Roland Dürre
Mittwoch, der 31. Mai 2017

Kleftiko – und am Abend dann im Hospital von Plaka …

Vor zwei Tagen hatte ich meinen Artikel „Nomaden in den Kykladen“ veröffentlicht. Es ging um ein von mir in Milos gefundenem Buch mit dem Titel:
DER ARZT HANS LÖBER
Briefe aus Milos, 1943-1944

Dieser hatte in den Kriegsjahren ein Hospital auch für die einheimische Bevölkerung auf Milos in Plaka begründet. Seine Briefe hatten mich sehr beeindruckt.

Und schon vorgestern war ich dann als „Opfer“ im Hospital zu Plaka. So schnell geht es – und es ging so:

Bist Du in Milos, so ist der Ausflug nach Kleftiko immer ein lohneswertes Ziel.

Am Morgen nach meinem Post ging es per kleinem Schiff zum Ausflug nach Kleftiko. Wir hatten nach unserem Erleben von Griechenland diesmal ziemlich schlechtes Wetter – und sehr starken Wind. So war die Fahrt heftig – wahrscheinlich die heftigste Seefahrt meines Lebens. Auf der Hinfahrt nach Kleftiko ging alles gut. Nach einem schönen und längeren Aufenthalt in der stillen Bucht dort ging es am Nachmittag zurück nach Adamas, dem Haupthafen in Milos.

Die See schien auf dem Rückweg ein klein wenig ruhiger. Dafür fuhr das kleine Schiff jetzt gegen den von der Seite kommenden Wind. Da wir mittags doch einiges getrunken hatte, riskierte ich den Weg zur Toilette im Bug des Bootes. Die Bewegung des Schiffes hatte ich völlig unterschätzt – und so kam es wie es kommen musste, der Seegang liess mich ziemlich heftig im Boot stürzen. Wie man sagt: „Leichtsinn kommt vor dem Fall.“

Dabei verletzte ich mich an der linken Hand, die Kapsel des Ringfingers war wohl ziemlich beschädigt und schwoll heftig an. Eigentlich ist das kein großes Problem – desgleichen ist mir schon öfters passiert und meistens mit nur wenig bleibenden Schäden dann wieder geheilt.

Allerdings trage oder besser trug ich an diesem Finger meinen Ehering. Der ist mir im Laufe der Jahre eh ein wenig eng geworden, so dass er auch bei gesundem Finger nicht mehr abging. Am Abend wurde der Finger dann immer dicker und trotz eines köstlichen Abendessens bekam ich es dann doch mit der Angst zu tun, weil der Ring tief einschnitt.

Jetzt war nicht weit weg von unserem Restaurant ein Goldschmied, bei dem ich Hilfe suchte. Die Chefin dort bemühte sich redlich, mit einer Zange meinen Ring auf zu knipsen, hatte aber keine Chance. Gleich kamen dann noch mehr Griechen dazu und wollten mir helfen. Weil der Finger ein wenig übel aus sah, mussten die meisten Damen ihren Blick mehr oder weniger entsetzt abwenden.

Da die Runde nicht so erfolgreich war, wurde ich dringend ermahnt ins Hospital zu gehen! Ich war skeptisch, war es doch schon deutlich nach 22:00 Uhr. Die fürsorglichen Griechen beruhigten mich aber. Mit dem Taxi wären es nur 5 Minuten nach Plaka, der Arzt dort wäre sehr nett und würde mein Problem ganz schnell lösen.

Da ich irgendwie keinen anderen Ausweg sah, handelte ich wie mir empfohlen und fast befohlen. Ein Taxifahrer brachte mich mit viel Anteilnahme zum Hospital und wartete dort auf mich. Ich wurde von einer freundlichen Krankenschwester empfangen und in zwei Minuten war der Arzt da.

Er war mir schon auf dem ersten Blick hoch sympathisch. Sein fachmännisches Urteil war, dass man den Ring unbedingt öffnen sollte, er machte sich an die Arbeit und nach zwei weiteren Minuten war das Problem gelöst. Dann wurde der Finger noch untersucht und „getaped“ und ich wurde wieder entlassen.

Wie immer in Griechenland war die Gesundheitsvorsorge frei. Da ich gerade das Buch „Der Arzt Hans Löber“ gelesen hatte, das ja in Plaka geschrieben wurde, wollte ich eine kleine Spende machen. Ich erwähnte das Buch meinem Arzt – und er war so erfreut, dass ich dieses Buch kenne, dass er mir gleich ein weiteres schenken wollte. Nur mit großer Mühe gelangt es mir meine Spende los zu werden.

Ich bekam dann das Buch mit einer persönlichen Widmung meines behandelnden Arztes.

Genau so habe ich es Griechenland oft erlebt. Die Menschen sind immer außergewöhnlich freundlich und hilfsbereit. Es gibt Krankenhäuser, die zumindest für die Grundbedürfnisse freie Heilvorsorge anbieten und sich explizit keine Bezahlung erwünschen, weil Helfen sozusagen Ehrensache ist. So war das vor 20 Jahren und ist es Gott sei Dank auch noch heute.

Wie ich aus dem Hospital von Plaka wieder unten in Adamas zurück war, habe ich mich bei allen Menschen, die versucht hatten mir zu helfen, noch mal ganz sehr bedankt. Und alle haben sich so herzhaft und ehrlich mit mir gefreut, dass alles so gut geendet ist. Das habe ich sehr genossen,

Griechenland ist ein besonderes Land. Leider habe das viele Menschen in der EU und in der Administration der BRD nicht begriffen.

Am Tag nach meinem Unfall in Milos wieder gut gelaunt am Strand von Paliochori; am Abend ging es dann weiter mit dem Schiff nach Paros.

Wenn ich daran denke, mir wäre Ähnliches in München passiert. Zum Beispiel im Krankenhaus in Neuperlach hätte das bedeutet: Einen unfreundlichen Empfang, eine längere Wartezeit, eine ausführliche Diagnose (wahrscheinlich inklusive Röntgen und ähnlichem Schnickschnack) und eine Behandlung, die keiner braucht. Und natürlich eine beachtliche Rechnung für unser Gesundheitswesen.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 29. Mai 2017

Nomaden in den Kykladen – MILOS

Diesmal haben wir unser Insel-Hopping 2017 am 22. Mai von Piräus kommend in Serifos gestartet. Weiter ging es über Sifnos nach Milos. Morgen werden wir Sifnos in Richtung Paros und Antiparos verlassen – und am 2. Mai geht es dann wieder nach Piräus, zur letzten Nacht in Griechenland vor dem Rückflug von Athen nach München.

Das Buch habe ich (fast) in einem Stück auf meinem Balkon im Hotel Beach Lagada durchgelesen.

Gleich zu unserer Ankunft in Milos habe ich im Museum für Bergbau in Adamas ein Buch gefunden, das so spannend war, dass ich es gleich „am Stück“ gelesen habe. Der Titel des Buches ist

DER ARZT HANS LÖBER
Briefe aus Milos, 1943-1944

herausgegeben und kommentiert von Dr. Hanns-Georg Löber und Gregory Belivanakis.

Dieses Buch hat mich so sehr beeindruckt, dass ich es absolut zum Lesen empfehle. Also, lieber Kykladen-Wanderer: Falls Du mal nach Milos kommt und mehr über diese Insel erfahren willst, dann besorge es Dir.

Hier ein paar Gedanken als Anmerkung:
Viele griechische Inseln waren im zweiten Weltkrieg von der Deutschen Wehrmacht und der Armee des italienischen Verbündeten besetzt und zu militärischen Festungen ausgebaut worden. Dr. Hans Löber war ein Stabsarzt der Marine, der nach dem Einsatz an verschiedenen Fronten unter anderem auch im „Nordmeer“ 1943 den Auftrag bekam, in Milos ein medizinisches „Revier“ aufzubauen, das die medizinische Versorgung der bei den geplanten militärischen Operationen im Mittelmeer verletzten deutschen Soldaten sicher stellen sollte. Das gelang ihm sehr erfolgreich trotz extrem schwieriger Randbedingungen dank seines besonderen Organisationstalents. Quasi nebenher errichtete er auch noch ein Lazarett für die ärztlich nicht gut versorgte Bevölkerung von Milos, das ihm bei der einheimischen Bevölkerung viel Respekt, Wertschätzung und Dank einbrachte.

Zeugnisse der Besatzungszeit Griechenlands durch Deutschland im zweiten Weltkrieg habe ich bei meinen Reisen auf dem Peloponnes und den Kykladen öfters gefunden. Gerade in Kavralyta (siehe meinen Vorbericht zur Peloponnes-Wanderung Anfang Mai 2017) war ich tief betroffen von einem Massaker der deutschen Wehrmacht, die als Reaktion auf Partisanen-Überfälle dort ein paar Dörfer und um die 100 Menschen ermordet hatte.

In diesem Buch sind die Briefe, die Dr. Hans Löber während seiner Zeit auf Milos in die Heimat gesendet hat, wohl ziemlich original veröffentlicht. Dies ergänzt durch knappe Kommentare der Herausgeber und eine Auswahl von historischen Fotografien.

Das besondere am Buch ist die tiefe Menschlichkeit, die die Briefe ausstrahlen. Es sind Berichte und Bekenntnisse eines hoch religiösem und „treuen und redlichen“ Deutschen, treu und redlich meine ich hier im besten Sinne der Worte.

Sie sind aber auch beeindruckende zeitgenössische Dokumente. So erwähnt und kommentiert der Briefe-Schreiber am Rande immer wieder Kriegs- und politische Ereignisse, die ihn auf der Insel erreicht haben. Die Briefe geben seine ungebrochene Lebensfreude genauso wieder wie sein großes persönliches Leiden, verursacht durch den Kriegstod zweier seiner Brüder.

Die Dokumente zeigen aber auch, wie perfekt-perfide die Wehrmacht organisiert war und wie im Kriege Menschen total als Ressourcen für sehr fragwürdige Ziele eingesetzt werden. Und wie auch der zweite Weltkrieg von der Deutschen Administration präzise geplant und umgesetzt wurde, auch bei Randthemen wie Feldpost und Luftfeldpost oder dem deutschen Militärsender in Athen, der in seiner Weihnachtssendung einen Beitrag aus Milos positionierte.

Vor allem ist dies Buch – wenn auch nirgends irgendwie explizit erwähnt – ein beeindruckender Appell für FRIEDEN. Deswegen empfehle ich es jedem redlichem Menschen zur Lektüre.

Milos, 29. Mai 2017

RMD

P.S.
Das Buch ist auch im Internet bestellbar – der Erlös geht an eine Klinik in Milos.

AGIL und trotzdem LEAN auf der MS EUROPA – schon ein wenig her.

