Roland Dürre
Sonntag, der 19. November 2017

Der Weg als Metapher für unser Leben.

Bei jetzt schon vier Hochzeiten meiner Kinder durfte ich die Hochzeitsrede halten. Bei der Vorbereitung dieser Ansprache gebe ich mir immer (sehr) viel Mühe und versuche wichtige Gedanken zu formulieren.

Da sind gerne Gedanken dabei, von denen ich weiß, dass sie mir selber viel geholfen haben. Die es lohnen könnte, sie auch andere Menschen weiterzugeben. Besonders an das Hochzeits-Paar und an möglichst viele andere Menschen.

Deshalb veröffentliche ich auch hier ein paar zentrale Gedanken aus meiner letzten Hochzeitsrede. Auch weil heute Sonntag ist. 


Der Weg als Metapher für unser Leben. 

Der Weg des Lebens beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod. Unser wertvollstes Gut auf diesem Wege ist die Zeit, die wir auf diesem Wege verbringen. Die Zeit ist deshalb so wertvoll, weil sie nie zurück kommt. Wenn man Freundschaft oder Geld verliert, kann dieses zurück kommen, nicht so die Zeit.

Am Beginn unseres Weges steht die Geburt.

Wir tauchen in der Welt auf und befinden uns in einer Gemeinschaft. Wir treffen Menschen, die uns auf diesem Wege begleiteten, die wir nicht kennen. Wir haben sie uns nicht heraus gesucht. In der Regel ist das unsere Familie.

Wege finden zusammen und trennen sich.

Wachsen wir heran, treffen wir auf unseren Wege weitere Menschen, die einen Strecke  gemeinsam mit uns zurücklegen: Die Kindergärtnerin, der Lehrer, unsere ersten Freunde ….

So gehen wir unseren Weg, auf manchen Teilstrecken gemeinsam mit mehr und mal mit weniger Menschen. Neue Gesichter kommen hinzu, viele Wege trennen sich für eine längere Zeit oder auch für immer.

Wir sind „Sammler und Jäger“.

Auf diesem Lebensweg sammeln wir „Spielzeuge“ aller Art, an denen wir uns ergötzen und/oder die uns „wehtun“. Diese Spielzeuge kommen oft aus der Vergangenheit. Es können Erinnerungen, Enttäuschungen, Niederlagen, Verletzungen … sein.

Andere weisen in die Zukunft und machen uns das Leben genauso schwer. Da möchte ich Lebensträume, Hoffnungen, Ängste, Erwartungen, Projektionen … benennen.

Wir besitzen nicht sondern werden besessen.

So wird unserer Lebens-Rucksack, den wir auf unserem Wege mit uns schleppen, immer größer und schwerer. Er und sein Inhalt werden zu unserem Lebens-Ballast, an dem wir schwer tragen.

Eines Tages heiraten wir. Wir feiern Hochzeit.

„Hochzeit“ ist für mich die bewusste Entscheidung – ein abgelegtes Kommitment  – den eigenen Lebensweg mit einem Menschen in einer besonderen Art und Weise gemeinsam zu gehen. Ein gegenseitiges „Komm mit mit mir!“

Es beginnt etwas Neues. So ist eine Hochzeit bestimmt kein schlechter Zeitpunkt, gemeinsam die Rucksäcke zu leeren oder noch besser, sie am Wegrande stehen zu lassen.

Legt Eure Rucksäcke ab!

Denn: Das Leben findet im jetzt und heute statt. Wenn aber Vergangenheit und Zukunft unser Denken und Handeln bestimmen, dann leben wir nicht!

Deshalb geht meine Bitte an das Brautpaar, heute auch darüber nachzudenken, ob und wie Ihr den heutigen Tag dazu nutzen wollt (und könnt), Euch vom Gerümpel der Vergangenheit für die Zukunft frei zu machen. Also:

Damit Ihr jeden Tag Eures Lebens immer mehr in wachsender Freude und mit zunehmenden Mut verbringen könnt!


Einen Teil der hier niedergelegten Gedanken verdanke ich unter anderem dem Buch Ein Tag mit der Liebe von Moshen Charifi, das ich zur Lektüre nur empfehlen kann. Charifi berichtet in diesem Buch in einer wunderbaren achtsamen und „gewaltfreien“ Sprache von einem Dialog von LIEBE und VERLIEBTHEIT, der auf einem gemeinsamen Spaziergang stattfindet.

RMD
Für Katherina und Martin entworfen für den 27. Oktober 2017. Und für alle Menschen auf dieser Welt.

Roland Dürre
Mittwoch, der 15. November 2017

Die Zukunft des Planeten

🙂 Heute geht es mal nicht über elektrische Fahrräder oder Sex sondern um Politik.

Das Wappen von Jamaika

Jamaika

Zurzeit richten sich die Augen vieler Menschen in Deutschland auf das Land des Bob Marley. Es geht um Jamaika, was natürlich nur ein albernes Wortspiel ist. Die „Koalitionsverhandlungen“ in Berlin stehen im Mittelpunkt. Wir sprechen von „Jamaika“ – weil die zum Wappen gehörige Fahne die Farben der beteiligten Parteien (schwarz, gelb, grün) enthält.

Ich muss gestehen, meine Hoffnung in diesen Verhandlungen beruhte auf den Grünen.

Aber was machen die Grünen?

Sie fuhren mit vielleicht richtigen Forderungen nach Berlin, die aber verhandlungs-technisch mit Sicherheit erfolglos sein werden (und auch schon waren), nämlich mit der Forderung nach Abschaltung des Verbrennungsmotors zum Jahre 2030 (1) und von Kohlekraftwerken (2). Vor allem (1) klingt schon arg utopisch. Wir brauchen auch keine allgemeinen Ziele, sondern konkrete Maßnahmen.

Strom muss Kohle ablösen, nicht verbrauchen!

Zu (2) nehme ich nicht Stellung. Denn es ist doch evident, dass wir nur mit Elektrizität das „verfinsternde“ Zeitalter der Verbrennung von fossilen Energien beenden müssen. Die Ablösung von Kohle durch Strom kann aber nicht heißen, dass die Hälfte des Stroms weltweit aus Kohle produziert wird. Das muss Vergangenheit sein (und wird es auch bald werden). Viel spannender finde ich aber (1).

Das Outo ist out!

Jedem muss aber auch klar sein, dass eine „individuelle Mobilität“ basierend auf Strom nicht eins-zu eins so sein kann und wird wie viele von uns das Outo (so geschrieben weil es „out“ ist) nutzen. So wie auch „autonom fahrende Autos“ nicht so fahren werden wie MANN und FRAU es heute tun.

2030 ist bald!

Bis dahin sind es nur noch 12 Jahre – also gerade so lang wie früher mal ein Auto gehalten hat. Insofern wäre die Forderung der Grünen für Jamaika ganz einfach gewesen.

Den Ausstieg vorbereiten!

Dazu gehört ganz schnell die Einführung eines Tempolimits – wegen mir auch gerne schrittweise zum Üben – aber mit dem klaren Endziel noch vor 2020 von maximal Tempo 30 km/h in geschlossenen Ortschaften, 70 km/h auf „Landstrassen“ und 100 km/h auf Autobahnen. Und genauso schrittweise mit einer wirklich relevanten und wirklich drastischen Erhöhung der Besteuerung fossiler Treibstoffe (inklusive Kerosin für Fliegen). Wenn man dann auch noch endlich die gigantische Subvention der „Geschäftswagen“ (zumindest den dominierenden Missbrauch eingeschränken würde), dann hätte das ganze Hand und Fuß!

Schlank und effizient!

Das wäre eine schlanke und effiziente Lösung, die Hoffnung auf eine „sanfte Landung“ machen würde. Damit könnte man sich auch viel Quatsch wie Maut etc. sparen. Nur: leider ist das unpopulär. Und die Grünen wollen, vielleicht aus guten Gründen, eben nicht unpopulär sein. Wobei ich persönlich ja meine, dass Unpopularität eher Wähler bringt denn vergrault

Investitionen in die Zukunft

Und die Einnahmen aus diesen Geldern darf man dann eben nicht für weitere neue Autobahnkreuze in zwei Ebenen mit bis zu 10 Spuren ausgeben, die heute ja konkret als Folge des stattfindenen Ausbaus der Autobahnen auf noch mehr Spuren notwendig erscheinen sondern in den Aufbau und des öffentlichen Verkehrs natürlich in die „Energie-Wende“ – die ja eigentlich nur noch heißt vom Atom- und Kohlestrom. Denn ich meine, dass wir da ansonsten ja schon auf einem guten Wege sind.

RMD

Als „Sex-App“ auf Blockchain-Basis realisiert. Mit tollen Features!

Blödes Alter: Schon gequält von Pubertät und noch ohne Sex-Kontrakt.

Trendsetter USA.

Da gibt es „god own’s country“. Dessen Regierung sich immer noch als Weltpolizei sieht – obwohl sie schon lange nicht mehr die Nummer 1 in der Welt sind. Schon lange haben sie jeden Anspruch auf „moralische Führerschaft“ verloren (wenn es so etwas überhaupt geben kann).

In diesem Land knallt fast jede Woche ein Amoktäter (der übrigens meistens männlich ist) ein Dutzend Menschen ab. Einfach so. Obwohl (oder eher weil) dieses Land schon immer eine wahnsinnige Lust am Bestrafen und an Rache entwickelt. Deshalb sind auch die Gefängnisse dort so voll wie wohl fast nirgends auf der Welt. Gut gefüllt besonders mit schwarzen Männern.

Dieses Land hat jetzt in großem Stil dem „Sexismus“ den Kampf angesagt. Und so passieren da tolle Dinge wie das Herausschneiden von Schauspielern aus Filmen. Die Sexismus-Welle rollt durch die Welt, der Vorwurf geht massiv an viele Männer, „sexistisch“ gehandelt zu haben oder zu handeln.

Sexuelle Gewalt in auf Macht basierten Systemen.

Auch im Europäischen Parlament zeigen Frauen den Männern (die aber an solchen Parlamentssitzungen gar teilnehmen) die „#MeToo“-Schilder. Weil auch im Parlament wie in Hollywood Frauen (überwiegend, aber auch Männer) sexistisch angemacht, unter Druck gesetzt oder rein gelegt und so zu sexuellen Handlungen korrumpiert oder gepresst und sogar vergewaltigt wurden und werden. Da soll noch einer sagen, EU-Parlament und Hollywood hätten nichts gemein.

