Roland Dürre
Sonntag, der 19. März 2017

Nur mal ein paar Sätze …

Unterwegs in dieser Welt (1984)

Beim Herumkommen gehört.
Zum Nachdenken.

Obwohl oder weil ich Autos (fast) nicht mehr nutze komme ich mehr herum in dieser Welt als je zuvor. Und erlebe so viel Aufregendes und Schönes. Besonders sind das die Menschen, denen ich auf meinen Wegen begegne. Von ihnen erfahre ich manch Kluges, Neues und Wichtiges.

Und immer wenn ich etwas höre, dass mich ins Herz trifft, merke ich es mir und schreibe es auf. Dazu hab ich ein Dokument kreiert, das ich von überall lesen und beschreiben kann. Heute Morgen las ich auf meiner Sonntags-Couch darin – und dachte mir:

„Schade, dass nur ich das lesen kann“.

Also kopiere ich mal ein paar (Ab-)Sätze daraus – überwiegend aus den letzten Tagen –  und teile diese mit Euch.


Zentrales Thema ist der soziale Zusammenhalt. Nur dadurch können wir das friedliche Miteinander sichern. Meine Formate – umgesetzte sowie visionierte in der Schublade – zielen darauf ab, Toleranz durch Beteiligung zu fördern, Vorbehalte abzubauen und den Mehrwert im Miteinander zu erfahren.
(Simon – Speaker, Trainer, Moderator, Macher, Gründer der Gründer-Villa Kempten, Weltverbesserer, Experte für die junge Generation, Ehemann und Vater; vor einer Woche in Kempten kennengelernt; Auszug aus einer E-Mail an mich)

Die schlimmsten Manager sind die, die stolz darauf sind, dass sie ihre Unternehmen vor vielen Fehlentscheidungen bewahrt haben.
(Gründer – weiß nicht mehr, wer es war; gehört bei Business-Plan-Prämierung letzte Woche).

Transition & Speed!
(Stefan – Unternehmer, IT-Spezialist, Schach- und Billardspieler, Familienvater; Motto für das nächste Geschäftsjahr)

Das Drehbuch seines Lebens umschreiben.
und
Mensch – Du kannst echt stolz sein auf Dich!
(Soziologe – im Bayerischen Rundfunk; zur gesellschaftlichen Veränderung durch die junge Generation)

Was, wenn kein Sinn gefunden wird – wenn nur namenloses Entsetzen bleibt?
(Walter Benjamin – Philosoph; der mich nachdenklich macht; viel gehört und gelesen)

Ein Problem ist ein Zustand, der nicht so bleiben kann (und behoben werden muss)
und
Management-Seminare sind “Trickbetrügerseminare”.
(Gerhard Wohland – @GerhardWohland, lernender Berater: Jede Wahrheit ist der Irrtum von Morgen; gehört auf dem PM-Camp Dornbirn 2016)

Vom Optimismus kann man immer ein wenig mehr gebrauchen – zumindest ich.
(Andreas Stichmann – Interview-Partner im Radio, Autor, Wortspiele-Preisträger, Literatur; gerade eben in Bayern2 „radioTexte – Das offene Buch“ gehört)


Ich wünsche einen schönen und friedlichen Sonntag!

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 17. März 2017

Wir kurieren an den Symptomen und ignorieren die Ursachen.

Es lebe der Populismus!

Oder
Reden statt Handeln?

Der große Diktator Charly.

Jetzt habe ich die ersten (Wahlkampf-)Auftritte von Martin Schulz erlebt. Auch aus der Ferne habe ich den Eindruck gewonnen, dass hier wieder ein weiterer und zugegeben talentierter Versuch stattfindet, das allgemeine Unwohl-Befinden vieler Menschen als Resonanzkörper für die eigenen Ziele zu nutzen und dazu ein paar Verbesserungen bei Details zu fordern, die aber insgesamt nur ein Kurieren an den Symptomen bedeuten.

Ich habe in diesen Ansprachen das wahr genommen, was man wohl gemeinhin mit Populismus bezeichnet und das wohl das letzte verbleibende Erfolgsprinzip der aktuellen Politiker-Generation ist. Auf die Idee, die Ursachen zu erforschen um dann im Rahmen eines gesellschaftlichen Konsens durch politische Gestaltung Veränderungen einzuleiten, kommt wohl keiner mehr.

