Roland Dürre
Mittwoch, der 29. Mai 2019

Quo vadis – Germania?

Der „Koch“ Roland (@RolandDuerre):
In Freiheit in Griechenland im Zelt.

Der „Youtuber“ Rezo (Twitterkennung @rezomusik) hat ein Video ins Netz gestellt, in dem das Versagen der CDU – aber eigentlich das der bürgerlichen Parteien, die die letzten Jahrzehnte in der BRD die Politik bestimmt haben – beschrieben und die Inkompetenz unserer „politischen Elite“ deutlich aufgezeigt wurde.

Der Mensch mit dem Künstlernamen Rezo ist ein Unternehmer, der mit seinen bald 27 Jahren auch gar nicht mehr so ganz jung ist. Er hat Informatik studiert (mit Abschluß Master in Dortmund) und verdient sein Geld mit der Herstellung von Videos. Videos veröffentlicht man nun mal unter anderem auch in Youtube. Und schon ist man ein „Youtuber“.

Ich biete auch 103 Videos in meinem Channel rolandduerre zum Anschauen an und meine, dass da einiges an wirklich Sehenswertem dabei ist. Wenn ich nur an die Videos mit Rupert Lay denke. Deswegen bin ich aber kein „Youtuber“, so wie ich auch nicht der „Blogger“ Roland Dürre bin, nur weil ich ab und zu hier in IF-Blog.de meine Gedanken aufschreibe. Nein, zuerst mal bin ich Mensch, der früher sein Einkommen als Unternehmer erwirtschaftete und es sich jetzt als Privatier gut gehen lässt.

Jetzt macht aber gerade die CDU viel Wirbel um das berühmte „Rezo-Video“ und möchte am liebsten das Internet noch strenger zensieren, als es eh schon wird. Dabei sind die Aussagen von Rezo mehr als gerechtfertigt. Sie haben nur einen Mangel, sie sind nicht vollständig – aber wie könnten sie das bei diesem schier unendlichem Ausmaß an Versagen auch sein?

Es vergeht kein Tag, in dem ich nicht mit den Folgen des Wirkens von CDU&Co konfrontiert werde. Und ich wundere mich (und bedaure dies), dass bei der Europa-Wahl so viele Menschen immer noch CDU gewählt haben.

Der letzte Beleg ist von heute Morgen. Da höre ich um 7:00 die Nachrichten im 2. Programm des bayerischen Rundfunks. Und erfahre, dass die beliebtesten Länder , in denen „high potentials“ gerne arbeiten wollen, aktuell Australien, Schweden, Schweiz sind. Und unser SCHLAND erst auf Platz 12 käme.

Hier der Nachrichtentext im Original:


Berlin: Deutschland ist für hoch qualifizierte Kräfte aus dem Ausland nicht die erste Adresse (D im zweistelligen Bereich). Das zeigt eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD, die heute (29. Mai) in Berlin vorgestellt wird. Darin stellen die Autoren fest, dass Deutschland in der Rangfolge der attraktivsten Standorte für Fachkräfte mit Master-Abschluss oder Doktortitel nur den zwölften Platz belegt. Auf dem ersten Platz sehen die Forscher Australien, gefolgt von Schweden und der Schweiz. Untersucht wurden zum Beispiel die Qualität der beruflichen Chancen sowie Einkommen und Steuern.


Ich kenne andere Studien, die bestätigen, dass Deutschland auch bei Handwerkern und Facharbeiter immer unbeliebter wird. Handwerker und Facharbeiter sind für mich genauso wichtig, vielleicht sogar noch wichtiger als Akademiker.

Wenn das kein Versagen der Deutschen Politik ist! Und zwar ein folgenreiches Versagen! Denn der naheliegende Schluß, dass wenn die guten Leute nicht mehr nach Deutschland wollen, Deutschland eher keine so gute Zukunft haben wird, erscheint mir valide.

Besonders wundere ich mich, wenn ich die drei Länder an der Spitze betrachte.

Australien?
Bei Australien fällt mir ein, dass es am Ende der Welt liegt. In der Nähe gibt es Neuseeland und ein paar Südsee-Inseln. Ansonsten bin ich dort völlig aus der Welt? Das ist für mich nicht attraktiv. Man muss immer 10 Stunden fliegen, wenn ich etwas anderes sehen will. Das geht doch heute schon gar nicht mehr.

Wirtschaftlich lebt Australien fast ausschließlich vom Export seiner Kohle. Die wohl die hochwertigste der Welt ist. Ohne diese Einnahmequelle wäre das Land pleite.

Dass muss man sich mal vorstellen. Die beste Kohle der Welt wird ohne Rücksicht auf Umwelt abgebaut, dann zu den Häfen geschafft und mit großen Schiffen um die Weltkugel gefahren. Dann wird sie umgeladen und mit kleineren Schiffen oder langen Güterzügen weiter transportiert. Nur um dann verbrannt zu werden, damit man genug Strom hat um Alu-Dosen produzieren kann. Diese werden dann mit lokalem Bier gefüllt und wieder nach Australien verbracht. Ein Wahnsinn …

Das Gebot der Stunde ist, die Verstromung von Kohle sofort einzustellen. Für Australien geht das natürlich nicht. Weil, wenn Australien keine Kohle mehr exportieren würde, es sofort in eine totale Wirtschaftskrise stürzen würde …

So verstehe ich, dass sie gute Leute brauchen. Für den Fall des Falles.

Schweden?
Von Schweden höre ich viel Gutes. Es gibt tolle Bemühungen, z.B. schätze ich die Vison Zero sehr. Da geht es um den Anspruch, die Anzahl der Verkehrstoten auf NULL zu bringen.

Ich kenne aber eine ganze Reihe von Krimi-Autoren, die Schweden als ein korruptes Land im Niedergang beschreiben. Das ist sicher keine gute Reklame für das skandinavische Musterland.

Mich selber würden „keine zehn Pferde“ nach Schweden bringen, Nicht wegen den depressiven Krimis. Sonden einfach wegen der langen und finsteren Winter. Was für ein Standortnachteil.

Schweiz?
Die Schweiz kenne ich gut, auch ihre „bürgerliche“ Seite. Obwohl mir diese nicht immer so gefällt, empfinde ich die Schweiz als attraktives Land. Besonders auch wegen ihrer demokratischen Struktur.

Der Hauptnachteil der Schweiz ist für mich, dass sie mir noch teuerer erscheint als meine Heimat München. Dass man in diesem Land gerne lebt und arbeitet verstehe ich. Dann kann man es sich auch besser leisten. Für einen Privatier ist das nicht so einfach. Also: wenn ich noch mal jung wäre, dann würde ich es mir sehr ernsthaft überlegen, auszuwandern.

Gemeinsames

Jetzt betrachten wir aber, was die drei Länder gemeinsames haben? Ich meine, dass alle drei relativ autonom und vielleicht ganz wichtig, „kleine“ Volkswirtschaften sind. Und mein Glaube ist ja schon immer, dass kleine Systeme besser gesteuert werden könnne als große. Vielleicht stimmt das ja?

Vom Brutto-Sozial-Produkt dürften alle drei in der Klasse von Bayern liegen. Vielleicht ein Grund mehr, dass Bayern endlich aus der BRD austreten sollte. Alle drei Staaten haben eine starke eigene Kultur und Identität. Australien schon aufgrund seiner Abgeschiedenheit, Schweden immer noch als distanzierter EU-Partner und die Schweiz dank ihrer Neutralität. Und alle drei haben – allen Unkenrufen zum Trotz – eine eigene Währung. Anscheindend ist das gar nicht so schlecht.

So könnte man auf die Idee kommen, dass es kleine und selbstbestimmte Staaten leichter haben, Lebens-Qualität zu schaffen. Auch dies scheint mir plausibel.

Der negaitve Trend, der Deutschland ja in vielen Dimensionen bestätigt wird,  fällt nicht vom Himmel. Er ist natürlich wesentlich auf politisches Versagen zurück zu führen. Da hilft weder Selbstbeweihräucherung noch politische Ablenkung durch Beleidigen der Kritiker. Das sollten Damen und Herren auch von der CDU endlich mal verstehen.

Noch eine Anekdote:
Die InterFace AG hatte mal gemeinsam mit einem Partner-Unternehmen eine IT-Tochter in Indien. So hatte ich gelegentlich in Indien zu tun. Bei der Einreise wurde ich an den „immigration desks“  der Flughäfen Mumbais oder Neu-Dehlis in der Regel von sympathischen jungen Herren begrüßt, die sich gerne auf ein nettes Gespräch einließen. Da kam die Frage an mich, was ich denn so beruflich machen würde. Wenn ich mit „computer science“ und IT geantwortet habe, war das Erstaunen der indischen boys groß. In etwa so:

Habt Ihr in Germany wirklich so etwas wie Computer?

Das war dann auch unser Problem. Die besten InderInnen wollten nach USA oder Canada. Oder in die Länder, die man damals als „asiatische Tiger“ bezeichnete. Wenn es schon Europa sein sollte, dann war damals für den Inder nur noch England (GB) halbwegs interessant. Deutschland war die ganz schlechte Notlösung. Da gingen nur die zweitklassigen Leute hin, die woanders nicht genommen worden waren.  In der Hoffnung, es als Sprungbrett in ein anderes Land nutzen zu können.

Das ist jetzt schon ein paar Jährchen her und seither noch schlimmer geworden. Nur im Wirtschaftsministerium in Bayern wird mir eine ganz andere Welt berichtet. Die reden von KI und AI und rufen „Bayern first“. Das ist eigentlich nur lächerlich. Wenn es nicht so traurig wäre.

Heute spielt die Musik in China. Und Mr. Trump sorgt mit seinen dummen Aktionen – wie jetzt rund um Huawei – endgültig dafür, dass die Chinesen (notgedrungen) jetzt erst so richtig loslegen werden. So wird es zumindest in der Digitalisierung für den Rest der Welt so richtig schwierig werden. Auch für die USA. Und ganz besonders für die Nationalstaaten Europas, die sich in ihrer überregulierten Gemeinschaft EU mit Pipifax-Problemen lähmen …

Und die Digitalisierung betrifft ja alles – auch laut der Bayerischen Politik.

Was für ein politisches Versagen.

RMD

AGIL auf der MS EUROPA – schon ein wenig her.

Als Unternehmer bist Du auch Vertriebsmensch. Du hast die Aufgabe, die Menschen (die in ihrer Gesamtheit auch „der Markt“ genannt werden), von Deinem Produkt zu überzeugen. Dass machst Du unter anderem mit Präsentationen. Die Vorträge werden dann unterlegt mit professionell gestalteten Folien, die den Zuhörer streng geführt für das Produkt begeistern sollen.

Heute will ich in meinen Vorträgen Menschen nicht mehr auf meinen Kurs bringen. Gerade junge Menschen möchte ich zum eigenen und kritischen Nachdenken bringen, inspirieren und allenfalls mit Impulsen versorgen. So sollen meine Interaktionen nicht verführung und manipulieren sondern zum kritischen Nachdenken auffordern.

Aber auch freie und offene Interaktion braucht Formate. Im folgenden beschreibe ich vier Formate, die mich als Teilnehmer wie Aktivator begeistern.


Openspeach

Den „Openspeach“ habe ich vor ein paar Jahren für mich erfunden. Ich habe damals öfters Vorträge für junge Menschen gehalten, z.B. für Klassen der Oberstufe bei Gymnasien.

Ursprünglich nannte ich diese Form des Vortrags „Openspeech“, habe ihn aber dann mit „ea“ geschrieben, weil ich eine Art Marke schaffen wollte.

Die Technik des Openspeach ist ganz einfach. Der „Referent“ hat ein Thema wie z.B. Unternehmensgründung. Er startet mit einer offenen Frage.

Zu diesem Thema würde Startfrage passen:

„Was ist das, ein Unternehmen?“

Aus den Antworten pickt er die heraus, die es ihm ermöglichen, seine Linie zu halten. Ich habe da mal als (eine von vielen) die Antwort bekommen:

„Ein Menschenhaufen.“

Das war eine gute Vorlage. In Einigung mit der Zuhörerschaft haben wir beschlossen, diesen Begriff als Basis für die weitere Diskussion zu nehmen. Als Folgefrage bietet sich dann förmlich an:

„Was fehlt einem Menschenhaufen, um eine Unternehmen zu sein?“.

