Roland Dürre
Sonntag, der 22. Juli 2018

Liebe & Hass.

Da gibt es so ein paar „Sprichworte“. Die haben mir früher ganz gut gefallen. Wie zum Beispiel:

(i) No pain no gain!

(ii) No risk no fun!

(iii )No hate no love!

Die passen zu vielen Gelegenheiten. Manche werden mit der Pflege solcher Sprüche berühmt. All diese Sprüche haben eines gemeinsam – sie signalisieren, dass es das eine ohne das andere nicht gibt.

Irgendwie waren solche Gedanken auch ein wenig Teil meiner „Küchenphilosophie“, sie gehörten zu meiner zynischen Einstellung zum Leben.

Mittlerweile halte ich von diesen vielleicht klugen Sätzen nichts mehr. Ich möchte gewinnen, ohne zu leiden. Mich freuen, ohne etwas riskieren zu müssen. Und vor allem lieben können ohne hassen zu müssen.

Ich glaube, dass es eine Grundsatzentscheidung eines jeden Menschen ist, ob er sich an (i – iii) halten will. Oder lieber darauf verzichten und sich aufs Positive beschränken will?

RMD

Gastautor(en)
Freitag, der 20. Juli 2018

Gastbeitrag eines jungen Mannes: Der Transatlantik-Zirkus.

Als Gastautor begrüße ich (Roland Dürre) heute hier Götz, den Sohn von Detlev Six. Detlev hat in IF-Blog viele besondere Beiträge eingebracht, unter anderem die Radiophilosophie. Nur zur Erinnerung an vergangene Zeiten: Die Radiophilosophie besteht aus 80 – wie ich meine ein wenig verkannte – philosophische Beiträge, die dem Motto folgen „Erfolgreich trotz Denkens“.

Aber jetzt und heute überlassen wir seinem Sohn die Bühne zum Thema:

Der Transatlantik-Zirkus:

Man sollte meinen, dass es etwas positives ist, wenn sich die Präsidenten der zwei größten Atommächte treffen um zu reden und Spannungen abzubauen, zumal es nicht das erste Mal ist, dass sich amerikanische und russische Präsidenten in diesem Format treffen. Nun gibt es aber bekanntermaßen Leute, die das anders sehen. Einer davon ist Zeit Kolumnist Matthias Naß, der Trumps Politik „zum Fürchten“ findet. Assistiert wird er dabei von Stefan Kornelius, dem Auslandschef der Süddeutschen, der schreibt: „Die Demokratie erlebt in diesen Zeiten den schlimmsten Rückschlag seit den faschistischen Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts“. Dass Trump und Putin miteinander reden erinnert Kornelius also an den Aufstieg Adolf Hitlers und für diese Aussage bekommt er von Naß dann auch noch attestiert, ein „besonnener Transatlantiker“ zu sein[1]. Vielen Danke für die Steilvorlage Jungs. Beide sind übrigens Mitglied in der transatlantischen Polit-Lobby Atlantik Brücke, genau wie so viele andere Journalisten[2].

Nun könnte man ja lachen über diese Zirkusveranstaltung, doch es gibt dabei mehrere Probleme: Naß und Kornelius sind keine unbedeutenden Clowns, sondern bedeutende Clowns. Außerdem ist mit diesem einen Beispiel traurigerweise das komplette Meinungsspektrum der Mainstream Medien abgedeckt. Dazu kommt dann, dass es immer noch viele Leute gibt, die sowas für Journalismus halten. Beschäftigen wir uns also mit den Gründen, welche die Mainstream Presse dafür anführt, dass man nicht mit Putin reden solle.

