Roland Dürre
Montag, der 31. Dezember 2018

Und schon wieder geht ein Jahr zu Ende! DANKE!

 

Liebe Freund*innen!

 

Es lebe das neue Jahr!

 

Meine Wünsche für Euch und ein kleiner Wunsch von mir für 2019!


 

Das Bild ist von Rolo Zollner (http://www.rolozollner.de/). Es steht unter Common Licence, Ihr dürft es mit Quellen-/Autorenangabe frei nutzen.

Dieses Schweinchen möge Euch viel Glück bringen! Seit vielen Jahren ist es mein Silvester-Talisman in IF-Blog.

Einen guten Rutsch!

Genießt das neue Jahr!

Erfreut Euch der Welt und ehret die Schöpfung!

Geht dem gesunden Menschenverstand nicht aus dem Weg!

Seit frei!

Lebt in Lust und Freude!

Seid autonom und folgt Eurem Stern!

Macht all das, was Ihr wollt!

Denkt zuerst an Euch aber dann auch an die Anderen!

Und werdet auf keinen Fall zum Märtyrer für „eine gute Sache“!

Macht nicht die Dinge richtig sondern macht die richtigen Dinge!

Also:
In sechs Worten und zwei Sätzen (und in neu-deutsch):

Enjoy life!
and
Be totally happy!

Und das in jeder Minute aller Tage und Nächte Eures Lebens im neuen Jahr 2019!


Und einen Wunsch habe ich auch. Der betrifft aber nicht wie im Weihnachtsgruß 2018 die „alten weißen Männer“ sondern alle Menschen! Dass  in 2019 wir alle ein weniger vernünftiger handeln werden  als in 2018 und den Jahren davor, vielleicht im Sinne meines KaufNix-Artikels!

Weil es einfach nicht sein darf, dass wir wie tollwütige Hunde den Planeten zerstören und uns mit Kriegen zerfleischen.


Aber vor allem

DANKE

an Euch alle!


RMD

P.S.
Das Bild ist eine echte Klick-Sau. Bei Google steht es ganz oben! Irrsinnig viele Menschen habe es schon gesehen. Das Arrangement ist von meinem Freund Rolo Zollner. Er hat es für IF-Blog erschaffen, es steht unter Common Licence, Ihr dürft es also mit Quellen- und Autoren-Angabe gerne nutzen.

Arrangement und Foto von Rolo Zollner.

Roland Dürre
Samstag, der 29. Dezember 2018

so oder so?!

Wir haben die Wahl. Weitermachen oder Weiterleben?

Ein Fundstück aus dem Internet:

Dazu gab es zwei Meinungen:

A)
Wenn sich dieses Mem durchsetzt, kann man Deutschland in einer Woche zuschließen.
Die Begründung scheint evident. Weil unser System dann sehr schnell nicht mehr funktionieren wird.

B)
Wenn sich dieses Mem durchsetzt, haben Eure Kinder und deren Kinder auch eine Chance, von der Erde weiterhin genährt zu werden.

? Mit der Begründung: Als wenn der Konsumwahn zu irgendetwas anderem führt als „weg von uns selbst“? Wir sind Natur!

Wir haben die Wahl!

Sie scheint einfacher als sie ist.

Warum eigentlich?

Ich werde dann an Sylvester, wenn die Raketen fliegen, darüber nachdenken. Fürs neue Jahr.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 28. Dezember 2018

Mein „Ich“ in zwei Varianten – der physischen und digitalen.

InterFace-Karte Weihnacht 2014.

Auch dieses Jahr zu Weihnachten habe ich viel Post bekommen. Da waren allgemeine Weihnachtsbriefe und sehr persönliche Anschreiben dabei. Ich habe versucht, alle Glückwünsche zu beantworten. Die Personen, bei denen es mir nicht gelungen ist, bitte ich, mir zu verzeihn.

Ein geschätzter Freund hat mir eine besondere Rückmeldung gesendet. Die begann so:

Der „Online-Roland“ unterscheidet sich erheblich von dem dahinterstehenden Menschen, den ich kenne und wertschätze.

In diesem Brief wurde mir viel Schönes und Wertschätzendes zurückgemeldet. Das hat mich gefreut. Zwischen den Zeilen entnahm ich diesem Brief aber recht deutlich eine gewisse Ratlosigkeit wegen meiner „digitalen Schizophrenie“. Weil ich Werte, die mir in der „personalen“ wichtig wären in der digitalen Welt zu verraten scheine.

Meine „digitale Schizophrenie“, das hat mich zum Nachzudenken gebracht. Bin ich mir doch selber das größte aller Rätsel.

Das „digitale“ Nachdenken ging los beim IF-Blog, in dem ich mich ja des öfteren „nackt ausziehe“. Warum tue ich das?

Weihnacht in 2009

Meine Antwort ist einfach. IF-Blog schreibe ich zuerst Mal nur für mich selber. Es ist sozusagen mein Tagebuch. Und da ich fest glaube, dass Transparenz nicht nur eine Tugend an sich sondern auch eine notwendige Voraussetzung für ein besseres soziales Zusammenleben ist, schreibe ich meine Gedanken öffentlich. Ich will sie niemandem aufdrängen und niemanden „missionieren – auch wenn das sich ab und zu mal so liest und lege auch keinen Wert auf hohe Klickzahlen.

(Auch wenn ich mich freue, dass meine kurze Weihnachtsbotschaft nach sehr rudimentärer Messung schon von ein paar Hundert Menschen gelesen wurde, auch wenn wordpress aufgrund technischer Eigenarten immer weniger Zugriffe zählt (wordpress zählt nur die direkten Aufrufe von einer IP-Adresse).

Seite Aufrufe
/rd/einen-guten-rutsch-und-ein-gutes-neues-jahr/ 214

Stand von gestern.

Diese Freude sehe ich als ganz normal „menschlich“, deshalb steht es hier auch nur in Klammern).

Wichtig ist mir, dass ich in meiner Wahrnehmung vom Idealisten zum Egoisten geworden bin. Denn ich glaube fest, dass ich viel mehr bewirken kann, wenn es mir selber gut geht. So ist vielleicht meine erste Pflicht, gut zu mir zu sein. Denn nur wer zu sich selber gut ist, kann zu anderen gut sein (Das „gut sein“ kann übrigens beliebig austauschen – z.B. nur wer sich selber  wertschätzt, kann andere wertschätzen usw.).

Und da das kommenden Jahr mein letztes Jahr vor dem siebzigsten Geburtstag ist, meine ich, dass mir meine Zeit zu schade sein muss, gegen etwas zu sein oder mich über irgendetwas oder irgend jemanden zu ärgern. Oder noch schlimmer, deswegen auf irgend jemanden oder irgend etwas böse zu sein.

