Hans Bonfigt
Samstag, der 26. Mai 2018

Moderne Zeiten

Bekenntnisse eines ewiggestrigen Rassisten

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht. Aber mir gehen schale Witzchen über den BER auf die Nerven.
Ein schwuler Bürgermeister, eine peinliche Truppe SED-Aktivisten und ein heruntergekommener Restbestand „Sozialdemokraten“ haben sich an einem Flughafenrojekt versucht.  Das MUSSTE schiefgehen.

Nun könnte man sagen, „Berlin ist halt nun einmal Berlin, hier haben kriminelle Veruntreuung von Steuergeldern und schwachsinnige Verordnugen, die stets das Gegenteil dessen bewirken, was beabsichtigt ist, eine jahrzehntealte Tradition“.

Doch aus der Sicht eines Experten für Datenverarbeitung muß ich leider immer wieder feststellen:

BER ist überall. Sogar im schönen Bayern.

Denn junge, unerfahrene Menschen basteln sich Umgebungen zusammen, die immer komplexer werden und selbst von guten Administratoren nicht mehr beherrscht werden können. Gleichzeitig wird der verspielte Klapperatismus immer schwerfälliger und undeterministischer in seiner Antwortszeit — gleichzeitig erhöht sich die Anfälligkeit gegen Angriffe erheblich.
Was ist da eigentlich passiert ?

1. Was der Bauer nicht kennt…

Von Larry Ellison stammt das schöne Bonmot, „Ich würde meinen Kindern eher Drogen geben als DOS“.
Wohl wahr. Aber auch an unseren höheren Schulen werden unsere Kinder ausschließlich mit der kranken, kaputten PC-Architektur konfrontiert – privat sowieso.
Die Folge: Später, im Beruf, setzen unsere „alternativlosen“ Jungspunde das einzige System ein, was sie kennen. Und das ist ein Kretin aus kaputter Hardware und vermurkster Software.
– Das führt zwangsweise zu einer „Monokultur“ mit allen damit verbundenen Nachteilen,
– insbesondere einer fatalen Störanfälligkeit.
– Sinnvolle Alternativen verschwinden vom Markt,
– fatale Abhängigleiten entstehen.
Spätestens seit „Spectre“ und „Meltdown“ muß eigentlich jedermann klar sein: INTEL-basierte Systeme sind außer für Daddelspiele zu nichts zu gebrauchen. Ihr Einsatz ist grob fahrlässig.
„Windows“ und „Office“ telephonieren etwa 20 Mal „nach Hause“, wenn man nur ein einziges „Word“-Dokument öffnet. Über die fatalen Lücken in „Microsoft Outlook“ zu berichten, wäre müßig.
Solche Systeme professionell zur Verarbeitung personenbezogener Daten zu nutzen, ist schlichtweg illegal – das weiß auch die Bundesregierung.  Doch wo kein Kläger, da kein Richter.
Im Transportwesen haben wir die unterschiedlichsten Systeme zur Wahl, aus gutem Grund: Denn ob Kreuzfahrtschiff, Motorrad, A380, Traktor, Schnellzug oder Tieflader: Sie haben alle ihre spezielle Eignung. Bloß in der „IT“ – da arbeitet alles mit den über die Jahre immer wieder marginal aufgerüsteten DOS-Kisten. Ja, selbst die modernsten „Server“, in Wirklichkeit aufgebohrte PCs, booten noch mit „DOS“ – Bordmitteln.
Das war füher anders: Man hatte die „Mainframes“ für hochverfügbare, hochsichere und hochzuverlässige Massendatenverarbeitung, typischerweise im Verbund mit einer Datenbank. Programmiert wurden diese in Sprachen, die einen Programmierer nicht überfordern und es vor allen Dingen ermöglichen, daß mehrere Programmierer konfliktfrei an einem Programm oder Projekt arbeiten können.
Die Bedienung und Dateneingabe erfolgt ergonomisch OHNE Maus, man benötigt unterdessen eine gewisse Einarbeitungszeit. Allerdings ist man nach dieser um Größenordnungen schneller als ein Mausschubser.

Es gab integrierte „Mini-Computer“ für kleinere bis mittelgroße Unternehmen.

Es gab leistungsfähige technische Rechner für Prozeßsimulation, Konstruktion, Bild- und Tonbearbeitung. Diese Systeme verfügten, weitaus früher als beispielsweise Apple oder Microsoft, über eine professionelle Graphik, die bis heute unerreicht ist: Denn das X-Window – System unter UNIX verteilt Programmhaltung, Programmausführung und graphische Benutzerschnittstellen auf unterschiedliche Systeme. So können hunderte Anwender einen Hochleistungsrechner gemeinsam und gleichzeitig nutzen!
Nur zum Vergleich: Unter „Windows“ gibt es so etwas nicht und deshalb will die Münchner Stadtverwaltung wieder einen Intensiv-Oatienten „nach gängigen Standards“ unter jeden Sachbearbeiterschreibtisch stellen.

Es gab spezielle Rechner zum Steuern von Maschinen und Anlagen, die neben erweiterten physikalischen Bedingungen nuch dem Umstand Rechnung trugen, daß spezielle Hardwarefunktionen benötigt wurden, beispielsweise hochauflösende Timer, Pulsweitenmodulatoren, D/A – Wandler etc..

Tja, und es gibt den „PC“ zur Bespaßung „moderner“ Konsumenten: Papi guckt sich Pornos an, der Sohnemann erfreut sich mit dem neuesten „EGO-Shooter“ und knallt Feinde ab, die Tochter postet kompromittierende Bilder ihrer aktuellen Todfeindin auf „Facebook“ und Mami kann jetzt endlich im „Wiki“ nachgucken, was ein „Narrativ“ ist, man will ja schließlich mitreden können.
Der PC bietet also für jeden etwas — und ist damit genau so effektiv und hilfreich wie ein „Schweizer Taschenmesser“: Kann alles, aber nix ansatzweise richtig.
Der PC aber hat uns dominiert. Das blanke Mittelmaß hat uns dominiert.

2. Nicht der Bösewicht ist der Schurke, sondern das Mittelmaß

Der Manager Hans-Jürgen Esser, für mich über Jahrzehnte ein väterlicher Ratgeber, fuhr einmal vor etwa 25 Jahren mit mir als Beifahrer zufällig hinter seinem Chef her.  Hier trafen zwei Fahrstile aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten, und so entspann sich folgender Monolog:
„Ah, sehen Sie: Das ist unser Hansi. Also, un-glaublich! Sehen Sie bloß, wie er um die Kurve schlabbert … und hier: Er ordnet sich gar nicht ein, fährt einfach in der Mitte, und so entscheidungsschwach wie auf der Straße ist er auch in seinem Job: Bloß niemendem wehtun, immer schön die goldene Mitte … Hansi ist kein Unternehmer, er ist ein UNTERLASSER !
Der könnte nie mein Freund sein. Und das sage ich Ihnen, mit schlechten Menschen kann ich gut umgehen, verdammtnochmal, ich bin ja selber schlecht, mit guten Menschen ja sowieso, ABER JENEN, DIE GANZ LEISE SCHLEICHEN, DEN MUSST DU AUS DEM WEGE WEICHEN.
Warten Sie, [fährt auf gefühlt 25 cm auf], GLEICH SCHIEBE ICH IHN AN !“
Ich muß dazu sagen, der Chef war immer frendlich zu mir, fand nie ein böses oder ein gutes Wort für mich oder irgendeinen anderen, war stets indifferent. Man muß ihm allerdings zugutehalten, daß er seinem schärfsten Kritiker die operative Leitung seines Unternehmens überließ. Und das gelang jenem mit Glanzbravour. Denn H.J. Esser war das Gegenteil der Mittelmäßigkeit.

Damit der Roland nicht der einzige hier bleibt, der Rupert Lay zitiert:

 Nicht der Bösewacht ist der Schurke, sondern das Mittelmaß, wenn 
 man die politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Dramen
 unserer Zeit betrachtet oder gar aufzuzeichnen versucht. Schon 
 Platons Vermutung, daß die Demokratie die Herrschaft des Mittelmaßes
 bedeute, hätte uns nach der Einführung demokratischer Systeme 
 in Europa nach 1948 etwas vorsichtiger mit dieser Herrschaftsform 
 umgehen lassen müssen. Nun, das haben wir verabsäumt - und so 
 beherrschen uns in Politik und Wirtschaft, im Sozialen (etwa den
 Gewerkschaften) und im Kulturellen (etwa den Kirchen) das Mittelmaß.

