Alexander Große
Donnerstag, der 13. August 2009

Erfahrungen eines Zeitsoldaten #3 – Zurück bei den Soldaten …

… hatte ich mir nach Ende meines Studiums und anschließender Versetzung zurück in meine Truppengattung gedacht. Jeder kennt wohl das Sprichwort: „Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt“. So auch bei mir. Von der Bundeswehr angedacht ist folgende Verwendungsreihe: Ausbildung zum Offizier – Studium in Hamburg oder München – Einsatz als Zugführer in ein oder zwei Verwendungen – Kompanieeinsatzoffizier – Kompaniechef.

Laut Plan hätte ich also für die restlichen 12 Monate meiner Dienstzeit einen Zug führen sollen. Doch mein erster Diensttag im Badischen belehrte mich sofort eines Besseren. So erwarteten mich nicht 50 „hochmotivierte“ Soldaten, sondern ein Dienstzimmerschlüssel, ein Schreibtisch und ein PC. Mit den Worten „Herzlich Willkommen, Sie werden mein Kompanieeinsatzoffizier!“, begrüßte mich mein Kompaniechef.

Also nach 3,5 Jahren Studium hinterm Schreibtisch zerfiel die Erwartung, endlich wieder mit Soldaten zu arbeiten innerhalb von nur 5 Minuten zu Staub. Anstelle von Durchschlageübungen, Ausbildungsplanungen für den Zug, Stubendurchgänge und das Führen von 50 Soldaten erwartete mich nun der unendliche, vom Kompaniechef nicht gewollte, Papierkram zur Abarbeitung – der Horror für ein „Truppenschwein“ wie mich, der nie etwas anderes wollte, als Menschen führen.

Also kämpfe ich seit Anfang Juni nicht mehr mit ungehorsamen Soldaten, Materialanforderungen für Ausbildungen und der Munition beim Schießen. Vielmehr gehören nun Kompanieausbildungsvorhaben, das Schreiben von Befehlen sowie die Koordination zur Regimentsführung zu meinen Aufgaben. PC und Telefon gehören nun ganz mir, dafür aber nicht ein einziger Soldat. Mein Dienstposten war durch die krankheitsbedingte Abwesenheit meiner Vorgängerin – burnout, wen wundert es? – komplett verwaist und es galt erst einmal Altlasten abzuarbeiten.

07.00 Uhr bis 17.00 Uhr – diese Regeldienstzeiten sollten jedem ehemaligen Wehrpflichtigen durchaus noch im Hinterkopf geblieben sein – zumindest nach der Grundausbildung. Komischerweise sind die Dienstzimmer des Kompaniechefs und mein eigenes stets die Letzten, in denen das Licht gelöscht wird. Umso verwunderlicher, weil sich ja nun zwei deutsche Offiziere die Arbeit des Kompaniechefs teilen. Denn genau dafür ist der Dienstposten des Kompanieeinsatzoffiziers vor einigen Jahren geschaffen worden. Dieser soll den Chef in seinen Aufgaben entlasten, um ihm Freiraum für die wichtigen Aufgaben zu schaffen.

Also was ist schief gelaufen? Doppelter Personalansatz und trotzdem verbringen beide Offiziere den Großteil der Zeit hinterm Schreibtisch anstatt bei den Soldaten. Eigentlich ist das ganz einfach zu erklären. Die Bundeswehr führt Krieg im Inland. Und damit habe ich wohl dem hochgeschätzten Verteidigungsminister Jung, der sich beharrlich weigert von Krieg in Afghanistan zu sprechen, schon eine Formulierung voraus. Papierkrieg ist hier das Stichwort: gegen Formblätter, Anforderungen, schriftliche Befehlsgebungen, Anforderungen, Aktenberge und –ordner und sonstige Nebenkriegsschauplätze, die einen von der eigentlichen Arbeit abhalten.

Und so komme ich nicht daran vorbei, mich täglich mit der alteingesessenen Wehrpflichtigen-Parole „Nur noch x-Tage bis zum Dienstzeitende“ zu motivieren.

9 Monate und der Rest von diesem

AG

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