Mein Lebensheil liegt also in der Gelassenheit, die ich in nächsten Jahren brauche um versöhnt sterben zu können. In IF-Blog habe ich mal eigene Kategorien (Rubriken) Was ich nicht mag! und Ärger anglegt und in Artikeln meinen Frust geäußert.

Ich habe gelernt, dass Frust mir nicht gut tut. Wie auch weder anderen noch mir es etwas hilft, wenn ich gegen etwas bin. Beides zieht mich runter. Das bedeutet für mich keine Resignation, sondern nur dass es wo viel wichtigeres gibt, als sich zu ärgern oder ganz schlimmt etwas zu hassen. Ich erinnere gerne immer wieder an das Paradoxon des Hasse:
„Man hasst jemanden, aber schadet damit nicht diesem sondern runiniert sich selber“.

Jetzt ist es natürlich so, dass mir alle Dinge dieser Welt so richtig gefallen. Das gilt oft besonders für die Folgen des „technischen Fortschritts“. Und von vielen Menschen so geliebte und von vielen anderen Menschen abgelehnte „Digitalisierung“ ist nur die aktuelle Ausprägung des „technischen Fortschritts“.

In 2019 habe ich mein „50-Jähriges Digitalisierungs-Jubiläum“. Im nächsten Jahr habe ich 50 Jahre an der digitalen Entwicklung mitgewirkt. Damit kann ich gut leben. Natürlich verabscheue ich auch Ergebnisse wie „militärische Drohnen“, die aus dem Himmel kommen und gezielt Menschen töten und deren Zuhause zerstören. Auch die Atombombe ist letzten Endes ein digitales Produkt, und die mag ich auch nicht.

Mit social media etc. kann ich gut leben. Auch deswegen, weil ich mich für so autonom halte, dass ich mir nichts mehr kaufe was ich nicht will. Ich meine, dass ich gegen Marketing resistent geworden bin. So kann ich mit der Fang-Gang (FANG steht für Facebook, Amazon, Netflix und Google – sicher muss man da noch ein paar mehr dazu zählen). Und erfreue mich gestern und heute der Diskussion auf dem 35. Kongress des Chaos Computer Clubs – Hashtag #35c3, der nach meiner Meinung zum besten gehört, was es derzeit an gesellschaftlicher Diskussionsplattform in Deutschland gibt. Auch wenn die Politiker den 35c3 nach meinem Wissen eher meiden. Warum eigentlich?

Vom technischen Fortschritt, der mal zuerst nicht digital ist bedroht mich zurzeit aber vor allem der MIV (Motorisierte Individual Verkehr). Hier fühle ich neben meinem Leben vor allem meine Lungen bedroht. Kaum verlasse ich mein zu Hause und nähere ich mich der Putzbrunner oder Rosenheimer Land Straße, dann werde ich nämlich vergast. Das bestätigt mir jeder Lungenfacharzt. Autofahrer sind für mich so etwa wir Raucher, die mir ihren Qualm in die Lunge blasen.

Aber was hilft, sich darüber aufzuregen. Ich lebe mein Leben ohne persönliche Nutzung von MIV und belege so, dass man den MIV wirklich nicht braucht. Quasi als Dankeschön erlebe ich, wie mir das gut tut. Ich habe Bewegung und bin an der frischen Luft. Ich gewinne Zeit, die ich zu nutzen weiss. Und suche halt Wege zu meinem Ziel, auf denen ich möglichst wenig vergast werde. Auch wenn das das eine oder andere Mal einen Umweg mit sich bringt. Aber ärgere mich nicht mehr über die dicken alten Männer und Frauen in ihren SUVs.

Und so mache ich es auch mit den anderen Dingen.  Ich verabscheue Faschismus und Nationalismus, bin aber ich nicht gegen die AFD oder andere Formen von latenten Faschismus. Ich folge meinem Glauben, dass Gott und Religion von Menschen gemacht sind. Und kann nicht verstehen, wie man an etwas „als Höchstes“ glauben kann, dass man selber erfunden hat. Aber ich weiß, dass auch dieser mein Glaube halt nur ein Glaube ist.

Wie soll ich dann gegen Menschen sein, die der festen Überzeugung sind, dass Gott die Welt vor ein paar Tausend Jahren genau so erschaffen hat wie sie ist und klipp und klar durch seine Abgesandten und diverse Botschaften (die Geschichten der Menschheit) die Regeln fest gelegt hat, nach denen die Welt funktionieren soll?

Wenn dann ein Fanatiker, bei dem eine solche Indoktrination besonders gut gewirkt hat, ein paar Leute absichtlich tot fährt, dann finde ich das auch nicht schlimmer als das tägliche Töten auf unseren Autobahnen, Landstraßen und sonstigen Verkehrswegen. Zweiteres ist für mich auch kein Grund gegen SUVs und ihre Führer zu sein. Und empfinde für alle, die leichtfertig töten (manche würden sagen morden), keinen Hass sondern eher Mitleid.

Es ist klar, dass ich für eine Reduktion der Geschwindigkeiten im MIV-Bereich genauso bin wie für eine Reduktion der religiösen Indoktrination von Kindern und Menschen. Und das auch selber vorlebe. So wie ich für Frieden und Liebe bin. Und es richtig finde, Gewissheiten und vermeintliche Selbstverständlichkeiten immer zu hinterfragen. Und das auch selber so zu tun versuch.

Nur; „gegen etwas“ will ich nicht mehr sein. So wie ich auch auf keinen mehr „böse sein“ will. Weil beides nur mich selber runterzieht. Und das brauche ich schon gar nicht.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 24. Dezember 2018

Frohe Weihnacht (2018)

Die meisten von uns kennen die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens.

In dieser Geschichte geht es darum, dass Weihnacht den alten Geizkragen Scrooge von seiner Hartherzigkeit heilt. Was für ein schöner Weihnachtsgeist! Und wer von uns hatte nicht schon mindesten einmal beim Hören oder Erleben dieser Geschichte Tränen in den Augen.

So wäre mein Wunsch, dass Weihnachten die Leiden der alten „weißen Männer und Frauen“ heilen möge. Ob sie jetzt Seehofer oder Trump heißen.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen für 2019 Frieden und Weisheit!

Für heute Abend aber zuerst Mal eine frohe Weihnacht! Und am 31. Dezember einen guten Rutsch! Und immer alles Liebe, Gute und Schöne für Euch alle!

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 23. Dezember 2018

TWITTER.

Der Artikel von Hans Bonfigt zu meinen Gedanken über alte weiße Männer enthält so eine Art von „Hasstirade“ gegen die Grünen wie auf den „Kurznachrichten-Dienst“ Twitter.

😉 Ich weiß gar nicht, was Twitter mit „alten weißen Männern“ zu tun hat? Dass der aktuelle US-Präsident dort sehr aktiv ist und ein CSU-Innenminister da jetzt wohl auch mitmachen lässt? Beides ist ja eher eine Ausnahme bei den „alten weißen Männern“.

