Klaus Hnilica
Dienstag, der 27. März 2018

Sparmodell WHISKY

Carl und Gerlinde (Folge 58)

Nein Carl beabsichtigte nicht jetzt noch einmal zu erklären, warum er und Gerlinde zwar ursprünglich nach Teneriffa wollten, dann aber doch wieder in Lanzarote gelandet waren und von da erst gestern Nacht heim kamen!

Gerlinde wollte dazu auch nichts sagen: warum mussten Hannelore und Kurt sie auch schon am frühen Sonntagmorgen während des Frühstücks überfallen, nur weil Hannelore wieder einmal nicht erwarten konnte, einen weiteren fantastischen Urlaubsbericht von Gerlinde zu hören, um ihren Kurt endlich auf die Kanarischen Inseln zu bringen.

Leicht genervt fragte Carl, ob sie eine Tasse Kaffe möchten oder gleich den Sekt und die Lachshäppchen, die er und Gerlinde im „Iberostar Lanzarote Park Hotel“ jeden Morgen um diese Zeit als kleinen Brunch einzunehmen pflegten.

Oh – ihr ward wieder im gleichen Hotel wie letztes Jahr? flötete Hannelore, was Gerlinde nur mit einem müden Nicken bestätigte, während sie sich um die Sektgläser kümmerte, da Carl tatsächlich schon in den Keller nach dem Sekt gesprintet war. Ja – wenn’s um Hannelore ging, war er flott!

Komm erzähl doch Gerlinde, wie war’s denn in Lanzarote? Wie war das Wetter? Wie die Leute und die Stimmung? Wir wollen alles haarklein wissen, gell Kurt?

Kurt nickte knapp und Gerlinde sagte, Gott – ja –  alles in allem war’s schon schön!

Na – das klingt ja nicht grad begeistert, brummte Kurt.

Oh – doch ging Carl dazwischen und ließ die Sektkorken knallen.

Leider hatte ich halt gleich nach der ersten Woche diese blöde Erkältung an der ich immer noch herumlaboriere, stöhnte Gerlinde und rotzte zur Bestätigung gleich zwei Tempotaschentücher voll.

Und ich hab’ dauernd gefroren! grinste Carl, während er reihum Sekt einschenkte.

Heißt das, dass es nicht so warm und frühlingshaft war, wie ihr das erwartet habt? fragte Hannelore schon mit dem Sektglas in der Hand.

Für die vielen Dicken schon, feixte Carl, aber für die wenigen Normalgewichtigen wie wir, nicht! Aber jetzt Prost ihr Lieben, auf Euch und uns und dass wir wieder heil zuhause sind.

Der ständige kalte Nordwind war echt blöd dieses Mal, stöhnte Gerlinde mit grandioser Leidensmiene, die Hannelore hartnäckig ignorierte.

Na toll! – deswegen fliegt man 4000 km Richtung Afrika, meinte Kurt süffisant. Er trank sein Glas in einem Zug leer und platzierte es auffordernd gleich wieder neben die Sektflasche, in der noch ein paar Schluckchen drinnen waren.

Länger als eine halbe Stunde habe sie keinen Tag in der Sonne liegen können, wegen dieses blöden Windes. Und nur drei Mal sei sie im Pool geschwommen in den zwei Wochen. Wahrscheinlich habe sie sich da auch die Erkältung geholt, jammerte Gerlinde weiter, da sie schon einmal am Jammern war und sie merkte wie Hannelore dieser Negativbericht immer mehr zusetzte. Aber natürlich war sie mit ihrer Erkältung nicht alleine: schon morgens im Frühstücksraum hustete und schnupfte fast der gesamte Saal in allen Tonlagen, wie ein fein abgestimmter Kirchenchor, wenn sie ankamen, und auch das Flugzeug zurück nach Frankfurt war eine einzige Ladung triefender und hustender Rotznasen gewesen…

Da Carl zu Hannelores Glück wieder frischen Sekt nachgeschenkt hatte und animierend sein Glas hob, musste Gerlinde ihren ‚Rotzreport’ kurz unterbrechen, was Hannelore die Gelegenheit gab, nach ein paar hastigen Schlückchen schnell die Frage einzuwerfen, ob sie wenigstens schöne Ausflüge gemacht hätten.

Ja das schon, meinte Gerlinde nach einer längeren Pause, in der sie, immer noch im Morgenrock, bedächtig ihren Oberkörper hin und her wiegte und an ihrem Glas nippte!

