Komm in meinen Dienst – mach mich reich!

Als vorläufig mal letzten Beitrag in meiner Serie zu Korruption bringe ich ein Erlebnis, dass ich als besonders freches Vorgehen empfand. Es war allerdings auch ein sehr verlockendes Angebot und nicht ganz einfach, nein zu sagen.

Das Geschehen ist nicht ganz so lange her wie die Erfahrungen, die ich in den anderen drei Berichten wieder gegeben habe. In meiner Erinnerung datiere ich es auf Anfang bis Mitte der 90iger.

Wir waren damals ein anerkannter und auch bekannter Lieferant von Support und Service für Produkte erster Hard- und Software-Hersteller und versorgten im Auftrage dieser Unternehmen deren Kunden mit Service- und Support-Leistungen. In Regel lief das in guter Partnerschaft, so gab es schöne „win-win-Situationen“.

Es war die Zeit, in der immer neue Unternehmen – vorzugsweise aus USA aber auch aus anderen Ländern – mit besonderen Software-Lösungen im Service- und Sicherheits-Bereich kometenhaft aufstiegen. Und natürlich war unser Ziel, verschiedene Hersteller zu unterstützen und unterschiedliche Technologien zu unterstützen, um ein breites Angebot am Markt zu haben und unabhängig von einem Hersteller zu bleiben.

Eine Tages erreichte uns wie aus dem Nichts ein Anruf eines renommierten und sehr erfolgreichen Technologie-Anbieters mit der Anfrage, ob wir nicht den exklusiven Service für dessen Produkte in einem größeren Bereich von DACH (Deutschland, Österreich, Schweiz) übernehmen wollten.

Es ist immer schön, wenn das Bargeld in der Kasse klimpert.

Es ist immer schön, wenn das Bargeld in der Kasse klimpert.

Das klang natürlich phantastisch. Heute weiß ich, dass man bei solchen Angeboten eigentlich schon von Haus aus misstrauisch sein muss, denn Wunder passieren in der Unternehmens-Realität eben nie (oder wenn dann nur sehr, sehr selten). Und wenn sie doch passieren, dann haben sie (immer) einen (riesen-großen) Haken. Als Treffpunkt war – wie konnte es anders sein – die Lobby in einem Flughafenhotel vorgeschlagen.

Wir waren neugierig, wollten diese Chance auf jeden Fall prüfen und vereinbarten den Termin. Und es war alles wahr. Der Support-Chef Europa des besagten Unternehmens empfing uns sehr freundlich und entgegenkommend und erklärte uns überzeugend, warum er gerade unser Unternehmen als Kandidaten für die zukünftige Partnerschaft ausgewählt habe. Er bot an, uns für eine sehr attraktive Region den Service für seine Produkte und Kunden komplett und exklusiv an uns zu übergeben. Die notwendige Ausbildung unserer Kollegen an seinen Produkten wurde uns zum Nulltarif angeboten, nur die Arbeitszeit dafür hätten wir aufzubringen. Alles klang nach einer neuen und wunderschönen Partnerschaft.

Aber dann kam der Haken. Unser Gesprächspartner wies uns darauf hin, dass wir in solch einem Modell ja keine Vertriebskosten hätten – und trotzdem exzellente Preise realisieren würden. Alle Aufträge würden ja direkt von seinem Unternehmen kommen und pünktlich bezahlt werden. Also wäre es nur rechtens und für uns keines Falls irgendwie nachteilig, wenn wir eine Vertriebspauschale von 10 Prozent für den mit unserem neuen Auftraggebers getätigten Umsatzes abführen würden. Dazu würden wir regelmäßig Rechnungen von einem in der Schweiz ansässigen Vertriebsunternehmen erhalten, die wir nur pünktlich bezahlen mussten.

Wir haben dann um eine kurze Bedenkzeit gebeten und sind wieder heim gefahren. Und haben schweren Herzens abgelehnt, denn der entgangene Umsatz war für uns durchaus relevant. Die Firma in der Schweiz war übrigens auch eine Art Briefkasten-Firma, wer weiß wo das Geld dann weiter hin ging.

In meiner doch ziemlich langen beruflichen Laufbahn habe ich eine Reihe von ganz konkreten Kick-Back-Geschäften erlebt. Meistens haben dann Personen im Mittelmanagement durch aus sehr renommierter und auch deutscher Unternehmen von ihren Dienstleistern einen „kleinen Rückfluss“ erwartet bzw. verlangt. Das ging dann übrigens auch meistens über Briefkastenfirmen. Aber so ein dreistes Vorgehen wie das von mir hier berichtete habe ich nie erlebt.

