Wiederaufbau und den Holocaust gebetsmühlenartig repetieren und auch nicht nur über die Überwindung der Ost – West – Spaltung und Europa reden, sondern vielmehr die Tatsache hervorheben, dass Deutschland neuerdings ein höchst begehrtes Einwanderungsland ist und zum Beispiel während der letzten beiden Fußballweltmeisterschaften sogar plötzlich als hip, multikulti, fröhlich und bunt galt!

Da hatte Carl dann auch schon genug von der ‚Kaltdusche’! Bibbernd sprang er aus der Duschkabine, rubbelte sich laut stöhnend mit dem Badehandtuch ab und wollte partout nicht mehr daran erinnert werden, dass er nach Miriams klugen Einwurf – vielleicht schon etwas angesäuselt – unbedingt auch die ‚Energiewende’ in das neue Deutschlandnarrativ einbinden wollte und mit schwerer Zunge darauf bestand, dass sich dadurch quasi von selbst ein gravierender Paradigmenwechsel im Unterwäschegeschäft ergäbe: denn warme Unterwäsche führe zwangsläufig zu einer Reduktion der Heizleistung und damit auch des CO2 Ausstoßes in die Umwelt! Das sei doch klar wie Kloßbrühe!

Und gestützt auf diese Fakten könnte Frau Merkel in ihrer wenig präzisen Art vermutlich dann wirklich allen Skeptikern seelenruhig entgegensäuseln, dass das Land der ‚Dichter und Dämmer’ in den von der Regierung massiv geförderten warmen Unterhosen sehr wohl seine ehrgeizigen Klimaziele in der Europäischen Gemeinschaft erreichen wird! Ja diese sogar noch überbieten werde, wenn in der großen Koalition, konform mit Herrn Sigmar Gabriel, noch vor Jahreswechsel – abweichend vom Koalitionsvertrag – beschlossen würde, dass neuerdings auch ‚Thermounterwäsche’ ähnlich umfangreich gefördert würde wie die Wärmedämmung der Gebäude, ohne dass dadurch natürlich die schwarze Null von Herrn Schäuble in Gefahr geraten dürfte, was zwar nicht dem Weltklima aber doch der CDU immens schaden würde – und allein das zählte! Letzteres sagte Frau Merkel zwar nicht in Carls Gedankenwelt, dachte sie aber.

Kurz danach musste bei ihm der Film gerissen sein, denn an den Jubelschrei von Bernie hatte er keine Erinnerung mehr – und wie er nach Hause gekommen war wusste nur Gerlinde, die ihn aber heute Morgen nicht sehen wollte, was schon ein bisschen komisch war, oder?

KH

Gestern war unsere Weihnachtsfeier. Wir hatten ein volles Haus und tolle Musik. Im Trubel wollte ich die vorbereitete Weihnachtsrede nicht komplett halten und habe nur vom Start der InterFace in 1984 berichtet. Hier die nicht gehaltene Rede in vollem Umfang:

"Mein Leben nach InterFace ?"

„?? Mein Leben nach InterFace ??“

2014 ist/war für mich das letzte Jahr als Vorstand der InterFace AG. So ist dies heute meine letzte Ansprache.

Auf all die Jahre bei InterFace blicke ich gerne zurück, auch auf das Letzte. Obwohl dies sicher nicht das einfachste unserer Geschichte war.

Begonnen hat es Anfang der 80iger Jahre. Wolf Geldmacher und ich hatten uns gefunden und planten 1983 ein Unternehmen zu gründen. Im April 1984 gingen wir nach intensiver Vorbereitung an den Start.

Es war die “InterFace Connection Gesellschaft für Kommunikationssoftware und Datenverarbeitung mbH”.

Wir wussten, dass der Erfolg eines Unternehmens auf drei Voraussetzungen basiert:
“Nutzen stiften”
Unsere Dienstleistungen und Produkte soll der Markt brauchen.
“Bedürfnisse befriedigen”
Die Menschen im Unternehmen müssen mit Mut und Freude arbeiten können.
“Sinn ermöglichen”
Wir alle müssen unserer Arbeit einen Sinn geben können.

