Roland Dürre
Samstag, der 7. Februar 2015

Mein “Neues Leben” – STORY

Im letzten Artikel hier in IF-Blog habe ich eine Blaupause für mein „Neues Leben“ entwickelt und meine ROADMAP vorgestellt.

Dürre_RolandLese ich diese ROADMAP als äußerer Beobachter, dann wird mir ganz unheimlich. Steht so eine strukturierte Planung nicht im Widerspruch zu meiner Denke als „ALO-Mann„? Denn der ALO-Mensch denkt und handelt „agile, lean und open„. Zu viel Planung passt da irgendwie nicht dazu.

Die ROADMAP ist aber nur ein Teil meiner persönlicher STORY. Eine Story besteht aus Geschichten – im Sinne von „story telling“. Diese beschreiben ein Gedankengebäude und machen es konkret und anfaßbar. Wir kennen dies Vorgehen von modernem „requirement engineering“.

Eine gute Story schafft Klarheit und macht Mut. Der Erfolg braucht eine gute Basis (Bildung, Erfahrung und Wissen), den Mut fürs Vorhaben und die Freude am Tun.

AGIL

Ich werde mein Vorhaben zwar geordnet aber sehr agil angehen. Ab und zu etwas chaotisch, denn das Chaos ist in manchen Fällen notwendig als kreative Steigerung der Agilität.

Das gefällt mir, denn so bin ich halt und anders kann ich gar nicht. Im Leben eines Unternehmers kann eine Woche eine Ewigkeit sein. Da passiert plötzlich so viel. Und schon sieht die Welt ganz anders aus, die alten Träume sind Schäume und Pläne zerfallen in Späne. Und dann geht eine neue Sonne am Horizont auf.

SCHLANK

Eine ROADMAP mit zu präzisen Zielen passt auch nicht immer zu Lean. Wer Meilensteine unbedingt erreichen will, verkrampft leicht oder erliegt der Versuchung, es mit Gewalt schaffen zu wollen. Und schon werden beliebig Konstrukte geschaffen, die es kompliziert machen. Das ist oft der erste Grund fürs Scheitern.

So entsteht oft „BüroCrazy“ – ohne das man selbst merkt. Das ist mir ein Horror. Es wäre schön, wenn jeder Mensch, jedes Team und jede Institution einen Schutzengel hätten, der sie vor „Bürocracy“ schützt. Das gilt natürlich gerade für Unternehmer, Gründungsteams und Unternehmen,

TRANSPARENT

Bleibt noch open. Ich bin der Meinung, dass absolute Transparenz in jedem Fall nützt. So gelingt es, dass alle Beteiligten mitdenken und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Es entsteht wie von selbst ein Frühwarnsystem, das Fehlentwicklungen rechtzeitig anzeigt.

AUFBAUEN

Vielleicht beschreibt der Job  des „compose manager“ am besten diese Aufgabe des Aufbauen, Entwerfen, Komponieren, Gestalten, Zusammensetzen, Dinge voran bringen … dies basierend auf „Stories“ und „Roadmaps“ zu benennen. Auch wenn das mal wieder so ein „buzz word“ ist.
🙂 Dann wäre ich ab sofort „agile, lean and open compose manager“.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 6. Februar 2015

Mein „Neues Leben“ – ROADMAP

RolandSchwimmen1Ab 1. Januar 2015 bin ich nicht mehr operativ bei der InterFace AG tätig. Mein „Neues Leben“ hat begonnen. Die letzten Wochen habe ich es strukturiert. Jetzt weiß ich, was ich machen will und werde. Vielleicht gelingt es mir in meinem letzten Lebensabschnitt noch etwas zu bewirken.

Ich denke immer noch wie ein Programmierer und Software-Architekt. So habe ich meine Zukunft in drei Säulen gegliedert:

Private Welt, Persönliche Aktivitäten und Zentrale Projekte.

Private Welt (Säule I)

Von meinem „arbeitslosen“ Einkommen kann ich leben. Ein schönes Leben bedeutet für mich gemeinsam mit Barbara die Zeit zu genießen. Dazu gehört das Heranwachsen unserer Enkel zu erleben und mit dem Fahrrad durch die vielen schönen Gegenden unserer Welt zu reisen. So geht es Ende Februar für zwei Wochen nach Kuba zum ganz privaten Radeln, weitere Touren in Österreich/Südtirol, Frankreich und Tschechien sind angedacht.

Natürlich liegt mir IF-Blog.de ganz besonders am Herzen. Weiter ist mir wichtig, mit meinen vielen Freunden aktiv in Verbindung zu bleiben und mein soziales Leben eher zu mehren denn zu mindern. Hier steht auch schon einiges an wie im Februar ein spannendes Treffen auf Sylt.

Mir wichtige Dingen wie Lesen, Schwimmen und Schach möchte ich ins „Tägliche Leben“ integrieren. Ansonsten will ich Stress minimieren und dennoch aktiv bleiben. Und immer weiter lernen.

Und so komme ich zu meiner zweiten Säule, zu meinen konkreten persönlichen Aktivitäten.

Persönliche Aktivitäten (Säule II)

Einen hohen Stellenwert hat für mich meine Rolle als Mentor, sowohl für junge Menschen aber auch Teams wie z.B. Start-ups. Da bin ich gut unterwegs. Das schöne beim Erfahrung teilen ist, dass ich selber dabei auch sehr viel lerne und kreativ angeregt werde. Das geht mir besonders so im Dialog mit den jungen Menschen wie mit „meinen“ Start-ups.

Aber auch „offiziell“ bin ich in Sachen „Unternehmensgründung“ unterwegs, z.B. als Jury-Mitglied von Business Wettbewerben. Auch das ist für mich wichtig, weil diese Arbeit eine spannende Quelle neuen Wissens ist. Gelegentlich bin ich in „besonderer Mission“ unterwegs, um z.B. Partner für junge Unternehmen zu finden. Dazu pflege ich auch in besonderem Maße meine „Asia-Connection“.

Weiter gehört in diese Säule die InterFace AG. An diesem Unternehmen verfüge ich gemeinsam mit Barbara über die Mehrheit. Unsere Beteiligung an der InterFace AG ist so ein wesentlicher Teil unseres Vermögens. Obwohl ich mich operativ da total zurück ziehe, möchte ich dem Unternehmen treu bleiben und es bewahren. So unterstütze ich es bis auf weiteres als Aufsichtsrat.

Und ansonsten versuche ich mit den vielen guten Typen, die ich kenne, in Verbindung zu bleiben und meine Netzwerke zu pflegen. Da habe ich viel Gelegenheit wie z.B. bei ISARNETZ, der Münchner Webwoche, im Umfeld von Open Source-Projekten oder beim PM-Camp. Diese freien Bewegungen sind mir ganz wichtig und fällt bei mir unter „private Aktivität“.

Zentrale Projekte (Säule III)

Ein bisschen Geschäft möchte ich auch noch machen, dies allerdings immer auf Basis einer gesellschaftlichen Motivation und im Sinne von Gemeinwohl-Ökonomie.

Für solche dann auch wieder operativen Aktivitäten, die ja vielleicht auch größere Dimensionen annehmen können, werde ich die IF-AGORA als Plattform nutzen. Grundsätzlich hat die IF-AGORA kein kaufmännisches Gewinnziel. Die Agora wird ein „non profit“-Unternehmen sein, dass die Überschüsse akkumuliert. Nachfolger versuche ich möglichst früh einzubinden, weil ich mich selber hier wenn möglich nur noch 3 – 5 Jahre betätigen will.

Ich möchte aber nur Aktivitäten angehen, die einen Überschuss ermöglichen. Und allen, die für uns arbeiten fair für ihren Einsatz entlohnen. Die Plattform selber soll auf Basis solcher Überschüsse immer stärker werden, um sich für größere Herausforderungen zu qualifizieren. So werden alle Projekte und Aktivitäten der IF-Agora transparent offengelegt, Partner sind erwünscht.

Bei den zentralen Projekten habe ich mir konkret drei Aufgaben vorgenommen – aktive Mobilität, demokratisches Unternehmen (Arbeitstitel) und Frieden, die ich seriell angehe.

Aktive Mobilität #AktMob & #AktMobCmp

Als erstes treibe ich das Projekt „Aktive Mobilität“ voran. Als Abkürzung für Aktive Mobilität habe ich #AktMob gewählt und international (für die Zukunft) #actmob (active mobility). Das ist schon gestartet und entwickelt sich sehr schön. Neben vielen anderen ist Eberhard Huber hier ein wesentlicher Partner.

Ich persönlich bin der festen Überzeugung, dass wir gerade im Verkehr entscheidend umdenken und diesem neuen Denken folgend handeln müssen. Der individuelle motorisierte Verkehr ist für mich am Ende, auch Elektromobilität ist hier keine, wenn dann nur eine sehr eingeschränkte Lösung.

Die aktive Mobilität (Fortbewegen zumindest wesentlich durch die eigene Körperkraft) muss in Zukunft einen möglichst großen Teil dieser Mobilität übernehmen, wie auch die Infrastruktur der öffentlichen Verkehrsmittel drastisch verändert und verbessert werden muss. Dafür gibt es beliebig viele Gründe auf verschiedenen Ebenen.

Als Teil von #AktMob möchte ich gemeinsam mit vielen Gleichgesinnten barcamps (#AktMobCmp) und ähnliche Veranstaltungen durchführen. PM-Camp ist ein gutes Muster für #AktMobCmp. Bei der Mitarbeit bei PM-Camp habe ich viel gelernt, das ich für #AktMobCmp einsetzen möchte.

