Roland Dürre
Sonntag, der 15. Oktober 2017

Große Redner und ihre Geschichten – #7 Jolly Kunjappu

Mit dem „Tagelöhner“ Alain Neumann bin ich gestartet. Dann habe ich von Hans-Jörg Bullinger und Hans Strack Zimmermann berichtet und bin schließlich bei Augustinus Heinrich Graf Henckel von Donnersmarck, Klaus-Jürgen Grün und Rupert Lay gelandet.

Heute ist es mir eine Ehre, meinen Freund Jolly Kunjappu in meine persönliche „Ruhmeshalle“ auf zu nehmen.

Das Motto von Jolly ist „INSPIRING PEOPLE. Er sieht sich selbst heute als Performance Artist, Keynote Speaker und Philosopher. Jolly Kunjappu hat in seinem Leben schon sehr viel verschiedene Rollen gelebt. Unter anderem war er als Musiker mit vielen bekannten Musikern wie Mick Jagger zusammengespielt und hat Seminare „Trommel“ für viele Spitzenmanager.

Ich habe mit ihm unter anderem eine Vortragskombination zum Thema Frieden gemacht. Lassen wir ihn hierzu selber zu Worte kommen.

In IF-Blog findet man eine Reihe von Artikeln zu seinem Wirken.

Ich verneige mich von Jolly und seinem Lebenswerk.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 26. März 2010

Große Redner und ihre Geschichten – #6 Rupert Lay

RupertLayRupert Lay hat mich über viele Jahre meines Lebens begleitet. In meiner Wahrnehmung war er der wichtigste aller meiner Lehrer. Im Frühling 1983, so um die gleiche Zeit wie jetzt, hatte ich mein erstes Seminar bei ihm. Es war für mich eine ganz neue Lebenserfahrung, die Begegnung mit ihm sollte mein Leben ziemlich verändern.

In meinen jungen Jahren war ich skeptisch gegenüber Seminaren zur Persönlichkeitsbildung, wie sie damals noch hießen. 1980 durfte ich als Mitarbeiter von Softlab ein gutes Seminar bei Herrn Uhlenbrock von TPM (Training Psychologisches Management) erleben. Das hat mir meine Skepis genommen

1983 hatte ich ein Seminar bei Rupert Lay, der ein Jesuitenpater war und damals als der Nestor für „Ethik im Management“ galt. Er wurde für uns von Peter Schnupp entdeckt, einem der Gründer von Softlab. Durch Zufall wurde für mich ein Seminarplatz bei Rupert Lay frei. Rupert war damals eine Berühmtheit. Seine Seminare waren sündhaft teuer und dennoch immer ausgebucht.

Das dreitägige Seminar fand in einem eher unfreundlichen Hotel nahe des Frankfurter Flughafens statt. Der Beginn war auf den frühen Nachmittag festgelegt. Da ich früh da war, setzte mich ein wenig vor das Hotel, genoss die warme Frühlingssonne, sah den Menschen beim Kommen und Gehen zu und war gespannt, was mich jetzt erwarten würde.

mehr »

Roland Dürre
Montag, der 27. April 2009

Große Redner und ihre Geschichten – #5 Klaus-Jürgen Grün

Klaus-Jürgen Grün habe ich im Ronneburger Kreis kennengelernt, der sich durch die Seminare von Rupert Lay gebildet.

Für mich ist Klaus-Jürgen der Philosoph, wenn es um die Themen Freiheit und Aufklärung geht. Dass er ein ganz besonderer Redner ist, wundert nicht. Immerhin ist er ein Schüler von Augustinus Heinrich Graf Henckel von Donnersmarck, bei dem er eine ganze Reihe von Jahren gelernt hat.

Dr. Grün erklärt Bedeutung und Wert von Aufklärung wie kein zweiter. Hört man ihm zu, kommt man dem Geheimnis des Menschen ein wenig näher. Man lernt zu verstehen, dass wir unsere Unzulänglichkeiten genauso akzeptieren muss, wie das Großartige, das in uns Menschen wohnt.

Den Unterschied von Angst und Furcht konnte mir keiner so gut nahe bringen wie Klaus-Jürgen. Bei seinen „wirklich furchtlosen“ Vorträge erlebt man „Himmel und Hölle, erkennt tiefe menschliche Abgründe und faszinierende Höhen. Dennoch strahlen seine Vorträge eine große Zuversicht aus.

mehr »

In dieser Reihe Beitrag berichte ich von Rednern, die mich in ihren Vorträgen sehr beeindruckt haben. Diesmal erzähle ich von meiner Begegnung mit Augustinus Heinrich Graf Henckel von Donnersmarck.