Vor mehr als 30 Jahren sind wir im Umfeld UNIX mit der Entwicklung unseres Textsystemes HIT-CLOU gestartet! Und das war ein Volltreffer, alle Menschen im Unternehmen folgten unserem Stern! Nur so konnten wir mit unserem kleinen Team ein großes Wunder vollbringen. Schnell ging es steil bergauf. Ich möchte ich an dieser Stelle ganz besonders die Kollegen der ersten Stunde begrüßen.

Auch nach dem Ausscheiden von Wolf sind wir unserem Leitstern gefolgt. Das war nicht einfach. So ein Stern verschwindet mal hinter den Wolken oder hinter einem Berg. Ab und zu kommt man in den Wald und muss weitergehen, ohne den Himmel zu sehen. Oder der gerade Weg ist versperrt und ein Umwege muss gegangen werden.

Im Lauf der Jahrzehnte ist die InterFace gewachsen. Menschen kamen und gingen. Aufgaben und Geschäftsmodelle haben sich verändert. Die Umwelt wirkte auf das Unternehmen kräftig ein. Die InterFace als (öko-)soziales System wird von Menschen gestaltet. Über all wo Menschen zusammen kommen, “menschelt” es. Systeme verselbständigen sich auch gerne. Auch wenn es nicht immer einfach war, aber wir haben das „System InterFace“ immer wieder auf Kurs gebracht.

Ziemlich genau 15 Jahre nach der Gründung hatten wir bei InterFace schon mal eine vergleichbare Situation. Das war vor 15 Jahren. Es scheint zu sein, das wir alle 15 Jahre in eine Krise geraten und diese überwinden müssen. So wünsche ich mir, dass die nächste Krise erst wieder in 15 Jahren eintreten möge :-). Ganz ohne Krisen geht es im Leben von Menschen wie von Unternehmen wohl nicht.

Vor ein paar Jahren kam die InterFace vom Kurs ab. Nur ein klein wenig und kaum merkbar. Dann ein wenig mehr. Gegen den Willen der Vorstände. Uns ging es wie dem konzentrierten Arbeiter im Zimmer, der nicht merkt, wie es dunkel wird. Und dann überrascht ist, dass die Dämmerung plötzlich da ist und er das Licht einschalten muss.

So fuhr das Schiff immer ein wenig mehr in eine ungewünschte Richtung. Die Ursachen waren nicht so recht erkennbar. In der Retrospektive hierzu gibt es viele verschiedene Erklärungen, die ich hier nicht strapazieren möchte.

Die Fähigkeit zum Handeln ging verloren, Unzufriedenheit machte sich im und um den Vorstand herum breit, Uneinigkeit führte zur Handlungsunfähigkeit, die für das Unternehmen gefährlich hätte werden können. Daran zerbrach der Vorstand in diesem Sommer, der Aufsichtsrat musste sich einschalten und die Folgen kennen wir.

Jetzt gehen wir wieder auf Kurs! Das ist für all die Menschen, die fürs Unternehmen arbeiten wichtig und natürlich auch fürs Unternehmen. Ich mag die InterFace genau dann wenn es ein Unternehmen ist, das folgende Bedingungen so in etwa erfüllt.