Da hagelt es dann wieder viele Antworten wie Strategie, Organisation, Chef, Mitarbeiter und vieles mehr. Auf dieser Basis kann man gut weiter arbeiten, ein wenig kommentieren und eine Folgefrage finden wie:

„Welchen Zweck hat denn ein Unternehmen?“

So gelangt man leicht zur gemeinsamen Definition

„Ein Unternehmen ist ein soziales System mit einem ökonomischen Zweck.“

Man kann sich vorstellen, wie man dann als Referent sich weiter durchfragen kann – bis hin zum Gründerteam (welche Kompetenzen und Qualitäten dieses haben muss, um erfolgreich zu sein) usw.

Bewertung der Methode:

Diese Methode ist am besten für eine Zuhörerschaft in Klassenstärke geeignet (10 bis 40 Teilnehmer). Sie erfordert, dass der Referent vom Thema viel Ahnung hat. Mit Ahnung meine ich Wissen und aktive Erfahrung wie auch eine große Übung in der Diskussion des Themas. Benötigt werden keine Folien und kein Beamer. Zweckmäßig ist eine Tafel mit Kreide, Whiteboards ein Flipchart und für Einschübe mit Brainstorming Metaplan-Karten mit -Tafeln oder besser noch  Stattys und weiße Wände.
Der Referent stellt wesentlich offene Fragen und steuert die Richtung, in die das interaktive Gespräch geht. Er muss nur einen Teil der Zeit reden, aber immer hellwach und reaktionsstark sein. Und mit den Antworten seiner Zuhörer konstruktiv „spielen“.


Chautauqua

Diese Vortragsart habe ich bei der Lektüre eines kleinen Büchleins mit dem Titel „Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten“ gefunden. Dort habe ich spannende Chautauquas gelesen, wurde neugierig und habe deshalb diese Art der Weitergabe von Wissen und Erfahrung wieder ausgegraben.

Ich zitiere aus Wikipedia:

Chautauqua [ʃəˈtɔːkwə] war eine Bewegung der Erwachsenenbildung in den ländlichen Gebieten der USA vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Als Form der Lehrrede kombinierte die Chautauqua unterhaltende wie auch bildende Elemente in einer miteinander verschränkten Form, die auch die ästhetischen Ansprüche des Leserkreises abdecken und zur Teilnahme motivieren sollte.

Bewertung der Methode:

Die Vortragsform der Chautauqua ist geeignet für kleine Kreise am Lagerfeuer wie für große Auditorien. Sie erfordert, dass der Referent das Thema selber gelebt hat und eigene Erfahrungen einfließen lassen kann.
Eine starre Abfolge von Folien stört den Geist einer Chautauqua. Ein Computer mit Internetzugang am Beamer ist zweckmäßig. Ich halte es für nützlich, wenn der Referent eine Reihe von Links vorbereitet, die er dann beim interaktiven Weg des Vortrages um spontane Links erweitert.
Ergänzend sind Tafel, Whiteboard oder Flipchart nützlich. Da eine Chautauqua für den Referenten sehr anstrengend sein kann, ist ein Vortrag zu zweit sehr sinnvoll. Dann können zwei Referenten sich die Themen „zu jammen“ und auch bei der Bedienung des Laptops abwcchseln.


Fahnenbildung

Die Fahnenbildung ist Teil der Dialektik. Sie hat den griechischen Philosophen als Methode für die Erzielung von Erkenntnisgewinn gedient. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Nutzung von präziser Sprache. Sie wurde über zwei Jahrtausende von den Jesuiten praktiziert.
Ich selbst habe diese Methode auch im Unternehmen oft eingesetzt. Voraussetzung ist das Bilden einer These wie
Unser Unternehmen wird erfolgreich sein, wenn …
Anschließend werden Bedingungen gesammelt, die diesen Satz komplementieren. Diese Bedingungen werden auf gewissenhaft auf sprachliche Klarheit geprüft und verbessert. Dann werden sie in nützlich, notwendig und hinreichend kategorisiert. In einer zweiten Runde kann man sie nach semantischen Kriterien ordnen, die sinnvoll zum Thema passen. Das könnte beispielsweise kaufmännisch, emotional, innovativ, einzigartig etc. sein.

Nach dieser Art eines „clustering“ wird geprüft, wird geprüft, ob man eine Kombination von notwendigen Kriterien findet, die hinreichende ist. Wenn das gelingt, dann hat man gewonnen.

Hilfreich für die Vorbereitung einer Fahnenbildung ist eine Vorsatzbildung wie

  • Wir gehen achtsam mit Begriffen um!
  • Jeder fasst sich kurz und darf zur Belohnung ausreden.
  • Alle gehen auf das ein, was die anderen gesagt haben.
  • Jeder bemüht sich, alterozentriert zu denken.
    Das will meinen, er ist bereit sich die Gedanken der anderen zu eigen zu machen und darauf in seiner Rede einzugehen.
  • Wir sind bereit, unsere Gewissheiten (Wahrheiten) in Frage zu stellen.
  • Wir wollen nicht Recht haben und unsere Vorurteile durchsetzen sondern alle unser Wissen teilen, dabei Neues lernen und Dinge verändern.
  • Wir haben keine Angst, kreativ zu sein.

Bewertung der Methode:

Die Fahnenbildung benötigt einen Moderator, der über gewisse dialektische Fähigkeiten verfügt. Als Hilfsmittel genügen Flipcharts, auf denen die Bedinungen gesammelt und analysiert werden. Eine Fahnenbildung macht auch als Teil von Requirement Engineering und ähnlichen Aufgaben Sinn.
Fahnenbildung kann leicht sehr anstrengend werden, erfordert sie doch höchste kommunikative Konzentration. Deshalb empfehle ich, eine Zeitbox (time box) von 90 Minuten festzulegen und im ersten Drittel die Bedingungen zu sammeln, im zweiten zu kategorisieren und im dritten die abschließende Formulierung zu fixieren. Bei einer gelingenden Fahnenbildung sind meistens alle Teilnehmer positiv überrascht, wieviel Kreativität stattfindet und dementsprechend hoch der Erkenntnisgewinn ist.


Serious Play

Das ist sicher eine Königsdisziplin der Kreativität-Techniken. Das wird gerne mit Lego gemacht. Bei Lego gibt es eine eigene Abteilung, die versucht spezielle Sets für den Serious-Play-Trainer zu gestalten. Mit Serious Play können sowohl abstrakte Begriffe lebendig gemacht werden wie auch Prozesse spielerisch entwickelt und verbessert werden.
Gerne werden Serious Play Sessions kombiniert mit Werkzeugen wie Mentimeter, um eine gemeinsame Tag Cloud zu generieren, die den gefundenen „mind set“ (gemeinsame Mentalität) dokumentiert.

Bewertung der Methode:

Die Fahnenbildung benötigt einen Moderator und Material zum Gestalten. Bei Lego Serious Play sind das spezielle Sets von Legobausteinen, die an verschiedene Themen angepasst sind. Insofern ist Serious Play eine aufwändige Methode, die sich aber lohnt, besonders wenn man etwas ganz Neues angehen will.


Formate kollektiver Kommunikation, die ich sehr schätze, sind Barcamp, OpenSpace, fishbowl, lean coffee, world café und weitere. Die Technik des art of hosting ist bei diesen Formaten in der Regel sehr hilfreich.

Der redliche Diskurs (Habermas) ist für mich so etwas wie die Mutter all dieser Formate. Voraussetzung fürs gemeinsame Gelingen ist eine Komepetenz in Dialektik wie auch in gewaltfreier Kommunikation. Wobei man durchaus davon ausgehen kann, dass Menschen, die gewaltfreie Kommunikation leben glücklicher sind.

RMD

Hans Bonfigt
Sonntag, der 26. Mai 2019

Kathas Europa — und meins: Des Teufels Alternative

Auf nüchternen Magen nicht zu empfehlen:

„Ich lasse mir von alten weißen Männern mein Europa nicht kaputtmachen“

Soweit „Katharina Schulze“ von der Partei für betreutes Denken:

Mittelalter ist auch vorbei – und ich halt’s mit Arya

 

Weiß und vor allem alt, wie ich nun einmal bin, erinnere ich mich am „Europawahltag“ an das Europa, welches ich im zarten Alter von „Katha“ erleben durfte:

Aus der Kneipe nach London

Etwa 1990, leicht bis mittelschwer angetüddelt, hörten ein Freund und ich in einer Kneipe von einer da Vinci – Ausstellung in London, die sich nicht auf dessen Bilder, sondern auf seine Konstruktionen und Maschinen fokussierte – mit funktionierenden Nachbauten.  Der Alkohol fegte sämtliche ökonomische Vernunft hinweg und so saßen wir am nächsten Tag im Auto Richtung Düsseldorfer Flughafen.   Vorbereitet hatten wir:  Nichts, außer Flugbuchungen.  Eine nette junge Frau nahm den Autoschlüssel vor dem Eingang entgegen, händigte uns einen Coupon aus und wir konnten einchecken.  Ein Super-Service, heute studieren die jungen Frauen alle Politikwissenschaften oder Esoterik und sind sich zu fein für Dienstleistungen.  Zudem täte gerade heute ein bißchen Einparkpraxis macher Frau gut und wäre unterm Strich auch nützlicher als das alberne Politgeseiere.

Kontrollen ?  Zoll ?  Fehlanzeige !   Zwanzig Minuten vor Abflug waren wir am Schalter, keine fünf Minuten später saßen wir in einem funktionell eingericheten Raum mit gemütlichen Sesseln, wo Kaffee, Tee und kleine Appetithappen warteten.  FAZ, Zeit, Sueddeutsche (noch ohne Heribert Prantl) und Handelsblatt lagen aus, für die Damen auch noch „Gala“ und „Bunte“.  Und weil wir in einer Gesellschaft mit 25% Raucheranteil leben, konnte man sich auch eine würzige „Player’s Navy Cut“ aus Irland anstecken.  Mit 1,4 mg Nikotin und 21 mg Kondensat, selbstverständlich ohne Filter.  Nichts „kastriertes“ wie die heutigen EU-Schwuchtelfluppen.  Einfach nur ein starkes Geschmackserlebnis:

Überhaupt, wir hatte tolle Rauchwaren !  Da nenne ich kulturelle Vielfalt !   Für die ganz Harten gab es die „KARO“ aus der gottseidank noch bestehenden „DDR“, lecker waren die Gitanes aus Frankreich.  Liberté, toujours.   Und keine EU – regulierten „Erziehungsbilder“ drauf.  Auch die Bundesrepublik brauchte sich mit „Roth-Händle“ und „Reval“ nicht zu verstecken.  Unnötig zu sagen:  Wer wollte, konnte auch im Flugzeug rauchen.

Klar, seinerzeit mußten wir Geld wechseln.   NA UND ?  Müssen wir heute auch.  Da ist der Brite halt schrullig, es war klar, daß er sich nie von seinem Pfund und, weitaus schlimmer, von seinen verschrobenen Maßeinheiten trennen würde.   So abgrundtief albern und überflüssig die „ComEUcon“ (Danke, Roland) auch ist:  Ein vernünftiges, konsistentes Einheitensystem ist kein Luxus, sondern notwendig.   Vollkommen klar, daß die „EU“ hier auf ganzer Linie versagt hat.   Und mir tun die armen Limeys leid:  Bei uns kann man einfach herleiten:  1 Volt = 1 Kg x m² / (A x s³).   Nun haben die Briten mit uns eigentlich nur die Sekunde und das Coulomb gemein   (1A = 1 C/s)  .   Wenn sie jetzt ihre Inches und Pfunde in die Gleichung einsetzen, dann bekommen sie eine ganz andere Spannung für 1 V.   Die Umrechnungsorgien sind grauenhaft und fehleranfällig.   Bekomme ich ein engliches oder amerikanisches Datenblatt, dann rechne ich erst einmal den ganzen Horror um:

2,85 PSI „Pound Force per square Inch“ = 2,85 x 0,45359 kg x 9,80665 m/s² / (0,0254 m)²  —  gruselig. Und das war ein banales Beispiel.  Nehmen Sie Temperaturen dazu …

Andererseits:  Wenn die Briten das so wollen, dann wollen die das so.   Mit welcher unverschämten Großmäuligkeit gerade die „Grünen“, nachgerade in einer unerträglichen „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ – Manier, am Plebiszit der Briten herummeckern !

Am grünen Wesen soll die Welt genesen ...

Am grünen Wesen soll die Welt genesen ?

