Ein Artikel in der SZ – Landkreis München – vom 24. Juni 2015 von Stefan Galler zeigt mal wieder, wie es um unsere Schulen mittlerweile so bestellt ist. Und welche Geisteshaltung wir haben, wenn es um das uns anvertraute Leben kleiner Menschen geht.

Warum? Hier der Hintergrund!

Riemerling - wie es scheint eine harmonische Idylle - aber der Schein trügt - Vorsicht Schule!

Riemerling – wie es scheint eine harmonische Idylle – aber der Schein trügt – Vorsicht Schule!

In der Riemerlinger Lehranstalt, Grundschule genannt, jetzt mit Ganztagesschulanteil, wurde es schon im vergangenen Schuljahr eng. So wurde das Mittagessen in das Schulhaus in Hohenbrunn an der Siegertsbrunner Straße ausgegliedert.

Riemerling liegt direkt an Ottobrunn, ist aber Teil der Gemeinde Hohenbrunn, die knapp drei Kilometer von Riemerling entfernt liegt.

Die beiden Schulen gehören zusammen. Für den Transfer der Kinder von Riemerling nach Hohenbrunn zum Mittagessen (genannt Mittagsbetreuung) wird ein Bus eingesetzt. Der Bus braucht für die Strecke einfach 20 Minuten, weil er Umwege fährt. Die S-Bahn schafft es in drei und mit dem Fahrrad sind es bei gemütlicher Fahrt keine 15 Minuten.

Was ist das für ein Land, in dem man junge Menschen, die noch Kinder dürfen sein und vor allem spielen sollten, in Ganztagesschulen presst und sie dann zum Mittagessen – über dessen Qualität ich hier nur mutmaßen kann – jeweils 20  Minuten in Bussen hin und zurück befördert?

Haben wir ein Recht so verantwortungslos mit der Zeit unserer Kinder umzugehen?

Der Elternbeirat der Grundschule in Riemerling hat eine Online-Petition gestartet. Unter www.change.org ist dieses Online-Bürgerbegehren zu finden, die Forderung lautet: „Wir möchten eine kind- und familiengerechte Mittagsbetreuung auch wieder in Riemerling!“

Dem würde ich mich anschließen. Nur – wir waren in unserer Volksschule ab Mittag in Freiheit und frischer Luft und konnten uns so von den schulischen Misshandlungen des Vormittages erholen. Also würde ich den Eltern empfehlen – vermeidet Ganztagesschulen. Und wenn Ihr meint, dass dies sein müsse, dann überprüft mal Euer eigenes Leben. Wahrscheinlich läuft da einiges falsch!

RMD

P.S.
In der Riemlinger Grundschule waren sechs meiner sieben Kinder. Am Anfang war das noch eine halbwegs humane Schule mit einem menschlichen Rektor, der sich als „gütiger Schülervater“ verstand. Mit einer neuen Rektorin – einer Möchtegern-Managerin – wurde es schlimmer und schlimmer. Das Motto war jetzt „Außen hui, innen Pfui“. Am Schluss – für mich vor 9 Jahren – war die Schule eine einzige Katastrophe.

Roland Dürre
Donnerstag, der 25. Juni 2015

Die Schule unserer Kinder – Erfahrungen im reichen Bayern.

Hier sehen wir das Schulgebäude, in dem meine Tochter Maresa Abitur gemacht hat und die beiden letzten Jahre ihrer Schulzeit im G8 verbracht hat. Wie alle unsere Kinder ist sie aufs Gymnasium in Ottobrunn gegangen.

So hatten wir von 1990 bis 2015 immer Kinder im Gymnasium, in einem Jahr hatten wir sogar in jeder ungeraden Klasse des G9 in Ottobrunn ein Kind (in der 5., 7., 9., 11. und 13. Klasse). Insofern haben wir eine große Erfahrung als „Kunde“ von der Bildungseinrichtung „Gymnasium“ aber auch „Grundschule“ und ich meine, ich kann bei Schule durchaus mitreden.

Das Gymnasium Ottobrunn hatten wir ausgewählt, weil es nur knapp einen Kilometer von unserem Haus in Riemerling in der Waldparkstraße entfernt war. Dort sind wir 1990 rechtzeitig zu Schulbeginn eingezogen. Da wir den Kindern keinen langen Schulweg zumuten wollten, waren  Entfernung und der Schulweg das priore Kriterium bei der Schulwahl.

20150619_110458_resizedDie Fächer in Ottobrunn haben auch gepasst, denn lebende Sprachen und Mathematik wurden angeboten. Im Hof stand sogar ein Gedenkstein, der an die Wichtigkeit von „Love and Peace“ erinnerte. Das hat mir gefallen und hat gepasst, denn so alt war die Schule gar nicht.

Der Eingang zur Kontainer-Schule in Höhenkirchen-Siegertsbrunn.

Der Eingang zur Kontainer-Schule in Höhenkirchen-Siegertsbrunn.

Im Laufe der Jahre wurde die Schule zwar größer aber nicht besser. Sie entwickelte sich halt wie viele Gymnasium hin zur unpersönlichen Lernfabrik. Aber dazu ein anderes Mal.

Heute geht es um das Gebäude, das immer mehr kaputt ging. Und noch schlimmer: Es stellte sich heraus, dass es mit Asbest oder anderen Giftstoffen verseucht war. So musste das Schulgebäude in Ottobrunn abgerissen und ein Neues gebaut werden.

Da traf es sich gut, dass in Höhenkirchen-Siegertsbrunn schon eine Container-Schule vorhanden stand. Ursprünglich ist sie wohl als Provisorium für das dortige Gymnasium gebaut worden. Ich dachte, dass dies nicht mehr gebraucht wenn, wenn das Gymnasium in Höhenkirchen-Siegertsbrunn fertig wäre.

Falsch! Denn dem Schulgebäude des Gymnasiums Neubiberg (einer Nachbargemeinde von Ottobrunn) war schon ein paar Jahre vorher das selbe Schicksal wie dem Ottobrunner wider fahren. So wurden erst die Neubiberger Schüler ausgelagert und mussten eine ganz schöne Zeitlang nach Höhenkirchen-Siegertsbrunn fahren.

