Roland Dürre
Samstag, der 12. November 2016

Interview im DOAG-TV zur „Digitalisierung“

DOAG22016-K-A-Banner-180x180_speakerVom 15. bis zum 18. November 2016 findet die 29. Auflage der DOAG Konferenz + Ausstellung in Nürnberg statt. Ich war dabei und durfte einen Vortrag halten – und für DOAG-TV ein Interview geben. Hier die Fragen und meine Antworten:


Wann und wie begann, Ihrem Verständnis nach, eigentlich die Digitalisierung?

Digitalisierung beginnt für mich mit der “Verschriftung von Sprache”. Das hat ein paar Tausend Jahre nach dem Entstehen von Sprache begonnen, vielleicht so vor um die 5.000 Jahre. Dann kamen die Informationsträger für Schrift – wie Papyros, Papier und IT und Maschinen wie die Druckerpresse, der Bleisatz und schließlich das Internet.

Schrift wurde übrigens zuerst für die Bedürfnisse der Wirtschaft (des Handels) erfunden. Die Wirtschaft ist der Erfinder alles Dinge – nicht der Krieg. Krieg ist bestenfalls eine extreme Art von Wirtschaft – und wie ich finde, eine höchst fragwürdige und pervertierte.

Auch damals waren die Zeiten schon "digital".

Auch damals waren die Zeiten schon „digital“.

Wo stehen wir heute, und was bedeutet die Digitalisierung für das „analoge“ Wesen Mensch?

Der Mensch ist und bleibt ein analoges Wesen. Durch die “Kulturtechniken” wie Lesen und Schreiben wurde der Mensch ein wenig digital. Aber eben nie so richtig. Denn die Umsetzung von digitalen Erfahrungen in sein analoges Vorstellungsvermögen gelingt dem Menschen auch heute noch nicht so richtig. Man denke an das Geheimnis der großen Zahl. Linear ist schwer genug, quadratisch (geometrisch) wird schon sehr schwierig, logarithmisch unmöglich. Wissen Sie, können Sie sich vorstellen, was 200 Billiarden (deutsch) EURO sind (Das ist die Summe, mir der sich die Länder der EU jedes Jahr neu verschulden)?

Den Verlust der Fähigkeit im Kopf oder auf Papier zu rechnen hat schon der Taschenrechner bewirkt. Wer kann noch im Kopf oder auf Papier rechnen? Wer kann noch ohne Rechner eine Wurzel ziehen oder einen logarithmischen Wert berechnen?

Ein Blick in die Zukunft: Wohin wird uns die Digitalisierung führen?

Verblüffender Weise könnte die Digitalisierung zu eine Re-Analogisierung unseres Lebens führen. Früher habe wir digitale Daten mit dem Modem (Modulieren & Demodulieren) in analoge Signale umgewandelt und über eine Leitung gesendet. Und am anderen Ende hat das Modem wieder in digitale Daten umgewandelt. Heute wandeln wir analoge Signale (Ton und Bild) für den Transport in digitale Daten, zerhacken diese in kleine Datenpakete, leiten sie über ein Paketvermittlungsnetz, sammeln und reihen sie dann wieder auf und rekonstruieren das analoge Signal aus den digitalen Daten. (So gibt es auch kein Rauschen mehr 🙂 ).

Was wird kommen?

  • In der Kommunikation: Facilitation wird immer wichtiger. Es wird gelten: Mehr Bilder und weniger Schrift. Mehr sprechen und mehr zeichnen und weniger schreiben. Audio wird immer relevanter – auch als Teil der asynchronen Kommunikation. Podcasts und Videos werden weiter auf dem Vormarsch sein.
  • Ein „rudimentäres Analphabetentum“ wird sich weiter ausbreiten. Die Sprache wird gewinnen. Starke Metapher werden wichtig, das Bewusstsein für “restricted code” und “elobarated code”.
  • Sprach- und Gestiksteuerung wird dominant werden.

So oder anders könnte die Zukunft werden. Aber Zukunft ist halt nicht vorhersagbar.


Soweit das Interview! Einen Vortrag mit dem Titel „Digitalisierung – ein großer Irrtum“ werde ich auf der DOAG-Konferenz am Mittwoch halten. Und habe soviel spannende Themen gesammelt, dass ich gar nicht weiß was ich erzählen soll. Das macht mich aufgeregt. Aber zuerst kommt ja am Dienstag das Interview. Wenn es online ist, werde ich es natürlich auch in IF-Blog verlinken. Und da schon ganz neugierig, was ich dann tatsächlich erzählen werde.

Das Bild entstand übrigens bei meinem letzten Vortrag auf der DOAG-Konferenz in 2015.

"Zur Erinnerung an meinen Vortrag in 2015 (created by Christian Botta")

„Zur Erinnerung an meinen Vortrag in 2015 (created by Christian Botta)“.

RMD

Jetzt bin ich wieder zu Hause aus Dornbirn und im Wochenende angekommen. Es war eine starke Woche. Zuerst zwei Nächte in Nürnberg mit einem langen Tag auf der #DOAG2015 und dann Donnerstag bis Samstag ein ganz starkes PM-Camp in Dornbirn #PMCampDOR. Die beiden Hashtags verlinken übrigens auf die Tweets zu den beiden Veranstaltungen, es lohnt sich das anzusehen.

Auf der DOAG 2015 durfte ich ja letzten Mitwoch wieder einen Vortrag halten:

„Kreativer Raum – gesunder Raum!“

Hier das Bild vom Christian und meine Kurz-Skizze zum Vortrag.

"created by Christian Botta"

„created by Christian Botta“

Heute: Arbeitssituation in Unternehmen scheint oft unerfreulich, es gibt (viele) Mitarbeiter, die innerlich gekündigt haben, Gehalt wird nur noch als Schmerzensgeld empfunden. Aber zum „Love it, change it or leave ist“ reichen Mut und Kraft halt nicht mehr.

Sinnlose Besprechungen, Gefühl der Machtlosigkeit, Burnout sind das Ergebnis. Dagegen will man etwas tun, siehe auch BGM (Betriebsgesundheitsmanagement).

So ist Wandel ist allerorten, Konferenzen werden von Unkonferenzen abgelöst, ich gehe lieber auf Barcamps…

Und ich präsentiere hier die Geschichte meines Vortrages. Eine Kurzfassung musste eingereicht werden. Dann die Präsentationsunterlagen. Auch Folien sollte ich einreichen. Hatte aber kein. Weil ich immer frei spreche.

Der Christian Botta von VisualBraindump hat von meinem Vortrag ein Bildprotokoll gemacht. Danke!

Heute hätte ich den Vortrag vielleicht „Komplexität, Innovation und Burnout in Unternehmen“ benannt. Wäre ein schönerer Titel gewesen als der in den Unterlagen. Oder auch „Über das artgerechte Halten von Menschen“. Weil es im Prinzip um das selbe ging wie beim „key speaker“ Gunter Dueck.

Los ging es mit den Eindrücken für den Vortrag zu Anfang des Jahres. Da hat Dietmar Neugebauer (Präsident der DOAG) hat mich angefragt, ob ich im November wieder einen Vortrag halten auf seiner Konferenz halten würden. Das habe ich gerne gemacht. Dann kamen die Denkanstöße. Das eine war OpenInnovation bei der InterFace AG gemeinsam mit FAU Nürnberg, Lehrstuhl Prof. Möslein. Bei der Abschlussveranstaltung des Projektes ein Vortrag von Dora zu „kreativen Räumen. Anschließend konnte ich mir ein gutes Bild machen, wie Räume (und Organisationen) „aussehen“ müssen, die Innovation möglich machen – physisch wie virtuell. Sie haben wohl etwas mit Partizipation, Respekt, Augenhöhe, Kultur, Muster brechen, Freude und Glück zu tun.

Ein paar Wochen hatte ich ein Interview mit Dr. Marius Poersch. Marius ist als Psychologe leitender Arzt in einer Klinik, die auch  viele Burnout-Fälle versorgt. Er möchte nicht nur „Reparaturbetrieb“ sein, sondern erforscht auch, was Menschen und Organisationen machen können, damit burn-outs minimiert werden können. Nach seinem Vortrag konnte ich mir gut vorstellen, wie so ein „burnout-freier“ Raum aussehen müsste.

Verblüffend, aber eigentlich logisch ist das Ergebnis: Die Räume sind genau die selben. Der von Dora beschriebene „Raum“, der Innovation ermöglicht, ist genau derselbe wie der von Marius, der uns gesund erhält.

Was sind jetzt aber die Ursachen für den Frust, den wir erleben? Wir vermuten, es ist die Komplexität, die uns Angst macht und die in der Folge entstehende Bürocracy unserer Gesellschaft, die versucht eine fragwürdige Sicherheit zu geben?

Einschub:
Als Beispiel für eigenen Frust als Unternehmer (Weil bei Oracle und in Nürnberg) die Geschichte von DocuMaker und der Bundesagentur für Arbeit, Misserfolg durch unsinnige Regeln, der Oracle-Middleware-Produkt-Manager kennt das Produkt nicht, Vorhersage zu Oracles Zukunft nach Larry Ellision … Viel Frust, viel Verlust für alle. Gott sei dank für uns nicht Distress, weil der Gewinn Oystress gewesen wäre.

