Roland Dürre
Montag, der 29. August 2016

Jolly on Stage – 17. September in München!

Jolly glaubt an den Frieden. So wie ich.

Jolly Kunjappu ist Philosoph und Künstler, Unternehmensberater, Trainer und Redner. Vor allem aber ist er Mensch – und Musiker.

Endlich tritt er mal wieder auf. Gemeinsam mit Roykey Creo und weiteren Freunden!

Creo-Kunjappu_Poster-Konzert_DIN-A4 2

Karten gibt es bei München-Ticket. Und hier noch ein paar Informationen zum Konzert.

Natürlich wird Jolly auch ein ganz besonderes Lied für FRIEDEN spielen.

Ich freue mich, wenn ich viele von Euch bei Jolly’s  besonderem Konzert treffe!

RMD

Hans Bonfigt
Samstag, der 27. August 2016

Am Beispiel eines Pioniers

Heinz Sebiger ist diese Woche verstorben.

1966 gründete er mit vier Kollegen ein genossenschaftlich organisiertes Unternehmen.

Als er nach ziemlich genau 30 Jahren die Leitung der DATEV abgab, war diese das größte gewerbliche Rechenzentrum Europas. Kraft der Gnade der frühen Geburt kann ich aus eigener Erfahrung hinzufügen: Der Erfolg der DATEV gründete sich fast ausschließlich auf der Qualität und Zuverlässigkeit ihrer Leistung.

Die „Frankfurter Allgemeine“ verstieg sich zu der Behauptung, Sebiger habe das „Cloud Computing“ erfunden und markiert damit einen vorläufigen Tiefststand journalistischen Niveaus. Warum plappern junge Leute immer so einen irrelevanten Blödsinn? Und plötzlich wird mir klar:

Sie kennen die Computergeschichte nicht. Ist doch auch nach vollziehbar: Computer wurden seinerzeit als „Arbeitstiere“ genutzt, quasi wie Bagger. Sündhaft teuer, wartungsintensiv, mit wenig Attraktivität für die moderne Bespaßtwerdengesellschaft. Im Gegensatz zum „Porsche“: Vom Konzept her billig, vom Lärm her prollig – und ein absolutes Objekt der Begierde. Die heutigen, peinlichen Daddelkisten sind so sinnvoll wie ein Porsche, die damaligen Computer waren so sinnvoll wie ein Bagger.

Wie jeder Pionier war Heinz Sebiger kein „Innovator“, sondern hat vorhandener Technologie den Weg geebnet.  Denn Fortschritt und Innovation sind heutzutage meist Gegensätze.

Rechenzentren gab es nämlich Mitte der sechziger Jahre viele, hier ein Link zu einem Beitrag über das ZBL-Rechenzentrum in Schwerte:  http://www.lokalkompass.de/schwerte/leute/revolutionaer-der-lochkarte-horst-haake-feiert-heute-seinen-90-geburtstag-d496803.html

Sowohl den Herrn Haake von ZBL als auch Herrn Sebiger kenne ich persönlich — und für beide Unternehmen habe ich Datenerfassungsprogramme und Schnittstellen entwickelt. Vor diesem Hintergrund möge der Leser mir abnehmen: Die Produkte waren ähnlich, die Verfahren waren ähnlich. Horst Haake mußte sein Unternehmen Mitte der achtziger Jahre schließen, während die DATEV den Zenit ihres Erfolges genießen konnte.

Was hatte Sebiger anders gemacht ?

Sebiger war Steuerberater. Als Berufsträger wußte er, worauf es bei Finanzbuchhaltung, Anlagenbuchhaltung und Lohn- und Gehaltsabrechnungen ankommt.  Und er wußte, was die Endkunden, seine Mandanten, von ihm haben wollten.

Er schränkte sein Angebot also sinnvoll auf das für Steuerberater notwendige Portfolio ein und organisierte die DATEV als Genossenschaft. Jeder, der ihre Angebote nutzen wollte, mußte seinen Genossenschaftsanteil leisten – und Berufsträger sein. Ein geniales Konzept, qualifizierte Kunden sorgen für qualifiziertes Feedback. Qualifizierte Kunden aber konnten vor allem die Leistung des Rechenzentrums „an den Mann“, also den Endkunden, bringen. Damit konnte die DATEV die Qualität der Gesamtleistung sicherstellen.

Die heutige „EDV“ ist ja auch deshalb so schlecht beleumundet, weil jeder Einfaltspinsel auch die komplexesten, schlechtesten und wartungsintensivsten Produkte „vertreiben“, installieren und pflegen darf. Über neunzig Prozent derjenigen, die Datenbanken installieren oder warten, wissen nicht, was das ist. Man mache sich einmal den Spaß und frage einen heutigen „Spezialisten“ nach ACID. Sebiger hat, mit seinen vier Gründungsmitgliedern, dafür gesorgt, daß, anstelle von aufgeblasenem „Qualitätsmanagement“, eine Qualitätskette entstand.