Ziel ist vor allem, das Thema „Aktive Mobilität“ an sich voranzubringen (1). Die Vernetzung von Protagonisten und Nutzern ist ein wichtiges Anliegen (2). Das Bauen von Brücken zwischen den vielen Verbänden, administrativen Instanzen, Lobbyisten, Vereinen, Institutionen und den zahlreichen communities, die auch dazugehören, ist ein weiteres Ziel (3). Denn letzten Endes bestimmen diese alle gemeinsam auch bei der Mobilität die Maßnahmen der Politik.

Mit dem Projekt #Aktmob bin ich schon weit. Die organisatorische Basis sollte in diesem Quartal abgeschlossen sein, das weitere Vorgehen ist dann Routine. Jetzt geht es um das Finden vieler Unterstützer und Mitmacher.

„Demokratisches Unternehmen“

Hier möchte ich mit einem Kreis ausgewählter Freunden an der Verbesserung von Arbeitswelt in Unternehmen wirken. Ich habe als Arbeitstitel für das Projekt mal den Titel eines neuen Buches eines guten Freundes – Dr. Andreas Zeuch – gewählt.

Als Themen und Stichworte würde ich hier nennen:
Anitfragilität • angstfreie Räume  •  Arbeit • Augenhöhe • Entscheiden Erfahrung Führen • Geisteshaltung • Gemeinwohl-Ökonomie  Intuition • Management • Organisation • Steuerung • Wirtschaft und Gesellschaft • Gemeinwohl-Ökonomie • Unternehmen als Netzwerk und nicht als Hierarchie • Werte • Wissen …
alles im Kontext von Unternehmen und Institutionen

Ich meine dieses Projekt muss bis in die Bildung gehen. Endziel ist also eine Uni 🙂

Hier gibt es noch kein klares Konzept. Anfangen möchte ich gerne mit Veranstaltungen in einem sehr kreativen und interaktivem Format (face2face kombiniert mit zeitgemäßer Web-Technologie). Diese Veranstaltungen sollen nicht billig aber ihr Geld wert sein. Auch hier meine ich sollten wir es schaffen, die Protagonisten gerecht zu entlohnen.

Als Vision könnte ich mir hier eine Art „I-University“ inklusive Moocs etc. vorstellen – streng fokussiert auf das beschriebene Thema.

Ich kann mir hier eine Reihe toller Partner vorstellen, mit denen ich gemeinsam das Konzept für „Demokratische Unternehmen“ Euch im II. und III. Quartal erstellen möchte. Diese werde ich als nächste ansprechen.

„Projekt Frieden“

Das ist meine persönliche Utopie – ein wenig zum Frieden für uns und auf dieser Welt beitragen zu könne. Dieses Projekt würde ich im IV. Quartal angehen wollen, wenn der Rest gestartet ist und funktioniert. Bisher habe ich zur Idee des „Projekt Frieden“ zwei Sessons auf barcamps gehalten. Die Rückmeldungen haben mich sehr in meinem Vorhaben bestärkt. So haben sich auch hier schon einige „Sympathisanten“ gemeldet.

Aber wie gesagt, eines nach dem anderen. Und zurzeit ist vor allem #AktMob – Aktive Mobilität angesagt.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 19. November 2017

Der Weg als Metapher für unser Leben.

Bei jetzt schon vier Hochzeiten meiner Kinder durfte ich die Hochzeitsrede halten. Bei der Vorbereitung dieser Ansprache gebe ich mir immer (sehr) viel Mühe und versuche wichtige Gedanken zu formulieren.

Da sind gerne Gedanken dabei, von denen ich weiß, dass sie mir selber viel geholfen haben. Die es lohnen könnte, sie auch andere Menschen weiterzugeben. Besonders an das Hochzeits-Paar und an möglichst viele andere Menschen.

Deshalb veröffentliche ich auch hier ein paar zentrale Gedanken aus meiner letzten Hochzeitsrede. Auch weil heute Sonntag ist. 


Der Weg als Metapher für unser Leben. 

Der Weg des Lebens beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod. Unser wertvollstes Gut auf diesem Wege ist die Zeit, die wir auf diesem Wege verbringen. Die Zeit ist deshalb so wertvoll, weil sie nie zurück kommt. Wenn man Freundschaft oder Geld verliert, kann dieses zurück kommen, nicht so die Zeit.

Am Beginn unseres Weges steht die Geburt.

Wir tauchen in der Welt auf und befinden uns in einer Gemeinschaft. Wir treffen Menschen, die uns auf diesem Wege begleiteten, die wir nicht kennen. Wir haben sie uns nicht heraus gesucht. In der Regel ist das unsere Familie.

Wege finden zusammen und trennen sich.

Wachsen wir heran, treffen wir auf unseren Wege weitere Menschen, die einen Teil der Strecke gemeinsam mit uns zurücklegen: Die Kindergärtnerin, der Lehrer, unsere ersten Freunde ….

So gehen wir unseren Weg, auf manchen Teilstrecken gemeinsam mit mehr und mal mit weniger Menschen. Neue Gesichter kommen hinzu, viele Wege trennen sich für eine längere Zeit oder auch für immer.

Wir sind „Sammler und Jäger“.

Auf diesem Lebensweg sammeln wir „Spielzeuge“ aller Art, an denen wir uns ergötzen und/oder die uns „wehtun“. Diese Spielzeuge kommen oft aus der Vergangenheit. Es können Erinnerungen, Enttäuschungen, Niederlagen, Verletzungen … sein.

Andere weisen in die Zukunft und machen uns das Leben genauso schwer. Da möchte ich Lebensträume, Hoffnungen, Ängste, Erwartungen, Projektionen … benennen.

Wir besitzen nicht sondern werden besessen.

So wird unserer Lebens-Rucksack, den wir auf unserem Wege mit uns schleppen, immer größer und schwerer. Er und sein Inhalt werden zu unserem Lebens-Ballast, an dem wir schwer tragen.

Eines Tages heiraten wir. Wir feiern Hochzeit.

„Hochzeit“ ist für mich die bewusste Entscheidung – ein abgelegtes Komnitment  – den eigenen Lebensweg mit einem Menschen in einer besonderen Art und Weise gemeinsam zu gehen. Ein gegenseitiges „Komm mit mit mir!“

Es beginnt etwas Neues. So ist eine Hochzeit bestimmt kein schlechter Zeitpunkt, gemeinsam die Rucksäcke zu leeren oder noch besser, sie am Wegrande stehen zu lassen.

Legt Eure Rucksäcke ab!

Denn: Das Leben findet im jetzt und heute statt. Wenn aber Vergangenheit und Zukunft unser Denken und Handeln bestimmen, dann leben wir nicht!

Deshalb geht meine Bitte an das Brautpaar, heute auch darüber nachzudenken, ob und wie Ihr den heutigen Tag dazu nutzen wollt (und könnt), Euch vom Gerümpel der Vergangenheit für die Zukunft frei zu machen. Also:

Damit Ihr jeden Tag Eures Lebens immer mehr in wachsender Freude und mit zunehmenden Mut verbringen könnt!


Einen Teil der hier niedergelegten Gedanken verdanke ich unter anderem dem Buch Ein Tag mit der Liebe von Moshen Charifi, das ich zur Lektüre nur empfehlen kann. Charifi berichtet in diesem Buch in einer wunderbaren achtsamen und „gewaltfreien“ Sprache von einem Dialog von LIEBE und VERLIEBTHEIT, der auf einem gemeinsamen Spaziergang stattfindet.


Für Katherina und Martin entworfen für den 27. Oktober 2017. Und für alle Menschen auf dieser Welt. In Liebe!

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 18. Mai 2017

Armeen im allgemeinen und die Bundeswehr im besonderen.

Über Krieg und FRIEDEN.

 

Friedlich sein Bier trinken zu können ist ein großer Wert.

Zurzeit liest man wieder viel über die Bundeswehr. Da stößt einiges plötzlich wieder auf, altbekanntes wird entdeckt und Frau van der Leyen will das jetzt reparieren. Mit Dingen wie einem „neuen Traditionserlass“ und ähnlichem. Sogar über die Wiedereinführung von Wehrpflicht wird wieder gesprochen. Mir graut!

Das wird aber alles nichts helfen. Denn jede Armee kippt früher oder später um, spätestens im Ernstfall. Weil Armeen nur mit Menschen funktionieren, die in der Lage sind, Menschlichkeit auszublenden.

Krieg lebt immer von Hass und Feindschaft. Er bringt Mord und Totschlag, sinnlose Zerstörung und Vernichtung. Die Soldaten sind die Handlanger, die den Krieg umsetzen.

So artikuliere ich hier drei Thesen, die zeigen, dass die Bundeswehr nicht so funktionieren kann, wie es uns verkauft wird. Alle drei Thesen sind nicht nur angesichts der aktuellen Ereignisse und Diskussionen relevant. In der öffentlichen Diskussion höre ich sie aber nie. Weil sie uns zeigen würden, wie sinnlos Krieg ist. Und das will die Politik weltweit nicht, nicht zuletzt auch deshalb nicht, weil es die Waffenindustrie nicht will.


Erste These

Eine Armee ist und kann kein „normales“ Unternehmen sein.

Die Bundeswehr wird von der Politik oft so dargestellt, als ob ein normales Unternehmen wäre, das Sicherheit produziert. Das ist sie aber nicht. Denn: Ein Unternehmen wird definiert als ein soziales System mit einem ökonomischen Zweck. Dieser wird realisiert durch das Herstellen von Produkten oder das Anbieten von Dienstleistungen, die der Markt (die Menschen) benötigen oder zu brauchen meinen.

