Digitale Transformation und Neue Mobilität – Paradies oder Hölle?

Oder:
Die schöne neue Welt aus Sicht eines Unternehmers, IT-Pioniers, Bloggers, Familienvaters und Radfahrers Roland Dürre

Wie er noch bei der GLS-Bank war, hat mich Carsten Schmitz öfters zu schönen Veranstaltungen eingeladen. Da durfte ich urgewald kennen lernen, die Katrin Frische beim „Story Telling“ und einiges mehr erleben. Jetzt sorgt Carsten im Vorstandsstab des HOHENFRIED e.V. unter anderem fürs Netzwerken, Fundraising und die Finanzierung.

Unter anderem hat er in Berchtesgaden eine zwanglose Vortragsrunde ins Leben gerufen:
„Zivilgesellschaftliche Themenabende in der Lederstubn“
Und da auch bei mir angefragt, ob ich sein Projekt mit einem Vortrag unterstützen würde. Das mache ich doch sehr gerne. Es ist ja eine schöne Gelegenheit, mich für seine häufige Gastfreundschaft zu bedanken und für etwas Gutes zu wirken.

Plakat13Juli-Lederstubn

Da ich mal davon ausgehe, dass der Kreis der Besucher sehr gemischt sein wird, werde ich zu Beginn die Interessen meiner Zuhörer abfragen und sortieren. Und dann diese der Reihe nach abarbeiten, sozusagen einen OpenSpeech halten. So wird es auf jeden Fall ein sehr offene und interaktive Veranstaltung werden, die auch bestimmt allen Teilnehmer viel Spaß macht – und aber auch zum Nach-Denken anregen wird.

Anreisen werde ich im Zug mit dem Bayern-Ticket. Zurzeit plane ich die Verbindung zu nehmen, die in Neubiberg am 13. Juli um 14:31 mit der S-Bahn S7 startet und mit Umsteigen am Ostbahnhof und in Freilassing dann in Berchtesgaden Hbf um 17:30 ankommt. Die Rückfahrt plane ich am selben Tag von Berchtesgaden Hbf um 20:31, so dass ich wieder vor Mitternacht in meinem Bett liegen kann.

Natürlich freue ich mich auf Zuhörer aus meinem Bekanntenkreis und nehme sie gerne auf meinem Bayern-Ticket mit.

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 28. Juni 2016

BREXIT

Flag_of_the_United_Kingdom.svgHier auch noch meine 1000 Eurocents zu der nach meiner Meinung unwürdigen Diskussion zum BREXIT.

 