Was ist das für eine unerträgliche Borniertheit, etwas mehr als die Hälfte einer Nation zu ausgemachten Idioten zu deklarieren, weil diese die Nase von „Europa“ gestrichen voll hat !   „Kulturelle Vielfalt“ ja, aber nur dann, wenn sie in die kleinen grünen Spatzenhirne paßt.   Daß Großbritannien seit ein paar Jahrhunderten länger in einer funktionierenden Demokratie lebt, ganz im Gegensatz zu Deutschland, interessiert da nicht.   Es interessiert auch nicht, daß es einzig und allein den Briten zu verdanken ist, daß wir heute nicht in einer furchtbaren Diktatur leben müssen, die selbst Merkels und Junkers schräge Visionen vom vollverwalteten Eurobürger in den Schatten stellen würde.  Anstatt Dankbarkeit oder zumindest Anerkennung:   Tumbes Gelalle.

Zurück zum Trip nach England:   Völlig kontroll- und streßfrei haben wir ihn genossen, wir wurden freundschaftlich und mit Respekt behandelt, wir hatten eine schöne Zeit, der Linksverkehr war schwierig, aber die Bevölkerung ‚distinguished‘, technisch interessiert und mit einer Art Ironie gesegnet, die uns Deutschen wohl für immer verschlossen bleibt (wie oft ich allein das Wort ‚probably‘ gehört habe).  Die Ausstellung an sich zeichnete sich auch dadurch aus, daß sie nicht von hängemöpsigen Jungmuttis mit Kinderwagen im Schlepptau besucht wurde – natürlich bestückt mit mindestens einer kreischenden Leibesfrucht.  Neulich waren meine Frau und ich in einer Caspar David Friedrich – Ausstellung  — wir sind nach kurzer Zeit wieder gegangen, überall kreischte es.  In der britischen Ausstellung ging es auch nicht gerade leise zu, es waren viele junge Leute da, aber die nahmen Anteil an den Exponaten.  Das machte Spaß und Freude.

 

Im Ostblock

Prag ist wunderschön, es strahlt eine gewisse Würde aus.  Das gilt auch für die Bewohner.   Die Tschechen lassen sich nicht unterkriegen.   Das allein ist nichts besonderes, aber gleichzeitig sind die Tschechen offen für fremde Dinge, die ihre eigene Kultur bereichern.   Gut, Moslems gehören jetzt gerade nicht dazu, aber das kann ich gut verstehen.

VOR der „Europäisierung“ gab es einen großen Vorteil:   Der offizielle Umtauschsatz DM / Kronen war 1:5 , inoffiziell jedoch 1:20 .   Ein Glas erstklassig gezapftes köstliches Budweiser schlug mit umgerechnet 40 Pfennig zu Buche.  Man konnte sehr günstig in ausgezeichneten Hotels wohnen, auch nachts über den Wenzelsplatz laufen und die wunderschöne, nicht überlaufene Stadt genießen.   Die jungen Frauen dort studierten auch keine Kahanologie oder Diplom-Integrationsfachwirt*IN, sondern zum Beispiel Cello am Konservatorium.  Ach ja, man konnte sich ohne lange Vorbestellung einfach in ein Dvorák – Konzert setzen.  Denn Kultur ist alltäglich.  In Prag zumindest.   Im alten Prag.   Meine Empfehlung:   Op. 53.  Und es muß nicht immer „ASM“ sein.  Wunderschön interpretieren es Gabriela Demetrová und Libor Pešek .  Der „Amazon“ – Link bewirbt eine originale ’sozialistische‘ Supraphon – Aufnahme aus den 80ern, mit viel Glück konnte ich sie seinerzeit sowohl als Platte als auch später als CD erwerben.

Heute, im neuen Prag:

 

Ha, ha, ha, ist das lustig und feinsinnig.

Und genau so überlaufen ist es jetzt.  Überlaufen von genau den Doldis, die auf so einen Blödsinn voll abfahren — wie garantiert auch das Katha.

 

Bei uns zuhause ist doch auch Europa, oder ?

Ja, und ich fasse einmal kurz zusammen:

  • Die Mehrwertsteuer ist von 14 auf 19 % gestiegen.  Sie trifft einzig und allein den „kleinen Mann“, insbesondere den Rentner, dessen Bezüge selbstverständlich nicht analog erhöht wurden.  Ein wirklich offenes Europa hätte im Sinne des Verbots der Doppelbesteuerung und der Transparenz die Mehrwertsteuer längst gekippt.
  • Eine unsinnige EU-initiierte „Verordnung“ jagt die nächste.  Zeiterfassung für alle, Energiespar-Giftlampendekret, der europäische Duschkopf, die europäische Abschaffung des Fernmeldegeheimnisses …   Heinrich Himmler hätte seine helle Freude gehabt.
  • Das Renteneintrittsalter in der BRD ist das höchste.   Mit der Heraufsetzung hat der Gesetzgeber den Rentenanspruch des Einzelnen fast halbiert.
  • Die Rente an sich beträgt bei und etwa 50% vom Arbeitslohn (bereinigt um Zusatzkosten:  40%), in der EU durchschnittlich 60%.   Wir dürfen länger arbeiten und gleichen das mit geringeren Bezügen aus.  Dafür aber zahlen wir länger ein !
  • Wir haben in der EU mit die höchsten Abzüge für die Krankenversicherung, müssen aber am meisten privat zuzahlen:  Brille, Zahnersatz und Prothesen werden auf einmal zum Luxus.
  • Die Asylpolitik schadet allen, wirklich allen Beteiligten.  Und zwar nachhaltig, über Generationen hinweg.  „Multikulti ist gescheitert“, das propagierte schon Helmut Schmidt.  Merkels Migrationspolitik tötet.
  • Die Target2 – Salden „zugunsten“ der deutschen Bundesbank haben unterdessen einen astronomischen Stand erreicht.

  • Jedes private Unternehmen, jede Bank müßte den obigen Saldo als „Ramschpapiere“ abschreiben, bloß unsere Bundesregierung tut so, als würden die Italiener oder die Spanier in der nächsten Woche alles ausgleichen.   Die Wirklichkeit ist ernüchternd:  Deutschland ist wirtschaftlich im Arsch.  Der Michel weiß es nur noch nicht, hat zu lange auf „Mutti“ gehört und ihre schönen Schlafliedchen.  Kein Mitleid, er hat sich diese „Mutti“ selbst ausgesucht.
  • Überall in Deutschland wuchern Zensur, Überwachung und Repression.  Es ist ein Klima der Hetze und Denunziation entstanden, das fatal an die Zeit kurz vor 1933 erinnert.   Hochschulprofessoren werden wegen neutraler, harmloser privater Meinungsäußerungen an den ‚virtuellen‘ Pranger gestellt.  Ein Land, in dem ich nicht „gut und gern leben“ kann.  Frau Merkel und Frau Kahane schon.

 

Tja, und nun, heute, soll ich wählen gehen.

Und soll ich Ihnen etwas sagen:   „Normalerweise“, also unreflektiert, hätte ich heute entweder Sonneborns

gewählt.  Oder die Piraten.

Aber warum keine Alternative zur Protestwahl ?   Versuchen wir es doch einmal mit dem „Wahl-o-Mat“en …

Und wissen Sie ‚was ?

Ich drücke jetzt auf „Veröffentlichen“ und dann gehe ich los und wähle genau diese Arschlöcher.

Des Teufels Alternative …

Gruß, Ihr

-hb

 

Roland Dürre

Weltschmerz am Sonntag!

Heute ist Europa-Wahl. Wie ich finde, ein trauriger Tag, an dem sich geziemt über unser Versagen nach zu denken.

Katastrophal gespielt und doch noch gewonnen – passiert auch beim Schach nur selten. In der Realtität fast nie.

Es scheint die Krankheit unserer Zeit zu sein, dass wir alle permanent im Stress sind und so auch den Dingen, die uns wichtig sind, nicht die Zeit geben die wir diesen gerne geben würden.

Daran ist mein „Projekt FRIEDEN“ gescheitert und mit sanfter und aktiver Molbilität AKTMOBCMP komme ich auch nicht so recht weiter.

In meiner Wahrnehmung geht es mir und vielen meiner Freunde da noch besser als vielen anderen Menschen. Oft sind es nur „termintechnische“ Gründe, die uns hindern. Aber uns gelingt es oft schon ganz gut, unsere Prioritäten immer bewusster zu setzen.

Bei „meinen Projekten“ bin ich nicht mehr der Treiber, der ich vielleicht früher mal war. Ich nenne das Altersweisheit.

So verschwinde ich am 31. Mai für mehr als drei Wochen nach Russland und China. So wird es im Juni hier im IF-Blog nicht viel von mir zu hören geben.

Nach meiner Rückkunft werde ich Ende Juni / Anfang Juli versuchen, noch mal „voll Gas für AktMobCmp zu geben“. Ich würde gerne noch mehr Menschen für das Thema zu begeistern.

Wobei ich mir oft denke, dass das Projekt FRIEDEN wichtiger ist als die „aktive Mobilität im Alltag“. Wobei das Zweite eh ein Unterthema vom ersten ist. Denn sanfte Mobilität ist ja auch Teil von FRIEDEN, gleich ob wir an den Krieg auf den Straßen oder gegen die Natur denken. Und wenn es keine Autos mehr gibt, wird es darum gehen, die Radfahrer zu befrieden 🙂 (und dann die Fußgänger 🙂 🙂 ).

Ansonsten betrüben mich gerade heute die Ereignisse in der aktuellen Welt. Besonders weil sie die Folge des Versagens meiner Generation sind. In der Oberstufe im Gymnasium vor mehr als 50 Jahren war uns all das schon klar. Wir diskutierten damals genau das, von dem wir heute reden und in dem wir uns heute bestätigt sehen. Uns war klar, was die Folge sein würde. Trotz mancher netter Versuche sind wir wie selbstverständlich den menschlichen Tugenden (?) „Besitzstandwahrung“ und „reich werden ohne Mühe“ gefolgt. Und haben so die heutige Katastrophe herbeigeführt.

Gerade in Deutschland hätten wir alle Möglichkeiten gehabt, nach dem zweiten Weltkrieg eine bessere Welt zu schaffen. Damit meine ich ein soziales Konstrukt für eine nachhaltige Gesellschaft zu schaffen, ohne Rüstung und Militär und in gemeinser Verantwortung für das Leben. Aufbauend auf einer vernünftigen Grundbildung für alle.

Wahrscheinlich hätten wir eine Chance gehabt, in Mut und mit Freude ein wunderschönes Europa der Regionen zu bauen und die Nationalstaaten zu ersetzen.

Das Gegenteil haben wir gemacht. Gerade Deutschland hat Europa gefleddert und es so zerstört. Als Metapher fällt mir der Braunkohle-Bergbau ein. Der europäische Kapitalismus – angetrieben vom Euro – hat wie der Großbagger im Tagebau das Land vernichtet.

Das Internet war unsere zweite große Chance. Auch das machen wir gerade kaputt.

Verantwortlich für diesen Niedergang war natürlich auch unser gesellschaftliches und politisches System und wesentlich die Oligarchie unserer bürgerlichen Parteien. Diese kriegen  jetzt  zu recht ihr Fett abkriegen. Aber sogar deren fällige Abgang ist nicht sicher.

Faktisch waren wir es aber alle gemeinsam, die die Welt kaputt gemacht haben. Die Gier hat uns dazu gebracht, so sind wir gerne den Lügnern und Heuchlern gefolgt.

Perfekte Manipulation pro Auto:
Titelblätter Hobby  1957 – 1965 (das Magazin für deutsche Jung-Ingenieure).

Eine weitere Metapher für das, was in den letzten 50 Jahren völlig falsch gelaufen ist, ist das Auto, ist es doch ein Symbol für „vorwärts Kommen ohne Anstrengung“ und für eine völlig falsch verstandene Freiheit. Das Auto war für die meisten von uns das goldene Lamm, um das wir getanzt sind.

So haben wir eine „Kirche der Vernunft“ implementiert, die Konsumismus als Religion und Wachstum als handlungsleitendes Prinzip hat. Das hat alten Aberglauben durch Neuen ersetzt. Nur der Feudalismus ist geblieben. Und die Zerstörung der Welt wird mit einer Art von „Feudalismus für Alle“ betrieben und gerechtfertigt.

