Roland Dürre
Mittwoch, der 30. September 2015

#Musterbrechen II – Kommunikation

Anlässlich des PM-Camp in Dornbirn am 20./21 November gibt es eine Blog-Parade zum #Musterbrechen. Hier dazu mein zweiter Beitrag:

Fernschreiber (Siemens T100) - eingeführt im Jahre 1958 - moderner Nachfolger des T50

Fernschreiber (Siemens T100) – eingeführt im Jahre 1958. Der moderne Nachfolger des T50.

Bisher habe ich mich als #Entkruster gefühlt. Vielleicht bin ich auch ein #Musterbrecher. Immerhin fahre ich nicht mehr Auto sondern nur noch Fahrrad. Und gerade im Winter ist das für viele meiner Gesprächspartner unvorstellbar. Und wenn die Kleiderbügel ausgehen, dann kaufe ich keine neuen sondern sortiere Kleider aus. Und vieles mehr in dieser Art.

Aber vielleicht breche ich da gar keine Muster sondern liege ganz schnöde im Trend. Wie beim Telefonieren. Denn das „Leute anrufen“ habe ich mittlerweile komplett eingeschränkt. Weil ich es unhöflich finde, andere Menschen durch einen Anruf zu belästigen. Und natürlich auch, weil ich nicht dauernd durch Anrufe gestört werden will.

Zu meiner „Telefongeschichte“:
Ich war früher ein echter „Viel-Telefonierer“. Am Anfang meiner Zeit bei der InterFace Connection war ich viel bei Kunden. So war Mittags immer eine Stunde telefonieren mit der Firma angesagt. Und da ich das Kunden-Telefon nie für eigene Zwecke nutzte ging es dann immer runter zu den Münz-Telefonen.

Damals habe ich auch das C-Netz entdeckt. Das war aber teuer, erforderte eine aufwändige Installation und das Netz war so eingeschränkt verfügbar wie die Qualität schlecht war. Außerdem wollte ich mich beim Telefonieren immer auf den Menschen auf der anderen Seite der Leitung konzentrieren. Deshalb habe ich auf ein Auto-Telefon verzichtet; telefonieren im Auto war für mich so auch später nur die absolute „Ultima ratio“.

Zu den Zeiten der Münztelefone war ich so immer mit einem Säckchen von Münzen unterwegs. Später hatte ich immer eine Anzahl Telefonkarten im Geldbeutel. Und wie das D-Netz kam natürlich auch sofort ein „Handy“. Und meine Gebühren waren hoch.

Es fällt mir wirklich immer schwerer, Situationen zu konstruieren, wo ich telefonieren muss. Wenn ich zum Beispiel im Zug am Hauptbahnhof verabredet bin und schon einen schönen Sitzplatz für mich und meinen Reisegefährten im Zug gefunden habe. Dann rufe ich diesen an. Aber auch nur dann, wenn dieser kein Whats up, BBM oder sonstige Messenger nutzt. Wahrscheinlich bleibt am Ende nur der Notruf, den man braucht. Wenn der Mörder kommt …

Deshalb wird bei mir nicht mehr telefoniert. Denn wenn ich mit einem Menschen etwas wichtiges austauschen will, dann will ich das in Ruhe machen. Mich auch noch mal fünf Minuten vorher auf das Gespräch vorbereiten können. Ich möchte dabei sein Gesicht sehen. Wenn es sogar über Kontinente so einfach möglich ist, warum soll ich dann darauf verzichten?

Also mache ich einen Termin mit meinem Gesprächspartner aus. Möglichst zeitnah und am Besten mit social media. Notfalls mit einem E-Mail-Dialog. Dann trage ich in meinem Kalender „Videokonferenz“ ein und alles geht – zumindest bei einem Hangout – automatisch. Falls der Gesprächspartner Google nicht mag, dann nehme ich halt Skype (Microsoft) oder FaceTime (Apple). Wenn mein Partner Microsoft und Apple auch nicht mag (kann ich ja alles nachvollziehen), dann gibt es noch genug Alternativen.

Das Gespräch ist dann auch viel angenehmer. Ich sitze gemütlich auf dem Sofa, mein Chromebook liegt auf dem Schoss und mein Gesprächspartner strahlt mich freundlich auf dem Bildschirm an. Ich brauche keinen Kopfhörer (und muss auch kein Telefon an mein Ohr pressen), kann neben her in „shared documents“ gemeinsam formulieren (vielleicht für Ergebnisnotizen – auch Protokoll genannt), gemeinsam Tabellen anschauen und bearbeiten, ein Bild raus suchen und zeigen und vieles mehr.

🙂 Nein – Fernschreiber, Faxgeräte, Telefone – so etwas benutzt man doch nicht mehr.

Hat doch auch etwas mit „Musterbrechen“ zu tun?

RMD

P.S.
Das Bild zeigt einen Fernschreiber des Herstellers Siemens. Es ist ein Modell T100 als Tischmodell. Meines Wissens gab es dann noch den T1000 – dann war Schluss.

Dieser mechanische Fernschreiber war modular aufgebaut, er war also erweiterbar. Links angebaut ein Streifenlocher zur Erzeugung eines Lochstreifens, darunter der transparente Auffangbehälter für die ausgestanzten „Löcher“. Rechts der optionale Lochstreifenleser, mit dem vorgefertigte Nachrichten mit maximaler Geschwindigkeit gesendet werden. Am Grundgerät selbst ist über dem Betriebsstundenzähler ein roter Hinweis über eine Umrüstung auf 75 Baud zu erkennen.

Nach einer bestimmten Laufzeit wurden die von der Deutschen Bundespost gemieteten Fernschreiber im FZZA Elmshorn komplett zerlegt und neu aufgebaut. Die Leertaste hat links und rechts die Umschaltung zwischen Buchstaben und Ziffern, notwendig durch den Baudot-Code mit nur fünf Bit (CCITT5). Papier ist eine Endlosrolle, durch die verrutschte graue Zwischenlage vermutlich ein Durchschlagpapier mit einer Kopie.

Quelle Wikipedia – das Bild steht unter GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Version 1.2 oder einer späteren Version, veröffentlicht von der Free Software Foundation,

Roland Dürre
Sonntag, der 27. September 2015

Großes „Muster brechen“ im PM-Camp Dornbirn #PMCampDOR

pmcamp-logo-dornbirnKeine zwei Monate sind es noch hin bis zum PM-Camp in Dornbirn am 20./21 November. Ich freue mich schon, aufs Treffen am Vorabend und aufs Camp.

