Klaus Hnilica
Donnerstag, der 29. November 2018

Zahnarztgeplauder mit Bohrer und Speichelabsauger

Carl und Gerlinde (Folge 60)

Irgendwie hatte Dr. Mittler einen Narren an Carl und Gerlinde gefressen. Er beschwor bei jeder Plombe, jeder Zahnsteinentfernung oder Wurzelbehandlung den äußerst glücklichen Umstand, sie beide zu kennen und mit ihnen plaudern zu können. Manchmal hatte Carl sogar den leisen Verdacht, dass dieser Herr Dr. Mittler heimlich in seine Gerlinde verliebt war, da er sie gar so umschwärmte und mit Komplimenten überschüttete, wenn sie einmal jährlich zur Durchsicht ihrer Zähne bei ihm antanzte.

Da Carl genau wie Dr. Mittler ein begeisterter Wien-Urlauber war, gab es bei jeder Behandlung nur ein Thema – und das hieß Wien!

Dies umso mehr als der gebürtige Dortmunder Dr. Mittler um ein Haar eine Professur in Wien angenommen hätte, sich aber dann letztlich doch für die konkrete ärztliche Tätigkeit ‚am Zahn der Zeit b.z.w der Menschheit‘, wie er jedes Mal laut lachend feststellte, entschlossen hatte und dies bisher auch nicht eine einzige Minute lang bereute.

An Carl bewunderte er nicht nur dessen fabelhafte Kenntnisse bezüglich der wichtigsten einschlägigen Restaurants und Heurigenlokale in Wien, sondern vor allem seine Fähigkeit, nahezu perfekt im Wiener Dialekt sprechen zu können. Davon konnte Dr. Mittler als gebürtiger ‚Ruhri‘, der sich noch immer nicht an die maulfaulen Hessen und deren fürchterlichen Dialekt gewöhnt hatte, nicht genug kriegen: Wörter wie leiwand ,Servus, Beuscherl, Schmäh und Topfenstrudel waren einfach Balsam für seine angeraute Seele und konnte er immer und immer wieder hören, wenn er nicht gerade selbst redete, was er aber ohne Punkt und Komma und ohne jemals Luft zu holen faktisch immer tat, so dass er zwar von Carls herrlichen Wiener Dialekt stets schwärmte ihn aber wohl noch nie so richtig wahrgenommen hatte…

Und natürlich schon gar nicht, wenn Carl während der schwärmerischen Erzählungen über den letzten Wien-Urlaub mit weit geöffnetem Mund vor ihm lag, und er, Dr. Mittler, mit seinem Bohrer eine riesige alte Amalgamplombe im rechten unteren Backenzahn bearbeitete. Deswegen, sagte Dr. Mittler und schaute Zustimmung heischend zur etwas drallen Frau Römer, die links neben Carl mit einem Speichelsauger in dessen Mund herumfummelte und dabei auch seine linke untere Lippe malträtierte, fände er es so sagenhaft wohltuend, dass Carl durch seinen Dialekt ihm diese vertrauten Urlaubsklänge aus Wien in seine Praxis zauberte.

Wirklich ein Genuss der Extraklasse sei das, sagte er grinsend und gewährte Carl eine kurze Pause, damit dieser seinen gequälten Mund ausspülen und die verkrampfte Kieferpartie lockern konnte. Diese jäh zurückgewonnene Entspannung seines Sprechapparates hätte Carl sogar erlaubt, einen kurzen Einwand in schönstem Wiener Dialekt zu formulieren, wenn Dr. Mittler wenigstens für den Bruchteil einer Sekunde seine Ausführungen unterbrochen oder nur ein einziges Mal Luft geholt hätte. Doch da dies nicht geschah, hatte er statt dessen sofort wieder Bohrer und Speichelabsauger im Mund, als er diesen – nach Entspannung lechzend – vorschnell ein zweites Mal schließen wollte.

Aber immerhin konnte Carl anschließend mehrmals ein lautes, röchelndes
„Aaaah!“
von sich geben und schmerzhaft sein Gesicht verziehen, als Dr. Mittler bei der Frage, welche Heurigenlokale in Wien derzeit am angesagtesten seien, mit seinem Bohrer kurz sein Zahnfleisch streifte. Wobei, fuhr er fort, er Carl ja gestehen müsse, dass er die ‚Gösser Bierklinik‘ wegen ihrer herrlich großen Schnitzel ohnehin jedem Heurigenlokal vorziehe.

Da Carl wegen der Verletzung seines Zahnfleisches rechts unten stark zu bluten anfing, drückte ihn Frau Römer energisch an ihren festen Busen, um aus seinen Mund nicht nur den Speichel sondern nunmehr auch das Blut abzusaugen, sodass Carl auf die Frage von Dr. Mittler, ob ihm etwas weh tue, nur einen kurzen Grunzlaut, begleitet von einem leidvollen Blick, von sich geben konnte. Immerhin flüsterte ihm Frau Römer zu, während Dr. Mittler weiter schwadronierte, dass er ohne weiteres auch jederzeit seinen Mund ausspülen könne, wenn er möchte

Carl nahm diese Möglichkeit mit einem gequälten Lächeln dankbar an!

Er spülte dreimal seinen Mund gründlich durch und nahm mit einem Kopfnicken zur Kenntnis, dass Dr. Mittler neben den riesigen Schnitzeln auch in die köstlichen Wiener Mehlspeisen verliebt war, was seiner Frau gar nicht gefiel, da er daraufhin oftmals fürchterliches Sodbrennen bekam und nicht selten noch am nächsten Tag bis Mittag nicht zu gebrauchen war.

Doch dann war‘s auch schon überstanden!

