Roland Dürre
Donnerstag, der 30. April 2015

Unternehmertagebuch #108 – Moral der Metrik

Eine Werte basierte Unternehmenskultur ist essentiell für den nachhaltigen Erfolg eines Unternehmens. Und mehr noch – wenn alle Leistungserbringer im Unternehmen gut ausgebildet sind und mit Mut und Freude an den gemeinsamen Projekten arbeiten, dann ist das schon mehr als die halbe Miete.

Dürre_RolandSo war und ist mein Credo. Nur wie sollen Menschen in Führungspositionen (in meiner aktuellen Definition also die mit der normativen Verantwortung im Unternehmen) dies hinkriegen? Vielleicht können Sie ein wenig Vorbild sein? Aber kann man Unternehmenskultur wirklich von oben generieren?

Dass das nicht geht, habe ich selbst erlebt. Im kleinen im eigenen Unternehmen – im großen z.B. bei der SNI (Gott habe sie selig). Dort habe ich z.B. Gerhard Schulmeyer kennen und schätzen gelernt. Er ist mit einem großen Anspruch gestartet und hat viele kreative und mir sehr klug erscheindende Maßnahmen eingeführt – und letztendlich ist er trotzdem gescheitert. Das System konnte er nicht verändern oder gar brechen.

Eine „gute“ Unternehmenskultur aufzubauen ist eben alles andere als einfach. Unternehmenskultur kann man nicht „wie im Reagenzglas“ durch Mixen der richtigen Zutaten und Erzeugen der optimalen Temperatur züchten. Sie entwickelt sich entweder von selbst oder eben nicht.

Der Beitrag und die Kunst der „Führenden“ ist es es vielleicht – vielleicht wie ein Hofnarr – die Menschen immer wieder aus ihrem Trott herauszureißen. Er muss immer neue Dinge finden und anstoßen, die allen Stakeholdern im Unternehmen Freude machen und sie motivieren. Und so immer versuchen, das Unternehmen zu ehrgeizigen und vor allem anspruchsvollen und spannenden Projekten und Herausforderungen zu treiben.

Im Kontext zu diesen Themen hatte ich vor kurzen ein schönes Philosophie-Seminar. Da ging es wieder um Moral. Auch um Unternehmensmoral, als Teil der Kultur. Moral ist gefährlich, nicht nur in und für Unternehmen. Werte können sich schnell mal verfestigen oder verselbstständigen. Oder zu einem oft unteroptimalen „Das macht man so!“ oder „So geht das nicht“ führen, das Veränderung behindert.

Oft werden dann diese „basic rules“ in ein enges Geflecht von Prozessen einmauert, das – gut gemeint aber schlecht gemacht – aus „Best Practise-Erfahrungen“ entwickelt wurde, aber das System noch verfestigt. Und so den internen Stakeholdern die Luft zum Atmen raubt. Man gucke mal so eine ISO 9001-Zertifizierung hinter ihrer Fassade an.

Die „neue“ Unternehmens(-UN-)moral“ gerade der großen Unternehmen scheint mir aber ganz andere Quelle zu haben. Vor ein paar Jahren hat die ganze unternehmerische Welt auf das System der „Balance Score Card“ gesetzt. Mit der Vorstellung, dass alles messbar ist und so mit Zahlen und Ziffern bewertet werden kann.

Sogar das Wissen des Unternehmens sollte in einer „Wissensbilanz“ zusammengefasst werden. Die menschlichen Ressourcen (human resource) – man beachte den Begriff – wollte man ebenso durch „profiling“ der Kollegen erfasst werden, auch um „underperformer“ zu finden. Und mancherorts hat man diesen Glauben immer noch nicht verloren.

Diese Metrisierung der Unternehmen führt zu einer ganz neuen Form von Unternehmensmoral. So werden die Entscheidungen nicht mehr vom „Man mach das so!“ dominiert sondern nur noch nach der Frage entschieden „Was bringt uns das?“. Und dies möglichst mit Zahlen belegbar.

Zahlen allein sind aber sinnlos, sie brauchen wie jede Metrik immer eine Maßeinheit. Und die Einheit der unternehmerischen Metrik ist natürlich Geld (EUROS), was dann ganz logisch auf die Handlungsmaxime des „shareholder values“ führt ..

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

Roland Dürre
Montag, der 27. April 2015

Projekt & Produkt – #PMCampSTR

pmcampstrDas PM-Camp Stuttgart (Hashtag #PMCampSTR) findet vom 7. bis 9. Mai an der Hochschule der Medien in Stuttgart statt. Ich freue mich, dass ich dabei sein kann. Ticket und Fahrkarte sind gekauft und das Zimmer im Commundo ist reserviert.

Das Team, das diese Veranstaltung organisiert, hat als Überschrift fürs Camp „Projekt und Produkt“ gewählt. Das Stuttgarter Orgateam will sein PM-Camp so auch für Teilnehmer jenseits des klassischen Projekt Managements z.B. der IKT (Informations- und Kommunikationstechnologie) öffnen. So soll der Begriff „Produkt“ auch Ingenieure ansprechen, die anspruchsvolle Produkte bauen.

Was ist ein Projekt?

Ich zitiere aus Wikipedia:

Ein Projekt ist ein zielgerichtetes, einmaliges Vorhaben, das aus einem Satz von abgestimmten, gelenkten Tätigkeiten mit Anfangs- und Endtermin besteht und durchgeführt wird, um unter Berücksichtigung von Zwängen bezüglich Zeit, Ressourcen (zum Beispiel Geld bzw. Kosten, Produktions- und Arbeitsbedingungen, Personal) und Qualität ein Ziel zu erreichen.[1]

Diese wie ich meine veraltete Definition von „Projekt“ bedeutet folgendes:

  • Jedes Projekt hat einen Anfang (Projektstart).
  • Jedes Projekt hat ein Ende (Fertigstellungstermin).
  • Die gewünschten Ergebnisse sind als Projektziel festgelegt.
  • Alle einzusetzenden Ressourcen sind vorgegeben.
  • Das Projektziel muss termingerecht erreicht werden.
  • Die geplanten Ressourcen dürfen nicht überzogen werden.
  • Es gibt eine Planung, den Projekt-Plan.
  • Die Meilensteine der Planung sind einzuhalten.

