Roland Dürre
Freitag, der 17. Mai 2019

Owehoweh Huawei!?

Die Amerikaner machen mal wieder großen Druck! Und wollen alle Länder abstrafen, die Ihre Kommunikationsnetze auf Technologie von Huawei aufbauen.

Es geht vordergründig um die backdoors, die das chinesische Unternehmen Huawei in seine Technologien eingebaut haben soll. Um die Welt auszuspionieren. Eine Vermutung, die nahe liegt, aber noch nicht bewiesen wurde.

Huawei hat zurzeit 180.000 Mitarbeiter und ist im Besitz der Mitarbeiter. Das hat mich bei einem chinesischen Weltkonzern überrascht.

Huawei bietet eine Vielzahl von Produkten im Endgeräte-Bereich an, aber auch industrielle Produkte im Bereich der 5G-Netz-Technologien. Diese sind wichtig für den Ausbau unserer mobilen Kommunikation. Mehrere „deutsche “ Telekommunikation-Anbieter sind wohl schon Kunde von Huawei.

Das genau stört die USA. Jetzt droht die USA ihren „Verbündeten“, dass sie beim Einsatz der Technologien von Huawei mit Sanktionen zu rechnen haben.

Wer aber sind die Konkurrenten für Huawei, bei denen wir die für uns wichtige Technologie 5G kaufen können? Ich bin da nicht mehr so informiert wie früher, da mich Technik nicht mehr so interessiert.

In „Europa“ könnten es Unternehmen wie Ericsson und Nokia sein. Ob man die technologisch noch ernst nehmen kann, weiß ich nicht. Im befreundeten Korea gibt es noch Samsung.

Wahrscheinlich ist aber neben weiteren chinesischen Unternehmen Cisco der wichtigste Konkurrent von Huawei?. Cisco Systems ist ein Unternehmen, dessen Software und Geräte schon seit Jahrzehnten wegen vieler „backdoors“ in der Kritik stehen. Hihihi. Aber das sind ja amerikanische und somit gute „backdoors“.

Wer sich übrigens über „backdoors“ informieren will, der findet im Blog vom FEFE Infos und Anker zu einschlägigen Artikeln zum Thema. Oder einfach mal „googlen“.

Die Welt hat sich verändert. Früher war Siemens der globale Marktführer im Bereich „Kommunikation“. Jetzt schreiben unsere „amerikanischen Freunde“ uns vor, welche Technik wir nutzen sollen. Die Technologie beherrschen wir in Deutschland nicht mehr.

Siemens hatte bestimmt auch „backdoors“ in seiner Software. Weil man diese einfach zu Wartungszwecken braucht. So richtig als Daten-Lieferant für Geheimdienste kann ich mir aber das damalige Siemens nicht vorstellen.

Vielleicht hat Siemens auch deshalb den Markt komplett verloren, weil sie niemandem beim ausspionieren geholfen haben? Und es war gar nicht die „Unfähigkeit des Managements“? Wer kann das schon wissen?

Überwacht werden wir sowieso. Die Frage ist nur wie und von wem.

Brave new world. 

RMD

P.S.
Diesen Artikel habe ich schon vor ein paar Tagen geschrieben und heute aus aktuellem Anlass veröffentlicht.

Roland Dürre
Donnerstag, der 16. Mai 2019

Angst vor der Seidenstraße?

Er denEs geht ein Jammern durch Europa:

Hilfe, die Chinesen kommen!

Und gerade unsere bürgerlichen Parteien stimmen laut ein in den Chor der Warner!

Das Netz der antiken Seidenstraße und daran angeschlossene Handelsrouten (Bild aus Wikipedia).

Was ist der Grund? Die Chinesen investieren weltweit in Infrastruktur. Sie kaufen und erneuern weltweit Infrastruktur für Transport und Logistik. Eigentlich alles, was dem globalen Handel nutzt.

Was ist das so schlimm daran?

Eigentlich ist Europa – und da mit großem Abstand Deutschland – der große Gewinner des globalen Handels. Und was unterstützt Handel besser als stabile und sichere Transportwege?

Die neue „Seidenstraße“ ist doch keine Einbahnstraße!

Und ich kenne keinen Kapitän, der sein Frachtschiff gerne leer nach Hause fährt. Auch die Reedereiern mögen das nicht. Eigentlich müssten wir Deutsche jubeln, dass die Chinesen die Voraussetzungen schaffen, dass wir weiter Waren exportieren können. Auch weil der ehemalige Weltpolizist USA immer unberechenbarer wird.

