Roland Dürre
Dienstag, der 31. März 2015

BGB und Zahlungsziele für Dienstleistungen

EuroIm März 2012 habe ich hier meinen Ärger über die langen Zahlungsziele artikuliert, die große Konzerne ihren Dienstleistungs-Lieferanten auferlegen. Immerhin steht im BGB, dass Dienstleistungen sofort nach ihrer Erbringung zu bezahlen sind.

Dies aus gutem Grunde:
Wenn ein Lieferant ein Produkt ausgeliefert hat, kann er sich zumindest eingeschränkt durch einen Eigentumsvorbehalt vor Verlust seiner Forderung schützen. Bei Zahlungsausfall kann er dann das gelieferte Produkt wieder zu sich zurück holen, denn er bleibt ja der rechtmäßige Eigentümer solange das Produkt nicht bezahlt ist.

Dies kann der Dienstleister natürlich nicht, denn ist seine Leistung erst mal erbracht, gibt es nichts zurück zu holen. So habe ich es schon am wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium Jakob Fugger in Augsburg im Fach BWL gelernt.

Aber Gesetze werden eben nur noch ernst genommen, wenn Verstöße hart geahndet werden. Und ansonsten auch mal breitflächig ignoriert, wie habe ich im letzten Artikel beschrieben habe.

Ach, was waren das für „gute alte Zeiten“ bei der Gründung vom InterFace. 1984 war Siemens unser erster Kunde. Und natürlich habe ich als frisch gebackener Unternehmer und Geschäftsführer mein „Schulwissen“ bei dem sehr sympathischen Siemens-Kaufmann angebracht. Damals war das Zahlungsziel für Dienstleistung bei Siemens noch 4 Wochen (!) und der Kaufmann konnte mir glaubhaft erklären, dass er diese vier Wochen für die Abwicklung bräuchte und Siemens zum anderen der zuverlässigste Zahler Deutschlands sei.

Vor kurzem haben wir die von großen Kunden oft durchgesetzten langen Zahlungsziele mal wieder im AR besprochen. Unser Wirtschaftsprüfer hat uns dann von der Regelung in Polen erzählt. Wenn dort eine erbrachte und abgenommene Dienstleistung nicht zeitnah bezahlt wird, dann geht die steuerliche Absetzbarkeit verloren. Und diese einfache Maßnahme soll dort Wunder bewirken was die Zahlungsmoral angeht.

Wenn der Konkurrent aus Polen aber nach Deutschland liefert, dann wird ihm dies aber auch nichts helfen und er wird auch auf sein Geld warten müssen. Zumindest gehe ich davon aus.

RMD

P.S.
Die Geldscheine sind aus Wikipedia (Gemeinfrei; Hochgeladen von Blackfish)

Roland Dürre
Montag, der 30. März 2015

Gesetze. Sport. Sinn.

„Der FC Bayern ist einer erfolgreichsten Fußballvereine der Welt.“

Was für ein wunderschöner Superlativ!

Doch wenn man es genau nimmt, dann ist diese Aussage ziemlich unpräzise. Der FC Bayern München ist ein eingetragener Verein mit vielen Mitgliedern. Zusätzlich gibt es ein Unternehmen der Unterhaltungsindustrie, das unter dem großen Namen als FC Bayern München AG  firmiert. Die FC Bayern München AG ist als Aktiengesellschaft eine Tochtergesellschaft des Fußballvereins.

Weitere Aktionäre sind die Konzerne Audi, Adidas und Allianz SE. Die FC Bayern München AG ist also zuerst mal ein ganz normales Wirtschaftsunternehmen mit Umsatz und Gewinn und muss jedes Jahr eine ganz schnöde Bilanz machen. Und für dieses Unternehmen gelten dieselben gesetzlichen Regeln wie für alle anderen.

Andreas Voglsammer im Spiel gegen Chemnitz 2012

Andreas Voglsammer im Spiel gegen Chemnitz 2012

Und wie jedes Unternehmen braucht und hat die FC Bayern AG Mitarbeiter mit unterschiedlichen Aufgaben und in verschiedenen Rollen. Unter anderem braucht der FCB auch Menschen, die gegen den Ball treten – die Fußballer.

Wenn ein Unternehmen Arbeitskräfte sucht, dann gibt es nach deutschem Recht nur wenig Möglichkeiten der Vertragsgestaltung. Entweder werden die Mitarbeiter angestellt, dann sind sie Angestellte (fest oder befristet) oder sie werden entlohnt wie quasi ein Dienstleister. Dann wären sie Freiberufler.

Das mit den Freiberuflern scheitert absolut an der Gesetzeslage. Auch bei großzügiger Auslegung des betreffenden Gesetzes muss man davon ausgehen, dass Fußballer in freiberuflicher Beschäftigung eindeutig Scheinselbstständige sind (Weisungsbefugnis, Abhängigkeit usw.).

So bleibt nur, den Fußballern wie den anderen Mitarbeitern über einen Anstellungsvertrag zu verpflichten, für das Unternehmen zu arbeiten. Das macht der FC Bayern genauso wie alle anderen Vereine, die Profi-Fußballer sind also angestellt wie die anderen Mitarbeiter auch. Dazu schließen schon seit Jahrzehnten die Fußballvereine Zeitverträge mit ihren angestellten Fußballern ab, die nach Bedarf und Situation auch ein oder mehr mal verlängert werden.

Blick auf die Hauptribüne - da bin ich bei jedem Heimspiel.