Sexuelle Gewalt im öffentlichen Bereich.

Gleichzeitig höre ich, dass sexuelle Gewalt nicht nur auf der Straße und den Plätzen (vorzugsweise vor Bahnhöfen), in Umfeld religiöser und weltliche Institutionen dieser Welt sondern besonders oft im häuslichen Umfeld, in der Familie und in der Ehe ausgeübt werden würde.

Sexuelle Gewalt im Haushalt.

Der Vorwurf ist, dass in der Ehe sich gerade „Mann“ häufig mit Gewalt „sein vermeintliches Recht“ holt. Wenn dem so ist, dann muss man doch etwas auch von staatlicher Seite machen. Was liegt näher, als dass man den inner-ehelichen Sex in einem eigenen Vertrag, sozusagen in einem „Ehe-Vertrag II“ regelt. So wie im „Ehe-Vertrag I“ das vorhandene Vermögen und der Zugewinn während der Ehe geregelt wird.

In einem ergänzenden Ehevertrag wird die Sache mit dem Sex geregelt (wie jetzt schon im Sado-Maso-Umfeld).

Ein Bericht in der „Zeit“ bestätigt die Richtigkeit dieses Gedankens. Dort lese ich, dass in Fernseh-Serien über SadoMaso-Praktiken berichtet wird (die so gesellschaftlich hoffähig werden würden). Ich lese weiter, dass in diesem Bereich Paare oder Gruppen gemeinsam vor der Ausübung solcher sexueller Sado-Maso-Interaktionen schriftlich in einem „Letter-of-Intent“ vereinbaren, welche Praktiken erwünscht sind, ab wann es grenzwertig wird und ab wann die rote Linie, die nicht überschritten werden dürfe, erreicht wird.

Ein alter Witz zur Problemlösung.

Zu solchen Protokollen fällt mir ein Witz aus meiner Schulzeit ein, den wir uns als 14-Jährige erzählt haben. Ich nenne ihn mal „Nähmaschine“. Der Witz berichtet von einem älteren Paar, das sich auf folgendes geeinigt hat:

Ein Ehepaar hat ein vertrauensvolles Protokoll entworfen, das sich in ihrer Ehe seit Jahrzehnten bewährt hat. Dazu haben sie den Begriff „Nähmaschine“ als Codewort für „den Wunsch nach einer sexuellen Interaktion“ definiert . Damals (wie auch heute) hat man sich nämlich nicht getraut, die Dinge beim Namen zu nennen.

Das ging dann so: Wenn einer der Partner sich Sex wünschte, durfte er  „Nähmaschine“ sagen.Der Partner konnte das Angebot annehmen oder ablehnen. Und der andere Partner hatte auch die Ablehnung ohne Frust und Vorwurf zu respektieren. So war die Vereinbarung.

Das Paar lebte viele Jahrzehnte glücklich und in gegenseitiger Wertschätzung zusammen. Allerdings wurde „Nähmaschine“ im Laufe der Jahre seltener.

Eines Abends raffte sich der schon ältere Ehemann auf und sagte zu seiner geliebten Frau das magische Wort „Nähmaschine“. Seine auch nicht mehr ganz junge Ehefrau war müde und lehnte ab. Nach einiger Zeit entschied sie sich aber um und sagte ihrerseits zu ihrem Manne „Nähmaschine“. Der beschied ihr dann traurig: „Schade, die wenigen Stiche habe ich schon von Hand genäht.“

Das in diesem Witz beschriebene einfache Protokoll (Anfrage – Annahme oder Ablehnung) ist natürlich für moderne Ansprüche zu einfach. Wir leben ja im Zeitalter der Regelwut und wollen alles präzise festschreiben.

Ehevertrag II für Ehen.

Ein guter Ehevertrag II zur Regelung der sexuellen Transaktionen innerhalb der Ehe, der den heutigen Ansprüchen genügt, wäre sicher ein wenig komplexer. Ähnlich wie eine Patientenverfügung. Da muss man schon vieles bedenken und klar festlegen. Die zahlreichen Details, die berücksichtigt werden müssen, möchte ich hier nicht zu detailliert ausführen. Auch wie man auf Verstöße des Partners reagieren muss, um den Widerspruch auch juristisch klar genug zu dokumentieren. Aber findige und sex-erfahrene Juristen könnten da sicher wunderbare und seitenlange Entwürfe liefern.

Jetzt findet in der modernen Zeit Sex nicht nur zwischen Ehepartnern sondern vermehrt im freien Leben statt. Auch das muss doch geregelt werden! Man kann doch nicht einfach Sex machen ohne vorher folgende Fragen zu klären: Was ist erwünscht und was nicht? Was ist erlaubt und was nicht?  Wie signalisiert man Widerspruch? Wer ist schuld, wenn es aus dem Ruder läuft? …

Kann ein verantwortungsvoller Staat da wirklich wegschauen und eine so starke Rechtsunsicherheit zulassen. Muss man die Menschen da nicht vor sich selber schützen? Man denke nur an ungerechtfertigte Anschuldigungen, die vom Beschuldigten nicht widerlegt werden können? Die aber seine Existenzen ruinieren.

Eine App für freien Verkehr außerhalb der Ehe.

In diesem Fall würde sich eine „App“ anbieten. Da ja die Sexualpartner anonym bleiben wollen und es um „peer2peer“-Vereinbarungen geht (ein man-in-the-middle wäre bei diesem Thema sicher höchst unerwünscht), müsste diese IT-gestützte Lösung auf Blockchain-Technologie (wie Bitcoin) basieren.

Solch eine App hat viele Vorteile. Da sie über die „Sex-Profile“ beider Partner verfügt, kann sie schnell einen klaren Vertragsentwurf vorbereiten; die Partner könnten dann mit einem Klick den von beiden (oder auch mehreren) Partnern erwünschten Durchschnitt an sexuellen Varianten festlegen und kontraktieren.

Tolle Features!

Zusätzlich könnte diese App aber noch einiges an Mehrwert bieten. Sie würde nicht nur Vertragssicherheit in einer verunsicherten Sex-Welt herstellen, sondern könnte zusätzlich das Drehbuch (vergleichbar mit einem Kochrezept) für die geplante sexuelle Interaktion um Empfehlungen erweitern, die von z.B. anderen Sex-Partnern mit ähnlichen Profilen bevorzugt werden. Oder auch Anregungen aus Werken wie dem Kamasutra quasi als Verbesserungsvorschläge einbauen und anschließend ein Zufriedenheits-Feedback  bei beiden Partnern abzufragen. Und den Kontrakt dementsprechend erweitern.

Man darf das Kündigen nicht vergessen!

Ganz wichtig bei dieser App ist natürlich, dass der Sex-Kontrakt zum Ende der Beziehung auch ordentlich aufgekündigt bzw. einvernehmlich aufgelöst wird. Wahrscheinlich wäre es für die Benutzer am freundlichsten, solche Verträge immer nur befristet (ein bis maximal fünf Jahre) mit Verlängerungsoption abzuschließen. Vor Ablauf des Vertrages würde eine integrierte Retrospektive erfolgen und den Partnern eine Veränderungsunterstützung für eine Verlängerung (Change Management) angeboten werden.

Integration der Funktionalität in Single-Börse.

Die Funktionalität könnte auch integriert werden in die Software von Partner-Findungs-Portalen oder Apps (wie Münchner-Single oder Tinder), so dass dann der ganze Prozess (life cycle management) vom Kennenlernen bis zur Trennung integriert aus einer Hand angeboten werden kann. Falsch gewünscht mit automatischem Wandel zum Ehevertrag 2.

Erhöhung der Rechtssicherheit durch präzise Dokumentation.

Was für eine wunderschöne neue Sex-Welt würde uns solch ein technischer Fortschritt doch bringen! Und noch besser: Durch eine laufende Dokumentation des tatsächlichen Geschehens während einer stattfindenden sexuellen Interaktion durch das Smart-Phone per Video könnte weitere Rechtssicherheit geschaffen werden und das Video als neutrales Beweismittel genutzt werden, wenn z.B. der eine oder andere Partner gegen die vorher geschaffene Vereinbarung verstoßt. Natürlich würde diese Beweismittel  wie die ganze App auf das strengste dem Datenschutz unterliegen und nach gemeinsamer Einverständniserklärung der Partner gelöscht werden.

Bei Google gibt’s das alles schon fürs normale Leben.

Alle, die das nicht ernst nehmen, was ich hier geschrieben habe, möchte ich darauf hinweisen, dass es in vielen Dimensionen im Netz schon genauso läuft. Die, die es ernst nehmen, möchte ich trösten. Dieser Artikel soll eher zynisch sein. Und wenn es mal so eine App gibt, dann kann man es ja mal ausprobieren, muss es aber nicht.

Ernsthaft meine ich allerdings, dass es keine Lösung zu Beherrschung von Sexismus gibt. Das einzige was hilft, ist eine gewaltfreie Kommunikation auf Augenhöhe zwischen den Menschen allgemein und selbstredend auch zwischen Mann und Frau. Und einen fairen und achtsamen Umgang miteinander basierend auf gegenseitigem Respekt und Hochachtung.

Ich möchte auch nicht verheimlichen, dass mich diese aktuelle Welle von kollektiver Heuchelei zum Thema Sexismus abschreckt. Leider muss man sie ernst nehmen – zu sehr erinnert mich manches an die Hexenjagd vergangener Epochen. Letzten Ende ist geht es wie immer um den Einsatz von Macht zur Befriedung der eigenen Gier, sei diese sexuell, materiell oder anders geartet.

Im Mann-Frau-Sex-Modell geht das in beide Richtungen:
Mann setzt Macht ein, um Sex zu kriegen. Frau setzt Sex ein, um Macht zu kriegen.

Das Streben von Macht nach mehr Macht wird man kaum durch Gesetze und Bestrafung lösen können. Geht der Mächtige doch davon aus, dass er das Gesetz beugen kann. Bedauerlich finde ich, dass trotz Aufklärung auch heute noch wohl kaum soviel geheuchelt wird wie wenn es um Sex geht.