Ganz so einfach ist es nicht, denn für Gründungen gibt es keine Patentrezepte. Aber es gibt Kriterien, an denen man sich orientieren kann. Dazu hier ein paar Gedanken, besonders zum von Banken und Investoren wie auch im Wettbewerb erwarteten Businessplan. An was man beim Schreiben desselbigen denken sollte.

Der Text basiert auf meinen Erfahrungen, die ich bei eigenen Gründungen gemacht habe aber auch auf dem, was ich als Juror bei Business-Plan-Wettbewerben und aus dem mal mehr und mal weniger intensiven Dialog mit Start-Ups unterschiedlichster Art gelernt habe.

Ich empfehle ein Vorgehen in drei Schritten. Viele Gründer gehen in der falschen Reihenfolge vor und denken zuerst Mal zum Beispiel über die Rechtsform des Unternehmens nach. Was am Anfang aber eine untergeordnete Rolle spielt. Wichtiger ist, wie man es schafft, rechtzeitig „die nötigen Rechnungen“ zu schreiben.


Notwendige Voraussetzungen für eine Gründung sind:

  • Das Team,
    Ich meine dass man mindesten zu zweit starten sollte und drei Partner die beste Anzahl für eine Gründung ist.
  • Die Idee,
    ohne diese (oder noch besser) mehreren davon macht eine Gründung eh keinen Sinn
    und
  • Eine tolle Story,
    die das Ganze stützt und leben darf.

Zur Story gehören auch ein (Arbeits-)Name und (Vorab-)Logo des zu gründenden Unternehmens bzw. zu startenden Projektes. Team und Idee sind Teil der Story.

In die Story gehört auch die Beschreibung der besonderen Kompetenzen, die die Gründer auszeichnen. Die Gründer müssen erzählen können, wo sie sich wirklich spitzenhaft auskennen und wen sie in diesem Umfeld so kennen. Ein paar gute Freunde (oder Bekannte) sollten es schon sein, die man als Kunde, Partner oder wie auch sonst als Unterstützer bezeichnen kann. Wenn es da sogar schon ein kleines Netzwerk gibt, das den Gründern beim Erreichen ihrer Ziele hilft, um so besser.

So sollte die Story auch das „gestern, heute, morgen“ und das „was, wie, warum, wieso, weshalb“ gerne auch ein wenig narrativ beleuchten.

Es geht also darum, mit und in der „Story“ klar zu machen, warum das ganze erfolgreich sein wird. Erst wenn die „Story“ rund ist und Zuhörer überzeugt, macht es Sinn, mit dem Business Plan zu beginnen, dessen Quelle zum Teil die „Story“ sein wird. Anders funktioniert es nicht. 

Hier liste ich mal die üblichen Kriterien auf, die ein guter Business Plan erfüllen sollte und in welchen Schritten dieser angegangen werden könnte. Und warum die Reihenfolge dabei wichtig ist.

So sollte ein Business Plan nach meiner Empfehlung in (drei) Stufen entwickelt werden. Die folgenden Punkte können den Gründern helfen, ihr Tun zu ordnen. So wie sie dem Juror und/oder Investor helfen, den Inhalt des Plans zu verstehen und seine Qualität zu erfahren. Und so die Erfolgschancen ein wenig besser einzugrenzen.

Diese Kriterien helfen aber auch dem Gründer, quasi im „Selbstcheck“ seine Idee und seinen Plan auf Schwachpunkte zu überprüfen. Und auch dabei, sich die besonderen Stärken seiner Idee und seines Plans bewusst zu machen, die ihm ja selber oft nur intuitiv klar sind. Er muss sie aber formulieren können!

Das von mir beschriebene Vorgehen ist ziemlich ausgereift und hilft Klarheit über das beschriebene Geschäftsmodells zu erlangen und die Wahrscheinlichkeit für das Gelingen des Vorgehens zu erhöhen.

Freilich entbindet es die Gründer nicht,das Geschäftsmodell dann sehr „agil“, „schlank“ und pragmatisch zu implementieren und rasch die konkreten Erfolge zu suchen.

Das heißt:
Trotz gründlichem Nachdenkens muss das Vorgehen bei einer jeden Gründung schlank (lean) sein und das „Ausprobieren“ einen hohen Stellenwert haben.

Jetzt aber zum „Business Plan“ und seinen drei Stufen:

Der Businessplan sollte in der ersten Stufe enthalten:

Eine präzise Zusammenfassung, die die Attraktivität der Geschäftsidee und ihre relevanten Aspekte klar vermittelt.

Die verständliche Beschreibung des erwarteten Kundennutzen und die Differenzierung im Wettbewerb der geplanten Produkt/Dienstleistung.

Die Bewertung des vorhandenen Marktes und Wettbewerbs muss im Businessplan absolut nachvollziehbar sein.

Die Maßnahmen, die für erfolgreiches Marketing und Vertrieb zwingend erforderlich sind, müssen konkret beschrieben sein. Prinzipien wie
aida = attention, interest, desire, action (Marketing)
oder
4 ps = product, price, place, promotion (Produkt-/Dienstleistungsangebot)

sind hilfreich.

Die geplante Geschäftssystematik und die vorgesehene Organisation (Aufbau und Ablauf) muss in ausreichender Tiefe beschrieben sein und einleuchten.

Chancen und Risiken gibt es immer. Eine gründliche Untersuchung und Bewertung muss dazu vorhanden sein.

Auch die erste Stufe eines solchen Geschäftsplan sollte einen ordentlichen Gesamteindruck machen – aber auch die Kompetenz und Leidenschaft der Gründer transportieren. Dieses Dokument darf aber kein theoretisches Werk sein – es sollte auf Gewissheiten verzichten, mit Zahlen eher sparsam sein, und Raum fürs Ausprobieren von Ideen schaffen.

Wenn all das gelingt ist, ist viel erreicht.

Erst für die zweite Stufe sind erforderlich:

Die Kaufmännische Planung und die Beschreibung von „operativen Maßnahmen„. Beides macht erst Sinn, wenn die erste Stufe zufriedenstellen abgeschlossen ist. Das gleiche gilt für die konkrete Organisation, sprich den Aufbau des geplanten Unternehmens und die Vorstellung über den Ablauf der Prozesse des Unternehmens.

Erst in der dritten Stufe sind dann relevant:

Erst wenn die Ergebnisse von Stufe 1 und 2 klar sind, sollten die Gründer sich Gedanken über die Rechtsform und die Satzung des zu gründenden Unternehmens machen. Das ist meistens ein triviales Thema und aus Sicht eines echten Unternehmer eigentlich nicht so wichtig. Ziemlich wichtig sind jetzt aber die konkreten Finanzpläne sowohl zur Start-Kapitalisierung und für die konkrete Finanzierung. Wobei diese eher den Charakter einer Simulation haben, die die Frage beantwortet, unter welchen Bedingungen / Annahmen ein erfolgreiche Start möglich ist und nicht und kein „planwirtschaftliches Papier“ sein darf.

Übrigens: Der berühmte „Pitch“ ist dann nur der Extrakt aus „Story“ „Business Plan“ – dies so kurz und einfach wie möglich.


So würde ich allen Gründern empfehlen, die schon einen Businessplan geschrieben haben, diesen auf diese Kriterien mal hin zu prüfen. Und meine, dass es da in vielen Fällen einigen Verbesserungsbedarf geben dürfte. Und denen die gründen wollen, entweder auf einen Businessplan ganz zu verzichten und auf ihren „gesunden Menschenverstand“ zu verlassen – oder wenn es die Umstände erfordern, bei der Erstellung des Dokuments meine Stufen und Kriterien zu bedenken.

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

Hans Bonfigt
Montag, der 22. Mai 2017

Wut essen Seele auf…

Lieber Roland,

bin gerade auf Heimfahrt von der Uni Bremen, eine sehr schöne, rein technische Veranstaltung mit netten Austauschstudenten aus Cádiz – die Jungs hätten Ihnen gut gefallen.

Nun will ich gerade, positiv beinflußt und beschwingt, einen netten Nachruf auf einen wirklichen Universalgelehrten schreiben, von dem ich seit meinem 16. Lebensjahr eigentlich alles lese, was ich in die Hände bekomme: Prof. Dr. Joachim Kaiser. Einmal aus der Sicht eines Rezipienten.

 

Aber ich mache den Fehler und öffne den „Spiegel online“:

„Ursula von der Leyen läßt Bild von Kurt von Hammerstein-Equord an der BW-Uni abhängen“
Diese Dumpfbratze ist so peinlich, daß es weh tut.

„Niederländisches Gesetz zur Netzneutralität verstößt gegen EU-Recht“
Danke, Herr Ex-Digitalkommissar Oettinger. Und allen Schwaben die Krätze an den Hals!‎

„Alle Münchner sind in der Verantwortung, neue Moscheen zu schaffen“
Ja, spinnen denn die? Gerade in München gibt es eindeutig zu viele Gotteshäuser – die man sich hinsichtlich Brandschutz und neuen EU-Bauvorschriften einmal ganz genau angucken sollte!

„Jan Böhmermann liest Briefe von Dennis Yüksel“
Kann jemand diesen widerlichen Jammerlappen nicht in den Kofferraum stecken und zu seinem Kumpel in die Türkei bringen? Erdogan freut sich schon.‎

 

Also jetzt ‚mal im Ernst:
Jede einzelne Schlagzeile, ibs. die mit Kurt von Hammerstein, hätte gereicht, mir den Tag zu vermiesen — aber vier solche Klopper?

 

Also ehrlich, der Typ in „Falling Down“ wird mir immer sympathischer.

-hb

Roland Dürre
Donnerstag, der 18. Mai 2017

Armeen im allgemeinen und die Bundeswehr im besonderen.

Über Krieg und FRIEDEN.

 

Friedlich sein Bier trinken zu können ist ein großer Wert.

Zurzeit liest man wieder viel über die Bundeswehr. Da stößt einiges plötzlich wieder auf, altbekanntes wird entdeckt und Frau van der Leyen will das jetzt reparieren. Mit Dingen wie einem „neuen Traditionserlass“ und ähnlichem. Sogar über die Wiedereinführung von Wehrpflicht wird wieder gesprochen. Mir graut!

Das wird aber alles nichts helfen. Denn jede Armee kippt früher oder später um, spätestens im Ernstfall. Weil Armeen nur mit Menschen funktionieren, die in der Lage sind, Menschlichkeit auszublenden.

Krieg lebt immer von Hass und Feindschaft. Er bringt Mord und Totschlag, sinnlose Zerstörung und Vernichtung. Die Soldaten sind die Handlanger, die den Krieg umsetzen.

