Roland Dürre
Freitag, der 23. September 2016

IF-Forum am 19. Oktober um 18:00 – diesmal in Stuttgart!

if-logoGerne weise ich auf das nächste IF-Forum hin. Diesmal findet es in Stuttgart statt, das Thema wird sein:

DIE DIGITALE TRANSFORMATION IN IT-BRANCHE UND GESELLSCHAFT – WO BLEIBT DER GROSSE DURCHBRUCH?

Veranstaltungstermin:
19. Oktober, 18:00 Uhr

Veranstaltungsort:
InterFace AG, Zettachring 8, 70567 Stuttgart

Referent:
Dr. Georg Panagos, Hochschuldozent (Wirtschaft/Medien) HS Fresenius, Management Berater für Technologie Unternehmen (Telekommunikation, IT, Medien) N-Pusle GmbH

Abstract:
Heute ist die Digitalisierung im Alltag und in vielen Unternehmen angekommen.  Vielfach wurde die „Digital Transformation“ falsch verstanden, unterschätzt oder gar ignoriert.

Bei vielen Unternehmen wird schnell die Online-Möglichkeit geschaffen eigene Produkte/Dienstleistungen übers Internet zu verkaufen; damit wird angeblich die Digitalisierung vollzogen.

Leider ist dies die falsche Vorgehensweise, und ist oft zum Scheitern verurteilt, wie es z. B. schmerzhaft verschiedene Printmedien erleben mussten; man spricht hier auch vom Zeitungssterben. Aber auch andere Branchen bekommen den Druck aus der neuen Online-Welt zu spüren, z. B. das Banken- und Versicherungsgewerbe.

Im Vortrag von Dr. Panagos werden Vorgehen diskutiert, die nachhaltiger und zukunftsweisender sind, z. B. dass Digitalisierung die gesamte Unternehmung, ja, die ganze Gesellschaft erfassen muss, damit wir nicht nur die entsprechende Technologie erhalten, sondern auch tragfähige und nachhaltige digitale Geschäftsmodelle. Das Referat zeigt Beispiele und Trends aus der Medien- und  Kommunikationsindustrie auf, die zu Denkanstößen und Diskussionen anregen sollen.

Ich selber werde auch versuchen, anwesend zu sein. Der Vortrag und das Thema sollten die Reise nach Stuttgart wert sein.

Hier geht es zur Agenda und Anmeldung.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 19. September 2016

Nachtgedanken zu Europa.

Denk ich an „europe“ in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht …
(Heinrich Heine)

flagge-europaeische-union-euKatalonien will unabhängig werden von Spanien. Schottland wollte Great Britain verlassen. Eingeschüchtert von Drohungen und Angstmache von allen Seiten haben die Schotten keine Mehrheit dafür erreicht. Jetzt sind sie traurig, dass sie es nicht geschafft haben.

GB als Staat mit einer großen demokratischen Tradition und Gründungsmitglied will aus der EU austreten. Der Austrittsfall ist aber nicht vorgesehen (nicht aus der EU und nicht aus dem EURO). Es erscheint fraglich, ob dies von der Gesetzeslage her überhaupt möglich ist, zu verzahnt ist nationales und europäisches Recht. Ratlosigkeit herrscht vor – nur ändern wird sich nichts.

Die Mittelmeerstaaten torkeln. Auch die BRD ist immer noch Schuldeneuropameister. Bayern fühlt sich in der BRD schon lange nicht mehr wohl und finanziert trotzdem weiter Berlin/Brandenburg. Oft erscheinen mir die „Koalitions-Streitigkeiten“ die Vorboten eines „bavarian exit“.

Immer mehr Staaten in der EU erweisen sich als im Höchstmaß unsolidarisch. Besitzstandwahrung ist angesagt. An den östlichen Grenzen wird mit dem Säbel gerasselt, weil (angeblich ?) die Bedrohung durch die Nachbarn wächst. An den südlichen fühlt man sich durch Flüchtlinge bedroht und löst das Problem mit eigenartigen Deals.