Die Bundeswehr ist natürlich auch ein soziales System. Sie hat aber keinen ökonomischen Zweck. Ihre einfache Zielfunktion ist das Zerstören und Töten. Sie rechtfertigt sich aus Angst und tarnt sich unredlich als Dienstleistung für „Sicherheit“. Ihre Existenz wird als selbstverständlich hingenommen – begründet von unausweichlichen „Sachzwängen“. Deswegen wird nicht viel nachgedacht und ihre Notwendigkeit leider nur von wenigen Menschen in Deutschland ernsthaft in Frage gestellt.

Nach dem Krieg gab es den Traum von einem friedlichen Deutschland ohne Militär. Dieser Traum wurde durch die Wiederbewaffnung in den 50iger Jahren schnell zerstört.

Die Begründungen für die Notwendigkeit der Bundeswehr haben sich im Laufe der letzten 60 Jahre immer wieder verändert. Ich beschreib mal, wie ich das so als Zeitzeuge erlebt habe. Beim Restart wurde die Bundeswehr uns verkauft als

    • VERTEIDIGUNGS-ARMEE
      So war die  Wiederbewaffnung ein „zwingend notwendiger Beitrag zur Verteidigung des freien Westens“, der gegen den Willen der Mehrheit der „dummen“ Bevölkerung durchgesetzt wurde.
      Damals war fast die ganze Welt durch extreme FEINDBILDER völlig irrational in zwei Blöcke geteilt. Ich habe in der Schule gelernt (ich bin in der BRD aufgewachsen und hier indoktriniert worden) , dass der von Stalin & Co geknechtete „Osten“  uns, den freien und reichen „Westen“ erobern und den Kommunismus aufzwingen wollte. Zwei Blöcke standen sich in krankem Misstrauen vor Waffen starrend mit aus Millionen Menschen bestehenden Heeren gegenüber, ideologisch und systemisch total verfeindet. Es ging nur KOMMUNISMUS und KAPITALISMUS. Der erstere war ganz schlecht, der zweite das Paradies. Die andere Seite hat das anders herum formuliert.
      In diesen Blöcken gab es zwei so nicht „ganz souveräne Staaten“, die keine Armee hatten. Im Westen war das die BRD, im Osten die DDR. Aufgrund der Feindbilder – ausgelöst durch ANGST – und wahrscheinlich aufgrund des Drucks der „Verbündeten“ beschloss zuerst die BRD, sich wieder zu bewaffnen, die Bundeswehr wurde gegründet. Wenig Jahre später reagierte dann der Osten, in der DDR entstand die Volksarmee. So wurde die „deutsche“ DDR zum unerbittlichsten Feind der „deutschen“ BRD, erweitert um den Warschauer Pakt (UDSSR und Rest), sprich die Welt der Kommunisten.
      Da allen Menschen mehr oder weniger klar war, dass der „Verteidigungsfall“ die neuerliche Zerstörung ganz Europas bedeuten würde kam dieses Modell irgendwann nicht mehr so gut an. So erfanden die militärischen Strategen etwas Neues, die

 

    • VORWÄRTSVERTEIDIGUNG
      Die Illusion wurde vermittelt, dass man den Krieg aus dem eigenen Land fern halten könne und den Feind zerstören (besiegen) könne, bevor man selber Schaden davon tragen würde. Da diese Annahme wenig glaubhaft war, wurde sie gestützt von Dingen wie „totale Abschreckung durch Overkill“ und „Erstschlag-Doktrin“.
      Mich erinnert das ein wenig an die heutige Annahme, dass man mit Kampf-Robotern und Drohnen quasi vom Schreibtisch aus Kriege gewinnen könne – für die „Drecksarbeit“ findet man ja andere …
      Auch die Doktrin der Vorwärtsverteidigung wurde unglaubwürdig. Die Menschen glaubten auch das nicht, der kalte Krieg löste sich auf, Russland (spät-)kapitalisierte sich, Korruption wurde immer hoffähiger, Diktaturen kamen wieder in Mode, Willkür machte sich breit. So suchte man neue „Aufgaben“ für unser Militär und fand sie. Die Bundeswehr wurde Teil der

 

    • WELTPOLIZEI
      Deutschland leuchtete ja wieder. Als wirtschaftliche Weltmacht – so redete man uns ein – mussten wir mehr „Verantwortung“ an der (Neu-)Ordnung dieser Welt übernehmen. So nebenher fiel uns ein, dass wir aufgrund unserer Verschwendungs-Gesellschaft enorm abhängig von Rohstoffen sind und diese aus anderen oft weit entfernten Ländern kommen. Und wir gingen davon aus, dass böse Buben in der Welt uns diese rauben wollen. Das war ein Grund mehr, bei der amerikanischen Weltpolizei mitzumachen.
      Die Grünen und die SPD (!) als Regierende haben so ganz folgerichtig die ersten Auslandseinsätze der Bundeswehr beschlossen. Denn außerhalb Deutschland ist Krieg führen ja nicht so schlimm und kein Tabu. Da darf man ja Menschen töten und Häuser zerstören.
      (Das alleine wäre Grund genug, keine der beiden Parteien jemals wieder zu wählen.)
      So haben wir uns am Export von Krieg beteiligt.
      Betrachtet man jedoch die Kriege der letzten sechzig Jahre wird uns schnell klar, dass keiner dieser Kriege eine Situation verbessert oder gelöst hat. All diese Kriege waren mehr oder weniger erfolg- und sinnlos. Immer haben sie großes Leid über die Menschen gebracht, es gab immer viele Tote und Verletzte, Verbrechen gegen die Menschlichkeit waren an der Tagesordnung und immer waren die Zerstörung der vorhandenen Infrastruktur gewaltig. Das „politische Ergebnis“ war allerdings immer miserabel.
      Gerne wird der „kleine“ Krieg der Nato im Balkan als das Beispiel für einen erfolgreichen und gerechten „Feldzug“ gebracht. Ich bin mir da nicht so sicher. Neben beachtlichen Zerstörungen und Opfern auch hier war eine Folge die Auflösung von Jugoslawien, das durch eine Reihe von Kleinstaaten ersetzt wurde. Das gilt ja nach heutiger politischer Diktion (Glaube an Großstaaten wie Europa) ja auch nicht als vorteilhaft.
      Mag aber sein, dass der Balkankrieg ein sinnloses Blutvergießen durch entschlossenes Blutvergießen beendet hat. Das könnte ich als die Ausnahme akzeptieren, die die Regel bestätigt.
      Spätestens unser Krieg (Einmarsch) in Afghanistan hat klar gemacht, dass Krieg eben kein Problemlöser ist. Nebenher haben wir gelernt, dass man Roststoffe schlecht mit Waffen erobern kann sondern diese am einfachsten für gute Produkte und harte Währung bekommt. So ging die Lust am Weltpolizist spielen verloren und es musste eine neue Begründung für Kriege gefunden werden. Glücklicherweise für unsere Militärs und Politiker gab es ein neues treffliches Feindbild, der

 

  • TERRORISMUS
    So ging es auf in den Kampf gegen den Terrorismus. Wir stationieren dazu sogar Einheiten in der Türkei. Da der Terrorismus ja auch mit den Flüchtlingen kommen könnte, sichern wir unsere Grenze im Mittelmeer mit Frontex militärisch. Für den Kampf gegen den Terrorismus sind wir bereit die Ausgaben für eine verstärkte Aufrüstung prozentual am Bruttosozialprodukt um 50 Prozent zu erhöhen. Eine Zusage, die wir völlig unnötigerweise vor Jahren gemacht haben – und die jetzt von unserem Lieblings-Verbündeten unter Trump eingefordert wird.
    Ich bin gespannt, welcher Gaul geritten wird, wenn wir merken, dass auch der Terrorismus mit Krieg nicht sinnvoll zu bekämpfen ist.

Zweite These

Das Prinzip des Militärs lässt jede Armee früher oder später entgleisen.

Militär und Armeen bauen auf einem grausamen Grundprinzip auf. Jeder Soldat muss bereit sein, zu töten und zu sterben, wenn er den Befehl dazu erhält. Im Krieg gilt dieses Prinzip absolut, denn sonst funktioniert Krieg nicht. Das sollte auch jedem Rekruten, der sich entscheidet Soldat zu werden, klar gemacht werden.
Es kann im militärischen Denken nicht angehen, dass der Soldat prüft, ob der Befehl ethisch gerechtfertigt ist und verweigert werden kann. Das ist besonders im Ernstfall undenkbar. Genauso wie undenkbar, dass der Soldat desertieren darf, wenn er Zweifel hat. Desertieren geht nicht und ist unvereinbar mit einem funktionierenden Krieg.
Da es um Leben und Tod geht (deswegen wird ja desertiert) kann es für den Deserteur nur eine Strafe geben – und das ist die sofortige Exekution der Todesstrafe. Alles andere ist Wunschdenken. Krieg funktioniert nicht, wenn der Soldat desertieren darf. Man denke an den alten Spruch:

Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.

Wenn heute zum Beispiel der eine oder andere Deserteur aus der Wehrmacht des dritten Reiches „rehabilitiert“ wird, dann ist das reine Heuchelei. So wie das Märchen vom Bürger in Uniform Betrug und Schwindel ist. Das alles funktioniert nur, wenn die Armee so eine Art Bluff-Waffe ist, die niemals eingesetzt werden soll. Ich glaube nicht, dass das bei der Bundeswehr der BRD jemals so war – aber selbst wenn ist das natürlich keine Garantie dass sie nicht doch eingesetzt wird.

Also:
Soldatentum basiert auf dem perversen Grundprinzip „Auf Befehl Töten und Sterben müssen“.