  • Alle Menschen können dort ihre verschiedenen Rollen mit Mut und Freude erfüllen.
  • Einen angstfreien Raum anbietet und die Entfaltung von Leben fördert.
  • In seinen Strukturen einfach bleibt und Überregulierung vermeidet.
  • In dem eine Kultur des Miteinanders auf Augenhöhe gepflegt wird.
  • Die Teams im gemeinsamen Verständnis von Erfolg zusammenarbeiten.
  • In dem jeder seiner Arbeit einen Sinn geben kann.
  • In dem Selbstorganisation gelebt wird.
  • In dem kein hierarchischer Tannenbaum die eigentliche Organisation überdeckt.
  • Das sich vor allem um seine Kunden und Mitarbeiter kümmert und nicht mit sich selbst beschäftigt.
  • Das den richtigen Kompromiss zwischen “Büro-Cracy” und “Holo-Crazy” lebt (und da ist mir persönlich ein wenig mehr “Holy-Cracy” lieber als zu viel “Büro-Cracy”).
  • In dem der gesunde Menschenverstand das Sagen hat.
  • In dem Führung als Dienst gesehen wird und die Führenden sich nicht wie Sonnen-Könige und Fürsten gebärden.
  • In dem Geist und Haltung (Geisteshaltung) stimmen.
  • Das im Sinne von Gemeinwohl-Ökonomie wirtschaftet (wie in der Bayerischen Verfassung gefordert).
  • In dem die Gremien des Unternehmens fürs Unternehmen arbeiten (und nicht für persönliche Zwecke benutzt werden).
  • Das den Menschen dient und nicht zum Selbstzweck wird.

Ich kenne viele Unternehmen im IT-Markt und meine, dass wir im Schnitt gut abschneiden – sogar wenn wir mal schwächeln. Dies wird durch Vertrauen ermöglicht. Vertrauen entsteht aber nicht durch Beauftragung von Rechtsanwälten und Schreiben von Verträgen, sondern durch “Ehrliches Handeln”, “vertrauensvolle Zusammenarbeit” und “Offene Kommunikation”. Vertrauen hilft gegen naive Feindbilder und dumme Unterstellungen.

Die Feinde auch der InterFace sind “interne Politik machen”, “Bürokratie mehren” und “Dogmatik anwenden”. Schlimm wird es, wenn das Gemeinsame aus Eigennutz beschädigt wird, gleich ob vorsätzlich oder leichtfertig. Zu all diesen Auswüchsen sage ich mal NO!

Ich verabschiede mich jetzt aus dem Vorstand der InterFace. IHR bleibt dabei und Ihr seid das Unternehmen! Ihr habt es in der Hand. Sorgt dafür dafür, dass wir die erfolgreichen “Champions im Verbund” bleiben! Dann bleibe ich gerne beim Unternehmen und unterstütze Euch aus der Distanz des Aufsichtsrats mit voller Kraft.

Und bitte die (wenigen) von Euch, die es noch nicht verstanden haben, auch daran zu denken, dass man „den Ast, auf dem man sitzt, nicht absägen sollte“.

Meine Themen im AR werden sein:

  • Eine konstruktive Geisteshaltung zu untersützen.
  • Dafür zu sorgen, dass der “Kunde” im Mittelpunkt unseres Denkens bleibt.
  • Sinnkopplung von Leben und Arbeit für alle Kolleginnen und Kollegen zu ermöglichen.
  • Mein Netzwerk für die Zukunft der InterFace AG einzusetzen.
  • Als Aktionär werde ich nachhaltiges Wirtschaften einfordern.

Die IF braucht in Zukunft weniger “institution&constitution”. Vielmehr brauchen wir mehr Intuition, gesunden Menschenverstand und ein klares Commitment aller zu einem modernen, agilen, schlanken und transparenten Unternehmen. Hierzu ein klares GO!

Der Vorstand besteht jetzt aus Dr. Christof Stierlen, Maximilian Buchberger und Paul Schuster. Die drei Kollegen haben mein volles Vertrauen. Ihnen wünsche ich möglichst oft das richtige Händchen und uns allen das gewisse Quentchen Glück, das man im Leben immer so gut brauchen kann.

Vor allem wünsche ich jetzt aber Euch allen – liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Familien, liebe Freunde und liebe Gäste – und der InterFace nur das Beste. Und uns allen heute ein schönes Fest, ein frohes Weihnachten und ein gelingendes neues Jahr 2015.

🙂 Ja – so ist das Leben. 31 Weihnachtsfeiern habe ich für die IF gemacht, 31 Ansprachen gehalten – und jetzt ist das alles vorbei!

RMD