So will ich Twitter ein wenig rehabilitieren. Vielleicht werde ich auch  späteren in einem Artikel zu der Gefahr einer faschistischen Öko-Diktatur ausgelöst durch grüne Bewegungen und Parteien Stellung nehmen.

Für Hans ist Twitter ein rotes Tuch. Damit kann ich gut leben, meine ich doch, den Hans gut zu kennen. Was übrigens auch schon wieder ein absurder Satz ist, denn wie kann man sich anmaßen, einen anderen Menschen „gut zu kennen“. Kennt man sich doch in der Regel selbst nicht.

Ich habe die Vermutung, dass Hans bei Twitter gar nicht dabei ist und den „Dienst“ so gar nicht kennt. Zumindest habe ich keine Kennung von ihm in Twitter gefunden.

Zurück zum „Kurz-Nachrichten-Dienst“, laut Hans Bonfigt „der Klowand des Internet“.

Und ich versuch das jetzt mal ganz sachlich zu beschreiben:
In Twitter sieht man nur die eigene „timeline“, also dass was von den Menschen ins Netz gestellt wurde, denen man folgt. D.h. das was man in Twitter sieht ist abhängig von dem, was man sich selber aussucht.

Gelegentlich verfolge ich auch Menschen, die Unsinn oder gar Hass verbreiten. Einfach weil ich neugierig bin. Das mache ich aber meistens nur kurz, weil es mich sehr schnell nervt.

So könnte man sagen, dass ich in einer Twitterblase von überwiegend Gleichgesinnten lebe – also mich einschränke auf Menschen, die über ein Wertsystem und Gedanken verfügen, die gut mit mir kompatibel sind. Aber ist das nicht überwiegend im ganzen Leben so? Wie es doch heißt: Gleich und gleich gesellt sich gerne. Wir suchen doch alle gerne „Gleichgesinnte“. Auch am Stammtisch.

Die Menschen, denen ich gerne in Twitter folge,nehme ich als sehr konstruktiv und kritisch wahr. Und von ihnen bekomme ich eine große Menge von Hinweisen auf klasse Artikel und Blog-Beiträge. Wenn ich das von Assistenten oder Referenten in gleicher Qualität machen lassen würde, bräuchte ich ganz schön viel und qualifiziertes Personal.

Screenshot meiner Twitter-Kennung am Vormittag des 23. Dezember 2019.

In meiner Timeline sind Medien, internationale Presse, Verlage, Politiker, die Polizei, Unternehmen wie auch die Bahn und viele Menschen, die wie ich das Internet als Mitmach-Netz betrachten. Da gab es dochmal die Definition von WEB 2.0, dass aus Teilnehmern Teilgeber werden. Ein Wandel, der ja auch im „echten“ Leben stattfindet – siehe die Entwicklung von klassischen Konferenen hin zu Barcamps.

Vor allem folge ich Menschen, die es so machen wie ich: Wenn sie etwas überzeugt oder ihnen gefällt, dann teilen sie dies mit ihrer „Timeline“. So bekomme ich unendlich viele Hinweies und Tipps: Auf gute Artikel oder Blogbeiträge, interessante Statistiken und Fakten. Und ich komme mir vor wie ein Ministerpräsident oder Politiker, dessen Assistenten auswählen, was es für ihn interessantes in der Welt so gibt.

Bei vielen Kongressen sind Twitter-Partner von mir dabei und teilen (twittern) die herausragenden Aussagen der Vorträge unter einem Hashtag. Dann verlasse ich meine „timeline“ und wechsel sozusagen in einen thematischen Modus. So konnte ich zum Beispiel auch in der Karibik im November/Dezember den IT-Gipfeln in München ausgezeichnet verfolgen. So auch den CDU-Parteitag. Und viele Menschen waren da „live“ dabei (vor Ort oder dem Fernseher) und berichteten eifrig. Das war sehr spannend und effizienter als die Zeit vor dem Fernseher zu verbringen (was in der Karibik auch nur schwerlich möglich ist).

Wenn ich die Qualität der Beiträge lese, dann stelle ich fest, dass da schon ziemlich viel gute Leute mitmachen. So würde ich sagen, dass gerade bei Twitter eher die Elite und nicht der Abschaum unterwegs ist.

Und noch einen Vorteil habe ich von Twitter, den ich sehr wert schätze. Immer wenn mir etwas als wichtig erscheint, dann „retweete“ ich (das heisst ich übernehme den Tweet in meine „timeline“) oder antworte darauf. All das wird protokolliert. Wenn ich mich also erinnere, dass da doch zu einem Thema ein spannender Artikel dabei war, muss ich nur ein wenig in meinem Tweet-Protokoll zurück gehen und schon finde ich das Dokument wieder.

Und nebenher kann man mit Twitter Aufmerksamkeit auf Veröffentlichungen lenken. Auf fremde wie seine eigenen. Immer wenn ich einen IF-Blog-Artikel in Twitter erwähne, habe ich gleich ein paar Leser mehr.

Das alles finde ich große Klasse. Und jeder der mir das nicht glaubt, der muss mir nur folgen. Und kann mir dann rückmelden, ob ich interessantes „tweete“ und „retweete“, oder ob das Ganze doch ein wenig Sinn macht. Gerne gebe ich auch eine Liste von „Twitter“-Accounts als“follow-Empfehlungen“ weiter, von denen ich begeistert bin.

Und Twitter hat noch einen zweiten großen Nutzen. Zum Beispiel gehört Twitter zu Barcamps und erlaubt das Geschehen auf einem Barcamp auch aus der Ferne mitzuerleben, auch wenn man selber pyhsisch gar nicht teilnehmen kann.

Ganz allgemein gehe ich übrigens in meine „timeline“ nur sporadisch. Wenn ich z.B. auf Reisen bin oder ein wenig Musse habe. So ist das, was ich mitkriege auch vom Zufall abhängig. Auch das ist sehr spannend.

Euer

Roland Dürre
Samstag, der 22. Dezember 2018

TOLERANZ und KONFORMISMUS.

Hans Bonfigt hat zu meinem Artikel Alte weiße Männer eine Art Stellungnahme geschrieben, über die man sicher geteilter Meinung sein kann. Für mich war sein Artikel jedoch ein wichtiger Impuls.

Aufgenommen am 3. Oktober 2012 in der Waldwirtschaft mit meiner neuen aus China importierten Mütze (mein Bild in Twitter).

Seine Aussage „Wir tolerieren alles, nur keine Intoleranz “ hat mich an einem meiner Nerven getroffen. Ich habe Hans so verstanden, dass die wesentliche Frage seines Artikels war, wer denn Intoleranz (oder „Faschismus“, „Rassismus“, „Kolonialismus“) definieren und festlegen dürfe.

