Roland Dürre
Mittwoch, der 10. August 2016

Bayerische Verfassung, Gemeinwohl-Ökonomie …

… Augenhöhe, Intrinsify.me, Demokratisches Unternehmen, Holokratie – und Buddhismus im Management … all das mag ich –
aber bitte kein CSR!

Vajrasattva (Tibet)

Vajrasattva (Tibet)

Die meisten von uns wollen das selbe, nämlich eine Wirtschaft, die für die Menschen da ist. Und in der die Menschen eben nicht für die Wirtschaft da sind.

So liebe ich die Bayerische Verfassung, die in einem Artikel präzise darauf hinweist, welches großartige Recht es ist, in einem Gemeinwesen ein Gewerbe ausüben zu dürfen – und wie dieses Recht die Unternehmer bzw. Gewerbetreibenden verpflichtet und ihnen so vorschreibt, dass die angebotenen und bereit gestellten Güter und Dienstleistungen zuerst mal den Menschen Nutzen bringen müssen.

Und in einem zweiten Artikel in dieser wunderbaren Verfassung wird dann das ganze noch mal explizit für die Finanzwirtschaft unterstrichen! Die das aber nicht interessiert und mehrheitlich Dinge anstellt, die zumindest in Bayern verfassungswidrig wären,
;-( wenn denn die Bayerische Verfassung für diese Themen noch von Belang wäre.

Ich spreche von Artikel 151 Bindung wirtschaftlicher Tätigkeit an das Gemeinwohl; Grundsatz der Vertragsfreiheit und 157 Kapitalbildung; Geld- und Kreditwesen. Es sind aber bei weitem nicht die einzigen wirklich lesenswerten Artikel, in der Bayerischen Verfassung gibt es da noch einige mehr

Genauso schätze ich die Bewegung der Gemeinwohlökonomie um ihren Protagonisten Christian Felber. Die haben eine Gemeinwohl-Matrix erarbeitet, an derer man prüfen kann, welchen Beitrag das Unternehmen, in dem man arbeitet oder das man vielleicht sogar „führt“ zum sozialen und gesellschaftlichen Leben leistet. Auch darüber lohnt es, sich zu informieren.

Das Projekt Augenhöhe mit dem gleichnamigen Film habe ich bewundert, weil da belegt wurde, dass es durchaus erfolgreiche Unternehmen gibt, die auf Augenhöhe funktionieren.

Wie mir auch die kühnen Gedanken der Menschen von intrinsify.me sehr nahe stehen, genauso wie auch die klaren Überlegungen der von Andreas Zeuch inspirierten Unternehmens-Demokraten, die glaubhaft machen, dass „demokratische Unternehmen“ besser funktionieren. Und die den wunderbaren Slogan geprägt haben:

ALLE MACHT FÜR NIEMAND!

Sogar die Freunde der Holokratie (holocracy) imponieren mir, auch wenn ich da die Gefahr einer Ermüdungsdemokratie sehe, die leicht zu „holocrazy“ führen kann.

Vor kurzem aber habe ich einen jungen Unternehmer kennen gelernt. Er heißt Julian Sametinger und hat eine Bachelor-Arbeit (zum Lesen draufklicken, sehr lesenswert!) mit dem Thema „Buddhismus im Management“ geschrieben. Es ist eine wunderbare Arbeit, die sich spannender wie mancher Krimi liest. Und da steht auch eigentlich wieder alles drin. Diese Arbeit ist auch der Anlass gewesen, warum ich den Post hier schreibe.

Vor all diesen Gedanken habe ich großen Respekt, allein ihre Existenz erfüllt mich mit großer Dankbarkeit.

Aber bitte kommt mir nicht mit CSA (Corporate Social Responsity). Das ist geheuchelt, produziert von universitären Ethik-Dampfplauderern, abgestimmt in staatlich eingesetzten Ethik-Kommissionen. Ich finde ich da überwiegend schwülstiges Geschwafel, wie wir es von Politikern und Lobbyisten kennen. Jedoch mit stattlicher staatlicher Kohle graphisch schön aufbereitet auf aufgeblähten Hochglanz-Folien und Plakaten der einschlägigen Verbände.

Gerne nenne ich hier auf Anfrage schlimme und auch nicht so schlimme Professoren wie deren oft absurde Machwerke und andere eher lächerliche Aktivitäten. Da ich in diesem Blog dem Positiven jedoch mehr Raum als dem Negativen geben möchte, mache ich hier Schluss.

Ich bedanke mich fürs Lesen und wünsche eine gute Nacht!

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 24. Januar 2009

Für die Bayerische Verfassung!

Unter meinem Artikel Texte zur Weltfinanzkrise, in dem ich die Paragraphen 151 und 157 der Bayerischen Verfassung zitiere, steht ein zynischer (?) Kommentar. Dieser Kommentar hat mich erschreckt. Ich glaube wirklich, dass man den Sinn und Zweck von Wirtschaft wie auch die Legitimation von freier Marktwirtschaft kaum besser als in diesen beiden Paragraphen beschreiben kann. Und ich glaube auch, dass unsere Verfassung von weisen Menschen mit hoher sittlicher Verantwortung gewissenhaft erarbeitet wurde und es nicht einfach sein wird, sie zu verbessern.

So war für mich dieser Kommentar Anlass, die Bayerische Verfassung weiter zu studieren. Und da habe ich noch weitere Artikel gefunden, die mich sehr beeindruckt haben und die ich deshalb im folgenden zitiere:

Artikel 141 Denkmalschutz; Naturschutz; Freier Zugang zu Naturschönheiten

(1) Der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen ist, auch eingedenk der Verantwortung für die kommenden Generationen, der besonderen Fürsorge jedes einzelnen und der staatlichen Gemeinschaft anvertraut. Tiere werden als Lebewesen und Mitgeschöpfe geachtet und geschützt. Mit Naturgütern ist schonend und sparsam umzugehen. Es gehört auch zu den vorrangigen Aufgaben von Staat, Gemeinden und Körperschaften des öffentlichen Rechts, Boden, Wasser und Luft als natürliche Lebensgrundlagen zu schützen, eingetretene Schäden möglichst zu beheben oder auszugleichen und auf möglichst sparsamen Umgang mit Energie zu achten, die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes zu erhalten und dauerhaft zu verbessern, den Wald wegen seiner besonderen Bedeutung für den Naturhaushalt zu schützen und eingetretene Schäden möglichst zu beheben oder auszugleichen, die heimischen Tier- und Pflanzenarten und ihre notwendigen Lebensräume sowie kennzeichnende Orts- und Landschaftsbilder zu schonen und zu erhalten.
(2) Staat, Gemeinden und Körperschaften des öffentlichen Rechts haben die Aufgabe, die Denkmäler der Kunst, der Geschichte und der Natur sowie die Landschaft zu schützen und zu pflegen, herabgewürdigte Denkmäler der Kunst und der Geschichte möglichst ihrer früheren Bestimmung wieder zuzuführen, die Abwanderung deutschen Kunstbesitzes ins Ausland zu verhüten.
(3) Der Genuss der Naturschönheiten und die Erholung in der freien Natur, insbesondere das Betreten von Wald und Bergweide, das Befahren der Gewässer und die Aneignung wildwachsender Waldfrüchte in ortsüblichem Umfang ist jedermann gestattet. Dabei ist jedermann verpflichtet, mit Natur und Landschaft pfleglich umzugehen. Staat und Gemeinden sind berechtigt und verpflichtet, der Allgemeinheit die Zugänge zu Bergen, Seen und Flüssen und sonstigen landschaftlichen Schönheiten freizuhalten und allenfalls durch Einschränkungen des Eigentumsrechtes freizumachen sowie Wanderwege und Erholungsparks anzulegen.
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Roland Dürre
Dienstag, der 6. September 2016

Wie wird die Welt in 2036 aussehen? #ZukunftVision2036 – Blog Parade

2036_500Über meinen Freund Thomas Michl hat mich der Aufruf zu einer Blogparade zum Thema #FutureVision2036
von Yasemin Akdemir erreicht.

Mir geht es wie meinem Freund Eberhard Huber. In seinem Blog schreibt er über Menschen und Projektarbeit. Er hat mich auf die Idee gebracht, dass man nicht spekulieren sollte, wie die Welt in 20 Jahren aussehen könnte sondern besser schreiben sollte, wie sie dann aussehen sollte.

Denn spätestens seit den Thesen von Hans Ulrich aus St. Gallen zum „Wandel im Management“ wissen wir, „dass Zukunft nicht vorhersagbar ist“!

Und kühne Vorhersagen zu machen ist so gar nicht meins.

Aber gerne berichte ich hier, was ich mir für 2036 wünschen würde!

Als erstes ist mir wichtig, dass die Menschen global mehrheitlich in 20 Jahren weiser und friedlicher ist.

Weiser heißt, dass die Menschenfreundlichkeit im Denken und Handeln sich mehrt und die im Großen wie im Kleinen weit verbreitete Feindseligkeit zurück drängt. Dass Begriffe wie Respekt, Achtsamkeit und Dankbarkeit für unser Handeln relevant werden.

Frieden bedeutet für mich, dass immer mehr Menschen es schaffen, auch durch eigene Wertschätzung mit sich selber im Einklang zu leben. Nur wenn Menschen sich selber mögen und wertschätzen und so ihren inneren Frieden finden, dann kann der äußere Frieden wachsen und sich durchsetzen. Nur so werden die vielen beliebten Feindbilder verschwinden und nur so kann auch der Frieden mit Umwelt wie mit anderen Menschen und anderen sozialen Systemen gelingen.

Weiter wünsche ich mir mehr Neutralität und weniger Moralismen, wie auch zum Beispiel weniger sexuelle Prüderie. Allgemein sollte der Stellenwert von Religionen abnehmen. Wie kann man von Menschen geschaffene Konstrukte mit einem absoluten Wahrheitsanspruch versehen? Ich möchte auch nicht, dass auch noch in 2036 z.B. Kinder aus „religiösen Gründen“ verletzt und verstümmelt werden.

Der Satz von Friedrich II. von Preußen „Jeder soll nach seiner Façon selig werden“ sollte auch in 2036 gelten. Aber nicht die „Verletzung von religiösen Gefühlen“ darf Unrecht sein, sondern die gesellschaftliche Diskriminierung von „Ungläubigen“ durch „Gläubige“ und der Versuch, die Ungläubigen „religiös zu missionieren“ .

Freiheit darf in 2036 nicht mehr missverstanden werden, dass man alles machen darf, was möglich ist. Die Bedeutung des Begriffs muss abgelöst werden durch ein Verständnis von Freiheit im Sinne des „Wollen und Fähig-Sein, sein Leben eigenverantwortlich zu führen“.

Ich würde mich freuen, wenn die Menschen in den nächsten 20 Jahren es immer mehr schaffen würden, autonom von Marketing und externer Steuerung zu werden. Und zum Beispiel erkennen, dass ihr wertvollstes Gut die Zeit ist. Und wir unser Leben im Moment in Freude genießen können – ohne so viel nachdenken zu müssen. Ein wenig mehr Unterbewußtsein und dafür weniger „Kleinhirn“.

In 2036 wollen wir in „angstfreien Räumen“ leben. Ängste entstehen im Kopf und haben mit realen Bedrohungen und gesunder Furcht nichts zu tun. Und in 2036 sollte wir nicht mehr meinen, uns über Aussehen, Besitz, Eigentum, Erfolg, Reichtum … definieren zu müssen. Sondern einfach uns selbst zu sein.

Mein konkretes Anliegen für 2036 ist, dass möglichst viele Menschen ein Leben im Einklang mit der Umwelt führen können. So möchte ich auch als Fußgänger und Radfahrer die Luft in den Städten wieder atmen können. Dazu müsste das Verständnis die Oberhand gewinnen, dass „individuelle Mobilität“ keine Zukunftslösung darstellt, wenn sie auf Basis von schweren Fahrzeugen beruht, ganz gleich ob sie durch einen Verbrennungs- oder Elektromotor angetrieben werden. Auch würde ich mir wünschen, dass die Welt wieder ein weniger leiser wird.

Jenseits dieser banalen Dinge möchte ich in 2036 in einer Gesellschaft leben, die akzeptiert, dass ich ein Wesen aus Fleisch und Blut bin, das ein Recht hat, den eigenen Körper lustvoll zu erleben und es selbstverständlich wird, dass ich ausreichend Bewegung im Alltag bekomme. In einer Gesellschaft, die mich nicht auf ein Mittel zum Zweck reduziert.

Denn auch als Erwachsener möchte ich herum tollen und albern sein dürfen. 2016 will ich nicht mehr durch Marketing manipuliert und von Lobbyisten beherrscht werden. Sondern das sein dürfen, was ich letzten Endes bin: Ein (hoffentlich) sympathische Säugetier mit ein wenig Vernunft.