  • Die Menschen, die in GB zur Wahl gingen, haben sich entschieden. Wahrscheinlich mögen sie die EU nicht und schätzen die Nachteile für ihr Land höher ein als die Vorteile. Rational kann man das eh nicht diskutieren, da gibt es zu viele Argumente pro und contra, dies auf soviel unterschiedlichen Ebenen. Die man auch nicht gewichten oder metrisieren kann. Letzten Endes geht es da um Gefühle, also um Bauchentscheidungen.
  • Die Entscheidung, die gefallen ist, sollten alle respektieren, sowohl die Überschlauen in der EU wie auch die, die bei der Entscheidung für einen Verbleib GBs in der EU gestimmt haben. Und besonders die, die abstimmen hätten können und darauf verzichtet haben. Das überhebliche Moralisieren der vereinigten Pro-Europäer der Welt gegenüber den Briten finde ich alles andere als angebracht.
  • Man darf auch nicht vergessen, dass ja weder die britische Regierung noch das britische Parlament durch diese Entscheidung irgendwie gebunden sind. Das heißt, dass eh noch gar nichts passiert ist –  und wie so oft in der Politik so richtig auch nichts passieren wird. Wahrscheinlich werden nur die Geldflüsse gekappt – oder anders kaschiert.
    Jetzt wird ein wenig gemauschelt – und mit jedem Tag, der ins Lande geht – wird das Thema #brexit mehr und mehr in Vergessenheit geraten. Nur noch ein paar 1.000 EU-Funktionäre werden beraten, wie sie eine Lösung hinkriegen, so dass die britische Regierung vor ihren Wählern nicht das Gesicht verliert und die EU auch keinen Schaden hat. Dies so nach Muster von TTIP hinter verschlossenen Türen.
  • Ich persönlich glaube nicht, dass die EU ein bedeutsamer oder gar kritischer  Faktor für die Zukunft Europas ist. Ist halt noch eine Administration mehr. Mehr Sorgen macht mir da die NATO und die zahlreichen nationalen bis nationalistischen Tendenzen. Die Nato wird weiter erweitert, ohne Rücksicht auf die Sorgen und Ängste unserer Nachbarn. Hier vermisse ich eine Diskussion. Und es könnte sein, dass die nationalen Interessen durch den aktuellen Zustand der EU eher befördert denn reduziert werden.
  • Sehe ich die EU als Wirtschaftseinheit, dann bin ich enttäuscht.
    • Als Wirtschaftseinheit dürfte die EU und besonders der EURO eigentlich nur Deutschland (als Platzhirsch) und ein paar Kleinstaaten wie Luxemburg (als Finanzplatz der Europa beherrschenden Konzerne und Banken) oder Estland (als Tor nach Russland) begünstigt haben. Alle anderen sehe ich mehr oder weniger auf der Verlierer-Seite.
    • Sogar im bevorzugten Deutschland herrschen riesige Probleme wie eine große Polarisierung zwischen arm und reich (immer mehr verarmende Menschen, dafür mehr extremer Reichtum) oder bei der Bildung. Auch für diese Entwicklung dürfte die EU eine der Ursachen sein. Und dass z.B. Spanier – um wirtschaftlich überleben zu können – nach Deutschland gehen müssen ist doch bizarr. In anderen Fällen spricht man da von Wirtschaftsflüchtlingen, denen man auf keinen Fall Asyl geben dürfe. Wir sind einig, dass Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts oder ihrer Religionszugehörigkeit nicht diskriminiert werden dürfen. Sehr wohl aber wegen ihren Passes – und da systematisch und differenziert.
    • Ich meine, dass Regionen das Recht haben, sich gegen zentrale Angriffe von Konzernen oder rücksichtslosen Billigproduzenten zu wehren. Der Versuch mit Subventionen die Entmachtung der Benachteiligten auszugleichen ist in der Geschichte immer wieder gescheitert und hat meistens das Gegenteil des Angestrebten bewirkt. Und hat letzten Endes immer zu einer ungerechtfertigten Bereicherung geführt.
    • Besonders schlimm finde ich, dass die Macht der Lobbyisten in Europa mittlerweile auf allen Ebenen weiter gewachsen ist. Die können das Geschehen in Europa jetzt zentral steuern.
  • Sehe ich die EU als gemeinsamen Lebensraum, dann bin ich enttäuscht. Ich erlebe Regulierung ohne Ende. Kleine Unternehmen besonders im Handwerk auch bei uns in einem Maße bedroht wie kaum jemals in der Geschichte zumindest Westdeutschlands.
    Vieles wurde schlechter und nicht besser wie das Mobilitäts-Angebot durch öffentliche Verkehrsmittel. Dafür wird wohl auf deutschen Druck der Individualverkehr mit Verbrennungsmotor in einem unvorstellbaren Maße gehätschelt.
    Nicht einmal die Mobilität im Netz konnte die EU in den letzten Jahren einheitlich hinkriegen. Der einfache Smartphone-Nutzer stellt das bei jedem Verlassen seiner Heimatregion fest. Zweifelsfrei orientiert sich die Politik der EU auf den Vorteil von Kapital, der Konzerne und Banken. Dass sie eigentlich für die Menschen da sein sollte, vergißt sie. Und die Funktionäre der EU denken sind überwiegend Systemagenten, die zuerst mal ans eigene Wohl und ihren Geldbeutel denken, dies in einem Maße, das  oft noch unverschämter ist als auf den meisten nationalen Ebenen.
  • Sehe ich die EU als .politische Einheit, dann bin ich enttäuscht. Hier nur als Stichwort das unmögliche Verhalten und die komplett fehlende Solidarität beim Umgang mit Flüchtlingen. Und wer ist eigentlich für unsere Außenpolitik gegenüber Russland etc. verantwortlich? Ich sehe da nur gefährliche Defizite.
    Und noch ein provozierender Zusatz:
    Im Rahmen der Globalisierung sollte es eigentlich nur noch einen Staatenbund geben dürfen – das ist die UNO. Denn die Probleme sind eher regional oder global.
  • Die politischen Strukturen und die Arroganz der Funktionäre der EU erinnern mich durchaus an graue Systeme wie den Comecon. Wohin die geführt haben, sollte uns gut bekannt sein. Da soll es mal eine Zeit gegeben haben, in der in der ganzen UDSSR und den meisten ihrer Vasallen-Staaten nur noch eine Brotsorte produziert wurde …
  • Ist es wirklich so schlimm, wenn GB in eine Reihe von kleineren Staatssystemen zerfällt? Folgen sie da nicht nur einer logischen Entwicklung, die sie im Fußball schon lange vorweg genommen haben?
  • Die von mir persönlich erlebte Geschichte lehrt mich, dass eigentlich nach einem Zerfall von großen Systemen alle Beteiligten glücklicher waren als vorher. Vom römischen Reich kann ich nicht sprechen, da habe ich keine Ahnung. Aber ich kenne keinen Slowenen, Kroaten oder andere Menschen aus dem ehemaligen großen Jugoslawien, der dem Zerfall Jugoslawiens nachtrauert. Anfang der 70iger Jahre habe ich Jugoslawien bereist und kann das gut nachvollziehen. Auf meiner Radreise zum schwarzen Meer habe ich einmal einen Serben in Belgrad getroffen, der gemeint hätte, dass manche Menschen in Serbien jetzt endgültig Abstand vom Traum eines Groß-Serbischen Reiches nehmen müssten.
    In Tschechien und in der Slowakei ging es mir ähnlich – in Prag oder Bratislava habe ich niemanden, der sich wieder die ČSR wünscht.
    Und das der schon erwähnte Comecon und die UDSSR sich aufgelöst haben, bedauern doch auch nur ganz wenige. Ich kenne viele ex-DDR Bürger, die sich diese Systeme aber überhaupt nicht zurück wünschen.
    Ein wenig Polemik sei mir gestattet:
    🙂 Wenn sich die BRD vernünftig zerlegen würde, wären die Bayern wahrscheinlich auch nicht so ganz unglücklich. Aber wahrscheinlich sogar zumindest finanziell kaputte Länder wie Berlin-Brandenburg hätten wieder eine Chance zu gesunden und könnten sich nicht auf alle Ewigkeit auf den Almosen anderer Bundesländer ausruhen. Wobei die Ewigkeit hier eine eher endliche sein dürfte – denn trotz mancher gegensätzlicher Beteuerung aus Politikermund wird die Lage von Kommunen und Ländern in ganz Deutschland laufend schlechter (Grundversorgung, Infrastruktur, Bildung, Einkommens-Situation der Menschen …).
  • Zur Freizügigkeit: Ich höre immer, dass ein großer Vorteil für Bürger von EU-Staaten die Freizügigkeit bei der Wahl des Arbeitsplatzes und so auch der Wohnort wäre. Und dass die Briten die Zukunft der „jungen Generation“ verspielt hätten, weil sie jetzt nicht mehr so einfach in den Ländern Europas arbeiten könnten.
    Ich bin mir nicht sicher, ob ein soziales System einer solchen Größe und Vielfalt wie Europa so funktionieren kann. Da muss bestimmt ein wenig gesteuert werden.
    Ein Beispiel dazu:
    In China wollen die meisten Chinesen in Peking leben. Das geht natürlich nicht, also müssen Chinesen, die nach Peking wollen, Voraussetzungen erfüllen. Z.B. müssen sie über ein abgeschlossenes Studium verfügen oder den Nachweis für ein nicht unbeträchtliches Vermögen erbringen.
  • Als weiterer Vorteil der EU wird immer der Wegfall der Grenzkontrollen erwähnt. Grenzkontrollen nehme ich gerne in Kauf, wenn damit der totale digitale Überwachungsstaat vermieden werden kann. Intelligent organisierte Grenzkontrollen (siehe Eisenbahn oder am Flughafen) führen auch nicht zu Staus.
  • Schließlich:
    Ich mag kein Europa von Nationalstaaten, die sämtlich bereit sind, die Freiheit der Sicherheit zu opfern und von denen eine Reihe mich eher an Diktaturen und korrupte Systeme mit faschistischen Tendenzen als an funktionierende Demokratien erinnern.

Schlusssätze:

Ich bin für Vielfalt und gegen Einfalt. Ich mache mir Sorgen, dass zu große Systeme die Einfalt fördern. So bin ich für ein EUROPA der vernetzten und verbundenen Regionen, die sich gerne und freiwillig in die Gemeinschaft integrieren. Einem EUROPA, dass den Regeln der Subsidiarität folgt.

