Oder:

Wie ich das erste Mal echtes „Projekt Management“ erlebte.

Beim PM-Camp Berlin habe ich von vier Projekten aus der Vintage Zeit berichtet, die für mich sehr wichtig waren. Und hier angekündigt, dass ich alle vier auch in IF-Blog beschreiben werde.

Projekt 3

Jetzt kommt die Geschichte zum dritten Projekt:

Fernschreiber (Siemens T100) - eingeführt im Jahre 1958 - moderner Nachfolger des T50

Fernschreiber (Siemens T100 – 1958), der moderne Nachfolger des T50

Nach meinem Wechsel innerhalb der Siemens AG weg von UB D WS DF 131 hatte ich gemeinsam mit einem neuen Kollegen, der schnell zum Freund wurde, die technische Verantwortung für ein relevantes und absolut innovatives Groß-Projekt namens DISPOL.

Siemens hatte den Auftrag gewonnen, das Fernschreib-Netz der Polizei Bayerns durch ein Transdata-Netzwerk basierend auf moderner Leitungsvermittlung zu ersetzen. Parallel zur Netzablösung sollten auch die Karteikästen durch eine Datenbank in einem zentralen Host (Mainframe – das war ein BS 1000 System) und die Fernschreiber durch moderne Datensichtgeräte abgelöst werden.

Das war so ungefähr von 1979 – 1981. Ich war noch fest angestellt bei Siemens, allerdings war ich gerade der Entwicklungsabteilung von Transdata/PDN, bzw. der dort eingezogenen „Bürocracy“ entflohen und suchte jetzt mein Heil im „Vertrieb“ bei UB D V S 3. Das war die Abkürzung für „Unternehmensbereich Datenverarbeitung, Vertrieb, Sonderprojekte  3“.
Siehe dazu den Bericht zu meinem Vintage Projekt #2.

Mein Wechsel aus dem Labor zu den Sonderprojekten bewirkte, dass ich aus der lieb gewonnenen und so angenehm privaten Umgebung der Ortenburgstraße (nahe dem Standort Hofmannstr.) nach Neuperlach umziehen musste. Und schnell habe ich verstanden, warum das neue Gebäude an der S-Bahn Neuperlach Süd von vielen Menschen boshaft „Datasibirsk“ oder „Lego-Stadt“ genannt wurde.

Für mich war es noch schlimmer. Ich zog in ein kühles Hochhaus in einem eingezäuntem Areal ein, das mich an ein großes Kasernengelände erinnerte. Beton und kalter HighTech-Schick dominierten. Und ich fühlte mich auch kaserniert, das einzig zivile innerhalb des Geländes ein Obst-Händler, der seine Waren an seinem Stand innerhalb des Standortes feil bot.

Vom ersten Tag fühlte ich mich im nur außen bunten aber innen recht grauen Betonbunker unwohl. Dies obwohl man immerhin noch die Fenster öffnen konnte und es im Inneren des umzäunten Bereiches viel Grün gab. Doch auch das Grün war auf eine sehr nüchterne Art domestiziert – nicht so schön wie man sich z.B. einen Schloßgarten vorstellt sondern mehr so techno-zweckmäßig.

Aber ich hatte Glück. Ich war ja bei den Sonderprojekten – und die fanden eben nicht im heimischen Office statt, sondern draußen in der Welt. Und da ich quasi mit Herrschaftswissen ausgestattet war, war ich jetzt mein eigener Herr und fühle mich wie ein kleiner König.

Und so zog ich es vor, mich überwiegend in der Räumen des Kunden (Bayerisches Landeskriminalamt in der Maillinger Straße) zu bewegen und mich in Neuperlach nur sehen zu lassen, wenn es eben unbedingt notwendig war. Die Räume der Polizei kamen mir trotz strengster Sicherheitsvorkehrungen viel menschlicher vor als der neue High-Tech-Standort der Siemens AG.

Die Flucht aus dem der Bürokratie geopferten „Labor“ war gelungen und ich durfte das richtige Leben erleben. Und das Projekt Dispol war eine tolle Sache. Eine totale Innovation. Gemeinsam mit exzellenten Partnern auf Seite der bayerischen Polizei waren wir ein wunderbares Team, das maximal konstruktiv und auf Augenhöhe zusammen arbeitete. Allerdings kam ich zu einem Zeitpunkt, zu dem das Projekt recht fortgeschritten war.

Und es gab eine Reihe von Geburtsfehlern – in allen möglichen Dimensionen des Projekts. So galt es, zuerst mal eine Reihe von hohen Hürden zu überwinden; da hatten wir ein völlig unsinniges Design, das schon teilweise implementiert war (man wollte ein starres System völlig funktionswidrig mit dynamischen Verbindungsaufbau realisieren), es gab diverse Architekturfehler bei HW und SW, die ganz schnell korrigiert werden mussten (Systeme ohne lokalen Speicher für den schnellen Reload, mangelhafte Testumgebung …), der totale Ausfall von zugesagten Komponenten (ein Beispiel ist hier der Fernschreib-Port, der zwar die Protokolle der damaligen Post trefflich konnte, aber nicht die der Polizei, die schon „elektrisch“ ganz anders waren) und dazu viele weitere „normale“ Herausforderungen, die eben so auftreten, wenn man Dinge das allererste mal macht …

Und es gab auch eine schwierige Anforderung im Vertrag. Denn das neue Produkt DISPOL sollte ein Fernschreiber-Netz ablösen. Und solche Fernschreibernetze hatten (zumindest in Bayern) eine Verfügbarkeit über Jahre wenn nicht Jahrzehnte von echten 100%. Das heißt, sie fielen NIE aus.

Und das hat der Kunde natürlich auch von der neuen Lösung erwartet. Zurecht?! Da Siemens (damals) natürlich nicht dumm war, hatten sie im Vertrag ausgehandelt, dass das System zumindest keine Verfügbarkeit von 100 % haben musste. Es durfte auch ab und zu mal ausfallen. Man ahnte wohl, dass die EDV ihre Einschränkungen hatte. Aber eben nur „ab und zu mal“.

So war vertraglich vereinbart, dass die Abnahme erst erfolgte, wenn das System einen gewissen Zeitraum (ich meine zwei Wochen) am Stück lief und die „down-time“ bei ganz wenigen Stunden lag (ich meine es war genau eine).

Das Problem war nur, dass der Wiederanlauf unserer Rechner auch gut eine Stunde erforderte. So bedeutete ein Absturz auch nur eines Systems, dass die zwei Wochen von vorne los gingen und so alle Versuche der Abnahme nach ein paar Tagen, spätestens aber ein paar Tage vor Fristablauf scheiterten …
(Einschub: Auch dieses Problem haben wir triggy gelöst, bei Interesse berichte ich gerne darüber).

Einen Absturz gab es halt immer, denn wir hatten eine Reihe von sporadischen und schwer zu reproduzierenden Fehlern, von denen der eine oder andere halt dann immer vor Ablauf der vier Wochen auftrat. Und die wir halt der Reihe nach „raus-pulen“ mussten. Das „raus-pulen“ von Fehlern braucht aber Zeit. Weil man da Fallen implementieren muss, die den Fehler „fangen“ und ihn reproduzierbar machen. Und diese Zeit hatten wir vertragsbedingt nicht.

Vielleicht noch ein vielleicht interessanter Einschub:
Der Test ging so, dass der Polizeibetrieb in der Phase der Abnahme doppelt lief. Der Echtbetrieb mit den Echtdaten lief weiter auf der alten Technologie des bewährten Fernschreib-Netzes. Die archivierten Originaldaten (Lochstreifen) liefen dann aber zeitversetzt 1:1 über das neue System. Zum Testen. Formal wurden zwar kritische Daten anonymisiert und entschärft. Aber eben nur soweit es möglich war. Und es ist (natürlich) nichts passiert. Weil wir wußten, dass das sensible Daten sind und wir da eine Verantwortung haben. Heute würden die Herren vom Datenschutz wahrscheinlich heulen.

