Roland Dürre
Donnerstag, der 31. Dezember 2015

Meine Anderen Silvester-Wünsche!

 

Liebe Freund*innen!

Alles Gute für 2016!

 


 

Das Bild ist von Rolo Zollner (http://www.rolozollner.de/). Es steht unter Common Licence, Ihr dürft es mit Quellen-/Autorenangabe frei nutzen.

Dieses Schweinchen möge Euch viel Glück bringen!

Einen guten Rutsch!

Genießt den Tag!

Lasst die Sau so richtig raus!

Gönnt Euch alles, was Ihr Euch sonst nicht erlaubt!

Ärgert Eure Mitmenschen nach Lust und Laune!

Aber liebt und respektiert sie alle trotzdem!

Erfreut Euch der Welt und ehret die Schöpfung!

Seit frei!

Lebt in Lust!

Macht all das, was Ihr wollt!

Denkt zuerst an Euch aber dann auch an die Anderen!

In sechs Worten und zwei Sätzen (und in neu-deutsch):

Enjoy life!

and

Be totally happy!

Und das zu 100 % und vor allem dann auch
jeden Tag und jede Nacht des Jahres 2016!


Und immer daran denken:
„Einen Scheiß müssen wir!“

RMD

P.S.
Das Bild und Arrangement ist von meinem Freund Rolo Zollner. Er hat es für IF-Blog erschaffen, es steht unter Common Licence, Ihr dürft es also mit Quellen- und Autoren-Angabe frei nutzen

Ein spleeniger Amerikaner besucht ein kleines deutsches Dorf, sucht den dortigen Barbier auf und verspricht diesem 100.000 Dollar, wenn er alle Bewohner des Dorfes rasiere, mit Ausnahme natürlich derer, die dies selbst tun.
Mit Freuden fängt er an und als er gerade mit der Hälfte seiner Kunden durch ist, geht ihm ein Licht auf: Wie sollte er es eigentlich mit sich selber halten ?

Um es gnadenlos abzukürzen:  Die Definition „Barbier := Jemand, der Menschen rasiert, die dies nicht selbst tun“ ist eine trickreiche Definition der Leeren Menge.  Die lustige Geschichte erwies sich in Wahrheit als der Tod der seinerzeit existenten Mengenlehre.  Das Russell’sche Paradigma machte einen Erfinder recht bekannt.

Sehr gerne zitieren Roland als „Superintendent“ dieses „Magazins“, aber auch andere Autoren den nachfolgenden, ebenfalls Bertrand Russell zugeschriebenen Satz:

„Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit“

Mit Aphorismen und Zitaten ist es wie mit Bibelsprüchen, die man aus einem beliebigen Kontext des „theologischen Selbstbedienungsladens“ ziehen kann. Nun hat Roland mein letztes Zitat dieses Aphorismus‘ wieder aufgegriffen und, Vorsicht, übelster Sozial- und sonstiger „Rassismus“, ich möchte einmal konkretisieren, warum jener meines Erachtens so wichtig ist.

Mein alter Herr war in den 70er Jahren in der Rolle eines Wirtschaftsprüfers für ein Entwicklungshilfeprojekt in Afrika tätig, wovon er seinem etwa zwölfjährigem Sohn berichtete. In Erinnerung geblieben ist mir die Schilderung, daß zehn hochmoderne Reisebusse von Büssing angeschafft und ausgeliefert worden waren, um Menschen täglich in die nächsten größeren Städte zur Arbeit zu bringen und zurück. Das ehrgeizige Projekt war gescheitert aufgrund „mangelnder Akzeptanz der Einheimischen“. Auch mein Vater hatte es mit Russell, insbesondere mit dessen Satz, „Wenn sich Experten einig sind, ist größte Vorsicht geboten“ und suchte die eigens ausgebildeten Busfahrer auf. Die führten aus, daß die Busse schon sehr schön seien, aber immer „kaputt“ gingen.

Und da forschte er einmal nach: Bei Bus 1 war die Batterie leer, bei Bus 2 lag eine Bagatelle mit der Druckluftbremse vor, Bus 3 war zwar vollgetankt, aber wohl zwischendurch leergefahren worden, so daß die Kraftstoffleitung hätte entlüftet werden müssen, Bus 4 hatte einen defekten Kühlwasserthermostaten und die Busse 5 bis 10 „litten“ an ähnlichen Kleinigkeiten. Während seiner Lehrzeit hatte mein Vater oft LKWs gefahren und so war es eine Sache von wenigen Minuten, bis er den ersten Schraubenschlüssel in der Hand hatte und die Busse einen nach dem anderen wieder in Betrieb nahm. Dennoch konnte mein Vater keine Erfolgsgeschichte mit nach Hause bringen: Zwei Tage fuhren die Busse wieder, aber dann kehrte wieder „Normalität“ ein in Form von Bagatellausfällen, mit denen das lokale Team völlig überfordert war.

„Die moderne Technik ist dort hinten einfach noch nicht angekommen, Du kannst denen nicht erklären, was Elektrizität ist. Und es war blödsinnig, die modernsten verfügbaren Busse zu nehmen. Es hätten viel einfachere, robustere Modelle sein müssen. Ohne hydrodynamische Getriebe, ohne Servolenkung. So wird das nie etwas“.

Mein alter Herr wird wohl recht gehabt haben.

Mittlerweile gibt es Heinrich Büssings Nutzfahrzeugfabrik nicht mehr, aber in jedem „Smartphone“ steckt mehr Komplexität als in allen zehn Bussen zusammen! Und spätestens ab sechs braucht man eines, es heißt ja schließlich „Eifon 6“. Wenn es ein „Eifon 5“ ist, darf man sicher sein, daß das arme Kind in der Schule „gemobbt“ wird.

Wenn uns früher als Kindern das Fahrrad kaputt ging, dann reparierten wir es. Ein „Eifon“ muß bei der geringsten Macke in die Spezialwerkstatt, wo es in aller Regel gegen ein neues Modell ausgetauscht wird. Was hätten wir früher jemandem den Vogel gezeigt, der uns gesagt hätte, „wenn Euer Scheinwerferbirnchen durchgebrannt ist, dann braucht Ihr ein neues Fahrrad!“ — bei einem Eifon kann man nicht einmal mehr den Akku wechseln. Also: Ich bleibe dabei: Wer sich so ein Ding als erwachsener Mensch kauft, hat nicht mehr alle Latten am Zaun.

Natürlich haben wir früher den Polizeifunk abgehört, indem wir unsere Radiogeräte, welche schon für den internationalen Markt ausgelegt waren, ein wenig umjustierten. Wir nannten die Geräte auch nicht „Radio“, sondern „Superhet“, weil wir wußten, daß der drinsitzende Tuner nach dem Überlagerungsprinzip arbeitete, weil eine feste Zwischenfrequenz mit besserer Selektivität herausgefiltert werden konnte.

Ja, wir hatten eine Beziehung zu den Geräten und wuchsen mit ihnen. Es war ein Freudentag, als unsere Familie ein größeres „SABA Lindau“ – Radiogerät bekam, das man sich nicht „mal eben so“ kaufen konnte, sondern für das mein Vater lange und hart gearbeitet hatte. Dieses Gerät repräsentierte schon „Spitzentechnologie“ in Form eines „Integrierten Schaltkreises“, nämlich einer Röhre des Typs EABC80:

„Das gute alte Dampfradio“ war schon komplizierter als man sich gemeinhin vorstellen konnte, aber das Prinzip kannte jeder. Das Radiogerät hat seinen Dienst mehr als 30 Jahre zur besten Zufriedenheit erledigt. Ein Eifon hält maximal zwei Jahre.

Mit dem „Dampfradio“ aber gab es bereits in der Kommunikationstechnik die tollsten Möglichkeiten, die später dazu beitrugen, einen Kanal mehrfach zu nutzen, beispielsweise die Einseitenbandmodulation.

Wenn wir von moderner Internetkommunikation reden, dann ist diese das Ergebnis einer fieberhaften, internationalen und koordinierten Suche nach der „Mehrfachnutzung“ von Leitungen. Diese ist keineswegs selbstverständlich! Wenn wir vor 30 Jahren von Hamburg nach München telephonierten, dann war eine physikalische Drahtverbindung, sogar vierfach, über die gesamte Strecke durchgeschaltet und diente exklusiv den beiden Gesprächspartnern. Nun stelle man sich den Aufwand vor, man müßte jeden Internetcomputer mit jedem verbinden!

Also ersann man nicht nur unterschiedlichste Modulationsverfahren, welche typischerweise nicht nur die Amplitude, sondern zusätzlich auch die Phasenlage des Trägers beeinflußten und damit deutlich effektiver wurden, sondern man teilte Kanäle in Zeitschlitze auf („TDMA“) oder versuchte einen Kanal durch ‚chaotisches‘ Trial-and-Error‘ mehrfach zu nutzen („CSMA/CD“). Einen gigantischen Durchbruch unterdessen erzielte die Einführung einer „paketorientierten“ Übertragung, deren weitaus bekannteste Variante schon vor einem Vierteljahrhundert „IP“ hieß, und dreimal dürfen Sie raten, liebe Leser, wofür das „I“ steht.  Mit „IP“ war es erstmals möglich, von jedem Endgerät jeden Dienst eines jeden Systems zu nutzen.

Wer heute von einer „innovativen CLOUD-Lösung“ spricht, ist ein dummer Schwätzer, der die Grundlagen des Phänomens „Internet“ nachhaltig nicht verstanden hat. Denn der innovative, proaktive Dummschwätzer verfügt zwar über Spitzentechnik in seiner Hemdtasche, aber sein Verstand ist nicht annähernd mitgewachsen. Denn sonst wüßte er, daß unzählige Unternehmen und Institutionen seit Jahrzehnten „Cloud-Technologie“ wie selbstverständlich nutzen.

Wie weit Unverständnis und fast schon perfide zu nennende Borniertheit gehen, zeigt in kaum zu übertreffender Dreistigkeit „Telekom“ – Chef Höttges, welcher von Google, Amazon und anderen „Volumenanbietern“ eine „Mautgebühr“ verlangt, mit der im Wortsinn perversen Begündung, „Die benutzen unsere Leitungen und wir bekommen dafür keinen Pfennig“. Als ob Google von sich aus etwas schicken würde, was der zahlende, und zwar an die „Telekom“ zahlende, Endkunde nicht abrufen würde! Und ja, der Kunde ruft auch die Werbung ab, die Google nicht „mitschickt“, sondern die der Browser des „Telekom“-Kunden dynamisch nachlädt.

Die komplette Gurkentruppe „Telekom“ ist ein erschreckender Beweis dafür, was passiert, wenn Russels Satz konsequent nicht beachtet wird.

 

Der „Zuwachs an Weisheit“ darf aber keineswegs reduziert werden auf „Zuwachs an technischem Verständnis“.

Speziell in der DDR gab es richtige „Röhrenkünstler“, die theoretisch und praktisch allerbestens ausgebildet waren, sei es „offiziell“ oder in privater Arbeit. Was der typische „Zoni“ aber nie kennengelernt hatte, war Demokratie.