Ich mag kein EUROPA, dass wie eine Marionette an den Fäden von Konzernen und Wirtschaftsinteressen hängt. Ich mag kein EUROPA, das von einer Oligarchie von Parteien regiert wird, die vor allem den Vorgaben der Lobbyisten folgt. Und die alle ihr Geschäft mit  der Angst betreiben.

Mein EUROPA soll agil, offen und schlank verwaltet werden, Grundrechte und Individuelles/Privates respektieren, ethisch verantwortlich entscheiden und auch bereit sein, Besitzstand aufzugeben, wenn es notwendig wird.

Ich träume von einem sozialen und menschenfreundlichen Europa, dass radikal für Frieden eintritt, keine Kriege führt und keine Waffen in die Welt liefert. Und in seiner Politik ernsthaft der Erkenntnis folgt, dass unser Planet schon ziemlich kaputt gemacht worden ist. Und wir die Zerstörung von Umwelt und Natur auch in unseren Micro-Kosmen nicht mehr fortsetzen dürfen. Das Umweltstörung nicht auch noch subventioniert (Kerosin), auf unsinnige gigantische Projekte (S21) verzichtet und dafür Qualität auch in der Breite fördert. Von einem Europa, dass endlich mal von Ideologien und Glaubenssätzen abrückt, wie dass „durch Wachstum alle Probleme gelöst werden“, „das Leben an sich halt ein Kampf gegeneinander ist“ oder „Kinder halt mal erzogen und Menschen für ihre Taten bestraft werden müssten“.

So freue ich mich, dass die Briten mutig für einen BREXIT gestimmt haben. Dies obwohl ich die Selbstverständlichkeiten und Vorurteile von beiden Seiten – der BREXIT-Befürworter und Gegner – oft maßlos dumm und grauenhaft hypothetisch (spekulativ9 fand. Beide Seiten massten sich an, die Zukunft vorher sagen zu können und begründeten ihre Annahmen mit Argumenten, die ich als lächerlich bis kriminell empfunden habe.

Wir müssen uns wohl daran gewöhnen, dass die Skala für Unredlichkeit in der politischen Auseinandersetzung nach oben offen ist. Aber das Zustimmen zum BREXIT ist dennoch ein starkes Signal, das deutlich macht, dass es so nicht weiter gehen kann. Vielleicht bringt es Bewegung in die Politik und die Damen und Herren Politiker ein wenig zum Nachdenken. Bin aber auch da sehr skeptisch. Die Bürger müssen es wahrscheinlich selber richten.

Ganz falsch finde ich aber die ersten Reaktionen der EU-Partner-Regierungen, die so geheißen habe, jetzt müsse der Austritt ganz schnell erfolgen und ein Wiedereintritt müsse definitiv auf alle Zeit (!?) ausgeschlossen werden. Das erinnert mich sehr stark an eine Familie, in der ein Kind ausziehen will. Die Eltern mögen dies aber nicht und drohen dem Kind, dass es nie wieder einziehen dürfe. Vor 50 Jahren war so etwas durchaus üblich, ich habe es öfters erlebt.

RMD

Hans Bonfigt
Samstag, der 25. Juni 2016

Great Britain: You did it again …

Erst 2012 enthüllte die Queen das „Bomber Command Memorial“, welches die Männer und Frauen ehrte, die mit aberwitzig hohen Verlusten erfolgreiche Einsätze gegen Deutschland flogen, welches sich anschickte, ganz Europa zu unterjochen.

London_RAF_Bomber_Command_Memorial

Das war überfällig.

Mehr als 50.000 todesmutige Menschen verloren bei der Verteidigung ihrer Demokratie ihr Leben. Es ist peinlich, daß diese Ehrung erst 2012 erfolgte, mit der Begründung, daß „Bomber Harris“ deutsche Zivilisten nicht verschonte. Aber warum auch? Es war das deutsche Kleinbürgertum, welches die terroristischen Überfälle auf seine europäischen Nachbarn gebilligt und verübt hatte. Albert Speer führte in seinen Memoiren aus, daß die fortgesetzten Luftangriffe auf die Zivilbevölkerung einen ganz erheblichen Anteil der Rüstungskapazität banden.

Zum Vergleich: Die ritterlich-ehrenhafte „Deutsche Wehrmacht“ warf über London Teddybären mit einer eingebauten Sprengladung ab, die so dimensioniert war, daß sie ein kleines Kind nicht töten, aber doch schwer verletzen würde. Das Kalkül war, daß die Briten ein Kind bei der medizinischen Versorgung zu Lasten ihrer kämpfenden Truppen bevorzugen würden. Gegen solche viehischen „Gegner“ ist m.E. jedes Mittel legitim.

Während alle europäischen Nachbarn von Deutschland überrannt wurden, hielten die Briten stand. Und sie kämpften entschieden, entschlossen und an allen Fronten.

Unbedingt zu erwähnen sind auch Marian Rejewski, Alan Turing und die vielen Wissenschaftler, Funker, Geheimdienstler und Helfer des „ULTRA“ – Teams in Bletchley Park, welchem es gelang, in den deutschen Marinefunkschlüssel M einzubrechen und so die massiven Verluste durch die deutsche U-Boot – Waffe weitgehend zu neutralisieren.

Wissenschaftler, aber auch Funkamateure stellten sich freiwillig unter Klausur und entwickelten das ASDIC für die Marine und das „OBOE Groundmarking Attack System“ für die RAF.

Eine ganze Nation hielt zusammen, wuchs über sich hinaus und hat es schließlich geschafft, ganz Europa vor einer furchtbaren, widerwärtigen Diktatur zu bewahren.

Vor dieser Leistung, von der wir alle in Europa profitieren, habe ich den größten Respekt.

 

Etwa 70 Jahre später rettet uns das britische Volk erneut vor einer infamen Diktatur.

Ich verneige mich und sage erneut „Danke“.

hb

Roland Dürre
Freitag, der 24. Juni 2016

Meine nicht gehaltene Geburtstagsrede.

Vielleicht hilft ja die Lektüre dieses Buches?

Vielleicht hilft ja die Lektüre dieses Buches?

Vor ein paar Tagen hatte ich Geburtstag. Ich bin 66 Jahre alt geworden. Über die vielen, vielen Glückwünsche habe ich mich sehr gefreut und möchte mich auch an dieser Stelle dafür bedanken. Es hat mir gut getan, dass so viele Menschen an mich gedacht haben.