Die „Annexion“ der Krim:

In der UN Charta, dem sog. Völkerrecht, kommen die Begriffe Annexion und Sezession nicht vor, d.h. diese Begriffe sind nicht definiert. Was darin vorkommt ist das „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ und die „territoriale Integrität der Staaten“ . Letzteres hat Russland verletzt, als es die grünen Männchen auf die Krim schickte um den Bewohnern dort ersteres zu ermöglichen. Obwohl das Völkerrecht also Abspaltung via Referendum zulässt, die sog. Sezession, argumentiert eine Mehrheit der Experten, dass das Votum nicht völkerrechtskonform sein könne, da es auf einem völkerrechtswidrigem Wege zu stande kam. Es gibt aber auch Experten, die für eine Sezession argumentieren[3]. Auf jeden Fall handelt es sich bei der sog. Annexion der Krim nicht um eine Tatsache, sondern um eine Meinung. Unbestritten ist dagegen, dass die USA z.B. die Insel Guam annektiert haben[4].

Der Krieg in der Ostukraine:

Knallhart verschwiegen wird von den MSM stets die Tatsache, dass Janukovich nicht vom Volk, sondern durch Scharfschützen gestürzt wurde. Diese schossen aus Gebäuden, die zum besagten Zeitpunkt von der Opposition kontrolliert wurden[5]. Nachdem die Bürger im Osten des Landes, die den gewaltsamen Putsch nicht akzeptierten, ihre Unabhängigkeit erklärt hatten, war es die neue ukrainische Regierung, welche die Armee nach Osten schickte und dies „Anti Terror Operation“ nannte. Diese Aktion löste die Kampfhandlungen im Donbass aus und machte die Gegend zu einem beliebten Urlaubsziel für russische Soldaten. Russland macht diesen Krieg zwar möglich durch die Unterstützung ethnischer Russen im Nachbarland, aber ausgelöst haben diesen Konflikt andere.

Die Wahlbeeinflussung:

Zwischen 1946 und 2000 haben die USA 81 Wahlen beeinflusst und Russland bzw. die Sowjetunion 36 [6]. Wenn sich die USA jetzt über eine mutmaßliche Wahlbeeinflussung aufregen, dann ist das ungefähr so, als wenn der Boss eines mexikanischen Drogenkartells die Rocker-Kriminalität in Europa als unethisch kritisieren würde. Dazu kommt noch, dass es bis heute keine öffentlich einsehbaren Beweise gibt. Das meiste beruht auf den Behauptungen der selben Geheimdienste, die schon die Beweise für die Massenvernichtungswaffen des Irak gefälscht haben und selbst diese Behauptungen beinhalten nicht mal den Vorwurf, dass das was Russland getan haben soll, einen Einfluss auf den Ausgang der Wahl gehabt hätte[7]. Moment, was ist mit Muellers Anklagen? Ja, mag sein, dass hier endlich mal Butter bei die Fische kommt, aber zumindest Zweifel kann man auch daran anmelden. Die Angeklagten sind allesamt russische Staatsbürger und in Russland ansässige Firmen. Es war eigentlich nicht damit zu rechnen, dass irgendjemand davon vor Gericht auftauchen würde und somit könnte Mueller damit rechnen, nie Beweise vorlegen zu müssen. Nun ist überraschenderweise doch eine der als Trollfarmen bezichtigten Firmen vor Gericht aufgetaucht, plädiert auf „nicht schuldig“ und möchte Beweise sehen, woraufhin Mueller erst mal versucht hat, die Herausgabe jener Beweise zu verzögern[8]. Die deutschen Medien hatten leider keine Zeit, darüber zu berichten.

Das ist es, wie in der Quintessenz Propaganda funktioniert. Es wird hier eine Information und dort ein Zusammenhang verschwiegen. Fragmentierung und Dekontextualisierung von Informationen nennt man das. Dadurch entsteht ein Zerrbild, auf das dann ein unnatürlich verengtes Meinungsspektrum aufsetzt, welches dieses Zerrbild wie die ganze Wahrheit behandelt. So kann man lügen ohne zu lügen und es wirkt alles sehr realistisch, denn die präsentierten Informationsfragmente sind meist wahr. Das Gesamtbild, das sie ergeben aber nicht. Zur Zeit trommeln die Presstituierten massiv für den kalten Krieg. Eine Annäherung und Entspannung mit Russland soll auf jeden Fall verhindert werden. Es ist aber wichtig, sich von dieser Propaganda nicht das Hirn weichspülen zu lassen. Trump hat seine Fehler, aber sein Kurs gegenüber Russland ist richtig.