Quelle: Rupert Lay, Weisheit für Unweise

Lay indes ist ganz und gar kein Antidemokrat, aber Lay verachtet Demokratismus.

Warum ?

Demokratie – Demokratismus – Demokratur – Diktatur.

Die Diktatur des Mittelmaßes nennt sich übrigens heute „Shitstorm“.

Im Rahmen eines Fernsehinterviews wurde der geniale österreichische Verbrecher Udo Proksch einmal gefragt, „Herr Proksch, wenn Sie einen Herzenswunsch frei hätten – was würden Sie bei einer Fee bestellen ?“ — und jener antwortete, ohne auch nur eine halbe Sekunde nachzudenken:
Allen mittelmäßigen Österreichern die Krätze an den Hals !

Heiko Mittelmaaß diene als Warnung, wie fatal sich Mittelmäßigkeit in der Politik auswirken kann – bei der Konzeption technischer Systeme unterdessen sind faule Kompromisse, und nichts anderes ist das Ergebnis des Mittelmaßes, fatal und führen schnurstracks zu BER.

3. „Best Practice“

Früher hat man sich Gedanken gemacht, „optimiere ich hinsichlich Leistung, Stabilität, Ressourcenverbrauch, Modularität, Salierbarkeit“, um wichtige Entwicklugsziele zu benennen.  Und in der Tat ergaben sich höchst unterschiedliche Entwürfe. Die Kunst war, mögliche Zielkonflikte zu vermeiden oder — na, wie heißt das heute im Idiotensprech? „mitigieren“.

Heute interessiert das niemanden mehr. Es wird das gemacht, was alle anderen Idioten auch machen.  Statt „Best Effort“ ist heute die „Best Practice“ das Gebot der Stunde.

4. Wirrtualisierung

Die Entwicklung eines Kindes im Mutterleib dauert bekanntlich neun Monate. Wenn man diese Zeit verkürzen will, ist es evident sinnlos, gleich 9 Frauen zu schwängern. Man erhält zwar „statistisch“ pro Monat ein Kind, aber jedes Kind benötigt minimal neun Monate.

Um einen schwachbrüstigen „PC“ im Servergewand also zu beschleunigen, ist das „Clustering“ vieler Einzelserver womöglich nicht dazu geeignet, einen Prozeß zu verbessern. Klar, wird man entgegnen können, „viele Teilprozesse können heutzutage parallelisiert werden“, aber dummerweise gibt es immer wieder Punkte, an denen Teilprozesse aufeinander warten müssen – allerspätstens dann, wenn auf eine gemeinsam genutzte Ressource schreibend zugegriffen wird.

Die Wirklichkeit unterdessen ist grausamer und schlimmer:

„Clustering“ geht aus administrativen Gründen fast immer einher mit „Virtualisierung“.

Heutzutage entfällt der Hauptteil der Ein- und Ausgabelast eines Servers so gut wie immer auf die Netzwerkschnittstellen. Eine „virtuelle“ Netzwerkschnittstelle kann man jedoch nicht in einen „echten“ Switch stecken. Es muß also mindestens ein „virtueller Switch“her. Der „virtuelle Switch“ simuliert einen „echten“ Switch unter Zuhilfenahme einer Wald- und Wiesen – Universal-CPU. Und so kommt es, daß die „virtuellen Switches“ in Superclustern eines Servicerechenzentrums deutlich langsamer sind als absolut billige Amateurgeräte aus dem Aldi !  Denn schon die billigsten Konsumentengeräte verfügen über Hardwareunterstützung und können alle Ports simultan bedienen !

Apropos Hardwareunterstützung: „Virtuelle“ Netzwerkkarten entlasten den TCP/IP – Stack nicht von zeitaufwendigen Operationen.
Jedes Datenpaket muß, wieder von einer Wald- und Wiesen-CPU, aufwendig mehrfach ineinander verschachtelt, verpackt werden. Nun werden Sie sagen, „dann opfere ich halt zwei CPUs dafür“. Die CPUs aber arbeiten im Hauptspeicher und invalidieren („trashen“) den Cache, wodurch ALLE anderen Prozesse ausgebremst werden. Hinzu kommen, für den Profi, pro Paket in jede Richtung DREI Kernel/Userspace – Übergänge. Und jeder kostet nicht nur CPU-Zeit, sodern verlangsamt ein System durch (bei Taskwechsel notwendige) Locking-Mechanismen.
Aus technischen Gründen mußte ich am letzten Wochenende einen „virtuellen“ Server mit viel Netzlast durch einen „realen“ Server ersetzen. Es war ein Notfall; wir mußten das nehmen, was wir kriegen konnten — und das war ein schedderiger, alter „Windows 95“- PC mit Originalhardware. Eine zweite Netzwerkkarte mit stolzen 100 MBit/s war auch schnell gefunden und der Transfer auf eine gammelige IDE-Platte klappte ebenfalls prima.
Ich hatte die größte Befürchtung, eine erbärmliche Performance abzuliefern, aber am Montagmorgen kam eine Dame zu mir: „Was haben Sie gemacht ? SO SCHNELL lief unser Frontoffice-System noch nie !
Der zuvor eingesetzte Server war ein HP DL380 Gen.6, mithin also ein veritables Schwergewicht in der PC-Welt, mit allem, was die „Entwicklung“ zu bieten hatte.  Die Virtualisierung aber degradierte das System zu einer peinlich-lahmen Ente, die von einem „Pentium 5“ mit 512 MB Hauptspeicher gnadenlos deklassiert wurde.   Wohlgemerkt: Mit der gleichen Software, dem gleichen Betriebssystem und den gleichen Einsatzbedingungen.
Eigentlich wußte ich immer schon, daß Wirrtualisierung im allgemeinen und „VMWare“, die Küchenschabe unter den Virtualisierungs-lösungen im speziellen, ausgemachte Performancebremsen sind — daß es aber so schlimm steht, das hätte ich nicht geahnt.
Aber auch ich habe mich in Sachen Performance zusehr an Mittelmäßigkeit gewöhnt.

5. Besen, Besen, sei’s gewesen …

Miese Leistung ist ja heutzutage „Standard“. Aber mit der „Virtualisierung“ kauft man sich einen Verwaltungsaufwand ein, der einem buchstäblich den Atem raubt:

Jeder normal denkende Mensch würde ja erwarten, daß man ein System von außen direkt administrieren kann — aber weit gefehlt bei Platzhirschen wie „VMWare“ und IBM.

Ich gehe einmal auf die abstruseste, hirnverbrannteste Variante ein, die IBM sich nicht schämt, seinen Benutzern zuzumuten:

– Zur Steuerung eines aktuellen IBM POWER – Servers ist jetzt eine alberne „Hardware Management Console“ notwendig, ein unzuverlässiger Havarist auf der Basis von „Nürnberger Windows“ („SuSE“). Diese besticht vor allem dadurch, daß sie gerne einmal ungefragt und unerwartet die NUMA-Konfiguration des verwalteten Rechners durcheinanderwürfelt, was allerdings nicht weiter schlimm ist, denn die Idioten, die eine „HMC“ benutzen, sind generell merkbefreit.

– Aber: Neuerdings braucht man ZWEI DAVON, und, dreimal dürfen Sie raten, die installiert man dann: RICHTIG, auf einer „VMWare“ – Wirrtualisierungsumgebung.

– Nur: Auf diese Verwaltungsumgebung kann man nicht zugreifen, es braucht noch ein „Windows 10“ mit „Flash“ und allen Multimedia – Uappetitlichkeiten an Bord, um via „Vschmier“ – Konsole auf den Server zuzugreifen, der wiederum das Verwaltungsprogramm beherbergt, das den eigentlichen Serer verwalten soll, der die einzelnen Serverinstanzen verwaltet.

Wir reden also von einer Verwaltung der Verwaltungsinstanz der Verwaltung einer Verwaltung. Ein größerer Schwachsinn ist für mich bislang nicht denkbar gewesen.
Es sind mindestens fünf(!) unterschiedliche Betriebssysteme beteiligt, mindestens zwei unterschiedliche Rechnerarchitekturen und unzählige Netzwerkschnittstellen.

Wer so etwas bei einem Kunden produktiv installiert, ist für mich ein krimineller Idiot.

6. Des Kaisers neue Kleider …

Der typische „IT-Admin“ ist in seiner Mittelmäßigkeit gefangen wie ein Insekt im Bernstein. Er läßt sich jeden, aber auch wirklich JEDEN Schwachsinn als „innovatives Feature“ andrehen. Und traut sich nicht, STOP! zu sagen, um nicht vor seinen Kollegen als unwissend dazustehen. So kommt es, daß alle mit ihrer primären Arbeitsumgebung hoffnungslos überfordert sind und die Kernaufgabe der Abteilung darin besteht, sich Begründungen für das jeweils aktuelle Versagen im eigenen Projekt auszudenken – zugegebenermaßen keine leichte Aufgabe, das.