Dieses Jahr haben wir nicht zum großen Fest eingeladen wie schon öfters in meinem Leben. Obwohl 66 Jahre eine sehr schöne Zahl zum Feiern gewesen wäre, hatte ich irgendwie keine Lust dazu.

Vielleicht gibt es im nächsten Jahr wieder ein Fest. Eigentlich heißt es ja „Kein Fest – keine Rede“. Eine kurze Ansprache – wie an meinen Geburtstagsfesten üblich – habe ich mir aber auch für dieses Jahr überlegt. Weil ich Spaß daran hatte.

🙂 Hier ist meine „virtuelle Geburtstagsrede“ für alle virtuellen Geburtstagsgäste:

Fast 66 Jahre hat es gebraucht, dass ich mich so richtig freuen kann. Ich habe gelernt, mein Leben zu genießen. Und fühle ich mich schon seit gut einem Jahr so richtig glücklich. Glücklicher als früher, dabei habe ich ein wunderbares Leben führen dürfen und eigentlich war da doch alles immer sehr schön.

Zwar ärgere ich mich immer noch über Kleinigkeiten, über die sich zu ärgern wirklich völlig sinnlos ist. Zum Beispiel wenn das WLAN im Hotel nicht funktioniert. Weiter fühle ich immer noch Aggressivität in mir aufsteigen, wo es absolut fehl angebracht ist. Und ich bin oft verzagt, wegen Dingen, wegen denen man wirklich nicht verzagt sein sollte.

Ansonsten bin ich glücklich. Dies mit zwei Einschränkungen.

Die erste ist, dass ich gar nicht mag, dass mein Leben jetzt doch langsam zu Ende geht. Und ich das Sterben immer noch fürchte und ab und zu grauenvolle Angst davor habe. Tod und Sterben trifft aber jeden und alles, das kann man nicht ändern, darum versuche ich das einfach zu akzeptieren und mir keinen großen Kopf mehr darüber zu machen. Ist zwar schwierig, aber immer öfter gelingt es.

Das zweite ist eher schlimmer. Immer weniger verstehe ich, was um mich herum so passiert. Im Kleinen wie im Großen.

Ein Freund, den ich für mein Projekt Frieden gewinnen wollte, hat mir vor kurzem geschrieben. Wir hatten über „Toleranz“ und „Neutralität“ Gesprochen. Sicher sind das Grundvoraussetzungen für Frieden,. Er hat aber die Frage gestellt, ob die größte Bedrohung für Frieden nicht der Kampf um die Ressourcen ist? Und dazu hat er ein paar  Stichworte geliefert:

  • Den Wassermangel im Nahen Osten.
  • Den USA wurde vorgeworfen, die Irak-Kriege wegen des Öls geführt zu haben (dabei soll kein US-Unternehmen im Irak nach Öl bohren, so der BR. Dies würden Franzosen, Kanadier und Chinesen tun).
  • Die Neue Zürcher Zeitung hat vertriebene Jesiden in ihrem Flüchtlingslager besucht und befragt. Diese sagten, sie könnten so oder so nicht in ihre Heimat zurück, da sie nicht nur von den Terroristen, sondern auch von ihren sunnitischen Nachbarn verjagt worden seien. Diese brauchten als Folge des Kinderreichtums zusätzlichen Platz.
  • Das Thema Gentrifizierung zeigt, dass der Kampf um Ressourcen (Wohnraum) auch in Städten wie München den gemeinschaftlichen Frieden tangiert.

Diese Liste könnte man endlos fortsetzen. Im kleinen wie im großen.

Mir tut es immer weh, wenn gutes Essen einfach so vernichtet wird und woanders gehungert wird. Wenn ich die toten Igel und Kröten auf den ruhigen Strassen meiner Gemeinde sehe. Und wenn Menschen auf der Autobahn sterben, weil jemand meinte, mit 200 km/h unterwegs sein zu müssen. Und was mit unserem Planeten so allgemein gemacht wird.

Habe gerade gelesen, dass ein Funktionär des Dachverband der IHK der Meinung war, dass Umweltschutz im Widerspruch zur Lebensqualität stände. Und die Frage stelle, ob wir denn wirklich wieder mit 34 PS über den Brenner fahren wollten. Oder dass ein polnischer Minister, dass es er seine Politik so artikulieren würde, wie er es tut, weil es nicht sein dürfe, dass die Polen ein Volk von Vegetariern und Radfahrern werden würden.

Das alles macht mich traurig. Wir leben in einer Gesellschaft, die Verschwendung zur Handlungs-Maxime gemacht hat. Und Kriege und Gewalt die Folge des Kampfes um Ressourcen sind. Darf das wirklich wahr sein? Und ich bin wirklich erschüttert. Würde gerne etwas tun, dass sich dies ändert. Weil es mir dann auch innerlich (noch) besser gehen würde. Aber ich weiß nicht das Wie und das Was.

So oder so ähnlich hätte ich meine Ansprache gehalten, wenn es ein Fest gegeben hätte.

RMD

Am Freitag sind sie in der Himmelfahrtskirche München-Sendling,

die arcis vocalisten

Ich verweise kurzfristig auf dieses einzigartige Konzert, nicht nur weil es noch Karten gibt. Vor allem aber deshalb, weil es eine einzigartige Aufführung werden wird, die man nicht versäumen sollte!

Das Besondere ist nicht, dass es À-Cappella, also ohne Musikinstrumente und Orchester gegeben wird. Was von den Sängern mehr abverlangt, weil keine Instrumente da sind, die das spielen, was sie singen sollen.

Sondern, dass es eine Welturaufführung beinhaltet:
Markus Fritz singt selbst bei bei den arcis vocalisten und er hat das Werk
„De Tranquilitate Animi“
nach Worten von Seneca komponiert!!!

Außerdem werden noch eine Messe von Rheinberger und ein paar Stücke von Brahms (Opus 74 No. 1 ) und Kaminski gegeben:

FlyerACapella

Wenn ich an diesem Tage nicht in Frankreich wäre, würde ich auf jeden Fall hingehen.

Nicht nur aber auch weil die Evelyn (EG) mit singt.

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 14. Juni 2016

Microsoft kauft Linkedin – spontane Gedanken.

Nur so ein paar Gedanken zum Deal …

 

Zeitgenössische Ganesha-Statue

Zeitgenössische Ganesha-Statue

Diese Meldung hat mich dann doch überrascht:

Microsoft kauft Linkedin für 26 Milliarden Dollar. 

Auch weil der Preis mir eigentlich günstig erscheint. Denn gleichzeitig bietet ein „deutsches“ Unternehmen wohl mehr als 60 Milliarden für ein Unternehmen, dass so mancher emotional als „kriminelle Klitsche“ betrachtet.