Wie dann der Neubau des Neubiberger Gymnasium fertig war, durften die Neubiberger zurück und die Ottobrunner Schüler waren dran. Jetzt mussten sie in das Provisorium umziehen und sich an jedem Schultag auf die Reise nach Höhenkirchen-Siegertsbrunn machen. Und dort in die Kontainer-Schule gehen.

Das Ottobrunner Gymnasium-Gebäude wurde größten Teils abgerissen, um am selben Platz ein Neues bauen zu können. Denn eine Sanierung war angeblich kostenmäßig nicht sinnvoll.

20150619_110503_resizedFür meine Tochter hat das bedeutet, dass ihr Schulweg sich von zirka einen auf gut acht Kilometer (oder einer Fahrt mit der S-Bahn) verlängerte.

Ist eigentlich ja auch schon frech, denn wir haben ja Ottobrunn vor allem wegen der räumlichen Nähe gewählt. Und dann wird – zumindest schulisch – Ottobrunn ganz fix knapp zehn Kilometer in den Süden verlegt.

Das ist aber nicht das Schlimme! Der Hammer ist, dass die Kinder aus Ottobrunn in dem Kontainer-Provisorium viel glücklicher waren als die in dem schicken Neubau in Höhenkirchen-Siegertsbrunn gegenüber den Kontainern. Und werden es wahrscheinlich auch in den neuen Gymnasium in Neubiberg und Ottobrunn sein.

Das Grund ist, dass man im Neubau die Fenster nicht öffnen kann oder nicht darf. Denn das ist natürlich nach neuester Wärmedämm-Vorschrift gebaut – und wahrscheinlich hat da mal wieder der billigste Anbieter den Zuschlag bekommen. Gutes Klima in „modernen“ Gebäuden ist aber teuer. Da bekommt man dann schnell mal nach zwei Stunden Aufenthalt Kopfschmerzen und Schlimmeres. Und das in unserem immer näher kommenden Zeitalter der Ganztags-Schule. Mich hätte das als Kind in den Wahnsinn getrieben …

Rechts stehen die Kontainer, links das neue Gymnasium.

Rechts stehen die Kontainer, links das neue Gymnasium.

Auch die Lehrer nehmen die Gebäude-Kultur im neuen Schulhaus als sehr unangenehm war. Und freuen sich über jede Stunde Unterricht, die sie in der Container-Schule halten dürfen. Ich wollte es mal testen und war auch mal im neuen Bau. Noch kommt man ja ohne Ausweis oder Badge in die Schulen in Deutschland rein. Obwohl das wahrscheinlich in den zukünftigen Ganztagesschulen auch bald vorbei sein – aus Sicherheitsgründen. Bei meiner Besichtigung oder besser „Beschnupperung“ vor Ort hatte ich kein gutes Gefühl.

In Ottobrunn wird auch jetzt fleißig gebaut. Mitte des nächsten Schuljahres sollen die nach Höhenkirchen-Siegertsbrunn ausgelagerten Schüler dann zurück kommen und wieder Ottobrunner Luft atmen. Allerdings sollen sich im Ottobrunner Neubau die Fenster auch nicht öffnen lassen. Und bestimmt hat auch in Ottobrunn der billigste Anbieter gewonnen. So sollte man zumindest wieder Fenster einbauen, die geöffnet werden können (und auch dürfen).

Bin auch schon gespannt, wie lange die neuen Gebäude in Höhenkirchen-Siegertsbrunn, Neubiberg und Ottobrunn halten werden? Meine, dass auch bei da die Halbwertszeiten immer kürzer werden.

RMD

P.S.
In der Schweiz soll es bei öffentlichen Ausschreibungen eine Regel geben:
Wenn die Auswahl der zugelassenen Anbieter abgeschlossen ist, wird der billigste Anbieter gestrichen.

Roland Dürre
Sonntag, der 21. Juni 2015

Geburtstag – 65 Jahre – Fest und Ansprache.

P1070216Zur Feier meines Geburtstags gestern am 20. Juni hatte ich nur im engen Familien- und Freundeskreis eingeladen. So war es auch nur ein kleines Fest in einem schönen Rahmen und mit wunderbarer musikalischer Begleitung. Ich hatte auch eine Rede vorbereitet und diese am fortgeschrittenen Abend gehalten, nachdem alle Gäste gut gespeist hatten und bevor es zum Tanz ging. Hier der vorbereitete Text:

Barbara und ich feiern heute ein Geburtstagsfest, zu dem wir nur wenig Menschen eingeladen haben. Mit all denen, die heute hier sind, haben wir eine besondere Beziehung oder etwas Wichtiges erlebt.

Zu Beginn meiner kleinen Ansprache möchte ich Euch ein paar Menschen vorstellen, die für den heutigen Tag ganz wichtig sind. Dies sind unsere Gastgeber Rita und Same Afsali, die uns den Festort zur Verfügung gestellt haben, unsere Musiker um George Greene, die uns mit schönen Weisen unterhalten werden und Charly Ritzer, der uns bestens bewirten und mit Getränken versorgen wird.

Same und ich mit Christian, der uns zusammen gebracht hat.

Same und ich mit Christian, der uns zusammen gebracht hat.

Mit Same verbindet mich eine langjährige Beziehung, wir haben uns bei Siemens getroffen, wie er da recht frisch angefangen hat. Dann hat er Karriere gemacht und war für viele Menschen sehr wichtig. Heute sponsert er uns mit seinem Festzelt.

George Greene spielt heute mit seinen Freunden für uns. George habe ich in den 60iger Jahren in Augsburg kennen gelernt. Da war er noch Kapellmeister in der US Army und hat gelegentlich am Abend in den dunklen Schuppen in Augsburg wie im Hanks Night Club seinen Blues gespielt. Und wir waren damals als Schüler der Oberstufe von dieser ganz anderen Welt mehr als hingerissen. An seiner Seite spielen heute Rocky, Thilo und Willy, für den Sound sorgt Mike. Unsere Musiker sind gute Freunde und haben schon öfters für mich gespielt.

P1070182Charly bewirtet uns mit seinem jungen Team. Zu ihm gibt es auch eine uralte Verbindung. Er war der Wirt des TS, einer famosen Bar in Unterhaching. Für mich war sie von Bedeutung, weil unsere jungen Programmierstars in den 80iger Jahren dann nach getaner Arbeit so gegen Mitternacht die letzten Stunden der Nacht ziemlich regelmäßig im TS verbracht haben. Dies tat der Qualität unserer Produkte aber keinen Abbruch, vielleicht war das sogar wichtig für unseren Erfolg.

