Roland Dürre
Freitag, der 27. September 2019

Buchneuerscheinung: »Das Auto im digitalen Kapitalismus«

Vor kurzem hat mich folgende Pressemitteilung erreicht:


Verkehr à la Silicon Valley?

Elektrischer Antrieb, geteilte Nutzung, selbststeuernde Fahrzeuge – der digitale Kapitalismus erobert die Straßen. Doch befinden wir uns damit auch auf dem Weg in eine nachhaltigere Mobilität? »Keineswegs«, sagt Timo Daum und plädiert in seinem neuen Buch »Das Auto im digitalen Kapitalismus« (ET 7. Oktober 2019) für einen kritischen Umgang mit diesen Trends – und den dahinter stehenden Akteuren.

Der digitale Kapitalismus schickt sich an, ein neues Feld zu erobern: den Verkehr. Für Timo Daum ist klar: »Die Tage des klassischen Automobils sind gezählt, wodurch auch die Kompetenz der traditionellen Autoindustrie immer weniger gefragt ist.« Die Herausforderungen reichen vom elektrischen Antrieb bis zum selbstfahrenden Auto – und die Konkurrenz kommt dabei vor allem aus dem Silicon Valley. Digitalkapitalistische Konzerne wie Tesla, Uber und Google erobern die Verkehrsbranche. Doch was folgt für die Mobilität der Zukunft, wenn Algorithmen und Daten eine immer größere Rolle spielen? Wie wirkt sich diese Entwicklung auf unsere Städte und unsere Lebensqualität aus?

Das Buch »Das Auto im digitalen Kapitalismus. Wenn Algorithmen und Daten den Verkehr bestimmen« skizziert den Status Quo der technischen Entwicklung im Bereich der Mobilität. Es erläutert Strategien und Geschäftsmodelle der Digitalunternehmen und plädiert für einen kritischen Umgang mit den Herausforderungen, die damit einhergehen. Denn digital bedeutet nicht automatisch nachhaltig.

Timo Daum: »Das Auto im digitalen Kapitalismus. Wenn Algorithmen und Daten den Verkehr bestimmen«, 192 Seiten, Paperback, ISBN 978-3-96238-141-7, 18 Euro / 18,50 Euro (A). Auch als E-Book erhältlich.

Zum Autor:

Timo Daum arbeitet als Hochschullehrer in den Bereichen Online, Medien und Digitale Ökonomie und veranstaltet Vorträge und Seminare zum Thema »Digitaler Kapitalismus«. Sein Buch »Das Kapital sind wir. Zur Kritik der digitalen Ökonomie« wurde mit dem Preis »Das politische Buch 2018« der Friedrich-Ebert-Stiftung ausgezeichnet. Auf seiner Homepage > informiert er über die Schwerpunkte seiner Arbeit und Veranstaltungstermine.


 
Soweit die Pressemitteilung. Da steht schon vieles drin. Es hat mich neugierig gemacht – da bekomm ich Lust zum Lesen und Rezensieren. Also bestelle ich mir ein  Vorabexemplar und lese es.
Vorab es hat sich gelohnt! Das ist das Buch:
Timo Daum »Das Auto im digitalen Kapitalismus. Wenn Algorithmen und Daten den Verkehr bestimmen«, 192 Seiten, Paperback, ISBN 978-3-96238-141-7, 18 Euro / 18,50 Euro (A).
Erscheint am .. im Oekom-Verlag
Ein gutes Buch, das meine Vorurteile krass bestätigt 🙂
Denn die Geisteshaltung ist sehr modern. Es geht nicht nur um  SUVs und „imperiale Lebensweise“ und die Hoffnung, von der „autozentrierte Stadt“ wegzukommen.
Es ist eine gute Zusammenfassung und Kritik des mobilen Wandels, verursacht durch Elektrifizierung und Digitalisierung.  Viel Tesla ist dabei und die Geschichte des Stroms. Interessant ist auch die Geschichte des Autos und besonders des elektrischen. Die Bedeutung der Stromspeicherung (Akkus). Weitere Themen sind:
  • Der Dieselskandal und die Betrugssoftware
  • Eine Marktübersicht von E-Autos mit unerwarteten und erfreulichen Kenntnissen
  • Die Rolle Chinas und die Situation in China
  • Nutzfahrzeuge
  • den Versuch des „fossilen Kapitals“, die Vergangenheit zu konservieren …
  • die zahlreichen und wesentlichen Vorteile der E-Mobilität und die Unmöglichkeit die „autozentrierten Mobilität“ durch eine eins zu eins Ersetzung durch elektrische Fahrzeuge zu lösen …
  •  Die Bestrebungen großzügig Infrastrukturen umzurüsten
  • Der schwierige Weg zum automatischen Auto
  • Wie „autonomes Autofahren“ die Philosophie des Autofahrens verändern wird
  • Das „geteilte Auto“ als logische Folge der Entwicklung
Das ist noch nicht alles. Es gibt viele Referenzen auf aktuelle Studien. Und am Ende  des Buches gibt es ein großartiges Plädoyer
Für eine neue Verkehrsordnung!
Allein dieses letzte Kapitel lohnt die Lektüre des Buches.