Das EVA – Prinzip

Mir liegt das FAZ-Geschwafel vom „Erfinder des Cloud-Computing“ noch gewaltig im Magen, vielleicht sollte ich das Paradigma von Datenverarbeitung beleuchten, wie es in den 60ern verstanden und umgesetzt wurde:  „Erfassung — Verarbeitung — Ausgabe“.  Nehmen wir einmal eine Lohnabrechnung:

Die Sachbearbeiterin sammelte und sortierte die Aufzeichnungen zur Arbeitszeit, typischerweise Stempelkarten, Krankmeldungen usw. usf..  Nun ging sie zu einem Erfassungsgerät, typischerweise einem erweiterten Fernschreiber mit Lochstreifenstanzer, gab einen „Vorlauf“ ein, in dem codiert stand, „Für den Juni 1968 bei der Krummes & Schwarz OHG sind nachfolgende Arbeitszeiten angefallen“, und dann, Zeile für Zeile, Personalnummer, Lohnart und Stundenzahl. Das war die Erfassung.

Die Rolle mit den Daten wurde im DATEV-Rechenzentrum zunächst eingelesen und auf einer Platte geparkt. Denn: Auf den großen IBM/360 lief nur genau ein Programm zur gleichen Zeit (für Fachkundige: Solche Dinge wie TSO lasse ich jetzt einmal weg). Das war wesentlich effizienter, als es in die hohlen Birnen heutiger Informatiker geht. Zwei Programme A und B laufen hintereinander deutlich schneller ab als gleichzeitig. Man baute also Stapel (einen „Batch“) mit Steuerkarten, „Starte das Lohnprogramm, lese den passenden Lochstreifenspool und arbeite jeden Vorlauf ab“. Anhand der Informationen aus dem Vorlauf wurden die korrespondieren Daten von lokalen Platten geholt, die Berechnung und die Druckaufbereitung konnte beginnen. Bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt erfolgte ab hier auch schon eine automatische Übermittlung der Daten an die Kranken Kassen – Kraken in elektronischer Form.

Das Resultat der Verarbeitung war die Ausgabe unter anderem in Form fertiger Lohnabrechnungen, Überweisungsträger für die Banken, Lohnjournale etc.. Die wurden zugeschickt.

Das war „EVA“.  EVA war ein langsames Geschäft, aber:  Sebiger machte wirklich „den Weg frei“: Er trat der Bundespost richtig in den Arsch.

Denn für den Transport der Lochstreifenrollen und den Versand der Auswertungen brauchte die heruntergekommene Schneckenpost gerne auch einmal eine Woche. Und die DATEV organisierte ihren eigenen Kurierdienst und so sparte man effektiv sechs nutzlose Tage pro Lauf ein.

Natürlich: Die Bundesrepublik Deutschland wäre nicht die Bundesrepublik Deutschland, wenn nicht sofort ein Gerichtsverfahren gegen die DATEV losgetreten worden wäre, eines, welches sich über mindestens 5 Jahre hinzog.

Heinz Sebiger aber blieb nicht stehen.

Und während Bundespostminister Kurt Dummle alles tat, um Unternehmenskunden immer weiter finanziell auszubluten und die Nation technisch immer weiter zu isolieren, stellte Sebiger kurzerhand auf Datenfernverarbeitung um.

Einem Verfahren, daß es kraft der Bemühungen der Bundespost eigentlich gar nicht geben konnte. Denn so, wie Hartmut Mehdorn die Bahninfrastruktur systematisch verwahrlost hat, so ließ seinerzeit die Bundespost das Telephonnetz herunterkommen. Sebiger hatte die Lösung und baute bundesweit ein Netz von „DFV-Konzentratoren“ auf.   Der typische Steuerberater verfügte mittlerweile über ein elektronisches Erfassungsterminal, welches die Nutzdaten auf einer Magnetbandkassette speicherte. Die konnte einfach verschickt werden, war vergleichsweise robust und man konnte sie auch einigermaßen schnell einlesen. Die Übertragung ins Nürnberger Rechenzentrum erfolgte über den nächstgelegenen „DFV-Konzentrator“. Dadurch fielen nur Nahbereichstarife an, vor allem aber „packte“ die regionale Verbindung wenigstens noch echte 1.200 Baud, in etwa also 145 Zeichen pro Sekunde.  Statt heute gängigem „DSL 50.000“ gab es damals also „Analog 1,2“.  Aber das Datenformat war intelligent organisiert, verschwuchtelte „XML“-Pappnasen gab es glücklicherweise nicht – und so dauerte ein umfangreicher Datenaustausch etwa eine halbe Stunde. In der Nacht erfolgte die Rückübertragung der Druckdaten – und der Steuerberater, welcher morgens seine Daten eingeschickt hatte, konnte am nächsten Tag seine Auswertungen im eigenen Hause drucken.

Sebiger hatte seine eigene Infrastruktur geschaffen.

Ganz wichtig dabei: Hätte Sebigers DATEV der Politik nicht gezeigt, was alles möglich ist, dann wären wir womöglich technologisch noch mehr Entwicklungsland als jetzt.  Es war nach meinem Empfinden die DATEV, welche den Begriff „Computer“ erst populär machte.