Dies muss täglich eingeübt werden. Ein soziales System mit einem solchen Funktions-Kern kann sich doch gar nicht sozial vernünftig entwickeln und gesund sein. Früher oder später muss es ganz oder teilweise „umkippen“. Armeen werden immer vom „Landser-Ruhm“ und dessen Tugenden und Heldentaten zehren. Um diesen Irrsinn aufrecht zu erhalten braucht man auch eine mystische Tradition. Und da bietet sich die Wehrmacht des dritten Reiches für die Bundeswehr natürlich bestens an. Immerhin war sie ja ein paar Jahre außergewöhnlich erfolgreich und wurde auch in einzigartiger Weise glorifiziert. Und so steckt die vielleicht unterbewusste Bewunderung der „Heldentaten der deutschen Wehrmacht“ übertragen über Generationen in vielen jungen Menschen auch heute noch drin.
(Zynische Anmerkung:
Früher war ich ab und zu mal auf Computer Vintage-Märkten unterwegs. Und hab da immer die leidenschaftlichsten Computer-Leute getroffen. Gute IT-ler lieben halt Computer-Vintage, gute Soldaten Waffen-Vintage).

Dritte These

Die Rüstungsindustrie ist der Treiber von Krieg.

Diese Annahme erscheint mir trivial. Sie ist so klar, dass ich sie hier erst gar nicht groß begründen will. Krieg heißt für die Rüstungsfirmen „so richtig Kasse machen“. Wer Waffen baut, braucht den Krieg. Und dass die Konzerne allgemein mittlerweile einen brutalen Einfluss auf politische Entscheidungen wie auch Gesetzgebung etc. haben, das wissen wir. Die Rüstungsbranche ist da bestimmt nicht die zimperlichste.

Ein Freund, der besonders gut aufzeigen kann, wie Rüstungskonzerne „Kriege planen und machen“ ist mein Freund Jolly Kunjappu. Ihr könnt ihn am 8. Juli  im Literaturhaus in München treffen.

 


Ich meine, dass die Wiederbewaffnung und damit auch der Aufbau der Waffenindustrie der große Sündenfall der deutschen Politik nach dem zweiten Weltkrieg war. Diese Entscheidung wurde von Adenauer konspirativ gleich nach dem Restart der BRD vorbereitet und gegen die Mehrheit des deutschen Volkes durchgesetzt. Das war für mich ein krimineller Akt, der Deutschland und die Welt um eine Chance ärmer gemacht hat.

Es bleibt uns wohl nichts anderes, als Schritt für Schritt zu „Demilitarisieren“. Wir müssen weltweit die Rüstungs-Budgets senken. Wir müssen den Einfluss der Rüstungsindustrie eindämmen – und parallel dazu zumindest in kleinen Schritten selber auch friedlicher werden.

So habe ich eine große Bitte: Seid alle für FRIEDEN. Und ich freue mich, wenn Ihr meine Kategorie FRIEDEN und besonders Ein Manifest für FRIEDEN lest. Danke!

RMD

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 13. Oktober 2016

Alte leben kürzer – Junge länger…

Carl und Gerlinde (Folge 49)

ZZZZZZZA180843Also – das war schon ein Schock heute Morgen, als Carl sein sonntägliches Frühstücksei geköpft hatte, das ausnahmsweise einmal wirklich kernweich geraten war und sich daher prima auslöffeln ließ: ausgerechnet da sagte Gerlinde nämlich,

„du Carl, ich hab’ beschlossen ab sofort nicht mehr zu rauchen!“

Dabei strahlte sie übers ganze Gesicht, obwohl sie noch vor wenigen Minuten ungewaschen und ungeschminkt, was sie ja so gar nicht mochte, in der Küche herumgewerkelt hatte. Aber Carl verkroch sich ohnehin derart selbstvergessen in seinem Frühstücksei, dass jede Art von Morgentoilette bei ihr sowieso vergebliche Liebesmühe gewesen wäre.

Erst als Gerlinde ein zweites Mal die Verkündigung ihres Beschlusses versuchte und dies mit einem massiven Pfauchen einleitete und zusätzlich noch ihr bereits ausgelöffeltes Ei Carl auf sein unausgelöffeltes drückte, schien er aufzuwachen und sich ihr zuzuwenden.

„Hey Carlchen! Ich hör’ ab sofort zum Rauchen auf!“

Wortlos starrte er sie an.

„Was sagst du dazu, freust du dich gar nicht darüber?“

„Nö.“

„Wieso nicht? Du meckerst doch seit Jahr und Tag, dass dir der Zigarettengestank auf den Zeiger ginge?“

„Das schon“, sagte Carlchen, nahm irritiert Gerlindes leeres Ei von seinem halbleeren und setzte seine unterbrochene Eilöffelei da fort, wo sie unterbrochen worden war, wenngleich mit deutlich weniger Inbrunst.

„Also was nun?“ fragte Gerlinde ratlos mit einem Anflug von Gereiztheit.

„Na ja, du bringst dadurch meine gerade mühsam zurechtgerückte Altersstatistik durcheinander!“

„Ist das einer deiner hintergründigen Witzchen, die du so liebst und ich hasse – oder wie meinst du das, liebster Carl?“

„Das ist kein Witzchen, liebste Gerlinde, sondern das sind die neuesten wissenschaftlichen Fakten, die ich bei dieser Korrektur verarbeitet habe“.

„Und?“

„Ja nichts und, Gerlinde! Schließlich weißt du ja auch, dass man bei unserem Altersunterschied – du 42 Jahre, ich 58 – schon manchmal ins Grübeln kommt“.

„So? Auf einmal?“

„Ja  – auf einmal! Aber vielleicht hast du ja auch in den letzten Tagen Zeitung gelesen und mitbekommen, dass nach den neuesten Rentenstatistiken ich nur mehr 24 Jahre zu leben habe, während du noch locker 44 Jährchen vor dir hast, liebe Gerlinde!“

„Und wo ist da das Problem?“

„Das Problem besteht darin, dass ich auch noch 44 Jahre leben möchte, genau wie du!“

„Und?“

„Und – mir deswegen nach der neuesten New Yorker Studie einen hübschen Plan ausgearbeitet habe wie ich das erreichen kann…“

„Ist doch schön, Carl…“

„Nein ist nicht schön – denn du hast diesen Plan gerade mit deiner Bemerkung – zugegeben unwissentlich – über den Haufen geworfen, Gerlinde…“

„Oh – Gott wie denn das?“

„Na ja, in der besagten Studie wurde festgestellt, dass ich, wenn ich täglich fünf Walnüsse esse bis zu fünf Jahre länger lebe!

Und wenn ich dich außerdem regelmäßig küsse um weitere fünf Jahre! Ein abendliches Glas Wein bringt 3,8 Jahre und täglich 15 Minuten Bewegung nochmals 3 Jahre.

Esse ich zusätzlich täglich noch fünf Portionen Obst und Gemüse gewinne ich weitere 3 Jahre und wenn ich zukünftig statt Gummibärchen Schokolade nasche noch ein Jahr mehr! Insgesamt käme ich somit ziemlich genau auf die mir fehlenden zwanzig Jährchen, liebste Gerlinde…“

„Wenn da nicht ein Haken wäre in dieser Rechnung…“

„Ja wenn da nicht der Umstand wäre, dass ich dich küssen muss und du durch dieses Küssen auch wieder fünf Jahre länger lebst als ich…“

„Schlimm – wirklich schlimm…“

„Ja schlimm, aber das ließe sich noch regeln, wenn ich zwischendurch immer wieder mal unsere Freundin Hannelore küsste…“

„Prima Idee, dann lebt die auch länger…“

„Ja  –  und so schlecht küsst die gar nicht! Aber die eigentliche Katastrophe beginnt ja erst, wenn du wirklich zu rauchen aufhörst. Dadurch gewinnst du nämlich nach der New Yorker Studie bis zu 10 Jahre und da ich nicht rauche, verbaust du mir absolut jede Chance mit dir zusammen alt zu werden, liebste Gerlinde, das ist einfach Fakt!“

Und Fakt war auch, dass Gerlinde nicht mehr antwortete sondern handelte, und Carl sich plötzlich in einem unsäglichen Gemenge von zerdeppertem Frühstücksgeschirr, Marmelade, Butter, Kaffe und Tee unter einer Tischdecke befand, die Gerlinde ihm übergeworfen hatte…

Lebensverlängernd war diese Aktion sicher nicht, da war sich  Gerlinde sicher, aber nach dem Gewimmer unter der Tischdecke  war eine unmittelbare Lebensverkürzung auch nicht zu befürchten –  trotz  fortgeschrittenen Alters des erbärmlichen Kandidaten…

KH

Roland Dürre
Samstag, der 1. Oktober 2016

In FRIEDEN leben – wie ein Vogel im Schwarm …

Weiße Taube auf blauem Grund, eine Variante der Friedenstaube: Seit den 1980er Jahren verbreitetes Symbol der westeuropäischen, vor allem der deutschen Friedensbewegung, entworfen im Kontext des Widerstands gegen den NATO-Doppelbeschluss.

Weiße Taube auf blauem Grund, eine Variante der Friedenstaube: Seit den 1980er Jahren verbreitetes Symbol der westeuropäischen, vor allem der deutschen Friedensbewegung, entworfen im Kontext des Widerstands gegen den NATO-Doppelbeschluss.

Warum Frieden?

Nach meinem operativen Ausstieg bei der InterFace AG Ende 2014 wollte ich meine mir verbleibende Zeit, meine Fähigkeiten und mein Netzwerk für etwas wirklich Sinnvolles einsetzen. Für FRIEDEN. Weil mir FRIEDEN seit meiner Kindheit das Wichtigste auf der Welt ist.

Seitdem habe ich viel dazu gelernt.