 
Vom selben Autor habe ich noch gefunden:

Timo Daum: „Die Künstliche Intelligenz des Kapitals“
Edition Nautilus, Hamburg 2019

 

(Kritik im Deutschlandfunk)

Das Kapital sind wir:
Zur Kritik der digitalen Ökonomie (Nautilus Flugschrift)

 

„Ob es innerhalb des Kapitalismus allerdings überhaupt die Möglichkeit gibt, aus der wachstumsfixierten Umweltzerstörung auszubrechen, eine Abkehr vom fossilen Raubbau hin und zu einer nachhaltigen zirkulären Ökonomie zu erreichen, ohne die Grundprinzipien des Kapitalismus selbst infrage zu stellen, ist mehr als fraglich.“
RMD

Klaus Hnilica
Dienstag, der 24. September 2019

Carl und die Trendforschung

Carl und Gerlinde (Folge 62)

Carl – hier will Dich eine Dame sprechen“, rief Gerlinde aus der Küche, brachte dann aber das Telefon doch zu Carl ins Arbeitszimmer.

Guten Tag, hier spricht Cornelia Koch vom Institut für Trendforschung! Ich wollte Sie fragen, ob Sie bereit wären an einer unserer Befragungen teilzunehmen?“

Carl atmete kräftig durch und sagte „Ja“!

Vielen Dank! Wir sind ja auf Menschen wie Sie angewiesen, um unsere Arbeit machen zu können.“

Okay“, sagte Carl.

Ich möchte Ihnen jetzt drei Fragen stellen und nach deren Beantwortung Ihnen auch ein Geschenk als kleines Dankeschön überreichen.“

Hm“, machte Carl.

Die erste Frage lautet : Sind Sie verheiratet?“

Wieso?“

Nun – meine erste Frage zielt auf Ihren Familienstand: Sind sie verheiratet?“

Sagen Sie, arbeiten Sie vielleicht für eine Partnervermittlung?“

Nein – natürlich nicht, wir sind das Institut für Trendforschung und wollen ausschließlich gewisse gesellschaftliche Trends ermitteln, darum nochmals die Frage: Sind Sie verheiratet?

Ja und nein!“

Was heißt das nun?“

Ja“, antwortete Carl spontan und hörte Gerlinde kichern, die wohl vor der Tür lauschte…

Gut dann die nächste Frage: Besitzen sie ein Haus?“

Ah Sie arbeiten im Auftrag einer Immobiliengesellschaft und suchen weiterverkaufbare Objekte?“

Nein – wir sind das Institut für Trendforschung und ich würde Sie bitten auf meine Fragen möglichst kurz zu antworten. Also nochmals besitzen sie ein Haus?“

Mehrere“, sagte Carl.

Wie mehrere?“

Ich besitze mehrere Häuser!“

Wie viele, wenn ich fragen darf?“

Sechsundzwanzig!“

Wollen sie mich auf den Arm nehmen?“

Das würde ich nie tun ohne sie vorher nach ihrem Körpergewicht gefragt zu haben!“

Gut – ich notiere Sechsundzwanzig! Nun zur letzten Frage: Wohnen sie in einem Ihrer Häuser oder wohnen Sie zur Miete?“

Ich wohne in einem meiner Häuser zur Miete!“ sagte Carl nun schon ungeduldig.

Und wieso das?“

Weil meine Frau darauf besteht, dass ich Miete entrichte!“

Wieso verlangt Ihre Frau von Ihnen Miete?“

Weil ich sie beauftragt habe von mir Miete zu verlangen…“

Von Ihnen?“

Ja natürlich, von wem denn, wir wohnen ja zusammen!“

Was macht denn das für eine Sinn?“

Das macht den Sinn, dass sie dadurch ihr eigenes Geld hat, um die von mir verlangte Miete zu bezahlen“!

Sie verlangen auch Miete?“

Ja – weil ich dadurch praktisch umsonst wohne?“

Und Ihre Frau?“

Die auch, wenn sie mich endlich heiraten würde…“

Ich danke für das Gespräch!“

Und was ist mit dem Dankeschöngeschenk?“

Das hat sich wohl erübrigt“!

Schweinerei“, sagte Carl laut in Richtung Gerlinde, die plötzlich in der offenen Tür stand.

Toll Carl, wie Du es der armseligen Telefontante gegeben und ihr so richtig eine Lektion erteilt hast – ja wirklich – ich bin stolz auf dich“!

Da sie daraufhin lautlos verschwand, konnte ihr Carl nicht mehr mitteilen, dass er nach dieser Bemerkung schon nächsten Monat die Mietzahlung an sie kürzen werde!

K.H.

Roland Dürre
Mittwoch, der 18. September 2019

Die smarte Maske des digitalen Kapitalismus.

In den Bergen des Peloponnes auf dem Wege nach Vatyna.

Anfang der Woche kam ich zurück von drei Wochen in Italien und Griechenland. Zwei Wochen davon haben auf dem Peloponnes gezeltet. Ich hatte mir vieles vorgenommen.