Paradigmenwechsel …

Bereits in den späten Siebzigerjahren erkannte die DATEV, „Die Batchverarbeitung und EVA sind am Ende ihrer Leistungsfähigkeit angelangt“.  Und wieder war es die DATEV, die, zaghaft zwar, über die neuen Möglichkeiten der Datenfernverarbeitung echte Dialoganwendungen anbot.  Als wirkliche Sensation wäre da die „Steuerrechtsdatenbank“ zu nennen, welche eine Volltextsuche in sämtlichen steuerrechtlichen Urteilen, inclusive derer des „Reichsfinanzhofs“, ermöglichte – und damit dem Steuerberater eine wirksame Waffe gegen die umfassenden Bibliotheken des feindlichen Finanzamts in die Hände gab. Wenn ich das persönlich bemerken darf: 1976 saß ich vor einem Terminal dieser Bauart und empfand es, gerade einmal 16jährig, als unvorstellbaren Triumph der Technik, als einer von vielen quasi gleichzeitig mit einem Großrechner zu „sprechen“, welcher im 500 Km entfernten Nürnberg stand.

Der Niedergang

Aus den USENET-Archiven habe ich gerade einen Artikel hervorgekramt, welchen ich vor ziemlich genau 16 Jahren verfaßt habe.  Warum eigentlich kein Vollzitat ?

Die Metastasen des DATEV-Elends
[...] 
So musste ich fruehzeitig Daten erfassen, und zwar zuerst an einer
Olivetti 1731 "Telebanda", einem, vom Antriebsmotor einmal abgesehen,
rein mechanischen Datenerfassungsgeraet. Die Ausgabe erfolgte auf ei-
nem modernen 8-Kanal - Lochstreifen, was gegenueber der Fernschreib-
norm einen gehoerigen Fortschritt darstellte.  Selbst Kleinschreibung
war damals schon moeglich.

Das Datenformat konnte natuerlich vom Rechenzentrum nicht so ohne wei-
teres geaendert werden, weil eine 'Programmaenderung' zwar nicht ge-
rade unmoeglich, aber doch recht aufwendig war.  Deswegen blieben so-
wohl Datenformat als auch die Logik der Erfassungsprogramme bis weit
in die 80er Jahre erhalten, denn so lange akzeptierte die DATEV Loch-
streifen.
Ab 1975 jedoch kamen die elektronischen Geraete in Mode, mein erstes
war eine Olivetti A5, mit Magnetkartenleser, acht freiprogrammier-
baren Lampen zur komfortablen, kontextsensitiven Bedienerfuehrung,
Kugelkopfdrucker und, Revolution, Magnetbandkassette nach ECMA 34 -
Standard.  Zwei KB Hauptspeicher, der Wahnsinn !
Die Aufzeichnungsnorm aenderte sich nie, die Erfassungslogik auch
nicht.  Denn diese Geraete wurden auch mit Lochstreifenstanzer an-
geboten.
1977 bekamen wir unsere KIENZLE 9027-40, mit Magnetbandkassette,
Datenfernuebertragungseinrichtung (BSC), Plasmabildschirm (12 Zeilen
zu je 40 Zeichen), Nadeldrucker sowie zwei 8-Zoll-Diskettenlauf-
werken. Mit seinem 8080 Prozessor und seinen 56 KB RAM war das Ge-
raet enorm leistungsfaehig.  Bis heute hat ein Kunde (Bauunterneh-
men in Oberhausen) dieses Geraet im Einsatz, weil ihm keine andere
Software so viel Komfort beim Verarbeiten seiner 'bergbauspezifi-
schen' Aufmasse biete, angeblich.  Ich sage aber jetzt nicht, wer
die SW geschrieben hat.  Und wieviele Kisten 'Koepi' hierfuer er-
forderlich waren.  Obwohl bereits diese Geraete weitaus leistungs-
faehiger waren als es ein PC jemals faktisch sein wuerde, blieb die
DATEV bei den sehr restriktiven Vorschriften fuer die Erfassungspro-
gramme.  Hintergrund war der, dass nicht einzelne Genossenschafts-
mitglieder wegen ihrer Hardware bevor- oder benachteiligt wuerden.
Immerhin kostete ein solches Geraet damals gut DM 50.000,--, was
heute leicht dem dreifachen entsprechen wuerde. Man wollte halt
nicht seine Mitglieder faktisch zwingen, jedes Jahr einen neuen Ap-
parat kaufen zu muessen.

Ein sehr vernuenftiger, sozialer Gedanke uebrigens, der auch einst
im Internet gepflegt wurde, bis die widerlichen PCPisser mit ihren
Shockflaschdreck dort einfielen wie die Schmeissfliegen.

Irgendwann einmal wurde es unserem lieben Gott zu bunt, und er woll-
te die Menschheit ausrotten.  Nachdem Sintflut und Pest eine Pleite
waren und auch das Aufkommen von Banken und Leasinggesellschaften
nicht das gewuenschte Ergebnis gezeitigt hatte, inspirierte der lie-
be Gott den PC, die uebelste aller Seuchen, die Perversion jeglichen
Ingenieursgeistes, die Brutstaette fuer Hirnfaeule.  Das perfideste
an diesen Apparaten war, dass sie die Hirne junger, unvernuenftiger,
modebewusster, karrieregeiler Jungspunde uebernahmen.