Blick auf die Hauptribüne – da bin ich bei jedem Heimspiel.

Und da liegt der Haken. Denn Zeitverträge sind befristete Angestelltenverträge! Und befristete Arbeitsverhältnisse sind gesetzlich streng geregelt durch das „Teilzeit- und Befristungsgesetz“. Dieses bezieht sich auf alle Arbeitnehmer, seien sie Handwerker, Ingenieure, Programmierer oder eben Fußballer.

Die Höhe des Einkommens oder die Art der Tätigkeit sind dem Gesetz folgend nebensächlich. Für befristete Verträge gelten strenge Regeln und die müssen eingehalten werden. BASTA! Diese Regelungen waren früher noch viel eingeschränkter als heute, so dass die Regelverstöße in der Vergangenheit eher noch schwerwiegender waren!

Tatsächlich ist mir diese Ungesetzlichkeit (und Ungerechtigkeit) bei Sportverträgen schon 1983 bei der Gründung der InterFace Connection GmbH aufgefallen. Ich habe nicht verstanden, dass im Profisport erlaubt ist was für ein normales Unternehmen verboten ist. So wie Wolf und ich bei der Gründung 1984 auch deshalb ein Produkt entwickelt haben, weil wir nicht sicher waren, wie lange in unserer Branche die dem Gesetz zur AÜG (Scheinselbstständigkeit) ja ziemlich eindeutig widersprechende Praxis des „body leasing“ noch gut gehen würde.

Und noch mal der Andreas, der jetzt beim FC Heidenheim spielt.

Und noch mal der Andreas, der jetzt beim FC Heidenheim spielt.

Wir sind jetzt gut 30 Jahre weiter – und auf dem Gebiet der „Scheinselbstständigkeit“ tut sich plötzlich etwas. Denn jetzt haben auch die Legal Service Abteilungen der großen DAX-Unternehmen (von denen ja ein paar bei der FC Bayern Fußball AG beteiligt sind) erkannt, dass die über Jahrzehnte ausgeübte Praxis nicht immer dem Gesetz zur Überlassung von Arbeitskräften folgt. Und suchen deshalb nach Möglichkeiten sich zu schützen.

Und jetzt hat ein Fußballer gemerkt, dass die Vertragsverhältnisse angestellter Fußballer häufig gegen das „Teilzeit- und Befristungsgesetz“ verstoßen. In der Tat wird dieses Gesetz im Profi-Sport weitläufig ignoriert. Der frühere Bundesliga-Torwart Heinz Müller – und seine schlitzohrigen Berater kamen auf die Idee, beim Arbeitsgericht Mainz auf Weiterbeschäftigung zu klagen. Das Arbeitsgericht Mainz hat – ganz einfach dem klar formulierten Gesetzestext folgend – der Klage stattgegeben und ein Urteil zu seinen Gunsten gefällt. Dieses Urteil bewertet die gängige Praxis befristeter Verträge im Profifußball als eindeutigen Gesetzesverstoß.

Denn der Torwart hatte bei Mainz einen Dreijahresvertrag von 2009 bis 2012. Dieser wurde vom Fußball-Bundesligisten im Sommer 2012 um zwei Jahre verlängert. Und das ist eindeutig gegen das Gesetz. Nach dem Ablauf dieses Vertrags klagte Heinz Müller auf „Feststellung des Fortbestandes als unbefristetes Arbeitsverhältnis“ und bekam natürlich recht.

Kampf um den Ball im Sportpark

Kampf um den Ball im Sportpark

Mir geht es in diesem Artikel aber nicht darum, dem Profifußball oder gar den großen FC Bayern München zu ärgern. Das kann ein kleiner Roland Dürre eh nicht. Aber ich möchte zeigen, wie unsinnig so manche Gesetze sind. Weil sie einfach den gesellschaftlichen Realitäten nicht mehr genügen.

Solche Gesetze werden dann von „vernünftigen Vertragspartnern (wie hier Profi-Vereine und Profi-Fußballern) ignoriert und unterlaufen. Bis dann halt mal einer wie der Herr Müller sich nicht an die insgeheim geltenden Spielregeln hält und das gesetzlich Mögliche einklagt. Und solche Situationen gibt es natürlich nicht nur im Berufssport, sondern in vielen Branchen.

🙂 Als findiger Unternehmer habe ich natürlich sofort drei Lösungsvorschläge, mit denen man der aktuellen Rechtslage genügen oder sie umgehen könnte.

Leiharbeit:
Um deutschem Gesetz zu genügen, könnte man das Problem mit Leiharbeit lösen. Die Fußballer müssten dann bei einem Unternehmen, wie z.B. beim DFB, der deutschen Fußball-Liga oder den Landesverbänden (z. B. in Bayern der BFV) als Angestellte beschäftigt werden und dann nach den Regeln der Arbeitnehmer-Überlassung von den Vereinen ausgeliehen werden.
Juristisch wäre das ganz einfach – allerdings würde der Kündigungsschutz dann dem DFB ein Zukunftsproblem bewirken 🙂

Ein spezieller Tarifvertrag:
So wie in der normalen Wirtschaft könnte man für die Branche „Profi-Sport“ oder „Profi-Fußball“ einen ganz besonderen Tarifvertrag bilden zwischen einer zu gründenden Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisation.
Ob so etwas sinnvoll in einem von FIFA, UEFA und DFB regiertem System regierten durchsetzbar wäre ist die andere Frage.

