PM-Camp-Zuerich-LogoIch freue mich so richtig auf die nächste Woche. Da ist in Zürich von Freitag bis Samstag (5. und 6. Juni) unser zweites PM-Camp. Für mich ist die Schweiz ein besonders innovatives Land, durch meine Teilnahme an vielen Workshops bei RISE durfte ich ganz viele tolle Schweizer Unternehmen und Unternehmer kennen lernen.

So freue ich mich auf viele bekannte Gesichter, auf das Wiedersehen mit meinem Freund Ton (Anton Maric, wichtiger Mitstreiter im Orga-Team und Initiator des #PMCampZUR), viele tolle Sessions und nicht zuletzt die beiden Impulsvorträge. Diese möchte ich hier ganz besonders zitieren:

Nadja Schnetzler, Besitzerin von word and deed wird mit dem Vortrag ‘Umarme das Chaos’ das PM-Camp eröffnen:

In einem Umfeld, das von Dynamik und laufenden Veränderung geprägt ist, taugen althergebrachte Projektmanagement-Techniken wenig. Was heute gefragt ist, sind Menschen und Instrumente, die das Chaos nicht nur akzeptieren, sondern es als unabdingbaren Teil der Projektarbeit sehen. Nadja Schnetzler hat 25 Jahre Erfahrung im Projektmanagement und berät heute Firmen, Organisationen, Teams und Einzelpersonen zu neuen Kollaborations- und Kommunikationstechniken. Ihr Keynote «Umarme das Chaos» zeigt auf, wie man sich mit der stetigen Veränderung versöhnt und zeigt Schlüsselideen aus Innovationsmanagement, Kollaboration und Kommunikation auf, die jeder Projektmanager kennen sollte. 

Bruno Gantenbein, Besitzer von Unschooling.ch, wird am Samstag zum Thema “Auch Lernen ist in Evolution” vortragen:

Der Bestseller-Autor Daniel H. Pink schreibt in seinem provokanten Buch ‚Drive: Was wirklich motiviert über intrinsische Motivation und gibt darin einen interessanten Tipp:„Lassen Sie sich von den Unschoolern eine Lehrstunde geben!“ Der Schweizer Unschooling-Pionier Bruno Gantenbein gibt uns einen Einblick in die Praxis dieser neuen ART von Lernen und schlägt dabei eine philosophische Brücke zum Projektmanagement.

Der gesamte Ablauf ist auf der Programmseite zu finden.

Wer mich kennt, weiß dass ich auf diese Themen gerade im Kontext von Management, Führung und Unternehmertum sofort anspringe. Und mal davon ausgehe, dass sich dazu ganz besondere Sessions entwickeln werden. Deshalb möchte ich möglichst viele von Euch ermuntern, mit mir nach Zürich zu kommen!

Und schon mal vorab einen lieben Gruß nach Zürich und einen großen Dank ans Orgateam des #PMCampZUR 2015!

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 26. Mai 2015

Das Rad in der Fahne.

Flag_of_India.svgHeute nehme ich Abschied von Indien, am Dienstag um 00:40 soll es vom neuen Airport in Mumbai zurück nach München gehen. Eine intensive Woche geht zu Ende.

Meine Eindrücke sind gemischt. Ich habe mich mit der Kultur und der Geschichte des Landes beschäftigt. Zur Fahne Indiens gibt es einen spannenden Artikel in Wikipedia, den ich allen Interessierten sehr zu lesen empfehle.

Das Rad in der frühen Fahne Indiens ist ein Spinnrad. Ergänzend habe ich dazu folgende Geschichte gehört, die so nicht in Wikipedia steht:
Ghandi soll seine Landleute missioniert haben, die Techniken des Spinnen und Weben zu erlernen, damit sie die begehrten Baumwollstoffe aus England selber herstellen können und nicht vom Import aus England abhängig sind. Deshalb haben die Inder ein Spinnrad als Symbol in ihre Fahne integriert.

🙂 So könnte man den großen Ghandi ja als Urahn von Sina Trinkwalder sehen, die quasi in seiner Nachfolge die Fähigkeit Jeans und Kleider herzustellen wieder zurück in die ehemalige Textilstadt Augsburg bringt. Und damit auch gegen die Ausbeutung von Menschen antreten will.

Die in Indien auf jeden Fall stattfindet, und die wesentlich von europäischen und deutschen Unternehmen praktiziert wird. Nicht wenige der großen Marken verbessern mit ihren überdurchschnittlichen Erträgen aus Indien ihre nicht überall so guten Zahlen.