Und so kam es, dass der PC in die Steuerkanzleien einzog, zu ueber-
teuerten Preisen von einigen wenigen Herstellern angeboten, mit ei-
ner Software, die von DATEV angeboten wurde.
Weil die Vollidioten, die diese "Software" zusammenschmierten, keine
Erfahrung hatten und ausserdem nichts als pure Lust am Herumspielen,
sparte man sich ein sinnvolles Konzept und emulierte im Prinzip die
alten, proprietaeteren Erfassungsterminals und damit letzlich die
alten OLIVETTI - Lochstreifenstanzer.

Waehrend man aber mit einer alten Olivetti zuegig arbeiten konnte,
war die Arbeit am komfortablen PC umstaendlich, unergonomisch und
langsam.  Ja, das kann ich beurteilen, denn ich habe an allen bis-
her beschriebenen Systemen produktiv gearbeitet.

Wenn neuere PCs herauskamen, beispielsweise der hirnverbrannte 286er,
so gab es im Magenumdrehen eine neue Software, die den Performance-
gewinn ueberkompensierte.

Dabei wurde nach der "An- und Zubaumethode" gearbeitet:  Ein Pfeif-
chen hier, ein Klingelchen dort.  Vor allen Dingen wurde nie ein al-
ter Zopf abgeschnitten.

Viele Steuerberater wollten irgendwann einmal mehrere Arbeitsplaet-
ze haben, weil die Software so langsam geworden und so umstaendlich
zu bedienen war, dass mindestens drei notwendig wurden:  Zwei, um
das Buchungsvolumen zu bewaeltigen, und einer, an dem 'Spezialisten'
irgendetwas einstellten oder aufspielten.
Und so bot DATEV mit grossem Trara eine "Netzwerkversion" seiner
Weichhirnware an und waehlte, hierzu passend, das schlechteste al-
ler Netzwerkbetruebssysteme aus, das am Markt erhaeltlich war:
NOVELL.  Das sorgte dafuer, dass zwei Dinge regelrecht explodierten:
Zum einen die Anzahl der DATEV - PCs und zum anderen der Software-
umfang, den keiner mehr unter Kontrolle hatte.  Binnen kuerzester
Zeit war ein "486er" conditio sine qua non.

Dann kamen, Metastasen gleich, "Windows" und "Windows for playgroups".
Natuerlich gab es auch hierzu die passende DATEV - Software, denn wo
ein dicker Scheisshaufen liegt, da kackt auch alsbald ein anderer hin.
Weil aber die "Software" mittlerweile derart verbaut war, konnte ei-
ne Umstellung nur fehlschlagen.  So wurde den Genossenschaftsmitglie-
dern bis 1997 fuer teures Geld eine "Windows-Version" angeboten, die
in Wirklichkeit in der MSDOS-Kompatibilitaetsbox lief.  Und, selbst-
verstaendlich, wiederum alle bestehenden PCs zu Sondermuell machte.

Denn jetzt musste es ein schneller "Penzium" sein mit mindestens
64 MB Hauptspeicher.  Und wieder setzte die DATEV auf das mieseste
Trio infernal, was die Menschheit je hervorgebracht hat und auf das
nachfolgende Generationen spucken werden:  SINNLOS 95 als Arbeits-
platz, SINNLOS NT als Netzwerkserver und die PC - Architektur als
gemeinsame Basis.

Ja, so war das.  Und wie es heute ist, das hat Sven E. Lenz ja be-
reits aus seiner taeglichen Praxis beschrieben, ich zitiere noch
einmal:

> Was aber noch viel schlimmer als der Speicherplatz ist, ist die
> Laufzeit. Das ist wirklich unverschämt, was die Datev für den Preis
> abzieht.

Ueber die Zuverlaessigkeit und Administrierbarkeit hat sich Sven
innerhalb dieses Threads ebenfalls geaeussert.

Und meine Prognose ist:  Es wird immer schliemmer werden.  Bis sich
irgendwann einmal jemand durchsetzen kann, den ganzen Dreck in die
Tonne tritt und die PC-Abteilung ausraeuchert.

In Indien sollten ja jetzt Ausbildungsplaetze vakant werden.

Nun gut, es war ein sicherlich nicht immer sachlicher Artikel. Doch in der Rückschau sehe ich zweierlei: Zum einen entspricht die Darstellung in etwa der Wahrheit. Zum anderen habe ich mich geirrt in Bezug darauf, wie schlimm es einmal werden könnte.

Denn seit 1996 war der Lotse Sebiger im mehr als verdienten Ruhestand. Und wer auch immer den Fehler begangen hat: Es wurde ein ehemaliger Mitarbeiter des „Beratungshauses“ Ernst & Young zum Geschäftsführer „berufen“.

Zurück in die Steinzeit – ganz modern

Weil nämlich die DATEV – PC – Ware so grottenschlecht war (erfahrene DATEV-Anwender sehnen sich auch heute noch die alte, „schnelle“ Erfassungssoftware zurück), überlegte man sich „innovativ“:

„Nun haben wir ein erstklassiges Rechenzentrum und eine lausige PC-Abteilung.  Laßt uns mehr Leistung auf die lokalen Arbeitsplätze verlagern, dann brauchen wir das Rechenzentrum nicht mehr.

Dann nämlich hätten wir ein unternehmenseinheitliches Mittelmaß !