[1] https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-07/donald-trump-nato-gipfel-usa-demokratie-5vor8
[2] http://spiegelkabinett-blog.blogspot.com/2013/03/journalisten-der-atlantikbrucke-in.html
[3] http://m.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-krim-und-das-voelkerrecht-kuehle-ironie-der-geschichte-12884464.html
[4] https://de.m.wikipedia.org/wiki/Kolonien_und_Protektorate_der_Vereinigten_Staaten
[5] https://www.rubikon.news/artikel/propaganda-statt-journalismus
[6] https://en.m.wikipedia.org/wiki/Foreign_electoral_intervention
[7] https://m.youtube.com/watch?v=PSieUmpeDSw
[8] https://www.politico.com/story/2018/05/04/mueller-russia-interference-election-case-delay-570627

Soweit Götz Six.

Mein Resumée? Vielleicht sollten wir mehr den jungen Menschen zuhören und sie auch in Politik und in den Unternehmen ein wenig mehr ans Ruder lassen.

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 17. Juli 2018

Innovation. Management. Zukunft.

Geschafft ?!

Immer mehr Unternehmen richten Positionen ein, die als „Innovations Management“ bezeichnet werden. Mich reizt es dann immer, diese Manager nach ihrer Job-Beschreibung zu fragen (dies obwohl ich von zu ausgefeilten Stellenbeschreibungen nichts halte).

Häufig sitzt der Innovation Manager in der Abteilung Human Ressource (HR), denn seine Hauptaufgabe ist ja, die Mitarbeiter „innovativer“ zu machen. Und ich weiß ja auch nicht, wieso man eigentlich HR braucht?

„Was ist Innovation?“

Diese Frage stelle ich dann gerne den „Innovation ManagerInnen“. Ohne jede böse Absicht. Weiß ich ja wirklich nicht, was Innovation ist. Nur dass, es ein Buzzword ist, von dem alle reden.

Besonders gerne stelle ich solche dumme Fragen den Menschen, die sehr klassische Unternehmen „innovativer“ machen sollen. Zum Beispiel aus dem Bereich der Finanzindustrie (FI), also der Banken und Versicherungen.

Mir fällt dann immer die Definition von Simon Grand (St. Gallen) ein. Er hat Innovation als „Kreative Zerstörung“ bezeichnet. Eine vielleicht nicht unbedingt hilfreiche Definition. Aber sicher eine, die zumindest darauf hinweist, dass Innovationen in der Regel Veränderungen verursachen. Und Veränderungen mag ja keiner. Außer, wenn man ein massives Problem hat.

So sind wir schon bei der nächsten Frage:

„Was ist ein Problem?“

Auch hier habe ich eine Definition gefunden, die sehr drastisch erklärt, was ein Problem ist. Nämlich

„Ein Zustand, der so nicht bleiben kann“.

Die Aufgabe von Innovation könnte sein, solche Zustände zu verändern …

Und schon tauchen Schreckgespenster wie Fragilität und Disruption auf, die unsere Stabilität bedrohen. Innovation soll ja helfen, die Antifragilität von Systemen, die von Disruption bedroht werden zu stärken. Und nach heutigem Manager-Latein nimmt die Disruption ja bekanntlich zu. Aufgrund der Komplexität, die ja immer schlimmer wird (auch so ein Manager-Latein).

„Disruption und Antifragilität“

Das sind auch so schöne Buzzwords. Das eine fürchtet man, das andere soll man herstellen. Und wenn der Innovations Manager bei HR sitzt, dann muss er natürlich die Innovation bei seinen Ressourcen – den Menschen – herstellen. Also müssen sie die Mitarbeiter dazu bringen, dass sie mit „Disruption“ besser umgehen können und so das System, für das man ja gemeinsam wirkt, in einen Zustand hoher Antifragilität versetzen.