Fußballer werden Vorstände:

🙂 Wenn der Arbeitgeber wie die FC Bayern AG ein Aktiengesellschaft ist, kann man das Problem elegant umgehen. Man müsste die Spieler dann nur zu Vorständen machen. Da sind befristete Verträge bis zu einer Laufdauer von 5 Jahren erlaubt. Und man würde sich auch noch die Sozialversicherung für die Spieler sparen. Das würde zwar nicht dem Geist des Gesetzes entsprechen, aber wäre völlig legal.
🙂 Und ein Thomas Müller hat doch das Zeug zum Vorstand.

Die letzten drei Vorschläge sind zwar korrekt aber nicht ganz ernst gemeint. Aber man sieht, auf welche absurde Gedanken uns eine unter optimale Gesetzeslage bringen kann.

Den Profisport wird noch weiteres neues Gesetz treffen  – der Mindestlohn. Bei korrekter Arbeitszeitmessung wird so mancher Jung-Profi auf mehr als 50 Stunden die Woche kommen (Training, Spiele, Reisezeiten, ergänzende Ausbildung, Lehrgänge, Hausaufgaben).
Ich kenne übrigens auch Schüler und Studenten, die weit mehr als 50 Stunden in der Woche für ihre Ausbildung und Zukunft aufwenden. Die fallen aber nicht unters Mindestlohn- und Arbeitszeitgesetz.

Aber nur 50 Stunden die Woche sind dann gut 200 im Monat. Das würde ein Gehalt von 200 mal 8,50 € bedeuten sprich von mindestens 1.700 €. Und manch ein Verein dürfte sich das nicht leisten können und wollen. Aber wahrscheinlich ist die Ausbildung von jungen Fußballern oder anderen Sportlern heute eh schon ein regelmäßiger Verstoß gegen verschiedene Gesetze.

RMD

P.S.
Das erste Bild ist anlässlich eines Heimspiels der SpVgg Unterhaching gegen Chemnitz am 23. November 2013 aufgenommen worden. Im Sportpark fotografiert hat es Stefan Kukral. Auch die anderen Bilder sind vom Stefan, die SpVgg hat sie für IF-Blog freigegeben.

Mit den Bildern will ich daran erinnern, dass die SpVgg mein Verein ist und möglichst viele Freunde und Leser bitten, zu den letzten drei Heimspielen dieser Drittliga-Saison in den Sportpark zu kommen um die Mannschaft beim Kampf gegen den Abstieg zu unterstützen.

Roland Dürre
Sonntag, der 29. März 2015

DER ZEITKÄFIG.

Eisenkäfig (hier: Florenz, ausgehendes 17. Jahrhundert) als Folterwerkzeug

Eisenkäfig (hier: Florenz, ausgehendes 17. Jahrhundert) als Folterwerkzeug

Vor kurzem habe ich im Artikel „Goldener Stacheldraht“ beschrieben, wie Unternehmen ihre Mitarbeiter in einer Art und Weise vereinnahmen, so dass diese Menschen dann im Laufe der Jahre völlig unselbstständig werden. Und das auf ganz angenehme, ja verführerische Art uns Weise.

Dieser Artikel hat eine Reihe spannender Diskussionen ausgelöst. Auch um den Zeitkäfig, in dem die meisten von uns – ob angestellt oder freiberuflich arbeitend – eingesperrt sind. Denn alles wird in Zeit gemessen, die Arbeit, die Mobilität, die Freizeit. Und stiehlt uns unsere Lebenszeit.

Wie absurd ist doch der Gedanke, dass man jede Woche eine feste Anzahl Stunden seiner Zeit abliefern muss, ganz gleich was ansteht. Das mag in einem „Tayloristischen System“ einleuchten. Man steht am Fließband, macht besondere Handgriffe und bekommt für jede Stunde dieses Tuns ein Stück Geld. Aber der Taylorismus sollte doch für viele von uns Vergangenheit sein.

Die Alternative zu diesem mittlerweile uns als so selbstverständlich vorkommenden Systems waren der sicher auch schwierige Akkordlohn, der dem „Leistungsprinzip“ folgt. Beim Akkordlohn wird nicht mehr nach Zeit sondern nach der Anzahl der hergestellten Teile bezahlt. In auf Kaizen basierenden Strukturen findet man analog den Gruppenakkord. Der ja auch eine positive (Teamarbeit) und eine negative (Gruppendruck) Seite. So richtig mehr gab es da nicht.

Auch die sogenannten Wissensarbeiter (die ehemals mit weißen Krägen und Krawatten unterwegs war und heute lieber Rollis tragen) werden über die abgegebene Zeit abgerechnet. Sie bekommen ein Fixum, für das sie eine Anzahl von Stunden „arbeiten“, also diese Zeit im oder fürs Unternehmen verbringen müssen. Das wird dann ergänzt durch einen variablen Gehaltsteil, der in Zielvereinbarungen (einer modernen Art von Akkordlohn) festgelegt ist.

Dieses „Denken in Arbeitszeit“ hat sich in unseren Gehirnen so tief bei eingeprägt, dass wir es für ganz normal halten. Auch mir in meiner Rolle als Vorstand der InterFace AG ging das so. Es gab Werktage, da war ich nur wenige Stunden am Arbeitsplatz. Und habe in diesen wenigen Stunden oft wesentliches bewirkt. Wenn ich dann aber am frühen Nachmittag zu meinen Kindern heim gegangen bin, dann hat sich mein Über-Ich gemeldet und mir ein schlechtes Gewissen gemacht. +

In meinem neuen Leben merke ich, wie unsinnig das ist. Ich versuche Vorhaben so zu gestalten, wie sie mir wichtig sind. Uns setze soviel Zeit ein, wie fürs Gelingen notwendig ist. Und fühle mich viel freier als früher.