Ich vermute, dass wir Angst haben, bald nicht mehr konkurrenzfähig zu sein. Und ich fürchte, das zurecht. Weil wir die falschen Produkte haben und technologisch im Schnitt immer mehr zurückfallen. Weil wir satt sind, Veränderung nicht verstehen und wenn dann sowieso ablehnen. Und weiter alles daran setzen, uns im Kleinen wie im Großen zu Tode zu regulieren.

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 15. Mai 2019

Die wahren Probleme unserer Welt?!

Zwischen Ruinen. In Südgeorgien.

Ich lese oft, dass wir agil und digital werden müssen, weil alles so „vuca“ wäre. Aber ist das nicht ein Luxus-Problem?

Es gibt doch auch ernsthafte Sorgen. Als Folge von Entwicklungen, die vielleicht sogar das Leben an sich bedrohen.

Zurzeit steht die Klimakatastrophe im Zentrum unserer „medialen“ Sorge. Es geht darum, dass die Erwärmung des Planeten verursacht und beschleunigt wird durch die maßlose und immer noch steigende Freisetzung von Kohlendioxyd durch den Menschen und seiner Maschinen.

In einem Dialog mit einem wissenden Menschen ist mir bewußt geworden, dass es noch viel mehr kritische Punkte gibt als nur die von der Verbrennung der fossilen Rohstoffe verursachte Veränderung des Weltklimas.

Ich meine, dass die Ursachen für die vorhersehbaren Probleme geistig und materiell sind. So liste ich mal auf, welche Geisteshaltung dahintersteckt und welche Auswirkungen diese auf unseren Planeten hat. Und nehme immer kurz ganz persönlich Stellung, wie ich da mein eigenes Verhalten einordne.


Als „systemische“ Ursachen für die Misere habe ich zwei (Haupt-)Gründe gefunden.

  • Konsumismus und Kapitalismus
    Die menschliche Gier, unsere Freude an Bequemlichkeit und unsere Jagd nach besonderen Erlebnissen scheint mir eine wesentliche Ursache für die betrübliche Entwicklung unseres Planeten zu sein.
    Wenn ich mein eigenes Leben hier einordne, dann habe ich ein Problem. Ich habe über Jahrzehnte Konsumismus praktiziert und bin auch heute noch dabei. Viele Jahre habe ich viel zu viel Zeug gekauft. Vom kapitalistischen System habe ich profitiert, mein Leben hat es gut mit mir gemeint. Ich kann mich nicht beschweren, außer dass die Welt jetzt ziemlich kaputt ist.

 

  • Fixierung auf Wachstum
    Die Wachstumsprediger habe ich schon in der Schule nicht verstanden. Da war ich schon immer der skeptische Aussenseiter. Das Wachstumsdenken ist nach meiner Meinung absolut kurzsichtig und dumm, besonders im globalen Maßstab. Die Annahme, Wachstum könne unsere Probleme lösen, ist Ursache der Selbstzerstörung der Menschheit.

 

Jetzt zu den konkreten Folgen und physischen Ausprägungen:

  • Rüstungsindustrie und Krieg
    Diese Kombination erscheint mir als das größte aller Übel, die unsere Welt schädigen. Ich meine, wir zerstören uns hier selber maximal und das immer noch mit steigender Tendenz. Bei uns in Deutschland zerstört die Bundeswehr unsere Umwelt sogar im Frieden.
    Warum kapieren die Menschen nicht, dass Rüstung und Kriege nicht nur grausam und unsinnig, sondern auch schlichtweg dumm sind?
    Ich selber bin überzeugt, dass eine Zivilisation sich als solche nur bezeichnen darf, wenn der individuelle wie kollektive Verzicht auf Gewalt zum selbstverständlichen handlungsleitenden Wert geworden ist und meine, dass diese Utopie zu erreichen ist. Und gehe sogar davon aus, dass die Menschheit mehrheitlich dies will und dies so auch möglich ist.
    Um Kriege zu vermeiden, muss man die Rüstungsindustrie abschaffen. Denn die Analyse der Kriege zeigt, dass Kriege immer gemacht worden sind. Mir scheint da oft eine unheilvolle Allianz von Geheimdiensten und Rüstungsindustrie zu existieren. Die Rüstungsindustrie braucht den Krieg, die Geheimdienste implementieren ihn.
    So bin ich betroffen, dass Bayern den mit Abstand größten Anteil an den deutschen Rüstungsexporten hat.
    Ich selber bin hier ethisch gescheitert. Schon bei der Gründung der InterFace Connection und später gemeinsam mit unseren Mitarbeitern haben wir beschlossen, dass unser Unternehmen keine Aufträge für die Rüstungsindustrie annimmt. Wie sich dann unser Unternehmen – vom Markt erzwungen – vom Produkthersteller zum Dienstleister transformieren musste, wurde das durch einen Auftrag von einem Panzer herstellenden Unternehmen wesentlich erleichtert. Der schöne Vorsatz wurde dann der wirtschaftlichen Realität geopfert. Obwohl es wahrscheinlich nicht notwendig gewesen wäre.
    So meine ich, dass ohne Auflösung der Rüstungsindustrie und dem Einstellen aller Kriege die Rettung des Planeten nicht möglich sein wird. Prio EINS ist also die Einführung eines globalen Friedens.

