Roland Dürre
Sonntag, der 28. April 2019

Die Löcher in der Hose!

Am schönsten ist es, wenn man nackt sein kann.

Sommer ist schön.

Da muss man meistens nicht so viel anziehen. Im Frühling, Herbst und Winter jedoch ist in unserer Region Kleidung wichtig. Weil wir sonst schnell mal krank werden.

Und da wir im Wohlstand leben, habe ich wie die meisten Menschen hierzulande viel zu viel Zeug im Kleiderschrank.

Ausmisten fällt mir schwer.

Das hat mehrere Gründe … Zum einen tut es mir leid um gut erhaltene Kleidungsstücke. Es könnte ja mal eine Gelegenheit geben, wo das Kleidungsstück genau das richtige wäre, selbst wenn ich es seit Jahren nicht mehr angezogen hatte. Ich bin auch sparsam und mag gut erhaltene Dinge nicht einfach vernichten. Zudem hängen da oft Erinnerungen daran. Das gilt auch für Handtücher, Bettwäsche und andere Textilien.

Schlampig rumlaufen ist böse.

Als Kind hat meine Mutter mir ziemlich energisch beigebracht, dass ich nicht schlampig rumlaufen soll. Da musste ich öfters eine geliebte Hose wegwerfen, nur weil am Knie ein Loch war. Und geflickte Hosen auch waren schlampig. Zudem signalisierten sie Armut. Damals wollte man alles, aber nicht arm sein.

Die Erziehung hat funktioniert.

So habe ich später sehr darauf geachtet habe, keine beschädigte Kleidung zu tragen. Habe viele Anzüge und Krawatten gekauft. Wollte immer schick gekleidet sein. Kurze Hosen waren die Ausnahme in der Freizeit. Die waren ja auch im Business unvorstellbar.

Das hat sich geändert. Heute ziehe ich – sobald es halbwegs warm ist, nur noch kurze Hosen an. Wenn meine kurze Jeans abgefuckt ist und ein paar Löcher hat, dann bin ich stolz darauf. Zeigt das doch, dass ich mittlerweile die Dinge nicht mehr wegwerfe. So ziehe ich auch gerne „ausgewaschene“ Pullover und T-Shirts an.

Und werde immer noch geschimpft, wenn ich so rumlaufe. So wie als Kind, nur dass es heute nicht mehr meine Mutter ist, die mich schimpft. Weil die schon tot ist.

Schimpfen hilft bei mir nicht mehr so richtig.

Da freue ich mich drüber. Und auch im Urlaub mache ich um jeden T-Shirt-Laden einen großen Bogen.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 26. April 2019

„Sparsam Leben!“ oder „Geld ausgeben!“ (???)

Das waren noch Zeiten – DM-Zeiten. Kohle tut gut.

Früher hat man freiwillig gespart, um Geld fürs Alter zurück zu legen. Dazu hat man schon als Kind ein Sparbuch bekommen. Das ist heute gar nicht mehr so einfach und das ist auch nicht weiter schlimm, weil in Nullzins-Zeiten Sparen keinen Sinn mehr macht. Man spart und spart, und am Ende hat man nichts davon. Weil das ersparte Geld nicht mehr viel wert ist. Wegen einer hohen Inflation und keinen Zinsen – beides Dank der Geldpolitik der EZB.

Heute müssen immer mehr Menschen sparen.

Nicht mehr fürs Alter – sondern damit es zum Leben reicht. Und am Ende des Monats dann das Girokonto ein wenig zu früh leer ist. Denn Leben ist teuer geworden. Präziser formuliert, die Mieten, zumindest in vielen Städten, sind so richtig teuer geworden.

Nahrungsmittel sind billig geworden, ich meine so billig wie noch nie.

Ich kenne Leute, die zahlen 1.200 € im Monat kalt für eine kleine Wohnung in München – und finden das oft noch billig. Trotzdem ist das mehr als die Hälfte ihres Netto-Einkommens.

Wenn man eine Wohnung hat, dann braucht man ja nur noch ein wenig Kleidung und Essen.

Kleidung haben die meisten von uns viel zu viel.

Wir stopfen sie in unsere Kleiderschränke. Aber Gebrauchsspuren (man muss ja ordentlich aussehen) und die Mode (man muss ja schick sein) lassen uns weiter einkaufen. Obwohl wir vieles gar nicht mehr brauchen. Konsumismus pur. Und in den Kleiderschränken wird es weiter immer enger.

Betrachten wir das Essen.

Das ist in Deutschland billig wie kaum in einem anderen Land. So habe ich mal die Preise für Basis-Lebensmittel vom Discounter untersucht:


Eier Milch und Mehl

Milch kostet als frische Vollmilch mit  3,8 % Fett  1,05 €, als H-Milch mit 3,5% Fett sogar nur 0,70 €. Das verblüfft mich. Im Verhältnis zu einem Liter Diesel (1,30 €) oder Benzin (1,45 €) ist das doch wirklich spottbillig. Besonders weil da immer noch ein Tetrapak dabei ist. Und beim Autofahren so ein Liter Sprit doch ziemlich schnell weg ist.

Beim Mehl haut der Preis mich vom Stengel. So kostet das Mühlengold Weizenmehl vom Aldi Süd nur 0.39. Jetzt verstehe ich, warum der eine oder andere mit Getreide heizt.

Wenn ich Kuchen backen will, brauche ich noch Eier. Da habe ich drei Varianten im 10er-Pack: aus Bodenhaltung für 1.19 €, Eier aus Freilandhaltung 1.59 €, aus ökologischer Erzeugung 2.69 €. Mag ich gekochtr und gefärbte Eier dann bekomme ich die 10 Stück für 1.89 €. Das klingt doch gut.

Öl brauche ich auch noch.

Ich schau mal nach. Das reine Pflanzenöl aus Raps kostet beim Discounter genauso 0.99 wie auch das reine Sonnenblumenöl. Hi, auch das Öl ist billiger wie Benzin und Diesel. Ob ich das in meinem Tank schütten kann. Oh, ich habe ganz vergessen, dass ich ja nicht mehr Auto und schon gar nicht mehr Diesel fahre.

Kaffee darf auf meiner Liste nicht fehlen.

Da finde ich „Bio Caffè Crema, ganze Bohne“ für 9.49 € und noch besser „Tizio Caffe, ganze Bohne, sortiert“, das Kilo zu 7.49 €. Das haut dem Fass den Boden raus, enthalten diese Preise doch neben der Mehrwertsteuer auch noch die Röststeuer. Diese Kaffeesteuer in Deutschland beträgt laut Wikipedia pro Kilo Bohnenkaffee für Röstkaffee 2,19 Euro je Kilogramm. Für löslichen Kaffee sind es sogar 4,78 Euro je Kilogramm.

Für die Alkoloholiker unter uns ist auch gut gesorgt.

Der billigste Schnaps – ist der Doppelweizenkorn Kornmeister, da gibt es die 0,7-Flasche zu 5.29 und drei Liter Gold Bier der Marke KARLSKRONE gibt es im 6-Pack (6x 0,5 L) für 1.79 €. Zusammen für 7,08 € sollte das für einen Fußballabend vor dem Fernseher alle Mal reichen.

Wer kein Bier mag, dem empfehle ich Rotwein.

Da gibt es beim Discounter die Flasche „Mazedonischer Rotwein“ für schlappe 1.49 € den Liter. Was will man mehr?

Was zum knabbern dazu gibt es auch billig. Da nehmen wir als Chips SUN SNACKS, die 200 g zu 0.79 €. Da legen wir zwei Packungen in den Einkaufswagen und schon kostet uns der Fernsehabend mit 6 halben, einer Flasche Schnaps und zwei Packungen Chips immer noch 8,68 €. Dann nehmen wir noch den Wein für nach dem Spie mit und wir sind knapp über 10,- €.

Als den absoluten Billig-Renner empfinde ich übrigens Apfelmus.

Da gibt es SWEET VALLEY, die 710 g für 0.59 € im Tetrapak. Wer kann das so billig produzieren?

Man sieht, wenn ich bereit bin, billig zu essen, dann lebe ich schon sehr günstig in Deutschland. Ich weiß zwar nicht, wie diese Preise möglich sind und habe den Verdacht, dass da der eine oder andere Arbeiter, Produzent oder Lieferant schon richtig ausgebeutet werden muss.


Warum schreibe ich das alles?

Weil ich die Verhältnismäßigkeit verloren gegangen ist.

Irgendetwas stimmt da nicht, und einiges stinkt da auch. Für ein Zimmer in München zahle ich eine Miete, für die ich ganze Essensberge und T-Shirt-Stapel kaufen kann und nebenher mich auch zu Tode saufen kann.

Was wird passieren, wenn wir als Folge von Klimakrise und Bodenvernichtung nicht mehr genug Weizen produzieren.

Von dem Weizen, der heute so billig ist, dass wir für ein Kilo Mehl (sauber und ordentlich verpackt) nur 0,39 Eurocent zahlen? Für die oben genannte Monatsmiete von 1.200 € würde ich dann mehr als 3 Tonnen Weizen bekommen. Grob gerechnet sind das über 700 Kilo pro Woche, also 100 Kilo am Tag! Was wird passieren, wenn der Weizen knapp wird?

Was passiert, wenn sich die Dinge plötzlich ins Gegenteil verkehren? Irgendwie ist es mir unheimlich und ich bekomme Angst vor der Krise.

Und ich denke an meinen Konsum. Was brauche ich außer Wohnen und Essen noch zum Leben?

Klar – ich will reisen.

Vor kurzem im Regional-Express auf dem Weg von Winterhausen zurück nach Neubiberg sassen einen Teil der Strecke zwei junge Damen mit uns am Vierertisch. Die haben sich natürlich über dritte junge Damen unterhalten. Die eine Woche Mallorca für 250,- Euro gebucht hatten. Wo es 3 Tage „Malle“ schon für 146 € geben würde. „Iiihh, wie kann man nur so verschwenderisch sein“, war deren Meinung zu diesem Thema. Der Ballermann lässt grüßen.

Mobilität ist den Menschen, wie auch mir, sehr wichtig.

