Roland Dürre
Freitag, der 18. Oktober 2019

Leseproben.

Vor kurzem habe ich vom Buch „Was dem Leben dient“ (RUPERT LAY LESEBUCH) berichtet.

Eigenes Bild.

Hier zitiere ich vier Texte aus dem Rupert Lay Lesebuch. Das Buch ist eine lockere Zusammenfassung,   von Definitionen, Stellungnahmen und Aussagen zu Themen, die Rupert Lay sein Leben lang bewegt haben.

Dies sind Ethik und Verantwortung, Führung und Autorität, Sprache und Kommunikation, Menschenbild und Personalität, Religion und Christentum, Wirklichkeit und Realität, die großen Systeme und Traditionen (Gesellschaft | Unternehmen | Gewerkschaften | Verbände |Kirchen | Politik), Wirtschaft und Technik.

Zu all diesem hat er konstruktiv und kritisch, oft auch revolutionär und provokativ in vielen Büchern Stellung genommen.

Im Lesebuch findet sich eine Sammlung  „best of“ zu all diesen Themen; daraus habe ich ein paar ganz kurze und längere zum Probelesen ausgesucht. Vielleicht regt das zum Weiterlesen in den Büchern an?

Redaktionelle Anmerkung:
Die zitierten Texte habe ich invers gesetzt. Alle Begriffe in den Zitaten, die mit einem Schrägstrich markiert sind wie /Begriff werden im Buch definiert


VERSCHLEIERN  (Gesellschaft)

Laut Joseph Schumpeter eine Lieblingsbeschäftigung von Politikern, seit es diesen merkwürdigen, schmarotzerischen und eigentlich völlig unnötigen Berufsstand gibt. Sie behaupten, ihr /Handeln sei uneigennützig am /Gemeinwohl orientiert, obwohl sie am Gemeinwohl nur insofern interessiert sind, sofern es ihrem Eigenwohl nicht widerspricht.

Da kann man trefflich diskutieren, aber ich fürchte, da steckt ein kräftiges Maß an Richtigkeit drin.


VF VERZÖGERUNGSFAKTOR  (Unternehmen)

Gibt an, ob die Anpassung der Unternehmensstruktur an veränderte /WEIB eher schneller oder langsamer erfolgt.

Anmerkung von mir: WEIB steht als Eselsbrücke für Werte, Erwartungen, Interessen und Bedürfnisse der Menschen. Und wie schnell Unternehmen stehen bleiben können, wissen wir alle.


WENN MENSCHEN ZU AGENTEN WERDEN (Führung und Autorität)

In nicht wenigen Institutionen haben nur diejenigen Menschen eine realistische Chance, im Namen und im Auftrag der Institution zu handeln – also Führungspositionen innerhalb der Institution zu übernehmen – die nahezu kritiklos bereit sind, dem endogenen Zwecke der Institutionen zu dienen.

Ich habe in Kirche, Staat und Unternehmen nicht wenige solche uneigenützigen Diener kennen gelernt. Für den Bestand ihrer Organisation sind sie bereit, nicht nur ihr Bestes – nämlich ihr Leben, ihre  Arbeitskraft, ihr Privatleben und ihre moralischen Wertvorstellungen – zu geben, sondern auch gegen Recht und Gesetz zu verstoßen.

Quelle: Wie man sich Feinde schafft, 1994, Seite 197


DAS MITTELMAß ALS FEIND DER WEISHEIT  (Ethik und Verantwortung)

Nicht der Bösewicht ist der Schurke, sondern das Mittelmaß, wenn man die politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Dramen unserer Zeit zu betrachten oder gar aufzuzeichnen  versucht.  Schon Platons Vermutung, dass die Demokratie die Herrschaft des Mittelmaß bedeutet, hätte uns nach der Einführung demokratischer Systeme nach 1848 etwas vorsichtiger mit dieser Herrschaftsform umgehen lassen müssen. Nun, das haben wir versäumt – und so beherrschen uns in  Politik und Wirtschaft, im sozialen (etwa auch in den Gewerkschaften) und im Kulturellen (etwa in den Kirchen) das Mittelmaß.

Quelle: Weisheit für Unweise, 1998, Seite 200

 

Ich finde, dass jeder Absatz in Ruperts Lesebuch ein klares Statement ist, das inspiriert, Impulse gibt. Und zum Nachdenken anregt.

RMD

 

Und wieder schwappt eine gewaltige Welle des gefühlten Antisemitismus über das Land.

