Dr. Frank Schütz
Montag, der 7. Juli 2008

Wieso eigentlich – Konzepte?

Mit diesem Eintrag möchte ich eine Reihe starten, in der ich Dinge hinterfrage, die – wieso auch immer – als selbstverständlich gelten.

Heute ziele ich dabei auf „Konzepte“ ab.

Mir fällt immer wieder auf, welche Aufwände für „Konzepte“ getrieben werden. Dabei hat sich z.B. in der IT-Welt mittlerweile eingebürgert, für Konzepte im Aufwand 50%-100% der eigentlichen Implementierung einzukalkulieren. (Dies gilt übrigens nicht nur für die IT-Welt. Wir lesen und hören oft genug von Unsummen für Konzepte und Studien zum Beispiel bei Bauvorhaben.)

Vor einer weitergehenden Betrachtung, sollten wir den Begriff „Konzept“ im Sinne des heutigen Eintrags betrachten.

Ein Konzept ist in erster Linie ein Dokument. In diesem Dokument werden Festlegungen für die Umsetzung niedergeschrieben. Dieses Dokument erstellen in der Regel nicht die Personen, die später die Umsetzung durchführen. Dies soll vorerst für die folgende Betrachtung reichen.

Wenn also diese Dokumente die gleichen Kosten verursachen, wie eine komplette Implementierung, was ist dann der Nutzen?

Ketzerisch gefragt: Wieso sollte ich solche Dokumente erstellen?

Ohne diese Dokumente hätte ich das Geld für einen kompletten Fehlversuch in der Implementierung! Wenn man die anzunehmende Lernkurve berücksichtigt, sollte spätestens das zweite Ergebnis auch überzeugend sein. Und wenn man sieht, wie viel Zeit auch in Konzepte gesteckt wird, sollte sich ein „konzeptloses“ Vorgehen auch zeitlich rechnen.

Zuerst einmal lässt man Konzepte von Fachleuten erstellen. Es soll ja etwas „Gutes“ dabei rauskommen. Hierbei gilt wie so oft: Der Prophet im eigenen Land zählt nichts. Also werden externe Fachleute mit der Erstellung eines Konzeptes beauftragt oder zumindest in tragender Rolle dazugeholt.

Vielleicht bin ich naiv: Meiner Meinung nach kennen sich die Mitarbeiter in einem Betrieb am Besten mit ihrer täglichen Arbeit oder ihrem Kerngeschäft aus. Klar muss man immer auch über den eigenen Tellerrand hinausschauen. Deshalb ist mein Vorgehen bei einer Konzepterstellung, dass durchaus externe Experten Ideen und Vorgehensweisen vorstellen, das eigentliche Konzeptpapier aber ausschließlich von den eigenen Leuten verfasst wird. Die externen Experten lesen das Konzept dann abschließend Korrektur. Damit wird sichergestellt, dass eigene Mitarbeiter den Inhalt des das Konzept beschreibenden Dokumentes verstehen. Das Wissen bleibt im eigenen Betrieb.

Hier kommen wir auch zu einem der Hauptzwecke eines Konzepts: Es dient der Kommunikation zwischen den verschiedenen Rollen (Z.B. Architekt, Umsetzer, Tester). Wenn das Konzept aber extern erstellt wird, ist der Ersteller für Rückfragen bei Unklarheiten möglicherweise nicht mehr greifbar.

Der Aspekt, dass ein Konzept der Kommunikation dient, kann nicht überbetont werden. Alle Verluste, die bei der Kommunikation entstehen, schmälern den Wert eines Konzepts erheblich.

Haben Sie schon mal beim Auftrag zur Erstellung eines Konzepts die folgenden Fragen des Auftragnehmers gehört:

  • „Für was brauchen Sie dass Konzept?“
  • „Wie wollen Sie das Konzept weiter nutzen?“

Wenn ja, Gratulation!

Hatten Sie eine Antwort parat?

Wurden Ihre Antworten dann bei der Erstellung auch berücksichtigt?

Fast immer wird ein Konzept für „Alles“ genutzt. Erstellt wird das Dokument meist als „Lektüre“, oft dazu im Word-Format. Damit ist ein Konzept nicht von Maschinen interpretierbar. Vergleichen wir hierzu mal Konstruktionspläne im Maschinenbau. Diese werden auch nicht mehr als Blaupausen in Papier weitergegeben. Längst sind es CAD-Dateien, die von modernen Bearbeitungszentren direkt verarbeitet werden. Auch die Einrichtungen zur Qualitätssicherung (Messtationen) interpretieren diese Dateien oft direkt.

Wann erzeugt ein Konzept also Mehrwert und sichert damit die Investition?