Langsam begreifen wir, dass wir jetzt die Quittung bekommen. Die einen ignorieren as, die anderen flüchten sich ins Land der Träume und begeistern sich für #newwork“, #agile und „demokratisches Unternehmen“. Gemeinsam schauen wir aber alle – gelähmt wie das Kaninchen vor der Schlange der mehrdimensionalen Zerstörung des Planeten tatenlos zu.

Nicht nur die rasante Zunahme des Kohlendioxid und die dadurch bewirkte Klimaveränderung zerstören ihn – obwohl das eigentlich schon hinreichend sein dürfte. Und wir wissen, was zu tun wäre, tun es aber nicht. Der Mut zur notwendigen „großen Transformation“ haben wir nicht

Aber ich möchte Euren Sonntag nicht mit meinen finsteren Gedanken verderben und wünsche Euch alles Liebe, Gute und Schöne! Viel Sonne, Mut und Freude! Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Danke für Eure Freundschaft!

RMD

Am 16. Mai 2019 war ich von der Regionalgruppe von GChACM und GI eingeladen zu einem Vortrag zum Thema „post-digital“ in München im Hotel Eden-Wolff, ganz nahe beim Hauptbahnhof. Es ging um die Frage, ob und wie das Ende der digitalen Welt möglich sein könnte.

Ich versuche bewusst keine „vertrieblichen Vorträge“ mehr zu halten, mit denen ich irgendjemand von irgendetwas überzeugen will. Deswegen nutze ich auch keine manipulativen und die Zuschauer wie den Referenten einengenden Folien mehr.

Als Vergleich für meine Vortragsart nehme ich gerne die Malerei: Früher war es die Kunst, möglichst gegenständlich zu malen und naturgetreu abzubilden. Dann kamen neue Ausdrucksformen, die sich Impressionismus oder Expressionismus nannten und die zur „abstrakten Kunst“ führten. So ähnlich ist es mit meinen Vorträgen. Ich versuche Farbtupfer dynamisch zu servieren, die inspirieren und zum Nachdenken anregen sollen. Allerdings wird das nicht immer von allen Zuhörern verstanden.

Die Frage: „Wem gehört das Internet“ ist so ein Farbtupfer. Weil für mich das Internet etwas ganz besonderes ist und war. Auch das Internet ist eine Infrastruktur, die man mit Anlagen der Eisenbahn oder den Straßen für den MIV (Motorisierte Indiviual-Verkehr) und LKWs vergleichen kann.

Heute müssen wir akzeptieren, dass es das Internet nicht mehr gibt, das wir gemocht und geschätzt haben. Und dass es jetzt erst richtig los geht, mit Steuerung und Einflussnahme aufs Netz. Die Gangster stehen Schlange, die das Internet „shanghaien“ wollen.

Den Vortrag haben wir – Florian Sesser und ich spontan zu zweit gehalten. Und haben uns gesagt: Hi – wir machen eine Chautauqua :-). Das Wort spricht man so aus.

Als Form der Lehrrede kombiniert die Chautauqua unterhaltende wie auch bildende Elemente in einer miteinander verschränkten Form, die auch die ästhetischen Ansprüche des Leserkreises abdecken und zur Teilnahme motivieren sollte.

Eröffnung:

Vorstellung – Ich sehe mich als auch als “digital evangelist”, so wie die “technologischen Evangelisten von Sun – dieses Jahr feiere ich offiziell “50 Jahre digitales Jubiläum” – und bin ein wenig stolz, dass ich mich als Pionier der 3. Generation bezeichnen darf.

Vorträge, die ich an selber Stelle gehalten habe:
Unternehmer-Sketche (vor um die 20 Jahre, mit Norbert Weinberger und Alois Wolferstetter) und

Ethik und Informatik (vor 11 Jahren)
Heute war genau das das Schwerpunkt-Thema im aktuellem Informatik-Spektrum (Mitglieder-Zeitung der Gesellschaft für Informatik). Das habe ich gelesen – ich hätte Lust zu dem dort Geschriebenen mal kritisch Stellung zu nehmen.

Ich war übrigens mal im Präsidium GChACM – gemeinsam mit Wolf-Rüdiger Gawron. Er lässt sich entschuldigen, weil er in Spanien urlaubt. Höhepunkt in meiner Amtszeit war für mich die lokale Jubiläumsveranstaltung zum 50-jährigen Jubiläum der großen ACM (1998) mit Besuch von Charles “Chuck” House in München, der hier von der großen Veranstaltung in USA berichtet hat (1998). Großer Dank dafür geht an den damaligen GChACM-Präsidenten Wolf-Rüdiger Gawron, der dieser Veranstaltung mit Unterstützung der BMW AG organisiert hat (Siemens wollte nicht) einen herausragenden Rahmen gegeben hat!

1997 in USA habe ich es nicht geschafft, bei diesem Jubiläumsfest des ACM dabei zu sein. Bei unserer Veranstaltung in München bei BMW habe ich das von Chuck signierte Buch mit allen Vorträgen von “beyond computing” geschenkt bekommen und konnte das Ereignis nachlesen.

Wie leben wir in 1975 – Hobby Titelblatt im November 1955

Das Buch „beyond computing“ wollte ich zum Vortrag mit bringen, aber leider habe ich es nicht mehr gefunden. Wichtig war, dass bei der Jubiläumsveranstaltung auch (mindestens) drei renommierte Science Fiction Autoren (neben vielen ganz Großen der SW-Entwicklung) dabei waren und über die Zukunft von IT und Software gesprochen haben.

Beim Übersetzen von “Beyond computing” ins Deutsche sollte man immer aufpassen! Habe ich doch gerade von Professor Oliver Kretzschmar (Uni Stuttgart) gelernt, dass “künstliche Intelligenz” in Deutschland anders verstanden wird als “artificial intelligence”, einfach weil “intelligence” im Englischen eine andere Bedeutung hat als “Intelligenz” im Deutschen. Und dies ein Grund für so manches Missverständnis wäre.

Folgende Bücher/Hefte zum Anschauen habe ich mitgebracht.

  • Lexikon der Datenverarbeitung von Siemens in der 7. (und letzten Ausgabe) von 1978. Die erste Ausgabe war übrigens von 1969! Die war so schnell weg, dass es im selben Jahr noch eine zweite und verbesserte gab.
  • 30 Hobby-Hefte von 1955 – 1967 (nach dem Prinzip des Zufalls ausgewählt).
    Absolut faszinierend, Technik, Ingenieursdenke und -wissen werden volkstümlich erklärt. Lauter tolle Hefte, zwei aus heutiger Sicht besonders erwähnenswert:

    • Ausgabe November 1955. Dort finden wir eine präzise Vorhersage, wie wir in 1975 leben werden.
    • Ausgabe August 1956: “Kommt ein Auto geflogen” … aus aktuellem (Was ist wohl der Anlass, dass ich da an Flugtaxis denken??? 😉
  • Und noch ein paar Science Fiction (Issac Asimov im Heyne-Verlag) wie z.B. „ich der Robot“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Ich,_der_Robot – veröffentlicht auf englisch in meinem Geburtsjahr!)

Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie in der Zukunft liegen (Karl Valentin).

Kommt ein Auto geflogen … Hobby August 1956

Bitte beachten, sogar in den tollen Hobby-Heften geht überwiegend um Autos. Das zeigt auch, wie wir auf den MIV (Mobilen Individual Verkehr) seit einem Jahrhundert geprägt worden sind. Digital kommt wenig vor – wenn dann Morse-Code und ähnliches. Irgendwo habe ich auch mal einen kurzen Beitrag über Verschlüsselung gefunden.

Was habe ich damals gelesen? Nach meinem Wechsel ins Gymnasium (1960) war Karl May out. Und Bravo fand ich auch nicht so aufregend. So wurden SF-Romane (nben Existenzialisten wie Alber Camus) zu meiner Lieblingslesestoff. Die Taschenbuch Edition von Heyne war damals herausragend.

Vielleicht habe mich die SF-Romane zur IT gebracht.  Und da hatte Asimov schon zwanzig Jahre vorher “Ich der Robot …” geschrieben, und in die Gesetze der Robotik beschrieben, die langsam “reality” werden könnte.

Florian Sesser – Junger Unternehmer, der für eine bessere Welt kämpft.

Und den Florian Sesser habe ich auch mitgebracht. Er hat mir das Buch geschenkt, in dem ich die Chautauqua entdeckt habe. Robert Pirsig – Zen and the art of Motorcycle Maintenance (Nachruf NPR)

Dann hat sich der Florian in seiner bescheidenen aber sehr frechen Art vorgestellt. Hier erzähle ich von ihm,

Florian Sesser, Jahrgang 1983, ist ein kreativer Kopf. Er liebt es, simple und elegante Lösungen für schwierige Probleme in der Informatik zu finden. Er programmiert seit seit er acht Jahre alt ist. 2014 war er einer der Gründer des Unternehmens accu:rate, das durch Computersimulation Großveranstaltungen und öffentliche Gebäude sicherer macht.

🙂 Wir wollen die Chautauqua gemeinsam jammen, ich bin (überwiegend) der Vocalist und der Florian spielt die Instrumente. Unsere Lernrede gliedern wir in zwei Blöcke mit je zirka 30 Minuten. Mit “biologischer Pause”. Weil es sonst zu anstrengend werden könnte.

BLOCK 1„Postdigital“

BLOCK 2 “Digital und Gesellschaft”

Wenn es anders läuft – z.B. aufgrund hoher Zuhörer-Beteiligung, dann ändern wir das. Wir können dann z.B. den zweiten Block heute streichen und falls Ihr das wünscht (und Wolfgang einverstanden ist) diesen ein anderes Mal auch hier fortsetzen.

Jetzt zum Inhalt des Vortrages. Ich erspare mir, das Gesagte hier auszuformulieren sondern kopiere die Struktur des Vortrages in Stichworten. Sozusagen als Stoffsammlung in 2 Blöcken. So könnt Ihr Eurer Phantasie freien Lauf lassen!

Gliederung BLOCK 1:

  1. Postdigital
    1. Begriff (Assoziation)
      1. Postfaktisch 🙂
      2. Zeitalter des unverantworteten Geschwätzes (R. Lay)
    2. Digitalisierung: buzzword, also auch „post digital“. Nachschlagen im Internet bringt Ergebnisse.
      1. Definition von “Digitalisierung” (geht für mich mit der Verschriftung von Sprache los). Heute meint man mit dem Begriff so etwas wie Automatisierung basierend auf Algorithmen. Ein buzzword.
      2. In Wikipedia (ziemlich neuer Artikel)
        https://de.wikipedia.org/wiki/Postdigital
      3. Accenture (Berater: Bullshit)
        https://www.accenture.com/us-en/blogs/blogs-paul-daugherty-digital-transformation
    3. Digital ist nicht reversibel? Irreversibel?
  2. Was könnte die “Digitalisierung” zerstören? Frage – Versuch, Antworten zu finden.
    1. Einstieg mit Wikipedia
      1. Wikipedia ist toll (open source, total ehrenamtlich unabhängig, keine Werbung …)
      2. Abfrage ans Auditorium: Wer nutzt, (be-) zahlt, schreibt, administriert …
    2. Infrastruktur des Wissens (2001 gegründet)
      1. Alterssituation und Gender ???
      2. Die Welt alter weißer Männer (Frauen sind die Ausnahme)
      3. Was wäre, wenn Wikipedia zerfällt?
        https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Wikipedistik/Soziologie
    3. Wikipedia ist das beste Beispiel, dass “Innovation kreative Zerstörung” ist.
    4. Wikipedia hat alle Lexika und Enzyklopädien zerstört.
      1. Wie geht es weiter mit der Infrastruktur des Wissens, wenn die Ehrenamtlichen nicht mehr wollen?
      2. Wer bekommt dann Wikipedia?
        (BRD, UNO oder Privatisierung …)
    5. Folgen für Verlage waren schlimm
      1. Verlust von profitablen Geschäftsmodellen und Unternehmen
      2. Im Gegensatz zum Internet vergessen Konzerne.
      3. Rache (Urheberrecht)
        (befreit, weil gemeinnützig).
      4. Wie man Gemeinnützigkeit NGOs entzieht, wird von Politik und Lobbies gerade geübt
  3. Weitere Beispiele von Gefährdung
    1. Überregulierung und Einflussnahme
      1. Facebook/Google-Beispiel “Impfgegner werden ausgegrenzt”
      2. Upload-Filter
      3. Kommerzielle Veränderung (Vorfahrt für zahlende Nachrichten)
    2. Moorsches Gesetz (1965)
      https://de.wikipedia.org/wiki/Mooresches_Gesetz  Es geht zu Ende! Die Zukunft braucht aber vielleicht weiter exponentielles Wachstum (KI, BIG Data, Blockchain …)

      1. IT hatte die Kraft des Quadratischen
        (Getreidekörner auf dem Schachbrett)
      2. Dreifaltigkeit der Informatik gelangt an Grenzen. Schluss mit exponentiellem Wachstum.
        1. Speicher  – Wir befinden uns im Nanobereich.
        2. Kommunikation – Auf Glasfaser senden wir mit Lichtgeschwindigkeit.
        3. Rechenwerk – Sind Quantenrechner wirklich die Lösung?
    3. Aus Ingenieuren werden Priester
      1. Asimov (Trantor-Trilogie)
      2. Manche Programmiere heute erinnern mich schon an so etwas. Ab und zu habe ich das Gefühle „denn sie wissen nicht, was sie tun“.
      3. Digitalismus – eine Religion. Schmunzeln oder Ernst nehmen?
        Way Of The Future Church ?
    4. Die Infrastruktur zerfällt! Dann könnte schnell Schluss sein mit “weltweiter” Kommunikation.