-hb

Selfie in Greece, entspiegelt mit griechisch & englisch.

Es gibt um die sieben Milliarden Menschen. Weniger als die Hälfte haben Internet, die Mehrheit der Menschen hat es nicht. Es scheint klar zu sein, dass die Menschen und Nationen, die Internet haben, reicher werden. Und die, die keinen Zugang zum Netz haben, werden ärmer. Man spricht schon von einer neuen Armut, die durch fehlende Digitalisierung verursacht wird.

Bei Kindern ist es ähnlich. Lernen Kinder früh mit dem Internet umgehen, haben sie in der Regel bessere Chancen als wenn sie davon ferngehalten werden.

Bei uns brauchen Kinder unter 16 Jahren jetzt die formale Genehmigung ihrer Eltern, wenn sie z.B. Social Media machen wollen. Zu Social Media gehören sicher FB, Twitter, Instagram, MeetUp, LinkedIn und viele andere oft sehr nützlichen Systeme, die die Welt verändern.

Wenn ich mir eine Kennung in Wikipedia einrichte, dann bin ich Mitglied in einem riesigen Social Media System. Auch bei Wikipedia ist die Gefahr groß, dass es mich verschlingt. Und was da gemobbt wird – da kann ich mit eigenen Erfahrungen glänzen.

Jetzt frage ich mal die Juristen und schlauen Gesetzgeber:
Braucht ein 13-jähriges Jugend-Forscht-Genie die Erlaubnis seines Vaters um bei Wikipedia mitzumachen?

Und Euch:
Wird ein überzeugter Mormonen-Vater (kleine Religion mit vielleicht 20 Millionen Menschen) oder der Islam-Vater (große Religion mit zirka 2 Milliarden Gläubigen noch knapp hinter dem Christentum aber mit besserem Trend) seinem Kind die Zustimmung geben?
Ich weiß nicht. Die Mutter wird es nicht dürfen.

Aber jetzt weg von generellen Überlegungen zu meinen eigenen Erfahrungen und Gedankenexperimenten.

Wie mancher weiß haben wir sieben Kinder. Ich bin mir sicher, dass ich von keiner Lebens-Instanz soviel Positives und Wichtiges gelernt habe wie von meinen Kindern. Da schließe ich meine Eltern genauso ein wie meine besten Mentoren und Lehrer, vielleicht sogar die Barbara. Von der ich auch viel gelernt habe. Im Gegensatz von der Schule, die ich mal ganz vergesse.

Das galt im Leben allgemein wie auch besonders im digitalen. Das obwohl ich der IT-Profi (und -Pionier) in unserer Familie war, der das Ganze ja ein wenig selbst mitgebaut hat.

Wenn heute ein Enkel von mir bei Facebook oder Twitter mitmachen will, dann bekommt er meine Unterstützung. Ich würde ihm Tipps geben und ihn fragen, ob er es mag, wenn ich ihm folge. Und von ihm lernen, was er mir an Neuem bringt. Sorgen würde ich mir nur machen, wenn er einen „privaten Modus“ wählen würde. Dann würde ich der Tat an seiner Sozialisierung zweifeln.

Jetzt ein Gedankenexperiment:
Was würde ich machen, wenn er mit dem „darknet“ experimentieren würde?
Zur Erläuterung: Das darknet ist der Versuch, sich im Internet – durch Maskierung  – in absoluter Anonymität bewegen zu können. Also man versteckt seine Authentizität (das und was man wirklich ist) um sich unter einer Identität zu bewegen, die nicht zurückverfolgt werden kann!

Pfui! Das genau will ja das Finanzamt abschaffen und hat deshalb die Nummernkonten in der Schweiz verboten …

Dieses Ziel ist aus technischen Gründen der IT genauso unmöglich wie die absolute Sicherheit von Daten – auch wenn sie mit sehr archaischen Methoden unterstützt wird, kann sie letzten Endes nicht gewährleistet sein. Sonst wären die Erfolge der Armeen des Cyberspace im darknet ja gar nicht möglich. Glaubt mir, man muss nur wissen, wie es programmiert ist. Und gut und fleißig sein. Vielleicht noch ein wenig geschickter als der Gegner. Aber Wege gibt es immer.

Mein Enkel wird mir – wenn er ein wenig im Internet dazu gelernt hat – da bald widersprechen und auf „blockchain“-Technologien und Bitcoin verweisen.

Ist doch dort theoretisch gewährleistet (auch wenn zu einem sehr hohen Preis), dass man mit einer gewählten Identität einen gesicherten Anteil an einem Bruchteil einer total virtuellen (und begrenzten) Menge „hat“, ohne seine Authentizität preisgeben zu müssen bzw. die Rückverfolgung zu dieser unmöglich macht (was übrigens nur für den gilt, der selbst erfolgreiches „mining“ betreibt).

Ein normaler Käufer muss sich sehr wohl „outen“, und dass immer wieder (zumindest so lange bis seine bitcoins wertlos geworden sind).

Wenn der Enkel – oder natürlich die Enkelin – also mit darknet oder bitcoin  anfangen, würde ich mir vielleicht ein wenig Sorgen machen, aber abraten würde ich ihnen bei ihren Experimenten nicht. Beim darknet würde ich zu großer Vorsicht raten, bei bitcoin hätte ich Angst, dass sie verrückt werden, kenne ich doch persönlich viele, die daran geglaubt haben und zum Teil tragisch geendet sind (oder im besten Fall nur verrückt geworden sind).

Jetzt könnte ich mir aber vorstellen, dass Kinder auch unter 16 Jahren rein gesetzlich betrachtet sehr wohl versuchen dürfen einen Bruchteil eines bitcoin zu generieren und das ohne Erlaubnis ihrer biologischen Erzeuger. Müssen sie doch nur ein paar Asic-Systeme geschickt zusammen bauen – Jugend forscht ja gerne.

Und wenn sie bitcoins erfolgreich generieren, dann haben sie welche. Obwohl das wahrscheinlich gar nicht ihr Eigentum ist sondern nur ein „durch Rechenleistung und Algorithmen hergestellter Besitz“ – witziger weise ein ganz kleines Stück an einem virtuellen und begrenzten Zahlenraum. An dem irgendwelche Analysten glauben und Spekulanten dafür Geld geben. So wie bei den Tulpen in Holland vor langer Zeit war.

Denn die spannende Frage, ob Bitcoin virtueller Besitz oder virtuelles Eigentum ist, konnte meines Wissens bisher nicht geklärt werden. Die Tulpenzwiebeln zumindest waren real – angeblich konnte man sie sogar essen, wie sie nichts mehr wert waren.

Das war jetzt schwere Kost. Ich weiß, dass das sogar viele, die regelmäßig über bitcoin und blockchain reden und schreiben nicht verstehen. So verzeiht mir bitte meine Abschweifung.

Ich könnte noch soviel von spannenden – und auch einfacheren – Dingen erzählen, die im Internet passieren und mache das bei Gelegenheit vielleicht auch hier demnächst. Und so überschätzte Themen wie Pornographie oder auch das „Mobben in Facebook“ sind garantiert nicht das Wesentliche, auch wenn viele Erwachsene ganz gerne ab und zu mal einen Porno anschauen (und dies selbstverständlich leugnen). Und auch nicht „Parship“, Elite-Partner und Tinder. Da gibt es schon noch mehr wirklich Aufregendes – und das in vielen Dimensionen.

Aber unsere Kinder müssen jetzt Pappi & Mammi fragen, wenn sie eine neue Social Media Plattform im Internet ausprobieren wollen. Wo diese doch so viel Wichtigeres zu tun haben, wie Geld verdienen und am Wochenende Erst- und Zweiwagen putzen müssen.

Aber zurzeit bin ich in Griechenland und die Sonne scheint – und das ist mir irgendwie wichtiger! Bis dann.

RMD

Im Rahmen des Inkraft-Tretens der #DSGVO habe ich meine Datenschutzerklärung im IF-Blog um folgende Ergänzung erweitert:


Ergänzung zur Datenschutzerklärung vom 26. Mai 2018:

Die obige Datenschutzerklärung gibt es in etwa so lange wie es iF-Blog gibt. Ich halte generell nichts vom Sammeln und insbesondere vom Sammeln von Daten. So habe ich in IF-Blog noch nie fremde Daten gesammelt oder für irgendwelche Zwecke zu nutzen versucht.