 

  • Vermüllung des Planeten
    Ich weiß nicht, was dem Planeten mehr schadet. Ist es der von uns geschaffene radioaktive Müll, das in die ganze Welt verteilte Plastik oder die allgemeine Verteilung der Elemente des Perioden-Systems in die Umwelt?
    Mein Beitrag zu diesem Problem ist da. Schon seit Jahren kaufe und esse ich mehrheitlich keine Nahrungsmittel mehr, die wie z.B. Joghurts und sonstige Milchprodukte in einem Plastikbecher oder Tetrapak verpackt sind. Auch Flüssigkeiten (gleich ob Bier, Wasser oder Dosenmilch) oder Nahrungsmittel aus Pet-Flaschen oder Dosen meide ich, wie der Teufel das Weihwasser. Manche meine Mitmenschen schmunzeln da über meine Eigenheit.
    Nach meiner Erfahrung kann man auf die meisten Plastikverpackungen und Dosen wirklich gut verzichten. Darüber hinaus sehe ich immer noch beliebig viel Verschwendung. Ich esse immer gerne Essiggurken, und jedes Mal empfinde ich die Vernichtung des wunderschönen Glases mit Deckel als unsinnig. Auch wenn das Glas recycelt wird. In meiner Kindheit war das Einweck-Glas eine wertvolle Ressource. Und die Mutter hat jedes Jahr Essig-Gurken eingemacht.

 

  • Jetzt kommt das Kohlendioxyd-Thema
    Dass es eine Korrelation von Erwärmung der Atmosphäre und der Höhe des Kohlendioxydanteils gibt, ist mittlerweile akzeptiert. Ein paar bezweifeln noch, dass die Kausalität beim Menschen liegt, der das Kohlendioxyd freigelegt wird.
    Mein Beitrag ist immer noch unteroptimal. Am positivsten ist, dass ich auf das Auto zumindest in der Form verzichte, dass ich schon seit Jahren keine Autofahrt mehr gemacht habe, bei der ich alleine im Auto oder im Taxi war. Das hat mir gezeigt, dass man zumindest als Einzelreisender auf das Auto absolut verzichten kann. So bin ich individuell nur noch mit dem Fahrrad und dem ÖPNV unterwegs. Und fühle mich damit überhaupt nicht im Nachteil, im Gegenteil es tut mir gut. Auch Einkaufen geht mir dem Fahrrad sehr gut. Mein Allgemeinbefinden hat sich durch das Streichen des Autos für mich als Mobilitäts-Werkzeug psychisch wie physisch deutlich verbessert.
    Andere Sorgen begleiten mich noch. Zum Beispiel das Fliegen. Die letzten Jahre habe ich immer mehrere Langstreckenflüge gehabt. Immer zu einzigartigen Zielen, die mir unheimlich viel gegeben haben.  Hier fällt mir der Verzicht – im Gegensatz zum Auto – sehr schwer.  so weit wie möglich zu reduzieren.

 

  • Ende der Artenvielfalt
    Das Ende der Artenvielfalt bedeutet für mich so etwas wie der Beginn des Endes des Leben. Warum sollte der Mensch als einziger überleben, wenn die Biologie in ihrer Vielfalt nicht mehr funktionieren kann. Das klingt doch sehr unlogisch.
    Meine Beiträge halten sich im Rahmen der Möglichkeit eines Bewohner eines Häuschens mit einem kleinen Garten. Kein Gift für den perfekten Rasen und die richtigen Pflanzen fürs Leben.