Trotz besseren Wissens tanzt Europa unverdrossen weiter um das goldene Kalb namens „Wachstum“. Grund und Boden werden zu betoniert, der Indiviualverkehr hat totalen Vorrang und manche Länder wollen sogar wieder auf Kernkraft setzen. Europa ist fest im Griff der Weltkonzerne, für die mehr als je zuvor der „shareholder value“ den absolute Priorität hat. Die Unternehmen sind nicht mehr für die Menschen da, sondern die Menschen für sie. Als konsumierende Kaufvieh-Herde, die beliebig durch Marketing manipuliert werden muss.

Obwohl absolut gegen den Trend werden so Abkommen wie CETA und TTIP durchgepeitscht, die den totalen weltweiten und schrankenlosen Wettbewerb propagieren. Das basiert auf extremer Arbeitsteilung und befördert natürlich die Ausbeutung von Menschen und ganzen Ländern. Und die vorhersehbaren Streitfälle sollen nicht an unabhängigen Gerichten verhandelt sondern von Schiedsgerichten aus den Reihen der Wirtschaft geregelt werden.

Währenddessen macht der Euro weiter ganze Regionen platt. Finanziert wird das alles von einer Staatsbank, die eine Riesenblase produziert. Früher oder später wird diese platzen – und dann geht das Jammern über die nächste Weltwirtschaftskrise wieder los.

Politisch führt das Denken in Eigennutz zu immer mehr populistischen Regimen, die Demokratie und Humanismus verhöhnen. Der Umgangston ist kalt geworden. Schon geht der Hickhack zwischen den Nationen Europas los, die ersten Parolen vom Ausschluss einzelner Länder erklingen – obwohl der genauso wie der Austritt nicht vorgesehen und wahrscheinlich mit Rechtsmitteln gar nicht möglich ist. Aber das alles stört nicht, so lange die „Kohle“ fließt.

Die EU entpuppt sich immer mehr als ein undemokratisches System. Mit einem machtlosen Mega-Parlament und Kommissionaren, die sich laufend blamieren. Alle Europa steuernden Institutionen sind zu Büttel der Konzern-Lobby und des Kapitals geworden, alle mächtigen europäischen Gremien und Verbände sind in der Hand von Kapital und Wirtschaft. Die Politik ist in Geiselhaft genommen worden, die Politiker müssen ihren Herren dienen. Es gilt: Die Hand, die einen füttert, beißt man nicht. Und wird es doch mal kritisch für die „Großen“, dann sorgt der EuGh dafür, dass die Gesetze so ausgelegt werden, wie es im Sinne der Herrschenden ist.

Permanent werden neue Gesetze generiert, zum Teil widersprechen sie sich. Aufgrund der Inflation an Gesetzen werden sie nicht mehr ernst genommen. So wird mehr Schaden als Nutzen generiert. Als Folge erfasst auch eine Erniedrigungsbürokratie ganz Europa, so wie wir sie von „den sozialistischen Staaten“ aus dem Ostblock kannten. Der dann an seiner Bürokratie eingegangen ist. Veränderung war nicht mehr möglich und die Arbeitsteiligkeit auf staatlicher Ebene hatte die Vielfalt zerstört.

Wird gegen von einem Großkonzern gegen ein Gesetz massiv und vorsätzlich verstoßen, das Menschen vor giftigen Abgasen und Partikeln schützen soll, interessiert das niemand. Auch wenn der Konzern Millionen seiner Kunden betrogen hat. Denn die Großen lässt man laufen, ist man doch von ihnen abhängig.

Ab und zu wird an einem Kleinen ein Exempel studiert. So wie man die modernen Überbringer der schlechten Botschaft, die Whistle-Blower, bestraft, die Steuerschwindler aber laufen lässt. Weil sie ja im „Rahmen der Gesetze“ gehandelt haben. Obwohl sie Konstrukte gebaut haben, die extra für die Steuergesetze geschaffen worden sind und nichts mit der Realität zu tun haben. Auch im Wissen, dass sie so mächtig sind, dass man sie ja nicht vergrämen darf. Wäre ihre Rache doch für kleinere Staaten existenziell bedrohlich.