Augustinus Henckel von Donnersmarck ist mir unvergessen. Das erste Mal habe ich ihn auf einer Kundenveranstaltung von ICL (International Computer Limited) getroffen. ICL ist – im Gegensatz zu Augustinus Heinrich Graf Henckel von Donnersmarck – zumindest im deutschen Wikipedia sehr kümmerlich beschrieben. Die Veranstaltung fand in Wiesbaden im hessischen Hof als Danke Schön für Kunden und Partner statt.  Ich war eingeladen, weil wir (InterFace und ICL) eine sehr erfreuliche und erfolgreiche Kooperation hatten. ICL war damals in England recht erfolgreich, in Deutschland eher ein feiner Nischendarsteller. Das ganze muss schon über 10 Jahre her sein.
mehr »

Roland Dürre
Dienstag, der 27. Januar 2009

Große Redner und ihre Geschichten – #3 Hans-Strack Zimmermann

Hans Strack-Zimmermann bin ich auf meinem Lebensweg oft und in vielen Rollen begegnet. Ich kenne ihn als einen echten Pionier der Informations-Technologie. Bei CERN hat er den Grundstein für das WorldWideWeb gelegt, bei Siemens Unix durchgesetzt, das Archivsystem von IXOS groß gemacht und den Aufbau von Brainloop mit vielen Ideen und Taten unterstützt. In „Scrum-Terminologie“ gesprochen, war er immer der „product owner“, der die Themen visionär voran treibt.

Wie alle Menschen, vor denen ich mich in dieser Reihe verneige, ist Hans natürlich nicht „im Hauptberuf“ Redner. Er ist Unternehmer mit technologischem Wissen, immer bereit, Dinge zu wagen. Obwohl er ganz oben war, ist er immer bodenständig geblieben. Er hat sich nie „stromlinienförmig“ eingeordnet und immer mutig den eigenen Standpunkt vertreten. Für seine Projekte hat er mit Leidenschaft gekämpft. Als Redner verfügt Hans über ein besonderes Charisma. Seine Zuhörer – ob Kunden oder Mitarbeiter – hat er förmlich mitgerissen. Die Dinge hat er immer beim Namen genannt, um den Brei zu reden ist nicht sein Ding. Seine Ansprachen hält er auf Deutsch wie auf Englisch – als ob es keinen Unterschied gäbe.

mehr »

Roland Dürre
Sonntag, der 11. Januar 2009

Große Redner und ihre Geschichten – #2 Hans-Jörg Bullinger

In meiner „Hommage an große Redner“ verneige ich mich heute vor Dr. Hans-Jörg Bullinger. Hans-Jörg Bullinger kommt aus Baden-Würrtemberg und wurde in Stuttgart geboren. Ihn durfte ich schon mehrfach hören. Vor ein paar Jahren hatte InterFace einen wunderschönen Betriebsausflug zum Ammersee, mit Schifffahrt und Biergarten. Der Vortrag von Hans-Jörg Bullinger vor dem Abenddinner war der Höhepunkt der Veranstaltung.

Das letzte Mal habe ich ihn bei OCÉ in Poing gehört. Anlass war die Verabschiedung von Ernst Spaett (dem langjährigen Chef der Sparte Hochleistungsdrucksysteme der Siemens AG später OCÉ). Ernst Spaett ist heute mein Mentor und zum lieben Freund geworden.

Hans-Jörg Bullinger verkörpert „Mittelständisches Denkes“ gepaart mit „Gutem Menschenverstand“. Seine Aussagen und Ratschläge sind ganz einfach, logisch und immer Mut machend. Er kritisiert Mißstände konstruktiv und weiß auch oft eine einfache Lösung des Problems.

Seine Geschichte von „der Maschine, die nicht so gut“ aussah, ist mir besonders haften geblieben. Ich erzähle sie im folgenden, auch wenn ich das sicher nicht so gut kann wie Hans-Jörg Bullinger (wie mir auch hier die Wiedergabe seiner angenehmen süddeutschen Sprachfärbung mit einem Schuss schwäbisch schwerfällt).