Aber zurück zum Thema:
Das Problem mit der Standfestigkeit des Systems trat erst in der Endphase des Projektes auf (die sich ganz schön lange hinzog). Wegen den beschriebenen Ursachen gab es schon vorher eine Reihe von Problemen.

So geriet das Management in Panik. Das war auch der Grund, warum es mich ins Projekt geholt hatte. Dann hat es verstanden, dass sehr viel zu tun war und versorgte uns mit zusätzlichen Ressourcen! Das waren Consultants und junge Leute, die halt irgendwo im großen Konzern herum sassen und nichts zu tun hatten. Und:
Es installierte einen Projekt Manager! 

Ich berichte zuerst von meinen Erfahrungen mit den Consultants und jungen Leuten, dann vom Projekt Manager.

Die Consultants

Da kamen ein paar. Die sollten uns verstärken, was sie aber in der Regel nicht so richtig getan haben. Besonders erinnere ich mich an zwei Kollegen von der PSE (österreichische Siemenstocher für SW-Entwicklung). Der eine kam aus Wien und der andere aus Graz. Beide waren Doktoren, der eine hatte den akademischen Titel in der Psychologie, der andere in der Physik.

Beide waren höchst sympathische Kerle. Beide waren unglücklich in der Fremde. Der eine vermisste das schöne Wien, der andere Graz. Beide kamen mir sehr intelligent wenn nicht genial vor. Beide hatten einen Namen, der mit einem M. begann. Und beide hatten aber vom System wenig und wie guter Code aussehen sollte gar keine Ahnung.

Das habe ich den beiden aber nie gesagt, weil sie mir eben so richtig sympathisch waren. So durften sie mitspielen und haben das auch brav und gut gemacht. Nur so richtig im Projekt sind sie halt nicht angekommen. Auch weil sie wie Söldner in diesem Projekt „auf Montage“ waren. Und das erhöht Motivation und Leistungsfähigkeit nicht sonderlich. So war auch ihr Wertbeitrag nicht sonderlich relevant.

Die jungen Leute

Ich erinnere mich auch an eine junge Frau und einen jungen Mann, die wir bekommen haben. Beide waren blutjung (Anfang 20, ich war zu Beginn noch keine 30). Die beiden hatten irgendwo bei Siemens eine Ausbildung in Richtung IT gemacht.

Beide waren höchst motiviert, haben aufmerksam zugehört, gut gefolgt und so schnell die Technik wie ihre Aufgabe verstanden. Beide waren auch wahrscheinlich sehr billig – besonders in Relation zu den promovierten Consultants – und haben einen extrem hohen Beitrag zum Gelingen des Projektes geleistet. Aus beiden ist dann übrigens etwas geworden. Aber nicht bei Siemens.
Jetzt fehlt nur noch der neue

Der Projekt Manager

Der Projekt Manager war ein seriöser Herr, der immer Krawatte trug und vom ersten Tag durch hohe Nervosität auffiel. Die ich ich gut verstehen konnte, denn er sollte ja ein Problem lösen, von dem er wirklich keine um nicht zu sagen null Ahnung hatte. Einen wesentlichen Teil sass er bei uns und schrieb unaufhörlich Berichte. Die restliche Zeit war er in Sitzungen in Neuperlach. Er war so etwas wie ein Dolmetscher zwischen den Welten des Management und dem Projekt, das aus Technologie bestand. Der Sprache der Technologie war er nicht mächtig und konnte so das Projekt nie verstehen. Ich mutmasste, dass er auch nicht der Sprache des Managements mächtig war, die ich ja in meiner Zeit im Labor als Versorger von Großprojekten so ein wenig kennen gelernt hatte. Er war ein einsamer Wanderer zwischen zwei Welten.

Unser Projekt Manager hatte eine eigenartige Stimme und so schnell einen Spitznamen weg (Schnarrie). Den haben ihm unsere beiden Damen (W. und C.) gegeben, die die Koordination recht gut durchführten und den Kunden sehr klug betreuten. Vielleicht weil sie sich ärgerten, dass so auch ihre Rollen beschnitten wurden.

Schnarrie hatte für uns einen zweifachen Nutzen. Zum ersten mussten wir uns nicht mehr dem Management gegenüber rechtfertigen, eine Übung, die nicht nur Hans und Mich wie unseren Damen gelegentlich durchaus Zeit und auch Nerven kostete. Und er hatte ein Budget! Das hatten wir vorher nie. Und so gelang es uns, doch eine Reihe von schönen „Siegesfeiern“, wenn wir wieder einen sporadischen Bug oder so gefunden hatte, auf Kosten von Siemens durchzuführen …

Das sollte genügen. Das Projekt DISPOL wurde übrigens ein großer Erfolg und lief Jahrzehnte zur äußersten Zufriedenheit der Bayerischen Polizei. Und brachte der Siemens AG gute Folgeaufträge ein.

RMD

Das Grauen der fossilen Welt nach Transfer Patras-Venedig auf einer nicht minder stinkenden griechischen Fähre.

Das Grauen der fossilen Welt nach einem Transfer von Patras nach Venedig auf einer nicht minder stinkenden griechischen Fähre.

Jörg Schindler hat im folgenden ganz frisch einige Gedanken zu dieser Frage formuliert. 

Er spricht von reinen Batterieautos (E-Autos), die ihre Energie durch Aufladen der Batterie aus dem Stromnetz beziehen. 

Nicht nur nach Lektüre dieses Artikel gibt es eigentlich nur einen Schluss. Wir müssen unsere Mobilität gründlich überdenken und verändern. Veränderung jedoch geht in unserer Gesellschaft nur von „unten“ wie zum Beispiel durch Graswurzelbewegungen.

Wir starten am 4./5. Januar 2106 mit einem ersten Barcamp für „Aktive Mobilität im Alltag“ in Unterhaching – AktMobCmp.

Jetzt zum Artikel von Jörg Schindler:

Der Beitrag von E-Autos zur Emissionsminderung und zur Reduzierung der Ölabhängigkeit

Ein Technologiewechsel für die Antriebstechnik und die Kraftstoffe der Automobile ist unvermeidlich aus einer Vielzahl von Gründen:

  1. Die Städte ersticken buchstäblich unter den Abgasen des Autoverkehrs, nicht nur in China.
  2. Mittel- und längerfristig ist der Abschied vom Öl wegen seiner in Zukunft stetig abnehmenden Verfügbarkeit – und damit der Abschied vom Verbrennungsmotor – unvermeidlich.
  3. Dieser Abschied sollte aus Gründen des Klimaschutzes möglichst schnell erfolgen. Aus diesen Gründen ist ein Technologiewechsel vom Verbrennungsmotor hin zu elektrisch angetriebenen Fahrzeugen notwendig und sinnvoll.

Unstrittig ist daher das Ziel sinnvoll, die Zahl (und/oder den Ölverbrauch) der mit Öl betriebenen Autos schnell und deutlich zu reduzieren. E-Autos emittieren lokal keine Schadstoffe und leisten damit einen Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität am Ort ihres Betriebes. Die globalen Emissionen sind jedoch nicht ebenfalls Null, sondern hängen ab von der Art der Stromerzeugung. In Deutschland ist die Stromerzeugung noch zu einem erheblichen Anteil fossil (Steinkohle und Braunkohle neben Erdgas) und produziert im Kraftwerk erhebliche lokal wirkende Schadstoffemissionen und global wirksame Emissionen von Treibhausgasen. Beim gegenwärtigen Mix der Stromerzeugung in Deutschland sind E-Autos „emission elsewhere Fahrzeuge“. Die Treibhausgasemissionen werden gegenwärtig nicht reduziert.

Bezüglich Ressourcenverfügbarkeit und Treibhausgasemissionen machen E-Autos nur Sinn, wenn sie von einem durchgreifenden Wechsel der Primärenergiequellen von fossil zu erneuerbar in der Stromerzeugung begleitet werden.