In diesem Zusammenhang mcht es Sinn, dumme Frage zu stellen. Hier zwei davon:

  1. Wem gehört das Internet – so ganz physisch?
  2. Wie funktioniert es eigentlich?

Ich habe die Fragen gestellt! Das Ergebnis war exemplarisch für die heutige Welt – Inkompetenz aller Orten. Sogar die digitalen Top-Berater der Regierung können solche eigentlich einfache Fragen nicht beantworten!

Bei anderen (alten) Infrastruktur ist das einfacher. Zum Beispiel Straßen-Infrastruktur: Da weiß man, bei jeder Straße wem sie gehört. Und ist in der Regel für die Straße auch verantwortlich.

  1. Gliederung BLOCK 2:
    1. Mit der Kulturzwiebel als Modell kann man Gesellschaft und Kultur beschreiben. Siehe auch http://if-blog.de/rd/die-kulturzwiebel-oder-auf-heldensuche/). Zur „Zwiebel“ gehören auch Produkte, Sprichworte und Witze, Aussehen, all das und viel mehr ist Teil von Kultur.
    2. Welche Rolle spielen die Menschen in sozialen Systemen?
    3. Wie sehen extremen Ränder von sozialen Systemen aus (Familie, Unternehmen, Staaten …)? Dazu definiere ich zwei Pole:
      1. HORG (Abkürzung von @Büronymus für hierarchische Systeme) versus AUTOnom 
      2. Hierarchie (Organigramm-Baum von oben nach unten) versus Netzwerk (vernetzte Teams, die zusammenarbeiten)
      3. Gruppen-basiert (Modell der Reichswehr – Siemens) versus Team-basiert (Micro-Organisation mit Selbstorganisation)
      4. Geheimhaltung versus Transparenz
      5. Bürokratie versus Subsidiarität
      6. Taylorismus (die detaillierte Vorgabe der Arbeitsmethode „one best way“, exakte Fixierung des Leistungsortes und des Leistungszeitpunktes, extrem detaillierte und zerlegte Arbeitsaufgaben, Einwegkommunikation mit festgelegten und engen Inhalten, detaillierte Zielvorgaben für den Einzelnen mit nicht erkennbarem Zusammenhang zum Unternehmensziel sowie Qualitäts-Kontrolle) versus Involviertheit (als Summe von Einbezogensein, Eingebundensein, Aufgabenintegration …).
      7. Prozesse (Henry Ford – Die Kaste der Ingenieure als Vorläufer der Kaste des Management) versus Selbstorganisation
        und erweitert:
      8. Feudalismus versus Selbstbestimmung
      9. Fremdgehörigkeit (Sklaverei) versus Eigengehörigkeit.
        Vielleicht gehören auch dazu
      10. Ratio versus Gefühl
        und
      11. Gewalt versus Gewaltlosigkeit
  1. Bewertung
    1. Das ist Teil des “Betriebssystems”, welches soziale Systeme organisiert.
    2. Rein BLAUE oder ROTE Unternehmen gibt es nicht. Ich weiß auch nicht, was “besser” ist und vermute mal, die Mischung machts. Für mich selber sympathisiere ich aber mit BLAU.
      1. Mafia und Kriegswirtschaft des 3. Reichs im 2. Weltkrieg waren BLAU
      2. Buurtzorg ist ein, vielleicht das Beispiel für ROT.
        (https://www.buurtzorg.com/)
      3. Sklaverei und Leibeigenschaft wurde nur abgeschafft weil unwirtschaftlich und nicht effizient.
      4. Durchsetzen wird sich das effizientere System.
    3. Digitalisierung kann BLAU und ROT unterstützen (Prozesse wie Wissensaustausch / gewaltfreie und offene Kommunikation)
      1. Beispiele BLAU:
        1. Zwangsjacke MS/SAP bei Unternehmen oder
        2. DB: Implementierung des Fahrpreis-Systems (unsinnig aber kaum änderbar)
      2. Beispiele ROT:
        1. Anwendungen zum Wissen teilen.
        2. „Open Source“ …
  2. Die “Agilen” nutzen VUCA (Akronym für die englischen Begriffe volatilityVolatilität, uncertainty – Unbeständigkeit/Unsicherheit complexityKomplexität und ambiguityMehrdeutigkeit) als Begründung für die Notwendigkeit von ROT, weil BLAU nach ihrer Annahme den Anforderungen der Komplexität der heutigen Welt nicht genügen kann. Weil wir neue Qualitäten generieren müssen:
    1. Resilienz
    2. Antifragilität
    3. Meine Meinung ist, dass Schwarz-Weiß-Denken immer unteroptimal ist und die Zukunft auch hier hybrid sein wird.
    4. Meine Sorge: Vielleicht kann man die Probleme der Menschheit nur mit BLAU lösen?
  3. Jetzt treffen wir für ein Gedankenexperiment folgende Annahme:
    Die sozialen Systeme werden von digitaler Organisation beherrscht. Was passiert, wenn künstliche Intelligenz dazu kommt?

    1. Was ist künstliche Intelligenz? Vorschläge:
      1. Selbstlernendes System.
      2. KI ist “die Welt jenseits von Algorithmen“?
      3. Betrachten wir dazu Spiele wie Schach und Go!?
      4. Besteht KI aus banalen Anwendungen wie ALEXA? Eher nicht.
      5. Die schon erwähnten Spitzen-Berater der Politik glaubten zum Teil, dass der englisch sprechende chinesische Nachrichtensprecher-Roboter, ein androides System ist!?

Sehenswertes zu KI (AI)!

Und denkt mal an TAY, der Microsoft soviel Ärger gemacht hat (und den die digitalen Top-Berater oft auch nicht kennen!):

    1. Tay als ein Beispiel für KI-Experimente: https://de.wikipedia.org/wiki/Tay_(Bot)
      1. Was bedeutet das, wenn Künstliche Intelligenz in digitalen sozialen Systemen mitspielt?
      2. Hat Microsoft bei KI schon aufgegeben (Nebenfrage)?
        1. Einstellung Cortana
        2. Wie will Bayern oder Deutschland im Thema KI stark werden, wenn das sogar Microsoft sich nicht mehr zutraut?
        3. Wir schwätzen von Bayern FIRST.
        4. Meine Erfahrung aus Vorträgen bestärkt mich da nicht:
          Ich kenn Leute, die am laut über KI reden (und Leute beraten, die in der Poltik dauernd darüber reden), kannten TAY und den Chinesischen Nachrichtensprecher ROBOT nicht.
        5. China kommt ins Spiel. (Spätestens) seit selbstlernende Systeme die chinesischen GO-Meister vernichtend geschlagen haben, kam der chinesische Aufbruch in die KI. Mit großer Macht und unvorstellbaren Summen an Geld und Forschern.
    1. Was bedeutet die Einbindung von KI in dominierende digitale Steuerungssysteme ethisch (Tay hat gezeigt, dass das übel enden kann)?
      1. Literatur-Hinweis dem Publikum (Prof Bayer): Leben 3.0 – Menschsein im Zeitalter Künstlicher Intelligenz
      2. Asimov (Gesetze der Robotik 1950)
      3. Deutsche Ethik-Konferenz zu künstlicher Intelligenz (Dobrindt 2018), eine Wahlkampf-Aktion, die dokumentieren sollte, wie  vorausschauend und verantwortungsbewusst die Bundesregierung für ihre Bürger in die Zukunft vordenkt denkt.
        Aber

        1. Beschränkung auf autonomes Fahren
          (das Auto steht im Mittelpunkt)
        2. Gedankenexperimente in der Ethik werden zur Spieltheorie. Diese ist seit 1945 als Hilfswissenschaft der Ethik. Am besten wird das bei #filosofix https://www.youtube.com/watch?v=MhOJp1DcabM vom SRF erklärt.
          (Auch hier gibt es Ärger mit Urheberrecht: Auf der Ursprungsseite vom SRF – Schweizer Rundfunk waren Videos für Deutschland gesperrt, die ich dann in Youtube trotzdem sehen konnte. Ärgerlich, so wie das GEZ-Problem (ich kann viele Inhalte im Stream von ARD und CO außerhalb Deutschland auch in Europa nicht sehen, aber schon wenn ich über einen Proxy gehe. Was für ein ärgerlicher Quatsch).
        3. Ethisches #filosofix-Zeug führt nach meiner Meinung zu nichts. Da kann man prächtig rumschwafeln, aber es kommt halt nichts raus. Für mich ist das geistige Onanie.
        4. So war das Niveau auf der Ethik-Konferenz vom Herrn Dobrindt. Es ging nicht um KI allgemein sondern nur um selbstfahrende Autos in Konflikt-Situationen. Anstelle eine Ethik-Architektur in Systemen der KI/AI zu fordern oder überlegen ging es um viele Fallbeispiele wie z. B das 2-Radfahrer-Problem:
          1 Radfahrer mit Helm, 1 Radfahrer ohne Helm. Einer von beiden muss der Situation folgend vom selbstfahrenden Auto überfahren werden. Welchen nimmt das autonome Auto?
          Die Lösung war, dass das Auto den mit Helm nimmt, weil der mehr Überlebenschancen hat. Nette Idee, bringt aber nichts.
        1. Zum Abschluß unserer chautauqua betrachten wir die von Vergabe “social credits in China”.
          1.  Siehe dazu Gerechtigkeitsthorien oder Ausgleichende Gerechtigkeit. Zumindest die Chinesen glauben daran, so Gerechtigkeit generieren zu können. Gutes soziales Verhalten wird belohnt, falsches bestraft. Wie es eine angemessene Gerechtigkeit ein fordert. Das geht nur mit totaler digitaler Überwachung.
          2. Mobilität
            Überqueren der roten Ampel gibt Minuspunkte auch für Fußgänger, Schwarzfahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln und falsches Parken … ebenso
          3. Aussagen in Multimedia
          4. Regelverstöße aller Art und Meinungsverstöße
          5. …?
        2. Ist das möglich? JA!
          1. Notwendige Voraussetzung:
            Das geht nur mit IT (social media, Video-Überwachung, big data), die eine totale Transparenz der Bürger schafft und so ermöglicht, das soziale Verhalten jedes einzelnen zu messen und “gerecht” rückzumelden.
          2. Nur: Wer bestimmt, was gerecht ist? Wer programmiert oder “customized” das System? Wer gibt die Regeln vor. Wie entsteht der Konsens dazu?
          3. Meine Sorge: China kommt zu uns.
            Die IT-Produkte kommen aus China. Sie werden das Denken beeinflußen. Der Trend, dass in BRD und EU Freiheit eingeschränkt und Überwachung eingeführt wird, ist bei uns auch schon angekommen.
          4. So haben wir noch eine Variante, wie wir das post-digitalen Zeitalter kommen könnte:
            Die Menschen stümen und vernichten alles, was digital ist. Um sich zu befreien. Ein „digitaler Bildersturm“ fegt alles digitale weg!
          5. Ergänzender Gedanke zu KI/AI:
            Aktuell sind die Sensoren das technologische Thema.