RMD

P.S.
Das Bild ist aus Wikipedia.
Von Banknoten: Hermann Eidenbenz für die Deutsche Bundesbank. Münzen: versch. Künstler für die Bundesrepublik Deutschland – Banknoten: Herausgegeben von der Deutschen Bundesbank. Münzen: Herausgegeben von der Bundesrepublik Deutschland, PD-Amtliches Werk.

Roland Dürre
Donnerstag, der 28. April 2016

Briefkasten-Firmen, Korruption und was so dazu gehört … (Serie) #3

Im Land der Roß-Händler …

Nach mehr allgemein gültigen Überlegungen in den beiden letzten Beiträgen (1 und 2) setze ich meine kleine Serie zur Korruption fort und berichte über zwei konkrete eigene Erfahrungen. Hier der erste Fall.

Wie ja den meisten Lesern bekannt ist, habe ich vor über 30 Jahren ein Unternehmen gegründet und war dort als Geschäftsführer und Vorstand tätig.

Schon in den frühen 80iger Jahren wurden Autos als Geschäftswagen in der BRD genauso wie heute subventioniert. Da es damals noch selbstverständlich war, ein Auto zu fahren, haben wir ganz früh unseren Mitarbeitern wahlweise als Teil des Gehalts ein sogenanntes Geschäftsauto angeboten. Bei einem „Geschäftsauto“ spart man die gesamte Mehrwertsteuer, denn man kann alle (!) Ausgaben wie Anschaffung des Fahrzeuges, Ersatzteile, Reifen, Zubehör, Versicherungen, Wartung und Instandsetzung, dazugehörende Dienstleistung und auch die Ausgaben für den gesamten Kraftstoff als normale Geschäfts-Kosten absetzen und spart so die gesamte Mehrwertsteuer und weitere Unternehmenssteuern (Einkommen, Gewerbe).

Über die Laufzeit eines Kraftfahrzeuges macht das schon bei Fahrzeugen der Mittelklasse einen enormen Betrag an Steuerersparnis aus, der die vom Mitarbeiter abzuführende Steuer für den „Geld werten“ Vorteil wesentlich übersteigt. Besonders dann, wenn der Mitarbeiter einen kurzen Arbeitsweg hat. Und „kluge“ Mitarbeiter haben in der Regel einen kurzen Arbeitsweg, wenn auch manchmal nur steuerlich.

Den Subventions-Gewinn (Differenz zwischen ersparter Mehrwertsteuer und der vom Mitarbeiter bezahlten Steuer für „Geld werten Vorteil“) kann man sich trefflich zwischen Mitarbeiter und Unternehmen teilen, so dass beide Seiten von der Subvention für die Automobil-Industrie profitieren. Und da ich damals beim Thema Autofahren noch ziemlich naiv war, habe ich das Argument „Du bekommst einen Geschäftswagen“ kräftig auch bei der Anwerbung von Mitarbeitern eingesetzt.

So wuchs mit der Anzahl der Mitarbeiter auch die Anzahl der Geschäftswagen kräftig. Wir konnten nach kurzer Zeit von einer kleinen Flotte von IF-Autos sprechen, die immer größer wurde (10, 20, 30 …). Wenn man eine Flotte hat, kommt der Autovertreter für die Geschäftskunden und überredet einen mit dem Hinweis auf „die vielen Vorteile“ zu einem Flottenvertrag. Den habe ich dann auch irgendwann mal abgeschlossen.

Auch die Rückseite dieses Scheines hat manches Herz erfreut :-)

Auch die Rückseite dieses Scheines hat manches Herz erfreut 🙂

Jetzt dachte ich, dass wir über so einen Flottenvertrag die Autos günstiger kriegen würden denn als Privatkäufer. Das war aber ein Irrtum, immer wieder erfuhr ich, dass Freunde beim „Privatkauf“ – zwar nach zähem Handeln aber immerhin – einen höheren Einzelrabatt bekamen als ich für die Flotte. Das hat mich geärgert.

Dazu kam, dass die Versprechungen der Flottenvertrags-Händler zwar sehr groß aber der Service unterirdisch schlecht war. So habe ich die Anbieter gelegentlich gewechselt, einmal sogar die Marke. Die Verhandlungen waren immer grauenhaft, denn die Vertriebsleute der Autofirmen haben ihr ganzes, mir sehr unangenehmes vertriebliches Repertoire in penetranter Art und Weise eingesetzt.