Es ist schon das
5. PM-Camp in DornbirnPM-Camp feiert Jubiläum!

So schnell vergeht die Zeit! Mit Dornbirn schließen wir ein tolles PM-Camp-Jahr 2015 ab. Wir hatten wunderbare PMCamps dieses Jahr – in Stuttgart, Zürich, Bad Homburg, München, Berlin, Karlsruhe, Barcelona und Wien. Hoffe, dass ich keines vergessen habe.

Das OrgaTeam Dornbirn will wieder Gastgeber eines ganz besonders PM-Camps sein. Da liegt die in diesem Jahr die Latte sehr hoch. Im Orga-Team haben wir für Dornbirn „MUSTER BRECHEN“ als Metapher gewählt. Da mir Veränderung und Umdenken sehr angezeigt erscheint habe ich auch dafür gestimmt.

In den letzten Tagen musste ich lernen, dass „MUSTER BRECHEN“ hoffähig, ja zum Hype geworden ist. Auf Tagungen von bayerischen Schuldirektoren habe ich es im Programm gefunden, auf der Story-Telling-Übung ist es mir begegnet und es rauscht auch nur so durch die Medien. Zum PM-Camp gib es eine Blog-Parade mit Anker in der Website von #PMCampDOR.

So habe da jetzt schon viel Schlaues dazu gehört und gelesen. Aber mir noch keine Meinung bilden können. Denn um Muster zu brechen muss man sie wahrscheinlich vorher erkennen. Weiter könnte es auch sein, dass kollektiv gültige Muster zu individuellen Gewohnheiten führen. Und lieb Gewonnenes zu verändern ist immer schwierig. Heißt es nicht oft ganz richtig „Das haben wir immer schon so gemacht“. Weil wir es ja wirklich immer schon so gemacht haben! Und jetzt sollen wir es anders machen? Ist schon schwierig.

Aber vielleicht ist es ja auch ganz einfach. Vielleicht fängt man am besten damit an, „die Dinge mal auf den Kopf zu stellen“.

Hier ein Beispiel:

Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz in unserer „Freien-Markt-Gesellschaft“, dass ein Gut desto billiger wird je mehr man davon kauft. Das gilt sogar für mittelfristig knappe und langfristig endliche Güter wie Erdöl. So auch für den Strom oder Lebensmittel. Wenn Du 10 Autos (oder Fahrräder) kaufst, kriegst Du auch einen besseren Preis als wenn Du nur eines nimmst. Man nennt das einen Mengenrabatt, -nachlass oder -bonus.

Jetzt betrachten wir mal den Zusammenhang zwischen „Klima“ und „Fliegen“. Unzweifelhaft erzeugt die Luftfahrtindustrie Unmengen von Treibhausgasen. Die werden auch noch in großer Höhe ausgebracht, wo die schädliche Wirkung höher als am Boden ist.

Das Ziel der Flugindustrie ist, möglichst viele Menschen durch möglichst niedrige Preise in die Flieger zu bringen. Andererseits konvergieren die Modelle und Berechnungen verschiedener Wissenschaftsdisziplinen in der Aussage, dass die Erwärmung der gesamten Welt mit der zwangsläufig daraus resultierenden Veränderung unserer Lebensbedingungen wesentlich von unserem Verhalten (Verbrennen von fossilen Energien) abhängt.

So wird jedem – zumindest nicht abergläubischem Menschen klar – dass wir unter anderem auch weniger fliegen müssen, um den Sturz in die (Klima-)Katastrophe auch nur ein wenig abfedern zu wollen. Wir haben einen Widerspruch. Wir sollen mehr fliegen, denn (ein zweites Muster zum brechen) wir brauchen Wachstum. Überall. Und wir sollen weniger fliegen. Für die Zukunft.

Wie löst man dieses Dilemma?

Ein allgemeines und totales Flugverbot ist nicht durchsetzbar und wäre auch für Menschen in besonderen Lebenssituationen faktisch unzumutbar.
🙂 Die Frage ist natürlich ob die Folgen der Klimakatastrophe zumutbar sein werden.
Das Fliegen absolut wesentlich zu verteuern, wäre vielleicht unsozial. Eine einfache Lösung könnte sein:
Man stellt das Gesetz vom Mengen-Rabatt auf den Kopf und führt ein neues Gesetz ein, den Mengen-Malus. Das würde bedeuten, dass jeder Bürger ein paar Tausend Meilen pro Jahr zu ähnlichen Preisen fliegen kann wie bisher. Hat der „Flugkäufer“ diese Grenze erreicht, dann kostet jede Meile mehr, dies möglichst geometrisch steigend. So wäre es möglich, einerseits eine vernünftige Mobilität zu belassen, aber zumindest die schlimmsten Auswüchse zu kappen. Und den erzielten Überschuss in den vernünftigen Fortschritt zu investieren.

Dieses neue Muster würde auch zum Beispiel beim elektrischen Strom Sinn machen. Warum soll die Fabrik, die Alu-Dosen fürs Bier produziert und astronomisch viel verbraucht, den Strom wesentlich billiger kriegen als der kleine Familienhaushalt, der fast nichts braucht?

Es wäre doch besser, wenn diese industrielle Verschwendung teuerer wäre als das wenige, was ein Haushalt verbraucht. Das würde dann nicht nur den Verbrauch aus dem Kostendruck heraus senken sondern auch noch die menschliche Kreativität dazu bringen, sich mehr um die (mögliche) Lösung solcher zentraler Probleme kümmern. Oft sind die besseren Technologien ja schon vorhanden und werden nur nicht eingesetzt, weil der Rohstoff halt viel zu billig ist.

Mit „Dinge auf den Kopf stellen“ könnten wir schon mal anfangen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass „Muster brechen“ noch viel mehr bedeutet. Gut, dass wir bis zum PM-Camp noch ein wenig Zeit zum Nachdenken haben.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 24. September 2015

Ein Konzert der Arcis-Vocalisten lohnt immer. Termine!

Logo ArcisVocalistenIch habe schon auf ein paar Konzerte der Arcis-Vocalisten genossen. Evelyn Gemkow, die mir so viel hilft, singt mit großer Begeisterung bei diesem Chor und berichtet mir immer wieder von den schönen Konzerten. Bisher hat alles, was ich selbst gehört habe, mich tief beeindruckt! Es war immer ein Fest für Geist und Seele.