So ist mit Martin Schulz in Europa der nächste Populist im Anrollen. Diesmal für die eine „Volkspartei“. Wieder herrscht das Motto in den von mir gehörten Reden vor:

Wir geilen uns an den Symptomen auf und schimpfen sympathisch auf die Missstände, aber an die Ursachen trauen wir uns nicht heran.

Weil das  ja system-kritisch wäre und nach Veränderung schreien würde. Und das geht doch nicht. Besonders nicht bei der SPD. Denn das haben sich die Genossen, sich seit Jahren selber verboten. Weil sie ja wieder an die Macht wollen. Und auch in Regierungsbeteiligung haben sie alles „system-kritische“ vermieden, wo es nur ging. Weil ja „heilige“ Sachzwänge und systemische Notwendigkeiten der Veränderung im Wege sind.

Die Umweltkatastrophe und Zerstörung des Planeten (Plastik, Klima …) oder die gesellschaftliche Polarisierung der Menschheit mir ihren Folgen wie Flucht wegen Lebensraumvernichtung und mehr davon hat sie genauso kalt gelassen und wurde so lieber beim Regieren einfach außen vor gelassen. Weil es nur gestört hätte.

„Sozialdemokratie First“ ist rhetorisch leicht zu kommunizieren. Nur sie zu machen und an die Ursachen ran zu gehen, das ist ein wenig anspruchsvoller. Man will ja nicht (sehr) unbequem sein und niemanden auch mal weh tun. Nicht mal in den Wahlkampfreden erwähnt man sie, denn schlechte Nachrichten sind unpopulär. Besonders wenn man sie nicht mehr ignorieren kann.

Obwohl auch Realität ein tolles Thema sogar für Populisten sein könnte. Unten habe ich ein Video als Beispiel angehängt. Nur wer über Realität spricht, der darf „keine Angst vor der eigenen Courage“ haben. Die Realität muss man aushalten können. Und sich nicht davor fürchten, dass ihre Erwähnung Wählerstimmen kosten könnte. Man braucht also Mut. Und zurzeit scheint Feigheit höher im Kurs zu stehen. Die Angst findet im Kopf statt und sie regiert die Welt auf wahnsinnige Art und Weise.

So versuche ich hier einmal mehr die Ursachen für die Polarisierung unserer Gesellschaft in immer weniger Reiche und viele Arme zu beschreiben. Also genau da wo man als Sozialdemokrat mal ansetzen müsste.

Die Ursachen für Polarisierung sind:

  • die freie Spekulation mit allem, ob Währungen, Unternehmen, Nahrungsmittel, Rohstoffe, Grund & Boden, copyright, Rechte aller Art …
  • ein Eigentumsrecht, das exorbitant und exzessiv individuelles „geistiges Eigentum“ schützt,
  • ein allgemeines Verständnis von Eigentum, dem das „Eigentum verpflichtet“ völlig abhanden gekommen zu scheint,
  • die gesellschaftliche Legitimierung von illegitimer Einflussnahme von Interessengruppen auf Gemeinwohl-Interessen (genannt Lobbyismus als Tatbestand von Vorteilserschleichung).
  • Propaganda inklusive der Verführung und Manipulation auf allen Ebenen auch des Unterbewusstsein als normale Methode des Wirtschaften (genannt Marketing) Verführung, mit dem Ziel das der Betroffene gegen seinen Willen und seine Vernunft handelt.

Obwohl wir es besser wissen, meinen wir immer noch, dass

  • Wachstum vor Gesundheit,
  • Taylorismus vor Ganzheitlichkeit,
  • Shareholder Value vor Gemeinwohl-Ökonomie gehen.

Wann lernen wir endlich, dass

  • die Interessen  der Stakeholder (Kunden, Mitarbeiter …) vor den Interessen der Shareholder gehen und dass in einer
  • Gesellschaft mit Zukunft soziale Gemeinsamkeit und nicht mehr private Besitzstandwahrung das oberstes Ziel von Individuen und Kollektiven sein darf?

Warum reden also Politiker nie über die Ursachen sondern hauen immer nur populistisch auf die Pauke? Und schreiben immer nur ein Herum-Doktern an Details und Symptomen ins Programm? Und warum sind damit auch noch erfolgreich?