Carl konnte endlich wieder seinen Mund auf und zu klappen, beziehungsweise normal bewegen und auch ein verkniffenes Grinsen aufsetzen, während Dr. Mittler ihn bat, vorne bei Frau Koch einen neuen Termin kurzfristig zu vereinbaren. Das wäre nämlich schon notwendig. Einmal um die neue Plombe noch zu polieren und zum anderen noch ein paar andere Kleinigkeiten an seinen Zähnen zu richten.

Abgesehen davon, sagte Dr. Mittler, freue er sich jetzt schon wieder höllisch auf dieses nächste Zusammentreffen, wenn er wieder Carls herrlichen Wiener Dialekt höre bei dem ihm jedes Mal warm ums Herz werde…

Carl nickte stumm und drückte dem einfühlsamen Herrn Dr. Mittler kräftig die dargebotene Hand.

KH

PS:
Dieser Text ist vollkommen frei erfunden und jede Ähnlichkeit mit existierenden Personen ist rein zufällig.

Roland Dürre
Dienstag, der 27. November 2018

Der CIO

Diesmal Unterstützung nur beim Reifen flicken.

Ich helfe immer gerne Menschen, die einen Job suchen. Dazu habe ich sogar eine kleine „Methode“ entwickelt, ich nenne sie „alternative Bewerbung“:

Gemeinsam entwickeln wir zusammen eine „alternative Bewernbung“. Das ist ein Text, in dem der Jobsuchende offensiv seine Stärken beschreibt und eine kleine Vision aufbereitet, welchen Mehrwert er mit seiner Arbeit fürs Ziel-Unternehmen mit Freude und Mut gerne bringen möchte und könnte. Das klingt einfach, verlangt aber einiges an Nach- und Neudenken und dazu eine kreative Öffnung des Bewerbers.

Sind wir damit fertig, dann nutzen wir die entwickelte Geschichte als Text für die „alternative Bewerbung“. Zusätzlich machen wir vielleicht noch ein kleines Video, in dem Bewerber seine persönliche Ausstrahlung rüberbringt – mit Link im Anschreiben – sozusagen an Stelle des üblichen Fahndungs-Fotos.

🙂 Das alles richten wir individuell auf den Ziel-Job und das anvisierte Unternehmen aus. Mein Gedanke ist, dass es einen Unternehmer am meisten interessiert, was der Bewerber seinem Unternehmen „Gutes tun“ könnte und ob und wie dieser mitdenkt.

Und tatsächlich, in der Regel führt der „alternative Lebenslauf“ dann zeitnah zu Einladungen zu Bewerbungsgesprächen. Die dann natürlich auch wieder gründlich vorbereitet werden müssen. Denn Erfolg kommt halt meistens nicht von nichts.

Oft haben die von mir betreuten Menschen einen wunderbaren klassischen Lebenslauf und in diesem sind dann viele Details auf die übliche klassische Art tabellarisch beschrieben. Da sind die Tätigkeiten und Rollen der letzten Jahre (20 !?) aufgelistet, gespickt mit Lehrgängen, Schulungsmaßnahmen und Zertifikaten. Gut und gewissenhaft gemacht.

Nur sind diese Bewerbungen nicht so erfolgreich. Es hagelt dann absagen, dies wiederum frustiert den armen Bewerber. Das leuchtet mir auch ein, denn wie will man so die eigenen Kompetenz (Wissen + Können) klar machen?

Der „klassische“ Lebenslauf interessiert halt oft niemanden. Deshalb kürzen wir ihn und nehmen in dann nur als Anlage, die belegt, dass es gute Gründe für das zuversichtliche Auftreten in der „alternativen Bewerbung“ gibt.

Oft muss ich den von seiner Erfolglosigkeit am Boden zerstörten Bewerber erst mal wieder aufrichten.

Unter meinen „Schützlingen“ waren auch Frauen, die – nachdem sie sich einige Jahre um die Kinder gekümmert hatten – wieder einsteigen wollten. Und ich muss sagen, wenn wir dann gemeinsam Erfolg haben, ist das Glück oft sehr groß. Und ich freue mich wahnsinnig mit.

Vor kurzem hat mich der Zufall mit einem „echten Hochkaräter“ zusammen gebracht. Der war Geschäftsführer bei einem guten mittelständischem IT-Unternehmen. Dort hatte er dort gekündigt. Der für mich absolut nachvollziehbare Grund war, dass die Eigentümer des Unternehmens dieses verkauft hatten und ihm die Politik und Ziele der neuen Herren aber auch so gar nicht zusagten.

Mutig wie er war hat er gekündigt, ohne einen neuen Job zu haben. Jetzt sucht er einen Job als CIO (Chief Information Officer) bei einem guten Mittelständler. Und wurde in meiner Wahrnehmung überrascht, dass das trotz bester formaler Qualifikation gar nicht so einfach war.

Mein Gesprächspartner war ein hochsympathischer Mensch im besten Mannesalter, der auch lauter vernünftige Dinge sagte. In vielen Dingen war er nahezu perfekt. Auch seine Lebensbilanz erschien mir als durchaus erfolgreich. Er hatte auch einen großartigen klassischen Lebenslauf.

Irgendwie gewann ich aber den Eindruck, dass er nicht nur bedruckt sondern auch nicht mehr so ganz auf dem Laufenden war. Besonders wenn es um das Internet ging und die vielleicht durch die Digitalisierung mit verursachte Zeitenwende. Sein eher negative und ziemlich einseitige Beurteilung zu Twitter, das er selber (natürlich) nicht nutzte, war für mich irgendwie bezeichnend.

Nach dem Gespräch habe ich ihn zu seinem Auto gebracht. Und innerlich darauf gewettet, was da für ein Auto stehen würde. Ich habe die Wette gewonnen – es war der größte SUV von Audi, den es wohl so in Europa gibt.