Nach meiner Meinung dürfen sichProjekte nur dann „Projekt“ nennen, wenn sie Wesentliches verändern oder bewirken und wirklich etwas Innovatives oder Neues schaffen. Und schon sieht man, dass mit der Definition da irgendetwas nicht stimmen kann.

Trotz bester Planung erleben wir selbst bei einfachen Ingenieurs-Projekten massive Zielabweichungen mit oft unglaublicher Überschreitung der benötigten Ressourcen. Die Ursache dürfte sein, dass mittlerweile auch Aufgaben, die ziemlich simpel klingen, eine erstaunliche Komplexität in sich tragen.

Innovative Veränderung!

Noch schwieriger ist es, wenn es um Projekte geht, die kreativen Einfluss auf soziale Systeme aller Art und auf die sowieso stattfindende Evolution nehmen sollen. Die beschriebene „Projektdenke“ zwingt förmlich dazu, dem Motto folgend „Augen zu und mit voller Kraft durch“ zu handeln. Und dabei ist man nicht in der Lage, neue und bessere Erkenntnisse permanent in den weiteren Projektweg zu integrieren.

Sogar im Rückblick ist es schwierig, die kausalen Zusammenhänge von Maßnahmen und deren Wirkung (Nutzen?) zu bewerten. Wie soll das dann „im voraus“ gelingen? Innovative Veränderung kann man also nicht einfach so geradeaus durchplanen, sondern muss die Maßnahmen behutsam und agil mit der laufenden Entwicklung in Einklang bringen.

Projekte stehen also im Widerspruch zu Innovation. Innovation ist kreative Zerstörung. Dies mobilisiert dann auch noch zusätzlich die Gegner der Veränderung, besonders die von der Zerstörung betroffenen. Das erschwert es dann noch weiter.

Projekte als Teil von Veränderung?

So ist mir eine Definition von Projekt lieber, die ein Projekt als einen integrierten Teil von vielen eines kontinuierlichen Veränderungs- und Verbesserungsprozess beschreibt. Die gesteuerte Veränderung soll nützliche Ergebnisse bringen. Ist für mich doch jede wohl durchdachte Aktivität, die verändern und Entwicklungen beeinflussen will, ein Projekt, ganz gleich um es hier um konkrete „unfassbare“ oder abstrakte „virtuelle“ Ergebnisse geht.

Was ist ein Produkt?

Die Planung, Entwicklung, Herstellung eines Produkts ist wie seine Vermarktung, der Verkauf desselbigen, Support und Service das Ergebnis von vielen kleinen und größeren Projekten, die multidimensional vernetzt sind und so zusammen wirken. Ein Produkterfolg wird so immer auf einer Vielzahl kleiner und größerer Projekte, also einem mehrdimensionalen „Mega-Projekt“ beruhen. Stichworte mögen hier sein Vernetzung, Dynamik, Lernen, Versuchen, Verwerfen, Neumachen … Aber das gilt nicht nur für das physische Produkt sondern genauso für Dienstleistungen.

Kistenware oder Dienstleistung?

Ein Produkt kann also ein physischer Gegenstand – sprich eine „anfassbare“ Ware – sein, die von einer Organisation ingenieurmäßig entwickelt, in großer Serie produziert und so vielen Kunden „verkauft“ oder in kleiner Losgröße (n = 1) für ihn individuell und „on-demand“ hergestellt wird. Solche Produkte müssen in der Regel durch ein Support- und Serviceangebot ergänzt werden, um erfolgreich am Markt bestehen und „nachläufiges Geschäft“ ermöglichen zu können.

Ein Produkt kann aber auch eine Dienstleistung sein, die beim oder für den Kunden von Menschen erbracht wird, die gemeinsam mit ihrer Organisation eine besondere Qualifikation und „best practice“ erworben haben, welche das Ergebnis eines über Jahrzehnte statt gefundenen persönlichen wie kollektiven Lernprozess sind.

So könnte das Kreieren eines „physischen“ Produkts augenscheinlich mehr Projekte erfordern als eines „virtuellen“.

Der Unterschied für den Unternehmer.

Für den Unternehmer könnte es einen wesentlichen Unterschied machen, ob er ein „echtes“ Produkt-Unternehmen aufbaut oder ein Unternehmen, das als Produkt eine spezifizierte Dienstleistung anbietet.

Zum Beispiel sollte er beim „echten“ Produkt daran denken, dass das Feedback von den Kunden und vom Markt in der Regel viel später kommt als bei einer Dienstleistung. So werden hier oft langfristig hohe Investitionen in ein „echtes“ Produkt, dass sich dann am Markt erst bewähren muss. Insofern scheint ein solches Produkt im Erfolgsfall besser skalierbar zu sein als die Dienstleistung aber eben auch riskanter.

Bei der Dienstleistung dagegen wird ihn das Feedback wesentlich frühzeitiger erreichen, so dass er zeitnäher seine Schlüsse ziehen und gegensteuern kann.

PMCampSTR_Logo-150🙂 So richtig viel mehr fällt mir zu Produkt und Projekt jetzt nicht ein. Nur dass Projekte eigentlich die kleinen Module unseres Lebens sind. Jede bewusste Entscheidung für eine Handlung, die relevant verändert – sei es einen selber oder die Umwelt – ist irgendwie ein Projekt.