Die guten Zahlen in Indien sind aber das Ergebnis von an die Kolonialzeit erinnernde Strukturen, einer Denke, die Menschen immer noch nur als Arbeitsressourcen betrachtet, einer vernichtenden Externitätenbilanz (damit meine ich nicht nur die billigend in Kauf genommenen Umweltschäden) und ein Ignorieren von (allen) störenden Regeln.

Auch in Indien gibt es massive Bewegungen, die all diesem entgegenwirken und durchaus auch Erfolg haben. Ich habe so eine extreme Vielschichtigkeit der Gesellschaft wahrgenommen; meine wenigen Tage in Bombay haben mich tief ergriffen.

Und je mehr ich das Erlebte verarbeite, so mehr komme ich zum Schluß, dass es eben kein einfaches „richtig“ oder „falsch“ gibt. Ich kann und darf nicht bewerten, was „gut“ oder „schlecht“ ist. Wir sind alle Teil einer Evolution, die wir eben nicht mit moralischem Besserwissen verurteilen dürfen, zu dem wir alle (und auch besonders gern ich) neigen. Auch die besten kausalen und rationalen Erklärungen und klugen Konstrukte helfen letzten Endes nichts. Auf dieser Welt passieren Dinge, die sich meiner Vernunft nicht erschließen.

Das einzige, was mir bleibt, ist in meinem Mikrokosmos konstruktiv für mich und andere zu wirken. Das ist schwer genug und heißt zuerst mal, Entscheidungen und Handlungen zu unterlassen, die offensichtlich destruktive Folgen haben. Und dabei habe ich auch die Pflicht, an mich selber zu denken. Denn ich kann nur konstruktiv wirken, wenn ich dies auch für mich selber schaffe.

RMD

P.S.
Ich freue mich schon so richtig auf ein paar Highlights, die Ende Mai und Anfang Juni vor mir liegen. Eines davon ist das PM-Camp in Zürich #PMCampZUR am 5. und 6. Juni. Das wird ganz großartig werden und soll auch das Thema meines nächsten Artikel dann wieder aus München sein.

Roland Dürre
Sonntag, der 24. Mai 2015

Die MonoRail von Mumbai.

11348857_10206989802848252_348583267_oIn der Straße vor der Anlage Dodha, dem Hochhaus, in dem ich zurzeit wohne, wird viel Beton für den Bau einer MonoRail-Trasse verbaut. Über der engen Straße zwischen den vielen sehr unterschiedlichen Häusern windet sich ein zweifacher Betonstrang dahin, der der Einschienenbahn Mumbais den Weg über und durch die Stadt bereiten soll.

Wie sonst nur der „Fly over“, die wohl wichtigste Hochstraße von Mumbai, die dann zum Teil auch aufs Meer ausweicht und so die Stadtviertel und ihre Hochhäuser verbindet. Den Hochhäusern, die wie ich schon geschrieben habe man unter anderem in die drei Klassen „schon fertig“, „noch in Bau“, „nicht fertig und nicht mehr in Bau“ einteilen kann. Für die man aber auch spannende andere Kategorien erfinden könnte.

Irgendwo in Mumbai fährt die MonoRail schon, als Verbindung zu einer noch nicht fertigen Zukunftsstadt. Dort ist sie zum Touristenspaß geworden. Eine echte Attraktion wie die Magnetschienenbahn in Shanghai zum Flughafen ist sie aber nicht.

20150523_111953_resized_2Die MonoRail scheint mir als ein Prestige-Objekt von Mumbai. Verkehrsmäßig wird sie nicht viel bringen. Aber so eine MonoRail ist schon etwas außergewöhnliches und soll den Ruhm Mumbais als moderne Stadt mehren. Außerdem wird das Projekt bewirken, dass ein paar Reiche noch reicher werden. Ein paar – das heißt in Indien immer ein paar mehr. Und wenn so ein Großprojekt privaten Reichtum mehrt, dann ist das schon eine Rechtfertigung.

Vor kurzem kam eine neue Regierung an die Macht. Sie ist eher rechts-populistisch. Anstatt offensichtliche Probleme anzugehen, hat sie zuerst mal den Verzehr von Rindfleisch verboten und mit maximaler Bestrafung belegt. Und vor der Wahl versprochen, die vielen alten Metro-Züge mit den offenen Türen und Fenstern zu klimatisieren. Weil AC (air condition) immer gut ankommt. Ein wohl völlig aussichtsloses Vorhaben.

In einem anderen Bundesstaat soll eine Identitätskarte für jede Kuh eingeführt werden. Um für sie ein glückliches Leben sicher zu stellen. Obwohl Indien einer der größten wenn nicht gar der größte Rindfleisch-Exporteur der Welt ist. Es scheint aber zu sein, dass solche Maßnahmen sich gegen die Moslems richten, die angeblich in der indischen Rindfleisch-Industrie das Sagen haben.