Ich hatte ihm angeboten, dass ich ihn bei seiner Bewerbung unterstützen und mich auch in meinem Netzwerk umsehen würde. Er müsse sich nur bei mir melden.

Das hat er nicht gemacht. Wahrscheinlich hat er es nicht für möglich gehalten, dass ein Radfahrer ihm helfen könnte.

Mir soll’s Recht sein, dann bleibt mir mehr Zeit für andere, die es vielleicht nötiger haben. Und vielleicht hatte ich dem „CIO“ das Buch von Otto Scharmer zur „Methode U“ schenken sollen?

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 22. November 2018

Auf der DOAG

Ich war mal wieder Referent.

Mein Freund Dietmar (Neugebauer) war viele Jahre (gefühlt Jahrzehnte) der Präsident der DOAG. DOAG ist die Abkürzung für Deutsche Oracle Anwender Gruppe. Jedes Jahr im November macht die DOAG in Nürnberg ihre große und legendäre Jahres Konferenz und Ausstellung.

Dank Dietmar war ich viele Jahre dort mit einem Vortrag vertreten. Vor einem Jahr wollte ich mal etwas anderes machen und habe gemeinsam mit Christian und Knud gezeigt, wie moderne Kommunikation gehen könnte (davon gibt es auch ein Video).

Mit dem Erfolg in 2017 wollte ich mein Engagement bei der DOAG beenden (man soll ja aufhören, wenn es am schönsten ist). Dietmar liess aber nicht locker, so haben wir beide auch 2018 (am 21. November) wieder etwas gemacht – diesmal zum Thema „funktionale Kommunikation“. Und haben zu „unserer fishbowl eingeladen“. Und es war wieder schön.

Die fishbowl wir wie folgt organisiert:

Themenauswahl

Wenn man „funktional“ kommuniziert, ist es hilfreich ein Thema zu haben. Aber wie findet man ein Thema? Unser erster Gedanke war eine „Thema-Findungs-Kommision“ ins Leben zu rufen, die die Themenauswahl durchführt. Aber das ist natürlich Blödsinn.

Die Regeln und die Intension unserer fish bowl habe ich kurz vor der Veranstaltung in meinem Kommunikationsartikel beschrieben. Wir haben uns einfach angeschaut, was denn am Morgen der fishbowl so in der Zeitung ganz oben stand bzw. im Radio als erstes berichtet wurde. Denn die Paywall – Verzeihung die Medien – haben die Aufgabe, die Nachrichten, die uns aktuell betreffen, zu liefern und sollten so eine gute Quelle sein. Dietmar und ich haben dann gemeinsam mit Dr. Marius Poersch und Wolfgang Taschner zu viert diese Themen betrachtet und vier davon ausgewählt.
 

Auswahl der Themen

Hier die vier Themen am 21. November, die wir in Funk und Presse gefunden hatten:

  • Wie passt #newwork in unser Leben
    (Work-Life-Balance, Motivation, Erfahrungen, wie geht’s konkret)
  • #dieselverbote Überwachung
    (Umweltschutz, Datenschutz, Überwachungsstaat, Menschenwürde)
  • Die Jugend hat #Angst vor dem Internet
    (Mobbing, süchtig werden, Verlust der Datenhoheit und des Eigentums an seinen Daten)
  • Urheberrecht
    (upload-Filter aufgrund neuer EU-Gesetze, Zugang zu Youtube als gewohnte Realitiät, Reaktion von Youtube-Management aufgrund von Bedrohung)

 

Wahl des Themas durch Abstimmung

Wir hatten vier Flipcharts vorbereitet mit diesen vier Themen ergänzt durch einen wichtigen Gedanken zur Abstimmung vorbereitet. Dietmar hat die Themen kurz erläutert – dann ging es auch schon zur Abstimmung über die Themen.

Jeder im Raum hatte einen roten Punkt, den er auf eines der „Plakate“ kleben durfte. Mein Thema war „Urheberschutz“, so habe ich meinen roten Punkt dorthin geklebt. Dort waren am Schluss leider (für mich) nur ganz wenige, während das #newwork-Plaket fast rot war von den vielen roten Punkten.

So hatten wir ein Thema – das die absolute Mehrzahl der an diesem Tag und an diesem Ort teilnehmenden Menschen favorisierte. Eine gute Voraussetzung für die fishbowl. Blitzschnell und durchaus selbst organisiert.

Die fishbowl

Zum Start haben die vier „Experten“ (Dietmar, Marius – der einzige wirkliche Experte, Roland und Wolfgang) auf den 6 Stühlen (aufgrund des guten Besuchs hatten wir im inneren Kreis einen Stuhle mehr als geplant aufgebaut) Platz genommen. Wir haben alle unser Statement abgegeben und dann den Dingen ihren Lauf gelassen.

Und es wurde in guter Lauf. In 45 Minuten wurde inklusive der Vorbereitung viel Kluges gesagt. Es gab wertvolle Ergebnisse, die Teilnehmer hielten sich wunderbar an die Regeln (sich kurz fassen, ausreden lassen und auf die Gedanken des Vorredners eingehen).

Das Wechseln klappte in beide Richtungen prächtig, die Abstimmung war herausragend gut. Mein Resumé auch als „normaler Teilnehmer und -geber“. war, dass ich selten in so kurzer Zeit soviel neue Gedanken, Impulse und Denkanstösse bekommen habe wie in dieser Fishbowl.

Feedback-Runde

Die  Feedback-Runde zeigte dann, dass die meisten Teilnehmer die Veranstaltung ähnlich empfunden hatten. Dietmar hat mir geschrieben, dass er noch den ganzen Abend viel Lob bekommen hätte (ich war schon wieder weiter).