Das Werkzeug „webmaster“ nutze ich ausschließlich, um zu erfahren, aus welchen Ländern dieser Welt meine Leser kommen.

Früher habe ich ab und zu E-Mails mit Infos zu IF-Blog (neue Artikel und Autoren …) an bestätigte Abonnenten gesendet. Diesen Dienst habe ich schon seit Jahren eingestellt, weil ich solche Benachrichtigungen in Form von E-Mails als nicht mehr zeitgemäß und außerdem als störend empfinde. Jetzt habe ich den dabei entstandenen Datenbestand an E-Mails endgültig gelöscht.


Das bedeutet:

  • Es wird nie wieder News von IF-Blog geben. Ich glaube, dass wird niemanden stören. Ich persönlich finde den News-Wahn eh als Unsinn. Das bringt doch niemanden etwas
  • Ansonsten ist wie auch bisher sicher gestellt, dass bei IF-Blog keine „privaten“ Daten in irgendeiner Weise gesammelt oder für irgend welche Zwecke genutzt werden.

Ich selbst glaube zwar, dass die #DSGVO absolut nichts bringen wird außer noch mehr Überregulierung. So wird sie die Staatsverdrossenheit erhöhen und noch mehr Wähler zu „populistischen“ Parteien treiben. Vielleicht auch die Rechthaberei – die mir gerade in unserem Kulturkreis schon ein wenig auf die Nerven geht. Auch die eh schon weit verbreitete Bereitschaft des „Ignorieren von Gesetzen“ dürfte sie fördern und das Vertrauen in den Staat als weisen, kompetenten und verantwortungsvollen Gesetzgeber weiter erodieren. Das finde ich schade, aber die Herren in Brüssel und Berlin wollen das wohl so.

Beklagen hilft aber auch mir nicht weiter. Ich versuche, so weit wie irgendwie möglich als Mensch wie als Unternehmer gesetzestreu zu handeln. Dies sogar als Radler und Autofahrer. Und das hat für IF-Blog immer gegolten und soll so bleiben. Also halte ich mich an die Vorgaben.

Über die#DSVGO werde ich wahrscheinlich noch ein paarmal schrieben. In einem der nächsten Artikel werde ich mich zu dieser albernen Regel äußern, dass Kinder erst ab Vollendung ihres 16. Lebensjahres selber darüber entscheiden dürfen, wie sie das Internet nutzen wollen. Aber vorher schon die Religion wechseln dürfen.

Angeblich sind Kinder zu dumm fürs Internet und müssen vom Gesetzgeber geschützt werden. Da denke ich ein wenig anders. Ich meine, dass eher die Erwachsenen, die die #DSGVO geschrieben und zu verantworten haben, vom „Internet“ aber so wirklich keine Ahnung haben.

Aber dazu in Zukunft mehr in diesem Blog.

RMD

P.S.
Als Lektüre zum Thema empfehle ich folgenden Link zur #DSGVO. Thomas Stadler twittert unter der Kennung #RAStadler. Ich folge ihm schon seit Jahren und habe aus seinem Blog viel Wichtiges gelernt. An dieser Stelle ihm ein herzliches Dankeschön!

THOMAS STADLER
STANDORT: FREISING, BAYERN, GERMANY

Fachanwalt für IT- Recht und Fachanwalt für Gewerblichen Rechtsschutz in der Kanzlei AFS

 

 

Roland Dürre
Donnerstag, der 24. Mai 2018

Warum die DSGVO absolut in die falsche Richtung geht.

Roland als Insel-Philosoph mit (sauberer) Wäsche in Sifnos (Kykladen, Griechenland).

Eine philosophische Betrachtung.

Weil die #DSGVO morgen (am 25. Mai 2018) wirksam wird. 

Wie ich meine, kein guter Tag.

Meine These:

Wir denken zu viel an Eigentum und zu wenig in Allmende.

Wir streben ausschließlich nach Besitz.

Obwohl gemeinsames soziales Leben, Erleben und Überleben auf der Agenda stehen müsste.

Hier ein paar Begründungen:

  • 62 Superreiche besitzen so viel wie die halbe Welt.
  • Wieso ist es selbstverständlich, dass Menschen („natürliche Personen“) beliebig Grund und Boden in Besitz nehmen (kaufen) und als Eigentum haben und vererben können?
  • Wieso darf jeder ein Auto besitzen (das selbstredend beträchtlichen Schaden am Gemeinwohl verursacht)? Oder eine Yacht? Oder ein Schloß? Oder Ländereien? Oder eine Insel im Meer?
  • Wieso können große soziale Systeme mit einem ökonomischen Ziel (Unternehmen genannt) komplett einem (oder wenigen) Menschen oder wiederum anderen Unternehmen „gehören“? Dies vernetzt bis zur totalen Intransparenz?

Diese und ähnliche Fragen kann ich beliebig fortsetzen. Irgend etwas ist faul mit dem Recht an Eigentum. Wir brauchen eine neue Geisteshaltung zu EIGENTUM!

Heute wird in den zivilisierten Ländern eine „Tugend“ gelebt – die  sich „Besitzstandwahrung“ nennt.

Unser Grundrecht Nummer Eins: Das Wahren von Besitzstand!

Dass Menschen, die laut Gesetz „natürliche Personen“ sind, über ein Eigentumsrecht verfügen wollen und auch sollen, das verstehe ich – und wünsche ich mir für mich persönlich ja auch.

Aber das muss doch sinnvoll begrenzt sein, wenn die Welt funktionieren soll. Nur so werden wir in Frieden, ohne Krieg und Unterdrückung, mit Menschenwürde für alle, in gegenseitigem Respekt und in Liebe leben können! 

Und jetzt institutionalisieren wir neben dem Eigentum an Dingen, Ideen und Gedanken auch noch ein „Eigentum an unseren Daten“. Also: Spinnen wir oder sind wir noch bei Trost? Wir wissen nicht einmal, was immer das sein mag (unsere Daten), aber wird sind mal wieder mal motiviert, weil wir Angst haben. So manifestieren wir unseren Eigentums- und Besitz-Wahn weiter. Dabei sollten wir versuchen, ihn Schritt für Schritt zu therapieren.

Und es stellen sich weitere Fragen:

Warum haben „natürliche und juristische Personen“ die selben Eigentums-Rechte?

„Juristische Personen“ wie Kapitalgesellschaften (GmbH, AG, limited company usw. – im französischen übrigens treffend als „société anonyme“ bezeichnet – haben mehr oder weniger die selben Rechte an Eigentum wie die „natürlichen Personen“. Das habe ich noch nie verstanden.

Stirbt eine „natürlichen Person“ kommt als Problem das „Vererben“ dazu. Es verstärkt die Polarisierung von „arm und reich“. Dieses zu lösen, gelingt unserer Gesellschaft nicht, obwohl ich hier schon eine Reihe guter Vorschläge gehört habe (den wesentlichen Teil des Erbes an „ALLE“ verteilen oder für die Finanzierung eines BGEs zu verwenden).

„Juristische Personen“ können ein langes Leben haben und ihr Eigentum beliebig mehren. Erschwerend kommt dazu, dass Eigentum sich in der Regel von selbst vermehrt. Ihr Eigentum macht sie immer mächtiger und ihre Macht immer reicher. Sie sterben keines natürlichen Todes, können allerdings Insolvenz gehen (if not to big to fail ?). Was passiert bei Insolvenz? Auch im modernisierten Insolvenz-Recht steht der Gläubigerschutz  (Schutz des Eigentums der Gläubiger) immer noch vor dem Erhalt des Unternehmens. Was gerade kleinen Unternehmen oft zum Verhängnis wird und den großen dann nutzt.

Welche Arten von Eigentum gibt es denn überhaupt?

Zuerst mal haben wir ein Eigentum an Dingen. Das ist nach meiner Meinung nur dann in Ordnung, wenn die Dinge nicht aus dem (Be-)Reich der Allmende sind und die konkrete Eigentumssituation das Gemeinwohl nicht schädigt.

Schwieriger wird es schon beim geistigem Eigentum und beim Eigentum an Rechten.

Wieso können die genauso so vererbt werden wie dingliches Eigentum?

Und vor allem:

Kann es wirklich sein, dass jemand, der in einer glücklichen Situation (das richtige Team, die richtige Umgebung, die richtige Inspiration, die richtige Kommunikation, das richtige Talent, die richtige Idee, die glückliche Umsetzung) ein Patent erfunden und erarbeitet hat, dann Jahrzehnte über ein Einkommen verfügt, das es ermöglicht sich jedes Jahr eine oder mehrere Immobilien in Munich City zu kaufen? Das er an seine Erben weitergibt?Macht es Sinn, dass die arme Bestseller-Autorin nach ein paar Jahren zur Milliardärin wird?