 

  • Ernährung
    Heute ist für viele Menschen eine Mahlzeit ohne Fleisch gar nicht mehr denkbar. Deutschland ist zu einem der größten Fleischexporteure der Welt geworden.
    Ich meine, das macht doch keinen Sinn. Tierfabriken produzieren auf unappetitliche und grausame Art und Weise als industrielles Massengut. Mit Kalorien aus der ganzen Welt.
    Wie ich jung war, gab es in der Familie in den fünfziger Jahren nur am Sonntag den danach benannten Braten. Werktags waren in der Regel fleischlose Mahlzeiten angesagt. Dann kam in kleinen Schritten der Wohlstand. Am Dienstag Abend wurden die „Wiener Würstchen“ und am Freitag ein geräucherter Hering zum festen Bestandteil des Speiseplans. Das war noch etwas besonderes. Und dann ging der Wahnsinn los …

 

  • Bodenverbrauch
    Ganz gleich ob es für Verkehr, Wohnen, Fabriken oder Energie ist, wir vernichten täglich Boden ohne Ende. Manche von uns haben zwei Wohnungen, die meisten dann noch einen Arbeitsraum dazu. Die Wohnungen werden laufend größer. Eine Einzelperson braucht mindestens ein Zweizimmer-, ein Paar eine Vierzimmerwohnung. Senioren bewohnen alleine das Haus zu Ende zu Ende. Der Wohnraumbedarf wird pro Kopf jedes Jahr größer.
    Ich bin froh, dass uns gelungen ist, unser schönes großes Haus nach dem Auszug der meisten Kinder aufzugeben und in ein kleineres umzuziehen.

 

  • Regulierung der Flüsse
    Gerade habe ich wieder eine Studie gelesen, wie verheerend die Folge der Regulierung der Flüsse auf unsere Welt sind. Allein das war schon eine sehr nachdenklich machende Geschichte.
    Ich bin öfters am Main entlang geradelt. Auch an den schiffbaren Teil. Und wundere mich immer, wenn ich in Sommerhausen auf der Terrasse der „Gaststätte Anker“ sitze, dass ich so selten ein Schiff sehe. Das dann meistens ein Fluß-Kreuzfahrer ist. Dabei sollte hier der ganze Verkehr vorbeiziehen, für den der Rhein-Main-Donau-Kanal als die wichtigste Schiff-Fahrtstraße gebaut und die Donau ausgebaut wurde. Ähnliches denke ich mir, wenn ich an das neue Schiffshebewerk Niederfinow für den Verkehr auf Neiße und Oder denke.
    Hier kann ich wahrscheinlich nicht mehr dazu beitragen, als gegen den immer wieder versuchten weiteren Ausbau der Donau zu sein.

 

  • Wasser
    Wasser ist Basis von Leben. Trotzdem vernichten und beschädigen wir in großem Stil unser Trinkwasser in großem Stil.
    Ich bemühe mich, Wasser zu sparen. Das hat mir schon mein Großvater beigebracht. So versuche ich, der Verschwendung entgegen zu wirken. Wenn ich Schwimmen gehe, dann dusche ich halt nicht zu Hause. Wie ich meine, dass einmal am Tage gründlich waschen genügt. Wir haben drei vom Dach gespeiste große Wasserbehälter und nutzen diese, um den Garten zu gießen. Leider habe ich es noch nicht geschafft, die Toilettenspülung weg von Trinkwasser auf Brauchwasser umzustellen.

Die konkreten Bedrohungen sind vielfältig.

Das Thema mit dem Kohlendioxid steht bei mir nur an 3. Stelle. Eigentlich ist das egal, weil alles zusammengehört und ohne eine Veränderung unseres „mind sets“ (vielleicht zu übersetzen mit „Handlungs-Mentalität“) im Sinne von Abwendung von Konsumismus, Kapitalismus und Wachstumsglaube wird keine erfolgreiche Wende möglich sein. Allein die „geistige Veränderung“ dürfte eine kaum zu bewältigende Herkules-Aufgabe sein.

Alle konkreten Bedrohungen (Rüstung, Vermüllung, Kohlendioxid, Artenvielfalt, Ernährung, Bodenverbrauch, Regulierung der Flüsse, Wasser …) hängen zusammen. Wahrscheinlich gibt es noch mehr. Wir müssen alle angehen und dürfen uns nicht nur auf ein Thema wie Kohlendioxid kaprizieren. Eine Umstellung unseres Lebensstiles wird Teil der Transformation sein müssen. Es geht um das gesamtheitliche Umdenken und Verändern unseres Lebens. Die Frage könnte sein: Lohnt das sich noch – oder sollen wir lieber noch ein wenig auf dem Vulkan tanzen?

Mein Verstand sagt mir, dass es für die Rettung schon zu spät ist.