Jetzt zu mir. Immer wieder werde ich gefragt, was ich denn jetzt so treiben würde. Bin ich doch ab dem 1. Januar ja nicht mehr im Vorstand der InterFace AG operativ tätig und jetzt bald im Rentenalter.

Als ehemaliger Programmierer habe ich mein Treiben in verschiedene Säulen geordnet.

Die erste Säule ist die Private.

Da kommt zuerst mal die Familie. Immerhin kam in 2015 das zweite Enkelkind in unsere Familie. Es war ein Bub, dem der Name Naveen Daniel gegeben wurde. Da Naveen Daniel mit seinen Eltern gerade von Mumbai nach Peking umzieht, sind die Besuche bei ihm aufwändig und kosten viel Zeit. Aber genauso freuen wir uns, wenn unsere Enkelin aus 2014, Carolina besucht, die Tochter von Patrick und Anna. Das ist einfacher, weil Carolina nur 2 km von uns entfernt lebt.

Zum Privaten gehören besonders die Radtouren. Meistens machen wie die nur zu zweit – die Barbara und ich. So hatten wir in diesem Jahr schon mal ein wunderbares Erlebnis – zwei Wochen radeln durch den Westen von Kuba.

Auch unsere beiden „kleinen“ Kinder (die zuletzt geborenen) Franz Rupert Simon und Lisa Maresa Marie haben wichtige Meilensteine erreicht. Der Rupert seinen Master und die Maresa hat nach einem kleinen Endspurt dann doch recht souverän ihr Abitur gemacht.

P1070192So werde ich immer freier und leiste mir viele kleine Freuden wie Theaterbesuche nicht nur in München. Mit unseren heutigen Gastgebern Rita und Same waren wir zum Beispiel vor kurzen im Tortumtheater in Sommerhausen. IDie drei Wochen Familienurlaub im August mit Zelt ganz im Süden des Peloponnes sind zur lieb gewonnenen und wichtigen Tradition geworden, dieses Jahr dann auch mit Carolina. m Sommer geht es, wenn irgendwie möglich täglich zum Schwimmen. Privat kommt nur das Schachspiel, das mir in meinem Leben immer wichtig war, ein wenig zu kurz.

Aber es gibt noch drei weitere Säulen:

Die zweite würde ich mit „Wissen und Erfahrung teilen“ bezeichnen.

So betreue ich eine ganz Reihe von Startups und Mentées. Zu denen komme ich über UnternehmerTUM oder dem Alumni-Netzwerk der TUM. Ab und zu sind es auch junge Menschen aus dem Freundeskreis oder Zufallsbekanntschaften aus meinem Netzwerk.

In meinem Leben geht es jetzt schon seit 50 Jahre immer nur aufwärts. Anderen Menschen habe ich dabei sehr viel zu verdanken und dies möchte ich zurückgeben. Ich meine, dass es meine gute Pflicht ist, jungen (und auch ein paar nicht mehr ganz so jungen) Menschen zu helfen, ihren Platz im Leben zu finden.

Oft fragen mich meine Partner, was meine Unterstützung kostet. In der Regel kostet es nichts, weil ich es ja zuerst für mich mache. Ich habe gelernt, dass man viel Üben muss, wenn das Ziel die Meisterschaft ist. So ist jedes Gespräch für mich eine Übung im Teilen von Wissen. Dieses Üben hilft mir, besser zu werden, sprich Menschen und ihre Sorgen und Ängste wie auch ihre Werte, Erwartungen, Interessen und Bedürfnisse besser verstehen zu können und ihnen durch unverzerrtes Spiegeln und kluges Rückmelden zu helfen, autonom ihren Weg zu finden. „Autonom“ ist mir dabei das sehr wichtige Wort.

Das Thema „start up“ artet übrigens ab und zu richtig „in Arbeit“ aus. So kamen gestern wieder 5 Businesspläne zu mir, die ich mir morgen anschauen und mit Feedback versehen werde. Ich bin auf sie aber jetzt schon richtig neugierig und freue mich auf die Arbeit, auch wenn sie zwischendurch ein wenig trockener und formaler ist.

Die dritte Säule heißt „Lernen“.

Obwohl ich Schule und Bildungssystem in Deutschland und Bayern für ziemlich unteroptimal und herabgewirtschaftet empfinde – oder vielleicht gerade deshalb – war und ist mir „Lernen“ besonders wichtig. Ich meine damit Lernen außerhalb der Schule, Lernen in der Innovation, Lernen von Menschen. Darum geht es.

Ich habe in meinem Leben bei vielen Menschen fachlich und menschlich gelernt. Da waren die Meisterprogrammierer, deren Kunst ich lernen durfte. Mentoren wie Rupert Lay haben mir vieles gelehrt, das mir fremd und verschlossen war. Freunde haben mir geholfen, besser zu verstehen was Führung und Management sein könnte. Meine regelmäßige Teilnahme an den Workshops in St. Gallen bei RISE hat mir immens viel fürs unternehmerische Leben gebracht. Und immer wieder waren es Begegnungen mit Menschen, die mir geholfen haben, meinen Weg zu finden.

In den letzten Jahren habe ich am meisten auf PM-Camps gelernt. Die Themen auf diesen Barcamps sind Projekt Management, Management an sich, Unternehmertum und Führung. Viel geht es auf diesen Unkonferenzen um gesellschaftlicher und systemischer Veränderung (Change).

Die Bewegung PM-Camp habe ich gemeinsam mit Stefan Hagen – der übrigens heute auch Geburtstag hat – und weiteren Freunden ins Leben gerufen. So finde ich das PM-Camp als ein witziges Beispiel für das „olle bootstrapping“ aus der Informatik, habe ich doch die Institution, bei der ich jetzt seit vier Jahren am meisten lerne, selber mit begründet.