Meine nächsten Artikel zum Thema „SEX“
werden dann wieder weniger zynisch als dieser und noch ernsthafter sein. Themen, die ich behandeln möchte, habe ich genug. Hier eine kleine Vorschau:

  • Wie kann es sein, dass Frau gesellschaftlich den „schwarzen Peter“ bei der Verhütung bekommen hat? Die Unfruchtbarkeit quasi als gesellschaftliche Verpflichtung! Und die Gesellschaft feiert das dann auch noch „als Befreiung der Frau“! Ist das nicht auch eine Form von Vergewaltigung? Und was hat das für Folgen?
  • Angeregt durch die aktuelle Sexismus-Welle habe ich nachgedacht, inwieweit ich Sexismus und Einsatz von Macht bei der InterFace Connection GmbH / InterFace AG, dem von mir gegründeten Unternehmen, erlebt habe. Und wie ich selber damit umgegangen bin. Das Ergebnis werde ich als Teil meines Unternehmertagebuches hier im Blog berichten.
  • Mir ist auch aufgefallen, dass es zwischen Sexismus und Korruption interessante Parallelen gibt. Die sexuelle Bereicherung des eigenen Lebens durch Macht unterscheidet sich gar nicht so sehr von der materiellen Bereicherung durch Macht. Die Verlockungen sind zahlreich. Man kann ihnen erliegen – muss es aber nicht. Auch in einem der nächsten Artikel.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 11. November 2017

Strom im Fahrrad.

Die Zeit vergeht schnell. Noch vor einem Jahr stand ich der Elektro-Mobilität per Fahrrad eher skeptisch gegenüber. Zumindest in München. Denn hier ist ja alles (mit Ausnahme an den Ufern der Isar) so richtig flach.

Mein e-Bike London von Utopia auf seiner ersten Bahnreise im
IC 2304 von München nach Naumburg mit Ziel Magdeburg.

Jetzt stehen bei uns im Haushalt 4 (in Zahlen vier) Elektro-Fahrräder. Und ich bin begeistert von der elektrischen Unterstützung beim Fahrrad.

War das Fahrrad an sich schon eine geniale Kombination von Mensch und Mechanik, so verbindet das e-Bike diese aufregende Kombination noch mit einem Motor. Das e-Bike realisiert so eine einzigartige Symbiose von Mensch und Maschine. Die ist so toll, dass mir die Lust am Auto jetzt endgültig vergangen ist. Was ist Autofahren doch für eine erbärmliche Art der Fortbewegung im Vergleich zum Radeln.

Ein wichtiger Grund fürs Radeln war mir immer die Bewegung. Ein bisschen war meine Sorge, dass diese körperliche Ertüchtigung beim e-Bike zu kurz kommen könnte. Das ist aber nicht so. Nach einer längeren Tour mit einem e-Bike bin ich genauso – aber doch anders – erschöpft als ich es mit konventionellen Rädern bin. Wenn ich mich nach „elektrischen“ 50 Kilometern hinsetze, möchte ich am liebsten gleich weiter fahren. Und merke dann erst nach ein paar Minuten der Ruhe, wie anstrengend es doch war.

Das Geheimnis löst sich einfach. Ich fahre mit dem e-Bike eine wesentlich höhere Trittfrequenz. Das geht locker und schont die Gelenke. Mein Schnitt ist in der Regel um ein zirka Drittel höher als „ohne Strom“. D.h. ich habe zwar die Unterstützung aus der Batterie – aber bin wesentlich schneller. Und habe oft den Eindruck, dass ich körperlich genauso viel oder mehr leiste wie vorher. Und die Kraft aus dem Akku vor allem die höhere Geschwindigkeit erlaubt – ich aber dann gar nicht weniger tue als ohne elektrischen Antrieb.

Strecken bis so um die 10 km fahre ich nur mit meinen konventionellen Rädern. Die wesentlich höhere Trittfrequenz, die ich mir beim Fahren mit e-Bikes angewöhnt habe, behalte ich dann bei. Und bin ganz überraschend jetzt auch mit meinen schönen alten Rädern schneller als früher. Was ich auch toll finde.

Alle meine elektrischen Fahrräder sind echte e-Bikes, d.h. Räder, bei denen die Elektronik nur elektrische Unterstützung liefert, wenn der Radler selber tritt. Und ab 25 km/h dann abschaltet. Und das reicht mir völlig. Mit meinen e-Bikes fahre ich im Sparmodus („economy“) ganz locker einen Schnitt von 18 km. Das heißt für 9 km brauche ich eine halbe Stunde. Und damit kommt man als Radler in München ganz schön weit. Z.B. von mir in Neubiberg zum Isartor. Oder vom Marienplatz nach Riem. München wird so richtig klein. Und alle Vorteile des Fahrrades wie unkompliziertes Parken am Ziel usw. bleiben am e-Bike erhalten.

Wenn ich es eilig habe, geht auch ein Schnitt von mehr als 20 km. Dazu muss ich einfach ein höheres Programm einlegen. Das heißt, ich fahre 10 km in einer halben Stunde. Und mit dem e-Bike sind wie mit dem Bike die Entfernungen in München meistens deutlich kürzer als mit dem Auto.

Insofern sind die sogenannten S-Pedelec für mich kein Thema. Der Geschwindigkeitsbereich bis und um die 25 km/h ist mir angenehm und für meine Fahrten völlig ausreichend. Da fühle ich mich sehr wohl und sicher – schneller brauche ich es es wirklich nicht.

Eine meiner Sorgen, waren die Reichweite und das „Handling“. Beides ist kein Thema. Es ist erstaunlich, wie viel Entfernungskilometer und Höhenmeter die modernen Akkus schaffen. Und das „Handling“ ist verblüffend einfach. Darüber berichte ich aber mehr und detailliert, wenn ich die drei Rad-Typen vorstelle, die in unserem Haushalt laufen.

Das ganze fing mit einem Lastenrad (e-Cargo) an. Dann kamen zwei „elektrische Mountainbikes“ dazu. Und am Schluss ein wunderbares Reiserad. Alle drei Fahrrad-Typen stelle ich in den nächsten Wochen in IF-Blog vor. Sie haben alle eine unterschiedliche Technologie und ihre Besonderheiten. Und ich liebe alle drei.

RMD

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 9. November 2017

Hol‘ dir ein Bier…

  Miriam war ein Luder!

Alle wussten das – auch der Hermann.

Als Jüngster musste er aber den Bauernhof übernehmen. Es war der größte Hof in Erleinsbach, nur arg heruntergekommen und verschuldet!

Bei den sonntäglichen Stammtischrunden in den umliegenden Wirtshäusern, zu denen Hermann schon lange nicht mehr ging, wurde der Zustand dieses Hofes, wenn’s gut lief mit einem „ja der Hermann hat’ s nicht leicht!“ bedacht, begleitet von einem schäbigen Grinsen oder peinlichem Schweigen. Der eine oder andere spuckte sogar aus, wenn dieser Hof genannt wurde.

Hermanns Geschwister waren froh, dass er sich nach jahrelangem Zögern endlich durchgerungen hatte, den Hof zu übernehmen. Von ihnen hätte sich das keiner antun wollen. Sein älterer Bruder Korbinian arbeitete lieber als Tischler im benachbarten Kopfing und Annegret heiratete schon in jungen Jahren auf einen ansehnlicheren, ertragreicheren Bauernhof. Für den Leitnerbauer war Annegret ein Glücksfall: zwar nicht besonders fesch und schnuckelig, vielleicht sogar etwas froschäugig, dafür aber emsig wie eine Honigbiene, wie ihre Schwiegermutter höchst zufrieden anmerkte, wenn sie vor den Nachbar Bäuerinnen glänzen wollte: Annegret konnte zupacken wie keine andere! Kein Heuschober war ihr zu schwer, kein Traktor zu groß, kein Güllewagen zu stinkig und selbst mit ihrem dicken Schwangerschaftsbauch melkte sie alle Kühe und mistete sie die Stallungen aus.

Ein richtiges ‚Arbeitsviech’ ist meine Alte, stellte der rotgesichtige Leitnerbauer, des öfteren zufrieden am Stammtisch fest und prostete den andern mit seinem vollen Bierkrug zu.

Miriam aber – war kein ‚Arbeitsviech’!

Der Hermann heiratete sie trotzdem! Und das, obwohl sie schon ziemlich abgegriffen war und einen unehelichen Balg mit sich herumschleppte, der aber bei ihrer Tante in Grieskirchen gut untergebracht war. Kein Wunder, dass es für Miriam unter diesen Umständen nicht einfach war im Umfeld ihres Heimatortes Natternbach, wo jeder jeden kannte, einen heiratsfähigen Mann zu finden. Der Hermann kam ihr da gerade recht!

Ihren Balg Paula sah Miriam – Gott sei’s gedankt – nur bei Begräbnissen und Hochzeiten. Das reichte! Denn wann immer Paula ihr unter die Augen trat, war Miriam enttäuscht und verärgert, dass sie genau so unansehnlich und ausgefressen daherkam, wie ihr unsäglicher Vater, der nach wie vor als Schlachter in Wels arbeitete: warum hatte Paula nicht wenigstens ein bisschen was von ihr geerbt?

Ja, sie wusste, wie man sich sexy rausputzte und mit hohem Busen und steilen Arsch den Männern den Kopf verdrehte. Ihr schaute jeder Bauernlümmel nach! Aber der Paula? Höchstens ein Blinder, wenn sie ihm was Freundliches zurief…

Hermann mochte Miriams Paula!

Er hatte sie ein paar Mal bei Familienfeierlichkeiten gesehen und ihr da auch gelegentlich auf ihren dicken Arsch geklopft! Freundschaftlich, so dass sie gekichert hat. Ihren grobschlächtigen Vater, den Josef, kannte er natürlich auch – und auf ihre Mutter, die Miriam, war der Hermann, im Gegensatz zu allen anderen, richtiggehend stolz!

Ja – stolz wie ein Pfau!

Nie im Leben hatte er für möglich gehalten, dass so eine fesche ‚Dern’, einen wie ihn zum Mann haben wollte: ihn, der sich kaum zu benehmen wusste, abgerissen  daherkam und nie ausreichend Kohle hatte. Was konnte er, einer wie ihr, schon bieten?

Na ja – immerhin  einen Bauernhof – und jede Menge Drecksarbeit! Und das von morgens bis abends!

Miriam kam aus einer Handwerkerfamilie!

Ihr Vater war Dachdecker gewesen. Ihre Mutter hatte zwar darauf geachtet, dass immer ein kräftiges Essen und zwei Flaschen Bier bereitstanden, wenn er abends abgearbeitet heim kam, konnte aber trotzdem nicht verhindern, dass er eines Vormittags bei Regen von einem der steilen Kirchendächer rutschte und mausetot war. Genickbruch – und mehrfacher Wirbelsäulenbruch!