Ich meine, dass diese Frage beantwortet werden kann. Prüfen wir zuerst die Begriffe:

Intoleranz ist das Gegenteil von Toleranz. Toleranz (Duldsamkeit) ist eine Tugend, also ist Intoleranz (der Gegenbegriff zu Toleranz) eine Untugend, dem Gegenteil von Tugend.

Faschismus“, „Rassismus“, „Kolonialismus“ sind begrifflich keine Tugenden sondern systemische Weltanschauungen, mit denen Bewegungen, Ideologien und Herrschaftssysteme beschrieben werden.

Ethisch ist „Toleranz“ einfach zu definieren. Die Bewertung, ob eine Aussage oder Handlung tolerant oder intolerant ist, bedingt eine persönliche und unabhängige Güterabwägung, die „sittlich verantworteten Werten“ folgt. „Sittlich verantwortet“ bedeutet dabei, dass die autonom gefundenen Werte sich im Einklang mit einer globalen Gemeinsamkeit bewegen müssen, z.B. der UNO-Charta oder der „Goldenen Regel„.

Soziale Systeme leben von KLARHEIT. Das gilt für Unternehmen (soziale Systeme mit einem ökonomischen Aufgabe) wie für Parteien (soziale Systeme mit einer politischen Aufgabe). Das Problem dürfte sein, was passiert, wenn die Klarheit zur kollektiven Gemeinsamkeit wird?

Genau das wünschen wir uns. Wir finden es gut, wenn das Unternehmen, in dem wir arbeiten oder die Partei, die wir wählen eine „kollektive Klarheit“ ausstrahlt. Die „kollektive Klarheit“ heißt Konformität. Sie ist kleine (unartige) Schwester von Klarheit. Und die Konformität ist eine gute Basis für „Faschismus“, „Rassismus“, „Kolonialismus“ oder auch für ein System der „Sklaverei“ und „Leibeigenschaft“. Das macht die Sache schwierig.

Ich meine also, dass wir aufpassen müssen, dass die WERTE unserer KLARHEIT sich mit einem weltweiten Werte-Konsens vertragen. Das gilt auch für die Toleranz. Und wenn es wirklich mal passieren sollte, dass die Konformität der Welt einen weltweiten Faschismus gebärt (ganz gleich welcher Art), dann hilft wahrscheinlich wirklich nur noch Resignation oder Widerstand. Wobei wir dann wieder bei der spannenden (ethischen) Frage sind, ob so ein Widerstand gewaltfrei sein muss oder nur mit Gewalt verbunden überhaupt erfolgreich sein kann.

Ab und zu habe ich die Sorge, dass in der wirtschaftlichen Dimension diese weltweite Komformität schon erreicht ist. Konsumismus und Kapitalismus haben sich religionsartig über die Welt verbreitet. Manche reden hier auch von einem Raubtier-Kapitalismus, der mit seinen Waffen Marketing, Lobbyismus und Korruption die Welt erobert hat. Und auch hier haben wir wieder die heikle Situation, dass wir entscheiden müssen, ob der gewaltfreie Widerstand genügt.

Meine persönliche Überzeugung ist, dass wir dem Entstehen einer weltweiten Konfirmität nur durch Vielfalt und Buntheit entgegen wirken können.

Ein Dankeschön an Hans Bonfigt, der mich zu diesen Gedanken inspiriert hat.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 21. Dezember 2018

Weihnachtsgrüße

Der Zähl-Runter (Countdown) läuft. Noch vier Tage bis Weihnachten! So wird es Zeit für die Weihnachtsgrüße. Meinen schreibe ich ja immer erst am 24. Dezember. Und muss mir da noch etwas einfallen lassen.
Aber die Grüße von Klaus Hnilica haben mich schon erreicht. Wie immer in Gedichtsform und – fast schon Tradition – jetzt auch hier im IF-Blog.

RMD

P.S.
Die schönen Bilder in der Weihnachtspost vom Klaus konnte ich nicht integrieren. Deshalb gibt es ganz unten eins von mir.


 

Alptraum unterm Weihnachtsbaum…

Zur Weihnachtszeit ein Kurzgedicht
ist kurz –  und handelt sicher nicht
nur vom Christkind und Geschenken,
deshalb sollte man bedenken,
dass der Leser solcher Zeilen,
sucht Ruhe oft und Freud’ zuweilen!

Doch dies geht nur, auch das ist wahr,
nach Antworten ganz klipp und klar,
auf viele weihnachtliche Fragen,
wenn’s dunkelt rasch in diesen Tagen:
Wurd’ auch wirklich nichts vergessen
für das Fest und rund ums Essen?

Ist der Baum bereit zum Schmücken?
Wird das Schmücken besser glücken?
Oder streiten wir mit Kindern,
Weil sie Lametta strikt verhindern?
Und Wunderkerzen frisch aus China
auch nicht mögen: schlecht für’s Klima!

Und wurde immer und korrekt
nur gekauft was uns grad schmeckt?
Oder doch mal auch gefragt
ob ‚fairer Handel’ angesagt?
Und die Hosen eng und fesch,
gibt’s die nur aus Bangladesch?

Hat das Geschäft, in dem wir kaufen
Zertifikate auch in Haufen?
Und steckt mir bloß – du meine Güte –
nichts in eine Plastiktüte!
Und CO2 ist auch kein Tick,
den ‚footprint’ haben wir im Blick!

Wer das durchzieht rigoros,
dem raten dringend wir dann bloß:
bleibt gelassen! duldet Witze!
Treibt’s nie gänzlich auf die Spitze!
Sonst liegt Ihr schnell und glaubt es kaum
mit ‚burnout’ unterm Weihnachtsbaum,
und statt ‚Christus ist geboren’
tobt Tinitus in beiden Ohren…

Frohe Weihnachten!

 

So sehen die Weihnachtsbäume in Jamaika aus (Montega Bay).

Hans Bonfigt
Mittwoch, der 19. Dezember 2018

Ich bin gern ein weißer alter Mann

Und ja, das ist nicht nur eine Replik auf

Die alten weißen Männer.

Was wären denn die Alternativen ?

 

1. Lieber ein alter weißer Mann als ein junger Neger !

Also, ganz im Ernst:  Ich bin dankbar für das große Glück, hier in Deutschland zu einer Zeit aufgewachsen zu sein, in der es noch nach demokratischem Aufbruch roch, in der die Freiheit der Meinungsäußerung als unverzichtbares Element des täglichen Lebens war.  Meine Jugend verbrachte ich im Wohlstand.  Verdient habe ich den nicht, ich war stinkfaul und versoffen.  Trotzdem haben mir meine Eltern viel Liebe geschenkt.  Und ohne die Hinführung durch meinen Vater wäre mir der Genuß von Musik für immer versagt geblieben.  Denn der gymnasiale Musikunterricht durch Kantor Helmut Gottsacker tötete JEDES Interesse an Musik.   Den fiktiven Kunstprofessor Büren läßt Heinrich Böll sagen, „Ich halte jeden Menschen für fähig, sich ein Kunstwerk zu erschließen  —  außer den deutschen Bildungsbürger“.  Einen solchen evangelikalen Kantor auf junge Menschen loszulassen, das verstößt eigentlich gegen die Genfer Konvention.