Ich kenne viele Freiberufler, die sich absolut autonom fühlen, aber ganz selbstverständlich im Zeitkäfig stecken. Rechnen sie doch ihren Verdienst als Stunden- oder Tagessatz über die Anzahl der Stunden ab. Bei einer der erwähnten Diskussionen in Twitter hat einer darüber gerätselt, warum sich die meisten „Freiberufler“ ungern als solche bezeichnen. Und sich im Internet so meistens als Seniorberater, als Spezialist für irgendetwas oder als Geschäftsführer (der eigenen 1-Mann GmbH) vorstellen. Einer meinte als Erklärung, dass „freiberuflich“ für „potentiell arbeitslos“ stehen würde. Uns dies klänge doch nicht schön.

Ich denke, dass ein Freiberufler ein Tagelöhner ist – und das ist doch ein ehrlicher aber kein schlechter Begriff. Auch wenn das vielleicht ein wenig nach „Knecht“ klingt. Aber wir sind doch letzten Endes alles Knechte, die einem Herrn, einem System oder einem Wahn dienen.

Es sind aber auch andere (moderne?) Entlohnungssystematiken gut vorstellbar. Gebhard Borck schlägt zum Beispiel in seinem Buch Dein Preis den Wertvertrag als eine Alternative vor. Das ist alles andere als dumm und gefällt mir sehr gut. Aufgrund der vielen und überall installierten Zeitkäfige sind solche oder ähnliche Gedanken für die meisten Freiberufler aber (noch?) Utopie oder zumindest schwer durchsetzbar.

RMD

P.S.
Das Bild ist aus Wikipedia, es stellt einen Eisenkäfig (florentinisch, ausgehendes 17. Jahrhundert), der sich im Foltermuseum in Freiburg im Breisgau befindet. Der Urheber ist Flominator.

Roland Dürre
Samstag, der 28. März 2015

Führungsweisheiten …

Gelegentlich bin ich auch als Speaker unterwegs - hier auf IF-Weihnachtsfeier 2014

Gelegentlich bin ich auch als Speaker unterwegs – hier auf der IF-Weihnachtsfeier 2014

Manche Jahre meines Lebens habe ich gerne bei den bekannten und erfolgreichen „Motivations-Rednern“ gelauscht. Ich war begeistert, wie einfach sie die Welt beschreiben und erklären können und vor allem, wie überzeugend sie den Zuhörenden den Weg zum Erfolg weisen.

Ich war hingerissen von ihrer Art zu reden und ihrer Ausstrahlung. Diese Spitzenredner, die ich meine, sind Menschen, die förmlich von einer besonderen Aura umgeben zu sein scheinen. Sie strahlen ein selbstverständliches Charisma aus, das viele Menschen und auch mich in ihren Bann zieht.

Im Laufe der Jahre habe ich dann eine Reihe solcher Leute persönlich kennengelernt. Da habe auch erlebt, wie leicht sie sich tun, ihre Vision zu formulieren und dass es für sie selbst aber auch nicht immer so ganz einfach ist, diese für sich umzusetzen. Ab und zu sah es dann hinter der tollen Kulisse gar nicht so strahlend aus wie auf dem Podium. Weil etwas zu „gut zu lehren“ meistens einfacher ist als es selbst zu machen.

Vor kurzem habe ich den Key-Note-Speaker Carsten Rath entdeckt. Oder besser gesagt, ein Freund hat mich auf ihn aufmerksam gemacht. Weil er ein Interview gehört hat, das Carsten Rath dem Bayerischen Rundfunk gegeben hat. Und er war so begeistert war, dass er es mir gesendet hat.

Ich kenne Carsten Rath nicht persönlich, der Podcast vom BR mit ihm ist aber durchaus hörenswert:

Mein Freund hat gemeint, dass dieses Interview mit Carsten Rath ihm klar machen würde, was einen guten Manager von einem schlechten unterscheidet. Und dass er nur in Firmen arbeiten wolle, in denen so gelebt und gearbeitet werden würde, wie Carsten Rath das fordert.

Carsten Rath stellt im Interview tatsächlich viele Thesen zum Thema Führung und Management auf, denen kein vernünftiger Manager und Mensch ernsthaft widersprechen kann. Und er begründet dies alles sehr kompetent wie auch geschmeidig. Und unterstreicht das durch viele kleine Geschichten – stories wie man heute sagt. Es ist wirklich rundum überzeugend.

Ich würde seine Aussagen in meinen Worten so zusammen fassen:

  • „Der Kunde muss immer im Mittelpunkt des Denken und Handelns stehen.“
  • „Ohne absolute Leidenschaft im Job geht nichts.“
  • „Es geht immer um alles, also muss man immer alles geben.“

Und dann zitiert er seine (die von ihm erfundenen) „4Ms“ als Abkürzung für den Satz:

  • „Man muss Menschen mögen!“

Auch den „4Ms“ kann ich nur zustimmen. Genauso wie ich seine Aussage, dass die „zentrale Tugend von Führenden die Aufrichtigkeit sein muss“. Das passt, nur nenne ich das „Transparenz, Offenheit und Authentizität. Carsten Rath sagt aber auch sinngemäß, dass

  • „in der Wiederholung die Vertiefung ist“ und „echte Spitzenleistung in der Regel viel pain bedeutet“.