Ich beginne zu verstehen, wie schwierig es ist, FRIEDEN zu realisieren. Nicht weil FRIEDEN an sich unmöglich ist. Sondern weil wir, unsere Sozialisierung und unsere gesellschaftlichen Systeme von Grund auf unfriedlich sind. Und weil man FRIEDEN eben nicht mit mit unfriedlichen Leben, Denken, Werkzeugen, Methoden … erreichen kann.

Warum ist mir FRIEDEN so wichtig?

FRIEDEN ist der zentrale und höchste Wert. Davon bin ich seit meiner Jugend überzeugt. Ein Leben in FRIEDEN ist die wichtigste Rahmenbedingung und notwendige Voraussetzung für individuelles und kollektives Glück. So habe ich das „Projekt FRIEDEN“ gestartet und hier im Blog regelmäßig darüber berichtet.

Ich bin selber überrascht, wieviel ich durch dieses Projekt in wenigen Monaten gelernt habe und wie sich meine Bewertung zum Vorgehen geändert hat. Wollte ich doch ganz klassisch eine starke Organisation aufbauen, die ihre Stimme kräftig erhebt und zum Beispiel gut sichtbare Aktionen für FRIEDEN durchführt.

Was war der Plan?

Ich dachte mir, dass man dazu alles so machen muss, wie ich es halt auch als Unternehmer gelernt habe und wie es wohl Stand der Kunst ist:

Man kreiert ein Logo, verfasst gute und kurze Pitches, erstellt ein Manifest (da wollte ich mich am „agile manifesto“ als Muster orientieren), entwirft eine Satzung, schreibt einen „business plan“, kreiert ein Wertesystem, generiert konstruktive Regeln der Zusammenarbeit und formuliert eine präzise Mission. Dann sucht man sich einen überschaubaren Kreise von ähnlich Gesinnten, gründet ein Projekt und stemmt es gemeinsam.

Auf dieser Basis wollte ich ganz viele Menschen gewinnen, die das Projekt FRIEDEN unterstützen. Und dann durchstarten. Und es gab viele Ideen, was diese so entstehende Organisation für FRIEDEN tun könnte. Da war z.B. der Gedanke, nicht nur aber auch herausragende Künstler, Multiplikatoren aller Art und viele Menschen guten Willens als „Mitmacher“ (und deren Kreativität und Kraft) für das Projekt zu gewinnen.

Und z.B. einen ultimativen Film FRIEDEN zu machen. Und/oder gemeinsam mit Freunden „Social-Media-Projekte“ z.B. in Snapchat aufzusetzen. Die Idee schien so einfach: Lass uns mit vielen tollen Aktionen Menschen auf wecken und mit reißen. Und deren Ideen und Kreativität nutzen. Damit die Welt versteht, dass man sich nicht rechtfertigen muss, wenn man absolut für FRIEDEN ist.

Um diese Aktivitäten finanzieren zu können, kam ergänzend der Gedanke, ein unterstützendes Unternehmen zu gründen, dessen Hauptzweck gewesen wäre, fürs „Projekt FRIEDEN“ und seine Aktivitäten Geld zu besorgen. Die meisten GnO’s (Gemeinnützige Organisationen) nutzen solche „Geld-Lieferanten“, die sie mit Geld – gegen eine durchaus beachtliche Provision – versorgen. Diese machen es meistens mit klassischen Methoden wie Bettelbriefen, persönlicher Ansprache, Fernsehaufrufen etc. Mein Gedanke war natürlich, das Ganze der Zeit entsprechend übers Internet durchzuführen, weil das sicher effizienter und kostengünstiger gehen sollte.

So dachte ich, dass wir gemeinsam ein Schneeballsystem aufbauen und so viele kleine FRIEDENs-Feuer anzünden könnten, die sich schließlich zu einem flächendeckenden FRIEDENs-Brand vereinigen würden.

Warum geht es so nicht? 

Nach vielen Gesprächen mit Freunden – besonders mit Jolly, Carmen und Gudrun – und tiefem Nachdenken habe ich verstanden, dass es genau so nicht gehen wird. Denn der Unfrieden steckt in uns und in dem System, in dem wir leben. Welches uns sozialisiert hat und unser Denken in unfriedliche Bahnen gelenkt hat. Und immer mehr erkenne ich, dass so – übrigens ganz logischerweise – (fast) alle Dimensionen unseres gesellschaftlichen Lebens kontraproduktiv für ein friedliches (Zusammen-)Leben sind. Unser Alltag ist nicht friedlich, die Feindseligkeit sitzt tief in uns so wie auch unsere Geschichten, Sagen und Märchen eben nicht friedlich sind.

Wenn wir also FRIEDEN haben wollen, dann können wir nur bei uns selbst beginnen und uns selbst verändern. Vielleicht gelingt uns das gemeinsam ein wenig besser als alleine. Vielleicht könnten wir so weitere Menschen mit diesem Bedürfnis „infizieren“. Und wenn wir genug werden, die willens und fähig sind, in FRIEDEN zu leben, dann entwickeln wir vielleicht die Kraft des Schwarms, dem das System folgen muss.

Mit den klassischen Mittel des real existierenden Systems jedoch werden wir FRIEDEN nicht erreichen. Wie der Volksmund sagt: „Den „Beelzebub kann man nicht mit dem Teufel austreiben“.

Man könnte auch sagen, dass wir von Kindheit an auf UNFRIEDEN gebürstet worden sind und immer noch werden. Die von uns generell gelebten und genutzten (Erfolgs-)Muster sind genau die Verursacher und Förderer von Parteilichkeit und Feindbildern. Schnell entstehen so Angst, Neid und Hass und letztendlich Krieg. Mit kriegerischen Verhalten können wir jedoch keinen Frieden generieren. So wie ich auch meine, dass man Toleranz nicht durch Intoleranz erzwingen kann.

FRIEDEN kann also kein Projekt sein, denn allein der Begriff Projekt entstammt einer Denke, die überhaupt nicht friedlich ist – ich erinnere nur an Begriffe wie Plan, Ziel, Termin, Ressourcen und Budget. FRIEDEN dagegen ist ein besonders gut, dass nicht mit dem traditionellen nicht westeuropäisch/amerikanischen Denken erreicht werden kann.

Ich möchte leben!

Und ich selber will auch nicht in den klassischen Mustern weiter machen, die mich über fast mein ganzes Leben geprägt und gesteuert haben. Ich will mich nicht mehr für etwas einsetzen oder kämpfen. Ich habe auch keine Lust mehr, Menschen zu überzeugen, Pläne zu schmieden, Strukturen aufzubauen, Werkzeuge einzuführen, Organisationen zu steuern, unter entstehender systemischer Bürokratie zu leiden, ehrliches Reden und Handeln der „politischen Zielen unterzuordnen“, das Mittel zu heiligen, weil es einem Zweck dient, endlose Besprechungen zu führen, Protokolle zu schreiben und immer wieder darüber zu streiten, was eigentlich gemeint ist.

Ich mag nicht mehr „managen“!

Nein, ich habe keinen Bock mehr, mich in Gruppen bis ans Ende meiner Kraft für Konsens und fragwürdige Kompromisse einzusetzen und immer wieder zu versuchen, verschiedene Meinungen unter einen Hut zu bringen. Ich will mich nicht für FRIEDEN opfern, auch weil ich Märtyrertum als unfriedlich und gutes Beispiel für eine völlig falsche Denke empfinde.

Das von mir überlegte Vorgehen – und wenn es noch so gut gemeint war – wird uns dem FRIEDEN auch nicht einen kleinen Schritt näher bringen. Einfach weil wir in einem falschen System leben und mit den falschen Methoden dieses Systems nicht das richtige erreichen und schaffen können. So wie es kein richtiges Leben im falschen geben kann.

So meine ich, FRIEDEN bekommen wir nur, wenn er sich wie von selbst entwickeln kann. Und um das zu erreichen, muss ich bei mir selber beginnen. Wenn ich achtsam bin, bemerke ich immer wieder, wie unfriedlich ich selber noch bin. Und das laufend. Dass möchte ich ändern.

Die Idee FRIEDEN ist für mich aber nicht tot. Im Gegenteil. Auch einzelne Vorhaben möchte ich weiter vorantreiben und unterstützen. Zum Beispiel würde ich immer noch gerne einen „ultimativen Film“ zu FRIEDEN machen wollen. Vielleicht hilft’s ja!?

So denke ich heute:

Wir müssen einen Weg finden, der es FRIEDEN erlaubt, sich quasi von selbst in unserer Welt zu entwickeln. So ein Weg mag noch so utopisch erscheinen, trotzdem möchte ich ihn suchen und eine schöne Utopie aufbauen.

Vielleicht finden die Menschen über schöne Utopien gemeinsam den Weg zum FRIEDEN. Dazu müssen wir uns aber wie bei allen innovativen Dingen aus dem Gefängnis unseres Denkens befreien, in dem wir – wie mir scheint – seit Tausenden von Jahren gefangen sind.

Innovation ist immer auch kreative Zerstörung. So wird der Weg zum FRIEDEN bedeuten, dass wir vieles aufgeben müssen und verlieren werden, was tief in uns steckt und uns lieb, teuer und unverzichtbar erscheint. Auf diesem Wege werden wir viele Muster brechen müssen, die Teil von uns zu sein scheinen! Und das kann weh tun, dürfte sich aber lohnen. Ich will es auf jeden Fall versuchen.

Zusammenfassung:

Mir erscheint mittlerweile als sicher:
Mit der klassischen Denke werden wir nicht weiter kommen. Wir wollen etwas Neues und müssen neue Wege gehen. So gebe ich nicht auf und suche weiter nach einem Weg in Richtung FRIEDEN.