So artikuliere ich hier drei Thesen, die zeigen, dass die Bundeswehr nicht so funktionieren kann, wie es uns verkauft wird. Alle drei Thesen sind nicht nur angesichts der aktuellen Ereignisse und Diskussionen relevant. In der öffentlichen Diskussion höre ich sie aber nie. Weil sie uns zeigen würden, wie sinnlos Krieg ist. Und das will die Politik weltweit nicht, nicht zuletzt auch deshalb nicht, weil es die Waffenindustrie nicht will.


Erste These

Eine Armee ist und kann kein „normales“ Unternehmen sein.

Die Bundeswehr wird von der Politik oft so dargestellt, als ob ein normales Unternehmen wäre, das Sicherheit produziert. Das ist sie aber nicht. Denn: Ein Unternehmen wird definiert als ein soziales System mit einem ökonomischen Zweck. Dieser wird realisiert durch das Herstellen von Produkten oder das Anbieten von Dienstleistungen, die der Markt (die Menschen) benötigen oder zu brauchen meinen.

Die Bundeswehr ist natürlich auch ein soziales System. Sie hat aber keinen ökonomischen Zweck. Ihre einfache Zielfunktion ist das Zerstören und Töten. Sie rechtfertigt sich aus Angst und tarnt sich unredlich als Dienstleistung für „Sicherheit“. Ihre Existenz wird als selbstverständlich hingenommen – begründet von unausweichlichen „Sachzwängen“. Deswegen wird nicht viel nachgedacht und ihre Notwendigkeit leider nur von wenigen Menschen in Deutschland ernsthaft in Frage gestellt.

Nach dem Krieg gab es den Traum von einem friedlichen Deutschland ohne Militär. Dieser Traum wurde durch die Wiederbewaffnung in den 50iger Jahren schnell zerstört.

Die Begründungen für die Notwendigkeit der Bundeswehr haben sich im Laufe der letzten 60 Jahre immer wieder verändert. Ich beschreib mal, wie ich das so als Zeitzeuge erlebt habe. Beim Restart wurde die Bundeswehr uns verkauft als

    • VERTEIDIGUNGS-ARMEE
      So war die  Wiederbewaffnung ein „zwingend notwendiger Beitrag zur Verteidigung des freien Westens“, der gegen den Willen der Mehrheit der „dummen“ Bevölkerung durchgesetzt wurde.
      Damals war fast die ganze Welt durch extreme FEINDBILDER völlig irrational in zwei Blöcke geteilt. Ich habe in der Schule gelernt (ich bin in der BRD aufgewachsen und hier indoktriniert worden) , dass der von Stalin & Co geknechtete „Osten“  uns, den freien und reichen „Westen“ erobern und den Kommunismus aufzwingen wollte. Zwei Blöcke standen sich in krankem Misstrauen vor Waffen starrend mit aus Millionen Menschen bestehenden Heeren gegenüber, ideologisch und systemisch total verfeindet. Es ging nur KOMMUNISMUS und KAPITALISMUS. Der erstere war ganz schlecht, der zweite das Paradies. Die andere Seite hat das anders herum formuliert.
      In diesen Blöcken gab es zwei so nicht „ganz souveräne Staaten“, die keine Armee hatten. Im Westen war das die BRD, im Osten die DDR. Aufgrund der Feindbilder – ausgelöst durch ANGST – und wahrscheinlich aufgrund des Drucks der „Verbündeten“ beschloss zuerst die BRD, sich wieder zu bewaffnen, die Bundeswehr wurde gegründet. Wenig Jahre später reagierte dann der Osten, in der DDR entstand die Volksarmee. So wurde die „deutsche“ DDR zum unerbittlichsten Feind der „deutschen“ BRD, erweitert um den Warschauer Pakt (UDSSR und Rest), sprich die Welt der Kommunisten.
      Da allen Menschen mehr oder weniger klar war, dass der „Verteidigungsfall“ die neuerliche Zerstörung ganz Europas bedeuten würde kam dieses Modell irgendwann nicht mehr so gut an. So erfanden die militärischen Strategen etwas Neues, die

 

    • VORWÄRTSVERTEIDIGUNG
      Die Illusion wurde vermittelt, dass man den Krieg aus dem eigenen Land fern halten könne und den Feind zerstören (besiegen) könne, bevor man selber Schaden davon tragen würde. Da diese Annahme wenig glaubhaft war, wurde sie gestützt von Dingen wie „totale Abschreckung durch Overkill“ und „Erstschlag-Doktrin“.
      Mich erinnert das ein wenig an die heutige Annahme, dass man mit Kampf-Robotern und Drohnen quasi vom Schreibtisch aus Kriege gewinnen könne – für die „Drecksarbeit“ findet man ja andere …
      Auch die Doktrin der Vorwärtsverteidigung wurde unglaubwürdig. Die Menschen glaubten auch das nicht, der kalte Krieg löste sich auf, Russland (spät-)kapitalisierte sich, Korruption wurde immer hoffähiger, Diktaturen kamen wieder in Mode, Willkür machte sich breit. So suchte man neue „Aufgaben“ für unser Militär und fand sie. Die Bundeswehr wurde Teil der

 

    • WELTPOLIZEI
      Deutschland leuchtete ja wieder. Als wirtschaftliche Weltmacht – so redete man uns ein – mussten wir mehr „Verantwortung“ an der (Neu-)Ordnung dieser Welt übernehmen. So nebenher fiel uns ein, dass wir aufgrund unserer Verschwendungs-Gesellschaft enorm abhängig von Rohstoffen sind und diese aus anderen oft weit entfernten Ländern kommen. Und wir gingen davon aus, dass böse Buben in der Welt uns diese rauben wollen. Das war ein Grund mehr, bei der amerikanischen Weltpolizei mitzumachen.
      Die Grünen und die SPD (!) als Regierende haben so ganz folgerichtig die ersten Auslandseinsätze der Bundeswehr beschlossen. Denn außerhalb Deutschland ist Krieg führen ja nicht so schlimm und kein Tabu. Da darf man ja Menschen töten und Häuser zerstören.
      (Das alleine wäre Grund genug, keine der beiden Parteien jemals wieder zu wählen.)
      So haben wir uns am Export von Krieg beteiligt.
      Betrachtet man jedoch die Kriege der letzten sechzig Jahre wird uns schnell klar, dass keiner dieser Kriege eine Situation verbessert oder gelöst hat. All diese Kriege waren mehr oder weniger erfolg- und sinnlos. Immer haben sie großes Leid über die Menschen gebracht, es gab immer viele Tote und Verletzte, Verbrechen gegen die Menschlichkeit waren an der Tagesordnung und immer waren die Zerstörung der vorhandenen Infrastruktur gewaltig. Das „politische Ergebnis“ war allerdings immer miserabel.
      Gerne wird der „kleine“ Krieg der Nato im Balkan als das Beispiel für einen erfolgreichen und gerechten „Feldzug“ gebracht. Ich bin mir da nicht so sicher. Neben beachtlichen Zerstörungen und Opfern auch hier war eine Folge die Auflösung von Jugoslawien, das durch eine Reihe von Kleinstaaten ersetzt wurde. Das gilt ja nach heutiger politischer Diktion (Glaube an Großstaaten wie Europa) ja auch nicht als vorteilhaft.
      Mag aber sein, dass der Balkankrieg ein sinnloses Blutvergießen durch entschlossenes Blutvergießen beendet hat. Das könnte ich als die Ausnahme akzeptieren, die die Regel bestätigt.
      Spätestens unser Krieg (Einmarsch) in Afghanistan hat klar gemacht, dass Krieg eben kein Problemlöser ist. Nebenher haben wir gelernt, dass man Roststoffe schlecht mit Waffen erobern kann sondern diese am einfachsten für gute Produkte und harte Währung bekommt. So ging die Lust am Weltpolizist spielen verloren und es musste eine neue Begründung für Kriege gefunden werden. Glücklicherweise für unsere Militärs und Politiker gab es ein neues treffliches Feindbild, der

 

  • TERRORISMUS
    So ging es auf in den Kampf gegen den Terrorismus. Wir stationieren dazu sogar Einheiten in der Türkei. Da der Terrorismus ja auch mit den Flüchtlingen kommen könnte, sichern wir unsere Grenze im Mittelmeer mit Frontex militärisch. Für den Kampf gegen den Terrorismus sind wir bereit die Ausgaben für eine verstärkte Aufrüstung prozentual am Bruttosozialprodukt um 50 Prozent zu erhöhen. Eine Zusage, die wir völlig unnötigerweise vor Jahren gemacht haben – und die jetzt von unserem Lieblings-Verbündeten unter Trump eingefordert wird.
    Ich bin gespannt, welcher Gaul geritten wird, wenn wir merken, dass auch der Terrorismus mit Krieg nicht sinnvoll zu bekämpfen ist.

Zweite These

Das Prinzip des Militärs lässt jede Armee früher oder später entgleisen.

Militär und Armeen bauen auf einem grausamen Grundprinzip auf. Jeder Soldat muss bereit sein, zu töten und zu sterben, wenn er den Befehl dazu erhält. Im Krieg gilt dieses Prinzip absolut, denn sonst funktioniert Krieg nicht. Das sollte auch jedem Rekruten, der sich entscheidet Soldat zu werden, klar gemacht werden.
Es kann im militärischen Denken nicht angehen, dass der Soldat prüft, ob der Befehl ethisch gerechtfertigt ist und verweigert werden kann. Das ist besonders im Ernstfall undenkbar. Genauso wie undenkbar, dass der Soldat desertieren darf, wenn er Zweifel hat. Desertieren geht nicht und ist unvereinbar mit einem funktionierenden Krieg.
Da es um Leben und Tod geht (deswegen wird ja desertiert) kann es für den Deserteur nur eine Strafe geben – und das ist die sofortige Exekution der Todesstrafe. Alles andere ist Wunschdenken. Krieg funktioniert nicht, wenn der Soldat desertieren darf. Man denke an den alten Spruch:

Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.

Wenn heute zum Beispiel der eine oder andere Deserteur aus der Wehrmacht des dritten Reiches „rehabilitiert“ wird, dann ist das reine Heuchelei. So wie das Märchen vom Bürger in Uniform Betrug und Schwindel ist. Das alles funktioniert nur, wenn die Armee so eine Art Bluff-Waffe ist, die niemals eingesetzt werden soll. Ich glaube nicht, dass das bei der Bundeswehr der BRD jemals so war – aber selbst wenn ist das natürlich keine Garantie dass sie nicht doch eingesetzt wird.

Also:
Soldatentum basiert auf dem perversen Grundprinzip „Auf Befehl Töten und Sterben müssen“.