Nach der unglückseligen „Wiedervereinigung“ bekam der Zoni, qua 1:1 – Umtausch, alles gratis: Bananen, Cola, Farbfernseher und Beate Uhse. „Westautos“ vor allen Dingen. Eine eingereiste DDR-Familie, der ich einen prima Farbfernseher geschenkt hatte, beschwerte sich bei Bekannten über mich, „Er hat uns ein Gerät gegeben, mit dem wir nicht einmal RTL gucken können“. Genau diese Familie „engagiert“ sich mittlerweile in der „NPD“, das Oberhaupt befindet sich seit Jahren, wer hätte das gedacht, „in einer beruflichen Umorientierungsphase“.

Kann man es verübeln? Es wurde ein tolles Schlaraffenland versprochen, „blühende Landschaften“, Wohlstand für alle und Friede, Freude, Eierkuchen. Stattdessen sollte man auch hier arbeiten müssen? Nett zu Kunden sein? Und diesen verdammten „Briketts“ und „Fidschis“, die man schon zu DDR-Zeiten schon so gehaßt hatte, gesellten sich jetzt auch noch Asylanten zur Seite? Das konnte nicht sein – und so kam es, daß die ersten Flüchtlingsunterkünfte brannten. Als ich im Fernsehen etwa 1990 die Hoyerswerda-Bilder sah, habe ich geheult.

Mittlerweile haben unsere „Brüder und Schwestern“ größtenteils einen luxuriösen Internetanschluß mit einem Durchsatz zwischen 6.000 und 25.000 MBit/s. Und unsere Bundesregierung möchte noch weit mehr. Da darf ich doch ‚mal fragen, unter Zugrundelegung der Prämisse, „Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit“, worin besteht denn verdammt nochmal der Zuwachs an menschlichem Glück, wenn der demokratiefeindliche Pöbel über „Facebook“ die allerübelste Hetze auskippt ?

Technik, Wissen um Technik und Wissen um die mit der Nutzung von Technik einhergehenden Verantwortung müssen miteinander wachsen. Am Beispiel der unsäglichen „Bundeskanzlerin“ können wir sehen: Die Demokratie ist einfach noch nicht in der ehemaligen DDR und unter deren Bürgern angekommen. Wie sonst könnte sich beispielsweise Merkel entblöden, im Falle „Bin Laden“ der amerikanischen Regierung „für die gelungene Aktion“, i.e. den Mord eines mutmaßlichen Attentäters ohne Gerichtsverhandlung, zu gratulieren? Im Namen der Bundesregierung?

Wenn „Facebook“-Abschaum aus den „neuen Bundesländern“ das Bild eines ertrunkenen Kleinkindes mit „Wir Feiern!“ kommentiert, dann ist das eklig, aber weder verwunderlich noch strafbar – es wird ja keiner gezwungen, sich einzuschreiben in diese Asozialensuhle. Wenn Merkel öffentlich Gewaltverbrechen billigt, dann ist das knallhart strafbar.

Zusammenfassend: Weder kann ein großer Teil der DDR-Bevölkerung mit dem Internet umgehen — noch ist die „Kanzlerin“ in der Lage, ein Mobiltelephon verantwortungsvoll zu nutzen.

Leider viel zu früh verstarb der von mir hochgeschätzte Fuldaer Erzbischof Johannes Dyba. Viele sahen in Walter Mixa einen Nachfolger, was Dyba nicht annähernd gerecht wird:  Es ist nicht so, daß jener Protz und Prunk gehaßt hätte – er hatte ihn einfach nicht nötig, denn er glich durch scharfen Intellekt, charismatische Persönlichkeit, Integrität und brillante, geradezu lustvolle Rhetorik aus.  Aus dem Spiegel, der „Pressestelle des Teufels“, zitiere ich ihn einmal:

„Der Werteverfall hat seinen Preis: Früher dauerte ein Flug nach London mit einer Propellermaschine zwei Stunden. Heute dauert die Reise mit all den Sicherheitsmaßnahmen, trotz Düsenjet, eine halbe Stunde länger. Warum? Weil das moralische Tabu gefallen ist, daß Flugzeuge nicht entführt werden dürfen. Unser ganzes System geht in die Brüche, weil ganz selbstverständliche Tugenden, die aus dem Glauben und aus der christlichen Nächstenliebe erwuchsen, aufgegeben wurden.“

Als Agnostiker möchte ich anmerken, daß diese „selbstverständlichen Tugenden“ vor allem ein Axiom unserer ehemals freiheitlichen Demokratie sind, siehe Artikel 2 Grundgesetz.

Man kann zu Silvio Berlusconi unterschiedlicher Auffassung sein, aber ganz sicher wird ihm keiner unterstellen, jener könnte Dinge nicht konzis und pointiert auf den Punkt bringen: Ob es seinerzeit die paßgenaue Charakterisierung des unsäglich peinlichen Martin Schulz war, ob es um eine kurze, charmante Bezeichnung für die „Bundeskanzlerin“ ging oder um die „Errungenschaften“ der Islamisten:  Berlusconi traf den Punkt. Ich war mit meiner Frau vor einigen Jahren auf der Durchreise in Bologna, als ich den „Cavalliere“ im Hotelfoyer auf einem RAI – Kanal vom Leder ziehen hörte (bitte keine Korrektheit erwarten, schon gar keine politische – mein Italienisch ist arg eingerostet – also: sinngemäß):

„Was hätte denn der Islam jemals geleistet, was die Menschheit vorangebracht hätte? Kennen Sie irgendeine Erfindung, irgendein Produkt, das unser Leben bereichern würde? Ganz im Gegenteil, Islamisten benutzen Technik und Wissenschaft, um andere zu schädigen, um Leben zu vernichten und Staaten zu erpressen. Zudem können Sie die ganze Rückständigkeit der islamischen Staaten daran erkennen, wie erniedrigend Frauen dort behandelt werden“.

Das mag zwar jetzt bei Claudia Roth, Renate Künast und anderen Schönheiten keinen Anklang finden, aber vielleicht gerade deswegen möchte ich diese sinngemäß wiedergegebene Äußerung ergänzen: Die einzige Innovation, die Islamisten dem Internet „geschenkt“ haben, ist das Enthauptungsvideo.

Und jetzt eröffnet der Kongress des „Chaos Computer Clubs“ mit einer „Keynote“, in der „mehr Internet für Flüchtlinge“ gefordert wird.  Und wieder unter Zugrundelegung des Russel’schen Satzes frage ich mich, ob das nicht das genaue Gegenteil des Beabsichtigten bewirkt: Denn bisher haben viele „Flüchtlinge“ Technik nicht gerade so gebraucht, daß damit „ein Zuwachs menschlichen Glücks“ erreicht worden wäre:

  • die eigenen Schicksalsgenossen werden mit Fahrplanauskünften aus den „Windows“-basierten DB-Automaten, welche einer echten Fahrkarte täuschend ähnlich sehen, um ihr Geld betrogen
  • Züge werden mit der Notbremse angehalten, mehrfach pro Fahrt, wodurch Mitreisende und nachfolgende Züge in Gefahr gebracht werden
  • Unter Vorlage falscher oder gefälschter Dokumente werden Verträge mit Internetprovidern geschlossen, erhebliche Schäden enstehen
  • Der Münchner Marienplatz wird blockiert aus Protest gegen eine etwas einsamere Unterkunft, unendliche 900 Meter von der nächsten Siedlung entfernt und kein Internet!!!
  • Beim „Kampf“ um eine freie Steckdose schlägt man sich mit Eisenstangen, die aus demolierten Betten „gewonnen“ wurden, die Köpfe ein

Die Liste ließe sich ziemlich lang und fies fortsetzen, aber ich möchte hier keine „Hetzseite“ gegen Asylanten einrichten.

Aber ich finde es auch hier notwendig, aus Russell zu lernen: Wir müsssen die Menschen, die hierhin kommen, zunächst einmal mit dem Notwendigsten versorgen, Essen, medizinischer Versorgung, gewaltfreier Unterkunft, Teilnahme, Zitat Sina Trinkwalder, „Teilnahme am gesellschaftlichen Leben durch Arbeit“. Das kann nicht in Ballungszentren wie in Berlin oder in Hamburg klappen, sondern beispielsweise auf dem Land – wo auch Landwirtschft betrieben wird.

Einen Internetanschluß oder ein „Smartphone“ braucht man dazu erst einmal nicht.

 

Wir müssen, sowohl geistig als auch vom technischen Verständnis her, genau so schnell wachsen wie unsere Technologien.

Nicht mehr, aber verdammt nochmal auch nicht weniger.

hb

Roland Dürre
Dienstag, der 29. Dezember 2015

Werbung für das Barcamp #AktMobCmp!

 

Wir STARTEN Anfang nächster Woche und wollen dann etwas Bleibendes BEWIRKEN. Für ZUKUNFT.

 

Ich würde mich noch über ein paar Last-Minute-Anmeldungen zum Barcamp für „Aktive Mobilität im Alltag“ sehr freuen!

 


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Kommt zum ersten Barcamp für Aktive Mobilität im Alltag – #AktMobCmp!

Dies ist ein reiner Werbe-Post! Wirklich nur Reklame.
Wir werben damit für unser Barcamp zu „Aktiver Mobilität im Alltag“ am 4. und 5. Januar 2016 in Unterhaching.

Wir werden uns alle Mühe geben, gute Gastgeber zu sein und hoffen auf eine schöne Teilnehmerzahl. Der Unkostenbeitrag ist mit 75,- € für Förderer und 50,- € als Normalpreis knapp kalkuliert, darin enthalten ist auch die komplette Verpflegung wie die Versorgung der Teilnehmer mit Getränken für beide Tage. Und manches mehr. Die Qualität der Veranstaltung hängt von den Menschen ab, die teilnehmen.

Deshalb bitten wir alle Leser, diese Botschaft zu verbreiten. Damit uns das Barcamp gelingt, die aktive Mobilität dann nicht weiter Restverkehr bleibt sondern genauso respektiert und unterstützt wird wie der Autoverkehr!


Zum Vergrößern aufs Bild klicken.

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Das schöne Bild ist von VisualBraindump – ein großes Dankeschön an Daniel Reinold und Christian Botta!


RMD

Hans Bonfigt
Montag, der 28. Dezember 2015

Ganz agil vorbei am Ziel

Wenn man vor lauter Meta-Ebenen den Boden der Tatsachen nicht mehr sieht …

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Nur etwa 20 Prozent aller Softwareprojekte funktionieren so, daß sie die Anforderungen erfüllen. Mit anderen Worten: Die Ausschußquote beträgt 80 Prozent:

  • 20% der Projekte scheitern, weil schlichtweg so falsch geplant wurde, daß sie gar nicht zu realisieren sind
  • 20% scheitern an Kommunikationsproblemen zwischen Auftraggeber und Entwickler
  • 20% werden aufgrund von Selbstüberschätzung der Entwickler nicht fertig und
  • 20% verenden, weil eingebundene Module von Drittanbietern nicht das leisten, was erwartet wurde

Von den verbleibenden 20 Prozent kann man mehr als die Hälfte getrost in die Tonne hauen, weil es entweder an Stabilität oder an Performance mangelt.

Nur in zehn von hundert Fällen liefern Softwarefirmen also das ab, was erwartet wurde – eine erschreckende Bilanz, die noch furchtbarer aussieht, wenn man das Kriterium „Termintreue“ hinzuzieht.

„Da muß doch ‚was zu machen sein“, dachten sich viele Leute, und der Schuldige war ganz schnell ausgemacht:

Der Wasserfall.