Mittlerweile gibt regelmäßige PM-Camps in vielen Städten im Raum DACH – in Bad Homburg (Rhein-Main), Berlin, Dornbirn (da hat alles angefangen), Karlsruhe, München, Stuttgart, Wien, Zürich und bald wohl auch in Hamburg. Und es beginnt auch im nicht deutschen Sprachraum zu wirken, ich bin z.B. der Pate des PM-Camps im Herbst in Barcelona (was für mich so zirka eine Stunde skypen in der Woche bedeutet).

Und dann gibt es für mich noch ein bisschen Philosophie wie im Herbst auf dem „Grashof“ hinter Kassel und einmal im Monat wenn möglich mit meinem Freund Klaus-Jürgen Grün in seinem wunderbaren Tages-Symposium in München.

Meine vierte Säule heißt „Veränderung“.

Ermuntert durch den Erfolg des PM-Camp gründe ich gemeinsam mit Freunden aktuell eine Bewegung, die Barcamps für „aktive Mobilität im Alltag“ veranstalten wird. Das ganze wird am 4./5. Januar in Unterhaching starten, die Vorbereitung sind fast abgeschlossen und ab 1. Juli wird die Anmeldung im Internet möglich sein.

Zu Erläuterung:
Die von uns so dominant genutzte Art der Fortbewegung ist die auf Verbrennungsmotoren basierende individuelle Mobilität. Ich meine, dass dies ein großer Irrweg ist, sowohl gesellschaftlich wie individuell und für den Planeten. Sie senkt die Lebensqualität des Einzelnen wie die der Gemeinschaft, vernichtet Menschenleben durch Verkehrsunfälle (laut UNO in 2013 1,4 Millionen Menschenleben auf der Welt) und in besonderem Maße auch die Umwelt.

Mehr noch, der „individuelle motorisierte Verkehr“ ist die Metapher schlechthin für die irrsinnige Entwicklung auf unserem Planeten, die unseren Lebensraum zerstört und uns allen schadet. Um davon weg zu kommen, müssen wir viele lieb gewonnene aber schlechte Gewohnheiten aufgeben. Das Verändern von Gewohnheiten ist aber immer schwierig – man denke ans Rauchen oder Fernsehschauen. Da ist man ganz alleine und muss ganz bei sich selbst anfangen.

Ich meine, es gibt nichts besseres für uns als den Wechsel vom Auto zu aktiver Mobilität, sei es zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auf ganz andere Art und Weise. Denn das tut gar nicht weh und tut sehr schnell sehr gut. Nur so werden wir wieder glücklicher werden.

Was mach ich noch?

P1070194Ich versuche die Welt ein wenig zu „entkrusten“ – von zu viel Moral und Bürocracy, spiele Lobbyist für „gute“ IT-Projekte für Bayern, inspiriere Menschen nicht nur in meinem IT-Umfeld und mische mich in Vieles ein.

Ich bin für Partizipation, Veränderung, Achtsamkeit, Anerkennung und Wertschätzung  in den sozialen Systemen unserer Zeit. Ich möchte mithelfen, dass Menschen von ihrer Umwelt nicht kleiner sondern größer gemacht werden. Dass sich das Leben der Menschen in meiner Umgebung eher mehrt denn mindert. Und dass wir Menschen nicht aus irrationalen Gründen von entpersonalisierten Systemen versklavt und zu Grunde gerichtet werden.

Und in IF-Blog möchte ich auch noch öfter meine Meinung erzählen. Es gibt also genug zu tun, aber heute wird gefeiert und morgen dann wieder gearbeitet!

RMD

P.S.
Die Bilder zum Fest im Artikel hat mir ganz frisch mein Freund Same gesendet. Danke!

Roland Dürre
Donnerstag, der 18. Juni 2015

Von Helden, Gladiatoren und Konsumenten.

220px-Weltmeister_autograph_1954Eberhard Huber hat in Dornbirn bei einem der frühen PM-Camps eine tolle Session mit der Überschrift „Kulturzwiebel“ gehalten. Ich habe darüber berichtet.

Die „Kulturzwiebel“ beschreibt modellhaft soziale Systeme, wie zum Beispiel auch die Bundesrepublik Deutschland eines ist. Die Schalen der „Zwiebel“ sind so z.B. ihre Symbole, Rituale, basic beliefs, Überzeugungen, Werte …. Und ganz speziell spielen die „Helden“ des Systems auch eine Rolle.

Diese Session hat mich angeregt und ich habe mich auf die Suche nach meinen „deutschen“ Helden begeben. Dabei habe ich an die großen Klassiker der Literatur (Goethe, Schiller … ) an moderne Schriftsteller (Brecht, Grass …) und an Philosophen (Kant, Nietzsche …) gedacht.  Ich habe mir weiter überlegt, ob Politiker (Erhard, Brandt …), Menschen im Widerstand (Scholl, Staufenberg), Komponisten (Bach, Beethoven …) und Musiker (Lindenberg, Nina) und viele mehr für mich als meine  Helden in Frage kommen.

Keine und keiner von diesen konnte niemand meinen Anspruch an einen „deutschen Helden“ oder eine „deutsche Heldin“ zufrieden stellen. Da ich leidenschaftlicher Fußballer war und bin, habe ich dort weiter gesucht. Beckenbauer, Haller und Uwe Seeler (der noch am ehesten) waren es aber auch nicht.

Und dann kam mir der Gedanke:
Die Fußball-Weltmeister von 1954 – die Helden von Bern – die sind es! Diese Mannschaft fand ich noch am ehesten würdig, meine „Deutsche Helden“ zu sein.

Aber das ist jetzt 61 Jahre her. Jetzt leben wir im 21. Jahrhundert. Vor kurzem habe ich das Finale der Champions League Juventus gegen Barcelona 2015 in Berlin im Frensehen verfolgt. Und wieder einmal mehr war ich verwundert, wie exzessiv eigentlich all die Stars von heute tätowiert sind. Und habe auch über die ausgefallenen Frisuren gestaunt.

Und dann ist es mir schlagartig klar geworden:
Die Fußballer von heute sind die Gladiatoren unserer Zeiten. Die Tattoos und ihre gefärbten Kamm- und sonstigen Frisuren sind Teil ihrer Kriegstracht. Ihre Herren sind die Vereine und dahinter die großen Konzerne. Für die kämpfen sie und von denen werden sie für ihren Kampf bezahlt. So und gestützt von weiteren Marketingmaßnahmen werden die Konsumenten abhängig gemacht und bei Kauflaune gehalten. Diese bejubeln „ihre“ Gladiatoren und kaufen folgsam die Produkte der Herren derselbigen.