🙂 Hier ein Beispiel für „POPULISMUS“, der mir gut gefällt. Wenn Harald Lesch auch nur zum Teil recht hat (und das könnte ich mir sehr gut vorstellen), dann dürften meine oben erwähnten „gesellschaftlichen Besorgnisse“ bald gar keine Rolle mehr spielen, weil es dann nur noch ums Überleben gehen wird.

Ja – genau diese Rede würde ich gerne mal von einem Politiker hören …

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 12. März 2017

Unternehmertagebuch #120 – Veränderung von oben!?

Wie man Innovations Management nicht machen sollte.

 

Kann sein, dass ich damals noch an Institutionen und Administrationen geglaubt habe.

Bürokratie und Administration lähmen große Konzerne und mittelständische Unternehmen. Agilität geht verloren, Taylorismus blüht auf. So machen alle Systeme früher oder später das eigene Überleben zum zentralen Ziel ihres Denkens, Funktionieren und Handelns. Die Interessen der wichtigen Stakeholder „Kunde“ und „Mitarbeiter“ gehen dann unter, das Unternehmen wird starr und fragil.

Dann ändern sich Rahmenbedingungen und Umwelt, ab und zu sogar „disruptiv“. „Das Management“ wird von der Entwicklung überrascht. Das ehemals so verlässliche lieb gewordene Geschäftsmodell ist in Frage gestellt. Ein besseres findet sich nicht. Die Ratlosigkeit nimmt zu. Ein Wunder soll passieren. Innovation und Agilität werden als Retter ausgerufen. Alles soll besser werden.

Die Folge ist dann nur, nichts passiert. Außer dass neue Programme nach alten Mustern geschaffen werden. Die Administration bekomme zusätzlich noch eine oder mehrere weitere Stabsabteilungen dazu. Die dann für den „Change“ oder das Innovation Management zuständig ist. Die neue Welt wird dann von der Zentrale aus mit viel Lärm kommuniziert. Die Propaganda-Maschine läuft an. Auf einer Vorstandsfolie steht dann zum Beispiel:

„The board identified priority areas to improve in 20xx to become the company we want to be.“

Dann kommt die Liste der Neuigkeiten. In der Regel ist CSR (corporate social responsibility) und ähnlicher Humbug pflichtgemäß dabei. Meistens auch etwas mit Leistung und Profitabilität. Ab und zu werden die Kunden erwähnt, man will Kunden zentriert (customer centered) werden. Gelegentlich wird auch von „neuen Werten“ und anderer „Kultur“ geschwärmt. Aber vor allem findet man in diesen Werken immer viele Buzzwords und wundert sich, warum teure Berater soviel Geld für so schwache Formulierungen bekommen.

Im besten Fall wird dann das, was Jahre lang verpönt war zur Heilsbotschaft. Nämlich Begriffe wie Übernahme von Verantwortung, Augenhöhe, Respekt und Wertschätzung beschworen. Agile und lean (einfach), Offenheit und Transparenz werden gebetsmühlenartig runtergerattert. Moderne Methoden und informelle Kommunikation werden propagiert. Nur, wie das funktionieren soll, das sagt keiner. Und so richtig ernst macht auch keiner, denn das System will das alles ja gar nicht, sondern zuerst Mal den Erhalt und die Mehrung der eigenen Macht weiter fördern. Ganz gleich was es kostet.

Ich kann mittlerweile viele Geschichten berichten, wie Unternehmen wie von selbst immer bürokratischer und administrativ komplizierter werden. Ich kenne aber keinen einzigen Fall, in dem die Rückkehr zum einfachen, agilen und offenen Unternehmen tatsächlich geglückt wäre.

Insofern glaube ich in sozialen Systemen – ob Unternehmen oder Gesellschaften – nicht mehr an Transition oder Transformation hin zur weniger Bürokratie und mehr Leben. Von oben geht das eh nicht – und von unten wird es nicht zugelassen. So investiere ich meine Zeit und Kraft nicht mehr in alte Strukturen sondern unterstütze nur noch dort, wo sich Neues bildet. Innovation ist kreative Zerstörung. Das Neue passiert wie in der Evolution genau nur dann wenn die alte Generation aus stirbt und eine neue entsteht.  So ist das.

Ich bitte meinen Artikel als optimistische Botschaft zu verstehen, man muss nur ein wenig Geduld aufbringen, dann passt das schon.