Fortan musste Miriams Mutter durch Putzen und Kochen für andere, sich und ihre Tochter, die immer deutlicher zu einem hübschen, drallen Ding heranwuchs, alleine durchbringen. Kein Wunder, dass sich diese Miriam schwor, unbedingt einmal einen Mann zu heiraten, der ihr mehr bieten konnte, als ihr tollpatschiger Vater ihrer Mutter, oder dieser fette Josef, der ihr im Vollrausch die Paula angedreht hatte, aber kaum den Unterhalt zahlen konnte.

Und auf gar keinen Fall war sie bereit, hinter anderen Leuten her zu putzen, wie ihre Mutter das nun Jahr und Tag machen musste. Das war nichts für sie, nein, lieber blieb sie alleine und vertrocknete langsam  – wie ihre Mutter prophezeit hatte!

Vielleicht wirkte Miriam ja gerade deshalb auf Hermann so anziehend, weil sie weder wie eine Bäuerin aussah, noch eine werden wollte?

Ein gewisser Hang, sich besser zu fühlen als Andere, war Hermann immer zu Eigen gewesen. Selbst in der Schule schon. Korbinian und Annegret waren ähnlich und wurden von den anderen Bauern auch oft ausgegrenzt.

Hermann bewunderte vor allem Miriams samtene, helle Haut! Ihr Gesicht zeigte nie die für Bauersfrauen üblichen Frostflecken, die beim Tanzen aufglühten. Sie verstand sich zu kleiden und hätte gut und gerne eine Verkäuferin in Linz sein können.

Über seine ständige Verkündigung gegenüber seinen Geschwistern und anderen Dummschwätzern, dass er sich aus dieser ‚Dachdecker – Miriam’ einen Scheißdreck mache, übersah Hermann, trotz etlicher Warnungen, vermutlich den entscheidenden Moment: denn für alle überraschend, stand er eines Tages, ausgerechnet während der Erntezeit, mit Miriam vor dem Traualtar!

Vom ersten Tag an machte sie ihrem nicht wirklich erstaunten Hermann klar, dass sie nicht im Traum daran dachte, für ihn die Bäuerin zu spielen und ihm vielleicht später auch noch den Arsch abzuwischen.

Miriam hatte andere Pläne und sorgte dafür, schleunigst ins Grundbuch von Hermanns Hof eingetragen zu werden, um endlich den Kredit von der Sparkasse in Grieskirchen zu bekommen, den sie für die Erfüllung ihres Lebenstraumes, nämlich die Eröffnung einer Bar in Wels, benötigte!

Ihr Berater aus der Sparkasse, hatte ihr in sehr persönlichen Gesprächen, die Goldgrube, die da auf sie wartete, aufs Eindringlichste ausgemalt, wenn sie die Sache mit ihm und der entsprechenden Power anginge und sich nicht von ihrem ewig müden Hermännchen dreinreden ließe.

Der Bauernhof als Sicherheit mache alles möglich, versicherte der tüchtige Mann aus der Sparkasse und Miriam tat mit ihren feschen Dirndln ihr Bestes, um ihn in der Spur zu halten!

Allerdings nicht lange, dann waren zwar die Dirndln immer noch in einem prima Zustand, da sie häufig doch bloß in Unterwäsche oder noch weniger arbeitete, aber der Bartraum war ausgeträumt und sie hatte sich ein paar unschöne ‚Kratzer’ mehr eingefangen. Dank ihrer Jugend ließen sich diese jedoch immer noch leidlich kaschieren, wenn sie angezogen war und volle Kriegsbemalung angelegt hatte.

Außerdem war Miriam nicht dumm, sie hatte von ihrem Bankberater zwischen allem Geschmuse, schweißtreibendem Gestöhne und der einen oder anderen Ohrfeige schnell gelernt, wie man einen Notgroschen, selbst bei schwierigstem Seegang, in diversen Steuerparadiesen in Sicherheit bringen konnte.

Und Dario, den sie im ‚Rosenstüberl’ in Linz kennen gelernt hatte, zeigte ihr schon bald nach dem komischen Sparkassenhengst, was sie mit diesem Notgroschen in Südspanien anstellen konnte.

Da Hermanns schäbiger Bauernhof nie das von ihm vorgegaukelte Geld abgeworfen hatte, geschah ihm nur Recht, wenn er jetzt auf den aufgelaufenen Schulden sitzen blieb!

Ihr sei jedenfalls ihre Zeit zu kostbar, um mit so einem wie ihn, die besten Jahre ihres Lebens zu verplempern, rief sie Hermann zu, als Dario ihr ein Ultimatum stellte, endlich zur Sache zu kommen und mit ihm abzuhauen.

So wie er, Hermann, wirtschafte und einen Bockmist nach dem anderen baue, würde er in diesem ‚Saustall von Bauernhof’ selbst in hundert Jahren noch kein Bein auf den Boden bringen, fauchte sie ihn in ihrem roten Hosenanzug von der Haustür‘ her an, während Hermann im Hof den frisch ausgefahrenen Stallmist von seinem Schubkarren in immer höheren Bögen auf den Misthaufen donnerte – und wie immer schwieg!

„Warum schmeißt du dich nicht gleich selbst auf den Misthaufen, Hermann? Das ist doch der richtige Platz für so einen Versager wie du einer bist“, kreischte sie hysterisch und dampfte in seinem hoch betagten Mercedes vom Hof, auf dem es nur noch drei Schweine, zwei alte Kühe und ein Schaf gab, sowie einen Rest an Heu und Stroh, der schon zu schimmeln begann; alle anderen Erträge waren bereits unmittelbar nach der Ernte verkauft worden, um wenigstens die dringlichsten Zahlungen an die Sparkasse tätigen zu können.

Im innersten seines Herzens stimmte Hermann Miriams Einschätzung sogar zu, wenngleich ihr Weggehen – auf diese schäbige Art – ihn innerlich zerriss.

Ohne nachzudenken versuchte Hermann nach diesem Desaster mit Miriam einfach weiter zu werkeln wie bisher: tagsüber arbeitete er für Bekannte in Nachbargemeinden im Pfusch als Maurer, und abends krabbelte er lustlos, mit erbärmlicher Laune, aber jeder Menge Bier, auf den schäbigen Resten seines Hofes herum.

Gelegentlich kam wenigstens seine Schwester Annegret vorbei, wusch ihm die Wäsche, putzte die Küche und zweimal im Jahr die Fenster in der Schlafkammer und der großen Stube. Ohne sie wäre er gänzlich in seinem Dreck erstickt.

Als einziger Lichtblick in dieser Trostlosigkeit blieb Hermann nur – Miriams Paula –  die aus irgendeinem unerfindlichen Grund einen Narren an ihm gefressen zu haben schien – oder die einfach bloß ihre blöde Mutter ärgern wollte!

Jedenfalls, kam Paulaschätzchen, wie er sie nannte, nach wie vor, alle paar Monate aus Grieskirchen in ihrem VW Polo unangemeldet angerauscht – und blieb so lange oder kurz, wie es ihr beliebte – und der griesgrämige Hermann lebte jedes Mal schlagartig auf: Er rasierte sich dann sogar, wusch sich, zog ein sauberes Hemd über, schlüpfte in eine seiner zwei Jeans und fuhr mit Paulaschätzchen nach Natternbach einkaufen, da sie für ihn abends immer was Feines kochte und anschließend Bier und Eierlikör mit ihm trank. Sie plapperte auch von ihrer Arbeit als Friseurin munter daher, erkundigte sich ausführlich nach seinen Wehwehchen und schaute jeden Blödsinn im Fernsehen mit ihm an, den er sehen wollte.

Und dreimal im Jahr konnte sie ihn sogar dazu bringen, sich von ihr die Haare schneiden zu lassen, was immer in einem unheimlichen Gewusel und Gelächter endete, insbesondere wenn sie trotz heftigstem Widerstand von seiner Seite, sich genüsslich über die üppigen Haarbüschel in Ohren und Nasenlöchern machte.

Auch den Wildwuchs über den Augen zähmte sie! Und bei seinem mehr als schütteren Haupthaar, gab es buchstäblich bei jedem Haar heftigste Diskussions- und Kicherrunden bezüglich der angemessenen Schnittlänge. Und wenn ihm danach erschöpft die Augen zufielen, lotste sie ihn auch noch in seine stickige Schlafkammer neben der großen Stube, bevor sie sich in ihr Auto schwang und wieder abdampfte…

Von ihrer Mutter sprachen beide nie – das war eine unausgesprochene, stille Vereinbarung, die strikt eingehalten wurde, egal wie stark sie sich zugedröhnt hatten.

 

Doch dann stand Miriam nach gefühlten Hundert Jahren – an einem Abend im November – trotzdem in der großen Stube! Windschief wie ein verzogener Kleiderschrank und ausgetrocknet wie ihre bereits tote Mutter…

Scheu sagte sie,

„Grüß dich Hermann!“

Der aufgedunsene Hermann – mit maroder Hüfte und wehem Knie –  lag seltsam verrenkt auf dem Sofa vor dem Fernseher, schaute kurz zu ihr hin, nahm einen langen Schluck aus einer der Bierflaschen, die griffbereit am Boden neben dem Sofa standen und fixierte ausschließlich den Bildschirm…

„Kennst’ mich nimmer, Hermann?“

„Schon!“

„Und sagst nichts?“

„Naa…“!

„Darf ich mich setzen…?“

„Nimm dir den Hocker beim Ofen.“

„Danke, Hermann.“

„Und hol dir ein Bier!“

„Ich mag kein Bier mehr, Hermann!“

„Auf einmal?“

„Fragst nicht warum?“

„Wirst mir’s schon sagen!“

„Ich! – ich – ich – hab Krebs…!“

„Bin ich daran auch Schuld?“

„Naa – deswegen komm ich auch nicht…“

„Warum denn?“

„Weil ich nicht weiß wo ich hin soll?“

„Wieso?“

„Weil ich mich schäm’ – für alles!“

„Schau, schau…“!

„Ja ich schäm’ mich wirklich, Hermann.“

„Vor wem?“

„Vor deinen Geschwistern – und der Paula – und den Anderen.“

„Und vor mir nicht?“

„Nein, Hermann, vor dir nicht!“

„Aha.“

„Ist aber so…“

„Na ja – wenn’ st – meinst?