Der erste Vorsatz-Block war täglich schwimmen, radeln oder wandern und das Leben zu genießen. Dieser Block ist mir so gut gelungen wie selten.

Als zweites hatte ich mir vorgenommen, ein paar Artikel zu schreiben. Besonders wichtig war mir da die Rezension eines Buches von Timo Daum, das am 7. Oktober 2019 im Oekom-Verlag erscheinen soll.

Das hat leider nicht geklappt. Eine wonnige Lethargie hatte mich erfasst. Aber immerhin habe ich das Buch zu fast zwei Drittel gelesen, Material gesammelt und bin sehr optimistisch, die Rezension vor dem Erscheinungstermin zu schaffen.

Das Buch von Timo Daum hat den Titel »Das Auto im digitalen Kapitalismus. Wenn Algorithmen und Daten den Verkehr bestimmen« und hat mich zu vielen Gedanken inspiriert. Aber dazu in der Rezension dann mehr.

Als ich erfahren habe, dass der Autor auch eine »Kritik der digitalen Ökonomie« geschrieben hat (die ich noch nicht gelesen habe aber für die er sehr gelobt wird), ist mir plötzlich klar geworden, dass es einen neuen digitalen Kapitalismus gibt. Dieser scheint mir noch mächtiger und brutaler zu sein als der uns so gut bekannte aus dem letzten Jahrhundert.

Der digitale Kapitalismus ist auch deswegen so erfolgreich, weil er das „humane Antlitz“ gegen eine »smarte Maske« getauscht hat, hinter der er sich auf geniale Art und Weise verbirgt.

Die smarte Maske soll uns glauben machen, dass Digitalisierung die Welt verbessern würde. Sie gibt dem Mega-Raubtierkapitalismus ein humanes Antlitz und verspricht uns eine saubere elektrische Welt, Gemeinwohl-Ökonomie, „shared economy“, das Teilen von Wissen, ein tolles Design, menschen- und umweltfreundliche Produkte und vieles mehr von schönen Dingen. Also ein smartes Leben in einer smarten Welt und Gesellschaft. Smart life in einer smart city. Smart, smart, smart!!! Aber in Wirklichkeit geht es mehr als je zuvor ums Geld, im alten Europa genauso wie im neuen China.

Einen neuen Begriff wie „smart“ mag ich nicht einfach so nutzen, Also frage ich mich zuerst:

Was das bedeutet eigentlich, smart?

Von einem Mitgründer von NextHamburg habe ich eine schöne Definition gehört. Er meinte, das smarte Lösungen ein soziales Ziel mit Digitalisierung lösen. Die Formel hieße:

Sozial + Digital = Smart !!!

Das klingt gut, ist aber eine Mogelpackung. Meine chinesischen Freunde sind da viel pragmatischer. Für die sind alle Produkte smart, wenn sie nur über eine WLAN-Vernetzung und einen Internet-Anschluß verfügen. Ganz gleich ob das ein Kochtopf oder eine Personenwaage ist.

Der vielleicht mächtigste und geldgierigste Konzern der new economy hat sich als handlungsleitend gegeben:
“Don’t be evil!”
Das hat uns gefallen.

Dann haben sie  die Arbeit „gamifiziert“ und die Büros zum Vergnügungspark und in eine zur Spasswelt und umgewandelt, in dem freilich härter gearbeitet wurde. Die Maske strahlt.

Auch Microsoft hat schöne Spielsachen. Sie haben schon ganz früh mit Windows, „wysiwyg“ und vor allem Solitär gepunktet. Und sie haben uns die Frage gestellt:  Where do you want to go today?

Und Apple hat den Kult zur Religion gemacht,

Wir sind darauf reingefallen. Als Programmierer hatten wir unsern leidenschaftlichen Spaß und waren überrascht, dass wir soviel Geld dafür bekamen. Unsere Stundensätze waren um ein mehrfaches höher als die der Ingenieure. Zumindest hatten die auch ihren Spaß.

Wir haben uns an Open Source und Agilität berauscht. Das „Moorsche Gesetz“ schien die Naturgesetze ausser Kraft zu setzen. Mit Themen wie Blockchain und KI werden Zukunftshoffnungen generiert, die genauerer Betrachtung nicht standhalten.

Nach dem Rausch kommt immer wieder der Kater. Noch mehr Möglichkeiten benötigen noch mehr Infrastuktur, noch mehr Energie und Rohstoffe, noch mehr (elektrische) Autos, noch mehr Konsum- und Kulturwelt. Hinter der smarten Maske lässt sich trefflich die totale Digitalisierung als Teil einer totalen Technologiesierung unserer Welt verstecken.

Und heute lernen wir, dass die Zielsetzung noch stärker als je zuvor „cash generieren“ heißt. Und das auch das Versprechen der „neuen digitalen Welt“ den „Planeten zu retten“ ein leeres ist. Und im neuen smarten Tollhaus geht es mehr als je zuvor um Wachstum und Kohle.

So definiere ich „smart“ als Strategie schnell viel Geld zu verdienen. Ein Begriff, der mit Nachhaltigkeit aber auch gar nichst zu tun hat.

RMD