Für Microsoft mag es ja gute Gründe für den Deal geben. Auch in meiner Bewertung war Linkedin so ein wenig der unterschätzte Aussenseiter unter den ganz Großen des Internets.

Und auch die Einkaufs-Aktivitäten von Linkedin wie die Übernahme von video2brain und weiteren tollen Unternehmen wie slideshare empfand ich als schlüssige Strategie.

Jetzt erscheint es mir so, als ob diese Aktivitäten nur dazu gedient haben, um die Braut auf zu hübschen und Kasse zu machen.


Mein erster Gedanke zum Deal war:

Warum haben eigentlich die Kunden von Linkedin (eines Unternehmens) kein Mitsprache-Recht beim Verkauf von Linkedin (dieses Unternehmens)?

Und ich musste mich gleich selber berichtigen:

Die Kunden habe es ja – sie müssen nur ihren Account löschen!

Wenn das alle machen würden, dann wäre doch schnell Schluss mit dem Spuk. Nur hieße dies in letzter Konsequenz den Rückzug aus all diesen Systemen, von A bis Z. Also das persönliche Verschwinden aus der virtuellen Welt. Und das ist mir auch zu blöd.

Letzten Endes ist es eben nicht nur das virtuelle Leben und nicht nur die Internet-Unternehmen. Sondern es betrifft genauso mein reelles Leben – Wohnen, Nahrungsmittel, Mobilität, Kleidung, Energie …

So reduziere ich meine Gedanken letzten Endes aus diese Frage:

Was ist das für eine Wirtschaftsordnung, wenn laut Prof. Otte im vergangenen Jahr bei Übernahmen und Zusammenschlüssen (Merger and Akquisition; M&A) weltweit der Rekordwert von mehr als 6,1 Billionen Dollar bewegt wurde.

Und ich präzisiere meine Frage:

Wie kann es möglich und rechtens sein, dass Unternehmen so viel Kapital anhäufen oder bekommen können und so solche Deals so ratzfatz möglich sind?

Ich kenne ein Buch von Georg Zoche, das heißt Weltmacht Geld. Natürlich ist Geld gleich Macht. So macht es mich sehr nachdenklich, wie Konzerne so reich (= mächtig) werden können. Dies in einer Zeit, wo der Planet langsam aber sicher hopps geht und Menschen sich gegenseitig töten und foltern. Weil sie arm sind und deshalb zum Opfer der Kriegs-Unternehmer werden.

Wie heißt so schön in der vierten Szene des ersten Aktes von Shakespeares Trauerspiel »Hamlet« (entstanden um 1600):
„Etwas ist faul im Staate Dänemark.“

RMD

 

Roland Dürre
Montag, der 13. Juni 2016

Projekt Frieden – Roland

In diesem Jahr habe ich das Projekt FRIEDEN gestartet. Bei meiner Einleitung vor dem großartigen Beitrag von Jolly habe ich berichtet, warum ich das Projekt FRIEDEN für so wichtig erachte und mich in Zukunft darauf konzentrieren will.

Dieses Projekt braucht so Vieles:

Ein einzigartiges Logo und ein starkes Manifest.
Ein Konzept, welches das Potential hat, eine Milliarde Menschen zu erreichen.
(Das setzt Google als Kriterium für seine Anwendungen an)
Eine tolle „Community“.
Die besten Partner aus allen Sparten.
(Film, Fotografie, Kunst, Marketing Medien, Musik …)
Ideen für die richtigen Aktionen für Frieden.
Und viele und die richtigen Aktivisten!
Vielleicht auch sehr viel Geld
(Aber das ist bestimmt nicht das Wichtigste)

Zurzeit spiele ich mit Gedanken zum Manifest. Hier ein paar Mosaiksteine mit denen ich so experimentiere. Ist aber alles noch im Ideenstadium:

Ganz einfach

Frieden ist der einzige Weg!
Frieden ist die Voraussetzung für alles!
Frieden muss sich nicht rechtfertigen!

Ein wenig länger

JA!
Frieden ist möglich!
Wir brauchen FRIEDEN!
Wir leben in FRIEDEN mit uns!
Wir leben in FRIEDEN mit der Welt!
Wir setzen uns für FRIEDEN ein!
Wir werden immer mehr!
Frieden ist machbar!
UND!
Wer für Frieden ist, muss sich nicht rechtfertigen!

Oder

Frieden geht immer vor Krieg!
Menschlichkeit geht immer vor Unmenschlichkeit.
Liebe geht immer vor Hass!
Toleranz geht immer vor Untoleranz.

Also

Untoleranz der Untoleranz!
Krieg dem Krieg!
Hass dem Hass!

Sind aber alles nur Ideen und Vorschläge. Freue mich auf Rückmeldungen! Dankeschön!

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 12. Juni 2016

Projekt Frieden – Jolly!

Dieses Jahr haben Jolly und ich das Projekt FRIEDEN gestartet. Ein wunderschönes Ergebnis unseres Kickoffs ist dieses Video.

Es sind gut 61 Minuten, die man nur genießen kann. Die wunderbar positiv inspirieren und viele Impulse geben. Also, nehmt Euch die Stunde Zeit und einen oder mehrere liebe Partner. Macht es Euch gemütlich, schaltet ab und schaut Euch das Video an.
🙂
Vorher ganz entspannen – für die Alkoholiker unter uns gerne bei einem Glas Rotwein.

Denn Jolly ist wirklich ein herausragender Mensch und Mentor der allerersten Klasse. So hat er viele Menschen in seinen Seminaren und durch seine Vorträge glücklicher und erfolgreicher gemacht hat. Auch mich.

Das Projekt Frieden wird ist das ehrgeizigste, an dem ich jeweils beteiligt war. Wir stehen am Anfang und brauchen Freunde, Partner und Unterstützer.

Ich werde laufend auch hier in IF-Blog den Fortschritt über die Ideen, Gedanken und Aktionen des Projektes FRIEDEN berichten. Bisher weiß ich nur, dass es das ehrgeizigste Projekt wird, an dem ich jemals beteiligt war. Und persönlich meine allergrößte Herausforderung.

Als nächstes werde ich dann hier in IF-Blog meinen Vortrag vom Kickoff vorstellen!

RMD

Roland Dürre
Montag, der 6. Juni 2016

Mein Morbus-Scheuermann

Oder:
Die Reichen und die Armen. Wie das Leben so spielt.