Hier hilft es, wenn man verstanden hat, dass man auch ohne Auto gut mobil sein kann. Mit der Kombination von Fahrrad und öffentlichen geht das sogar deutlich besser. Viele Menschen meinen aber, dass sie zwingend ein Auto für ihre mobile Freiheit. Die müssen dann den Rest, der vom Einkommen nach Miete bleibt, zuerst mal fürs Auto ausgeben. Und dann bleibt oft wirklich nur noch der Discounter.

Aber mir wird klar. Wenn ich eine Wohnung habe, dann kann ich auch mit relativ wenig Geld überleben. Wer auch immer dabei geschädigt werden mag.

Kleider haben die meisten von uns  genug.

Da kann man ziemlich lange ohne Neukäufe auskommen. Das praktiziere ich – und es klappt. Ich bin glücklich damit. Keine Anzüge, weiße Hemden und teure Krawatten mehr. Und im Sommer immer nur die alten kurzen Hosen. Mit den vielen geschenkten T-Shirts. Wie herrlich.

Ich versuche regionale Produkte einzukaufen, wie z.B. auf dem Wochenmarkt oder den guten Kaffee vom Supremo. Da sind die Preise ganz anders als beim Discounter. Der Kaffee kostet das 2,5 Fache. Mir geht es gut und ich kann es mir leisten. Damit möchte ich anderen das Überleben ermöglichen und den Raubbau reduzieren. Aber wahrscheinlich gelingt mir das gar nicht?

Dazu ein Gedankenexperiment:

Was passiert, wenn ich jemandem, den ich mag und der knapp bei Kasse ist, z.B. 10.000 € schenke? Ich fürchte, dass er sich dann sofort ein Auto kauft oder eine Flugreise in ein „Paradies“ macht. Also seinen Kohlendioxid-Fußabdruck sofort wesentlich erhöht. Und das will ich ja nicht.

Vielleicht wäre die beste Lösung, dass ich mein Geld verbrenne. Nicht an der Börse, weil dann hat das Geld ja auch wieder ein anderer. Nein, im eigentlichen Sinne des Wortes.

Nur wird das auch nichts helfen. Weil eine einseitig orientierte EZB ganz schnell neues Geld kreiert (früher hätte man „druckt“ gesagt). Um die Wirtschaft anzukurbeln und den Zusammenbruch der EURO-geschädigten Nationen aufzuhalten.

RMD

P.S.
Die Preise habe ich am 24. Mai 2019 der Website Discounter-Preisvergleich entnommen. Die Barbara hat mich darauf hingewiesen, dass manche Produkte (wie z.B. der Liter „Frischmilch“) deutlich billiger sind als von mir geschrieben.

 

Ich möchte Euch ganz herzlich zu folgender Veranstaltung einladen!

 

„Mein Leben nach Digitalisierung und InterFace“.

Am 6. Mai bin ich geladener Redner auf der monatlichen Veranstaltung der Regional Gruppe München der GI und des GChACM im Hotel Eden-Wolff.

Hier der Link zur Veranstaltung. Der Vortrag wird um 19:30 starten, vorher gibt es Zeit für Gespräche sowie Speisen und Getränke.

Es ist das dritte Mal, dass ich dort auftrette. Einmal hatten wir einen wunderbaren Sketch zu den Erlebnissen von Unternenhmensgründern mit und bei Banken. Gemeinsam mit meinem Unternehmerfreund Norbert Weinberger und meinem geschätzten Banker Alois Wolferstetter haben wir da „wahre Geschichten aus dem Unternehmerleben“ gespielt. Das hat damals (vor zirka 15 Jahren) richtig Spaß gemacht, alle haben gelacht.

Mein letzter Vortrag im Hotel Eden-Wolff bei Gesellschaft für Informartik und German Chapter of the ACM hat am 6. April 2009 stattgefunden, das ist jetzt mehr als 10 Jahre her. Damals war das Thema ernster
Das Leben, das Wissen, die Informatik und die Ethik.
In IF-Blog findet man eine kurze Zusammenfassung des Inhalts.

Jetzt freue ich mich, dass im letzten Informatik-Spektrum – dem fachlichen Organ der GI – das Schwerpunkt-Thema „Informatik und Ethik“ war. Nur 10 Jahre später.

Wenn ich mich richtig erinnere, hat dieser Vortrag den Zuhörern wie auch mir viel Freude gemacht. So soll es auch diesmal wieder sein.

So ist der Vortrag angekündigt:


Zeitenwende: Das Ende der digitalen Welt?
Gedanken zur post-digitalen Gesellschaft

Zusammenfassung:
Der Vortrag rund um Digitalisierung wird inspirieren, Impulse geben und zum Nachdenken anregen:

Was ist das, Digitalisierung und digitale Transformation? Was nutzt uns das? Wem gehört das Internet? Welchen Einfluss hat Digitalisierung auf unser Leben? Was passiert, wenn das digitale Zeitalter zu Ende geht? Was bedeutet Digitalisierung für unser Arbeitsleben und unsere Gesellschaft? Was sind KI (Künstliche Intelligenz) und AI (artificial intelligence)? Wo steht Bayern (Deutschland, Europa)?  Wer regiert die Welt in Zukunft?

Sprecher:
Roland M. Dürre (Ex-Programmierer, IT-Unternehmer, Blogger, Business Angel)

Geboren: 20. Juni 1950 (verheiratet, Vater und Großvater)


Ich werde versuchen, den Vortrag wieder sehr offen und interaktiv zu gestalten. Vielleicht gelingt es und gemeinsam, die eine oder andere der oben gestellten Fragen gemeinsam zu beantworten. Ansonsten wird wie immer mein Ziel sein, zu Inspirieren, Impulse zu geben und zum Nachdenken anzuregen. Und natürlich auch ein ganz klein wenig zu provozieren.

Es wäre schön, wenn ich viele von Euch wiedersehen würde. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht notwendig. Wenn der Saal voll werden sollte, hat das Hotel genug Stühle in Reserve.

Ich freue mich sehr über jeden, der gerade auch von Euch kommt.

RMD

P.S.
der Vortrag wird als Chautauqua gehalten.

:-). Florian Sesser, ein junger IT-Unternehmer aus München wird mich dabei am Rechner unterstützen. Wir freuen uns beide schon sehr auf Montag Abend!

Roland Dürre
Sonntag, der 21. April 2019

Theater und Mobilität

Vor vielen Jahren habe ich ein wunderbares Theater entdeckt, dem ich bis heute treu geblieben bin und weiter treu bleiben werde:

Es ist das Torturmtheater in Sommerhausen. Es ist das Theater des Veit Relin, der leider schon verstorben ist. Seine Witwe, Angelika Relin, führt es weiter und inszeniert jedes Jahr einen Reigen von vier ganz besonderen Stücken. Meistens von zeitgenössichen Autoren, die sich genial ergänzen. Und ich besuche jedes Jahr alle vier Stücke, und dies mindestens einmal.

Aktuell (bis zum 25. Mai 2019) wird gespielt:

BILDER DEINER GROSSEN LIEBE von Wolfgang Herrndorf.

Die Protagonisten im Stück ist Isa, eine Vierzehnjährige, die eine aus dem Himmel gestürzte Heldin zu sein scheint. Gespielt wird sie auf einmalige Art und Weise von Isabel Kott. Es ist zum Lachen und Weinen.

Die folgenden Bilder im Artikel zeigen Isabel Kott in ihrer Solisten-Rolle. Der Autor dieses Stücks, Wolfgang Herrndorf ist der auch schon verstorbene Autor von TSCHICK, einem Bestseller, der nicht nur von Jugendlichen gerne gelesen wird.

Das Torturmtheater hat für mich nur einen Nachteil. Sommerhausen liegt in der Nähe von Würzburg und ist so fast 300 km von München entfernt. Das ist schon eine ganz schöne Strecke – „nur“ für den Besuch eines Theaterstücks in einem schönem alten Turm.

Die Fahrt zum Theater habe ich schon oft gemacht, es ist für mich eine eingeübte Praxis. Jetzt wollen wir aber den Planeten retten und unsere Mobilität und wie unser Verhalten und unsere Gesellschaft ändern.

Das ist ein Anlass für mich, mal meine heutige Praxis am Beispiel der Fahrt von Neubiberg ganz nahe bei München zum Torturmtheater nach Sommerhausen zu berichten aber auch zu beschreiben, wie das in Zukunft sein könnte.

Also: Wie kommen Barbara und ich nach Sommerhausen und Abends zurück. Dazu ein Hinweis: Die Vorführungen beginnen abends um 20:00 und dauern immer um eine Stunde. Das heißt, dass für uns als Genußmenschen in der Regel eine Übernachtung in Sommerhausen dazugehört – natürlich inklusive eines schönen Abendessens mit dem guten lokalen Wein dazugehört.

GEGENWART:

Es gibt mehrere Möglichkeiten, von Neubiberg nach Sommerhausen zu kommen. Die derzeitig bevorzugten Verkehrsmittel sind bekanntlich das Auto, der Zug und das Flugzeug.

Mit dem Auto:

Da sind zwei Varianten denkbar. Die primitive Varianten ist, dass Barbara und ich ein Auto nehmen. Einer von uns setzt sich ans Steuer. Bei einem (eher) optimistischen Schnitt von 80 km/h plus Pausen, heißt das vier Stunden auf der Straße, davon zwei Stunden am Steuer. Hin und zurück. Das sind fast 600 km, wenn ich nur 40 Cent pro km an echten Kosten rechne, kostet dass auch schon 240 €. Wir müssten fahren zeinah losfahren, stellen das Auto vor unsere Unterkunft und am nächsten Tag fahren wir wieder heim.

Dazu haben wir keine Lust. Und 240 Euro machen das Theater auch teuer (der Eintritt ist unter 20 €).

Jetzt könnten wir uns einen Fahrer leisten, der uns in einer komfortablen Großraum-Limousine fährt. Also so tun, als ob wir ein Mitglied der bayerischen Staatsregierung wären. Nur im Gegensatz zu unseren Politiker den Fahrer bitten, möglichst langsam und sanft zu fahren. Also die Regelgeschwindigkeit nicht zu überschreiben. Der hätte dann aber weniger Spaß, und ein Zimmer für die Nacht bräuchte er auch noch. Das widerspricht dann doch unserer Sparsamkeit. Es sei denn, wir würden ihn beauftragen dann spät in der Nacht möglichst schnell heim zu bringen. Weil wir doch vor Mitternacht gerne im Bett wären. So entscheiden wir uns lieber für die Bahn.