„Bitte reinigen Sie mein Auto“, mit diesen Worten übergab ein Firmenchef etwa zweimal im Monat den Mercedes-Schlüssel an seinen Prokuristen. Bevor hier Zweifel entstehen: Diese Abläufe habe ich Ende der 80er Jahre mehrfach persönlich erleben dürfen. Der Prokurist sah das Fahrzeug nach evtl. darin verbliebenen vertraulichen Dokumenten oder kompromittierenden Gegenständen durch und übergab den Auftrag an den Buchhaltungsleiter, der wiederum delegierte an seinen Chefbuchhalter, welcher seinerseits einen Lehrling verdonnerte. Am Samstagmittag reiste zuerst der Buchhalter an, um die Arbeit des Lehrlings zu begutachten, das Fahrzeug auf eventuelle Beschädigungen zu prüfen und danach erforderlichenfalls noch einmal selber Hand anzulegen. Kurze Zeit später holte dann der Buchhaltungsleiter das Gefährt ab, verbrachte es in die Remise des Chefs, wo bereits der Prokurist wartete, um die evtl. entnommenen Gegenstände wieder einzulegen sowie den Schlüssel persönlich an seinen Gebieter zurückzuüberstellen.

Besonders effizient war das sicherlich nicht. Dummerweise jedoch wurden und werden viele Softwareprojekte nach diesem Schema abgewickelt. Denn die Theorie ist äußerst verlockend:

  • „Oben“ gibt es wenige, die den nötigen Überblick  und damit den Kopf frei haben für die wirklich strategischen Entscheidungen
  • „In der Mitte“ können die taktischen Entscheidungen auf mehrere kompetente Spezialisten aufgeteilt werden und
  • „unten“ kann die zeitaufwendige Codierarbeit von vielen, ggfs. austauschbaren Programmierern schnell erledigt werden.

Das hört sich zunächst einmal schlüssig an. Und um es klar zu sagen: So hat das früher auch einmal funktioniert, und zwar erstaunlich gut. Es bleibt aber nichts, wie es war.

Eins vorweg: Eine monokausale Erklärung, warum der „Wasserfall“ nicht mehr so funktioniert wie früher, kann für solch ein komplexes Phänomen niemals ausreichen. Die nachfolgende Polemik, soweit möchte ich mich aber doch vorwagen, „erschlägt“ einen nicht ganz so kleinen Anteil der Fälle.

Der Ärger fing an mit der Verbreitung des PC. Bevor diese scheußlichen Kisten den Massenmarkt überschwemmten, besaßen Unternehmen typischerweise eine einzige Rechenanlage, und die war extrem wichtig. Deswegen wurde diese gehegt und gepflegt, und zwar von einem gut aufeinander abgestimmten, qualifizierten Team. Es dauerte mitunter Jahre, bis ein neuer Mitarbeiter administrative Rechte bekam. Der Beruf des „Admins“ oder des „Programmierers“ war geprägt von Kontemplativität. Die Maschine zeigte einem oft und unnachgiebig die eigenen Fehler und Grenzen auf, andererseits aber forderte sie häufig, daß man ihre eigenen, zumeist durch die Hardware „eisern“ festgelegten Restriktionen mit neuen Verfahren neutralisierte. Dazu mußte man dieses Ding gut kennen. Ein Assemblerlauf dauerte gerne auch einmal 2 1/2 Stunden, Fehler im Quellcode gab es immer und wer da nicht zwischen den Tests im Maschinencode „patchen“ konnte, der assemblierte sich zu Tode. Das galt sinngemäß für „Hochsprachen“, und so war es selbstverständlich, daß man sehr genau wußte, was genau ein Compiler aus einer PERFORM- oder COMPUTE – Anweisung machte. Man war auch gezwungen, sich bei der Lösung eines Teilproblems genau zu überlegen,

  • soll es besonders schnell ausgeführt werden,
  • soll es möglichst wenig Hauptspeicher belegen (ein unwahrscheinlich wichtiges Kriterium seinerzeit) oder
  • soll es möglichst portabel und, fast immer damit einhergehend, selbstdokumentierend sein?

Unterließ man diese Vorüberlegungen, fiel einem schon das Teilproblem fast unweigerlich schmerzhaft auf die Füße.  Manchmal mußte man auch noch sehr „hardwareschonend“ programmieren, beispielsweise ein eigenes Caching implementieren, um Platten-, Disketten- und vor allen Dingen Bandeinheiten vor frühem Verschleiß zu schützen.

Seit langem arbeite ich in einem Unternehmen, welches nicht nur „Computerprogramme“, sondern manchmal auch komplette Anlagensteuerungen beispielsweise zur Polyesterextrusion entwickelt – vom Steuerprogramm selbst bis zu angepaßter Sensorik und Aktuatorik; wenn es irgendwie geht, verdrahte ich auch die Schaltschränke selbst. Typischerweise übernimmt bei größeren Anlagen der Steuerungsbauer auch die Rolle des Anfahrleiters. Bei der Erstinbetriebnahme, wo aufgrund kleinster Fehler ausgesprochen rohe Kräfte sehr sinnlos, dafür aber umso verheerender walten können, muß man sich auf seine Teamgefährten, aber auch auf die eigene Arbeit hundertprozentig verlassen können. Ein einziges verdächtiges Geräusch, rechtzeitig erkannt und richtig interpretiert, kann enormen Schaden verhindern. Dazu braucht man Menschen mit Erfahrung, Sorgfalt, Vorsicht und Demut.

Nun kamen in den 90ern die scheußlichen „PC“s auf den Markt, und urplötzlich war jeder sein eigener Admin und jeder präsentierte stolz irgendeine heimgebackene Detaillösung, die unter bestimmten Umständen sogar dann und wann funktionierte. Es begann eine grauenvolle Zeit der „dezentralen EDV“, in der jeder Mitarbeiter so eine Daddelkiste unter dem Schreibtisch hatte und auch gerne daran herumschraubte. Das „Fachpersonal“ nutzte die neuen, eigentlich bis heute vielfach völlig unnötigen graphischen Fähigkeiten der Geräte für immer albernere Spiele. Das Hauptproblem bei dieser Entwicklung hat mir einmal eine Psychologin erklärt:Wissen Sie, gern läßt sich eine verlassene Frau von einem Verehrer trösten — doch sie wird nie etwas mit diesem anfangen, nach dem Motto, „Wo ich kotze, eß ich nicht“. Es gibt aber nicht nur den Dipol „kotzen – essen“, sondern auch den Dipol „Spiel und Spaß — Arbeit und Verantwortung“

Vielleicht lag es daran: Wirklich ernsthaftes Arbeiten an PCs habe ich nie erlebt. Es hing ja auch keine Verantwortung daran: Wenn so ein Ding abschmierte, dann war der Schaden lokal begrenzt und alsbald festigte sich ein allgemeines Vorurteil, daß Computer nun einmal von Zeit zu Zeit gerne abstürzen – so einfach ist das. Irgendwelche Maschinen wurden auch nicht mit den Büchsen betrieben, also konnte auch niemand zu Schaden kommen.

Wo keine Verantwortung, da auch keine (Selbst-)Disziplin. Dieses Wort wird m.E. viel zu stark verteufelt, indem es in die autoritäre Ecke gedrängt wird. Dabei leitet es sich aus dem lateinischen ‚discipulus‘ ab, übersetzt am besten mit „Schüler“. Disziplin im positiven Sinne heißt Lernwillen, heißt auch, zunächst einmal deskriptiv anstatt normativ zu arbeiten.

In der PC-Szene will aber

  • jeder
  • immer
  • alles
  • sofort

mit „seinem“ Computer machen, und das knallt schon dann, wenn er alleine an seiner Daddelkiste sitzt, denn „machen wollen“ heißt ja noch lange nicht „machen können“. „Niedere“ Arbeiten haßt der Computerbeherrscher, welcher sich gern mit Künstlernamen wie „Merlin“ oder Bezeichnungen wie „Geek“ schmückt, von ganzen Herzen und besteht darauf, diese an die unwürdigen „User“ zu delegieren. Dabei ist gerade die handwerkliche Seite der Softwareentwicklung von größter Bedeutung. Genau so, wie es keine „minderwertigen Menschen“ gibt, gibt es auch keine „minderwertigen Arbeiten“. Richtig verheerend wird es dann, wenn viele Möchtegern-Herrscher, -Künstler und -Genies gemeinsam an einem Projekt arbeiten müssen, womöglich auch noch auf ein- und derselben Kiste.

Lieber Leser, soweit Sie es bis hierhin geschafft haben: Also, wenn Sie mich fragen, dann ist es in einer solchen Konstellation sehr erstaunlich, daß überhaupt fünf bis zehn Prozent brauchbare Produkte aus einer solchen Situation resultieren können.

Und deswegen haben ganz schlaue Menschen das „Projektmanagement“ erfunden, und eine Untergruppe dieser Menschen hat das „Agile Manifesto“ aus der Taufe gehoben:

Individuen und Interaktionen über Prozesse und Werkzeuge
Funktionierende Software über umfassende Dokumentation
Zusammenarbeit mit dem Kunden über Vertragsverhandlung
Reagieren auf Veränderung über Befolgen eines Plans

Hört sich gut an, nicht wahr? Oder sind Sie selber Softwareentwickler und sehen da vier dicke fette Ausreden von cleveren Böcken, die den Gärtner geben wollen?

 

Wie auch immer – irgendwann erwischt es jeden. Und hier mein ungeschminkter Erlebnisbericht „aus der neuen Welt“:

Es ist noch früh, als ich beim Kunden auflaufe, ich bin zum erstenmal dort. Man hat dort Probleme, ein selbstentwickeltes Programm auf die IBM POWER-Architektur zu portieren. Der Kontakt kommt über IBM zustande.

Man geleitet mich in einen größeren Konferenzraum. Dort sitzen schon vier Leute, jeder versteckt sich hinter seinem Rechner, drei „Apple“, ein „Vaio“. Rechts daneben haben alle „Smartphones“ neben sich liegen. Ich sage vernehmlich Guten Morgen, bekomme etwas zurückgenuschelt (der Stuttgarter Einheimischenslang ist schwierig) und setze mich auf einen der freien Plätze. Lege mir Block und Druckbleistift zurecht und prüfe nochmal, ob das Mobiltelephon ausgeschaltet ist.

Die Empfangsdame war ein junger Mann und entsprechend wurde mir kein Kaffee angeboten. Auch keiner der Anwesenden fühlt sich bemüßigt, einem Gast, der etwa 700 Km weit angereist ist, irgendetwas anzubieten. Irgendwann kommt eine junge Frau, welche im bald beginnenden Rollenspiel die „Project Owner“ gibt. Das ist die bedauernswerte Person, die den Ärger mit den Endkunden hat. Nett angezogen, spricht hochdeutsch und war wohl die, die angeregt hat, einen Externen hinzuzuziehen. Das genaue Gegenteil ist die „Scrum Mistress“, die den „Spielablauf“ steuert.

Letztere stellt mich vor, ich sei von außerhalb und könne vielleicht helfen. „Wo haben Sie Ihr Notebook?“ fragt sie mich, worauf ich antworte, „Ich bin zum Arbeiten hier“. Als das kollektive Getipsel abrupt aufhört, wird mir klar, daß von den mittlerweile 12 anwesenden Personen 11 so ein Knaddeldaddel vor sich haben.