Und wie ich partout nicht mehr wollte, kam der Oberverkäufer zu mir. Er beschwor mich eindringlich, dass ich unbedingt bei seinem Hause und seiner Marke bleiben müsse. Alles würde besser werden. Und er könne mir auch ein ganz besonderes Extra anbieten, dass er nur seinen allerbesten Kunden geben würde:

Er würde mir für jedes Fahrzeug, dass das Unternehmen im Rahmen des Flottenvertrages bei ihm kaufen würde, 5 % des Bestellwertes auf ein Konto meiner Wahl überweisen!

Ich war perplex und habe ihm geantwortet, dass ich gar kein Konto für so etwas hätte. Da hat er gesagt, dass er mir bei dem Einrichten eines solchen – gerne auch im Ausland – durchaus behilflich sein könnte. Hat er da eine Briefkastenfirma gemeint?

Zu der Zeit ist die InterFace gut gewachsen. Unsere Autos haben wir immer früh erneuert und so in diesem Jahr gut 10 Autos bestellt. Es war in diesem Jahr sicher ein Einkaufswert von über 250.000 DM. So hätten diese 5 % einen gesamten Zahlungseingang auf das Konto meiner Wahl in Höhe von 12.500 DM bedeutet. Das waren immerhin 12 1/2 Exemplare des abgebildeten Scheines, für den man damals noch sehr viel bekam. Und das Ganze steuerfrei und jedes Jahr mit steigender Tendenz …

Ich habe damals abgelehnt, weil ich ein solches Vorgehen nicht nur als Bestechung sondern vor allem als Betrug an meinen Partnern und Mitarbeitern gesehen habe. Heute bin ich froh darüber, dass ich dieses sehr ernst gemeinte Angebot abgelehnt habe. Marke und Vertriebsunternehmen verrate ich nicht, weil ich davon ausgehe, dass das keine gängige Geschäftspraxis war sondern nur die Machenschaften von Einzelnen. Aber wer weiß?

RMD

P.S.
Der Tausender ist aus Wikipedia.

Roland Dürre
Donnerstag, der 21. April 2016

Briefkasten-Firmen, Korruption und was so dazu gehört … (Serie) #2

Heute: Bestechung & Schwarze Kassen

Wie ich noch in Anwender-Software gemacht habe, war immer Requirement Engineering angesagt. Immerhin hatte der Begriff den Vorteil, dass das Wort Management nicht drin vorkam. Modern würde man ja wahrscheinlich „Requirement Management“ sagen. Ich bevorzuge aber heute den eher agilen Ansatz eines Systementwurfs mit „user stories“ und „use cases“.

Ganz gleich ob so oder so, immer gibt es etwas Ähnliches wie Entity-Relationship-Modelle (ERM). Es werden Objekte oder besser Klassen von Objekten und eine qualifizierte Beziehung beschrieben, die zwischen diesen besteht.

Das für mich schönste Beispiel für ein ER-Modell ist die Liebe. Da gibt es die Liebende (entity E1, die Liebe (relationship L->) und die Geliebte (entity E2), also E1 L-> E2. Das ganze geht natürlich auch männlich.
🙂  Und wenn das Relationship symmetrisch wird (<-L->), dann sprechen wir von einem „Happy End„.

Sogar die sicher sehr schlauen Jesuiten als Vordenker der katholischen Kirche haben genau diese Metapher gewählt, um das unverständliche und oft angezweifelte Dogma der Dreifaltigkeit als menschenfreundliche Metapher abzutun. Sie haben einfach Gottvater als den Liebenden, den heiligen Geist als die Liebe und Jesus als den Geliebten definiert.

:-) Was waren das noch für Zeiten, wie man diesen Schein als Reserve versteckt in seinem Geldbeutel hatte.

🙂 Was waren das noch für Zeiten, als wir diesen tristen Schein sauber gefaltet und tief versteckt als eiserne Reserve in der Tiefe unseres Geldbeutel hatten.

Bestechung kann auch als Entity-Relationship-Modell definiert werden. Es gibt den Bestecher, die Bestechung und den Bestochenen. Schon vor ein paar Jahrzehnten haben wir im Seminar bei Rupert Lay – damals auch als der Nestor von Ethik in Wirtschaft und Gesellschaft bezeichnet – das Thema Bestechung heiß diskutiert und debattiert.