„Wie macht man das?“

Hier ein paar Ideen.

Vielleicht mit Story Telling. Mit dem man eine andere Arbeits- und Lebenswelt beschreibt. Mit Werten, die dort existieren, die zwar gut klingen, aber im alten System nur schwer zu realisieren sind. Weil die Widerstände bei den Personen und Gremien kaum überwunden werden kann.

Oder mit neuen Kommunikationsformen wie „barcamps“, mit denen man hofft die Mauern der Silos in den Unternehmen zu durchdringen.

Aber ob das aber ausreicht?

Ich weiß es nicht. Und freue mich, Geschichten von erfolgreichem „Innovations Management“ erzählt zu bekommen. Damit ich sie weitererzählen kann.

RMD

Hans Bonfigt
Sonntag, der 8. Juli 2018

Papa, Charlie hat gesagt …

… so hieß eine Radiosendung.  Ein eher konservativ eingestellter Vater wurde von seinem Sohn mit den teilweise recht kritischen Thesen eines Mitschülers konfrontiert und hatte seine liebe Not damit, diese zu widerlegen.

Mir erschien als kleiner Junge die Welt als undeterministisch.  Mir war nicht klar, wie weit sich die Menschen, die sich nicht schämen, sich selbst als „politische Klasse“ zu bezeichnen, vom tatsächlichen Leben entfernt waren.

Und so fragte ich meinen Vater oft nach Ursachen und Wirkungen und erhielt verblüffend einfache Erklärungen, über die meine Mutter sagte, daß ich so etwas nie, nie, niemals in der Schule weitererzählen solle.

 

Auch jetzt noch hätte ich einige Fragen an meinen Vater, und ich weiß verdammt genau, was er gesagt hätte.

Papa, warum werden amerikanische VW-Kunden entschädigt und deutsche nicht ?

„Nun, Junge — weil sich die Bundesregierung wieder völlig unnötig und unqualifiziert eingemischt hat.  Für diejenigen Fahrzeuge, welche ohne Manipulation die Zulassungskriterien nicht mehr erfüllen können, muß die ‚Allgemeine Betriebserlaubnis‘ durch das Kraftfahrt-Bundesamt entzogen werden.

Dadurch entstünde den Kraftfahrzeugbesitzern ein tatsächlicher Schaden, welchen sie umgehend und einfach gerichtlich geltendmachen könnten.  Gleichzeitig hätte man, national wie international, ein starkes Zeichen gesetzt, daß die Politik nicht die Marionette unserer Schlüsselindustrie ist.

Aber Du kennst unsere Bundeskanzlerin, die leider „Richtlinienkompetenz“ hat, die sie häufig bis zum Rechtsbruch überzieht.  Sie hatte nicht das Rückgrat, die Verärgerung der vielen hunderttausend VW – Fahrer auf sich zu laden.  Auf einen Rechtsbruch mehr oder weniger kommt es Frau Merkel nicht an, wenn sie dadurch vermeiden kann, vom Wähler abgestraft zu werden.“

 

Papa, warum bekommt eine „geflüchtete“ Großfamilie 7.000 Euro im Monat ?

„Tja, Junge – die Behörden sagen, die bekommen das gleiche wie eine einkunftslose deutsche Familie.

Und weißt Du was ?  Eigentlich ist das richtig.  Wer sind wir denn, daß wir sagen, ‚für die menschenwürdige Versorgung eines fremden Kindes brauchen wir weniger als für ein deutsches‘ ?   Es gibt keine Menschen erster und zweiter Klasse.  Das ist ein ganz wichtiger Grundwert unserer Kultur, den es zu schützen gilt — auch und gerade vor den respektlosen Sozialschmarotzern, die hier einfallen.

Daß eine große Familie ohne Ernährer zwischen 4.000 und 10.000 Euro vereinnahmt (denke an Krankenkassen, Kosten für Sozialarbeiter, Justiz- und Gefängniskosten für die ältern Kinder usw., usf.), das ist der Siegeszug der möchtegernsozialistischen Verteilungspolitik des Willy Brandt.