Die überhöhten Einkommen und „Werte“ von Fußball-Stars werden oft angeprangert. Auch sie sind nur möglich aufgrund von „Urheber-Rechten“, die massen-medial ausgenutzt werden.

Die irrationalen Vorstandsgehälter begründen sich wohl auch nur auf die mediale Überhöhung der Bosse. Das viele Geld jedoch, dass sie erhalten, wird durch die kollektive Klasse des Unternehmens erarbeitet, also den Menschen, die den Namen des Konzerns vergolden.

Die Leistung eines Künstlers soll natürlich vernünftig entlohnt werden. Und wenn ein großer Künstler arm lebt und stirbt und posthum seine Werke wertvoll werden, ist das natürlich dumm gelaufen.

Aber beruht nicht jedes Werk auf der sozialen Teilhabe vieler Menschen und wird es nicht aus vielen Quellen gespeist. Lebt der Künstler nicht immer von Vorbildern und erlebten Mustern anderer Menschen, die es so mit geschaffen haben? Gilt dies nicht auch für den erfolgreichen Patentinhaber?

Und noch eine Frage:

Wie kann es sein, dass „natürliche“ und „juristische“ Personen die selben Rechte an Eigentum haben?

Ein wesentlicher „Strickfehler“ unserer gesellschaftlichen Ideologie scheint mir zu sein, dass das Recht an geistigem Eigentum im selben Maß „juristischen Personen“ zugebilligt wird wie „natürlichen“? Sollte die Musik eines Bob Marley oder der Beatles nicht den Menschen dieser Welt gehören und nicht Konzernen, die diese Rechte „erworben haben“ und maximal ausbeuten.

Gilt dies nicht auch für die Theaterstücke von Bert Brecht? Sind die Verjährungs-Zeiten der Walt-Disney-Gesetze, (die so heißen, weil sie auf Betreiben des gleichnamigen Konzerns mehrfach verlängert wurden), nicht viel zu lang?

Und jetzt gibt es auch noch ein Eigentum an den Daten? Wie pervers ist denn das?

Ich bin der Meinung, dass wir
Keinen Datenschutz brauchen sondern eine Pflicht zur Transparenz!
Ich würde mir wünschen, dass „juristische Personen“ alle ihre Daten veröffentlichen müssen. Diese sollten absolut transparent sein!

Und die Instanzen, die Geheimhaltung brauchen, um uns zu unterdrücken und zu manipulieren, sollten wir abschaffen. So sollte der „whistelblower“ ausgezeichnet und der Geheimniskrämer zu Rechenschaft gezogen werden (wie in meiner Denke auch der Deserteur der Held ist aber nicht der „loyale Soldat, der für die „gute Sache“ bereit ist zu töten)!

Wenn ich die Menschen frage, warum sie für Datenschutz sind, höre ich überwiegend drei Arten von Begründungen:

  • Die Menschen fürchten die staatliche Überwachung und Kontrolle
  • Sie haben Angst vor noch schlimmerer Manipulation durch Marketing zum Beispiel der großen Konzerne.
  • Sie fürchten gesellschaftliche Diffamierung und soziale Ausgrenzung.

Überwachung und Kontrolle finden eh statt, weil für Geheimdienste und Verfassungsschutz die DSGVO nicht gilt (auch nicht gelten kann). Durch die aktuelle Beschneidung der Grundrechte wird dies auch zugunsten anderer Institutionen immer weiter ausgehebelt.

Die Manipulation findet im Marketing jetzt schon statt. Wäre es da nicht sinnvoller die grenzenlose Zügellosigkeit im Marketing radikal einzuschränken als ein für diesen Zweck mehr oder weniger wirkungsloses Datenschutzgesetz zu machen?

Und wäre es nicht besser, die großen Konzerne, die mittlerweile ja Basis-Bedürfnisse befriedigen zu zerlegen und als dezentrale Unternehmen nach den Regeln der Gemeinwohl-Ökonomie neu aufzusetzen. Bei globalen Aufgaben gerne in einem globalen Verbund, aber bitte ohne Wachstumswahn und „share-holder-value“-Anspruch“.

Die Angst vor Diffamierung nehme ich persönlich sehr ernst. Zu sehr habe ich kann ich das Unglück eines Menschen nach empfinden, der von einer kranken Gesellschaft stigmatisiert wird. Da gibt es viele Beispiele wie Homosexualität, sexuelle Fehltritte wie Verlust der Jungfernschaft vor der Ehe, einer Abtreibung oder Vorstrafe, die  Zugehörigkeit zu einer „falschen Religion“,körperlichen Gebrechens (wie z.B. Beschneidung) oder Krankheiten (Aids …).

Aber ist es auch dann nicht besser, an Stelle von Datenschutz-Gesetzen lieber dafür zu sorgen, dass die gesellschaftliche Diffamierung zu Ende geht. Wie es ja in Deutschland zumindest formal bei homosexuellen Paaren gelungen zu sein scheint?

Denn eins dürfen wir nicht vergessen:

Es war schon schwer genug in der Papier-Welt Dinge geheim zu halten. Eigentlich ist das nur in „faschistoiden“ Systemen (und auch dort auch nur begrenzt) möglich. In der „Digitalisierten Welt“ ist Geheimhaltung aufgrund der technischen Grundanlage ganz einfach unmöglich. Und das finde ich gut so!

Wenn Ihr mir jetzt sagt, mein Artikel wäre utopisch, dann antworte ich, dass wir nur mit Utopien unsere Welt ein klein wenig besser machen können.

RMD

Anmerkung zum Thema Eigentum und Einkommen:
Sina Trinkwalder (@manomama) hat mal getwittert, dass sie der Meinung wäre, man sollte beim Jahreseinkommen den Teil über 200.000 € massiv  besteuern sollte und die Summe darunter nur so weit wie wirklich notwendig. Weil man von 200.000 € im Jahr sehr gut leben könne. Eine Meinung, die ich teile. Die aber einen kleinen Shit-Storm hervor gerufen hat. In meiner Einschätzung besonders von Menschen, für die ein Jahreseinkommen von 200 000 € lebenslang eine Illusion bleiben dürfte,

München ist ein große Stadt. In München gibt es auch eine große Theatertradition. Früher haben „Das Resi“ (Residenztheater mit all seinen Spielorten) und die Kammerspiele die Szene dominiert und mich fasziniert. Heute finden wir Spitzentheater vor allem im Volkstheater und wohl auch beim Außenseiter aus Freimann – dem Metropoltheater.

Es gibt in München aber auch eine große Bühne des Amateur-Theaters. Herausragend empfinde ich das Theater Ensemble tgsm. Mit dieser Einschätzung möchte ich die vielen anderen ambitionierten „Laiendarsteller“ in München, die in vielen Bühnen mit Leidenschaft spielen, keinesfalls entwerten. Im Gegenteil, beim Theater ist es wie im richtigen Leben – die „Dilettanten“ (Menschen, die es aus Liebhaberei und nicht auch fürs Geld machen) stehen oft den Profis in nichts nach.

Gestern durfte ich beim tgsm etwas ganz besonders erleben. Es war ein Stück, dass leider nur selten aufgeführt wird. Vielleicht weil es unangenehm ist und weh tut.

Furcht und Elend des Dritten Reiches

von Bertolt Brecht (1898 – 1956)

Ich zitiere aus dem Programm des tgsm:


In 30 Szenen beschreibt Brecht 30 Momentaufnahmen des Lebens im 3. Reich und wollte es zunächst „Deutschland – ein Greuelmärchen“ nennen. 1938 fand mit acht Szenen in Paris die Uraufführung statt. Die Szenen stehen für sich, bilden keine fortgesetzte Handlung und fügen sich schließlich doch zu einem Bild des Lebens unter nationalsozialistischer Herrschaft zusammen. Wer da genau hinschaut, versteht die Mechanismen der Diktaturen nämlich: Polarisierung, Angst, Diffamierung von Minderheiten (Feindbild) und tägliche Demonstration der Staatsmacht. Darum ist das Thema auch heute aktuell und wird es immer bleiben.


Ich hatte Angst vor diesem Abend. Einfach weil ich weiß, dass das Grauen und Entsetzen dieser Zeit mich deprimiert. Vor kurzem hat mit nur das Vorbeiradeln am KZ in Dachau eine schlaflose Nacht beschert.