Die Erkenntnis im Kreis der Manager war damals, dass die Bestechung zumindest eines deutschen Beamten zweifelsfrei ein „Nogo“ wäre, weil sie definitiv vom Gesetzgeber verboten wäre. Eine Bestechung eines Einkäufers einer definitiv korrupten Gesellschaft – um zum Beispiel Arbeitsplätze zu erhalten – könne aber ethisch durchaus zu rechtfertigen sein. Weil es ja sonst ein anderer tun würde. Und das Finanzamt würde ja auch genau deshalb eine Erklärung wie „besondere Aufwendung“ ohne Empfängerangabe in einem vernünftigen Rahmen akzeptieren.

Soweit die Management-Denke der 80iger Jahre. Ich sah und sehe das ein wenig anders. Zum einen, weil diese Logik ja alles recht fertigen würde, auch den Einsatz von weiteren unredlichen Mitteln – wie zum Beispiel Gewalt – und zum anderen, weil auf diese Art und Weise das Rad der Korruption nur noch schneller gedreht werden würde.

Wie sieht Bestechung in der (erlebten) Praxis aus?

In der Regel basiert Bestechung auf einem System von schwarzen Kassen. Denn sie funktioniert nur, wenn Bestecher (E1) und Bestochener (E2) nicht bekannt werden. Also muss das Geld möglichst früh anonym aus dem Unternehmenskreislauf entnommen und ins Schattenreich des Schwarzgeldes gebracht werden.

Dort herrscht Regellosigkeit los, bzw. die Regeln werden von einzelnen Personen festgelegt. Die sind bekanntermaßen schwach und können leicht verführt werden. Besonders wenn sie als sozialem Rahmen ein korruptes System haben, dass es ja mit seinen schwarzen Kassen vormacht.

Menschen mögen sich selber am meisten. Und ihr Gerechtigkeitssinn protestiert, wenn so ein korrupter Mensch einer fremden Welt auch noch soviel Geld kriegen soll. Also zweigen sie – für mich gut nachvollziehbar – einen wesentlichen Betrag aus dem Bestechungsgeld an sich ab. Alles andere wäre ja mehr als dumm.

Ich gehe mal davon aus, dass (mehr als) die Hälfte der Bestechungssummen gar nicht bei den Bestochenen landet sondern bei den Bestechern hängen bleibt. Das macht Bestechung so problematisch. Denn plötzlich wird das ERM symmetrisch, der Bestecher will die Bestechung genauso wie der Bestochene, sie werden zu Komplizen und die Notlüge „man muss ja bestechen, weil es die Regel ist“ steht auf noch schwächeren Beinen.

Das an beide Seiten geflossene Geld muss natürlich irgendwo hin – und wieder wird uns klar, warum es so viele Scheinfirmen gibt. So schließt sich der Kreis zum ersten Artikel meiner kleinen Serie. In den nächsten beiden Artikeln beschreibe ich dann ganz konkret, wie ich bestochen werden sollte.

RMD

P.S.
Der Tausender ist aus Wikipedia.

Agrippina minor mit Diadem als Justitia auf einer Münze des Nero

Agrippina minor mit Diadem als Justitia auf einer Münze des Nero. Die oft ziemlich blinde Justitia.

Da hat (wurde) eine Kanzlei (eine von vielen solchen) „geleckt“ (gehackt), die als Dienstleistung die Konstruktion und Installation von besonderen Unternehmen in recht eigenartigen Staaten anbieten – und viele Menschen sind überrascht, was es alles gibt, wenn ein Teil der Wahrheit publik wird.

Die Medien haben das Datenleck natürlich sofort wieder in besonderer Art und Weise und ziemlich sensations-lüstern publiziert.

Nur ist das alles aber schon lange bekannt. So berichte ich hier über mir Bekanntes zu Korruption, Briefkasten-Firmen, den Methoden dahinter und über alles was da dazu gehört.

Hier also vier Korruptions-Geschichten, die ich selbst so erlebt habe.

Geschichte 1:
Wie man Schwarzgeld macht und in eine Briefkastenfirma einbringt.

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein methodischer Berater und haben ein erfolgreiches Beratungs-Unternehmen namens „GAMMA“ – ein ganz „normales“ und leidlich erfolgreiches Unternehmen in Deutschland. Sie haben eine Idee, die Ihr Geschäft stützt und programmieren diese am Wochenende in Excel runter. So entsteht ein Werkzeug, das Ihre Methode unterstützt und Ihr Beratungsangebot effizienter macht und von der Konkurrenz differenziert. Ihre Mitarbeiter benutzen das Werkzeug gerne, Ihre Kunden schätzen es und sind vielleicht sogar bereit, dafür eine Extra-Gebühr oder Lizenz zu bezahlen. Das muss aber gar nicht sein.