Der Beitrag von E-Autos zur Verbesserung der Lebensqualität im urbanen Raum

Abgesehen von der Emissionsminderung vor Ort: Kein Beitrag. Im öffentlichen Raum dominiert auch mit E-Autos nach wie vor der motorisierte Individualverkehr und seine bisherige politische Priorisierung bleibt unverändert. Die geplante Öffnung von Bus-Spuren für E-Autos verstärkt diese Tendenz sogar noch. Autos besetzen nach wie vor den öffentlichen Raum. Die selbstbestimmten Mobilitätschancen für Kinder und Menschen ohne Autobesitz verbessern sich nicht. Keine Förderung – geschweige denn Priorisierung – der aktiven Mobilität.

Die sozialen und industriepolitischen Aspekte

Der Übergang zu E-Autos bewirkt keine Verbesserung der Mobilitätschancen aller Menschen, die nicht über ein Auto verfügen. Bei der diskutierten Förderung des Kaufs von Batterieautos stehen industriepolitische Aspekte im Vordergrund – der Übergang auf sauberere Antriebe soll der Industrie nicht weh tun. Zielführender sind die Besteuerung nach CO2-Ausstoß und anderen Schadstoffen. Zudem ebenfalls offensichtlich notwendig ist der Abbau der Steuervergünstigung für Dieselkraftstoff (wie jetzt in Frankreich bis 2020 geplant) und die radikale Sperrung der Innenstädte für Autos mit gesundheitsgefährdenden Emissionen.

Die Liste wirksamer Maßnahmen lässt sich fast beliebig verlängern (Stichwort Tempolimit). Im übrigen gibt es die relativ sauberen kleinen konventionellen Autos ja schon (etwa Fahrzeuge mit weniger als 95 g CO2 auf 100 km). Diese Fahrzeuge will man den Dienstwagenfahrern, dem Durchschnittsautofahrer und der deutschen Autoindustrie aber als Vorgabe nicht zumuten. Mit einer angedachten Subvention von 5.000 Euro für den Kauf eines E-Autos könnte man drei Harz IV Empfängern je ein Pedelec schenken und damit die Mobilitätschancen benachteiligter Gruppen entscheidend erhöhen. (Es lohnt sich darüber nachzudenken, warum solche Alternativen der Verwendung öffentlicher Mittel nicht einmal erwogen werden.)

Mit der zunehmend verzweifelter werdenden Förderung von E-Autos (angesichts der offensichtlichen Erfolglosigkeit im Markt) werden durch die einseitige Propagierung der Lösung von morgen die heute schon möglichen und aktuell wesentlich effektiveren Lösungen verdeckt und damit faktisch ignoriert und aus der politischen Debatte herausgehalten. So unterbleibt, was mit viel größerer Wirkung heute getan werden könnte und müsste.

Gefangen im Paradigma des fossilen Verkehrs

Nach wie vor gilt: Motorisiert ist besser als nichtmotorisiert. Die Strukturen sollen so bleiben, allein die Technologie soll verbessert werden. Nachhaltigkeit als add-on (wie die Schlagsahne auf dem Zwetschgendatschi…)

Es zeigt sich das immer gleiche Muster: Politische Alternativen werden nicht explizit gemacht, sondern als technologische Probleme umdefiniert, für die eine technische Lösung gefunden werden muss. E-Autos als die Lösung aller urbanen umweltrelevanten Verkehrsprobleme.

Ein anderes Beispiel für die Verdrängung politischer Lösungen: Die mögliche (Um-)Verteilung des öffentlichen (Straßen-)Raums wird möglichst nicht thematisiert – außer wo es sich gar nicht mehr vermeiden lässt, wie in München in der Rosenheimer Straße.

Der notwendige Übergang zur postfossilen Mobilität ist wesentlich weitreichender

Saubere Antriebe und der Übergang auf erneuerbare Energiequellen für den motorisierten Verkehr sind eine Notwendigkeit. Aber das allein löst bei weitem nicht alle Probleme des modernen Verkehrs.

Abnehmende Rohölverfügbarkeit und langfristig teurer werdende Energie werden den Raumwiderstand erhöhen, das heißt den ökonomischen, zeitlichen und emotionalen Aufwand für den Ortswechsel von A nach B mit motorisierten Verkehrsmitteln auf der Straße, auf dem Wasser und in der Luft. Durch den steigenden Raumwiderstand rückt die Nähe näher und die Ferne ferner. Erreichbarkeiten in der Nähe werden daher zunehmend wichtiger als Erreichbarkeiten in der Ferne.

Unstrittig sind effiziente Verkehrsmittel in diesem Kontext eine Notwendigkeit. Aber mindestens so wichtig sind effiziente Raum- und Siedlungsstrukturen, die den Verkehrsaufwand für die Erfüllung der Mobilitätsbedürfnisse der Menschen minimieren. Dieser Strukturwandel wird durch Aktive Mobilität ermöglicht und gefördert. In gleichem Maße nimmt der Bedarf an motorisiertem Individualverkehr ab.

Warum Aktive Mobilität unser Thema ist und das richtige Thema ist

Nahmobilität in urbanen Strukturen mit kurzen Wegen ist die Lösung vieler Verkehrs- und Umweltprobleme, wenn die Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden können und auch tatsächlich auf diese Weise zurückgelegt werden. Das ist es, was mit Aktiver Mobilität gemeint ist.

Das erhöht die Aufenthaltsqualität und die Sicherheit im öffentlichen Raum. Es schafft gleiche Mobilitätschancen für alle Bevölkerungsgruppen. Und es fördert die körperliche und psychische Gesundheit der Menschen.

Neubiberg, 28. Oktober 2015

Zum Autor:
Jörg Schindler war langjähriger Geschäftsführer der LBST (Ludwig-Bölkow-Systemtechnik) und ist jetzt im Vorstand der ASPO Deutschland e.V.. Seit Jahren beschäftigt er sich mit Zukunftsthemen im Energie-Bereich. So ist er auch bekannt aufgrund zahlreicher Veröffentlichungen und als Mitautor einer Reihe von Fach-Büchern.

Einen herzlichen Dank an unseren Gastautor Jörg Schindler.

RMD

P.S.
Kommt zum ersten Barcamp für Aktive Mobilität im Alltag!

P.S.1
Das Bild ist ein „eigenes Werk“. Ich gebe es unter Common Licence frei, es kann deren Regeln folgend beliebig verwendet werden.

Ein Gespräch mit drüben…
WienaktuellfotoNatürlich ist Gottlieb Bissinger auch in der Halloween Nacht in Wien unterwegs! Um drei Uhr morgens landet er aber ziemlich verstört auf einem völlig verwahrlosten Vorortebahnhof. Seltsame Gestalten hängen da herum. Ob er um diese Zeit noch einen Zug nach St. Pölten bekommt weiß er noch gar nicht. Bisher konnte er weder die Bahnsteige noch einen Fahrkartenschalter ausfindig machen. In seiner Ratlosigkeit wählt er wie üblich Mamas Telefonnummer – und die Verbindung nach drüben klappt sogar:

• Hallo Mama! Ich bin’s der Gottlieb! Schön, dass ich dich noch erreich’. Aber wo du bist schlaft man ja eh nimmer, oder?

• ……………………………………….

• Na ja – du weißt ja wie’s mit meiner Schlaferei steht? Ich schlaf ja erst um drei in der Früh so richtig weg! Die Elfi ärgert das immer, wenn ich bis drei in der Früh an ihr herumknabbern will…

• ……………………………………….

• Die Elfi? Wer das ist? Das ist meine Neue aus St. Pölten!

• ……………………………………….

• Na – Mama, die Elfi ist keine von uns.

• ……………………………………….

• Der Elfi ihre Eltern sind echte ‚No Vamp People’: stink fade Salatfresser, mit Null Bock auf irgendeine Gaudi – und jeden Abend vor der Glotze. Und um Mitternacht liegen die natürlich im Bett und sind nicht so wie unsereiner noch auf einen Blutlutscher unterwegs…

• ……………………………………….