Mit einer sehr eigenartigen Zinspolitik saniert die „reiche BRD“ an der Spitze aber zu Lasten einer unheilvollen Süd-Allianz ihren Haushalt. Subventionen werden verteilt, nicht nur an die so „systemrelevante“ Finanzindustrie – aber immer zu Lasten der Zukunft und so der Bürger. Dass so die Mehrheit der Armen und des Mittelstands ärmer und die wenigen Reichen reicher werden interessiert niemanden.

Von Werten wird viel gesprochen. Gelebt werden sie nicht. Die christlichen Wurzeln werden beschworen,  Aufklärung als Wert spielt kaum mehr eine Rolle. Immer mehr Freiheit wird für vermeintliche Sicherheit geopfert. Toleranz wird beansprucht aber nicht gewährt, Solidarität eingefordert aber nicht gegeben, Demokratie unterminiert und Menschenrechte reduziert. Achtsamkeit wird gefordert und Feindbilder gefördert.

So ein Europa habe ich mir nicht gewünscht. Ich fühle mich eh nicht als Deutscher und auch nicht als Europäer. Mit Nationalhymne, Bundesadler und Schwarz-Rot-Gold kann ich nichts anfangen. Die gelben Sterne auf blauem Grund mögen ansprechender sein als das fette „Schwarz-Rot-Gold“, aber auch das sind nicht meine Farben. Es gibt für mich auch keinen Grund, darauf stolz zu sein, dass ich ein Deutscher bin. Wie es auch keinen Grund gibt, zum Beispiel auf meine Hautfarbe stolz zu sein.

Ich bin ein Mensch aus, in und von dieser Welt. Woher ich komme, welche Sprache ich spreche – das spielt keine Rolle. Ich mag und schätze alle Menschen gleich. Ich bin für Frieden. Über Europa habe ich mich gefreut, weil mein Eindruck war, dass Europa einen guten Job macht. Das ist leider vorbei, was jetzt mit Europa passiert, macht mir tiefe Sorgen. Der Trend ist übel.

Seit meiner frühen Jugend war ich in Europa unterwegs. Zuerst als Austauschschüler, dann als Urlaubs-Reisender und schon bald vor allem als Radfahrer. Besonders gern war ich im Mittelmeerraum wie in Portugal, Spanien, Frankreich, Italien, Griechenland und Zypern. Und überall habe ich freundliche Menschen getroffen, die mich immer herzlich empfangen haben – und mir geholfen haben, wenn ich ein Problem hatte. Genauso ging es mir in Holland und Belgien und später in Tschechien, Slowenien, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien und in Lettland.

Alleine deswegen liebe ich Europa – einen Euro brauche ich dazu nicht. Aber auch jenseits der EU in Kenia, Tunesien oder in Marokko wie auch in China, Kuba oder Indien habe ich soviel Gutes und Schönes erlebt. Immer haben mich die Menschen gut angenommen und ich habe mich verstanden gefühlt.

In meinem Erleben waren die Menschen immer viel weiter als ihre Regierungen.

So wünsche ich mir eine Welt der gut vernetzten Regionen, ohne Nationalstaaten und Militärpakte. Eine Artenreiche Welt ohne Gleichmacherei. Eine Welt, in der die sinnlosen Gegensätze und Ängste immer mehr verschwinden und eine alle Menschen übergreifende Freundschaft gefeiert wird.

RMD

P.S.
Im nächsten Post habe ich vor zu erklären, warum mir kleine dezentrale Systeme besser gefallen als die großen zentralen. Gerade zur Lösung unserer wirklichen Probleme.

Roland Dürre
Donnerstag, der 8. September 2016

HELLO WORLD – Ein offener Brief – #FRIEDEN

Weiße Taube auf blauem Grund, eine Variante der Friedenstaube: Seit den 1980er Jahren verbreitetes Symbol der westeuropäischen, vor allem der deutschen Friedensbewegung, entworfen im Kontext des Widerstands gegen den NATO-Doppelbeschluss.

Weiße Taube auf blauem Grund, eine Variante der Friedenstaube: Seit den 1980er Jahren verbreitetes Symbol der westeuropäischen, vor allem der deutschen Friedensbewegung, entworfen im Kontext des Widerstands gegen den NATO-Doppelbeschluss.