Das erste würde ich einfacher ausdrücken: „Übung macht den Meister!“

Beim zweiten bin ich nicht so sicher. Ich verstehe die Aussage, weil Herr Rath aus dem Hotelfach kommt. Nur sind für mich „Altersheime“ zum Beispiel auch so eine Art von Hotel. Und da ist mir viel wichtiger, dass alle Menschen im Betrieb die Verantwortung für die älteren Menschen bewusst gemeinsam tragen und teilen. Die „pain“ würde ich immer auf das notwendige Maß reduzieren wollen.

Um meine Gedanken zu unterstreichen habe ich noch ein zweites Beispiel aus dem Kreise der berühmten „Management-Speaker“ gesucht. Auf der DOAG-Konferenz in Nürnberg in 2013 habe ich den großartigen Peter Kreuz gehört und dann am Redner-Tisch kennen gelernt (ich bin ja auch immer wieder als Speaker unterwegs 😉 ).

Sein Auftritt war perfekt. Wir haben uns menschlich sehr gut verstanden. „Man“ (Frau und Mann) konnte nur mit dem Kopf nicken. Alles war Klasse, alles stimmte. In allen Punkten hat er überzeugt. Als einzige und sehr zurückhaltende Kritik habe ich gehört, dass die Show vielleicht ein klein wenig zu perfekt gewesen wäre. Gemeinsam mit seiner Frau ist er offensichtlich das perfekte Paar und Unternehmen.

Die beiden genannte Speaker und ein paar mehr mir bekannte spielen sozusagen in einer „anderen Liga“. Nur, so sehr ich ihnen ihre hohen Honorare und den regelmäßigen schönen und großen Applaus gönne, so habe ich irgendwie gelernt, dass gute Führung noch einiges mehr ist. Und ich bin gar nicht in der Lage, dies auszudrücken.

Ich versuche es mal:

Es sind die vielen täglichen Kleinigkeiten, die einen Menschen zur „Führungskraft“ machen könnten. Der überwiegend konstruktive Geist, eine gerade Haltung, die gelebte Menschenfreundlichkeit und die Fähigkeit zu helfen, dass das  eigene und das Leben der anderen eine Chance hat, sich in vielen Dimensionen zu entfalten. Wenn man es schafft, die Menschen, denen man begegnet, nicht zu reduzieren sondern sie größer zu machen, dann ist man vielleicht eine gute „Führungskraft“. Ein Ergebnis guter Führung könnte sein, dass die Menschen, denen man begegnet, sich nach dem Treffen besser fühlen als vorher und dies auch merken und fühlen.

Und die schönen Thesen, die unsere Spitzenspeaker so begeistern vermitteln, könnten eigentlich nur die selbstverständlichen Basis-Voraussetzungen für ein gutes Unternehmensklima. Aber keine Frage – auch die sind so wahnsinnig wichtig.

Aber trotzdem, auch wenn ein „Führender“ das alles weiß und kann, wenn er seinen Job noch so gut meint und genauso gut macht, wird es ab und zu mal schief gehen. Einfach, weil der „Führende“ genauso nur ein Mensch ist wie alle anderen. Sei es durch eigene Fehler oder weil durch seltsame Entwicklungen plötzlich Dinge passieren , die man einfach nicht einfangen kann und wohl auch voraussehen konnte. Eben auch, weil wir alle nur Menschen sind.

Und davor schützen auch die teuersten und besten Management-Seminare und -Vorträge nur sehr beschränkt.

RMD

Die Arcis-Vocalisten München sind wieder auf Tour. Am Freitag, den 03. 04. 2015 singen und musizieren sie ab 18:00 Uhr im Herkulessaal der Residenz München. Gemeinsam mit dem Kinderchor des Pestalozzi-Gymnasiums München und dem Barockorchester »La Banda« unter der Leitung von Thomas Gropper führen sie auf:

Plakat 3.4. Matthäus-Passion

»Johann Sebastian Bachs große Matthäus-Passion«

Als Johann Sebastian Bach 1729 in der Karfreitagsvesper der Leipziger Thomaskirche seine „Matthäuspassion“ aufführte, war die Gemeinde überwältigt. Die große Besetzung mit Solisten, doppeltem Chor und Orchester, die berührende Ausdruckskraft übertrafen alles bis dahin Vorstellbare.

Eindringlich erzählt Bach die Leidensgeschichte Jesu. Ein Gipfelwerk unserer Musikgeschichte, das die Dramatik des Passionsgeschehens zu einem musikalisch-theologischen Ganzen formt.

»Zwischen gefühlvoll gesungenen Arien und geifernden Tubae-Chören: Humanität versus Unrecht und Tod. Mit seinen Arcis-Vocalisten gewinnt Thomas Gropper plastischen Ausdruck, verzichtet aber auf martialisch herausschmetternde Bekenntnisse. Die Choräle dürfen wunderbar sinnlich strömen – so lässt sich das Geheimnis des Glaubens viel wirkungsvoller verkünden.«
(„Klar und lyrisch“ – SZ 4/13)

Die Solisten sind:

Judith Spiesser – Sopran
Diana Schmid – Alt
Christian Zenker – Tenor
Virgil Mischok – Christusworte
Peter Schöne – Bass

Das Stück:
Johann Sebastian Bach: Matthäus-Passion – Oratorium für Solostimmen, Doppel-Chor und Orchester BWV 244

Karten gibt es zu 65 | 58 | 53 | 48 | 40 | 33 Euro

IF-Blog freut sich, das wir unseren Lesern eine kleine Anzahl verbilligter Tickets zukommen lassen können (im Vorverkauf 20 % auf alle Kategorien). Anfragen dazu bitte an mich senden!