• Genau Mama – statt ein paar geschmackige Schluckerl Blut, süffelt ihr alter Herr vor der Glotze ununterbrochen Bier – ‚Schwechater’!

• ……………………………………….

• Na Mama, du brauchst dir da drüben wirklich keine Sorgen um mich machen, das sind ganz ordentliche Leute! Genau wie man sie so kennt, die ‚No Vamp People’: freundlich, sauber, phantasielos – und unheimlich fleißig. Du die ‚hackeln’ wirklich von der Früh bis in die Nacht…

• ……………………………………….

• Wie? Na – das kann man so nicht sagen, Mama! Da diese ‚No Vamps’ die ganze Nacht durchschlafen, wissen die tagsüber wirklich nicht wo sie mit ihrer Energie hinsollen! Und dann ‚hackeln’ sie halt wie die Deppen! Nicht so wie unsereiner der tagsüber gern ein bisschen durchhängt! Überhaupt wenn man wieder so einen ‚Blutbatzen’ mit schlechtem Cholesterin erwischt hat.

• ……………………………………….

• Mama! Dieses LDL Cholesterin ist wirklich schlimm! Du glaubst gar nicht wie dir von so einer ‚LDL – Bombe’ am nächsten Tag die Birne weh tut. Am liebsten möchtest du deinen Schädel abschrauben, in die Ecke legen und fortgehen! Echt! Diese jungen ausgefressenen ‚Madln’ wissen gar nicht, was sie uns armen Vampiren antun mit ihrem blöden ‚Fast Food Fraß’ und ihren wahnsinnigen Cholesterinwerten…

• ……………………………………….

• Ja – du hast vollkommen Recht, Mama! Eigentlich ist das eine Schädigung der Vampirvolksgesundheit, was die bei Mc Donalds mit ihrem Fast Food jeden Tag machen! Denen müsste man echt die Gesundheitsbehörde auf den Hals hetzen!

• ……………………………………….

• Aber komm Mama, das ist doch lächerlich! Du kannst dich ja sicher noch erinnern, was in Österreich mit so einer Anzeige passiert? Die wird doch sofort von ‚oben’ kassiert! Wer kümmert sich denn in Wien schon um ein paar ‚Blutlutscher’? Wahrscheinlich müssten wir auch erst in verrosteten ‚Schinackln’ über den Neusiedlersee schippern und uns ins Wasser schmeißen, dass die da ‚oben’ aufwachen…

• ……………………………………….

• Entschuldige Mama – du hast Recht, das war jetzt echt daneben! Ich geb’s zu und behaupte das Gegenteil! Aber ich bin halt unheimlich aufgeladen…

• ……………………………………….

• Warum geladen? Du – als Vampir hast du doch heute jede Menge Probleme, die noch viel schlimmer sind als dieses blöde Cholesterin! Was glaubst du Mama, was uns zum Beispiel diese beschissenen Kabel zu schaffen machen, die den jungen Leuten praktisch Tag und Nacht aus den ‚Ohrwascheln’ hängen, nur weil die ununterbrochen mit ihren Smartphones in irgendeiner App herumgurken oder sich ihr Hirn mit Popmusik zudröhnen…

• ……………………………………….

• Naa! Diese Kabel kennst du gar nicht, Mama! Die hat es vor ein paar Jahren überhaupt noch nicht so gegeben…

• ……………………………………….

• Wieso diese Kabel schlimm sind Mama? Das ist doch klar – du kannst doch praktisch in keinen Hals mehr beißen, ohne dass du diese blöden Kabel zwischen die Zähne kriegst!

• ……………………………………….

• Du sagst es Mama – mit unseren langen Eckzähnen verheddern wir uns doch ständig! Wenn dann diese nervösen Dinger beim Beißen noch dauernd herumwackeln, dann wickelt sich dieser Kabelkram wie ein Lasso um unsere Eckzähne und wir sind praktisch gefangen! Weißt du wie blöd das ist?

• ……………………………………….

• Na – Mama das nicht, aber wenn man wegrennt, reißt man den angebissenen ‚Madln’ fast jedes mal die Kopfhörerstöpsel aus den ‚Ohrwascheln’ und die Smartphones aus der Hand…

• ……………………………………….

• Du bist ‚leiwand’ Mama, was glaubst du was da los ist? Diese jungen ‚Gfrieser’ plärren sich doch einen ab, als würden sie abgestochen! Selbst wenn du denen schon ein Liter Blut rausgelutscht hast! Du die werden einfach nicht mehr müd’, Mama! Die sind alle bis oben hin mit ‚Red Bull’ abgefüllt!

• ……………………………………….

• Naaa – das Beißen an sich macht den meisten Madln nicht so viel aus! Außer man versaut ihnen das T-Shirt! Aber schlimm ist halt, wenn sie nicht mehr ‚online’ sind, das ist die eigentliche Katastrophe!

• ………………………………………..

• Genau – aber wenn du halt bei jedem Zubeißen mehr Kabel als Blut in der Goschen hast, dann brauchst du dich nicht wundern, wenn so was passiert.

• ………………………………………..

• Mama! Du hast da drüben wirklich keine Ahnung mehr, was sich bei uns abspielt! Du, wenn ich nicht bei jedem Biss, wie ein Haftlmacher aufpass’, dann filmen mich diese frechen Luder schon beim ersten Anbeißen mit ihren Smartphones und stellen mich schneller auf YOUTUBE als ich ausgelutscht und mir die Gosch abgewischt hab’! Das ist unheimlich, Mama…

• ………………………………………..

• Ja! Und du kannst dir vielleicht vorstellen wie die Elfi durchdreht, wenn sie mich dann wieder auf YOUTUBE sieht, wie ich bei einer Anderen Blut sauge? Du die holt fast jedes Mal der Herzkasperl und ich bin für den Rest der Woche gestorben…

• …………………………………

• Na – schön ist das nicht Mama, wirklich nicht…

• ……………………………………….

• Aber bitte fang jetzt nicht wieder damit an, dass ich daheim in Natternbach bleiben und nur an der Annerose herumbeißen hätte sollen…

• ……………………………………….

• Mama! – ich hab dir schon hundertmal gesagt, dass so eine Bauerndirn’ nichts für mich ist! Ich hab wirklich keine Lust immer nur im Kuhstall in einen stinkenden Schweißhals zu beißen – das mag ich nicht Mama, davor graust mir…

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• Aber Mama, was glaubst du, wie überirdisch im Vergleich dazu diese Ausländerinnen riechen, die da haufenweise in der Nacht auf der Kärntnerstrasse in Wien herumtanzen!

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• Ja – du da duftet’s nach allen Nationen, die du dir nur vorstellen kannst…

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• Und wenn dann so eine Japanerin oder Chinesin vor dem frisch runtergeputzten Stephansdom steht, nach oben schaut, photographiert und ihren weißen Hals reckt, dann ist das einfach himmlisch! – wenn du da zuschnappen kannst!

• ………………………………………

• Mama – was heißt ich soll mich nicht versündigen – das ist wirklich himmlisch!

• ………………………………………

• Du hast ja Recht Mama – die Elfi ist natürlich auch himmlisch – aber in einem ganz anderen Sinn!

• ………………………………………

• Wieso? Na ja du die Elfi schleicht in letzter Zeit echt nur mehr wie so ein überirdisches Gespenst herum!

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• Na ja du weißt, was ich für einen gesunden Appetit auf Blut hab’! Da bin ich ganz der Papa, aber das hält nicht jede längere Zeit durch – war ja bei der Herta, meiner Vorletzten, auch nicht anders gewesen!

• ……………………………………….

• Ja schad! Die Elfi ist wirklich ein super liebes Mädchen: blutarm aber lieb!!

• ………………………………………..

• Du Mama, das kann eh sein, dass du sie heute noch kennen lernst, ich hab nämlich einen wahnsinnigen ‚Hunger’ auf Blut – hoffentlich hält sie das aus!