So sind die Wettkämpfe unserer Gladiatoren die größten Spektakel unserer Zeit. Wenn die „richtige Seite“ siegt, flippt das Volk aus, wenn sie verliert, sind die Fans (das Konsumentenvolkt) zu Tode betrübt und verbrennen ihre Fahnen.

Fußballer sind die modernen Söldnern der Neuzeit. Sie „spielen“  für den, der am meisten zahlt. Aber vor allem kämpfen sie für den Konsum der Masse. Es geht nicht mehr um panem et circenses zur Ablenkung und Unterhaltung der Menschen wie im alten Rom sondern um Umsatz und Profit, also um die „Kohle“ (vulgo das Geld) der Masse.

Ich denke mir, dass diese Entwicklung ein Anzeichen für die Dekadenz unserer Zeit ist. Der Dekadenz, die als Vorstufe des Endes in prosperierenden sozialen Systemen kurz vor deren Untergang auftritt.

Wir aber wissen, dass Innovation kreative Zerstörung ist und freuen uns schon auf das Neue. Und genießen die morbide Freude am Untergang all derer, die an dieser Entwicklung schuld sind. Bloß sind damit wir alle gemeint.

RMD

P.S.
Es gibt auch so eine Art Ausbeutungs- und Versorgungsorganisation der Gladiatoren. Die nennt sich FIFA und verdient viel Geld mit den neuen Spielen.

Roland Dürre
Dienstag, der 16. Juni 2015

Sind wir noch ganz dicht?

Schwedisches Mehrzweckkampfflugzeug Saab JAS 39 Gripen (schwed. „Greif“)

Schwedisches Mehrzweckkampfflugzeug Saab JAS 39 Gripen (schwed. „Greif“)

Ich mag die Schweizer. Habe ich doch dort viele Freunde und kenne zahlreiche Unternehmen recht gut. Die mich begeistern.

So habe ich den Eindruck, dass da vieles ein wenig innovativer als bei uns ist. Allgemeine Studien geben mir da recht. Und ich glaube, dass die direkte Demokratie eine der Ursachen der Schweizer Erfolgs-Geschichte ist, die ja sogar eine wahnsinnige Überhöhung des Franken aushält. Im übrigen auch dank vieler sehr tüchtiger und wichtiger deutscher „Gastarbeiter“ – auf allen Ebenen. Wie ich sie gerade wieder in Zürich zu Hauf angetroffen habe.

Hier ein Beispiel für ein schönes Ergebnis direkter Demokratie:

Die Schweizer Regierung wollte für ihre Luftwaffe 22 schwedische Gripen (Kampfflieger von Saab) kaufen. Jetzt wundern sich viele Menschen in der ganzen Welt, was ein Land wie die Schweiz mit solchen Fliegern will. Auch ein Ernstfall, bei dem diese sinnvoll eingesetzt werden könnten, ist schwer vorstellbar. Offensichtlich haben die Schweizer Bürger sich das auch gefragt und den Kauf in der Volksabstimmung vom 18. Mai 2014 mit einem Nein-Stimmen-Anteil von 53,4 Prozent abgelehnt.

Ein wichtiges Argument der Gripen-Gegner war, dass man mit dem Geld für die Kampfflieger die Schweiz viel effizienter schützen könnte zum Beispiel gegen Angriffe aus dem Internet, auch Cyberspace genannt.

Und was machen die Deutschen bzw. die Bayern im Sommer 2015?

Sie richten den ersten Studiengang überhaupt für militärische Flugzeugführer der Bundeswehr ein. Dieser neue Studiengang Aeronautical Engineering startet zum 01. Oktober 2015 mit zunächst 13 Studenten und künftigen Piloten. Ob da auch Frauen dabei sind, weiß ich nicht.

Der Studiengang vereint ein schwerpunktmäßig ingenieurwissenschaftliches Studium und eine fliegerische Ausbildung zum „Militärischen Flugzeugführer“ – also zum Kampfpiloten. Das ganze passiert in Ottobrunn/Taufkirchen. Da gibt es so eine Art Rüstungs-Industrie-Gebiet. Das ist ein zum Teil verwahrlostes Viertel, in das aber seit einigen Jahren auffällig viel für Infrastruktur investiert wird. So erlebt man dort einen eigenartigen Kontrast von ziemlich verwahrlosten Bürogebäuden und schönen neuen Straßen mit Fahrradwegen, die (beide) niemand so richtig braucht.

Und in diesem Viertel entsteht der Ludwig Bölkow Campus. Er gehört zur Universität der Bundeswehr und ist wohl so eine Art ausgelagerter Lehrbetrieb. Der Studiengang ist als duales Studium angelegt und soll akademische Inhalte und berufs-fachliche Ausbildungsanteile kombinieren. Der Vorstand des Munich Aerospace e.V. Prof. Klaus Drechsler ist sich sicher, dass „der neue und erste Studiengang auf dem Ludwig Bölkow Campus eine enorme Zugkraft für weitere Studiengänge entwickeln wird“.

Am 22. Mai auf dem Ludwig Bölkow Campus in Ottobrunn/Taufkirchen wurde im Beisein des Airbus-Chefs Thomas Enders, des Generaldirektors der Europäischen Weltraumorganisation ESA Jean-Jacques Dordain sowie weiterer Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Wissenschaft, Politik und Bundeswehr von der Präsidentin Prof. Merith Niehuss der Hochschule der Startschuss für das Projekt gegeben. Natürlich war bei der feierlichen Veranstaltung die Bayerische Staatsministerin Frau Ilse Aigner dabei, unsere Rekordhalterin bei Grußadressen zu verschiedensten Anlässen und Eröffnungen in Bayern. Wird jetzt aus „Frau Überall“ auch noch „Frau Überschall“? Details sind im Artikel dazu auf der Website der Universität der Bundeswehr nachzulesen.

Dabei gehören doch Studium und Kampfflug zuerst mal zu Bildung und Militär. So müsste doch eigentlich das Verteidigungsministerium (gut – da hat Bayern keines) oder das Kultusministerium da zuständig sein. So sollte man doch denken. Aber wahrscheinlich ist das Staatsministerium für Wirtschaft dabei, weil es in unserem Lande eh alles nur noch um Wirtschaft und Profit geht. Kommuniziert mit der Mogelpackung, dass es ja um „die Arbeitsplätze ginge“.