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

Roland Dürre
Samstag, der 11. März 2017

Kässpatzen, Allgäu, Gründerszene und Digitalisierung.

Es wird Nacht (Gründervilla in Kempten).

Gestern hat mich das Leben mal wieder ins Allgäu verschlagen. Dank Alexa durfte ich die „Gründer-Villa Kempten“ kennen lernen und traf dort junge Aktivisten jeden Geschlechts und Alters. Ich lernte Gründer, Unternehmer, Menschen auf der Suche nach ihrem eigenen Weg und mir sehr sympathische „Weltverbesserer“ kennen. Das Gefühl war so ein wenig „act local, think global“:

Es war ein schönes Erlebnis, das mich Zukunfts-froh gestimmt hat.

Denn am 10. März war in der Gründervilla wieder das monatliche Meetup. Da ist in der Gründer Villa explizit „Netzwerken“ angesagt. Dies bei hausgemachten Käsespatzen (Kässpatzn) – eingeladen von den beiden Initiatoren und Gründern der Gründervilla Simon Schnetzer (Jugendforscher) und Thomas Herzhoff (Agentur-Boss). Die Kässpatzen wurden folgerichtig von den „Chefs“ Simon und Thomas persönlich in der gemütlichen Küche der Gründervilla zubereitet.

Simon Schnetzer (rechts) und Thomas Herzhoff (Gründer der Gründervilla).

🙂 Und ich kann nur bestätigen: Es waren ausgezeichnete Kässpatzen. Genauso schmackhaft wie in „der oberen Mühle“ ein Stück weiter im Allgäu in Bad Oberdorf (Teil von Bad Hindelang). Und das will etwas heißen!

Und genauso gut wie das leckere Essen waren die vielen schönen Gespräche. Es waren echt gute Typ*innen dabei. Mit sehr vielseitigen Interessen und spannenden Lebensträumen.

Ein Gast war wie ich das erste Mal da. Er hat sich in seiner neuen Rolle vorgestellt und berichtet, dass er jetzt in Kempten das „Digitalisierungs-Zentrum“ Allgäu gründen solle. Dies sei eine Aktivität der Regierung von Schwaben aus Augsburg, unterstützt vom Freistaat Bayern. Die Öffnung des „digitalen Büros“ oder was immer da entstehen würde, solle am 19. Juni stattfinden. Ob er den Termin halten könne, wisse er aber nicht. Zu viel Dinge wären noch unklar.

Die Gründervilla Kempten lebt.

Ich musste da ein wenig schmunzeln. Im Allgäu passiert so viel. Da gibt es innovative Unternehmen so wie tolle Firmen mit Weltruf. Eine Gründungsszene beginnt zu leben.

Die Menschen sind kreativ, suchen und finden Alternativen und verändern die Welt. Sie probieren aus und tun etwas. Und dann soll aus Augsburg, der Hauptstadt von Schwaben, ein „Digitalisierungs-Zentrum“ kommen und den Einheimischen die Digitalisierung beibringen. Wahrscheinlich „Digitalisierung fürs Allgäu“ als Geschenk der Bayerischen Staatsregierung.

Allein schon der Begriff „Digitalisierung“. Das war damals, als die Uhren und Tachometer digital wurden. Jahre später kam ISDN. Das ist aber auch schon lange her und die Technologie jetzt schon länger im Deutschen Museum eingemottet worden. Digitalisierung ist ein alter Hut. Die jungen Menschen sind ein paar Schritte weiter.

Und im Allgäu ist die „Gründervilla zu Kempten“ eine schönere Metapher für Zukunftsgestaltung als ein Zentrum, dass jetzt beginnen will, das Allgäu zu digitalisieren.

So möchte ich mich noch mal bei allen und besonders bei Simon und Thomas für die Gastfreundschaft in der Gründervilla zu Kempten bedanken.

RMD

P.S.
Die Bilder sind vom der Website der Gründer-Villa Kempten.

P.S.1
In diesem Artikel habe ich mal versucht auch ein wenig zu beschreiben, wie Aktivitäten der zentralen Administration in der „Provinz“ so ankommen könnten.

Roland Dürre
Sonntag, der 5. März 2017

Ergänzung zu AGIL

AGIL auf der MS EUROPA 🙂

Von meinem Vortrag am 10. Februar für das FAV (Forum agile Verwaltung) in der Hochschule der Medien in Stuttgart habe ich in IF-Blog ausführlich berichtet.