Wir brauchen also einen Weg zum FRIEDEN, der uns Freude bereitet und den wir auch selber gehen wollen.

Diese Gedanken haben eine neue Idee geboren. Vielleicht hilft folgende Metapher bei der Suche nach diesem Weg:
Lasst uns gesunde, kräftige und friedliche Vögel werden, die als Teil eines Schwarms in FRIEDEN leben. Und so mächtig werden, das wir die Welt in Richtung FRIEDEN bewegen können.
Ich bin mir sicher, dass wir bestimmt viele Freunde finden werden. Vielleicht ist das Basis oder Anstoß für eine neue Utopie FRIEDEN – und so ein Teil der Lösung des Rätsels, das vor uns liegt.

Jolly sagt:
Man kann nicht für FRIEDEN kämpfen – wir müssen in Frieden leben.

In FRIEDEN leben – das müssen wir kräftig üben, sonst schaffen wir es nicht. So werde ich auch nicht mehr vom Projekt FRIEDEN sprechen sondern von in FRIEDEN leben. Und weiter nach Menschen suchen, die wie ich auf der Suche nach FRIEDEN sind.

Ganz vielen Dank an die Leser dieses mir wichtigen Artikels!

RMD

 

Ask-an-Answer_1m-185x300Termin-Ankündigung.

Am  28. April ab 18:00 laden Jolly und ich unsere Freunde in die Räume der InterFace AG ein.

Wir wollen unseren zentralen und ganz persönlichen Wunsch artikulieren. Dies auf unsere besondere Art und Weise.

Es gibt einen schönen Anlass für diese Einladung, denn Jolly Kunjappu’s neues Buch „Ask An Answer“ ist gerade erschienen.

So werden wir es an diesem Tag vorstellen.

Zu uns beiden:

So klein ist der Mensch. Am linken Rand Muhamed, Führer und Freund.

So klein ist der Mensch,
Ägypten Februar 2016.

Roland Dürre:

Ich bin seit dem 1. Januar 2015 nicht mehr operativ bei der InterFace AG tätig. Die gewonnene Freiheit versuche ich zu nutzen, um andere Menschen (wie auch mich selber) ein wenig glücklicher und erfolgreicher zu machen.

Neben der Unterstützung von Teams (wie Start-ups) und einzelnen Menschen (Junge und Ältere, Frauen und Männer) versuche ich mich gesellschaftlich für eine lebenswerte Zukunft einzusetzen. So bin ich zum Aktivisten für eine neue Art von Mobilität geworden.

Das Wichtigste jedoch ist mir seit meiner Jugend der Frieden. Deshalb starte ich jetzt gemeinsam mit Jolly eine schon lange gehegte Vision, das Projekt „Frieden“.

Ich möchte nicht mehr so viel denken und reden sondern handeln. So werde ich an diesem Donnerstag Abend nur einen kurzen mir aber sehr wichtigen Beitrag leisten.

Die meiste Zeit wird am 28. April der Botschaft meines Freundes Jolly Kunjappu gehören.

Denker, Künstler und vor allem Mensch.

Denker, Künstler und vor allem Mensch.

Jolly Kunjappu:

Jolly hat fast alle Länder der Welt bereist und war viele Jahre als Unternehmensberater auf Vorstandsebene – auch bei Dax-Unternehmen – unterwegs. Als Künstler (Malen, Musik, Performance) und Philosoph hat sich Jolly ebenso einen Namen gemacht wie als inspirierender Berater und Redner.

Wir haben uns bei einer Veranstaltung der Münchner Schachstiftung kennen gelernt und sofort gefühlt, dass unsere Werte, Erwartungen, Interessen und Bedürfnisse sehr stark harmonieren.

Jolly wird einen starken Appell halten und seine (unsere) Botschaft nicht nur in Worten kommunizieren.

Ich möchte mich herzlich bei der InterFace AG bedanken, dass sie ihre Räume für dieses ganz besondere IF-FORUM zur Verfügung stellt. Wir wollen unseren Auftritt nutzen, um eine starke Video-Botschaft an die Welt zu erstellen und werden die Vorträge filmen.

Die Veranstaltung ist kostenfrei und findet am Donnerstag, den 28. April 2016 um 18:30 im Seminarbereich der InterFace AG in Unterhaching, Empfang ist ab 18 Uhr.

Wie immer gibt es im Anschluss nach dem offiziellen Teil die Möglichkeit, sich bei leckeren Speisen und diversen Getränken zu entspannen und auszutauschen. Es ist eine persönliche Einladung an unsere Freunde (auch an die, die es noch werden wollen). So bitten wir um Anmeldung. Die geht wie immer ganz einfach per E-Mail an die InterFace AG oder gerne direkt an mich.


Jolly Kunjappu

Meister Deines eigenen Lebens
Sei kein Sklave eines Systems
Sei Meister deines eigenen Lebens.
München, Deutschland Mai, 1990

Master of Your Own Life
Don’t be a slave of a system
Be a master of your own life.
Munich, Germany, May 1990


Ich freue mich schon auf einen Abend voller Emotionen, spannender Diskussionen und schöner Gespräche!

RMD

CLOU/HIT in der InterFace Connection

Oder:

Wie Wolf und ich es dann selber machten.

Beim PM-Camp Berlin habe ich von vier Projekten aus der Vintage Zeit berichtet, die für mich sehr wichtig waren. Und hier angekündigt, dass ich alle vier auch in IF-Blog beschreiben werde.

if-logoProjekt 4

Jetzt kommt die Geschichte zum vierten Projekt:

Schon vor 1983 hatte ich keine Lust mehr, für andere zu arbeiten. Ich war damals noch bei Softlab. Dort konnte ich mein einseitiges Wissen – es bestand bis auf ein wenig SNA (IBM) überwiegend aus Siemens-Technologie – erweitern und lernte weitere IBM-Technologien aber vor allem auch die Technik von verschiedenen Systemen der „Mittleren Datentechnik“ kennen.

Das waren Maschinen, die je nach Speicherausbau aus zwei bis drei Teilen groß wie Bosch-Kühlschränke bestanden. Also viel kleiner und auch einfacher als Mainframe. Die waren damals groß in Mode und so gab es zuhauf europäische und nicht-europäische Wettbewerber mit mit unterschiedlicher und oft sehr proprietärer Technik. Kienzle und Nixdorf waren bei diesen aufstrebenden MDT-Unternehmen auch dabei und damals wurde allein in einer Stadt wie München ein und dieselbe Branchen-Software von verschiedenen Unternehmen parallel für verschiedene Technologien entwickelt.

Softlab war mit Sicherheit damals eines der innovativsten deutschen „Software-Häuser“. Sie hatten auch ein proprietäres System, das berühmte PET-Maestro. Für mich war das das erste System ohne den Frust des permanenten Datenverlusts, den das Pet-Maestro arbeitete auch schon zeichenweise – und jedes Zeichen wurde sofort auf die Platte geschrieben. Bei Reset erfolgte so immer ein aktueller Warmstart – und nichts war futsch! Es war eine Erlösung, das Zittern vor Datenverlust beim Arbeiten zum Beispiel mit EDT oder EDOR war vorbei.

Auch sonst lernte ich bei Softlab viel Neues. Aber auch im kaufmännischen Bereich: Wie man Angebote möglichst risikofrei formuliert, wie man mit den VB’s der großen Unternehmen (Bull, ICL, IBM, Nixdorf, Siemens) klüngelt (ohne die großen ging es damals schon nicht) oder – und wie man Studien schreibt. So wurde ich zum Papiertiger (das hat nichts mit paper tiger, der namhaften freien chinesischen Theaterbewegung zu tun). Und damals war es schon so, dass man als Papiertiger (noch) bessere Stundensätze bekam denn als Programmierer. So weiter gestärkt, wollte ich es selber machen. Alleine traute ich mich nicht. Also ging ich auf Partnersuche. In meinen Kreisen suchte und identifizierte ich Menschen, die mir sympathisch und fähig vorkamen. Und die vielleicht auch gründen wollten. Da gab es einige. Aber immer wieder klappte es nicht.

Bis der Wolf (Geldmacher) kam. Wolf war deutlich jünger als ich. Er war fachlich Spitze. Und wir sahen die Dinge ähnlich. Das soll heißen, dass sich unsere Werte, Erwartung, Interessen und Bedürfnisse gegenseitig sehr gut ergänzt haben. Ich war so mehr der Old-Style-Programmierer – und der Wolf hatte die Ahnung, von allem was in der IT modern und neu war. Und Wolf war absolut der Qualität verpflichtet. Und wenn einer Menschenverstand hatte, dann war es der Wolf. Und das sind wohl die wichtigsten Dinge: Fachliche Ahnung, Menschenverstand und Qualitätsbewusstsein. Dann muss man nur noch ein netter Kerl sein …

So gründeten wir in Kurzform die InterFace Connection. Die InterFace hat Peter Schnupp auf uns vererbt, die „Connection“ war unser Begriff. Das wollten wir gemeinsam mit unseren zukünftigen Mitarbeitern sein, eine „Connection“, die zusammen hält und gemeinsam erfolgreich wird. So gründeten wir 1983 das Unternehmen und starteten am 1. April 1984 das Geschäft.

Das Projekt von dem ich berichte, ist aber nicht das Unternehmen, sondern die Entwicklung unseres Produkts. Und ein Produkt wollten Wolf und ich aus zwei Gründen haben: Zum einen waren wir überzeugt, dass ein Produkt etwas ist, auf das man stolz sein kann. Dass ein Produkt eine Identität schafft. Und dass ein Produkt besser skalierbar ist, als Dienstleistung.