Dann wünsche ich viel Freude beim Konzertbesuch.

RMD

Klaus-Jürgen Grün
Dienstag, der 24. März 2015

Der moralische Buchhalter in uns.

filitos1Er ist nicht das Lieblingsbild von uns selbst.

So wie wir uns gerne sehen würden.

Selbstbewusst, humorvoll, tolerant, spontan.

Nein, er ist  fleißig, beharrlich, korrekt.

So, wie wir uns eben Buchhalter wünschen.

Unser moralisches Urteil bedient sich der Charaktereigenschaften des Buchhalters. Gleicht Worte und Taten anderer mit unseren Werten ab und ordnet Konsequenzen zu. Dabei bringen wir wie in einem Soll- und Haben-Konto Vorkommnisse zum Ausgleich, die überhaupt nichts miteinander zu tun haben. In dem Buch „Christie Malrys doppelte Buchführung“ stellt der Autor die Frage, wie man eigentlich mit all den Gemeinheiten umgeht, die einem andere täglich antun.

Eine Frage, die uns alle berührt. Er kommt auf die Idee, eine Lebensbuchführung in Form einer doppelten Buchhaltung anzulegen. Unter Soll (Debit) und Haben (Credit) notiert sich die Hauptfigur Christie Malrys alles, was ihr so widerfährt. Die Kränkungen sind debits (Soll) und müssen ausgeglichen werden durch entsprechende  credits (Haben), (für sie) angenehme Erfahrungen. So überlegt sich Malrys, einem Nachbarn, der ihm den Gruß verweigert, es diesem durch einen Kratzer im Lack seines Autos  zu vergelten. Ein Wohnhaus, das ihm im Weg steht, bekommt einen fetten Strich auf die Fassade.

Übertrieben? Klar. Reine Fiktion? Nein. Unsere doppelte Buchführung möchte Gerechtigkeit und scheut dabei vor keiner Kleinlichkeit und Peinlichkeit zurück. Unsere Werte, die wir unserem Gerechtigkeitsempfinden unterlegen,  sind ja nicht wie Euro oder Dollar im offiziell festgelegten Kurs zu berechnen oder zu tauschen, sondern ausschließlich in unserem, persönlichen Verrechnungsmodus. Die korrekte Verrechnung der Konten liegt in unseren Augen oder vielleicht noch, in dem unserer Bezugsgruppe.

Was ist der richtige, passende, gerechte „credit“ für einen Islamisten, der seinen Gott verhöhnt sieht? Was für uns der Stinkefinger des griechischen Außenministers bei Günter Jauch? Öffentliche „Hinrichtung“ per TV? Höhere Zinsen für Kredite? Aufruf zum Boykott des nächsten Griechenland-Urlaubs? Ohnehin überwiegen im richtigen Leben die Kränkungen, die „debits“,  und eine Bilanz, die für uns ständig in den Miesen steht,  führt uns stark in Versuchung, beim Ausgleichsversuch immer erfinderischer zu werden. Gehässiger und für die anderen ungerechter. Wer ständig denkt, „offene Rechnungen“ begleichen zu müssen,  wird auf der Suche nach den geeigneten Maßnahmen viel Leben verpassen.

Wo die moralische Buchhaltung besonders konservativ ist, sieht sie die Konten nicht ausgeglichen. In ihrer ausgleichenden Gerechtigkeit fordert sie auch einen härteren Strafvollzug. Weicher oder laxer Strafvollzug entwerte bestimmte Handlungen. Ihre Vertreter sind der Meinung, dass üble Taten nicht teuer genug bezahlt werden. Kritiker der konservativen moralischen Buchhaltung sehen in diesen Strategien jedoch eher eine Aufwertung der Straftat zu einem knappen Gut. Nicht jeder soll sie sich leisten können.

Es herrscht Uneinigkeit in der Frage, wie die Wiedergutmachung als ein Ausgleich zwischen Gut und Böse stattzufinden habe. Einig sind sich jedoch alle in der Forderung nach der Wiedergutmachung. Entweder durch Rache oder durch Gnade, aber Gerechtigkeit muss sein. Rückzahlen oder Heimzahlen muss man es jemandem, wenn er sein Konto überzogen hat.

Während wir in der Finanzbuchhaltung Strategien kennen, die doppelte Buchführung einzudämmen, schießt in der moralischen Buchhaltung die Doppelmoral ins Kraut. Ein Moralist wird es weit von sich weisen, dass er berechnend vorgeht. Das würde seine moralische Position schwächen. Er möchte sich noch nicht einmal darauf einlassen, dass menschliches Handeln und moralische Werte messbar seien.

Und statt die Kriterien seiner Messungen und Vergeltungsakte offenzulegen, leugnet er schlichtweg diese Strategie. Hinter dem moralischen Urteil steht ein Denkmuster, das ein bestimmtes Kalkül der Verrechnung von Gut und Böse transportiert, das aber zugleich dieses Hintergrundmuster verschleiert. Moralische Buchhaltung verdunkelt, dass sie eine Buchhaltung ist.