„Aber ein Kaffee wäre nicht schlecht“, versuche ich den gelungenen ersten Eindruck noch zu toppen.

Am Klondike

„… dwelt a miner, fourtiy-niner, and his daughter Clementine“: Im Rahmen einer Agilen Retrospektive soll ich Projekt und Status erfassen. Ein mühsames Geschäft: Ich komme mir wirklich vor wie ein mäßig erfolgreicher Goldgräber, der Fakten-Nuggets aus dem Informationsstrom filtert. Zwei anstrengende Stunden brauche ich, um zu erfassen, worum es eigentlich geht:

Gescannte Dokumente (die SCRUM-Drum sagt immer „eingescannte“) sollen aufgrund von darauf befindlichen Barcodes automatisch bestimmten Anwendungen zugeordnet werden, typischerweise den Anwendungen, welche für die Barcodes verantwortlich waren. Auf den ersten Blick hört sich das blödsinnig an, aber in der Praxis ist dies sehr wichtig, weil im täglichen Betrieb sehr viele maschinell erstellten Belege später, teilweise durch Kunden und Partner, modifiziert oder signiert werden. Der Scanner also als „Datenklo“, wo man alle anfallenden Belege ‚reinsteckt nach dem Motto, „den Scheiß bin ich erst mal los“.

Es wird ungefähr 65.536 mal versichert, daß das Datenklo im eigenen Hause prima funktioniere, bloß nicht auf dem bösen Zielrechner des Distributors.

Der Überblick fehlt: Es gibt niemanden, der mir, quasi in Form eines Blockdiagramms, die beteiligten Module auf die Reihe bringen kann.

Wo viele verantwortlich sind, ist es am Ende keiner mehr: Eine Testmaschine im Hause existiert nicht! Mir bleibt der Mund offen stehen (aber nur kurz, danach frage ich zur Sicherheit nach, ob ich mich hier in einer Softwarebude befinde oder bei einem rheinischen Tuntenballett – für letzteres spreche nicht nur die hohe Anzahl an Apple-Geräten). Auch der „PO“ scheint der Umstand, daß man nicht einmal eine Testmaschine vor Ort hat, völlig neu zu sein: Ihr angenehmer Teint bekommt eine Spur Purpur dazu. Die SCRUM – Drummerin dagegen bekommt rote Flecken im Gesicht und meint, das sei genau richtig und beabsichtigt so und außerdem stehe die Inbetriebnahme einer Testmaschine auch in den Anlagen zum „Burn-Down-Chart„.

Studieren geht über Probieren: Auf dem Burnout-Chart kann man sehen, wieviele Aufgaben noch erledigt werden müssen. Dabei hat man das gleiche Problem wie ein Mikroprozessor mit seinem Instruktionsstrom: Wie vielen älteren Menschen bekannt, wird eine Instruktion ja nicht in einem Takt vom Rechner abgearbeitet, sondern durchläuft typischerweise zwischen 16 und 24 „Bearbeitungsstufen“. Wenn die „Pipeline“ erst einmal gefüllt ist, fällt mit jedem Takt eine abgearbeitete Instruktion an (also, jetzt nicht bei Intel und Konsorten, sondern bei ordentlichen Konzepten). Dumm nur: Manchmal gibt es Sprünge innerhalb eines Programmes und dann heißt es für die Pipeline, die bisher linear nachgeladen hatte: „Zurück auf Start, alle Planung war für’n Arsch“. Fast genauso schlimm wirkt sich die sehr häufig vorkommende Situation aus, die entsteht, wenn aufeinanderfolgende Arbeitsschritte voneinander abhängig sind:

Dann muß halt so lange gewartet werden, bis der Vorgänger fertig ist. (Ja, ‚branch prediktion‘ ist mir ebenso bekannt wie ’superpipelining‘, hier geht es ums Prinzip). Mit dem Burnout-Chart wird geplant wie mit einem schlecht konfigurierten SAP-System, indem davon ausgegangen wird, daß alle Arbeitsschritte gleichzeitig und voneinander unabhängig seien. Ein Anstreicher kann aber kein Haus anstreichen, dessen Mauern noch nicht gesetzt sind. Die ganzen Schätzungen fallen wie ein Kartenhaus zusammen, wenn es, wie jetzt, einmal ernsthaft klemmt und keine Auswege da sind. Bevor man detailreich etwas postuliert, heißt es: „Vorher ausprobiert!„.

PPPPPP: Proper Preflight Planning Prevents Poor Performance! Sonst kommt es zu einem Kollaps, den Judith Andreesen gut beschrieben hat, überdies, völlig branchenuntypisch, in einer klaren, angenehmen Sprache: Die Reißleine ziehen. Überhaupt hat sich die Autorin erkennbar viel Mühe mit ihrem Blog gemacht. Korrektur: Nicht erkennbar viel Mühe gemacht. Denn auch das zeichnet einen guten Text aus, daß er nicht nach Fronarbeit riecht, sondern leicht und angenehm daherkommt.

Not my department – oder „Schuld sind die and’ren, stellt mir keine Fragen“: Die PHP – Mannschaft meint, „was kümmert uns ein Architekturproblem, wo doch unsere Sprache genau dazu gemacht ist, um Architekturprobleme zu abstrahieren („und Zombies wie Euch zu generieren“, aber das kann ich gerade noch unterdrücken – in etwa weiß ich schon, wie weit ich zu weit gehen kann. Nicht einmal Rambo kommt ohne fremde Hilfe ans Ziel). Die Webtrottel also lehnen sich zurück und genießen die Show. Das wäre bei uns in der Firma nicht denkbar. Da packt jeder mit an, um Kollegen, denen die Krawatte klemmt, weiterzuhelfen. Nun sitzen wir übrigens schon seit gut drei Stunden zusammen – und keiner raucht! Das irritiert mich jetzt aber schon.

Selber habe ich vor 20 Jahren damit aufgehört, nicht aus prinzipiellen Erwägungen (intelligente Menschen haben sowieso aus Prinzip keine Prinzipien, weil sie sie prinzipiell nicht brauchen. Doch ich wollte einmal im Leben einen Kampf gegen meine eigene Fremdbestimmtheit gewinnen). Aber jetzt vermisse ich den würzigen Duft einer leckeren Zigarette. Man sitzt in einem Boot, gemeinsam raucht man eine Zigarette, die entweder die kreative Lösungsidee bringt oder, wer weiß, als legendäre „letzte Zigarette“ das gemeinsame Ende besiegelt. Da kommen Emotionen auf! Nicht: „Wir schaffen das!“, sondern: „Wir wollen das!“. Ich frage, ob es irgendwo hier einen nahegelegenen Park gibt, damit man sich die Beine vertreten kann und auf andere Gedanken kommt – die gucken mich an, als hätte ich Gruppensex vorgeschlagen.

Niedere Arbeiten – aber doch nicht für einen „Geek“! Einer meiner Mentoren und großen Vorbilder war jahrelang Leiter der Motorenentwicklung bei seinerzeit IHC, heute bekannter unter dem Namen Case. Eine seiner Thesen war, man könne sowieso nur für ganz kurze Zeit eine kreative und konstruktive Arbeit leisten. Weil man aber schlecht 90 Prozent der Arbeitszeit Pause machen kann, nimmt man sich etwas anderes vor. Und merkwürdigerweise, genau bei diesen scheinbar „untergeordneten“ Aufgaben fallen einem die besten Ideen ein – oder, nicht so schön, aber nicht weniger wichtig, man entdeckt in einem winzigen Detail einen kapitalen Showstopper. Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen – wir hatten ein Problem mit der sogenannten Werkzeugsicherung eines Stanzautomaten: Die Steuerung erkannte zu spät, daß ein Werkstück in einem schnellaufenden Folgeverbundwerkzeug klemmte, der Weitertransport sorgte für Überlagerung und das gewaltige polare Massenträgheitsmoment des Schwungrades der Exzenterpresse für einen kapitalen Maschinen- und Werkzeugschaden.

Mein Mentor „verdonnerte“ mich, die Maschine zu reparieren. Allein. Eine Drecksarbeit, nicht ungefährlich noch dazu. Beim Zerlegen der Drehkeilkupplung, welche die kraftschlüssige Verbindung zwischen Exzenter und Schwungrad herstellt, wurde mir klar, daß diese Verbindung bei einfacher Modifikation der Pneumatik auch noch zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt getrennt werden konnte. Glücklicherweise hat das Unternehmen, für das ich arbeitete, bis heute noch einen Werkzeugbau und wir fertigten modifizierte Steuerkulissen und andere Komponenten selbst an. Der Leiter des Werkzeugbaus, obwohl kurz vor der Pensionierung, war mit Feuereifer bei der Sache. Nach drei Tagen lief die Maschine wieder und jahrelang gab es keinen Bruch mehr. Mein Mentor sah mich schräg an und meinte, „Das hätten Sie nie hinbekommen, wenn ich Sie nicht genötigt hätte, die Maschine selbst auseinander zunehmen“. Diese Erfahrung ist der Grund dafür, weshalb ich auch heute noch ganz gern das eine oder andere Modul selbst programmiere. Und sehr gerne irgendwelche Dinge zusammenlöte oder -schraube.

Peer Review: Nach einigem Suchen finden wir einige verdächtige „Hilfsprogramme“, welche aus einer Linux-Distribution stammen. Eines ist mir besonders suspekt. In C geschrieben, gespickt mit Abscheulichkeiten. Mein alter Deutschlehrer brachte mir eine interessante Definition nahe, „Kunst ist die konsequente Umsetzung eines Prinzips“. Hier war die Umsetzung so kaputt, daß das Prinzip angegriffen sein mußte. So wurde zum Beispiel abgefragt,

if (3==i) …

Irgendwelche Germanisten und Nichtprogrammierer haben sich das ausgedacht: Weil ausgemachte Anfänger in den ersten Tagen gern eine Wertzuweisung (=) mit einem Vergleichsoperator (==) vertauschen, wird doch allen Ernstes empfohlen, anstatt des lesbaren und unmittelbar verstehbaren ‚if (i==3)‘ so einen Blödsinn zu schreiben wie oben, denn eine Wertzuweisung an eine Konstante legt den Compiler auf die Nase. Der Anfänger ist „geschützt“ und alle Profis müssen sich jahrelang mit unleserlichem Programmkot herumärgern. Das orientiert sich an einer Lehrpädagogik, die an ein Rennrad Hilfsräder anschraubt: „Hier:  Mit unseren Stützrädern kann keiner mehr umfallen!“. Dumm nur: Mit dem Zusatzklapparatismus macht man aus einem einspurigen Fahrzeug ein mehrspuriges. Und wenn sich ein Profi mit dem „Schutz“ einmal sportlich und schnell in eine enge Kurve legt, fliegt er buchstäblich aus der Bahn, weil er seinen Schwerpunkt nicht mehr ins Kurveninnere verlagern kann und landet im Dreck. Ganz abgesehen davon: Wer „sicher“ und „geschützt“ programmieren möchte, der macht das sinnvollerweise nicht in C, sondern beispielsweise in ADA. Die Krönung: Im vorliegenden Fall steckte auch noch ein gehöriger logischer Fehler drin, denn eigentlich gemeint war: ‚if (i >= 3)‘ …

Es geht richtig fies weiter: Nicht nur „RTL – Castings“ sind stockpeinlich, auch bei der C – Programmierung erkennt man leicht den Stümper. Aus schierem Unverständnis heraus, was Indexregister („Pointer“) sind und wie ein C-Compiler sie interpretiert, werden Werte absolut zugewiesen. So was meckert der Compiler zu Recht an. Mit einem „Cast“, dem Elixier der „Aber bei mir funktioniert es doch!“ – Generation, kann man ihn ruhig stellen. So habe ich es gerne: Zwei Zeilen vorher den Sicherheitsfanatiker herauskehren und dann sozusagen den Brandmelder ausschalten.