Mit dem öffentlichen Verkehr:

Die Verbindungen mit Flix-Bus lassen wir mal beiseite. Die sind uns zu unkomfortabel. Aber es gibt sie wohl auch von München nach Würzburg. Laut Anzeige 7 Mal Täglich und ab 11,99 €. Der Fernbus-Testsieger. Beinfreiheit. Einfache Buchung. Gratis WLAN. Sitzplatzgarantie. Umweltfreundlich.
Klingt günstig.

Nein wir bevorzugen die Eisenbahn. Das geht gut, wenn man weiß, dass man besser nicht die Verbindungen nach Sommerhausen sucht, sondern die nach Winterhausen. Denn zwischen Winter- und Sommerhausen liegt nur Main, und unweit vom Bahnhof in Winterhausen liegt die Brücke über den Fluß nach Sommerhausen. Zu Fuß ist es so zum Theater im Torturm nur ein Kilometer.

Und das Bayern Ticket gilt ja für ganz Bayern. Es kostet für zwei Personen 32 € (25 Grundpreis + 7 € für jede weitere Person – bis zu vier Begleiter darf man haben). Und tatsächlich gibt es von der Bayerischen Regionalbahn (DB) eine ganz gute Verbindung von München Hbf nach Winterhausen. Zuerst fährt man von München über Nürnberg oder Augsburg nach Treuchtlingen. Dort steigt man in den Zug nach Würzburg über Ansbach um. Der Anschluss ist knapp, aber wir haben ihn immer geschafft, auch weil der zweite Zug in Treuchtlingen bei Verspätung des ersten Zuges gewartet hat.

Bei dieser Variante müssen wir auch übernachten und brauchen deshalb zwei Bayernticket (eins für die Hinfahrt und eins für Rückfahrt am Tag danach). Diese kosten dann schon 64 € plus Übernachtung.

Wenn wir es sehr eilig haben, können wir mit dem ICE nach Würzburg fahren. Das kostet mit Bahncard25 als einfache Fahrt 56,25 EUR pro Person. Also mal vier (zu zweit, hin und zurück) sind das dann 225 €.

Der Preis für den Bus von Würzburg nach Sommerhausen ist da noch nicht enthalten. Es gibt auch Sonderpreise, die aber keine Flexibilität zu lassen – und beim günstigsten Spartarif (Supersparpreis) ist dann das City-Ticket in München nicht enthalten …

Das sind dann auch nochmal fast 3 Euro pro Person für die Hin- und Rückfahrt, also in der Summe 12 weitere Euro. Je nach Verbindung ist der Zeitgewinn mit dem ICE dann zwischen einer halben und ganzen Stunden, also nicht so richtig wesentlich.

Also fahren wir DB-Regio und nehmen unsere Falträder mit, was uns vor Ort sehr flexibel (und vor allem auch viel Spaß) macht.

Alternativen?

Ich kenne Menschen, die von München nach Nürnberg (oder Stuttgart) fliegen. Gerade bei Politikern ist das üblich. Die nutzen dann gerne die Flugbereitschaft und werden dann direkt auf dem Flugfeld des Flughafens mit einer Staatslimousine abgeholt und ans Ziel gebracht.

Jetzt bin ich aber kein Politiker und versuche selbstverständlich innerdeutsche und innereuropäische Flüge zu vermeiden, wenn es nur irgendwie möglich vernünftig möglich ist. Auch weil das Wechseln der Systeme Flugzeug, Bahn und ÖPVN oder Taxi auch zu komplex, aufwändig und teuer ist. Also kommt für mich die in diesem Fall besonders unsinnige Flugvariante nicht in die Tüte.

Wir sind die Strecke auch schon mal mit dem Fahrrad gefahren. Das war eine ideale Verbindung eines Theaterbesuch mit einer Radtour. Ist natürlich auch nicht jedesmal möglich, so schön man im Franken- und Bayernland auch Radeln kann.

ZUKUNFT:

Was wird uns die Zukunft bringen? Das ist spannend, denn jetzt geht es ja darum, wie wir unser Verhalten ändern? Weil wir ja durch vernünftigeres Verhalten den Planeten retten wollen. Die erste Maßnahme könnte sein:

VERZICHT?

So schön das Theater in Sommerhausen auch ist und so großartig die Stücke sind, bei einer ethischen Güterabwägung könnte ein Verzicht angemessen sein. Das würde uns aber schmerzen.

Nehmen wir also an, dass wir nicht verzichten wollen. Ist dann der Wechsel zu Flixbus sinnvoll (angeblich ist ja der Bus das umweltfreundlichste Verkehrsmittel – noch deutlich vor der Bahn).  Wenn die Bahn aus Umweltschutz-Gründen eingestellt werden würde, dann würde ich Bus fahren.

So richtig sehe ich keine Lösung für mich. Und gebe auf. Ich kann die Zukunft nicht vorhersagen.

Doch dann kommt die Lösung:
Heute bin ich einer der wenigen Sonderlinge, die nach Winterhausen mit dem Zug fahren und dann die Mainbrücke von Winterhausen nach Sommerhausen zu Fuß oder mit dem Faltrad nutzen. Im kleinen Sommerhausen steht viel Auto-Chrom mit Kennzeichen aus ganz Deutschland herum. Das ist der Normalfall. Auf dem Parkplatz vor der Pension, in der ich übernachte, komme ich mit meinem kleinen Brompton gar nicht so richtig durch die Herde der ruhenden SUVs. Die Angst, dass ich das teure Blech verkratzen könnte, zwingt mich zu äußerster Umsicht.

Das könnte man ja umdrehen?
Also: Züge, die ein wenig voller sind und weniger SUVs? Denn: All die SUV-Fahrer wie auch die anderen Herren der großen Limousinen könnten auch mit dem Zug kommen. Weil da immer noch viele Plätze frei sind. Und dann wäre auch Sommerhausen befreit vom Blech und noch ein wenig schöner.

Man müsste also unsere Methode zum Normalfall machen. Und die Anreise mit dem MIV (motorisierter Individual-Verkehr) zur wohl überlegten Ausnahme.

Nur, was machen wir, wenn die SUV-Fahrer das nicht wollen? Weil es ja gegen den gesunden Menschenverstand ist, die Autobahn nicht zu nutzen?

RMD

P.S.
In München gehe ich auch gerne und oft ins Theater. Meine Favoriten sind zurzeit das Volkstheater und das Metropol. Aber auch im Resi und in den Kammer-Spielen und deren Ablegern findet man immer wieder Sehenswertes.
Mit der Mobilität ist das in München gut gelöst:
Bei den staatlichen und städtischen Bühnen ist – wie bei der Oper – im Eintrittspreis die MVV-Fahrkarte hin und zurück mit enthalten. Und auch die privaten – wie das Metropol – sind mit dem MVV gut erreichbar. Man muss ihn zwar bezahlen, aber gerade beim Metropol lohnt sich das immer.
Wer sich den MVV sparen will, nimmt das Fahrrad, mit diesem kommt man zu allen Theatern des Millionendorfs gut hin.

Roland Dürre
Freitag, der 19. April 2019

Das wahre Gesicht unserer Politiker.

Auch ein Grund für meine Politik-Verdrossenheit.

Die Farben des kapitalistischen Feudalismus …

Jeder weiß, dass Fliegen die Umwelt besonders stark beeinträchtigt und die Klima-Katastrophe wesentlich befördert.

Die Bundeswehr hat (deswegen) eine eigene Flugbereitschaft. Die hat früher mal dem Transport von Truppen und Material gedient.

Heute bringt sie Politiker (und wie ich annehme hohe Offiziere und Generäle) an Ziele, an diese meinen dringend erreichen zu müssen.

Wie über die meisten technischen Sparten der Bundeswehr hört man, dass auch diese Einheit in einem schlechtem Zustand wäre. Immer wieder lesen wir von Ausfällen und Beinahe-Unglücken. So ist vor kurzem eine Global 5.000 (Hersteller Bombardier) kurz nach dem Abflug instabil geworden und musste umkehren und notlanden, wobei immerhin beide Flügel am Boden aufschlugen.

Interessanterweise hätte genau diese Maschine einen Tag darauf unseren Bundespräsidenten von Berlin nach Stuttgart bringen sollen, weil dieser am 17. April in Heilbronn die Buga eröffnen sollte.

Jetzt kann man die Frage stellen, wie wichtig die Buga ist und ob da unser Bundespräsident unbedingt eine Rede halten muss. Immerhin gäbe es ja wichtigere Aufgaben, wo er sich engagieren könnte. Aber sei es drum, wenn die BUGA ihn ruft, dann ist halt die Frage, ob er dafür extra einen eigenen Jet benutzen muss.

Als kürzeste Verbindung mit der Bahn von Berlin nach Heilbronn habe ich 5 Stunden und 47 Minuten gefunden. So schlecht ist das ja gar nicht. Es wäre interessant zu prüfen, wie lange die Reise mit dem Staatsflieger dauert. Mit Umsteigezeiten usw.

Allerdings muss man bei der Bahn eine hohe Wahrscheinlichkeit für Unpünktlichkeit einrechnen. Aber vielleicht kriegt die DB der Zug ja pünktlich, wenn ein wichtiger Staatsrepräsentat wie der Bundespräsident an Bord ist? Dürfte ja selten genug der Fall sein.

… der mittlerweile ganz Europa unter Kontrolle hat.

Auf dem direkten Weg beträgt die Entfernung zwischen Berlin und Heilbronn 478 Kilometer.  In China (oder auch Frankreich) macht das ein Zug in 2 – 3 Stunden.

So weit sind wir noch nicht, so braucht auch der ICE von München nach Hamburg (781 Kilometer) 5 Stunden 35 Minuten, der TGV von Paris nach Marseille (765 Kilometer) dagegen nur 3 Stunden 11 Minuten (Quelle Spiegel).

Das macht einen Unterschied von gut 2 Stunden 20 Minuten auf gut 750 km. Dieser Sachverhalt wäre schon wieder eine Anfrage an das Deutsche Verkehrsministerium wert, wie so etwas passieren konnte. Auf den Autobahnen soll es übrigens ähnlich aussehen – obwohl es in Frankreich eine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen gibt.