20150523_072952_resizedFrauen scheinen mir in Indien immer noch eigenartig behandelt zu werden. Nicht immer so ganz auf Augenhöhe, mit einem leichten Hintergrundtenor als Menschen zweiter Klasse. Sexualität wird aus dem öffentlichen Leben eher ausgeblendet, es scheint irgendwie eine sehr prüde Gesellschaft zu sein.

Und dies führt offensichtlich zu Spannungen zumindest bei dem männlichen Teil der Gesellschaft. Damit die nicht zu schlimm eskalieren, gibt es in der oft überfüllten Metro eigene Abteile, die ausschließlich Frauen vorbehalten sind. So wie es Abteile gibt, die nur von „disabled persons“ und Krebskranken genutzt werden dürfen, gut zu erkennen am Symbol für „cancer“, einem großen Krebs und am Zeichen für Behinderte, wie wir es auch kennen.

20150523_072839_resizedWir allerdings als West-Menschen fahren meistens mit dem Auto (einem weißen Toyota mit sechs Sitzen) und verbringen so (zu-)viel Zeit auf den Straßen Mumbais. Geht irgendwie nicht anders. Die Fahrten dauern auch bei kurzen Strecken ganz schön lange, weil immer Stau ist. Die allgegenwärtige AC macht es erträglich.

Unser Fahrer fährt für eine Firma, die eine Teilfirma von einer Teilfirma einer ganz großen Firma ist. Die fahren auch für westliche Firmen. Früher hatten diese Unternehmen eigene Autos und angestellte Fahrer. Das war aber zu teuer – obwohl es objektiv spottbillig war. Und dann wurde halt gespart und „outgesourct.“.

Jetzt wird die Kombination Fahrer/Fahrzeug als Full-Service von riesigen Unternehmen mit vielen verschiedene Lieferanten geliefert. Die einen liefern die Autos, die anderen die Fahrer und wieder andere den Service. Die Fahrer bekommen so weniger Geld, die Kunden sind unzufriedener, aber die Unternehmen verdienen sich eine goldene Nase. Wie überhaupt jeder Service, immer von riesigen Dienstleistungsunternehmen erbracht zu werden scheint.

20150523_072924_resizedDie ausländischen Unternehmen bauen in Indien vorzugsweise Produkte, die wahrscheinlich bald keiner mehr brauchen wird wie z.B. Turbinen für Dampfkraft. Die sind dann für Kohlekraftwerke bestimmt. Auch eher nicht die Highend-Produkte. Wer will schon z.B. eine Dampf-Turbine aus Indien für sein Atomkraftwerk haben?

Schon im Mai hat es hier über 40 Grad auch in den Bürogebäuden, wo die Ingenieure arbeiten und das Qualitäts-Management und ähnliches stattfindet. Dort gibt es Propeller an der Decke aber keine Klimaanlagen. Denn Strom ist teuer in Indien. Kein Wunder, dass die Auftraggeber nicht immer zufrieden sind, wie die Projekte abgewickelt werden.

Der Vertreter des Staates sind freundlich und hilfsbereit, wie die meisten Menschen, die ich getroffen habe. Die Korruption soll aber unglaubliche Ausmaße haben, ohne kleine oder größere Zuwendungen geht angeblich nichts.

Der Reichtum einzelner Familien ist unglaublich. Die richtig Reichen können sich alles leisten, die hohe Importsteuer auf Luxusartikel spielt überhaupt keine Rolle. Da steht dann in der Tiefgarage die Sammlung von neuesten Fahrzeugen uns gut bekannten Marken neben ein paar auch wie neu aussehender Oldtimern. Die Reichen wohnen in „fenced communities“. Dort in den Tiefgaragen sieht man ganze Trupps von Menschen, die ihre Nobelkarossen nach jeder Ausfahrt polieren. Ich habe selten so viel auf Hochglanz poliertes Autoblech und blitzendes Chrom gesehen wie in den paar Tagen in Indien.

Die Armen werden immer mehr. Sie leben auf Straßen, die in meiner Wahrnehmung noch schmutziger geworden sind. Dort hausen Menschen in kaum beschreibbaren Umständen. Wenn in zwei Wochen der Monsum kommt, wird ihr zu Hause immer wieder unter Wasser stehen.

In den in der Regel selbst verwalteten Slums lebt es sich deutlich besser. Aber es ist gar nicht so einfach, da Einlass zu bekommen. Besonders wenn man gar nichts hat.