Dies muss täglich eingeübt werden. Ein soziales System mit einem solchen Funktions-Kern kann sich doch gar nicht sozial vernünftig entwickeln und gesund sein. Früher oder später muss es ganz oder teilweise „umkippen“. Armeen werden immer vom „Landser-Ruhm“ und dessen Tugenden und Heldentaten zehren. Um diesen Irrsinn aufrecht zu erhalten braucht man auch eine mystische Tradition. Und da bietet sich die Wehrmacht des dritten Reiches für die Bundeswehr natürlich bestens an. Immerhin war sie ja ein paar Jahre außergewöhnlich erfolgreich und wurde auch in einzigartiger Weise glorifiziert. Und so steckt die vielleicht unterbewusste Bewunderung der „Heldentaten der deutschen Wehrmacht“ übertragen über Generationen in vielen jungen Menschen auch heute noch drin.
(Zynische Anmerkung:
Früher war ich ab und zu mal auf Computer Vintage-Märkten unterwegs. Und hab da immer die leidenschaftlichsten Computer-Leute getroffen. Gute IT-ler lieben halt Computer-Vintage, gute Soldaten Waffen-Vintage).

Dritte These

Die Rüstungsindustrie ist der Treiber von Krieg.

Diese Annahme erscheint mir trivial. Sie ist so klar, dass ich sie hier erst gar nicht groß begründen will. Krieg heißt für die Rüstungsfirmen „so richtig Kasse machen“. Wer Waffen baut, braucht den Krieg. Und dass die Konzerne allgemein mittlerweile einen brutalen Einfluss auf politische Entscheidungen wie auch Gesetzgebung etc. haben, das wissen wir. Die Rüstungsbranche ist da bestimmt nicht die zimperlichste.

Ein Freund, der besonders gut aufzeigen kann, wie Rüstungskonzerne „Kriege planen und machen“ ist mein Freund Jolly Kunjappu. Ihr könnt ihn am 8. Juli  im Literaturhaus in München treffen.

 


Ich meine, dass die Wiederbewaffnung und damit auch der Aufbau der Waffenindustrie der große Sündenfall der deutschen Politik nach dem zweiten Weltkrieg war. Diese Entscheidung wurde von Adenauer konspirativ gleich nach dem Restart der BRD vorbereitet und gegen die Mehrheit des deutschen Volkes durchgesetzt. Das war für mich ein krimineller Akt, der Deutschland und die Welt um eine Chance ärmer gemacht hat.

Es bleibt uns wohl nichts anderes, als Schritt für Schritt zu „Demilitarisieren“. Wir müssen weltweit die Rüstungs-Budgets senken. Wir müssen den Einfluss der Rüstungsindustrie eindämmen – und parallel dazu zumindest in kleinen Schritten selber auch friedlicher werden.

So habe ich eine große Bitte: Seid alle für FRIEDEN. Und ich freue mich, wenn Ihr meine Kategorie FRIEDEN und besonders Ein Manifest für FRIEDEN lest. Danke!

RMD

Klaus Hnilica

Der Sturz

Ich weiß nicht mehr, wer mir diese Geschichte erzählt hat. Vielleicht der Reiseführer auf der Fahrt ins ‚Manrique Museum’? Oder diese Geologieprofessorin aus Brandenburg? Seit acht Jahren kommt sie im März ins ‚Lanzarote Park Hotel’ in Playa Blanca und liest auch spanische Tageszeitungen, nicht nur dieses dämliche Inselmagazin Lanzarote 37°. Oder hat mir sogar Pedro diese Geschichte als eine seiner nicht zu überbietenden ‚Sprachensalat ’- Variationen an der Pool-Bar serviert?

Ich weiß es nicht mehr…

Aber immer ging’s um diesen zahnlosen Straßenmusikanten!

Ein Schandfleck auf der endlosen meeresnahen Promenade im Südwesten von Lanzarote. So verdreckt und unappetitlich sollte der da nicht sitzen dürfen. Das geht nicht! Nicht auf dieser fantastischen EU–finanzierten Promenade! Auf der bis tief in die Nacht hinein hunderte von Menschen pilgern.

Dieser ‚musizierende Drecksack’ lungert ja nicht nur auf seinem rostigen Klappstuhl vor der letzten Brache an der Promenade herum, wo man ihn kaum wahrnehmen würde, sondern neuerdings fast ausschließlich an der gemauerten Promenadenbrüstung.

Was für ein Auftritt da: ein ‚musizierender Müllhaufen’ vor dem sonnenbestrahlten ewig glitzernden Meer! Mit einem schmierigen Hut am Boden und einem Käppi auf sonnenverbranntem Schädel! Und zwei Triefaugen wie Pfützen…

Meist sabbert er in eine Melodica – eine Art Tastenflöte – aus der immer die gleiche Melodie kriecht. Doch seltsam anrührend! Das muss man ihm lassen. Vielleicht ist es sogar etwas von Mozart? Wenngleich es zu schwermütig sein mag? Leider konnte ich das nie herausfinden.

Als der Konzertsaal in Jameos del Agua in der „Lavablase“ vor sieben Jahren geschlossen worden war, weil Steine aus der Decke fielen, spielte dieser Schandfleck auch schon auf der Promenade in Playa Blanca. Damals soll er sogar ein ziemlich reichhaltiges musikalisches Portfolio gehabt haben.

Und während das Vulkangestein über der Decke mit speziellen Harzen verklebt wurde, saß er auch jeden Tag da. Von den sechs Millionen Euro, die das gekostet haben soll, verlor sich vielleicht sogar der eine oder andere Cent in seinen schäbigen Hut. Wer konnte das schon wissen? Der ‚musizierende Müllhaufen’  sicherlich nicht.

Und dieses Einweihungskonzert anlässlich der festlichen Neueröffnung des renovierten Konzertsaales in Jameos del Agua  ging bestimmt auch vollkommen an ihm vorbei, ebenso die Tatsache, dass der berühmte englische Dirigent John Miguel Smith dirigieren würde und sich sogar Vertreter des spanischen Königshauses angesagt hatten.

Doch dass dieser höchst eitle John Miguel Smith mit seiner viel zu jungen Begleiterin ausgerechnet einen Tag vor diesem pompös angekündigten Eröffnungskonzert vor ihm – dem ‚musizierenden Drecksack’ – ganz blöd gestolpert und im wahrsten Sinn des Wortes in voller Länge hingedonnert war, das hatte er mitbekommen.

Und die spanischen Flüche des feinen Engländers vermutlich auch!

Dabei hatte Betty noch, „attention John“, gerufen, da er offensichtlich eine seltsam einschmeichelnde Melodie wieder erkannte und nur noch Augen für den zerlumpten Verursacher dieser Melodie hatte – aber da war es schon zu spät! Er klatschte in voller Länge auf das gediegene braune Pflaster der Promenade hier in Playa Blanca…

Schimpfend sprang er sofort wieder hoch, begutachtete entsetzt seine grässlich aufgeschürften Hände und Ellbogen, bewegte wie ein Wahnsinniger seine malträtierten Finger und strich immer wieder kopfschüttelnd über das am Bauch aufgerissene blutige T-Shirt.

Dass er sich beim Sturz auch das klobige silberne griechische Knotenkreuz vom Hals gerissen hatte, merkte er erst, als Betty es ihm mit Tränen in den Augen entgegenhielt. Wie ein Greifvogel schnappte er zu und warf es dem vor Entsetzten erstarrten Straßenmusikanten in seinen schmierigen Hut.

Hastig zog er Betty mit sich fort, um schnellstens der aufgeschreckten, gaffenden Menschenmenge zu entkommen. Seine einzige Sorge galt wohl nur noch dem morgigen Eröffnungskonzert in der „Lavablase“! In Jameos del Agua! Und seinen zerschundenen Armen, dem aufgeschürften Bauch, den blutenden Händen und seinem aufgeschlagenem Kinn. Und hoffentlich hatte ihn niemand erkannt – ihn, den berühmten John Miguel Smith, als er wie ein hingeknallter Frosch bäuchlings die Promenade küsste…

Welch eine Demütigung!

In mindestens einem Fall schien sich allerdings diese Hoffnung nicht erfüllt zu haben: denn als der ‚musizierende Müllhaufen’ seine Schockstarre überwunden hatte und nach dem Kreuz zwischen den wenigen Münzen in seinem Hut fingerte, ging urplötzlich ein seltsames Leuchten über sein vom Alkohol zerstörtes Gesicht, ein Leuchten, das auch noch anhielt, als sich das zahnlose Maul auftat und ein fragendes „Miguel?“ herausdrang…

Und dann wieder: „Miguel – Miguel,  bist du’s?“

Immer aufgeregter wurde der Straßenmusikant, immer panischer,er ließ die vor Schmutz starrende Melodica fallen und drückte auch mit seiner linken Pranke an dem Silberkreuz herum – und immer wieder krächzte er: „Miguel !…Miguel !!…Miguel…!!!“

Aber John Miguel Smith war längst  außer Sicht- und Hörweite, ja er hetzte  wie ein weidwundes Tier mit seiner vollkommen aufgelösten Begleitung die Promenade entlang, um sich schnellstens in seinem Unterschlupf im Hotel Vulcano zu verkriechen!

Da der berühmte Dirigent Smith bekanntermaßen sich jedes Herumschnüffeln in seiner Vita verbat und erbarmungslos sämtliche noch so geringfügige öffentliche Vermutungen beklagte, verhallten auch diese verzweifelten Rufe des alten Mannes im Geplätscher des an der Lavaküste züngelnden Meeres nahe der Promenadenbrüstung.

Trotzdem hatte ich, wie gesagt, irgendwo aufgeschnappt, dass der Straßenmusikant deshalb, und nur deshalb seit damals, diese eine besagte ‚einschmeichelnde Melodie’, die ich bis heute nicht identifizieren konnte, spielt, da er immer noch hofft, sein Miguel – um den er sich als Kind einen Dreck geschert, ja ihn sogar zur Adoption freigegeben hatte – doch noch eines Tages vorbei kommt, und ihn, seinen angeblichen Vater, auf einen Brandy ‚Carlos III’ einlädt…

Ob es wirklich der ‚Carlos III’ ist, von dem dieser vermüllte ‚Musikus’ träumt, dafür möchte ich mich allerdings nicht verbürgen, aber ich lade jeden, der mir etwas Neues über John Miguel Smith zu erzählen vermag, zu einem ‚Carlos I’ in den vorgewärmten Gläsern des Café ‚Gilbert’ an der Promenade in Playa Blanca ein – denn irgendwie sollte dem alten, ‚musizierenden Drecksack’ geholfen werden, meine ich, und warum nicht mit einem guten Brandy?