Nebengedanken

Zeitlich war direkt nach uns die bei der DOAG Konferenz immer gute zentrale Keynote dran – gestern mit Lars Vollmer. Lars hatte ich noch nie persönlich getroffen und kannte ihn nur über seine Veröffentlichungen. In seiner Ansprache hat er das „Business-Theater“ beschrieben, das vielerorts statt findet. Und ich habe bei ihm viele Gedanken heraus gefiltert, die mit den Gedanken aus unserer fishbowl recht gut zusammen gepasst haben.

Und ich stelle mir die Frage: Warum machen Unternehmen nicht öfters eine fish-bowl mit ihren Mitarbeitern, um sich ihres eigenem blödsinnigem Business-Gekasperl bewußt zu werden?

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 20. November 2018

Kommunikation

Vor ein paar Jahrzehnten als Steuermann auf dem Hausboot in Frankreich.

Für mich ist gelingende Kommunikation ein ganz zentrales Thema. Ohne sie ist menschliches Leben und Zusammenwirken nicht vorstellbar. Wenn ein Team nach Erkenntnisgewinn strebt, wenn neue Ideen geboren und Neues entstehen, wenn gemeinsamer Konsens geschaffen werden soll, dann ist die Kommunikationsfähigkeit der Menschen im Team von höchster Bedeutung.

Auch „Führung“ (ein eh schon überstrapazierter Begriff, den ich so langsam leid werde) kann nur funktionieren wenn Kommunikation funktioniert. Eine Partizipation an einem gemeinsamen Unternehmen kann nur gelebt werden, wenn die Kommunikation stimmt. Und so weiter …

Nur – mit der Kommunikation ist es nicht so einfach!


Ich unterscheide modellhaft zwischen zwei Basis-Kommunikationsarten. Die sind völlig verschieden.

Das eine ist das unbeschwerte Ratschen, das wir in Neu-Deutsch Smalltalk nennen. Das ist die typische Kommunikation wie sie zum Beispiel auf „Cocktail-Partys“ stattfindet. Sie hat einen großen Wert, denn ab und zu können da ganz gute Ideen entstehen. Der Zufall schlägt zu und man stellt Gemeinsamkeiten fest, die trefflich genutzt werden können.

Smalltalk ist die Kunst, sich mit Bekannten und fremden Menschen unbefangen austauschen zu können. Wenn es zum Beispiel etwas zu feieren gibt. Der Smalltalk is aber in der Regel nicht zweckorientiert. Man hört einfach anderen zu und gibt seine eigenen Gedanken preis. Und wenn man sich öffnet, entsteht in der Regel Vertrauen.

Wenn es „ums Geschäft geht“, dann erscheint der Smalltalk zu wenig zielgerichtet. Gerade zielgerichtete  oder „funktionale“ Kommunikation ist besonders schwierig.
🙂 Das merkt man schon, wenn man mit sich selber kommuniziert. Ist man zu zweit, dann wird es nicht einfacher. Und je mehr Menschen es werden, desto schwieriger wird es Konsens zu finden und/oder Erkenntnis zu gewinnen.

So ging es auch schon den alten Griechen. Deshalb haben sie die Dialektik erfunden. Diese Kommunikations-Technik wurde z.B. von den Jesuiten bis zum Ende des letzten Jahrtausends gepflegt – oft in Altgriechisch und Latein, dies einfach um Sprachbarrieren zu überwinden. Und sich in den klassischen Sprachen zu üben.

Ich kenne da Geschichten, dass vom selben Team ein Thema am Vormittag in Latein und am Nachmittag in Griechisch geübt hat. Und dass da andere Ergebnisse rauskamen. Wir wissen aber nicht, ob da die Sprache oder die Tageszeit die Ursache war.

Kommunikation ist nicht einfach. Es fängt an mit „zuhören“ und der “  Fähigkeit, auf den anderen eingehen“ können. Das klingt einfach ist aber alles andere als das. Wenn das klappt, fängt Kommunikation an zu funktionieren.

Die „Wirtschaft“ entwickelte eigene Kulturen der Kommunikation wie auch die „Philosophie“. In der Wirtschaft gab es dann Teilnehmerlisten und Agenden, die „professionell“ abgearbeitet werden. In der „industriellen Revolution“ gab es die Ingenieure, die das Wissen hatten – und die „dummen Baueren“, die arbeitslos geworden nach Arbeit und vor allem Einkommen suchten. Für die Ingenieure gab es viel zu tun, denn den „dummen Bauern“ fehlte sogar das Bewusstsein für die Uhrzeit. Heute sind aus den Ingieuren die „allwissenden Manager“ geworden, die Mitarbeiter wollen aber keine „dummen Bauern“ mehr sein. Das schafft Probleme.

So ist geht die Zeit der Meetings mit den vom Management vorgegebenen Agenden zu Ende. Aber wie schafft man eine neue Effizienz der Kommunikation, die es ermöglich in kleinen wie größeren Gruppen Erkenntnisgewinn und Konsens zu gewinnen ohne dabei die Kreativität zu verlieren?

Ich habe für diesen Zweck klassische Formate kennen, nutzen und lieben gelernt:

  • Die Dialektik der alten Griechen inklusive Dialog, Debatte, Fahnenbildung mit Untertechniken wie das Bilden von Syllogismen. Alle diese Formate helfen uns auch in der modernen Welt – der Dialog z.B. bei „pair programming“.
  • Den redlichen Diskurs (Habermas)

Ich meine, dass es Sinn macht, bei stark zweckorientierter Kommunikation solche Formate zu nutzen. Diese Formate haben einen Nachteil: Sie müssen entweder von den Teilnehmern beherrscht, also erlernt werden. Das ist mühsam. Wenn dies nicht vorhanden ist, dann benötigt man einen kompetenten Moderator.  Und die sind selten geworden.