Gleich zu Beginn hätten sie für Mittwoch diesen mehrfach empfohlenen grandiosen Ausflug zu der traumhaften kleinen Fischerinsel ‚La Graziosa’ im Norden von Lanzarote gebucht: 60€ pro Person, mit Mittagessen, Busabholung vom Hotel, Fahrt zum romantischen Hafen Órzola und von da mit einem Katamaran durch den so genannten Rio zur Insel La Graziosa!

Leider regnete es an diesem wunderbaren Mittwoch aber, was selten genug vorkommt, stöhnte Gerlinde und bat Carl, ihr nochmals nachzuschenken, und der sonst übliche Wind hatte sich an diesem Tag auch zu einem veritablen Stürmchen ausgewachsen, so dass man sich überhaupt nicht an Deck aufhalten konnte und deshalb noch ein Glasbodenboot dazu genommen werden musste, um alle Ausflügler trocken unterzubringen. Nach dem Essen auf La Graziosa wurde im Regen aber auf eine weitere Besichtigung der Insel verzichtet und statt  dessen bei wahnwitzigem Seegang – da hinter Graziosa ja 6000 km Atlantischer Ozean liegen – die Insel mit beiden Schiffen umfahren. Dies mit dem Ergebnis, dass sie ununterbrochen kotzen musste und selbst Carl am Ende der Umschiffung sich auch kaum mehr auf den Beinen halten konnte.

Gerlinde brauchte nach diesem Kurzbericht ein weiteres Glas Sekt und sank erschöpft in ihrem Stuhl in sich zusammen, während Carl endlich  auch das Wort ergreifen konnte und ergänzte, dass jeder von ihnen beiden nach diesem Abenteuer eine halbe Stunde unter der heißen Dusche gestanden habe, um einigermaßen wieder warm zu werden. Danach sei aber Gott sei’s gedankt, das Unerwartete passiert, was diesen Urlaub noch rettete…

Und was war das für ein unerwartetes Ereignis? fragte Hannelore neugierig mit neuer Hoffnung in den Augen.

Tja  – ich weiß nicht, ob ich das verraten soll? Was meinst du Gerlinde?

Ihr wäre das egal brummelte Gerlinde, sie möchte nur ein weiteres Glas Sekt.

Das Vierte! stellte Carl leicht besorgt fest.

Na  – und?

Ich sag’s ja nur, hauchte er und schenkte nach.

In einem ähnlichen Zustand, wie jetzt Gerlinde wären sie beide nämlich nach dem gelungen Ausflug auch gewesen, sagte Carl dann zu Hannelore und Kurt. Und ohne nachzudenken hätten sie damals in einem Rutsch hintereinander alle vier kleinen Fläschchen Whisky aus der Minibar weggeschluckt, um einigermaßen zufrieden in ihre Bettchen zu sinken…

Das böse Erwachen kam allerdings am nächsten Morgen, als sie entdeckten, dass eines dieser winzigen 5cl-Fläschen Whisky mit 9.90€  berechnet wurde, was bedeutete, dass sie für diese läppischen vier Fläschchen Whisky – die nicht mehr als vier große Schluck waren – 39.60 € löhnen mussten! Das müsse man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen, stöhnte er.

Keine schlechte Rendite für das Hotel stellte – plötzlich hellwach –  der gute Kurt fest!

Und Gerlinde stöhnte in ihrem Stuhl auch auf! Ihr neuerlicher Wunsch nach Sekt wurde allerdings nicht mehr erfüllt.

Stattdessen sagte Carl zu Hannelore, dass man so eine Abzocke natürlich mit ihm nicht machen könnte. Eine kurze Überprüfung der Whisky– Situation im nahen Supermarkt zeigte ihm nämlich, dass dort ein 75cl Fläschchen der gleichen Marke gerade einmal 15.85 € kostete.

Selbst Kurt war mit einem Mal klar, was da zu tun war! Und so nickte er bei jedem Wort bestätigend mit dem Kopf, als Carl, nicht ohne einem gewissen Pathos, verkündete, dass er und Gerlinde daraufhin im Laufe der restlichen 10 Urlaubstage schlicht und ergreifend einfach 10 Flaschen Whisky zusammen weg geschluckt hätten und dadurch nach Abzug der Beschaffungskosten sage und schreibe 1325.- € erwirtschafteten, wie jedermann leicht nachrechnen könne!

Ahhhh – kicherte Hannelore plötzlich, jetzt gehe ihr ein Licht auf: das meinte also Gerlinde, als sie sagte, ihr seid alles in allem doch zufrieden gewesen mit euerem Urlaub!

Ja das meinte sie wohl, bestätigte Carl, da Gerlinde inzwischen auf ihrem Stuhl sanft entschlummert war. Der Sekt tat wohl seine Wirkung!