Am Abend (um 22:30) bin ich mit einem tiefen Glücksgefühl heim geradelt. Ganz gegen meine Erwartung. Weil ich großes und wertvolles Theater erlebt hatte.

Vor allem war ich glücklich, weil ich so viele Menschen erlebt habe (um die 25 Schauspieler und um die 15 Unterstützende), die mit unheimlich großen Engagement in ihrer Freizeit völlig ehrenamtlich so etwas Tolles auf die Beine gestellt haben. Und weil ich gefühlt haben, dass diese Menschen die Welt ähnlich sehen wie ich.

Vielen Dank dafür!


Die beste Nachricht:
Es gibt noch ein paar Gelegenheiten, das Stück zu erleben! Hier alle Termine:

1. Juni 2018 (Freitag)
2. Juni 18 (Samstag)
(Pasinger Fabrik, Beginn jeweils 19:30)

7. Juni 2018 (Donnerstag )
8. Juni 2018 (Freitag)
9. Juni 2018 (Samstag)
(Pepper Theater, Neuperlach, Beginn jeweils 19:30)

14 Juni 2018 (Donnerstag)
(Neubiberg, Aula der Volksschule, Am Rathausplatz, Beginn 20:00)

Zum Karten reservieren geht es hier.

Und hier noch ein paar Links zum Appetit machen: Hier eine ausführliche Kritik zur Premiere, an der Konstantin Wecker mit einem Lied zum Schluss dabei war. Bei den natürlich an den weiteren Aufführungen ist er nicht persönlich dabei, dann kommt sein Lied SAG NEIN vom Band. Bei uns haben da alle mitgesungen, so war es auch ohne den Meister persönlich ein wunderbares Erlebnis.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 10. Mai 2018

Welche Werkzeuge brauchen Führungskräfte?

Roland erklärt SCRUM. Aber keine SCRUM-Werkzeuge! Ist auch ein paar Jahre her.

Vor kurzem habe ich einen Artikel gelesen, der die Frage beantworten wollte:

„Welche Werkzeuge braucht ein Product Owner?“

Es war ein langer Artikel. Es stand manch Vernünftiges drin und er lies sich gar nicht schlecht. Vieles klang gut überlegt.

Mir jedoch wurde beim Lesen immer unwohler. Weil das alles irgendwie nicht gestimmt hat. Werkzeuge können sicher auch ab und zu mal nützlich sein. Aber mittlerweile haben wir haben so viele Werkzeuge im Einsatz, dass wir oft vor „lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen“.

So habe ich mir die „Werkzeug-Frage“ dann für andere Weiße-Kragen-Berufe aus meiner fachlichen Welt gestellt. Also:

„Welche Werkzeuge braucht ein Scrum Manager, ein Projekt Manager, ein Quality Manager, ein Requirement Engineer oder ganz allgemein eine Führungskraft, die man heute ja auch gerne als Manager bezeichnet und die zurzeit ja sogar „digital leadership“ beherrschen muss?“
(Meine Skepsis zu diesen „buzzwords“, die man aus digital, smart, manager, leadership, project und weiteren Begriffen dieser Art beliebig kombinieren kann, ist ja bekannt.)

Und ich fühle mich bestätigt, dass wir zu sehr an Werkzeuge glauben. Die bringen nicht wirklich viel und lenken uns vom Wesentlichen ab, das eh schon schwer genug zu finden ist.

Im nächsten Schritt habe ich mir über überlegt, welche Rolle Werkzeuge in meinem Leben gespielt haben. An das Spielzeug im Sandkasten kann ich mich nicht mehr erinnern. In der Schule und im Studium allerdings habe ich (meine) Handschrift und Bücher genutzt. In wenigen Fällen kamen der Zirkel, das Lineal, der Rechenschieber, die Logarithmen-Tafel und einmal die Schreibmaschine (bei der Diplom-Arbeit) zum Einsatz.

Wichtig war das Fahrrad , um überhaupt in die Schule zu kommen. Ja – und fast hätte ich es vergessen – im Bereich der Mathematik war noch der Verstand von Nöten.

Gleich nach dem Vordiplom habe ich Anfang der 70iger Jahre als Werkstudent beim Siemens mit dem Programmieren (das an der TUM war mehr so Spielerei) angefangen und bin zum „Software-Ingenieur“ geworden.

Da waren meine Werkzeuge „Programmier-Formulare“ und weißes Papier. Weiter hatte ich einen der berühmten Druck-Bleistifte von Siemens, mit denen die Abteilungs-Sekretärin immer so knauserten. Die „Formulare“ hatten 80 Spalten, sie waren der Assembler-Syntax folgend bedruckt. Der Assembler für die Prozessrechner der Serie 300 von Siemens hatte übrigens den netten Namen „Prosa“.


🙂 Vorsicht: Jetzt wird es ein wenig fachlich, eher so für Programmierer.

Wenn ich mich richtig erinnere waren die ersten 8 Spalten auf dem Formular den „Sprungmarken“ vorbehalten, die auch „labels“ hießen. Dann kamen Sonderspalten, in denen markiert wurde, ob der linke oder der rechte Akkumulator benutzt wurde und ähnliches. Die letzten 8 Spalten (73 bis 80) dienten der Nummerierung, die man zu Beginn eines neuen Programms tunlichst in 100-Schritten tätigte, damit noch Platz für Einfügungen blieb. Spalte 72 war für den Stern für die Folgekarte. So oder so ähnlich war das.

Mit dem Druck-Bleistift habe ich auf das weiße Papier so eine Art „Ablaufbilder“ gemalt und dann diese in Anweisungen im Formular umgesetzt. Hilfspersonal hat dann die Formular in Lochkarten umgesetzt, für jede Zeile wurde eine Lochkarte gestanzt. Zweimal wurde die Zeile abgetippt. Zuerst wurden die Löcher gestanzt und im zweiten Lauf die gestanzte Karte kontrolliert. So entstand das „Programm“ als Lochkartenstapel.

Wichtige Werkzeuge waren auch die Schachtel oder zumindest ein Gummi den Lockartenstapel. Später bekam ich zusätzlich ein portables Handgerät zum Stanzen von Lochkarten, weil ich vor Ort beim Kunden Korrekturen „patchen“ durfte. Das war eine große Auszeichnung, auf die ich richtig stolz war.

Zusätzlich hatte ich noch ein weiteres Werkzeug von einer ganz anderen Kategorie. Das war der dünne und sehr übersichtliche Siemens-Plastik-Kalender (für den OFK – Oberen Führungskreis gab es diesen in Leder).

Das war es und das war völlig ausreichend an Werkzeugen. Ich erinnere mich noch, wie ich mir damals vom privaten Geld ein Luxus-Werkzeug gekauft habe. Einen Wunderrechner von Texas Instrument. Der war allerdings mehr ein Hobby und nicht zwingend notwendig – deshalb musste ich die zirka 600 DM  auch selber bezahlen. Aber meine Begeisterung und offensichtlich auch mein Einkommen waren groß genug.

Dieser Taschenrechner konnte im oktalen (Ziffern von 0 – 7), dezimalen (Ziffern von 0 – 9) und sedezimalen, auch hexadezimal genannten Zahlensystem (mit Ziffern von 0 – F – da wurden die Ziffern 0 – 9 um A, B, C, D, E und F)“  rechnen  und die Zahlen in umwandeln konnte. Das war ein ab und zu nützliches Werkzeug, aber vor alle ein Teil mit dem man so richtig angeben konnte.

Etwas Selbstverständliches als Hinweis:
Alle Rechner hatten natürlich eine binäre Basis und konnten nur mit Nullen und Einsen rechnen. Sie nutzten das binäre Zahlensystem (0 und 1). Die ersten „Dumps“ bestand nur aus Nullen und Einsen, und den mussten wir lesen können.

Da im binären System die Notation ziemlich länglich wird, wurden schnell größere Einheiten gebildet, die Worte die aus zwei Halbworten, den Bytes bestanden. bei den Prozessrechner das „Wort“ 2 mal 3 Bits (das Byte hatte also nur 3 Stellen), die meisten anderen Systeme hatten aber als  Grundeinheit 4 Bit (= 1 Byte). Die Sprachen mit den 3 Bits wurden oktal notiert, die mit den 4 Bits sedezimal.

So wurden die Dumps kürzer und bestanden je nach Assembler aus den Ziffern 0 bis 7 oder von 0- 9 verlängert um die Buchstaben A – F.

Ich weiß noch heute, dass in irgendeinem der Assembler, den ich programmiert habe, das sedezimale Wort 07FF (binär 0000 1110 1111 1111) die Maschinenanweisung für „Release Control“ war. Den Rest habe ich vergessen.