Trotzdem könnte man auf den Gedanken kommen, Fernreisen in Deutschland mit dem Zug und nicht dem Flieger durchzuführen. Und wenn die Verbindung mit dem Zug so schlecht ist, dass es wirklich nicht zumutbar ist, dann könnte man auf die Idee kommen, einem Platz in einem „normalen Flieger“ zu nehmen, der „eh fliegt“.

Jetzt wird ja der Frank-Walter Steinmeier noch als halbwegs integrer Politiker wahr genommen. Obwohl das Gemauschel bei seiner Wahl mich irretiert hat. Und er bei der SPD ist. Aber vielleicht wurde er ja Bundespräsident, weil er bei der SPD gestört hat.

Wie schön wäre es, wenn ein Politiker, der in ein wichtiges Amt gekommen ist, auch ein wenig über die Zukunft des Planeten nachdenkt? Und dann vielleicht auch symbolische Zeichen setzen würde, indem er unnötige Reisen sein lässt und keinen eigenen Flieger für sich nutzt. Das wäre dann ein Beleg für Integrität.

Ein Umdenken bei der Flugbereitschaft der Bundeswehr würde ich mir auch wünschen. Als Antwort auf die Kritik an ihrem Flugpark hört man, dass das alles ja schon gelöst wäre, weil ja schon drei neue Flieger bei Airbus bestellt wären.

Die fast verunglückte Maschine war übrigens keine 10 Jahre alt. Dazu habe ich gelesen, dass dies für ein Flugzeug kein Alter wäre. Weil Flugzeuge viel länger leben würden. Das heißt, die Flugbereitschaft geht bei ihren Investitionen davon aus, dass sie noch für ein paar Jahrezehnte Politiker und Generäle privatmaschinenähnlich durch die Gegend fliegen wird. Was da wohl die Kinder dazusagen werden, die jeden Freitag für unseren Planeten protestieren gehen?

Für mich (und wahrscheinlich auch für die kommenden Jungwähler) wird wählen noch schwieriger. Mag ich doch nur noch Menschen wählen, die eben nicht – sobald sie was sind – den Regierungsflieger wie selbstverständlich nutzen und sich wie kleine Kinder über die große Staatslimousine (und das sogar öffentlich vor der Kamera!) freuen. Weil sie jetzt am Ziel sind und für ihren Jahrzehnte langen Einsatz als fleißiger Parteisoldat belohnt werden.

Ich würde lieber Menschen wählen, die trotz ihrer feudalistischen Position weiter mit dem Öffentlichen Personen Nachverkehr (ÖVNP) und/oder mit dem Fahrrad unterwegs sind.

Wobei ich erlebe, dass für die meisten Politiker das Nutzen des ÖPNV gegen „ihre Menschenwürde“ ist, so wie das Tempolimit auf den Autobahnen gegen den „gesunden Menschenverstand“. Menschen, die eine solche Vorstellung von „Menschenwürde“ und „Menschenverstand“ haben, werde ich nicht wählen.

Ganz kurz formuliert:

Ich würde mir wünschen, dass der oberste Repräsentant des Staates durch sein Handeln zeigt, dass er die Probleme der Menschen ernst nimmt und beispielhaft vorangeht. Und eben nicht seine „Dienstreisen“ mit einem eigenen Flugzeug wahrnimmt. Wenn er fliegen muss, weil das Ziel in einem anderen Erdteil liegt und der Termin von wirklicher Relevanz ist, gönne ich ihm in einem Linienflieger die „business class“. Aber ein eigenes Flugschiff? Anstelle des Führersonderzugs?

Und in eigener Sache habe ich mir vorgenommen, mein Flugverhalten weiter zu verbessern. Innerdeutsche Flüge habe ich schon eine Ewigkeit nicht mehr gemacht. Langstreckenflüge hatte ich in der Vergangenheit zu viele. In 2019 werde ich sie deutlich reduzieren. Und weiter versuchen, sie tendenziell auf Null zu bringen. Und mit meinen Radeltouren werde ich mich auf Bayern, Deutschland und Nachbarländer reduzieren. Halt nur noch Ziele anpeilen, wo ich mit dem Zug gut hinkomme. Also kein Cuba und ähnliches mehr.

RMD

Hans Bonfigt
Montag, der 15. April 2019

Postdigital mit Heinz und Karl

Wir kennen das ja alle mit den Trends.

Etwa Anfang der 90er Jahre wollte die Bundespost Deutschland „digitalisieren“, dazu bescherte sie uns „ISDN“, was Kenner stets übersetzten mit „In Sachen Digitalisierung Nixdorf“.  Und die „Computerwoche“ titelte, computerwochentypisch, „Laut einer IDG-Studie sind immer mehr Unternehmen zum Outsourcing bereit“.   Gemeint war:  „Mit der neuen Digitalisierung durch ISDN wollen immer mehr Kunden in die Cloud“.

Naja, es hat höchstens vier Jahre gedauert und der neue Trend war „Insourcing“.  Und das mit der „Digitalisierung“ hatte sich erledigt.  Der heruntergekommene Osten bekam eine geniale, auf Glasfaser basierende Technik mit verteilter lokaler Infrastruktur, „HyTAS“, das „hybride Teilnehmeranschlußsystem“.

Dumm bloß:  Die Pornos gab es nur auf Videokassetten oder auf Teresa Orlowskis Privatkanal im TV.   Also interessierte sich im Osten keine Sau für digitale Dienste.  Und der Ossi war gar nicht so blöd:  Die hatten nämlich Leute, die verdammt gut ausgebildet waren und sich selber helfen konnten – wenn sie denn auch wollten.  Die brauchten keine „digitalen Help-Foren“.

Fazit:  Der „Digitalisierungstrend“ der frühen 90er Jahre war nach fünf Jahren vorbei.

Um 2010 fing der ganze Mist erneut an.  Mit einem kleinen Unterschied:  Während früher nur Unternehmen einen Anschluß an das ehemalige Wissenschaftsnetz „Internet“ besaßen, mit max. 2MBit/s Durchsatz, sind es heute vor allen Dingen die bildungsfernen Proleten, die „Bandbreiten“ von 200 (!) MBit/s und mehr für ein lächerliches Entgelt gebucht haben.   Denn Pornos und sonstige Asozialenbespaßung gibt es jetzt „im Netz“.  Und natürlich auch „to go“.

So können hier aufgenommene Moslems nicht nur im Nichtschwimmerbecken eines Familienbades ihren Darm entleeren oder junge Frauen vergewaltigen, sondern diese ihre Heldentaten auch gleich mit „Handy ins Netz stellen“, gerne über das „Freifunk-WLAN“.

Meine Frau und ich haben jetzt „Downton Abbey“ über einen Online-Dienst „gestreamt“, obwohl wir die DVDs im Haus haben.  Und dabei, nebenher, mehr Schadstoffe produziert als bei der Herstellung der DVDs anfielen.  Zumal:  Die DVDs kann man mehrfach angucken.

Unseren Unternehmen schadet der Vernetzungstrend:   Die arbeitende Bevölkerung wird immer mehr abgelenkt durch Mail, „Twitter“, „ebay“ und sonstigen Spökeskram.   „Industrie 4.0“ brauchen wir auch nicht einzuführen, denn die haben wir längst realisiert.  Erfolgreich.  Weil ohne Informatiker-Idioten.   Unsere Effektivität sinkt unterm Strich dennoch, kriminelle Vereinigungen wie VW können nur noch mit schäbigsten, primitiven Taschenspielertricks liefern.  BMW macht sich mit Anfängerpannen beim „Connected Drive“ lächerlich.

Dem russischen Wirtschaftswissenschaftler Kondratieff verdanken wir den nach ihm benannten Zyklus, wenn Sie mich fragen, alles Blödsinn und Mißbrauch der Trigonometrie.  Aber gehen wir doch einmal davon aus, daß Bloggründer Roland wie häufig recht hat, wenn er die Zeitenwende der digitalen Gesellschaft ankündigt.  Nun, was könnte dann passieren ?

  • Einige Politiker erkennen, daß es doch keine so gute Idee war, daß der Islam  – oder irgendein anderer Religionsschwachsinn –  zu Deutschland gehöre.
  • Dummerweise ist es jetzt zu spät:  An den Schulen haben wir 50% religionsgeschädigte Kinder teilweise mit „festverdrahteten“ archaischen, menschenfeindlichen Weltbildern, ohne jede sinnvolle Unterstützung von zuhause, ohne Sprachkenntnisse aller Art, auch nicht mehr in der eigenen Muttersprache.  Teilweise sind die armen Geschöpfe schwer dement infolge inzestuöser Zeugung.
  • China, Korea, aber auch bestimmte Ostblockstaaten haben uns technologisch abgehängt.

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Frau Merkel und die Grün*Innen haben geschafft, was den Siegermächten von 1945 mißlang:  Nach „Industrie 4.0“ kommt jetzt

Morgenthau 2.0

Und, um mit Frau Göring-Eckhardt zu sprechen:  Ich freue mich darauf !

 

Wir müßten nur unsere Strukturen umstellen.  So, wie es seinerzeit unser Willi gemacht hatte.

Der kleine Unternehmer Willi Kiesow in Hagen/W.  Für mich ein ganz großer Mann.

Willi fing an als Schweißer bei den BLW, den Borsig-Lokomotivwerken in Berlin.  Dort lernte er, wie man Feuerbüchsringe aus Kupfer an einen Stehkessel aus Stahl schweißt.  Eigentlich ist das unmöglich.  Aber in Willis Wortschatz existierte das Wort ‚unmöglich‘ nicht.  Innerhalb kürzester Zeit hatte er sein Herz an die Schweißtechnik verloren und avancierte zum „Star-Schweißtechnologen“ bei den BLW.  Denn damals zählten Ergebnisse und keine „Assessment Centres“. In den siebziger Jahren machte er sich selbständig und wurde zur Legende.   Selbst als ich ihn noch nicht kannte, waren Sätze wie:  „Dieses Gußteil ist irreversibel kaputt, das können Sie nicht schweißen.  Es sei denn, sie geben es zu Willi Kiesow“ sehr oft gehörte.  Willi hatte ein Gefühl für Material und Prozeß – und für Wärmebehandlung.   Viel wichtiger vielleicht noch:  Er konnte seine Kenntnisse an seine Leute vermitteln.