Das dominante Prinzip unseres wirtschaftlichen Handelns muss in 2016 „Nachhaltigkeit“ sein. Die Wirtschaftskreisläufe müssen so organisiert und gelebt werden, dass das Prinzip #nowaste erste Priorität wird. Das gilt auch für die Energie – all das kann nur erreicht werden durch den Einsatz „smarter Technologien“ aber auch wesentlich durch individuellen Verzicht. Im übrigen überwiegend auf Dinge, die sehr wohl verzichtenswert sind.

Wir Menschen sind nicht für die Wirtschaft da – sondern die Wirtschaft ist für uns Menschen da! So gibt es auch die Bayerische Verfassung vor. An Stelle von globalem „Raubtier-Kapitalismus“ brauchen wir in 2036  funktionierende regionale „Gemeinwohl-Ökonomien“! Auch wenn diese rechnerisch uneffizienter sein mögen – was ich übrigens nicht glaube, denn bei globaler Optimierung werden die externen Kosten nur zu schnell vergessen und unterschlagen.

Viele unserer Lebensgewohnheiten müssen sich wesentlich ändern. Und dies nicht zu unserem Schaden. Das wird für die Mobilität genauso gelten wie für die Produktion von Gütern. Eine Lösungsmöglichkeit könnte in mehr „shared oconomy“  bestehen, individuell gestützt von „weniger Eitelkeit und Egoismus“. Das Erfolgs-Prinzip der Zukunft wird heißen „Weniger ist Mehr!“ – „Wachstum als Lösung aller Probleme“ war gestern (und schon immer ein großer Blödsinn).

Auch in unserem konkreten Handeln wird die Achtsamkeit unser Handeln bestimmen müssen. Und wir müssen permanent hinterfragen, ob wir das alles brauchen, was wir uns so leisten? Und wir sollten dann die Dinge auch ein klein wenig mehr zu Ende denken!

So wünsche ich mir für 2036 eine Aufklärung 2.0, die wir ernst nehmen und gewissenhaft entwickeln und die unser Handeln bestimmt. Und wir uns nicht mehr mit Tand zu dröhnen, sondern uns wieder auf die wesentlichen und wertvollen Dinge konzentrieren.

Ich bin und bleibe optimistisch, dass wir das gemeinsam mit Mut und in Freude schaffen werden. Auch unterstützt von der neuen „digitalen Welt“ und schönen Blog-Paraden.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 20. Februar 2016

Grundgesetz, Artikel 14, Absatz 2

Angenommen am 23. Mai 1949 - vorher hatte man andere Sorgen.

Angenommen am 23. Mai 1949 – vorher hatte man andere Sorgen.

In meinem Artikel „Texte zur Weltfinanzkrise“ und weiteren Artikeln hier im Blog habe ich schon ein paar mal von der mutigen und fast lustvollen Bayerischen Verfassung geschwärmt.

Die Bayerische Verfassung wird aber vom Grundgesetz überlagert. Zwar ist Bayern der Bundesrepublik nie beigetreten – aber sicher hat der Freistaat die letzten Jahrzehnte durch konkludentes Handeln sein Einverständnis bekundet, ein Teil der BRD zu sein.
Ja, die bayerische Verfassung ist meine Lieblingsverfassung – ich mag sie. Das Grundgesetz habe ich jetzt auch noch mal gelesen und empfehle das jedem zu lesen.

Und finde es so richtig schwach. Hier nur drei willkürliche Beispiele, die mich gar nicht so begeistern und beginne mit dem Artikel 8.

Art 8

(1) Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.

(2) Für Versammlungen unter freiem Himmel kann dieses Recht durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes beschränkt werden.

Kommentar: Da ist etwas unverletzlich. Aber natürlich darf man es beschränken. Man muss nur ein Gesetz machen.

Art 10

(1) Das Briefgeheimnis sowie das Post- und Fernmeldegeheimnis sind unverletzlich.

(2) Beschränkungen dürfen nur auf Grund eines Gesetzes angeordnet werden. Dient die Beschränkung dem Schutze der freiheitlichen demokratischen Grundordnung oder des Bestandes oder der Sicherung des Bundes oder eines Landes, so kann das Gesetz bestimmen, daß sie dem Betroffenen nicht mitgeteilt wird und daß an die Stelle des Rechtsweges die Nachprüfung durch von der Volksvertretung bestellte Organe und Hilfsorgane tritt.

Kommentar: Da ist etwas unverletzlich. Aber natürlich darf man es beschränken. Man muss nur ein Gesetz machen.

Art. 14

(1) Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.

(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

(3) Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt. Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen. Wegen der Höhe der Entschädigung steht im Streitfalle der Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten offen.

Kommentar: Da wird etwas gewährleistet. Aber – man muss nur Gesetz machen, dann darf man alles einschränken. Oder auch enteignen.
Aber noch schlimmer ist (2). Kann man es noch unverbindlicher formulieren, dass ein Eigentümer nicht nur Rechte sondern auch Pflichten hat? Und lascher forden, dass etwas zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen soll.

So geht es im Text in einem fort. Ob Art 13 (Die Wohnung ist unverletzlich), Art 16 (Politisch Verfolgte genießen Asylrecht) oder Art 17a (Gesetze über Wehrdienst und Ersatzdienst), immer ist alles erlaubt und wird dann auch gleich wieder eingeschränkt.

Besonders weh hat mir dieser Artikel getan:

Art 20

(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.

(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.

(3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.

(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.

Kommentar: Sind das nicht nur schöne Worte, die ihren Wert verloren haben? Von wem geht denn heute die Macht aus? Von den Menschen (dem Volke) bestimmt nicht. Sondern von einer Oligarchie der Parteien und Institutionen, die eine unheilvolle Allianz mit den wirklich mächtigen Interessensverbänden und Lobbyisten des Kapitals und der Spekulanten bilden. Mit ihrem Bündnis stärken sie gegenseitig ihre Macht. Und weil es ohne die Menschen nicht geht, sondern diese eher zu stören drohen, werden sie für ihre Zwecke manipuliert und indoktriniert.
Witzig auch, dass wir in (4) das Recht zum Widerstand haben, sogar der bewaffnete quasi als ultima ration wird den Worten folgend nicht ausgeschlossen …

Nach meinem Wissen ist die Rechtslage eindeutig. Deutschland hätte sich schon vor Jahren eine neue Verfassung hätte geben müssen. Ums Recht scheinen sich aber die Mächtigen auch nicht zu scheren. So ist keine deutsche Verfassung in Sicht.