Annahme: Eine komplexe Welt im schnellen Wandel macht uns Schwierigkeiten. Dazu kommen die Prozesse, Regeln, Protokolle, Prozesse, die die Komplexität bewältigen sollen aber vor allem uns das Leben schwer machen.

Einschub:
Bericht vom PM-Camp Berlin (Komplex versus Kompliziert)

Da wurde auch viel abstrakt diskutiert über den Unterschied zwischen komplex und kompliziert. Nach Niels Pflaeging ist es ganz einfach: Solange es nur kompliziert ist, können uns die klassischen Methoden des Projekt Management und Lösens von Problemen helfen. Aber nicht mehr, wenn es komplex wird.

Ich meine, dass es so einfach nicht ist. Habe eine Session mit Maik Pfingsten (Blogger, PoD-Cast) gehalten und mich an der Definition von Maik für Komplexität erfreut (aus Sicht des Systemingenieurs)

x – Achse: Grad an Kompliziertheit
y – Achse: Tempo der Veränderung

Je mehr von beidem, desto „komplexer“.

Ich habe das erweitert um die
z-Achse: Maß in dem es im Projekt menschelt.

Also: Je komplizierter, dynamischer und je mehr es menschelt, desto komplexer …

Aber:
Seneca: Philosophie heißt nicht reden sondern handeln.

Also:
Was können wir tun? Wenn es sehr kompliziert wird, wenn die Dinge sich immer schneller ändern und es immer stärker menschelt?

Hier gibt es keine Kochrezepte oder Best Practice, auch keine Methoden und Techniken, nur ein paar Dinge zum Nachdenken.

Ingenieure, Software-Männer, Techniker
Euch verweise ich auf das: Agile Manifesto (2001)

Unternehmer, Manager, Führungskraft
Hans Ulrich – 8 Thesen zum Wandel im Management (1982)

Einschub:
Hans Ulrich

Hier stichwortartig die „8 Thesen zum Wandel im Management“ von Hans Ulrich mit ebensolchen Anmerkungen:

  1. Ungewissheit und Unvorsehbarkeit der Zukunft als Normalzustand akzeptieren!
    Zukunft ist halt nicht vorsehbar …
  2. Die Grenzen des Denkens weiter stecken!
    Gegen „Das geht doch nicht“ oder “Das haben wir immer schon so gemacht” sein. Die Freiheit der Gedanken nicht unterdrücken. Wissen teilen.
  3. Sich in den Kategorien “Sowohl-Als-auch” an Stelle von “Entweder-Oder” bewegen!
    Schwarz-weiß ist out, Bunt ist in.
  4. Mehrdimensional denken!
    Sittlich verantwortete Güterabwägung, Menschen können eigentlich immer nur drei Gedanken parallel behandeln.
  5. Selbstorganisation und Selbstlenkung als Gestaltungsmodell für die Unternehmung verwenden!
    Verantwortung, Subsidiarität
  6. Managen als Sinn gebende und Sinn vermittelnde Funktion auffassen!
    Neues Managementbild.
  7. Sich auf das Wesentliche konzentrieren!
    Arbeitsökonomie.
  8. Gruppendynamik ausnutzen!
    Kulturen, Symbole, Riten, Rituale …

Als Mensch:
John Izzo – 5 Dinge, die Sie vor Ihrem Tode berücksichtigen sollten

Hier empfehle ich die Lektüre der Rezension des gleichnamigen Buches.

Oder auch die Erfahrungen der Bonnie Ware:

Hier ihre 5 gelernten Dinge aus der Betreuung von Sterbenden:

  1. „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben“
  2. „Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet“

  3. „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken“

  4. „Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten“

  5. „Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein“

Das sind die 5 Einsichten, die Bonnie Ware bei der Begleitung von Sterbenden gesammelt hat. Ich meine, da kann man doch auch einiges Lernen fürs Leben lernen …

Das hilft alles aber nichts, wenn Sie nicht bereit sind, zu leben. Da fehlt noch etwas.

Einschub:
Ein Mentée von mir arbeitet bei Osram: Da kriselt es eh. Ein ziemlich unsinnig anmutender Umzug vom 60igerStadion nach Garching kommt dazu. Mein Mentée lebt in Unterhaching, sein Arbeitsweg vervierfacht sich. Er spürt seine schlechte Laune.
Er kommt schlecht gelaunt zu Arbeit und schlecht gelaunt nach Hause. Dialog: Wie geht es Deinem Chef? – Der ist gut gelaunt! – Was macht er anders als Du? – Der radelt jeden Morgen von Trudering nach Garching! – Radel doch auch! – Geht nicht! – Geht nicht gibts nicht!
Dann hat er sich ein e-Bike gekauft und ist auch jeden Tag geradelt. Und seitdem kommt er gut gelaunt im Büro und wieder zu Hause an. Und fühlt sich wieder soviel besser …

Vereinfacht:

Unser Körper braucht Bewegung und frische Luft. Und Zeit in der Natur. Und das kann man ganz einfach haben – nämlich mit aktiver Mobilität im Alltag. Siehe auch AktMobCmp.

Auch Seneca hat gelehrt:
Lebe im Einklang mit der Natur.
(Seneca war ein Lehrer, der seine Schüler erfolgreich und glücklich machen wollte. Leider war das nie das priore Ziel meiner Lehrer).

Wer will sein Leben in den Griff kriegen, wenn er es nicht mal schafft, seine eigene Mobilität in den Griff zu kriegen? Und Autofahren bringt eben nicht Freiheit noch ist es eine Erfüllung unseres Lebens …. (Auch wenn es uns in einem gigantischen Brainwash von einer scheinbar übermächtigen Industrie so eingeredet wird).

Also: Wir brauchen wir eine regelmäßige und schöne Bewegung!

Aber nicht so, wie ich es nach einem Kinobesuch im Eldorada in der Sonnenstraße erlebt habe. Mit Tränen in den Augen kam ich aus dem wunderschönen Film „Die Kinder der Mme Ann“. Und stellt Euch mal vor, gegenüber im 1. Stock ist ein Fitness-Studio. Mit großen Scheiben … Und man sieht dort hell erleuchtet wie im Schaufenster Menschen, die da ihr „work out“. Nach dem Motto Work Hard, Play Hard, WORK OUT …

Für mich ist das eine grauenhafte Vorstellung. Fitness geplant wie das ganze Leben. Also, auf zum Leben ändern! Und es geht. Denn wie Seneca sagt:

Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen ist es schwer.

RMD

P.S.:
Im Vortrag habe ich noch zwei Einschübe gebracht – über den Terrorismus und über die Flüchtlingssituation. Und kurz mögliche Ursachen für beides erwähnt, aber vor allem beschrieben, warum ich mit unserer Reaktion auf und unserem Umgang mit beiden Problemen so gar nicht zufrieden bin. Meine Gedanken diesbezüglich werde ich aber in zwei eigenen Artikeln in der nächsten Zeit ablegen.

Roland Dürre
Sonntag, der 26. Januar 2014

Interview für die DOAG

„Da findet eine Evolution statt, die kaum vorhersehbar ist …“

Die Informationstechnologie entwickelt sich schneller als je zuvor. Dr. Dietmar Neugebauer, Vorstandsvorsitzender der DOAG, und Wolfgang Taschner, Chefredakteur der DOAG News, sprachen darüber mit Roland M. Dürre, Vorsitzendem des Vorstands der Interface AG, also mit mir :-). Das ganze anlässlich der großen DOAG-Konferenz 2013 in Nürnberg.

Sie haben die Interface AG gegründet. Was ist deren Geschäftsmodell?
Gestartet im Jahr 1984 als Produkt-Unternehmen sind wir mit der professionellen Textverarbeitungs-Software HIT/CLOU innerhalb weniger Jahre zum europäischen Markführer auf UNIX-Systemen aller Hersteller geworden. Um die Jahrtausend-Wende haben wir uns zum IT-basierten und Branchen-neutralen Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen gewandelt. HIT war das UNIX-Textsystem, CLOU die ergänzende 4GL-Maschine für Textgenerierung. Schon in den ersten CLOU-Versionen gab es die Möglichkeit, SQL-Scripten einzubetten, so dass der Textautomat aus der zugewiesenen Datenbank qualifiziert lesen und bei Bedarf auch in sie schreiben konnte. In vielen Einsätzen war dies die Oracle-Datenbank.

Neben der Interface AG gibt es unter dem Dach der IF-Group noch weitere Unternehmen. Was machen diese?
Unsere Tochter-Unternehmen sind spezialisiert auf Dienstleistung im Umfeld besonderer Hersteller-Technologien wie Microsoft oder allgemeiner IT-Technologien wie Virtualisierung. Ein Unternehmen fällt aus der Rolle, es ist die IF-Localization, die Übersetzungen in alle Sprachen organisiert und interkulturelle Anpassungen durchführt.

In welchem Rahmen setzen Sie bei Ihren Kunden Produkte der Firma Oracle ein?
Fast alle unsere Kunden setzen in den geschäftskritischen Prozessen die Oracle-Datenbanken ein. Diese Datenbanken sind die Basis für IT-Anwendungen aller Art.