PS:
Erwähnt sei noch, dass alle Personen und Handlungen dieser Geschichte erfunden sind, doch an dieser Melodie, die zum Sturz des Dirigenten führte, bleib ich dran, die muss ich unbedingt herausfinden…

KH

Hans Bonfigt
Montag, der 15. Mai 2017

Kick it Out …

Das war ein klasse Hardrocktitel der Gruppe ‚Heart‘ in den frühen 80ern.

Und ja: Manche stecken „den Tiger in den Tank“, ich aber lasse gern die Sau heraus. Die Schuld daran trägt mein alter Deutschlehrer Willi Tröster.   Donnerstagmorgens hatten wir in der Mittelstufe immer eine Doppelstunde Deutsch, am Mittwochabend war Willi Tröster mit Kollegen saufen kegeln und daher nicht immer in bester Laune.  Als irgendjemand an einem solchen Donnerstagmorgen das Wort „Reichskristallnacht“ gebrauchte, platzte ihm der Kragen und er polterte los, „Wer mich jetzt nochmal mit so einer apologetischen Scheiße zumüllt, dem hau‘ ich auf sein dummes Maul“.  Und, vielleicht erschrocken über den eigenen Ausbruch, erläuterte er uns:  „Seine Sprache offenbart den Menschen.  Wer Denunziation, Mord, Folter, Raub und Vergewaltigung mit einem Kristallglas assoziiert, das womöglich Schaden genommen hat, der beabsichtigt damit ganz offensichtlich etwas“.  Willi Tröster, großer Verehrer der klaren, konzisen Sprache von Brecht, hielt uns einen Vortrag darüber, daß Sprache wahr und klar sein müsse.

Für mich persönlich war dies eine der wichtigsten Schulstunden meines Lebens, mir wurde schlagartig klar, wie wichtig eine angemessene Sprache ist und wie gefährlich weichgespültes Wischiwaschi.

Ein Mensch mit dauerhaften körperlichen Gebrechen hieß früher „Krüppel“.  Irgendwann war dies einer Gruppe unterbezahlter, unausgelasteter akadementen Bedenkenträger zu direkt und aus dem Krüppel wurde plötzlich ein „Behinderter“.  So ein blühender Blödsinn!  Behindert ist man, wenn man sich den Fuß verstaucht hat.  Keine zehn Jahre später formte sich, vielleicht auf Schulhöfen, die abfällig konnotierte Phrase, „Du bist ja behindert“.   Und schnell mußte eine neue Begrifflichkeit her, die Briten müssen jetzt „Special Friends“ sagen und die grünen Sprachpanscher wollten schon den „Menschen mit speziellen Eigenschaften“ festgeschrieben wissen.

Ich finde, man tut einem Krüppel keinen Gefallen damit, daß man sein körperliches Handicap zu vertuschen sucht.  Ganz im Gegenteil, dies ist eine subtile, aber umso infamere Verhöhnung von Menschen, die weiß der Himmel schon genug Probleme meistern müssen.

Die ‚Porta Nigra‘ in Trier kennt jeder, lateinisch bedeutet dies „schwarzes Tor“.  Ein dunkelhäutiger Mensch wird seit Jahrzehnten als „Neger“ bezeichnet, abgeleitet von ’niger, nigra, nigrum‘, „dunkel, schwarz“.     Ende der Neunziger formierte sich eine selbsternannte „Sprachpolizei“, die, von jeder Sachkenntnis ungetrübt, hinter jeder Autobahn Redewendung einen bösen „Hintergedanken“ vermutete.  „Neger“ und das diffamierende amerikanische „Nigger“ sind aber auch zu ähnlich!

Und so wurde derjenige, der einen Neger „Neger“ nannte, zum Faschisten und vor allen Dingen zum „Rassisten“.   Es weiß zwar bis heute niemand, was „Rassismus“ sein soll, aber wenn ein Begriff von so vielen Dummschwallern immer wieder reflexhaft benutzt wird, daß Dr. Pawlow seine Freude hätte, muß doch wohl etwas dran sein.   Und so drehte sie auf, die Begiffsspirale:  Erst waren es „Massivpigmentierte“, dann „Afrodeutsche“, jetzt sind es „Sonnenverwöhnte“.  Die nicht ganz so Abgedrehten postulierten „Schwarzafrikaner“, als ob es nur in Afrika Neger gäbe.

Ich warte ja darauf, daß der Karneval verboten wird, denn im Bayerischen heißt es ja „Fasching“ und mit Faschismus will man ja nix zu tun haben!  Und überhaupt:  Karneval, „Fleisch, lebe wohl“, das ist ja wohl eine klare Diskriminierung der Veganer*Innen.

Man könnte das jetzt alles als nervigen Mist abtun, aber insbesondere die zwar inflationär gebrauchte, aber dennoch ungeheuerliche Unterstellung eines „Rassismus“ bereitet mir Sorge:  Denn auch hier hat Willi Tröster recht, „seine Sprache offenbart den Menschen“.   Jeder Mensch mit minimaler Schulbildung weiß:  Biologisch unterscheiden sich ein Indianer, ein Chinese, ein Neger oder ein Eskimo so gut wie gar nicht.   Sehen wir uns Hunde an:  Ein Zwergpudel gehört zur Rasse „Hund“ genauso wie ein ausgewachsener Rhodesian Ridgeback.   Von unterschiedlichen „Menschenrassen“ zu schwafeln ist daher schlichtweg blödsinnig.   Im übrigen glaube ich nicht einmal, daß ein Adolf Eichmann oder ein Reinhard Heydrich ernsthaft an „Rassenunterschiede“ geglaubt haben — das war eher der kranke Wahn von Heinrich Himmler, ideologisch verbrämt von Alfred Rosenberg.

Wenn jemand heute von „Rassismus“ spricht, dann allerdings erkennt er implizit die Existenz von „Menschenrassen“ an und bestätigt unmittelbar Himmlers kranken Typisierungswahn.  Und wo es unterschiedliche „Rassen“ gibt, da gibt es, mit allen furchtbaren Konsequenzen, auch unterschiedliche „Wertigkeiten“.   Heinrich Himmler jedenfalls wäre überglücklich, wenn er wüßte, wie dankbar die „Grünen“ seine krude, kranke Rechtfertigung für die Massenvernichtung „unwerten Lebens“ aufgesogen haben.  Und nicht nur aufgesogen:  Sie besudeln jeden Mitmenschen, dessen Meinung ihnen nicht paßt, mit dieser schmierigen braunen Scheiße.  Schlecht ist, wer Schlechtes denkt.

Geht es auch ein bißchen kleiner ?

Derjenige, der nicht ständig seine Sprache mit Wischwaschi-Ausdrücken kompromittiert, ist ein gefühlloser, unsozialer Hund   —  aber wenn jemand einen „Negerkuß“ kauft, dann darf man diesen in die Nähe einer Massenvernichtung bringen ?

Glücklicherweise haben wir hier nicht nur erbärmliche „Comedians“ der Marke Böhmermann, sondern auch Kabarettisten wie Dieter Nuhr.   Der wurde in Osnabrück von einem Moslem-Spinner verklagt, weil er herausgearbeitet hatte, „Im Islam ist die Frau zwar frei, aber in erster Linie frei davon, alles entscheiden zu müssen“.  Wegen „Beleidigung einer Religionsgemeinschft“.  Skandal eins ist für mich, daß es überhaupt zur Eröffnung eines Verfahrens kam.  Skandal zwei aber ist das widerlich-devote Geschleime eines Springer-Söldners in der „Welt“:  „Pauschale Diffamierungen anstelle von Differenzierungen schaffen nur neue Schreckensbilder, die dem mehrheitlich liberalen europäischen Islam das Wasser abzugraben versuchen.“   So einem devoten Arschkriecher wünsche ich mindestens sieben Jahre in dem Spezialknast, in dem schon der Kollege „Dennis Yüksel“ einsitzt.

Mit der gleichen Vehemenz, mit der die multikulturelle Sprach-GeStaPo neue und alte Täter sucht, werden ausgerechnet diejenigen verteidigt und entschuldigt, die unsere Demokratie ablehnen, elementare Grundrechte mit Füßen treten und ihren Mitmenschen Schaden zufügen.

Dabei erlaubt sich die gleichgeschaltete „Lügenpresse“ ungeheuerliche Widerwärtigkeiten:   Der Schriftsteller Akif Pirincci höhnte öffentlich und unzweideutig in Richtung der „politischen Klasse“, daß man in diesen Zeiten sein Volk nicht mundtot machen könne, denn, Konzentrationslager stünden den Politikern, leider, leider, nicht mehr zur Verfügung.   Was wird berichtet, in wirklich fast allen Medien ?   „Pirincci fordert Konzentrationslager für Flüchtlinge“.   Läßliche Sünde, möchte man annehmen, denn wie üblich hat es einer fabuliert und alle anderen schrieben ab.

Aber bei einer solch‘ ungeheuerlichen Unterstellung:   Darf man da nicht ein Minimum an Recherche erwarten?   Und welche Schlußfolgerungen muß man zwangsläufig ziehen, wenn diese Recherche unterbleibt?   Etwa die, daß, wie in der „Welt“ und im „Völkischen Beobachter“, nur noch Hetze betrieben werden soll mit einem klaren politischen Ziel?

Wer grob fahrlässig die Existenz eines Autors ruiniert, der ist, ganz nebenbei, nicht mehr gar so weit davon entfernt, einen Menschen in ein Konzentrationslager zu sperren.  Autorenschelte hat ja wieder Tradition:   Herr Yüksel wünschte Herrn Sarazzin, daß der nächste Herzinfarkt sein Werk gründlicher verrichten möge – natürlich öffentlich in der „taz“, der es nicht zu peinlich ist, einen Springer-Lohnschreiber zu veröffentlichen.

Von einer derart heruntergekommenen „journalistischen Klasse“, aber auch nicht von den Abteilungen „Betreutes Denken“ aller möglichen Organisationen und Unorganisationen will ich mir nicht vorschreiben lassen, was ich zu denken und zu sprechen habe.  Und da geht es mir wohl nicht allein so:   Wer keinen Zusammenhang sieht zwischen „Trump“-Wahl und „Brexit“, dem ist nicht mehr zu helfen.  Es wollen sich einfach immer mehr Menschen nicht mehr auf der Nase heruntanzen und mit Lügen verhöhnen lassen.

Was auch den erfreulich überraschenden Ausgang der NRW-Wahl erklärt:

Gestelzte „Analysten“ mühen sich wieder verkrampft ab, auch die absurdesten „Ursachen“ für den erdrutschartigen Verlust der SPD zu finden.  Momentan ist es das Versagen der SPD bei der Herstellung „sozialer Gerechtigkeit“.  Was für ein blühender Blödsinn !   Denn die SED, die mit diesem Unwort zumindest in der DDR nicht ganz erfolglos ist, ist gottseidank ‚rausgeflogen aus dem Landtag.