Denn das Beipiel der Asyltouristen, über das sich so viele aufregen, zeigt einfach nur, zu welchem Exzeß die vermeintliche ‚Förderpolitik für sozial Schwache‘ geführt hat.   „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht“.  Das haben die grünen Schmeißfliegen genausowenig begriffen wie die Sozis.  Die einen wollen die Kinder in Ganztagsschulen zwangsindoktrinieren, die anderen blasen der asozialen Unterschicht Zucker in den Arsch, um sich eine Stammwählerschaft zu sichern.

Also:  Eigentlich müßte man verantwortungslosen Eltern, die Kinder in die Welt setzen, ohne dafür aufzukommen, die Stütze auf ein Minimum kürzen — dann gäbe es im Falle der Asyltouristen ebenfalls keine Exzesse“.

 

Papa, warum gibt es Streit über den Umgang mit kriminellen Einwanderern ?

„Tja, Junge:  Du glaubst mir ja nicht, daß rot/grün den Untergang Deutschlands will.  Dabei siehst Du doch selbst die Plakate:  ‚Deutschland, Du dreckiges Stück Scheiße‘ hängt direkt neben einem mit ‚Refugees welcome — bring your families‘.  Ist das eine Art, Gäste zu begrüßen — in einem ‚dreckigen Stück Scheiße‘ ?   Hier kannst Du sehen:  Denen gehen die Leute am Arsch vorbei, aber sie wollen die Chance nutzen, um uns zu schädigen.

Ansonsten kann ich nicht nachvollziehen, warum über neue Gesetze diskutiert wird, wo wir doch ein funktionierendes Rechtssystem haben ?  Wenn einer nach einem illegalen Grenzübertritt erwischt wird, besteht zunächst einmal ein Anfangsverdacht einer kriminellen Handlung.   Das rechtfertigt Untersuchungshaft, ohne Mobiltelephone und ohne Möglichkeiten, weiter straffällig zu werden.

Die Polizei müßte einfach nur so aufmerksam gegenüber sogenannten „Migranten“ sein wie gegenüber den Deutschen.  Und wenn die merken, sie können sich hier nicht aufführen wie zuhause, dann kehrt sofort wieder Ruhe ein.

Wir können stolz sein auf unser Asylrecht – aber diejenigen, die es mißbrauchen, nehmen denen, die wirklich auf unsere Hilfe angewiesen sind, dringend benötigte Ressourcen weg und stiften sozialen Unfrieden.  Und da weiß ich gar nicht, wieso wir verpflichtet sein sollen, Betrüger wieder genau dorthin zu bringen, wo sie hergekommen sind.

Aber weißt Du — alle drei Situationen haben eines gemeinsam:

Sondergesetze helfen niemandem — wir müssen nur unserem bestehenden Rechtsrahmen Geltung verschaffen !“

 

Nun war mein Vater strammer CDU-Wähler und ich bin RAF-Sympathisant, insofern glaube ich, daß er zuviel Angst vor den „Sozis“ gehabt hat, welche weder unter August Bebel noch unter Willy Brandt etwas zuwege gebracht haben.  Denen eine ernsthafte Absicht zu unterstellen, und sei es nur eine zerstörerische, halte ich für abwegig.

Ansonsten kann ich meinem alten Herrn nur rechtgeben.

 

Aber vielleicht haben Sie, lieber Leser, plausiblere Antworten für mich ?

-hb

Roland Dürre
Donnerstag, der 5. Juli 2018

Fuckup! Nights! Munich!

Es gibt immer wieder etwas Neues. Vor ein paar Tagen habe ich die FUCKUPNIGHTS entdeckt. Und bin auch gleich dabei 🙂 .

We Live Life Without Filters

Das ist das Motto dieser Bewegung, die sich FUCKUPNIGHTS nennt. Sie hatte ihren Ursprung in Mexiko und hat von dort aus einen Siegeszug in weite Teile der Welt angetreten.