Hans-Jörg Bullinger erzählt in dieser Geschichte vom Besuch eines mittelständischen Unternehmens, das nicht ganz einfache Zeiten durchmacht, obwohl es über technisch ausgezeichnete Produkte verfügt. Der Inhaber des Maschinenbauunternehmens führt ihm seine Maschine vor und berichtet stolz die Verbesserungen des neuen Modells: Der Energieverbrauch wäre reduziert, die Steuerung einfacher, die Wartungsintervalle länger, der Ausschuß geringer und vieles mehr an der Maschine weiter verbessert worden. Die Maschine selbst gleicht einem häßlichen Ungetüm. Dr. Bullinger stellt die Frage, ob man das Aussehen der Maschine nicht mit ein paar Blechen und einer freundlichen Lackierung aufhübschen könne? Der Mittelständler antwortet darauf voller Unverständnis, dass die Maschine dann auch nicht schneller laufen würde. Die Antwort von Professor Bullinger überrascht ihn dann noch mehr: „Aber vielleicht würde sie sich dann besser verkaufen!“

Mir gefällt die Geschichte, weil sie ein Beispiel für Betriebsblindheit ist. Gerade „redliche Ingenieure“ wollen vor allem einen guten Job machen, und das ist auch richtig so. Aber ab und zu vergessen sie dann, dass man die Braut auch schmücken muß. Und nicht nur beim Essen isst das Auge mit.

RMD

Zurück: Alain Neumann   Weiter: Hans Strack-Zimmermann

Roland Dürre
Montag, der 5. Januar 2009

Große Redner und ihre Geschichten – #1 Alain Neumann

Schon lange möchte ich mich vor großen Geistern verbeugen, die die Kunst des Vortrages besonders gut beherrschen. Deshalb starte ich jetzt in IF-Blog eine Reihe „Große Redner und ihre Geschichten“. In lockerer Reihe werde ich von Menschen berichten, die mir in ihren Vorträgen viel gegeben haben. Und werde Geschichten erzählen, die sie berichtet haben und die mir besonders haften geblieben sind. Ich starte die Reihe mit Alain Neumann, einfach deshalb, weil sein Vorname mit „A“ anfängt (wegen der alphabetischen Reihenfolge).

Alain Neumann ist ein Unternehmensberater aus der Schweiz. Das erste Mal habe ich ihn auf einer Veranstaltung von HP gehört. Ich habe ihn dann eingeladen, an einem Blue Friday bei InterFace zu sprechen. Obwohl es schon ein paar Jahre her ist, war das schon im Zeitalter von Powerpoint und Beamern. Alain benutzte aber (demonstrativ) noch einen Overheadprojektor. Er hatte viele Folien dabei, die er nach Auflegen wie Abfall in einen Papierkorb warf (Nach dem Vortrag wurden alle Folien wieder achtsam herausgeholt und sortiert :-)).

Alain Neumann ist ein Wirbelwind am Podium. Er hält unterhaltsame Vorträge. Er widerspricht gerne herrschenden Vorurteilen und spielt den „Reißnagel auf dem Stuhl des Selbstgerechten“. Seine Vorträge machen nachdenklich und erzeugen Zuversicht. Er glaubt an das „empowering of people“ und predigt Teamarbeit. Eine Geschichte von ihm ist mir haften geblieben. Es ist die „Geschichte von der Nussschokolade“.

Die Schweiz ist berühmt für ihre Schokolade. So produzierte ein mittelständisches Unternehmen in der Schweiz als besondere Spezialität eine Schokolade mit ganzen Nüssen. Das war nicht einfach, denn beim Knacken der Nüsse gingen viele entzwei und schlimmer noch, immer wieder fanden sich Splitter der Schale in vereinzelte Tafeln. Dies trübte nicht nur den Genuss, sondern war auch haftungsrechtlich nicht unkritisch, da die Schalen der Haselnuss ja ziemlich hart sind und durchaus das Gebiss beschädigen können.

Deshalb suchte ein kleines Team von Ingenieuren intensiv aber auch ergebnislos nach einer Methode des Nussknackens, die zum einen die Nüsse unbeschädigt lassen und mit absoluter Sicherheit vermeiden würde, dass Schalensplitter in die Schokoladenmasse geraten könnten. Es schien ein aussichtsloses Unterfangen, bis einmal ein Lehrling dieses Problem (in schönstem Schwyzer-Deutsch, ich kann dies allerdings hier nicht so gut wiedergeben) kommentierte: „Man müsste wie ein Würmli ins Nüssli hinein kriechen und es von innen öffnen“. Die Ingenieure hörten dies und kamen dann auf den richtigen Gedanken. Sie entwickelten eine Methode, in die Nussschale ein kleines „Löchli“ zu bohren und mit Druckluft von innen zu sprengen. Das war der Durchbruch. Der Verwurf an gesplitterten Nüssen war gleich Null und seitdem ist die Schweizer Nussschokolade frei von Splittern!