Und vielleicht half bei Kurt auch der Sekt nach, als er ohne seine Stimme anzuheben mit größter Selbstverständlichkeit plötzlich sagte, dass er sich bei einem derartigen Sparpotential einen Urlaub auf den Kanaren auch gut vorstellen könnte…

KH

Roland Dürre
Sonntag, der 18. März 2018

Kreative Kommunikation – Texte

Da war doch etwas, das mir viel Freude gemacht hat. Am 22. Oktober 2017. Da haben wir uns in Nürnberg getroffen um am Abend etwas Neues auszuprobieren. An diesem Mittwoch planten wir eine kleine Show. Wir wollten mit Bildern, Musik und Text jammen und so „Wichtiges kreativ kommunizieren“. Zum Abschluss des „soft tracks“ der DOAG-Jahreskonfenz. Wir, das waren Christian Botta, Knud Johanssen und meine Wenigkeit. Das Thema war „Nicht Jammern sondern Jammen„. Davon gibt es auch ein Video. Hier wie angekündigt die Texte zum Video.

Zuerst  stelle ich das Solo von ALTO – dem Altosaxophon eher im mittlern Teil vor (gesprochen von Knud Johannsen)

Also sprach ALTO – das Saxophon.

Und hier meine Texte. Zur Einstimmung habe ich ein paar Stich-Worte gestanzt (Worte, die einen Stich geben). Ich habe nur nach Worten gesucht, die mit „K“ anfangen – es ging ja um „Kreative Kommunikation“.


Kaizen (in Japan schon seit den 40igern), Kapital, Kommerz, Kommunikation, Konten, Kosten & Kasten, Konsum, Konzern, Kommerz, Kontrolle & Kooperation, Krawatte, Konstruktivismus, Kontext, Kybernetik, Kommunismus (böse), Kapitalismus (gut), Kunst (brotlos), Kohle (Basis von allem), Kohlendioxid, Knud (der mit dem Saxophon), Kinder (werden nicht mehr geschlagen),, die (Loch)-Karte leitet den Siegeszug des (K)Computers ein, Katzen und Kindergarten kommen, Kruzifix geht (?), Kirche, das Krad, den Kran, das Kraftwerk, die Kernkraft, das Kraftfahrzeug, (K70 – aber nicht als Kombi), der Kosmos, Kampf (gegen Krankheiten), Krieg ( (wird geächtet, dafür auf den Straßen), Komitees, Krimi & Kinsey(-report) – das war alles krass, kollektiv und kompliziert …


Dann ging die Zeitreise los mit Text und Musik, vom Gestern zum Heute ins Morgen – Die Sterne  ****** in meinen Texten symbolisieren immer die Beiträge von Knud und Chrisitan. Und für den, der die genannten Lieder nicht kennen sollte, habe ich immer einen Link auf ein Video zum Lied gesetzt. Natürlich findet und erkennt man von Knud auf ALTO gespielte Musik auch im Video.


Gestern


***** Yesterday (ALTO & Knud)

Ja, das Gestern.

Gestern, das war das Beginn des Anthropozän – Vorschlag zur Benennung einer neuen geochronologischen Epoche: Das Zeitalters, in dem der Mensch zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde geworden ist. (Wikipedia).

Es fing so gut an! Strom an Stelle von Kohle, welche Erleuchtung! Elektromotor anstelle von Dampfmaschine. Wunderbar!
Fehler: Strom wird immer noch aus Kohle gemacht.

Es geht immer nur um Kohle – Zeit ist Geld.

***** Money – That`s what I want (ALTO & Knud)

Gestern, das war auch:
Das Fließband (Taylorismus – nach Henry Ford oder wie in den Schlachthöfen von Chicago) hält Einzug in die Verwaltung (Ablauf- und Aufbauorganisation). Die Kaste der Ingenieure transformiert zur Manager-Kaste. Menschen sind  Ressourcen. Stechuhren auch für die weißen Krägen.

Die Macht gehört den Männern, sie sind die Macher. Positiv: Wir haben mehr Wohlstand und weniger Hunger. Wir tanzen auf dem Eisberg.

***** Dirty Dancing (ALTO & Knud)

Ein Leben in Verschwendung. Waste und Widersinn – wie die Rettungsboote auf dem unsinkbaren Schiff Titanic.

***** Titanic (Alto & Knud)

Auf der Straße klingt es: Macht kaputt, was Euch kaputt macht!