Es geht ums Scheitern. Wie im Juni 2016 beim PM-Camp in Berlin. Denn Scheitern gehört einfach dazu. Es kann sogar erfolgreich sein. Denn man lernt viel dabei. Und man kann das Gelernte nicht nur für sich selber trefflich nutzen sondern auch mit anderen Menschen teilen. Denen es beim Nichtscheitern (= Erfolg haben) helfen kann.

Das Techdivision-Marketing hat die Fuckup Night nach München und Rosenheim geholt. Am 5. 7. (also heute) findet so in München in der Balanstr. eine FuckupNight statt. Und sie suchten noch „Speaker“. So wurde ich von Sacha angefragt (dem Boss von Techdivision in der Balanstr.):

Hi Roland, hast Du Lust und Zeit uns ein persönliches Fuckup-Beispiel aus Deinem Leben in 7 Minuten Zeit und maximal 10 Slides zu berichten?

Hier für Euch die Info zu FUCKUPNIGHTS in München. Die Veranstaltung heute ist leider schon überbucht, wie die meisten Veranstaltungen von Techdivision (die man alle in meetup findet).

Da bin ich natürlich gerne dabei. Das bedeutete für mich aber auch, dass ich mich vorbereiten musste. So ging ich in mich und überlegte mir:

  • Was waren meine größten Flops, meine schlimmsten Tiefschläge?
  • Wann hat mich das Leben so richtig klein gemacht.
  • Wie war das, als ich mich als der absolute Versager gefühlt habe.
  • Was davon kann ich in der Öffentlichkeit berichten, ohne andere Menschen zu beschädigen?

Es gibt auch ein Speaker Manual zu FuckUpNights, das ich hier kopiere:


 Speaker Manual: Was sind die FuckUp-Nights überhaupt?

„FuckUp-Nights“ klingt anrüchig? Ist es aber nicht! Die „FuckUp-Nights“ sind dazu da, öffentlich über schief gelaufene Projekte, Arbeiten und Ideen zu sprechen und diese Erfahrung mit der Community zu teilen. In lockerer Atmosphäre werden an diesem Abend wertvolle Erfahrungen von erfolgreichen Managern, Unternehmen und Startups weitergegeben, um daraus zu lernen.

3 – 4 Personen berichten jeweils in 7 Minuten zur Abwechslung mal nicht von großen Erfolgsgeschichten, sondern erzählen mit Witz, Humor in aller Offenheit davon, wie es auch mal schief laufen kann – damit sind wir bei den sog. FuckUps.

Wie präsentiere ich meinen „FuckUp“ in 7 Minuten?

Bitte sende uns vorab

  1. 10 Folien, die deinen Misserfolg bildlich darstellen. 
Nummeriere die Bilder von 1-10, die dann in dieser Reihenfolge erscheinen sollen. Bitte denke daran, dass jedes Bild nur ca. 40 Sekunden erscheinen sollte, damit die 7 Minuten nicht überschritten werden.
  2. Deine Kurzbiografie, damit wir dich am Tag des Events vorstellen können. (1-2 Abschnitte)

Denke während der Präsentation, wenn möglich, an folgende Punkte:

  • Wer bin ich?
  • Was war die anfängliche Idee des Projektes/Geschäfts?
  • Was ist schief gelaufen?
  • Was hätte ich anders gemacht? Was hab ich daraus gelernt?

Und vergiss nicht!!!
Es sind die FuckUp-Nights! Fehler passieren eben, Hauptsache du kannst mit Begeisterung, Witz und Humor davon erzählen! Hab also Spaß beim präsentieren! 🙂


Das gefällt mir. So denke ich gerne über meine persönlichen „fuck-ups“ nach. Am härtesten treffen mich persönliche Enttäuschungen, besonders wenn sie mit Menschen zu tun haben. Die schmerzen – und die will ich aber nicht auf einer Fuckup-Night öffentlich berichten, zu leicht könnte ich da anderen Menschen unrecht tun und diese verletzten.