Ich habe im Folgenden eine Checkliste begonnen. Es würde mich freuen, wenn Sie mich über Kommentare zu diesem Beitrag unterstützen und wir die Checkliste zusammen vervollständigen!

Checkliste für Umgang mit Konzept

  • Wurde ich gefragt, was ich mit dem Konzept später machen will
  • Liegt das Konzept in maschineninterpretierbarer Form vor
  • Folgt das Konzept einem Modell (Metamodell)
  • Sind mehr als zwei Nutzungsformen für das Konzept vorgesehen und mit den späteren Nutzern abgestimmt (z.B. Architektur, Design, Implementierung, Test, Kommunikation Fachseite)
  • Ist das Konzept iterativ erweiterbar (verfeinerbar)

Wenn Sie nicht bei allen Checkpunkten einen Haken setzen können, sollten Sie überlegen, ob Sie das Konzept wirtschaftliche gesehen überhaupt wollen/benötigen…

FSC

Dr. Frank Schütz
Sonntag, der 27. April 2008

Anstand (von Dr. Frank Schütz)

Ganz herzlich begrüßen wir in unserer Runde Dr. Frank Schütz!

Hier sein erster Post bei IF-Blog:

Soll der Staat den Kaufhäusern gebieten, werktags die Spielekonsolen erst ab späten Nachmittag einzuschalten?

– So klang es vor kurzem aus dem Radio.

Der Staat muss Komasaufen verbieten!

– Ist auch noch nicht lange her.

Dies hat in mir die Frage aufkommen lassen, wieso der Staat heute immer wieder um solche Regulierungen angerufen wird. Wie hat das denn früher funktioniert?

In meinen Überlegungen bin ich auf „Anstand“ gestossen. Dabei erschloss sich mir der Begriff Anstand als eine Art verteiltes, kollektives Gewissen (ungeachtet der „offiziellen“ Definitionen, die es natürlich dafür gibt).

Tante Emma hätte die Spielekonsole aus Anstand sowieso nicht eingeschalten beziehungsweise die rumlungernden Schüler weiter geschickt. Auch der Wirt am Eck hätte irgendwann den Zapfhahn zugedreht.

Da gab es diese globalen, gemeinschaftlichen Werte noch und sie wogen schwerer als heutige individuelle Ziele.

Kann es sein, dass es heute am Anstand fehlt?

Fragen wir weiter: Wie entsteht Anstand?

Meiner Meinung nach durch das Vorbild der Gesellschaft. Sie nutzt dabei als Druckmittel die „Ehre“. Wenn jemand keinen Anstand hat, erntet er auch keine Ehre, sondern eher Abscheu.

Vielleicht geht es Ihnen auch so?

Bei Ehre fallen mir die Jugendjahre ein, in denen man zum Beispiel noch „um die Ehre“ gewettet hat. Wenn ich ehrlich bin, war das zu meiner Zeit schon fast eine Floskel, wobei es doch noch einige recht Ernst damit meinten.

Kennen Sie heute noch einen Jugendlichen, der das Wort Ehre aktiv benutzt? Ich meine damit einen durchschnittlichen Jugendlichen unseren Kulturkreises (kein rechtes Spektrum oder andere „Extremisten“).

Wenn also die Ehre nichts mehr Wert ist, dann kann es um den Anstand auch nicht mehr gut bestellt sein. Es gibt keinen Grund mehr Anstand zu haben.

Wieso schreibe ich nun solche Gedanken in einem Blog wie diesem?

Ganz einfach:

Mir sind doch noch Leute eingefallen, denen Ehre etwas bedeutet!

Es sind auch junge Leute darunter. Leute aller Schichten und Hintergründe. Ich spreche von den OpenSource’lern. Sie setzen sich hin, leisten einiges und das ganze nur für die Ehre und Anerkennung dabei zu sein.

Wenn wir die Sache nun weiter untersuchen: In jeder OpenSource-Gemeinschaft (Community) finden wir auch einen Anstandsbegriff. Verhaltensregeln gelten, meist ohne eine übergeordnete regulierende Instanz. Und sie funktionieren! Nehmen wir zum Beispiel die Netiquette. Da wird Leuten, die mit dabei sein wollen unmissverständlich erklärt, dass hier ohne Begrüßung oder ohne Unterschrift gar nichts läuft.

Am eindrucksvollsten zeigt sich mir der Anstand aber in den Lizenzen. Viele OpenSource-Communities nutzen für ihre liebevoll umgesetzten Ideen Lizenzen, welche es anderen erlauben, sie sogar kommerziell weiter zu verwerten.

Das finde ich eine anständige Sache ;-).

FSC

(FSC hat nichts zu tun mit einem gleichnamigen IT-Konzern sondern ist das Kürzel von Dr. Frank Schütz!)