• ………………………………………..

• Du ich muss jetzt wirklich Schluss machen! Da schauen schon ein paar Leutchen in dieser komischen Wartehalle so seltsam! Ich fürchte, wenn ich noch lang weiterred’, dann wollen die mein Blut, Mama! Aber mach dir keine Sorgen ich pack das schon! Servus, Mama – und sei lieb zu der Elfi – sie verdient’s wirklich – Servus!

KH

PS.
Das Foto ist von Google

Roland Dürre
Montag, der 26. Oktober 2015

„Change Management“

Zeitgenössische Ganesha-Statue

Zeitgenössische Ganesha-Statue

Das ist auch so ein modernes Unwort. In Kurzform bezeichnet es den Kampf gegen die Denke

„Das haben wir schon immer so gemacht!“

Weil man vermutet, das man etwas verändern muss, damit es „besser“ wird. Die Veränderung will man aber nicht der Evolution oder den „möglichst Vielen“ überlassen. Weil das Vertrauen fehlt, dass die Mitarbeiter oder Bürger „Veränderung“ können (Bürger und Mitarbeiter werden ja immer für dümmer gehalten, als sie sind), unterdrückt man „Graswurzel-Bewegungen“. Man will viel mehr eine Veränderung „von oben“, die durch Manager erzwungen, gesteuert oder irgendwie herbei manipuliert werden soll.

Ich zucke da. Weil in meinem Verständnis der Begriff Manager immer mehr für einen zumindest leicht geisteskranken Priester steht, der meint, er hätte überirdische Kräfte und könne durch Zauberei Wunder schaffen.

Das von „Change Management“ erwartete Wunder ist die „Innovation“. Keiner weiß zwar, was Innovation so wirklich ist und wie man sie macht. Der Zauberer und sein Zauber funktionieren natürlich auch nicht. Wenn durch Zufall (oder andere Einflüsse) dann doch mal etwas passiert, beansprucht der Zauberer das Lob und die „Kohle“ gerne für sich.

Das „immer schon so gemacht“ hat mir öfters Frust bereitet. Trotzdem habe ich es nicht komplett negativ gesehen. Er enthält ja eine Art konservative Warnung, die daran erinnert, dass Innovation zwingend eine zwar kreative aber immer auch zumindest gefühlt negative Zerstörung zur Folge hat. So mahnt uns der kritisierte Satz, dass wir trotz des Wunsches nach notwendiger Veränderung auch die Folgen sehen und verantworten müssen. Positiv gesehen enthält er einen Aufruf zur ganzheitlichen Betrachtung einer Herausforderung.

Vor kurzem sind mir dazu noch weitere Sätze eingefallen, die ich auch öfters hören musste wie

„Wo kämen wir denn da hin, wenn das ein jeder so machen würde?“
oder
Was meint denn der, wo er ist …?“

Diese Sätze werden oft sehr unreflektiert ausgesprochen. Da fehlt mir jeder positive Nebenklang. Ich erkenne hier eine noch stärkere „moralische“ Wertung als beim „immer schon so gemacht“. Auch im eigenen Unternehmen habe ich diese Sätze öfters gehört, wenn zum Beispiele junge Mitarbeiter sich ganz spontan durchaus hinterfragbare Regeln wiedersetzt haben. Das war dann die erste Reaktion der Administration, die – natürlich zu aller erst – auf die Einhaltung der Regeln und Gesetze bedacht war.  Meistens ohne eine ausreichende Antwort auf die wichtige Frage „WARUM das Ganze?

Keiner weiß, warum in den von Menschen gebildeten „sozialen Systemen“ sich Regeln und Gesetze ganz selbstverständlich immer und überall exponentionell vermehren. Aber so läuft das immer wieder. Bis die Regelwut das System fest im Griff hat und sich verselbstständigt. Ich nenne das ganze dann gerne „bürocrazy“.

Und spätestens, wenn „bürocrazy“ uns fest im Griff hat, dann  hilft wirklich nur noch das radikale „Brechen von Mustern“. Auch wenn es mutig ist und einen selber erschrecken kann. Wichtig scheint mir aber, dass wir uns beim #musterbrechen die „WARUM-Frage gut beantworten können!

Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog soll mal in der Zeit nach seiner Amtsführung gesagt haben, dass man zuerst die Gesetze mit den ungeraden Nummern abschaffen sollte. Und dann schauen, welche Gesetze man dann vermissen würde. Die könne man dann ja wieder einführen. Und dass man dann dasselbe mit den Gesetzen der geraden Nummern machen sollte.

Irgendwie auch eine gute Metapher fürs #musterbrechen.

RMD

Hinweis zum Bild:
Das Bild ist aus dem Wikipedia-Artikel zu Ganesha. Es ist ein eigenes Werk von onoikobangali.

Roland Dürre
Dienstag, der 20. Oktober 2015

Explosion bei IF-Blog

Felix von Leitner auf dem Podium während des Chaos Communication Congress, 2009

Felix von Leitner auf dem Podium während des Chaos Communication Congress, 2009

Vor zwei Wochen sind die Zugriffe bei IF-Blog explodiert. Normalerweise haben wir am Tag eine schöne dreistellige Anzahl von Lesern, plötzlich war diese für ein paar Tage gut vierstellig. Der Grund war einfach: In Fefe’s Blog – dem Blog von Felix von Leitner (fefe), der wohl einer der meist gelesensten hierzulande ist – war ein Link auf IF-Blog.

Das ging wohl so:
Unser Gastautor Hans Bonfigt und fefe kennen sich schon sehr lange und haben sich früher im Usenet kräftig gefetzt. Und eine gute Feindschaft wie eine schöne Freundschaft verbindet. Wahrscheinlich liegen Feindschaft und Freundschaft gar nicht so weit auseinander, wenn man sich gegenseitig Respekt erweist.

blog.fefe.de wird von manchen als „Bild-Zeitung für Nerds“ bezeichnet. Dieser Vergleich hat etwas. Denn es gibt Gemeinsames wie eine sehr plakative Sprache (eher so eine Art „restricted code“), eine einseitige, wenn auch mir recht sympathische Tendenz, keine (wenig) Tabus  …

Zusammenfassend würde ich sagen, dass beides Sprachrohre sind, 🙂 die Vorurteile trefflich bestätigen. Aber es gibt auch treffliche Unterschiede:

Die Bild-Zeitung ist ein Wirtschaftsimperium. Mit vielen Redakteuren und Mitarbeitern, beliebig Kapital im Hintergrund, einem ausgeklügelten Logistik- und Vertriebsnetz; also eine riesige Maschine von Journaille. Und mit wesentlichem politischem Einfluss, denn mancher Politiker dürfte bei dem, was er sagt und tut schon mehr oder weniger auf die BILD-Zeitung schielen.

Felix von Leitner ist zuerst mal ganz alleine. Für ihn rotieren keine Druckmaschinen sondern höchstens mal ein kleiner Server. Sein Angebot ist immer „umsonst“. Die BILD kostet in der Regel Geld, außer man klaut sie. Als „Gratisausgabe“ gibt es sie nur an „besonderen Tagen“ wie dem 1. Oktober, wo sie dann unaufgefordert an fast alle Haushalte in Deutschland verteilt wird. Sie liefert dann doppel- und ganzseitige Anzeigen der deutschen Wirtschafts-Elite wie VW oder Allianz frei Haus, die zumindest mich als Kunde in die Flucht schlagen.

Allerdings hat fefe eine „crowd of nerds“ (da zähle ich mich auch dazu) hinter sich, die ihn mit spannenden Links versorgen. Er muss dann „nur“ noch bewerten, ein wenig kombinieren und kommentieren, und fertig ist die „Zeitung“.

Die BILD-Zeitung hat die BRD medial beherrscht. Ich kann den Einfluss von dem Organ Bild auf Gesellschaft und Politik nicht final abschätzen, meine aber, dass er auch heute noch relevant ist. Vielleicht hat Bild auch den einen oder anderen Wahlkampf in der BRD entschieden, mit Sicherheit aber viele Entscheidungen beeinflusst.