Die Wahrheit liegt auch hier wieder in der Klarheit!  Wenn der Rattenfänger aus Würselen klare Worte gefunden hätte in Bezug auf Asylmißbrauch, demokratiefreie Zonen in Duisburg und Mißbrauch von EU-Regularien, dann hätten sich vielleicht ein paar Wähler gefunden.  Stattdessen plätschert es, „Die Flüchtlinge bringen uns etwas, das viel wertvoller ist als Gold:  Den Glauben an Europa“.  Das gleiche „Europa“ wohlgemerkt, das es nicht geschafft hat, auch nur die unsäglich alberne, teure und überflüssige Sommerzeit abzuschaffen.

 

Ich vermisse wirklich in diesen Zeiten der gleichgeschalteten, politisch korrekten Larmoyanz solche Menschen wie Bischof Dyba und Franz-Josef Strauß.  Denn die teilten, ebenso wie Helmut Schmidt, die Lebensmaxime von Ludwig Boltzmann:  „Denk‘, was klar ist, sag‘, was wahr ist und verfecht’s, bis es mit Dir gar ist“.   Dabei kommt es überhaupt nicht darauf an, ob man recht hat oder nicht.   Es kommt aber darauf an, daß man seinen Standpunkt vortragen darf.

Und deswegen, Roland, fühle ich mich manchmal verpflichtet, ein paar klare Worte und Wörter zu benutzen.

 

Denn, Roland:  Glauben Sie, daß man heute noch einen Film wie „Das Leben des Brian“ von Monty Python produzieren könnte und würde ?

-hb

Anmerkung des Gastgebers von IF-Blog.de (mir – RMD):
In meinem Kommentar zum letzten Artikel Entartete Kunst von Hans Bonfigt habe ich auf dessen „besondere Sprache“ hingewiesen. Und erwähnt, dass diese doch eine Reihe von Lesern „irritiert“, er- oder sogar abschreckt. Dieser Artikel ist seine Antwort auf diesen Hinweis und wie ich meine eine spannende Erklärung.

Roland Dürre
Sonntag, der 14. Mai 2017

ICH.

About Me

Das ist ein Artikel in eigener Sache. Ich benutze ihn als Link, um mich bei Menschen vorzustellen, die ich neu kennen lerne. Will hier also kurz erklären, was ich so mache und wer ich so sein könnte. Zusätzlich zu den trivialen und schönen Tatsachen, dass ich eine große Familie und viele Freunde habe und versuche mein Leben bewusst zu führen und zu geniessen.


Gestern:

Ich bin ein Ex-Programmierer, der irgendwann mal seine Programmierschuhe an den Haken gehängt hat und leidlich erfolgreicher Unternehmer in der IT-Branche wurde.

Heute:

Ich bin frei und finanziell unabhängig. Ich versuche niemanden mehr zu dienen. Und meine Zeit sinnvoll für mich und andere zu nutzen; eben zu leben.

So versuche ich Erfahrung und Wissen zu teilen und dabei möglichst viel zu lernen. Meine wichtigsten Güter sind mein Körper und die Zeit. So verbringe ich dieselbige möglichst nur mit Menschen, die ich besonders wertschätze und mag. So wie ich auch nur „Projekte“ angehe, an die ich glaube und die mir Freude und Spaß machen.

Heute Mittag in der Waldwirtschaft in Großhesselohe. So mit Trump-Käppi.

Als „lernender Mentor auf Augenhöhe“ versuche ich – vor allem aber nicht nur – jungen Menschen zu helfen, ein wenig glücklicher und erfolgreicher zu werden. Das besonders gerne, wenn es um Unternehmer und Unternehmen (besonders gerne Start-Ups) geht. Meine Methode ist „zuhören und dumme Fragen stellen“. Mit kleinen Gruppen veranstalte ich ab und zu „dialektische Workshops“ (so etwas wie Fahnenbildung etc.). Das meiste mache ich in der Regel ohne Entgelt. Geld verlange ich bei besonderen Aktionen, wie z.B. wenn ich jemand helfe seine Firma zu verkaufen.

Ich habe mir gewisse Regeln gegeben wie z.B. keine Meetings mehr länger als 60 Minuten (maximale Ausnahme sind 90 Minuten bei sehr schweren Fällen) zu machen. Termine vereinbare ich wenn irgendwie möglich nur kurzfristig und bei Bedarf.

Insgesamt versuche ich, das Leitbild „agile, lean und open“ zu leben. So ein wenig auch im Sinne des agile manifesto, das man nicht nur auf die Entwicklung von Software anwenden sollte.

Morgen:

Mir würde gefallen, die letzten Jahre meines Lebens Aktivist für FRIEDEN und SANFTE MOBILITÄT zu sein.


🙂 So weit so gut. Mit den besten Empfehlungen!

RMD

Hans Bonfigt
Donnerstag, der 11. Mai 2017

Entartete Kunst

Vor ein paar Wochen hatte ich einen unschönen Disput mit einem unserer Programmierer.  „Einen riesigen Haufen Sondermüll hast Du da zusammengestoppelt“, habe ich ihn angebrüllt.   „Damit kann kein normaler Mensch etwas anfangen“.

Und jetzt muß ich Abbitte leisten.  Denn „schuld“ war wieder einmal „das System“.

Schleichwerbung in Foren zu vermeiden ist Ehrensache, daher nur kurz:  Wir entwickeln unter anderem zumeist größere Telephonanlagen.  Mein Hauptaugenmerk liegt dabei auf Einfachheit, Durchschaubarkeit und Zuverlässigkeit.

Und deswegen werden unsere Anlagen seit Jahr und Tag mit einer einfachen Konfigurationsdatei eingerichtet, in der Form,

4711, Meier, Horst Meier, <Standort>, <Rechte>,  <Telephontyp>, <ID>

Ein Teilnehmer — eine Zeile.   Selbstverständlich banal maschinell erstellbar.  Und naturgemäß auch versionierbar !  Ach ja:  „Variablen“ gibt es natürlich auch und mit einem Wald- und Wieseneditor kann man auch die komplexesten Änderungen automatisieren.

Mit einem solchen Konzept aber hatte ich die Rechnung ohne die geschätzte Kundschaft gemacht.  Ausgerechnet diejenigen, die vom technisch-wissenschaftlichen Verständnis im 18. Jahrhundert verhaftet sind, belehrten mich, „Wir sind im 21. Jahrhundert angekommen.  Wir möchten unsere Telephonanlage einfach mit dem ‚Webbrauser‘ bedienen können“.

Nachdem dieses Malmot und ähnlich dümmliche Sentenzen fast wöchentlich an uns herangetragen wurden, mußten wir das tun, von dem jeder normal intelligente Mensch weiß, daß nur Schwachsinn herauskommen kann:  „modernisieren“.

Aber wir haben es wenigstens richtig gemacht:  Ein anspruchsvolles „Graphical User Interface“ erzeugt eine gewohnte „klick-und-warte“ – Umgebung für den degenerierten Mausschubser und erzeugt genau die Konfigurationsdatei, die diesem so verhaßt ist.  Und damit man nach wie vor auch effizient mit der Anlage umgehen kann, reflektiert unser graphisches Luserland auch manuelle Änderungen in dieser Konfigurationsdatei.

Die Ernüchterung bei der Präsentation war groß:  Ein EDV-Leiter forderte mich auf, doch einmal einen Telephonapparat anzulegen.  Ich war schon dabei, die Zeile zu tippen, aber da meinte die Mannschaft, „Nein, mit dem WEBINTERFACE und dem WIZARD !!!“.

Um es kurz zu machen:  Es poppten tausenderlei Fenster auf, in denen Informationen abgefragt wurden, die gar nicht benötigt wurden, es mußte erst ein Standort ausgewählt, dann ein Benutzer angelegt, dann zu einer bestimmten Gruppe hinzugefügt werden, danach mußte man eine „Einheit“ anlegen (wie ich dieses Wort HASSE seit der unglückseligen „Wiedervereinigung“) und final, wo wir schon die „Vereinigung“ gestreift haben, den Benutzer mit der „Einheit“ Telephon logisch verbinden.   Naja, für geeignete Werte von ‚logisch‘.  LOGISCH war vor allem, daß mein Unterfangen komplett in die Hose ging und ich mich und die Firma bis ins Pleistozän blamierte.

Das anschließende firmeninterne Debriefing (wir wollen ja schließlich im 21. Jahrhundert bleiben) fand in einer entsprechend aufgeheizten Stimmung statt und es kam nichts gutes  dabei heraus.  Und das war gut so!  Denn warum soll man einen stinkenden Haufen bürokratischen Sondermüll schönreden ?   Lediglich die Frage, was die Ursache und was das Problem war, konnte nicht geklärt werden.

Bis heute.   Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen.

Denn da mußte ich aus der Ferne den Router eines Kunden konfigurieren.  Eigentlich baut die Firma LANCOM ganz ordentliche Geräte.  Und man gibt sich viel Mühe, die Konfiguration zu vereinfachen.

Dummerweise hat man ein paar wegen Talentlosigkeit relegierte Designerstudenten an die Bedieneroberflächlichkeit herangelassen und hier nun mein ungeschminkter Bericht:

Der EDV-Leiter des Kunden öffnet das „LANconfig“ – Programm, und während sich dieses stöhnend hochquält, erfahre ich zu meinem Entsetzen, daß dieses Juwel nur für Microsoft Windows erhältlich ist.  Ja, spinnen denn die?  Ich kenne Unternehmen, in denen es aus gutem Grund verboten ist, „Windows“ auch nur zu betreiben — und schon gar nicht in einer kritischen Umgebung, in der Router normalerweise vorzufinden sind.

Nach dem Start wollen wir einen Firmwareupgrade vornehmen.  Klar, daß damit das „Konfigurationstool“ selbst obsoleter Schnee von gestern sein wird.  Wir aktualisieren also erstmal das „Tool“:   160 MB werden heruntergeladen.  160 MB!   Danach laden wir das Router-Image: 16 MB.

Sage ich zum Kunden, „also ist der Anlasser zehnmal so groß wie der Motor“.  Das sieht der Kunde anders:  „Das ist doch bloß eine Firmware, aber das Konfig-Interface beinhaltet doch die gesamte Funktion!“.  Wie bitte?   Die „Firmware“ beinhaltet ein komplettes Betriebssystem, einen Webserver, SSL-Bibliotheken UND den gesamten Funktionsumfang.   Die Bedienungsoberflächlichkeit ruft doch nur ein paar Windows-Bibliotheken auf — und ist trotzdem zehnmal so fett wie das Gesamtsystem.  Helmut Kohl hat sich zum Krüppel gefressen und wog zu seinen schlechtesten Zeiten „nur“ etwa 150 Kg.  Man stelle sich jetzt einmal nur die feiste „Birne“ des aufgequollenen Oggerheimers einmal als 1.500 Kg – Geschwulst vor, um das ganze Ausmaß der Degeneration zu verstehen.