Äskulapstab, gemeinfrei

Äskulapstab, gemeinfrei

Vor kurzem habe ich ihn erwähnt, deshalb muss ich mal ja mal über ihn schreiben, über meinen Morbus Scheuermann.

Unerfreuliche Erfahrungen mit Haus- und Fachärzten

Als Kind und Jugendlicher hatte ich überwiegend (eigentlich nur) schlechte Erfahrungen mit Ärzten. Das ging los mit dem Hausarzt. Bei den Besuchen musste ich immer lange im Wartezimmer warten, die kurze Zeit dann beim Arzt hat aber eigentlich nie etwas gebracht. Außer ein Rezept für Tabletten.

Auch die „Hausbesuche“, die es bei hohem Fieber ab und zu mal gab, haben mich mehr an einen Besuch vom Pfarrer als den eines Medizinmannes erinnert. Und auch da blieb dann immer nur das Rezept für die Medizin, die zu nehmen war. Wegen der die Erkältung oder was es war auch nicht schneller vorbeiging. Die „Hausmittel“ haben eh besser geholfen, was zumindest das Leiden unter den Symptomen anging.

HNO-Ärzte wollen auch leben, dies aber gut

Meine Erlebnisse mit den medizinischen Spezialisten – „Fachärzte“ genannt – waren keinesfalls erfreulicher. So war eines meiner schlimmsten Erlebnisse, wie mir im Alter von fast zehn Jahren im schönsten Frühling und kerngesund die Mandeln heraus operiert wurden. Die elterlich/ärztliche Motivation damals war, dass ich vor dem Wechsel ins Gymnasium stand und deshalb gesundheitlich robuster (weniger Fehltage in der Schule) sein sollte, als ich dies in meinen Volksschuljahren war.

Seitdem habe ich chronische Probleme im Hals. Von meinem Leiden unter diesem HNO-Arzt habe ich hier berichtet.

Die Gips-Schale vom Orthopäden

Je älter man wird, desto mehr fallen Tabus. So „oute“ ich mich heute zu einem der Dinge, über die ich nie gesprochen habe, weil es mir peinlich war. Ich musste ein paar Monate (mehr als ein Jahr) jede Nacht in einem Gips-Korsett schlafen, ich denke mal so während und bis kurz nach der Pubertät.

Die Ursache war mein Morbus-Scheuermann und ein Orthopäde, der noch reicher werden wollte. Irgendwann einmal bei einer der zahlreichen Reihen-Untersuchungen (auch mit Röntgen), denen sich ein heranwachsender in den 50iger und 60iger Jahren unterwerfen musste (warum eigentlich?), entdeckte ein findiger Mediziner als zufälligen Befund, dass mein Rückgrat nicht ganz gerade war, sondern eine gewisse leichte Biegung zur Seite hatte, die man sich wie ein wenig wie den Buchstaben „S“ mit einer Krümmung nach links und rechts vorstellen kann. Eben die nach Herrn Scheuermann benannte Erkrankung.

Normal und anormal

Ich selber habe nichts davon bemerkt und fühlte mich auch nicht behindert. Schon damals kam mir die Vorstellung ein wenig absurd vor, dass am menschlichen Körper immer alles so gerade und symmetrisch sein sollte. So habe ich auch den Morbus Scheuermann nicht als Krankheit betrachtet, sondern als Anomalie. Aber auch schon damals hatte ich die Vermutung, dass das eher ganz gerade Rückgrat eine Anomalie ist. Wahrscheinlich gibt es kein einziges, wenn man nur die Messgenauigkeit erhöht.

In den Augen meiner Eltern hatte ich oft eine schlechte Haltung und habe meinen Körper nie aufrecht genug gehalten. Meinen Eltern war eine aufrechte Haltung (des Körpers) aber sehr wichtig. „Junge, steh doch nicht immer so buckelig da“ oder „Brust raus, Kopf hoch“ – so ging es laufend.

Ich habe das heute noch in den Ohren und hatte die Nase so richtig voll von den permanenten Ermahnungen. Heute noch werde ich ärgerlich, wenn ich solche Sätze bei Eltern (oder Großeltern im Umgang mit ihren Enkeln) höre.

So kam der Morbus Scheuermann meinen Eltern als Erklärung für mein Fehlverhalten gerade recht. Und ab ging es zum Orthopäden.

Gerade heute meine ich, dass ein „aufrechtes Rückgrat haben“ wichtiger ist als eine gerade Wirbelsäule. Und eine „aufrechte Haltung“ wichtiger ist als die Körperhaltung. Aber das „nicht so ganz aufrechte Rückgrat“ ist im Gegensatz zum leicht gebogenen keine Krankheit. Und so gibt es auch keine Therapie für aufrechtes Rückgrat und Haltung …

Eine erkannte Krankheit muss behandelt werden

Eine erkannte „Krankheit“ muss also behandelt werden, warum auch immer. Dazu wurde mein Körper und vor allem das Rückgrat vermessen und dann eine Gipsschale in der Größe meines Rumpfes angefertigt. In dieser waren an den Seiten jeweils eine Einlage, die man sich wie ein Klötzchen vorstellen muss. Diese Klötzchen drückten den Körper in eine dem falschen „S“ entgegengesetzte „S“-Lage. Später habe ich die die Gips-Schale im Keller gefunden. Konnte mich nur wundern, was dieser Blödsinn für einen Sinn gehabt haben soll und habe das Teil mit gemischten Gefühlen entsorgt.

So musste ich für Monate jeden Abend meinen Rumpf in diese Gipsschale vom Hals bis zum Beinansatz rein quetschen und drin schlafen. Das habe ich auch gemacht, da gut kontrolliert und weil ich damals noch relativ folgsam und vernünftigen Argumenten zugänglich war. Aber es hat – natürlich ?! – nichts genutzt. Das Rückgrat ist immer noch krumm … Und ich habe gelernt, dass auch „vernünftige Argumente“ meistens nicht „gute Gründe“ sind, etwas zu machen, das man nicht machen mag.

Vielleicht hilft es ja zum „untauglich“

Wie ich dann 18 Jahre wurde und zur Musterung musste, dachte ich dank meines Morbus Scheuermann aus medizinischen Gründen der Bundeswehr entgehen zu können. Sozusagen als gerechten Ausgleich für meine Anomalie. Doch auch diese Hoffnung wurde enttäuscht.