Das Internet hat uns eine Zeitenwende gebracht. Spätestens ab dem Web 2.0 erleben wir eine Veränderung: Aus passiven Teilnehmern werden aktive Teilhaber. Die „dummen Bauern“ sterben aus. Eigenverantwortung und Selbstorganisation werden einem passiven Lemming-Dasein vorgezogen. Und so sind Ende letzten Jahrtausends ganz neue Kommunikationsformate entstanden. ich nenne sie mal die „modernen“. Hier ein paar Beispiele:

Über diese und weitere Kommunikationsformate kann man viel im Netz  lesen. Lean coffee ist ganz einfach und funktioniert gerade bei kleinen Teams prächtig. Ich nutze es auch für zweiere Gespräche. Die drei anderen sind eher für größere Gruppen zu empfehlen.

Ein besonders witziges Format ist die fishbowl. Ich finde die Beschreibung dazu in Wikipedia nicht so glücklich. Im Prinzip gibt es einen inneren und einen äußeren Kreis. Außen sind die Zuhörer, innen sitzen die gerade aktiven Debattanten. Innen muss immer ein Stuhl frei sein. Die Zuhörer dürfen sich jederzeit in den inneren Kreis begeben und dürfen dann den nächsten Beitrag erbringen. Einer der Stuhlinhaber im „inneren Kreis“ muss dann sofort seinen Platz freigeben und sich in den äußeren Kreis begeben. Jeder im inneren Kreis darf diesen jederzeit verlassen.

Mir gefällt die Variante mit dieser Regel am besten. Wenn der innere Kreis leer ist, dann ist Schluß, weil es ja offensichtlich keine Beiträge mehr gibt. Da das natürlich nicht immer möglich ist, legt man meistens eine Maximaldauer (timebox) fest.

Zur Wiederholung:
Immer wenn jemand aus dem äußeren Kreis in Richtung des inneren Kreises geht, um den freien Stuhl einzunehmen muss einer der aktuellen Debattanten seinen Stuhl freimachen. Es ist immer wieder verblüffend, wie gut das funktioniert, auch weil im inneren Kreis so eine Art von „jammen“ entsteht.

Besonders zu empfehlen ist die fishbowl, wenn ein Expertenteam kurz berichtet und bei der Diskussion die Zuhörer eingebunden werden sollen. Das Herumtragen von Mikrophonen entfällt, die Diskussionsbeiträge werden selbstorganisiert erbracht. Und es gibt nicht mehr den mächtigen Moderatoren, der die „wichtigen Leute“ bevorzugt.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 16. November 2018

Unglaublich aber wahrscheinlich.

Ein wenig über den Wolken (gestern am Spitzingpass).

Folgenden in einem Tweet berichteten und kommentierten Dialog habe ich in Twitter gelesen und möchte ich sinngemäß berichten und auch kommentieren:


Zwei Teenager im Bus:
„Wenn man 2018 nimmt und sein Alter abzieht, kommt immer das Jahr raus, in dem man geboren ist (das Geburtsjahr)!“

„Stimmt echt. Voll krass!“

Wir sind verloren. Alle.


Und ich muss gestehen, ich habe das dann gleich gedankenlos nachgerechnet. Und kam zum verblüffenden Ergebnis:

Ja es stimmt!

2018 – 68 = 1950

Dann habe ich noch die Gegenprobe gemacht:

1950 + 68  = 2018

Stimmt auch!

Und habe mich auch sofort gnadenlos geschämt;
🙂 Denn die Differenz zwischen dem aktuellem Jahr und dem Geburtsjahr ist halt definiert als das Alter dieser Person. Es muss also so sein.

Was wäre aber, wenn ich in einem Vortrag auf großer Bühne erzählen würde, dass das Jahr 2018 etwas ganz besonderes wäre, weil genau am Ende dieses Jahres (zum 31. Dezember) für alle lebenden Menschen die Summe ihres Geburtsjahres und ihrer Lebenszeit in Jahren 2018 ergeben würde? Und was das doch für eine Einmaligkeit wäre?

Ich vermute, dass die meisten Zuhörer kurz nachrechnen würden, ob das bei ihnen stimmt und dann meine blödsinnige Aussage abnicken würden. Und dass nur ganz wenige aufstehen und den Saal verlassen würden, weil der Referent so einen Unsinn verzapft. Weil die Menschen gewohnt sind, das zu glauben, was ihnen erzählt wird. Und das kritische Hinterfragen nicht mehr in ist.

Allerdings streifen wir hier den Beginn von Mathematik. Die Lebensjahre eines Menschen sind ein gutes Beispiel für das Axiom der natürlichen Zahlen {0,1,2 … n, n+1} (nur dass die natürlichen Zahlen per Definition unendlich sind, was für die Lebensjahre eines Menschen nur gilt, wenn es ein ewiges Leben gibt). Freilich kann man noch darüber streiten, ob die Null zu den natürlichen Zahlen dazu gehört oder nicht. Ich würde sagen, dass das reine Definitionssache ist.

Auf den natürlichen Zahlen kann man die Operation der Addition anwenden – wie auch die aus der Addition abgeleiteten Multiplikation – und bleibt im Raum der „natürlichen Zahlen“.

Die Zeitrechnung mit ihrem willkürlich festgelegten Nullpunkt, an dem die Geburt Christi gewesen sein soll, kann als Beispiel für die „Ganzen Zahlen“ dienen – die ja in der Algebra bekanntlich mit einer weiteren Operation, der Substraktion, aus den natürlichen Zahlen konstruiert werden. So wie dann aus den ganzen Zahlen mit der Operation der Division die rationalen Zahlen konstruiert werden können.