In welchem Bereich sehen Sie die Stärken der Oracle-Produkte, wo die Schwächen?
Mein Eindruck ist, dass die Oracle-Produkte in der Regel immer sehr gut im Wettbewerb abschneiden. Bedauerlich ist aus meiner Sicht eher, dass es gerade im Middleware-Bereich keine Übersicht über die Vielfalt der Produkte gibt. Da ist noch viel Platz für Oracle nach oben.

Wie beurteilen Sie generell die Produkt-Strategie von Oracle?
Es steht mir nicht an, die Produkt-Strategie von Oracle zu bewerten. Zumal ich gar nicht in der Lage bin, die Vielfalt ganz zu überschauen. Vielleicht wäre da eine Produkt-Landkarte sinnvoll, die alle Produkte und ihre Möglichkeiten beschreibt.

Würden Sie Ihren Kunden empfehlen, ein Komplettsystem von der Hardware bis zu den Applikationen von einem einzigen Hersteller wie Oracle einzusetzen?
Warum sollte ich nicht? Ich bin schließlich ein alter Fan von Sun-Systemen. Aber im Ernst, eine integrierte und abgestimmte Architektur hat viele Vorteile, die sich wahrscheinlich auch rechnen. Eine Abhängigkeit vom Hersteller besteht ja immer, ganz gleich ob der Anbieter Microsoft, IBM, SAP oder Oracle oder anders heißt.

Was hat Sie damals an Sun so beeindruckt?
Wir waren ja eine UNIX-Firma und ich war mir damals (fälschlicherweise) ziemlich sicher, dass Windows keine Chance im professionellen Einsatz hat. Da habe ich mich freilich gründlich geirrt. Sun war damals neu  und modern – in der grafischen Oberfläche der Sun-Workstations sah ich eine große Zukunft. Zudem waren mir die damaligen Sun-Mitarbeiter auf ihren Veranstaltungen sehr sympathisch.

Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Oracle Sun übernommen hat?
Einerseits war ich entsetzt, andererseits hatte ich die Hoffnung, dass diese Akquisition eine große Chance ist. Die große Performance der Oracle Engineered Systems sind ein gutes Beispiel dafür.

Die Interface AG setzt stark auf soziale Medien. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
Persönlich nur die besten. Allerdings ist es nicht immer einfach, die Menschen und auch zentrale Abteilungen zum Mitmachen zu bewegen. Witzigerweise erfahre ich oft aus Facebook, Google+ oder Twitter, was unsere Mitarbeiter gerade so machen, auch dienstlich.

Welche Vorteile sehen Sie im Einsatz der sozialen Medien im Unternehmen?
Ich betrachte das heute als ein unbedingtes Muss. Das Management hat sich über die Jahre verändert, an die Stelle des hierarchisch aufgebauten Systems gibt es heute eine vernetzte Struktur. Bei größeren zusammenarbeitenden Gruppen sind deshalb moderne Hilfsmittel erforderlich, um beispielsweise die zahllosen Besprechungen zu vermeiden. Entscheidend ist jedoch, alle Team-Mitglieder von den Vorteilen der sozialen Medien zu überzeugen.

In welche Richtung wird sich die IT in den kommenden Jahren entwickeln?
🙂 Wenn ich das wüsste, würde ich nicht hier sitzen, sondern auf einer schönen Yacht in der Karibik und einem Glas Champagner in der Hand. Seriös: ich gehe davon aus, dass die IT ihren Weg und dies sehr schnell gehen wird. Da findet eine Evolution statt, die kaum vorhersehbar oder gar bestimmbar ist. Ich gehe aber davon aus, dass die großen Impulse nicht mehr aus Europa und auch nicht mehr so stark wie bisher aus den USA kommen werden, sondern aus Asien. In der Pionierzeit von Unix war der große Nachteil für uns deutsche Anbieter, dass der deutsche Markt so viel kleiner als der Englisch-sprechende war. Heute bestimmen China und auch immer mehr Indien, wo es lang geht.

Was erwarten Sie dabei von einem IT-Unternehmen wie Oracle?
Die Kunst wäre, die richtige Mischung und/oder Gewichtung zwischen „open“ und „proprietär“ zu schaffen. Die Märkte in der IT wandeln sich schnell und sind nicht mehr von einem Unternehmen alleine beherrschbar. So sind technologische Offenheit und strategische Transparenz wünschenswert und bestimmt langfristig auch nützlich für IT-Unternehmen.

Wie sehen Sie den Stellenwert einer Anwendergruppe wie der DOAG?
Ich habe ja eigene Siemens-Erfahrungen, als Mitarbeiter wie als Lieferant. Bei Siemens gab es die Siemens Anwender-Vereinigung. Ich war immer beeindruckt, wie dadurch sehr konstruktive Beziehungen gerade mit Großkunden und Lieferant möglich waren und welcher Nutzen für beide Seiten entstanden ist.

Welche Erfahrungen aus Ihrem langen Berufsleben können Sie an andere Unternehmer weitergeben?
Vielleicht die wichtigste: Immer fähig sein, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Und agil bleiben und dogmatische Entscheidungen und Handlungen um alles in der Welt verhindern. Ansonsten versuche ich die Regeln für modernes Management von Hans Ulrich, dem Erfinder des St. Gallener Management Modells zu beherzigen. Diese sind: Die Unvorsehbarkeit von Zukunft als Normalzustand zu akzeptieren, die Grenzen des Denkens weiter stecken, sich besser vom „sowohl als auch” als vom „entweder oder” leiten zu lassen, mehrdimensional zu denken, Selbstorganisation und Selbstlenkung als Gestaltungsmodell zu begreifen, Managen als sinngebende und sinnvermittelnde Funkton aufzufassen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und Gruppendynamik auszunutzen. Beachtenswert, dass diese Regeln aus den 1980ger Jahren stammen.

Das Interview ist mittlerweile bei DOAG veröffentlicht – so poste ich es auch mal hier.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 16. Februar 2017

1985 objektorientiert – heute agil digital lean open social.

Dieses Buch habe ich im Herbst 1985 auf der Uniforum druckfrisch erworben und als erster nach München gebracht.

Vor kurzem habe ich dieses Buch wieder gefunden. Das hat mich daran erinnert, dass ich im Februar 1985 (Dallas, Texas) und 1986 (Anaheim, California) gemeinsam mit Freunden auf Uniforum-Konferenzen war. Es war großartig, die Uniforum war damals die UNIX-Konferenz in USA. Diese hatte Tausende von begeisterten Besuchern, die aus aller Welt kamen. Dort habe ich eine riesige Aufbruchstimmung erlebt.

Es gab damals auch eine kleine Sensation. Druckfrische Exemplare des ganz neuen Buches zu C++ von Bjarne Stroustrup (siehe Foto links) wurden mitten hinein die Konferenz geliefert und direkt von der Palette weg verkauft. Ich habe ein paar Exemplare erworben und mit nach Hause genommen. Das dürften die ersten Bücher zu C++ gewesen sein, die Münchner Boden erreicht haben.

Da ist mir wieder eingefallen: In den 80iger Jahren habe ich immer wieder Vorträge zu Software-Entwicklung gehalten. Ein zentrales Thema war damals der Wandel in der Programmierung, das zentrale Schlagwort immer wieder OBJEKTORIENTIERT.

Ich habe auch als Auftragsarbeit für IT-Manager diverse Vorträge zum Thema „OBJEKTORIENTIERTE Programmierung“ verfertigt. So auch für ein „hohes Tier“ der Siemens AG im UB D bei D AP (oder war das damals schon SNI?). Er hatte den Auftrag, seinem „Führungskreis“ zu erläutern, was OBJEKTORIENTIERTHEIT denn überhaupt so wäre. Der Vortrag kam laut Rückmeldung gut an – genutzt hat es freilich nichts.

🙂 Heute programmiert die ganze Welt „objektorientiert“. Für meinen Geschmack sogar einen Tick zu sehr.

Später habe ich „meine Programmierstiefel“ an die Wand gehängt und bin so etwas wie ein „Unternehmer“ geworden.

Jetzt war ich nicht mehr als Technologie-Evangelist unterwegs sondern habe über Führung und Management gesprochen. Und besonders das „smarte“ Pentagramm der Begriffe „agil“, „digital“, „lean“, „open“, „social“ und deren Zusammenhänge „gepredigt“.

So habe ich berichtet, warum Mut und Freude der Menschen in den Unternehmen eine zentrale Voraussetzung auch für den wirtschaftlichen Erfolg ist. Und begründet, wie notwendig gegenseitiger Respekt und Wertschätzung untereinander (nicht nur) im Unternehmen sind. Warum Augenhöhe und gemeinsames Teilhaben und Verantworten die Voraussetzung für Innovation sind. Und warum Menschen keine „Resourcen“ sind. Und wie man den Wandel nur agil schaffen kann.

„Pro Agil“ auf dem Podium der DOAG Jahreskonferenz in 2013.