Natürlich war es wieder der „rechtsradikale Terrorismus“, der die „Allianz der Anständigen“ in ihren Grundfesten erschüttert.

Ist das so ?

Der „aktuelle“, durchgeknallte Vollidiot von Halle ist kein Terrorist, sondern ein Psychopath.   Bei der Bundeswehr ausgebildet, konnte er nicht einmal eine Synagogentür öffnen, zerschoß dafür seine eigenen Reifen und expedierte schlußendlich zwei „Volksgenossen“ zur Hölle.  Solche Idioten sind, zumal im Osten der Republik, unvermeidlich.   Interessanter wäre es da schon, zu wissen, woher der Spinner die Maschinenwaffen hat.   Sowohl der hirnlose Möchtegern-Nazi als auch der schwedische Massenmörder Anders Breivik waren begeisterte PC-Daddelspieler.   Ich bin ja gegen Verbote aller Art, aber vielleicht sollte unsere Regierung aufhören, dieses primitive Pseudogeballere auch noch als „E-Sport“ zu fördern.

Aber:   Ein solches Attentat wie das in Halle hat mit Antisemitismus nichts zu tun.  Genausowenig, wie der abendliche Besuch bei Herrn Lübcke duch einen übereifrigen Fan mit Püster einen „rechtsradikalen“ Hintergrund hat  —  jeder kann es sich heute noch auf „Youtube“ angucken:   Wenn ein Politiker einem Auditorium entgegenschleudert, „Wer nicht unser Wertesystem vertritt, der kann gehen“, der bettelt förmlich um seine Entsorgung nach Artikel 20 Grundgesetz.

 

Das große Halali auf die bösen rechten Neonazis hat einen ganz anderen Zweck:  Den Blick auf das Offensichtliche zu verstellen.

Denn der neue deutsche Antisemitismus kommt von links !

Erinnern wir uns an den Dummschmus, den Martin Walser anläßlich einer albernen Benefizveranstaltung für den deutschen Buchhandel erbrach, noch vor der Jahrtausendwende:

Die ständige Vorhaltung der Schande, die das deutsche Volk durch den Genozid auf sich geladen hat, diene nämlich nicht dazu, das Vergessen zu verhindern, sondern werde ganz bewußt instrumentalisiert, um politische Ziele zu erreichen.

Ganz großes Kino.   Und Walser bekam das erstemal seit 20 Jahren wieder einen hoch:   MARTIN WALSER AUF SEITE 1 IN BILD.   Endlich: Das gemeine Volk liest Martin Walser.   Das ist Herrn Handke trotz des Nobelpreises nicht gelungen.  Oder Thomas Bernhard.  Mit gutem Grund auch.

Schon klar, daß jeder, aber auch wirklich jeder, diesen unglaublich gefährlichen Blödsinn nachsabbelte.   ENDLICH sprach jemand laut und deutlich aus, was wohl seit Jahrzehnten in den kleingeistigen Spatzenhirnen der dummdeutschen Mehrheit gefangen war.   Der unterwürfige, feige Bundesmichel hätte sich auch nie getraut, seinen „Gefühlen“ freien Lauf zu lassen.   Weg mit der „Schande!“.

Henryk M. Broder faßte in seiner konzisen Art zusammen:

„Die Deutschen haben den Juden Auschwitz nie verziehen“.

Walsers Ausfluß bewirkte einen Dammbruch wie seinerzeit die geniale „bouncing bomb“ am Möhnesee.   Seither ist meine Scham, dem deutschen Volk anzugehören, womöglich noch größer geworden:   Der industrielle Massenmord, begangen nicht nur von einer kleinen Gruppe ideologisch verblendeter Krimineller, sondern, regelrecht freudig, von einem ganzen Volk, ist ein so bedeutendes Phänomen, daß die Narben für alle Ewigkeit offengehalten werden müssen.

Wie wichtig dies ist, zeigt die Verwandlung der „Grünen“ und „Linken“ in waschechte „Neo-Nazis“, die elementare Grundrechte anderer beschneiden, Bücher verbrennen, Mensche öffentlich denunzieren, nicht genehme Demonstationen blockieren und die Freiheit der Lehre zur Farce werden lassen.

Und keiner erkennt:  Extremismus führt nicht nach Auschwitz.   Konformismus führt dort hin.