An den Kreuzungen der lauten Straßen wird gebettelt. Frauen und Kinder sind dabei wie Alte und Krüppel. Manche Frauen tragen beim Betteln am Körper im Wickeltuch einen Säugling oder ein Kleinkind. Die dösen seltsamerweise immer vor sich hin. Ich habe so ein Kind nie schreien gehört oder weinen gesehen. Mir wurde berichtet, dass die Babies zum Betteln durch Medikamente ruhig gestellt werden.

Ganz Mumbai hat einen unangenehmen Geruch, man könnte sagen, es stinkt. Das merkt man nicht nur, wenn man den Flieger verlässt. Die Vermüllung und Verschmutzung scheint jedes Jahr zuzunehmen. Und es ist laut in Mumbai.

Der Geruch der Stadt bleibt im 29. Stockwerkes des Hochhauses ein wenig draußen, der hohe Geräuschpegel der Stadt trotz einer Art „Schallschutzfenster“ aber nicht. Auf den Autos steht die Aufforderung „Horn me“ – und so hört es sich an.

Aus dem allgemeinen Lärm am Tag wie in der Nacht stechen dann zwischen durch die schrillen Trompeten der Eisenbahnen und das laute Gebrumme von Hubschraubern heraus. Die fahren und fliegen am Tag wie in Nacht. Der Lärm der Züge kommt von unten, der der Hubschrauber von allen Seiten, wenn sie über die Hochhäuser oder zwischen durch fliegen. Und von oben kommt dann der Fluglärm dazu. Das alles reißt mich im heißen Mumbai immer wieder nachts aus dem Schlaf.

Manche Entwicklungen kommen mir von Zuhause bekannt vor. Nicht so krass wie hier. Aber da gibt es mittlerweile auch Ausschreibungen im öffentlichen Nahverkehr, die die Bereitstellung der Fahrzeuge und des Personals trennen. Gerade als Radler fällt einem auf, dass der Plastikmüll entlang unseren Straßen laufend mehr wird. So wie auch immer mehr sinnlose Prestigeprojekte erkenne und einen Hang zum Gigantismus unserer Administration. Sinnlose Gesetze und unfähige Politiker kenne ich von Deutschland auch. Und das Auseinanderdriften der Gesellschaft ist uns ja auch nicht unbekannt.

Wir scheinen von Indien zu „lernen“. Diese Art von mir nicht so gefälligen „Fortschritt“ und „Wachstum“ findet aber nach meinem Erleben überall auf der Welt statt, in Indien wie in Kuba, ich China wie in USA, in Italien wie in Portugal … Und eben auch in Deutschland.

Glücklicherweise ist bei uns noch nicht die Dimension erreicht worden, wie ich sie in Mumbai erlebe. Der Trend scheint aber ähnlich zu sein. Die Frage ist, schaffen wir bei uns den Turnaround? In Indien wüsste ich nicht mehr, wie das noch gehen sollte.

Bei meinem letzten Besuch vor einem Ende 2013 habe ich für einen EURO noch gut 80 Rupie bekommen. Aktuell sind es noch 70. Ich stelle mir die Frage, wie viel Rupie ich dann Ende 2016 für einen EURO bekommen werde? Vielleicht dann nur noch 60? Das Leben in Indien ist seit meinem letzten Besuch aber nicht billiger geworden.

Das macht mich nachdenklich. Vielleicht ist die indische Gesellschaft doch das Muster, dem die Zukunft – auch bei uns – gehört?

Und trotzdem!

Unsere Tage in Mumbai waren bisher sehr schön. Sicher hatten wir ein privilegiertes Leben. Über die beschriebenen Zustände habe ich mich geärgert. Weil Lärm, Gestank, im Stau im Auto sitzen und ähnliches sogar nicht die Welt ist, in der ich mich wohlfühle.

Es war aber eine gute Zeit mit sehr glücklichen Tagen. Es war schön gemeinsam mit Barbara, meinem Sohn und seiner Familie soviel teilen und erleben zu dürfen. Und ich durfte bei vielen einfachen und sicher armen Menschen auf den Straßen viele „Shiny Eyes“ sehen.  Auch das macht mich glücklich.

Wahrscheinlich ist es das Schlimme wie das Schöne am Mensch-Sein, dass wir so viel aushalten und ertragen können. Und absurder Weise können wir eher glücklich sein, wenn wir weniger haben. Oder ein wenig leiden müssen. Wenn es uns zu gut geht, dann verschwinden die „shiny eyes“. In den teueren Lokalen, Bars und am Swimming Pool sieht man sie oft nur noch bei den Kindern.

So sind die glücklichen Augen in Mumbai häufiger zu sehen als auf den Straßen Münchens. Eigentlich unfassbar. Aber das Gefühl hatte ich ja schon vor gut zwei Monaten auf meiner Radtour durch den Westen Kubas.