Zehn Jahre später fliehen die beiden Brüder Bungorovic aus Kroatien.

Sie hatten Glück:  Als sie von der Arbeit nach Hause kommen, ist ihr Elternhaus nur noch ein Haufen rauchender Trümmer, aber sie selbst sind unversehrt und fliehen nach Deutschland.  Suchen eine Arbeit und werden vom Arbeitsamt zu Willi geschickt.  Der will sie gar nicht erst hereinlassen, denn „Leute, die einem das Arbeitsamt schickt, taugen nix“.  Aber Willi sieht sich die beiden doch kurz an und meint:  „Also eure Namen kann ich mir nicht merken, aber Du (zeigt auf Said) bist jetzt Karl und Dein Bruder ist jetzt Heinz“.  Spätestens jetzt läge Claudia Roth japsend auf dem Rücken.  „Und morgen fangt Ihr bei mir an“.

Um eine lange Geschichte kurz zu machen:   Ich mußte einen Prototyp bauen, dessen zentraler Teil ein Duroplast-Reaktor mit komplexer Geometrie war.  Extrem saubere, glatte Edelstahlschweißnähte waren Pflicht.  Unsere „üblichen Verdächtigen“ schüttelten alle den Kopf, aber wieder hörte ich den Satz:  „Wenn das einer kann, dann ist das Willi Kiesow“.

Und so fuhr ich dort vorbei:  „Welcher Idiot hat denn das hier konstruiert ?“   „Steht vor Ihnen“, antworte ich.  Es gibt einen längeren Disput, warum diese Ringdüse so und nicht anders ist.   „Und außerdem:  Die kriegen wir gar nicht in dem kleinen Radius gebogen, so wie Du dir das vorstellst.   Es sei denn, wir walzen die Düse erstmal bis auf 1,4 r, füllen den Ring dann mit Sand, glühen ihn ordentlich durch uns walzen ihn dann auf Maß.  Und auch der Behälter wird teuer.  Die Muffen für die Sondergewinde müssen wir selbst drehen.  Auch die Wärmeschutzstücke aus Polyamid.  Da habe ich gar nicht die Zeit, mich so intensiv drum zu kümmern.   Aber ich mache Dir ein Angebot, Langer:   Du kriegst zwei Leute von mir, Heinz und Karl, die bauen das für Dich.  Ich gucke, daß die Schweißerei etwas wird, Du guckst, daß Dein Gartenstuhl so wird, wie Du ihn brauchst“.

Gesägt, getan.  Genauer gesagt:  Gewalzt, getan.   Unterdessen war „Karl“ so etwas wie der Vorarbeiter im Laden und „Heinz“ war spezialisiert auf WIG-Schweißen.  Ab und zu gab es Differenzen bei der Maßkontrolle.  „Willi anders gerechnet“, meinte Heinz und weigerte sich, meine Zahlen zu akzeptieren.  Bis Willi irgendwann sagte, „der Lange kann auch rechnen“.  Selten habe ich Menschen erlebt, die so hinter ihrem Chef standen wie Heinz und Karl.   Denn Willi kümmerte sich um sie.  Er hatte sie ausgebildet und ihnen Wohnungen besorgt.  Ihnen behelfsmäßige Möbel organisiert.  Vor allem aber:  Er hatte sie, man würde heute sagen, „gesellschaftlich integriert“.

Denn aus seiner Berliner Zeit kannte Willi jede Menge Musiker, beispielsweise Paul Kuhn und das Orchester vom RIAS Berlin.   Und oben, über seiner Werkstatt in Hagen-Bathey, hatte Willy ein komplettes, riesiges Tonstudio eingerichtet.

Und fast jeden Abend jazzten die alten Herren los.   Einmal im Monat gab es eine richtige „Performance“, man konnte kommen, wenn und wann man wollte.  Ordentliche Kleidung war erwünscht.   Getränke waren frei.   Ich kam, wann auch immer ich konnte, trotz des von allen außer mir geschätzten Highlights des Abends, Willis legendärer „frischen Suppe“, die ich immer unauffällig in irgendeinem Gully verklappte.

Sehr oft mit dabei:  Willis Mitarbeiter Heinz und Karl, die ganz zwanglos am Tisch saßen mit Leitenden Ingenieuren von Krupp VDM und Brüninghaus.  Alle hatten Spaß, Willi stand oft selbst am Vibraphon, mein Ding war und ist Jazz nicht, aber so buchstäblich „mittendrin“ war die Truppe immer ein Erlebnis.

Heinz und Karl waren die ersten und einzigen „gut integrierten“ Flüchtlinge, die ich kennenlernen konnte.  Und beide, sowohl Karl als auch Heinz, hatten einiges auf dem Kasten.   Aber es gab auch Probleme:

„Jugoslawisch Mann das nix versteh“

Etwa sechs Wochen bauten wir am Prototyp, wenn es für mich gerade nichts zu tun gab, trieb ich mich in der Werkstatt herum und half schonmal aus bei der Reparatur von Pressen, Krananlagen, Drehbänken – meistens waren es „elektrische“ Dinge.  Einmal hatten die Jungs mit einer schweren Welle ein Steuerkabel durchgequetscht und aus dem Schrank herausgezogen.   Ich wollte ihnen zeigen, wie man so etwas „richtet“.   Keine Chance.   Denn sie sagten von vornherein:  „Jugoslawisch Mann das nix verstehn“.   Nun sieht so ein teilverdrahteter Steuerkasten recht kompliziert aus und ich habe versucht, ihnen einen Schaltplan nahezubringen.  Zwecklos.   Zu Willi sagten sie, „Langer hat repariert, ganz ohne Schaltplan“.  Ich sagte den beiden, „Es geht nicht ohne Schaltplan.  Den Schaltplan hatte ich im Kopf“.   Das provozierte die Frage, „Du kennen von allen Maschinen die Schaltpläne?“.  Ähnlich bizarr war es mit den Fertigungszeichnungen, auf denen ab und zu einmal ein Maß scheinbar fehlte.  Sie gingen dann zu Willi, der es ihnen ausrechnete.   Später, vieeeeel später kamen sie mit solchen Dingen auch zu mir.   Mit Trigonometrie bin ich den beiden nie gekommen, aber ich habe einmal versucht, ihnen die Vorteile des pythagoreischen Lehrsatzes zu vermitteln.   Und ja, ich kann das, auch in sehr einfachen, verständlichen Worten.  Es war zwecklos.  Karl hatte kein Problem damit, einen alten Hanomag-Motor komplett zu zerlegen, Heinz schweißte derweil den gebrochenen Grauguß-Zylinderkopf und bearbeitete ihn auf der Planschleifmaschine.  98% aller Informatiker würden hier kläglich scheitern.

Aber sobald eine Tätigkeit auch nur ein bißchen abstrakt wurde, machten die beiden Brüder schlapp.

Und hier liefert Ludwig Wittgenstein einen wichtigen Erklärungsansatz, im berühmten „Tractatus“:

„Die Grenzen meiner Sprache bestimmen die Grenzen meiner Welt“

Wenn wir erwachsenen Menschen, die weder sprechen, lesen, schreiben und rechnen können, eine würdige Existenzgrundlage schaffen wollen, dann müssen wir diesen eine kleine, einfache, unkomplizierte Umgebung schaffen.

Einen „Flüchtling“ mit Elektrizität und Mobilfunktechnik auszustatten, kann nicht zum Erfolg führen.

Es muß sich jemand um ihn kümmern, ihm zeigen, was er zu tun und zu lassen hat, es muß ihn jemand mögen und wertschätzen.  Und es muß ihm jemand für gute Arbeit auch gutes Geld zahlen.

Genau das war es, was Willi Kiesow für seine Leute getan hatte.  Und gern wiederhole ich mich:  Willi und Sina Trinkwalder sind für mich ganz große Menschen.

-hb

Roland Dürre
Sonntag, der 14. April 2019

Wer glaubt denn noch an VUCA?

Immer wieder wenn ich Veranstaltungen zu #newwork oder #agile besuche, dann höre ich dieselbe Klage:

Unser Leben wird immer „schneller“. Die hohe Geschwindigkeit der Veränderung führt zu einer hohen Komplexität, die uns überrennt. Also müssen wir „agiler“ werden, um damit fertig zu werden.

Ich entgegne dann, dass ich einen Scheiß muss. So muss ich auch nicht mit Komplexität fertig werden. Und überlasse die Komplexität einfach mal sich selber.

Schutz vor vuca in Bonnaire in der Karibik (Foto © Luc Bosma, Bonaire)

Dann kommt die bange Frage:
Und Du, hast Du keine Angst vor VUCA?
Huch, vuca das klingt freilich zum Fürchten. So wie HORG (Hierarchische ORGanisation).

Nur VUCA ist halt auch nur eine der heute so beliebten Abkürzungen, die zu „buzzwords“ geworden sind. Wobei ein „buzzword“ für mich so etwas wie eine „leere  Phrase“ ist. Also so etwas wie Digitalisierung oder Nachhaltigkeit.

Bezeichnender Weise wurde die Verwendung von Abkürzungen im 3. Reich in Deutschland von der Bürokratie der NSDAP erfunden und massenhaft genutzt. Dann sind die abkürzenden Buchstaben-Folgen zum Exportschlager wurden. Frei nach dem Motto „Am Deutschen Wesen soll die Welt genesen“.


VUCA
Laut Wikipedia ist VUCA ein Akronym für die englischen Begriffe volatility (Volatilität / Unbeständigkeit), uncertainty (Unsicherheit), complexity (Komplexität) und ambiguity (Mehrdeutigkeit).


Die VUCA-Prediger nutzen die harmlosen vier Buchstaben als Eselsbrücke für ihre Horrorbotschaft.

Aber war die Welt aus Sicht eines Menschen nicht immer schon vuca?

In der Steinzeit und im Mittelalter fing das für die Menschen wohl schon bei der Ernährung an. Gibt es heute etwas zu essen?

Auch aus der Sicht von Organisationen war die Welt immer vuca. Man denke nur an die Städte im Mittelalter, in denen sich eigengehörige Menschen mit ihren Mauern sehr aufwändig gegen vuca zu schützen versuchten.