„Ja, mein’ ich…“

„Schaust nicht gut aus!

„Weiß ich, Hermann!“

„Hast einen Hunger…?“

„Nein – ich kann nichts Normales mehr essen.“

„Wo fehlt’s denn?“

„In die Därm…!“

„Hm – versteh…“

„Ich hab keine Kraft mehr…“

„Ich auch nicht!“

„Du Depp – bei mir ist es wirklich so…“

„Bei mir auch…“

„Schickst mich weg?“

„Naa – mach dir’s Bett in unserer Kammer, wenn’st magst!“

„Danke, Hermann“..

„Du weißt ja wo alles ist?“

„Ja – Hermann…“

„Wenn’st willst helf’ ich dir …?“

„Geht schon, trink nur dein Bier aus…“

„Okay“…

Als Miriam ihr Teil im vereinsamten Ehebett überzogen und fertig gemacht hatte, legte sie sich hinein, zog sich die Bettdecke über den Kopf und stand von dem Tag an nicht mehr auf.

Und als sie selbst am Heiligen Abend vor Schmerzen immer wieder aufstöhnte und kurze Schreie ausstieß, streichelte Hermann sie mit seinen schwieligen Händen  – bis sie ganz still wurde…

KH

Roland Dürre
Dienstag, der 7. November 2017

#MeToo

Dem folgenden Beitrag liegen Erlebnisse und Gedanken wie diese zu Grunde:


Sogar im öffentlichen Raum erlebe ich oft Situationen, in denen ein Mensch einen anderen so richtig „zusammen scheißt“. Damit meine ich wüst beschimpft, oft dies bis zur Tätlichkeit, Vorwürfe ausstößt und den anderen so in unfassbarer Weise klein und und runter macht. Meistens ist das dann sehr emotional und für mich oft sehr unverständlich, häufig passiert es zwischen Menschen, die sich anscheinend gut kennen.

Ich finde das immer entsetzlich, ganz gleich ob ein Mann (s)eine Frau, ein „Deutscher“ einen „Migranten“, ein Weißer einen Farbigen, ein Vater seinen Sohn oder eine Frau ihre alte Mutter niedermacht. Oder umgekehrt. Das Problem ist und bleibt, dass ein Mensch einen anderen Menschen niedermacht. Ganz unabhängig vom Geschlecht und der Beziehung zwischen den Personen.


 

Als Playboy und Heiratsschwindler auf MS EUROPA 🙂

Es tut mir leid, die #MeToo Diskussion geht mir tatsächlich auf den Senkel. Gewalt gegen Menschen ist schlimm und unzulässig – ganz gleich ob sie sich gegen Männer oder Frauen (oder noch schlimmer gegen Kinder) richtet. Ganz gleich zu welchem Zweck.

Aber die Diskussion zurzeit und ja schon seit Jahren ist – wie so oft wenn wir moralisieren und in Ethik machen – viel zu kurz gesprungen. Ich versuche die allgemeine Situation zu beschreiben, die im sexuellen Bereich natürlich auch nicht anders ist als in unserem sozialen Leben.

Schon beim kindlichen Spielen werden wir aufs Gewinnen gedrillt. Entweder muss ich jemand raus schmeißen oder ihm Steine wegnehmen. Immer geht es darum, den anderen rein zulegen, und ihn letztendlich zu vernichten.

Das Ergebnis ist klar:
Einer gewinnt, der Rest sind die Verlierer. Und jeder will so natürlich Gewinner sein.

Ein kleiner Ausflug:


Eine Frau, die ehrenamtlich Flüchtlinge betreut, hat uns vor kurzem verwundert berichtet, dass sie
„den Massai sogar erst Gesellschaftsspiele bei bringen musste, um sie zu beschäftigen. Nicht einmal so ein Spiel wie „Mensch ärgere Dich nicht“ würden die kennen!

Die Massai sind anscheinend nicht mit Vernichtungsspielen aufgewachsen wie wir. Oft meine ich, das man das merkt. Und sie ein besonderes, anderes Denken und Verhalten auszeichnet.


 

Wir jedoch sollen (und wollen) immer der oder die schönste, schnellste, beste, hübscheste … sein. „The winner takes it all“ ist Prinzip. Unsere Gesellschaft wünscht sich brave Konsumenten, Konsum ist unser Hobby. Und schon im Spiel sind die Methoden, die man anwenden darf subtil. Nur betrügen darf man nicht. Wobei dieses Gebot vor allem meint „sich dabei nicht erwischen zu lassen“.

So lernen wir von klein auf zu denken und zu fühlen, in diesem Sinne werden wir sozialisiert. Es geht in unserem Leben von Anfang an um Aufstieg, um Macht, um Karriere, um Geld, um materielle Vorteile, um Posten, um Besitz und um die vielen Annehmlichkeiten unserer Kulturwelt. Naturwelt ist „out“, Kulturwelt „in“.

Immer geht es darum, wie wir uns durch Manipulation anderer Menschen und unserer Umgebung Vorteile verschaffen. Dabei müssen wir immer unschuldig sein. Auch wenn wir andere runter schubsen oder Besitz und Eigentum hamstern. Wie heißt es? Mein Haus, mein Auto, mein Boot, mein Fahrrad, meine Familie, mein Mann, meine Frau, mein Hund, meine Katze …

Die mit Gewalt behaftete Kommunikation ist das Problem. Wir lernen diese ganz allgemein zu nutzen, um uns in Vorteil zu bringen. Frauen und Männer stehen sich da nicht viel nach. Wie oft bin ich als Kind von Erwachsenen (männlich wie weiblich) zu Dingen manipuliert worden, die ich nicht tun wollte und die ich trotzdem gemacht habe. Ab und zu hat mich das schlimm verletzt.

Nur was hilft das Wissen darüber, wenn wir nicht bereit sind, ehrlich zu uns zu sein unsere Kommunikation gewaltfrei zu gestalten?

Das erste Problem ist also, dass wir alle – Männer wie Frauen – in diesem Sinne sozialisiert worden sind und unsere Kinder und Kindeskinder es heute noch genau so werden. So meinen wir, dass unser Glück davon abhängt, dass wir über den anderen thronen. Das größte Stück des Kuchens soll auf unserem Teller liegen; wir wollen das größte Auto und das schönste Wohnzimmer haben. Sonst sind wir unglücklich.

Wie müssen die großen Macker sein und Macht haben. Wir werden aufs Gewinnen gedrillt. Andere Menschen sollen das tun, was wir wollen. Sonst machen wir sie kleiner.

Wir wollen in der Hierarchie aufsteigen und andere unter uns haben. Das Prinzip heißt „Nach oben buckeln, nach unten treten“. Dazu erlernen, üben und entwickeln wir schon ganz früh Methoden und Strategien, die wir dann in allen Bereichen erfolgreich anwenden. Und wenn das im Job klappt, warum dann nicht auch beim Sex. Wie können wir überhaupt erwarten, dass wir uns zwischen den Geschlechtern anders verhalten als „im normalen Leben“?

Gier ist vielleicht vererbt oder anerzogen und kann sicher zur Besessenheit führen. Sexualität ist aber ein Trieb – jenseits der Ratio. Ist schon die „normale Gier“ eine starke Triebfeder, die uns zu üblen Handeln bringt, was bewirkt dann sexuelle Appetenz? Oder anders gesagt: Wer schon im normalen Leben „ein Schwein“ ist, wie soll der im sexuellen Leben ein Engel sein?

Auf der anderen Seite galt und gilt Sexualität in unserer moralischen Gesellschaft immer noch als etwas Schlechtes und Verwerfliches. So eine Art von sündhaftem Verhalten, das vom Kleinhirn den Vorgaben der Moral folgend kontrolliert werden muss. Denn Mensch geht davon aus, dass er für seine Taten voll verantwortlich wäre und es so schaffen könne, ein „edles Leben zu führen und über seinen Trieben zu stehen“ (für mich im übrigen ein von der Gehirnforschung widerlegter Unsinn)!

Und dann kommt der Trieb. Ich zitiere Brecht und seine Ballade von der sexuellen Hörigkeit. Und „aus die Maus“ mit Moral und Ethik. In manchen Kulturen wird versucht, dieses Problem durch Vollvermummung der weiblichen Wesen zu lösen. Vielleicht mag da ja Männern helfen, aber das kann doch wirklich keine Lösung sein.

Jetzt meine Vermutung: Aufgrund des biologischen Unterschieds zwischen Mann und Frau (Frau wird schwanger, Mann nicht) hat sich über die Jahrtausende nicht nur in unserem Kulturkreis eine krause sexuelle Prägung von Frau und Mann ergeben. Gelebte soziale gesellschaftliche Normen für Frau und Mann scheinen sich ziemlich unterschiedlich entwickelt zu haben.

Statistisch gesehen würde ich sagen, dass die Sexualität der Geschlechter sich über Jahrtausende asymmetrisch entwickelt hat – dies nicht nur als Erweiterung von Moral sondern auch im Denken und Fühlen der Menschen. Die Frau wurde immer mehr zum Nein-Sagen und Ablehnen gebracht. Denn für die Frau war und ist die sexuelle Interaktion zwischen Mann und Frau ja nicht nur wegen der Möglichkeit der Schwangerschaft leicht folgenschwerer.

Mag sein, dass es auch noch genetische Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt, aber darüber sollen sich die Psychologen und Anthropologen streiten. Ich glaube nicht, dass das sehr relevant ist.

Die gesellschaftlichen Regeln und Gesetze, die die Folgen einer Schwangerschaft regelten, waren unterschiedlich. In Frankreich hat vor gar nicht langer Zeit das Recht sogar der Frau auf das Strengste untersagt, im Falle einer unehelichen Schwangerschaft den Vater zu benennen (um dessen Ehe zu schützen)! Dies stand übrigens im Gegensatz zu Deutschland. Dort hatte die uneheliche Mutter die Pflicht, den unehelichen Vater zu melden (um die Ernährung des unehelichen Kindes sicher zu stellen)! Die katholische Kirche führte sogar das Zölibat ein, weil die Schwangerschaften ihrer Priester zu teuer wurden. Priester waren damals ein bei Frauen begehrtes Wild, denn sie hatten hohes soziales Ansehen, viele waren relativ wohlhabend und hatten immer genug zu essen.