RMD

P.S.
Den Begriff der „Shiny Eyes“ habe ich von Nadja gelernt. Nadja möchte mit ihrer Arbeit dazu beitragen, dass es bei uns wieder „More Shiny Eyes“ gibt. Wie ich finde ein wunderschönes Vorhaben.

Roland Dürre
Samstag, der 23. Mai 2015

Mumbai und seine Hochhäuser.

11352466_10206989829248912_592815073_o11352466_10206989829248912_592815073_oDie Woche in Mumbai wohnen wir bei meinem Sohn in der Anlage Dodha in Mumbai. Es ist eine auf den ersten Blick sehr gepflegte Anlage mit einem schönen Club und Swimmingpool. Sie besteht aus zwei Türmen mit 49 Wohnebenen. Mein Sohn lebt im 29. Stock in hellen Räumen, die deutlich über drei Meter hoch sind. Es ist eine sehr schöne Wohnung mit einem wunderbaren Ausblick aufs Meer. Allerdings wurde genau zwischen Meer und Dodha ein neuer Wolkenkratzer hochgezogen, der vielen Wohnungen der Dodha den Blick auf Meer genommen hat. An diesem können wir gerade noch so knapp vorbeischauen.

Ich habe hier Ende 2013 schon mal gewohnt. In der ersten Nacht in 2015 war ich überrascht, weil Ich es noch lauter in Erinnerung hatte. Was war los? Die Antwort war einfach. Unweit des von uns bewohnten Gebäudes ragen weitere Hochhäuser als Rohbauten in die Luft, unter anderem das beschriebene. Beim letzten Besuch wurde auf diesen Baustellen gearbeitet, und zwar Tag und Nacht – mit einem fast unerträglichen Lärmpegel.

20150522_051554_resizedSeit einem Jahr sind die Bauarbeiten eingestellt. Und werden wohl nie mehr aufgenommen. Denn der Bauunternehmer hat dicht gemacht. Die Hochhäuser gegenüber sind häßliche Bauruinen geworden. Aber es sind nicht die einzigen stillgelegten Baustellen von Wolkenkratzern in Mumbai. An mehreren Stellen in der Stadt sieht man Riesenrohbauten ohne jede Bauaktivität, die oft schon Ruinencharakter haben.

Die Erklärung dafür ist einleuchtend.

Entweder sind die Bauherren „bankrupt“. Denn das System in Indien reich zu werden ist einfach. Man startet zum Beispiel ein Immobilien-Projekt und verkauft die Wohnungen im voraus. Geld gibt es genug in Indien. Dann wird das Gebäude gebaut. Natürlich steigen während dem Bau die Kosten. Aber nicht nur wie in Deutschland um 70 % bei Großprojekten. Auch hier sind die Inder „besser“.

Was macht man, wenn man mit den Kosten nicht hinkommt? Man startet neue Projekte, die konzipiert und verkauft werden. Mit den Einnahmen aus diesen Prospekten wird das erste Gebäude fertiggestellt. Und als Referenz für noch mehr Projekte genutzt, mit denen man die alten finanziert. Nur ist das halt ein Schneeball-Prinzip. Und das ist immer endlich und schon stehen ein paar Betonskelette mehr da. Für mich wie drohende Mahnmale eines entarteten Wirtschaftssystems.

20150522_095506_resizedEs gibt auch stillgelegte Hochhaus-Baustellen, auf denen aus einem anderen Grund Ruhe herrscht. Da hat der Bauherr die Behörden-Auflagen dramatisch ignoriert. Vielleicht in der Hoffnung, dass man zuerst mal vollendete Tatsachen schafft, die man dann mit einem Bakschisch heilen kann. Nur klappt das nicht immer, vielleicht sogar weil der Konkurrent mehr Geld geboten hat. Jetzt verlangt die Behörde den Rückbau.

Nur wie will man einen Wolkenkratzer, der zum Beispiel eine doppelt so große Grundfläche hat wie genehmigt, rückbauen? Also lässt man das Betonskelett mit vielen Stockwerken halt mal stehen. Den Weiterbau braucht man in beiden Fällen ja nicht, denn das Geschäft ist ja schon gemacht. Das Geld ist verteilt und in verschiedenen privaten Kassen gelandet.