Außerdem gaben wir dem damals sehr gut funktionierenden „Body Leasing“ keine Zukunft. Wir glaubten nämlich noch an die Gesetze, und uns war als Gründer ziemlich klar, dass die übliche Form von Body Leasing genau das schon damals war, das dem AÜG folgend ganz einfach ungesetzlich war.

Schnell war uns klar, dass damals Unix die richtige Basis für zukünftige Produkte wäre. Wir waren uns auch rasch einig, dass ein auf Unix so ziemlich alles fehlte, was man für die Nutzung von Rechnern bei Unternehmen bräuchte. Und dass da ganz besonders ein Textsystem fehlen würde. Und dass man auf Unix mit seinen neuen Datensichtgeräten (im raw oder cooked mode) und gerade mit der Sprache c zuerst mal eine komfortable Schreibmaschine relativ zügig entwickeln können müsse.

Weil wir vor der Herstellung und dem erfolgreichen Vermarkten eines Produktes großen Respekt hatten, begannen wir die Entwicklung des Produktes in Kooporation mit InterFace Computer. Wir hatten sehr schnell einen kleinen Erfolg im Umfeld von SINIX (dem Unix von Siemens) und so verlagerte sich die Entwicklung zu uns und InterFace Computer übernahm die Portierungen wie auch den Vertrieb im „Restmarkt“.

Und wir hatten ganz schnell ein zweistelliges Team von ganz jungen Leuten. Das waren in der Regel Studenten. Sie mussten programmieren können und sympathisch sein. Und trotz der Doppelbelastung Arbeit und Studium zweiteres durchziehen. Alles andere war uns egal.

Da Wolf und ich (gemeinsam mit ein paar jungen fest angestellten Informatikern mit akademischen Abschluss durch besagtes Bodyleasing (mit Stundensätzen zwischen 150 – 120 DM) die Entwicklung finanzierten, waren die jungen Menschen ziemlich frei. Gesteuert wurden sie von unserer „Assistentin“ Heidi (Kaindl). Die Heidi hatte die Jungs gut im Griff und passte gut auf, dass die auch arbeiteten. Wolf und ich waren nur in kurzen Meetings mit den Jungens zusammen (bald nach der Gründung kamen dann auch Frauen dazu).

Der Wolf hatte damals die Rolle eines SCRUM-Masters und mehr (obwohl es damals SCRUN noch lange nicht gab. Er erklärte dem Team, was Qualität wäre. Und dass sie die Qualität eben nicht für unsere Endkunden, nicht für unsere Vertriebspartner für Siemens und auch nicht für die InterFace Connection machen würden, sondern zuerst mal als ehrliche Programmierer für sich. Und Wolf hatte hohe Ansprüche und war streng. Wenn jemand nicht fähig oder willens war, die Qualität zu bringen, gab es keine Zukunft bei der „Connection“. Wolf beschützte aber auch das Team, wenn z.B. ich auf Ressourcen spechtete. Und setzte auch die notwendigen Investitionen durch.

Meine Aufgabe war vielleicht die des Product Owners. Zumindest am Anfang. Ich musste als Jugendlicher Stenographie und Schreibmaschine schreiben lernen. Stenographie habe ich geliebt, es ist eine wunderschöne Art zu schreiben. Weil es nicht gegen die Hand geht, wie die normale Schreibschrift. Aber die Schreibmaschine haßte ich. Und ich wusste genau, wie eine gute Editier-Maschine aussehen musste. Das hatte ich dann auch in Gründerzeiten aufgeschrieben.

Wie es komplizierter wurde und z.B. CLOU mit seiner „embedded sql“ dazu kam, gab ich die Rolle des Product-Owners an unsere Kunden ab. Und das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Denn die Kunden konnten uns tatsächlich sagen, wie sic sich eine automatisierte Bausteinverarbeitung vorstellten. Und haben uns den weiteren Weg gewiesen.

Eine Regel war, dass alle Mitarbeiter – bis auf Heidi – programmieren konnten. Die Heidi war unsere erste und wichtigste Kundin. Sobald die erste Version von HIT verfügbar waren, haben wir ihr den „vi“ und die für Bürobetrieb geschriebenen „nroff-makros“ weggenommen, und sie musste mit HIT arbeiten – sehr übrigens zu ihrem Unwillen. Den so schlecht war die vi-Lösung nicht. Später hat sie dann aber trotzdem ihren HIT lieben gelernt. Wen wundert es, sie hat ihn ja auch mit gebaut!

Alle anderen Kollegen im HIT-Team mussten „hands-on“ legen können. D.h. jeder musste programmieren, Fehler suchen und vor allem „co-working“ (Team-Arbeit) können.

Wir benutzen ganz früh Werkzeuge, lange bevor diese in den breiten Einsatz kamen. Aber nur sinnvolle wie „lint“ zur Kontrolle der Qualtitiät unseres Codes oder „sccs“ für die Source-Code-Verwaltung. Ich bin mir sicher, das wir immer wieder die ersten in München waren. Auch einen „tracker“ und automatischen „built“ hatten wir früher als fast alle anderen. Aber nie gab es eine Planungssoftware. Wie wir auch „bürocrazy“ nach Kräften mieden.

So waren alle im Projekt Programmierer. Die tatsächlich unter sich absprachen, wer was entwickelte. Es waren sehr verschiedene Typen dabei. Es gab auch den Wunderprogrammierer, nicht nur scherzhaft „Gott“ genannt. Die erste Regel war aber, dass es ein Team ist. Dass jeder für jeden da ist. Es galt immer, „einer für alle, alle für einen“. Nie wurde jemand im Stich gelassen. Und wenn man nicht mehr weiter wusste, hat man sich an seinen Kollegen gewendet. Es gab so kein explizites pair-programming, weil dies selbstverständlich war und quasi automatisch funktionierte. So gab es immer mehrere, die sich auch in den Sourcen der Kollegen aus kannten. Das war wie ein überlappendes System, das irgendwie ganz von selbst ohne viel Worte funktionierte.

Natürlich hatten wir ein komplizierte System in Entwicklung mit unheimlich vielen Modulen, Schnittstellen, Werkzeugen, APIs …. In der Summe entstand eine riesige Anzahl von lines of code. Es gab Module wie für die Virtualisierung von Keyboards, Teminals oder Drucker. Wir hatten den ersten National Language Support entwickelt, der dann in die UNIX-Implementierung von X-Open einging. Wir hatten komplizierte und gefürchtete Module und langweilige. Ab und zu mussten wir Fehler den von uns genutzten Compilern finden.

Das Team hat immer unter sich ausgemacht, wer welche Aufgabe anpackt. Unsere Werkbank – meistens aufgebaut auf OpenSource-Komponenten zur Source-Code-Verwaltung, für den Built und den teilweise automatisierten Test, für die Portierung auf die vielen Zielsysteme, die die Unix-Welt damals anbot, alles war Teil des Projekts. Das ging hin zur Produktion der im Quartals-Rhytmus erscheinenden Kundenzeitung, HITNews, von Fachliteratur, der Konzeption der Kurse. Alles wurde im Team gemacht, jeder brachte sein bestes ein.

Natürlich gab es auch gelegentlich mal Situationen, wo vielleicht der eine oder andere überfordert war. Weil er noch nicht die Erfahrung hatte oder er die Aufgabe einfach unterschätzt hatte. Aber dann hat ihm ein Kollege ihm geholfen. Immer gab es den richtigen. Und wenn es notwendig war, dann kam eben „Gott“.

Natürlich hatten wir verschiedene Rollen in den Teams. Jeder war ein Projekt Manager und für die zugesagten Termine verantwortlich. Der eine mehr, der andere weniger. Jeder war Quality Manager, der eine mehr, der andere weniger. Natürlich gab es so etwas, wie einen ersten Ansprechpartner für unsere Kunden und unsere Partner. Der wurde gemeinsam bestimmt („wer kann es am besten machen“), er ist aber als Programmierer im Team geblieben. Aber im Prinzip hat jeder Entwickler die Fragen der Kunden beantwortet. Da die einfach bei uns ins Büro rein kamen. Die zentrale Klingel erklang, Und wer zuerst ans Telefon ging, hatte den Kunden in der Leitung.

Natürlich gab es Kollegen, die sich mehr um die Integration, die Planung, die Konfiguration und Built-Thematik, das Manual … gekümmert haben. Aber alle waren immer voll fachlich im Team drin.

Aber alle haben immer weiter programmiert. Und immer für Qualität gesorgt. Zum Beispiel weil sie automatische Testumgebungen einfach als Teil des Projektes gebaut haben. Es war eine total geteilte Verantwortung.

Mit dem Erfolg haben wir Lehrer für unser Produkt HIT/CLOU gebraucht. Die ersten Jahre haben alle Entwickler unsere sämtlichen Schulungen gehalten. Sie haben genauso die Kurse für Endnutzer wie Fachanwender, Systemleute und Programmierer. Selbst die zentralen Leute wie Friedrich Lehn, der „Vater“ des CLOU, hat Kurse gehalten und Anfängern das Programmieren mit CLOU beigebracht.

Gelegentlich hat das den Entwicklern nicht gefallen. Das Entwickeln wäre doch viel wichtiger. Aber die Kurse liefen gut (weil die Kollegen eben wussten, von was sie redeten und das manche „didaktische“ Schwäche mehr als ausgeglichen hat). Das tolle war aber, dass unsere Kollegen so immer erlebt haben, was der Kunde eigentlich will und braucht! So wurde der Kunde im Gesamt zum „Product Owner“.