***** Brick in the wall (ALTO & Knud)

Unsere Reise geht weiter ins Heute:


Heute


***** Löwenzahn (ALTO & Knud)

Heute heißt Erfolg “Überleben”.
Mit Freude am Leben.
Um den Mut zu erhalten.

Weil das Leben immer komplexer wird: Das geht so. Es ist an sich schon komplex genug. Dann finden wir Fehler, die komplex sind. Die Behebung der Fehler ist komplex und macht das System noch komplexer. Wir finden neue, noch komplexere Fehler. So entsteht der Kreislauf der Komplexität.

***** Solo: Christians Bergbesteigung zu einfachen, komplizierten, komplexen und gar „Forschungs-„Projekten (verbaler Beitrag) unterstützt von Heidi.

Unternehmen werden zur “Excel Managed Company”. Sie werden als Maschinen gesehen. Die Manager drehen an den Stellschrauben dieser Maschine und regeln Umsatz, Profit und Börsenwert. Es wird um die Wette geplant und gewettet ohne Ende. Das Goldene Lamm heißt Wachstum. In der Politik wird viel geredet und wenig gehandelt. Wir wissen alles und tun nichts. Sachzwänge regieren und es gibt die Frauenquote.

Trotzdem: Aufbruch und Umdenken findet allerorten und in allen Dimensionen statt. Wir haben verstanden: Nicht weil es schwer ist, trauen wir uns nicht sondern weil wir uns nicht trauen, ist es schwer!


Morgen


Wir reisen weiter ins Morgen. Was wird morgen wichtig sein?

  • Weniger ist mehr!
  • KISS (keep it simple, stupid).
  • Leadership – Menschen größer machen und nicht kleiner!
  • Zukunft gelingt nicht alleine. Vernetzen wir uns und arbeiten wir zusammen. Ko-Kreativität ist angesagt.
  • Kommunikation auf Augenhöhe!
  • Zeit schenken, inspirieren und Impulse geben.
  • Freiheit: Willens und in der Lage sein sein Leben eigenverantwortlich zu führen
  • Weisheit als menschliche Klugheit.
  • Nachhaltigkeit: Produktionszyklen mit no Waste
  • Biophilie: Handle so, dass sich eigenes und fremdes Leben in seinen vielen Dimensionen sich eher mehrt denn mindert.
  • Future is female!

Wir können die Dinge richtig machen.
Wir können die richtigen Dinge machen.

Was passiert, wenn wir die falschen Dinge richtig machen?


Dann gab es noch ein paar schöne Solos von Christian (z.B. zur Komplexität), der Knud hat immer wieder „gerapt“ und natürlich gespielt; und dann haben alle gemeinsam imagine gesummt und hey jude gesungen.

Für mich (und ich glaube auch unsere Zuhörer) war es schöne 30 Minuten unseres Lebens. Und wenn Ihr jetzt neugierig geworden seid, hier der LINK direkt zum Video. Viel Spaß und Freude beim Ansehen!

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 16. März 2018

Impressionen am 15. März in der Früh :-)

Im EC 196 in Richtung Zürich.

Heute besuche ich den Wolf in der Schweiz. Die S-Bahn fährt in Neubiberg um 6:31 ab. Zum Bahnhof in Neubiberg ist’s gut ein Kilometer. So verlasse ich mein Zuhause kurz nach sechs.

Es dämmert schon, es riecht nach Frühling. Durch die Häuser höre ich die S-Bahn eins früher, sie ist pünktlich. Das ist schon mal ein gutes Zeichen.

Der Weg biegt ab zum Gleis. Ich spaziere entlang der Strecke weiter zum Bahnhof und genieße den Tag. Mir fällt ein, dass vor Weihnachten und vor meinen Reisen in die Südsee und in die Antarktis die beiden Bahnsteigs-Uhren in Neubiberg eine um 2 Minuten differierende Zeit angezeigt haben. Genauer: Die südliche ging richtig, die nördliche war um zwei Minuten der Zeit hinterher.

Auf dem Wege begegne ich einem Herrn mit Hund. Auch er macht’s gemütlich. Ich nähere mich dem Bahnhof. Ein nagelneu aussehender Fiat Cenquecento parkt in der Ferne auf den Park&Ride-Plätzen ein und rangiert ein wenig. Eine junge Frau – eher ein wenig pummelig aber top „gedresst“ – steigt aus. Ganz in Schwarz und sehr chic gekleidet. Das alles sehe ich aus der Ferne.