 

Ganz kurz vor seinem Tode ist Karl Lagerfeld tatsächlich ein Satz herausgerutscht, in dem es nicht um Karl Lagerfeld ging:

„Die Deutschen haben Millionen von Juden umgebracht, und da schämen wir uns doch heute noch für. Und jetzt lässt Angela Merkel eine Million ihrer Erzfeinde ins Land.  Und damit hat Frau Merkel die AfD stark gemacht.  Das ist erbärmlich“.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

-hb

Roland Dürre
Dienstag, der 15. Oktober 2019

Melancholie im Oktober.

Im warmen Land!

Am Donnerstag war ich in Sommerhausen im Torturmtheater. Bei der Premiere von „Alles was sie wollen“ von Mathieu Delaporte und Alexandre de la Patellière. Es war ein großartige Premiere, die uns viel Freude gemacht hat.

Nach dem Stück wollte ich jemand treffen. Der war nicht da. Man sagt mir, dass er krank im Bett liegt.

Am Freitag wieder in Neubiberg bin ich zum Essen verabredet. Es fällt aus, wegen Krankheit.

Am Samstag im Kabarett in Neubiberg im „Gleis Drei“ führt mein Freund Lothar durchs Programm, weil der geplante Profi-Moderator ausfällt. Wegen Schnupfen.

Am Sonntag bin ich mit meiner Tochter und ihrem Freud verabredet. Denkste, der Freund ist krank.

Denn jetzt ist er da – der garstige Herbst. Und hinter ihm wartet schon der noch rauhere Geselle Winter auf seine Machtergreifung. Gegen den Klimawandel.

Und ich weiß, dass es mich auch erwischen wird so wie jedes Jahr. Ich werde Schnupfen und Halsschmerzen kriegen, mit Sicherheit mehr als einmal.

Warum bin ich auch so dumm und bleibe da? Ich habe ja angeblich einen freien Willen. Und keiner zwingt mich zum Bleiben. Ich müsste nur ein Flugticket kaufen – z.B. nach La Réunion. Dann wäre ich im Warmen, bliebe jedoch in Europa, ja sogar in der EU. Meine mobile Flatrate würde weiter gelten und ich könnte mit den Euros klimpern und das Leben genießen.

Das französische „savoir de vivre“ würde mir sehr zusagen. Da ich über meine Steuerm das französische Paradies mitfinanziere, würde mir das ja auch zu stehen. Und – ich würde keinen Schnupfen kriegen! Dafür würde mein Französisch anschließend wieder glänzen.

Ich müsste nur in den Flieger steigen und dann ein paar Monate in La Réunion bleiben, bis die Sonne wieder zurück nach Europa kommt. Und dann in der Aprilsonne gutgelaunt aus dem Flieger kommend europäischen Boden betreten.

Ich tue es nicht, weil die Barbara Weihnachten in München sein will. Bei unseren Kindern und Enkeln. Keine zehn Pferde würden sie davon abbringen.

Zwar kenne ich andere Frauen, die glücklich wären, wenn deren Männer bereit wären, den winterlichen Anteil ihres Lebensabend mit ihnen im Warmen zu verbringen. Nur kommen deren Männer gar nicht auf die Idee.

Aber die meine bringt keiner über Weihnachten in die Ferne. Da leidet sie lieber – als als gerechte Strafe – unter meinet schlechten Laune verursacht durch Schnupfen und Halsschmerzen (und von der Dunkelheit und dem schlechten Wetter) leiden. Aber das nimmt sie in Kauf. Ich habe keine Chance. Und bleibe hier.

So sollte ich vielleicht an Stelle des Ganges zum Flughafen den Weg zum Arzt antreten. Und mich gegen Grippe impfen lassen. Nur glaube ich an den Hokuspokus nicht so recht.

Ich würde mir mal eine saubere Big-Data-Analyse wünschen, wieviel Menschen aus der geimpften Menschenherde erkranken. Und wieviele aus der nicht geimpften sind. Nach einer solchen Studie habe ich intensiv gesucht, aber keine gefunden.

Aber wahrscheinlich scheitert so eine ehrliche Studie schon am Datenschutz. Und wenn nicht, dann sind die Impfstoffhersteller davor. Die interessieren sich mehr für die kaufmännischen denn die medizinischen Ergebnisse – und die ersteren sollen (so höre ich) sehr gut sein. Ob es die medizinischen auch sind? Oder sind die Resultate so schlecht, dass sie nur den Verkauf stören würden?

Im Internet habe ich viel Werbung für die Impfung gefunden. Und Lobeshymnen, dass der neue Impfstoff dieses Jahr gegen 4 an Stelle 3 (1) wirken solle! Was für ein gigantischer Fortschritt! Nur dumm, dass die Grippe-Viren immer so schnell mutieren und es so viele Varianten gibt.