RMD

craftsmanshipIn 2013 hatten wir bei der InterFace AG ein schönes „Fachliches IF-Forum“. Es ging um „Software Craftsmanship“. Wir hatten tolle Gäste und starke Referenten. Die Diskussion drehte sich um Fragen wie: Wie kommt man also zur Meisterschaft, wie gewinnt man die dafür notwendige Erfahrung? Wie entsteht die Motivation zu Perfektion? Wie schafft man Spitzenleistung und Qualität in Teams am besten?

Eine Aussage ist in diesem Workshop ist bei mir besonders hängen geblieben. Bernhard Findeiss berichtete damals (vielleicht auch ein wenig als Provokation gedacht), dass ein guter „Craftsman“, der es in seinem Handwerk zur Meisterschaft bringen will,  in der Woche bis zu 20 Stunden  für Weiterbildung aufwenden muss. Und dass dies in der Regel nicht in der Arbeitszeit geht, sondern zu einem oft nicht unwesentlichem Teil die Freizeit dafür herhalten muss.

Die Zahl hat mich zuerst überrascht. Ich musste daran denken, wie viele Menschen ihr Leben streng in Freizeit und Arbeit einteilen. Und habe mich an manche Diskussion mit Kollegen erinnert. Zum Beispiel wie viel Prozent der Weiterbildung denn als Arbeitszeit kontiert werden dürfen. So habe ich die letzten zwei Jahre viel über dieses Thema nachgedacht. Auf der einen Seite sind 20 Stunden pro Woche Üben und Lernen notwendig, will man es zur Meisterschaft bringen.

Dem stimme ich zu. Auf der anderen Seite braucht man noch viel Zeit, um für den Erfolg zu arbeiten. Und für Familie und Privates soll auch genug Zeit bleiben. Und ich meine es geht. Viele meiner Freunde – Fachleute, Manager und Unternehmer, männlich wie weiblich – leben und lieben ihren Job. Sie sind wirkliche „Meister“ und beschäftigen sich eigentlich immer mit den ihnen wichtigen Themen. Und sind trotzdem gute Ehepartner und Mütter wie Väter.

Ich bin jetzt in „Rente“. Und lerne und übe immer noch 20 Stunden. Nur ob ich ein Meister bin, da habe ich Zweifel. Aber ich werde weiter üben …

RMD

P.S.
Hier geht es zu den Videos vom IF-Forum Craftsmanship„.

P.S.1
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Roland Dürre
Montag, der 20. April 2015

Mittelmeer.

Vorbemerkung: Diesen Artikel habe ich sehr emotional geschrieben und wollte ihn gerne schnell veröffentlichen. So bitte ich, mir etwaige Tipp-Fehler und ungelenke Formulierungen zu verzeihen. Ich werde versuchen, das in den nächsten Tagen zu glätten.

Gestern habe ich mir „Jauch“ angeschaut. Und war erschüttert. Über die Sendung. Über die Moderation. Über die Auswahl der Teilnehmer. Über die tiefe Unmenschlichkeit, die am laufenden Band formuliert wurde.

Ich war entsetzt, wie viel Raum kleinmütiger Angst von Spießbürgern gegeben wurde. Die unreflektierten Aussagen der meisten Teilnehmer haben mich erschreckt. Christian Haase, ein wohl selbsternannter Sprecher der Bautzener „Bürgerinitiative Greenpark“ (!) durfte objektiven Unsinn verbreiten. Die Ignoranz der deutschen Politik wurde lehrbuchhaft formuliert durch das realitätsferne Geschwafel des Politik/Funktionärs Hans-Peter Friedrich. Die Gefährlichkeit und Arroganz des rechten Randes der Schweizer Politik und wohl auch Gesellschaft vertreten durch Roger Köppel, Mitglied der „rechtskonservativen“ Schweizer SVP, bekam eine öffentliche Plattform. Und ich war auch nicht glücklich, dass die als betroffenes Opfer präsentierte Maya Alkhechen mir bei aller Sympathie als ein wenig indoktriniert erschien.

Es schien mir schier unglaublich zu sein, dass Menschen im Angesicht solcher Tragödien so leichtfertig und oberflächlich in einer zentralen Sendung des deutschen öffentlichen Fernsehens soviel Mist erzählen dürfen. Das hätte sich schon aus Respekt vor den vielen Toten verboten

Ich war froh, dass Heribert Prantl auf einsamer Flur die Fahne der Werte einer humanen und aufgeklärten Gesellschaft hochgehalten hat. Und dass ein Harald Höppner, der in der FAZ heute als „gutwilliger Amateur“ bezeichnet wird, ein starkes Symbol gesetzt hat.

Der Rest ist grauslich und für mich unfassbar.

Hier noch ein paar ergänzende Gedanken zum Hintergrund der Situation.

Geschichte besteht nach meinem Verständnis aus hochkomplexen und kausalen Wirkungsmechanismen. Die auch im nach hinein nicht trivial zu erkennen und erklären sind. Allein die Lektüre eines Buches wie die „Verwandlung der Welt“ von Osterhammel lässt das leicht erkennen.

So hat alles, auch die Problematik Afrikas wie die unserer aktuellen Welt Ursachen. Und die Aufgabe der Politik wäre, uns weise durch dieses schwierige Lage hindurch zu lotsen.

Zu Afrika: Nicht nur in den letzten Jahrzehnten ist Afrika durch eine idiotische Politik des „Westens“ weiter ruiniert worden. Unser Wohlstand, in dem wir leben und der für uns wohl so wahnsinnig wichtig ist, dass wir ihn mit allen Mitteln schützen wollen, kommt irgendwoher. Auch von unserer Tüchtigkeit. Auch von unserem Klima, das hartes Arbeiten ja erst so richtig ermöglicht. Aber letzten Endes geht  unser Wohlstand zu Lasten der armen Länder in der ganzen Welt – ich will sagen: In letzter Konsequenz gedacht beruht er auf Ausbeutung.