20150522_051605_resizedUnd es geht um viel Geld. Überschlagsweise rechne ich mal die Türme, in denen ich bei meinem Sohn wohne: Ich zähle 6 Wohnungen auf einer Ebene, das sind bei 50 Ebenen 300 Wohnungen. Je nach Lage im Turm kosteten die Wohnungen (bevor das unvollendete Hochhaus davor gebaut wurde) zwischen einer (unten) und zwei Millionen USD (oben). Rechnen wir mal 1,5 Millionen im Schnitt pro Wohnung, dann kommen wir auf ein Projektvolumen in Höhe von 450 Millionen USD. Da ist dann genug Geld drin, damit alle reich werden können, die Finanziers, die Verkäufer, die Projekteure, die Rechtsanwälte …

Den Schaden haben die Käufer der Wohnungen. Die sind aber in der Regel so reich, dass es nicht so stört. Außerdem wissen die schon, wie und wo sie sich das Geld wiederholen. Am Schluß ist es halt die Allgemeinheit. Wie üblich – die Gewinne sind schon privatisiert, die Verluste werden sozialisiert – irgendwann mal in der Zukunft.

So sieht man sie immer öfters in der Stadt, diese Bauruinen von Mumbai. Aber so richtig zu stören scheint das niemanden. Bestimmt nicht die armen ganz unten in den Straßenschluchten. Warum sich gegen Dinge auflehnen, die man eh nicht ändern kann?

Man sieht in Mumbai aber auch immer wieder neue Wohntürme, an denen fleißig gearbeitet wird. Darunter sind auch die Gebäude, die dann in ein paar Jahren die höchsten reinen Wohngebäude der Welt sein sollen …

Wohlgemerkt, ich will hier nicht Indien oder Mumbai kritisieren – ich muss bei meinen Beobachtungen immer an uns zu Hause denken!

RMD

P.S.
Das Gebäude, in dem ich zurzeit lebe, ist vielleicht 15 Jahre alt. Manches erscheint hier aber auch schon so, dass man es eigentlich schleunigst renovieren sollte. Zumindest wenn man so mitteleuropäisch sozialisiert wurde wie ich.

Roland Dürre
Freitag, der 22. Mai 2015

Abschaffung der Grenzkontrollen

Für unsere Reise nach Mombai haben wir diesmal das Visa im Internet beantragt. Es war das erste Mal. War deutlicher billiger und müheloser – ohne Weg zur Visa-Agentur. So mussten wir bei der Einreise vorgestern am Flughafen in Mumbai zu den Schaltern für „visa at arrival“.

Geschafft - die Einschiffung nach Patras ist geschafft ;-)


Geschafft – die Einschiffung in Patras ist geschafft 😉

Ich war beeindruckt, wie effizient man in ein Land wie Indien einreisen kann. Das berichte ich, weil wir ja in Europa die Grenzkontrollen abgeschafft haben. Zumindest offiziell, man reise z.B. mit der Fähre von Griechenland nach Italien. Oder wenn sich in Elmau die G8 trifft, dann wird es auch von Österreich nach Deutschland eng.

Und man merkt schnell, dass es auch in Europa durchaus noch Grenzkontrollen gibt, die dann in der Tat sehr unkomfortabel sind.

Jetzt höre ich als Begründung für die Vorratsdatenspeicherung, dass man diese brauche um Terroristen und die organisierte Kriminalität zu bekämpfen. Und als weitere – indirekte Begründung – dass dies spätestens seit Abschaffung der Grenzkontrollen in Europa notwendig wäre.

Und dann denke ich mir, dass wir die Grenzkontrollen vielleicht ein wenig voreilig abgeschafft haben. Grenzkontrollen sind für mich das kleinere Übel gegenüber der totalen Überwachung des Bürgers. Sie wären auch mit moderner Technologie ganz einfach zu realisieren – so einfach wie der Zugang zum Lift beim Schifahren.

Nebenbei gesagt machen mir zurzeit Korruption und Wirtschaftskriminalität, eine kriminelle Finanzpolitik der Notenbanken, eine Politik ohne jede soziale Verantwortung für Gegenwart und Zukunft und ähnliches wesentlich mehr Sorgen als die bestimmt sehr zu verurteilende „organisierte Kriminalität“ und der so frustierend sinnlose Terrorismus.

Denn wohin dies führt, kann man in Mumbai gut beobachten. Ich werde berichten.

RMD

P.S.
Nach einer aufgrund von Grenz-/Zoll-Kontrollen sehr aufwändigen und anstrengenden Einschiffung in Patras habe ich das abgebildete Bild vor der Abreise nach Venedig gemacht.

„Die Verpackungen werden immer schöner und der Inhalt immer schwächer“

Airbus_A380-841 -LufthansaGestern bin ich von München mit LH nach Mumbai geflogen. Trotz des Absturzes des German Wing Flugzeugs von Barcelona hielt sich das mulmige Gefühl in Grenzen. Es war ein ruhiger Direktflug – vielleicht mit einer ein wenig mehr heftigen Landung als durchschnittlich, ansonsten war alles wie immer.

Aber: Ein Rätsel hat sich für mich aufgeklärt.