Nach dem Firmware-Upgrade, der erstaunlicherweise funktioniert hatte, wollten wir jetzt zwei simple Firewall-Regeln einrichten.  Und jeder, der über rudimentäre Netzwerkkenntnisse verfügt, weiß:  Eine Firewallregel besteht im wesentlichen aus Quelle, Protokoll, Ziel und Aktion.  Einfach und übersichtlich in einer Zeile.   So kann man das erfassen.  Und jeder weiß auch:  Ein IP(v4) – Adreßobjekt schreibt sich zum Beispiel 1.2.3.4/32, seit über 15 Jahren.  Und damit kann man einzelne Netze ebenso beschreiben wie einen einzelnen Rechner.  So gesehen kann also jeder mit grundlegenden Kenntnissen eine Firewall-Regel verstehend schreiben.

Nun wollten wir eine einfache Regel mit dem „Assistenten“ erfassen.  Und da hatte ich dann das déjà vu.  Denn es poppten auf einmal wieder verschachtelt Fenster auf.  Anstatt daß wir schreiben durften, „10.20.0.0/16“, mußten wir aus einer Fülle von ‚Situationsfenstern‘ wählen, und innerhalb dieser Fenster gab es neue Fenster mit Zusatzreitern.  Für jedes Feld der Firewallregel wiederholte sich das üble Spiel mit den Fenstern, natürlich mit unterschiedlichen Schikanen:  Bei „Aktion“ war „REJECT“ schon vorbelegt, wir wollten unterdessen „DROP“ und mußten den gutgemeinten Default erst einmal aus einer „COMBO-Box“ löschen.

Fatal dabei:  Es hat sich die peinliche Unsitte eingebürgert, statt vernünftiger Erklärungen sogenannte „Screenshots“ als Bedienungsleitung zu veröffentlichen, damit auch Gesamtschüler den Inhalt abtippen können.  Mit dieser „explosiven“ Vermehrung der Fenster (anstatt einem einzigen zur Eingabe der Regel poppten in etwa zwanzig davon auf) bläht sich auch die Dokumentation auf wie ein Hefekuchen.

Leider aber war das Ergebnis unserer Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt:  Irgendein Häkchen, irgendeinen „Reiter“ in einem Subfenster hatten wir wohl vergessen.  Wohlgemerkt:  Es handelt sich um einen Router, den ich kenne wie meine Westentasche.  Mit den üblichen Werkzeugen wären die Regeln in unter einer Minute angelegt und hätten funktioniert.

Aber der Kunde möchte auf sein geliebtes „Windows“ nicht verzichten und bucht jetzt einen „Lehrgang“.  Da will ich dann nicht weiter stören.

 

Statt Vereinfachung findet also eine gigantische Komplikation statt:

  • Die gängigen „Werkzeuge“ sind alle kaputt,
  • ob es Webserver und JAVA/PHP/Perl sind
  • oder ihre maroden Gegenstücke, die „Webbrowser“.
  • Essentielle Informationen gehen in der Informationsflut unter,
  • der logische Bezug wird auseinandergerissen.
  • Peinliche Übersetzungen erschweren das Verständnis.
  • Die resultierenden Systeme sind inhärent unsicher, undeterministisch und instabil
  • Urplötzlich ist man versionsabhängig
  • und schlußendlich vergeudet man die einzige Ressource, die wir nicht nachbestellen können:  seine eigene Lebenszeit.

Das Attribut „Entartete Kunst“ wurde in der „nationalsozialistischen“ Ideologie für Darstellungen verwendet, die den ihr innewohnenden Vorstellungen von „geistiger Gesundheit“ zuwiderliefen.

Wenn aber ein „Bedienungshilfesystem“, welches ursprünglich dazu gemacht war, einen Anwender zu unterstützen, diesen behindert, beschneidet, gefährdet und verwirrt, dann möchte ich dieses sehr gerne als „entartet“ oder „pervertiert“ bezeichnen.  Und die „Schöpfer“ würde ich nicht mit Stumpf und Stiel ausrotten wollen, aber ‚mal ganz ehrlich:  Deutschland braucht auch Straßenkehrer.

Zum Schluß meine Abbitte an den Peter, der bei uns die graphische Programmierung übernimmt:   Nimm‘ meine Entschuldigung an.  Denn ich habe gesehen, wie grotteschlecht andere auch einfachste Anforderungen umsetzen.   Und nachdem ich Art und Qualität der verwendeten „Werkzeuge“ gesehen habe, weiß ich:    Damit wird es niemals ein sauberes graphisches Bedienungssystem geben.

-hb

Roland Dürre
Sonntag, der 7. Mai 2017

Quo Vadis – Digitale Transformation?

In eigener Sache.
Mit dem Thema „Digitalisierung“ setzte ich mich häufig auch in Vorträgen auseinander. Deshalb fahre ich auch am nächsten Freitag (12. Mai)  wieder auf’s Oberland IT Camp. Sowohl um ein wenig aufzuklären, aber vor allem um Neues zu Lernen und zu Erleben.

Deshalb hier ein Sammelsurium aus manchen Vorträgen, Diskussionen und Debatten rund um Digitalisierung. Der Stoff würde zweifelsfrei für ein Buch ausreichen, deshalb  zum Teil meine Gedanken hier nur in Stichworten. Für den, der sich auskennt, sollte es aber genügen.


 Digitalisierung – ein großes Missverständnis?
Kein Morgen ohne Heute, kein Heute ohne Gestern!

Mein Vortrag auf der Abendveranstaltung BICCnight it at media im Foyer Funkhaus Bayern, München am 22. 07. 2011 (Foto: Stephan Goerlich) – Das Video zum Vortrag findet sich unten in diesem Artikel.

Abstract:

Wer die Gegenwart verstehen will, muss wissen, wie es zu ihr gekommen ist. Die Geschichte der Digitalisierung ist uralt. In den letzten 50 Jahren hat sich die Entwicklung rasant beschleunigt und in den beiden letzten Jahrzehnten noch mal so richtig an Fahrt aufgenommen. Alles deutet darauf hin, dass die Beschleunigung zumindest die nächsten 20 Jahre nicht nachlassen wird.


Digitalisierung

Die „Digitalisierung“ hat die Gesellschaft massiv verändert, anders aber in einem ähnlichen Ausmaß, wie es die „Industrielle Revolution“ in den letzten drei Jahrhunderten getan hat. Die zweite große „Transformation durch technologische Weiterentwicklung“ liegt jedoch noch vor uns. Sie wird unsere individuelle und soziale Art zu leben nochmal komplett verändern.

So schadet es nicht, sich folgende Fragen zu stellen:

Wie war das mit der Digitalisierung? Wie kam es dazu? Was hat sich bisher verändert? Wo stehen wir heute? Was bedeutet die Digitalisierung für das „analoge“ Wesen Mensch? Wie wird es weitergehen? Und kann es sein, dass die neue Technologie uns wieder „zum rein analog kommunizierenden Wesen“ werden lässt?

In meinem Vorträgen diskutiere ich diese und weitere Fragen auf technischer und sozialer Ebene. Ich versuche das  verständlich und unterhaltsam zu machen, Prognosen zu wagen und die eine oder andere Antwort zu finden. Aber vor allem versuche ein wenig zu provozieren und nachdenklich zu machen.


So stellen sich viele Fragen, die man unterschiedlich beantworten kann.
Ab jetzt eher in Stichworten.

Wozu dient die Digitalisierung eigentlich?
Wo Menschen doch analog kommunizieren?
Sprache und Denken sind im Kopf analog. Das Bedürfnis, Zahlen, Gedanken und Geschichten aufzuzeichnen, entstand schon relativ kurz nach Erfindung der Sprache. Zuerst wohl auch als Anwendung mit wirtschaftlichen Nutzen. Später um „Wissen“ über die Zeiten weiterzugeben und zu verbreiten.

So entstanden Bilder, Symbole, Zahlen, Zeichen und systemische Zeichenvorräte (Alphabet). Immer mit dem Ziel, Sprache (Gedanken, Geschichten) „zu verschriften“. Damit man sie über Zeit und Raum jenseits der mündlichen Weitergabe transportieren konnte. Und der „Kopf“ musste sie „beim Lesen“ wieder „entschriften“ und ins Analoge bringen.

Jeder Zeichenvorrat ist auf die minimale Zeichenmenge {0,1} bijektiv abbildbar. Digitalisierung heißt vor allem, dass das Analoge auf das Digitale abgebildet wird und dann transportiert, verarbeitet aber vor allem auch wieder „analogisiert“ werden kann. So war das. Heute ist die digitale Welt aber so weit, dass sie uns komplett analog bedient.

Geschichte von Digitalisierung:

Schrift als Digitalisierung von Sprache. 24 Zeichen.
Stein, Ton, Papyrus, Papier als Informationsträger.
Früher: 1 Mönch diktiert, viele schreiben mit.
Dann: Druckerpresse, bewegliche Lettern.
Speichern von Ton mechanisch (Wachsscheibe, Drehleier, Schallplatte, Walze).
Die Übertragung von Information erfolgte durch physischen Transport der Speicher.
Interessante Ausnahmen waren verkettete Signale auf optischer und akustischer Basie (Spiegeln an Wachtürme an der italienischen Küste, Trommelketten) in der Regel mit reduzierter Informationsbreite (für einen bestimmten Zweck).

Dann kam die Elektrizität …

Übertragung: Über Kabel mit Strom oder drahtlos (Funk)
Speicherung; Immer noch mechanisch (Lochstreifen/-karten).
Später kamen erste magnetische Tonträger (die übrigens gerade verschwinden).