Afrika brennt, weil es seit mindestens 300 Jahren ausgeplündert wird. Lest bitte einfach die Geschichtsbücher. Früher wurde Afrika bevorzugt von der „westlichen Welt“ ausgebeutet – heute von der ganzen. Und irgendwann bekommt man halt dann mal auch „die Reichen“ die Quittung für ein solches Verhalten. Das kann man nicht „hopplahopp“ mit einem „Marschall-Plan“ reparieren oder mit administrativen Verfahren inklusive Ablehnungsbescheid vor Ort regeln. Alleine das zu denken und sagen ist dumm und naiv und grenzt an eine Unverschämtheit.

Insofern geht es nicht, sich einfach zurück zu lehnen und Menschen ertrinken zu lassen, ganz gleich wie viel vernünftige oder unvernünftige Überlegungen es im Kontext geben mag.

Ich möchte noch ein par Gedanken beitragen, um das Denken zu öffnen:

  • Wer erinnert sich noch an die Flüchtlingskatastrophe 1945 in der Ostsee? Da sind auch nur Menschen in Not ins Restdeutschland geflohen. Konnte man da unterscheiden, wer Soldat, Kriegsflüchtling, politischer Flüchtling (weil Nazi), Wirtschaftsflüchtling (weil er nichts mehr zu essen hatte) oder nur aus „Angst vor den Russen“ geflohen ist? Wäre dies, Angst vor Russen, ein Ablehnungsgrund gewesen?
    Und wenn man der Geschichte glaubt, hat da sogar das unmenschliche und schon wankende „Dritte Reich“ absolut und auch prozentual mehr Flüchtlinge aus Seenot gerettet als die EU im Mittelmeer.
  • Was wäre in Deutschland los gewesen, wenn die MS Europa, das deutsche 5-Sterne-plus Schiff mit zirka 350 Menschen im Mittelmeer mit nahezu Totalverlust gekentert wäre? Das Schiff habe ich mir als Beispiel rausgesucht, weil ich es gut kenne und weiß, wer auf diesem Schiff so reist.
    Die Trauerfeier zu dem verunglückten Air-Wings-Flieger ist noch nicht lange her. Auch die Toten haben ihre Klassengesellschaft.

Abschließend will ich nur erwähnen, dass ich mich zurzeit in einer schwierigen Lebensphase befinde. Privat nehme ich mich als zufrieden und sehr glücklich war. Als soziales Wesen leide ich immer stärker und vielem was in unserer Gesellschaft passiert. Das Verhalten „meines Europas“ tut mir weh.

Gleichzeitig bin ich entsetzt, wenn ich sehe, wie von den selben Politikern, die ihre Unmenschlichkeit täglich dokumentieren ohne sich zu schämen, Gesetze und Vereinbarungen, die gegen das Grundgesetz sind (VDS, TTIP) unter Aushebelung demokratischer Regeln und gegen den Willen der Menschen im Schnelldurchgang durchgezogen werden sollen.

Wenn ich immer mehr feststellen muss, wie viel gelogen wird. Wie verantwortungslos gehandelt und gemauschelt wird. Ich könnte noch vieles dazu schreiben. Das Schlimmste ist aber mein Gefühl der Hilflosigkeit. Ich weiß nicht, was ich dagegen tun kann und habe den Eindruck, der aktuellen Entwicklung nur hilflos zu schauen zu können. Und das stinkt mir!

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 18. April 2015

Veränderung aller Orten – heute Musik.

136px-Parts_of_a_musical_note.svgVon Musik und Musikinstrumenten habe ich nicht so viel Ahnung – bin da nicht einmal Halbexperte sondern der totale Laie.
🙂 Das soll mich aber nicht daran hindern, auch dazu mal zu schreiben.

Zuerst mal meine ich, dass das Erleben von Musik vor dem Zeitalter der Technik und der „industriellen Revolution“ für die meisten Menschen etwas ganz seltenes und besonderes gewesen sein muss. Und auf ganz wenige Ereignisse im Leben beschränkt war.

Was für Möglichkeiten gab es zum Beispiel vor 150 Jahren Musik zu hören? Wahrscheinlich musste man selber Singen oder ein einfaches Instrument spielen. Oder anderen dabei zu hören. Ein Klavier war sicher nur für ganz wenige, privilegierte Menschen erreichbar.

Natürlich gab es kein Radio und keine Beschallung im Supermarkt. Das Grammophon wurde erst 1887 erfunden. So dürfte das Hören von Musik ein seltenes Erlebnis gewesen sein, das man zum Beispiel in der Kirche hatte, Da konnte man der Orgel und ab und zu dem Kirchenchor lauschen. Wahrscheinlich war dann das Musikerlebnis wegen seiner Seltenheit ganz besonders intensiv und hat so das religiöses Erleben ermöglicht, vielleicht sogar überhöht.

Außerhalb der Kirche konnte man dann vielleicht noch ab und zu Blasmusik hören. Oder wenn die Soldaten vorbei marschierten, sich über die Klänge der Militärkapelle erfreuen – oder davor zusammen schrecken. Der Besuch von musikalischen Veranstaltungen dürfte ziemlich teuer gewesen sein. Wer konnte sich schon ein Konzert oder eine Oper leisten? Da musste man wahrscheinlich schon ein sehr wohlhabender Mensch sein.

So stelle ich mir die Welt der Musik vor gar nicht so langer Zeit vor. Wahrscheinlich waren die Menschen damals noch richtig ergriffen von den ungewohnten Klängen.