In diesem Vortrag versuchte ich zu erläutern, dass „agil“ als „lebensleitender Wert“ schon immer der Normalfall war und nur in den letzten zweihundert Jahren aufgrund von industrieller Revolution und technologischem Fortschritt ein wenig verdrängt wurde. Aber jetzt mit Macht wieder kommt.

Den militärischen Komplex habe ich im Vortrag ausgelassen. Vermeintlich herrscht in der Welt der Militärs das Dogma von präziser Planung und strenger Hierarchie ganz besonders. Aber auch dem war und ist nicht so. Gerade Militärs denken agil und müssen agil denken. Das haben auch die militärischen Erfolge von „agilen und vernetzten Teams“ (wie z.B. der Vietcong) gegen die technologisch und quantitativ überlegenen Militärs der Supermächte gezeigt.

Lassen wir aber zuerst Graf von Moltke zu Worte kommen (Über Strategie 1871):


»… Kein Operationsplan reicht mit einiger Sicherheit über das erste Zusammentreffen mit der feindlichen Hauptmacht hinaus. Nur der Laie glaubt, in dem Verlauf eines Feldzuges die konsequente Durchführung eines im voraus gefällten, in allen Einzelheiten überlegten und bis ans Ende festgehaltenen, ursprünglichen Gedankens zu erblicken. Im voraus denken, nicht im voraus disponieren.«


Generaloberst Kurt von Hammerstein-Equord, auch ein renommierter Militär-Stratege, empfiehlt seinen Offizieren:


„Machen Sie sich frei von Kleinarbeit. Dazu halten Sie sich einige wenige kluge Leute. Lassen Sie sich aber viel Zeit, sich Gedanken zu machen und sich vor sich selbst ganz klar zu werden. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Gedanken ausgeführt werden. Nur so können Sie richtig führen.“


und meint weiter


„Ich unterscheide vier Arten. Es gibt kluge, fleißige, dumme und faule Offiziere. Meist treffen zwei Eigenschaften zusammen. Die einen sind klug und fleißig, die müssen in den Generalstab. Die nächsten sind dumm und faul; sie machen in jeder Armee 90 % aus und sind für Routineaufgaben geeignet. Wer klug ist und gleichzeitig faul, qualifiziert sich für die höchsten Führungsaufgaben, denn er bringt die geistige Klarheit und die Nervenstärke für schwere Entscheidungen mit. Hüten muss man sich vor dem, der gleichzeitig dumm und fleißig ist; dem darf man keine Verantwortung übertragen, denn er wird immer nur Unheil anrichten.“


Das klingt doch absolut nach agiler Führung!

Allgemein gilt beim Militär:
Entscheidungen und Arbeit sollen immer auf der tiefstmöglichen Hierarchieebene stattfinden

Will und soll heißen:
Delegiere! Lass andere entscheiden und machen!
Früher hat man das in der Management-Schule als Subsidiaritäts-Prinzip bezeichnet. Das war ganz wichtig, scheint aber irgendwie in Vergessenheit geraten zu sein.

Anmerkung:
Anlässlich dieses Ausflugs in die Welt des Militärs möchte ich noch mal betonen, dass ich mehr denn je vom Unsinn des Krieges und der Notwendigkeit von Frieden überzeugt bin. In den letzten 50 Jahren – abgesehen von vielleicht ein paar kleineren Blauhelm-Einsätzen der UNO – gibt es keine einzigen kriegerische Auseinandersetzung, die in der Sache irgendetwas verbessert hätte. In der Regel war die Situation nach Ende der kriegerischen Auseinandersetzung schlimmer als vor dem Beginn.

Der einzige mir bekannte (von mir erlebte) Fall, der Blutvergießen verhindert haben könnte, könnte die Intervention der NATO in Jugoslawien gewesen sein. Das war ein Glücksfall, der eher als die Ausnahme von der Regel zu sehen ist. Und der den Zerfall Jugoslawiens zur Folge hatte, den ja wohl vorher keiner als politische Ziel hatte.

RMD

P.S.
Einen Teil der Gedanken und Zitate dieses Artikels habe ich dem inspirierenden Vortrag von Frank Rebers auf dem Biike Management Camp in Westerland (Sylt) Februar 2017 zu verdanken.