Die Kollegen sind aufgrund dieser interdisziplinären Aufgaben fachlich und menschlich in einem enormen Tempo gewachsen – menschlich wie fachlich aber auch vertrieblich. Es war oft unglaublich, wie junge Studenten schon innerhalb wenigen Monaten zu selbstbewussten Experten wurden.

Ohne es zu formulieren, hatten wir schon damals im Team verstanden, dass es darum geht, alle Menschen im Team und im Unternehmen größer und nicht kleiner zu machen. Und an allen Dingen zu beteiligen und partizipieren. Wir haben gewusst, dass wir uns sehr hohe Ziele, oft kühne Ziele setzen mussten, sonst hätten wir das Produkt nie gestemmt. Aber uns war auch klar, wie wichtig es gerade dann ist, eine starke Fehlertoleranz zu leben. Dass nie der Kollege im Team oder der Kunde der Feind oder Gegner sein darf, sondern nur die zu lösende Herausforderung oder die Widrigkeit der Umstände.

Wolf und ich waren das „Management“. Wir waren aber mehr wie Besucher in unserem Unternehmen. Nach 8 – 10 Stunden am Tag Beratungszeit beim Kunden haben wir uns bei unseren „Mitarbeitern“ zu Hause im Büro ausgeruht. Die waren alle unsere Freunde, da haben wir uns wohl gefühlt. Und die Kollegen haben uns gezeigt, was sie wieder alles tolles geschaffen hatten. Wir haben unsere Rückmeldungen gegeben und sind dann wieder in den nächsten Beratungstag verschwunden.

Und immer wenn wieder ein schönes Ergebnis erreicht wurde, haben wir alle gemeinsam gefeiert. Es war die schönste Zeit meines Lebens. Wir haben damals soviel gelernt. Auch wie oft das normale und konservative Denken Blödsinn ist. Zum Beispiel wollte ich unseren Kunden immer Termintreue bieten. Und musste Lernen, dass das Unsinn war.

Denn wenn Du wirklich Innovatives schaffen willst, lernst Du immer wieder, dass Termine keinen Sinn machen. Es funktioniert einfach nicht. Wenn der Termin einfach nicht gehalten werden kann, dann geht es nur darum, dass die Kommunikation klappt und man Lösungen findet, wie man den Bedürfnissen der Kunden gerecht wird. Denn wenn alle an einem Strick ziehen und gemeinsam erfolgreich sein wollen, gibt es immer eine Lösung – und siehe da, es geht immer.

Ich höre schon die Einrede:
Na ja das mag ja bei einem kleinen Projekt gehen? Aber bei einem großen?

Klar waren wir eher weniger als 50 Menschen. Aber genau die gleichen Projekt sind nicht nur bei einem Großkonzern gescheitert. Dort wurden dann oft fünf mal so viele oder noch mehr Menschen eingesetzt. Teure, erfahrene, hochqualifizierte. Und es hat nicht funktioniert.

Ich meine, es geht so auch in großen und sehr großen Projekten, wenn viele solche tollen Teams vernetzt und im good will vereint zusammenarbeiten.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 7. September 2015

Die zweite Aufklärung – Ein neues Buch von Rupert Lay!

Mein Mentor Rupert Lay hat im hohen Alter ein neues Buch geschrieben, erschienen als gebundene Ausgabe am 29. Juli 2015 bei Monsenstein und Vannerdat. Es heißt:

Die Zweite Aufklärung:
Eine Einführung in den Konstruktivismus

Ich habe es noch nicht gelesen, schreibe aber hier darüber, weil ich weiß, dass viele Freunde von Rupert den IF-Blog lesen. Und diese schöne Neuigkeit möchte ich Euch nicht vorenthalten.

Rupert Lay hat am 7. September für den Ronneburger Kreis und dessen Freunde in einem langen Vortrag sein Lebenswerk zusammengefasst. In diesem Vortrag hat er einen Teil der Gedanken berichtet, die jetzt in diesem Buch enthalten sind.

Hier ein paar Infos aus dem Klappentext bzw. der Buchbeschreibung in Amazon:

Die Erste Aufklärung (1650 bis 1800) prägte das Denken und Handeln Europas und Nordamerikas. Sie überwand die politischen, ökonomischen und religiösen Selbstverständlichkeiten. Sie schuf jedoch unbemerkt neue, die dem Anspruch der Aufklärung auf humane Gesellschaftsstrukturen keineswegs gerecht wurden. Philosophie sichert die Berechtigung ihres Anspruchs, indem sie damals wie heute Selbstverständlichkeiten kritisch befragt und so eine Zweite Aufklärung in Gang setzt.

Da aus unserem Wissen unser Wollen und aus unserem Wollen unser Handeln erfolgt, muss der Ursprung unseres Wissens erkundet und damit die Legitimation unseres Handelns geprüft werden. Dieses Buch bedenkt die Gründe, warum die Erste Aufklärung niemals zur entsprechenden Praxis fand. Es führt zur neuen Weite einer Zweiten Aufklärung, welche die Voraus-setzungen für eine bessere Verständigung zwischen Menschen schaffen mag. Das Anliegen der Toleranz will eine neue Basis finden und so endlich zu einer humanen Praxis der Aufklärung kommen.

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 5. August 2015

Leben erweitern – Gewohnheiten ändern – Radfahren.

AutobahnkleeblattAm 4./5. Januar 2016 werden wir in Unterhaching das erste Barcamp für
Aktive Mobilität
im Alltag starten. Der Hashtag wird #AktMobCmp heißen. Mir ist das Thema sehr wichtig, weil ich meine, dass der motorisierte Individual-Verkehr spätestens in der heutigen Zeit zum großen Irrweg geworden ist.

Nicht nur, dass diese Art von Mobiltät weltweit 1,3 Millionen Verkehrstote im Jahr und dazu ein Mehrfaches an Schwer- und Leichtverletzten als Tribut fordert.

Zudem dürfte dieser Lebensstil gepaart mit (sinnlosen?) Warentransporten und einem exzessiven Flugverkehr einen wesentlichen Beitrag zu den Emissionen darstellen, die den Temperaturanstieg und damit die Klimakatastrophe verursachen und so zumindest das menschliche Leben auf unserem Planeten massiv bedrohen.

Er verursacht also wesentliche Umweltschäden und generiert zusätzlich Lärm ohne Ende. Gerade der Lebenswert in den Städten wird durch die Autolawinen, die sich permanent durch die Straßen wälzen gewaltig geschädigt. Aber das Auto schädigt auch den Körper und die Psyche der Fahrer. Es macht abhängig, dick und bequem, schafft soziale Isolation und generiert schlechte Laune.

Deshalb hier ein paar persönliche und hoffentlich Thesen zum Thema „motorisierter Individualverkehr“.

„Ich habe nicht mehr die Zeit um Auto zu fahren.“

Diese Aussage überrascht viele Menschen. Aber es ist wahr. Ich kann es leicht belegen. Und als älterer Mensch ist die Zeit mein wichtigstes Gut.

„Die meisten Menschen brauchen ihr Auto gar nicht.“

Die Abhängigkeit vom Auto ist nur eine eingebildete. Kritisch hinterfragt gibt es sie nur in ganz wenigen Fällen und wäre auch dort durch eine Änderung der Lebensumstände vorteilhaft für den betroffenen zu beseitigen.

„Wie soll jemand, der  seine Mobilität nicht in den Griff kriegt sein Leben in den Griff kriegen?“

Ein ähnlicher Satz könnte sein: „Wie soll jemand sein Leben in den Griff kriegen, wenn er dies bei seinem Fernsehkonsum nicht schafft“. Zu groß ist die Gefahr, in unserer Gesellschaft ein Leben aus zweiter Hand zu führen. Und das reelle Leben zu verpassen. So geht es auch dem Autofahrer.

„Autos machen immobil und unfrei!“

Das ist die sensationelle Erfahrung eines jeden Menschen, der auf sein Auto verzichtet. Er fühlt sich unabhängiger und freier und ist viel mobiler als vorher. Weil Autos uns genauso wenig mobil machen wie uns der Konsum von Zigaretten frei macht.  So steigen Mobilität und Freiheit nach dem Autoverzicht deutlich und man gewinnt viel Zeit für die wichtigen Dinge des Lebens.

„Autofahren gefährdet den Charakter.“

Am Steuer wird das Gefühl von Omnipotenz suggeriert. Mit geringster Kraftanstrengung werden in kürzester Zeit und mit großer Leichtigkeit körperlich fast unüberwindbare Hindernisse und Entfernungen überwunden. Gleichzeitig wird man faul und bequem, die soziale Isolation und die permanente (bewusste oder unbewusste) Anstrengung ohne körperlichen Ausgleich macht dann oft auch noch aggressiv.

„Autofahren schadet der Gesundheit.“

Ein Burnout zum Beispiel hat in der Regel viele Ursachen, die zusammen dann eine Art von besonderer Depression bewirken. Dazu können eine starke Unzufriedenheit im privaten wie beruflichen Leben gehören, der falsch gelebte Alltag, die falschen Lebensrituale und manches mehr. Autofahren ist so ein falsches Lebensritual, dass die Unzufriedenheit fördert. Ich kann mir gut vorstellen, dass die schlechte Laune im Stau wie das eingesperrt sein im Blechgefängnis den Frust im Alltag noch verstärken kann.

„Das neue Auto ist die falsche Freude.“

Wie viele Menschen kenne ich, deren größtes Glück die Vorfreude auf das nächste Auto zu sein scheint. Man freut sich auf etwas ein neues Luxusgut und Statussymbol. Und kaum hat man es, kommt wie immer bei solchen Gütern die nächste Depression, weil es jetzt ja da ist.

Ich glaube, ich könnte noch viele solche Thesen finden, will es jetzt aber mal sein lassen.

RMD