Alain Neumanns bezeichnet sich selbst als Mensch & Tagelöhner.

Ich plane, diese Reihe fortzusetzen. Die nächsten „großen Redner“, von denen ich berichten werde, sind Hans-Jörg Bullinger, Hans Strack-Zimmermann, Augustinus Henckel von Donnersmarck, Klaus-Jürgen Grün, Rupert Lay und Simon Grand. Und bestimmt werden es noch mehr.

RMD

Weiter: Dr. Bullinger

Roland Dürre
Montag, der 16. Oktober 2017

Unternehmertagebuch #124 – INNOVATION – Nur so geht es!

Heute eine wunderschöne Metapher für Unternehmer zum Thema

„wie kreative Innovation gelingen kann“

Diese Geschichte habe ich vor vielen Jahren bei Alain Neumann gehört.  Hier ist sie, nacherzählt und ein wenig verändert von mir.

Als zufriedener Unternehmer, weil es geklappt hat.

Die Schweiz ist berühmt für ihre Schokolade. Als Kind war ich gierig nach ganz einfacher „Schokolade“. Möglichst „Vollmilch“. Aber schon in den Tagen meiner Kindheit war „nur Schokolade“ kein Hit mehr. Denn der Markt des Wirtschaftswunderlandes verlangte nach mehr.

Um zu expandieren mussten die Unternehmen der Schokoladenindustrie verschiedene Sorten von  Schokolade anbieten. So auch Schokolade mit Haselnüssen.

Die Geschichte, von der ich berichte, spielt in der Schweiz. Ein mittelständische Unternehmen, produzierte dort als besondere Spezialität  Schokolade mit Haselnüssen. Das war nicht einfach, denn das Knacken klappte nicht immer. So  zerbröselten die Nüsse oft in viele Teile und schlimmer noch, immer wieder fanden sich Splitter der Nuss-Schalen in der einen oder anderen Tafel wieder.

Dies trübte nicht nur den Genuss, sondern war auch für Unternehmen nicht unkritisch, da die Schale der Haselnuss ja ziemlich hart ist und beim herzhaften Biss in den Genuss dann durchaus der eine oder Zahn beschädigt werden kann. Und Schokolade mit ganzen Haselnüssen ging so schon gar nicht, denn die Nüsse gingen beim Öffnen nur zu oft zu Bruch und die Ausbeute an ganzen Nüssen ziemlich schlecht.

Deshalb hatte ein Team von Ingenieuren den Auftrag, das „Nuss knacken“ zu revolutionieren. Zum einen sollte die Nüsse unbeschädigt bleiben. Mit absoluter Sicherheit sollte auch vermieden werden, dass Schalensplitter in die Schokoladenmasse geraten könnten. Und natürlich sollte das mit unbedienten Maschinen „automatisch“ erfolgen.

Die Ingenieure arbeiteten intensiv, Tag und Nacht, aber auch ergebnislos. Es schien ein aussichtsloses Unterfangen und die Ingenieure wurden von Tag zu Tag frustrierter.

Im Unternehmen gab es einen Pförtner. Dieser war ein Mann eher aus der „bildungsfernen Schicht“, den aber alle mochten. Er hatte Mitleid mit den Ingenieuren, die das Werkgelände später in der Nacht verließen und von Tag zu Tag ein frustrierter wurden.

Die Ingenieure taten dem Pförtner leid. So versprach er ihnen, über dass Problem nachzudenken und ihnen dann die Lösung zu berichten. Natürlich erzeugte dies bei den Ingenieuren keine Hoffnung sondern nur mitleidiges Lächeln.

Eines Morgen nach einer Nachtschicht verkündete der Mann an der Pforte den Ingenieuren, dass er die Lösung gefunden hätte. In schönstem Schwyzer-Deutsch (das ich allerdings hier nicht wiedergeben kann) erklärte er:

„Ihr müsst wie ein Würmli ins Nüssli hineinkriechen und es von innen öffnen“.