Was Menschen stattdessen behaupten, hat George Lakoff in seinem entlarvenden Buch „Auf leisen Sohlen ins Gehirn“ so ausgeführt: „Mein Denken ist mir komplett bewusst. Es obliegt allein meiner Entscheidung, wie ich denke und welche Schlussfolgerungen ich ziehe. Alle Menschen können gleich denken. Und indem ich denke, erfasse ich objektive Wahrheiten, die in der Welt vorhanden sind. Alle Dinge haben einen eigentlichen Sinn und können gedanklich so nachvollzogen werden, wie sie existieren. Deshalb kann ich, wie jeder andere Mensch auch, objektiv denken und sprechen.

Wenn der Mensch nur so wäre.

kjg

AutobahnkleeblattHeute morgen in der SZ lese ich in der Kategorie „Landkreis“, dass bei einem Autobahn-Einzelprojekt in meiner Nähe, dessen Notwendigkeit ich auch nicht so recht verstehe, die Kosten von geplanten 25 Millionen um 19 Millionen steigen werden und das Projekt jetzt 44,3 € Millionen kosten wird.

Wahrscheinlich werden es in der Retrospektive dann noch mehr.

Ich zitiere aus der SZ, Landkreis München, 24.03.2015, aus einem Artikel mit der Überschrift:

Kostenexplosion an der A 99

Die Verlegung der Anschlussstelle Aschheim/Ismaning an der Autobahn A 99 von der Bundesstraße B 471 zur Kreisstraße M3 wird deutlich teurer als bisher kalkuliert. Das gab Landrat Christoph Göbel (CSU) in der Sitzung des Kreistags am Montagnachmittag im Pullacher Bürgerhaus bekannt. Die Autobahndirektion Südbayern hatte das Landratsamt demnach vergangene Woche darüber informiert, dass die Baumaßnahmen ein Gesamtvolumen von 44,3 Millionen Euro haben werden. Ursprünglich war man von Kosten in Höhe von mehr als 25 Millionen Euro ausgegangen, bei Baubeginn im Sommer 2013 war bereits von 29 Millionen Euro die Rede gewesen. Die neue Anschlussstelle an der Kreuzung der Autobahn A 99 und der Kreisstraße M 3 wird als Vollkleeblatt gebaut und die bisherige Einmündung der M 3 in die Bundesstraße B 471 zu einem Kreisverkehr mit Überführung für den durchgehenden Verkehr umgestaltet.

Besonders beeindruckt mich ein zweites Zitat in dem Artikel. Der Landrat Göbel sagt dazu laut diesem Artikel einfach mal so:

 „Dazu kommt eine allgemeine Kostensteigerung um 15 Prozent“.

Das kann ich mir gut vorstellen. Nur ich höre immer, dass wir zu wenig Inflation haben.

RMD

P.S.
Das Bild „AK-Detail“ ist von Wikoli aus der deutschsprachige Wikipedia. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Roland Dürre
Samstag, der 21. März 2015

Kickoff von AktMob und AktMobCmp

actmobcmp_100-300x86Am Dienstag, den 24. März 2015, trifft sich das Orgateam von AktMobCmp (dem ersten Barcamp für und um Aktive Mobilität in Deutschland). Dabei sein werden auch ein paar Sympathisanten, die AktMob unterstützen.

Wir werden um 17:30 als Gast der InterFace AG in Unterhaching in einem schönen Kreis starten und dann zirka zwei Stunden tagen.

🙂 Es ist sozusagen eine Art „konstituierende Sitzung“, obwohl wir bestimmt keine Institution werden sondern eine freie Bewegung bleiben wollen.

Im Zeitplan liegen wir gut, denn das erste AktMobCmp soll an den beiden Werktagen vor Dreikönig 2016 statt finden. Nähere Informationen zum Meeting finden sich hier:

Kick-Off-Meeting und Agenda.

Ich freue mich auf die vielen tollen Menschen, die kommen werden und mit machen wollen. Wenn es noch weitere Sympathisanten gibt, die an diesem Projekt Interesse haben, aber noch keinen Kontakt mit uns haben, so bitte ich diese sich ganz einfach an mich zu wenden.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 19. März 2015

Uraufführung in Sommerhausen – eingeübt in Unterhaching!

Theater & InterFace AG

torturmtheaterBis Dienstag, den 17. März, war das Team des TORTURMTHEATER SOMMERHAUSEN wieder einige Wochen bei der InterFace AG in Unterhaching zu Gast, um im „KreatIF“ (dem Brainstorming-Raum im UG) ein neues Stück zu proben.

Am Mittwoch sind sie dann nach Sommerhausen umgezogen. Dort werden sie bis zur Premiere am Mittwoch, 25. März um 20.00 Uhr an den letzten Feinheiten feilen. Denn an diesem Tag kommt es zur Uraufführung des von Fitzgerald Kusz für das Torturmtheater geschriebenen Stückes.

SagNixIIISag nix! – Liebesdialoge

Fitzgerald Kusz muss man nicht vorstellen, wird er doch der „Dichter der Franken“ genannt. Er ist bekannt geworden durch sein „Schweig Bub!“.

Ich zitiere aus der Ankündigung:

„Die Liebesdialoge beginnen – wie könnte es auch anders sein – mit reinen Zärtlichkeiten, die Phantasie der Liebkosungen sprudelt quasi alphabetisch von Arschtörtchen, Augensternchen über Liebesknochen, Schweinebacke bis hin zum Zuckerärschchen. Später gibt es andere Dialoge wie:

Frau: Manchmal hab ich das Gefühl, ich bin Luft für Dich.
Mann: Ohne Luft kann man nicht leben.