Dann komme ich an der S-Bahn-Station an. Gehe die Treppe runter und die Treppe hoch. Ich bin zu früh da. Der Bahnsteig ist noch ziemlich leer. Die Dame in Schwarz erkenne ich auf dem Bahnsteig wieder. Sie raucht eine Zigarette. Alles passt zusammen: Neuer Cinquecento, sehr gepflegt und gut gekleidet, mit Zigarette. Eine moderne Frau.

Ich habe Zeit und spaziere am Bahnsteig auf und ab. Bewegung. Noch eine Dame – eher schlank und blond und nicht so gut gekleidet – steht am Bahnsteig und raucht eine Zigarette. Ich mache einen Zeitvergleich der beiden Uhren. Ich glaube es nicht – es ist alles wie früher – die Bahnsteigs-Uhr im Süden zeigt die Zeit zwei Minuten später an als die Uhr im Norden. Ich positioniere mich am Zugende. Weil die S-Bahn am Ostbahnhof wendet und ich am Hbf in München ganz vorne bei der Rolltreppe hoch zum Hbf aussteigen will. Optimierung der Wege.

In Neubiberg begegnen sich die S-Bahnen. Der Gegenzug (stadtauswärts) fährt diesmal zuerst ein. Ich schau in den Zug. Der erste Teil ist ziemlich leer. Da sitzen nur Frauen. Zufall? Oder hat das einen Grund, dass so früh am Morgen überwiegend Frauen in der S-Bahn stadtauswärts fahren?

Mein S-Bahn kommt ein wenig später. Ich sehe schon die drei Stirn-Lichter aus Richtung Ottobrunn kommen. Sie ist (fast) pünktlich. Ich steige ein. Im Abteil ist auch in meiner Richtung Frauenüberschuss. Vielleicht ist das auch so eine „Gender-Sache“, dass Frauen früher S-Bahn fahren müssen als Männer?

Die DB sendet mir einen (unsinnigen) Verspätungsalarm. Und kündigt mir eine Gleisänderung am Zielbahnhof in St.Magrethen an.

Ich bin wieder zu Hause!

RMD
🙂 Geschrieben im EC 196 in Richtung Zürich – fertig geworden auf der Höhe von Buchloe.

Roland Dürre
Donnerstag, der 15. März 2018

Landgang Antarktis (mit Reisebericht).

Roland beim Landgang in der Antarktis.

Alle Teilnehmer an einer Antarktis-Expedition müssen vor dem Landgang verpflichtend an einer Informations-Veranstaltung teilnehmen. Da wird gezeigt, wie ernst es der Weltgemeinschaft mit dem Schutz der unberührten Natur des antarktischen Kontinents ist.

Gleichzeitig ist die ganze Antarktis und vor allem auch Südgeorgien ein einzig großes Museum, dass viele Geschichten von Expeditionen und Wissenschaft erzählt, aber auch den Geologen wesentliche Aufschlüsse über die Geschichte unserer Welt liefert.

Es gibt zehn Regeln für den Landgang in der Antarktis und Südgeorgien, die beim Betreten des Antarktischen Festlandes wie seiner Inseln unbedingt beachtet werden müssen.

  • Ruhe bitte!
  • Distanz bitte (Pinguine 5 Meter, Robben und Seevögel 15 Meter)!
  • Nichts zertreten!
  • Bringen Sie keine Pflanzen und Tiere mit!
  • Respektieren Sie Schutzgebiete!
  • Erhalten Sie historische Stätten und Denkmäler!
  • Verzichten Sie auf „Souvenirs“!
  • Respektieren Sie die wissenschaftliche Forschung!
  • Denken Sie an Ihre Sicherheit!
  • Erhalten Sie die Unberührtheit der Antarktis!

Das beinhaltet auch dass man nicht ausspuckt, schnäuzt oder gar pieselt (bieselt).

Roland bei der Rückfahrt zum Schiff.

Diese Regeln dienen auch dem Schutz der Tiere. Ich war positiv überrascht, wie ernst alle Teilnehmer diese genommen haben und sich konsequent an die Vorgaben gehalten haben.

Auch ich habe mich daran gewöhnt, keinen grünen Fleck zu betreten. Das ungeschützte „Nießen“ haben wir alle vermieden. Der fahrlässige Verlust eines Papier-Taschentuchs war ausgeschlossen.

So war jeder Landausflug ein beeindruckendes Erlebnis. Das Licht, die reine Luft und die wunderschöne Natur haben uns tief beeindruckt. Historische Gebäude als Zeugnisse von einer grausamen Industrie (Walfang), die mit dem Versprechen eines guten Verdienstes Menschen in einen grauenhaften Job unter schwersten Bedingungen weit weg von der Heimat und Überbleibsel aller Art von Offenbarung.