Oder mein Lieblingsbeispiel: Die Weimarer Republik hat gerade 9 Jahre gehalten – und das 1000-jährige Reich hat in gerade 12 Jahren alles verändert (und dabei so viel zerstört). Was für ein Tempo! Echtes vuca! Sogar die DDR hat 41 Jahre (von 1949 bis 1990) existiert. Und die BRD (von 1949 bis heute) hat es aktuell schon auf 70 Jahre gebracht. So wenig vuca ist doch eigentlich unglaubbar.

So finde ich, dass die Welt schon immer vuca war. Eher mehr als heute. Denn die  „Betriebssysteme“ unserer sozialen Systeme haben sich stabilisiert und sind auch aufgrund ihrer „digitalen Zwangsjacken“ stabiler als früher. Wie will man ein großes Unternehmen, dass seine Prozesse in Office365 und SAP gegossen hat, denn noch verändern?

Nach meiner Bewertung ist unsere Welt vielleicht stressiger geworden. Oder hat zumindest uns eine neue Form von Stress gebracht. Nur Stress – klingt halt nicht so toll wie vuca. Als Leseempfehlung nenne ich hier das Buch
Phänomen Stress:
Wo liegt sein Ursprung, warum ist er lebenswichtig, wodurch ist er entartet?

von Frederic Vester.
Das enthält mehr lesenswerte Substanz als wir in der ganzen vuca-Literatur zusammen finden. Und kostet gebraucht weniger als einen EURO. Und noch meine 10 Cent zum Stress

Der Wechsel von Natur- zu Kulturwelt hat uns eine neue Form von Stress gebracht.

Wir haben eine Welt geschaffen, in der wir permanent mit Lärm vollgedröhnt werden. Die Luft ist verpestet von Abgasen. Unser Körper inklusive seines vegetativem (Nerven-)Systems ist vielen idiotischen Belastungen (wie Steuern von Autos ohne körperlichen Ausgleich …) und Einschränkungen (der Tag wird sitzend verbracht …) unterworfen.

Das können wir ändern. Wir müssen es nur wollen!

Weil wir genau die Dinge eh nicht brauchen, die uns fertig machen. Wir müssten viel weniger arbeiten und könnten mehr für uns tun, wenn wir uns besser organisieren würden oder nur einfach auf viel Unsinn verzichten würden.

Heute schuften wir im Hamsterrad meistens für nichts. Insofern halte ich es richtig, dass wir unsere Welt ein wenig einfacher gestalten sollten – im Sinne von Vermeiden von Abfall. Aber nicht über eine „vucasierung“ unseres Lebens klagen sollten. Denn das macht auch Stress. Also:

🙂 VUCA –> FGI (forget it)

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 13. April 2019

Politik zum Jammern!

Es ist zum Haare ausraufen.

Werden wir es schaffen ???!!!

Die Politik befasst sich (erfolgreich) nur noch mit Dingen, die dem Machterhalt der herrschenden Klasse dienen. Das letzte Beispiel war die Gefährdung wenn nicht gar Zerstörung des Internets durch die „Urheberrechtsreform“. Sie konzentriert sich auf die Wahrung des Besitzstandes der herrschenden Klasse. Wie alle Politik in der „BRD“.

Wäre es nicht wichtiger, den Planeten zu retten?

Die wichtigen Themen wie die Sanierung des Planeten überlässt die Politik der Strasse. Und ignoriert das Problem, weil sie im Denken des letzten Jahrhunderts gefangen ist. Ihre Werte sind „Wachstum und Wohlstand über alles – auch der Welt“ und „Besitzstandwahrung als das deutsche Grundrecht“.

Weise weisse Kinder sollen den Mund halten und die Zerstörung des Planeten den Profis überlassen.

Wenn die Kinder mutig für eine neue Welt streiken – dann erfrechen sich die alten weißen Männer auch noch, diese barsch aufzuforden, den Mund zu halten und dieses Thema „doch bitte den Profis zu überlassen“. Also genau denen, die es seit mindestens 50 Jahren besser wissen sollten und aus Egoismus ignoriert haben. So abgedroschen dies sein mag, so traurig ist das alles.

Lobby-Control und Reduktion der Anzahl der Abgeordneten im Bundestags scheitern.

Die Politik versagt aber auch bei „kleinen“ aber wichtigen Aufgaben, besonders wenn sie am traditionellem Denken und an alten Strukturen rüttelt. So wurde das Lobby-Register sabotiert und dringend notwendige Veränderungen wie z.B. die Reduktion der ausufernden Anzahl von Bundestagsabgeordneten von der Tagesordnung  – „weil unlösbar“ – gestrichen. Auch die Definition von Regeln wie man E-Roller sinnvoll in den Verkehr integriert, ist so schwierig. Und wird den Bußgeld- und Straftaten-Katalog bestimmt wieder kräftig erweitern. Damit die Schwarzfahrer nicht mehr so allein in ihren Zellen sitzen.

Enteignung ist bei uns ein legitimes Mittel der Politik.

Enteignung wird wie selbstverständlich genutzt, wenn es um die Interessen der Großen oder behelfsweise der Allgemeinheit geht. Die Logik dahinter ist: Arbeitsplätze sind immer im Interesse der Allgemeinheit. Ganz gleich, ob es in der Rüstung, um die Produktion von Flugzeugen geht oder den Braunkohle-Tagabbau durchsetzt.

Diese Arbeitsplätze sind aber nur dann heilig, wenn sie Profit bringen. Wenn nicht, dann kommen die auch heute noch ganz schnell in die Slowakei (wie jetzt wieder in Augsburg).

G MAFIA enteignen? Gerne.

Will man Konzerne enteignen, dann gibt es zustimmendes Gemurmel beim CDU-Abgeordneten, insofern es gegen das moderne Feindbild G MAFIA geht. Die „digitalen“ Konzerne der G MAFIA sind Google, Microsoft, Apple, Facebook, IBM und Amazon.

Wobei da auch bei letzterem (Amazon) so mancher Konsum-Abgeordneter zurückzieht. Weil wer soll uns dann unsere vielen Päckchen bringen, die wir als Konsumisten unbedingt innerhalb 24 Stunden brauchen? Das berühmte internationale Logistik-Unternehmen DB (Deutsche Bahn) wird das trotz seines teueren schlanken Logos garantiert nicht schnell und pünktlich schaffen.

Immobilien Konzerne enteignen? Auf keinen Fall!

Wenn wir aber über die „Enteignung“ von Immobilien-Konzernen nur gesprochen wird, die Hunderttausende von Immobilien „der öffentlichen Hand“ systematisch über ihre Lobbyisten abgeschwindelt haben, dann geht ein Schrei des Entsetzen besonders durch die „christlichen Parteien“. Das sind die, die schon im Namen und in der Abkürzung fremdes Urheberrecht nutzen. Denn der Trump, das klammheimliche Idol der Konservativen (Bayern First), ist doch auch durch seine Immobilien-Spekulationen zum Milliardär, Volksheld und US-Präsident geworden. Wie kann man solche Immobilienspekulanten enteignen wollen? Wahrscheinlich ist das auch gegen den gesunden Menschenverstand? Wie soll man denn bei einer „Enteignung“ die Zwischen-durch-Eigentümer für die gewaltige Wertsteigerung der von der öffentlichen Hand günstig erworbenen Immobilien entschädigen? Gar nicht? Das geht doch nicht. Und anders wird es doch viel zu teuer.

„Transgender-Toiletten“ sind wichtiger als „Lobby-Control“.

Die wichtigen Themen aktuell und der letzten Monate bei uns sind „Zwangsimpfen“ und „Organentnahme als Default“. Und „Werbeverbote für Abtreibungen“. Getoppt wurde das ganze durch „Transgender-Toiletten“. Haben wir keine anderen Probleme?

Der MIV (Motorisierte Individual Verkehr) regiert die Welt.

Autos gehen vor Menschen. Seit Jahrzehnten. Ich verstehe das schon lange nicht mehr. Für mich heißt „individuell“ in der Mobilität, dass ich mich aktiv bewege (zu Fuß oder mit dem Fahrrad). Auch befördere ich mein Individuum gerne mit Bahn und Bus. Aber dass mein Individuum einer mächtigen, gefährlichen und tonnenschweren Maschine in einem komplexen System Verkehr mit seinen chaotischen Verhältnissen „dienen“ soll und ich so zum omnipotenten Bediener werde und mit der Maschine mein scheinbar jetzt omnipotentes Ego pflegen soll, das verstehe ich nicht.

Betrachten wir den notwendigen Wandel bei der Mobilität.

Urbane Gesellschaft (smart city) und das Automobil passen nicht zusammen.

Autos stinken und vernichten Menschen. Sie machen Lärm und das Leben unwürdig. Trotzdem gilt weiter „Freie Fahrt für freie Bürger“ und „Platz fürs Auto“. Und das Tempo-Limit ist und bleibt ein „NOGO“. Weil es gegen den gesunden Menschenverstand ist (auch schon ganz schön abgedroschen).

Fliegen und Schiff-Fahren ist eine unserer angenehmen aber unsäglichen Gepflogenheiten.

Beides zerstört unseren Planeten in ganz besonderem Maß. Ganz gleich ob es nur für den eigenen Spaß oder für die heilige Globalisierung stattfindet.

Ohne Fliegen und Welthandel gehen Globalisierung und Welthandel nicht.

Wir müssen beides reduzieren. Und vielleicht auch weniger global denken. „All business is local“ heißt es. Das sollte auch für die Politik gelten. Dann brauchen wir auch keine Armee für die Welt und müssten hierzulande keine Minen für den Weltfrieden produzieren und exportieren.
Und dass bei uns der Fleisch-Konsum fällt, der Export desselbigen jedoch explodiert ist doch auch nicht normal.

Wenn ziemlich viele Boeing-Maschinen auf dem Boden bleiben müssen, weil sie dem Profit geschuldet unteroptimale Fluggeräte sind, merkt man dies am Flugangebot gar nicht. Weil wir viele Flieger haben, die in der Wüste stehen und darauf warten, endlich mal wieder fliegen zu dürfen.