Die nächsten Zeilen sind ein offener Angriff auf die abendländische Kultur:

for (…) sprintf (buf,string);

Die Standardfehler, zwei fiese, mißbrauchbare Sicherheitslücken, will ich gar nicht diskutieren. Wer „PHP“ einsetzt, der braucht sich um „Security“ keine Gedanken mehr zu machen. Viel schlimmer finde ich, daß

  • es dieser „teuren“ Funktion gar nicht bedurft hätte: Es werden vier konstante Buchstaben übergeben. Die Aufbereitung dieser vier Buchstaben wird an eine extrem mächtige Funktion übergeben, die die übergebene Zeichenkette lexikalisch analysiert.
  • bei „unpassender“ Parametrierung, beispielsweise mit einem Prozentzeichen im Funktionsargument, das Programm im günstigsten Fall undefiniert auf die Nase fällt.
  • bei jedem der extrem häufigen Schleifendurchläufe die „teure“ Aufbereitung erfolgt, obwohl man dies ohne Not außerhalb dieser Schleife hätte tun können.
  • der Rückgabewert der Funktion ignoriert wird. In diesem Falle wäre das o.K. gewesen, aber dann ist man so nett und benutzt tatsächlich einmal einen „Cast“, indem man ein  ‚(void)‘  vor die Funktion schreibt, um den Compliler am Meckern zu hindern („function returns value which is always ignored“) und den Kollegen anzuzeigen, „Hier habe ich bewußt auf eine Prüfung verzichtet“.

Das Allerschlimmste aber: Die Art und Weise, wie innerhalb der (in der Realität deutlich größeren) Schleife Daten übergeben und in eine Datei geschrieben werden, macht die Portabilität des Codes in Bezug auf die sogenannte Endianness kaputt. Die aufgebohrten „386er“ PC-Prozessoren sind typischerweise „Little Endian“, Mama Blue baut typischerweise „Big Endian“. In der Ausgabe landet jetzt nicht, wie beabsichtigt, „Y800“, sondern „008Y“.

Ich erläutere meinen Verdacht und ernte: Achselzucken. Denn die einzige im Raum, die die Erläuterung kapiert, ist die „nichttechnische“ Project Owneress. Später erfahre ich, daß sie gelernte Floristin ist. Was ich immer sage, „Informatiker meiden!“.

Crisis ?  What Crisis ?

Die Masteress geht jetzt mit SCRUM — vielfach ums Problem herum:

Es wird diskutiert, ob man einen laufenden „Sprint“ abbrechen sollte, um einen neuen zu beginnen, natürlich nicht ohne „Review„. Hat die noch alle Latten am Zaun? Das erste, was man jetzt vielleicht tun sollte, frei nach dem agilen Motto, „Individuen und Interaktionen über Prozesse und Werkzeuge“: Programmkorrektur, Kurztest auf im Hause vorhandener Intel-Spielarchitektur, Testrelease auf einen richtigen Computer packen (und zwar nicht auf die Endkundenmaschine, um diesen nicht weiter zu inkommodieren), dort nochmaliger Test.

Aber weit gefehlt: „Das paßt nicht in unser Tooling„.

Bei uns in der Firma sind wir ja der Meinung, daß man nur das verantwortlich einem Kunden empfehlen kann, was man selber im Einsatz hat, insofern haben wir natürlich auch zwei IBM POWER – Maschinen am Start und im Gegensatz zur INTEL-Welt gibt es dafür auch eine brauchbare Virtualisierungsplattform – ich könnte also innerhalb von kürzester Zeit eine Testumgebung bauen.

Nur leider: „Das ist in unseren Prozessen nicht vorgesehen“.

 

Wenn’s am schönsten ist, Freunde …

… dann muß man halt gehen. Das ist nicht mehr meine Welt. Ich erkenne schlagartig, daß wir „Informationstechniker“ längst zu dem geworden sind, was wir verachtet und bekämpft haben:  Wir sind die neuen Bürokraten. Bleistiftspitzer. Bürohengste. Tintenpisser. Anstatt unseren Job zu machen, „Verwaltung von Information“, beschäftigen wir uns längst fast ausschließlich mit der Verwaltung der Verwaltung. Die eigentlichen Probleme sind ganz weit weg.

Mir fällt noch eine prima Verbalinjurie für die Mannschaft ein, aber irgendwie bin ich gerade zu traurig, um sie auszukippen. Ich bedaure also, unter den gegebenen Umständen nicht die Hilfe gewesen zu sein, die man sich erhofft habe, aber die neue Welt würde mich überfordern – ich käme mir vor wie der „Ich“ – Erzähler in Umberto Ecos spannendem Krimi „Der Name der Rose“:  „sic stat printine nomine rosa, nomina nuda tenemus“.

 

Epilog

Schon drei Tage später bekommen wir Bescheid von der „PO“: Ja, man hat den Fehler bestätigen können. Er wird aber nicht behoben, sondern man hat im „sprint review“ nach langer Diskussion vereinbart, daß der Kunde seine „offensichtlich unzulängliche“ POWER – Maschine von „Big Endian“ auf „Little Endian“ umstellen muß. Denn, so hat man bei IBM erklärt, mit der neuen Generation der POWER-Maschinen könne man das einstellen und außerdem gäbe es da ein passendes „UBUNTU“ …

 

Fazit

  1. Wasserfälle sind wunderschön.
  2. Zwei Dinge sind aktueller als jemals zuvor:  Brechts „Anachronistischer Zug“ und, hier einschlägiger als man es sich wünscht: »Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit.«
  3. Endlich tut sich mir schemenhaft ein Erklärungsansatz für die epochemachenden Glanzleistungen der T-Systems auf.

Und ansonsten halte ich mich bei der Softwareentwicklung zukünftig wieder an eine Empfehlung von Eberhard v. Kuenheim:

„In großer Höhe fliegt der Adler besser allein“.

hb

Roland Dürre
Samstag, der 26. Dezember 2015

Botschaften und Metaphern / Weihnacht 2.0

Für Liebe und Friede.

Für das Ehren und Achten der gesamten Schöpfung.

Gestern hat der Willy Michl für uns im Lustspielhaus seine Weihnachtsbotschaft gespielt und gesungen. Mit der ihm angeborenen Leidenschaft hat er plädiert für
„Respect, honour and love!“
Und „den immer-währenden Frieden“ gefordert. Das hat mir wie jedes Jahr gefallen. So war das Konzert am Abend des ersten Weihnachtsfeiertag vielleicht sogar mein persönliches Weihnachts-Highlight.

Willy Michl im Lustspielhaus zu München (2011 - fotografiert von Rolo Zollner)

Willy Michl im Lustspielhaus zu München (2011 – fotografiert von Rolo Zollner)

Vor kurzem habe ich in einer communitiy diskutiert, wie man eine freie Bewegung am besten weiter entwickeln kann, ohne dass sie in Gefahr gerät, zur systemischen Institution zu werden. Einer der Gesprächspartner hat gemeint, man müsse dem Motto folgen:
„Lead, follow or get out of the way!“
Das erinnert mich zu sehr an das Denken in der Army, so mag ich es nicht.

Allerdings fällt mir da die Aufschrift in großen Lettern am Heck des riesigen Weltraum-Kreuzers in Mel Brooks Spaceballs ein
„We brake for nobody!“
Auch das klingt nach einer klaren Ansage, die sogar gar nicht die meine ist! I don’t like this.

Da ist mir sehr viel lieber
„Love it, change it or leave it!“
Das halte ich für ein gutes Motto, es gefällt mir allein schon wegen meiner Sympathie für den und meinem Respekt vor dem Deserteur.

Vor einem Jahr waren wir in einem größeren Meeting in der Klemme. Heiko (Bartlog – ein Freund) ist dann, um die Blockade auszulösen, aufgestanden und hat die drei T’s an die Tafel gemalt:
Trust – Transparenz – Team
Darum geht es. Wobei mir das Wort „Vertrauen“ an Stelle von Trust besser gefallen hätte. Aber dann wäre es ja aus dem TTT ein VTT geworden und der ganze schöne Stabreim futsch gewesen 🙂

Was mir gegen den Strich geht, aber immer weiter gelebt wird ist
„Morden – Rauben – Brandschatzen!“
Das ist in der Reihenfolge sinnvoll – erst die Menschen umbringen, dann sie ausrauben und ihre Häuser abbrennen. Aber das sollte langsam der Vergangenheit angehören.

Genauso grauenhaft ist auch
„Töten – Foltern – Vergewaltigen!“
Das wird sogar heute wieder häufig angewendet – natürlich im Kampf für die gute Sache. Dafür kann man doch nicht sein! Ich verstehe gar nicht, wie man da nicht zum totalen Pazifist werden kann! Denn es ist eine Binsenweisheit, dass jeder, der gegen irgend etwas kämpft, letztendlich scheitern wird. So ehre, respektiere und liebe ich Pazifisten. So wie der Willy seinen Bruder Konstantin (Wecker) im Konzert geehrt hat.

So wäre ich gegen die Wiederbewaffnung der BRD und den Wieder-Aufbau der Rüstungsindustrie gewesen, wäre ich damals nicht zu klein gewesen. Heute verehre ich seit vielen Jahren John Lennon und bin für
„Give peace a chance!“
und
„All you need is love!“

Das „Denglisch“ stört mich übrigens nicht. Sind doch ins Bayerische schon vor weit über 100 Jahren soviel schöne Begriffe aus dem Französischen eingewandert,als Folge einer „kleinen Globalisierung“. Und die Vermischung der Sprachen ist halt eine der besseren Folgen der „großen Globalisierung“. Und warum soll ich auch für „Reinheit der Sprache“ sein? Rechnen und bald Lesen und Schreiben sind ja auf dem Rückzug. Warum sollen dann die überformalen und komplizierten Sprachen sich nicht auch verändern?

Ich habe jetzt noch zwei Feiertage Zeit, mir zu überlegen, was ich mit diesem Artikel sagen wollte. Heute denke ich, dass er ein brand-neuer und doch uralter Appell für Achtsamkeit, Anerkennung, Augenhöhe, Gemeinsamkeit, Offenheit, Respekt, Transparenz, Vernunft, Vertrauen und Wertschätzung ist. Auf dieser Ebene möchte ich mit allen Menschen kommunizieren. Und kundtun, dass Liebe und Frieden wie das Ehren und Achten der gesamten Schöpfung mir am wichtigsten sind.

Meine Zeit im letzten Jahr habe ich am liebsten mit Menschen verbracht, die ähnlich denken. Das war wunderschön, so will ich es in 2016 auch halten!