Heute hat sich das geändert. Die Dauerberieselung allerorts hat uns immunisiert. Überall wird Musik eingesetzt. Sogar im modern sein wollenden Theater findet häufig eine musikalische Untermalung der Monologe und Dialoge statt, ganz zu schweigen von der permanenten Hintergrundmusik in den Filmen wie im Fernsehen.

Das alles bringt mich zum Nachdenken. Weil da etwas sehr Besonderes und Schönes durch Kommerzialisierung verloren gegangen sein könnte.

Es gibt aber noch einen anderen Aspekt, den ich beim Thema Musik spannend finde. Die (professionelle) Musik aus dem Mittelalter kommend war wohl eine sehr formale Sache. Es gab es klare Regeln, die vorgegeben haben, wie Musik gemacht werden muss. Eine Oper war eine Oper und ein Orchester hatte einen Dirigenten. Es gab viele Formate und Standards, die von den musizierenden Gruppen eingehalten werden mussten. Jede Art von Musik hatte ihre Bezeichnung und konnte einer Oberart zugeordnet werden. Die Musikwissenschaft – so scheint mir – hat die Musik vereinnahmt und klar festgelegt, was Musik ist und was nicht.

Eines Tages kam der Jazz und Ähnliches. Eine neue Art zu musizieren wurde legitim. Sie hat Freiheit gebracht. Der Begriff der „Jam session“ wurde geboren. Es durfte wieder improvisiert werden. Musikalische Elemente aus alten Zeiten wurden wieder salonfähig. Und ich kannte eine Reihe von Erwachsenen in Deutschland, die diese Musik als abfällig als „Negermusik“ bezeichneten.

Vokale Musiker wie die „Comedian Harmonists“ als Solisten kamen zusammen, experimentierten mit ihren Stimmen und imitierten vokal Instrumente. Die Beat-Gruppen kamen und setzten manche Regel außer Kraft. Heute gibt es sogar große Orchester, die ohne Dirigenten auskommen und trotzdem ganz gut musizieren.

Eine mir gut bekannte Sängerin hat mir ein besonderes, für sie innovatives Erlebnis  berichtet:

Wir hatten übrigens ein ganz tolles Konzerterlebnis. Beim Requiem standen wir vollkommen durcheinander (also immer irgendein Tenor oder Bass neben irgendeinem Sopran oder Alt), weil der Chorleiter in einer der letzten Proben feststellte, dass das klanglich viel homogener klingt.

Wenn keiner jemanden in der Nähe hat, der seine eigene Stimme singt, dann kommt keiner in die Versuchung, diesen anderen übertönen zu wollen. Der potentielle Nachteil ist natürlich, dass man keinen in der Nähe hat, der das gleiche singt, wie man selbst und so muss man schon das Zeug richtig beherrschen, um alles richtig zu singen..

Ich stelle mir das so vor: Jahrhunderte lange standen im Chor die verschiedenen Stimmen in Blöcken zusammen. Und doch wird immer wieder Neues ausprobiert. Und siehe da, es funktioniert. Die Zeiten ändern sich – wohl auch in der „Welt der Musik“. Auch dort könnte es einen Trend geben, nicht nur „hierarchisch“ sondern innovativ und selbst organisiert „Musik zu machen“. Wie vielleicht auch in unserem sonstigen gesellschaftliches Leben.

Und ich hoffe, dass ich als musikalischer Laie in diesem Artikel nicht zu sehr daneben gelegen bin. Und gehe mal davon aus, dass ich nie mehr über Musik schreiben werde.

RMD

P.S.
Die „Note“ ist aus Wikipedia von F l a n k e r – drawn by F l a n k e r.

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 16. April 2015

Paulas Kiosk oder Kein Leben aus dem Bilderbuch

Paula sagt was sie denkt. Manchmal wenigstens.

Meistens redet sie ohne zu denken. Wie es ihr in den Sinn kommt. Und was sie spürt – im Bauch!

Alle zwei Monate ist sie stumm. Da kommt kein Wort über ihre Lippen.

Die Kunden kennen das. Sie deuten dann auf die Zeitung. Die Zigaretten. Den Liebesroman. Und die ‚Super – Wurstsemmel’!

ZZwurstsemmelDoch wenn sie redet, muss sie sich hundert Lebensgeschichten anhören!

Scheibchenweise: Zwischen Einszwanzig und Zwei Euro! Bei einer Flasche Bier schon mal fünf Minuten und länger!

Und die Susi heult bei der Paula. Hinten im Kiosk. Weil ihr Herbert sie wieder abgewatscht hat. Im Suff.

Und die Conny hat jeden Tag ein Wurstbrot frei und einen heißen Tee. Vom Kiffen kommt sie trotzdem nicht runter. Die arme Sau!

Bei dem ‚feinen FAZ-Fuzzy’ greift die Paula alle zwei Wochen nach unten.

Zum Schmuddelkram. Er kauft das Zeug für einen Freund! Nicht für sich. Klaro! Und der ‚Becks-Bier-Schlucker’ will das Playboy unters PM-Magazin gelegt. Der mit der ‚Süddeutschen’ nimmt noch auto-motor-sport und ‚Mein Pferd’. Und der ‚Hanauer Anzeiger’ den ‚Kicker’.

Die ‚BRIGITTE’s’ kennt Paula alle mit Namen. Die Gauloise Ladies auch!

Sind eigentlich ganz in Ordnung! Ihre Kunden!

Ab und zu gibt’s Stinker. Aber die faltet sich Paula zurecht.

Wenn’s sein muss auch laut! Damit’s alle hören. Selbst die schwerhörigen Alten.
Bei ihr muss alles raus! Egal ob’ s passt. Oder nicht passt.