Und ich weiß nicht, ob ich darüber traurig sein oder mich freuen soll. Zwar ist unser Grundgesetz unteroptimal. Und natürlich bräuchten wir in der heutigen Zeit eine ganz starke, mutige und freudvolle Verfassung – mit einem großen gesellschaftlichen Konsens für Zukunft, Frieden, Menschlichkeit und Bildung.

Nur – mit Sicherheit würde auch die neue Verfassung nur von den Lobbyisten geschrieben werden. TTIP lässt grüßen. Demokraten hätten keine Chance.

So lasst uns lieber die Reste unseres Grundgesetz gegen weitere Angriffe verteidigen. Ganz gleich, wo diese herkommen. Eine turbo-kapitalistische und neoliberale Verfassung, geschrieben von Parteienfilz & Deutschland AG und verkauft über Populismus, wäre sicher ein großer Unglück.

RMD

P.S.
Das Abbild der Fahne ist gemeinfrei, zum Link nach Wikipedia.

Roland Dürre
Donnerstag, der 15. Oktober 2015

Neue Konzerne braucht die Welt.

Bei der Überschrift habe ich mich an das wunderbare Lied von Ina Deter angelehnt. Das passt sehr gut, sind doch die meisten Konzernchefs gerade in Deutschland (noch) Männer. Also zuerst mal hier ihren „Song“:

Diesen Artikel widme ich meinem Freund Hans Bonfigt. Sein letzter Beitrag als Gastautor hat unheimlich viel Leser für IF-Blog gebracht. Das ging so: Hans hat einen „historischen Feind“, Felix von Leitner. Mit dem hat er sich schon in den guten alten Usenet-Zeiten „gezofft“. Felix schreibt den viel gelesenen blog.fefe.de und hat von dort den Gastbeitrag vom Hans in IF-Blog verlinkt. Und dann ging es los, allein über 20.000 Leser haben so innerhalb weniger Tage diesen Artikel erreicht. Aber auch viele andere Artikel haben kräftig davon profitiert.

Zurück zum Hans. Er neigt manchmal zu einer brutalen Sprache. Die lenkt ab und zu von seinen guten Gedanken ab. Unternehmen die er nicht mag, beschimpft er. Manche empfinden das als Diffamierung. Das ist nicht gefällig. Ich meine auch, dass seine durchaus validen Thesen mehr Anerkennung finden würden, wenn er nicht so oft pauschal verdammen würde.

Ich respektiere das. Denn er hat in seiner harten Art und Weise wohl Recht. Das meiste von dem, was er schreibt, ist noch harmlos im Vergleich zur ungeschminkten Wirklichkeit.

Betrachten wir mal die Konzerne, die die Welt beherrschen. In Deutschland sind das in der Regel Unternehmen mit einem guten Renommee, einer wertvollen Marke, viel Prestige und Geschichte. Sie verfügen über eine gut ausgebildete „Work-Force“, viel Wissen, gute Vertriebskanäle und hohen Bekanntheitsgrad. Sie scheinen durch ihre Prozesse und Aufstellung für alle Ungemach gerüstet. Die Mitarbeiter verdienen meistens aufgrund guter Tarifverträge besser als zum Beispiel Menschen, die im „Sozialen Bereich“ oder in der „Freien Wildbahn“ beschäftigt sind. Aufgrund eines ausufernden Kündigungsschutz sind diese auch die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes betreffend deutlich besser gestellt als der Rest der Werktätigen in diesem Lande.

Schaut man aber hinter die glänzenden Fassaden, dann bröckelt vieles vom Lack ab. Nur zu oft versagen ihre klassischen Geschäftsmodelle und sind die klassischen Umsatzträger bedroht. Sie beschäftigen oft viel zu viel teuer bezahlte Mitarbeiter, die in den Szenarien der Zukunft nicht mehr benötigt werden. Altlasten bedrücken sie, der Markt ändert sich zu ihren Ungunsten und neue Konkurrenten bedrohen sie.

Es gibt große innere Schwächen, die nach außen versteckt werden. Vieles was da glänzt ist kein Gold. Das ist schon beängstigend. Wenn ich dann noch die „handlungsleitenden Werte“ der die Welt beherrschenden Wirtschaft analysiere, dann wird es mir schwindelig. Das gilt weltweit, für alle Konzerne wie für alle Branchen.

Denn wir haben in der Weltwirtschaft desolate Zustände, die wir seltsamer Weise tolerieren. Von dem Gedanken einer Gemeinwohl-Ökonomie – wie zum Beispiel in der Bayerischen Verfassung verpflichtend festgelegt – findet sich da keine Spur mehr. Keiner akzeptiert die Verpflichtung, die das von mir als wertvoll empfundene Recht zur Gewerbefreiheit den Gewerbetreibenden auferlegt.

Auch der gute Ruf eines Unternehmens ist zum Mittel zum Zweckes geworden. So lässt sich besser Profit machen. Der Einsatz Ethik wird in CSR – Coporate Social Responsibilty eingepackt und dient der Verschleierung der Realität. Denn alle Konzerne und Unternehmen der Wirtschaft folgen drei ungeschriebenen Gesetze:

Die drei Gebote des aktuellen Kapitalismus:

1. Gebot
Entwickle nicht Produkte für die Bedürfnisse der Menschen und des Marktes, sondern richte den Markt so aus, dass er die Produkte kauft, die Dir am meisten Profit bringen! Dazu manipuliere die Menschen permanent durch eine kollektive Gehirnwäsche, die auch „Marketing“ genannt wird.

2. Gebot
Lege die Regeln und Ordnungen für Deine Geschäfte so fest, dass sie zu erst mal ausschließlich Dir nutzen! Dazu setze die Superwaffe „Lobbyismus“ ein! Dein Ziel muss sein, die Politiker durch Deine Lobbyisten so zu steuern, dass alle Gesetze und Regeln nur Dir zum Vorteil gereichen!

3. Gebot
Absolutes Ziel all Deines unternehmerischen Handeln muss es sein, die Profite und den Shareholder Value zu maximieren! So entstandene Gewinne musst Du schnellst möglich privatisieren, die Verluste aber umgehend sozialisieren!