Onlinetransaktionen  – wer braucht das schon, wenn der PC alles selber kann ?“

Und man lagerte nicht nur die gesamte Datenverarbeitung, sondern auch deren Speicherung und Archivierung auf die sichere PC-Plattform aus.

Tja – das waren die „neuen Visionäre“, die die Renaissance der „lokalen Intelligenz“ am Arbeitsplatz begrüßten. Vernetzung? Wer braucht das schon. Und ja, es waren die gleichen Junggreise und Trendlemminge, die uns heute glauben machen wollen, man könne nicht mehr ohne LTE-„Handy“ aus dem Haus gehen.

Wie bekloppt dies wirklich ist, fällt eigentlich erst heutzutage auf. Warum muß ich aufwendigst eine komplette Großrechnersoftware auf jeden einzelnen verdammten PC installieren, obwohl eine moderne Rechenanlage leicht 100.000 Lohnabrechnungen pro Sekunde anfertigen kann?

Die DATEV war so blöd. Und selbstverständlich gab es Nachahmer, die noch inkompetenter waren: Das Bundesfinanzministerium mit seinem unsäglich peinlichen ‚ELSTER‘ – Programm zum Beispiel. Es soll auch Firmen geben, die spezielle „APPs“ programmieren, mit der ein armer Student der TU München nachgucken kann, was es in dieser Woche in der Mensa zu essen gibt. Vorausgesetzt natürlich, er besitzt so ein geschmackloses „Eifon“ oder einen häßlichen „Eifon-Klon“ der Machart „Android“.  Alle anderen werden sterben.

Intelligente, vorausschauende Menschen wie Heinz Sebiger haben die menschliche Lebenszeit als hohes Gut geachtet. Denn unsere Lebenszeit ist die einzige Ressource, die uns nicht unendlich zur Verfügung steht. Deswegen hat Sebiger eine Möglichkeit geschaffen, standardisierte Verfahren einmal sauber zu implementieren und Zehntausenden zur Verfügung zu stellen. Das ist ein sozialer Gedanke, der die Arbeitszeit des Menschen und damit den Menschen selbst achtet.

Werden Menschen gezwungen, für nichts und wieder nichts immer neue Programme zu installieren und zu pflegen, wird ihnen diese Lebenszeit abgezogen (ich denke gerade an die ‚grauen Herren‘ von Michael Ende).

Besonders fatal wirkte sich die „Heirat“ der DATEV mit dem schlechtesten, ungeeignetsten und unsicherstem Betriebssystem aus, welches man sich denken kann: „Microsoft Windows“. Es gibt keinen größeren Lebenszeitvernichter als „Microsoft Windows“. Dieser zusammengeschusterte Sondermüll hat weltweit schon bis jetzt mehr Lebenszeit sinnlos vernichtet als alle deutschen Vernichtungslager zusammen. Administration und quälende Langsamkeit infolge von eigentlich unnötigen „Schutzmaßnahmen“ sind die eine Sache. Aber dann kommen die Hypertechnokraten der „DATEV“ und setzen auf den mehrfach ‚aufgebohrten‘ Havaristen noch ihr eigenes „Datev Framework“ obenauf. In den letzten Monaten war ich mehrfach Zeuge von DATEV-Installationen, jeweils durchgeführt von ausgewiesenen Fachleuten. Da ist wirklich nichts, was man nicht mit einem Bulldozer sanieren könnte.

Die Anwender unterdessen klagen über mangelnde Ergonomie, Unterbrechung des Arbeitsflusses durch langsame Software, hohe Komplexität und häfige Abstürze.

Was von den Vätern Du ererbt – erwirb es, um es zu besitzen

Der Tod von Heinz Sebiger macht mich traurig, ich kann mich noch gut an ein zufälliges gemeinsames Mittagessen beim Nürnberger „Behringer“ erinnern:  „Nie die eigene Aufgabe aus den Augen verlieren“.

Und für die DATEV wünsche ich mir eine neue Führung, die das Potential des ursprünglichen DATEV – Modells von Heinz Sebiger begreift und mit aktueller Technologie erneut umsetzt.

Das wäre einmal eine „Digitale Transformation“ nach meinem Geschmack !

-hb

Hans Bonfigt
Sonntag, der 21. August 2016

Ende mit Schrecken

Der Roland, zurecht, sagt ja immer, hier im Blog müsse das Positive überwiegen. Und er hat recht. Deswegen fange ich jetzt einmal mit etwas Positivem an.

Denn es gibt junge Leute, die sich eigenständig etwas erarbeiten, das nicht der Erzielung von Einkünften dient, sondern der Erforschung des Wesens der Dinge. Nehmen wir einmal den Herrn Warkus. Der, im Rahmen seines Philosophiestudiums in Marburg, hat die Arbeiten von C.S. Peirce, den „Digitalfritzen“ unter uns bekannt vom ‚Peirce-Operator‘, fortgeschrieben. Er spricht nicht mit mir, uns trennt ein Marianengraben an Gegensätzen, den man dahingehend abstrahieren kann, daß er Gerechtigkeit als hohes Gut erachtet, ich dagegen Ungerechtigkeit als notwendiges Übel.