            1. Beispiel aus China: Baby-Überwachung (kleine Box am Kinderwagen meldet, wenn und wie voll die Windel ist).
            2. Beim Angeln gibt uns der „Beißalarm“ Bescheid, wenn ein Fisch angebissen hat und informiert uns über die Eigenschaften des Fangs.
            3. Autonomes Fahren
              Viel diskutiert. Haben wir keine anderen Probleme?
            4. „digitale Fabrik“
              Immer mehr, vielfältiger und billiger produzieren …

Florian mal ganz anders.

Eine neue Definition von KI könnte sein, dass es bei KI nicht mehr um Mensch-Maschine-  sondern um Welt-Maschine-Kommunikation gehen.

Mein Leben als Informatiker war ein Arbeiten wesentlich an der Mensch-Maschine-Schnittstelle (Benutzer- oder Bediener-Oberflächen).

Heute wird an der Welt-Maschine-Schnittstelle gearbeitet.

Das könnte vielleicht auch eine vernünftige Definition für KI sein;

“KI ist, wenn die Software oder das System direkt mit der Welt zusammenarbeiten”.

Und nicht mehr mit dem Menschen.

Oder:

„KI ist, wenn das System nicht mehr determiniert arbeitet (wie neuronale Netze das heute schon tun?)?“

Und wir nicht mehr wissen, was es tun wird.

Zwei WARNUNGEN:

Perfekte Manipulation pro Auto:
Hobby 1957 – 1965

» Jene, die grundlegende Freiheit aufgeben würden, um eine geringe vorübergehende Sicherheit zu erwerben, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit. «

» Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. «

Benjamin Franklin (1706-1790)

» Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs und nicht eine Schmälerung des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit. «

Bertrand Russell

Das war es dann.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 17. Mai 2019

Owehoweh Huawei!?

Die Amerikaner machen mal wieder großen Druck! Und wollen alle Länder abstrafen, die Ihre Kommunikationsnetze auf Technologie von Huawei aufbauen.

Es geht vordergründig um die backdoors, die das chinesische Unternehmen Huawei in seine Technologien eingebaut haben soll. Um die Welt auszuspionieren. Eine Vermutung, die nahe liegt, aber noch nicht bewiesen wurde.

Huawei hat zurzeit 180.000 Mitarbeiter und ist im Besitz der Mitarbeiter. Das hat mich bei einem chinesischen Weltkonzern überrascht.

Huawei bietet eine Vielzahl von Produkten im Endgeräte-Bereich an, aber auch industrielle Produkte im Bereich der 5G-Netz-Technologien. Diese sind wichtig für den Ausbau unserer mobilen Kommunikation. Mehrere „deutsche “ Telekommunikation-Anbieter sind wohl schon Kunde von Huawei.

Das genau stört die USA. Jetzt droht die USA ihren „Verbündeten“, dass sie beim Einsatz der Technologien von Huawei mit Sanktionen zu rechnen haben.

Wer aber sind die Konkurrenten für Huawei, bei denen wir die für uns wichtige Technologie 5G kaufen können? Ich bin da nicht mehr so informiert wie früher, da mich Technik nicht mehr so interessiert.

In „Europa“ könnten es Unternehmen wie Ericsson und Nokia sein. Ob man die technologisch noch ernst nehmen kann, weiß ich nicht. Im befreundeten Korea gibt es noch Samsung.

Wahrscheinlich ist aber neben weiteren chinesischen Unternehmen Cisco der wichtigste Konkurrent von Huawei?. Cisco Systems ist ein Unternehmen, dessen Software und Geräte schon seit Jahrzehnten wegen vieler „backdoors“ in der Kritik stehen. Hihihi. Aber das sind ja amerikanische und somit gute „backdoors“.

Wer sich übrigens über „backdoors“ informieren will, der findet im Blog vom FEFE Infos und Anker zu einschlägigen Artikeln zum Thema. Oder einfach mal „googlen“.

Die Welt hat sich verändert. Früher war Siemens der globale Marktführer im Bereich „Kommunikation“. Jetzt schreiben unsere „amerikanischen Freunde“ uns vor, welche Technik wir nutzen sollen. Die Technologie beherrschen wir in Deutschland nicht mehr.

Siemens hatte bestimmt auch „backdoors“ in seiner Software. Weil man diese einfach zu Wartungszwecken braucht. So richtig als Daten-Lieferant für Geheimdienste kann ich mir aber das damalige Siemens nicht vorstellen.

Vielleicht hat Siemens auch deshalb den Markt komplett verloren, weil sie niemandem beim ausspionieren geholfen haben? Und es war gar nicht die „Unfähigkeit des Managements“? Wer kann das schon wissen?

Überwacht werden wir sowieso. Die Frage ist nur wie und von wem.

Brave new world. 

RMD

P.S.
Diesen Artikel habe ich schon vor ein paar Tagen geschrieben und heute aus aktuellem Anlass veröffentlicht.

Roland Dürre
Donnerstag, der 16. Mai 2019

Angst vor der Seidenstraße?

Es geht ein Jammern durch Europa:
Hilfe, die Chinesen kommen!

Und gerade unsere bürgerlichen Parteien stimmen laut ein in den Chor der Warner!

Das Netz der antiken Seidenstraße und daran angeschlossene Handelsrouten (Bild aus Wikipedia).

Was ist der Grund? Die Chinesen investieren weltweit in Infrastruktur. Sie kaufen und erneuern weltweit Infrastruktur für Transport und Logistik. Eigentlich alles, was dem globalen Handel nutzt.

Was ist das so schlimm daran?

Eigentlich ist Europa – und da mit großem Abstand Deutschland – der große Gewinner des globalen Handels. Und was unterstützt Handel besser als stabile und sichere Transportwege?

Die neue „Seidenstraße“ ist doch keine Einbahnstraße!

Und ich kenne keinen Kapitän, der sein Frachtschiff gerne leer nach Hause fährt. Auch die Reedereiern mögen das nicht. Eigentlich müssten wir Deutsche jubeln, dass die Chinesen die Voraussetzungen schaffen, dass wir weiter Waren exportieren können. Auch weil der ehemalige Weltpolizist USA immer unberechenbarer wird.

Ich vermute, dass wir Angst haben, bald nicht mehr konkurrenzfähig zu sein. Und ich fürchte, das zurecht. Weil wir die falschen Produkte haben und technologisch im Schnitt immer mehr zurückfallen. Weil wir satt sind, Veränderung nicht verstehen und wenn dann sowieso ablehnen. Und weiter alles daran setzen, uns im Kleinen wie im Großen zu Tode zu regulieren.

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 15. Mai 2019

Die wahren Probleme unserer Welt?!

Zwischen Ruinen. In Südgeorgien.

Ich lese oft, dass wir agil und digital werden müssen, weil alles so „vuca“ wäre. Aber ist das nicht ein Luxus-Problem?

Es gibt doch auch ernsthafte Sorgen. Als Folge von Entwicklungen, die vielleicht sogar das Leben an sich bedrohen.

Zurzeit steht die Klimakatastrophe im Zentrum unserer „medialen“ Sorge. Es geht darum, dass die Erwärmung des Planeten verursacht und beschleunigt wird durch die maßlose und immer noch steigende Freisetzung von Kohlendioxyd durch den Menschen und seiner Maschinen.

In einem Dialog mit einem wissenden Menschen ist mir bewußt geworden, dass es noch viel mehr kritische Punkte gibt als nur die von der Verbrennung der fossilen Rohstoffe verursachte Veränderung des Weltklimas.

Ich meine, dass die Ursachen für die vorhersehbaren Probleme geistig und materiell sind. So liste ich mal auf, welche Geisteshaltung dahintersteckt und welche Auswirkungen diese auf unseren Planeten hat. Und nehme immer kurz ganz persönlich Stellung, wie ich da mein eigenes Verhalten einordne.


Als „systemische“ Ursachen für die Misere habe ich zwei (Haupt-)Gründe gefunden.

  • Konsumismus und Kapitalismus
    Die menschliche Gier, unsere Freude an Bequemlichkeit und unsere Jagd nach besonderen Erlebnissen scheint mir eine wesentliche Ursache für die betrübliche Entwicklung unseres Planeten zu sein.
    Wenn ich mein eigenes Leben hier einordne, dann habe ich ein Problem. Ich habe über Jahrzehnte Konsumismus praktiziert und bin auch heute noch dabei. Viele Jahre habe ich viel zu viel Zeug gekauft. Vom kapitalistischen System habe ich profitiert, mein Leben hat es gut mit mir gemeint. Ich kann mich nicht beschweren, außer dass die Welt jetzt ziemlich kaputt ist.

 

  • Fixierung auf Wachstum
    Die Wachstumsprediger habe ich schon in der Schule nicht verstanden. Da war ich schon immer der skeptische Aussenseiter. Das Wachstumsdenken ist nach meiner Meinung absolut kurzsichtig und dumm, besonders im globalen Maßstab. Die Annahme, Wachstum könne unsere Probleme lösen, ist Ursache der Selbstzerstörung der Menschheit.

 

Jetzt zu den konkreten Folgen und physischen Ausprägungen:

  • Rüstungsindustrie und Krieg
    Diese Kombination erscheint mir als das größte aller Übel, die unsere Welt schädigen. Ich meine, wir zerstören uns hier selber maximal und das immer noch mit steigender Tendenz. Bei uns in Deutschland zerstört die Bundeswehr unsere Umwelt sogar im Frieden.
    Warum kapieren die Menschen nicht, dass Rüstung und Kriege nicht nur grausam und unsinnig, sondern auch schlichtweg dumm sind?
    Ich selber bin überzeugt, dass eine Zivilisation sich als solche nur bezeichnen darf, wenn der individuelle wie kollektive Verzicht auf Gewalt zum selbstverständlichen handlungsleitenden Wert geworden ist und meine, dass diese Utopie zu erreichen ist. Und gehe sogar davon aus, dass die Menschheit mehrheitlich dies will und dies so auch möglich ist.
    Um Kriege zu vermeiden, muss man die Rüstungsindustrie abschaffen. Denn die Analyse der Kriege zeigt, dass Kriege immer gemacht worden sind. Mir scheint da oft eine unheilvolle Allianz von Geheimdiensten und Rüstungsindustrie zu existieren. Die Rüstungsindustrie braucht den Krieg, die Geheimdienste implementieren ihn.
    So bin ich betroffen, dass Bayern den mit Abstand größten Anteil an den deutschen Rüstungsexporten hat.
    Ich selber bin hier ethisch gescheitert. Schon bei der Gründung der InterFace Connection und später gemeinsam mit unseren Mitarbeitern haben wir beschlossen, dass unser Unternehmen keine Aufträge für die Rüstungsindustrie annimmt. Wie sich dann unser Unternehmen – vom Markt erzwungen – vom Produkthersteller zum Dienstleister transformieren musste, wurde das durch einen Auftrag von einem Panzer herstellenden Unternehmen wesentlich erleichtert. Der schöne Vorsatz wurde dann der wirtschaftlichen Realität geopfert. Obwohl es wahrscheinlich nicht notwendig gewesen wäre.
    So meine ich, dass ohne Auflösung der Rüstungsindustrie und dem Einstellen aller Kriege die Rettung des Planeten nicht möglich sein wird. Prio EINS ist also die Einführung eines globalen Friedens.

 

  • Vermüllung des Planeten
    Ich weiß nicht, was dem Planeten mehr schadet. Ist es der von uns geschaffene radioaktive Müll, das in die ganze Welt verteilte Plastik oder die allgemeine Verteilung der Elemente des Perioden-Systems in die Umwelt?
    Mein Beitrag zu diesem Problem ist da. Schon seit Jahren kaufe und esse ich mehrheitlich keine Nahrungsmittel mehr, die wie z.B. Joghurts und sonstige Milchprodukte in einem Plastikbecher oder Tetrapak verpackt sind. Auch Flüssigkeiten (gleich ob Bier, Wasser oder Dosenmilch) oder Nahrungsmittel aus Pet-Flaschen oder Dosen meide ich, wie der Teufel das Weihwasser. Manche meine Mitmenschen schmunzeln da über meine Eigenheit.
    Nach meiner Erfahrung kann man auf die meisten Plastikverpackungen und Dosen wirklich gut verzichten. Darüber hinaus sehe ich immer noch beliebig viel Verschwendung. Ich esse immer gerne Essiggurken, und jedes Mal empfinde ich die Vernichtung des wunderschönen Glases mit Deckel als unsinnig. Auch wenn das Glas recycelt wird. In meiner Kindheit war das Einweck-Glas eine wertvolle Ressource. Und die Mutter hat jedes Jahr Essig-Gurken eingemacht.