Im Anthropozän wurden Entwicklungen eingeleitet, die sich verselbstständigt haben und Folgeentwicklungen bewirken werden, die die ganz große Katastrophe erst noch auslösen und den Untergang wahrscheinlich beschleunigen werden.

Mein Gefühl sagt mir, dass Resignation der falsche Weg ist.

Deswegen darf es auch kein „WEITER SO“ geben und wir sollten „eine große Transformation“ zumindest probieren. Soll diese Transformation gelingen sollen, wird sie ALLES verändern müssen. Dies wird nur global funktionieren und muss extrem lokal beginnen.

Und ich meine, wir sollten es gemeinsam probieren! Und wundere mich, dass Politik, Wirtschaft und viele gesellschaftlich relevante Institutionen gar nichts dazu beitragen.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 13. Mai 2019

Wikipedia und das Urheberrecht.

Das Logo der Enzyklopädie

„Prognosen sind schwierig! Besonders wenn sie in der Zukunft liegen“.
Das hat schon unser Münchner Held Karl Valentin gewußt.

Deswegen überlege ich mir mal eine Variante, die aus der Vergangenheit in die Zukunft geht. Also keine Prognose sondern eine nüchterne Extrapolation.

Sehen wir in die Vergangenheit und schauen wir uns die Geschichte der Medien an. Dieser Wirtschaftszweig hat frühzeitig erkannt, dass geistiges Eigentum (wie es das Urheberrecht schafft) viel leichter zu skalieren ist als das mit materiellen Produkte oder gar Dienstleistungen möglich ist. So hat dieses Gewerbe spätestens seit es den Buchdruck gibt, besonders erfolgreich gewirtschaftet.

Der Handel mit geistigem Eigentum ermöglich hohe Margen.

Die Medienfürsten wußten, dass man mit Wissen und Informationen ein gutes Geschäft machen kann, wenn das hergestellte und gehandelte immaterielle Gut dem Eigentums-Begriff unterliegt. So haben sie ganz früh Gesetze kreiert und durchgesetzt, dass man Autoren und sonstigen Herstellern von geistigem Eigentum dieses abkaufen und dann mit diesen viel Geld verdienen kann.

Urheberrecht ist die „Lizenz zum Geld drucken“.

Und sie haben dafür gesorgt, dass die Fristen auf geistiges Eigentum immer rechtzeitig verlängert wurden. So sind werden dieses Gesetze in den USA die „Mickey-Mouse-Gesetze“ genannt, weil es Walt Disney mehrfach gelang, rechtzeitg vor Auslauf eines Schutzrechtes für die Mickey Mouse eine Verlängerung der Urheberrechtszeit zu bewirken.

Wie ist das mit Wissen und Informationen?

Mit der Begründung, dass das Erschaffen von Wissen mit Aufwand verbunden ist, wurde Wissen als „eigentumsfähig“ deklariert. Daher wird dem Urheber das geistige Eigentum zugesprochen, damit dieser daraus einen materiellen Nutzen ziehen kann. Auch ich meine, dass auch Wissensarbeiter fair entlohnt werden sollen. Das heißt aber nicht, dass von „Wissensarbeiter“ geschaffenen Dinge konkretes Eigentum wären und ihnen gehören. Dann müssten man ja die von „Wissenseigentümern“ reden.  Wissen ist aber kein Gut, dass gehandelt werden sollte.

„Wissen ist das einzige Gut, dass sich durch Teilen vermehrt“.

Also sollt es man doch teilen! Wenn Wissen aber zum Eigentum wird und jemanden gehört, dann wird es künstlich verknappt. Dies zum Vorteil einiger weniger und zum Schaden vieler.

So bin ich gegen die Erweiterung des Eigentumsrecht an Dingen um Eigentum von  Wissen, Informationen, Rechten, natürliches Strukuren, Gesetzen, Regeln und ähnlichem. Übrigens auch an Daten, was ja auch immer mehr in Mode kommt.

Nach dem Motto: Meine Daten gehören mir!

Zeitungen und Bücher sind Wirtschaftsgüter, die es seit  Jahrhunderten gibt sind. Das „Herausgeben“ ist ein alter Wirtschaftszweig, der mit der Verbreitung des Drucks gewaltig gewachsen ist. Und sich immer optimale Regeln geschafft hat.

Der kapitalischen Grundordnung und Logik folgend sind durch Verdrängung und Aufkauf wie in jeder Branche auch im Verlagsbereich mächtige Unternehmen entstanden.

„Geistige Güter“ sind leichter zu skalieren.