Ich bin kein Vielflieger und lege auf das Bord-Entertainment keinen großen Wert. Im Regelfall läuft bei mir am Bildschirm deshalb die „Flight Info“, während ich von mir hindöse. Das ist eine Seite, auf der immer die Position des Fliegers und Daten wie Flughöhe, Außentemperatur, Geschwindigkeit zum Boden und manches mehr angezeigt wird (wurde).

Und deshalb habe ich nicht verstanden, warum es unter den Passagieren des Unglücksfliegers von Barcelona keine Panik oder Aufstand an Bord gegeben hat. Denn wenn ich mir vorstelle, ich sehe auf der Flightinfo an meinem Sitz eine Flughöhe von 1.000 Meter – und das kurz vor dem Anflug auf die Pyrenäen, dann kann ich mir schon vorstellen, dass bei mir der Angstschweiß in Strömen fliesst.

Seit gestern weiß ich, dass mit dem neuen Entertainment System der LH so etwas gar nicht mehr passieren kann. Und dass der Unglücksfliegers wahrscheinlich schon das neue System an Bord hatte. So wie gestern mein Flieger von München nach Bombay/Mumbai.

Das neue System gibt dem Benutzer nur noch ganz wenig Informationen. Man hat ein Menü mit vier Punkten zu Auswahl: Die Anzeige der Anschlussflüge, zwei Kameras, die man verfolgen kann und etwas, das sich Art SmartFly oder ähnlich nennt.

Die Maske der Anschlussflüge enthielt einen Vermerk, dass dort zum Flugende hin Informationen über Anschlüsse gemeldet werden würden. Bei den Kameras zeigte eine wohl nach unten und eine nach vorne. Beide lieferten gestern keine besondere Info – nach unten sah man Wolken und nach vorne die Dunkelheit. Der vierte (smarte) Punkt zeigte virtuelle Bilder – schön gemacht, immer mit einem Lufthansa-Flieger in der Mitte – vom nüberflogenden Gebiet mit eingestreuten Ortsnamen. Als Information gab es aber nur drei Angaben:

Die Entfernung zum Zielflughafen, die verbleibende Flugzeit und schließlich noch die Uhrzeit. Keine Flug-Geschwindigkeit und keine -Höhe mehr…

Ich berichte dass nur, weil mir diese Entwicklung so stark symbolhaft für die Entwicklung unserer Gesellschaft scheint. Die Transparenz nimmt ab, Informationen werden von uns ferngehalten, alles wird in Watte verpackt geliefert … Und dann wird uns erklärt, dass dies alles nur zu unserem Besten wäre.

Mir gefällt das nicht. Ich möchte wissen, was los ist und nicht immer für dumm verkauft werden, auch dann, wenn es unangenehm ist. So wie ich auch nicht permanent überwacht werden will.

RMD

P.S.
Das Bild ist aus Wikpedia – wir sind allerdings in einem kleineren Airbus geflogen.

Roland Dürre
Montag, der 18. Mai 2015

Wenn man seine Infrastruktur nicht pflegt oder …

Amtrak-Zug auf der Cardinal route fährt ein in die Culpeper Station

Amtrak-Zug auf der Cardinal Route fährt ein in die Culpeper Station.

Warum die Amtrak-Züge so marode sind …

Dieses Wochenende stand in der SZ  ein Artikel, der den schlechten Zustand der amerikanischen Staatsbahn Amtrak beschrieben hat.

Anlass war ein weiterer Bericht über ein Zugunglück, bei dem ein Regionalzug zwischen Washington und New York entgleiste. Bei diesem Unglück starben mindestens sieben Menschen, 200 wurden verletzt, zum Teil schwer.

Der Zug war doppelt so schnell unterwegs wie erlaubt. Und der Unfall hätte vermieden werden können, wenn denn …

Die beiden Artikel möchte ich zur Lektüre empfehlen. Trotz steigender Passagierzahlen wird die Infrastruktur der Eisenbahnen in USA vernachlässigt. Für notwendige Sicherheitsvorrichtungen gibt es kein Geld.

Besonders die Republikaner lässt das kalt. Die können eh nicht verstehen, wozu man eine Eisenbahn braucht: Das wäre doch eine reine Verschwendung in einer Zeit, in der es doch Autos gäbe.

So ist es in „God’s own Country“.

😉 Ach wie gut, dass bei uns alles besser ist.

RMD

P.S.

Das Bild ist aus Wikipedia, der Urheber ist jpmueller99 from Shenandoah Valley of VA, USA.