Diese Gebote des modernen Kapitalismus haben Priorität vor allem anderen, gleich ob es Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten oder andere Stakeholder betrifft. Weltweit und ohne Ausnahme. Denn ob in Asien, China, Indien, Japan, Korea, Südamerika, USA oder sonst wo auch immer, es geht immer nur und ausschließlich um den Profit.

Auch in Europa sieht es nicht besser aus, gleich ob in den ehemaligen EG- oder Comecon-Staaten. Dass es in der Schweiz anders ist, kann ich mir nicht vorstellen. Die skandinavischen Konzerne sind für mich auch keine Hoffnungsträger, wenn ich mir nur die Geschichten anhöre, die sich z.B. um IKEA ranken.

Summarisch kann gesagt werden, dass bei allen Konzernen und vielen weiteren Unternehmen der Wirtschaft immer das Erzielen und Maximieren von Gewinnen und die Festigung der Position im Markt die absolute Priorität haben. So hat die Konzern-Wirtschaft einen Punkt erreicht hat, an dem es nur noch um das eigene Überleben geht. Erhalt und immer fortwährende Stärkung des eigenen Systems sind zum ausschließlichen und vom System selbst festgelegten Zweck geworden.  Und der Zweck heiligt die Mittel. Solche Systeme bezeichnet man in der Theorieals „entpersonalisiert“. Und den Selbsterhalt zum ausschließlichen Zweck zu machen, entmenschlicht und ist die Vorstufe zum faschistischen System.

Der Hauptzweck eines Unternehmens ist: Die Menschen im Land mit Waren und Dienstleistungen zu versorgen, die das Wohl dieser mehren. Dem widerspricht die aktuelle Ausrichtung der Wirtschaft. Zielsetzung.  Die eigentlichen Bedürfnisse der Menschen werden nicht mehr bedient, sondern passend auf die Wirtschaft formatiert. Für eine „Gemeinwohl-Ökonomie“, wie sie ja auch die Bayerische Verfassung fordert, ist dann natürlich auch kein Raum mehr da. Dies empfinde ich als „kriminell“.

Jetzt gehe ich kurz durch die Branchen, ob ich eine nicht-kriminelle finde?

Die „Food“-Industrie (warum spricht man eigentlich nicht mehr von Nahrungsmitteln oder Ernährung?) kann es nicht sein. Mit Lügen werden dort schon die kleinen Kunden vorsätzlich auf ungesunde Ernährung gepolt. Ein (nicht nur Lebensmittel-) Skandal folgt dem nächsten, es wird beliebig geschwindelt und erpresst. Qualitätsabstriche und Ausbeutung werden aus Kostengründen billigend in Kauf genommenen wie auch die Umweltzerstörungen nicht nur in der dritten Welt. Besonders krasse Fälle wie die Situation beim Saatgut erwähne ich mal nur am Rande.

Über die Industrien, die die Menschheit mit „Rohstoffen versorgen“, brauche ich eigentlich auch nicht zu schreiben. Jeder weiß, welche Spuren diese Raubritter auf unseren Planeten hinterlassen haben. Genauso wie deren Unterabteilung, die Öl- und Petro-Industrie. Hier sollen Unternehmen wie Gasprom sogar über eine eigene paramilitärische Organisation verfügen, die ähnlich als Privat-Armee mit schweren Waffen ausgestattet ist. Warum? Klar, um notfalls ihre Interessen mit Gewalt durchzusetzen

Aber auch die EVU’s kommen nicht besser weg. Auch nicht die Chemie-Industrie oder die Pharmazie, von der man laufend liest, dass Medikamente mit besten Tests (herausragende Wirksamkeit, zu vernachlässigende Nebenwirkungen) zugelassen werden und so auf den Markt kommen. Und wenn viele Anwender – oft Kinder und Jugendliche – die Medikamente Jahre lang konsumiert haben, stellt sich eine Wirksamkeit von NULL dafür aber wesentliche Nebenwirkungen heraus. Aber es war ja nichts. Das „Business as Usual“ geht weiter.

Auch der Handel dürfte hat keine weiße Weste. Mit welch harten Bandagen kämpfen die Discounter sowohl gegeneinander wie auch gegen ihre Lieferanten! Und die Kunden bescheissen sie auch immer wieder. In einem langfristig ruinösen Verdrängungswettbewerb betonieren sie die Landschaft zu. Übrig bleiben werden am Schluss nur die Ruinen vieler nicht mehr benötigter Filialen und eine zerstörte Infrastruktur.

Von den Verkehrsunternehmen, Finanzdienstleistern, den Spekulations-, Wett- und Spiel-Unternehmen, den Medienunternehmen, den Waffenproduzenten, der Logistik-Branche oder gar von der Genussmittel-Industrie will ich gar nicht reden.

Auch meiner Branche – der IT-Industrie traue ich nicht. So könnte ich mir vorstellen, dass mancher Hersteller sich sehr über das hohe Aufkommen von Viren und Spams freut. Und über den Abhörwahn und manches mehr. Denn ich vermute, dass nur noch ein kleiner Teil der Hard- und Software-Systeme der eigentlichen Verarbeitung und Kommunikation von Daten dient.

Nein, die meisten Server- und Speichersysteme dürften für Spam- und Virenabwehr, fürs Überwachen und Abhören und ähnlichen verkauft werden. Die Spam-Flut bei den E-Mails könnte man mit einem geeigneten Protokoll leicht ausschalten (sogar die alten Fernschreiber hatten einen Kennungsgeber) – aber keiner will das, vermutlich weil es doch schade um das schöne Geschäft wäre.

Mir fällt noch auf:

Gewinne dürfen beliebig hoch sein. Je höher desto besser. Auch wenn es unmoralisch anmutet.

Von Reemtsma (Branche Genussmittel – Tabak) habe ich mal gelesen, dass dort in guten Jahren der EBIT auch mal die Hälfte des Umsatzes beträgt. Nehmen wir mal an, dass in dieser Branche der Umsatz nur ein Zwanzigfaches des eingesetzten Kapitals beträgt, dann ist das eine Kapitalrendite von 1.000 %. Und es gab mal Zeiten, da galten 4 % als eine ordentliche Umsatz-Rendite  (das war in 50igern bei VW und damals bekam man sogar auf seinem Sparbuch noch einen Zins im unteren einstelligen Prozentbereich). Bei einem 200-fachen Faktor Umsatz zu Kapital wäre das dann eine Rendite von 10.000 %. Das muss man erst mal schaffen …

Und was lese ich (vorwurfsvoll) auf der Website von Reemtsma?
Illegaler Zigaretten-Handel gehört zu den lukrativsten Straftaten …
Warum wohl?