Dennoch nehme ich mir die Freiheit, jemanden zu bewundern, der „über die Veränderung in Zeichen“ promoviert wurde. Er stellt das bisherige Paradigma von Veränderung, „eine Eigenschaft ist entfallen oder hinzugekommen“ infrage und kombiniert die Sichtweise von Peirce mit semiotischen Ansätzen: Wahrnehmungen werden von der Realität quasi gespiegelt, zum Beispiel die Farbe an einer Wand. Gleichzeitig werden aber auch Wahrnehmungstäuschungen ‚mitgespiegelt‘, zum Beispiel durch den Farbton der Beleuchtung. Das resultierende Ergebnis wird von uns sogleich perzipiert, quasi einem Bewertungsalgorithmus unterzogen. Interessant wäre es jetzt, zu postulieren, daß Veränderungen (nur) dann existieren, wenn sich die Perzeption ändert. Ganz herunterbanalisiert: „Das Wesen der Dinge ist ihr Schein“.

Das soll natürlich keine Zusammenfassung einer Arbeit sein, für die ein außergewöhnlich intelligenter Mann bestimmt zwei Jahre gebraucht hat. Der Ansatz ist interessant und die Begründung ebenfalls. Der praktische Nutzen dieser Arbeit unterdessen ist – ähm – mäßig.

Der Witz ist bekannt:
Schimpft der Dekan mit dem Leiter seines physikalischen Instituts: „Ja SPINNEN denn Sie? Schon wieder eine Viertelmillion Nachtragshaushalt für den neuen Strömungssimulator??? Wie gehen Sie denn mit dem Geld um? Sehen Sie sich einmal die mathematische Fakultät an: Die brauchen nur Bleistift, Papier und Papierkorb. Und die Philosophen erst: Die brauchen nur Bleistift und Papier!“.

Es wäre ganz schlimm, wenn es nicht Menschen wie den Herrn Warkus gäbe. Aber es gibt eine Menge Dampfplauderer und Möchtegerns, die in allen möglichen „Geisteswissenschaften“ promoviert werden. Da ist ja erstmal nix gegen zu sagen, aber dummerweise wollen die nach der Uni auch Geld verdienen. Möglicherweise sogar mehr als ein „einfacher“ Maurer.

Dann landen sie irgendwo in Unternehmen. Und treffen plötzlich Entscheidungen. Das Dumme ist nur, sie sehen die Welt als ihr kleines Modell, und es braucht auch nicht gegebenenfalls angepaßt werden, denn es muß richtig sein, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Und so werden Entscheidungen nicht semiotisch sondern semi-idiotisch getroffen. Bis zum bitteren Ende.

Eine Groß- und Deutschbank betreibt nicht nur ein eigenes Rechenzentrum. Einer der beiden Server, welche einen Großteil von Deutschlands SEPA-Lastschriften abwickeln, steht „full serviced“ in einem externen Rechenzentrum. So, wie vermögende Leute die Ponys für die Töchter „im Vollberitt“ auf einem Pferdehof vollversorgen lassen, so wird dort der Server mit Daten, Strom und einer Wartungsmannschaft versorgt.

Und weil so viele gebildete Akademiker beteiligt sind, die noch nie so einen Rechner gesehen haben, gibt es definierte Schnittstellen und „SLA“s in hierarchischer Form:

Vertragspartner der Bank ist eine indische Firma. Die hat die Wartung des IBM-Rechners bei Hewlett-Packard in Auftrag gegeben. Hewlett-Packard hat zwar weder Ersatzteile noch Know-How, aber die Inder haben ja ein „SLA“, was kann das schon schiefgehen. Hewlett-Packard vergibt die Wartung weiter, an eine hessische Proletentruppe, die nicht einmal eine Klospülung würde reparieren können. Aber sie können ein „SLA“ schreiben.

Und nun passiert es:
Der seltene Fall tritt ein und der IBM-Mainframe fällt aus. Übrigens wegen einer Bagatelle. Über die „SLA-Kette“ gelangt die Proletentruppe zum Server und muß nun die Anweisungen aus Hinterindien ausführen, mit HP als „Relaisstation“. Der einzige, der Ahnung hat, kommt nicht zur Analyse, geschweige denn zur Entscheidung: Das arme Schwein muß alle 15 Minuten „Reports“ schreiben, und zwar an mehrere Stellen. Wenn er mit einer Welle Reports fertig ist, kann er gleich die nächste beginnen.

In Panik ruft der Chef der Proletentruppe einen IBM-Partner an, jener versucht verzweifelt einen AIX-Experten zu bekommen.

Als allerletzte Option (ich bin nicht bankkompatibel) werden wir involviert, denn schon nach dem dritten Tag kommt einer der Inder auf die Idee, daß es doch ganz schön wäre, wenn jemand dabei wäre, der so ein Ding vielleicht einmal einschalten kann (zugegebenermaßen nicht trivial bei IBM). Während der folgenden vier Tage werden, auf Anweisung aus Indien, die lustigsten Dinge getan, unter anderem wird eine baugleiche Maschine im Nachbarrack aufgebaut. Unser Job: Warten.

Jede mögliche einfache Lösung wurde „von oben“ verhindert.