So dürfte der neue Studiengang – wie auch die Anfang Juni 2015 kommunizierte Entscheidung für das Milliarden teure Raketenabwehrsystem MEADS, das sich die Bundeswehr für die Luftabwehr leistet – nur Teile einer staatlichen und stattlichen Programms zum Zwecke einer gigantischen Wirtschaftsförderung sein. Die von einer mächtigen Lobby erzwungen wird, der man aber gerne folgt, denn sonst könnte nur zu leicht die bundesdeutsche Erfolgs-Blase platzen!

Jetzt noch ein paar Erläuterungen, warum ich das alles nicht verstehe.

  • Leben wir immer noch in einer Welt, in der der tollkühne Kampf einsamer Heroen mit ihren Flugzeugen im Himmel auf Leben und Tod irgendwie nachvollziehbar?
  • Machen bemannte Kampfflieger in einer Epoche, die von Luftabwehrraketen und Drohnen dominiert wird, noch einen militärischen Sinn?
  • Gäbe es nicht so viele Beispiele, in denen wir dringend unsere Wettbewerbsfähigkeit wieder aufwerten müssten, wie z.B. in der Informatik?

Ich meine, dass es auf diesen Planeten so viele Dinge gibt, in die Geld und Intelligenz zu investieren wichtiger wäre als in einen Studien-Lehrgang für Kampfpiloten. So tun mir solche Nachrichten schon fast körperlich weh.

RMD

P.S.
Das Bild ist aus Wikipedia – hochgeladen vom User:MatthiasKabelEigenes Werk.

Roland Dürre
Dienstag, der 9. Juni 2015

G7

2013Oberstaufen2Jetzt ist er vorbei, der G7-Gipfel. Mich hat er kaum betroffen – ausser dass ich am Samstag auf der Heimfahrt aus Zürich im DB IC-BUS bei der Einreise nach Deutschland von schwerbewaffneten und Kaugummi kauenden Polizisten kontrolliert wurde und viele Hubschrauber am G7-Wochenende und davor über unsere Heimat hinweg lärmten. Wir hatten heftigen Luftverkehr im Südosten Münchens.

Berührt hat mich aber, dass die obersten Nationenführer der G7 anscheinend noch nicht gelernt haben, was kluge Manager im 3. Jahrtausend schon wissen sollten: Zu guter Führung gehört ein gewisses Maß an Demut und Achtsamkeit. Wie auch das Vermögen, die Menschen emotional zu verstehen und ein wenig Emphatie für deren Sorgen aufzubringen. Das möglichst kombiniert mit Realitätsnähe – in Bescheidenheit und mit angemessenem Auftreten.

Das spielt aber beim Handeln unserer Polit-Elite keine Rolle. Dafür deklariert man sich flugs zur „Wertegemeinschaft“. Und grenzt den bösen Buben Putin scharf aus. Denn der würde ja die demonstrierte Einigkeit gefährden. Auch wenn es um diese hinter den Kulissen gar nicht so weit her ist.

Wir wissen aber, dass wie immer die, die am meisten von Werten reden am wenigsten welche haben. So kommt es nicht von ungefähr, dass die „reichen Staaten“ letzten Endes wie immer auf Kosten der „armen“ leben und diese gerne und massiv in Unterdrückung und Abhängigkeit lassen. Besitzstandwahrung ist angesagt, wir wollen doch nicht unseren  Wohlstand gefährden, selbst wenn er uns reduziert und umbringt.

Die Herren der Welt haben aber gelernt, dass man Positives verkünden muss. So verkünden sie „Ergebnisse“. Jetzt will man das mit dem Klima jetzt massiv angehen. Die Menschen wissen, dass Absichtserklärungen gerne öffentlich manifestiert und zelebriert werden, aber schon eine Woche später keine große Bedeutung mehr haben.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 7. Juni 2015

PM-Camp – gestern Zürich – morgen Bad Homburg.

CGu_W8WUgAI8wlMGestern abend bin ich vom PM-Camp aus Zürich #pmcampzue zurück gekommen. Es war ein kleines aber sehr feines PM-Camp, dass mir zwei großartige Tage geschenk hat.

Der erste Tag wurde eröffnet von Nadja Schnetzler, Besitzerin von word and deed. Sie verzauberte die Teilnehmer des Camps mit ihren wunderschönen Postkarten: Und zeigte, wie man auf ganz ruhige und gelassene Art „das Chaos umarmen“ kann.

Ich hatte den Eindruck, dass dieser schöne Impuls viel dazu beigetragen, dass in vielen Sessions dann die Situation des Menschen in seinen verschiedenen Rollen in für Projekte typische Aufgabenstellungen ein wichtiger Schwerpunkt war.

So ging es viel um den Wandel in unserer Gesellschaft und so auch in unseren Projekten, den Weiterentwicklung so mit sich bringt, um gewollte wie ungewollte Veränderung – und um „Innovation als kreative Zerstörung“.

CGzS2XBVIAApMhUAm Samstag, den zweiten Tag sind wir mit einem Paukenschlag in den Tag gestartet. Bruno Gantenbein, Besitzer von Unschooling.ch
und seit vielen Jahren unterwegs als erfolgreicher Unternehmensberater, hat gleich am frühen Morgen einen starken Impuls zum Thema “Auch Lernen ist in Evolution” eingebracht. Und das in einer Emotionaliät, die bei dem einen oder anderen Zuhörer zu Tränen der Rührung und Freude geführt hat.

Und dann hat auch er in seinem Vortrag auch noch einen wunderbaren Bogen zum Projekt Management geschlagen – mit der in meiner Bewertung so zentralen Frage „Wie, wo und was lernen denn eigentlich Projekt Manager“.

Toni (Anton Maric) in Aktion.

Toni (Anton Maric) in Aktion.

Kein Wunder, dass der zweite Tag dann doch sehr stark zu einem breiten Wissensaustausch geführt hat zu der Frage, wie denn sinnvolles, effizientes und menschenwürdiges Lernen so aussehen könnte, sollte oder müsste.