Zurück in Deutschland war ich entsetzt, wie achtlos wir im Großen wie im Kleinen in unserer Heimat mit unserer Natur umgehen. Mich hat noch vielmehr als vor der Reise die Vermüllung unsere Radwege, Straßen und Städte entsetzt wie auch die gigantische Versiegelung unserer schönen Landschaft. Und wie viel Lärm und schlechter wir uns auch in den schönen Wohngegenden unserer Städte ganz freiwillig aussetzen.

An dieser Stelle auch für meine Freunde ein Bericht zur Reise, verfasst und illustriert von unserer großartigen Lektorin Dr. Katrin Knickmeier. Wir haben (nicht nur) bei ihr soviel gelernt und ich kann den Besuch dieses besonderen Kontinents nur empfehlen.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 10. März 2018

Könnte sein, dass er Recht hat, der Trump.

Es gibt da wohl zwei einfache und belegbare Fakten:

1) Die EU erhebt im Schnitt höhere Einfuhr-Zölle als die USA

und

2) Die USA importieren mehr Waren aus der EU als sie dorthin exportieren

(Quelle Zeit)

Roland in Süd-Georgien, da wo ein Jahrhundert lang Wale und Robben um des lieben Profits willen abgeschlachtet wurden, auch so eine Art von Globalisierung.

Das scheint doch die Vermutung zu bestätigen, dass der „Partner“ mit den niedrigeren Einfuhrzöllen „der Dumme“, also derjenige ist, der mehr importiert bekommt als er exportieren kann. Klingt doch zumindest in kaufmännischer Denkdimension ganz logisch. Weil letzten Endes der Preis zählt.

Betrachten wir zuerst mal das Auto (als  „Fallbeispiel“):
Der Einfuhrzoll, den die USA für PKWs erheben, beträgt 2.5 %. Die EU erhebt bei Auto-Importen einen Einfuhrzoll von 10 % auf Passagierfahrzeuge (Autos und  PickUps, wenn die Ladefläche kürzer als der halbe Achsenabstand ist). Das heißt, dass die EU beim Auto das 4-fache an Zoll erhebt wie die USA.

Dazu kommt, dass das deutschen Autobauer und ihre Kunden massiv subventioniert werden (Dienstwagen-Privileg, Diesel, Forschungsgelder & Prämien, Verzicht auf Tempolimit und Straßenmaut …).

Ähnlich ist es bei Motorrädern:
Die USA verlangt bei der Einfuhr 2.4%, die EU 8 % auf Motorräder mit einem Hubraum bis 250 ccm und 6 % auf Motorräder mit einem Hubraum über  250 ccm. Also auch hier verlangt die EU mehr als das 3- und 2,5-fache im Verhältnis zur USA.

Allgemein gilt, dass die geltenden Zölle zwischen den beiden Handelspartnern USA und EU bereits vergleichsweise niedrig aber oft unterschiedlich sind. Je nach Quelle lese ich:

„Auf der  EU-Seite liegen sie im Schnitt bei etwa 3 Prozent des Warenwerts, auf US-Seite bei knapp 2,5 Prozent.“
(Zitat und Quelle Handelsblatt)

„Im Durchschnitt aller Produkte betrugen die Einfuhrzölle der USA 2016 Zahlen der Welthandelsorganisation (WTO) zufolge 3,5 Prozent. In der Europäischen Union waren es hingegen 5,2 Prozent, in China sogar 9,9 Prozent.“
(Zitat und Quelle Spiegel)

Beiden Quellen folgend sind die EU-Zölle im Schnitt deutlich höher als die der USA (laut Handelsblatt um 25 %, nach Spiegel fast 50 %. Mehr über die Höhe der Zölle kann man hier lesen).

Die Zahlen aus den beiden Quellen differieren. Vielleicht weil „im Schnitt“ nicht ganz einfach zu berechnen ist, da ja die absoluten Beträge auch von den Volumen abhängig sind. So dürfte der Zoll zum Beispiel auf Autos in der Summe deutlich höher sein als auf Erdnussbutter. Ich würde aber eher der Ich würde da eher der WTO glauben, dann wären wir bei 50 %. Und das wäre dann schon eine wesentliche Ungerechtigkeit.

Betrachtet man die führenden zwanzig Import- und Export-Länder von Stahl im Jahre 2010 (Quelle Wikipedia), dann stellt man fest, dass viele Länder von der Größenordnung her ähnlich viel Stahl exportiert wie sie importiert haben.