Deshalb mache ich auch hier in IF-BLog so gerne Reklame für diesen tollen Chor unter der Leitung von Professor Thomas Gropper. Ohne wäre das alles wahrscheinlich nie möglich gewesen.

Weil genau solche Aktivitäten das Leben erst so richtig schön machen, möchte ich mich an dieser Stelle mal ganz explizit bei Leitung und allen Mitwirkenden der Arcis-Vocalisten für alles das bedanken, was sie nur aus der Freude am Singen heraus leisten.

Hier die nächsten Konzerte dieser bemerkenswerten Truppe.

Zusammenfassung:

Die neue Saison beginnt mit Giuseppe Verdis dramatischem Requiem. Weitere Highlights der Saison sind sicherlich die Aufführung des Bach’schen Weihnachtsoratoriums und seiner Johannespassion im Herkulessaal. Im Frühjahr wird wieder unter der Regie von D. Reuscher ein großes Werk szenisch dargestellt, diesmal Belshazzar von Händel. Ausserdem konzertiert der Chor mit einem A-Cappella Programm in Stuttgart und Tübingen, bevor die Saison traditionell mit einem Konzert im Brunnenhof, dieses Mal mit Haydns Schöpfung, abgeschlossen wird.

Die Konzerte:

G. Verdi
Messa da Requiem
Thomas Gropper, Leitung
Sonntag, 15. November 2015, 19:00 Uhr, Herkulessaal der Münchner Residenz
(Veranstalter: Bell’Arte Konzertdirektion GmbH)

J. S. Bach
Weihnachts-Oratorium I-III, VI
Barockorchester L’Arpa Festante
Thomas Gropper, Leitung
Dienstag, 22. Dezember 2015, 20:00 Uhr, Herkulessaal der Münchner Residenz
(Veranstalter: Bell’Arte Konzertdirektion GmbH)

H. Schütz, Johannespassion
J. Bahms, Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen
Thomas Gropper, Leitung
Sonntag, 6. März 2016, 19:00 Uhr, Wallfahrtskirche St. Rasso, Grafrath
(Veranstalter: Kulturverein St. Rasso e.V.)

J. S. Bach
Johannes-Passion
Barockorchester L’Arpa Festante
Thomas Gropper, Leitung
Karfreitag, 25. März 2016, 18:00 Uhr, Herkulessaal der Münchner Residenz
(Veranstalter: Bell’Arte Konzertdirektion GmbH)

G. F. Händel
Belshazzar (szenische Aufführung)
Barockorchester L’Arpa Festante
Thomas Gropper, Leitung
Dieter Reuscher, Regie
Samstag, 7. Mai 2016, Himmelfahrtskirche München-Sendling
Sonntag, 8. Mai 2016, Himmelfahrtskirche München-Sendling

J. G. Rheinberger, Messe F-Dur, op. 117
J. Brahms, Motetten op.74
M. Fritz, De tranquillitate animi (24.6., Uraufführung)
Thomas Gropper, Leitung
Freitag, 17. Juni 2016, 19:00 Uhr, „Stunde der Kirchenmusik“, Stiftskirche Stuttgart
(Veranstalter: Stiftsmusik Stuttgart)
Samstag, 18. Juni 2016, 20:00 Uhr, „Tübinger Motette“, Stiftskirche Tübingen
(Veranstalter: Stiftskirche Tübingen)
Freitag, 24. Juni 2016, 20:00 Uhr, Himmelfahrtskirche München-Sendling

J. Haydn
Die Schöpfung
Barockorchester L`Arpa Festante
Thomas Gropper, Leitung
Samstag, 6. August 2016, 20:00 Uhr, Brunnenhof der Residenz, München
(Veranstalter: Bell’Arte Konzertdirektion GmbH)

Was für ein bemerkenswertes Programm! Ich bin sicher, da ist für jeden von Euch etwas dabei. Also – die Terminkalender aufschlagen!

RMD

Die Konzertdaten sind von der Website der Arcis-Vocalisten (Stand 24. September 2015).

Roland Dürre
Mittwoch, der 23. September 2015

DIESEL-GATE

20150923_120134_resizedDer Berg hat gekreisst und gebar ein neues Wort: DIESELGATE!

Die deutsche Aktie fällt, ein als sakrosankt geltender Vorstand stürzt. In allen Gazetten und Medien liest man darüber. Man hat den Eindruck, dass in der deutschen Wirtschaft etwas ganz schlimmes passiert sein muss.

Das ist es nach meiner Meinung auch. Nur habe ich von dem Aspekt, den ich meine, noch nirgends gelesen. Deshalb schreibe ich über Diesel-Gate, denn mir scheint, dass wieder einmal eine Schranke durchbrochen wurde.

Nicht, dass ich der Automobil-Branche solch einen Schwindel nicht zugetraut hätte. Traue ich doch keiner Branche mehr. Die Machenschaften der Banken kennen wir. In der Pharmazie fallen immer wieder Medikamente auf, denen bei der Zulassung vor Jahren eine hohe Wirksamkeit und keine nennenswerten Nebenwirkungen testiert wurden. Und bei denen sich herausstellt, dass genau das Gegenteil der Fall ist.

Dass Ölunternehmen sehr schmutzige Hände haben, ist bekannt. Dass es bei der Nahrungsmittelindustrie auch nicht besser aussieht, wissen wir. Und dass meine eigene Branche, die IT, nicht sauber ist, ist auch mir klar. Man muss nur darüber nachdenken, wie liebevoll Spam und Viren geschützt werden, damit man halt viele Server und sonstige Hardware für völligen Quatsch verkaufen kann.

Nein, dass Industrie ganz allgemein nicht nur durch Lobbyismus die Politik steuert und vor ihren Karren spannt, dass sie mit Werbung manipuliert und bei Bedarf auch mal betrügt, das weiß ein jeder und ist für mich kein Grund, diesen Artikel zu schreiben. Für mich gibt es da etwas viel Wesentlicheres.

Denn, so wie ich diesen Fall von „Manipulation“ an der Software verstehe, ist hier eine Schwelle überschritten worden. Den Begriff Manipulation habe ich in „Anführungszeichen“ gesetzt, weil es ja keine Manipulation war. Sondern eine ganz zielgerichtete Entwicklung – bestimmt brav im Pflichtenheft spezifiziert und im V-Modell oder ähnlichem festgelegt, wie zu testen.