Marketing darf mittlerweile kosten, was es wolle. Und die Manipulation soweit gehen wie nur irgendwie möglich.

Hauptsache ist, dass sie ihren Zweck erfüllt. Gerade vom „digitalen Marketing“ gibt es da unglaubliche Fortschritte zu vermelden. Die modernsten Erkenntnisse von Gehirnforschung und Psychologie werden genutzt. So wachsen die Aufwendungen für Marketing und Vertrieb laufend und betragen bei manchen Unternehmen schon oft die Hälfte des Umsatzes. Das heißt der Kunde bezahlt die Hälfte seines Geld beim Kauf dafür, dass er zum Kaufen gebracht wurde.
Ist das OK?

Das gilt sogar für Unternehmen zum Beispiel aus der Pharmazie-Branche. Man sollte ja meinen, dass Medikamente eigentlich gar keiner Werbung bedürfen, weil sie ja dringend benötigt werden. Aber weit gefehlt – auch hier beträgt der Anteil der Werbekosten am gesamten Umsatz gerne mal 40 % und mehr. Und bei Unternehmen, die im Internet „Dienstleistungen“ vermitteln, wie z.B. die Reservierung von Hotelzimmern – kann der Anteil der Werbung an den Gesamtkosten auch gerne mal die Hälfte übersteigen.

Sogar die Politik manipuliert uns durch Werbung.  Nicht nur im Bereich des Lobbyismus. Normalerweise stellt die Partei die Regierung, die am meisten Geld für den Wahlkampf zur Verfügung hat. Den sie kann die besseren Marketing-Firmen beauftragen und die intensiveren Kampagnen „fahren“. Die Höhe der erhaltenen Stimmen korreliert fast immer mit der Höhe des für den Wahlkampf eingesetzten Geldes. Nur woher kommt das Geld. Natürlich von den Institutionen, die a) Geld und b) wichtige Interessen haben. Und wer könnte das sein? Doch vor allem die Unternehmen, die gerne der Gesellschaft die Regeln für ihr Geschäft vorgeben wollen. Ich sehe hier eine große Gefahr für unsere Demokratie! So graut mir vor der Wahl des nächsten Präsidenten der USA, die sich selber „God’s own country“ nennen.

Insofern kann ich gar nicht umhin, dem Hans Bonfigt doch irgendwie Recht zu geben, wenn er mal wieder zu deftigen Worten greift.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 27. Oktober 2014

Toleranz & Religion

Zurzeit denke ich viel über Moral und Ethik nach. Auch weil ich entdeckt habe, dass in fast allen Entscheidungen fast aller Menschen die moralische Vorgaben dominieren. So auch gerade bei meinen falschen Entscheidungen.

Bis vor kurzem dachte ich, dass sich Entscheidungen auf Vernunft und Menschenverstand (Kopf, Ratio) und auf Intuition und Heuristik (Bauch) begründen. Das hatte ich mir auch für meine eigenen so gedacht.

Und jetzt stelle ich fest, dass ich doch öfters völlig (und folgenreich) daneben gelegen bin. Einfach weil ich meinte, „ich müsse so entscheiden, weil es sich so gehören würde.“ Oder mit anderen Worten weil ich unfähig (zu feig?) war, dem „Man macht das so“ oder dem „So geht das nicht“ zu widerstehen. Weil meine Entscheidungen (besonders die schlechten) so von Moral und Moralismen wesentlich beeinflusst wurden. Wie ich meine zu meinem und zum Nachteil Dritter.

In dem Hotpot der Philosophie finden sich neben Moral und Ethik auch oft schwer verdauliche Zutaten wie die „Religion“ oder die Tugend der „Toleranz“.

Denn:

„Religion ist uns heilig!“

und

„Man muss tolerant sein!“

Ich meine auch, dass Toleranz ein hoher Wert ist. Der Ethiker formuliert es so:

Sei immer tolerant!
Toleranz geht vor Moral!
Nur gegen Intoleranz sei intolerant!

Dabei könnte man dem Ethiker entgegnen, dass Intoleranz gegen Intoleranz ja auch schon wieder Intoleranz ist

Betrachten wir die Toleranz in der Praxis am Beispiel der Religion. So schützen Grundgesetz wie die Bayerische Verfassung die „Freiheit der Religionsausübung“ in ganz besonderem Maß, fast auffällig. Und das abgeleitete Gesetz verbietet streng die Verletzung „religiöser Gefühle“. Es fordert nicht Toleranz und Respekt ein, sondern in letzter Konsequenz die Unterwerfung vor den religiösen Gefühlen Dritter.

Diese Forderung geht mir zu weit. Wer will denn festlegen, was eine Religion und was keine Religion ist. Eine Masse verpflichtet sich absolut gegen durchaus hinterfragbare Annahmen und Regeln, die sie letzten Endes selbst erfunden hat. Dabei beruft sie sich auf eine besondere, höhere, externe und nicht erklärbare Instanz. Und gibt diesen „Glauben“ systemisch von Generation zu Generation weiter, was letzten Enden zur Entstehung von Systemen wie den Kirchen führt mit all ihren Vor- aber auch wesentlichen Nachteilen.

Aber wie will man denn entscheiden können, welche Art von zum System gewordenen Glauben überhaupt eine Religion ist? Und wer soll das tun? Lese ich die Kapitel zur Religion in der Bayerischen Verfassung genau nach, so gewinne ich den Eindruck, dass die Väter der Verfassung vor allem an die christliche Religion gedacht haben. Und auch nur an diese in der „besseren“ Variante.

Ist diese absolute Toleranzforderung für „religiöse Gefühle“ also wirklich akzeptabel? Gerade wenn die in ihrer Religion gefangenen Menschen sich im Besitz der absoluten Wahrheit zu wähnen und Dinge fordern oder machen, die im schlimmsten aber häufigen Fall gegen die Menschlichkeit sind?

Vielleicht ist deswegen der schöne Begriff der Toleranz zu einem „buzzword“ verkommen ist wie leider auch Freiheit, Gemeinwohl und Nachhaltigkeit.

Vor kurzem habe ich in einem Kommentar auf einem Blog Toleranz gefordert und diese als herausragende „Primärtugend“ bezeichnet. Und musste aus den Reaktionen lernen, dass es schon Ethiker gibt, die allen Ernstes eine „Toleranzpolizei“ fordern.