Solche Gedanken schiessen mir nach dem ersten Schreck über mene Einfalt durch den Kopf. Und jetzt wundere mich noch mehr darüber, wie sich Menschen wundern können, dass wenn bei der Substraktion von b von c als Ergebnis a herauskommt (cb = a) und ebenso bei der Addition von a und b zwingend c herauskommen muss (a + b = c).
a = Geburtsjahr   b = Anzahl der Lebensjahre   c = aktuelles Jahr

Voll krass – gell?

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 15. November 2018

Mythen von Mangement und Führung (Unternehmertagebuch #127)

Freude und Mut als Basis fürs Geschäft. Wichtig ist, das Leben zu genießen! Gerade als Vorbild.

Soweit ich mich richtig erinnere, hatten die griechischen Philosophen eine ganz einfache Theorie der Tugenden. Ich beschreibe das mal so, wie ich es im Kopf habe.

Als gesellschaftliches Ziel forderten die Griechen Gerechtigkeit und Gleichheit. Hier unterschieden sie zwischen „arithmetischer“ und „geometrischer“ Gerechtigkeit. „Arithmetisch“ steht für eine absolut lineare Gerechtigkeit. Ganz stringent gilt „Jedem das Gleiche“. Dagegen meint „Geometrisch“, dass es gerechter ist, wenn Maß anlegt wird. So gilt nicht „Jedem das Gleiche“ sondern „Jedem das ihm Angemessene“. Wo bei dies fürs „bekommen“ genauso gilt wie fürs „tun„.

In der griechischen Philosophie war die „geometrische“ Gerechtigkeit die „bessere“.

Für soziale Systeme wie z.B. dem Staatswesen galt in der griechischen Philosophie:

Die Mächtigen in der Regierung zeichnen sich über die Tugend der Weisheit aus.

Die Krieger stehen für die Tugend des Muts.

Der Mittelstand verfügt über die Tugenden der Besonnenheit und der Sparsamkeit.

Bleiben nur noch die Sklaven. Für diese bleibt die Tugend des Gehorsams.

🙂 Soweit meine Erinnerung an die Schulzeit.


Wird dieses einfache Tugendmodell auf Unternehmen projeziert, dann könnte man das so sehen:

In der Geschäftsführung bzw. im Vorstand sitzen die „Weisen“.

Die Vertriebsleute sind die Krieger, die mutig am Markt für die Akzeptanz der Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens kämpfen und das Geld hereinholen.

Bleiben die Mitarbeiter – die sollen besonnen und sparsam sein. Wobei sparsam hier heißt, achtsam mit den Ressourcen umzugehen und so Nachhaltigkeit zu schaffen.

Sklaven wollen wir in modernen Unternehmen ja nicht mehr haben (auch wenn sich mancher Mitarbeiter des öfteren als Sklave fühlt und sein Gehalt als Schmerzensgeld empfindet).

So denke ich mir das. Eigentlich ganz einfach.

😉 Heute sind wir weiter. Viele Menschen wie auch die meisten Vorstände und „Führungskräfte“ glauben an Unternehmer-Mythen wie:

  • Man muss Handeln und Entscheidungen fällen!
  • Man muss agil sein!
  • Man muss eine konkrete Strategie entwickeln und diese umsetzen!
  • Man braucht eine konsequente Organisation und ein strenges Berichtswesen!
  • Ohne Hierarchie geht es nicht!
  • Rational geht vor emotional!
  • Man muss das Geschäft systematisch entwickeln!
  • Erfolg ist das Ergebnis harter Arbeit!
  • Man braucht strategische Stabsabteilungen!
  • Das Geschäft ist planbar wie die Entwicklung des Unternehmens!
  • Man braucht Menschen mit Charisma um die Mitarbeiter “mitzunehmen “!
  • Mit genug Geld und den richtigen Mitarbeitern kann man allen Herausforderungen erfolgreich begegnen!
  • Man muss ALLES im Unternehmen wissen und kontrollieren können!
  • Um gerecht zu sein, braucht es klare Regeln, die man in kollektive Verträge (Mitarbeitervereinbarungen) gießen kann!
  • Die Macht kann und muss durch eine stringente Organisation gewährleistet werden (Linie, Matrix)!
  • Verbesserung geht mit Prozessen, Methoden und Zertifikaten möglich!
  • Unternehmenskultur und Werte können mit “culture engineering verändert bzw. generiert werden!
  • Motivation kann durch Belohnungssysteme befördert werden.
  • Alle Probleme können mit Vernunft gelöst werden!
  • Gleichheit und Gerechtigkeit ist möglich!

Und manche mehr dieser Art.

Verwenden sie die Regeln einfach mal für das soziale System „Familie“ – und sie werden sofort merken, was da faul ist.

Für mich sind das alles nur Mythen, die man in Frage stellen kann und muss. Sie mögen gut klingen, sind aber falsch und kontraproduktiv. Unter anderem, weil sie dem Glauben an eine generelle Determiniertheit des Lebens entspringen. So kann ich jeden Punkt in der obigen mit guten Begründungen widerlegen und so argumentieren, warum all diese Mythen falsch sind.

Aber bleiben wir positiv: Ich stelle mir ein gutes und mehrdimensional erfolgreiches Unternehmen ganz anders vor! Für mich ist ein Unternehmer bzw. die Führungriege vor allem ein Gastgeber. Er ladet Menschen ein, gemeinsam etwas besonderes voranzubringen und schafft die für den Start des Unternehmens notwendigen Voraussetzungen.

Besondere Eigenschaften braucht so ein Unternehmer eher nicht. Ich meine, dass er eigentlich „nur“ gut kommunizieren können muss. Das ist schwer genug und darf nicht unterschätzt werden – viele Menschen tun sich damit nicht leicht, besonders nicht mit dem Zuhören. Wenn ein Unternehmer auch noch inspirieren und Impulse geben kann, dann ist das schon großartig.
🙂 Vielleicht wäre ein Schuss der guten alten griechischen Weisheit in der Führung auch noch hilfreich. Das wäre dann Spitze!