Nein hier ging es um in professionelle Steuer-Software vorsätzlich implementierte Betrugs-Funktionen. Mit dem Ziel, mit diesen andere Technologie zu täuschen zu können, um einen technisch zumindest aktuell nicht machbaren Sachverhalt vorzugaukeln.

Irgendwie habe ich darauf vertraut, dass es eine digitale Verlängerung von analoger Redlichkeit gibt. Ich habe vertraut, dass Steuerungssoftware von mechatronischen (analog-digitalen) Systemen nicht zum vorsätzlichen Betrug eingesetzt wird. Und das wurde jetzt kategorisch widerlegt.

Somit hat die neue Unredlichkeit auch in der Software-Industrie eine bisher nicht von mir wahrgenommene Dimension erreicht. Und mein – vielleicht naives – Vertrauen auf technisch-digitale Technologie ist jetzt dahin.

RMD

P.S.
Dieser Vorfall ist im übrigen wieder ein Grund mehr, massiv die Offenlegung aller Software einzufordern.

Ganz einfach aber sehr lecker - die Verpflegung beim

Ganz einfach aber sehr lecker – die Verpflegung beim „Erzähl-Mahl“.

Katrin Frische und Sacha Storz hatten zu einem „Erzähl-Mahl“ in die Räume der TechDivision eingeladen. Beide mag ich, da bin ich gerne gekommen.

Dass die TechDivision bekannt ist für regelmäßig schönen Veranstaltungen in ihren Räumen – mal mit mehr technischen und mal mit mehr sozialem Hintergrund – war ein weiterer Grund hinzugehen. Das letzte Mal war ich während einer Veranstaltung im Rahmen der Münchner Webwoche zu einem agilen Thema dort.

Ein „Erzähl-Mahl“ ist ein wenig dem Symposium der alten Griechen ähnlich, einem „gemeinsamem, geselligen Trinken“.  Schon die alten Griechen haben sich während und nach dem Mahl dem geistigen Genuss bei Diskurs und Debatte und vielleicht noch ein wenig mehr dem guten Wein hingegeben. Man hat im Symposium also gut gegessen und getrunken und das Leben genossen. Und dabei der Philosophie gefrönt und nach Weisheit gestrebt.

Sacha - unser Gastgeber im schönen Gebäude an der Balan-Straße von TechDivision.

Sacha – unser Gastgeber im schönen Gebäude an der Balan-Straße von TechDivision.

Das „Erzähl-Mahl“ ist viel ruhiger als so ein Symposium und knüpft an eine alte Kultur der Kommunikation schon aus der Zeit des Jagen und Sammelns an. Wie in grauen Vorzeiten am Lagerfeuer erzählt man sich dabei reihum Geschichten. Und laut unserer Moderatorin Katrin soll und darf da eben nicht debattiert und diskutiert sondern nur gelauscht und erzählt werden.

Bei unserem „Erzähl-Mahl“ gab es auch nur Gutes. Die leckeren Speisen von Katrin wurden durch eine große Auswahl von höherwertigen alkoholfreien Getränken und eine Reihe ausgewählter Biersorten aus dem Kühlschrank der TechDivision ergänzt. Es war wie im Paradies.

Die Runde war nur zur siebt, denn drei schon angemeldete Gäste konnten dem Alltagsstress kurzfristig nicht entkommen und hatten abgesagt. Wenn die wüssten, was sie versäumt haben. Um so schöner und spannender wurde es für die Teilnehmer.

Katrin, die Veranstalterin hört moderiert und macht mit.

Rechts sehen wir die Katrin, wie sie zuhört, moderiert und mit macht.

Katrin hatte auf drei Blatt sechs kluge Fragen vorbereitet, man könnte fast sagen komponiert. Jeweils zwei Fragen waren auf einem Blatt und bildeten ein Pärchen, die so etwas wie ein Themen-Dreieck bildeten.  Zu jeder Frage gab es in Spiegelstrichen 3 – 6 Stichworte, die zum Nachdenken anregten.

Eines der Fragepärchen – die Fragen 3 und 4 mit der zugehörigen Aufforderung zum Nachdenken verrate ich:

Frage 3:
WELCHE WICHTIGE ENTSCHEIDUNG – BERUFLICH ODER PRIVAT – HAST DU IN DEN LETZTEN 12 MONATEN GETROFFEN?
Think about:
DIESER ZUGRUNDE LIEGENDEN WERTE – KONSEQUENZEN – EINFLUSS AUF ANDERE
oder
Frage 4
WAS MÖCHTEST DU IN DEINEM LEBEN NOCH VERWIRKLICHEN
Think about:
DEINE WERTE – DEIN ROTER FADEN – IMPACT – WELLDOING – BERUFUNG – SINN DES LEBENS

Den Rest verrate ich aber nicht. Damit noch ein wenig Spannung bleibt. Aber als Fazit sage ich mal:

Auch mein Nachbar hört mir aufmerksam zu.

Auch Carsten, mein Nachbar hört mir aufmerksam zu, so wie ich ihm.

Es war ein sehr gelungener Abend. Er hat bei mir viel bewirkt. Ich bedanke mich bei allen Teilnehmern, die mir an diesem Abend mit ihren Geschichten soviel gegeben haben.

Für mich wurde das „Erzähl-Mahl“ zu einem „Denk-Mahl“. Denn die vielen ansprechenden Berichte aus anderer Perspektive haben mich doch ziemlich nachdenklich gemacht. Ich habe dann auch viel von mir preisgegeben – und auch da wieder ein wenig mehr verstanden.

Es war ein sehr persönlicher Abend. Getragen von großer Sympathie und ich möchte fast sagen einer besonderen Entwicklung von Empathie.

Und ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht das letzte Mal gewesen ist, dass ich bei einem Erzähl-Mahl von Katrin dabei war.

RMD

Klaus Hnilica
Dienstag, der 22. September 2015

Ist ’soziale Gerechtigkeit‘ nur ein Missverständnis?

Ja – wenn wir weiter an dem festhalten, was wir bisher dafür halten! /1/

Nach diesen Vorstellungen hält sich nämlich seltsamer Weise auch jeder für sozial gerecht, beklagt aber im gleichen Atemzug die wachsende Ungerechtigkeit in der Welt.

Dieses Missverhältnis scheint unüberbrückbar zu sein.