RMD

P.S.
😉 Das ist jetzt vorläufig mein letzter Post zu Moral und ähnlichem. Weil gegen Moral und Moralismen zu sein ja auch schon wieder Moral und moralisieren ist.

Ab morgen schreibe ich wieder, was mir so aus dem Alltag einfällt.

Roland Dürre
Freitag, der 2. Mai 2014

Unternehmen gründen heute!

Wenn ich heute bei so Business-Wettbewerben dabei bin und / oder Business Pläne lese, dann gewinne ich den Eindruck, dass …

… es keine Bayerische Verfassung gibt, die dem Gewerbetreibenden vorschreibt, dass sein Gewerbe auch einen Nutzen für die Allgemeinheit haben muss.

… alle Gründer bei der Gründung nur Geld und Macht im Sinn haben (und falls sie männlich sind auch Frauen).

… die Mehrung des „Shareholder-Value“ immer noch das ausschließliche Unternehmensziel ist.

… dass auch nur auf die zarte Andeutung einer Sinnstiftung des Unternehmens sehr oft verzichtet wird.

Denn ich lese und höre überwiegend von Zahlen und Märkten. Umsatz und Ergebnis stehen im Vordergrund. Und das angebotene Produkt wie das aufzubauende Unternehmen sind die Mittel zum Zweck. Der Zweck ist „Geld verdienen“. In großer Ausschließlichkeit. Und wenn dies nicht anders geht, dann halt dadurch, dass das neue Unternehmen nach kurzer Zeit mit hoher Wertsteigerung weiter veräußert werden kann.

Dann denke ich mir:
Da läuft doch irgend etwas falsch.

Sehr häufig lese ich auch, dass man viel Geld (… mehrere Millionen …) bräuchte, um ein starkes Marketing und einen penetranten Vertrieb aufzubauen. Weil das das Hauptproblem wäre.

Und dann denke ich mir:
Warum erfindet Ihr denn nicht einfach Produkte, die die Menschen brauchen?

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 25. November 2012

Parteien, Piraten und Parteiprogramme – Hilfe!

Den Piraten wurde immer vorgeworfen, dass sie kein Programm haben. Und was machen sie jetzt? Sie machen sich eines.

Das ist nach meiner Meinung ein Fehler!

Wenn eine wirklich alternative Partei ein Programm macht, dann sollte das heißen
„Wir haben kein Programm!“

Eine solche Partei müßte in der Lage sein, Werte (die gemeinsamen Werte ihrer Mitglieder) sittlich verantwortet und im Konsens festzulegen. Und sich diese Werte „zu eigen machen“. Da gäbe es viel zu tun.

Warum brauchen wir Werte an Stelle von Programmen?

Menschen mit Programmen meinen manchmal zu leicht, dass sie Recht haben und im Besitz der Wahrheit sind. Das ist gefährlich, weil es die eine Wahrheit nicht gibt. Und wenn sich einer oder gar eine Gemeinschaft im Besitz der Wahrheit wähnt, sollten die Warnglocken immer sofort ganz laut geläutet werden.

Also – keine Programme!

Mir wäre lieber ein Bekenntnis zu Werten und ergänzend eine Aus- oder besser Zusage wie zum Beispiel:

Alle unsere Entscheidungen werden wir im Rahmen einer verantworteten ethischen Güterabwägung, nach bestem Wissen, mit klugem Menschenverstand, unterstützt von neutraler Fachkompetenz und basierend auf den von uns für uns verpflichtend erklärten Werten treffen!

Wär doch ein schönes Kommitment. Würde ich bei einer Partei sein, so würde ich ein „Fünf-Punkte-Manifest“ vorschlagen. Vielleicht so in etwa wie das Folgende:

  • Wir verzichten bewusst auf ein Programm.
  • Wir vertrauen den Werten der Aufklärung, dem Wissen, der Vernunft und der Ehrlichkeit (Transparenz).
  • Wir respektieren das Grundgesetz (noch lieber die Bayerische Verfassung) und die Charta der Vereinten Nationen.
  • Wir folgen dem gesunden Menschenverstand und der „Goldenen Regel„.
  • Wir entscheiden auf der Basis von sittlich verantworteten Güterabwägungen, unsere Werte sind für uns handlungsleitend.

Das wäre es dann!

Aber ich glaube nicht, dass es Sinn macht, noch eine Partei zu gründen. Werte-Wünsche für eine neue Partei hätte ich aber schon:

  • Die Freiheit zu fördern im Sinne von „Eigenverantwortet leben zu wollen und dazu in der Lage zu sein“.
  • Eine gewaltfreie Gesellschaft hinzukriegen, mit angstfreien Räumen, minimaler Strafe/Rache und ohne Kriege.
  • Endlich die „Gleichheit“ zwischen Frau und Mann zu schaffen,
  • Eine maximale Transparenz auf allen relevanten Ebenen und besonders im öffentlichen Raum herzustellen und
  • ein soziales Klima mit einem relativiertem Recht auf Eigentum und Gewerbefreiheit zu fördern.

Manches davon steht übrigens wunderschön formuliert in der Bayerischen Verfassung, die halt leider ein bisserl utopisch (geworden) ist. Und nicht mehr gilt, da sie vom Grundgesetz überlagert wird. Aber die dennoch ein wirklich schöner Text ist und bleibt.

Aber zurück zu den Parteien. Wenn jetzt die Piraten auch noch ein Programm anbieten, dann weiß ich wirklich nicht mehr, wen ich wählen soll und schließe mich der Mehrheit der Nichtwähler an.

Denn ich möchte nicht abstimmen müssen zwischen mechanistischen Funktions- und Massnahmenkatalogen und dogmatischen Glaubensbekenntnissen. Beides geschickt verpackt in Schummelprogrammen. Schummelprogramme deshalb, weil – wie auch jetzt bei den Piraten – die schwierigen Themen dann eh ausgeklammert werden (müssen), um überhaupt einen Kompromiss zu erzielen (können). Ein sozialer Konsens ist aber nicht erkennbar so wie auch jede Form eines gesellschaftlichen Entwurfs fehlt.