Und so könnte Führung in „neuen Unternehmen“ aussehen.

  • Werte und Kultur gehen vor Rahmenvereinbarungen und Regeln.
  • Wirkung ist wichtiger als Plan und Ziel.
  • Denken und Verstehen bereiten das Machen vor.
  • Alle Macht für niemand (Zitat Dr. Andreas Zeuch).
  • Selbstorganisation und Eigenverantwortung werden ermöglicht und bei Bedarf begleitet und unterstützt.
  • Freude und Begeisterung sind essentiell wichtig und werden gefördert.
  • Teams werden so unterstützz, dass sie in einen “Flow” kommen.
  • Es gibt Menschen im Unternehmen, die in der Lage sind die Teams bei Bedarf zu unterstützen oder auch zu coachen.

Da ich kein Träumer bin, ist mir klar, dass das ganze ein wenig utopisch klingt. Es gibt auch eine Einschränkung. Da wir in einer „kapitalistischen Welt“ leben, ist es – einfach um gut zu überleben – zwingend notwendig, dass es eine klare kaufmännische und immer aktuelle Berichterstattung für alle Teams und das Gesamtunternehmen gibt. Denn viele Menschen müssen ja arbeiten, um ihre Existenz zu sichern. Und wollen so zurecht ein gutes Gehalt bekommen. Und das geht nur, wenn auch das Unternehmen, bei dem sie wirken, gut verdient und kaufmännisch gesund ist und bleibt.

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet Ihr in der Drehscheibe!

Roland Dürre
Sonntag, der 4. November 2018

Wir ersetzen viele andere.

Hier noch im Freibad Uhg (Fotografieren verboten).

🙂 Hier eine von mir erlebte Geschichte, die ich nicht erfunden habe.

Sie zeigt, wie das heute so geht, mit Mitarbeitern und Geld sparen. Weil es irgendwie peinlich ist, nenne ich die Namen der Beteiligten nicht. Außer dem Unternehmen, dass eine Hauptrolle in der Geschichte spielt. Es ist die Weva. Die Abkürzung steht für Wir ersetzen viele andere“.
Vielleicht sagt das schon alles. Wie es in Wikipedia steht: Nomen est Omen.

Jetzt aber zur Geschichte …


Ich versuche regelmäßig schwimmen zu gehen. In den Sommermonaten gehe ich dazu in das Freibad. Das schaffe ich im Sommer fast täglich, wenn ich in der Gegend bin. Ich kauf mir da immer bei der Gemeinde Unterhaching eine Saisonkarte und genieße das Bad sehr.

In den kalten Monaten von Mitte September bis Mai gehe ich in ein öffentliches Hallenbad, das privatisiert wurde. Als privates Hallenbad muss dort offensichtlich an allen Ecken und Enden gespart werden. Aber ich bin froh, dass es dies noch gibt.

Obwohl ich den Eintritt nicht als so ganz billig empfinde, bin ich ganz zufrieden. Über manche Mängel schau ich einfach hinweg und schaff es so auch im Winter ein paar mal die Woche zum Schwimmen zu gehen. Ich bin ja so froh, dass es in Radfahr-Nähe zu meinem Zuhause noch ein Hallenbad gibt.

In diesem Hallenbad herrschen strenge Regeln. So darf man sich auch am Waschbecken nicht rasieren. Ich habe das mal gemacht – damals noch unwissend – und bin dann freundlich aber konsequent von der Dame, die regelmäßig dort für die Sauberkeit gesorgt hat, auf das Verbot hingewiesen worden. Welches aus „hygenischen Gründen“ da wäre. Obwohl ich das Verbot nicht nachvollziehen kann habe ich mich seither daran gehalten. Weil es in den AGB tatsächlich so drin steht.

Das hat sich geändert. Seit einiger Zeit erlebe ich, dass die Mitarbeiter des Schwimmbades, die für die Sauberkeit sorgen, durch einen Dienstleister ersetzt worden sind. Die das Bad reinigenden Menschen tragen jetzt blaue Polos mit der Aufschrift „WEVA – wir ersetzen viele andere“. Dieser Schriftzug kommt mir immer wie eine Drohung vor.

Einmal ist mir folgendes passiert. Nach dem Frühschwimmen schnaufe ich noch im Foyer aus und schau auf dem Smartphone nach, was in meiner Abwesenheit in der Welt so passiert ist. Das Foyer ist leer, ich sitze am Rand und ein Mann im WEVA-Polo saugt das Foyer. Ganz systematisch auf und ab, von links nach rechts. Ohne Lärm. Bald hat er die Hälfte geschafft. Ich bin dabei, meine Meinung über das Unternehmen, das sich WEVA nennt, ein wenig revidieren, so im Sinne von „Respekt – zumindest setzen sie leise Staubsauger ein“.

Da werde ich abrupt aus meinen Gedanken gerissen. Eine Frau – auch im blauen WEVA-Shirt – erscheint auf der Bühne und redet ziemlich laut in einer mir nicht verständlichen Sprache auf den staubsaugenden Kollegen ein. Anscheinend versteht er sie auch nicht. So beginnt sie zu gestikulieren. Da das auch nicht hilft, nimmt sie den Stecker des Staubsaugers, der an diesem baumelt, rollt das Kabel ab und steckt den Stecker in die nächste Steckdose ein. Und schaltet den Staubsauger ein. Mit einer abfälligen Geste hin zu dem staubsaugenden Mann verlässt sie den Raum.