🙂 Weiter wieder für Manager.

Später habe ich den Siemens- durch einen „Löhn-Kalender“ ersetzt. Das war ein (auch sündhaft teures) kleines Ringbuch mit vielen Fächern, das so in etwa die Funktionen von Outlook vorwegnahm. Es gab es in Plastik und in echtem Leder. Ich hatte sehr schnell die Lederausgabe. Dieses Werkzeug unterstütze meine langjährige Metamorphose vom Programmierer zum Manager/Unternehmer.

Der „Löhn-Kalender“ hatte einen großen Nachteil – er konnte nicht reden. So habe ich Termine in meinem Manager-Leben verpasst, weil ich in meinem Programmierer-Leben so von meiner Arbeit gefesselt war, dass ich nicht merkte, wie die Zeit vergeht.

So bin ich dem „Löhn-Kalender“ untreu geworden und habe ihn gegen einen elektronischen Helfer ausgetauscht. Das war ein Gerät von Texas Instruments, das früher einer Familie von „Electronic Organizer“ (Personal Organizer). Und der konnte zwar weniger als der „Löhn“ – aber er konnte Piepsen. So hat er mich vor meinen Terminen gut vernehmbar angepiepst, so dass sich mein pünktliches Erscheinen zu vereinbarten Besprechungen drastisch verbesserte. Und verglichen mit meinem TI-Rechner für oktales, dezimales und sedezimales Rechnenfast war das kleine Zaubersystem fast schon billig.

Diese Geräte wurden übrigens später mit dem auch neuen Mobil-Telefon (Handy) gekreuzt. Handy und Organizer und sind für mich so etwas wie Vater und Mutter vom heutigen „Smart Phone“.

Soweit meine eigene Werkzeuggeschichte, die dann mit Laptop, Airbook und Tablet weiter ging.

Was für Werkzeuge braucht eine Führungskraft?

Diese Frage ist in etwa so albern wie wenn man fragt: „Welche Werkzeuge braucht ein Koch?“. Ohne auszusagen, was der Koch denn überhaupt kochen soll. Die einzige Antwort, die mir da einfällt ist: „Seinen guten Menschenverstand und wahrscheinlich ein Messer“.

Die korrekte Frage wäre doch, welche Werkzeuge braucht ein Mensch für die Zubereitung eines bestimmten Gerichtes. Wenn ich meinen Gästen ein Käse-Fondue reichen will ist das doch etwas ganz anderes als Kartoffel-Knödel, ein gegrilltes Hähnchen, ein Himbeereis oder ein Gulasch aus der Dose! Beim Käse-Fondue ist das Wichtigste (wie übrigens auch bei Käs-Spatzen) ein hochwertiger Käse mit dem richtigen Geschmack! Und den passenden Wein. Und das richtige Weißbrot. Man sieht, nicht auf die Werkzeuge kommt es an sondern auf die Zutaten!

Jetzt könnten Sie einwenden, dass der Vergleich zwischen einer Führungskraft und einem Koch hinkt. Weil Zweiterer ja ein Handwerk betreibt, bei dem etwas Handfestes und hoffentlich Vernünftiges raus kommt.

So suchen wir einen Beruf, der dem der Führungskraft näher steht? Mir fällt der Pastor ein. Der passt vielleicht besser, denn da kommt ja hinten auch nichts raus, was man essen kann. Wie beim Manager.

ALSO: Was für Werkzeuge braucht der Pastor?

Ich würde sagen:
Die Bibel und eine Brille, wenn er nicht mehr so gut sieht. Aber vielleicht hat er heute die Bibel auf seinem Tablet. Und wenn er ein Excel braucht, dann macht er etwas falsch. So wie die Führungskraft.

RMD

Warum sind Sie als Teilnehmer dabei, was ist Ihr Ziel?

Das ist die Frage, die fast immer kommt, wenn man das erste Mal auf ein „die Persönlichkeit förderndes Seminar“ geht.

Und einmal habe ich als Antwort gehört

„Macht, Kohle und Frauen“.

Die erschien mir als ehrlich. Das scheint mir zumindest bei Männern im Normalfall zu zu treffen. Wen wundert es – auf solchen Seminaren habe ich fast immer nur Männer angetroffen. Das passt ja auch in unsere #metoo-Welt. Letzten Ende läuft es halt so wie es läuft.

Viele andere Antworten habe ich gehört. Die klangen auch schön. Meistens erschienen sie mir aber erstunken und erlogen. Dazu erzähle ich folgende Geschichte aus meinem Leben.


Man muss wissen, dass ich wie viele Manager und Berater im Laufe meines Lebens des öfteren auf Seminaren und Trainings war zur „Förderung/Bildung der Persönlichkeit für Führungskräfte und Manager“. Zu Beginn meines Berufsleben bei Siemens habe ich als ingenieurs-mäßiger Typ so etwas völlig abgelehnt und mich davor gedrückt.

Roland auf dem Wege aus dem Akademie-Hotel in Jena zum Stadion (Carl-Zeiss).

Wie ich dann zur Softlab GmbH gewechselt bin hat sich das geändert. So kam ich so mit 30 zu einem Seminar bei TPM (Training Psychologische Management. Das Seminar war Pflicht. Wenn man „etwas werden“ wollte, musste man dran teilnehmen.

Ich ging sehr skeptisch hin – und kam  begeistert zurück. Ab da habe ich mich vorgedrängt, wenn es die Chance gab einen Kurs „jenseits der Fachlichkeit“ zu bekommen. So kam ich auch zu Rupert Lay, der für mich sehr wichtig werden sollte. Wie auch zu weiteren Mentoren in meinem Leben.

Nicht nur als „newbie“ habe ich immer wieder erlebt, wie die „Trainer“ in der ersten Runde die Teilnehmer nach ihrer Erwartungshaltung gefragt haben. „Warum sind Sie denn hier bei mir“, so oder ähnlich war die typische Frage zum Einstieg ins Seminar.

Heute wende ich diese Frage selber an, weil ich meine, dass sie Sinn macht. Man lernt so die Teilnehmer ein wenig  kennen und kann ihre Interessen und Bedürfnisse erfahren. Dem „Trainer“ ermöglicht sie, eine zu hohe Erwartungshaltung zu korrigieren. Zumindest regt die Frage zum Nachdenken an und kann gut als Übergang zu den wesentlichen Themen genutzt werden, die uns bewegen und in die sich die Teilnehmer einbringen sollen.

In einem meiner ersten Seminare bei einem prominenten Trainer habe ich folgende Antworten auf diese zentrale Frage gehört:

… ich habe Fehler und möchte einige davon abstellen …

… ich habe eine Reihe von Talenten, die ich ausbauen will …

… ich möchte endlich einen entscheidenden Karriere-Schritt machen, den ich schon lange anstrebe …

… ich möchte Klarheit über mein Leben gewinnen und Struktur in dasselbige bringen …

… ich strebe eine selbstständige und eigenverantwortliche Aufgabe an, weil mich mein aktuelles abhängiges Dienstverhältnis in dem systemischen Konzern, dem ich angehöre unglücklich macht …

Manche der Teilnehmer haben dann auf Nachfrage durch den Trainer länglich beschrieben, wie toll ihre Person und Position sei, und dass sie weiter „nach oben“ wollten. Und dass sie jetzt eben lernen möchten, wie sie noch besser und noch wichtiger werden können.

Das hat mich da schon ein wenig geärgert. Es war alles so unwirklich, künstlich, synthetisch. Vor mir war ein Mann (natürlich männlich) an der Reihe, der schon äußerlich den Erfolg zu verkörpern schien und der auch mir durchaus als „charismatisch“ vorkam. Er hat es ganz kurz gemacht:

Ich möchte mehr Erfolg haben!

Auf die Frage des Trainers, was er denn unter Erfolg verstehen würde, kam seine Antwort, wie aus der Pistole geschossen:

Erfolg? Das wäre für ihn mehr Macht, mehr Kohle (Geld), mehr Frauen – wobei ihm die Reihenfolge gleich wäre.

Wow! Das war es. Ich empfand diese Aussage irgendwie ehrlich als die der Vorredner, die mir jetzt als Heuchler erschienen. Vielleicht hat ihn diese Heuchelei genauso genervt wie mich.

Als letzter in der Runde ich dran. Weise entschloss ich mich zu sagen, dass

… ich mir da keine Gedanken gemacht hätte und das Seminar erst mal einfach so auf mich zukommen lassen möchte …

Diese auch nicht ganz ehrliche sondern sorgfältig abgewogene Aussage hat mir eine ganze Reihe von ziemlich auf mich herab schauende Blicke eingebracht. Ich konnte Unverständnis herauslesen. Wie kann man nur auf so ein teueres Seminar gehen, ohne jedes Ziel!?