 

  • Jetzt kommt das Kohlendioxyd-Thema
    Dass es eine Korrelation von Erwärmung der Atmosphäre und der Höhe des Kohlendioxydanteils gibt, ist mittlerweile akzeptiert. Ein paar bezweifeln noch, dass die Kausalität beim Menschen liegt, der das Kohlendioxyd freigelegt wird.
    Mein Beitrag ist immer noch unteroptimal. Am positivsten ist, dass ich auf das Auto zumindest in der Form verzichte, dass ich schon seit Jahren keine Autofahrt mehr gemacht habe, bei der ich alleine im Auto oder im Taxi war. Das hat mir gezeigt, dass man zumindest als Einzelreisender auf das Auto absolut verzichten kann. So bin ich individuell nur noch mit dem Fahrrad und dem ÖPNV unterwegs. Und fühle mich damit überhaupt nicht im Nachteil, im Gegenteil es tut mir gut. Auch Einkaufen geht mir dem Fahrrad sehr gut. Mein Allgemeinbefinden hat sich durch das Streichen des Autos für mich als Mobilitäts-Werkzeug psychisch wie physisch deutlich verbessert.
    Andere Sorgen begleiten mich noch. Zum Beispiel das Fliegen. Die letzten Jahre habe ich immer mehrere Langstreckenflüge gehabt. Immer zu einzigartigen Zielen, die mir unheimlich viel gegeben haben.  Hier fällt mir der Verzicht – im Gegensatz zum Auto – sehr schwer.  so weit wie möglich zu reduzieren.

 

  • Ende der Artenvielfalt
    Das Ende der Artenvielfalt bedeutet für mich so etwas wie der Beginn des Endes des Leben. Warum sollte der Mensch als einziger überleben, wenn die Biologie in ihrer Vielfalt nicht mehr funktionieren kann. Das klingt doch sehr unlogisch.
    Meine Beiträge halten sich im Rahmen der Möglichkeit eines Bewohner eines Häuschens mit einem kleinen Garten. Kein Gift für den perfekten Rasen und die richtigen Pflanzen fürs Leben.

 

  • Ernährung
    Heute ist für viele Menschen eine Mahlzeit ohne Fleisch gar nicht mehr denkbar. Deutschland ist zu einem der größten Fleischexporteure der Welt geworden.
    Ich meine, das macht doch keinen Sinn. Tierfabriken produzieren auf unappetitliche und grausame Art und Weise als industrielles Massengut. Mit Kalorien aus der ganzen Welt.
    Wie ich jung war, gab es in der Familie in den fünfziger Jahren nur am Sonntag den danach benannten Braten. Werktags waren in der Regel fleischlose Mahlzeiten angesagt. Dann kam in kleinen Schritten der Wohlstand. Am Dienstag Abend wurden die „Wiener Würstchen“ und am Freitag ein geräucherter Hering zum festen Bestandteil des Speiseplans. Das war noch etwas besonderes. Und dann ging der Wahnsinn los …

 

  • Bodenverbrauch
    Ganz gleich ob es für Verkehr, Wohnen, Fabriken oder Energie ist, wir vernichten täglich Boden ohne Ende. Manche von uns haben zwei Wohnungen, die meisten dann noch einen Arbeitsraum dazu. Die Wohnungen werden laufend größer. Eine Einzelperson braucht mindestens ein Zweizimmer-, ein Paar eine Vierzimmerwohnung. Senioren bewohnen alleine das Haus zu Ende zu Ende. Der Wohnraumbedarf wird pro Kopf jedes Jahr größer.
    Ich bin froh, dass uns gelungen ist, unser schönes großes Haus nach dem Auszug der meisten Kinder aufzugeben und in ein kleineres umzuziehen.

 

  • Regulierung der Flüsse
    Gerade habe ich wieder eine Studie gelesen, wie verheerend die Folge der Regulierung der Flüsse auf unsere Welt sind. Allein das war schon eine sehr nachdenklich machende Geschichte.
    Ich bin öfters am Main entlang geradelt. Auch an den schiffbaren Teil. Und wundere mich immer, wenn ich in Sommerhausen auf der Terrasse der „Gaststätte Anker“ sitze, dass ich so selten ein Schiff sehe. Das dann meistens ein Fluß-Kreuzfahrer ist. Dabei sollte hier der ganze Verkehr vorbeiziehen, für den der Rhein-Main-Donau-Kanal als die wichtigste Schiff-Fahrtstraße gebaut und die Donau ausgebaut wurde. Ähnliches denke ich mir, wenn ich an das neue Schiffshebewerk Niederfinow für den Verkehr auf Neiße und Oder denke.
    Hier kann ich wahrscheinlich nicht mehr dazu beitragen, als gegen den immer wieder versuchten weiteren Ausbau der Donau zu sein.

 

  • Wasser
    Wasser ist Basis von Leben. Trotzdem vernichten und beschädigen wir in großem Stil unser Trinkwasser in großem Stil.
    Ich bemühe mich, Wasser zu sparen. Das hat mir schon mein Großvater beigebracht. So versuche ich, der Verschwendung entgegen zu wirken. Wenn ich Schwimmen gehe, dann dusche ich halt nicht zu Hause. Wie ich meine, dass einmal am Tage gründlich waschen genügt. Wir haben drei vom Dach gespeiste große Wasserbehälter und nutzen diese, um den Garten zu gießen. Leider habe ich es noch nicht geschafft, die Toilettenspülung weg von Trinkwasser auf Brauchwasser umzustellen.

Die konkreten Bedrohungen sind vielfältig.

Das Thema mit dem Kohlendioxid steht bei mir nur an 3. Stelle. Eigentlich ist das egal, weil alles zusammengehört und ohne eine Veränderung unseres „mind sets“ (vielleicht zu übersetzen mit „Handlungs-Mentalität“) im Sinne von Abwendung von Konsumismus, Kapitalismus und Wachstumsglaube wird keine erfolgreiche Wende möglich sein. Allein die „geistige Veränderung“ dürfte eine kaum zu bewältigende Herkules-Aufgabe sein.

Alle konkreten Bedrohungen (Rüstung, Vermüllung, Kohlendioxid, Artenvielfalt, Ernährung, Bodenverbrauch, Regulierung der Flüsse, Wasser …) hängen zusammen. Wahrscheinlich gibt es noch mehr. Wir müssen alle angehen und dürfen uns nicht nur auf ein Thema wie Kohlendioxid kaprizieren. Eine Umstellung unseres Lebensstiles wird Teil der Transformation sein müssen. Es geht um das gesamtheitliche Umdenken und Verändern unseres Lebens. Die Frage könnte sein: Lohnt das sich noch – oder sollen wir lieber noch ein wenig auf dem Vulkan tanzen?

Mein Verstand sagt mir, dass es für die Rettung schon zu spät ist.

Im Anthropozän wurden Entwicklungen eingeleitet, die sich verselbstständigt haben und Folgeentwicklungen bewirken werden, die die ganz große Katastrophe erst noch auslösen und den Untergang wahrscheinlich beschleunigen werden.

Mein Gefühl sagt mir, dass Resignation der falsche Weg ist.

Deswegen darf es auch kein „WEITER SO“ geben und wir sollten „eine große Transformation“ zumindest probieren. Soll diese Transformation gelingen sollen, wird sie ALLES verändern müssen. Dies wird nur global funktionieren und muss extrem lokal beginnen.

Und ich meine, wir sollten es gemeinsam probieren! Und wundere mich, dass Politik, Wirtschaft und viele gesellschaftlich relevante Institutionen gar nichts dazu beitragen.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 13. Mai 2019

Wikipedia und das Urheberrecht.

Das Logo der Enzyklopädie

„Prognosen sind schwierig! Besonders wenn sie in der Zukunft liegen“.
Das hat schon unser Münchner Held Karl Valentin gewußt.

Deswegen überlege ich mir mal eine Variante, die aus der Vergangenheit in die Zukunft geht. Also keine Prognose sondern eine nüchterne Extrapolation.

Sehen wir in die Vergangenheit und schauen wir uns die Geschichte der Medien an. Dieser Wirtschaftszweig hat frühzeitig erkannt, dass geistiges Eigentum (wie es das Urheberrecht schafft) viel leichter zu skalieren ist als das mit materiellen Produkte oder gar Dienstleistungen möglich ist. So hat dieses Gewerbe spätestens seit es den Buchdruck gibt, besonders erfolgreich gewirtschaftet.

Der Handel mit geistigem Eigentum ermöglich hohe Margen.

Die Medienfürsten wußten, dass man mit Wissen und Informationen ein gutes Geschäft machen kann, wenn das hergestellte und gehandelte immaterielle Gut dem Eigentums-Begriff unterliegt. So haben sie ganz früh Gesetze kreiert und durchgesetzt, dass man Autoren und sonstigen Herstellern von geistigem Eigentum dieses abkaufen und dann mit diesen viel Geld verdienen kann.

Urheberrecht ist die „Lizenz zum Geld drucken“.

Und sie haben dafür gesorgt, dass die Fristen auf geistiges Eigentum immer rechtzeitig verlängert wurden. So sind werden dieses Gesetze in den USA die „Mickey-Mouse-Gesetze“ genannt, weil es Walt Disney mehrfach gelang, rechtzeitg vor Auslauf eines Schutzrechtes für die Mickey Mouse eine Verlängerung der Urheberrechtszeit zu bewirken.

Wie ist das mit Wissen und Informationen?

Mit der Begründung, dass das Erschaffen von Wissen mit Aufwand verbunden ist, wurde Wissen als „eigentumsfähig“ deklariert. Daher wird dem Urheber das geistige Eigentum zugesprochen, damit dieser daraus einen materiellen Nutzen ziehen kann. Auch ich meine, dass auch Wissensarbeiter fair entlohnt werden sollen. Das heißt aber nicht, dass von „Wissensarbeiter“ geschaffenen Dinge konkretes Eigentum wären und ihnen gehören. Dann müssten man ja die von „Wissenseigentümern“ reden.  Wissen ist aber kein Gut, dass gehandelt werden sollte.

„Wissen ist das einzige Gut, dass sich durch Teilen vermehrt“.

Also sollt es man doch teilen! Wenn Wissen aber zum Eigentum wird und jemanden gehört, dann wird es künstlich verknappt. Dies zum Vorteil einiger weniger und zum Schaden vieler.

So bin ich gegen die Erweiterung des Eigentumsrecht an Dingen um Eigentum von  Wissen, Informationen, Rechten, natürliches Strukuren, Gesetzen, Regeln und ähnlichem. Übrigens auch an Daten, was ja auch immer mehr in Mode kommt.

Nach dem Motto: Meine Daten gehören mir!

Zeitungen und Bücher sind Wirtschaftsgüter, die es seit  Jahrhunderten gibt sind. Das „Herausgeben“ ist ein alter Wirtschaftszweig, der mit der Verbreitung des Drucks gewaltig gewachsen ist. Und sich immer optimale Regeln geschafft hat.

Der kapitalischen Grundordnung und Logik folgend sind durch Verdrängung und Aufkauf wie in jeder Branche auch im Verlagsbereich mächtige Unternehmen entstanden.

„Geistige Güter“ sind leichter zu skalieren.

So wurden die Verlage mächtiger und reicher. Wie sonst nur die Immoblien-Konzerne dank des besonderen Dreiecks – Eigentums-Recht an Boden und Gebäuden, billigem Geld und schnellen Preiserhöhungen – odere andere Spekulanten, die mit Rohstoffe, Wertpapieren, Währungen … spekulierten – konnten sie in unglaublich kurzer Zeit reich und mächtig werden.

Lexika waren ein besonders gutes Geschäft.

Ein wichtiges Geschäft in allen Verlagen war die Herstellung von Enzyklopädien, die auch Lexika genannt. Das war ein gutes Geschäft, denn Lexika waren meist hochpreisige Produkte, die auch relativ schnell veralteten. So hatten die führenden Verlagsgruppen alle mindestens ein Unternehmen in ihrem Imperium, das Lexika produzierte. Und über Jahrzehnte verläßlich relevante Profite erwirtschaftet.