Denn das entscheidende Gutachten für die beantragte Nachmusterung wurde in der Klinik des bekannten Professor Guiliano (oder so ähnlich) erstellt. Der war ein ganz berühmter Orthopäde mit einer eigenen Klinik in Göggingen, noch viel reicher als die anderen Orthopäden. Den Namen habe ich nur noch schwach in meiner Erinnerung, er könnte also auch falsch sein. Und diese Klinik hatte Sammeltermine für die Bundeswehr, da wurden die Gutachten in Serie erstellt.

Die Türen gehen auf und zu

Da sass ich dann auf einer langen Bank in der Klinik des berühmten Professors. Auf der Bank sassen vor und nach mir lauter Schicksalsgenossen. Die hatten auch einen Morbus Scheuermann und wollten auch nicht zur Bundeswehr. Es gab zwei Türen zu den Ärzten. Immer wenn da einer rauskam, durfte der nächste von uns auf der Bank rein.

Mir fiel dann irgendwann auf, dass meine Leidensgenossen, die vor mir dran waren, aus der linken Tür mit sehr viel fröhlicheren Gesichtern rauskamen als die aus der rechten Tür. Wie ich das kapierte, war es nur schon zu spät. Die rechte Tür ging auf und ich war dran. Ich musste rein. Und netter junger Arzt erklärte mir, dass ein Morbus Scheuermann gerade in eher schwacher Ausprägung wie bei mir, kein Grund wäre, seinen Wehrdienst nicht zu machen. Und ansonsten wäre ich ja gesund. So täte es ihm leid – ich wäre tauglich. Und mein Gesicht strahlte auch keine Fröhlichkeit mehr aus.

Hans darf’s und Hänschen muss es wieder ausgleichen.

Später erfuhr ich, dass hinter der linken Tür der Chef der Klinik sass. Hinter der rechten arbeitete der Assistenzarzt. Und da der Chef ein aktiver und stadtweit bekannter Pazifist war, hat der alle „Zu Begutachtenden“ untauglich geschrieben. Der Assistenz musste die Quote wieder in Ordnung bringen und seine Fälle alle tauglich schreiben. Das war halt ein typisches Assistenten-Schicksal und ein gutes Beispiel für Arbeitsteilung …

Und ich kam halt zum Assistenten. Aus eigener Dummheit. Hatte ich das System doch durchschaut und hätte nur meine Position auf der Bank verändern müssen. Z.B. durch „aufs Klo gehen“ mit neuer Einreihung. Aber wie oft im Leben hatte ich ein klein wenig zu spät kapiert, was da eigentlich gespielt wird …

So haben mir mein Morbus Scheuermann und das Jahr im Gips nicht geholfen und ich wurde tauglich. Der Assisten hat mich auch noch gebeten, das Ergebnis draußen auf keinen Fall zu erzählen, weil es ja noch nicht ganz sicher wäre.

Weil ich mich auch bei der Kriegsdienst-Verweigerung extrem ungeschickt angestellt habe (dies aus Trotz und vorsätzlich), musste ich zur Bundeswehr. Und habe 18 Monate Wehrpflicht geleistet, die ich aber mehr als eine Mischung von Zwangsdienst und Zwangsarbeit empfunden habe. Und bin heute gegen jede Form von Zwangsdienst und Zwangsarbeit.

DerAssistenzarzt hatte natürlich recht. Ein Morbus Scheuermann stört im Gefecht bestimmt nicht. Und im Krieg hat man wahrscheinlich gar keine Zeit an ihn zu denken. Man kann mit ihm hervorragend Brüllen und Menschen auf und ab marschieren lassen. Man kann mit ihm auch prächtig Kompanie-Unterricht halten und Rekruten an den Waffen ausbilden. Habe ich dann alles gemacht – ist aber eine andere und sehr lange Geschichte.

Und wenn es ernst wird, dann wird der Morbus Scheuermann den tapferen Soldaten sicher auch nicht am Totschießen anderer Menschen (des Feindes) hindern. Die dann auch ein gerades oder gebogenes Rückgrat haben. Totschießen, das habe ich glücklicherweise nie machen müssen und bin dafür sehr froh und dankbar. Weiss ich doch, wie viele meiner Lehrer und auch mein Vater nach ihrem Dienst bei der Wehrmacht mit schweren Trauma leben mussten. Unter dem dann natürlich auch wieder wir gelitten haben.

Gut fünfzig Jahre ist es her …

Es waren vier Herren in weißen Kitteln, die mein Heranwachsen mitbestimmt haben. Das war unser Hausarzt. der mir gerne teuere Medizin verschrieben und mich an Fachärzte überwiesen hat. Der HNO-Facharzt hat mich operiert und meiner Mandeln beraubt. Der Orthopäde hat dafür gesorgt, dass ich viele Nächte in einer Gipsschale verbringen musste. Nur der Zahnarzt hat mich ab und zu von schlimmen Schmerzen befreit.

Alle diese Arzt-Personen waren für mich damals die reichsten Menschen, die ich in der großen Stadt kannte. Alle strahlten so richtig aus, dass sie Geld hatten, fuhren ein großes Auto und wohnten in tollen Häuser. Hatten ein Segelboot mindestens am Ammersee. An ihren Wänden in der Praxis hingen Bilder und berichteten von Reisen in fremden Ländern. Das war etwas, was für meine Eltern und mich damals unerreichbar war.

Wie das Leben so spielt

Noch reicher in dem mir bekannten Horizont war nur die Inhaber-Familie der Fleischfabrik in Thannhausen, bei der meine beiden Tanten als Hilfsarbeiter schafften. Die beiden hatten nichts gelernt, weil sie mal den väterlichen Betrieb (eine Wirtschaft mit Landwirtschaft) in Neu oder Alt Lublitz (das weiß ich nicht mehr so genau) hätten übernehmen sollen. Nur lag dieser im Sudetenland, und da hat das Schicksal, sprich der 2. Weltkrieg, meinen Tanten einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Denn die Familie meiner Mutter wurde aus „ihrem Paradies“ vertrieben. Mit dem letzten Güterzug  – so die Familien-Legende – wurden sie gegen ihren Willen aus der „Tschechei“ (die in den Erzählungen meiner Mutter in Wirklichkeit überwiegend deutsch war) ins ungeliebte Bayern verfrachtet. Meine Mutter dagegen musste ihr kleines Paradies in Lublitz  schon früher verlassen, weil für sie kein Erbteil übrig war und sie deshalb in der Stadt Troppau in ein Internat gehen und studieren musste.

So konnte sie nach der Vertreibung Lehrerin werden und es ging ihr im Leben viel besser als ihren beiden Schwestern. Die wirklich schlimme Kriegsschicksale hatten. Vielleicht berichte ich da ein anderes Mal darüber.