Vor kurzem hatte ich ein tolles Gespräch mit einem Menschen, den ich sehr schätze und lieb gewonnen habe. Ich will ihn für unser Projekt FRIEDEN gewinnen. Am nächsten Tag habe ich ihm geschrieben – hier meine Gedanken dazu als offenen Brief.

Lieber Freund!

im Abstand einer Nacht möchte ich mich nochmal für das Gespräch gestern bedanken.

Du hast mir die richtigen und wichtigen Fragen gestellt. Das ist ein großer Wert. Denn Lösungen findet man nur, wenn man vorher die richtigen Fragen findet.

Hier der Versuch einer zusammenfassenden Antwort auf Deine klugen Fragen zum Projekt FRIEDEN (Warum und Wie):

Für mich ist FRIEDEN die allgemeine Metapher für das Gegenteil von all dem, was nach meiner Meinung in unserer Gesellschaft schief läuft.

Weltweit (mit ganz wenigen und sehr fragwürdigen Ausnahmen) dominiert ein Wirtschafts-System, das die Menschen manipuliert. „Shareholder Value“ und die eigene Bereicherung der handelnden Akteure setzt es in ungeahnter Konsequenz über alles. Auch der Krieg dient hier als Mittel zum Zweck.

Diesem System ist das Wohlbefinden, die physische und psychische Gesundheit der Menschen und auch unser Planet völlig egal. Ich kann das für viele Branchen belegen, auch durch besondere Insights die ich aufgrund meines Netzwerkes habe.

Dazu gehören – nur als ein Beispiel – auch Diskussionen mit Vorständen eines sehr relevanten Pharmaziekonzern im Rahmen eines Forschungsprojekts. Und wenn ich dann aktuell die Bewertung der neuesten Medikamente (von 23 ist eines im grünen, wenige im orangen und über die Hälfte im roten Bereich) anschaue, dann weiß ich sehr wohl die Gründe dafür (siehe SZ von gestern).

Leider gilt das für viele (ich meine alle) Branchen – ob Gesundheit ganz allgemein, Nahrungsmittel, Energie, Finanzen (Banken und Versicherungen), Rohstoffe, Handel, Kfz, Kommunikation, Technologie … Dass die Waffenindustrie da dabei ist, ist natürlich klar.

Und dies ist (leider) keine Verschwörungstheorie sondern präzise belegbar.

Auch die EU ist leider eine sehr undemokratische Organisation (geworden?), die dominiert wird von den Interessen der Konzerne und auch letzten Endes auch von diesen gegründet wurde. So wie auch der EURO kein politisches Produkt ist sondern vor allem von „der Wirtschaft“ eingefordert wurde. Gestern hat ein Urteil des EuGH dies wieder einmal belegt (siehe die ZEIT von gestern).

Ich will aber keine Diskussion über solche Missstände lostreten. Viel mehr beschäftigen mich Begriffe wie Reform, Revolution, Veränderung, Wandel, Innovation, Evolution, Transformation. Diese Begriffe sind auch Basis meiner Vorträge, ganz gleich ob es um Digitalisierung, Führung oder Unternehmertum geht.

Das alles sind schwierige Begriffe. Innovation ist für mich „kreative Zerstörung“. Reform ist gewaltfreie Veränderung. Alle schreiben nach Reformen – nur Veränderung will man nicht. Und Veränderung beinhaltet immer Gewalt.

Ich benutze für das Projekt FRIEDEN den Begriff der Transformation. Mein Ziel ist vielleicht, ein kommunikatives Gegengewicht zu schaffen gegen all das „Unfriedliche“. Und das eben nicht auf einer „religiösen“ Ebene. Also nicht durch missionieren.

Sondern durch emotionale und rationale Anstöße zum Nachdenken. Mit der Absicht Menschen so zu inspirieren. So dass sie auf die Idee gebracht werden, eigenverantwortlich zu denken und zu handeln. Ein Schneeball-System, welches Menschen ohne Dogmen und Drogen ihre Autonomie finden lässt – das wäre schön.

Dass mein Herz heiß ist und ich deshalb gerne große Ziele vorgebe, bitte ich zu verzeihen. Zum Teil liegt es daran, weil mir in meinem Leben – zumindest in meiner Wahrnehmung – schon Erstaunliches gelungen ist, das ich selber nie für möglich gehalten hätte.