Die Ingenieure hörten dies und lachten zuerst. Aber einer hatte plötzlich den richtigen Gedanken. Und die Ingenieure bohrten in die Nuss-Schale ein kleines „Löchli“, um die Nuss mit Druckluft von innen zu sprengen. Das war der Durchbruch.

Der Verwurf an gesplitterten Nüssen war von da an gleich Null. Seitdem gibt es Nussschokolade auch mit ganzen Haselnüssen und garantiert frei von Splittern!

Ich bin natürlich nicht ganz sicher, ob die Geschichte wirklich passiert ist. Es könnte sein, das die Haselnüsse noch heute auf genau diese Art und Weise geknackt werden. Zumindest hat es Alain Neumann das vor zehn Jahren so berichtet.

Alain hat damals einen Platz in meiner privaten „Hall of Fame„, der mir persönlich bekannten großen Redner gefunden. Weil er noch viele solche Geschichten erzählt hat und er so schon vor Jahrzehnten den Menschen auf eine einzigartige Art und Weise klar gemacht hat, was es heißt, Unternehmen zu gründen und gut zu „managen“. Indem man  die Menschen ganz einfach begeistert und machen lässt.

Immer wenn ich in meinem Umwelt kreative Innovation entdecke, gibt es eine ähnliche Geschichte dazu. Erfolgreiche Innovation „aus dem Reagenz-Glas“ habe ich dagegen noch nicht gefunden.

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet Ihr in der Drehscheibe!

Roland Dürre
Donnerstag, der 24. November 2016

„Digitaler Wandel“ – Gedanken zum Vortrag – #nostructure !

Leider habe ich keine Bilder von Vortrag in Nürnberg und Rosenheim.

Leider habe ich keine Bilder von Vortrag in Nürnberg und Rosenheim.

Gerne bin ich in Sachen „Vortrag“ unterwegs. Meine Vorträge halte ich vor allem für liebe Freunde und „gute Sachen“. Dabei versuche ich, keine Wahrheit zu verkünden, sondern gerade auch die Gedanken, von denen ich selber überzeugt bin, in Frage zu stellen.

😉 Weil ich in mir die „Wahrheit“ fühle, dass es eben keine Wahrheit gibt.

Das ist ein schwieriges Thema. Man denke an den Satz:

„Toleranz ist das höchste Gut. Intoleranz ist nur gegen Intoleranz erlaubt. Aber da muss sie sein!“

Denkt ein wenig nach, und Ihr merkt schnell, wo hier „der Hund begraben ist“.

Zurzeit spreche ich überwiegend zu Themen wie „Führung“, „Unternehmertum“ und „Digitalisierung“. Wenn ich einen Vortrag halte, dann lerne ich immer am meisten. So war es auch vorgestern in Kolbermoor als Gast bei der Tech-Division, einem Unternehmen, das ich sehr positiv erlebe. Die Tech-Division sitzt in Kolbermoor in der „Alten Spinnerei“, einem wunderschönen Loft-Bürogebäude.

Die Überschrift meines Vortrages zum Thema der digitalen Transformation war diesmal:
Was bei der Digitalisierung gerne vergessen wird!

Da ich für alle Zuhörer etwas dabei haben will, bringe ich immer so eine Art „kritisches Potpourri“ mit. Ich arbeite wesentlich mit Metaphern. Ich versuche, den Vortrag keiner Struktur zu unterwerfen. Deshalb spreche ich auch prinzipiell ohne Folien (bei großem Auditorium nutze ich emotionale Hintergrundbilder).

Wichtige Standards der Kommunikation (wie Dreisatz oder Fünfsatz, Syllogismen und Logik allgemein) nutze ich nur innerhalb der Bausteine meines „Potpourris“. Früher habe ich viel „Vertriebs-Vorträge“ gehalten. Da wollte ich manipulieren oder zumindest die Zuhörer von meiner Wahrheit überzeugen.

Das ging so:

Ich habe im Vortrag eine (plausible und von meinen Zuhörern gut nachvollziehbare Annahme) X aufgestellt und dann eine logische Kette gebildet: Aus X folgt A , aus A folgt B … und aus Y folgt Z. So habe ich aus X die Botschaft Z abgeleitet und wollte damit beweisen, dass aus einer allgemein gültigen Annahme X, die jeder einsieht, sich eine Folgerung Z ergibt. Z war meine Botschaft, ich wollte die Zuschauer dazu bringen, dass sie sich Z zu eigen machen. Das ist vorbei.