So wurden die Verlage mächtiger und reicher. Wie sonst nur die Immoblien-Konzerne dank des besonderen Dreiecks – Eigentums-Recht an Boden und Gebäuden, billigem Geld und schnellen Preiserhöhungen – odere andere Spekulanten, die mit Rohstoffe, Wertpapieren, Währungen … spekulierten – konnten sie in unglaublich kurzer Zeit reich und mächtig werden.

Lexika waren ein besonders gutes Geschäft.

Ein wichtiges Geschäft in allen Verlagen war die Herstellung von Enzyklopädien, die auch Lexika genannt. Das war ein gutes Geschäft, denn Lexika waren meist hochpreisige Produkte, die auch relativ schnell veralteten. So hatten die führenden Verlagsgruppen alle mindestens ein Unternehmen in ihrem Imperium, das Lexika produzierte. Und über Jahrzehnte verläßlich relevante Profite erwirtschaftet.

Am Ende gab es diese Lexika auch elektronisch. Sie wurden sündteuer auf billigen Datenträgern ausgeliefert. Das war eine wahre“Lizenz zum Gelddrucken“. Doch es dauerte nicht mehr lange, dann war Schluß mit lustig. Denn das Internet kam. Und eine Gruppe von Verrückten gründete in 2001 eine freie Enzyklopädie, die  Wikipedia genannt wurde.

„Innovation ist kreative Zerstörung“.

Viele haben das schmerzhaft erlebt. Jetzt auch die Verlage, die lange Jahre von den Innovationen beim Buchdruck und in der Kommunikation profititert haben. So ging es zu Ende mit den kommerziellen tollen Gewinnen aus den Enzyklopädie- und Lexikageschäften. Den Verlage dürfte das erhebliche Verluste gebracht haben.  Sie wurden zum Opfer des Internets und von Wikipedia und mussten Unternehmen schließen oder für diese einen neuen Geschäftszweck finden. Das dürfte die deutschen Medienkonzerne sehr geschmerzt haben.

Man sagt, „Das Internet vergißt nichts“! Das ist aber nicht wahr. Ich habe vieles gesucht wie z.B. die ersten Web-Seiten der InterFace Connection GmbH – und habe es nicht gefunden. Es sind die Konzerne, die das gute Gedächtnis haben. Sie vergessen tatsächlich nichts. Und auch für sie gilt, dass „Rache süss ist“!

Jetzt haben sie einen Teilschritt geschafft. Nach vielen Jahren der geduldigen und konsequenten Lobby-Arbeit haben sie die Urheberrechtsreform im Europa-Parlament durch gebracht. Gleich darauf hat die VG-Media die erste Rechnung an Google gesendet. Die Verlage werden sicher zeitnah folgen. Der deutsche Weg soll ja ein „Zahlen an Stelle von Upload-Filter“ sein. Da sind wir gespannt.


Wie steht es aber bei Wikipedia?

Stellen wir die Betrachtung der Medien-Konzerne zurück und wenden wir uns Wikipedia zu. Wikipedia, das ist auf dem ersten Blick eine einzigartig schöne Geschichte – eine freie und unabhängige Gemeinschaft von Ehrenamtlichen schreibt das Wissen dieser Menschen auf. Die Finanzierung des Betriebes geht ganz ohne Werbung und Sponsoring – ausschließlich durch Spenden ihrer Nutzer.

So vernichtete Wikipedia schon wenige Jahre nach seiner Gründung in 2001 alle ihre „Konkurrenten“. Wikipedia ist zum Monopol geworden und die einzige Enzyklopädie, die uns verblieben ist. Das macht sie so wichtig – aber auch zerbrechlich. Als eine einzige Konkurrenz könnte man das Internet an sich betrachten, das aber auch gefährdet ist.

Es fallen Schatten auf das Internet und Wikipedia.

Das Wissen wächst nach wie vor eher exponentiell. Die „work force“ bei Wikipedia aber nicht. Im Gegenteil: Wikipedia ist in meiner Wahrnehmung zum Club der „alten weißen Männer“ geworden. Die Zeit fordert auch hier ihren Tribut.

Junge wie weibliche Menschen bei Wikipedia sind Fehlanzeige. Es sind die typischen Nachwuchssorgen, wie sie auch Schachvereine, die freiwillige Feuerwehren und neuerdings sogar der mächtige DFB haben. Das sind Eindrücke von mir und meinen Freunden in Wikipedia. Statistiken die ich dazu gefunden habe, sind in der Regel 10 Jahre alt und klingen total unglaubwürdig. Man bedenke dabei, dass Wikipedia erst in 2001 gegründet wurde. Das ist gerade 18 Jahre her!