Ich gehe aber mal davon aus, dass sich das in Zukunft ändern könnte. Es wird spannend – Bild oder Blog?
🙂 Meinen Freunden empfehle ich die Lektüre von Fefe’s Blog. Auf jeden Fall eher als die von BILD.

RMD

P.S.
Das Bild ist aus Wikipedia. Es wurde ursprünglich bei Flickr.com hochgeladen und mit Hilfe von Flickr upload bot durch Tullius (Diskussion) hierher übertragen. Zu diesem Zeitpunkt – 16:10, 5 August 2011 (UTC) – war sie bei Flickr unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 generisch“ freigegeben. „Fefe“ ist von melle. Lizenziert unter CC BY-SA 2.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fefe.jpg#/media/File:Fefe.jpg

Heute ein wenig Werbung fürs Torturmtheater in Sommerhausen.

Dort läuft vom 8. Oktober bis zum 20. Dezember 2015 – immer Dienstag bis Freitag 20.00 Uhr, Samstag um 16.30 und 19.00 Uhr und zusätzlich an den Adventssonntagen ebenfalls um 16.30 Uhr und 19.00 Uhr ein wunderbares Theaterstück.

Es heißt
Unsere Frauen
und ist von
Eric Assous

Unter der Regie von Christine Neuberger spielen
Joachim Bauer, Alexander Diepold und Armin Hägele.

„Unsere Frauen“ ist ein Stück, in dem keine einzige Frau auftritt. Und dennoch sind die Frauen (mehr als) omnipräsent.

Das Torturmtheater wird von Angelika Relin geleitet. Sie schafft es immer wieder, auf die kleine Bühne wunderbare Stücke zu bringen. Ich durfte bei der Premiere des aktuellen Stücks am 8. Oktober dabei sein – und es war wieder wunderbar. So kann ich den Kurzurlaub ins Theater mit Übernachtung in Sommerhausen nur empfehlen. Und ein „Geheimtipp“: Die Anreise geht am besten mit der Bahn nach Winterhausen. Von dort sind es nur noch 800 Meter über die Main-Brücke zum kleinen Theater in Sommerhausen.

Hier ein paar Bilder, die gut die ungeheure Dynamik des Stückes wiedergeben.

Torturmtheater-unsereFrauen1

Die Kartenrunde der drei Freunde beginnt schon übel – einer kommt zu spät und gesteht einen Mord.

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Eine lange Nacht mit vielen Geschichten und der Alkohol fordern ihren Tribut.

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Die Solidarität unter Freunden gewinnt die Oberhand.

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Doch dann passiert etwas, dass alles wieder ins Wanken bringt.

Wer Tipps zum Theaterausflug nach Sommerhausen (Anreise, Unterkunft, Speisung, Sehenswürdigkeiten …) benötigt, darf sich gerne an mich wenden. Und die Karten kann man hier vorbestellen.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 16. Oktober 2015

Noch 5 Wochen bis #PMCampDOR

pmcamp-logo-dornbirnEnde 2010 traf sich eine kleine Runde von Unternehmern, die nebenher fast alle auch als Blogger unterwegs waren. Sie hatten eine Idee und wollten mal ein barcamp für Projekt Manager ausprobieren. Sie nannten es PM-Camp (PM als Abkürzung für Projekt Management). Das waren Kornelia, Eberhard, Jens, Marcus, Stefan und meine Wenigkeit.

Unser Ziel war, Gastgeber eines freien Treffen von Menschen, Unternehmern, Führungskräften und „Managern“ aller Art zu sein, um jenseits von Konferenzen und Schulungen hautnah Erfahrung und Wissen austauschen zu können. Das ganz demokratisch und auf Augenhöhe. In einer guten Mischung von weiblich und männlich und jung und alt. 2011 auch im November ging es dann los mit dem ersten PM-Camp weltweit in Dornbirn.

Die Zeit verging schnell, in genau 5 Wochen findet dort das fünfte PM-Camp statt. Wir feiern also Jubiläum! Da sind wir schon ein wenig stolz. Auch darauf, dass aus dem 1. PM-Camp eine Bewegung entstanden ist, die jetzt in vielen Orten Europas mit lokalen PM-Camps lebendig ist.

Für Euch wird es langsam Zeit, die Karten zu bestellen. Sonst wächst die Gefahr, dass Ihr leer ausgeht. Denn PMCampDOR ist schon so etwas wie die „Mutter aller PM-Camps“ und da wollen viele hin.

Diesmal haben wir als Impuls die Metapher „Muster brechen“ gewählt. Die Hashttags sind so #PMCampDOR und #musterbrechen.
🙂 Vielleicht wird aus dann und aus die … Denn man weiß nie, was auf einem PM-Camp passiert.

Natürlich will das Orga-Team von Dornbirn das Jubiläum mit einem besonders schönen und gelingendem PM-Camp feiern. Deshalb wollen wir unter anderem unseren „Newbies“, sprich den Gästen, die das erste mal auf einem PM-Camp oder sogar barcamp sind, es ganz leicht machen, gleich so richtig einzusteigen. So weise ich hier auf eine Artikel-Reihe hin, die ich zwar schon 2013/2014 geschrieben habe, die aber immer noch aktuell ist. Da berichte ich, wie denn so ein PM-Camp funktioniert.

Hier sind die Links zu diesen fünf Artikeln:

Meine Weiterbildungsstory – Persönlichkeitsförderung, Seminare, Workshops, barcamps
(wie ich aufs Barcamp kam.)

barcamps und PM-Camp (2) – warum sie so erfolgreich sind.
(weil sie Spaß machen und alle Teilnehmer zufrieden und glücklich heimfahren.)

barcamps und PM-Camp (3) – „Typologie der Sitzungen“
(welche Arten von Sitzungen gibt es?)

barcamps und PM-Camp (4) – Twittern gehört dazu.
(Warum PM-Camps und social media sich so gut ergänzen.)

barcamps und PM-Camp (5) – Regeln
(auf einem Barcamp herrscht Freiheit, weil die Menschen sich sozial verhalten.)

Ein weiterer Artikel informiert pauschal:

Geschichte von und Leitfaden für PM-Camp
(und barcamps allgemein)

Und für alle – nicht nur die „newbies“ – möchte ich hier auf unsere Werte hinweisen, die wir in einem Leitbild zusammengefasst haben. Dazu gibt es auch ein Dokument.

Es ist bestimmt nützlich, sich das noch mal anzuschauen. Und vielleicht gibt es ja auch Änderungs-, Erweiterungs- oder Verbesserungsbedarf. Und den einzubringen und zu diskutieren, dafür ist auch #PMCampDOR die richtige Plattform.

Und hier noch ein kurzes Video zum Thema PM-Camp.

RMD
(auch fürs Orga-Team Dornbirn)

Roland Dürre
Donnerstag, der 15. Oktober 2015

Mein letzter Tweet für heute – Reklame für PMCampDor 2015

aus wird

aus wird

wir sehen uns beim

als Werbetexter 🙂

🙂 geil gell?

Kommt zum #PMCampDOR

RMD

Bei der Überschrift habe ich mich an das wunderbare Lied von Ina Deter angelehnt. Das passt sehr gut, sind doch die meisten Konzernchefs gerade in Deutschland (noch) Männer. Also zuerst mal hier ihren „Song“:

Diesen Artikel widme ich meinem Freund Hans Bonfigt. Sein letzter Beitrag als Gastautor hat unheimlich viel Leser für IF-Blog gebracht. Das ging so: Hans hat einen „historischen Feind“, Felix von Leitner. Mit dem hat er sich schon in den guten alten Usenet-Zeiten „gezofft“. Felix schreibt den viel gelesenen blog.fefe.de und hat von dort den Gastbeitrag vom Hans in IF-Blog verlinkt. Und dann ging es los, allein über 20.000 Leser haben so innerhalb weniger Tage diesen Artikel erreicht. Aber auch viele andere Artikel haben kräftig davon profitiert.