Allgemein arbeite ich in meinen Vorträgen gerne mit Analogien. So beschreibe ich ein Prinzip oder einen Sachverhalt, die eigentlich mit dem Thema nichts zu tun haben, die aber eine Botschaft enthalten, die man auf andere Prinzipien oder Sachverhalte anwenden könnte. Und abhängig von der Einschätzung des aktuellen Moments berichte ich auch noch die Analogie – oder lass die Zuhörer sie selber finden.

Ich bringe ein Beispiel:

Wenn ich über Digitalisierung rede, geht es auch um Infrastruktur. Infrastruktur ist ein spannendes Thema. Wir leben im Anthropozän, dem Zeitalter des Menschen. Der Mensch hat die Welt wesentlich bis total verändert, dies mit dem Schaffen ganz neuer Infrastrukturen und Technologien. Angefangen hat das schon bei den „Menschenartigen“, von denen wir abstammen.

Zuerst kam vor langer, langer Zeit der aufrechte Gang, die (daraus resultierende ?) Entwicklung von Werkzeugen, dem Entstehen von Denken und Sprache (vor 10.000 Jahren?) gefolgt von der „Verschriftung“ von Sprache (vor 5.000 Jahren?). Diese Innovationen haben wohl die „Informationsgesellschaft“ eingeleitet oder zumindest erst ermöglicht.

Gestartet wurde das Bilden von Infrastrukur im mobilen Bereich wohl mit der Entwicklung von Pfaden, die das „zu Fuß gehen“ erleichtert haben. Mit der Erfindung des Rades (3000 Jahre vor Christi ?) mussten erste Formen von „Straße“ entstehen. Eine wichtige Rolle in der Mobilität hat immer das Wasser (Meer, Flüsse, Seen …) gespielt. So entstand ein Binnen-Netz von Kanälen. Weiter ging es mit Postkutsche, Eisenbahn und mechanisierten und motorisiertem Individualverkehr. So wurde das Straßennetz in einem unvorstellbaren Maß ausgebaut.

Aber nicht nur Menschen und Güter müssen mobil sein. Auch die Geschichten der Menschen brauchten Mobilität. So wurde die Aufgabe des Kuriers erfunden. Die Brief-Post entstand, die Übertragung per Leitung oder Funk, Netze wie das Fernschreib-, Telegramm- oder später Telefonnetz. Heute ist es das Internet. Die Voraussetzung für all das war die Elektrizität. So entstanden Stromnetze für den Transport von Energie …

So berichte ich im Vortrag „Digitalisierung“ gerne von der in meiner Einschätzung größten Infrastruktur aller Zeiten – dem Straßennetz. Wahrscheinlich gelange ich mit dem Auto an fast jeden Punkt auf dieser Welt, wo Menschen wohnen. Überall – sogar auf kleinen Inseln – gibt es Parkplätze, Straßen, Tankstellen und Reparaturwerkstätten für Autos. Jeder Mensch bekommt wahrscheinlich Waren geliefert, die mal in einem Lkw oder Pkw befördert worden sind.

Es gibt kaum soviel Regeln und Gesetze wie in der individuellen Mobilität, die uns vorschreiben, was wir zu tun haben und wie so ein Fahrzeug aussehen muss. Es gibt ein Mindestalter und man braucht einen Führerschein, um sich motorisiert in dieser Infrastruktur zu bewegen.

Mir stellt sich (natürlich) die Frage, was das alles genutzt hat, wenn ich die Ergebnisse sehe: 1.400 Millionen Verkehrstote pro Jahr weltweit. Daneben gesundheitliche Schäden ohne Ende durch Lärm und Abgase. Aber auch indirekt durch Bewegungsverlust und Verfettung. Eine zu betonierte Landschaft. Und vieles mehr. Da liegt doch der Gedanke nahe, das da etwas falsch gelaufen ist. Und, dass man vielleicht aus der Geschichte etwas lernen könnte.

Im Vortrag nehme ich diese große Infrastruktur und den Weg dorthin als Metapher für technologische Entwicklung (Digitalisierung ist für mich ja nur Teil von Technologie). Als Redner muss ich jetzt entscheiden:

Soll ich das explizit machen? Ich rede ja über „Digitalisierung“. Deshalb kann ja jetzt jeder mal ganz von selbst auf die Idee kommen, zu überlegen, wie die Metapher des Straßennetzes für das „Digitale Netz“, sprich dem Internet verwendet werden könnte.