Auch was ihr an Sandra nicht passt. Ihrer störrischen Tochter.

Oder in der Strasse nicht passt, in der sie wohnt. Oder in der Stadt nicht passt. Oder an Deutschland nicht passt. Oder an der unmöglichen EU nicht passt. Oder sonst in der Welt nicht passt.

Doch letztlich ist ihr die Welt egal. Sie hat genug eigenen Mist um die Ohren. Aber der Dreck in der Welt stinkt noch mehr zum Himmel! Auf den Titelseiten ihrer Zeitungen wird ja nur mehr abgeschlachtet!

Früher gab’s wenigstens Titten und Ärsche. Die die Leute aufregten. Sie auch! Aber nur wenn die größer waren als ihre eigenen Kostbarkeiten: Sie hatte echt Mega–Holz vor der Hütte! Und einen Arsch wie eine hitzige Stute. Hatte der Jürgen immer gesagt. Dieser Drecksack. Der abgehauen ist. Als sie die Sandra im Bauch hatte. Okay – ist vorbei…

Aber sonst war schon mehr Ordnung beim ‚Honni’! Damals in Erfurt. Alles war nicht schlecht gewesen – in der DDR.

Und das Geschäft geht ja hier auch nicht so toll! Was kein Wunder ist! Es raucht ja fast niemand mehr: alle machen einen auf gesund. Wollen mit hundert noch vor der Glotze schnarchen. Und möglichst ohne aufzuwachen in die Grube fallen.

Gott sei Dank gibt’s die Weibsleute! Die paffen wenigstens noch. Alt und Jung. Sie selbst ja auch! Die bringen die Kasse noch zum Klingeln.

Doch wer trinkt denn heute noch tagsüber ein Bier? Die kannste mit der Lupe suchen. Die Jungen haben keine Zeit. Und die Rentner schnapseln lieber!

Ja – sie spendiert schon mal eine Runde. Aber Vorsicht! Die werden gleich unverschämt…

Dafür bleiben ihre ‚Super-Wurstsemmeln’ öfter mal liegen! Das kränkt sie dann schon. Aber die jungen Weiber stopfen sich nur noch grünen Salat in den Rachen. Und rohe Gurken mit der Schale. Vor allem diese bemalten Skelette!

Wie ein Schweinsbraten schmeckt, wissen die gar nicht mehr. Oder eine Schweinshaxe mit Sauerkraut. Machen einen auf Vagina! Oder Veganisch! Was immer das ist? Da kennt sich keine Sau mehr aus.

Ihre Sandra fängt auch schon so blöd an!

Nix schmeckt mehr daheim! Alles ist Scheiße! Und wie die herum rennt! Man muss sich wirklich schämen für das Mädel: Eisenringe ohne Ende in der Larve. Und überall diese scheiß Tätowierungen. Ihr Kevin schaut noch schlimmer aus. Und diese Gott verdammte Glatze! Echt zum Kotzen! Eigentlich möcht’ Paula gar nicht mehr heimgehen. Muss sich eh nur ärgern mit den beiden ‚Tätos’!

Mensch – was für ein Segen ist da ihr Helmut! Ist neben dem Kiosk echt die einzige Freude in ihrem ‚bescheidenen’ Leben. Der kümmert sich wirklich um sie. Besser geht’s nicht! Und das schon seit Jahren!

Ohne ihn und den Kiosk würd’ sie sich echt die Kugel geben! Oder Tabletten einwerfen…

Am Montag – war Paulas Kiosk überraschend zu!

Das gab’s noch nie. Die Kunden murrten und schüttelten die Köpfe.

Susi erzählte später, sie hätte Kiosk mäßig sowieso kürzer treten wollen, die Paula! Und den Helmut heiraten. Alles war bestellt! Letzte Woche dann die Diagnose: Verdacht auf Lungenkrebs!

Genau – das war auch die Paula im ‚Hanauer Anzeiger’: Frau wirft sich vor S-Bahn – einstündige Unterbrechung des Frühverkehrs!

Sie hat der Polizei den Hinweis auf die Conny gegeben. Die war ja nur mehr Hackfleisch. Hatte in letzter Zeit aber auch ständig von ihrem Abgang geträumt! Aber einen der kracht! Einen den alle spüren! Das sei ihre kleine Rache an dem da oben, hat sie gefaselt. Die Paula hat nur gelacht und gesagt, das sei ein Schmarren!

Dem Helmut hat sie den Lungenkrebs auch nicht abgenommen! Nie im Leben, hat sie gesagt, nie im Leben hat der Helmut Krebs…

Am Donnerstag – war er wieder offen. Der Kiosk!

Gott sei Dank! Die Leut’ waren echt happy! Soviel ausgesprochene Freude hätt’ sich die Paula nie träumen lassen. Und dass die Susi hinten nicht plärrt, sondern kichert, auch nicht. Endlich hatte sie ihren versoffenen Herbert rausgeschmissen!
Paula hat Sekt spendiert und auf Susis Courage angestoßen!

Und auf die ‚Hackfleisch Conny’ in der Hölle auch!

Beide haben so gelacht, dass der mit der ‚Süddeutschen’ sich auf die Stirn getippt hat. Und ohne Zeitung gegangen ist. Und der ‚FAZ-Fuzzy’ ohne Schmuddelkram, weil die Paula nicht zum Lachen aufgehört hat. Und die Susi auch nicht!

Da soll einer die Weiber verstehen, hat der ‚Hanauer Anzeiger’ gesagt.

Und hat selber zu lachen begonnen. Und der Helmut hinter ihm auch. Er schien beschwingt…

Hat die Paula am Ende doch richtig gelegen mit ihrer Diagnose, dass alles nicht wahr ist, nix stimmt und sowieso beschissen ist?