Zurück zum Hans. Er neigt manchmal zu einer brutalen Sprache. Die lenkt ab und zu von seinen guten Gedanken ab. Unternehmen die er nicht mag, beschimpft er. Manche empfinden das als Diffamierung. Das ist nicht gefällig. Ich meine auch, dass seine durchaus validen Thesen mehr Anerkennung finden würden, wenn er nicht so oft pauschal verdammen würde.

Ich respektiere das. Denn er hat in seiner harten Art und Weise wohl Recht. Das meiste von dem, was er schreibt, ist noch harmlos im Vergleich zur ungeschminkten Wirklichkeit.

Betrachten wir mal die Konzerne, die die Welt beherrschen. In Deutschland sind das in der Regel Unternehmen mit einem guten Renommee, einer wertvollen Marke, viel Prestige und Geschichte. Sie verfügen über eine gut ausgebildete „Work-Force“, viel Wissen, gute Vertriebskanäle und hohen Bekanntheitsgrad. Sie scheinen durch ihre Prozesse und Aufstellung für alle Ungemach gerüstet. Die Mitarbeiter verdienen meistens aufgrund guter Tarifverträge besser als zum Beispiel Menschen, die im „Sozialen Bereich“ oder in der „Freien Wildbahn“ beschäftigt sind. Aufgrund eines ausufernden Kündigungsschutz sind diese auch die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes betreffend deutlich besser gestellt als der Rest der Werktätigen in diesem Lande.

Schaut man aber hinter die glänzenden Fassaden, dann bröckelt vieles vom Lack ab. Nur zu oft versagen ihre klassischen Geschäftsmodelle und sind die klassischen Umsatzträger bedroht. Sie beschäftigen oft viel zu viel teuer bezahlte Mitarbeiter, die in den Szenarien der Zukunft nicht mehr benötigt werden. Altlasten bedrücken sie, der Markt ändert sich zu ihren Ungunsten und neue Konkurrenten bedrohen sie.

Es gibt große innere Schwächen, die nach außen versteckt werden. Vieles was da glänzt ist kein Gold. Das ist schon beängstigend. Wenn ich dann noch die „handlungsleitenden Werte“ der die Welt beherrschenden Wirtschaft analysiere, dann wird es mir schwindelig. Das gilt weltweit, für alle Konzerne wie für alle Branchen.

Denn wir haben in der Weltwirtschaft desolate Zustände, die wir seltsamer Weise tolerieren. Von dem Gedanken einer Gemeinwohl-Ökonomie – wie zum Beispiel in der Bayerischen Verfassung verpflichtend festgelegt – findet sich da keine Spur mehr. Keiner akzeptiert die Verpflichtung, die das von mir als wertvoll empfundene Recht zur Gewerbefreiheit den Gewerbetreibenden auferlegt.

Auch der gute Ruf eines Unternehmens ist zum Mittel zum Zweckes geworden. So lässt sich besser Profit machen. Der Einsatz Ethik wird in CSR – Coporate Social Responsibilty eingepackt und dient der Verschleierung der Realität. Denn alle Konzerne und Unternehmen der Wirtschaft folgen drei ungeschriebenen Gesetze:

Die drei Gebote des aktuellen Kapitalismus:

1. Gebot
Entwickle nicht Produkte für die Bedürfnisse der Menschen und des Marktes, sondern richte den Markt so aus, dass er die Produkte kauft, die Dir am meisten Profit bringen! Dazu manipuliere die Menschen permanent durch eine kollektive Gehirnwäsche, die auch „Marketing“ genannt wird.

2. Gebot
Lege die Regeln und Ordnungen für Deine Geschäfte so fest, dass sie zu erst mal ausschließlich Dir nutzen! Dazu setze die Superwaffe „Lobbyismus“ ein! Dein Ziel muss sein, die Politiker durch Deine Lobbyisten so zu steuern, dass alle Gesetze und Regeln nur Dir zum Vorteil gereichen!

3. Gebot
Absolutes Ziel all Deines unternehmerischen Handeln muss es sein, die Profite und den Shareholder Value zu maximieren! So entstandene Gewinne musst Du schnellst möglich privatisieren, die Verluste aber umgehend sozialisieren!

Diese Gebote des modernen Kapitalismus haben Priorität vor allem anderen, gleich ob es Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten oder andere Stakeholder betrifft. Weltweit und ohne Ausnahme. Denn ob in Asien, China, Indien, Japan, Korea, Südamerika, USA oder sonst wo auch immer, es geht immer nur und ausschließlich um den Profit.

Auch in Europa sieht es nicht besser aus, gleich ob in den ehemaligen EG- oder Comecon-Staaten. Dass es in der Schweiz anders ist, kann ich mir nicht vorstellen. Die skandinavischen Konzerne sind für mich auch keine Hoffnungsträger, wenn ich mir nur die Geschichten anhöre, die sich z.B. um IKEA ranken.

Summarisch kann gesagt werden, dass bei allen Konzernen und vielen weiteren Unternehmen der Wirtschaft immer das Erzielen und Maximieren von Gewinnen und die Festigung der Position im Markt die absolute Priorität haben. So hat die Konzern-Wirtschaft einen Punkt erreicht hat, an dem es nur noch um das eigene Überleben geht. Erhalt und immer fortwährende Stärkung des eigenen Systems sind zum ausschließlichen und vom System selbst festgelegten Zweck geworden.  Und der Zweck heiligt die Mittel. Solche Systeme bezeichnet man in der Theorieals „entpersonalisiert“. Und den Selbsterhalt zum ausschließlichen Zweck zu machen, entmenschlicht und ist die Vorstufe zum faschistischen System.

Der Hauptzweck eines Unternehmens ist: Die Menschen im Land mit Waren und Dienstleistungen zu versorgen, die das Wohl dieser mehren. Dem widerspricht die aktuelle Ausrichtung der Wirtschaft. Zielsetzung.  Die eigentlichen Bedürfnisse der Menschen werden nicht mehr bedient, sondern passend auf die Wirtschaft formatiert. Für eine „Gemeinwohl-Ökonomie“, wie sie ja auch die Bayerische Verfassung fordert, ist dann natürlich auch kein Raum mehr da. Dies empfinde ich als „kriminell“.

Jetzt gehe ich kurz durch die Branchen, ob ich eine nicht-kriminelle finde?

Die „Food“-Industrie (warum spricht man eigentlich nicht mehr von Nahrungsmitteln oder Ernährung?) kann es nicht sein. Mit Lügen werden dort schon die kleinen Kunden vorsätzlich auf ungesunde Ernährung gepolt. Ein (nicht nur Lebensmittel-) Skandal folgt dem nächsten, es wird beliebig geschwindelt und erpresst. Qualitätsabstriche und Ausbeutung werden aus Kostengründen billigend in Kauf genommenen wie auch die Umweltzerstörungen nicht nur in der dritten Welt. Besonders krasse Fälle wie die Situation beim Saatgut erwähne ich mal nur am Rande.

Über die Industrien, die die Menschheit mit „Rohstoffen versorgen“, brauche ich eigentlich auch nicht zu schreiben. Jeder weiß, welche Spuren diese Raubritter auf unseren Planeten hinterlassen haben. Genauso wie deren Unterabteilung, die Öl- und Petro-Industrie. Hier sollen Unternehmen wie Gasprom sogar über eine eigene paramilitärische Organisation verfügen, die ähnlich als Privat-Armee mit schweren Waffen ausgestattet ist. Warum? Klar, um notfalls ihre Interessen mit Gewalt durchzusetzen

Aber auch die EVU’s kommen nicht besser weg. Auch nicht die Chemie-Industrie oder die Pharmazie, von der man laufend liest, dass Medikamente mit besten Tests (herausragende Wirksamkeit, zu vernachlässigende Nebenwirkungen) zugelassen werden und so auf den Markt kommen. Und wenn viele Anwender – oft Kinder und Jugendliche – die Medikamente Jahre lang konsumiert haben, stellt sich eine Wirksamkeit von NULL dafür aber wesentliche Nebenwirkungen heraus. Aber es war ja nichts. Das „Business as Usual“ geht weiter.