Es geht nicht darum, Forderungen zu stellen wie die nach einer „bedingungslosen Existenzsicherung“ oder „dass die Kernkraftwerke in 3 Jahren abgeschaltet werden müssen“. Oder nach einem Elterngeld oder Erziehungsgeld. Oder „Freie Fahrt für freie Bürger“ fordern, je nach Lager für den Autofahrer oder den S-Bahn-Fahrer.

Und belanglose Absichtserklärungen einzubauen, dass man Konflikte halt doch lieber friedfertig lösen möchte. Und immer wenn es schwierig wird, die Entscheidung der Masse zu überlassen wollen. Ohne vorher die notwendige Transparenz zu schaffen.

Nein, es geht darum, wie im Management eine vernünftige Politik zu fahren und dabei mehr richtige als falsche Entscheidungen zu fällen. Und da helfen Programme nichts. Das erscheint auch klar, denn das Tempo der Veränderung ist groß. Und wie will ich mich heute festlegen, was ich in zwei Jahren oder später machen werde, wenn die Faktenlage dann eine ganz andere sein wird? Vom spekulativen Umgang mit unvorhersagbarer Zukunft gerade auch in der Politik habe ich die Nase schon lange voll.

So möchte ich mich bei einer Wahl für Werte entscheiden. Und das Vertrauen in meine Abgeordneten und Politiker haben können, dass diese dann ihren Werten handlungsleitend folgen wollen, dies auch können und tun werden,

🙂 Jetzt bin ich auch nicht im Besitz der Wahrheit. Meine aber, dass diese Gedanken es wert sind, diskutieren zu werden. Andererseits:

Liebe Piraten!

Vielleicht ist das der Grund, warum Eure Umfrage-Ergebnisse so schlecht sind? Weil Ihr zu einer „normalen Partei“ werdet. Und davon haben wir schon genug davon. Glaube nicht, dass wir da noch eine mehr brauchen. Und so könnte es schnell heißen: Wie gewonnen so zerronnen.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 31. März 2012

brand eins im April

Diesmal kam es am 29. April zu mir, das neue brand eins.

Er räkelt sich auf dem Fell des Geparden – der Kapitalismus. Im schwarzen Band steht in roten Lettern geschrieben Wenn schon, denn schon. Und darunter: Schwerpunkt Kapitalismus. Nach der Relevanz im März!

Hat die rote Farbe etwas zu bedeuten? Wird brand eins zu einer linken Hetzschrift, so wie die Bayerische Verfassung?
(Siehe meine Texte zur Weltfinanzkrise).

Sicher stehen wir kurz vor dem Ende des Spätkapitalismus. Setzt brand eins deshalb auf den Schwerpunkt Kapitalismus? Also, das Heft schnell aufgemacht und reingeschaut.

Das Editorial von Frau Fischer beruhigt mich. Sie hat recht: In dieser Welt ist einiges durcheinander gekommen. Aber es gibt Schlimmeres als den Kapitalismus. Auch wenn dieser zum Teil am Schlimmen schuld ist. Genauso wie sein kleiner Bruder, der Kommunismus. Der ist ja schon gestorben. Oder zumindest verschwunden (denn sein Leichnam wurde noch nicht gefunden).

Auf jeden Fall ist der Kapitalismus zurzeit konkurrenzlos. Mangelnde Konkurrenz macht ja schwach, der Kapitalismus wird aber auch diese Phase überleben. Und sich wandeln und immer wieder auferstehen. Weil der Mensch halt so ein spätkapitales Gen hat.

brand eins im April versucht zu erklären, warum so viele Menschen (ich meine mittlerweile ist es die absolute Mehrheit) sich unbehaglich fühlen und Angst haben. Und sich große Sorgen machen wegen unseres extrem spät-kapitalistischen Wirtschaftens und den daraus radikal nicht nachhaltigen Folgen. Wie wir in grauenhafter Konsequenz aber auch wirklich alles, was uns als irgendwie ausbeutungswürdig scheint, dann auch ausbeuten. Dies ohne jede Rücksicht auf Verluste und mit totalem Ignorieren aller Erkenntnis.

Die wenigen Artikeln, die ich zu später Nachtstunde gestern lesen konnte, wollen das Unbehagen erklären. Bei mir subjektiv haben sie das Unbehagen über die Lage eher gemehrt denn gemindert. Ich finde es toll, dass eine Wirtschaftszeitung den Mut hat, das System, von dem brand eins ja genauso lebt wie wir alle, mal aus einem ganz anderen und kritischen Blickwinkel zu betrachten.

Deshalb kommt das nicht nur an Gewicht schwere Heft dann doch in meine Radtasche, wenn ich heute Abend zum Hbf München aufbreche. Dort wartet ein schönes spät-kapitalistisch feudales 1. Klasse-Compartiment mit eigener Dusche, um mich nach Rom zu bringen. So freue ich mich schon, brand eins gelegentlich am Abend in feudalen Hotels zwischen Neapel und Palermo zum Abschluss eines schönen Radtages bei einem guten Glas Wein zu genießen und mir in mafiöser Umgebung Gedanken über den Sinn und Unsinn des Spätkapitalismus zu machen!

😉 Und natürlich auch ein wenig, wie ich aus ihm Profit schlagen kann …

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 6. September 2011

brand eins im September

Wie ich aus dem Urlaub ins kalte Deutschland heim kam, war ich ein wenig traurig. Eine schöne Zeit ging mal wieder zu Ende, der Sommer ist vorbei, Herbst und Winter stehen vor der Tür.

Aber es gibt auch Dinge, über die ich mich bei der Heimkunft freue. Eins davon ist das neue brand eins. In Griechenland hatte ich schon im einzigen Geschäft mit internationalen Zeitung am Hafen von Gythio danach geschaut. Der Inhaber des eigentlich ganz gut ausgestatteten Geschäft kannte brand eins leider nicht.

Umso mehr habe ich mich gefreut, dann daheim das blaue Exemplar in der Post zu finden. BLAU?

Eigenartig – ich habe ein blaues Exemplar in der Hand. Im Internet bei brand eins steht doch ein rotes Titelblatt.

Bei meinem heißt es:

Wirtschaft ist …. Gut

Echt? Schwerpunkt Gut & Böse

Beim Roten steht da:

Wirtschaft ist …. Böse
Und das „ö“ ist ein kleines Teufelchen …

🙂 Da hätte ich viel lieber das Rote.

Und schon quält mich die Frage: Warum habe ich ein blaues (gutes) brand eins? Ist das ein Zufall? Oder ist das nur ein Internet-Trick und es gibt es gar kein rotes (böses) brand eins?

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