Vermutlich schon, sonst hätten alle nicht so gelacht, gell!

KH

PS: Das Foto ist von Google

Roland Dürre
Sonntag, der 12. April 2015

Schule. Bildung. Zukunft.

Bernice Zieba hat in Facebook auf der Seite Alphabet – der Film Reklame für ihr Buch „Kinder brauchen keine Schule“ gemacht und darauf hingewiesen, dass man dieses Buch ab sofort bestellen könne. Im Buch geht es um „Homeschooling und Unschooling“. Ich kenne das Buch (noch) nicht – und kann es so auch nicht bewerten. Den Film Alphabet dagegen kenne ich gut und empfehle ihn sehr.

Auf Facebook führte dieser Eintrag zu einer eifrigen Diskussion zwischen Gegnern und Befürwortern der Schulpflicht. Die Diskussion hat mich angemacht, besonders weil meine Erfahrungen mit Schule sowohl als Schüler wie als mehrfacher SchülerInnen-Vater alles andere als erfreulich waren. Und mir deshalb Bewegungen wie Sudbury – endlich frei zumindest als schöne Utopie doch ziemlich sympathisch sind.

Deshalb konnte ich nicht umhin, auch meine Meinung zur Situation von Bildung und Schule in einem Kommentar zu schreiben. In diesem habe ich sinngemäß folgende Thesen formuliert:

KinderSchuleDie Schulen in der ganzen Welt lehren nicht und leiten nicht an. Sie fördern nicht das Hinterfragen und Nachdenken sondern vermitteln Wissen unwissend. Wissens-Bulimie wird so zur Regel.

Formen von Autonomie der Schüler werden als störend empfunden genauso wie kritische Positionierungen. Aufklärung ist in der Schule unerwünscht und zum Unwort verkommen. Denn das überwiegende und oft ausschließliche pädagogische Ziel der Ausbildungssysteme scheint es, die Menschen so zu formen, dass sie im Zielsystem möglichst reibungslos funktionieren. Die Lehrer scheinen förmlich den Auftrag zu haben, den Schülern ihre Kreativität auszutreiben und sie anpassbar zu machen. So werden System treue Konsumenten produziert, dies sich ohne zu murren brav in die nicht Menschen gerechte Leistungsgesellschaft einfügen.

Die zeitgenössischen Schulen und Bildungssysteme in der ganzen Welt können eines besonders gut: Indoktrinieren! Nur der Grad der Indoktrination ist noch unterschiedlich zwischen den Schulen und den Kulturen

Indoktrination ist jedoch der Feind eines Lebens in Freiheit und Würde. So wird kein vernünftiger Wandel gelingen. Nicht mal den „sozialen Konsenz“ werden wir so finden können, der Voraussetzung ist für eine konstruktive, menschliche und aufgeklärte Weiterentwicklung unserer Gesellschaft.

Als Beispiel: Vielleicht würde ein redlicher Diskurs uns dabei helfen – das geht aber nicht, wenn wir das dazu notwendige Handwerkszeug nicht gelernt haben!

Es scheint klar, dass das Sicherstellen einer vernünftigen Bildung für die nachfolgenden Generationen eine der zentralen Aufgabe jeder (und auch unserer) Gesellschaft ist. Wahrscheinlich sollte das die höchste Priorität haben. Tatsächlich erleben wir jedoch ein riesiges Versagen unseres Bildungssystems. Die Defizite in den Schulen werden immer größer, für viele Gruppen der Gesellschaft  verschlechtert sich die Situation kontinuierlich.

Trotzdem stehe ich persönlich „Homeschooling und Unschooling“ eher skeptisch gegenüber und würde sie nur als Notwehr oder „ultima ratio“ in besondern Fällen als sinnvoll ansehen.

Soweit mein Kommentar. Aber noch eine Anmerkung sei mir gestattet: Ich bin froh, dass es noch Lehrer gibt, die sich gegen diese wohl weltweit stattfindende Entwicklung sträuben und sich den drückenden systemischen Zwängen widersetzen. Einige davon kenne und schätze ich. Aber leider habe ich den Eindruck, dass sie immer mehr auf verlorenen Posten stehen und auch immer weniger werden.

RMD

P.S.
Im übrigen ist mir nicht klar, warum wir immer diese hässlichen amerikanischen Begriffe benutzen müssen wie „Homeschooling oder Unschooling“?

Nach dem Konzert ist vor dem Konzert! 🙂

hat mir die Evelyn geschrieben. Denn die Evelyn singt seit zwei Jahren mit großer Begeisterung für die Arcis-Vocalisten. Die sind als Laienchor so etwas wie eine Klasse für sich und feiern in 2015 ihr 10-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum führen sie die Marienvesper von C. Monteverdi in der Himmelfahrtskirche München-Sendling auf.

Marienvesper -  Internet

Für Leser des IF-Blogs, die das Konzert besuchen wollen, gibt es wieder ein Schmankerl. Anfragen dazu bitte an mich senden!

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 10. April 2015

Was ist das Sein, was ist der Mensch, was bin ich?

Und was wird aus mir, wenn ich tot bin?

🙂 „Was ist das Sein?“
Das ist nicht nur eine Grundfrage der Philosophie sondern auch ein wunderschöner Song von Pigor, in dem er so richtig „heideggert“.

Pigor ist einer meiner Lieblingskabarettisten, er verpackt auf unnachahmliche Art Themen des täglichen Lebens und sogar der Philosophie in ganz besondere Lieder. Die mögen dann süßsauer und bitter sein, sie sind aber immer lustig.