ApfelpflückerWir sind einfach zu verliebt in unsere unklaren Begrifflichkeiten, ja suhlen uns regelrecht in der Vorstellung, dass die ‚soziale Gerechtigkeit’ eine Art ‚moralische eierlegende Wollmilchsau’ zu sein hat, und nicht etwa nur ein Mindeststandard für das Verhalten von Menschen, der lediglich ein paar Regeln umfasst, an die sich selbst die Böswilligsten zu halten haben!

Wenn wir allerdings Letzteres akzeptieren, stellt sich sehr schnell heraus, dass ‚soziale Gerechtigkeit’ eher wenig mit romantisierter ‚Gleichheit’ zu tun hat, aber sehr viel mit der nicht so romantischen ’Freiwilligkeit’. Und dass deswegen die Politik generell ein inhärentes strukturelles Problem hat, ‚soziale Gerechtigkeit’ herbeizuführen, auch wenn sie noch so eifrig ‚Gerechtigkeitslücken’ aufspürt und zu schließen versucht. In drei Schritten lässt sich das auch unschwer zeigen; man muss nur

   A) auf das allgemeine Prinzip der ‚Tauschgerechtigkeit’ eingehen,

   B) auf die ‚Gleichbehandlung und Ergebnisgleichheit’ und

   C) auf die besonders ins Auge springende ‚Verteilungsgerechtigkeit’.

Gehen wir auf die drei Schritte näher ein:

   A) Denn um eine sehr spezielle Form der ‚Tauschgerechtigkeit’ geht es ja letztlich, wenn im Namen der ‚sozialen Gerechtigkeit’ nach gerechten Preisen und Löhnen gerufen wird!

Etwa wenn es heißt: hier die duftende Alpenbutter, da die lächerlichen Ein-Euro-Achtzig; oder hier das Super-Manuskript und dort das schmale Honorar. ‚Wertgleichheit’ fordert eigentlich hierbei das allgemeine ‚Prinzip der Tauschgerechtigkeit’! Aber wie bestimmt man diese ‚Wertgleichheit’ objektiv bei jedem konkreten Tauschvorgang?

Ist in der Sahara beispielsweise eine Unze Gold für einen Eimer Wasser angemessen, wenn’s ums Überleben geht? Und sind 50 Cent für zwei Liter Milch nicht schon zuviel, wenn eine Laktoseunverträglichkeit vorliegt? Oder wie hoch darf die Honorarforderung für ein angebotenes Manuskript sein, das dann doch nur unter das Bein eines wackelnden Tisches geschoben wird?

Heißt das nicht, dass die ‚Bewertung’ eines Tauschobjektes naturgemäß sehr subjektiv ist und dieser Wert nichts mit Gleichwertigkeit zu tun hat? Dies umso mehr, als der Tausch ja nur zustande kommt, weil jeder Beteiligte die Tauschobjekte unterschiedlich bewertet und gerade darin seinen Gewinn sieht.

Natürlich lässt sich dieser ‚Tauschgewinn’ genauso wenig nachweisen wie der ‚Tauschwert’: aber klar ist auch, dass der Gewinn immer dann vorhanden und nachweisbar ist, wenn der Tausch freiwillig erfolgt! Woraus folgt, dass eine Tauschhandlung immer dann ‚sozial gerecht’ ist, wenn niemand zu ihr gezwungen wird!

Natürlich stellt diese Freiwilligkeit beim ‚Tausch’ nicht sicher, dass jeder seine Maximalvorstellung durchsetzt, und sie schützt auch nicht vor Fehlentscheidungen, wie beispielsweise dem unüberlegten Zugriff auf niedrigpreisige Milch trotz Laktoseunverträglichkeit. Aber das muss auch nicht sein. Denn die Bewertung des ‚Tauschgewinnes’ erfolgt ja subjektiv und darf daher dann nicht wieder unter ein falsches Gleichheitsdiktat gestellt werden, nur weil von der irreführenden Intuition ausgegangen wird, diese ‚Gleichheit’ stehe auch beim ‚Tauschgewinn’ in einem engem Zusammenhang mit ‚sozialer Gerechtigkeit’!

Somit lässt sich zusammenfassend sagen, dass Preise und Löhne immer dann sozial gerecht sind, wenn sie ohne Zwang akzeptiert werden können!

   B) Nun zur angeblich sozial gerechten ‚Gleichbehandlung und Ergebnisgleichheit’!

Hier führt die Gleichheitsbesessenheit in eine ähnliche logische Sackgasse, wie sich an einem einfachen Beispiel unschwer zeigen lässt: Stellt man nämlich an eine Rentnerin, einen Sportler und einen sechsjährigen Jungen unter dem Aspekt der Gleichbehandlung die gleiche Forderung, nämlich von einem vier Meter hohen Apfelbaum, an dem eine Leiter lehnt, Äpfel zu pflücken, so wird das Ergebnis sehr unterschiedlich ausfallen: erst nach sehr unterschiedlich gearteten Hilfeleistungen, die in keiner Weise mehr einer Gleichbehandlung entsprechen, werden alle drei Kandidaten zur gleichen Anzahl von Äpfeln gelangen und somit Ergebnisgleichheit erzielen.

Da aber letztlich alle Individuen auf der Erde unterschiedlich sind, wird generell bei Gleichbehandlung nie Ergebnisgleichheit erzielt werden und umgekehrt!

Und obwohl dieser Sachverhalt glasklar ist, fordern wir immer wieder Gleichheit bei sozialer Gerechtigkeit. Aber wäre Gleichheit wirklich sozial gerecht, dann wäre doch auch ein Zustand, in dem es allen Menschen gleich schlecht geht, gerechtigkeitstheoretisch das Großartigste, was man sich nur wünschen kann.

Glücklicherweise glaubt das niemand! Dennoch sträuben wir uns, die logische Konsequenz zu ziehen und Gleichheit nicht mehr als einen Ausdruck sozialer Gerechtigkeit zu betrachten.

   C)  Besonders augenfällig ist die Gleichheitsneigung in Debatten über ‚Verteilungsgerechtigkeit’!

Verteilen bedeutet ausgeben aus einem Vorrat. Verteilungsgerechtigkeit fordert, dass dies nach gewissen Regeln zu erfolgen hat. Am klarsten sind die Gerechtigkeitsverhältnisse aber letztlich nur dann, wenn die Eigentümerin verteilt, denn dann gilt ausschließlich ihr Wille. Es kann zwar vernünftig sein, sich an den Erwartungen Dritter zu orientieren, aber eine Forderung der sozialen Gerechtigkeit ist das nicht. Sondern der wird durch den Schutz von Eigentumsrechten genüge getan.