Jeder noch so abstruse Ansatz wurde stattdessen verfolgt, Geld spielte auf einmal keine Rolle.

Bereitwillig angebotenes Fachwissen von Seiten des Endkunden wurde ignoriert oder zurückgewiesen.

Und so endete ein Einsatz in einer peinlichen Katastrophe:

Jemand bei der Bank, ohne akademische Bildung, aber mit dickem Scheckbuch, rief bei IBM an.  Und weil der Scheck hoch war, ließ sich IBM nicht lange lumpen. Per Anordnung: KONTAKTSPERRE für uns mit dem IBM-Mitarbeiter. Naja, beim Frühstück in der Cafeteria haben wir uns dann doch kurz unterhalten: Ein banaler Ausfall eines VRM im primären CEC, das hätte jeder leicht sehen können, dem erlaubt worden wäre, das Ding aufzuschrauben und nachzugucken. Das passende Ersatzteil kam dann drei Stunden später.

Zwei Tage wurden unterdessen benötigt, das von der Proletentruppe auf Anweisung aus Indien verursachte Schlachtfeld zu beseitigen.

Und nun frage ich mich, was wohl passiert wäre, wenn es den Hauptserver erwischt hätte anstatt wie in unserem Fall den Backup-Server. Höchstwahrscheinlich wären noch mehr Parteien involviert worden, die noch mehr Bullshit verzapft hätten. Und Deutschland wäre zwei Wochen ohne Zahlungsverkehr geblieben.

Irgendein konservativer (eher reaktionärer) Kunde meinte einmal zu mir, „wenn fremde Leute mit fremdem Geld fachfremde Sachen tun, dann kannst Du dein Unternehmen beerdigen“.

Wohl wahr!

-hb

Roland Dürre
Mittwoch, der 17. August 2016

Dankbarkeit.

Zurzeit gibt es in IF-Blog nicht so viel zu lesen. Das liegt daran, dass ich gerade eine Auszeit am schönsten Platz der Welt nehme. Gemeinsam mit Barbara und in Begleitung von Anna (Tochter #2), Sophie (Tochter #3), Caroline (Enkelin #1) Nicolas (Enkel #2) und Patrick (Schwiegersohn #1).
🙂  Die Angaben in Klammern betreffen die zeitliche Reihenfolge.

Blick vom Zelt nach Norden in Richtung Gythio.

Blick vom Zelt nach Süden.

Seit vier Nächten und Tagen sind wir in Porto Ageranos auf dem Peloponnes, zirka 10 km südlich von Gythio, dem alten Hafen von Sparta. Wir schlafen im Zelt, direkt am Strand des Ägäischen Meeres,keine 25 Meter von den Wellen entfernt. Wir leben in der Natur. Das Meer rauscht und singt uns sein Lied. Nachts läßt sich der Vollmond von den Sternen am Himmel feiern. Der Zeltplatz ist nicht sehr voll und wird täglich leerer.

Mein Rhythmus hat sich eingeschwungen. Am Morgen schwimme ich zuerst mal je nach Lust und Laune eine halbe bis ganze Stunde ans andere Ende unserer Bucht. Zurück geht es zu Fuß am Strand. Dann gibt es ein wunderbares Frühstück, frisches Weißbrot mit selbstgemachten Marmeladen, griechischem Käse und Ei er in verschiedenster Zubereitung. Besonders mag ich das Rührei mit frischen Tomaten und Paprika.

Der Vormittag vergeht schnell im Nichtstun. Die beiden kleinen halten uns auf Trab. Wir machen mit unserem Kajak kleinere Ausflüge dem Strand entlang und mit den Rädern mittlere und längere Toruren durch die Berge von Mani. Ab und zu geht es nach Gythio, wo das lokale Leben uns vereinnahmt. Und dies selten ohne Pause im Touristik – dem größten Café mit Blick auf dem Hafen.

Mittags gibt es Tomatensalat und Früchte. Ab und zu ergänzt von frischen Eierfrüchten gebraten mit viel Knoblauch und Olivenöl oder in der Pfanne geröstetem Knoblauchbrot und Abends haben wir soviel Tavernen zur Auswahl, dass es schwierig ist, sich zu entscheiden.

Von der Welt bin ich weit weg. Zwar lade ich mir regelmäßig die Süddeutsche aufs Handy und verfolge den Live-Ticker von Haching. Und pflege meine Chats. Aber das ist es auch schon. Insofern bin ich zurzeit eher ein wenig zurückgezogen und konzentriere mich auf mich selbst.

Auf der Überfahrt von Ancona nach Patra habe ich das kleine Büchlein „Dankbarkeit“ von Oliver Sacks gelesen. Ich habe es von Rolf geschenkt bekommen anläßlich meines Vortrages beim „Lions Club Opera“ in München. Rolf Hüttmann macht viele tolle Dinge und übt unter anderem die Präsidentschaft des Clubs aus. Das Jahr seiner Präsidentschaft hat er unter das Motto „Achtsamkeit“ gestellt und mich zu meinem Vortrag zur digitalen Transformation eingeladen.