Wenn man halbwegs gerade ausdenkt, müsste uns klar sein, dass die Flugzeugindustrie nicht auf alle Ewigkeit soviel Flieger bauen kann, wie sie heute ausstößt. Man müsste  sich darauf einstellen und planen, weniger Flugzeuge herzustellen.

Weil wir das nicht wollen, subventionieren wir am Flughafen München das eh schon steuerfreie Kerosin. Und fliegen auch innerhalb Deutschlands immer mehr.

So steigt der Kurs von Airbus. Wie immer noch bei den Automobil-Konzernen.

Weil auch hier weiter das Diktat des Wachstums gilt. Auch wenn Millionen neue Autos auf Parkplätzen stehen. Und unsere Arbeitsplätze immer ein heiliges Killer-Argument sind. Obwohl wir auch hier gelernt haben, dass der Wandel nicht aufzuhalten ist. Wieviel Branchen sind aus Deutschland verschwunden? Innovation ist und bleibt „kreative Zerstörung“.

Unsere Demokratie ist zerstört.

Die Suche nach der Ursache für die Zerstörung der Demokratie ist überfällig. Wir müssen sie dringend reformieren. Da fällt mir auch einiges dazu ein. Aber auchd as stört die Besitzstandswahrung und ist so „politisch unkorrekt“. Weil es die bestehende Machtverhältnisse in Frage stellt.

Ein Symptom für die Vernichtung von Demokratie fällt mir aber ein. Es heißt Grindel. Er steht für mich für die aktuelle Generation nicht nur von CDU-Abgeordneten. Mit CDU zum ZDF und in den Bundestag der BRD – dann an die Spitze des DFB. Da kann man sich auch Fragen, wie kann der DFB so blöd sein, einen CDU-Bundestagsabgeordneten an seine Spitze zu wähen? Was in einem solchen Fall passiert, ist doch absehbar.

Wieso haben die mir besonders unsympathischen Parteien eigentlich eine Abkürzung, die aus drei Buchstaben besteht (CDU, CSU, SPD, FDP …)? Mag ich deshalb keine Abkürzungen aus drei Buchstaben mehr? Die Systemagenten aus Politik und Wirtschaft sind mir schon lange suspekt und unangenehm.

Ich vermute, dass das soziale Umfeld in den Parteien die Menschen verdirbt. Gerade die Drei-Buchstaben-Parteien ziehen nur noch eine besondere Art von Menschen an. Dort wird man nur noch Mitglied, weil man sich von der Mitgliedschaft persönliche Vorteile erhofft. Und im Kampf an die Spitze der Partei wird muss man man zum A……..-Methoden behrrschen.

Die Grindelisierung der Politiker.

So scheint mir die Meta-Ursache für unsere Dilemma in der Politik klar:
Das System der „Oligarchie der Parteien“ im Verband mit dem „Diktat der Konzerne“ hat bewirkt, dass die Politik von den Menschen betrieben wird, die eine negative Selektion (Auswahl) der Gesellschaft sind und zusätzlich noch negativ sozialisiert worden sind. Der lange Weg vom Eintritt in die Jugendorganisation an die Parteispitze und in den Bundestag gelingt erfolgreich nur mit eigenartigen und mir sehr unsympathischen Methoden. Und das prägt.

RMD

P.S.
Diesen Artikel habe ich für meine Enkel geschrieben. Damit sie mal wissen, dass es auch alte weiße Männer gab, die gegen den Quatsch waren, den alte weiße Männer gemacht haben.

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 11. April 2019

Der Tod des Kochs (Teil2) – Funkloch Hotel

Gott – wie oft hab ich mir gewünscht, dass ich mich nie auf diese unheilvolle Geschichte eingelassen hätte: was da durch mein Herumgestocher hochkam beziehungsweise unentdeckt blieb, machte mir den Verlust meines Freundes Sturmius noch unerträglicher…

Das fing schon mit diesem unmöglichen „Funkloch Hotel“ in den Buchenwäldern bei O.R. an. Kein halbwegs vernünftiger Mensch setzte in diese undurchdringliche Wildnis jemals seinen Fuß. Aber Charlotte Burns, diese dubiose, selbsternannte Reiseleiterin, musste natürlich ausgerechnet hier, in diesem hinterletzten Winkel der Welt, mit ihrem Minibus, vier weiteren Personen und einem Fahrer, eine Panne ‚produzieren‘! Und genau freitagnachmittags, auf dem Weg zum ‚Musikantenstadl’, der angeblich zum ersten Mal in der Stadt W. gastierte. Selbstredend mit den üblichen Verdächtigen, wie Andreas Gabalier, Andrea Berg, Roland Kaiser und wer weiß sonst noch alles.

Wie durch ein Wunder befand sich unweit des Pannenortes ein Hinweisschild, das auf ein 300m entferntes ‚Funkloch Hotel’‘ verwies, obwohl dieses, wie sich schnell herausstellte, schon seit Jahren außer Betrieb war, und in dem sich, außer einem schwerhörigen Rentner, der ab und an nach dem Rechten sah, niemand mehr aufhielt.

Nun ja – kaum zu glauben – aber ab und zu trieb sich da auch der bekannte Fernsehkoch Sturmius von Suppé herum, um, typisch für ihn den Sonderling, in dieser absoluten Einsamkeit spezielle Kochkreationen auszuprobieren, von denen keine Menschenseele etwas erfahren durfte.

Über diese sporadischen Aufenthalte war naturgemäß nur ein sehr kleiner exklusiver Personenkreis informiert, zu dem offensichtlich auch diese mysteriöse Charlotte Burns gehörte: anders war das rein zufällige Zusammentreffen dieser skurrilen Reisegruppe mit meinem Freund Sturmius nicht zu erklären.

Ich hatte bis dahin auch keine Ahnung, dass er diese Lokalität immer mal wieder für diverse abenteuerliche Aktionen aufsuchte.

Eine regionale Fernsehgesellschaft benützte diese ‚Lotterbude‘ wohl auch für diverse Gruselgeschichten und ‚Tatort‘-Einspielungen.

Trotzdem fand ich es mehr als seltsam, dass ausgerechnet dieser berühmte Fernsehkoch Sturmius von Suppé dorthin delegiert worden war, um für ein „Monstergelage zur mitternächtlichen Stunde an Halloween“ einen geeigneten „Monsterfraß“ zu kreieren. Je ekelhafter umso besser, war angeblich die Devise gewesen: es musste wirklich eine „schröckliche Fernsehüberraschung“ werden!

Sturmius von Suppé war, wie man mir erzählte, überhaupt nicht begeistert, so ein umfangreiches Kochexperiment, das sich über mehrere Tage hinziehen konnte , in dieser verrotteten Umgebung durchzuführen. Aber seine Beschwerden verpufften; immer wieder wurden strikte Geheimhaltungsgründe von den Verantwortlichen vorgeschoben!

Noch übler war aber wohl für ihn diese gestrandete Reisegruppe, die völlig überraschend und unerwartet spät abends in dieses ‚Funkloch Hotel‘ einfiel.

War das Zufall? Oder hatte wirklich diese impertinente Reiseleiterin Charlotte Burns ihre schmutzigen Fingerchen im Spiel?

Die Zusammensetzung dieser speziellen Reisegruppe war jedenfalls fast schon peinlich, denn neben der Alkoholikerin Raffaela von Suppé waren da noch eine arg verhuschte Musikjournalistin Dörte Hansemann, sowie die beiden „Hessisch Babbler“, Ernie und Bert Hesselbach.

Und alle schienen plötzlich, wie auf Knopfdruck, das Ekelpaket Sturmius zu hassen. Waren sich aber untereinander auch nicht grün: So belauerte das lesbische Paar Charlotte und Raffaela die nervige Heulsuse Dörte, die nach einer angeblichen Übergriffigkeit von Sturmius im Keller des Funkloch Hotels gestand, mit ihm eine fünfzehnjährige Tochter zu haben, und Bert Hesselbach war, wie es schien, von Sturmius um die Rechte seiner phänomenalen ‚Noggi–Würze‘ betrogen worden. Angeblich war da viel Geld im Spiel?

Kein Wunder, dass unter diesen Umständen niemand mehr an Nachtruhe dachte, als Sturmius von Suppé auch noch des Kannibalismus verdächtigt wurde, weil er in seiner ‚Lotterküche‘ für sein ‚Monstergelage‘ offensichtlich bewusst provokant einen blutigen Frauenarm verarbeitete, den er vorher irgendwie aus Schweinefüßchen kochtechnisch ‚gebastelt‘ hatte.

Die Folge war ein ekelhafter Streit in der Hotelküche, in der Sturmius, statt weiter arbeiten zu können, erstmals von seiner unehelichen Tochter Katharina erfuhr, die er mit Dörte Hansemann haben sollte!

Zur wirklich dramatischen Aufgipfelung kam es aber, als die vollkommen unbedarfte Ernie Hesselbach, den von Sturmius angeforderten Pürierstab, der neben ihr an der Küchentheke hing, einfach in seinen Suppentopf steckte, in dem er mit beiden Händen Hühnergedärm für eine Gruselsuppe zerkleinerte. Und da das Gerät wohl wirklich arg defekt war, kam es in der Suppenbrühe zu einem Kurzschluss, begleitet von einem laut zischenden elektrischen Schlag, in dessen Folge Sturmius von Suppé tot umsank! Und tatsächlich mausetot war! Wie es in einem dieser Schmierblätter hieß.

Das hatte so wohl niemand gewollt!

Außer Charlotte Burns vielleicht, die schnellstens das Weite suchte, gefolgt von Bert Hesselbach mit seiner ahnungslosen, verstörten Frau Ernie.

Raffaela, die sich als Sturmiusens Schwester herausstellte, war wohl auch nicht unglücklich über den plötzlich Tod ihres verhassten Bruders, fand aber schnell Trost bei ihrer Schnapsflasche…

Und Dörte Hansemann, die in diesem Funkloch endlich Empfang hatte, konnte ihrer Tochter berichten, dass sie soeben durch Erbschaft sehr, sehr reich geworden sei!

Dörte Hansemann war es wohl auch gewesen, die die örtliche Polizei verständigt hatte, die überraschend schnell eintraf und offiziell den Tod von Sturmius von Suppé bekannt gab, sowie den Tatort für die anstehende Spurensicherung versiegelte. Dörte Hansemann und Raffaela von Suppé machten auch in der Nacht noch, unter Verzicht jedweden anwaltlichen Beistandes, ihre Aussagen.