Ich habe erklärt, warum Prozesse, Regeln  und Bürokratie die notwendige Veränderung verhindern. Welch hoher Schaden durch „Tayloristische Entwicklungen“ in der Organisation entsteht und wie viel Verschwendung (waste als Gegenteil von „lean“) eine überbordende Verwaltung und die daraus folgende Verbürokratisierung des Unternehmens verursachen. Und dass es keinen Sinn macht, sich in endlosen Besprechungen zu tummeln.

Und dass Abteilungen wie „human resource“, „customer relation ship management“, „marketing“, „legal service“ etc. den Erfolg des Unternehmens eben nicht absichern sondern eher gefährden.

Und dass die jungen und guten Leute lieber für Unternehmen arbeiten, bei denen Vertrauen das zentrale Element ihrer Kultur ist.

Das kann ich alles gut begründen. Habe ich doch selber miterlebt, wie wir Software-Entwickler einen (nach meiner Meinung wesentlichen Beitrag) zu einem neuen Verständnis von Arbeit geleistet haben, der jetzt immer mehr auch in ganz anderen Branchen um sich greift (#newwork). Und so die Welt mit verändert hat.

Ob mein Trommeln für „agil, digital, lean, open, social“ als „smartes“ Pentagramm etwas nutzt? Ich bin mir nicht sicher.

Ich habe auch den Eindruck, dass meine Zuhörer das überwiegend genauso sehen. So würde ich mich freuen, wenn wir in der Deutschen Wirtschaft nicht so viel von Industrie 4.0 sondern mehr von Unternehmenskultur sprechen würden. Ganz gleich ob 2.0 oder 5.0.

Auch die großen Bosse müssen verstehen, dass unsere Unternehmen und wir nur dann gut überleben werden, wenn wir bereit sind unsere Gewissheiten in Frage zu stellen und unsere Gewohnheiten zu ändern.

Ich verstehe ja, dass es weh tut, Hierarchien wie lieb gewonnene Pfründe und gewohnte Strukturen in Frage zu stellen. Besonders wenn man Boss ist. Aber ich bitte zu bedenken: Wir leben nicht mehr in der Welt der Fließbänder von Henry Ford und auch die hohe Zeit der Schlachthöfe von Chicago geht zu Ende.

RMD

P.S.
Den Stern habe ich aus dem zentralen Medienarchiv Wikimedia Commons eingebunden.

Roland Dürre
Mittwoch, der 12. Oktober 2016

Vortrag gefällig :-) ?

Meine Wenigkeit mit Prof. Dr. Kathrin Möslein im IF-Forum.

Meine Wenigkeit mit Prof. Dr. Kathrin Möslein im IF-Forum.

Eines meiner Lebensziele ist, meine Erfahrung und das von mir akkumulierte und zum Teil sehr aufwendig erworbene Wissen zu teilen – besonders gerne mit jungen Menschen. So halte ich immer wieder Vorträge und Dialoggespräche – sowohl im klassischen Rahmen wie auch im Form von Sessions auf Barcamps und ähnlichen Veranstaltungen.

Folgende Themen habe ich zurzeit im Repertoire:


 

Zum Thema „Führung“:

Was ist das eigentlich – Führen im Unternehmen?;
Untertitel: „Menschen im Unternehmen – Kultur ist alles.“

Vor kurzem gehalten bei AMOS (Allianz) vor gut 50 internen Projekt Managern.

Zum Thema „Digitalisierung und/oder digitaler Wandel“:

Was bei der Digitalisierung gerne vergessen wird.
Untertitel: „Mögliche Auswirkungen auf Gesellschaft und Menschen.“

oder alternativ

Digitale Transformation – Paradies oder Hölle?
Untertitel: „Die schöne neue Welt aus Sicht eines Unternehmers, IT-Pioniers, Bloggers, Familienvaters und Radfahrers.“

Diesen Vortrag halte ich im November auf der DOAG-Jahreskonferenz in Nürnberg und bei einer befreundeten SW-Agentur im Rahmen von „meet-up„.

Zum Thema „SW-Entwicklung“:

„Wie wir in 1984 Scrum gemacht haben, obwohl es Scrum noch gar nicht gab.“
Untertitel: „Wie führt man ein Software-Team – Antwort: Am besten gar nicht!“

Gehalten bei ein paar kleinen SW-Unternehmen / Start-Ups.

Zum Thema „Entlohnung“:

„Wir wollen nicht arbeiten, sondern Geld verdienen!“
Untertitel: “ Wie werde ich mutig und habe Freude und Erfolg.

Vortrag für Start-Ups und Freiberufler. Gehalten auch beim PMCAMP BERLIN vor ein paar Tagen (hat richtig Spaß gemacht).


 

Diese Vorträge sind ein „Schnappschuss“ – Stand heute, den 12. Oktober 2016. Natürlich verändern sich die Vorträge inhaltlich laufend, denn die Dinge ändern sich heutzutage auch schnell.

🙂 Jetzt dürft Ihr euch etwas raus suchen. Wenn Ihr mehr wissen wollt, einfach an mich wenden.

RMD

P.S.
Meine Vorträge halte ich genau dann ohne Honorar, wenn sie einem guten Zweck dienen (Studenten, Hochschulen, Gemeinwohlökonomie und ähnliches). Wenn mich ein System beauftragt, dass sich von meiner Aktivität einen Mehrwert verspricht, dann erbitte ich ein Honorar, dass in Korrelation zum voraussichtlich geschaffenen Mehrwert steht.

Alle Reden von Digitalisierung. Auch ich 😉

DOAG22016-K-A-Banner-180x180_speakerIch halte sogar Vorträge darüber. Weil ich den Eindruck habe, dass die Verwirrung da sehr groß und das Thema eigentlich nichts Neues ist.

Unter anderem werde ich Thomas Kofler vom Zentrum-Digitalisierung.Bayern auf der DOAG-Konferenz in Nürnberg ergänzen und dort sprechen.

Ich bin aber auch unterwegs für große und kleine Unternehmen, soziale Clubs wie Lions oder vor kurzem für Gut Hohenfried in Berchtesgaden ….

Für mich ist schon der Begriff der Digitalisierung unglücklich. Begriffe, die ich im gemeinten Kontext für relevant halte, sind „Kommunikation“, „Vernetzung“ und „Information“.

Informationsaustausch heißt durch Denken Information zu erzeugen und diese durch Aussprechen des Gedachten weiterzugeben oder auszutauschen. Also ganz analog mit Sprache. Sprache kann man verschriften – dann wird es „digital“. Das ist trivial. Relevant ist, wie schnell und intensiv die Verbreitung und der Austausch von Information statt finden. Und schon sind wir bei Technologie und ihrer Entwicklung.

Betrachten wir mal die Entwicklung des Menschen in seiner jüngeren Vergangenheit:

Nach langem Anlauf haben die „Menschenartigen“ vor zirka 2 Millionen Jahren den aufrechten Gang geschafft. Dies war die Voraussetzung für die Wandlung der „Menschenartigen“ zum „Homo Sapiens“ bis vor ungefähr 200 000 Jahre. Damals noch als Jäger und Sammler hatten die Menschen ihre kreativste Phase und begannen vor zirka 125.000 Jahren, Afrika zu verlassen. Vor 60.000 Jahren nahm Homo Sapiens dann so richtig Fahrt auf und entwickelte bis vor 10.000 Jahren Sprache.

Das gesprochene Wort ist flüchtig. Man konnte das von einem Menschen Gesagte nur einmal hören. So wurden Geschichten ausgebildet und mündlich weitergegeben. Redundanzen wurden eingebaut, um Verfälschungen bei der Weitergabe soweit möglich zu reduzieren. Es gab Versuche, die Botschaften in Zeichnungen zusammen fassen, dies aber nur mit eingeschränktem Erfolg. So war es nur logisch dass ein paar Jahrtausende nach der Erfindung der Sprache auch schon die „Verschriftung“ kam. Und so entstanden vor ungefähr 7.000 Jahren Schriften.

Im alten Ägypten wurden die Geschichten in Tempeln in Sandstein gemeißelt und zusätzlich eingefärbt. Mit Hilfe einer Symbolsprache, die aus Bildzeichen besteht. Dann kamen leichtere Materialien auf wie Papyros und Papier. Und Technologien wie die Druckerpresse und den Drucksatz. Und später wurde – wie alle Technologien – auch die Informationstechnik elektrifiziert. Zuerst mit Kupfer (Kabel) und drahtlos (Funk).

Auch die Codierung wurde verbessert, wie z.B. hin zu einfachen Alphabeten mit wenig Buchstaben und Zahlen. Auch „Algorithmen“ und „Technologien“ zur Abbildung von Sprache und Information aller Art ins „Digitale“ entwickelten sich immer weiter. Dass alle Zeichen binär (nur durch Einsen und Nullen) dargestellt werden können, ist einfach aufzuzeigen. Diese Erkenntnis hat Konrad Zuse als wohl erster gehabt; es war eine wichtige Voraussetzung für die Entwickler des Computers, denn Computer arbeiten halt am einfachsten nur mit Nullen und Einsen. Auch das war eine ganz normale technische Entwicklung.