Für Deutschland waren das in 2010 ein Export von 25.352 und ein Import 22.733 (in Tausend Tonnen). Ähnlich ausgeglichen ist die Export-/Import-Bilanz bei vielen Ländern wie Großbritannien, Frankreich, Italien, Kanada Österreich, Mexiko Südkorea, Taiwan …

Eher die Ausnahmen sind Länder wie China, Japan, Russland die z.B. doppelt soviel oder deutlich mehr exportiert haben wie importiert. Die USA dagegen hat damals schon doppelt so viel importiert wie exportiert – und der Saldo ist größer geworden.

Aber stellen wir uns jetzt mal vor, die Länder würden jetzt zuerst mal den eigenen Stahl verbrauchen und nur das exportieren, was sie selber nicht benötigen oder eben das importieren, was sie selber nicht produzieren können.

Was für eine gigantische Ersparnis wäre das und welches Vermeiden von Verschwendung und Umweltschaden? Denn das Überwinden der Zeitraumschwelle kostet generell viel mehr als den scheinbar so günstigen Transport.

Diese Gedanken sind in der Welt der spätkapitalistischen Ordnung unpopulär und unbequem. Auch die konservative Betriebswirtschaft des 19. und 20. Jahrhunderts wird solche Annahmen ganz einfach als Unsinn ab qualifizieren.

Denn den alten Theorien folgend ist der freie Welthandel für alle Beteiligten segensreich und überhaupt die Voraussetzung für globalen Wohlstand. Aber was habe ich vom „globalen Wohlstand“ wenn der Planet dabei „futsch geht“? Ist „globaler Wohlstand“ real überhaupt möglich?

Die Globalisierung im Spätkapitalismus folgt doch immer ausschließlich dem Ziel, das weltweite Wohlstandsgefälle zu nutzen um die Gewinne zu mehren. Es geht also immer um die „Nutzung“ von billigen Arbeitskräften. Externalitäts-Kosten wie die Zerstörung der Natur werden – dies seit langem ein geübt – konsequent ignoriert. Dass das Überwinden der Zeitraum-Schwelle deutlich mehr kostet als nur den Transport wird beflissentlich vergessen.

Die viel gelobte Globalisierung wird mir immer suspekter. Ich weiß nicht, wie es da Mr. Trump geht. Wahrscheinlich dürfte er der letzte sein, der die Umwelt schützen will. Aber vielleicht sind Schutzzölle genau das, was die (Um-)Welt zurzeit wirklich braucht.

RMD

P.S.
Angeblich droht jetzt ein „Wirtschaftskrieg“. Wie schlimm, dass der Begriff „Krieg“ in diesem Zusammenhang so leichtfertig benutzt wird. Ich glaube, mit den Folgen einer Welt mit Zoll-Mechanismen können wir ganz gut leben. Wie auch mit Grenzkontrollen. Die Folgen und das Grauen von jeder Art von echtem Krieg sind eine ganz andere Dimension von Unglück.

Roland Dürre
Donnerstag, der 8. März 2018

SPORTSOLDATEN in der SCHROTTARMEE

Während der Winter-Olympiade 2018 in Südkorea war ich in der Antarktis. Das ist keine schlechte Idee, wenn man dem kommerziellen Olympia-Terror entgehen will.

Roland in der Antarktis als Teilnehmer der Olympischen Sportart Hot Dog Pølser (original dänische rote Würste) speisen und Bier trinken.

Wenn man sich dem Rummel in den Medien nicht hingeben will, nicht ganz so „national“ eingestellt ist und weder die einzelnen Medaillen noch den 2. Platz der BRD (DEUTSCHLANDS) im Medaillenspiegel der komischen „olympischen“ Winter-Sportarten bejubeln will, dann ist es eine gute Idee, während solcher „sportlicher“ Großereignisse an einen möglichst weit entfernten Ort zu flüchten.

Da werden Sie sagen:
„Was willst Du denn nur schon wieder! Unser „DEUTSCHLAND“ war doch mal wieder richtig erfolgreich! Das ist doch etwas, auf das kann man als Deutscher nur stolz sein.“

Früher war das schlimmer:
In meinen jungen Jahren im letzten Jahrtausend wurde Menschen wie ich auf gerne mal als „Vaterlandsverräter“ tituliert, wenn sie bei der kollektiven Olympia- und WM-Euphorie nicht so richtig mit machen wollte. Besonders daneben war es, wenn man die Erfolge der DDR-Volksarmisten bewundert hat. Weil die ja eh alle gedopt waren.
Insofern ist die Welt schon besser geworden …

Ja, wir sind zweiter geworden!