Roland Dürre
Freitag, der 3. März 2017

Arbeitsräume. Spaßräume.

Nils Hilze und ich waren am Aschermittwoch bei LinkedIn München in der Sendlinger Str. 12 zum Mittagessen eingeladen. Nils ist , ich bin (in Twitter).

Wir hatten ein „Blind date“ mit @LinkedInDACH (gh). Das kam so: Ich hatte Nils von einem Treffen bei LinkedIn berichtet. Das fand er spannend, so hat er getwittert, dass er LinkeIn auch gerne mal erleben möchte – und siehe da – schon sind wir eingeladen worden. Wir haben uns nicht zweimal bitten lassen und sind gerne gekommen.

Blick von LinkedIn in den Innenhof des ehemaligen Verlagsgebäudes der SZ in der Sendlinger Str. 12. Wir sind auf der weißen Ebene.

Unser Besuch ging los mit einer Führung durch die Räume von LinkedIn. Die liegen ja wunderschön mitten im Herzen von München. Wir konnten alle Einrichtungen begutachten und auch ausprobieren. Nils hat dann gleich die Hängematte getestet und ich durfte mit Steinen spielen.

Wir waren rundum angetan. Viele Rückzugsmöglichkeiten gibt es in dem schönen und großen Raum, die Einrichtung war auch in den Details sehr anmutig,  aber auch wirklich praktisch. Die wirklich großzügigen Angebote für alle Kolleg*Innen können sich sehen lassen, der gesamte Eindruck ist einfach Klasse.

Ich kam ins Nachdenken: Vor vielleicht 30 Jahren war ich schon mal in diesen Räumen. Damals standen hier noch die Rotations-Druckmaschinen der ehemals so mächtigen SZ. Es ist ein historischer Ort, der den Wandel der Zeit bewusst macht. Technologien verschwinden und werden durch andere ersetzt. Innovation ist wirklich kreative Zerstörung.

Nils genießt das Leben bei LinkedIn in vollen Zügen.

Von unserer Gastgeberin haben weiter erfahren, dass weltweit alle Büros von LinkedIn einzigartig ausgestattet sind (und trotzdem eine große Gemeinsamkeit vermitteln). An jedem Standort wird versucht, beim Design auf die lokalen und historischen Besonderheiten des Ortes einzugehen.

So könnte ich hier viele tolle Details vom LinkedIn-Büro berichten. Wichtiger ist aber die gute Atmosphäre, die ich wahr genommen habe. So versuche ich immer, wenn ich ein neues Unternehmen betrete, einen Moment inne zu halten und die Umgebung einfach auf mich wirken zu lassen. Und gewinne so einen ersten Eindruck, der meistens nicht so ganz falsch ist

Und hier hatte ich den Eindruck, dass alle hier arbeitenden Kolleg*Innen wirklich gut darauf waren. Wenn ich an meinen Start ins Berufsleben zurück denke, dann hätte ich gerne bei einem solchen Unternehmen angefangen. Aber ich darf nicht beklagen – so schlecht war es bei Siemens in der Koppstr. nicht. Zumindest besser als in vielen Büros die ich seitdem kennen gelernt habe.

Eine interessante Parallele ist mir aufgefallen. Aufgrund meines Treibens bin ich ja gelegentlich auch in einfachen „coworking spaces“ wie dem ImpactHub am Gotzinger Platz. Auch da haben die Start-Ups viel Spaß bei ihrer Arbeit. Und natürlich besteht ein Riesenunterschied zwischen dem Büro von LinkedIn und den Räumen vom ImpactHub. Hier edle Möbel und elektrisch höhenverstellbare Schreibtische, dort Biergartentische und -Bänke die aufgeklappt werden, wenn es eng wird. Hier aufwändig designte Ruhekabinen, dort einfache Sperrholz-Abteile.

Und ich spiele immer gerne mit den Felsen der Bayerischen Alpen.

Aber das Prinzip ist in beiden Büros dasselbe: Die Menschen sollen bei ihrem Job Spaß haben und gut versorgt sein. So sind beides große Büros mit viel Platz auch für Bewegung. Da saust schon mal der eine oder die andere mit dem Roller durch die Gegend.