Es war großartig, wie man auf den Fotos vom PM-Camp Zuerich sieht.Die Fotos findet man ebenfalls auf dem Flickr Account des PM Camp Zuerich!

Deshalb ein ganz grosses Danke Schön ans PM-Camp Zürich Orga-Team bestehend aus Dagmar, Bruno, Christian, Matthias, Silvio und Toni, der die Veranstaltung in Zürich initiert hat.

PMCampRM_Logo_gross-150x150Und schon in weniger als einem Monat am 02.-04. Juli 2015 geht es weiter mit den PM-Camps in Bad Homburg! Dann heißt der Tag #pmcamprm!

Da will ich dann auch wieder dabei sein und natürlich gibt es dazu hier in IF-Blog auch noch einen Bericht!

RMD

Euro_centDas ist auch so eine Frage, die man gar nicht so einfach beantworten kann. Von viel zu vielen Parametern und Einflußgrößen hängt das ab. Und sicher auch von unternehmerischen  Zielsetzungen wie Nachhaltigkeit und Gemeinwohl-Ökonomie.

Immer wird diskutiert und werde ich gefragt, was die „richtige“ Rendite für ein Unternehmen einer bestimmten Ausprägung in einer definierten Branche wäre. Immer wieder höre ich absurde Zahlen, die da gefordert sind und für viele Unternehmen utopisch sind. Deswegen in diesem Artikel der ein Versuch einer vernünftigen Stellungnahme.

Wem es beim Lesen schon jetzt oder im folgenden langweilig wird, der soll doch bitte bei der nächsten fetten Überschrift „Alles Bullshit?“ weitermachen.

Zuerst komme ich noch mal zur Definition des Begriffs „Rendite“. Es gibt Umsatz- und Kapitalrendite. Beides sind Prozentsätze, die angeben wie hoch der Anteil des Gewinns vom Umsatz oder bezogen auf das Kapital ist. Das klingt einfach.

Ein Hinweis:
Die triviale Tatsache wird oft völlig vergessen, dass schon eine kleine Umsatzrendite eine riesige Kapitalrendite sein kann. Der Umsatz sollte ja ein Vielfaches des eingesetzten Kapitals sein. Und wenn ich einen Umsatz habe, der z.B. nur das 50-fache des eingesetzen Kapitals ist, dann bedeutet eine Umsatzrendite von nur 2 % plötzlich eine Kapitalrendite von 100 %! In den 50- und 60-iger Jahren zum Beispiel hat man in der deutschen Wirtschaft vor allem auf die Kapitalrendite geschaut – und es ist verblüffend, welch niedrige Zahlen (sogar im unteren einstelligen Prozentbereich) da bei seriösen Unternehmen wie Siemens oder VW als gut galten.

Zweiter Hinweis:
Die „richtige“ absolute Zahl für den Gewinn (was ist denn der Gewinn und wie hoch ist er tatsächlich?), der ja die Rendite zum Umsatz ausmacht, zu ermitteln ist auch schwierig. Begriff und die Bezugsgröße sind oft unklar definiert. So wird normalerweise der EBIT (earnings before interest and taxes) für die Berechnung der Umsatz-Rendite genommen.

Dritter Hinweis:
Aber auch der letzte Deckungsbeitrag aus der betriebswirtschaftlichen Abrechnung ist eine zwar valide und trotzdem nicht leicht zu bewertendde Basis. Die Boni für Mitarbeiter oder/und Vorstände als Teile des Gehaltes sind bei im schon abgezogen. Die wurden aber nur fällig, weil die „Ertragskraft“ des Unternehmens ja  sehr gut war, so auch besser als der EBIT, der ja durch die Erfolgstantiemen für die Kollegen reduziert wurde. Also wäre die Frage, ob man diese nicht zumindest gedanklich dem Ergebnis dazuschlagen sollte.

Vierter Hinweis:
Auch „Investitionen“ in Produkte (die ja zum Beispiel bei der Entwicklung eines SW-Produkts buchhalterisch gar keine sind Investitionen sondern Gehaltskosten oder Ausgaben für Dienstleistungen sind) reduzieren buchhalterisch den EBIT, denn die entstandene SW kann und darf / muss ja bei uns nicht wertmäßig bilanziert werden. So ist es auch mit manch anderen Investitionen in die Zukunft, die nicht bilanzierbar sind wie Ausbildung oder Reputation des Unternehmens. Sie schmälern die Rendite, sind aber wichtige „Investitionen“ in die Zukunft des Unternehmens.

Fünfter Hinweis:
Ich schlage vor, dies aber als selbstverständliche unternehmerische Pflicht zu sehen und unter Rendite zuerst Mal die „Ertragskraft des Unternehmens“ zu verstehen, die sich im letzten Deckungsbeitrag wiederfindet. Den Rest (was alles für die Zukunft gemacht wurde oder was bei schlechterer Ertragskraft wahrscheinlich unterblieben wäre wie extensive Weiterbildungskosten, Team Building, Erfolgsfeiern, Luxus aber auch „Investitionen“  in eigene Werkzeuge und ähnliches)“ notiere ich mir grob „im Hinterkopf“.

Sechster Hinweis:
Bei der Beurteilung der Situation des Unternehmens kann ich gerne virtuell auf die Rendite daraufschlagen. Abziehen dagegen tue ich versteckte Belastungen und Risiken des Unternehmens, die ich als Unternehmer ja auch am besten weiß. So kann ich am besten neben den Zahlen abschätzen, wie das Unternehmen steht.

Siebenter Hinweis:
Was die Höhe des Gewinns (der Rendite) betrifft, spielen da viele Fakten eine Rolle. Die Unternehmensgröße kann eine Rolle spielen. Es gibt kritische Größen geben, die unteroptimal sind. Gerade kleine Firmen können so schlank geführt werden, dass sie eine hohe Rendite erwirtschaften. Weil ein großes Kostenbewusstsein herrscht, es nur wenig Infrastruktur und Administration gibt, alle kontieren, vieles einfach so nebenher erledigt wird und den Rest der Gründerchef macht.

Achter Hinweis:
Natürlich ist die Branche mit entscheidend. Im Großhandel mit Massengütern kann eine verschwindend geringe Umsatzrendite ein ertragreiches Geschäft bewirken. Und bei Dienstleistung in Nischen kann eine hohe Rendite dann auch mal einbrechen und zu wenig zum Überleben sein.