Euch möchte ich einen genialen Wunsch weitergeben, den mein Freund Aebby (Eberhard Huber) mir und Freunden gesandt hat und über den ich mich sehr gefreut habe:

„Möget Ihr viele Begegnungen mit Menschen haben, die Hoffnung statt Angst und Ärger verbreiten!“

Denn ich liebe Euch!
Das zu schreiben kann ich mir leisten, folge ich doch einfach meinem neuen Lieblingssatz:
„Einen Scheiß muss ich!“
(Mit Dank an Nadja und Stefan!)

RMD
(inspiriert vom Weihnachtskonzert des „Sound of Thunder“ am 25. Dezember 2015 im Lustspielhaus zu Schwabing, der wie ich im 66. Winter steht und den ich schon seit mehr als 40 Jahren ehre und achte.)

P.S.
Das Bild ist von meinem Bruder Rolo Zollner, der nun sein Wigwam in Burghausen aufgeschlagen hat. Das Bild steht unter Common Licence, Ihr dürft es also nutzen, wenn Ihr die Quelle und den Rolo als Fotograf angebt.

Hans Bonfigt
Freitag, der 25. Dezember 2015

Freislers Enkel

Etwa 15 Kelvin und 3.500 Km auf dem großen Kreis trennen meine Frau und mich von Deutschland und vor allen Dingen von Weihnachten. Nur für die schlimmsten Notfälle habe ich ein Notebook mitgenommen – aber dummerweise hat das Hotel ein gut angebundenes WLAN installiert. Und so kam, was kommen mußte – zum Zeitvertreib habe ich „mal eben“ http://www.zeit.de aufgerufen.

Und schon ist die Urlaubsstimmung dahin. Aber der Reihe nach:

Es ist schon einige Zeit her, da hängte die bei uns in Westdeutschland bedeutungslose „NPD“ ein paar Plakate auf, zum Beispiel mit einem Motorradfahrer und der Unterschrift „Gas geben!“ oder mit einer alten Dame, kommentiert mit „Mehr Geld für Oma statt für Sinti und Roma“.

Was soll ich sagen, ich habe mich durchaus amüsiert. In Berlin hatten tagsdrauf einige Aktivisten unter das „Gas geben“ – Plakat ein großformatiges Bild des zerlegten Autos von „FPÖ“-Chef a.D. Jörg Haider gehängt. Saubere Replik. Auch der, zumal für „NPD“ – Verhältnisse, gelungene Reim auf dem „Oma“ – Plakat gefiel mir.

Zunächst einmal: Seit Jahrzehnten öden uns diese Spinner mit Stereotypen wie „Deutschland den Deutschen“ etc. an, und jetzt bieten sie immerhin schon einen ganzen Satz ?  O.K., das Prädikat fehlt noch, aber dafür gibt es ein Plus für angewandte Ironie: Sie hätten ja auch einen Opa abbilden können mit der Unterschrift, „Mehr Geld für Heiner statt für Zigeuner“, aber die Verballhornung des notorischen Grünen-Sprechs,

„Es sind keine Zigeuner, sondern SINTI UND ROMA !!1!“,

verdient Anerkennung.

Ziemliche Beachtung fand das Plakat auch in diversen „Stadtparlamenten“, die das „rassistische, diskriminierende Plakat“ kurzerhand entfernen ließen. Die „NPD“ klagte gegen die Maßnahme und bekam gottseidank recht. Denn: Seit wann sind Sinti oder Roma eine „Rasse“? Und vor allen Dingen, wo werden die im Plakat „diskriminiert“? Da schlägt jemand vor, mehr Geld in die Förderung der Rentner zu investieren anstatt in zusätzliche „Integrationsprojekte“.

Wer, zum Teufel, wird hier verunglimpft? Richtig, Niemand.

Nun wissen wir, spätestens seit Claude Shannon, daß eine Nachricht immer aus Inhalt und Botschaft besteht, und im gegebenen Zusammenhang schwingt ein unappetitlicher Subtext mit, der sich an ziemlich niedere Instinkte im Menschen richtet. Nun wohnen einem demokratischen Menschen allerdings nicht nur niedere Instinkte inne und so erreicht das Plakat der peinlichen selbsternannten „Nationalisten“ das genaue Gegenteil. Naja, in Westdeutschland zumindest.

Aber ich sprach ja auch von Demokraten und nicht von einem Gemenge, welches zu 1/3 gar nicht und zu 1/3 SED, „NPD“ und sonstige geistigen „Führer“ wählt.

Das Urteil erging also sicherlich zu Recht, ich habe dies mit einer gewissen Genugtuung zur Kenntnis genommen und mich auch gefreut, daß die Justiz immer noch ein gewisses Korrektiv in unserem zum „Gesinnungskonsens“ verkommenen politischen Wertekanon darstellt.

Umso schlechter wurde meine Laune dann bei Ansicht des „Zeit“-Artikels:

Bundesjustizminister Heiko Maas stank dieses Urteil und er bemühte eine „Rechtsprofessorin“ um der kraft Gesetz unabhängigen Richterschaft einmal deutlich aufzuzeigen, wie sie demnächst zu urteilen hätten.

Es wäre ein Fehler, auf den verbalen Dünnschiß der „Schmahl“-Juristin genauer einzugehen, weil er auf einer, im wortwörtlichen Sinne, furchtbaren Fehlannahme basiert:

„Schmahl verweist unter anderem darauf,

  • dass das Verbot systematischer Rassendiskriminierung zu den „unbestrittenen Normen“ des unveränderbaren Völkerrechts gehört. Das Verbot sei nicht nur in der EU-Grundrechtscharta, sondern in vielen Erlassen der Europäischen Union und diversen Menschenrechtsverträgen verankert, darunter in der Antirassismuskonvention ICERD.
  • dass der ICCPR-Pakt über bürgerliche und politische Rechte nach Auslegung des UN-Menschenrechtsausschusses die Meinungsfreiheit „explizit herausstellt“. Rassenhetze sei damit allerdings nicht vereinbar.
  • dass der Europäische Menschenrechtsgerichtshof bei rassistischen und xenophoben Äußerungen „einen eher restriktiven Kurs zu Lasten der Meinungsfreiheit verfolgt“.“

Nun weiß jeder Besucher einer allgemeinbildenden Schule: SICHER gibt es unterschiedliche Rassen, Katzen, Vögel, Menschen, Esel — aber nun überhaupt keine unterschiedlichen MENSCHENrassen! Der Wahn von der Existenz unterschiedlicher Menschenrassen war der Antrieb für Heinrich Himmlers idiotischen Rassenwahn mit seinen entsetzlichen Auswirkungen!

Denn wo es mehrere „Rassen“ geben kann, ergibt sich fast zwangsläufig die Frage nach einer „höherwertigeren“.  Nicht zu reden von den entsetzlichen Konsequenzen, wenn jemand eine „Rasse“ ‚reinhalten‘ oder gar ‚reinigen‘ will!

Auch wenn die Autorin innerhalb ihres Schlechtachtens konzediert, daß man den Begriff der ‚Rasse‘ eigentlich seriös gar nicht verwenden könne, tut sie es weiterhin – und entblödet sich auch nicht, schon im Titel ihres Elaborates die Plakate, die Gegenstand ihrer Untersuchung sind, als „rassistisch“ zu bezeichnen.

Wer aber andere als „rassistisch“ zeiht, bejaht damit implizit die Existenz von „Rassen“ und ist damit vielleicht subtiler in der Argumentation, aber ganz sicher um keinen Deut besser als der böse „Rassist“.

Wo aber nun überhaupt die Plakate diskreditieren oder „ausgrenzen“, bleibt die Verzapferin des „Gutachtens“ schuldig, stattdessen sondert sie ab, daß es sich bei „Schmähungen“ wie auf den Plakaten „um einen Angriff auf die Menschenwürde“ handele, „die sich jeder Abwägung entzieht“.

„Sie sind ja ein schäbiger Lump, Sie!“, so hätte sich ein bekannter deutscher Jurist ein paar Jahre früher die Arbeit erleichtert.

Heinrich Himmler hat sich seinen Richtern durch Suizid entzogen. Lebte er noch, er müßte fasziniert und begeistert sein, daß der Schoß für seine kruden Rassentheorien immer noch so fruchtbar ist – und das vor allem in der deutschen Justiz, die bis heute nicht wirklich geläutert ist. Denn hier wurde ein „Gefälligkeitsgutachten“ verzapft, denn sonst wäre ein solches Geplapper von einer deutschen Professorin nicht erklärbar.

Und die ganzen Claqueure, angefangen bei den Grünen, den Desinformationspostillen wie „Spiegel“, „Sueddeutsche“ und seit einiger Zeit auch der „Zeit“ – eine illustrere Akklamationsgemeinschaft könnte sich Himmler auch heute nicht vorstellen.

Wo soll die Hexenjagd enden? Wenn jemand postuliert, „Kein Geld mehr für den DFB und die widerwärtig randalierenden Fußball-Hooligans“ – muß er dann als „Rassist“ weggesperrt werden?

Oder wenn jemand „die große Verschwulung“ beklagt? Naja, der Buchhandel wollte Pirinccis Bücher, wenn schon nicht verbrennen, so aber doch öffentlich shreddern.

Mein alter Herr pflegte zu sagen,
„Wir gehen nicht daran kaputt, daß wir zu viele Extremisten haben,
wir gehen daran kaputt, daß wir zu wenige Demokraten sind.“

Das trifft es immer wieder.
Von einer lächerlichen „NPD“ geht seit fünfzig Jahren keine Gefahr aus, sehr wohl aber von einer Gefälligkeits- und Gesinnungsjustiz, die von einem opportunistischen „Minister“, der gerade eben wieder in einer zentralen politischen Frage „umgekippt“ ist, initiiert wird.

 

Nachtrag

Per Mail werde ich darauf hingewiesen, daß die Überschrift vielleicht ein wenig „grob“ sei für eine „einfache gutachterliche Rechtsbeugung“.

Dem kann ich zwar nicht folgen, aber ich habe den fatalen Zusammenhang zwischen der Freislerschen Gesinnungsjustiz und dem vorliegenden Gefälligkeitsgutachten nicht dargestellt.

Eigentlich auch nicht notwendig, denn nachdem es klar keine „Rassen“ unter Menschen gibt, sind natürlich auch alle albernen EU- und sonstigen „Ratifizierungen“ Makulatur.

Daß sich Opportunisten wie Heiko Maas einen feuchten Kehricht um den „EUMGH“ kümmern, zeigt sich auch darin, daß er soeben eine Generalüberwachung aller Bürger installiert hat, die eben dieser EUMGH vor kurzer Zeit als menschenrechtswidrig untersagt hat.

Ganz am Schluß ihrer Ausführungen läßt die Autorin definitiv die Sau heraus, mit „Überlegungen“ wie:

  • „Geld für Oma statt für Sinti und Roma“ könne man ja auch so lesen, daß beabsichtigt sei, den Sinti und Roma Geld wegzunehmen,
  • weil es ihnen nicht zustehe.
  • Wenn aber die Sinti und Roma Geld bekommen würden, was ihnen nicht zusteht, dann wären sie ja kriminelle Sozialschmarotzer!
  • Eine Herabwürdigung als kriminelle Sozialschmarotzer aber stellt eine klare Diskriminierung einer ethnischen Gruppe dar. Zwar erkenne sie als Gutachterin an, daß ein Gericht immer die „mildere“ Intention berücksichtigen müsse, aber aus herbeigezerrten „Unterlagen“ gehe zweifelsfrei hervor, daß die erste, unmittelbar einleuchtende und allgemein verständliche Aussage keinesfalls gemeint sein könne.