This image, which was originally posted to Flickr.com, was uploaded to Commons using Flickr upload bot on 22:16, 26 October 2008 (UTC) by TheCatalyst31 . On that date it was licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Roland Dürre
Sonntag, der 17. Mai 2015

Bericht von #AktMobCmp

actmobcmp_100-300x86Im Januar genau vor Dreikönig (Unterhaching, am 4. und 5. 01. 2016 im „Kubiz“) wird es stattfinden, das erste BarCamp für
Aktive Mobilität im Alltag„.

Website, FB-Seite und Google+Community zu #AktMobCmp sind in Betrieb, in Twitter haben wir die Kennungen @AktMob und @AktMobCmp reserviert und nutzen die entsprechenden Tags. Am 1. Juli soll es ernst werden, da wollen wir die Seite zur Anmeldung aktivieren.

Um ein ganz tolles BarCamp hinzukriegen suchen wir jetzt Sponsoren. Hier mein Artikel in ActMobCmp dazu. Da ich meine, dass da unsere Ziele und Beweggründe gut wiedergegeben werden, würde ich mich sehr freuen, wenn Ihr da einen Blick hineinwerfen würdet.

Eine weitere Bitte habe ich auch noch. Bitte besucht unsere Website, unsere FB-Seite und auch unsere Google+Community. Und schenkt uns ganz viele „I likes“. Und wenn Ihr tolle Artikel zum Thema „Aktive Mobilität im Alltag“ findet, dann teilt diese bitte mit uns. Oder sendet den Link vom Artikel einfach an mich.

Und wenn Ihr gar noch einen Tipp habt, wer für uns als Sponsor in Frage käme, dann wäre das besonders schön. Einfach auch an mich senden!

Schon mal ganz vielen und lieben Dank!

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 16. Mai 2015

Torturmtheater Sommerhausen & InterFace Teil 3

probenfoto_IIDas dritte mal hat das Torturmtheater ein neues Stück in den Räumen der InterFace AG in Unterhaching geprobt.

Nach “Fast Perfekt” von Nicole Moeller und „Sag nix! – den Liebesdialogen von Fitzgerald Kusz – war es diesmal der „Norman“ von Mike Stott. „Norman“ ist ein 1-Rollen Stück, das von Gerda Poschmann-Reichenau ins Deutsche übersetzt wurde.

Der Norman wird gespielt von Christian Buse, Regie hat Eos Schopohl geführt. Die beiden haben dann doch einige Wochen in unserem KreatIF hart gearbeitet.

Ich hatte das Glück, ein paar Minuten bei den Proben dabei zu sein und war tief beeindruckt. Und werde mir das Stück auf jeden Fall auch wieder anschauen.

probenfoto_VDie Premiere im Torturmtheater in Sommerhausen wird am Mittwoch, den 3. Junl 2015 um 20 Uhr sein. Und dann wird es wieder um die zwei Monate gespielt.

Angelika Relin ist die Chefin und kreative Muse des kleinsten aber vielleicht feinsten Theaters Deutschlands und schafft es immer wieder, großes Theater auf die Bühne unter dem Dach des Turms zu bringen.

Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten.

Aber: Angelika hat im Probenraum Szenenfotos gemacht und mir ein paar davon gesendet. Ich finde diese großartig und darf sie hier veröffentlichen.

probenfoto_VIDer Ausflug nach Sommerhausen lohnt sich übrigens. Es ist zwar auch nur ein ganz kleines aber sehr hübsches Dorf. Es gibt ein paar schöne Hotels und man kann dort ausgezeichnet essen.

Die Anreise betreffend:

Da nimmt man am besten den Regional-Express nach Winterhausen (von Ansbach oder Würzburg). Vom Bahnhof Winterhausen kann man dann gemütlich über die Mainbrücke nach Sommerhausen zum Theater spazieren. Es ist gerade ein Kilometer.

Um zu vermeiden, dass Ihr jetzt beim Foto links recht lange herumrätselt – ja Christian Buse steht hier Kopf.

RMD

Roland Dürre

Nullzins bis 2025

EuroHabe gerade wieder einmal gelesen:

„So mancher Analyst geht davon aus, dass uns der Nullzins dank der Finanzpolitik unserer Währungsbanken bis mindestens 2025 erhalten bleibt.“

Und so geradezu paradiesische Zeiten für Anleger vor uns liegen.

Meine Anmerkung:

  • Das Gerede vom  Nullzins ist eine Lüge:
    Denn gibt es diesen doch nur für ganz wenig Menschen, die reich genug sind und so ihr Vermögen durch relativ sichere Spekulationsschritte weiter vergrößern. Und
  • Es galt schon immer:
    Schulden machen schafft Vermögen, Sparen vernichtet Vermögen. Und dummerweise sparen die Armen, während die reichen Schulden machen (können).

🙂 Soweit ganz spontan meine kleine Volkswirtschaft in zwei (Ab-)Sätzen!

RMD