Mit der Grippe-Impfung ist es wohl wie beim Lotto: Wenn der eifrige Lotto-Spieler an Stelle von drei Tafeln im Sommer jetzt an jedem Winterwochenende vier ankreuzt, dann werden seine Chancen auf einen Sechser auch nicht wesentlich besser.Das sind trübe Gedanken in herbstlicher Melancholie. So geht es mir ganz schlecht.

Und dann noch schlechter. Denn mir fällt ein, dass der Golf-Strom schwächelt und jederzeit umkippen kann. Ist das eine gute oder schlechte Nachricht? Denn dann würde es im Winter hierzulande wohl so unangenehm werden, dass meine Frau sofort sehr gerne mit mir nach La Réunion migrieren würde.

Aber ist das keine Hoffnung. Denn dann ist es zu spät. Würde doch in diesem Fall alles bei uns kaputt gehen. Meine vielen wunderbaren Euros würden mir dann nicht mehr helfen, niemand mich würde dafür in seinem schönen warmen Land aufnehmen. Und iilegal fliehen? Wahrscheinlich würde ich im Land bleiben,  weil ich den Tod durch Erfrieren in Deutschland eindeutig dem Ertrinken im Mittelmeer vorziehe.

Dumm gelaufen. Aber bevor ich eine winterliche Depression falle bleibe ich lieber bei meiner herbstlichen Melancholie,

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 3. Oktober 2019

RUPERT LAY LESEBUCH

 

Was dem Leben dient.

 

Da steht alles drin.

Ein ganz wichtiges Buch. Das mich tief berührt. Denn es hat eine besondere Geschichte:

Zur Jahrtausendwende hat sich eine kleine Gruppe meiner Freunde im gemeinützigen Ronneburger Kreis e.V. (der mittlerweile aufgelöst wurde) zusammen getan und die vielen Definitionen von Begriffen aus dem alltäglichen Leben wie aus Wirtschaft und Gesellschaft in den Büchern wie aus dem Wirken Rupert Lays gesammelt. Das entstandene kleine Werk haben wir das  „Wörterbuch zur Ethik des Rupert Lay“ genannt und im Ronneburgerkreis veröffentlicht (siehe Bild unten).

Das war eine schöne Sammlung von wichtigen Texten. Es hat mir Spaß gemacht, es immer wieder aufzuschlagen und mich an dem einen oder anderen Artikel zu erfreuen oder sich mit diesem auseinander zu setzen.


In diesem Sommer feierte Rupert seinen 90. Geburtstag. Norbert Copray hatte die Idee, das Wirken von Rupert Lay aus diesem Anlaß mit einer besonderen Veröffentlichung zu würdigen. Es sollte ein großer Überblick der Gedanken Rupert Lays werden, in dem das freie Rumschmökern in anspruchsvollen Texten Spaß macht. Ein schweres Unterfangen, das mehr als gelungen ist.

Die Quelle für das Lesebuch (2002)

Als geeigneten Grundbaustein fand er unser „Wörterbuch“. Aber das „Wörterbuch“ hatte er nur in Papierform vorliegen. So machte es sich auf die Suche nach der digitalen Quelle. Und so fand er mich.

Die digitale Quelle war verschwunden. Aber in der digitalen Welt ist das ja kein großes Problem mehr. Mein Freund Wolfgang Groß übernahm die Aufgabe und stellte kurzer Hand ein hochwertiges digitales Exemplar vom Wörterbuch her. Und Norbert Copray und Erich Ruhl-Bady konnten loslegen.

Und sie haben etwas ganz Großartiges geschaffen. Aus dem Wörterbuch ist ein Lesebuch geworden, dass viel Klugheit, Klarheit und auch Frechheit enthält. Auf fast vierhundert Seiten finden wir ein Feuerwerk von Gedanken, mit denen sich auseinandersetzen lohnt und das richtig Spaß macht. Diese Gedanken findem wir thematisch schön geordnet. Zum Teil sind sie nur eine Zeile lang und selten länger als eine Seite. Richtig schön zum lesen.

So lohnt es sich immer, zwischendurchs ins Buch reinzuschauen. Aber Vorsicht: Man wird förmlich süchtig und bleibt dann schnell eine oder mehr Stunden hängen, und wundert sich dann um diese Jahreszeit, dass es so schnell dunkel geworden ist.

Großen Dank an Norbert Copray und seine Mitstreiter!

RMD

P.S.
Wer sich dieses Buch nicht besorgt versäumt etwas.