Andererseits nehme ich mich selber als eher bescheidenen Menschen wahr, der auch mit kleinen Erfolgen gut leben kann. Denn zuerst Mal ist der Weg das Ziel!

Nur: Wegschauen und nichts machen geht schon mal gar nicht.

Als Mentor unterstütze ich Menschen immer nur „homöopathisch“ und freue mich, wenn es mir gelingt andere Menschen ein wenig glücklicher und erfolgreicher zu machen. Und bin dann selber sehr zufrieden und glücklich. Das gilt auch für „meine Startups“.

Mein persönliches Hauptziel ist, in Dankbarkeit leben zu können.

Ganz liebe Grüße und lass uns in Verbindung bleiben!

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 6. September 2016

Wie wird die Welt in 2036 aussehen? #ZukunftVision2036 – Blog Parade

2036_500Über meinen Freund Thomas Michl hat mich der Aufruf zu einer Blogparade zum Thema #FutureVision2036
von Yasemin Akdemir erreicht.

Mir geht es wie meinem Freund Eberhard Huber. In seinem Blog schreibt er über Menschen und Projektarbeit. Er hat mich auf die Idee gebracht, dass man nicht spekulieren sollte, wie die Welt in 20 Jahren aussehen könnte sondern besser schreiben sollte, wie sie dann aussehen sollte.

Denn spätestens seit den Thesen von Hans Ulrich aus St. Gallen zum „Wandel im Management“ wissen wir, „dass Zukunft nicht vorhersagbar ist“!

Und kühne Vorhersagen zu machen ist so gar nicht meins.

Aber gerne berichte ich hier, was ich mir für 2036 wünschen würde!

Als erstes ist mir wichtig, dass die Menschen global mehrheitlich in 20 Jahren weiser und friedlicher ist.

Weiser heißt, dass die Menschenfreundlichkeit im Denken und Handeln sich mehrt und die im Großen wie im Kleinen weit verbreitete Feindseligkeit zurück drängt. Dass Begriffe wie Respekt, Achtsamkeit und Dankbarkeit für unser Handeln relevant werden.

Frieden bedeutet für mich, dass immer mehr Menschen es schaffen, auch durch eigene Wertschätzung mit sich selber im Einklang zu leben. Nur wenn Menschen sich selber mögen und wertschätzen und so ihren inneren Frieden finden, dann kann der äußere Frieden wachsen und sich durchsetzen. Nur so werden die vielen beliebten Feindbilder verschwinden und nur so kann auch der Frieden mit Umwelt wie mit anderen Menschen und anderen sozialen Systemen gelingen.

Weiter wünsche ich mir mehr Neutralität und weniger Moralismen, wie auch zum Beispiel weniger sexuelle Prüderie. Allgemein sollte der Stellenwert von Religionen abnehmen. Wie kann man von Menschen geschaffene Konstrukte mit einem absoluten Wahrheitsanspruch versehen? Ich möchte auch nicht, dass auch noch in 2036 z.B. Kinder aus „religiösen Gründen“ verletzt und verstümmelt werden.

Der Satz von Friedrich II. von Preußen „Jeder soll nach seiner Façon selig werden“ sollte auch in 2036 gelten. Aber nicht die „Verletzung von religiösen Gefühlen“ darf Unrecht sein, sondern die gesellschaftliche Diskriminierung von „Ungläubigen“ durch „Gläubige“ und der Versuch, die Ungläubigen „religiös zu missionieren“ .

Freiheit darf in 2036 nicht mehr missverstanden werden, dass man alles machen darf, was möglich ist. Die Bedeutung des Begriffs muss abgelöst werden durch ein Verständnis von Freiheit im Sinne des „Wollen und Fähig-Sein, sein Leben eigenverantwortlich zu führen“.

Ich würde mich freuen, wenn die Menschen in den nächsten 20 Jahren es immer mehr schaffen würden, autonom von Marketing und externer Steuerung zu werden. Und zum Beispiel erkennen, dass ihr wertvollstes Gut die Zeit ist. Und wir unser Leben im Moment in Freude genießen können – ohne so viel nachdenken zu müssen. Ein wenig mehr Unterbewußtsein und dafür weniger „Kleinhirn“.