Eine solche perfide, mit allerlei Vermutungen gespickte „Deduktion“ ist genau die Art und Weise der Rechtsbeugung, wie sie Roland Freisler zwar nicht am „EUMGH“, sondern am „VGH“ zelebriert hat. Mir wird Angst und Bange, wenn ich das lese und ich fühle mich an Brechts „anachronistischen Zug“ erinnert,

„Einige uns’rer besten Bürger,
einst geschätzt als Judenwürger,
nun geknebelt, seht Ihr schreiten
für das Recht der Minderheiten“

Ähnlich peinlich, vor allen Dingen aber immer auf obskuren Vermutungen basierend, erfolgt die „Beurteilung“ des Aussagegehaltes der anderen Plakate.

HB

Roland Dürre
Donnerstag, der 24. Dezember 2015

Eine frohe Weihnacht!

Liebe IF-Blog-Leser,

anlässlich des Fests möchte ich ein paar ganz persönliche Gedanken formulieren. IF-Blog.de schreibe ich vor allem für mich selber. Es ist wie ein Tagebuch, dem ich Themen und Gedanken anvertraue, die mich bewegt haben. Es tut mir gut, dies aufzuschreiben.

Ich mache das öffentlich, weil ich meine Überlegungen gerne teile. So wie ich fremde Gedanken gerne aufnehme und verarbeite. Jeder einzelne meiner Gedanken ist nicht aus meiner Kreativität geboren sondern enthält viele Botschaften anderer Menschen, die mein sozialen Umfeld bilden. Weil ich ein Teil von etwas Größerem bin, das bei jedem von uns ein anderes ist. So führen wir ein sehr individuelles Leben im kollektivem. „Individuell“ versus „kollektiv“ ist der Spagat, der uns am meisten fordert.

Ich denke mir, wenn wir uns alle öfters öffnen würden, dann könnten wir vielleicht gemeinsam eine besser Welt im Sinne von Achtsamkeit, Anerkennung, Augenhöhe, Gemeinsamkeit, Offenheit, Respekt, Transparenz, Vernunft, Vertrauen und Wertschätzung schaffen. Und mit einfachen und schlanken Lösungen viele Herausforderungen ganz agil meistern, die uns bedrohen.

In diesem Sinne möchte ich mich bei allen Menschen, die ab und zu im IF-Blog lesen bedanken und Euch allen nur das Beste wünschen:

Eine frohe Weihnacht, einen tollen Rutsch und Gesundheit und Zufriedenheit als Teil eines gelingenden Jahr 2016!

Jumbos first birthday. Celebrate your life.

»Jolly Kunjappu – »Jumbo‘s first birthday. Celebrate your life.«
Acryl und Wachskreide auf Leinwand

Dieses wunderschöne Bild gemalt von meinem Freund Jolly war das Motiv der Weihnachtskarte 2013 der InterFace AG. Wenn man es vergrößert, findet man viele positive Botschaften. Es gibt gut wieder, wie ich IF-Blog gerne hätte, als eine bunte Botschaft des Muts, der Freude und des Frieden.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 19. Dezember 2015

Thesen zu Zukunft und Vergangenheit von Kulturtechniken

Slideshow_startIn der Schule habe ich gelernt, dass es so „grundlegende Kulturtechniken“ gäbe. Die notwendige Basis der Weiterentwicklung von uns Menschen wären. Wie Rechnen oder Lesen und Schreiben.

Wie sieht es heute damit aus?

Rechnen

Wer beherrscht noch das Einmaleins? Wer kann noch im Kopf rechnen, will sagen wer kann noch Zahlen ohne Papier addieren, subtrahieren, multiplizieren oder dividieren? Besonders wenn sie ein paar Stellen mehr haben und man Ergebnisse „zwischenspeichern“ muss?

Wer beherrscht noch die formalen Methoden, auf Papier zu subtrahieren und multiplizieren oder auch nur eine längere Zahlenkolonie zu addieren? Dies ohne erst länger nachdenken zu müssen, wie das doch eigentlich war? Oder wer kann gar noch eine Wurzel ziehen? Nur mit Stift und Papier? Mit solchen Aufgabenstellungen kann man im Bewerbungsgespräch auch akademisch gebildete Kandidaten rasch in tiefste Verzweiflung stürzen.

Ich meine, rechnen ist eine Kulturtechnik, die gerade verschwindet. Eigentlich fast schon verschwunden ist. Wir brauchen sie auch nicht mehr, denn unsere kleinen elektronischen Helferlein können es halt so viel besser.

So können viele Menschen nur noch rudimentär rechnen. Die Kinder lernen es sowieso nicht mehr. Vielleicht würden die sich für solche exotischen Dinge wie Kopfrechnen in „unschooling“-Verhältnissen interessieren (oder in einer Sudbury-Schule). Aus intrinsischer Motivation, spielerisch.

Auf den „normalen“ Schulen dieser Welt aber wird es nicht mehr funktionieren. Weil diese immer mehr sich zu quasi-militärischen Lehranstalten entwickeln, in denen absolut-hierarchischen Strukturen herrschen. Die die Kinder nach einem „Schema F“ unterrichten (oder besser abrichten). Auf diese Art schafft man es (natürlich) nicht, Kindern etwas rein zu pressen, das anstrengend ist, obwohl man es offensichtlich nicht mehr braucht.

Deshalb wird die Kulturtechnik des Rechnens nur noch sehr rudimentär erhalten bleiben. Und das finde ich überhaupt nicht schlimm. Habe ich doch bei meinem Lehrer F. L. Bauer (Informatik-Pionier der 2. Generation) gelernt, dass vor noch ganz wenigen Jahrhunderten die Kunst des Multiplizieren nur an einer einstelligen Anzahl im untersten Bereich von Hochschulen gelehrt wurde. Damals übrigens auf der Basis von Logarithmus-Tafeln – mit entsprechend unscharfen Ergebnissen.

Will sagen, zum Glücklichsein, brauch ich keine Kulturtechnik, bei der ich mich anstrengen muss. Und die mir überhaupt nichts bringt, außer dass mir am Schluss dann auch noch der Kopf weh tut!

Lesen & Schreiben

Diese Kulturtechnik ist noch nicht so ausgerottet wie das Rechnen. Allerdings steigt nicht nur in „fortschrittlichen“ Ländern die Anzahl sowohl der echten wie besonders der „rudimentären Analphabeten“ stark. Folgerichtig wird in den USA bei der Ausschreibung von öffentlichen Web-Anwendungen als Teil der Barriere-Freiheit gefordert, dass die Website auch für „des Lesens nur rudimentär fähigen Menschen“ zugänglich sein muss.

Auch diese Entwicklung erscheint mir logisch und klar. Audio und Video sind im Vormarsch, der Podcast schlägt natürlich den Post, Youtube & Co die Zeitung usw.

Ich meine diese Aussagen übrigens nicht ironisch sondern sehr ernst. Es wird in diese Richtung weitergehen. Dazu noch ein paar steile Thesen:

  • Die hohe Zeit von Schreiben und Lesen kam mit den PCs und Laptops.
    Schreiben mit der Hand war und ist grauenhaft. Die Schrift wurde für den und nicht dem Schreiber optimiert. Früher war das Licht zum Lesen wie das Augenlicht der Leser schlechter.  So sind Schrift – und Handschrift – sehr aufwändig um redundant sein. Erst die Druckmaschinen und später Johannes Gutenberg mit seiner Erfindung der beweglichen Metalllettern hat schriftlichen Medien zum Durchbruch gebracht. Die Schreibmaschine hat die Erstellung von lesbarer Schrift ein wenig leichter und der Computer dann – trotz grauenhafter Software wie word – super einfach gemacht. So gab es einen letzten Höhepunkt des Schreibens, der mit „vi“ begann und jetzt endet. Schauen wir uns nur die Texte an, die auf Mobilen Telefonen und Tablets  erzeugt werden (ist das mittlerweile nicht dasselbe?).
  • Malen und zeichnen zu lernen ist leichter als Lesen und Schreiben.
    Die meisten Techniken verschwinden, wenn sie ihren Höhepunkt erreicht haben. So wird es auch der Schrift gehen. Sie dürfte vom Zeichnen und Malen abgelöst werden.Viele Menschen sagen, dass sie nicht malen könnten. Das ist falsch, die Erzeugung von Bildern und das Ausdrücken in Bildsprache sind sehr leicht erlernbar.
  • Die Technologie wird gerade reif für Zeichnen und Malen.
    Bisher konnte man nur auf Papier ordentlich malen. Das hatte seine Nachteile, die elektronischen Helferlein waren noch nicht in der Lage, uns so zu unterstützen wie der „word processor“ den Schreiber. Jetzt aber kommen die Tablets – und plötzlich wird malen elektronisch einfacher als auf Papier, so wie anno dazumal das Schreiben. Undo, Versionierung, Layout-Schichten und viele tolle Features beseitigen die großen Einschränkung des Malen auf Papier! Und es scheint da erst so richtig los zu gehen!
  • Die Zukunft gehört den Bildern und dem Ton.
    Bilder sagen mehr als 1.000 Worte. Das ist eine Erkenntnis des frühen Marketing auf mobilen Fahrzeugen wie auf Straßenbahnen. Textliche Werbung hatte auf Straßenbahnen versagt, weil diese immer schon um die Ecke waren bevor die Adressaten die Texte entziffern konnten. Mit Bildern und ganz wenig Worten ging das dann viel besser.
  • Konsens kann vielleicht mit Visualisierung erreicht werden.
    Das halte ich für einen ganz wichtigen Nebenaspekt. Gelingende Kommunikation ist wohl das schwierigste überhaupt. Seit Jahrtausenden versucht man Konsensfindung durch sprachliche und schriftliche Kommunikation zu schaffen. Und ebenso lange scheitern wir, wie die Geschichte zeigt. Lasst es uns doch mal mit Bildern versuchen?

So behaupte ich:
Die Zukunft gehört den Bildern und dem Ton. Schreiben können wird gesellschaftlich so unwichtig werden wie rechnen. Rudimentäres Lesen wird völlig ausreichen, um ergänzende Informationen wie zum Beispiel die Präzisierung von Details zu verstehen. Der Hauptgrund für diese Entwicklung ist, dass die digitale Welt endlich Bilder genauso leicht und einfach erzeugbar und zugänglich macht wie der Taschenrechner das Rechnen oder die aktuellen Kollaborationwerkzeuge den Umgang mit Dokumenten. So werden zumindest langfristig das Malen, Skizzieren, Zeichnen auf dem Tablett (und seinen Nachfolgern) genauso die „Kulturtechnik“ Schreiben&Lesen ablösen wie der Taschenrechner die „Kulturtechnik“ des Rechnen verdrängt hat.

„Weil es so einfach ist!“ oder „Weil es einfach so ist!“

🙂 Auch wenn dann der IF-Blog zum PodCast- oder/und zum Bilder-Blog wandeln muss.

RMD

Anmerkung: Schon heute schaffen zum Beispiel Filme mehr Konsens als die großen Romane der Vergangenheit. Und je mehr die Kunst des Lesens verloren geht, um so wichtiger werden Audio und Video.