Besonders von den „Heuchlern“ kamen diese Blicke.  War auch kein Wunder, ich war damals der mit Abstand jüngste Teilnehmer und der Einzige in Jeans und Rolli. Ohne den feinen Zwirn, den die edle Runde trug. Aber ich hatte gelernt: Es geht um Macht, Geld, Sex. Das ist mir damals bewusst geworden. Und darüber lohnt es sich schon, ein wenig nachzudenken. Nicht nur wegen #MeToo.

Denn was ist Macht? Ich meine, Macht entsteht, wenn man besondere Persönliche Eigenschaften hat oder aufgrund von Position und von Besitz. Am besten ist es in unserer Gesellschaft, man verfügt über alles:

  • Persönliche Eigenschaften
    Positiv könnten dazugehören gutes Aussehen, eine angenehme Stimme, eine gewisse Körpergröße, elegante aber passende Kleidung, eine Anmutung von Authentizität, gute Bildung und Ausbildung, eine angenehmen Persönlichkeit, gute Manieren und natürlicher Autorität. Solche Menschen kommen schon sicher mal eher in gute Positionen als andere.
  • Position
    Wichtige Positionen im Staat oder in wichtigen Institutionen „verleihen“ Macht. Die Macht des Amtes überträgt sich auf die Person. Systemagenten tun so, als ob die Macht des Systems, das sie vertreten zu ihrer eigenen geworden ist.
  • Besitz
    Besitz macht mächtig. Andere wollen am Besitz teilhaben und unterwerfen sich deshalb dem Besitzenden. Ich habe übrigens mit Absicht Besitz und nicht Eigentum geschrieben. Denn es interessiert niemanden, ob das Imperium wackelt, wichtig ist, dass es leuchtet.

Unser Protagonist wollte also mehr Macht (also Persönlichkeit, Position und Besitz). Aber er wollte auch Kohle. Kohle als kumpelhaft genutztes Synonym für Geld. Wobei wir wieder bei der Macht sind.

Unserer Gesellschaft ist nur ein Grundrecht wichtig, das die Wahrung von Besitzstand. Wir haben auch einen Glaubenssatz: „Mit Geld kann man sich alles kaufen“. Auch die Macht. Man braucht nur genug davon. So werden Geld und Macht zum Synonym.

Unser Protagonist wollte aber auch noch Sex. Einfach weil er in seiner (oder in allgemeiner) Denke davon ausgeht, das man mit genug Macht und Geld alles bekommt. Auch alle Frauen.

Vielleicht wollte unser Erfolgs-Protagonist nur einen Witz machen. So wie bei Immobilien. Da gibt es drei zentrale Kriterien: Lage, Lage und Lage. Und vielleicht wollte er nur sagen, dass Macht, Geld und Sex in unserer #MeToo-Welt eh nur drei Synonyme sind (das selbe bedeuten) ? Oder vereinfacht Geld, Geld, Geld.

Ich fürchte, das kennzeichnet unsere Gesellschaft. Sie polarisiert. Geld macht Macht – und – Macht macht Geld. Und wer beides hat, hat alles. So läuft unsere Gesellschaft und der Planet gegen die Wand.

Und was machen wir? Wir regen uns über Sexismus auf. Dies wahrscheinlich sogar zu recht. Aber wir sollten wegen dem bisschen Sexismus die restliche Katastrophe nicht vergessen, die unsere Welt ruiniert (das mit dem Geld und der Macht …).

Als Mentor ist die genannte Frage übrigens auch gut zum Einstieg geeignet. So frage ich neue Mentées gerne, was sie von unser Mentoring als Ergebnis für  die Zukunft  sein soll. Da höre ich oft schönere Aussagen.

Auf die zentrale Frage hat mir ein junger Mann mal geanwortet, dass es sein Ziel ist, im Leben etwas gegen Verschwendung zu tun. Weil er „waste“ verabscheuen würde. Und dass man mich deswegen als Mentor für ihn ausgesucht hätte! Weil bekannt sie, dass ich auch keinen „waste“ mag!

Das stimmt und hat mich begeistert. Wir haben uns an die Arbeit gemacht. Und es wurde gut!

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 5. Mai 2018

Die Eigenschaften der Menschen

WARNUNG:
Im Folgenden ein Text, der für viele Menschen nur schwer auszuhalten ist.

Garantiert weit weg von Seminaren und Mentoring aller Art – vor ein paar Jahren in der Südsee.

Nicht die Menschen sind gut oder schlecht sondern ihre Handlungen.

Das ist für mich eine der zentralen Gedanken der Aufklärung.

Ähnlich gilt auch

Nicht die Manager sind richtig oder falsch sondern ihre Entscheidungen.

„Falsch“ hier im Sinne von „verkehrt“.

Wobei das mit den Entscheidungen noch problematischer ist als mit Handlungen. Bei Handlungen haben oft kausale Folgen. Bei Entscheidungen kann häufig auch à posterio nicht entschieden werden, welche Auswirkungen sie „wirklich“ auf das Unternehmen oder die Welt hatten. Weil immer die Frage ist „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“, das gut nach zu lesen beim Watzlawick. Und scheinbar richtige Entscheidungen zeigen sich oft langfristig als grottenfalsch.

Menschen wie auch „Manager“ darf man nicht mit Eigenschaften versehen wie gut oder schlecht. Sie sind keine Zahnräder, die als Teil im Uhrwerk von Familie oder Unternehmen funktionieren.

Bei Menschen tun wir uns schon mit trivial Messbarem wie „Gewicht“ und „Größe“ schwer. Da kommt eine groß gewachsene Dame mit unfassbar langen Beinen – dann zieht sie ihre Schuhe aus und schrumpft zum Zwerg. Manch Dicker kommt plötzlich als Dünner daher, weil er 20 Kilo abgenommen hat.

Mit Schönheit geht das auch nicht. Da strahlt der Held uns in seiner Ausgeh-Uniforum an; wehe aber er steigt unrasiert und verkatert aus seinem Bett (hier habe ich aus Gender-Gründen ein männliches Beispiel gewählt und auf die Zote mit dem One-Night-Stand und dem (Er-)Schrecken am Morgen verzichtet).

Auch bei der Intelligenz hapert es mit der objektiven Einschätzung. Da misst man den „I.Q.“ – aber was ist mit der Emotionalen Intelligenz, nach zu lesen bei Goleman in seinem Buch „EQ …„.

Wir sollten uns also hüten, jemanden mit Eigenschaften wie dick, groß, schön oder intelligent zu versehen. Das ist leichtfertig und unangemessen. Aber es geht wie immer noch schlimmer.

Es gibt Menschen, die haben mir gesagt, dass ich ein „Kopf-Mensch“ bin. Andere haben mir rückgemeldet, dass ich ein „Bauch-Mensch“ sei.

Das waren Leute, die mir nahe gestanden sind und es wohl auch noch gut mit mir gemeint haben. Sie meinten, sie hätten gelernt das zu beurteilen. Und mitleidig bedauert, dass ich als Kopf- wie als Bauch-Mensch für meinen Job als Manager nicht taugen würde.

Diese – übrigens immer männlichen Personen – haben sich für große Führungspersönlichkeiten gehalten. Ich habe sie für „Idioten“ gehalten oder besser, als solche wahr genommen.

Genau das ist der Punkt:

Es ist immer nur unsere Wahrnehmung.

Wir alle tragen Masken und agieren auf eine Art und Weise, so wie wir halt meinen interagieren zu müssen. Das macht die Kommunikation und das Verstehen nicht einfacher. So sind wir (zu) schnell bereit, unsere Mitmenschen „kleiner“ oder „größer“ zu machen.

Es gibt keine Menschen, die „kopf- oder bauch-gesteuert“, „gefühlskalt“  oder „emphatisch“, „sensibel“ oder „unsensibel“, „schwach“ oder „stark“, „emotional“ oder „emotionslos“ und so weiter sind. Das sind Werte, die kann man nicht messen kann. Auch wenn Scharlatane dies behaupten und verkaufen.

Das sollten wir uns immer wieder bewusst machen.

Ganz besonders sollten wir uns vor unserer  Selbstwahrnehmung in Acht nehmen. Auch diese ist in der Regel falsch!

RMD

P.S.
Letztere Aussage kann ich gut aus meinen Gesprächen mit vielen Menschen belegen, die zu mir als Mentées kommen. Wie oft bin ich entsetzt, wie diese sich selber klein machen.