Ich kann auch verbal die Menschen anstoßen, darüber nach mal zu denken und ein paar Impulse geben.

Ich kann aber auch ausführlich Fakten berichten, die zum Nachdenken anregen: Dass das Verkehrsnetz fast jeden Menschen erreicht. Das Internet erreicht zurzeit aber von zirka 8 Milliarden nur etwa 2 Milliarden. Facebook soll angeblich 1 Milliarde Menschen erreichen. Angeblich, weil es Quellen gibt, dass es „nur“ 500 Millionen sind.

Ich könnte die Menschen fragen, was es eigentlich heißt, ein „digitaler“ Mensch und Teilnehmer im Internet zu sein. Reicht es, wenn ich E-mail nutze, chatte, in Facebook bin und gelegentlich in Wikipedia (ist ja auch nur ein Lexikon) etwas nachschaue? Oder muss ich um der Definition zu genügen ein aktiver Teilnehmer sein? Man denke an das schon lang vergessene aber gar nicht so alte Buzzword vom Web2.0 (Menschen werden von „Teilnehmern“ zu „Teilgebern“)!?

So versuche ich ganz bewusst möglichst „chaotische“ und „verwirrende“ Vorträge zu halten. Und freue mich über jede schöne Rückmeldung. Besonders gerne wenn sie dann ein wenig eingeschränkt wird mit Bemerkungen wie „… so klar strukturiert war es aber leider nicht …“ oder „… wenn auch der roten Faden hin und wieder verloren ging …“

🙂 Weil ich dann mein Ziel erreicht habe!

RMD

P.S.
Noch ein Tipp: Wer etwas über Digitalisierung lernen will – eben wie das so funktioniert – dem empfehle ich die Lektüre von Fefe’s Blog, die „BILD-Zeitung für Nerds“ (scherzhaft). Da kann man zu vielen Aspekten lernen.

Roland Dürre
Samstag, der 28. März 2015

Führungsweisheiten …

Gelegentlich bin ich auch als Speaker unterwegs - hier auf IF-Weihnachtsfeier 2014

Gelegentlich bin ich auch als Speaker unterwegs – hier auf der IF-Weihnachtsfeier 2014

Manche Jahre meines Lebens habe ich gerne bei den bekannten und erfolgreichen „Motivations-Rednern“ gelauscht. Ich war begeistert, wie einfach sie die Welt beschreiben und erklären können und vor allem, wie überzeugend sie den Zuhörenden den Weg zum Erfolg weisen.

Ich war hingerissen von ihrer Art zu reden und ihrer Ausstrahlung. Diese Spitzenredner, die ich meine, sind Menschen, die förmlich von einer besonderen Aura umgeben zu sein scheinen. Sie strahlen ein selbstverständliches Charisma aus, das viele Menschen und auch mich in ihren Bann zieht.

Im Laufe der Jahre habe ich dann eine Reihe solcher Leute persönlich kennengelernt. Da habe auch erlebt, wie leicht sie sich tun, ihre Vision zu formulieren und dass es für sie selbst aber auch nicht immer so ganz einfach ist, diese für sich umzusetzen. Ab und zu sah es dann hinter der tollen Kulisse gar nicht so strahlend aus wie auf dem Podium. Weil etwas zu „gut zu lehren“ meistens einfacher ist als es selbst zu machen.

Vor kurzem habe ich den Key-Note-Speaker Carsten Rath entdeckt. Oder besser gesagt, ein Freund hat mich auf ihn aufmerksam gemacht. Weil er ein Interview gehört hat, das Carsten Rath dem Bayerischen Rundfunk gegeben hat. Und er war so begeistert war, dass er es mir gesendet hat.

Ich kenne Carsten Rath nicht persönlich, der Podcast vom BR mit ihm ist aber durchaus hörenswert:

Mein Freund hat gemeint, dass dieses Interview mit Carsten Rath ihm klar machen würde, was einen guten Manager von einem schlechten unterscheidet. Und dass er nur in Firmen arbeiten wolle, in denen so gelebt und gearbeitet werden würde, wie Carsten Rath das fordert.

Carsten Rath stellt im Interview tatsächlich viele Thesen zum Thema Führung und Management auf, denen kein vernünftiger Manager und Mensch ernsthaft widersprechen kann. Und er begründet dies alles sehr kompetent wie auch geschmeidig. Und unterstreicht das durch viele kleine Geschichten – stories wie man heute sagt. Es ist wirklich rundum überzeugend.