Wirklich schwierig wird es aber, wenn keine klaren Eigentumsverhältnisse vorliegen, wie das in jedem politischen System der Fall ist, da sich hier die Einflussbereiche der Verteiler und der Empfänger vielfach überschneiden. Da sind Konflikte vorprogrammiert und deren ‚gerechte Lösung’ nicht nur eine theoretische Herausforderung, sondern in den meisten Fällen nur mehr ein hehres Ziel!

Wie einfach haben es im Vergleich dazu Privatpersonen und Unternehmen: sie brauchen nur – nicht zu betrügen, nicht zu stehlen, nicht gewalttätig zu sein und nicht vertragsbrüchig – und schon handeln sie gerecht. Mehr Regeln brauchen sie nicht einzuhalten!

Letztlich ergibt sich aus dieser Beobachtung nicht nur für die Gerechtigkeitstheorie, sondern vor allem für die Wirtschafts- und Sozialpolitik eine überraschende Lösung, nämlich die, möglichst viele Entscheidungen in den privaten Bereich auszulagern, da hier klare und nach dem oben Gesagtem auch ‚sozial gerechte’ Verhältnisse herrschen.

Sicher nur ein frommer Wunsch, denn von dem unhaltbaren ‚gleichheitsgesättigten’ Gerechtigkeitsbegriff werden sich viele trotzdem nicht trennen wollen! Und von der daraus erwachsenen Machtfülle, die dieses ‚übergriffige Gleichheitsverständnis’ ermöglicht, noch weniger!

KH
/1/ Dagmar Schulze Heuling; „Was Gerechtigkeit nicht ist“; Nomos – Verlag Baden – Baden

Diesmal heißt es:

ALLE MACHT FÜR NIEMAND LIVE ERLEBEN!

andreaszeuchAlle Macht für Niemand!
Das ist das Motto von Dr. Andreas Zeuch. In seinem neuen Buch, erschienen am 8. September dieses Jahres, setzt er sich ausgiebig mit „Unternehmensdemokratie“ auseinander. Und es ist keine theoretische Abhandlung geworden, sondern ein spannender Bericht aus dem prallen Leben. Ich würde es ein mutiges und provokatives Werk nennen, das mit so manchem Vorurteil aufräumt.

Andreas habe ich auf dem PM-Camp in Berlin 2014 persönlich kennen gelernt. Da hat er den Impuls am Morgen des ersten Tages gegeben. Sein Thema war dort „Wie viel Intuition verträgt ein Unternehmen“. Dieser Vortrag hat mich so inspiriert hat, dass ich den ganzen Vormittag mit Andreas verbrachte. Und so die ersten Sessions am Vormittag des PM-Camps komplett versäumt habe.

Hier ein Auszug aus dem Ausschreibungstext:

Unternehmensdemokratie – ist das die Zukunft der Arbeit oder der Witz der Woche? Können Unternehmen überhaupt eine demokratische Veranstaltung sein, oder lähmen gemeinsame Entscheidungsprozesse nicht und führen zur Insolvenz? Schließlich brauchen wir nicht nur Häuptlinge, sondern auch Indianer!

Was geschieht, wenn ein CEO gewählt wird? Wenn eine Bank alle Hierarchiestufen abschafft; wenn sich Mitarbeiter ihre Aufgaben selber aussuchen oder das Reinigungspersonal bei Innovationen dabei ist? Bricht dann Chaos aus, oder entfaltet sich die innere Motivation der Belegschaft?

Andreas Zeuch ist auf Reise gegangen und hat Unternehmen gefunden, die zeigen, dass Unternehmensdemokratie eine menschlich lebendige und wirtschaftlich erfolgreiche Alternative zum zentralistischen Top-Down ist.

InterFace-Logo Anmeldung auch zu diesem IF-Forum geht wie immer ganz einfach per E-Mail. Ich darf wieder moderieren und freue mich schon auf wie immer spannende Diskussionen und schöne Gespräche!

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 20. September 2015

Fast vergessen. PM-Camp in Karlsruhe. Am 25./26. September!

pmcamp-logo_karlsruhe_153x70Ich ärgere mich. Fast hätte ich das PM-Camp in Karlsruhe vergessen. Und keine Werbung dafür gemacht. Das darf nicht sein!

Eine große Entschuldigung geht ans Orga-Team nach Karlsruhe. Ich bin tief zerknirscht. Und gelobe Besserung.

Das Motto in Karlsruhe wird sein:

Projekte mit Begeisterung – woher kommt die Magie?

Leider kann ich am nächsten Freitag und Samstag selber nicht dabei sein. Das finde ich sehr schade. Denn das Orgateam in Karlsruhe hat einen guten Job gemacht. Und hätte ein noch ein paar Teilnehmer mehr verdient.

Deshalb hier mein Aufruf. Wer in der Gegend von Karlsruhe lebt, diesen Freitag und Samstag Zeit und Interesse an Projekt Management, Management allgemein, Führung, Unternehmertum und solchen Dingen hat, der soll doch unbedingt zum PM-Camp an der Hochschule für Technik in Karlsruhe kommen.

Das Programm ist spannend wie immer. Es wird sich lohnen und wie immer werden alle PM-Camp-Teilnehmer zufrieden, klüger und glücklicher heimfahren.

Und ich werde in Abwesenheit die Timeline des Tags #PMCampKA verfolgen und freue mich, wenn alle Teilnehmer viel übers Camp twittern!

Und dies Bitte ganz ausnahmsweise:
Wenn Ihr als Reklame für Karlsruhe diesen Artikel ein wenig mehr als üblich twittert, freue ich mich auch!

RMD

Warum ich keine Konferenzen mehr mag, Barcamps aber liebe?
ODER: 
Was auf Barcamps alles so passieren kann!

Gute Laune in Dornbirn auf einem PM-Camp.

Gute Laune in Dornbirn auf PM-Camp

Ich mag keine Konferenzen mehr. Deshalb stehe ich als Redner für solche Veranstaltungen nur noch in Ausnahmefällen zur Verfügung wie demnächst wieder auf der DOAG-Konferenz in Nürnberg.
😉 Oder gegen gute Bezahlung.