Als junger Mensch erkennt man instinktiv, wann eine Zuneigung nur geheuchelt ist und wann eine wirkliche Liebe vorliegt.  Mein Vater hat es geschafft, mich mit seiner Passion für Beethoven anzustecken — ohne bildungsbürgerliche Belehrungen, sondern einfach, indem er selbst Freude, Zuversicht und Entspannung daraus gewann.  Wege entstehen, wenn wir sie gehen.

Wir waren wirklich reich im Sinne von „zufrieden mit dem, was man hat“.  Dazu gehörte auch jede Menge Spielzeug, das aber nie in Form von Fertigprodukten über uns purzelte, sonden buchstäblich in Einzelteilen.  So bekam ich Lötkolben, Schraubenschlüssel, Märklin-„Stabilbaukasten“, Meßgeräte, Taschenrechner (ein unglaublich hohes Gut vor 40 Jahren) und überhaupt alles, was ich mir nur wünschte.

Es gab reichlich Taschengeld, ich konnte mir alle Bücher kaufen, die ich haben wollte.  Und bei meinem Alten klauen, der hatte auch jede Menge davon.  Unbezahlbar aber waren die vielen gemeinsamen Gänge um die Hasper Talsperre.  Mein Vater erklärte mir viele grundlegende Dinge, wie etwa die Unmöglichkeit eines ‚perpetuum mobile‘ oder aber das Wesen einer Kapitalgesellschaft.  „Ich kann Dir nur Wege zeigen – gehen mußt Du sie schon allein“, war eine seiner stehenden Redewendungen.

Zusammengefaßt:  Als Kind bin ich gehegt und gepflegt und gefördert worden.  Vor allen Dingen auch, indem nan sich mir zuwandte und mir Zeit schenkte.  Und viele der mir aufgezeigten Wege bin ich gegangen.

So, und nun gucken wir uns eine traurige Negerfamilie an:  Nix zu fressen, aber trotzdem Nachkommen am laufenden Band produzieren.  Wenn so ein armes Balg vor Hunger im Dreck verreckt, scheiß drauf:  Allah hat es so gewollt und Mamis Bauch ist auch schon wieder dick.

Schulbildung gibt es keine.  Stattdessen werden Heranwachsende mit „Fertiggeräten“ sediert, z.B. mit dem Insignium des technischen Analphabeten, dem „iPhone“.  Und mit Allah.   Eine ganz üble Kombination.  Als Jungneger würde ich auch versuchen, nach Europa zu „flüchten“.   Mir wäre ja gar nicht bewußt, welche starke menschliche Errungenschaft das internationale Hilfsgebot auf See ist.  Und wie abgrundtief widerwärtig es ist, diese Hilfsbereitschaft zu mißbrauchen.  Das einzige, was ich gelernt hätte, wäre, daß Allah stark und die Frau minderwertig ist.  Dumm nur:  In Europa bekäme ich auch kein Bein an die Erde.

2. Lieber ein alter weißer Mann als ein junger „grüner“ Pipijunge

Denn das „grüne“ Verständnis von Toleranz ist:   „Wir tolerieren alles, nur keine Intoleranz.  Und was Intoleranz (oder „Faschismus“, „Rassismus“, „Kolonialismus“) ist, das bestimmen wir“.  Und notfalls brüllen wir auch unseren eigenen Parteikollegen Boris Palmer nieder, denn „wenn er faschistische Thesen ausbreitet, braucht man nicht zuzuhören“.  Eine riesige Menge dummer Schafe formiert sich zu einer diffusen, selbsternannten „Allianz der Anständigen“, die uns allen vorschreiben möchte, wie wir zu leben und zu denken haben.  Gearbeitet im Sinne gesellschaftlich nützlicher Tätigkeiten haben sie selbstverständlich nicht.  Wie war Hendryk M. Broders Kurzcharakteristik von Frau Roth:  „Ein Doppelzentner fleischgewordene Dummheit, nah am Wasser gebaut und voller Mitgefühl mit sich selbst“.

Das wirklich Schlimme ist:  Das war auch schon alles.

Nicht der „Extremismus“ unbedeutender Splitterparteien führt uns zurück nach Auschwitz.  Aber grüner Konformismus geht, im Gleichschritt marsch, genau in die Richtung.   Man kann es gut am inflationären Gebrauch des Begriffes „Rassismus“ durch die grünen Führer sehen:   Indem sie allen Nicht-Grünen „Rassismus“ unterstellen, setzen sie damit implizit die tatsächliche Existenz von „Menschenrassen“ voraus.   Menschenrassen, die es gar nicht gibt !  Die es zum Glück nicht gibt !   Sonst könnte Heinrich Himmler mit seinen kruden Thesen einer „überlegenen“ Rasse ja vielleicht recht haben !

Ich bin gespannt, wann der erste Grüne ein Konzentrationslager für „AfD“ – Mitglieder vorschlägt.  Natürlich nicht nur für Parteimitglieder, sondern auch für deren Kinder.     Das Konzept der Sippenhaft hat sich ja in der Vergangenheit schon oft bewährt.   Privatschulen eilen da schon einmal vor.

Schon in den 80er Jahren soufflierte Heiner Geißler der fetten Birne aus Oggersheim, „Die Grünen sind die neuen Nazis“.  Damals empfand ich das als starken Tobak, aber heute fröstelt es mich, wenn ich sehe, wie recht er hatte.

Wie widerwärtig die „Bewegung“ ist, erkennt man am „Hashtag“ #wirsindmehr.   Was heißt das eigentlich ?   Gucken wir doch einmal in das Schafshirn eines Grünbewegten:

  • Die Mehrheit hat immer recht
  • Die Minderheit hat nichts zu sagen und soll das Maul halten

Ich kann auf die Schwarmintelligenz von Mehrheiten gerne verzichten.  Hatten wir schonmal.  War nicht gut.  Für keinen.   Aber „Grüne“ sind lernresistent.

3. Lieber ein alter weißer Mann als ein vergrätzter roter Spinner

Apropos #wirsindmehr :

Da hat es doch eine sympathische Frau, Sawsan Chebli, tatsächlich einmal zu sagen gewagt,

„#wirsindmehr reicht nicht. Wir sind mehr (noch), aber zu still, zu bequem, zu gespalten, zu unorganisiert, zu zaghaft.  Wir sind zu wenig radikal.“

Tja:  Genau das ist der Punkt.  Wir gehen nicht an „Überfremdung“ kaputt oder an der „AfD“, wir gehen daran kaputt, daß wir keine radikalen Demokraten mehr haben.  Wir haben ja nicht einmal mehr Menschen, die wissen, was „radikal“ bedeutet.