Welcher junge Mensch hat schon Lust auf trockene Arbeit an einer Enzyklopädie, die die Einhaltung strengster Regeln fordert? Besonders wenn der Umgang der „alten weißen Männer“ mit dem Nachwuchs ziemlich rüde ist?

Wikipedia ist eine Infrastruktur des Wissens.

Das Wissen wächst, die genutzte Technologie veraltet. Und die Menschen, die die Infrastruktur pflegen, werden weniger.

Im extremsten Modell stirbt die „work force“ von Wikipedia ganz aus.

Was passiert dann? Ein Wissensinfrastruktur ohne Wartung? Die Qualität der Beiträge sinkt heute schon. Und gibt noch weitere Probleme wie technische Überalterung, schlechte Abstimmung, mangelnde inhaltliche und strukturelle Klarheit, Organisationsengpässe. Es gäbe soviel zu tun in Wikipedia.

Wikipedia dürfte der größte Nutzer fremden Urheberrechts weltweit sein.

Sie sollten bei Wikipedia also ein wenig auf die Urheberrechtsform aufpassen und haben ja auch schon gegen diese mit einem Abschalten ihrer Server demonstriert.

Die Befürworter der Urheberrechtsreform greifen hier beschwichtigend ein:

Wikipedia sei doch gemeinnützig und so nicht davon betroffen!

Aber ist Wikipedia von seinem Wesen her wirklich gemeinnützig? Oben habe ich geschrieben: Wikipedia lebt von den Spenden seiner Nutzer? Auch ich spende nur deshalb für Wikipedia, weil ich mir die Dienstleistung erhalten will. Gewissermassen erpresst mich Wikipedia:

Zahl ein wenig mit, damit Du Deine Dienstleistung weiter bekommst!

Vielleicht ist das „Unternehmen“ Wikipedia ist im Sinne der steuerlichen Definition von „gemeinnützig“ vielleicht doch nicht gemeinnützig? Alle Spender erwarten sich (und bekommen) eine Gegenleistung für das Geld, das sie zahlen. Die Zahlung erfolgt nur scheinbar freiwillig. Wir sind abhängig von Wikipedia und „spenden“ getrieben von der Sorge, dass es sonst Schluss sein könnte mit der für uns wichtigen Gegenleistung.

Große Konzerne sind geduldig und denken langfristig. 

Die Medien-Gruppen haben jetzt Blut geleckt. Die Urheberrechts-Reform hat ihnen gezeigt, dass sich die Lobbyisten-Arbeit lohnt. Den Medien-Konzernen ist sicher klar, dass Wikipedia wirtschaftlich ein spannendes Objekt wäre.

Die Lobbyisten üben ja zurzeit, wie man unliebsamen NGOs die Gemeinnützigkeit entzieht. Mit dem Entzug der Gemeinnützigkeit könnte man Wikipedia weiter schwächen und vielleicht sogar die Existenz-Grundlage entziehen. Und es dann wieder – als Gemeinschaftsunternehmen mehrer Konzerne oder wie auch immer – zurück ins Reich zu holen. So eine Art von Wiedervereinigung. Ich höre schon die Botschaft:

Lobbyisten, auf ins Finanzministerium. Wir kriegen Wikipedia.

Das Gute an dieser Variante:
Zumindest würde dann Wikipedia weiter existieren – wenn auch gespickt mit Werbung und interessen-getriebenen Artikeln. Das würde aber insgesamt in die neue Welt des Internets passen.

Schöne neue Welt!

RMD

Hans Bonfigt
Donnerstag, der 9. Mai 2019

Ultra posse nemo obligatur ?

Die Experten sind sich ‚mal wieder weitgehend einig.

Die Aufgaben im Mathe-Abitur waren ja gar nicht schwer !

Die Krönung:  Ein Junglehrer hat, drei Tage lang in je 5 Stunden, die Aufgaben nachgerechnet, von denen die Schüler die Hälfte innerhalb von 5 Stunden lösen mußten.  Dabei hatte er auch noch Zugriff zu den Lösungen und nutzte diese nach eigenem Bekunden kräftig.   Aber er fand, „die Aufgaben waren ja gar nicht schwer“.

Mir bleibt der Mund offen stehen.  Es fängt damit an, daß der moderne Junglehrer nicht mehr differenzieren kann zwischen „schwierig“ und „schwer“.   Schlimmer ist schon, daß der Lehrer in keiner Weise berücksichtigt, daß die Sorge, nicht in der vorgegebenen Zeit fertig zu werden, die Leistungsfähigkeit massiv beeinträchtigt.  Dieses Phänomen tritt insbesondere in der Mathematik zutage:  Man braucht sich, beispielsweise bei komplexeren Äquivalenzumformungen, nur einmal geringfügig zu verhauen und rechnet fortan unter deutlich erschwerten Bedingungen zeitraubend so lange, bis „-2 = Wurzel 6“ herauskommt.  Und schwupp, ist eine halbe Stunde beim Teufel.