Schriftzeichen und so Verschriftlichung von Information wurden übrigens zuerst für „kaufmännische Zwecke“ genutzt. So scheint mir die „Wirtschaft die Mutter aller Dinge und Erfindungen“ zu sein und nicht der „Vater  Krieg“. Der ist nur eine besondere Art von „Wirtschaft“ – und zwar eine besonders zu verabscheuende.

Verschriftung macht Wissen über Zeit und Raum verfügbar und erzeugt Vernetzung. Die raren Bücher eines Galileo Galilei gingen durch Europa und brachten die Gedanken eines Keplers mit denen Galileos zusammen. Fortschritt und Technologie entstanden in Städten. Denn da trafen sich die verschiedenen Disziplinen. Später begannen die Städte sich zu vernetzen und die Dinge beschleunigten sich. Und dann vernetzte sich die ganze Welt. Zuerst durch Briefe, Bücher und Zeitschriften. Später durch „elektrische“ Unterstützung werden Zeitungen und Bücher werden von der „IT-Technologie“ abgelöst wie Petroleumlampen und das Talglicht durch Strom und Glühbirne.

Die Vernetzung von Informationen brachte uns die sogenannte „industrielle Revolution“. Und die „Digitalisierung“ ist nur die Fortsetzung dieser Entwicklung. Beides, die Geschwindigkeit der Vernetzung und die Menge an Wissen sind angestiegen und steigen weiter an, so beschleunigt sich dieser Prozess immer mehr. Das ganze ist Teil des Anthrozopän (das Zeitalter des Menschen), von dem man auch nicht so recht weiß, wann man eigentlich seinen Beginn festlegen soll und natürlich erst recht nicht, wo es uns hinführen wird und was anschließend kommen wird.

Eine Satellitenaufnahme der Erde gibt anhand der sichtbar gemachten Lichtverschmutzung einen Eindruck der Größenordnung menschlichen Einflusses auf die Umwelt

Satellitenaufnahme der Erde mit sichtbar gemachter Lichtverschmutzung.
So groß ist der menschliche Einflusses auf unseren Planeten (Bild aus Wikipedia).

Mir wäre es lieber, wenn wir die aktuelle Phase der Menschheit mit den Begriffen von Vernetzung und Information verbinden würden. Digitalisierung ist eine schwache Metapher für das, was sich gerade entwickelt. Aber Digitalisierung ist „in“ und Begriffe wie „Informationszeitalter“ sind „out“. Und jeder will vorne dabei sein, damit er nicht „abgehängt“ wird. In Bayern gibt es so ein Zentrum-Digitalisierung.Bayern (ZD.B), andere Bundesländer kopieren das schon.

Und man kann beliebig viele Pamphlete zur Digitalisierung lesen (in denen meist nur Unsinn drinsteht) und viele Veranstaltungen besuchen. Beides ist in der Regel umsonst. Vor kurzem war ich auf den TechDays in der Tonhalle in München- Es war ein richtiges Festival der Spekulationen und dürfte die vorhandene Verwirrung eher noch vergrößert haben.

In der deutschen Wikipedia kann ich zum Thema Digitalisierung den Artikel Digitale Transformation empfehlen. Er fasst den Stand sachlich zusammen Es finden sich dort auch noch eine Reihe von Beiträgen wie Computerisierung, Informationszeitalter oder gar Digitale Revolution, die alle „nice to have“ sind aber eigentlich keiner braucht. Ein denglisches „digital business transformation“ gibt es da auch – hoffentlich wird da bald ein vernünftiges „Digitalisierung in Behörden und Wirtschaft“ oder ähnlich daraus.

Lasst uns die „Digitalisierung“ einfach als Weiterentwicklung der „Industrialisierung“ und Teil der Evolution des Lebens auf unserem Planeten im Anthrozopän betrachten. Zu dem es übrigens im deutschen Museum zurzeit eine Sonderausstellung mit ein paar durchaus sehenswerten Exponaten gibt. Da sollte man aber darauf achten, einen Führer zu kriegen, der seine Gruppe nicht nur mit Halbwissen und persönlichen Meinungen drangsaliert.

RMD

P.S.
Dann noch ein wenig Reklame auch für die DOAG-Konferenz! Ist wohl eine der besseren IT-Veranstaltungen in Deutschland veranstaltet von der wohl größten und wichtigsten IT-Anwender-Gruppe in Deutschland. Und auch ein Hinweis auf meinen Vortrag auf der DOAG2015.
DOAG12016-K-A-Banner-468x180_engl

Roland Dürre
Sonntag, der 20. September 2015

Konferenz versus Unkonferenz

Warum ich keine Konferenzen mehr mag, Barcamps aber liebe?
ODER: 
Was auf Barcamps alles so passieren kann!

Gute Laune in Dornbirn auf einem PM-Camp.

Gute Laune in Dornbirn auf PM-Camp

Ich mag keine Konferenzen mehr. Deshalb stehe ich als Redner für solche Veranstaltungen nur noch in Ausnahmefällen zur Verfügung wie demnächst wieder auf der DOAG-Konferenz in Nürnberg.
😉 Oder gegen gute Bezahlung.

Denn wie geht die Redner-Auswahl bei Konferenzen? Mindestens sechs, meistens aber wesentlich mehr Monate vor dem Termin müssen potentielle Referenten ihren Beitrag einreichen. Mit einem konkreten Thema, einem Summary und einer Kurzfassung. Meistens mit vorgegebener Anzahl von Zeichen und einer blöden Word-Vorlage.

Aber wie soll ich im Januar wissen, was mich zum Jahresende bewegt? Woher wissen wie die Dinge sich in den Monaten bis zum Vortrag weiterentwickeln?

Nach Einsende-Schluss tagt das Konferenz-Komitee. Das soll die passenden Beiträge auswählen. Die Juroren im Komitee müssen auf die Veranstaltungs-Sponsoren, die Vertreter zahlreicher Interessen und der Industrie, diverse Amigos, politische Einflussnahme und vieles mehr Rücksicht nehmen. Sie kennen die meisten Einreichenden nicht persönlich, so können sie auch nichts über deren Redner-Qualitäten wissen. Oft fehlt ihnen auch die fachliche Kompetenz.

Junge Referenten, die vielleicht wirklich etwas zu sagen hätten, haben da keine Chance und dementsprechend sieht dann das Konferenzprogramm auch aus.

Die glücklich Ausgewählten müssen ein Manuskript einreichen. Das muss dann auch wieder eine bestimmte Länge haben, die Word-Vorlage ist in der Regel noch schlimmer als die bei der Einreichung. Auch das Manuskript muss immer noch eine ganz schöne lange Zeit vor der Konferenz eingereicht werden. Denn der Begleitband muss ja gedruckt werden.

Da denke ich mir, warum soll ich etwas vortragen, dass doch jeder der Anwesenden schriftlich vorliegen hat? Ich rede immer frei, ohne Powerpoint oder ähnliches. Wenn ich in einem großen Raum spreche, bitte ich meinen Graphiker mir ein paar Dia zu erstellen, die meine Rede emotional unterstreichen. Aber nicht mehr. Was ich genau erzähle weiß ich doch erst am Tag der Veranstaltung – und das ändert sich auch noch während des Vortrages den Rückmeldungen meiner Zuhörer folgend.

Und dann kommt der große Tag. Meistens beginnt die Konferenz mit einem aufwändigem Einführungsbromborium mit Grußworten und ähnlichem. Hier wird dann das Sitzfleisch und die Fähigkeit „wach zu bleiben“ der Zuhörer schon mal geprüft. Und dann wird kräftig „one-way“ beschallt.

Die Referenten lesen brav ihr Manuskript aus dem Tagungsband vor, der eine macht das besser, der andere schlechter. Wortmeldungen sind kaum möglich, ein Diskurs entsteht nie. Oben wird vorab Produziertes runtergeleiert, das unten vom Publikum konsumiert werden soll.

Mit einer lieben Freundin (einer renommierten Professorin) war ich vor kurzem auf einer akademischen Tagung. Da war es auch nicht viel anders. Auf meinen Hinweis, dass die Beiträge schon erstaunlich schwach wären, hat sie mich damit getröstet, dass die Vorträge ja Nebensache wären. Wichtig wäre, sich mal zu treffen und auszutauschen. Und vor allem die Abendveranstaltung würde den Wert des Treffens ausmachen.

Und das stimmt ja auch – wir müssen unser Wissen teilen und miteinander reden, wenn wir weiter kommen wollen. Aber für was brauche die Vorträge tagsüber, die keinen interessieren? Wahrscheinlich ist das dann nur eine Staffage fürs Finanzamt, um reisen und abends gemeinsam bei Speisen und Wein reden zu können..

PM-Camp Berlin 2015, Thema Komplexität by VisualBrainDump

PM-Camp Berlin 2015, Thema Komplexität by VisualBrainDump.

Bei einem Barcamp ist das alles ganz anders. Und nach meiner Meinung viel besser!

Also, was ist ein Barcamp? Natürlich findet Ihr in Wikipedia eine hervorragende Beschreibung. Ich versuche hier aber mal, das Thema ganz anders zu beleuchten.

Stellt Euch vor, 50 bis 100 Menschen treffen sich. Zum Beispiel Blogger, Unternehmer oder Experten. Oder Menschen, die bereit sind eine besondere gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen oder einfach nur gemeinsame Interessen haben.