Eine Demokratie, in der man das nicht mehr sagen darf, ist keine Demokratie mehr.

Frau Chebli wurde in Berlin niedergbrüllt und hat den Saal weinend verlassen.  Und keiner merkt etwas.

4. Und lieber ein alter, weißer Mann als ein guter deutscher Bildungsbürger

Denn bleiben wir bei Chebli:   Die „Twitter-Community“, sozusagen die Klowand des Internet, spült ein Photo der jungen Frau an die Oberfläche, auf dem sie eine „Rolex“ trägt.

Hier hat mein Feind Matthias Warkus einen ausgezeichneten Artikel geschrieben, der aufzeigt, daß es hier nicht um die üblichen Rückstände von Neid oder „Sozialneid“ geht, sondern daß die Twitter-Kloake hier eine ganz andere, widerlichere Ebene aufspannt.

 

Nein, lieber Roland.   Da bleibe ich doch der alte, weiße Mann.   Der jetzt zur Arbeit fährt.

-hb

Roland Dürre
Montag, der 17. Dezember 2018

Die alten weißen Männer.

Alter weißer Mann mit Hanseatic-Käppi und Kapuzen-Jacke in der Waldwirtschaft.

Im nächsten Jahr werde ich 69 Jahre alt. Und gehöre somit schon länger zu den „Alten weißen Männern“.

„Alter weißer Mann“, das ist so gar nicht mein Ideal. Das möchte ich nicht sein. Was lass ich besser sein, wenn ich kein „alter weißer Mann“ sein will?

Aber was ist das, ein „alter weißer Mann“? Geschichtlich betrachtet gibt es diese „alten weißen Männer“ schon lange. Und immer haben sie Unheil über ihren Mikrokosmos und/oder die ganze Welt gebracht.

Die preußischen Kaiser zähle ich genauso zu diesen „alten weißen Männern“ wie die Generäle der heldenhaften Armeen. Oder die Oberen der katholischen Kirche.

Prominente Vertreter aus der Neuzeit sind für mich der deutsche „Nationalheld“ Konrad Adenauer oder ganz aktuell Donald Trump, der „America First“ Präsident unseres liebsten Verbündesten, der USA, uns auch als „God’s own Country“ bekannt.

Auch in der deutschen und bayerischen Politik finden sich eine Reihe von solchen Exemplaren, unter denen die meisten von uns leiden. Wer das sein könnte, darf sich ein jeder selbst überlegen.

Sogar der „liebe Gott“ wurde mir katholisch erzogenem Menschentier als alter weisser Mann präsentiert. Was auch nicht wundert, wenn man die (von Menschen gemachten) „heiligen Schriften“ besonders der monotheistischen Religionen (Christentum, Islam, Judentum) liest. Der Inhalt passt gut zum „alten weißen Mann“ als göttliche Inkarnation.

Ich versuche mal zu definiere, was einen „alten weißen Mann“ so ausmacht. Was sind die drei herausstechenden gemeinsamen Merkmale der Kategorie „alte weiße Männer“?

„Alte weiße Männer“ haben drei Kerneigenschaften:

  • Alte weiße Männer haben Angst!
    Obwohl sie es geschafft haben und eigentlich sorgenfrei leben könnten, sind sie besonders von Angst getrieben. Ihre Ängste finden im Kopf statt. Die Ursachen der Ängste wechseln im Laufe der Zeit, kommen aber immer wieder. Zum Beispiel sind mal die bösen Russen die Feinde, dann die Migranten, und dann wieder die bösen Russen. Und so weiter.
    Wegen ihrer Ängste können sie nicht aufhören und nicht von der Macht los lassen.
  • Alte weiße Männer beurteilen und verurteilen.
    Denn sie wissen alles. Begegnen sie anderen Menschen, dann wissen sie sofort, ob die etwas taugen oder nicht (meistens taugen sie nichts). Sich wissen auch, warum das so ist. Aussagen und Handlungen anderer Menschen werden ohne langes Nachdenken beurteilt und verurteilt.
    Sie selbst wissen, was richtig und falsch ist. Und meinen deshalb, sie müssten dafür sorgen, dass auch die Anderen die Dinge richtig gemachen. Natürlich in ihrem Sinn.
    Gedankenlosigkeit ist ihnen näher denn Achtsamkeit. Erfahrungen werden von ihnen selektiv genutzt um ihre Vorurteile zu bestätigen, Widerlegungen ignoriert.
  • Alte weiße Männer sind Zyniker.
    Früher habe ich mal den Satz gelernt „Zynismus ist die Emotionalität der Intellektuellen“. Ich meine, dass dieser Satz immer noch stimmt. Allerdings hat sich die Bedeutung gedreht. „Alte weiße Männer“ haben oft ihre Emotionen verloren. Sie meinen, dass sie dies mit Zynismus kompensieren können. Was natürlich nicht gelingen kann. Denn Zynismus ist das Gegenteil von emotionaler Emphatie.

Jetzt könnten Sie einwenden, dass ich die Eigenschaft „männlich“ vergessen habe. Da widerspreche ich, entdecke ich doch immer mehr Frauen, die wie „alte weiße Männer“ denken und handeln. Abgesehen davon, dass männlich bei „altem weißen Mann“ nach einer Tautologie klingt und eher ein Pleonasmus wäre. Und somit als Definitionskriterium nicht taugt.

RMD

P.S.
Beim Otto Scharmer (Theorie U) habe ich nachgelesen, dass die drei schlimmsten Barrieren für Selbstfindung „permanentes Beurteilen, Zynismus und Angst“ sind. Das passt doch gut zum „alten weißen Mann“.

Roland Dürre
Sonntag, der 16. Dezember 2018

Warum ist Deutschland bei der Digitalisierung so weit hinten?

Vor kurzem bin ich nach einem Vortrag gefragt worden, was denn die zentrale Ursache für unsere (die deutsche) Schwäche bei der Digitalisierung wäre? Wo wir doch schon immer das Land der Ingenieure gewesen wären?


Da schau ich gar nicht glücklich aus der Uniform. Hätte lieber mit Rechnern gespielt.

Da musste ich erst Mal nachdenken. Denn immerhin gab es eine Zeit, da waren deutsche Unternehmen wie Siemens technologisch auch in der IT an der Weltspitze.

Ich versuche, die IT-Szene ganzheitlich über die Zeit zu betrachten. Dabei fällt mir auf, dass Innovationen schon seit längerem nur noch selten aus den Technologie-Labors der Mega-Konzerne oder Großforschungs-Einrichtungen kommen.

Vielmehr wird Innovation von Bewegungen geschaffen, die meistens von jungen Menschen mit Leidenschaft getragen werden. Das gilt besonders für Informatik, also die IT und damit verwandte Technologien.