P.S.
Das Bild ist von der Website von Visual-Braindump (Christian Botta & Daniel Reinold).

 

Roland Dürre
Mittwoch, der 16. Dezember 2015

Was ich nicht mag #35 – Systemagenten.

Dürre_RolandNicht zu vermeiden – im Laufe meines „vernetzten Lebens“ bin ich auch immer wieder Politikern und Funktionären von Verbänden und Vereinen begegnet. Die Vertreter von solchen Systemen sind auch nur Menschen. Man darf nicht zu hart mit ihnen ins Gericht gehen. Es ist aber erstaunlich, wie viele ganz verschiedene „Gesichter“ ich hier finde.

In vielen Vereinen gibt es wunderbare Menschen, die mit Kompetenz, Idealismus und Können für eine Sache arbeiten und zum Beispiel fähig sind, Menschen zu integrieren. Aber auch in diesem Kreis treffe ich (zu oft) Menschen, die eben nicht für die gemeinsame Sache wirken sondern ihre „eigene Agenda“ haben. So ist es nur logisch, dass häufig Entscheidungen für die eigenen Interessen und nicht am Gemeinwohl orientiert gefällt werden.

Wende ich meinen Blick weg von den Vereinen – da wo man überwiegend auch ehrenamtlich arbeitet – hinein in die Welt der Verbände und Parteien, dann wird das Bild schnell negativ. Da herrschen die Systemagenten vor, die oft auch noch „Systemagenten“ in eigener Sache sind. So gibt es eine Reihe von Persönlichkeiten im großen wie im kleinen „öffentlichen Leben“, die ich gar nicht so mag.

Meistens sind es Menschen von Mittelmaß, die sich wesentlich aus ihrer Rolle oder ihrem Amt heraus definieren und sich so enorm profilieren und wichtig machen. Weil sie in ihrem sonstigen Leben nicht ernst genommen werden und dies nur kraft ihres Amtes und Rolle kompensieren können. Und ihre geliehene Autorität für den persönlichen Erfolg nutzen.

Oft verstecken sie sich hinter Regeln, betonen Rücksicht nehmen zu müssen, begründen mangelnde Einscheidung durch Sachzwänge, operieren mit moralischen Belehrungen (das geht doch nicht!) und bringen unter dem Strich nichts „nach vorne“. Schlimmer – wegen mangelnder Bildung, Intellekts oder Persönlichkeit bringen sie vieles durcheinander.

Sie leben von der Kraft ihres Systems, das sich manchmal schon im Todeskampf (Agonie) befindet, diesen aber aufgrund seiner Reichtümer lange überleben kann. Dass sie und „ihr“ System immer weniger wertgeschätzt werden, ist ihnen egal sein, sie haben ja den Glanz (und das gute Einkommen) ihres Amtes.

Wie haben solche Menschen es geschafft, in der Hierarchie des Verbandes, Vereins oder der Partei in oft erstaunlich hohe Positionen zu kommen? Es ist ihr „Sitzfleisch“ und die Fähigkeit, negative Rückmeldungen einfach zu ignorieren, das sie auszeichnet. So dienen sie sich in Rollen hoch, die anderen „zu blöd“ sind und bewegen sich beharrlich durch die Instanzen des Systems. Auf dem Wege stecken sie viel ein, ihre wahre Stärke ist das Erdulden, Ignorieren und „stur weiter machen“.

Als Lohn winkt die lang ersehnte Wichtigkeit. Dass diese nur geliehen ist, stört sie nicht. Mit jedem Karriere-Schritt stehen sie ein wenig mehr im Mittelpunkt. Am Ziel können sind sie dank ihres Amtes „ein Jemand“, fühlen sich als Sieger und bekommen oft auch reichen materiellen Lohn (meistens direkt wie indirekt). Beides hätten sie auf einem anderen Weg kaum erreicht.

Die Liste der Personen und Verbände und Parteien die ich hier meine, ist sehr lang. Mir fallen da eine Reihe von Vertretern ein von
Interessensverbänden aller Art, Wirtschaftsverbände und IHKs, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände, Groß-Klubs wie z.B. für die Autobürger, diverse Sportorganisationen und kirchliche Verbände. Verbände, die sich Standesvertretungen oder Berufsgruppen fühlen, gehören dazu wie auch die, die sich auf berufliche Themen spezialisieren oder sich im Besitz einer Weisheit für „best practice“ oder ähnlichem wähnen.Sogar NGO’s, die „Gutes“ tun wollen leiden an solchen „Systemagenten“. Und erliegen dann nicht selten dem Kommerz.

Mittlerweile gibt es übrigens eine Inflation an Vereinen und Verbänden, für alles mögliche und jeden Zweck. So werden die Jobs für Systemagenten werden immer mehr. Aber es wird noch schlimmer, wenn ich mir die Parteien und die Lobby anschaue.

So erscheint mir überdurchschnittlich negativ die Situation bei den politischen Parteien und ihren angeschlossenen Institutionen (z.B. zur Förderung zur politischen Meinungsbildung ). Sie sollen Varianten von gesellschaftlichem Konsens generieren, die dann demokratisch zur Wahl gestellt werden können. Das funktioniert nicht mehr. Ein Bürgermeister einer nicht zu kleinen Stadt am Rhein hat mir mal erzählt, dass neue Parteimitglieder in der Regel sich von ihrem Partei-Eintritt private Vorteile erhoffen. Wenn aber die Mitglieder schon so sind, kann man es dann den agierenden Politfunktionären vorwerfen, dass sie ihre Entscheidungen auch an persönlichen Vorteile orientieren?

Wenn solche Personen dann auch noch lamentieren, dass sie die einzigen wären, die etwas tun und den anderen vorwerfen, dass sie nur reden würden, dann platzt mir ab und zu der Kragen.

Ganz schlimm sind die Systemagenten von Lobbys, die Lobbyisten. Diese müssen und sollen die Interessen der Mitglieder ihres Verbandes in Gesellschaft und Politik pressen. Und so oft gegen das Gemeinwohl gerichtete Interessen mit „Zuckerbrot und Peitsche“, sprich mit allen Mitteln durchsetzen. Dies erfordert natürlich eine besonders schlimme Rücksichtslosigkeit gegen der Rest der Welt. Mein Stichwort: „Abschaum und Gesindel“.

RolandSchwimmen1Nur Jammern ist das Eine. Das ist nicht gut. Handeln ist besser. Deshalb müssen wir unsere eigene Trägheit verlassen und aus dem Zuschauen ein Tun machen.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 14. Dezember 2015

Noch ein paar Gedanken zu Barcamp und Open Space

Der Unterschied zwischen „Klassischen Konferenzen“ und „Unkonferenzen“.

pmcamp-logo-dornbirnImmer mehr begreife ich, dass Lernen eine soziale Tätigkeit ist. Glaubte ich früher, dass ich von einzelnen Menschen und Lehrern viel gelernt habe, stelle ich heute fest, dass dies nur teilweise richtig ist. Meistens waren meine Lehrer – obwohl ich auch von ihnen einiges mitbekommen habe – nur die  Katalysatoren, die Menschen zusammen und in Kommunikation gebracht haben.

So gesehen war nein Leben und Lernen vor allem ein fortwährendes Treffen mit vielen Menschen. Die Begegnungen waren mal intensiver und mal oberflächlicher. Aber immer ging habe ich etwas an Wissen und Erfahrung ab bekommen und wahrscheinlich auch gegeben. Immer haben wir von einander gelernt und uns gegenseitig „abgefärbt“. Ab und zu haben wir uns auch an unterschiedlichen Konstrukten gerieben, auch das war hilfreich.

Erfahrung, Können, Wissen, Klugheit und Weisheit werden oft als individuelle Errungenschaft wahrgenommen. Das stimmt aber nicht, sie sind  immer das Ergebnis einer Kommunikation in kollektiver Sozialisierung.

So gesehen sind Unkonferenzen nichts anderes als ein Werkzeug zur Sozialisierung, mit dem man intensive und symmetrische Kommunikation durch Partizipation fördern und den Lernprozess wesentlich dynamisieren kann. Im Gegensatz zu den klassischen Konferenzen, die mir oft soviel starrer und einseitiger vorkommen. Die die Mehrheit der Teilnehmer zur Passivität zwingen und deshalb nicht so viel Spaß machen.

Ein Barcamp oder ein Open Space darf auf keinen Fall zu einer Konferenz werden, auch nicht im Ansatz. Deshalb darf man bei einem Barcamp nicht übers Ziel hinausschießen und zu viel planen und vorbereiten.

Zwei Dinge machen die Unkonferenz aus – Die Session-Planung und die Sessions. Die Planung der Sessions erfolgt gemeinsam. Sie muss auf das Jetzt und Hier eingehen und darf nicht aus der Retorte kommen. Das gilt auch für die Sessions – sie müssen frei bleiben. Sie können aber aufgewertet werden, wenn wunderschöne Formate wie Debatte, redlicher Konsens, moderierter Konsens (Art of Hosting), Fish Bowl, Stroy Telling, Spiele, „prototyping“ und vieles mehr stärker genutzt werden.

Impulsvorträge können nützlich sein, da sie gedankliche Anstöße zum Thema / Motto liefern, so es denn eines gibt. Das ist ja nicht notwendig. Genauso kann ein gutes Intro, die Menschen öffnen und so das Bewusstsein für die für gute Kommunikation notwendigen Voraussetzungen wie  Achtsamkeit, Respekt, Anerkennung, Wertschätzung erzeugen – also eine Kommunikation auf Augenhöhe ermöglicht.

Zur Gefahr des Entstehens einer Blase (Bubble).

Gelegentlich wird die Gefahr thematisiert – auch in der Retrospektive zum PM-Camp Dornbirn, dass sich auf barcamps „Blasen“ entwickeln können, die Teilnehmer von der Rest der Welt isolieren können bzw. zur Inzucht führen können.

Das erscheint mir möglich. Denn, immer wenn Menschen in intensiver Kommunikation zusammen kommen kann auch Realitätsverlust entstehen. So kann sich eine Blase (bubble) entwickeln, die aufgrund großer Gemeinsamkeiten zur Gruppenbildung (siehe Klassentreffen) oder zu fachlicher Inzucht (siehe Ausgrenzung) führt.

Das ist ganz logisch, denn natürlich neigen Gleichgesinnte eher dazu, sich in ihren Vorurteilen zu bestätigen anstatt diese sich gegenseitig auszureden. Ich sehe diese Gefahr zwar gering und keine Bedrohung für gute Ergebnisse bringen. Aber auch hier kann entgegen wirken und versuchen den wünschenswerten  Pluralismus durch Neuzugänge (newbees) zu befördern. Denn wenn die Neuen genauso Denken wie der Kern der Alten, dann ist Veränderung natürlich gefährdet.

Ich glaube aber, dass es ein ganz einfaches Mittel gegen die Entwicklung von „bubbles“ in offenen Bewegungen gibt. Es ist die Offenheit an sich, die man einfordern und unterstützen muss. Und man sollte darauf versuchen, dass die Teilnehmer von Geschlecht und Alter wie sozialem und fachlichem Background sehr gemischt sind und auch sonst eine große Vielfalt bewahrt wird. Das geht auch nur mit einfacher und transparenter Ansprache aller Gruppierungen und Schichten.

RMD