Vorzugsweise sollten das Menschen sein, die gerne und ganz offen ihre Erfahrungen, ihr Gelerntes aber auch ihre Probleme teilen. Die auf Augenhöhe kommunizieren und an wichtigen Themen partizipieren wollen. Die nach autonomer Aufgeklärtheit streben, die vom redlichen Diskurs des Professor Habermas träumen (vielleicht ohne es zu wissen), die sich alle duzen und die gerne auch die anderen ausreden lassen. Selbst dann muss man eine Tagung nach heutigem Stand irgendwie organisieren.

Beim Barcamp ist es ganz einfach. Man stellt genug Räume bereit, in denen die Sessions stattfinden. Ein Raum muss so groß sein, dass alle Teilnehmer reinpassen. Dort werden gemeinsam die Sessions  entwickelt. Deshalb steht in der Mitte dieses Raumes eine Tafel. Auf Ihr ist einer Matrix, bei die Zeilen die Zeit der Sessions vorgeben (zum Beispiel für jede Stunde eine Zeile). Die Spalten markieren die Räume A, B, C …

Beispiel für eine Sessionplanung bei einem PM-Camp

Beispiel für eine Sessionplanung bei einem PM-Camp.

Und jeder, der ein Problem hat, das ihm auf den Nägeln brennt, geht raus an die Tafel, heftet eine Karte mit seinem Thema ran und reserviert so den Raum und die Zeit für seine Session. Dann stellt sich vor und schildert knapp, zu welche Thema er berichten und welche Form er für diese Session vorschlagen möchte. Und wenn genug Karten an der Tafel hängen oder die Tafel voll ist, dann geht es los.

Wenn man dann noch einen schönen Kaffeeraum hat, es dort immer etwas zu essen und trinken gibt, dann ist der Erfolg schon fast gewährleistet. Denn es gibt noch eine Regel:

Jeder beim Barcamp ist frei.

Er kann wie ein Bienchen, das Honig sammelt, eifrig an möglichst vielen Sessions teilnehmen. Er kann aber auch wie ein Schmetterling nur bunt durch die Gegend flattern (Biene und Schmetterling sind die klassischen Metaphern fürs Verhalten bei einem Barcamp) und sich da aufhalten, wo es ihm gerade gefällt.

Wenn ein Teilnehmer merkt, dass er in der falschen Sitzung ist, dann soll er diese verlassen. Das ist bei einem Barcamp nicht unhöflich, im Gegenteil fast eine Pflicht, damit es funktioniert. Deshalb sollten die Türen zu allen Räumen immer offen stehen.

Die Regel sagt auch: Alles was passiert, ist das genau das, was passieren sollte. Wenn zu einer Session nur wenige Besucher kommen, ist es genauso richtig wie wenn alle zu einer kommen. Es schaukelt sich schon zu recht.

Neuerdings versuchen Barcamp-Veranstalter einen Rahmen anzubieten, in dem die Sessions dokumentiert werden können. Es gibt eine besondere Variante des Barcamps, den OpenSpace, da ist die Dokumentation Pflicht und wird von einem sogenannten OpenSpace-Office unterstützt. eingesammelt und zusammengefasst.

Party beim PM-Camp in Dornbirn

Party beim PM-Camp in Dornbirn.

So einfach ist Barcamp. Ein Barcamp dauert in der Regel zwei Tage. Die Party am am Abend des ersten Tages tut immer sehr gut. Am zweiten Tag finden dann oft besonders viele spontane Sessions statt.

Ein Barcamp gilt genau dann als erfolgreich, wenn alle Teilnehmer – die wir beim Barcamp auch „Teilhaber“ nennen – zufrieden und glücklich die Heimreise antreten, mit vollem Herzen und Geist.

Obwohl man von einem Barcamp keine Ergebnisse erwarten soll, passiert dort oft Erstaunliches. Ich kenne Bewegungen und Unternehmen, die als Idee in einer Session entstanden sind. Es bilden sich erstaunlich viele Freundschaften und schöne Netzwerke. Die Anregungen sind immer groß. Barcamps bewirken so viel, helfen Menschen ins Nachdenken zu kommen, Dinge anders zu bewerten und privat wie „beruflich“ oder „geschäftlich“ erfolgreicher zu werden.

actmobcmp_100-300x86Ich war bei Camps wie OpenStartUp oder WorkLifeBalance. Dort und in fünf Jahren PM-Camp habe ich das Beschriebene erlebt. Beim PM-Camp ging es um Projekt Management, Führung und Unternehmertum. Ich habe jetzt gelernt, dass es Wichtigeres gibt. Zum Beispiel wird die Art, wie wir unsere Mobilität gestalten, von zentraler Bedeutung für unsere Zukunft sein. Deshalb habe ich mit Freunden ein neues Barcamp für „Aktive Mobilität im Alltag“ #AktMobCmp gegründet.

Wir starten am 4./5. Januar 2016 in Unterhaching.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 28. März 2015

Führungsweisheiten …

Gelegentlich bin ich auch als Speaker unterwegs - hier auf IF-Weihnachtsfeier 2014

Gelegentlich bin ich auch als Speaker unterwegs – hier auf der IF-Weihnachtsfeier 2014

Manche Jahre meines Lebens habe ich gerne bei den bekannten und erfolgreichen „Motivations-Rednern“ gelauscht. Ich war begeistert, wie einfach sie die Welt beschreiben und erklären können und vor allem, wie überzeugend sie den Zuhörenden den Weg zum Erfolg weisen.

Ich war hingerissen von ihrer Art zu reden und ihrer Ausstrahlung. Diese Spitzenredner, die ich meine, sind Menschen, die förmlich von einer besonderen Aura umgeben zu sein scheinen. Sie strahlen ein selbstverständliches Charisma aus, das viele Menschen und auch mich in ihren Bann zieht.

Im Laufe der Jahre habe ich dann eine Reihe solcher Leute persönlich kennengelernt. Da habe auch erlebt, wie leicht sie sich tun, ihre Vision zu formulieren und dass es für sie selbst aber auch nicht immer so ganz einfach ist, diese für sich umzusetzen. Ab und zu sah es dann hinter der tollen Kulisse gar nicht so strahlend aus wie auf dem Podium. Weil etwas zu „gut zu lehren“ meistens einfacher ist als es selbst zu machen.

Vor kurzem habe ich den Key-Note-Speaker Carsten Rath entdeckt. Oder besser gesagt, ein Freund hat mich auf ihn aufmerksam gemacht. Weil er ein Interview gehört hat, das Carsten Rath dem Bayerischen Rundfunk gegeben hat. Und er war so begeistert war, dass er es mir gesendet hat.

Ich kenne Carsten Rath nicht persönlich, der Podcast vom BR mit ihm ist aber durchaus hörenswert:

Mein Freund hat gemeint, dass dieses Interview mit Carsten Rath ihm klar machen würde, was einen guten Manager von einem schlechten unterscheidet. Und dass er nur in Firmen arbeiten wolle, in denen so gelebt und gearbeitet werden würde, wie Carsten Rath das fordert.

Carsten Rath stellt im Interview tatsächlich viele Thesen zum Thema Führung und Management auf, denen kein vernünftiger Manager und Mensch ernsthaft widersprechen kann. Und er begründet dies alles sehr kompetent wie auch geschmeidig. Und unterstreicht das durch viele kleine Geschichten – stories wie man heute sagt. Es ist wirklich rundum überzeugend.

Ich würde seine Aussagen in meinen Worten so zusammen fassen:

  • „Der Kunde muss immer im Mittelpunkt des Denken und Handelns stehen.“
  • „Ohne absolute Leidenschaft im Job geht nichts.“
  • „Es geht immer um alles, also muss man immer alles geben.“

Und dann zitiert er seine (die von ihm erfundenen) „4Ms“ als Abkürzung für den Satz:

  • „Man muss Menschen mögen!“

Auch den „4Ms“ kann ich nur zustimmen. Genauso wie ich seine Aussage, dass die „zentrale Tugend von Führenden die Aufrichtigkeit sein muss“. Das passt, nur nenne ich das „Transparenz, Offenheit und Authentizität. Carsten Rath sagt aber auch sinngemäß, dass

  • „in der Wiederholung die Vertiefung ist“ und „echte Spitzenleistung in der Regel viel pain bedeutet“.

Das erste würde ich einfacher ausdrücken: „Übung macht den Meister!“

Beim zweiten bin ich nicht so sicher. Ich verstehe die Aussage, weil Herr Rath aus dem Hotelfach kommt. Nur sind für mich „Altersheime“ zum Beispiel auch so eine Art von Hotel. Und da ist mir viel wichtiger, dass alle Menschen im Betrieb die Verantwortung für die älteren Menschen bewusst gemeinsam tragen und teilen. Die „pain“ würde ich immer auf das notwendige Maß reduzieren wollen.

Um meine Gedanken zu unterstreichen habe ich noch ein zweites Beispiel aus dem Kreise der berühmten „Management-Speaker“ gesucht. Auf der DOAG-Konferenz in Nürnberg in 2013 habe ich den großartigen Peter Kreuz gehört und dann am Redner-Tisch kennen gelernt (ich bin ja auch immer wieder als Speaker unterwegs 😉 ).