Protokolle:

Allein die Geschichte der Übertragungsprotokolle wäre ein eigenes Buch wert. So auch hier nur ein paar Stichworte:

MORSE-Code (3-wertig, Kurzton, Langton, Pause = Ende; variable Zeichenlänge maximal vier).
Zur Weitergabe und später Verbreitung von Inhalten (Material und Methode).
TELEX (mechanisch-elektrisch)
CCITT-Code (5 Bit-Code, 31 Zeichen mit 24 Buchstaben plus Sonderzeichen)
Telefon/Telefax – war beides analog mit Leitungsvermittlung.
ISDN und Paketvermittlung (X25) kamen erst später.
Datenfernübertragung ging mit Modem über das Telefonnetz
(Umwandlung von digitalen Signalen durch Modulation ins Analoge und durch Demodulation auf der anderen Seite der Leitung zurück).
Dann kommt die Digitalisierung auch bei der Übertragung. Im Prinzip geht es da immer um das Abtasten von Kurven in äquidistanten Abständen (Rasterung) – so werden auch die von Töne = Musik = Sprache digitalisiert.
Parallel kam die universale Maschine (Computer), der eben nicht nur rechnen konnte, sondern alles.
Die Büchse der Pandorra hat sich geöffnet.
Es kam die CD 1982, ISDN 1989 (Pilot ab 1979).
CD steht für Compact Disk, hieß eigentlich DD für Digitale Disk.
Beim Einstieg in ISDN hatten Bevölkerung und Bundestag große Angst vor der jetzt einfach möglichen Überwachung! Heute ist ISDN abgelöst – wie TELEX in den 80iger Jahren. Und alles kannmehr oder weniger überwacht werden und wird es je nach Bedarf.
Die Datenverarbeitung wurde auch immer digital und bekam Datensichtgeräte.
Auf der Hannover Messe 1980 hab ich mein erstes farbiges Datensichtgerät gesehen. Es war von Tectronix, sah aus wie ein großer Oszillograph und war so teuer wie ein kleines Reihenhaus in München.
Multiplexen auf einer Leitung wird möglich, dann endlich kommt die Datenfernübertragung auf der Basis von Paketvermittlung (Datex-P X25). Aus den Netzen werden erstmalig „Wolken“ – vorher bestanden sie immer aus vielen Verbindungslinien.
Bildschirmtext war die Zukunft. Die Austastlücke des Fernsehers wurde genutzt. Während der Zeit, die der Kathodenstrahl brauchte um von rechts unten wieder nach links zu gehen, wurden ja keine Daten übertragen. Diese Übertragungslücke wurde genutzt, um Daten in die Fernsehausstrahlung einzubetten. Durch Nutzung eines einfachen Rückkanals konnte man sogar eine interaktive Kommunikation über den Fernseher mit den Bildschirmtext-Rechnern herstellen. Sogar Graphik war möglich, die Codierung einfacher Bilder erfolgt im Zeilen- und Spalten-Bildschirm mit Hilfe von Codes basierend auf alpha- und mosaik-Tafeln. Das Ergebnis war zwar plump und der Seitenaufbau langsam, aber immerhin hat es funktioniert. Trotzdem wurde BTX dann bald überholt, aber zum Anschauen der Fußball-Ergebnisse und einfacher Nachrichten hat es lange Jahre ganz gut gedient.

Ein anderer „Dienst“ – Teletex mit noch leitungsbasiertem Punkt-zu-Punkt- Protokoll (Datex-L) und normierten Datensichtgeräten als Stationen sollte der Nachfolger von Telex werden (auch Leitungs-basierend mit Endgerät Fernschreiber). Dies Projekt scheiterte aber vor Inbetriebnahme.


Einschub:
Zweimal durfte ich auf der IFA (Internationale Funk Ausstellung) in Berlin Fortschritt mit „Gänsehaut-Effekt“ erleben. Das war das Farbfernsehen (60iger Jahr) und die CD (siebziger) Jahre. Da erlebte ich beides Mal für mich „Unvorstellbares“. Die Realität kam wieder ein Stück mehr ins Wohnzimmer, real und virtuell begann sich zu vermischen.


Der technische Fortschritt marschiert:

Das Original-Transistor-Radio meines Vaters. Wir haben es in IF-Blog als Logo für unsere Radiophilosophie genutzt.

Nie werde ich das „Transistorradio“ meines Vaters vergessen. Weil er so richtig glücklich über diese Errungenschaft war. Es war ein kleines Gerät von Grundig mit 6 Transistoren. Es lief auf UKW und MW, war klein, hatte Batterien. Jetzt  hatte überall Empfang – auch im Ausland. Das war wichtig im kalten Krieg.

Das Farbfernsehen kam übrigens 1967. Und war für uns Schwarzweiß-Gucker so etwas wie ein technisches Wunder (obwohl wir das technologische Prinzip im Physik-Unterricht gelernt und auch verstanden hatten.
Zitat dazu:
Zum Start des Farbfernsehens 1967 brachte Körting den preiswertesten Farbfernseher auf den Markt, ein Gerät mit 14 Röhren plus Bildröhre mit Zwei-Trafo-Konzept.

Und dann ging es weiter.
Digitale Musik (die Schallplatte wurde von der CD abglöst, die CD vom iPod integriert über MacIntosh und iTunes).
Das Telefonieren wurde drahtlos und dann auch digital.
Die Kommunikation ging nicht mehr nur synchron sondern auch asynchron.


Einschub:
Hier ein Video von einem meiner gut zu diesen Themen passenden Vortrag am 22. 07. 2011 im Foyer des Funkhaus Bayern in München mit dem wunderschönen Titel:

What’s new, pussycat?“

 


Dann kamen Lösungen, wie wir sie heute noch kennen …

e-Mail
Internet
Bildtelefonie
Social Media, FB, Google, Wikipedia …

Das ist mittlerweile alles ein uralter Hut..

Es kam aber auch viel Unsinn:

Aufbewahrungpflicht von E-Mails, Datensammelwut und Datenschutz.
(bald lächerlich und von gestern weil selbstverständlich geworden)
Es kam BIG DATA als weiteres großes Missverständnis.
Beleg dafür sind Sätze wie „Daten als Erdöl der Zukunft“, „Bigdata engine macht aus Daten Dollars“. Das alles ist bestenfalls Bullshit.
Nebenher hat der Taschenrechner das Rechnen im Kopf, auf Papier und den Rechenschieber abgelöst.
😉 Und demnächst sollen die Auto fahrerlos im Stau dem Manager hinterfahren, der die U-Bahn nutzt, um seinen Termin zu schaffen …

Aber was ist der Trend?
Früher hätte ich geschrieben: snapchat, wechat und Konsorten sind Wegweiser in die Zukunft. Das ist aber auch schon wieder alles ein alter Hut.

Morgen!

Wahrscheinlich betrifft es nur die entwickelten Gesellschaften – die anderen werden eh noch ärmer und werden ganz andere Sorgen haben. Aber bei uns könnte sich Vieles (Alles?) ändern:

Chat kills E-Mail
Podcast kills Post
Audio kills Lesen&Schreiben
Video kills Audio (Telefon)
… ???

Die klassische Form der Mobilität wird sich radikal ändern.
3D wird den Alltag verändern.
Dokumente werden wohl doch bald verschwinden.
Geld wird richtig virtuell werden.
Eigentum, Besitz und Recht werden virtuell werden – mit allen Konsequenzen.

Die goldene Regel ist „Was einfach ist und nutzt, das gewinnt.“

Die Messie-Kultur verlässt die reale Welt (Besitz belastet!) und geht ins Virtuelle.
Man geht weg von Sachwerten, eine gut gefühlte digitale Börse ist wichtiger als komische Sachwerte, die eh nur Stress machen.
Viele Hypes, über die mancher sich heute noch gerne erregt, werden selbstverständlich werden – oder ganz verschwinden.
Die Menschen werden noch mehr über Dinge reden, von denen sie keine Ahnung haben.
Die Maschinen werden bestimmen wo es lang geht.
Neue Werkzeuge werden den Trend bestimmen.
Lernen und Bildung wird sich völlig verändern.
Was passiert mit den Schule und Universitäten? Vielleicht werden ein paar als nostalgische Überbleibsel aus vergangenen Zeiten überleben.
Smart Solutions arbeiten für uns, ohne dass uns das bewusst sein wird.
Smart Solutions werden „shared economy“ ermöglichen, vielleicht retten sie so die Welt? Oder schieben den Untergang zumindest ein wenig hinaus?
Systeme der künstliche Intelligenz werden durch selbstständiges lernen immer schneller immer klüger – und die Menschen dafür immer dümmer?
Neue Technologie kann es auch ohne den Menschen, weil sie selbst direkt mit der Welt kommuniziert.
Gesellschaftlich entstehen „Verschwörungstheorien“ von völlig neuen Dimensionen.
Die Menschen werden immer mehr  Audio, Video und dreidimensionales Erleben nutzen. Die Fähigkeit des quasi „automatischen“ Lesens und Schreibens als selbstverständlich beherrschten Kulturtechnik wird verschwinden. Ein rudimentärer Analphabetismus wird sich entwickeln. Die meisten Menschen werden Lesen und Schreiben genauso verlernen wie sie Kopfrechnen und das Rechnen auf Papier schon seit vor einiger Zeit verlernt haben. Weil man es halt nicht mehr brauchen wird.

Aber welche Technologien spielen schon heute eine wichtige Rolle und werden wohl richtig relevant für die Zukunft werden?
Oder: Auf was sollten wir heute unsere Aufmerksamkeit lenken?

  • Sensoren
    Bis vor kurzem hat die ganze IT immer mit den Menschen oder besten Falls mit anderen „digitalen Systemen“ kommuniziert. Durch den Einsatz von Sensoren kann die IT plötzlich direkt mit der Welt arbeiten – sie braucht den Menschen als Mittler nicht mehr.
  • Smart Solutions
    Smart bedeutet im Kontext mit Lösung die Kombination von „digitaler Technik“ und „sozialer Veränderung“.
    Kurzform: smart = sozial + digital
  • Weiter entwickelte Lösungen, die man heute mit buzzwords wie augmented, merged oder virtual reality bezeichnet.
  • Autonome und integrative Systeme aller Art, wahrscheinlich ganz andere als die an man heute denkt. Also eher nicht das fahrerlose Auto. Lassen wir uns überraschen!
  • Das Problem wird immer die Benutzerschnittstellen sein. Wenn man sich zum Beispiel die schlechten Noten auch für viel genutzte „deutsche Apps“ anschaut, könnte man meinen, dass die Entwicklung von Apps eine gute Zukunft haben wird.

Dann zum Abschluss noch Warnung und eine

These:

Die Zukunft – basierend auf digitaler Technologie – bringt die „Analogisierung“ des Alltages und eine gewaltige gesellschaftliche Veränderung durch Smart Solutions!

Warnung

Digitalisierung ist ein uralter Hut! Das war einmal! Dinge wie Datenschutz sind erledigt. Die Diskussion darüber lenkt uns nur ab, die aktuellen Entwicklungen zu verfolgen. Und die quasi „automatisch“ entstehende gesellschaftliche Veränderung in eine humane Richtung zu steuern.

Darüber lohnt es sich meines Erachtens zu diskutieren und debattieren. Aber bitte zuerst nachdenken!

RMD