Die Frage der Philosophen nach dem Sein ist das eine. Ich bin kein Philosoph. Über die Frage: „Was ist der Mensch?“, insbesondere „Was bin ich?“ oder noch verschärft „Was bleibt von mir nach meinem Tod?“ mache ich mir aber schon Gedanken. Was passiert also, wenn sozusagen im Sinne des BGB die „natürliche Person“ des Roland Dürre erlischt?

Und im Laufe meiner Jahrzehnte habe ich (für mich) eine Antwort gefunden. Zurzeit würde ich die folgendermaßen formulieren:

Ich bestehe vereinfacht betrachtet aus vier Modulen, die man schön in ein Achsenkreuz einordnen könnte. Die vier Quadranten sind mein Körper, meine Seele, mein Eigentum und das von mir Erlebte und Bewirkte.

Dabei sind Körper und Eigentum materielle und klar zu beschreibende Dinge. Nach meinem Tod bleiben sie zuerst mal von mir übrig. Meine Seele dagegen und das zusammengefasst Erlebte, Erfahrene, Gelernte und auch im Leben und vielleicht sogar nach meinem Tod von mir „Bewirkte“, das sind die immateriellen Dinge, die ich nicht so leicht formulieren kann.

Und da stellen sich natürlich weitere Fragen. Also – gehen wir es an und analysieren die vier Module!

Der Körper.

Ich beginne mit meiner sterblichen Hülle – meinem Körper. Hier bin ich mir mittlerweile ziemlich sicher, dass es mir gleichgültig ist, was mit meinem Körper nach meinem Tode passiert. Es spielt für mich keine Rolle, ob dieser (ich?) verbrannt, beerdigt, eingefroren oder für wissenschaftliche Zwecke genutzt werde. Eine Empfehlung an meine Nachkommen wäre, dass ich anonym bestattet werde, damit sie keinen unnötigen Stress (Grabpflege etc.) mit mir haben.

In meiner Jugend hätte ich gesagt, dass meine Asche irgendwo verstreut werden soll, wo ich mal glücklich war (auf einem Fussballfeld, in einem Wald oder sonst in einer schönen Gegend, durch die ich mal geradelt bin). Heute ist mir das auch nicht mehr so wichtig.

Das Eigentum.

In meinem ganzen Leben hatte ich viel Glück. So ist es mir unter anderem gelungen, ein klein wenig Reichtum zu erwerben. Im Sinne des aktuell gültigen Eigentum-Begriffes habe ich Aktien (von der InterFace AG), ein paar Immobilien und ein wenig Geld, präziser formuliert ein kleines virtuelles Guthaben bei einer „Bank“. Das freut mich sehr. Aber alles hat zwei Seiten. So gibt es jetzt so eine Art Moral oder Überich, das meint, ich solle ein Testament zu machen. Ich habe aber eine Abneigung gegen Planung und besonders Vorgaben für andere. Ist es für mich doch schon schwer genug, für mich zu denken, warum soll ich das auch noch für andere machen?

So beschränkt sich mein Empfehlung an meine „Erben“, sich über den Zuwachs ihres Vermögens aufgrund meines Verscheidens zuerst mal zu freuen und sich friedlich über die Weiterverwendung und Verteilung meines kleinen Vermögens zu einigen. Und habe dabei ein gutes Gefühl, weil ich genau das meiner Frau und meinen Kindern zu traue.

So ist auch die Frage meines Eigentums gelöst. Jetzt wird es aber komplizierter. Beginnen wir mit der Seele.

Die Seele.

Da fängt meine – für mich ganz natürliche – Inkompetenz an. Ich weiß nicht, ob ich eine Seele habe! Und ob es überhaupt Seelen gibt! Noch schlimmer, selbst wenn ich wüsste, dass ich eine Seele habe, wüsste ich nicht was das ist! Genauso kann ich aber nicht ausschließen, dass es in einem höheren Kontext – den ich nach meiner Annahme aber nie verstehen werde – so etwas wie eine Seele gibt. Glücklicherweise hat mein Freund Klaus-Jürgen Grün mir gelehrt hat, dass Angst nur im Kopf stattfindet. So habe ich keine Angst, dass meine Seele mal in der Hölle schmoren muss.

Das Thema „Seele“ ist für mich einfach unfassbar, also lege ich es zu den Akten. Aber was ist mit dem vierten Quadranten, in dem mein Erlebtes, meine Erfahrenung, mein Wissen und besonders die Wirkung steckt, die ich vielleicht entfaltet habe?

Das Erlebtes und Gewirkte.

Das ist sicher auch wieder überwiegend etwas immaterielles. In meinem langen Leben hatte ich viele Begegnungen mit Menschen. Menschen, die mir näher oder auch ferner waren. Menschen, mit denen ich mal eine kürzere Teilstrecke meines Lebens geteilt habe oder auch mit denen ich einen lange Strecke im Lebensweg gemeinsam gegangen bin. Mal intensiver, mal weniger. Es gibt eine Reihe von Menschen, mit denen mich eine starke Gemeinsamkeit verbindet.

Insgesamt kann ich nur hoffen, dass ich mehr konstruktiv als destruktiv gewirkt habe und so ein positiver Saldo herauskommt. Das wäre schön und würde mir genügen.

Hier gibt es aber auch etwas Quasi-Materielles. Das ist das, was ich geschrieben habe. Und beim Schreiben war ich wie auch in anderen Dimensionen meines Lebens eher der „expansive“ Typ. Viele Gefühle und Gedanken habe ich zum Beispiel hier im IF-Blog Preis gegeben.

Und das ist eigentlich die letzte spannende Frage in diesem Artikel:

Was soll ich mit IF-Blog machen?

Wenn ich tot bin, kann ich ja nichts mehr machen. Aber ich könnte meine Nachfolgern eine Empfehlung geben. IF-Blog abschalten? Oder weiter Laufen lassen?

🙂

RMD