Sein Auftritt war perfekt. Wir haben uns menschlich sehr gut verstanden. „Man“ (Frau und Mann) konnte nur mit dem Kopf nicken. Alles war Klasse, alles stimmte. In allen Punkten hat er überzeugt. Als einzige und sehr zurückhaltende Kritik habe ich gehört, dass die Show vielleicht ein klein wenig zu perfekt gewesen wäre. Gemeinsam mit seiner Frau ist er offensichtlich das perfekte Paar und Unternehmen.

Die beiden genannte Speaker und ein paar mehr mir bekannte spielen sozusagen in einer „anderen Liga“. Nur, so sehr ich ihnen ihre hohen Honorare und den regelmäßigen schönen und großen Applaus gönne, so habe ich irgendwie gelernt, dass gute Führung noch einiges mehr ist. Und ich bin gar nicht in der Lage, dies auszudrücken.

Ich versuche es mal:

Es sind die vielen täglichen Kleinigkeiten, die einen Menschen zur „Führungskraft“ machen könnten. Der überwiegend konstruktive Geist, eine gerade Haltung, die gelebte Menschenfreundlichkeit und die Fähigkeit zu helfen, dass das  eigene und das Leben der anderen eine Chance hat, sich in vielen Dimensionen zu entfalten. Wenn man es schafft, die Menschen, denen man begegnet, nicht zu reduzieren sondern sie größer zu machen, dann ist man vielleicht eine gute „Führungskraft“. Ein Ergebnis guter Führung könnte sein, dass die Menschen, denen man begegnet, sich nach dem Treffen besser fühlen als vorher und dies auch merken und fühlen.

Und die schönen Thesen, die unsere Spitzenspeaker so begeistern vermitteln, könnten eigentlich nur die selbstverständlichen Basis-Voraussetzungen für ein gutes Unternehmensklima. Aber keine Frage – auch die sind so wahnsinnig wichtig.

Aber trotzdem, auch wenn ein „Führender“ das alles weiß und kann, wenn er seinen Job noch so gut meint und genauso gut macht, wird es ab und zu mal schief gehen. Einfach, weil der „Führende“ genauso nur ein Mensch ist wie alle anderen. Sei es durch eigene Fehler oder weil durch seltsame Entwicklungen plötzlich Dinge passieren , die man einfach nicht einfangen kann und wohl auch voraussehen konnte. Eben auch, weil wir alle nur Menschen sind.

Und davor schützen auch die teuersten und besten Management-Seminare und -Vorträge nur sehr beschränkt.

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 25. November 2014

Führung – Werte & Prinzipien

“Die drei Wahrheiten des Managements und was das Internet dazu sagt”

Mit diesem Titel und Untertitel habe ich letzte Woche am Mittwoch auf der der DOAG 2014 – Konferenz + Ausstellung in Nürnberg einen Vortrag gehalten. Hier Abstract und Manuskript dazu. In meiner Session habe ich Teile des Manuscripst verwendet und durch aktuelle Überlegungen ergänzt.

🙂 Der Vortrag war richtig gut besucht und ich durfte mich sehr schöner Rückmeldungen erfreuen.

Abstract:

In der 2. Hälfte des 19. Jh verändert die einsetzende Industrialisierung unsere Welt. Ausgebildete Arbeitskräfte werden gebraucht. Die gibt es aber nicht. So ist die Kaste der Ingenieure gefordert und erfindet die Methode des “Taylorismus”. Neue Disziplinen „Management“ und „Organisation“ entstehen, als Folge der industriellen Revolution werden sie immer mächtiger. Die Menschen werden auf Gehorsam getrimmt, es funktioniert.

Heute reichen Organisations-Kunst und Management-Handwerk nicht mehr aus. Unternehmens-Kultur und -Werte, Begriffe wie Selbstorganisation und Selbstbestimmung werden wichtig. Die „basic beliefs“ und kollektiven Konstrukte, das Lebensverständnis und die Sozialisierung von Menschen verändern Zivilisation und Kultur. Man spricht von der “Generation Y”. Sogar nach dem “Sinn” eines Unternehmens wird gefragt.

Gerade Managern und Unternehmenslenkern fällt es oft nicht leicht, diesem Wandel zu folgen. Wie kann man solche “weiche Faktoren“ messen? Wie soll man die Qualität von „Führung“ bewerten. Stellen Sie sich doch selbst mal die Frage nach Ihren drei wichtigsten Führungs-Prinzipien! In meinem Vortrag werde ich ein Potpourri von Antworten von wichtigen zeitgenössischen Protagonisten des Managements diskutieren und vom Wandel im Management berichten.

Manuscript:

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verändert die einsetzende Industrialisierung unsere Welt in hoher Geschwindigkeit. Plötzlich werden Arbeitskräfte in großer Zahl gebraucht. Die verfügbaren Menschen kommen vom Land. Sie sind schlecht oder gar nicht ausgebildet und nicht an getaktete Tätigkeiten gewöhnt.

Dieses Problem fordert die Kaste der Ingenieure, die Methode des “Taylorismus” wird erfunden. Die Disziplinen „Management“ und „Organisation“ entwickeln sich und erlangen im Gefolge der industriellen Revolution eine immer größere Wichtigkeit. Das funktioniert gut, denn die Menschen sind auf Gehorsam getrimmt.

Das industrielle Zeitalter geht zu Ende. Organisationskunst und Managementhandwerk reichen nicht mehr aus. Der Begriff der „Führung“ entsteht. Nach modernem Verständnis ist “gute Führung” wesentlich für den Erfolg eines Unternehmens. Man spricht plötzlich von Selbstorganisation und Selbstbestimmung und von Unternehmens-Kultur und Unternehmens-Werten. Man fragt nach der Sinngebung eines Unternehmens.

Die Ingenieure werden nervös, denn wie will man diese “weichen Faktoren“ messen? Aber die Entwicklung geht weiter. Die „basic beliefs“ und kollektiven Konstrukte wie auch das Lebensverständnis und die Sozialisierung von Menschen in Zivilisation und Kultur verändern sich weiter drastisch. Man spricht plötzlich von der “Generation Y”.

Vielen Menschen, nicht nur den Managern und Unternehmenslenkern, fällt es nicht leicht diesem Wandel zu folgen. Das führt zu massiven und oft sehr nachteiligen Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft. Wie gehen aber die Manager und Führungskräfte mit dem Wandel um?

Das alles ist nicht neu. Schon in den 80iger Jahren gibt es eine bemerkenswerte Entwicklung an der Hochschule in St. Gallen. Es entsteht ein neues “Management-Modell”, das die HSG weltberühmt macht. Diese kumuliert in den 8 Thesen des Hans Ulrich – “Management – Aufsätze 2. Teil von 1981 – 1998 zum Wandel im Management”:

  • Ungewissheit und die Unvorhersehbarkeit der Zukunft als Normalzustand akzeptieren: Strategie wird zum Nachdenken über die Zukunft und akzeptiert, dass Entscheidungen unter Unsicherheit erfolgen.
  • Die Grenzen des Denkens weiter stecken! Gegen das “aber” sein, den Gedanken ihre Freiheit lassen. Und Wissen teilen!
  • Sich in den Kategorien “Sowohl-Als-auch” an Stelle von “Entweder-Oder” bewegen: Schwarz-weiß ist out, Bunt ist in.
  • Mehrdimensional denken: Dabei berücksichtigen, dass Menschen eigentlich immer nur drei Gedanken parallel behandeln können. Und: zwischen diesen Dimensionen eine sittlich verantwortete Güterabwägung durchführen.
  • Selbstorganisation und Selbstlenkung als Gestaltungsmodell für die Unternehmung verwenden: Sprich Verantwortung verteilen, Subsidiarität fördern.
  • Managen als sinngebende und sinnvermittelnde Funktion auffassen! Das ist doch ein neues Managementbild.
  • Sich auf das Wesentliche konzentrieren: Eine Vorgabe der Arbeitsökonomie.
  • Gruppendynamik ausnutzen! Man denke an Kulturen mit ihren Symbolen, Riten, Ritualen, Helden.

Anfang 2005 ist mir dieser Aufsatz in die Hände gefallen. Mich hat der kurze Aufsatz förmlich elektrisiert. Er wurde vor mehr als 30 Jahren geschrieben…

Heute geht es darum, schnell Erkenntnisse zu gewinnen, um gemeinsam Zukunft zu gestalten. So brauchen wir Kreativität, um die richtigen Fragen zur Lösung unserer Probleme zu finden (1. kreative Pflicht). Wenn wir die gefunden haben, müssen wir Wissen einsetzen um Lösungen zu generieren.

“Taylorismus” und “Mechanismus” funktionieren in den sozialen Systemen der Post-Moderne nicht mehr. Wir müssen neue Kommunikationsformate notwendigerweise auch in den Unternehmen und Institutionen nutzen, um den Erkenntnisgewinn aus der Weisheit der Vielen zu generieren. Es muss heißen “Vielfalt statt Einfalt“.

Und das geht heute über das Internet.