Schon haben Sie eine perfekte Ausgangs-Situation, in der Sie wunderbar Schwarzgeld generieren und in eine Briefkastenfirma transferieren können.

Sie machen jetzt Folgendes – und alles ist (fast ?) legal.

Sie gründen eine Firma „ALPHA“ in so einem Briefkasten-Firmen-Staat („Steuer-Oase“). Dieser Firma übertragen Sie ihre Idee (Ihr Geistiges Eigentum, auch in Neudeutsch Intellectual Property oder IP genannt). Das Unternehmen „ALPHA“ hat offiziell die Aufgabe, Ihr geistiges Eigentum weltweit zu vermarkten. Das erscheint doch völlig legal im Sinne der geltenden Gesetze. Nur der Standort des Unternehmens mag ein wenig ungewöhnlich sein, er ist in einem sehr exotischen Land, das niemand so richtig kennt und das mit dem man den Begriff „Steuer-Oase“ assoziert. Der „Geschäftsführer“ von „ALPHA“ wird in der Regel ein Strohmann sein, der nicht viel zu tun hat und dafür auch nur ein kleines Entgelt bekommt.

In einem anderen (ein wenig vertrauenswürdigerem Land wie z.B. Irland) gründen Sie ein klitze-kleines SW-Haus namens „BETA„. Das besteht aus einem Mitarbeiter, der in seiner Freizeit gegen ein kleines Entgelt Ihr Spreadsheet ein wenig funktional erweitert und pflegt. Auch das dürfte legal sein.

Die Firma „BETA“ stellt an „GAMMA“ eine nicht zu kleine Rechnung für jeden gemeldeten (!) Einsatz von Methode und Werkzeug. Mit einem kleinen Teil der Einnahmen wird der Teilzeit-Mitarbeiter finanziert. Der wesentliche größere Restbetrag wird an „ALPHA“ als Lizenzgebühr fürs IP abgeführt. Bei „BETA“ bleibt nicht nicht mehr als notwendig hängen. Auch das ist sicher nicht illegal.

Sie erhöhen auf diesem Weg die Kosten und senken den Gewinn von „GAMMA“ (und zahlen weniger Steuern.)  So transferieren Sie regelmäßig schöne Sümmchen (Schwarz-?)Geld aus „GAMMA“ über „BETA„nach „ALPHA„, ihrem Off-Shore-Unternehmen, das in ihrem Besitz ist und Ihres geistiges Eigentums (IP) verwaltet und verkauft.

Diese Methode funktioniert so mit Rechten aller Art im Kleinen wie im Großen.

Bliebe noch die Frage:
Was macht das Unternehmen „ALPHA“ mit dem vielen Geld?

ALPHA“ investiert in ein Häuschen im Tessin oder auf Mallorca – oder in eine Yacht, ganz nach Ihrem Geschmack. Die können vermietet werden; das Vermögen wird so weiter vermehrt. Und natürlich können Sie auch ihren Wünschen folgend Yacht und Häuschen beliebig nutzen, wie zum Beispiel mit hübschen Damen dort eine schöne Zweisamkeit verbringen oder – natürlich gratis – Ihre Geschäftspartner einladen.

Wenn Sie Ihre Briefkastenfirma „ALPHA“ dann mal auflösen will, so geht das auch. Das macht dann wieder die Kanzlei, die bei der Gründung des Unternehmen so behilflich war und bringt die Moneten steuerlich günstig wieder „heim ins Reich“.

Ist doch ganz einfach! Aber Justitia schaut zu und kann in der Regel gar nichts machen.

In der nächsten Story dieser Serie berichte ich, wer vom Geschäft mit den „Schwarzen Kassen“ in Wirklichkeit profitiert – und welche Rolle dabei Brief-Kastenfirmen spielen können. Und anschließend „oute“ ich mich, wie man mich zu bestechen versucht hat, als Kunde wie auch als Lieferant (!).

RMD

P.S.
🙂 Jetzt hoffe ich nur, dass es keine Firma „Gamma“ gibt, die tatsächlich solche Geschäfte macht.

P.S.1
Das Bild ist aus Wikipedia – Eigentümer ist die Classical Numismatic Group, Inc.