So konzentriere ich mich auf meine unternehmerischen Flops. Einer davon war die große Vision des magicHIT. Die hat der InterFace Connection viel Geld gekostet und war letzten Endes kaufmännisch ein totaler Flop. Das könnte ein guter Beitrag werden, ich werde sie heute Abend berichten. Und schreibe die Geschichte mal hier auf. Sie beginnt mit: Ich war ein …


 

i) IT-Pionier der 3. Generation (ab 1969 Informatik) und

Nicht mehr taufrisch – aber für damals doch noch junger Unternehmer.

Lehrjahre bei Siemens und Softlab“.
Schwerpunkt: Industrielle Informatik (Herrschaftswissen 🙂 )
Leider zu wenig auf „die Spielzeuge“ wie Commodore und Atari geachtet.
Das hat sich später als großer Nachteil entpuppt.

 

 

 

 

 

ii) später Gründer“ mit Blitzstart (1984 – erst mit 34 Jahren)

Als zufriedener Unternehmer, weil es geklappt hat.

Der Start hat geklappt – Wolf (mein Partner, nach dem ich lange gesucht hatte) und ich waren im Paradies – besonders wie wir unser erster Team hatten und ein Produkt entwickeln konnten.

Vereinfacht gibt es vier relevante Geschäfts-/Einkommensmodell-Typen für Unternehmen:

  • Dienstleistung abgerechnet als Zeit & Material,
  • das Gewerk,
  • den Vollservice,
  • ein Produkt

Unix ist unser Thema! Und Produkt die Königs-Disziplin. Also war unser Ziel:

Wir wollen ein Produkt für Unix bauen (weil ein Produkt Identität und skalierbares Einkommen schafft)!

Wir bauen CLOU/HIT!

 

iii) Innovation ist kreative Zerstörung

Abendveranstaltung BICCnight it at media / Foyer Funkhaus Bayern /Muenchen / 22.07.2011
Foto: Stephan Goerlich

so auch Digitalisierung. Also: Schluss mit Aktenschrank, Schreibmaschine und Fernschreiber (damals noch relevantes Kommunikations-Werkzeug).
Datenbanken ans Stelle Papier,  Dokumente werden automatisch erstellt, die Kommunikation geht über Rechnernetze.

Wir beginnen, die alte Welt zu zerstören.

 

 

 

iv) Das Leben ist ein Traum 

Garantiert weit weg von den Problemen des Alltags – vor ein paar Jahren in der Südsee.

Unser Produkt CLOU-HIT wird ein Renner.
Wenn man ganz schnell Marktführer wird, so ist das wunderschön. Große Kunden (Behörden wie Unternehmen) setzen unsere Software flächendeckend ein, füllen unsere Kassen und machen uns alle stolz.

 

 

 

 


v) 
Die Konkurrenz schläft nicht!

CLOU/HIT ist erfolgreich. Aber das Produkt kommt in die Jahre.

Das wissen wir. Trotzdem genießen wir unseren Produkterfolg. Und feiern diesen. Feiern sind wichtig für ein jedes Unternehmen.

Wir wissen aber, dass die Innovation weitergeht und wir etwas Neues brauchen. Denn wer seine Lorbeeren am Hintern trägt, trägt sie am falschen Körperteil.

 

 

 

 

 

 

vi) Wir starten die Entwicklung von MagicHIT …

So sehen mich Christian und Daniel (©
Visual-Braindump) – zumindest 2016 auf dem letzten PM_Camp in Dornbirn.

… dem ersten ODA-/ODIF-EDITOR (ODA/ODIF ist ISO-Norm) weltweit,  als „wysiwyg“-System mit mächtiger Semantik auf UNIX und X11).
Jedes Dokument ist Objekt einer Klasse, seine Semantik wird durch die Klasse festgelegt (Beispiele: Rechnung, Verträge, Bescheide,  …).
Wir portieren MagicHIT auf Windows
Ein besonderes Team mit 10 Mitarbeiter arbeitet in einer großen Altbau-Wohnung im Tal nähe Viktualienmarkt in München und hat dort eine ganz besondere Arbeitsumgebung.
Das Produkt wird nach ein paar Jahren in einer guten „ersten Version“ fertig. Es gibt ein wunderbares Manual.