Rolf kenne ich erst ein paar Wochen. Er ist ein sehr kluger und weiser Mensch, so durfte ich in den bisherigen wenigen Begegnungen mit ihm schon so viel lernen. Er hat mich erst mit dem Werk von Oliver Sacks bekannt gemacht und mir eine wunderbare Widmung geschrieben und mich darauf aufmerksam gemacht, dass wir soviel hinter uns haben, um Dankbarkeit zu empfinden und hoffentlich noch so viel vor uns haben, um dieses Gefühl steigern zu können.

Erst dank Rolf habe ich verstanden, wie groß das Mass meiner Dankbarkeit ist und wie sehr mich diese glücklich macht.

RMD

Blick vom Zelt nach Norden in Richtung Gythio.

Blick vom Zelt nach Norden in Richtung Gythio.

Roland Dürre
Mittwoch, der 10. August 2016

Bayerische Verfassung, Gemeinwohl-Ökonomie …

… Augenhöhe, Intrinsify.me, Demokratisches Unternehmen, Holokratie – und Buddhismus im Management … all das mag ich –
aber bitte kein CSR!

Vajrasattva (Tibet)

Vajrasattva (Tibet)

Die meisten von uns wollen das selbe, nämlich eine Wirtschaft, die für die Menschen da ist. Und in der die Menschen eben nicht für die Wirtschaft da sind.

So liebe ich die Bayerische Verfassung, die in einem Artikel präzise darauf hinweist, welches großartige Recht es ist, in einem Gemeinwesen ein Gewerbe ausüben zu dürfen – und wie dieses Recht die Unternehmer bzw. Gewerbetreibenden verpflichtet und ihnen so vorschreibt, dass die angebotenen und bereit gestellten Güter und Dienstleistungen zuerst mal den Menschen Nutzen bringen müssen.

Und in einem zweiten Artikel in dieser wunderbaren Verfassung wird dann das ganze noch mal explizit für die Finanzwirtschaft unterstrichen! Die das aber nicht interessiert und mehrheitlich Dinge anstellt, die zumindest in Bayern verfassungswidrig wären,
;-( wenn denn die Bayerische Verfassung für diese Themen noch von Belang wäre.

Ich spreche von Artikel 151 Bindung wirtschaftlicher Tätigkeit an das Gemeinwohl; Grundsatz der Vertragsfreiheit und 157 Kapitalbildung; Geld- und Kreditwesen. Es sind aber bei weitem nicht die einzigen wirklich lesenswerten Artikel, in der Bayerischen Verfassung gibt es da noch einige mehr

Genauso schätze ich die Bewegung der Gemeinwohlökonomie um ihren Protagonisten Christian Felber. Die haben eine Gemeinwohl-Matrix erarbeitet, an derer man prüfen kann, welchen Beitrag das Unternehmen, in dem man arbeitet oder das man vielleicht sogar „führt“ zum sozialen und gesellschaftlichen Leben leistet. Auch darüber lohnt es, sich zu informieren.

Das Projekt Augenhöhe mit dem gleichnamigen Film habe ich bewundert, weil da belegt wurde, dass es durchaus erfolgreiche Unternehmen gibt, die auf Augenhöhe funktionieren.

Wie mir auch die kühnen Gedanken der Menschen von intrinsify.me sehr nahe stehen, genauso wie auch die klaren Überlegungen der von Andreas Zeuch inspirierten Unternehmens-Demokraten, die glaubhaft machen, dass „demokratische Unternehmen“ besser funktionieren. Und die den wunderbaren Slogan geprägt haben:

ALLE MACHT FÜR NIEMAND!

Sogar die Freunde der Holokratie (holocracy) imponieren mir, auch wenn ich da die Gefahr einer Ermüdungsdemokratie sehe, die leicht zu „holocrazy“ führen kann.

Vor kurzem aber habe ich einen jungen Unternehmer kennen gelernt. Er heißt Julian Sametinger und hat eine Bachelor-Arbeit (zum Lesen draufklicken, sehr lesenswert!) mit dem Thema „Buddhismus im Management“ geschrieben. Es ist eine wunderbare Arbeit, die sich spannender wie mancher Krimi liest. Und da steht auch eigentlich wieder alles drin. Diese Arbeit ist auch der Anlass gewesen, warum ich den Post hier schreibe.

Vor all diesen Gedanken habe ich großen Respekt, allein ihre Existenz erfüllt mich mit großer Dankbarkeit.

Aber bitte kommt mir nicht mit CSA (Corporate Social Responsity). Das ist geheuchelt, produziert von universitären Ethik-Dampfplauderern, abgestimmt in staatlich eingesetzten Ethik-Kommissionen. Ich finde ich da überwiegend schwülstiges Geschwafel, wie wir es von Politikern und Lobbyisten kennen. Jedoch mit stattlicher staatlicher Kohle graphisch schön aufbereitet auf aufgeblähten Hochglanz-Folien und Plakaten der einschlägigen Verbände.

Gerne nenne ich hier auf Anfrage schlimme und auch nicht so schlimme Professoren wie deren oft absurde Machwerke und andere eher lächerliche Aktivitäten. Da ich in diesem Blog dem Positiven jedoch mehr Raum als dem Negativen geben möchte, mache ich hier Schluss.

Ich bedanke mich fürs Lesen und wünsche eine gute Nacht!

RMD