Ich selber habe bei Siemens in der zweiten Hälfte der siebziger und später in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts an dem mitgewirkt, was ich Industrie-Informatik nenne. Da wurden – absolut ingenieurs-mässig – teure und schwere Großrechner mit ebensolcher Peripherie entwickelt.

Zeitlich parallel dazu kamen einfache Rechner „für zu Hause“ auf die Märkte. Als Beispiele nenne ich den Atari (1979) oder den  Commodore (1982). Die „Kinder“ in den USA (und auch bei uns) haben mit diesen und ähnlichen Rechnern „gespielt“.

Wir „Industrie-Informatiker“ haben uns die Heimrechner auch angeschaut.  Für uns waren das aber nur Spielzeuge, die wir nicht ernst genommen haben. Wir haben nicht erkannt, welches faszinierende Potential diese Systeme eröffneten.

Mich persönlich zum Beispiel hat die mangelnde technische Perfektion dieser Systeme irritiert. Da wurde z.B. als Bildschirm (bei uns hieß der Datensichtgerät) ein flackernder Billig-Fernseher eingesetzt. Die Speicherung erfolgte mit Hilfe von Kassettenrekordern auf unzuverlässigen Tonkassetten. Und auch die Eingabetastaturen waren alles andere als Vertrauen erweckend. Und last not least entsprachen die Programmiersprachen auch nicht dem Stand der Kunst.

Später habe ich es bereut, dass ich dieser neuen Technologie zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt habe. So wurde ich von der PC-Welle und später vom Erfolg vom technisch so schwachen Windows mit seiner graphischen Oberfläche und vor allem Spielen wie Solitär überrascht.

Die graphische Oberfläche kannte ich schon von Geräten wie dem Xerox Star, der von Siemens als „Büro Computer“ vertrieben wurde. Das war zwar ein professionelles Gerät, aber sein Nutzen-/Kosten-Verhältnis unterirdisch schlecht. So haben ihn auch nur ganz wenige Unternehmen eingesetzt, mir ist in Deutschland eigentlich nur die Lufthansa bekannt, die sich diesen teuren Luxus leistete. So habe ich auch diese Technologie nicht ernst genommen.

Die jungen Leute kannten oft nur die Welt der neuen Computer  – und sie haben diese vorwärts gebracht. Das hat in den USA stattgefunden – und was da passiert ist, kann man gut nach lesen. Z.B. in der Biographie über Steve Jobs – einem absolut lesenswerten Buch.


Zurück zur Eingangsfrage:

Was ist die zentrale Ursache, dass Deutschland bei IT so abgehängt wurde?

Ich glaube nicht, dass es eine zentrale Ursache für die deutsche digitale Schwäche gibt. Da gibt es sicher mehrere.


Aber eine – vielleicht ein wenig rethorische – Antwort habe ich:

Ich meine, dass eine wesentliche Ursache die Wehrpflicht gewesen sein könnte.

Wir hatten in dem für die Entwicklung von IT kritischen Zeitraum 500.000 junge Männer unter Waffen. Das war ein wesentlicher Teil der männlichen Bevölkerung – im besten Alter. Die „Bundeswehr“ bestand überwiegend aus Wehrpflichtigen, die für 18 und später 15 Monate aus dem „normalen Leben“ entfernt waren. Das waren überwiegend junge Menschen

Auch heute finden sich in den MINT-Berufen (MINT für Mathematik, Ingenieurswissenschaft, Naturwissenschaft, Technik) überwiegend die Männer. Das war damals noch ausgeprägter. Und die Wehrpflicht betraf nur die jungen Männer und behinderte so ihre Entwicklung.

IT war – und ist – eine Hochleistungs-Disziplin. Man muss sich über Jahrzehnte mit Leidenschaft damit beschäftigen und dabei eine gnadenlos schnelle Entwicklung aushalten und verstehen. Eine Schaffenspause von über einem Jahr wirft gewaltig zurück. Das ist etwa so, wie wenn ein Spitzen-Jugend-Fussballer für 18 Monate mit dem Fußballspielen pausieren muss. Mein Verdacht ist groß, dass das im Normalfall das Ende seiner Fußballer-Karriere bedeuten würde.

Für die Richtigkeit meiner These gibt es eine Reihe guter Gründe.

Meine eigene Erfahrung

Ich begann im Herbst 1969  an der TUM Mathematik und „Informatik“ im 1. Semester zu studieren. Am 1. April 1970 wurde ich eingezogen und habe bis zum 30. September 1971 als Wehrpflichtiger „gedient“. In diesen 18 Monaten habe ich „Saufen“ und „Chillen“ gelernt. Positives Lernergebnis war eigentlich nur, wie man solche perverse Systemen überlebt.

Dann bin ich im Herbst 1971 wieder an der TUM gestartet, wieder im ersten Semester. So blieb ich im „Chill-Modus“. Diesen habe ich mir erst wieder im vierten Semester (Frühjahr 1973) abgewöhnt, weil da das Vordiplom vor der Tür stand und ich so ein wenig unsanft aufgeweckt wurde. Da hatte ich Stress und habemein „berufsbegleitendes Studium“ (mehr bei Siemens als an der TUM mit schnellem Lernen aus Büchern) wieder recht intensiv aufgenommen. Und sogar das Vordiplom auf Anhieb geschafft.

Nach meinem Hauptdiplom hatte ich noch ein paar „Lehrjahre“ bei Siemens und Softlab. Gegründet habe ich so erst 1984, da war ich schon deutlich über dreissig. Ohne Bundeswehr wäre das wahrscheinlich schon ein paar Jahre früher passiert …

Erfahrungen bei InterFace

In den frühen Jahren der InterFace AG hatten wir viele Studenten an Bord. Sogar junge Gymnasiasten waren dabei. Sie waren  fasziniert von der neuen Technologie und wollten da auch mal professionell rein schnuppern. Oft kamen sie auf Empfehlung (z.B. als Kinder von Kunden) zu uns.

Die Jungen waren gut und wurden schnell zu wichtigen Mitarbeitern. Wenn es aufs Abitur zu ging, kam das große Zittern. Mussten sie zur Bundeswehr? Das wäre für uns ein großer Ausfall gewesen.

Oft haben wir mitgeholfen, dass sie nicht „eingezogen“ werden konnten und bei uns das Studium begleitend weiter arbeiten konnten. Ohne diese jungen Talente hätten wir unser Produkt CLOU & HIT und viele dazu gehörende Innovationen nicht geschafft.

Die amerikanischen Gründer

Wenn wir die Helden des Silicon Valley betrachten wie Bill Gates, Steve Jobs und weitere, dann wurde da keiner von Wehrpflicht oder ähnlichen Zwangsdiensten behindert. Viel mehr haben sie ihr Studium abgebrochen, um sich komplett auf ihr Unternehmen und die neue Technologie konzentrieren zu können.