 

vii) Viele warnen uns!

Aufwachen! Die Glocke schlägt!

Prominente Partner von Groß-Unternehmen und -Behörden warnen uns:

„Seit Ihr wahnsinnig, gegen MS anzustinken?!“

Wir sind Idealisten und ignorieren alle Warnungen.

Geld ist ja genug da (noch).

 

 

 

 

viii) Ein Kunde ist zu wenig!

VORSICHT – den Verein kenne ich.

Nach vielen Verkaufsbemühungen haben wir nur einen Kunden für denneuen MagicHIT – und das ist die Bundeswehr.

Sie will Ihre Gefechtsstände mit MagicHIT automatisieren.

Die Sache wird kritisch. Die Kosten bleiben, der Erfolg stellt sich nicht ein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ix) Game over

„Mein Leben nach InterFace ?“

Alle Behörden und großen Konzerne kaufen Word und Windows. Es macht keinen Sinn mehr. Wir kapitulieren und geben auf! Die Entwicklung von MagicHit wird eingefroren.

Vielleicht braucht es später ja noch mal jemand.

🙁 Und ich muss meinen Exit verschieben …

 

 

 

 

 

 

Fiasko mit Happy End

Wir müssen rechnen. Fast 10 Jahre haben 10 und mehr unserer Spitzenmitarbeiter für umsonst gearbeitet. Je nach Rechnung war das  ein Investment zwischen 10 und 20 Millionen DM/EURO. Für lau!

Jedoch:

Das so gewonnene Knowhow hilft uns. Wir haben viel gelernt. Das hilft uns die nächsten 10 Jahre gut zu überleben. Eigentlich bis heute.

 

 

 

xi) Gelernt

Großen Dank an Jan Fischbach, Meister der Agilität und hier mein Fotograf.

Nicht immer siegt David gegen Goliath.
Wunder wiederholen sich nicht.
Nicht immer gewinnt das Produkt, das den größten Nutzen bringt.
Der Fortschritt ist langsam.
Gegen Macht, Schwindel und fiese Machenschaften kommt man oft nicht an.

 

 

 

 

Aber schön war es doch!

RMD

P.S.
Eigentlich war es ein Dreifach-Fuckup. Denn um die 10 Jahre später haben wir für Siemens und die Bayerische Justiz den MagicHIT noch mal implementiert – dann als ForumStar-Text.

Durch die Ignoranz eines Partner haben wir dann später eine eigentlich schon gewonnene Ausschreibung verloren (zweiter Fuckup) und aus ähnlichen Gründen ist das visionäre Projekt, ForumStar gemeinsam mit TUM, den Justizbehörden Bayerns und der Siemens AG in die Open Source zu bringen, gescheitert. Sogar Siemens hatte durch Adrian von Hammerstein (Vorsitzender des Bereichsvorstands beim IT-Dienstleister Siemens Business Services) auf Vorstandsebene zugestimmt. Das wäre vielleicht eine Sternstunde für Deutschland oder gar Europa gewesen.

Die Siemens AG hatte dann das offizielle Treffen zwischen Vertretern der TUM, der bayerischen Justiz und uns kurzfristigst abgesagt und ist nicht erschienen. Fuckup, von Hammerstein hat dann zeitnah die SBS verlassen und wurde später bei Kabel Deutschland zum wichtigen Reformer und Gestalter. Die Reste der SBS kann man bei ATOS bewundern und die InterFace AG macht weiter ihre Geschäfte, jetzt halt mit IT Compliance, CLOUD und auch immer noch mit Software-Entwicklung (nach dem Motto „es lebe devop!“) … Und die Justizbehörden in By und D werden jetzt von IBM betreut. So ist das Leben.

P.S.1
Und einen ganz großen Dank an die großartige Lydia von Techdivision, die mich so Klasse unterstützt hat!