So wurde Mann immer mehr zum Minnesänger, der um die edle (und aus gutem Grunde ablehnende) Frau buhlt. Die Frau wurde zum „göttliche Wesen“, das erobert werden musste. Sie geriet in den Spagat von Heilige und Hure, sollte beides gleichzeitig sein. Mann wurde als Ernährer zum Patriarch der Familie, und die Frau zur (Be-)Hüterin der Familie.

Für die Frauen war es sitthaft, möglichst keinen Sex zu haben – für die Männer dagegen war es toll möglichst viele Frauen zu erobern. Eine Entwicklung, die ja schon numerisch zu einer paradoxen Situation führt. So ist die Anzahl der „Männer auf Sex-Suche“ größer als das Angebot an „Frauen, die bereit sind Sex zu haben“.

Prostitution dürfte die logische Folge dieses Missverhältnisses sein. Sexuelle Befriedigung wird dann gegen Geld geliefert – basierend auf klaren Dienstleistungsvereinbarungen (heute würde man sagen „service level agreements“). Das ganze wird dann „als ältestes Gewerbe“ der Welt bezeichnet. Weil es halt so normal ist, dass es schon immer da war.

Die Asymmetrie tritt besonders krass bei extremen sexuellen Praktiken auf, die als „pervers“ gelten. Wenn ein Mann zum Beispiel sexuelle und sonstige Erniedrigung als Teil seines Triebes benötigt, dann geht er zur Domina (und zahlt). Wenn Frau Erniedrigung sucht, dann kann sie das bei einer Gang-Bang-Veranstaltung bekommen (und zusätzlich ein kleines Säckchen Geld nach Hause tragen).

Prostitution gibt es in vielen Dimensionen. Wenn ich im Automobil-Bau in der Tagesschicht zu wenig verdiene und mich für die Nachtschicht (die meine Gesundheit ruiniert) melde, um mehr zu verdienen, ist das keine Prostitution? Wenn ich mich im Zweitjob an der Tankstelle verdinge, weil ich in meinem Polizisten-Job zu wenig verdiene, was ist dann das? Viele Arbeitsformen sind doch auch nichts anderes als Prostitution?

Ich habe ein eigenes Unternehmen gegründet, weil ich bestimmen wollte, wo ich arbeite. In „abhängiger Arbeit“ war ich immer wieder fünf Tage die Woche weit weg von meiner Familie. Sozusagen auf Montage. Das war doch auch Prostitution. Was ist denn wirklich schlimmer, der Verkauf meiner Zeit oder der Verkauf meines Körpers?

Solche Themen sind in unserer Gesellschaft nach wie vor tabu und dies Ausdruck unserer Verlogenheit. Und wir lügen weiter! Beim Sex ist genau das schlimm, was sonst ganz normal ist!

Ganz schlimm ist es, wenn ich an Krieg denke. In meiner Kindheit habe ich viele Kriegsopfer auch in der Verwandschaft gehabt. Das waren Menschen mit verstümmelten Körpern und vielen auch seelishcen Narben. Diese Krüppel als Folge kriegerischer Gewalt brauchten keine MeToo-Plakate, sie selber waren Anklage gegen Gewalt genug. Die Botschaft war ein Teil ihres Körpers:
Auch ich habe im Krieg ein Bein, einen Arm ein Auge oder mehr verloren.

Auch für diese Verletzungen ist die Ursache dieser Wahnsinn in unserer Gesellschaft, dass Gewalt als selbstverständliches Mittel akzeptiert und legitimiert ist, dies sogar in großindustriellen Dimensionen. So rüsten wir auf und bauen Massenvernichtungsmaßen. Und hoffen, dass diese wie der Krieg nur exportiert werden und Krieg so nicht bei uns stattfindet. Was wahrscheinlich eine Illusion ist.

Aber das kümmert uns alles nicht. Anstelle der Gewalt abzusagen und zu begegnen, regen uns darüber auf, dass Männer überwiegend das Problem haben, Sex zu bekommen und Frauen das gegenteilige Problem, nämlich wenn möglich Sex zu vermeiden.

Die Lösung ist einfach: Den Männern wird unterstellt, im Schnitt ein deutlich stärkeres „Gesteigertes sexuelles Verlangen“ als Frauen zu haben. Der moralische Vorwurf ist, dass sie sich nicht beherrschen können. Und ihre Macht ausnützen. Aber wer nutzt denn seine Macht nicht aus?

Die Diffamierung geht weiter. Sogar Krankheitsbilder werden erfunden: Satyriasis beim Mann (angeblich weit verbreitet) und Nymphomanie (eher als seltene Ausnahme bei Frau). Und beides gilt als krank! So stehen diese Begriffe im medizinischen Lexikon der schlimmen Krankheiten, die behandelt werden sollen.

So gesehen müssten die meisten Männer behandelt werden. Es gibt ein paar „brave“ Männer, die leugnen ihre sexuelle Appetenz. Und beschweren sich über die Mehrheit ihrer politisch nicht korrekten Geschlechtsgenossen. Manche davon glauben ihr Leugnen sogar selber. Und das sind mir die schlimmsten. Sie erinnern mich an Homosexuelle, die ihre (in der eigenen Wahrnehmung falsche) sexuelle Orientierung nicht wahr haben wollen oder können und dann besonders gegen Homosexuelle wüten.

So besteht unser gelebtes Frauen-Männer-Modell aus einer geilen Männerwelt, die verzweifelt auf der Suche nach Sex ist. Und die bösen wenden dann beim „sexuellen Erobern“ von „züchtigen“ Frauen die gleichen Erfolgsmuster an (natürlich), die sich im normalen Leben als erfolgreich herausgestellt haben.

Und jetzt wird mal wieder gekreuzigt, verdammt und geheuchelt. Obwohl es doch so einfach ist:
Je gewaltfreier der soziale Rahmen, desto weniger wird vergewaltigt. In einer friedvollen Gesellschaft wird es keine Vergewaltigung geben. Und je mehr die Gewalt den sozialen Rahmen bestimmt desto mehr wird vergewaltigt. Im Krieg als maximale Gewaltform wird sie dann alltäglich.

Das ist die Botschaft dieses Artikels:
Lasst uns eine gewaltfreie Gesellschaft bauen. Dann wird es auch keine sexuelle Gewalt mehr geben!
Mit Vorwürfen, Diffamierungen, noch mehr Lust an Bestrafung und Rache und den alten Strategien zur Durchsetzung individueller und kollektiver Interessens wird man nichts verbessern, sondern nur noch weitere neue Fronten und Moralismen schaffen.

So erklärt sich leicht, dass in sozialen Welten und Systemen, in denen Erfolg überwiegend durch Einsatz von Macht, Position, Gewalt, mit intrigen- und trick-behafteter Kommunikation und materiellen Versprechen etc. realisiert wird, auch sexuelle Erfolge selbstredend mit Hilfe genau der selben Strategien angestrebt und realisiert werden.

Dies gilt so ganz natürlich für politische oder kirchliche Systeme. Klar, dass dort besonders häufig sexueller Missbrauch statt findet. So wie es wohl jetzt im EU-Parlament aufkommt. Mit welchen Methoden kommt denn ein einfaches Partei-Mitglied heraus aus dem Kreisverband hinein ins Europäische Parlament oder ins Bundes-Kabinett?

Wie soll denn der einsame Abgeordnete in Straßburg oder Brüssel oder Minister in Bonn oder Berlin – so fern der Heimat – seinen Trieb befriedigen? Aufgrund der Belastung eines Abgeordneten muss das auch noch hoch effizient gehen – sprich mit minimalen Zeit-Aufwand. Da gibt es doch nur zwei Möglichkeiten zu Sex zu kommen:
Bezahlen – oder seine Position und Macht einsetzen!

Ich bin mir auch nicht sicher, ob man mit allen „Opfern“, die jetzt die „MeToo-Schilder“ auf ihre Schreibtische stellen, zu viel Mitleid haben sollte. Ich könnte mir schon vorstellen, dass es da auch einige Damen gibt, die vorher die Güter gründlich abgewogen haben, vielleicht sogar einige, die ganz bewusst diesen ja durchaus legitimen (nicht verbotenen) Weg zu Vorteil und Macht eingeschlagen haben.

Und mit so einem Schild kann ja auch wieder ein wenig mehr Aufmerksamkeit erzielen – Aufmerksamkeit ist eine wichtige Währung in der Politik.

Ich hoffe aber nicht, dass Ihr jetzt die Frauen, die die „sexuelle Hörigkeit“ der Männer ganz gerne und bewusst ein wenig für ihre Zwecke ausgenutzt haben, bestrafen wollt? Zum Beispiel wegen unredlichem Wettbewerb gegen konkurrierende Männer? Obwohl das ja ins Bild passen würde, würde ich dann wirklich wahnsinnig werden …

Aber zurück zum Kern:
Augenscheinlich gibt es ja um so mehr Übergriffe, je mehr das System von Machtstrukturen geprägt ist. Das erscheint logisch. Dann ist es doch ganz natürlich, das „im normalen“ Leben über Jahre und Jahrzehnte (also z.B. bei der Partei-Karriere) erfolgreiche Strategien auch bei „sexuellen Anfragen“ angewendet werden? Besonders da der Erfolgsdruck im sexuellen Bereich Trieb bedingt noch größer ist als im normalen Bereich der Gier? Wir wenden halt an, was wir gelernt haben …

Das gilt nach meiner Bewertung natürlich nicht nur im heterosexuellen (hier sind dann sicher in der Mehrzahl die Frauen die Opfer und das bedauere ich ehrlich) sondern auch im homosexuellen oder pädophilen Bereich. Und dann sind halt auch Männer und Kinder die Opfer. Und die Kinder bedauere ich noch mehr als Frauen und Männer. Denn Kinder sind meistens absolut schutzlos. Und Schutzlosigkeit auszunutzen ist für mich absolut kriminell.

Jetzt meine These noch mal „anders herum“:
Wenn MeToo die Bedeutung hat, dass Menschen durch üble Bedrohung, Einsatz von Machtpositionen, mit Gewalt behafteter Kommunikation, in Aussichtsstellung von negativen Konsequenzen bei Verweigerung und Belohnung bei Annahme dazu gebracht werden Dinge zu tun, die sie freiwillig nie tun würden und nicht tun wollen, dann müssten wahrscheinlich alle Menschen eine ganze Reihe von MeToo-Schildern vor sich her tragen. Das gilt für alle Lebensbereiche – nicht nur dem sexuellen.