Charlotte Burns und die Hesselbachs wurden zwei Tage später vernommen, ohne dass sich dadurch irgendeine geänderte Einschätzung dieses Unglücksfalles ergeben hätte!

Nach einem ersten ‚Stürmchen‘ im einschlägigen Blätterwald, das der Popularität meines Freundes geschuldet war, kehrte aber erstaunlich schnell wieder Ruhe ein. Sicher auch deswegen, da niemand der Beteiligten ein Interesse hatte nachzulegen.

Nur mir ließ die Sache keine Ruhe: Irgendwie sagte mir mein journalistisches Bauchgefühl, dass bei diesem angeblichen Unfall mehr dahinter steckte. Da ich aber keinerlei greifbare Beweise hatte, waren mir die Hände gebunden und ich mit meinen nächtlichen Alpträumen und Grübeleien vorläufig alleine…

K.H.

PS.
Hier noch ein Dankeschön an alle, die mir geholfen haben, wenigstens etwas Licht in das Dunkel rund um Sturmiusens Tod zu bringen: dies geht insbesondere an Christine Bruckmann, Gabi Nelges, Martina Tornow sowie Detlef Knoll. Irene Weingärtner verweigerte hingegen ein Gespräch.

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 4. April 2019

Der Tod des Kochs (Teil1) – Rückblende

Ein Arschloch, wie es im Buch steht!“, war immer die erste Reaktion, sobald die Rede auf Sturmius kam. Auch für mich war dieser Typ schwerste Kost – kaum zu genießen…

Doch zugegeben, er war ein begnadeter Koch!
Sein Name und seine Kochkünste waren über viele Jahre in aller Munde. Wenn Sturmius von Suppé donnerstags zur besten Sendezeit im Fernsehen kochte, überbot seine Einschaltquote spielend die Werte des sonntäglichen ‚Tatort – Krimis’.

Kein Vergewaltiger oder Kinderschänder konnte seinem Tafelspitz, geschweige denn Rehrücken, den Rang ablaufen. Kein Mörder mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen, als er mit seinem beißenden Wiener Schmäh, während er Entenbrüste zerteilte und Karotten glasierte.

Doch warum dieser Sturmius ausgerechnet mir gegenüber diese hündische Anhänglichkeit zeigte, habe ich nie richtig herausfinden können. Vielleicht weil ich auch anders war, aber doch nie so ausgegrenzt wurde wie er – der schon zu Schulzeiten permanent nach ‚Sellerie’ müffelte!

„Da kommt der Stinkersturmi! Sturmistinker, Stinkersturmi“, riefen sie ihm nach oder tuschelten sie sich grinsend zu, denn mit Stinkersturmi war nicht zu spaßen. Er hatte die Kräfte eines Grizzlys und fackelte nicht lange: bevor er brummte, langten seine Pranken schon hin – alles weitere erübrigte sich dann meistens.

Da ich eher von hühnerbrüstiger Statur war und außer einem schneidigen Mundwerk wenig zu bieten hatte, baute mich Sturmius ungefragt in seine ‚Sellerie-Aura’ ein und räumte mir jeden Übeltäter schneller aus dem Weg, als ich ‚Hühnerkacke’ sagen konnte.

Als Gegenleistung opferte ich mich und setzte mich Jahr für Jahr brav neben ihn. Wer sonst hätte neben diesem Widerling den Selleriegestank ertragen können?

Natürlich zog ich mir damit den Spott und die Wut der anderen zu, aber das war der Preis für seinen Schutz; ebenso die Hilfe, die ich dieser wandelnden Sellerieknolle bei Mathe und allem Physik– und Chemiekram zukommen ließ.

Gelegentlich kam ich sogar mit zu seinen unmöglichen, adeligen Eltern und seiner tranigen Schwester Raffaela, die zwar nicht nach Sellerie müffelte, dafür aber nach Schweiß. Und die finsteren holzgetäfelten Räumlichkeiten des herrschaftlichen Anwesens rochen übel nach abgestandenem Kohlgemüse, da man wegen der hohen Heizungskosten kaum lüftete.

Doch richtig nahe war ich diesem Sturmius von Suppé nie gekommen! Sicher lag das nicht nur an ihm – ich verkroch mich auch allzu gerne in meinen schützenden ‚Kokon’ und ließ niemand an mich heran: meine ‚warmen Sorgen’ hätte ohnehin niemand verstanden…

Sturmius vielleicht schon! Aber den hatte ich nach dem Abitur gänzlich aus den Augen verloren. Ich war jetzt selbst das Arschloch vom Dienst und hatte genug mit mir und aufdringlichen Schwanzlurchen zu tun. Täuschen und tarnen, das war das Gebot der Stunde: niemand durfte von meiner unsäglichen Neigung erfahren. Und irgendwie studieren musste ich ja auch noch.

Umso mehr war ich geplättet, als er, Sturmius, dann wie aus dem Nichts auf die Fernsehschirme der Nation klatschte und seine Gäste nicht nur kulinarisch umgarnte, wie seine Rinderrouladen, sondern ihnen mit beißendem Wiener Schmäh auch noch Tränen in die Augen trieb.

Plötzlich war da weder etwas von seiner verklemmten Maulfaulheit zu spüren, noch von seinem dümmlichen Hessischen Dialekt, mit dem er in jungen Jahren seine adeligen Kreise bis zur Weißglut provoziert hatte.

Und wie stark der aussah, dieser knusperbraune Sturmius: das ehemalige Schwabbelgesicht war markant geworden und kam durch die totale Glatze, die dunkle Hornbrille und den damals noch seltenen Dreitagebart richtig schmackhaft zur Geltung. Die lebhaften Augen und sein breites Grinsen – umwerfend charmant, wenn er wollte – kultivierte alles wie feinste Würze, die mich nicht nur erfreute, sondern mir auch voll auf den Magen schlug: ich musste erkennen, dass ihm – dem ewigen Arschloch – gelungen war, was ich nicht geschafft hatte, nämlich den ‚Kokon’ zu sprengen und von der unappetitlichen Raupe zum bunten Schmetterling zu mutieren! Doch – Sturmius hatte das geschafft…

Ich gebe zu, dass mich diese Erkenntnis vollkommen unvorbereitet traf und mir eine Art chronische Magenverstimmung bereitete, die mich anhaltend quälte! Als einziger Trost blieb mir die geschmacklose Hoffnung, dass er bei aller feinschmeckerischen Brillanz doch noch nach ‚Sellerie’ müffelte. Wenn nicht, was blieb dann übrig von meiner früheren Überlegenheit ihm gegenüber?

Nichts – gar nichts blieb übrig – wie ich bei unserem ersten Wiedersehen sofort spürte, als er mir flapsig zuflüsterte, mich nie vergessen zu haben! Was hätte es da noch zu grübeln und zu bedauern gegeben? Da war doch sofort klar, dass ab sofort ich, der selbstständige Journalist, dort zu tun hatte, wo dieser knusperbraune Sturmius brutzelte und kochte. Egal ob das Amsterdam, Brüssel, Berlin oder Wien war – ich war immer dabei!

So erfuhr ich auch rasch, dass Sturmius in Wien nicht nur bei Plachutta, Lamprecht und diversen anderen Restaurants kochen gelernt und als Koch gearbeitet hatte, sondern während dieser Zeit zehn Jahre mit einem Stadt bekannten Kabarettisten liiert war – der mit sehr viel Feingefühl den ‚neuen Sturmius’ aus ihm herausgekitzelt und den Grundstein für seine beispiellose Fernsehkarriere gelegt hatte.

Leider wandte sich dieser gute Geist schon bald nach ihrer Trennung gänzlich der Französischen Küche seines neuen Lovers zu und wollte von Sturmius’ Wiener Kochkünsten absolut nichts mehr wissen. Schade! Aber es war eine Frau gewesen, die dazwischen gefunkt hatte, doch Sturmius wollte partout nicht von ihr erzählen…

Tja – und in Berlin hatte Sturmius mich unlängst, wie in alten Zeiten, aus einer höchst unangenehmen Rangelei heraus geboxt, als wir die Nacht durchmachten und in einem Park an die falschen Typen geraten waren. Doch Sturmius hatte nichts verlernt. Im Gegenteil. Wortlos erledigte er die Angelegenheit. Hilfe benötigte er nur, als er darauf bestand, die drei angeschlagenen Bürschchen ordentlich wie frisch ausgebuddelte Zuckerrüben, auf der vom Morgentau benetzten Grünfläche abzulegen – exakt der Größe nach! Irgendwie war er pedantisch und sensibler geworden – dieser neue Sturmius von Suppé…

Umso brutaler und gnadenloser traf mich die Nachricht von seinem plötzlichen Tod!

Für mich unfassbar, wie es möglich war, dass diese bratende und backende Urgewalt nicht mehr weiter brutzeln sollte? Wer konnte diesem zähen Strunk derart zugesetzt haben? Der hatte doch stets die Anderen nass gemacht?

Oder war alles gar nicht wahr? Alles nur Küchenlatein? Hatte dieser grandiose Verwandlungskünstler uns alle ein weiteres Mal getäuscht? Vielleicht weil er seine Mission erfüllt sah und vor der lauernden Routine Schiss bekam? Oder wollte er die Welt aufs Neue überraschen? Mit einem Sturmius als Beilage, den es so noch nie gab? Zuzutrauen war ihm das…

Doch als ich dann endlich nach langen, trostlosen Wochen aus meinem Alkoholdelirium auftauchte und wieder zu mir gekommen war, und mir sämtliche Nachrichten über Sturmiusens Tod in der Presse und den sozialen Medien einverleibt, sowie etliche Gespräche in seinem ehemaligen Umfeld geführt hatte, glaubte ich plötzlich im Unterleib zu spüren, dass es da für einen investigativen Journalisten, wie mich, jede Menge aufzuklären gab und ich das meinem Freund schuldig war – soviel Zeit musste sein, wie er zu sagen pflegte, wenn einer seiner Schmorbraten vor sich hin köchelte…

Aber das ist eine andere, noch unglaublichere Geschichte!

KH