Und in beiden riecht es schön nach #newwork. Die Raumaufteilung berücksichtigt unterschiedliche Arbeitssituationen. Ob Ruhe- oder Kommunikationsraum, kleine oder größere Teamräume, alles ist Teil des Ganzen. Verpflegung und Getränke sind standardmäßig vorhanden jeder kann sich bedienen.

So gibt es im ImpactHub den Kaffee aus der einfachen Kanne und das Hörnchen oder die Käsesemmel dazu gegen niedriges Entgelt, bei LinkedIn es ist es die große Espresso-Maschine, die der vorzüglichen Kaffee liefert.  Und es gibt nicht nur Hörnchen sondern eine herausragende und sehr abwechslungsreiche Verpflegung. Und ist es im ImpactHub fair gepreist – so ist es bei LinkedIn natürlich „for free“.

Einen Nachteil (übrigens bei beiden, LinkedIn und ImpactHub) habe ich übrigens herausgefunden. Aufgrund der tollen Lage in der City haben die Radler bei LinkedIn das Problem, wo  und wie sie ihre Räder vernünftig parken. Aber ich gehe mal davon aus, dass dieses Problem von LinkedIn als modernem Unternehmen auch noch gelöst werden wird.

Beim ImpactHub ist das Problem aufgrund der Lage eigentlich nicht vorstellbar. Aber denkste,  gibt es dort doch einen bösen Nachbarn. Das ist der auf der anderen Strassenseite. Entlang seiner völlig verwahrlosten Grundstücksmauer kämpft er – völlig unverständlicher Weise gegen abgestellte Rädern. Meines auch schon mal ab zu schleppen gedroht.

Moderne Menschen sind aber gerne mit dem Fahrrad mobil … und wollen ihr Mobilitäts-Gerät während der Arbeit ordentlich aufbewahrt wissen.

Eins weiß ich – auf mein nächstes Date bei LinkedIn freue ich mich schon heute! Und in den ImpactHub gehe ich auch gerne wieder.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 2. März 2017

Mein Freund der Marder.

Mein Feind ist wieder da!

 

Hermelin (Mustela erminea) im Sommerfell.

Ab meinem 18. Lebensjahr fahre ich Auto. Und hatte über all die vielen Jahre einen Todfeind: Den vom Gesetz geschützten Marder.

Wie oft wollte ich mein Auto anlassen – und es ging nicht. Weil dieses Vieh irgendein Kabel durchgebissen hatte.

Das hat mich über die Jahre ganz schön viel Geld gekostet. Und was habe ich alles gemacht! Jeden Abend Gitter unters Auto gelegt (und am Morgen wieder weggeräumt), diversen Voodoo-Zauber angewendet und es genauso erfolglos mit HighTech probiert und kleine Boxen mit Ultraschall-Geräten ins Auto eingebaut. Wirklich, ich habe alles versucht um meinen Feind vom Auto fernzuhalten.

Hier ein Steinmarder. Weil das obere Bild einen Wiesel aus der Familie der Marder zeigt.

Jetzt habe ich es geschafft. Ich habe kein Auto mehr. Und spare ganz schön viel Geld. Und habe auch nicht mehr das Problem, dass ich morgens verzweifelt bin, weil das Auto nicht anspringen will.

Ab und zu habe ich einen Platten am Fahrrad, wenn ich weg radeln will. Das ist nicht schlimm – dann nehme ich halt ein anderes Fahrrad, ich habe ja mehrere. Und schuld ist da auch nicht der Marder, sondern meistens ein Glassplitter, ein scharfes Split-Teil oder ein Metallteil.

So habe ich mich mit dem Marder versöhnt. Dachte ich zumindest!

Und was passiert gestern? Am Morgen meldet meine Heizanlage, dass die Solaranlage für Warmwasser am Dach eine Störung hat. Der Monteur hat dann gesagt, dass der Schaden nicht unter den Wartungsvertrag fällt, weil er von einem Marder verursacht wurde. Das würde öfters vorkommen. Und ich müsse löhnen.

🙂 Er ist wieder da …

RMD

P.S.
Beide Bilder sind aus Wikipedia.
Das schöne Bild des Wiesels (oben) ist aus dem zentralen Medienarchiv Wikimedia Commons. Urheber ist James Lindsey, die Quelle ist
http://popgen.unimaas.nl/~jlindsey/commanster.html
Das Bild vom Steinmarder (Martes foina) ist von Atirador.