In 2036 wollen wir in „angstfreien Räumen“ leben. Ängste entstehen im Kopf und haben mit realen Bedrohungen und gesunder Furcht nichts zu tun. Und in 2036 sollte wir nicht mehr meinen, uns über Aussehen, Besitz, Eigentum, Erfolg, Reichtum … definieren zu müssen. Sondern einfach uns selbst zu sein.

Mein konkretes Anliegen für 2036 ist, dass möglichst viele Menschen ein Leben im Einklang mit der Umwelt führen können. So möchte ich auch als Fußgänger und Radfahrer die Luft in den Städten wieder atmen können. Dazu müsste das Verständnis die Oberhand gewinnen, dass „individuelle Mobilität“ keine Zukunftslösung darstellt, wenn sie auf Basis von schweren Fahrzeugen beruht, ganz gleich ob sie durch einen Verbrennungs- oder Elektromotor angetrieben werden. Auch würde ich mir wünschen, dass die Welt wieder ein weniger leiser wird.

Jenseits dieser banalen Dinge möchte ich in 2036 in einer Gesellschaft leben, die akzeptiert, dass ich ein Wesen aus Fleisch und Blut bin, das ein Recht hat, den eigenen Körper lustvoll zu erleben und es selbstverständlich wird, dass ich ausreichend Bewegung im Alltag bekomme. In einer Gesellschaft, die mich nicht auf ein Mittel zum Zweck reduziert.

Denn auch als Erwachsener möchte ich herum tollen und albern sein dürfen. 2016 will ich nicht mehr durch Marketing manipuliert und von Lobbyisten beherrscht werden. Sondern das sein dürfen, was ich letzten Endes bin: Ein (hoffentlich) sympathische Säugetier mit ein wenig Vernunft.

Das dominante Prinzip unseres wirtschaftlichen Handelns muss in 2016 „Nachhaltigkeit“ sein. Die Wirtschaftskreisläufe müssen so organisiert und gelebt werden, dass das Prinzip #nowaste erste Priorität wird. Das gilt auch für die Energie – all das kann nur erreicht werden durch den Einsatz „smarter Technologien“ aber auch wesentlich durch individuellen Verzicht. Im übrigen überwiegend auf Dinge, die sehr wohl verzichtenswert sind.

Wir Menschen sind nicht für die Wirtschaft da – sondern die Wirtschaft ist für uns Menschen da! So gibt es auch die Bayerische Verfassung vor. An Stelle von globalem „Raubtier-Kapitalismus“ brauchen wir in 2036  funktionierende regionale „Gemeinwohl-Ökonomien“! Auch wenn diese rechnerisch uneffizienter sein mögen – was ich übrigens nicht glaube, denn bei globaler Optimierung werden die externen Kosten nur zu schnell vergessen und unterschlagen.

Viele unserer Lebensgewohnheiten müssen sich wesentlich ändern. Und dies nicht zu unserem Schaden. Das wird für die Mobilität genauso gelten wie für die Produktion von Gütern. Eine Lösungsmöglichkeit könnte in mehr „shared oconomy“  bestehen, individuell gestützt von „weniger Eitelkeit und Egoismus“. Das Erfolgs-Prinzip der Zukunft wird heißen „Weniger ist Mehr!“ – „Wachstum als Lösung aller Probleme“ war gestern (und schon immer ein großer Blödsinn).

Auch in unserem konkreten Handeln wird die Achtsamkeit unser Handeln bestimmen müssen. Und wir müssen permanent hinterfragen, ob wir das alles brauchen, was wir uns so leisten? Und wir sollten dann die Dinge auch ein klein wenig mehr zu Ende denken!

So wünsche ich mir für 2036 eine Aufklärung 2.0, die wir ernst nehmen und gewissenhaft entwickeln und die unser Handeln bestimmt. Und wir uns nicht mehr mit Tand zu dröhnen, sondern uns wieder auf die wesentlichen und wertvollen Dinge konzentrieren.

Ich bin und bleibe optimistisch, dass wir das gemeinsam mit Mut und in Freude schaffen werden. Auch unterstützt von der neuen „digitalen Welt“ und schönen Blog-Paraden.

RMD