Auch der Handel dürfte hat keine weiße Weste. Mit welch harten Bandagen kämpfen die Discounter sowohl gegeneinander wie auch gegen ihre Lieferanten! Und die Kunden bescheissen sie auch immer wieder. In einem langfristig ruinösen Verdrängungswettbewerb betonieren sie die Landschaft zu. Übrig bleiben werden am Schluss nur die Ruinen vieler nicht mehr benötigter Filialen und eine zerstörte Infrastruktur.

Von den Verkehrsunternehmen, Finanzdienstleistern, den Spekulations-, Wett- und Spiel-Unternehmen, den Medienunternehmen, den Waffenproduzenten, der Logistik-Branche oder gar von der Genussmittel-Industrie will ich gar nicht reden.

Auch meiner Branche – der IT-Industrie traue ich nicht. So könnte ich mir vorstellen, dass mancher Hersteller sich sehr über das hohe Aufkommen von Viren und Spams freut. Und über den Abhörwahn und manches mehr. Denn ich vermute, dass nur noch ein kleiner Teil der Hard- und Software-Systeme der eigentlichen Verarbeitung und Kommunikation von Daten dient.

Nein, die meisten Server- und Speichersysteme dürften für Spam- und Virenabwehr, fürs Überwachen und Abhören und ähnlichen verkauft werden. Die Spam-Flut bei den E-Mails könnte man mit einem geeigneten Protokoll leicht ausschalten (sogar die alten Fernschreiber hatten einen Kennungsgeber) – aber keiner will das, vermutlich weil es doch schade um das schöne Geschäft wäre.

Mir fällt noch auf:

Gewinne dürfen beliebig hoch sein. Je höher desto besser. Auch wenn es unmoralisch anmutet.

Von Reemtsma (Branche Genussmittel – Tabak) habe ich mal gelesen, dass dort in guten Jahren der EBIT auch mal die Hälfte des Umsatzes beträgt. Nehmen wir mal an, dass in dieser Branche der Umsatz nur ein Zwanzigfaches des eingesetzten Kapitals beträgt, dann ist das eine Kapitalrendite von 1.000 %. Und es gab mal Zeiten, da galten 4 % als eine ordentliche Umsatz-Rendite  (das war in 50igern bei VW und damals bekam man sogar auf seinem Sparbuch noch einen Zins im unteren einstelligen Prozentbereich). Bei einem 200-fachen Faktor Umsatz zu Kapital wäre das dann eine Rendite von 10.000 %. Das muss man erst mal schaffen …

Und was lese ich (vorwurfsvoll) auf der Website von Reemtsma?
Illegaler Zigaretten-Handel gehört zu den lukrativsten Straftaten …
Warum wohl?

Marketing darf mittlerweile kosten, was es wolle. Und die Manipulation soweit gehen wie nur irgendwie möglich.

Hauptsache ist, dass sie ihren Zweck erfüllt. Gerade vom „digitalen Marketing“ gibt es da unglaubliche Fortschritte zu vermelden. Die modernsten Erkenntnisse von Gehirnforschung und Psychologie werden genutzt. So wachsen die Aufwendungen für Marketing und Vertrieb laufend und betragen bei manchen Unternehmen schon oft die Hälfte des Umsatzes. Das heißt der Kunde bezahlt die Hälfte seines Geld beim Kauf dafür, dass er zum Kaufen gebracht wurde.
Ist das OK?

Das gilt sogar für Unternehmen zum Beispiel aus der Pharmazie-Branche. Man sollte ja meinen, dass Medikamente eigentlich gar keiner Werbung bedürfen, weil sie ja dringend benötigt werden. Aber weit gefehlt – auch hier beträgt der Anteil der Werbekosten am gesamten Umsatz gerne mal 40 % und mehr. Und bei Unternehmen, die im Internet „Dienstleistungen“ vermitteln, wie z.B. die Reservierung von Hotelzimmern – kann der Anteil der Werbung an den Gesamtkosten auch gerne mal die Hälfte übersteigen.

Sogar die Politik manipuliert uns durch Werbung.  Nicht nur im Bereich des Lobbyismus. Normalerweise stellt die Partei die Regierung, die am meisten Geld für den Wahlkampf zur Verfügung hat. Den sie kann die besseren Marketing-Firmen beauftragen und die intensiveren Kampagnen „fahren“. Die Höhe der erhaltenen Stimmen korreliert fast immer mit der Höhe des für den Wahlkampf eingesetzten Geldes. Nur woher kommt das Geld. Natürlich von den Institutionen, die a) Geld und b) wichtige Interessen haben. Und wer könnte das sein? Doch vor allem die Unternehmen, die gerne der Gesellschaft die Regeln für ihr Geschäft vorgeben wollen. Ich sehe hier eine große Gefahr für unsere Demokratie! So graut mir vor der Wahl des nächsten Präsidenten der USA, die sich selber „God’s own country“ nennen.

Insofern kann ich gar nicht umhin, dem Hans Bonfigt doch irgendwie Recht zu geben, wenn er mal wieder zu deftigen Worten greift.

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 13. Oktober 2015

Weicht die Gesetzes- und Urteilsflut den Rechtsstaat auf?

Laufend rollen neue Gesetze auf uns zu. Von der EU, vom Bund, vom Land. Sie sind zur Flut geworden. Viele davon erscheinen unsinnig. Oft kann man nicht erkennen, was sie eigentlich bewirken sollen oder wieso man sie gemacht hat. Und auch nicht, warum man sie befolgen sollte.

Gleichzeitig fällen Gerichtshöfe Urteile. Wie vor einer Wocher zu safe harbor. Das tat zwar irgendwie gut, bringt aber nichts. Denn es ist einfach nicht praktikabel.

Und auch schon wieder fast vergessen, obwohl der große Sturm dazu eben gar nicht lang her ist. So bin ich sicher, dass schon bald kein Hahn mehr nach dem „Safe Harbor-Urteil“ krähen wird. Wozu auch? Wetten dass?

So könnte man auf den Gedanken kommen, dass die Menschen hierzulande Gesetze immer weniger ernst nehmen werden und es so mit dem Rechtsstaat zu Ende gehen könnte. Und dass das eine große Gefahr für unsere Demokratie wäre.

Diese Sorge teile ich nicht. Meine Wahrnehmung ist schon, dass Recht und Gesetze nicht mehr so ernst genommen werden, wie früher. Aber ich habe den Eindruck, dass gilt nur für die von den vielen Administrationen geregelte.

Ich nenne das mal die „extrinsische Moral“, die von außen vorgegeben wird. Und die wird immer absurder, so dass man sie gar nicht mehr ernst nehmen kann.

Dafür scheint mir, dass sich eine Form von „intrinsische Moral“ entwickelt. Immer mehr entdecke ich einen mehrheitlichen Konsens, was man tut und was man nicht tut, der mir sympathisch ist.

Und die kommt aus den Menschen heraus, unabhängig von dem Unsinn, den die legislativen und judikativen Fließbänder der EU, ihrer Staaten und Länder über uns aus schütten.

Den warnenden Hinweis, dass der Rückzug von „extrinsischer Moral“ den Rechtsstaat aushöhlen könnte, teile ich nicht. Könnte doch die „intrinsische Moral“ fürs Überleben nützlicher sein als die „extrinsische“.

Denn wie oft sind Rechtsstaaten umgekippt und zu Unrechtsstaaten geworden, die aber sehr wohl auf „Recht“ aufgebaut waren. So wie auch das dritte Reich Gesetze erließ und Gerichte installierte, die diese brutal durchgesetzt haben. Und dieses unheilvolle System insofern eigentlich ja ein Rechtsstaat war, der freilich auf Prämissen aufgebaut war, die mich schauern lassen.

RMD