Meine Mathenote war in der gymnasialen Oberstufe immer eine „3“, gebildet aus einer schriftlichen „4“ und einer mündlichen „1“.  Freilich möchte ich dazu sagen, daß ich meine Mathearbeiten stets ohne Hilfsmittel geschrieben haben, insbesondere ohne „Formelsammlung“ und sonstigen Spökeskram.   Diese ganzen Sicherheitsartikel waren mir schon immer zuwider:  Fahrradhelme, Kondome, Spickzettel, Warnwesten, Formelsammlungen, Zigaretten mit „Gesundheitsfilter“  —  ich habe nie so etwas benutzt.   Fahrradhelme sind gefährlich, Kondome versauen den Spaß am Sex, Spickzettel sind unehrenhaft, mit Warnwesten macht man sich lächerlich, Formelsammlungen verhindern zuverlässig jedes operative Denken  —  und wenn ich „gesund“ rauchen will, dann lasse ich es gleich ganz.   Insofern war ich geringfügig benachteiligt.   In den damaligen Aufgaben sah ich nie ein Problem in der Lösungsstrategie (wir hatten einen brillanten Mathematiklehrer, der einen spannenden Unterricht anbot), aber die Rechnerei konnte schon lästig werden.  So kam es, daß ich viele Klausuren „versaute“.   Sicher:  Man hätte sich auch vorbereiten können.   Aber ich war der Meinung:  6 Schulstunden pro Tag plus Anfahrt sind genug.

Warum nicht nach 40 Jahren wieder eine Matheklausur schreiben?   Um es vorwegzunehmen:   Ich habe mehr als 15 Stunden gebraucht.   Genial muß man nicht sein, um die Lösungsstrategieen zu finden – aber der Rechenaufwand ist dann doch nicht unerheblich.  Und ich weiß nicht, wie es heute gehandhabt wird, aber für mich ist eine Validierung der Lösung in Form einer „Gegenprobe“ Teil der Aufgabe.   Auch, wenn ich mich vorher einem Repetitorium unterzogen hätte, wäre ich in der erforderlichen Zeit nicht fertiggeworden.   Prognostiziertes Ergebnis:  4, ausreichend.

Die Matheklausur war klar zu schwierig  —  und das ist gut so !

Denn warum sollte jeder Gesamtschüler eine glatte „1“ bekommen ?   In der Mathematik sind zwei Dinge wichtig:   Abstraktes, operatives Denken einerseits, jedoch zähes, sorgfältiges, frustrationstolerantes, diszipliniertes Arbeiten andererseits.   Nur, wer beides in die Waagschale wirft, kann ein wirklich exzellentes Resultat erreichen.

Mit meiner „3“ in Mathematik war ich stets zufrieden und fühlte mich gerecht bewertet – denn wir hatten im Jahrgang jemanden, der neben operativem Denken auch noch Fleiß und Sorgfalt mobilisierte — und der schrieb regelmäßig die „Einsen“.   Vielleicht hätte ich das auch schaffen können — dann hätte ich aber ganz sicher bei der Sauferei kürzertreten müssen.   Wollte ich aber nicht.   Mich aber zu beschweren über zu schwierige Aufgaben?   Ich hätte mich geschämt bis in die Steinzeit.

Ist es nicht schön, wenn eine Aufgabe „Luft nach oben“ bietet ?  Die jungen Leute schreiben doch immer in ihren Bewerbungen, „suche neue Herausforderungen“.  Ein junger Mensch, der unter Zeitdruck und ohne Hilfsmittel diese Aufgaben in der vorgesehenen Zeit löst, zeigt damit, daß er die vermittelte Mathematik gut verstanden hat und praktisch anwenden kann.  Auf eine glatte „1“ kann er stolz sein.

 

„Aber unsere ganze Zukunft ist jetzt zerstört !!!“

Tja, UND ?   Dann ist das so.   Deutschland braucht auch Straßenkehrer.

Und man wird ja auch fragen dürfen, „Warum mußte es unbedingt Mathe als Abiturfach sein?“

Vielleicht auch noch ein bißchen radikaler:  „Warum muß eigentlich jeder junge Mensch ein Abitur haben?“