Denn wie geht die Redner-Auswahl bei Konferenzen? Mindestens sechs, meistens aber wesentlich mehr Monate vor dem Termin müssen potentielle Referenten ihren Beitrag einreichen. Mit einem konkreten Thema, einem Summary und einer Kurzfassung. Meistens mit vorgegebener Anzahl von Zeichen und einer blöden Word-Vorlage.

Aber wie soll ich im Januar wissen, was mich zum Jahresende bewegt? Woher wissen wie die Dinge sich in den Monaten bis zum Vortrag weiterentwickeln?

Nach Einsende-Schluss tagt das Konferenz-Komitee. Das soll die passenden Beiträge auswählen. Die Juroren im Komitee müssen auf die Veranstaltungs-Sponsoren, die Vertreter zahlreicher Interessen und der Industrie, diverse Amigos, politische Einflussnahme und vieles mehr Rücksicht nehmen. Sie kennen die meisten Einreichenden nicht persönlich, so können sie auch nichts über deren Redner-Qualitäten wissen. Oft fehlt ihnen auch die fachliche Kompetenz.

Junge Referenten, die vielleicht wirklich etwas zu sagen hätten, haben da keine Chance und dementsprechend sieht dann das Konferenzprogramm auch aus.

Die glücklich Ausgewählten müssen ein Manuskript einreichen. Das muss dann auch wieder eine bestimmte Länge haben, die Word-Vorlage ist in der Regel noch schlimmer als die bei der Einreichung. Auch das Manuskript muss immer noch eine ganz schöne lange Zeit vor der Konferenz eingereicht werden. Denn der Begleitband muss ja gedruckt werden.

Da denke ich mir, warum soll ich etwas vortragen, dass doch jeder der Anwesenden schriftlich vorliegen hat? Ich rede immer frei, ohne Powerpoint oder ähnliches. Wenn ich in einem großen Raum spreche, bitte ich meinen Graphiker mir ein paar Dia zu erstellen, die meine Rede emotional unterstreichen. Aber nicht mehr. Was ich genau erzähle weiß ich doch erst am Tag der Veranstaltung – und das ändert sich auch noch während des Vortrages den Rückmeldungen meiner Zuhörer folgend.

Und dann kommt der große Tag. Meistens beginnt die Konferenz mit einem aufwändigem Einführungsbromborium mit Grußworten und ähnlichem. Hier wird dann das Sitzfleisch und die Fähigkeit „wach zu bleiben“ der Zuhörer schon mal geprüft. Und dann wird kräftig „one-way“ beschallt.

Die Referenten lesen brav ihr Manuskript aus dem Tagungsband vor, der eine macht das besser, der andere schlechter. Wortmeldungen sind kaum möglich, ein Diskurs entsteht nie. Oben wird vorab Produziertes runtergeleiert, das unten vom Publikum konsumiert werden soll.

Mit einer lieben Freundin (einer renommierten Professorin) war ich vor kurzem auf einer akademischen Tagung. Da war es auch nicht viel anders. Auf meinen Hinweis, dass die Beiträge schon erstaunlich schwach wären, hat sie mich damit getröstet, dass die Vorträge ja Nebensache wären. Wichtig wäre, sich mal zu treffen und auszutauschen. Und vor allem die Abendveranstaltung würde den Wert des Treffens ausmachen.

Und das stimmt ja auch – wir müssen unser Wissen teilen und miteinander reden, wenn wir weiter kommen wollen. Aber für was brauche die Vorträge tagsüber, die keinen interessieren? Wahrscheinlich ist das dann nur eine Staffage fürs Finanzamt, um reisen und abends gemeinsam bei Speisen und Wein reden zu können..

PM-Camp Berlin 2015, Thema Komplexität by VisualBrainDump

PM-Camp Berlin 2015, Thema Komplexität by VisualBrainDump.

Bei einem Barcamp ist das alles ganz anders. Und nach meiner Meinung viel besser!

Also, was ist ein Barcamp? Natürlich findet Ihr in Wikipedia eine hervorragende Beschreibung. Ich versuche hier aber mal, das Thema ganz anders zu beleuchten.

Stellt Euch vor, 50 bis 100 Menschen treffen sich. Zum Beispiel Blogger, Unternehmer oder Experten. Oder Menschen, die bereit sind eine besondere gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen oder einfach nur gemeinsame Interessen haben.

Vorzugsweise sollten das Menschen sein, die gerne und ganz offen ihre Erfahrungen, ihr Gelerntes aber auch ihre Probleme teilen. Die auf Augenhöhe kommunizieren und an wichtigen Themen partizipieren wollen. Die nach autonomer Aufgeklärtheit streben, die vom redlichen Diskurs des Professor Habermas träumen (vielleicht ohne es zu wissen), die sich alle duzen und die gerne auch die anderen ausreden lassen. Selbst dann muss man eine Tagung nach heutigem Stand irgendwie organisieren.

Beim Barcamp ist es ganz einfach. Man stellt genug Räume bereit, in denen die Sessions stattfinden. Ein Raum muss so groß sein, dass alle Teilnehmer reinpassen. Dort werden gemeinsam die Sessions  entwickelt. Deshalb steht in der Mitte dieses Raumes eine Tafel. Auf Ihr ist einer Matrix, bei die Zeilen die Zeit der Sessions vorgeben (zum Beispiel für jede Stunde eine Zeile). Die Spalten markieren die Räume A, B, C …

Beispiel für eine Sessionplanung bei einem PM-Camp

Beispiel für eine Sessionplanung bei einem PM-Camp.

Und jeder, der ein Problem hat, das ihm auf den Nägeln brennt, geht raus an die Tafel, heftet eine Karte mit seinem Thema ran und reserviert so den Raum und die Zeit für seine Session. Dann stellt sich vor und schildert knapp, zu welche Thema er berichten und welche Form er für diese Session vorschlagen möchte. Und wenn genug Karten an der Tafel hängen oder die Tafel voll ist, dann geht es los.

Wenn man dann noch einen schönen Kaffeeraum hat, es dort immer etwas zu essen und trinken gibt, dann ist der Erfolg schon fast gewährleistet. Denn es gibt noch eine Regel:

Jeder beim Barcamp ist frei.

Er kann wie ein Bienchen, das Honig sammelt, eifrig an möglichst vielen Sessions teilnehmen. Er kann aber auch wie ein Schmetterling nur bunt durch die Gegend flattern (Biene und Schmetterling sind die klassischen Metaphern fürs Verhalten bei einem Barcamp) und sich da aufhalten, wo es ihm gerade gefällt.