Ich würde seine Aussagen in meinen Worten so zusammen fassen:

  • „Der Kunde muss immer im Mittelpunkt des Denken und Handelns stehen.“
  • „Ohne absolute Leidenschaft im Job geht nichts.“
  • „Es geht immer um alles, also muss man immer alles geben.“

Und dann zitiert er seine (die von ihm erfundenen) „4Ms“ als Abkürzung für den Satz:

  • „Man muss Menschen mögen!“

Auch den „4Ms“ kann ich nur zustimmen. Genauso wie ich seine Aussage, dass die „zentrale Tugend von Führenden die Aufrichtigkeit sein muss“. Das passt, nur nenne ich das „Transparenz, Offenheit und Authentizität. Carsten Rath sagt aber auch sinngemäß, dass

  • „in der Wiederholung die Vertiefung ist“ und „echte Spitzenleistung in der Regel viel pain bedeutet“.

Das erste würde ich einfacher ausdrücken: „Übung macht den Meister!“

Beim zweiten bin ich nicht so sicher. Ich verstehe die Aussage, weil Herr Rath aus dem Hotelfach kommt. Nur sind für mich „Altersheime“ zum Beispiel auch so eine Art von Hotel. Und da ist mir viel wichtiger, dass alle Menschen im Betrieb die Verantwortung für die älteren Menschen bewusst gemeinsam tragen und teilen. Die „pain“ würde ich immer auf das notwendige Maß reduzieren wollen.

Um meine Gedanken zu unterstreichen habe ich noch ein zweites Beispiel aus dem Kreise der berühmten „Management-Speaker“ gesucht. Auf der DOAG-Konferenz in Nürnberg in 2013 habe ich den großartigen Peter Kreuz gehört und dann am Redner-Tisch kennen gelernt (ich bin ja auch immer wieder als Speaker unterwegs 😉 ).

Sein Auftritt war perfekt. Wir haben uns menschlich sehr gut verstanden. „Man“ (Frau und Mann) konnte nur mit dem Kopf nicken. Alles war Klasse, alles stimmte. In allen Punkten hat er überzeugt. Als einzige und sehr zurückhaltende Kritik habe ich gehört, dass die Show vielleicht ein klein wenig zu perfekt gewesen wäre. Gemeinsam mit seiner Frau ist er offensichtlich das perfekte Paar und Unternehmen.

Die beiden genannte Speaker und ein paar mehr mir bekannte spielen sozusagen in einer „anderen Liga“. Nur, so sehr ich ihnen ihre hohen Honorare und den regelmäßigen schönen und großen Applaus gönne, so habe ich irgendwie gelernt, dass gute Führung noch einiges mehr ist. Und ich bin gar nicht in der Lage, dies auszudrücken.

Ich versuche es mal:

Es sind die vielen täglichen Kleinigkeiten, die einen Menschen zur „Führungskraft“ machen könnten. Der überwiegend konstruktive Geist, eine gerade Haltung, die gelebte Menschenfreundlichkeit und die Fähigkeit zu helfen, dass das  eigene und das Leben der anderen eine Chance hat, sich in vielen Dimensionen zu entfalten. Wenn man es schafft, die Menschen, denen man begegnet, nicht zu reduzieren sondern sie größer zu machen, dann ist man vielleicht eine gute „Führungskraft“. Ein Ergebnis guter Führung könnte sein, dass die Menschen, denen man begegnet, sich nach dem Treffen besser fühlen als vorher und dies auch merken und fühlen.

Und die schönen Thesen, die unsere Spitzenspeaker so begeistern vermitteln, könnten eigentlich nur die selbstverständlichen Basis-Voraussetzungen für ein gutes Unternehmensklima. Aber keine Frage – auch die sind so wahnsinnig wichtig.

Aber trotzdem, auch wenn ein „Führender“ das alles weiß und kann, wenn er seinen Job noch so gut meint und genauso gut macht, wird es ab und zu mal schief gehen. Einfach, weil der „Führende“ genauso nur ein Mensch ist wie alle anderen. Sei es durch eigene Fehler oder weil durch seltsame Entwicklungen plötzlich Dinge passieren , die man einfach nicht einfangen kann und wohl auch voraussehen konnte. Eben auch, weil wir alle nur Menschen sind.

Und davor schützen auch die teuersten und besten Management-Seminare und -Vorträge nur sehr beschränkt.

RMD