Neunter Hinweis:
Wachstum kostet in der Regel Geld und senkt so die Rendite. Die Rendite darf also nie isoliert vom Wachstum betrachtet werden. Wachstum ist kein Wert an sich, aber ein vernünftiges organisches Wachstum ist dürfte für Unternehmen ganz natürlich und notwendig sein.

Zehnter Hinweis:
Im Dienstleistungsbereich geht Wachstum entweder durch Erhöhung der Stundensätze oder den Einsatz von mehr Menschen, sprich mehr Mitarbeitern. Stundensätze erhöhen wird immer schwieriger. Also erfordert Wachstum Investitionen. Man benötigt mehr Mitarbeiter. Mitarbeiter finden kostet viel Aufwand und Zeit. Junge Mitarbeiter wie zum wie Uni-Abgänger brauchen oft längere Einarbeitungs- und Ausbildungszeiten. Ein Headhunter (davon rate ich ja in der Regel ab), der „fertige“ Mitarbeiter besorgt, kostet auch ziemlich viel Geld und damit Rendite. Aber auch fertige Mitarbeiter werden in der Regel zuerst mal die Auslastung verschlechtern.

Elfter Hinweis:
Man sieht, dass Ertrag und Wachstum zusammen gehören. Und Wachstum  kostet Geld. So scheint eine inverse Korrelation von Umsatz-Rendite und Umsatz-Wachstum durchaus logisch. Und wahrscheinlich kann bei „gesunden“ Firmen nur durch Wachstums-Pausen wieder die alte Rendite erreicht werden.

Wobei durchaus mal negatives Wachstum oder eine negative Rendite Sinn machen könnten, wenn z.B. Veränderungen in der Umwelt dies erfordern.

Zwölfter Hinweis:
In Zahlen könnte man also x Prozent Wachstum den (in starken Wachstums oft negativen y Prozent Renditenveränderung gegenüberstellen. Eine sehr grobe Faustregel (Formel) könnte sein, dass das prozentuale Wachstum immer deutlich größer sollte als der Rückgang bei der Rendite.

Wenn das Wachstum zum Vorjahr bei einer Dienstleistungsfirma 10 % beträgt und die Umsatzrendite im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben ist, dann ist das schon ziemlich gut. Wenn das Wachstum um 10 % steigt, dann kann es aber gut sein, dass die Rendite um y % z.B. 2 % fällt. Das kann durchaus in Ordnung sein.

Und die Kunst des Unternehmers ist es halt zu gucken, wie man es schafft dass der Gradient des Umsatzwachstum höher ist als der negative Gradient der Umsatzrendite, also x > y bleibt oder wird.

Das alles gilt natürlich nur für eine vorausgesetzte „nachhaltige Entwicklung“ des Unternehmens, zum Beispiel im Sinne von „Gemeinwohl-Ökonomie„. Natürlich kann man mit „Raubbau“ kurzfristig auch mal besonders viel Gewinn machen, da sollte man aber gut aufpassen, dass nicht zu viel Substanz eingebüßt wird.

Dreizehnter Hinweis:
Eine weitere Formel gerade für Start-Ups kommt aus den USA, die 40%-Regel. Hier wird empfohlen:
Your annual revenue growth rate + your operating margin should equal 40%
Das heißt die Summe und von Wachstum und Umsatzrendite sollte immer kritisch
Siehe auch folgenden Kommentar dazu.

Das heißt, man kann eine Summe bilden von Wachstum und Rendite. Wenn ich also 10 % Rendite habe, dann sollte ich 30 % Wachstum haben. Und bei 5 % dann 35 %? Klingt doch ganz logisch. Und das gilt doch sogar für negative Zahlen: Wenn ich eine negative Rendite habe (-10 %), dann muss ich halt 50 % Wachstum haben. Um vielleicht eine besonders starke Marktposition aufzubauen und so einen Investor zu finden.

Alles Bullshit mit der Rendite?

Obwohl ich meine, dass meine Gedanken durchaus ganz vernünftig bzw. aus guten Quellen sind, meine ich, dass die „Rendite-Frage“ der  unternehmerisch ganz falsche Ansatz ist. Die Frage, wie gut ist meine Rendite im Vergleich zu anderen Unternehmen, ist mehr eine spielerische Aufgabe – wenn alles so gut läuft, dass man nichts besseres zu tun hat.

Wirklich wichtig ist die Unternehmenskultur. Inwieweit schafft sie einen „Raum“ der Zusammenarbeit, der innovativ wirkt und nicht krank macht. Ist eine echte Partizipation der Menschen im Unternehmen gegeben? Gibt es eine Sinngebung, die nicht von „Bürocracy“ verdeckt wird? Wie ist das Selbstverständnis der Kollegen (Everybody is a champion)? Wie gewinnt man die richtigen Menschen fürs Unternehmen?

Das sind die wichtigen Fragen, die es permanent gilt zu beantworten und an ihnen zu arbeiten. Und das gelingt nur, wenn man die richtigen Menschen an seiner Seite hat. Und die guten Leute einstellt.

Das ist hat absolute Priorität. Diese Überlegungen befreien den Unternehmer natürlich nicht, die selbstverständliche „Kaufmännische Komponente“ ernst zu nehmen und immer geschickt den Zusammenhang zwischen „den Zahlen“ und der „Entwicklung des Unternehmens“ zu beobachten.

Aber wenn man das im Griff hat, dann kommt die gute „Rendite“ von selber. Und wahrscheinlich kann man sich dann daran erfreuen, dass sie in der Regel besser ist als bei den vergleichbaren Unternehmen im Markt.

Und man muss eine ganz andere wichtige Frage lösen:

Wie verteilt man das gute Ergebnis:

  • Wieviel wird den Rücklagen zugeführt?
  • Welchen Anteil bekommen die Menschen im Unternehmen?
  • Was bleibt über für die Ausschüttung an die Shareholder?

Das ist aber dann ein ganz anderes und wie ich finde sehr erfreuliches Thema.

RMD

P.S.
Viele Gedanken in diesem Artikel habe ich Elmar Jürgens zu verdanken. Also ein Danke Schön an Elmar.

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Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!