Wenn ein Teilnehmer merkt, dass er in der falschen Sitzung ist, dann soll er diese verlassen. Das ist bei einem Barcamp nicht unhöflich, im Gegenteil fast eine Pflicht, damit es funktioniert. Deshalb sollten die Türen zu allen Räumen immer offen stehen.

Die Regel sagt auch: Alles was passiert, ist das genau das, was passieren sollte. Wenn zu einer Session nur wenige Besucher kommen, ist es genauso richtig wie wenn alle zu einer kommen. Es schaukelt sich schon zu recht.

Neuerdings versuchen Barcamp-Veranstalter einen Rahmen anzubieten, in dem die Sessions dokumentiert werden können. Es gibt eine besondere Variante des Barcamps, den OpenSpace, da ist die Dokumentation Pflicht und wird von einem sogenannten OpenSpace-Office unterstützt. eingesammelt und zusammengefasst.

Party beim PM-Camp in Dornbirn

Party beim PM-Camp in Dornbirn.

So einfach ist Barcamp. Ein Barcamp dauert in der Regel zwei Tage. Die Party am am Abend des ersten Tages tut immer sehr gut. Am zweiten Tag finden dann oft besonders viele spontane Sessions statt.

Ein Barcamp gilt genau dann als erfolgreich, wenn alle Teilnehmer – die wir beim Barcamp auch „Teilhaber“ nennen – zufrieden und glücklich die Heimreise antreten, mit vollem Herzen und Geist.

Obwohl man von einem Barcamp keine Ergebnisse erwarten soll, passiert dort oft Erstaunliches. Ich kenne Bewegungen und Unternehmen, die als Idee in einer Session entstanden sind. Es bilden sich erstaunlich viele Freundschaften und schöne Netzwerke. Die Anregungen sind immer groß. Barcamps bewirken so viel, helfen Menschen ins Nachdenken zu kommen, Dinge anders zu bewerten und privat wie „beruflich“ oder „geschäftlich“ erfolgreicher zu werden.

actmobcmp_100-300x86Ich war bei Camps wie OpenStartUp oder WorkLifeBalance. Dort und in fünf Jahren PM-Camp habe ich das Beschriebene erlebt. Beim PM-Camp ging es um Projekt Management, Führung und Unternehmertum. Ich habe jetzt gelernt, dass es Wichtigeres gibt. Zum Beispiel wird die Art, wie wir unsere Mobilität gestalten, von zentraler Bedeutung für unsere Zukunft sein. Deshalb habe ich mit Freunden ein neues Barcamp für „Aktive Mobilität im Alltag“ #AktMobCmp gegründet.

Wir starten am 4./5. Januar 2016 in Unterhaching.

RMD

Einladung zu einer Vorab-Veranstaltung zu AktMobCmp am 14. 10. 2015 in Unterhaching

actmobcmp_100-300x86In IF-Blog habe ich ja schon von unserem Vorhaben berichtet: Am 4. und 5. Januar des kommenden Jahres (2016), genau vor Dreikönig, wollen wir ein neues Barcamp starten.

Es ist das AktMobCmp, das erste BarCamp für „Aktive Mobilität im Alltag“. Mit diesem Barcamp werden wir das für unsere Zukunft so wichtige Thema „Mobilität“ angehen.

Die Vorbereitungen sind abgeschlossen, wir haben gut geeignete Räume, eine schöne Website, einen Sponsoren-Flyer und einen Handzettel – und auch schon erste Sponsoren.

Jetzt wollen wir auf die Veranstaltung aufmerksam machen. Dazu laden wir auch zu Vorab-Veranstaltungen ein. Die erste Veranstaltung wird am 14. Oktober im Treff der Agenda 21 in Unterhaching (Rathausplatz Unterhaching, Hofmarkweg 12) von 18:00 bis 20:00 stattfinden. Dort wollen wir das erste Mal öffentlich über unser „Barcamp für Aktive Mobilität“ informieren.

Die Veranstaltung soll folgende Fragen beantworten:

Warum ist die „Aktive Mobilität im Alltag“ so wichtig?
und
Was ist ein „Barcamp und warum ein Barcamp“?

So wird Jörg Schindler an diesem Abend die Frage beantworten, warum Mobilität ein sehr wichtiges Zukunftsthema ist und wir uns mehr um den sogenannten Restverkehr jenseits des „individuellen & motorisierten“ und „öffentlichen“ Verkehr kümmern müssen.

Ich kenne Jörg als sehr kompetenten und überzeugenden aber auch unterhaltsamen Redner. Man findet seine sehr spannenden und wertvollen Vorträge auch in Youtube. Hier ein Beispiel:

Ich (Roland Dürre) werde im Anschluss berichten, was ein Barcamp ist und warum eine solche „Unkonferenz“ viel besser für das Teilen von Wissen und Entwickeln und Anwenden von neuen Erkenntnissen geeignet ist als die üblichen klassischen Formate. Und am Beispiel von PM-Camp schildern, was man mit dem Teilen von Wissen und „Miteinander Reden“ alles erreichen kann.

Nach den kurzen Beiträgen von Jörg und mir werden wir das Gehörte in der Runde diskutieren, vielleicht in Form einer FishBowl.

Auf diese Art und Weise wollen wir für unser AktMobCmp im Januar 2016 werben. Die KollegInnen der Agenda 21-Organisationen im Landkreis München werden wir dazu persönlich einladen. Willkommen sind aber auch alle Menschen, die an dem Thema „Agile Mobilität im Alltag“ interessiert sind und gerne für eine lebenswerte Zukunft denken und handeln wollen. So sind auch Sie herzlich eingeladen. Und besonders freuen wir uns natürlich, wenn uns auch Menschen aus dem Bereich der Medien zu uns kommen.

Die Teilnahme dieser Vorabveranstaltung zu AktMobCmp ist kostenfrei. Wir freuen uns auf jeden Teilnehmer und möchten nur um eine kurze Anmeldung per E-Mail bitten. Denn – falls die Plätze im Treff der Agenda 21 nicht ausreichen – werden wir die Veranstaltung in einem geeigneten Raum verlegen, der vom Treff aus gut zu Fuß zu erreichen ist. Eine eventuelle Raumänderung werden wir natürlich rechtzeitig bekannt machen.

RMD