Jetzt wird es doch laut – nichts mit „leiser Staubsauger“. Der staubsaugende Kollege setzt seine Arbeit ungestört an der Stelle fort, an der er beim Arbeiten unterbrochen wurde. Und ich fliehe aus dem Vorraum zu meinem Fahrrad.

Insgesamt scheint mir die Sauberkeit im Schwimmbad sich in letzter Zeit nicht verbessert zu haben, eher im Gegenteil. Ich nörgel nicht, es ist immer noch erträglich. Und ich will ja auch nicht zu pingelig sein und freue mich, dass die Bademeister*Innen in kritischen Fällen aufpassen und die kleinen Mängel beheben.

Allerdings meine ich, dass wenn ich micht jetzt mal wieder rasieren sollte, ich keine Sorge haben muss, dass ich wieder ermahnt werde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Reinigungskräfte von WEVA die AGB’s kennen und/oder mir meinen Verstoß in einer mir verständlichen Sprache rückmelden werden.

🙂 So hat alles seine Vorteil- und Nachteile.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 1. November 2018

Inspiration und Inspiratoren …

Ich inspiriere gerne andere Menschen und generiere Impulse. Das mach ich gerne. Ratschläge mag ich nicht verteilen – besonders nicht ungefragt. Denn auch Ratschläge sind Schläge. Besonders, wenn sie ungefragt daher kommen. Das zumindest meine ich. Wie auch, dass, es jedem gut tut wenn er seinen eigenen Weg gehen darf und nicht fremder Wegweisung folgen muss.

Ich gehe auch davon aus, dass wir, auf der Suche nach Lösungen die richtigen Fragen stellen müssen und erst dann Lösungen finden werden. Die Fragen können oft gar nicht dumm genug sein. Dumme Fragen stelle ich gerne. Wie ich eben auch gerne inspiriere.

Blick aus 300 Meter Höhe auf Raiatea und Nachbarinsel – eines von vielen Highlights auf meinen Reisen. Ein guter Ort zum (Nach-)Denken.

Es gibt so viele Menschen, die mich inspirieren und mir Impulse geben. In jeder Begegnung passiert das. An schönen Orten kann ich mich sogar selber inspirieren.

Zurzeit beschäftige ich mich viel mit sozialen Systemen wie Unternehmen und so auch mit Niels Pflaeging. Er ist auch auf Twitter und FB zu finden. Ich kenne ihn persönlich und nehme ihn als Menschen wahr, der ab und zu auch deftiger formuliert, gerne mal streitet und gerne recht hat.

Ich fühle mich mit ihm aber sehr verbunden und bring im folgenden ein paar seiner Thesen aus jüngerer Zeit, die ich eher zufällig aus Twitter und Facebook zusammen gesammelt habe.

Also Bühne frei für den Niels:


Ich wiederhol´s noch mal, weil´s wichtig ist.
So genannte #Reifegradmodelle sind ekelhafter, menschenverachtender, entwicklungsfeindlicher Schund.

Sie widersprechen jeder anständigen Lern- & Entwicklungstheorie.
Sie tragen Schuldzuweisung in sich.
Sie sind grob verbrecherisch.


Introducing one´s own opinion with expressions such as „Science tells us that…“ does not make one look smart. People see through you.


should never be imposed. should never be imposed. should never be imposed. should never be imposed. should never be imposed. takes an clear stance in favor of .


Viele Firmen führen dieser Tage #NewWork– und #Transformationstheater auf.

Zu besserer #Leistung & #menschengerechter Organisation führt das nicht. Im Gegenteil: Es erodiert Integrität & Zutrauen.

Wie wärs stattdessen mit Transformation ohne (!) Tamtam?


Remember:
Holacracy and self-organization
are as related as a shoe and a banana.


Wie wärs, wenn wir aufhören würden, „Mitarbeiter führen“ zu wollen? Und stattdessen anfingen, „Teams das Unternehmen führen“ zu lassen?


You can distance yourself from the . Refrain from the intent, the method, the patterns. Anyone can. And should.


„A good …“ – that does not exist! do not exist. Only exists: It is a social phenomenon that happens in the space between people! Let´s stop the quackery.


Es geht darum, zu – nicht darum, zu !


You don’t need to your . They can do that on their own. In fact, they do it on their own.


Führungsebene. Was für dein Dreckswort.


Richtige Führung ist Arbeit am System.


Command-and-control organization does not produce any winners. It only produces losers. Even at the top.


Soweit Niels Pflaeging.

Vieles deckt sich mit meinem Verständnis vom Leben in der Familie, im Unternehmen oder allen anderen sozialen Systemen.

Alle Reifemodelle, Kompetenzmatrizen/-modelle, Entwicklungsprozesse, Schulungsprogramme, Entwicklungszentren, Führungsprogramme sollten verboten werden. Da stellt sich ein Individum über das andere oder genauso schlimm (oder noch schlimmer) ein System über Individuen.

Vorschriften schreiben halt vor. Prozesse sind Prozesse. Zuerst kommt das „Besserwissen“, dann die Moral mit ihren „Schuldzuweisungen“.  Wir sollten mit allem Aufhören, was uns selber und andere klein macht und unsere Entfaltung hemmt.

Jens ist aber bei weitem nicht mein einziger Impulsgeber. Es gibt viel mehr. Das fängt in meiner Familie an und geht in die weite Ferne zu Euch Allen. Anläßlich der Landtagswahlen und der aktuellen politischen Diskussion muss ich oft an denken. Vielleicht widme ich ihm auch mal einen ähnlichen Artikel wie diesen. Auch wieder stellvertretend für Euch Alle. Bis dahin könnt Ihr ihm aber schon mal zum Beispiel auf Twitter folgen ().

Ich habe aber so viel mehr Inspiratoren – und würde am liebsten über alle schreiben. Also alles Liebe, Gute und Schöne wie großen Dank an Euch Alle!

RMD