Dazwischen liegen anrührende Liebesbekundungen und gut gemeinte Lügen, hemmungslose Aussprachen und ungebremste Hasstiraden, böswilliges Verschweigen und wehmütiges Erinnern.

Mit Sag nix beschreibt Fitzgerald Kusz zwar nicht in Mundart, dennoch aber mit einer wunderbaren, unverwechselbaren Sprachmelodie, mit maulfauler, fränkischer Knappheit und beißender Komik einen Ehealltag von A bis Z – vom Anschmachten bis zum Schluss machen. So wie man ihn wohl hinter vielen Türen findet. Eine witzige Persiflage, umwerfend komisch und denoch feinsinnig und melancholisch!“

sagnixIX

Es spielen Dorina Pascu und Konrad Adams, Regie führt Oliver Zimmer.
Gespielt wird Sag nix vom 25. März bis zum 30. Mai 2015 im Torturm-Theater, jeweils Dienstag bis Freitag 20.00 Uhr, Samstag um 16.30 Uhr und 19.00 Uhr.
Kartenvorbestellung und Info an den Spieltagen ist ab 16.00 Uhr unter 09333-268 möglich oder auf kartenbestellung@torturmtheater.de

Barbara und ich werden uns das Stück am 1. April anschauen. Das ist der Mittwoch vor dem Gründonnerstag. Ich freue mich schon auf den schönen Ausflug nach Sommerhausen – mit einem leckeren Abendessen beim „Ritter“ und schöner Übernachtung zum Beispiel im „Sonnenhöfle“.

Und besonders würde ich mich freuen, wenn ich dann im Theater ein paar bekannte Gesichter antreffen würde. Sommerhausen ist ein schöner Ort, ideal um ein wenig „honey moon“ zu genießen! Und auch der Wein lohnt die Reise. Also auf geht’s!

sagnixIV

Und vielleicht noch einen Tipp zur Anreise:

Am besten fährt man mit DB Regio nach Winterhausen – und spaziert dann einen knappen Kilometer über den Main ans andere Ufer nach Sommerhausen!

RMD

Sicherheit und Vorratsdatenspeicherung

Jetzt bin ich ein paar Tage aus Kuba zurück und habe auch mal wieder „Audio“ gehört. Da ist mir ein Mann mit dem Nachnamen eines Erzengels begegnet. Einer von den Politikern/Funktionären, die noch nie außerhalb von Bildung,  Gewerkschaft, Partei und Politik, Schule und Uni tätig waren – wenn man von dessen Zeit als SaZ 2 in einer Luftwaffenradareinheit der Bundeswehr und einem Nebenjob als als Nachtportier in einem Göttinger Hotel während des Studiums absieht.

Den habe ich sagen gehört:

„Und ich meine, wir erleben doch gerade, dass die Welt ziemlich gefährlich geworden ist und dass die Gefahren aus anderen Teilen der Welt zu uns importiert werden.“

StopDas hat mich geärgert, ist es doch hanebüchener Blödsinn. Man muss dazu nur ein Geschichtsbuch wie Die Verwandlung der Zeit von Osterhammel nehmen und darin ein wenig lesen. Und erfährt dann, wie gefährlich es früher war zu leben.

Oder noch einfacher – ein wenig nachdenken. Die gefährlichste Bedrohung in Deutschland und auf der Welt dürfte (vielleicht neben den Unfällen im Haushalt und bei der Arbeit) die Teilnahme am Individualverkehr sein. So geht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) von jährlich etwa 1,2 Millionen Verkehrstoten rund um den Erdball aus. In Deutschland sind die tödlichen Unfälle in den letzten Jahrzehnten wesentlich gesunken, wir haben „nur noch“ so knapp 10 am Tag.

Bei den Krankheiten ist es in Deutschland und auf der Welt auch nicht unbedingt gefährlicher geworden, trotz Vogelgrippe, Ebola und jetzt gerade wieder Masern.

😉 Ich sehe auch nicht, welche Gefahren importiert werden sondern eher, dass wir (die BRD) viel Gefährliches exportieren.

vorratsdatenspeicherungEs könnte aber auch sein, dass dieser Satz nur so dahin geplappert wurde. Dann ist es noch ärgerlicher, denn mit diesem Geplappere begründet der Politiker seine Forderung nach der Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung!

Dies obwohl die mir bekannten Experten sagen, dass die Vorratsdatenspeicherung uns der totalen Überwachung wieder ein Stück näher bringen würde. Wie auch zum Beispiel Sascha Lobo im Spiegel schreibt, den ich immerhin auf dem IT-Gipfel unserer Kanzlerin hören durfte.

Der Mann, von dem ich hier berichte, heißt übrigens Sigmar Gabriel. Er ist Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Stellvertreter der Bundeskanzlerin und SPD-Parteichef (!).

Kurz nach seiner Forderung nach Vorratsdatenspeicherung hat er dann eine Reise ins gefährliche Moskau angetreten, um alte Freunde zu besuchen. Und was für Freunde.

Wer wundert sich dann noch, wenn die klugen deutschen Wähler die SPD so gar nicht mehr wählen wollen und die genauso klugen jungen deutschen Wähler zum Wählen so partout keinen Bock mehr haben?

Und ich denke mir, wär ich doch in Kuba geblieben.

RMD

P.S.
Das Bild ist von „Stoppt die Vorratsdatenspeicherung!“ mit freundlicher Genehmigung des Arbeitskreises.