Ein Beispiel:

Bernd Geropp (ein Unternehmensberater, dessen Führungsseminare von vielen Menschen sehr geschätzt werden), ist ein bekannter Blogger zum Thema Management. Sein Medium ist mittlerweile vor allem der „Podcast“, sein Blog “Mehr führen, weniger managen” ( (http://www.mehr-fuehren.de/) hat unheimlich viele „Klicks“. Er macht da auch Interviews und stellt dann am Ende des Interviews gerne die Frage

“Was sind deine drei relevanten Führungsprinzipien?”

Da die Antworten ihn beeindruckt haben, hat er andere Blogger eingeladen, an einer Blogparade teilzunehmen. Das bedeutet, er hat sie gebeten, einen Artikel zum Thema “Meine drei wichtigsten Führungs-Prinzipien und/oder -Werte“ zu schreiben und diese Artikel auf seinen Blog zu verlinken. Das Ergebnis war eine spannende Reihe von Aufsätzen zum Thema “Führungsverständnis und Führungsprinzipien”. Ein paar der Kurzantworten präsentiere ich jetzt in einem “Potpourri”.

Ich starte mit den Prinzipien des Veranstalters der Blogparade, Bernd Geropp. Er sagt:

Bernd Geropp
Klare Ziele, die richtigen Werte, Gelassenheit!

Weiter geht es mit ein paar der Damen, die an dieser Blogparade teilgenommen haben:

Barbara Simonsen
Sinn erzeugen, Komplexität handhaben, Lernraum ermöglichen!
Franziska Köppe (Madiko)
Systemisch Denken, Identifizieren, gemeinsam Handeln!
Gudrun Happich
Exzellente Chefs führen exzellente Teams, die anderen dürfen anders sein, fremde Potenziale machen erfolgreich
Maria Jaehne
Werte, Gemeinsamkeiten schaffen, flache Hierarchien
Sabine Pfleger
Führen = Motivieren?, Führung ≠ Befehl und Kontrolle, Führung = Wissensmanagement

Und jetzt dürfen auch ein paar Männer zu Wort kommen …

Dr. Andreas Zeuch
Selbstorganisation und Mitbestimmung, Möglichkeitsräume, Fehlerfreundlichkeit
Dr. Eberhard Huber
Gelassenheit als Grundton, Bereitschaft zu entscheiden, Übernahme von Verantwortung
Conny Dethloff
Weisheit, Besonnenheit, Mut oder Kopf, Bauch, Herz (nach Platon)
Gebhard Borck (Affenmärchen)
Führen ist ein temporärer Zustand! Führe nur die Menschen, die auch geführt werden wollen! Ermögliche nomadische Führung!
Dr. Heinz Peter Wallner, CMC
Polarität, Resonanz, Ordnungsmuster
David Kadiri
Entfaltung, Vertrauen, Freundlichkeit
Ivan Blatter
Klarheit schaffen, optimalen Rahmen schaffen, Busyness nicht belohnen
Dr. Marcus Raitner
Haltung, Vertrauen, Gelassenheit
Olaf Hinz
Unentscheidbare Entscheidungen treffen, gelassen der Ungewissheit begegnen, praktische Klugheit
Dr. Stefan Hagen
Führung mit Herz, mit Kopf und Hand – Zugehörigkeit, Achtsamkeit und Ordnung

Ich will es damit bewenden lassen, obwohl es noch viel mehr sehr schöne Beiträge gibt. Diese 15 Autoren habe ich relativ zufällig aus den insgesamt sehr lesenswerten 44 Beiträgen ausgesucht. Mir fällt auf, dass die Damen doch so ein wenig anders geantwortet haben als die Herren. Das finde ich spannend.
Aber:

Sind das nicht schöne Leitprinzipien?

Und die gibt es umsonst im Internet – und sogar als kostenloses e-Book. Dieser Erkenntnisaustausch findet auf einem sehr hohen Niveau statt – und hat mir sehr geholfen. St. Gallen war vor mehr als 30 Jahren. Hier wurde die “wissenschaftliche” Basis gelegt. Erfahrungsaustausch und schneller Erkenntnisgewinn finden aber heute nicht mehr so sehr in den Hochschulen statt – sondern im praktischen Leben und im Internet.

Es gibt – vielen oft noch unbekannte – hybride (virtuell und physische) Aktivitäten in und um das “Netz”: Für Manager empfehle ich z.B. openPM als offene und unabhängige Plattform für Projekt Manager, Führungskräfte und Unternehmer.

openPM ist verbunden mit PM-Camp (pm-camp.org), der “Face2Face Bewegung” im Projekt Management. PM-Camp ist eine “Graswurzel-Bewegung” entstanden, die selbstorganisiert in Kooperation mit openPM wunderbare Barcamps für Projekt Manager, Führungskräfte und Unternehmer veranstaltet. Dort treffen sich erfahrene und junge Menschen, Frauen wie Männer, alt wie jung und teilen offen ihre Erfahrung und ihr Wissen. Die Bewegung wächst rasant und findet einmal im Jahr schon in vielen Städten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz statt.

Ich bin dann durch unser Unternehmen gegangen und habe unsere Führungskräfte zu ihren drei Führungsprinzipien befragt. Und da kam auch wieder Neues! Eine schöne Antwort war zum Beispiel:

Paul Schuster
Individualität fördern, Menschen vernetzen, gemeinsam das Wesentliche herausarbeiten.

Ich war verblüfft, wie wenig der Antworten sich überschnitten haben. Und wie gut sich fast alle trotz ihrer Unterschiedlichkeit ergänzen. Die Vielfalt der Gedanken zeigt aber auch, dass es genau die drei Wahrheiten zum Thema “Führung” eben nicht gibt (und wohl auch nicht geben kann)!

In der Literatur bin ich übrigens auch fündig geworden. In seinem Buch
„Nicht mit uns“- Das Leben von Leonie und Walter Frankenstein
nennt Walter Frankenstein dem Autor drei Gründe, die ihm mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern geholfen haben, den Holocaust im Berlin der letzten Kriegsjahre zu überleben:

Walter Frankenstein
Angstfrei, Frechheit und gute Freunde

Dies könnte zweifelsfrei auch ein Führungsprinzip eines erfolgreichen Managers sein.

Ich war auch zu Bernd Geropps Blogparade eingeladen. Da habe ich mich gefragt, was denn meine drei “Führungsprinzipien” sind. Ich musste nur kurz nachdenken und dann war es mir klar:

🙂 Ich bin ein ALO-Mann – meine Prinzipien sind:

Roland Dürre
Agile, lean, open!

Zusammenfassung:
Manager sind auch nur Menschen!

Erfolgreiche Manager sind ein klein wenig besser in der Lage zu bewerten, was fürs Unternehmen gut oder schlecht ist. So sind ihre Entscheidungen fürs Unternehmen dann ein wenig öfters richtig als die von „schlechten“ Managern.

Ich meine, dass im Prinzip alle Menschen, die in höherem Maße konstruktiv wirken als andere und denen das destruktive Moment eher fremd ist, gute Manager sind – im Geschäftlichen wie auch im Privaten.

Dies gilt besonders, wenn sie auch noch Menschen sind, die nicht nur auf (oft vermeintliche) Vorteile schielen, sondern auch darauf vertrauen, dass eine richtige Entscheidung einen wesentlichen “Kollateral-Nutzen” erzeugen kann. Und wenn sie dann auch noch über ein schönes Maß an Menschenfreundlichkeit verfügen und ihnen Feindseligkeit fremd ist, dann ist alles „paletti“.

Feindseligkeit in Menschenfreundlichkeit zu transformieren könnte auch ein wunderbarer “Wandel im Management” sein!

RMD

Hinweis zum Vortrag:
Es gibt gratis ein E-Book von der von mir zitierten Blogparade “Nachhaltige Führung” von Bernd Geropp, das Gudrun Happich zusammengestellt hat. Das E-Book wurde von ihr aus der Blogparade und weiteren Quellen zusammen getragen, nach “Best Practice-Prinzipien“ und Werten separiert und dann kommentiert. (www.mehr-fuehren.de/nachhaltige-fuehrung-e-book/)

Ein Interview für die DOAG

Bei der großen DOAG-Konferenz in Nürnberg wurde ich von Dietmar Neugebauer zum Thema „Führung und Management“ interviewt. DOAG ist die Deutsche Oracle Anwender Gesellschaft oder einfach die deutsche „Oracle-Community“.

Hier der Text zum Video auf der DOAG-Website:

Die Anforderungen an das Management sind gewachsen, meint InterFace-Vorstandsvorsitzender Roland Dürre. Welche Kriterien seiner Meinung nach für eine erfolgreiche Unternehmensführung ausschlaggebend sind, teilt er dem DOAG-Vorsitzenden Dr. Dietmar Neugebauer mit. Dazu gehören immaterielle Werte wie Ethik, Zivilcourage oder Empathie. Diese lassen sich allerdings im Gegensatz zu den materiellen Werten wie Profit, Umsatz oder Gewinn nicht so einfach messen.

Und natürlich auch das Video vom Interview:

Das Video wurde von DOAG.TV erstellt. Danke Schön!

RMD