1 Norwegen Norwegen  14  14  11  39
2 Deutschland Deutschland  14  10  7  31

Allerdings nur zweiter, wenn man bedenkt, dass Norwegen gerade mal 5,3 Millionen Einwohner hat! Wir, die große Nation D haben 82,7 Millionen Einwohnern. Und trotzdem 8 Medaillen weniger (4 Silberne und 4 Bronzene). Ist das nicht peinlich? So relativiert sich der Erfolg.

Schauen wir mal genau hin:
Erfolgreich (oder eigentlich als zweiter eher der Verlierer), das waren nicht wir. Das war der deutsche Zoll, die deutsche Bundespolizei und die deutsche Bundeswehr.

Ich dachte immer, dass der Zoll unsere Waffe im aufkommenden Handelskrieg mit den USA des Mr. Trump ist. Und dass die Bundespolizei wichtige Aufgaben hat wie z.B. die Menschen auf Christkindelmärkten vor Selbstmordattentätern schützen.

Und dass die Bundeswehr für die Abschreckung zuständig ist? Und dann noch unseren NATO-Partnern wie der Türkei beistehen und nebenher auch noch ein paar UNO-Sanktionen und -Einsätze qualifiziert abwickeln soll? So dachte ich.

Alles falsch! Die drei Einrichtungen sind anscheinend für Olympia-Medaillen zuständig. Wie man hört, war sogar die Bundeswehr sehr erfolgreich mit dabei. Bei der doch angeblich nichts funktionieren soll? Man sieht, man darf eben nicht alles glauben, was man so liest.

Zusammenfassend ergibt sich: Gut 100 von unseren 154 Olympiateilnehmern in Pyeongchang sind beim Staat beschäftigt (Polizei, Bundespolizei, Bundeswehr oder Zoll – Quelle).

Quelle rp-online.de

Diesmal hat sogar unsere Eishockeymannschaft „Silber“ geholt. Das waren 25 Profis (Quelle Wikipedia), die aber im Medaillenspiegel nur eine Medaille bekommen! Ist doch auch ungerecht, oder?

Wobei sich die Frage stellt, wer denn der 26. Profi war (siehe Graphik oben).

Wenn ich die 26 Profis abziehe, dann stelle ich fest, dass von 128 Teilnehmern gut 100 Staatsbedienstete sind, das sind dann gut 78 %. Somit haben Zoll, Polizei und BW eine satte 3/4-Mehrheit …

Und ich ärgere mich:
Habe ich doch meinem Vorsatz gebrochen und schon wieder  etwas belangloses geschrieben.
Und hoffe mal,
dass mir wegen diesem belanglosen Artikel nicht „Verrat am Vaterland“ vorgeworfen wird.

RMD

P.S.
Wenn ich es richtig weiß, waren auch die norwegischen Olympia-Helden überwiegend bei der dortigen Armee.

Roland Dürre
Dienstag, der 6. März 2018

Durststrecke in IF-Blog!?

Im Januar war ich in der Südsee

und es war großartig.

Im Februar war ich in der Antarktis

und es war großartig.

Beide Reisen waren ganz anders, aber gerade so kurz hintereinander so eine Art von besonderem Wahnsinn.

Auf beiden Reisen habe ich nur ganz wenig Zeit im Internet verbracht. Weil mir die Zeit fürs Internet einfach zu schade war. Wie auch zum Filme anschauen oder ähnlichem.

So habe ich in den ersten beiden Monaten des Jahres 2018 nur zwei Artikel geschrieben. Für mich unvorstellbar. Das heißt aber nicht, dass ich mir keine Gedanken mehr mache. Oder keine Lust zum Schreiben mehr hätte. Im Gegenteil.

Allerdings möchte ich nichts Belangloses schreiben. Die Südsee wie die Antarktis haben mich ganz schön zum Nachdenken gebracht. Auf der Reise habe ich mir viele spannende Gedanken notiert. Die fand ich ganz toll. Aber mit jedem Tag des Reisens kamen mir die Themen immer banaler vor.

Aber ich gehe davon aus, dass diese Zeit des Sammeln und Reflektieren bald vorbei ist. Bin ich ja jetzt wieder in der „realen“ Welt. Und glaube schon, dass ich bald wieder zumindest einen Artikel in der Woche bald wieder schaffen werde. Mit Themen, die mir wichtig sind.

RMD

P.S.
Für die Freunde der Antarktis:
Mir liegt ein wunderbarer Bericht von meiner Reise im Februar vor. Ich hoffe, dass ich ihn bald in IF-Blog veröffentlichen kann. Zur Kostprobe schon mal die Seekarte.