Deutsche Gründer

Hasso Plattner und Dietmar Hopp  (beide SAP) dürften ihren veröffentlichten Lebensläufen folgend wohl auch nicht bei der Bundeswehr gewesen sein. Von einem sehr kreativen Gründer wie Peter Schnupp, dem Mitbegründer von Softlab (1934 geboren – also befreit vom Wehrdienst) weiß ich das aufgrund unserer persönlicher Freundschaft.

Start-Up-Szene …

Seit mehr als 10 Jahren bin ich Mitglied in der Jury von BayStartup, dem wohl in Bayern führenden Unternehmen für Themen wie Businessplan Wettbewerb, Finanzierung, Business Angels …

Je nach Verfügbarkeit bewerte ich im Jahr dann um die 100 Geschäftspläne. So lerne ich viel über die aktuellen technischen Trends und vor allem zahlreiche  junge Menschen kennen, die Firmen gründen wollen. Und stelle fest, dass es kein neues Thema gibt, dass seine Besonderheit nicht wesentlich mit der dazu entwickelten Software erklärt.

So trifft es sich gut, dass bei allen Startups immer Software-Leute dabei sind. Die berichten mir stolz, dass sie schon seit ihrem 10. Lebensjahr programmieren würden und dann mit 12 oder 14 Jahren auf „vernünftige“ Computersprachen und moderne Technologie umgesattelt hätten. Eine 15 oder gar 18 Monate währende Zwangspause würde für sie einen großen Rückschritt wenn nicht das „Aus“ bedeuten.

Soweit ein paar Argumente, die meine Theorie vielleicht ein wenig belegen.


Jetzt hoffe ich,dass Ihr mich gut genug kennt, dass ich so eine originelle Theorie nicht zur Wahrheit erkläre.

Ich bin aber überzeugt, dass mit der Wiederbewaffnung der BRD nach dem 2. Weltkrieg und dem damit verbundenen Wiederaufbau der Rüstungsindustrie zumindest eine einzigartige Chance für ein großartiges friedliches Deutschland zerstört wurde. Und dass Wehrpflicht und Militarisierung in Deutschland einen immensen volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Schaden bewirkt haben.

„Schuld“ an dieser Entwicklung waren damals wie heute die Vorurteilswelt und der Zynismus alter weißer Männer wie Adenauer. Von Angst getrieben hat dieser schon seit 1950 mit kriminell-subversiven Methoden im Geheimen auf die Wiederaufrüstung hingearbeitet.

Die Wikipedia-Artikel zur Bundeswehr und zur Wehrpflicht sind sehr lesenswert und helfen sehr gut, die Frage „Wie war das eigentlich?“ zu beantworten.

Jetzt bin ich aber erst Mal froh, dass die Wehrpflicht ausgesetzt wurde und hoffe, dass dieser Zwangsdienst nie mehr wieder eingesetzt wird.

RMD

P.S.
Geschichte der Bilder
Am 1. April 1970 (nach einem Semester des Studiums der Mathematik und Informatik an der TUM) bin ich eingezogen worden. Aus dem Roland Dürre wurde der „Flieger Dürre“. Das war leider kein schlechter Aprilscherz. Nach einer Nacht in Lagerlechfeld (dort gab es eine gemischte Grundausbildung für Abiturienten mit einem technischen Ausbildungsanteil von 6 Wochen) und ein paar Nächten in Landsberg kam ich nach Ulm. Wegen Renitenz.

In Ulm wurde ich in ein Ausbildungs-Bataillon gesteckt, das aus dem  „Rekruten-Ausschuss“ der Luftwaffe ordentliche Wachsoldaten machen sollte. Weil ich in meiner Kompanie der einzige Rekrut mit Abitur war, wurde ich als Ausbilder behalten und habe dann fünf Quartale im Stamm der Ausbilder verbracht. Ich hatte jedes Quartal eine Gruppe zu führen und übernahm nebenher weitere Aufgaben wie Kompanie-Unterricht zu halten. So habe ich zum Beispiel Rekruten ohne Schulabschluss erklärt, wie die Demokratie und Grundgesetz der BRD funktionieren und was Begriffe wie Legislative, Judikative und Exekutive bedeuten. Oder die Menschen an der Waffe (G3, P1, wie das Maschinengewehr hieß weiß ich nicht mehr …) geschult.

Aus dieser Zeit eine Anekdote:
Während der Grundausbildungszeit (die ersten drei Monate) war den Rekruten Ausgang nur  in Uniform gestattet. Das galt auch für Heimfahrten am Wochenende. Immerhin durften die nach ein paar Wochen Kasernierung fast jedes zweite Wochenende heimfahren, allerdings musste auch dieser „Ausgang“ in Uniform erfolgen. Die meisten waren gar nicht  begeistert, sich in Uniform in der Öffentlichkeit bewegen und dann in der Heimat so aufzutauchen zu müssen. Auch wenn das unseren Eltern gefallen hat und wir in Uniform ein begehrtes Foto-Motiv waren. So sind auch die beiden Bilder im Artikel entstanden.

Manche der Rekruten waren besonders schlau. Am Ulmer Hauptbahnhof gingen sie in Uniform auf die Toilette – und kamen dann in Zivil heraus. Sie wussten nur nicht, dass die Bundeswehr da Aufpasser (auch in Zivil !) positioniert hatte. Die haben dann die umgezogenen (ungezogenen) Jungsoldaten gleich wieder eingesammelt und in die Kaserne gebracht. Der Wochenend Ausgang war damit weg und fürs Wochenende eins drauf gab es dann auch gleich noch eine Ausgangssperre.

Der „Dienst am Bahnhof“ war überwiegend nicht beliebt. Wahrscheinlich war das ein wenig ähnlich, wie wenn man im Kriegszustand an einem Erschießungskommando teilnehmen musste. Ich konnte mich die restlichen 15 Monate als Ausbilder dann davon drücken.

Beim ersten Ausgang im elterlichen Wohnzimmer.

P.S.1
Impuls zum Artikel
Die Idee für diesen Artikel kam mir anlässlich der aktuellen Diskussion um den Paragrafen 219b und die damit verbundenen Versuche, die Reform des Paragrafen 218 (die den Tatbestand einer immer noch verbotenen Abtreibung unter gewissen Voraussetzungen unter Straffreiheit stellt) in Frage zu stellen. Da habe ich von rechter Seite aus der „bürgerlichen Mitte“ eine Aussage gehört, die sinngemäß ausdrückte, dass „wir ohne Abtreibungen keine ausländischen Gastarbeiter gebraucht hätten“. Diese „Theorie“ hat mich entsetzt und inspiriert, mal zu behaupten, dass „wir ohne Wehrpflicht keinen digitalen Rückstand in Deutschland hätten“.