Ich könnte auf meinen Tisch auch eine Reihe von MeToo-Schildern aufstellen. Für Dinge – ganz jenseits der Sexualität – zu denen ich gezwungen wurde (oder mich fühlte) und für die ich mich zwar nicht mehr schäme, aber über die ich mich doch noch ein wenig ärgere. Dann ärgert mich, dass ich mich habe beugen lassen und wie ich der fiesen Methode erlegen bin, mit der ich dazu gebracht wurde.

Mit diesem Artikel will ich „sexuelle Gewalt“ (Einsatz von psychischer und physischer Gewalt zur Erreichung sexueller Ziele) in keiner Art und Weise rechtfertigen oder verniedlichen. Ich will nur darauf hinweisen, dass wir in unserem Leben laufend mit Gewalt zu etwas gebracht werden, das wir nicht wollen. Manche der wesentlichen unserer Entscheidungen und Handlungen, die uns gegen den Strich gehen, werden auch heute noch ganz normal mit Druck und Drohung von außen (von mächtigeren) in unserem Leben durchgesetzt. Also: Wir alle sind #MeToo!

Und wir müssen diese allgegenwärtige Gewaltstrukturierung zuerst mal allgemein aus unserem Leben entfernen, um auch bei unseren sexueller Interaktion frei von Gewalt zu werden. Zum Beispiel durch gewaltfreie Kommunikation. Beginnen wir mit der Utopie und machen wir diese zur realen Möglichkeit!

Eine ganz andere Frage könnte sein, ob das
„Ideal eines harmonischen Miteinanders der Geschlechter überhaupt möglich und wünschenswert ist“.
Das ist aber ein ganz anderes Thema.

Zumindest fällt mir kein seriöses Vorgehen oder praktikabler Prozess ein, mit dem man das im heutigen Denkrahmen sicher stellen kann. Wie können sexuelle Interaktionen (moralisch) perfekt – z.B. in gesellschaftlich legitimierten Rahmen wie in einer Ehe – organisiert werden? Ich könnte mir vorstellen, dass das was bei sexueller Dienstleistung einfach möglich scheint, im Rahmen einer lebendigen Beziehung schwieriger ist.

Aber jetzt habe ich mich schon genug auf Glatteis gewagt und werde zum Thema Mann und Frau gerne ein anderes Mal weiter schreiben. Ich könnte auch einen Vorschlag formulieren, wie „das harmonische Miteinander“ in der Ehe durch einen „formalen Prozess“ unterstützt werden könnte. „Die sexuelle Interaktion als ordentlicher Ehe-Kontrakt ähnlich einer Patientenverfügung“ als Überschrift für einen herrlich zynischen Artikel.

🙂 Aber vorher schreibe ich erst mal wieder über elektrische Fahrräder … oder etwas anderes „harmloses“. Und erst dann mal wieder über Sex. Themen gibt es auch zu allem mehr als genug.

RMD

Roland Dürre

Sex und Strom

Auf dem Höhepunkt meiner katholisch-christlichen Karriere!

Zu elektrischen Fahrrädern und #MeToo.

IF-Blog-Freunde haben mich aufgefordert, mal neue und wichtigere Themen anzugehen.

So bin ich nicht nur per E-Mail gebeten worden, doch mal über E-Bikes zu schreiben. Weil das ein interessantes und relevantes Thema wäre.

Stimmt!

So werde ich das machen. Denn seitdem ich eBike-Erfahrung habe, verstehe ich schon gar nicht mehr, warum man noch Autofahren muss.

Oder besser gesagt, warum man sich das noch antut – Auto fahren? Wir sind offensichtlich eine Nation von Masochisten (fast hätte ich geschrieben Masochristen).

Wobei mir schon bei dem zweiten Themenwunsch wären. Unserer sexuellen Verlogenheit.

Ich bin von Lesern ermuntert worden, auch dazu mal Stellung zu nehmen. So habe ich zum Beispiel diesen Tweet bekommen:


😀😂 …Mal ehrlich lieber Ihnen muss doch
das ganze Sexismus Gelaber
gehörig auf den Senkel gehen!


 

Ja das stimmt auch! Es geht mir auf den Senkel.

Sobald es um Sexualität geht, wird bei uns geheuchelt, dass sich die Balken biegen. Und zwar von Frauen wie von Männern. Da werden Kampagnen gestartet, die in meiner Bewertung einfach das Hauptproblem unserer Gesellschaft ignorieren, schlimmer noch davon ablenken. Weil die bösen Männern immer die guten Frauen belästigen und ausbeuten. Und unsere Gesellschaft beim Sex vergessen würde, „Grenzen zu ziehen“. Ja, wenn wir diese Grenzen nur beim Sex überschreiten würden, jedoch nicht dauernd im normalen Leben …

Umso mehr wird gefordert, diese Grenzen schnellstmöglich wieder scharf zu ziehen. Die Lust am Bestrafen steigt. Nur lenken wir damit letztlich davon ab, dass der Einsatz von Macht seit Tausenden von Jahren zur validen Erfolgsstrategie und zum allgemeinen Handlungsprinzip geworden ist, wenn es darum geht Menschen zu unterdrücken und zu manipulieren. Und es doch nur erstaunlich wäre, wenn das bei der Sexualität, die ja nicht nur auf „Gier“ sondern auf „Trieb“ ursacht, anders sein sollte als „im normalen Leben“.

Also schreibe ich ab jetzt auch ab und zu mal über Elektro-Fahrräder (als ganz normales Thema) und Sexualität (um ein klein wenig Tabus zu brechen). Dafür richte ich zwei neue Kategorien im IF-Blog ein: eBike und Sexualität.

Noch sind beide noch leer. Aber – als nächstes kommt mein Artikel zu #MeToo. Und geht es los mit e-Biken.

RMD

 

Viele Musikwissenschaftler halten dieses Werk für das größte Chorwerk der Geschichte überhaupt!

 

Stundenlang haben sie geprobt – die Arcis-Vocalisten. Und jetzt ist es soweit – in einer ganz großen und einzigartigen Besetzung!

Und das Beste:
Dank Evelyn gibt es für IF-Blog-Leser, die sich am Konzert erfreuen wollen, ein ganz besonderes Bonbon in Form eines schönen Rabatts. Bei Interesse einfach eine E-Mail an mich mit dem Stichwort „Arcis-Vocalisten“ senden.

 

Eine Gradwanderung

 

Steinmaske aus der vorkera­mischen Jung­steinzeit um 7.000 v. Chr., eine der ältesten Masken der Welt (Musée Bible et Terre Sainte, Paris)

In diesem Artikel formuliere ich Gedanken, die mir bei meiner aktuellen Beschäftigung mit „block-chain-Technologien“ allgemein und im besonderen mit „Krypto-Währungen“ wie Bitcoin gekommen sind und mich selber schon sehr überrascht haben. Weil mir da so manches klar geworden ist, was mir vorher gar nicht klar war.

Ich beginne mal mit Begriffen. Zuerst mit WELT, REAL wie VIRTUELL.

Unter WELT verstehe ich, alles was mich umgibt – Menschen, soziale Systeme … Ich verkehre mit WELT durch Interaktionen und Transaktionen. Meine Handlungen berühren nicht nur mich sondern auch Instanzen aus WELT. Andererseits streifen oder treffen mich Ereignisse aus WELT.

Für mich ist die REALE Welt immer das, was ich sehen, anfassen, fühlen, erleben … kann. Oder was ich essen kann. Auch das Holz, mit dem ich meinen Ofen füttere, damit es in meinem Zimmer warm wird. Auch die Wärme, die von der Zentralheizung kam, ist für mich REAL. Denn ich weiß ja, wo die Wärme herkommt, sei es von draußen als Fernwärme oder von der Heizung im Keller. Sogar Geld war für mich REAL – aber stimmt das überhaupt?

Ich würde sagen, alles von dem ich mir selber ein Bild machen konnte, war für mich REALE Welt. Aber auch Zeitungen waren für mich REAL, wie Telefongespräche. Sogar das Fernsehen war für mich Teil der REALEN Welt. Ist das noch so?

VIRTUELLE Welt waren für mich unter anderem die „sozialen“ Angebote und Produkte der digitalen WELT, an deren Erschaffung ich ja selber mitgewirkt habe. Da muss man gar nicht so weit denken wie an „second life“ und ähnliches. Vielmehr waren „meine“ ersten VIRTUELLEN Welten Foren und „chat rooms“, in denen diverse, oft fachliche Themen diskutiert wurden.

Heute könnte das unter anderem „Social Media“ sein wie Twitter, FaceBook und so viele mehr. Oder ist das alles auch REAL?

Betrachten wir jetzt die Begriffe AUTHENTITÄT und IDENTITÄT. Da habe ich zuerst gelernt, wie schlampig ich (und die Gesellschaft) mit dem Begriff der IDENTITÄT umgehen. Ich dachte immer, die Identität eines Menschen gibt es nur einmal. Das ist zumindest für die VIRTUELLE Welt Unsinn. Denn da gibt es (noch) Anonymität.
Anonymität bedeutet, dass
eine Person oder eine Gruppe nicht identifiziert werden kann. Von der Bedeutung her zum Teil synonym zu anonym ist inkognito, sonst spricht man im Deutschen von unbekannt, verdeckt und namenlos (Wikipedia 10/2017).

Daraus folgt, dass eine Person – die sich „anonym“ im Netz tummeln will (wie z.B. als Bitcoin-Eigentümer in der dazu gehörenden Geld-Community) – nicht nur eine sondern mehrere Identitäten braucht! Sozusagen für jeden Zweck eine andere. Hinter all diesen Identitäten steht immer nur eine Person, die zweifelsfrei und eineindeutig existiert, zu der die Identitäten aber nicht führen! Es gibt also eindeutige Abbildungen von der „authentischen Person“ zu ihren diversen Identitäten, aber keinen Weg zurück – d.h- über die Identität ist es unmöglich, die Person dahinter zu ermitteln. Das finde ich ganz schön aufregend!

Authentität ist für mich sozusagen eine ausgezeichnete Form von Identität, also die nur einmal vorhandene und wahrhafte „Ur-Identität“, die sich hinter verschiedenen Identitäten versteckt. In Wikipedia finde ich den Begriff AUTHENTITÄT übrigens nicht, aber sehr wohl den Begriff der Authentizität. Weil er fürs Thema  so wichtig ist, zitiere ich ihn:
Authentizität (von gr. αὐθεντικός authentikós „echt“; spätlateinisch authenticus „verbürgt, zuverlässig“) bedeutet Echtheit im Sinne von „als Original befunden“. Das Adjektiv zu Authentizität heißt authentisch (Wikipedia 10/2017).