Am Ende gab es diese Lexika auch elektronisch. Sie wurden sündteuer auf billigen Datenträgern ausgeliefert. Das war eine wahre“Lizenz zum Gelddrucken“. Doch es dauerte nicht mehr lange, dann war Schluß mit lustig. Denn das Internet kam. Und eine Gruppe von Verrückten gründete in 2001 eine freie Enzyklopädie, die  Wikipedia genannt wurde.

„Innovation ist kreative Zerstörung“.

Viele haben das schmerzhaft erlebt. Jetzt auch die Verlage, die lange Jahre von den Innovationen beim Buchdruck und in der Kommunikation profititert haben. So ging es zu Ende mit den kommerziellen tollen Gewinnen aus den Enzyklopädie- und Lexikageschäften. Den Verlage dürfte das erhebliche Verluste gebracht haben.  Sie wurden zum Opfer des Internets und von Wikipedia und mussten Unternehmen schließen oder für diese einen neuen Geschäftszweck finden. Das dürfte die deutschen Medienkonzerne sehr geschmerzt haben.

Man sagt, „Das Internet vergißt nichts“! Das ist aber nicht wahr. Ich habe vieles gesucht wie z.B. die ersten Web-Seiten der InterFace Connection GmbH – und habe es nicht gefunden. Es sind die Konzerne, die das gute Gedächtnis haben. Sie vergessen tatsächlich nichts. Und auch für sie gilt, dass „Rache süss ist“!

Jetzt haben sie einen Teilschritt geschafft. Nach vielen Jahren der geduldigen und konsequenten Lobby-Arbeit haben sie die Urheberrechtsreform im Europa-Parlament durch gebracht. Gleich darauf hat die VG-Media die erste Rechnung an Google gesendet. Die Verlage werden sicher zeitnah folgen. Der deutsche Weg soll ja ein „Zahlen an Stelle von Upload-Filter“ sein. Da sind wir gespannt.


Wie steht es aber bei Wikipedia?

Stellen wir die Betrachtung der Medien-Konzerne zurück und wenden wir uns Wikipedia zu. Wikipedia, das ist auf dem ersten Blick eine einzigartig schöne Geschichte – eine freie und unabhängige Gemeinschaft von Ehrenamtlichen schreibt das Wissen dieser Menschen auf. Die Finanzierung des Betriebes geht ganz ohne Werbung und Sponsoring – ausschließlich durch Spenden ihrer Nutzer.

So vernichtete Wikipedia schon wenige Jahre nach seiner Gründung in 2001 alle ihre „Konkurrenten“. Wikipedia ist zum Monopol geworden und die einzige Enzyklopädie, die uns verblieben ist. Das macht sie so wichtig – aber auch zerbrechlich. Als eine einzige Konkurrenz könnte man das Internet an sich betrachten, das aber auch gefährdet ist.

Es fallen Schatten auf das Internet und Wikipedia.

Das Wissen wächst nach wie vor eher exponentiell. Die „work force“ bei Wikipedia aber nicht. Im Gegenteil: Wikipedia ist in meiner Wahrnehmung zum Club der „alten weißen Männer“ geworden. Die Zeit fordert auch hier ihren Tribut.

Junge wie weibliche Menschen bei Wikipedia sind Fehlanzeige. Es sind die typischen Nachwuchssorgen, wie sie auch Schachvereine, die freiwillige Feuerwehren und neuerdings sogar der mächtige DFB haben. Das sind Eindrücke von mir und meinen Freunden in Wikipedia. Statistiken die ich dazu gefunden habe, sind in der Regel 10 Jahre alt und klingen total unglaubwürdig. Man bedenke dabei, dass Wikipedia erst in 2001 gegründet wurde. Das ist gerade 18 Jahre her!

Welcher junge Mensch hat schon Lust auf trockene Arbeit an einer Enzyklopädie, die die Einhaltung strengster Regeln fordert? Besonders wenn der Umgang der „alten weißen Männer“ mit dem Nachwuchs ziemlich rüde ist?

Wikipedia ist eine Infrastruktur des Wissens.

Das Wissen wächst, die genutzte Technologie veraltet. Und die Menschen, die die Infrastruktur pflegen, werden weniger.

Im extremsten Modell stirbt die „work force“ von Wikipedia ganz aus.

Was passiert dann? Ein Wissensinfrastruktur ohne Wartung? Die Qualität der Beiträge sinkt heute schon. Und gibt noch weitere Probleme wie technische Überalterung, schlechte Abstimmung, mangelnde inhaltliche und strukturelle Klarheit, Organisationsengpässe. Es gäbe soviel zu tun in Wikipedia.

Wikipedia dürfte der größte Nutzer fremden Urheberrechts weltweit sein.

Sie sollten bei Wikipedia also ein wenig auf die Urheberrechtsform aufpassen und haben ja auch schon gegen diese mit einem Abschalten ihrer Server demonstriert.

Die Befürworter der Urheberrechtsreform greifen hier beschwichtigend ein:

Wikipedia sei doch gemeinnützig und so nicht davon betroffen!

Aber ist Wikipedia von seinem Wesen her wirklich gemeinnützig? Oben habe ich geschrieben: Wikipedia lebt von den Spenden seiner Nutzer? Auch ich spende nur deshalb für Wikipedia, weil ich mir die Dienstleistung erhalten will. Gewissermassen erpresst mich Wikipedia:

Zahl ein wenig mit, damit Du Deine Dienstleistung weiter bekommst!

Vielleicht ist das „Unternehmen“ Wikipedia ist im Sinne der steuerlichen Definition von „gemeinnützig“ vielleicht doch nicht gemeinnützig? Alle Spender erwarten sich (und bekommen) eine Gegenleistung für das Geld, das sie zahlen. Die Zahlung erfolgt nur scheinbar freiwillig. Wir sind abhängig von Wikipedia und „spenden“ getrieben von der Sorge, dass es sonst Schluss sein könnte mit der für uns wichtigen Gegenleistung.

Große Konzerne sind geduldig und denken langfristig. 

Die Medien-Gruppen haben jetzt Blut geleckt. Die Urheberrechts-Reform hat ihnen gezeigt, dass sich die Lobbyisten-Arbeit lohnt. Den Medien-Konzernen ist sicher klar, dass Wikipedia wirtschaftlich ein spannendes Objekt wäre.

Die Lobbyisten üben ja zurzeit, wie man unliebsamen NGOs die Gemeinnützigkeit entzieht. Mit dem Entzug der Gemeinnützigkeit könnte man Wikipedia weiter schwächen und vielleicht sogar die Existenz-Grundlage entziehen. Und es dann wieder – als Gemeinschaftsunternehmen mehrer Konzerne oder wie auch immer – zurück ins Reich zu holen. So eine Art von Wiedervereinigung. Ich höre schon die Botschaft:

Lobbyisten, auf ins Finanzministerium. Wir kriegen Wikipedia.

Das Gute an dieser Variante:
Zumindest würde dann Wikipedia weiter existieren – wenn auch gespickt mit Werbung und interessen-getriebenen Artikeln. Das würde aber insgesamt in die neue Welt des Internets passen.

Schöne neue Welt!

RMD

Hans Bonfigt
Donnerstag, der 9. Mai 2019

Ultra posse nemo obligatur ?

Die Experten sind sich ‚mal wieder weitgehend einig.

Die Aufgaben im Mathe-Abitur waren ja gar nicht schwer !

Die Krönung:  Ein Junglehrer hat, drei Tage lang in je 5 Stunden, die Aufgaben nachgerechnet, von denen die Schüler die Hälfte innerhalb von 5 Stunden lösen mußten.  Dabei hatte er auch noch Zugriff zu den Lösungen und nutzte diese nach eigenem Bekunden kräftig.   Aber er fand, „die Aufgaben waren ja gar nicht schwer“.

Mir bleibt der Mund offen stehen.  Es fängt damit an, daß der moderne Junglehrer nicht mehr differenzieren kann zwischen „schwierig“ und „schwer“.   Schlimmer ist schon, daß der Lehrer in keiner Weise berücksichtigt, daß die Sorge, nicht in der vorgegebenen Zeit fertig zu werden, die Leistungsfähigkeit massiv beeinträchtigt.  Dieses Phänomen tritt insbesondere in der Mathematik zutage:  Man braucht sich, beispielsweise bei komplexeren Äquivalenzumformungen, nur einmal geringfügig zu verhauen und rechnet fortan unter deutlich erschwerten Bedingungen zeitraubend so lange, bis „-2 = Wurzel 6“ herauskommt.  Und schwupp, ist eine halbe Stunde beim Teufel.

Meine Mathenote war in der gymnasialen Oberstufe immer eine „3“, gebildet aus einer schriftlichen „4“ und einer mündlichen „1“.  Freilich möchte ich dazu sagen, daß ich meine Mathearbeiten stets ohne Hilfsmittel geschrieben haben, insbesondere ohne „Formelsammlung“ und sonstigen Spökeskram.   Diese ganzen Sicherheitsartikel waren mir schon immer zuwider:  Fahrradhelme, Kondome, Spickzettel, Warnwesten, Formelsammlungen, Zigaretten mit „Gesundheitsfilter“  —  ich habe nie so etwas benutzt.   Fahrradhelme sind gefährlich, Kondome versauen den Spaß am Sex, Spickzettel sind unehrenhaft, mit Warnwesten macht man sich lächerlich, Formelsammlungen verhindern zuverlässig jedes operative Denken  —  und wenn ich „gesund“ rauchen will, dann lasse ich es gleich ganz.   Insofern war ich geringfügig benachteiligt.   In den damaligen Aufgaben sah ich nie ein Problem in der Lösungsstrategie (wir hatten einen brillanten Mathematiklehrer, der einen spannenden Unterricht anbot), aber die Rechnerei konnte schon lästig werden.  So kam es, daß ich viele Klausuren „versaute“.   Sicher:  Man hätte sich auch vorbereiten können.   Aber ich war der Meinung:  6 Schulstunden pro Tag plus Anfahrt sind genug.

Warum nicht nach 40 Jahren wieder eine Matheklausur schreiben?   Um es vorwegzunehmen:   Ich habe mehr als 15 Stunden gebraucht.   Genial muß man nicht sein, um die Lösungsstrategieen zu finden – aber der Rechenaufwand ist dann doch nicht unerheblich.  Und ich weiß nicht, wie es heute gehandhabt wird, aber für mich ist eine Validierung der Lösung in Form einer „Gegenprobe“ Teil der Aufgabe.   Auch, wenn ich mich vorher einem Repetitorium unterzogen hätte, wäre ich in der erforderlichen Zeit nicht fertiggeworden.   Prognostiziertes Ergebnis:  4, ausreichend.

Die Matheklausur war klar zu schwierig  —  und das ist gut so !

Denn warum sollte jeder Gesamtschüler eine glatte „1“ bekommen ?   In der Mathematik sind zwei Dinge wichtig:   Abstraktes, operatives Denken einerseits, jedoch zähes, sorgfältiges, frustrationstolerantes, diszipliniertes Arbeiten andererseits.   Nur, wer beides in die Waagschale wirft, kann ein wirklich exzellentes Resultat erreichen.

Mit meiner „3“ in Mathematik war ich stets zufrieden und fühlte mich gerecht bewertet – denn wir hatten im Jahrgang jemanden, der neben operativem Denken auch noch Fleiß und Sorgfalt mobilisierte — und der schrieb regelmäßig die „Einsen“.   Vielleicht hätte ich das auch schaffen können — dann hätte ich aber ganz sicher bei der Sauferei kürzertreten müssen.   Wollte ich aber nicht.   Mich aber zu beschweren über zu schwierige Aufgaben?   Ich hätte mich geschämt bis in die Steinzeit.

Ist es nicht schön, wenn eine Aufgabe „Luft nach oben“ bietet ?  Die jungen Leute schreiben doch immer in ihren Bewerbungen, „suche neue Herausforderungen“.  Ein junger Mensch, der unter Zeitdruck und ohne Hilfsmittel diese Aufgaben in der vorgesehenen Zeit löst, zeigt damit, daß er die vermittelte Mathematik gut verstanden hat und praktisch anwenden kann.  Auf eine glatte „1“ kann er stolz sein.

 

„Aber unsere ganze Zukunft ist jetzt zerstört !!!“

Tja, UND ?   Dann ist das so.   Deutschland braucht auch Straßenkehrer.

Und man wird ja auch fragen dürfen, „Warum mußte es unbedingt Mathe als Abiturfach sein?“

Vielleicht auch noch ein bißchen radikaler:  „Warum muß eigentlich jeder junge Mensch ein Abitur haben?“