Aber dann meine Mutter meinen Vater im Bus kennengelernt. Der war ein junger Student aus Berlin, der dummerweise 1919 geboren wurde und so in allen Kriegsjahre an den verschiedensten Fronten der großen Kriegsnation Deutschland mit Begeisterung im Einsatz war. In den Jahren nach der Kapitulation schlug er sich als Busfahrer durch und landete bei der Eisenbahn.

Und so bin ich dann entstanden. Komischerweise hat meine Mutter ihr ganzes Leben nicht verstanden, wieviel Glück sie hatte und bis zu ihrem Tod darunter gelitten, dass sie schon als junges Mädchen von zu Haus weg musste …

Geld ist nicht alles im Leben

Ich war oft in Thannhausen bei meinen Tanten. Das waren oft schöne Sonntage. Der Familie Zimmermann in Thannhausen habe ich ihren Reichtum gegönnt. Denn die produzierten gute Wurst und Fleischwaren, von der ich ab und zu etwas abbekam. Die Wurstwaren haben mir sehr gut geschmeckt. Die Produkte von Zimmermann wurden in kurzen Güterzügen nach Dinkelscherben gefahren und gingen dann weiter in die Welt. Das war für mich so etwas wie Wirtschaftswunder pur.

Und hat mir imponiert. Noch mehr hat mich allerdings beeindruckt, dass die Wurstproduzenten auch noch ein Flugzeug und wie es sich damals gehörte, auf der Wiese hinter Villa und Fabrik eine eigene Landebahn hatten.
😉 Ich vermute mal, dass das ein „Geschäfts-Flieger“ war.
So waren die Zeiten.

🙂 Obwohl mir die Ärzte meiner Kindheit so reich vorgekommen waren, wollte ich nie Arzt werden. Das war mir (und scheint mir heute noch mehr zu sein) ein zu unmoralischer Beruf. Unternehmer konnte ich mir damals schon eher vorstellen. Bin das dann aber auch eher zufällig geworden. Und glücklicherweise kein Medizin-Unternehmer.
So ist das Leben.

RMD

P.S.
Alle diese Gedanken schreibe ich eigentlich nur so für mich auf.

Roland Dürre
Sonntag, der 5. Juni 2016

Auf den Kykladen im Urlaub auf unserem Planeten.

Heute sind Barbara und ich in Adamas aufgewacht, der Hafenstadt von Milos. Es war die achte Übernachtung auf unserer Reise. Die erste war im lauten Piräus, dann ging es auf die Inseln. Zwei Nächte haben wir auf dem schicken Santorini, drei auf der besinnlichen Insel Folégandros und nun noch zwei auf Milos verbracht. Wir waren viel auf dem Wasser, haben drei große Schiffe genutzt und haben mit drei kleineren wunderbare Ausflüge gemacht. Und sind gerade auf Folégandros viel gewandert.

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Auch in Milos hatten wir wie auf der ganzen Reise wunderbare Gastgeber, so wie wir auf der ganzen Reise unsere Zeit mit sehr angenehmen Menschen verbracht haben. Zu meinem Erstaunen haben wir kaum Deutsche getroffen, so waren wir auch gestern bei unserem Ausflug wieder die einzig beiden „Germans“ an Bord neben vierzehn Menschen aus Frankreich, Großbritannien, Island, Kanada, Italien, Spanien und Neuseeland.

Heute geht es um 14:05 weiter nach Serifos. Dort wollen wir noch zwei Nächte verbringen, dann geht es zurück nach Piräus und mit der U-Bahn zur letzten Übernachtung vor dem Rückflug nach München ins Hotel in Athen fahren.

Es war eine agile und schlanke Reise, mit leichtem Gepäck und der simplen Idee, dass wir uns ein paar griechische Inseln der Kykladen besuchen. Barbara hatte sie gut vorbereitet, aber nichts geplant außer dem Hin- und Rückflug und dem ersten Hotel in Piräus. Die Reiseroute ist erst auf dem Weg entstanden. Zum Beispiel wusste ich bei der Abfahrt in München noch nicht, dass es Folégandros überhaupt gibt. Aber die Empfehlung unserer Wirtin in Santorini war so eindeutig, dass wir einfach hin mussten. Und siehe da, am nächsten Morgen fuhr ein Schiff …

In der griechischen Sonne kam ich auf einen Gedanken. Manche nennen so eine Reise ja Urlaub und haben mir zum Beispiel geschrieben: Dann lass uns doch gleich nach deinem Urlaub wieder treffen“. Dabei habe ich hier das selbe gemacht, was ich immer mache, auch wenn ich „zu hause“ bin:
Ich war viel mobil unterwegs, halt nicht mit dem Fahrrad. Und habe gelernt, gearbeitet, geschrieben und das Leben genossen … Und getwittert. Gestern zum Beispiel vor 11 Stunden auf meinen Account rolandduerre (https://twitter.com/RolandDuerre):


Mein Leben ist ein Urlaub auf diesem schönen Planeten Erde – so eine Art travel&work on earth.
zum


Dieser Gedanke mich lässt nicht los, so berichte ich ihn hier.

Ist mein ganzes Leben nicht nur einziger „Urlaub“ auf dem Planeten Erde?

66 Jahre durfte ich hier verbringen. Ich bin sehr freundlich empfangen worden. Dann kamen in meiner Erinnerung allerdings ein paar Jahre, in denen ich erzogen, gebildet und zu einem guten und leistungsfähigen Menschen ausgerichtet werden sollte. Sogar in einer (medizinischen) Gips-Schale musste ich schlafen – um meinen „Morbus Scheuermann“ zu korrigieren. Da war Schluss mit der Freude am Kindsein. Ich war unglücklich, weil man mich zu etwas machen wollte, das ich nicht wollte und auch nicht verstanden habe. Öfters habe ich den Satz gehört:
„Aus dir wird nie etwas, wenn Du so weiter machst!“
Glücklicherweise habe ich zumindest ein wenig so „weiter gemacht“ und hätte es rückblickend noch viel mehr tun sollen. Und dann kamen fünfzig überwiegend sehr schöne Jahre. Jetzt bleiben nur noch deutlich weniger Jahre, als ich sie hinter mir habe. Wie jetzt auf unserer Griechenlandreise die Tage.

So bin ich fest entschlossen, die letzten Tage meiner Reise durch die Kykladen genauso zu genießen wie die vielleicht noch kommenden Jahre meines Lebens. Aber auch zu nutzen. Für’s glücklich Sein und für mein Projekt FRIEDEN.

RMD