So würde ich sagen, dass die Identitäten nichts anders sind als anonyme Alias-Instanzen für einzig authentische Instanz, die ich jetzt mal Authentität nenne. In der VIRTUELLEN Welt sind das nichts anderes als Masken bzw. Avatare. Der Eigentümer der Maske / des Avatar bleibt anonym und kann nicht ermittelt werden, er hat aber einen quasi „automatischen“ (durch Technologie & Algorithmus gesicherten) Eigentumsanspruch an allem, was seiner Maske / seinem Atavar als Teil der „community“ gehört.

Bei Bitcoin wäre das so: Alle Bitcoin-Eigentümer sind Teil einer  besonderen Community von Identitäten, die alle anonym sind. Erstaunlich ist für: Das geht (oder soll gehen) per „peer2peer“-Interaktion. Also ohne zentrale Instanz!

Die dazu eingesetzte (notwendige?)  Technologie kostet allerdings einen hohen Preis, der diese „Währung“ zumindest als Zahlungsmittel unpraktikabel macht. So dass bitcoin nur noch der Spekulation (dem Wetten) dienen wird. Was aber an sich nichts besonderes ist – dienen doch mittlerweile weit über 90 % (99 % ?) der Währungsgeschäfte wie der Umtausch von EURO (€) in DOLLAR ($) und andersherum nur noch der Spekulation und nicht mehr dem Warenaustausch! Ist das normale Geld etwas auch schon VIRTUELL?

Zurück zum Thema: Ursprünglich dachte ich, dass meine IDENTITÄT meine AUTHENTITÄT ist. Aber dem ist nicht so. Im Gegenteil, im Internet verstecke ich meine AUTHENTITÄT hinter verschiedenen IDENTITÄTEN. Und von diesen soll kein Weg zu meiner AUTHENTITÄT führen.

Die AUTHENTITÄT ist so eindeutig wie meine DNA. Die wäre ein guter „Schlüssel“ (als biometrisches Datum), da die Wahrscheinlichkeit einer doppelten DNA gegen Null geht (aufgrund der quasi Unendlichkeit von DNAs).

Noch muss ich z.B. im Hotel meinen Meldeschein ausfüllen, das heißt meinen Namen und Vorname, Geburtsort, Nationalität, meine Heimadresse und die Nummer meines Personalausweises angeben. Diese Daten in ihrer Kombination machen mich eindeutig. Mit dem Vorzeigen des Ausweises belege und meiner Unterschrift beurkunde ich die Echtheit (Wahrheit der Daten) meiner Person …
🙂 Das Hotel hat ja auch eine Adresse, obwohl die GPS-Koordinaten des Hoteleinganges präziser (und einfacher?) wären.

Aber lass uns der Reihe nach vorgehen und in der REALEN Welt beginnen: Ich habe als erstes in der REALEN Welt nach möglichen „echten anonymen Identitäten“ gesucht.

Als Beispiele sind mir eingefallen:

  • Nummernkonto
    Früher konnte man vorzugsweise in der Schweiz ein Konto eröffnen, das anonym war. Das Konto hatte nur eine (Konto-)Nummer, der Bank war jedoch nicht bekannt, wem das Konto (und das darauf befindliche Guthaben) gehörte. Die Legitimation erfolgte über die Nummer (sprich eine Chiffre). Und jeder, der die konkrete Bankfiliale besuchte und über Kontonummer und Chiffre verfügte, konnte (anonym) Geld abheben. Das hat viele Jahrzehnte gut funktioniert.
  • Bekanntschaftsanzeigen
    Früher konnte man in Tageszeitungen anonym zum Beispiel Bekanntschaftsanzeigen aufgeben. In der Anzeige gab es eine Chiffre, der wiederum ein Schlüssel zugeordnet war. Mit diesem Schlüssel konnte man die Zuschriften auf die Anzeige abhalten (die der passenden Chiffre zugeordnet waren).
    🙂 So erinnere ich mich, dass wir (vor allem die Mädchen in unserer Klasse) in der Schule in den 60iger Jahren aufgrund dieser „Anonymität“ vor Heiratsschwindlern gewarnt wurden …
  • KFZ-Kennzeichen, Telefonnummer …
    Im Straßenverkehr sind mir KFZ-Nummern eingefallen. Die waren früher auch anonym – obwohl es hier eine zentrale Instanz (so eine Art von „man-in-the-middle“) gab, die sehr wohl Bescheid wusste, wer der Halter war, der sich hinter dem Kennzeichen versteckte. Heute sind nur noch die KFZ-Kennzeichen von Fahrzeugen von Verfassungsschutz und ähnlichen Institutionen anonym – da kommt dann sogar die Polizei nicht dran.
    So war es auch bei Telefon-Nummern. Natürlich wusste die Post als „man-in-the-middle“, wer der Teilnehmer war, der sich hinter der Telefonnummer versteckte. Aber wer eine ausreichende Begründung hatte, war nicht im Telefonbuch und eigentlich nur durch Anrufen zu ermitteln.
  • Prepaid und E-Mail
    In der REELLEN Welt konnte man früher mit Mobiltelefonen dank Prepaid-Karten anonym bleiben. Und auch das Erwerben einer E-Mail-Adresse war ohne Angaben zu Person möglich. Oder ist das schon die „VIRTUELLE Welt“? Ich meine, das ändert sich derzeit zumindest in Deutschland massiv. So etwas geht immer weniger.
    Das Darknet der VIRTUELLEN Welt (?) soll ja auch immer weniger funktionieren. Das weiß ich aber nicht, sondern müsste ich erst untersuchen.

Also:
So richtig fallen mir keine aktuell existierende Anonymitäten über Identitäten in der REALEN Welt mehr ein. Im Gegenteil: Meine Wahrnehmung ist, dass ANONYMITÄT in der REALEN Welt unerwünscht ist und Gesetzgebern und Administration mehr oder weniger total abgeschafft wurde/wird.

Ist aber die VIRTUELLE Welt nicht Teil der REALEN Welt? Und ist die VIRTUELLE Welt nicht schizophren? Denn träumt manvon „anonymen Währungen und communities“, auf der anderen Seite macht man alles, um die Anonymität abzuschaffen!

So macht die Post Reklame für ihren POSTIDENT-Dienst, der ja auch nur ein Ziel hat: Die Anonymität auch in der VIRTUELLEN Welt abzuschaffen.


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Ist das nicht heiß? Man beachte auch hier die unpräzise Begriffsverwendung – Identitätsfeststellung und Legitimationsprüfung.

Aber der – sicher fragwürdige und leicht zu komprimittierende – Dienst wird von vielen Internet-Anbietern genutzt, die wissen wollen, mit wem sie es wirklich zu tun hat.

So stellen sich mir Fragen:

Ist es nicht unlogisch, wenn die REALE Welt die Anonymität komplett abschafft – diese aber in der VIRTUELLEN Welt Urstände feiern soll? Obwohl die VIRTUELLE Welt ja Teil der REALEN ist?

Was ist, wenn Technologie-Führer wie CHINA die Anonymität abschaffen? Folgt daraus nicht, dass durch die von uns von dort importierte Technologie sozusagen wir auch selbstredend die Anonymität verlieren?

Was macht es einen Sinn, wenn die Funktionalität des „guten alten Schweizer Nummernkonto“ durch anonyme Krypto-Währungen wieder realisiert wird?  Will man das überhaupt? Oder ist es nicht nur eine Frage der Zeit, bis diese verboten werden, weil z.B. auch das Bankgeheimnis nicht mehr im gesellschaftlichen Trend liegt?

Ist das Ganze nicht vielmehr nur ein ganz besonderes Werkzeug von Spekulation – so wie das „Wetten im Internet“ fröhliche Urstände feiert und zu einem massiven Geschäft betreffend Umsatz und Profit geworden ist?

Ich meine, dass diese Themen im Rahmen von gesellschaftlicher Ethik diskutiert werden sollte. Aber war machen wir? Wir gründen Ethik-Kommissionen, dies sich mit künstlicher Intelligenz und selbst fahrenden Autos beschäftigen. Die wichtige Frage, ob wir bewusst Teile der Gesellschaft  „anonym“ lassen wollen, diskutieren wir aber nicht. Wir blöken zwar über einen absurden Datenschutz und ereifern uns dazu – obwohl wir wissen, dass dieser so wie eingefordert garantiert nicht funktionieren wird – und verstricken uns dabei in einem Netz von Regeln und Gesetzen, die uns lähmen und aus dem wir wahrscheinlich nicht mehr herauskommen werden.

Die Auflösung dieses Themas ist für mich übrigens recht einfach:

Wenn (weltweit?) der Rechtsstaat garantiert ist, dann brauchen wir keine Anonymität. Auch kein anonymes Zahlungsmittel.

Wenn der Rechtsstaat jedoch in Gefahr oder Auflösung ist, dann tun wir gut daran, wenn wir „anonyme Räume“ beibehalten.

RMD

P.S.
Jetzt hoffe ich, dass ich mich halbwegs verständlich ausdrücken könnte und Euch nicht mit „AUTHENTITÄT“ und „IDENTITÄT“ verwirrt habe. Und als leichter Nachschlag noch eine Story zum Thema:
Leichtsinnig wie ich bin habe ich mir im Frühsommer in Athen meinen Geldbeutel in der U-Bahn stehlen gelassen. Da war ALLES drin. So musste ich auch einen neuen Personalausweis beantragen. Da wurde ich vom freundlichen Mitarbeiter der Kommune Neubiberg gefragt, ob ich diesen mit „digitaler Signatur“ haben wolle. Weil die bei der Ausweiserstellung umsonst dabei wäre – und ich später eine Gebühr von ich meine 20 € zahlen müsse.
Natürlich habe ich gefragt, für was ich diese „digitale Signatur“ denn nützen könne? Meinem „Kundenberater“ von der Gemeinde viel da nicht viel ein – außer einem komischen Gewerberegister, dessen Sinn mir nicht klar wurde.
So habe ich ihn gefragt, ob diese Signatur zumindest für die elektronische Steuererklärung (Elster) möglich wäre. Als er das verneinte, habe ich – wohl mehr aus Trotz – auf die digitale Signatur verzichtet – und glaube, dass dies kein Nachteil für mich ist.